Wie Moskau Tausende Ausländer anzieht

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Wie Moskau Tausende Ausländer anzieht

B u s i n e s s I n v e s t m e n t G u i d e t o M o s c o w

bigMoscow

11. 2012 | Digital Magazine DEUTSCHE AUSGABE

Wachstumszone

Wie Moskau Tausende

Ausländer anzieht

Der Italiener

Trani

Warum er keinen

schmieren muss

Der Brite

Skinner

Warum er ein Haus

in Moskau kaufte

Der Holländer

Godska

Woher sein Riecher

für Perspektiven?


Inhalt

Freischwimmen

Der Italiener Vincenzo Trani meldete 2009 in Moskau sein Unternehmen

„Concern General Invest“ an, das fast 100 Mitarbeiter beschäftigt.

Das Volumen des Investitionskapitals unter dem Management

der Unternehmensgruppe wird im Jahre 2012 über 400 Mio.

Euro betragen.

James‘ Hostel

Der Engländer James Skinner ist der Besitzer des größten Hostels

in Moskau, des „Godzillas“. Er erwarb über 500 m2 Wohnfläche

im Zentrum Moskaus, heute Platz für 90 Touristen gleichzeitig. Die

Amortisationszeit des Projekts beträgt neun Jahre.

bigMoscow

November 2012

Handel mit Moskau

Nach Moskau der Arbeit wegen

Startup und Venture

Sicherheit

Wie man die Zeitschrift liest

Beratung

1 Hauptmenü

Steine des AnstoßesZum Aufrufen bitte auf den Bildschirm tippen.

Der Gang auf den russischen Markt ist für ausländische Unternehmen

mit verschiedenen organisatorischen Archiv Schwierigkeiten

2

Alle Ausgaben von BIGMOSCOW, die Sie bereits heruntergeladen

verbunden. Wie man diese umgeht, berichtet Iwan Medwedjew,

haben, befinden sich in Ihrer Bibliothek.

geschäftsführender Partner von „Impek Alliance“.

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B

BIGMOSCOW

U S I N E S S I N V E S T M E N T G U I D E T O M O S C O W

11. 2012 | DIGITAL MAGAZINE DEUTSCHE AUSGABE

Wir erörtern Situationen

Der Italiener

Trani

Warum er keinen

schmieren muss

Pelze und Olivenöl

Der Grieche Teofanis Vurvopulos macht kein Geheimnis daraus,

dass Moskau seine persönliche Business-Rettung in den Zeiten der

europäischen Wirtschaftskrise ist. Er fand hier seine „Pelznische“

und steigt langsam auf ein parallel laufendes Business-Projekt um.

Wie der Vater, so der Sohn

Der Amerikaner Gregory Oztemel gründete in Moskau das Unternehmen

„Sage“, das in Russland zum exklusiven Distributor

von weltbekannten Herstellermarken von medizinischen Geräten

wurde. Der Jahresumsatz seines Unternehmens ist seiner Meinung

nach gering: nur 24 Mio. US Dollar.

Man braucht jemanden, der Neues

einführt und vermitteln kann

Darüber, was Europäer und US-Amerikaner auf dem russischen

Arbeitsmarkt erwarten können, erzählt Michail Schukow, Geschäftsführer

von HeadHunter. Seiner Meinung nach müssen Ausländer

immer häufiger mit den Moskauern konkurrieren.

Urlaub ab dem ersten Klick

Travelata.ru schätzt den Absatzmarkt für seine Dienstleistungen in

Russland auf 885 Mio. US Dollar. Die Anzahl der potentiellen Kunden

von Travelata.ru beträgt nicht weniger als zwei Mio. Im Januar

2012 nahm die Recruiting-Agentur Pruffi das Team von Travelata

in die Top-30 der besten Startup-Teams im Runet auf.

Ein Gespür für aussichtsreiche Projekte

Der Holländer Bas Godska, Investor des Projekts Travelata.ru, international

tätiger Fachmann und Consultant im Bereich Marketing

und Unternehmensentwicklung, meint, dass in Moskau alles gefragt

sein wird, was mit Internet-Werbung und E-Commerce zu tun hat.

Hinter dem Schild der Spezialisten

Wie können private Security-Unternehmen eine komfortable

2 3 4

Entwicklung für ausländische Unternehmen in Russland gewährleisten?

Darüber berichtet Alexandr Reschetnikow, Leiter der

1 8 7 5

Unternehmensgruppe für Sicherheit „Vityaz“.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

4 Inhalt

Jurij Jegorow, Assistent der Geschäftsführung

Vollständige Liste

des

des

Zentrums

Materials

für

in dieser Ausgabe.

Finanzinvestigation der Russischen 5 Föderation Detaillierter (CFRRF), Inhaltberichtet

ausführlich über einige Problemsituationen Liste des Materials ausländischer mit Seiten-Preview, Unternehmer

in Russland und über Methoden, torenhinweisen. wie man sein Business vor

Kurzbeschreibungen und Au-

Betrügern Wie Moskau schützt. Tausende

Ausländer anzieht

6 Schnellnavigationsleiste

Der Brite

Der Holländer

Schnelles Blättern.

Wachstumszone

Liebe und Business

Skinner

Warum er ein Haus

in Moskau kaufte

godska

Woher sein riecher

für Perspektiven?

7 Social Sharing

Die Zeitmaschine von Shotaro

8 Bookmarks

Yamamoto

Die Idee eines ehemaligen japanischen Diplomaten und seiner Frau

Anna Burowa zog bereits 1,4 Mio. US Dollar Investitionen an. Sie

gründeren gemeinsam das professionelle Portal „MirVracha“ (dt.

„Ärztewelt“) und haben bereits fast 50.000 registrierte Nutzer. Aber

sie Blättern brauchen Sie das durch Vierfache. Reichen die Geldmittel Wechseln dafür Sie aus?

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6


ine aussichtsreiche Region

Bevölkerung

Stadtbudget

Arbeitslosenquote

Arbeitslohn

Finanzzentrum

Innovationszentrum

Kreditratings Moskaus

Meinungen der

ausländischen

Investoren

Das Volumen der

ausländischen

Investitionen

Die Hauptinvestoren

Die Investitionsadressen

Moskau, Zahlen

und Fakten

Erfahren Sie mehr über

Investitionen in Moskau

www.InvestinMoscow.ru

www.dvms.mos.ru


BIGMOSCOW // Eine aussichtsreiche Region // Sergej Tscherjomin

Die Stadt

der ..

steigenden

Moglichkeiten

Darüber, wie sich die Investitionsprioritäten in der

russischen Hauptstadt verändert haben, berichtet

Sergej Tscherjomin, Regierungsminister und Leiter

des Departements für außenwirtschaftliche und

internationale Beziehungen der Stadt Moskau.

Text: Maxim Podberjosowikow | Foto: Igor Romanow | Übersetzung: Dr. Helga Schulze-Neufeld


BIGMOSCOW // Eine aussichtsreiche Region // Sergej Tscherjomin

– Welche Aufgaben verfolgt Ihr

Department?

– Unsere wichtigste Aufgabe besteht

in der Werbung von Investitionen in

die Wirtschaft Moskaus. Zur Bewältigung

dieser Aufgabe gibt es eine ganze

Reihe von unterschiedlichen Arbeitsrichtungen:

die Vorbereitung und Auswahl

von Projekten für die Modernisierung

von Objekten der städtischen

Infrastruktur, die in Zusammenarbeit

zwischen staatlichen und privaten

Strukturen realisiert werden, die Auswahl

von potentiellen internationalen

Investoren und deren Interessensschutz,

die informatorische und rechtliche

Unterstützung von Investoren

sowie die Vorstellung des Investitionspotentials

der Hauptstadt im Rahmen

internationaler Messe– und Kongressveranstaltungen.

– Welche großen Investitionsprojekte

werden gerade entwickelt?

– Zum größten Projekt zählt heute

die Schaffung eines Themenparks

auf dem Territorium der Nagatinskaja

Flussniederung. Dabei arbeiten wir mit

einer Gruppe südkoreanischer Firmen

zusammen. Nicht weniger interessant

ist auch die Schaffung eines modernen

Krankenhauskomplexes auf der

Basis einer Konzessionsvereinbarung

mit einem Investor im Bezirk Juschnoe


BIGMOSCOW // Eine aussichtsreiche Region // Sergej Tscherjomin

Butowo. Eines der nächsten auffallenden

Projekte ist die Entwicklung der

Mnewnikowskaja Flussniederung. Es

fand bereits ein Kreativwettbewerb zur

Ermittlung der besten Konzeption für

die Reorganisation dieses Territoriums

statt. Geplant sind der Bau von Themenparks

für Kinder, von Hotels, von

Gastronomie– und Handelsplätzen,

von Sportobjekten, von Parkhäusern,

von Besuchertransportsystemen sowie

die bauliche Gestaltung einer großen

Parkanlage. Die Versteigerung der

Grundstücke ist für 2013 geplant.

– Und wie sieht es mit den kleinen

und mit den großen Investitionsprojekten

aus?

– In Moskau mangelt es ernsthaft an

Handelsflächen. Im Vergleich zu den

anderen europäischen Städten haben

wir praktisch einen Rückstand von 50%

. Uns fehlen Hotels, Restaurants und

Cafés – d.h. all das, was eine Gastgewerbeindustrie

ausmacht. Aber wir tun

bereits eine Menge zur Anziehung von

Investoren in diese Bereiche. Über das

Wettbewerbs– oder Tender-Komitee

(was kurz für das Department für Wett-

Direkte Rede

Anatolij Waletow,

stellvertretender Leiter

des Departements für

außenwirtschaftliche und

internationale Beziehungen

der Stadt Moskau

– Die wichtigste Aufgabe im Bereich der

Investitionsanwerbung und der weiteren Entwicklung

der Wirtschaft Moskaus ist die Herabsetzung von

administrativen Barrieren. Es ist umso wichtiger, da

Moskau als Beispiel für die Situation in ganz Russland

fungiert. Die Rentabilität der Investitionen in Moskau

ist viel höher als in Europa. Damit lässt sich auch

das konstant bleibende Interesse der Investoren

gegenüber der Investitionen in die Wirtschaft der

russischen Hauptstadt erklären. Heute wird viel für die

Abschaffung von administrativen Barrieren, die den

Investoren im Weg stehen, getan. Die Investitionen

sollten nicht nur gewinnbringend, sondern auch

komfortabel sein. Zum heutigen Zeitpunkt wird das

Gesetz „Über die Investitionstätigkeit in Moskau

vorbereitet. Seine Annahme wird voraussichtlich für

2013 erwartet.


BIGMOSCOW // Eine aussichtsreiche Region // Sergej Tscherjomin

bewerbspolitik der Stadt Moskau steht)

werden für diese Projekte auf Basis

öffentlicher Versteigerungen Grundstücke

und Gebäude veräußert. Gerade

vor einigen Tagen fand im Department

für Wettbewerbspolitik eine erweiterte

Präsentation von Grundstücken statt,

die am 29. November dieses Jahres bei

den Investitionsversteigerungen für

den Bau von Autoservice-Zentren sowie

Handels– und Einkaufszentren ausgestellt

werden. Dabei sind eher kleinere

Summen im Spiel. Zur Teilnahme an

diesen Versteigerungen laden wir auch

ausländische Investoren ein.

– Welche Perspektiven erwarten

die Investoren mit der Entwicklung

von „Großmoskau“?

Moskau ist auf das 2,5-fache gewachsen,

was uns neue Investitionsflächen

bietet. Auf den dazugekommenen

Territorien ist der Bau von auf bis zu

100.000.000 m2 der Grundstücke möglich.

Die Grundstücksressource für eine

Unterbringung von Kapitalobjekten auf

den Moskau angeschlossenen Territorien

beläuft sich auf etwa 26.000 ha. Dies

stellt ein riesiges Potential für die Realisierung

von verschiedenen Investitionsprojekten

dar.

Meinung

Ewgenij Dridse,

Leiter der Verwaltung für

Außenwirtschaftsaktivität

des Departements für

außenwirtschaftliche und

internationale Beziehungen

der Stadt Moskau

Moskau benötigt dringend eine Modernisierung

der Infrastruktur. In diesem Bereich können Investoren

mit den meisten Vergünstigungen rechnen. Wenn es

um den Bau oder um die Sanierung von Schulen,

Krankenhäusern, Wasserleitungen oder Heizungs–

und Energieversorgungssystemen geht, arbeiten wir

mit den Investoren Hand-in-Hand: Wir bieten ihnen

eine Beratung an, versorgen sie mit bestimmten

Informationen und helfen ihnen bei der Überwindung

von administrativen Barrieren.


BIGMOSCOW // Eine aussichtsreiche Region // Sergej Tscherjomin

– Und wie haben sich im Rahmen

der Ausweitung Moskaus die

städtebaulichen Prioritäten

verändert?

– Die Verschiebung von städtebaulichen

Prioritäten hat nicht nur mit dem

Anschluss der neuen Territorien zu

tun. In den letzten Jahren konnte man

in Russland einen starken Zuwachs an

Investitionen im Bereich der Immobilien

und Grundstücke beobachten.

Dies führte zu einigen schwerwiegenden

Problemen: Das Zentrum Moskaus

wurde mit Bürogebäuden und die Peripherie

mit Wohnanlagen vollgebaut.

Daher kommt auch das Verkehrsproblem

– ein intensiver Zustrom an Menschen,

mit welchem die Transportinfrastruktur

überfordert ist. Damals

wurden die Großinvestoren-Entwickler

bevorzugt, die die architektonische Erscheinung

und die Besonderheiten der

Stadt prägten.

Heute setzen wir uns andere Prioritäten.

Wir bevorzugen das System des

sanften Baus, das die Bewahrung des

historischen Zentrums der Stadt, die

polyzentrische Entwicklung der Stadt

und die Schaffung von Innovations–

und Finanzzentren gewährleisten soll.

Und natürlich auch die favorisierte

Entwicklung der Infrastruktur – des

Verkehrs, des Straßenbaus, des Ingenieurs–

und des Gesundheitswesens.

Meinung

Wachtang Parzwanija,

Berater in der Verwaltung

für Außenwirtschaftsaktivität

des Departements für

außenwirtschaftliche und

internationale Beziehungen

der Stadt Moskau

– Die Investitionssituation hängt ab vom Bereich, wo

die Kapitalanlagen getätigt werden. Zu den weniger

rentablen Bereichen, wo man von eher längerfristigen

Gewinnen ausgehen muss, zählen vor allem solche

Bereiche wie Transport, Ökologie, städtische

Beleuchtung, Wasserversorgung, Gesundheitswesen

und Bildung, d.h. solche Infrastrukturbereiche, die

etwas mit öffentlichen Gütern zu tun haben. Jeder

dieser Sektoren ist sehr kapitalintensiv, und daher blieb

die Investitionstätigkeit in diesen Bereichen jahrelang

auf einem sehr niedrigen Niveau. Eben die Projekte in

diesen Bereichen versuchen wir heute den Investoren

schmackhaft zu machen.


BIGMOSCOW // Eine aussichtsreiche Region // Sergej Tscherjomin

Daher ist unser Department bestrebt,

internationale Investoren in die Infrastrukturprojekte

zu holen.

In den nächsten fünf Jahren sind die

Investitionen von nicht weniger als 40

Mrd. Euro in die Modernisierung der

Transportinfrastruktur geplant. Es geht

dabei um die neuen Metronetze, die

Entwicklung des oberirdischen öffentlichen

Verkehrs und um die Anschaffung

neuer komfortabler Busse. Im „Neuen

Moskau“ werden über 2.000.000

neue Arbeitsplätze entstehen und die

Schaffung von innovativen medizinischen,

logistischen und administrativgeschäftlichen

Zentren befindet sich

bereits in Planung.

– Und wie können sich daran

die ausländischen Investoren

beteiligen?

– Für die Realisierung dieser Projekte

hat die Moskauer Regierung vor,

auch private Investitionen anzuziehen,

u.a. auch aus dem Ausland. Dieses

Prinzip steckt in allen städtischen Zielprogrammen;

die Prinzipien der staatlich-privaten

Zusammenarbeit bleiben

für uns prioritär. Moskau stellt heute

einen der attraktivsten Märkte hinsichtlich

der Vergabe von städtischen

Aufträgen dar. Ihr Volumen beläuft

sich heute auf über 20 Mrd. US Dollar;

wir laden alle ausländischen Investoren

zur Teilnahme an unseren Versteigerungen

der städtischen Auftragsvergabe

ein.

– Und ist die Stadt Moskau

interessant für die ausländischen

Investoren?

– Ohne Zweifel. In Moskau arbeiten

über 10.000 ausländische Firmen,

und wir haben im letzten halben Jahr

über 33 Mio. Euro an Investitionen bekommen.

Heute setzen wir uns mit der

Veränderung des Investitionscharakters

auseinander und versuchen in der

Regel Direktinvestitionen anzuwerben.

In Moskau wurden außerdem soziale

Programme zur Stimulierung der wirtschaftlichen

Aktivität und zur Schaffung

eines attraktiven Investitionsklimas

aufgesetzt. Ich glaube, dass diese

Maßnahmen einen positiven Effekt

haben, u.a. auch die Entwicklung Moskaus

zu einem internationalen Finanzzentrum.

– Wo konzentriert sich

das ausländische Kapital

hauptsächlich?

– In den Bereichen Groß– und Einzelhandel,

Transport und Kommunikation

sowie Geschäftsimmobilien. Dies

hat mit den hohen Rentabilitätswerten

in diesen Bereichen und mit den angemessenen

Amortisationsfristen der

Investitionsprojekte zu tun. Dagegen

bleibt die Investitionsaktivität in den

Infrastrukturbereichen, wo jedes Projekt

kapitalintensiv ist, auf einem sehr

niedrigen Niveau. Dies betrifft insbesondere

die Bereiche der Verarbei-


BIGMOSCOW // Eine aussichtsreiche Region // Sergej Tscherjomin

tungsindustrie und die sozialen Bereiche,

wo private Investitionen dringend

gebraucht werden. Wir versuchen, Privatkapital

für die Modernisierung der

sozialen Infrastrukturen, für die Erneuerung

der Industriezonen und für die

Formierung von High-Tech-Produktionen

heranzuziehen.

Die Moskauer Regierung garantiert

den ausländischen Investoren in erster

Linie die Sicherheit ihres Business. Geplant

sind außerdem die steuerlichen

Begünstigungen der Kapitalanlagen,

die Beschleunigung der Amortisation

und die Abschaffung der übermäßigen

Bürokratie bei den verschiedenen Betriebsprüfungen.

Also wir machen alles,

damit die ausländischen Investoren

sich wohl fühlen, Gewinne machen und

der Stadt und ihren Bewohnern Nutzen

stiften.…

Machen Sie mit bei

der Artikeldiskussion

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Personen

Die ersten

bekommen alles!

Der Eintritt Russlands in die

Welthandelsorganisation. Wie schnell ändern sich

die Regeln der Unternehmensführung in diesem

Land und in seiner Hauptstadt? In welche Branchen

ist es am gewinnbringendsten zu investieren?

Darüber berichtet David Gray, geschäftsführender

Partner bei dem Unternehmen PwC.

Text: Maxim Podberjosowikow | Foto: Jewgeni Dudin | Übersetzung: Dr. Helga Schulze-Neufeld


BIGMOSCOW // Personen // David Gray

– David, wie schwer ist es für

einen Westeuropäer, ein Klein–

oder mittelständisches Unternehmen

in Moskau zu gründen?

– Es ist immer noch schwer, aber doch

bedeutend einfacher als noch vor fünf

oder zehn Jahren. Die Tendenz ist positiv,

aber es gibt noch

immer hinreichend

Vereinfachungspotenzial

im Prozess der

Registrierung einer Firma.

Die grundlegenden

Schwierigkeiten liegen

in der Bürokratie. Und

diese kommt von der

Steuerbehörde und

von den anderen staatlichen

Einrichtungen.

Ein Unternehmer in Russland (unabhängig

davon, ob er Russe oder Ausländer

ist) ist immer noch gezwungen, zu viele

Formulare auszufüllen und einen Haufen

von Anträgen zu stellen. Und oft verlangen

diese Vorgänge nach der persönlichen

Anwesenheit des Antragstellers.

Über David Gray

– Ist das ein unüberwindbares

Hindernis für einen Ausländer?

– Eigentlich nicht. Ein europäischer

oder amerikanischer Unternehmer,

der über sein eigenes Unternehmen in

Moskau oder in einer anderen russischen

Stadt nachdenkt, sollte sich vor

allem in Geduld üben.

Ich denke aber, dass das,

was er auf dem russischen

Markt bekommt, ausreichende

Kompensation

für seinen anfänglichen

Aufwand im Rahmen der

Überwindung der Bürokratie-Barrieren

sein wird.

– Meinen Sie dabei

finanziellen Aufwand?

Ist der Markteintritt teuer?

– In Bezug auf die finanziellen Ausgaben

ist der Eintritt nicht teuer, nur

langsam. Die zeitlichen Investitionen

sind viel höher als die finanziellen.

Aber die Gewinne, die die ausländischen

Unternehmen für den jeweils

Den Wettbewerb um die Konzeption

der Entwicklung des Ballungsgebiets

Moskau gewann das französische Team

von Antoine Grumbach et Associes.


BIGMOSCOW // Personen // David Gray

von ihnen in den russischen Markt investierten

Dollar bekommen, fallen viel

höher aus als in anderen Ländern.

Wenn man von Business in Russland

spricht, konzentrieren sich viele

auf die schlechten Beispiele. Aber es

gibt viel mehr gute als schlechte Beispiele!

Der russische Markt weist nur

eine Besonderheit auf: Hier sollte man

mit den Menschen zusammenarbeiten,

die diesen Markt von innen heraus

gut kennen. Eine Zusammenarbeit im

Anfangsstadium mit Landsleuten, die

sich bereits eingelebt haben, und mit

verlässlichen Consulting– und Audit-

Unternehmen wird dem ausländischen

Unternehmer einen Riesenvorteil verschaffen

und ihn vor vielen Fehlern bewahren.

– Lassen Sie uns doch bei dem

Thema „Fehler“ bleiben. Die

Fragen nach der Sicherheit: Wie

kann sich ein ausländischer

Unternehmer vor finanziellen

und anderen Risiken in Russland

schützen?

– Es ist manchmal schwierig, aber

man sollte die Risiken nicht überbewerten.

In Europa und den USA existieren

falsche Vorstellungen von den

Business-Risiken in Russland.

Wie sehen die ausländischen Massenmedien

die Businesssituation in

Russland? Dazu kann ich ein Zitat aus

der neuesten Untersuchung zu diesem

Thema anführen: „Wenn Sie ihr Business

in Russland starten, verlieren Sie

Ihr ganzes Geld, weil Ihr Geschäftspartner

es Ihnen entwenden wird. Und

sie werden sterben, weil die russische

Mafia Sie direkt in Ihrem Hotelbett in

Moskau ermorden wird“.

Heute erscheint es in Moskau lächerlich,

so etwas zu lesen. Auch unsere

Kollegen aus der CEEMEA Business

Group meinen, dass die westlichen Medien

(und somit auch ihre Zuschauer

und Leser) zu 97,3% eine falsche Wahrnehmung

vom Business in Russland

haben! Was im Klartext bedeutet, dass

das alles vollkommener Quatsch ist!

Es gibt leider kein anderes Land auf

der Welt, über dessen Business sich die

Meinungen im Ausland so stark von

der Realität unterscheiden.

Es ist auch sehr spannend zu beobachten,

wie sich diese ganzen Stereotype

in Luft auflösen, wenn neue Vertreter

der Großkunden von PwC zum

ersten Mal nach Moskau kommen. Sie

sehen ja gleich etwas ganz Anderes im

Vergleich zu dem, was ihnen sonst von

den Medien aufgezwungen wird. Sie

sehen ein ganz anderes Land vor sich.

Und das ist nicht nur für Moskau typisch.

Als Beispiel kann ich auch ein

Treffen der APEC (=Asiatisch-pazifische

Wirtschaftsgemeinschaft) anbringen,

an welchem ich vor Kurzem

teilgenommen habe. Dabei kamen 700

hochrangige Personen aus der ganzen

Welt nach Wladiwostok, und man

konnte das Erstaunen in ihren Augen


BIGMOSCOW // Personen // David Gray

Das erklären wir unseren Kunden: Wer zuerst

auf den russischen Markt kommt, hat auch

die größten Erfolgschancen.

sehen: „Ach wissen Sie, ich habe etwas

ganz anderes erwartet! Es ist alles viel

besser, als ich gedacht habe!“

– Dann ist doch alles schön,

oder?

– Das würde ich jetzt so auch nicht sagen.

Aber in Bezug auf die Sicherheit von

Business und Investitionen sind die Regeln

ziemlich einfach. Sie unterscheiden

sich nicht stark von denen der meisten

anderen Länder der Welt. Denn auch in

London oder New York würden Sie Ihre

Investitionen nicht jedem Fremden anvertrauen,

oder? Und so ist es auch hier.

Man sollte mit den zertifizierten und verlässlichen

Unternehmen zusammenarbeiten,

die auf ihre Reputation viel Wert

legen.

Es gehört übrigens auch

zu den Dienstleistungen von

PwC, der ganzen Welt zu

berichten, wie die Realität in

Russland aussieht. Meiner

Meinung nach hat es einen

riesigen und sehr aussichtsreichen

Markt zu bieten.

Und dieser steht nicht nur

den großen internationalen

Unternehmen, sondern auch den

Klein– und mittelständischen Familienunternehmen

aus Europa und den USA

offen. Und davon gibt es eine Menge an

Beispielen: Kleinere Unternehmen aus

Deutschland, aus der Schweiz, aus Österreich

und aus Italien führen heute recht

erfolgreich ihr Business in Russland. Natürlich

basiert ihr Erfolg in vielerlei Hinsicht

auf einer guten Consulting-Begleitung.

– In welchen Bereich lohnt es

sich in Moskau am meisten zu

investieren?

– In den Finanzsektor, in Immobilien,

den Lebensmittelvertrieb und den

Tourismus. Und

wenn wir noch weitere

Regionen hinzu

nehmen, dass sind

Business in

Russland und

Europa

es: Landwirtschaft,

Pharmaindustrie und

die Produktion von

beliebigen Einzelteilen

(für die Automobilindustrie,

Haushaltstechnik

usw.)


BIGMOSCOW // Personen // David Gray

Ein Unternehmer, der über sein eigenes

Unternehmen in einer beliebigen

russischen Stadt nachdenkt, sollte sich

vor allem in Geduld üben.


BIGMOSCOW // Personen // David Gray

Abgesehen von den strategischen Bereichen

wie die Landesverteidigung, fungieren

die ausländischen und die russischen

Unternehmen gleich.

– Welche Investitionssumme ist

hier erforderlich?

– Alles hängt von der Branche an, die

Sie für Ihre Investitionen aussuchen.

Wenn es um natürliche Ressourcen geht,

dass kann es auch um Hunderte von Millionen

und sogar noch mehr gehen. Ein

nicht besonders großes Werk erfordert

einige Millionen US Dollar, ein Café oder

ein Restaurant ab 100.000 US Dollar.

Aber wenn Sie in Moskau einfach einen

Handel betreiben wollen, achten Sie auf

das spezielle Warenangebot in den anderen

russischen Städten. Man könnte da

einfach ein Großhandel-System auf die

Beine stellen und sich so große Investitionen

ersparen.

– Und was ist besser: verkaufen

oder die Warenherstellung vor Ort

organisieren?

– Man fängt gewöhnlich mit dem

Handel an. Wenn die Waren dann auf

dem Markt ihren festen Platz einnehmen,

transferieren die einzelnen Unternehmen

ihre Produktion unmittelbar

nach Russland. Oft ist dies dann einfach

günstiger.

– Was ändert sich mit dem

Eintritt Russlands in die

Welthandelsorganisation?

– Es kann hierbei nicht um kurzfristige

Veränderungen gehen. Die WHO ist

eher ein Symbol. Und der Eintritt Russlands

in diese Organisation bedeutet,

dass es die gleichen Konkurrenzbedingungen

wie auch der Rest der Welt bekommt.

Es symbolisiert eine offene Tür.

Und die Unternehmer sind gerade dabei

herauszufinden, was sich dahinter verbirgt.

Eine Senkung der Zölle auf die Lebens–

und Arzneimittel, Computer und

Haushaltstechnik und auf einige andere

Warenarten würde die ausländischen

Unternehmen natürlich motivieren, aktiv

auf den russischen Markt vorzudringen.

Und dies würde wiederum bewirken, dass

die Regierung die bürokratischen Barrieren

beseitigt, was zur Steigerung der Effizienz

des russischen Business beiträgt,

unabhängig davon, wer dieses Business


BIGMOSCOW // Personen // David Gray

betreibt – Russen oder Ausländer. Aber

solche Veränderungen brauchen natürlich

ihre Zeit.

– Werden die ausländischen

Unternehmen vonseiten der

russischen Regierung und

Behörden gesondert behandelt?

– Wenn wir die strategischen Bereiche,

die die Sicherheit und die Verteidigung

des Landes betreffen, ausschließen,

– Unterscheidet sich etwa die

Einstellung gegenüber den

Investoren in Moskau von den

anderen Regionen Russlands?

– Nicht grundlegend. Vieles hängt von

den konkreten Personen bei den Behörden

ab, aber im Endeffekt ist alles ziemlich

gleich. Wir alle konkurrieren um den

Zugang zum Kapital und zu den neuen

Ideen. Und wenn wir über die russische

Hauptstadt sprechen, können wir nicht

In Bezug auf die Sicherheit von Business

und Investitionen unterscheiden sich die

Regeln auf dem russischen Markt nicht

sonderlich von den anderen.

so fungieren die ausländischen und die

russischen Unternehmen absolut gleich.

Wie Deng Xiaoping einmal sagte: „Es ist

nicht wichtig, welche Farbe die Katze hat,

Hauptsache, sie fängt Mäuse“. Genauso

pragmatisch zeigen sich auch die heutigen

russischen Behörden, insbesondere

in den Regionen. Sie sind vor allem an

den neuen Arbeitsstellen und den Steuereinnahmen

für den lokalen Haushalt

interessiert. Somit freuen sie sich über die

russischen und die ausländischen Investoren

gleichermaßen.

sagen, dass sie mit Kazan, Nowosibirsk

oder Jekaterinburg konkurriert. Moskau

konkurriert mit London, New York, San-

Diego, Shanghai und Singapur…

– Hat sich die Situation in der

russischen Hauptstadt nach dem

Regierungswechsel verändert?

– Ja, natürlich. Aber es betrifft noch

nicht so sehr den Businessbereich,

sondern eher die Lebensqualität der

Stadt, Hotels, Parks und neue Verkehrslösungen…


BIGMOSCOW // Personen // David Gray

– Die Regierung Moskaus verkündete

einen Kurswechsel – die Stadt

sollte an Lebenskomfort gewinnen.

Werden die ausländischen Unternehmen

sich auch an diesem Projekt

beteiligen können?

– Erst vor Kurzem gewann ein französisches

Team von Antoine Grumbach

et Associes einen internationalen Wettbewerb

für die Konzeption der Entwicklung

vom Ballungsgebiet Moskau. Und

im gleichen Wettbewerb wurde das Team

von Urban Design Associates aus den

USA zum Sieger in der Nominierung für

die beste Lösung im Rahmen des neuen

Föderalen Regierungszentrums gekürt.

Dies bedeutet, dass sie bereits jetzt an der

Neugestaltung Moskaus teilnehmen.

– Soll das heißen, dass die

ausländischen Unternehmen

konkurrenzfähiger sind?

– In Europa und den USA ist der

Markt eher gesättigt, und die einzelnen

Unternehmen befinden sich daher in einem

harten Konkurrenzkampf. Natürlich

wirkt sich so ein Training auch auf ihre

Leistungsfähigkeit aus.

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auf facebook.com

– Und wie lange wird es noch dauern,

bis der russische Markt den

westeuropäischen eingeholt hat?

– Ich gehe von etwa 15 Jahren aus.

Dies hängt von den Veränderungen in

den sozialen Strukturen und von dem Anstieg

des Mittelstandanteils ab. Und genau

von diesem Zeitintervall hängt auch

der Unterschied im Wachstumstempo

zwischen dem russischen und dem westeuropäischen

Markt ab. Nach und nach

werden diese Entwicklungsunterschiede

immer geringer, und in anderthalb bis

zwei Jahrzehnten wird auf dem russischen

Markt der gleiche Konkurrenzkampf

wie in Europa herrschen. Und die

neuen Unternehmen werden es dann genauso

schwer haben, nach oben zu kommen.

Es ist so ähnlich wie in einem Wald:

Die Bäume, die zuerst gewachsen sind,

sind auch die stärksten, und das sich unter

ihren Wipfeln versteckende Unterholz

wird in seiner Entwicklung immer unter

dem Mangel an Platz und Sonne leiden.

Das erklären wir auch unseren Kunden:

Wer zuerst auf den russischen Markt

kommt, hat auch die größten Erfolgschancen.

Die ersten kriegen alles!

– PricewaterhouseCoopers ist

auch ein Business. Unterscheiden

sich die Ergebnisse der Tätigkeit

von PwC in Russland von den

globalen Ergebnissen?

– Natürlich. Und genau deswegen

spreche ich auch mit einer solchen Überzeugtheit

von den guten Perspektiven des

russischen Marktes. Laut den Ergebnissen

dieses Geschäftsjahres betrug unsere

globale Wachstumsrate 8%, und in Russland

15%, d.h. fast das Doppelte davon.

Wir wachsen hier schneller, zusammen

mit unseren Kunden.


BIGMOSCOW // Personen // David Gray

Ratschläge

von David Gray

Möchten Sie Ihr

Business in Moskau starten?

Hinter jedem Ratschlag stehen das Wissen und die Erfahrung eines Menschen, der bereits seit fast einem Vierteljahrhundert in Russland

arbeitet. Lesen Sie und erfahren Sie mehr.


Persönliche Erfahrungen

Weshalb sich

der italienische

Fachmann

Vincenzo Trani

keine Gedanken

um die

russische Korruption

macht

James Skinner

stammt aus

Großbritannien,

eröffnete eines

der ersten

Hostels

in Moskau

Für Teofanis

Vurvopulos

und sein

Business

bedeutete

Russland die

Rettung in der

griechischen

Finanzkrise.


BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // Vincenzo Trani

... über Vincenzo Trani

Freischwimmen

Weshalb sich der italienische Fachmann

Vincenzo Trani keine Gedanken

um die russische Korruption macht

Text: Viktor Demtschenko | Foto: Viktor Warsakow | Übersetzung: Dr. Helga Schulze-Neufeld


BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // Vincenzo Trani

Ein großer Mann in einem teuren Anzug mit einem

fröhlichen jugendlichen Gesicht lehnt sich mit gekreuzten

Armen an das Fensterbrett. Hinter dem Fenster –

das Panorama der russischen Hauptstadt mit schwarzen

Dächern und Schornsteinen. Für ihn ist diese Stadt

Arbeitstisch, Schlachtfeld und Haus gleichzeitig.

Der bescheidene Bankangestellte aus Italien Vincenzo

Trani siedelte Anfang 2000 nach Russland über. Heute

leitet der 38-jährige seine eigene Investmentgesellschaft

„Concern General Invest“ und sein Büro im 22. Stockwerk

in einem Prestigebauobjekt im Zentrum Moskaus besuchen

Investoren aus ganz Europa.

www.c-g-i.ru

Womit fängt man an?

– Zwischen 1999 und 2000 war ich

sechs Mal in Russland, – erzählt Vincenzo.

Ich habe mir viele Angebote von

verschiedenen Banken angeschaut und

mit ihnen ihre Vertragsbedingungen

diskutiert, bevor ich mich für die Stelle

des Filialleiters bei der KMB-Bank in

Samara entschied. Diese Filiale gehörte

der Europäischen Bank für Rekonstruktion

und Entwicklung an.

Das russische Bankwesen war für

Vincenzo am Anfang etwas befremdlich.

Jeden Dienstag wurde in den Büroräumen

der Bank die Sitzung des Komitees

für die in Verzug geratenen Kredite abgehalten.

Man diskutierte dabei über die

Unternehmen, die ihre Kreditschulden

bei der Bank nicht tilgten. Bei diesen

Sitzungen wurde sehr schnell gesprochen,

und der Italiener verstand kaum

etwas. Nach zwei oder drei Wochen

beschloss Vincenzo dann, sich auf die

Namen der Schuldnerunternehmen zu

konzentrieren, denn die Namensliste

hatte jeder Sitzungsteilnehmer vor sich

liegen. Bald fiel ihm auf, dass man nach

der Besprechung des fünften oder sechsten

Schuldenfalls gleich zum zehnten


BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // Vincenzo Trani

auf der Liste überging.

– Als ich fragte, wo nun der siebte,

achte und der neunte Fall bleiben, erklärte

man mir, dass diese bereits besprochen

wurden, – empört sich Vincenzo.

Wie konnte das denn sein? Ich war ja da

und habe davon nichts mitbekommen!

Ich ging der Sache auf den Grund und

stellte fest, dass da eine Verbindung zwischen

den ausgelassenen Schuldnern

und den Bankmitarbeitern bestand. Es

war ein echter Betrug. Daraufhin haben

Jedes Projekt, unabhängig davon, wie aussichtsreich

es ist, muss genau analysiert

werden, denn sonst tappt man leicht in eine

Betrugsfalle.

wir eine interne Untersuchung eingeleitet,

im Rahmen welcher viele Bankmitarbeiter

entlassen wurden. Ein Mitarbeiter

wurde sogar verhaftet. Alle Kreditschulden

wurden übrigens getilgt. Nach diesem

Vorfall wurde mir klar, dass man

in Russland gut aufpassen muss und es

nicht schaden würde, Russisch zu lernen.

Vincenzo glaubt, dass eine Managertätigkeit

in einem russischen Unternehmen

einen ganz guten Karrierestart für einen

Ausländer bedeuten kann. Dabei lernt

man die Landesspezifik und die Besonderheiten

der Unternehmensführung am

besten kennen.

– Es mag vielleicht komisch klingen,

aber die wichtigsten Lehren zog ich nicht

aus den Gesetzen und Regelungen, sondern

aus den zwischenmenschlichen

Beziehungen, – sagt Vincenzo. Als Filialleiter

in Samara sollte ich zum Beispiel

in die Russische Zentralbank zu einem

Termin kommen. Davor musste ich mich

aber einer dreiwöchigen Kontrolle vonseiten

des FSB, dem russischen Geheimdienst,

unterziehen. Jedoch kann die Arbeit

bei einer Bank nicht einfach mal für

drei Wochen lahmgelegt werden. Und es

stellte sich später heraus, dass man sich

mit den notwendigen Bankfachleuten

viel einfacher in einem Café als bei einem

Termin in ihrer Bank zusammensetzen

kann.

Trani fielen mit der Zeit die Besonderheiten

der Verhältnisse in einem Unternehmensteam

in Russland auf. Bei einer

europäischen Bank ist die Konkurrenz

zwischen den Bankmitarbeitern ziem-


BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // Vincenzo Trani

Es herrscht eine besondere Einstellung den ausländischen

Unternehmen gegenüber. Es gab

keine Andeutungen in Richtung Bestechung.


BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // Vincenzo Trani

lich schwach. Viele bleiben jahrelang auf

ihren Positionen, und ihre Beförderung

hängt von einem nicht direkten Vorgesetzten

ab, welchen sie eventuell noch

nie gesehen haben. In Russland dagegen

ist die Konkurrenz zwischen den Mitarbeitern

sehr stark. Der Karriereschub

des einen erfolgt oft zum Nachteil des

anderen. Und die Gehaltserhöhung eines

konkreten Mitarbeiters hängt von seinem

direkten Vorgesetzten ab, welchen er

jeden Tag sieht. Die Verhandlungen erfolgen

laufend. Und egal welche Position

man bekleidet, der Erfolg hängt vor allem

davon ab, welche Regelungen intern,

innerhalb des Unternehmens getroffen

werden.

Beratung

Iwan Kabulaew,

Geschäftsführer

von Investcafé

Wie viel Geld braucht

man?

– Ich wollte schon immer mein eigenes

Unternehmen gründen, – erzählt

Vincenzo. Alles, was ich davor gemacht

habe, war die Vorbereitung dafür. Sechs

Jahre nach meiner Ankunft in Russland

war ich in der MDM-Bank als Leiter der

Das

Abteilung

Interesse der

für

russischen

die Zusammenarbeit

Wirtschaft gegenüber

mit

spiegelt

klein–

sich

und

im Volumen

mittelständischen

der getätigten ausländischen

Unternehmen

Investitionen

tätig. Jede

wider.

Abteilung

So führte

in

zum

dieser

Beispiel

Bank

bis

fungiert

Mitte 2012

selbständig.

die Verarbeitungsindustrie

Ich trug die

das

volle

Feld

an.

Verantwortung

Sie hatte einen Investitionsanteil

für mein Handeln,

von über 30%,

die

was

Leitung

absolut 102,3

der Bank

Mrd.

kümmerte

US Dollar ausmachte.

sich nicht

Der

zweite

um meine

Platz mit

Arbeitsweise,

einem Anteil von

denn

18,6%

allein

und 62,4

die

Mrd.

Ergebnisse

US Dollar gehört

standen

der Gewinnung

im Vordergrund.

von Bodenschätzen.

So

fühlte

Die

ich

Immobilienaktivitäten,

mich bei der Bank

Vermietung

so, als ob

und

Dienstleistungen aller Art machten 10% bzw. 32

Mrd. US Dollar aus. Die Anteile des Groß- und Einzelhandels

betrugen 18% oder 60 Mrd. US Dollar.

Auf den Transport und auf die Kommunikation entfielen

9,1% bzw. 30 Mrd. US Dollar, auf den Finanzsektor,

auf die Bauindustrie und auf Elektroenergie

– jeweils 6,5%, 4% und 2,2%.

Die ausländischen Investitionen betrugen im Jahre

2011 190 Mrd. US Dollar; davon betrugen Direktinvestitionen

18,4 Mrd. US Dollar, Portfolioinvestitionen

0,8 Mrd. US Dollar, Handelskredite und andere

Kredite über 171 Mrd. US Dollar. Die Direktinvestitionen

betrugen im Jahre 2011 9,7% des Gesamtvolumens

der ausländischen Investitionen. Der Anteil

von dieser Investitionsart sinkt dabei zusehends. Die

Portfolioinvestitionen betrugen im Jahre 2011 lediglich

0,4% des Gesamtvolumens der ausländischen

Investitionen, was der niedrigste Stand über den

gesamten beobachteten Zeitraum ist. In der Struktur

der ausländischen Investitionen sind die Handelskredite

und andere Kreditarten vorherrschend, denn im

Jahre 2011 betrug ihr Anteil, der stetig weiter wächst,


BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // Vincenzo Trani

ich mein eigenes Unternehmen leiten

würde. Zuerst interessierte sich kaum

jemand in der Bank für meine Abteilung

– mit den Kleinunternehmen kann man

doch kein Geld verdienen! Aber nachdem

wir gute Gewinne gemacht hatten,

veränderte sich die Einstellung uns gegenüber.

Man hat mich bemerkt. Da

verstand ich, dass ich zum Freischwimmen

bereit bin.

In den Jahren seiner Arbeit in Russland

gelang es Vincenzo Trani, mehrere

erfolgreiche Geschäfte zwischen russischen

und europäischen Finanzinstituten

zu vermitteln. So wurde unter seiner

Leitung u.a. die Übernahme der KMB-

Bank von der Banca Intesa abgewickelt,

wofür er eine großzügige Provision bekam.

Somit war das Startkapital von

Vincenzo gesichert.

Wie viel Geld braucht man, um heute

ein Finanzunternehmen in Russland

gründen zu können? – wiederholt Vincenzo

Trani die Frage. Viel Geld! Denn

es kommt häufig vor, dass, nachdem wir

unseren Kunden bestimmte aussichtsreiche

Angebote unterbreitet haben, sie

uns fragen, ob wir uns auch an diesem

Projekt beteiligen würden. Es klingt ja

logisch, daher muss man dem Vorschlag

zustimmen. Man braucht auch daher

viel Geld, weil der russische Föderale

Dienst für Finanzmärkte bestimmte

Mindestkapitalanforderungen an die

Investmentgesellschaften stellt. Es genügt

daher nicht, wenn Sie nur zwei bis

drei Mio. Euro haben. Es existieren natürlich

auch andere Businessarten, wo

die Eingangsgrenze nicht so hoch liegt

und die Investitionen sich besser als in

der Finanzsphäre auszahlen können.

Aber jeder wählt natürlich das, was ihm

gefällt und macht das, was er am besten

kann.

Wo findet man das Personal

und wie leitet

man es?

– Von Anfang an suchten wir unsere

Mitarbeiter über Recruiting-Agenturen,

– erzählt Vincenzo Trani. Einige Schlüsselfiguren

kamen mit mir mit, aber die

Bei den europäischen Banken

ist die Konkurrenz zwischen den Mitarbeitern

ziemlich schwach, in Russland dagegen

sehr stark.


Meinung

Oksana Krjutschkowa,

führende Marketing-Analystin

bei

AnalyticResearchGroup

restlichen Positionen wurden von außerhalb

besetzt, denn sie bringen ihre

eigenen Erfahrungen mit. Vincenzo arbeitete

vor allem mit den Filialen westlicher

Recruiting-Agenturen wie „Morgan

Hunt“ und „Michael Page“, wobei

in den Filialen der westlichen Firmen in

der Regel russische Mitarbeiter beschäftigt

sind, die sich mit den russischen

Marktverhältnissen sehr gut auskennen.

Manchmal arbeitete Vincenzo auch mit

kleineren Agenturen zusammen, mit

denen er allerdings nicht immer gute

Erfahrungen gemacht hat.

– Oft vernachlässigen solche Firmen

die Businessethik, – erzählt Trani. Sie

finden für Sie einen Mitarbeiter, kassieren

ab, und nach einiger Zeit werben sie

Jahren in Russland, die Steigerung der Handelsaktivität

und des Einkommens der Bevölkerung begünstigten

das Wachstum des Interesses gegenüber den

Dienstleistungen von Investitionsgesellschaften und

-fonds sowohl vonseiten der natürlichen als auch der

juristischen Personen als Kunden.

Insgesamt wird in Russland am meisten in den Bereichen

Transport und Kommunikation in Eigenkapitel

investiert, im Jahre 2011 betrug dieser Anteil 27,9%.

Diese Bereiche belegen in der untersuchten Periode

zwischen 2007 und 2011einen stabilen ersten Platz

(das Wachstum des Anteilsvolumens betrug 5,7%).

Auf dem zweiten Platz befinden sich Immobilienaktivitäten,

Vermietung und Dienstleistungen aller Art:

Diese Bereiche verfügten im Jahre 2011 über 15,4%

der Investitionsmittel. Den dritten und den vierten Platz

teilen sich die Bereiche der Gewinnung von Bodenschätzen

und die Verarbeitungsindustrie mit den etwa

gleichen Anteilen von 14,6% bzw. 13,1% miteinander.

Die Wahl der ausländischen Investoren weicht von

der Wahl der russischen deutlich ab: Die russischen

Investoren konzentrieren ihre Investitionen auf solche

Bereiche der wirtschaftlichen Aktivität wie Transport

und diesen Kommunikation dann wieder sowie Immobilien, für ein anderes Vermietung Unternehmen

Dienstleistungen. ab. Ausländer investieren bevorzugt

und

in den Die Finanzsektor Personalfrage (46% aller ist Investitionen) seiner Meinung und die nach Verarbeitungsindustrie die schwierigste (22% für der einen Investitionen). ausländischen

Unternehmer. In Europa

können der Chef und sein Mitarbeiter

miteinander ganz normal befreundet

sein. In Russland dagegen kann eine

Freundschaft zwischen Mitarbeiter und

Vorgesetztem laut Trani ein verhängnisvoller

Fehler sein. Allerdings kann man

sich in Russland einen Fehler bei der

Mitarbeitereinstellung eher erlauben. In

Italien, scherzt Trani, ist ein Mitarbeiter

viel schlimmer als die Ehefrau. Von der

Frau kann man sich trennen, von einem

Mitarbeiter – fast nie.

In Russland ist die Arbeitsgesetzge-

BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // Vincenzo Trani


BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // Vincenzo Trani

bung nicht so streng und

der Arbeitsmarkt ist viel

freier als im Westen, was

ein großer Vorteil ist. Andererseits

lässt sich in

Russland eine hohe Personalfluktuation

beobachten.

Man muss sich daher

ein System überlegen, wie

man seine Mitarbeiter hält.

Man muss ihnen das Gefühl

vermitteln, das für sie

in diesem Unternehmen die Arbeit viel

spannender als irgendwo sonst sein wird.

Und nicht alles lässt sich mit Geld regeln:

Der Mitarbeiter bekommt eine Gehaltserhöhung,

vergisst sie nach zwei Monaten,

und die Probleme kommen wieder. Viel

wichtiger ist, wenn die Mitarbeiter sich

gebraucht fühlen, gute Karrierechancen

in Aussicht haben und sehen, dass die

Entwicklung des Unternehmens in ihren

Händen liegt.

Das wichtigste

ist die Sicherheit

– Der Beginn meiner selbstständigen

Tätigkeit war mit vielen Schwierigkeiten

verbunden, – erinnert sich Vincenzo. So

musste ich zum Beispiel eine Prüfung

ablegen, um das Diplom des russischen

Föderalen Dienstes für Finanzmärkte zu

erhalten. Die Prüfung wird auf Russisch

abgehalten, und innerhalb von anderthalb

Stunden muss man ca. 800 Fragen

beantworten. Diese Prüfung ist richtig

hart (Es gibt übrigens nur ganz wenige

Ausländer, die das

Diplom vom Föderalen

Dienst für Finanzmärkte

bekommen

Hinter dem

haben – Anmerkung

Schild der

der Redaktion).

Spezialisten

Sicherheit ist eine

der wichtigsten Fragen

überhaupt. Man sollte

diese immer im Kopf

behalten, meint Trani.

Wenn Sie sich für den

Finanzsektor entschieden haben, sollten

Sie Ihr Büro in einem gut bewachten

Objekt unterbringen. Wenn sie viel mit

Bargeld zu tun haben, sollten Sie sich zu

ihrem Schutz an einen privaten Sicherheitsdienst

wenden. Wenn Sie eher bargeldlosen

Zahlungsverkehr haben und an

der Börse investieren, sollten Sie Ihre potentiellen

Geschäftspartner, Kunden und

Geschäfte vorher gut überprüfen lassen.

Jedes Projekt, unabhängig davon, wie

aussichtsreich es ist, muss genau analysiert

werden, denn sonst tappt man

leicht in die Betrugsfalle. Im Westen

wird für die Informationssuche World

Check eingesetzt, wo man auch Informationen

über Verbrecher finden kann.

Russland hat noch kein entsprechendes

Programm, und Informationen werden

bei vielen verschiedenen Quellen überprüft.

Ein westlicher Unternehmer kann

nur schwer einen russischen Betrüger

erkennen. Daher ist hier die Einstellung

von ehemaligen Mitarbeitern der

Rechtssicherheitsorgane sehr verbreitet.


BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // Vincenzo Trani

In Europa können ein Chef und sein

Mitarbeiter miteinander befreundet sein.

In Russland dagegen ist eine solche

Freundschaft ein großer Fehler.


BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // Vincenzo Trani

Ihr Preis ist hoch, aber es lohnt sich. Es

ist außerdem sehr wichtig, sich in den

Businessrichtungen zu diversifizieren:

Man sollte sein Geld in verschiedenen

Währungen halten sowie die Kundenbasis,

die Kreditnehmer und die Informationsquellen

diversifizieren. Dieses

Vorgehen sollte man auch im Personalmanagement

befolgen: Wenn Sie

wichtige Aufgaben nur einem einzelnen

Mitarbeiter übertragen, könnte er eine

zu große Macht innerhalb des Unternehmens

erlangen. Daher ist es ratsam,

das Aufgabenkontingent aufzubrechen

und die Aufgaben an mehrere Mitarbeiter

zu verteilen. Im Westen wird eine

solche Vorgehensweise oft als störend

empfunden, in Russland aber fahren

Sie umso besser, je diversifizierter Ihr

Business ist.

Haben Sie ein besonderes

Verhältnis zu den russischen

Behörden aufbauen

müssen?

In all den Jahren hat Trani keinen

einzigen Fall von unrechtmäßigen

Handlungen vonseiten der russischen

Behörden erlebt.

– Obwohl sehr viel über die besonderen

Beziehungen zwischen dem Staat

und dem Privatunternehmertum und

über die Korruption in Russland in der

Presse steht, hat das mit uns nicht zu

tun, – sagt Vincenzo.

Aber Vincenzo gibt auch zu, dass die

russischen staatlichen Behörden bei Finanzinstituten

sehr streng auf die Befolgung

der Gesetze achten, wie es auch

weltweit üblich ist. Aber paradoxerweise

ist diese Kontrolle in Russland oft mit

Korruption verbunden, denn jeder Regelverstoß

vonseiten der Unternehmer

bedeutet eine potentielle Zuverdienstquelle

für den Prüfenden.

– Ich kann mir vorstellen, dass einige

gewissenlose Beamte Unzulänglichkeiten

in russischen Unternehmen

aufgrund von Bestechungsgelder vertuschen.

Aber es herrscht eine besondere

Einstellung dem ausländischen Unternehmen

gegenüber. Wir haben einmal

einen Fehler gemacht, wurden deswegen

abgemahnt und haben diesen daraufhin

beseitigt. Es gab aber keine

Andeutungen in Richtung Bestechung.

Alles wurde ausschließlich im gesetzlichen

Rahmen gelöst.

Worin sollte

man investieren?

Der Fondsmarkt in Russland zeigt

laut Trani nur eine sehr schwache Entwicklung,

was ihn für Trani interessant

macht. Die russische Regierung unternimmt

große Anstrengungen, um Moskau

zu einem internationalen Finanzzentrum

zu machen. Wenn dieses Vorhaben

gelingt und viele ausländische Investoren

nach Russland kommen, werden die

Operatoren an der Börse große Wertzuwächse

– zwischen 300% und 400 %

innerhalb von zwei Jahren – verzeichnen

können. Zurzeit gibt es nur zwei Orte auf


über Ihren potentiellen Geschäftspartner aus

mindestens drei Quellen erhalten.

BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // Vincenzo Trani

5Ratschläge

von Vincenzo Trani

der Welt, wo man solche Zuwächse erzielen

kann: Brasilien und Russland.

Allerdings ist die Kriminalitätssituation

in Brasilien bei weitem schlimmer als

in Russland.

– Wenn Sie keine Lust haben, auf

den Finanzmarkt zu gehen, könnte

ich Ihnen auch andere Businessarten

empfehlen, – sagt Trani. So kann ein

Restaurant-Unternehmen in Russland

bis zu 30% Gewinn und ein Bauunternehmen

bis zu 60% Gewinn abwerfen.

Unsere Kunden verdienen ihr Geld auf

sehr unterschiedliche Art und Weise.

Vincenzo berichtet, dass einige seiner

Kunden, die europäischen und speziell

die italienischen Investoren, eine

2

Die vorherige Analyse

des potentiellen

Betätigungsfeldes ist

sehr wichtig.

Man sollte die finanziellen Perspektiven der

avisierten Branche gut einschätzen können.

Nachteilig sind dabei falsche Informationen, die

dann falsche Erwartungen erwecken.

3

Orientieren Sie sich bei

der Wahl des Ortes für

Ihr Unternehmen nicht

nur am finanziellen

Gewinn.

Achten Sie auf viele unterschiedliche Faktoren, u.a.

auf Sicherheit, Perspektiven, Personal und sogar

Klima.

4

Lassen Sie sich von

Rendite von 10%-15% mit weniger Risiko

suchen. Die risikofreudigen russi-

unabhängigen

Rechtskanzleien beraten.

schen Investoren entscheiden sich dagegen

für eine Rendite von 20%-50%.

Sie sollten in erster Linie von Ihrem Unternehmen

unabhängig sein. Sie können Sie von der Seite

– In jedem Fall verdienen unsere

sehen und Ihnen wertvolle Tipps geben.

Kunden mehr als wir, – betont Vincenzo.

Zu uns kann aber nicht jeder

5

Nehmen Sie die

kommen: Unter einer Million Euro auf

Dienstleistungen

dem Konto werden die Unternehmer

von Buchhaltungs– und

bestimmt keinen Beratungstermin bei

Steuerfachleuten in

uns kriegen.

Anspruch.

Die Investmentbranche ist allerdings

Sie helfen Ihnen, einige kostspielige Fehler zu

laut Trani nicht besonders gewinnbringend:

Da bekommt man in der Regel

vermeiden.

nicht mehr als 15%-16% pro Jahr. In

Ausnahmefällen kann die Rendite aber

auch sehr hoch ausfallen.

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BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // James Skinner

James‘

Hostel

Tipps für die Unternehmensführung in Russland

von James Skinner

Text: Grigorij Sarkisow | Foto: Viktor Warsakow | Übersetzung: Dr. Helga Schulze-Neufeld


BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // James Skinner

„Natürlich ist es immer schwer, ein Unternehmer zu sein,

und noch schwieriger ist es in den Zeiten der Finanzkrise. Aber

es ist immer noch nichts im Vergleich zur Unternehmensführung

in einem fremden Land, – sagt James Skinner, 49-jähriger

Inhaber des größten Hostels in Moskau namens „Godzillas“.

Und wenn es sich dabei um das Land Russland und

um die Stadt Moskau handelt, kann man mit doppelt so vielen

Schwierigkeiten rechnen. Aber mir gefällt es hier trotzdem

gut. Das Risiko, das ich eingegangen bin, hat sich gelohnt.“

Weshalb entschloss sich James Skinner,

erfolgreicher Finanzfachmann, der

110 Länder der Welt gesehen hat, sein

Glück in Russland zu versuchen?

– Im Jahre 2002 kam ich nach Moskau

als Tourist, – erzählt James Skinner.

Ich habe eine Wohnung gemietet,

welche ich aber bald räumen musste.

Der Grund hierfür war ganz komisch:

Meine Mieterin mochte es nicht, dass so

viele Wassermelonen auf meinem Speiseplan

standen. Sie meinte, dass dies

Kakerlaken in ihre Wohnung anlocken

würde, obwohl diese bereits vor mir

dort gehaust hatten. Na ja, ich musste

mir trotzdem eine neue Bleibe suchen…

James suchte nach einem günstigen

Hotelzimmer und musste zu seiner

Überraschung feststellen, dass es in der

russischen Hauptstadt kaum Hostels

gab.

– Damals gab es in ganz Moskau nur

drei Hostels, – erinnert sich der Engländer.

Und in den Augen der Russen

galten diese als so etwas wie Obdachlosenheime.

Später kamen immer mehr

junge Touristen aus dem Ausland nach

Moskau, die sich teure Hotelsuiten in

den neuen Moskauer „Luxus-Hotels“

einfach nicht leisten konnten. Die jungen

Touristen wären stattdessen mit

günstigeren Zimmern in den Hotels der

„Economy-Kategorie“ zufrieden. So beschloss

ich, in Moskau ein „Mini-Hotel“

zu eröffnen.

Viele hielten seine Idee, ein Business

in der russischen Hauptstadt zu starten,

für verrückt. Aber James wollte sehen,

was aus seiner Idee werden konnte. Sogodzillashostel.com


BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // James Skinner

wohl Russland als auch Moskau stellten

für James eine Art „terra incognita“

dar. Die ganze Sache wurde auch wegen

seiner mangelnden Kenntnisse der russischen

Sprache und seiner Ablehnung

gegenüber der Zusammenarbeit mit einem

russischen Geschäftspartner noch

komplizierter.

– Ich bin es gewohnt, mein Business

selbst zu kontrollieren, – gibt James

zu. Daher suchte ich keinen Geschäftspartner,

sondern einen Assistenten. Ich

habe einen russischen Manager eingestellt,

der mir bei der Suche nach einer

Immobilie für mein Hostel helfen sollte.

Wir haben in den Anzeigen in den Zeitungen

und im Internet nach passenden

Objekten gesucht. Schließlich stießen

wir auf eine Anzeige über den Verkauf

von ehemaligen WG-Wohnungen im

Zentrum Moskaus, in der Bolschoj Karetnyj

Gasse. Die Immobilienpreise in

Moskau sind sehr hoch, aber ich konnte

den Immobilienanbieter auf 2.000 US

Dollar pro m 2 herunterhandeln.

James brauchte insgesamt ca. zwei

Jahre, um passende Wohnungen so

günstig zu erwerben (der Preis lag

etwa die Hälfte unter dem Marktpreis).

Aber auch in diesem Fall stellte sich für

James die Frage nach der Finanzierung.

– In Russland wendet man sich lieber

nicht an eine Bank, denn die Kreditzinsen

sind sehr hoch. Ich konnte

einfach keine Zinsen von 30-40% pro

Jahr bezahlen, – meint James. Ich hatte

einige eigene Ersparnisse und habe

den Rest von meinen Freunden aus

England geliehen. Für dieses Geld habe

ich drei Wohnungen gekauft. Sie befanden

sich in einem alten, aber noch gut

erhaltenen Haus; dort musste nur eine

Außensanierung vorgenommen und einige

Sanitätsanlagen erneuert werden.

Eine Renovierung kostet in Moskau übrigens

viel weniger als in England, es ist

jedoch komplizierter, sie durchzuführen.

Die Bauerbeiter kosten dabei am

wenigsten, denn viele von ihnen sind

Gastarbeiter aus anderen Regionen oder

Ländern. Ich hatte nicht weniger als 20

Bauarbeiter-Teams beschäftigt, von vielen

von ihnen musste ich mich vorzeitig

trennen. Einmal haben die angeheuer-

In Russland wendet man sich lieber

nicht an eine Bank, denn die jährlichen

Kreditzinsen sind sehr hoch,

zwischen 30% und 40%.


BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // James Skinner

ten Bauerbeiter sogar mein

Hostel ausgeraubt! Einer

von ihnen wurde gefasst

und sitzt jetzt seine Strafe

ab. Mein Tipp: Bezahlen

Sie Ihre Bauarbeiter nie im

Voraus; wenn Sie sie noch

sehen möchten, geben Sie

ihnen nur einen kleinen

Vorschuss.

Die restlichen Räume im

selben Haus waren als Büroräume vermietet,

aber gleich nach der Hosteleröffnung

wurden zwei weitere Wohnungen

frei, und James kaufte noch ca. 250 m 2

dazu.

– Ich werde keine Gesamtsumme

nennen, – sagt James. Aber unter der

Berücksichtigung aller Kredite und der

relativ günstigen Zimmerpreise im Hostel

beträgt die Amortisationszeit für

meine Ausgaben ca. neun Jahre.

Als weiteres Problem für James erwies

sich die polizeiliche Anmeldung

seiner Gäste.

– Für eine Online-Registrierung der

Gäste hätten wir uns ein sehr teures Anmeldeprogramm

des Migrationsdienstes

zulegen

müssen, – erzählt

der Hostelbesitzer.

So haben wir uns

für eine andere,

günstigere Variante

entschieden:

Unsere Mitarbeiterin

besucht

jeden Tag die Meldestelle des Migrationsdienstes

und lässt dort unsere Gäste

„per Hand“ registrieren.

Das dritte Problem für James stellte

die Suche nach geeignetem Personal

dar.

– Die Suche nach qualifizierten Hostelmitarbeitern

gestaltet sich in Moskau

viel schwieriger als in Litauen, auf

Zypern oder in Sankt-Petersburg, wo

das Hostelsystem gut entwickelt ist, –

meint James. Die Menschen hier wollen

vor allem in großen Luxus-Hotels beschäftigt

werden. Meine Anforderungen

an die Mitarbeiter sind ganz normal:

Sie sollen anständig, kommunikativ,

Durchschnittslohn

in Moskau

James ist überzeugt: In seinem Business

gibt es keine Kleinigkeiten, sogar wenn

es sich um geringfügige

Renovierungsarbeiten handelt.


BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // James Skinner

Weshalb entschloss sich James Skinner,

erfolgreicher Finanzfachmann,

der 110 Länder der Welt gesehen hat,

sein Glück in Russland zu versuchen?


BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // James Skinner

verlässlich und professionell

sein. Ich

trenne mich von

streitsüchtigen,

faulen und diebischen

Angestellten.

Heute beschäftige

ich zwanzig Mitarbeiter.

Wir suchen

sie im Internet, und

mit jedem passenden

Kandidaten führe ich vorher ein Bewerbungsgespräch

durch. Die Mitarbeiter

bleiben bei mir in der Regel ca. zwei

Jahre lang, aber es gibt auch Ausnahmen:

Unsere Putzkraft ist bei uns seit

Beratung

Julia Sponkina,

Leiterin der

Abteilung für

Marketingforschung

bei der Intesco

Research Group

Über die Steuer

von 6%

über sechs Jahren beschäftigt.

Ich werde keine konkreten

Gehaltszahlen nennen,

aber ich kann nur sagen,

dass unsere Gehälter höher

als die Moskauer Durchschnittsgehälter

sind. Und

als viertes Problem können

die bürokratischen Hürden

genannt werden, die unsere

Unternehmensentwicklung

Die beeinträchtigen.

letzten Jahre waren für Russland in Bezug auf die

Entwicklung – In England des Gaststättengewerbes, sind die Steuern und im speziell

des Vergleich Hotelgewerbes, zu Russland relativ günstig. sehr Dies hoch zeigte – man sich in

der zahlt Entstehung dort bis von zu internationalen 30% statt der Hotelketten, russischen

sechs, alter Hotelgebäude – sagt James. und Er in der ist Eröffnung in

in der

Sanierung

von vielen kleinen Hotels, u.a. auch einer Vielzahl von

Hostels.

In Moskau gibt es momentan mehr als 70 Hostels. Sie

befinden sich in der Regel im historischen Zentrum der

Stadt (im Zentralen Verwaltungsgebiet Moskau konzentrieren

sich über 80% aller Hauptstadt-Hostels).

Allerdings ist ihre Anzahl in Moskau weitaus geringer

als in den anderen Hauptstädten der Welt; dies

bedeutet, dass dieser Businessbereich ein starkes

Wachstumspotenzial aufweist. In Moskau herrscht ein

Mangel an günstigen Hostels und an 2- bis 3-Sterne-

Hotels. In diesen Einrichtungen lässt sich eine konstante

Zimmerauslastung von 80% beobachten.

Für die Inbetriebnahme eines Hostels auf einer erworbenen

Fläche von 500m2 (90 Unterbringungsmöglichkeiten)

braucht man Investitionen von 103,6 Mio.

Rubel (über 3,6 Mio. US Dollar). Davon entfallen

10,5 Mio. Rubel (337.847 US Dollar) auf den Erwerb

von Räumlichkeiten, 86,1 Mio. Rubel (über 2,77 Mio.

US Dollar) auf die Bau- und Sanierungsarbeiten und

1,8 Mio. Rubel (57.916 US Dollar) auf das notwendige

Umlaufvermögen.

Bei einem Preis von 1.000 Rubel (32 US Dollar) für


BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // James Skinner

Russland als Einzelunternehmer registriert

und bezahlt die Steuern nach

einem vereinfachten Steuersystem. Mit

der Anmeldung unseres Unternehmens

in Moskau hatten wir keine Schwierigkeiten.

Ich bin mir sicher, dass das

System des Einzelunternehmertums in

Russland ganz wunderbar funktioniert.

Aber man muss hier viel Papierkram

erledigen, jeden Schritt dokumentieren,

Kassenbelege und Rechnungen sammeln,

was die Zusatzkosten in die Höhe

treibt.

Während seiner jahrelangen Tätigkeit

in Moskau konnte James viele Erfahrungen

im Umgang mit den Behörden

und den russischen Geschäftsleuten

sammeln.

– Wenn Sie Ihr Business in Russland

starten, müssen Sie handeln können,

denn den Ausländern werden oft

andere, viel höhere Preise genannt, –

meint James. Vor den Verhandlungen

sollte man sich daher im Voraus über

die durchschnittlichen Preise für die

gesuchten Waren oder Dienstleistungen

informieren. Die wichtigste Regel

dabei lautet: zuerst die Arbeit, dann die

Bezahlung. Und die nächste wichtige

Regel ist: Zeigen Sie keine Schwäche

gegenüber Ihren Geschäftspartnern, Ihren

Konkurrenten oder den Behörden.

Man versucht hier oft, die Verhandlungen

aus der Position des Stärkeren zu

führen, und daher ist es besser sofort

zu zeigen, dass Sie keine Angst haben.

Die dritte Regel lautet: Verzweifeln Sie

nicht, wenn Sie beim ersten Mal eine

Absage bekommen. Das muss nicht

zwangsläufig heißen, dass Sie auch beim

nächsten Mal eine Absage kassieren.

Seien Sie geduldig. Die vierte Regel ist:

Setzen Sie in Russland auf den Ausbau

persönlicher Beziehungen. Versuchen

Sie, eine freundschaftliche Beziehung zu

Ihren Geschäftspartnern und sogar zu

den Behörden zu pflegen. Und die fünfte

Regel lautet: Lernen Sie so schnell wie

möglich die russische Sprache, wenigstens

auf Konversationsniveau.

James ist überzeugt: In seinem Business

gibt es keine Kleinigkeiten, sogar

wenn es um geringfügige Renovierungsarbeiten

geht.

Bezahlen Sie die Bauarbeiter nie im Voraus!

Wenn Sie sie noch sehen möchten, geben

Sie ihnen nur einen kleinen Vorschuss.


BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // James Skinner

– Vor Kurzem mussten wir bei uns

ein Rohr reparieren lassen, – erinnert

sich der Engländer. Die Handwerker

meinten, man müsse das ganze Rohrsystem

austauschen, und verlangten

dafür eine Riesensumme. Noch vor fünf

Jahren hätte ich ihrer Analyse Glauben

geschenkt und die geforderte Summe

bezahlt. Aber heute habe ich mich an

eine andere Firma gewandt, die nur ein

Rohr austauschen musste. So sparte ich

dank meinem Misstrauen eine große

Summe Geld.

Das preiswerte Hotel der Ein-Stern-

Kategorie „Godzillas“ ist Mitglied der

Internationalen Hostelvereinigung und

kann heute bis zu 90 Touristen gleichzeitig

beherbergen. Die Gesamtfläche

des Hostels beträgt über 500 m 2 . Es

befindet sich im Untergeschoss einer

dreistöckigen Villa. „Godzillas“ ist fast

immer ausgebucht, denn die jungen

Touristen aus dem Ausland können sich

seine Preise ganz gut leisten.

– Unsere Preise hängen vom Zimmerkomfort

ab, – erzählt James. Ein

„Luxus-Zimmer“ für eine bis zwei Personen

kostet 75 US Dollar pro Nacht,

ein Zimmer für sechs Personen – 28 US

Dollar pro Nacht. In unserem Hostel

schenken wir keinen Alkohol aus, und

wir erlauben auch keinen Alkoholgenuss

in unseren Räumen. Aber manchmal

kommt es auch anders. Einmal haben

acht deutsche Fußballfans 500 leere

Bierdosen in ihrem Zimmer liegen ge-


BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // James Skinner

Meinung

Alexandr Borisow,

Generaldirektor

Internationalen

Business-Vereinigung

Moskau

lassen!

Auf der „Godzillas“-Website werden

die potentiellen Gäste gewarnt: „Es tut

uns leid, aber wir sprechen kein Russisch.“

Ist James denn nicht interessiert

an russischen Gästen?

– Wir freuen uns natürlich über jeden

Gast, – meint der Engländer. Aber ich

möchte alle Bestellungen selbst kontrollieren

können, und es ist für mich

einfach bequemer, diese auf Englisch

zu bekommen. Übrigens haben wir im

Winter mehr russische und im Sommer

mehr ausländische Gäste in unserem

Hostel.

James expandiert mit seinem Businessprojekt

in Russland.

– Vor einigen Jahren habe ich einen

Die Stadt Moskau möchte bis zum Jahre 2017 ihren

jährlichen Touristenzustrom von 4,4 Mio. auf 7,3 Mio.

steigern und noch 100 zusätzliche 1- bis 3-Sterne-

Hotels bauen lassen. Allerdings lagen in den letzten

20 Jahren die Berechnungen in Bezug auf die Anziehung

von internationalen Investoren in das Hotelgewerbe

falsch. Von den 45.000 Zimmern entfallen

über ein Drittel auf die 4- und 5-Sterne-Hotels, obwohl

der Massentourismus sich eher für die Hostels

und die 2-und 3-Sterne-Hotels interessiert. Der lokale

Markt erschwert durch seine Unvorhersehbarkeit und

seine administrativen Barrieren die Arbeit der ausländischen

Investoren.

Heute werden in Moskau einige Korrekturen im

Klassifizierungssystem von Hotels vorgenommen,

damit auch das Hostelsegment allen Rechtsnormen

entspricht. Dies sollte sich positiv auf die Attraktivität

dieses Segments des Hotelgewerbes für potentielle

Investoren auswirken.

Bauunternehmer mit einer kleinen Firma

aus Susdal kennengelernt, – berichtet

James. Susdal ist eine wunderschöne

historische Stadt, die viele Touristen

anlockt. Und ich dachte mir, dass ein

Hostel in einem solchen Ort sich ganz

gut machen würde. Mein Bekannter

fand für mich ein passendes Gebäude

mit einer Fläche von 600 m 2 inklusive

Garten, das nur ein Drittel des Preises in

Moskau kosten sollte. Er half mir auch

mit der Renovierung des Gebäudes, mit

dem Erledigen notwendiger Formalitäten

und mir der Personalsuche. In die

Entwicklung dieses Projekts habe ich

anderthalb Jahre und über 300.000

US Dollar investiert. Heute kann unser

Hostel in Susdal 40 Gäste gleichzeitig


BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // James Skinner

beherbergen. Allerdings bevorzugen die

russischen Touristen eher bessere Hotels

der Drei– und Vier-Sterne-Kategorie,

und die ausländischen Gäste kommen

eher im Sommer. So ist das Hostel

in der Provinz nicht immer voll ausgelastet.

Im Laufe der Zeit lernte James Moskau

lieben, obwohl er zugibt, dass er

hier noch vieles nicht ganz versteht.

– Im Westen herrschen auch heute

noch bestimmte Stereotypen über Russland,

– meint der englische Besitzer

von „Godzillas“. Einmal flog ich mit der

Fluglinie „Aeroflot“. Mein Sitznachbar,

ein englischer Tourist, fing an mich zu

bemitleiden, nachdem er erfuhr, dass

ich in Russland lebe und arbeite. Ich

meinte aber, dass ich das Land und die

Leute mag, Moskau sehr schön finde

und mich an den Schnee gewöhnt habe.

Allerdings glaube ich, dass der russische

Winter doch etwas zu lang ist…

Man muss hier viel Papierkram erledigen

und einen Berg von Dokumenten vorlegen,

was die Zusatzkosten in die Höhe treibt.

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BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // Teofanis Vurvopulos

Pelze

und ..

Olivenol

Für Teofanis Vurvopulos und sein Business bedeutete

Russland die Rettung in der griechischen Finanzkrise.

Text: Grigorij Sarkisow | Foto: Phaethon | Übersetzung: Dr. Helga Schulze-Neufeld


BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // Teofanis Vurvopulos

Das Wirtschaftssystem Griechenlands befindet sich in einer

Krise. Und keiner kann derzeit mit Sicherheit sagen, wie und

wann diese Krise enden wird. Daher suchen die griechischen

Unternehmer nach neuen Absatzmärkten für ihre Waren. Zu

einem solchen neuen Absatzmarkt wurde auch Russland. In

diesem Jahr verständigten sich die Moskauer Handels– und

Industriekammer und einige Handels– und Industriekammern

aus verschiedenen Regionen Griechenlands auf eine

gegenseitig vorteilhafte Zusammenarbeit. Auf die Idee der

Schaffung einer gemeinsamen Struktur, die dabei behilflich

sein wird, typisch griechische Waren nach Russland zu

transportieren, kamen die Griechen etwa vor einem Jahr.

Zuerst waren es lediglich drei griechische Regionen, die ihre

Teilnahme an dem großen internationalen Projekt angekündigt

hatten; dann kamen noch einige weitere Regionen hinzu.

Auf den russischen Markt traten aber auch viele

Einzelunternehmen, die ihr Business retten wollten. Was

erwartet sie hier eigentlich? Darüber berichtet uns der

53-jährige griechische Unternehmer Teofanis Vurvopulos, der

bereits seit sechs Jahren in Moskau arbeitet.

Und das anscheinend nicht bereut.

Wieso wählte Teofanis

ausgerechnet Moskau?

– In Moskau gibt es Menschen, die

Geld haben und bereit sind, es auch auszugeben,

– erzählt er. Ich habe mein

Business in Griechenland gestartet: Mit

28 Jahren eröffnete ich ein Juweliergeschäft

in Loutraki, einem Kurort in der

Nähe von Athen. Ende der 90er Jahre

kamen zu uns immer mehr Touristen

aus Russland, die gern und viel gekauft

haben, speziell Pelze. Da dachte ich mir,

dass unter den russischen Wetterbedingungen

(bis zu fünf kalte Monate im

Jahr) es wohl gewinnbringender wäre,

den Russen Pelze statt Juwelierschmuck

anzubieten. Und noch besser wäre es,

die Pelze direkt in Russland statt in Griechenland

zu verkaufen. So kam ich auf

die Idee, mein Pelz-Business in Moskau

zu starten.

Allerdings kam Teofanis

nach Moskau

nicht sofort.

– Den Kleinunternehmern würde ich

davon abraten, in Russland sofort mit

der Umsetzung ihrer Businessidee los-


BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // Teofanis Vurvopulos

In Russland herrscht Kälte mehrere Monate im

Jahr. Daher ist es gewinnbringender, an die

Russen Pelze statt Schmuck zu verkaufen.

zulegen, – meint er. Hier gelten andere

Spielregeln und herrscht eine andere

Mentalität. Im ersten Schritt habe ich

in Griechenland mein Juwelierbusiness

durch das Pelzbusiness ersetzt; ich eröffnete

einen Laden namens „Phaethon“

und war einige Male in Moskau, um die

Situation zu erkunden. Und erst vor fünf

Jahren habe ich mich dazu entschlossen,

es mit dem Pelzbusiness auch in Moskau

zu probieren, und eröffnete einen

gleichnamigen Laden im Moskauer Einkaufzentrum

„Raduga“ in der Nähe der

Metrostation „Tscherkisowskaja“. Hochwertige

Pelze bekomme ich von meinem

griechischen Geschäftspartner Sariyanis,

der seine eigene Pelzfabrik in der Nähe

von Athen betreibt.

Teofanis gibt einige

Ratschläge denjenigen,

die ihr Business in Russland

starten möchten.

– Schicken Sie zum einen nur kleinere

Warenmengen nach Russland und

führen Sie vor Ort eine Marketinganalyse

durch, – schlägt der griechische

Unternehmer vor. Die Russen finden

alles Neue und Besondere sehr attraktiv,

daher sollten Ihre Waren einen gewissen

Touch von Exklusivität haben. Zum

anderen eröffnen Sie nicht sofort einen

alleinstehenden Laden, zuerst kann man

auch eine gut platzierte Ladenfläche in

einem größeren Einkaufszentrum mieten.

Und schließlich brauchen Sie einen

verlässlichen russischen Geschäftspartner,

denn im Alleingang ist es für einen

Ausländer sehr schwer, ein Kleinunternehmen

in Russland zu führen. Und

noch etwas: Für den Pelzeinzelhandel in

Moskau eignet sich am besten ein saisonales

Business-Konzept: Im Sommer,

wenn viele russische Touristen nach

Griechenland kommen, lohnt sich der

Pelzhandel dort, im Winter und im Frühling

– eher in Moskau.

Der griechische Unternehmer

meint, dass der

Pelzmarkt in Russland

heute nicht seine besten

Zeiten erlebt.

– Vor fünf Jahren war es deutlich einfacher,

Pelze in Moskau zu verkaufen,

– meint Teofanis. Es gab damals nicht


Beratung

Julia Firsowa,

Analystin in der Abteilung

für Businessplanung

und Marketingforschung

bei dem Unternehmen

Global Reach Consulting

so viele Pelzmessen und keine Überflutung

des Marktes mit sehr billigen chinesischen

Pelzen. Chinesische Pelze sind

zwar minderwertig, aber dafür auch sehr

günstig. So muss ich meine Preise ständig

senken. Es ist schwer, unter solchen

Bedingungen zu arbeiten. Und fast der

ganze Gewinn wird von den Nebenkosten

aufgefressen. Zugute kommen mir

allerdings die noch in Griechenland entstandene

Beziehungen zu den russischen

Kunden, die meinen Laden in Moskau

ihren Freunden und Verwandten empfehlen…

Wie gewinnbringend

ist so ein Business in der

russischen Hauptstadt?

betrug der Anteil der legalen russischen Bekleidungshersteller

innerhalb der Marktstruktur 21,6%. Der

Anteil der Importproduktion auf dem russischen Markt

betrug 2010 über 78%, wobei lediglich die Hälfte

des Gesamtbekleidungsvolumens (ca. 42%) nach

Russland legal eingeführt wurde.

Eine Kennzahl, der die Arbeitseffektivität verschiedener

Formen der Bekleidungsgeschäfte misst, ist der

TP-Index (Verkaufserlös eines Mitarbeiters innerhalb

eines Jahres). Nach dieser Kennzahl haben die teuren

Boutiquen für moderne Kleidung ganz klar die

führende Rolle. So gehört der maximale Wert (324,4

Tausend US Dollar pro Mitarbeiter) der französischen

Kette PPR. Einen ähnlichen TP-Index weisen auch

die französischen Bekleidungsgeschäfte des Hauses

ChristianDior auf (316 Tausend US Dollar pro Mitarbeiter).

Das durchschnittliche Investitionsvolumen bei der

Eröffnung eines Bekleidungsgeschäfts mit einer Fläche

von ca. 150-200 m 2 in einem Einkaufs- und Vergnügungszentrum,

ohne Berücksichtigung des Kaufpreises

für die Räumlichkeiten, beträgt etwa neun bis elf

Mio. Rubel (290.000 – 355.000 US Dollar). Der

größte – Teil Die der Rentabilität Investitionen – hängt ca. 75% stark – entfällt von der auf

das Höhe notwendige der Nebenkosten Umlaufvermögen ab, (50% und für diese den Wareneinkauf

sind hier und ca. 25% anderthalbmal für die Abdeckung höher der laufenden als in

Kosten Griechenland,– im Investitionsstadium meint des Teofanis. Projekts). Meine Die weiteren

anfänglichen 25% der Investitionen Nebenkosten fließen in das in Moskau Grundkapital

(Anlagen betrugen etc.). ca. 120.000 US Dollar. Die Umsatzgeschwindigkeit

durchschnittliche Umsatz für pro diese m 2 Verkaufsfläche Summe

Der

beläuft betrug sich anderthalb bei solchen Geschäftsmodellen Jahre. Die Dauer auf des ca.

180.000 Kapitalumschlags bis 250.000 Rubel in Russland (5.815 bis 8.077 hängt US vor

Dollar) allem pro mit Jahr. den Die hohen durchschnittliche Zusatzkosten Amortisationszeisammen,

solcher Projekte die man beträgt am etwa Anfang drei bis nur dreieinhalb schwer

zu-

Jahre, voraussagen und der Nettobarwert kann. So beträgt hängen nach zum dem Beispiel

der nächsten die Mietpreise fünf Jahre in ca. Moskau zwei bis drei direkt Mio.

Ablauf

Rubel von (64.000 der Entfernung bis 96.000 US der Dollar). Ladenfläche von

der nächsten Metrostation ab. Eine Ladenfläche

fand ich nach einigen Wochen

intensiver Suche im Einkaufszentrum

„Raduga“. Mein Tipp dabei: Man sollte

BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // Teofanis Vurvopulos


BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // Teofanis Vurvopulos

Russen mögen alles Neue und Besondere,

daher muss die Ware einen Touch von

Exklusivität haben.


BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // Teofanis Vurvopulos

nicht sofort dem angebotenen Mietpreis

zustimmen. Feilschen Sie – und es könnte

sein, dass sie den Mietpreis um die

Hälfte herunterhandeln! Ich bezahle pro

Monat ca. 50.000 Rubel oder 1.560 US

Dollar Miete für eine Ladenfläche von

35m 2 . Gemessen an den sonstigen Moskauer

Verhältnissen ist das nicht viel, vor

allem wenn man noch die Kosten für den

Wachdienst einrechnet. Viel teurer ist die

Warenlagerung: Ich sollte dafür 90.000

Rubel oder fast 3.000 US Dollar bezahlen.

Stattdessen nutze ich in Moskau die

Lagerräume meines griechischen Geschäftspartners.

Man hätte natürlich auch eine ganz

günstige Lagerhalle für ca. 450 – 500 US

Dollar pro Monat finden können, aber

dort kann Ihnen keiner die Sicherheit

Ihrer Waren garantieren. Der minimale

Lagerungspreis liegt bei 1.300 US Dollar

pro Monat. Dabei handelt es sich in

der Regel um eine alarmgesicherte und

bewachte Lagerhalle, die nicht weit von

Ihrem Laden entfernt liegt. Für ein Kleinunternehmen

bietet es sich an, eine solche

Lagerhalle gemeinsam mit anderen

Kleinunternehmen zu mieten.

Teofanis war auf die potentiellen

Schwierigkeiten

in Moskau gut vorbereitet,

als er seinen

Pelzladen in Moskau eröffnete.

– Man sollte hier für eine erfolgreiche

Unternehmensführung sowohl die

russische Sprache als auch die russische

Mentalität kennen, ich aber konnte nur

einige Brocken Russisch, – erzählt Teofanis.

Ich spreche Englisch, aber leider

können in Moskau nicht viele Menschen

etwas mit Fremdsprachen anfangen. So

habe ich einen russischen Manager eingestellt,

der mir von meinen Freunden

empfohlen wurde. Als nächste Hürde

erwies sich die Anpassung an das Moskauer

Klima; da ich aus dem Süden

komme, konnte ich mich erst nach einigen

Jahren an die hiesigen Frostzeiten

gewöhnen. Übrigens kann die klimatische

Adaption auch ein ernsthaftes Problem

darstellen. Ich kenne einige griechische

und italienische Unternehmer,

die es nicht geschafft haben, sich an die

klimatischen Verhältnisse in Russland

zu gewöhnen, und die zum Schluss ihr

Die Rentabilität hängt stark von der Höhe

der Nebenkosten ab, und diese sind hier ca.

anderthalbmal höher als in Griechenland.


BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // Teofanis Vurvopulos

Business in Russland ganz aufgeben

mussten.

Mit wie vielen Problemen

wird ein griechischer

Unternehmer in Moskau

konfrontiert?

– Einer meinte ganz richtig, dass die

Härte der russischen Gesetze durch die

Nicht-Notwendigkeit ihrer Befolgung

kompensiert wird,– sagt Teofanis. Die

Russen können jedes Problem umgehen.

Egal wie er es selbst sieht, muss Teofanis

diese russische Besonderheit berücksichtigen.

Obwohl es ihm natürlich

schwer fällt hinzunehmen, dass er den

eigenen Wachdienst im Einkaufszentrum

dafür bezahlen muss, damit dieser ihn

Meinung

Nikita Kusnezow,

stellvertretender

Leiter der Abteilung

für Handel und

Dienstleistungen in

Moskau

mit seinen eigenen Waren zu seinem eigenen

Laden vorbeilässt. Auch mit dem

Personal gab es einige unschöne Geschichten…

Teofanis macht aber dennoch oder

gerade deswegen weiter. Heute muss er

immer häufiger selbst hinter der Warentheke

Moskau fehlt in seinem es an Verkaufsflächen Moskauer Laden für Geschäfte. ste-

In

Die hen. Gesamtversorgung Der Arbeitstag der eines Moskauer Verkäufers mit Verkaufsflächetet

ihn beträgt 500 Rubel 784 m 2 oder pro 1.000 ca. 20 Einwohner. US Dollar Diese

kos-

konnte zuzüglich seit Anfang Verkaufsprovision. des Jahres um 5% Die gesteigert Summe

aber ist nicht das kann groß, noch aber immer mit nicht den die anderen Bedürfnisse

werden,

einer Ausgaben Großstadt zusammen abdecken. Im fällt Bereich sie schon der alltäglichen

Gewicht. Konsumgüter So verbringt lässt sich eine Teofanis Abdeckung die Hälf-

von nur

ins

etwa te eines einem Jahres Drittel verglichen in Griechenland mit den westeuropäischen

andere Ländern Hälfte feststellen. in Moskau. Eine ähnliche Situation lässt

und die

sich auch Aber im der Bereich griechische der Nicht-Lebensmittel-Geschäfte

überzeugt, konstatieren. dass Das Ergebnis es sich sind für dann ihn nicht überteuerte loh-

Pelzhändler ist

Kosten für Raummieten. Wenn man die entsprechenden

qualitativen Verkaufsflächen auf den Haupteinkaufsstraßen

der europäischen Hauptstädte mit denen

der russischen vergleicht, kann in Russland die Miete

für die entsprechenden Flächen zweimal so hoch

ausfallen. Die Kosten trägt im Endeffekt der Verbraucher.

Dabei können die Distributionskosten im Westen

bis zu 30% des Warenpreises (40% wäre bereits

ungewöhnlich viel), in Moskau jedoch bis zu 70% des

Warenpreises ausmachen.

Die Einzelhändler und die kleinen Unternehmen sind

in einer solchen Situation am schwersten betroffen.

Die Kettenunternehmen sind da viel konkurrenzfähiger.

Warum? Ihre Logistikausgaben fallen geringer

aus. Gleichzeitig kann man bei vielen russischen Konsumenten

ein „Ketten-Verbraucherdenken“ beobachten

(Kettenläden, d.h. Fast-Food-Ketten usw.). Diese

aufgezwungene Verbraucherkultur ist zwar von vorübergehender

Natur und wird mit dem Aufkommen von

entsprechender Konkurrenz verschwinden. Aber solange

sie existiert, muss ein Unternehmer, der diesen


BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // Teofanis Vurvopulos

jekt wurden für Teofanis die Lieferungen

von kleinen Mengen griechischen Öls

nach Moskau und in die Umgebung.

– Es ist schwer, in Russland ein qualitatives

Öl aus Griechenland zu finden.

Heute werden hier vor allem qualitativ

minderwertigere Öle aus Italien, Spanien

und Tunesien sowie einige Mischsorten

– eine Mischung aus spanischen und

griechischen Ölen – verkauft, – berichtet

Teofanis. Nach Moskau liefere ich das

Öl aus der griechischen Provinz Nemea,

die für ihre ökologisch sauberen Erzeugnisse

bekannt ist. Das hochqualitative Öl

liefert mein Cousin, der in Nemea eine

eigene Ölfabrik mit Öl-Kaltpresse und

Öl-Abfüllung betreibt. Man muss in Moskau

kein gesondertes Unternehmen starten,

um Öl nach Russland exportieren zu

können. In Griechenland ist das Unternehmen

„Phaethon“ auf meinen Namen

registriert; ich habe einfach eine spezielle

Seite auf Russisch eingerichtet, wo man

Öle bestellen kann. Das Öl liefere ich

dann in kleinen Mengen an die konkreten

Kunden in Moskau. Große russische

Handelsketten brauchen kein hochquawww.sellas-olive.ru

nen würde, in Moskau zu expandieren.

– Das würde zusätzliche Ausgaben bedeuten,

– meint Teofanis. Unsere Pelze

kommen aus dem Ausland und können

daher mit den billigen Pelzen der chinesischen

Pelzhersteller, die diese in der

Nähe von Moskau, in Podolsk, produzieren,

nicht konkurrieren. Ich habe natürlich

vor, meine „Pelznische“ zu bewahren,

aber mir ist auch klar, dass ich noch

ein weiteres Businessprojekt ins Laufen

bringen muss, um größere Gewinne zu

erzielen. Zu einem solchen Parallel-Pro-

Es lohnt sich nicht, bei den großen Firmen

anzuklopfen. Fangen Sie lieber mit dem

Einzelhandel an.


BIGMOSCOW // Persönliche Erfahrungen // Teofanis Vurvopulos

litatives Öl aus Griechenland – sie brauchen

eher einen großen Umsatz, welchen

sie auch mit Billigölen erzielen können.

Somit lohnt es sich nicht, bei den großen

Firmen anzuklopfen. Man sollte sich am

Anfang eher auf den Einzelhandel und

auf kleinere Warenmengen konzentrieren.

Sie müssen jedoch vor allem einen

Geschäftspartner haben, der ihnen die

Ölherstellung garantiert.

Teofanis sieht die Entwicklung

seines „Olivenölprojekts“

optimistisch.

– Wir haben schnell eine Zusammenarbeit

mit einigen russischen Einzelhandelsunternehmen

vereinbaren können,

– erzählt der griechische Unternehmer.

Nächstes Jahr werden wir nicht nur Olivenöl,

sondern auch Käse, Oliven und

Gemüse nach Moskau liefern. Ihr Verkauf

im Einzelhandel kann sich meiner

Meinung nach als ziemlich gewinnbringend

erweisen. Und obwohl es nicht

einfach ist, unter den russischen Bedingungen

zu arbeiten, habe ich nicht vor,

meine Businessprojekte aufzugeben.

Trotz der eisigen Wintertemperaturen

bleibe ich hier, denn die Gewinne spenden

eine solche Wärme, von der man im

warmen Griechenland derzeit nur träumen

kann.

Teofanis wird seine „Pelznische“

behalten, aber er hat vor, ein paralleles

Businessprojekt anzufangen.

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Handel mit Moskau

Wie der Amerikaner

Gregory Oztemel

seine Nische im

medizinischen Bereich

in Moskau fand

Wie der Vater,

so der Sohn

Text: Swetlana Samodelowa | Foto: Viktor Warsakow | Übersetzung: Dr. Helga Schulze-Neufeld


BIGMOSCOW // Handel mit Moskau // Gregory Oztemel

Gregory Oztemel ist vielseitig. Er arbeitete im Bankwesen,

verkaufte Autos, Metalle, synthetischen Kautschuk…

Als ausgebildeter Betriebswirt weiß er jetzt ganz genau, womit

er einen Operationssaal ausstatten, wie er eine Abteilung für

Intensivtherapien bereitstellen und welches Bett

er auf eine Intensivstation liefern muss.

Er gründete in Moskau das Vertriebsunternehmen „Sage“

und ist exklusiver Distributor von bekannten Herstellermarken

von medizinischenGeräten weltweit.

Heute berichtet uns Gregory Oztemel über die Details

seiner Unternehmensführung in Russland.

... über das Unternehmen „Sage“


BIGMOSCOW // Handel mit Moskau // Gregory Oztemel

Startkapital: einige Tausend

US Dollar

An der Wand hängt bei Gregory Oztemel

das Portrait seines Vaters. An der

Schiefertafel daneben steht der Plan für

seine Dienstreisen. Jeder Mitarbeiter,

der zu ihm kommt, sieht den Slogan:

„Lächle – und dein Chef ist zufrieden!“.

– Das Interesse für Russland habe

ich von meinem Vater, – erzählt Gregory.

Noch in den Zeiten der Sowjetunion

kaufte und verkaufte er über „Sojuspromexport“

Metalle in der UdSSR.

Ich war zum ersten Mal in der UdSSR

während meiner Studienzeit. 1971 besuchte

ich Leningrad, Taschkent und

Samarkand. Nach meinem Studienabschluss

in Amerika arbeitete ich eine

Zeitlang im Bankwesen. Danach verkaufte

ich in einigen europäischen Ländern

Ferrochrom, das zu Stahllegierungen

hinzugefügt wird. Später verkaufte

ich in England über „Awtoexport“ in

der UdSSR gekaufte Kleinwagen der

Marke „Zhiguli“. Und 1985 kam ich wie

bereits mein Vater in die UdSSR, um

dort zu arbeiten. Alles in diesem Land

war spannend für mich. Nach der Perestrojka

kaufte ich synthetischen Kautschuk

und verkaufte ihn in die USA.

Ich arbeitete mit Werken in Kazan und

Toljatti zusammen. Wegen der Krise

1995-1996 musste ich mein Profil ändern.

Die Lieferung von medizinischem

Gerät nach Russland schien aussichtsreich.

Diese Nische war noch frei, und

wir bekamen sofort einen Großauftrag.

Ein Klinikum in Moskau hatte vor,

einige Gebäud bauen zu lassen. Es zählte

zu den Kliniken mit High-Tech-Versorgung

und erhielt 40 Mio. US Dollar

für seine Entwicklung. Wir wurden die

Hauptlieferanten der Klinik für medizinische

Geräte.

www.sagemed.ru

– Was meinen Sie, Gregory, welche

finanziellen Mittel braucht

man, um ein Unternehmen in

Russland gründen zu können?

– Ich hatte eine gute Idee und ein

Startkapital von einigen Tausend US

Dollar.

– Braucht ein ausländischer

Unternehmer einen russischen

Geschäftspartner?

– Mit einem russischen Geschäftspartner,

vor allem wenn dieser gute Beziehungen

hat, geht alles viel schneller.

Dies hat hier eine enorme Bedeutung.

Aber ich habe in Russland auch nicht

von Null auf angefangen, ich hatte bereits

viele Bekannte und Freunde. Die


BIGMOSCOW // Handel mit Moskau // Gregory Oztemel

notwendigen Räumlichkeiten haben

wir mit Unterstützung der Hauptverwaltung

für die Diplomatenbetreuung

beim Auswärtigen Amt der Russischen

Föderation gefunden. Heute greifen

viele ausländische und internationale

Unternehmen auf die Hilfe des sogenannten

„Ministeriums für Gastfreundschaft“

zurück.

Später haben wir mit der Einrichtung

unseres eigenen Büros im Zentrum

Moskaus angefangen. Ich kam

vorbei und sah zu, wie die letzten

Stockwerke des Gebäudes fertiggestellt

wurden. Dabei sah ich ein Preisschild:

„2.500 US Dollar pro m 2 “ und dachte

mir: „Oh mein Gott, wie teuer!“. Doch

heute findet man im Zentrum der Stadt

solche Preise wie 20.000 und 40.000

Euro pro m 2 .

Wie schwer ist es für einen

Ausländer, sein eigenes

Unternehmen in Russland zu

gründen?

– Es ist ziemlich einfach. Man muss

nur die Dienstleistungen eines fähigen

Juristen in Anspruch nehmen, der die

notwendigen Dokumente vorbereitet.

Fünf Stunden lang tranken

sie bei uns Tee…

Wie schwer was es für Sie,

gutes Personal zu finden?

– Es war schwer, Menschen zu finden,

die sich mit unserem Unternehmen

identifizieren würden. Damals

wollten viele in Russland selbstständig

sein. Auch Spezialisten mit Erfahrungen

im Verkaufsbereich und mit technischem

Verständnis – die wir im Rahmen

unseres Vertriebs von den neusten

medizinischen Geräten brauchten

– waren selten. Aber auch ich selbst

musste viel von meinen Lieferanten lernen.

– Müssen Ihre Mitarbeiter auf

jeden Fall Englisch können?

Ihr Business kann direkt vom nächsten

Beschluss der Regierung

und des Gesundheitsministeriums

Russlands abhängen.


BIGMOSCOW // Handel mit Moskau // Gregory Oztemel

In Russland begegnet man Unbekannten mit

Misstrauen, bis das erste Eis gebrochen ist

und man sich einander näher kommt.


BIGMOSCOW // Handel mit Moskau // Gregory Oztemel

– Nein, das ist keine Einstellungsvoraussetzung.

Wir beschäftigen vier

Mitarbeiter, die gut Englisch sprechen

können. Zuerst hatten wir 15 Mitarbeiter,

heute beschäftigen wir 50. Fast alle

von ihnen kommen aus Russland. Und

nur zwölf von ihnen sind Mediziner.

Ansonsten haben wir viel mit Logistik

und Buchhaltung zu tun.

Aber es fällt mir auf, dass die russischen

Menschen sich allmählich ändern.

Meine Mitarbeiter werden entscheidungsfreudiger

und zeigen mehr

Initiative. Es ist schön, ihre Entwicklung

zu verfolgen. Allerdings kommen

zu uns auch immer mehr junge Menschen,

die gleich am Anfang ein hohes

Gehalt erwarten. So etwas kann ich

nicht nachvollziehen.

Wie viel verdienen Ihre

Mitarbeiter?

– Zwischen 70.000 Rubel (ca. 2.240

US Dollar) und 120.000 Rubel (ca.

3.840 US Dollar). Das ist ein gutes Gehalt

für russische Verhältnisse. Dabei

sollten Sie beachten, dass die Einkommensteuer

in Russland lediglich 13%

beträgt. Aber jeder möchte noch mehr

verdienen.

– Mit welchen Schwierigkeiten

hatten Sie zu kämpfen?

– Alles entwickelte und veränderte

sich rasant. In den 90er Jahren waren

die Unternehmer in Russland wie Cowboys.

Man konnte sich nicht einmal eine

Pause von einer Woche leisten, sonst

hätte man einen Vertragsabschluss verpasst.

Es gab viele Probleme mit dem

inländischen Transport und mit dem

Zoll. Einmal importierten wir die neusten

Anästhesiegeräte, wo auf dem Monitor

der Gehalt des Kohlenstoffdioxids in

der Mischung, die der Patient einatmen

soll, angezeigt wird. Die Zollbeamten

verwechselten dieses Messgerät mit einem

anderen und dachten, dass unser

Gerät den Gehalt des Kohlenstoffdioxids

in Autoabgasen bestimmen soll. Es gibt

hier einen großen Unterschied bei der

Warenverzollung: Der Zoll für die medizinischen

Geräte beträgt 5%, und für die

Geräte fürs Auto – 35%. So mussten wir

Die russischen Menschen ändern sich allmählich.

Meine Mitarbeiter werden entscheidungsfreudiger

und zeigen mehr Initiative.


BIGMOSCOW // Handel mit Moskau // Gregory Oztemel

die Arbeitsweise des Geräts sogar in einem

Klinikum vorführen.

Der Ausländer sollte wissen, dass sein

Business direkt vom nächsten Beschluss

der Regierung und des Gesundheitsministeriums

Russlands abhängen kann.

Einmal haben wir bei einem Großauftrag

in Chabarowsk herbe Verluste erlitten.

Der Hersteller aus Europa hatte

eine Verzögerung mit seiner Gerätelieferung.

Als die beiden Container aus

Deutschland dann endlich an der Zollgrenze

ankamen, stellte sich heraus,

dass eines der für uns relevanten Gesetze

sich mit dem neuen Jahr geändert

hatte und somit auch eine Änderung

der Verzollungsbestimmungen nach

sich zog. So mussten unsere medizinischen

Geräte drei Monate beim Zoll

bleiben. Die Kartonverpackungen, die

die Schutzverkleidungen gegen Röntgenstrahlen

beinhalteten, gingen kaputt.

Die Lieferung war zwar versichert, aber

es war eine Zeit der Krise, und wir haben

nicht die volle Versicherungssumme

von unserer Versicherungsgesellschaft

erhalten.

– Und hatten Sie Probleme mit

der Prüfungsbehörde?

– Ich werde nie die Zeit vergessen,

als wir unser renoviertes Gebäude in


BIGMOSCOW // Handel mit Moskau // Gregory Oztemel

Die Prüfer saßen da, tranken fünf Stunden

lang Tee und warteten auf irgendetwas.

Man fing zum dritten Mal an, unsere

Steckdosen zu kontrollieren.

der Malaja-Nikitskaja-Straße in Betrieb

nahmen. Kaum hatten wir einen

Baum abgesägt, erschien sofort eine

Mitarbeiterin der Lokalverwaltung

und fragte ziemlich ungehalten, ob wir

denn auch eine Absägeerlaubnis dafür

hätten. Sie war sehr überrascht und

scheinbar auch enttäuscht, als wir ihr

diese Erlaubnis zeigen konnten. Später

kam eine Kommission aus zehn Mann,

um das neue Gebäude abzunehmen.

Man hat das Gebäude besichtigt und

alle Genehmigungen bezüglich der Hygienevorschriften

und Standards, das

Vorhandensein von Feuermeldern und

Feuerlöschern, die Bescheinigungen

über den Besuch von Feuerschutzschulungen,

die Feuerschutzvorschriften

sowie den Räumungsplan überprüft.

Und danach wollte die Kommission

immer noch nicht gehen. Sie saßen da,

tranken fünf Stunden lang Tee und

warteten auf irgendetwas. Die Feuerwehr

ging zum dritten Mal los, um unsere

Steckdosen zu kontrollieren…

In Russland wird es nie

langweilig

Wie hoch ist Ihr Umsatz?

– 750 Mio. Rubel (ca. 24,02 Mio. US

Dollar). Unser Unternehmen ist nicht

groß, aber unser Business expandierte

im Vergleich zu den 90er Jahren auf

das Fünffache. Wie verfügen über Lagerräume,

kaufen die Geräte aus Europa

und den USA und verkaufen sie

in Russland weiter. Mittlerweile kenne

ich Russland sogar besser als mein Heimatland

Amerika. Wir liefern moderne

Geräte, aber erleben es immer wieder,

dass in der Provinz ein Mangel an Spezialisten

herrscht, die diese Geräte bedienen

könnten.

Wie sieht es mit der

Konkurrenz aus?

– Viele große ausländische Unternehmen

eröffnen in Russland Vertriebsfirmen.

Es entstehen auch kleinere Unternehmen

für fünf oder sechs Jahre, um

dann wieder zu verschwinden und sich

später unter einem anderen Namen wie-


BIGMOSCOW // Handel mit Moskau // Gregory Oztemel

der anzumelden. Man sollte in unserer

Branche viele Feinheiten beachten. Die

Registrierung medizinischer Geräte ist

zum Beispiel sehr kompliziert. Es kostet

viel Zeit, mann muss eine Menge von

Dokumenten vorbereiten und viel Geld

ausgeben. Um Testversuche mit den Geräten

in den Kliniken durchführen zu

können, muss man bekannte Ärzte bei

den Forschungsinstituten haben. Und

die Beamten im Gesundheitsministerium

sind sehr bürokratisch. Manchmal

dauert es schon drei bis vier Monate, bis

sie Ihnen ein Dokument ausstellen. Und

mit einem Ministerwechsel wird in der

Regel sein ganzes Mitarbeiterteam ausgetauscht.

Es kommen neue Menschen

und mit ihnen auch neue Gesetze und

Bestimmungen. Heute können sich zum

Beispiel die Behörden nicht entscheiden:

Sollten sie das Geld den Regionen

zur selbstständigen Verwaltung geben

oder sollten sie die medizinischen Geräte

zentral einkaufen?

– Was sollte man über die

russische Mentalität wissen?

– In Amerika verhalten sich die

Menschen solange freundlich, bis man

ihnen in die Quere kommt. In Russland

dagegen begegnet man Unbekannten

mit Misstrauen, bis das erste Eis gebrochen

ist und man sich einander näher

kommt. Dann öffnen Ihnen die Russen

ihre Seele. Hier ist es sehr wichtig,

überall vorgestellt zu werden, bevor die

erste Begegnung stattfindet.

Wie wäre es für Sie, wenn Sie

ein solches Unternehmen in

Amerika hätten?

– In den USA herrscht ein riesiger

Konkurrenzkampf. In Russland sind

die Verhältnisse und die Größen anders.

Ich arbeite mit dem ganzen Land

zusammen. In Amerika hätte ich an der

Peripherie bei Weitem weniger Arbeit

als in den Großstädten.

– Lassen Sie uns eine Bilanz

ziehen: Lohnt es sich überhaupt,

sein Business in Russland und

speziell in Moskau zu haben?

– Eindeutig ja! Es ist sehr gewinnbringend.

Und hier wird es Ihnen nie

langweilig werden. Man sollte sich auf

Russland gut vorbereiten, flexibel und

geduldig sein sowie immer am Ball

bleiben.

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Nach Moskau der Arbeit wegen

Auf dem Arbeitsmarkt in der

russischen Hauptstadt müssen

Ausländer immer häufiger mit den

Moskauern konkurrieren.

Nach Moskau

der Arbeit

wegen

Text: Vladimir Mochow | Foto: HeadHunter | Übersetzung: Dr. Helga Schulze-Neufeld


BIGMOSCOW // Nach Moskau der Arbeit wegen // Michail Schukow

Nach Moskau der Arbeit wegen kommen heute nicht nur

Bewohner der russischen Peripherie oder Bürger aus den GUS-

Ländern. Die Hauptstadt der Russischen Föderation mit ihrer

dynamischen Entwicklung ist auch für Bürger Westeuropas

und Amerikas sehr attraktiv. Darüber, was sie hier erwartet,

erzählt Michail Schukow, Geschäftsführer von HeadHunter.

... über HeadHunter


BIGMOSCOW // Nach Moskau der Arbeit wegen // Michail Schukow

– Michail, wie viele Menschen

aus Westeuropa und Amerika

bekommen jährlich eine

Einstellung in Moskau?

– Wir führen auf Basis von hh.ru eine

Statistik über die Dynamik des Anstiegs

der Bewerbungen von Bewerbern, die

weder aus Russland noch aus den GUS-

Ländern kommen, die somit den Anstieg

von Bewerbungen der Ausländer

in Russland zeigt. Man konnte eine Erhöhung

der Zuwachsrate solcher Bewerbungen

auf der Basis von hh.ru bis 2010

verzeichnen. 2010 fiel die Zuwachsrate

um 60%. Dies heißt nicht, dass es weniger

Bewerbungen gibt, in den absoluten

Zahlen wurden es sogar mehr. Die Zuwachsrate

ist aber um die Hälfte gefallen.

2011 fiel die Zuwachsrate im Vergleich

zum Jahr 2010 wieder größer, aber im

Vergleich zum Jahr 2009 kleiner aus. In

diesem Jahr rechnen wir mit einer geringfügigen

Zuwachsrate.

– Aus welchen westeuropäischen

Ländern und Teilen von

Amerika kommen die meisten

www.hh.ru

Arbeitssuchenden in die

russische Hauptstadt?

– Den ersten Platz nehmen die Englisch

sprechenden, den zweiten die

Deutsch sprechenden, den dritten die

Französisch sprechenden und den vierten

Platz die Spanisch sprechenden Bewerber

ein (ohne Berücksichtigung anderer

Länder). Die ungefähre Top-Five

der westlichen Länder, aus welchen absolut

die meisten Bewerber nach Russland

kommen: Großbritannien, die USA,

Deutschland, Frankreich und Spanien.

Die Top-Five der westlichen Länder,

aus welchen die meisten Bewerber nach

Russland kommen: Großbritannien, die

USA, Deutschland, Frankreich und Spanien.


BIGMOSCOW // Nach Moskau der Arbeit wegen // Michail Schukow

– In welchen Bereichen sind

Amerikaner, Engländer,

Franzosen und Deutsche am

meisten gefragt?

– Zu den größten Aufnahmebereichen

von qualifizierten Kräften aus dem

Ausland gehören vor allem Consulting,

Banken, Produktion, der Erdölsektor

und evtl. auch das Retail-Business. 2011

fanden die Unternehmen allein über das

Portal hh.ru (und unseren Geschäftspartner

TheNetwork über 2.000 hochqualifizierte

Spezialisten und Manager aus dem

Ausland.

– Große russische Monopol-

Unternehmen, die ihre Büros im

Zentrum Moskaus haben, kaufen

für ihre „Paten-Fußballteams“

oft teure Fußballspieler. Und

haben sie auch Interesse für die

teuersten Top-Manager aus dem

Ausland?

– In letzter Zeit schrumpfte das Interesse

an teuren westeuropäischen Managern

in Russland zusehends. Dafür

gibt es einige Gründe: Erstens stehen

the-network.com

die russischen Top-Manager den ausländischen

in fast nichts nach – sie haben

gute Managererfahrungen in modernen

Großunternehmen, zweitens ist der Einstellungsprozess

eines ausländischen

Managers eine komplizierte und teure

Angelegenheit, drittens kommen die Gehälter,

die von den Top-Managern aus

dem Ausland verlangt werden, den russischen

Unternehmen übertrieben hoch

vor. Außerdem gibt es in Russland fast

gar keine Businessrichtungen, wo man

auf die teuersten Top-Manager aus dem

Ausland angewiesen wäre.

Es werden Spezialisten eingestellt, die ihr

Wissen einbringen und ihre Erfahrungen an

die russischen Kollegen weitergeben können.


BIGMOSCOW // Nach Moskau der Arbeit wegen // Michail Schukow

Die russischen Top-Manager stehen den

ausländischen in nichts nach – sie haben

gute Managererfahrungen in modernen

Unternehmen.

– Und weshalb sind die

ausländischen Kräfte dennoch

so attraktiv für die russischen

Arbeitgeber?

– Das Interesse an ihnen ist eher pragmatischer

Art: Die Ausländer haben das,

was die russischen Bürger nicht haben.

Die ausländischen Spezialisten, Technologen

und Ingenieure verfügen zum Beispiel

über aktuelles Wissen und über reale

Berufserfahrungen nach den modernen

technologischen Standards. Es werden

Spezialisten eingestellt, die ihr Wissen

hier einbringen und ihre Erfahrungen an

die russischen Kollegen weitergeben können.

Der Hauptvorteil von ausländischen

Managern liegt in

ihren Erfahrungen

im Bereich des effizienten

Managements

unter den

besonderen Umständen,

welche

sich in Russland

gerade herausbilden.

In Russland

herrscht zurzeit ein

Zuwachsraten

der Bewerbungen

von Ausländern

Mangel an Menschen, die solche Erfahrungen

vorweisen können. Für die Unternehmen,

die auf dem internationalen

Markt mitspielen wollen, sind außerdem

der Ruf der Manager und ihre Beziehungen

von Bedeutung.

– Und wie sieht es mit der

Konkurrenz aus?

– Die Konkurrenz zwischen den russischen

und den ausländischen Managern

um die gleiche Stelle wächst zusehends.

Vor etwa vier oder fünf Jahren

würde man die ausgeschriebene Stelle

eines Vorstands bei einer Bank oder bei

einem Pharmaunternehmen eher an einen

Ausländer vergeben. Heute

würde die Entscheidung über

die Stellenvergabe eher von den

persönlichen und fachlichen

Eigenschaften der potentiellen

Kandidaten abhängen.

Unser Unternehmen hat seinen

eigenen universellen Indikator

für die Konkurrenz unter

den Bewerbern, den hh –Index.

Im Top-Management-Bereich in


BIGMOSCOW // Nach Moskau der Arbeit wegen // Michail Schukow

Moskau beträgt dieser

Index 8,9. Dies

bedeutet, dass sich

auf eine freie Stelle

fast neun Bewerber

bewerben. Diese Index-Zahl

ist zurzeit

die höchste Zahl auf

dem Arbeitsmarkt.

Durchschnittslöhne

in Moskau

– Womit kann

ein Ausländer rechnen, wenn er

über eine Einstellung in Russland

nachdenkt?

– Er kann vor allem mit einem Gehalt

rechnen, das höher als das in seiner

Heimat ausfallen wird. Aber es wird ihn

nicht zum Millionär machen. Diese Zeiten

sind in Russland endgültig vorbei,

und deshalb sollten diejenigen, die ein

Vermögen als Top-Manager in einem

Unternehmen machen wollen, sich diese

Sache gut überlegen.

Moskau ist eine ziemlich teure

Stadt. Wie lösen hier die ausländischen

Spezialisten

ihre Wohnungs– und

Verpflegungsprobleme

etc.?

– Der Arbeitgeber kann

viele alltägliche Fragen lösen,

wenn dies bereits im Vertrag

festgehalten wird und der

Mitarbeiter wirklich eine Bereicherung

für das Unternehmen

darstellt, d.h. er dem

Unternehmen mehr bringt als er kostet.

– Und wie ist die Vertragslänge?

– Laut unseren Untersuchungen aus

dem Jahre 2010, die wir zusammen

mit unserem Geschäftspartner Net-

Work, dem Netz von Recruiting-Seiten,

durchgeführt haben, rechnen die meisten

Bewerber, die in Moskau und in

den anderen russischen Städten nach

einer Stelle suchen, mit einem 5– bis

7-jährigen Vertrag.

– Häufig hört man, dass die russischen

Unternehmen von ihren

Im Top-Management-Bereich in Moskau

beträgt der hh-Index 8,9. Dies bedeutet,

dass fast neun Bewerber sich auf eine freie

Stelle bewerben.


BIGMOSCOW // Nach Moskau der Arbeit wegen // Michail Schukow

ausländischen Mitarbeitern das

Erlernen der russischen Sprache

fordern und diese Forderung

nicht selten auch im Vertrag

festhalten.

– Im Prinzip ist dies ein ganz logischer

Wunsch eines Arbeitgebers. Wenn

ein Unternehmen einen gutbezahlten

ausländischen Mitarbeiter in Russland

beschäftigt, darf es auch von ihm Basiskenntnisse

des Russischen verlangen. Ich

denke aber nicht, dass die Mitarbeiter

aus dem Ausland etwas dagegen hätten,

da die Russischkenntnisse ihre Attraktivität

auf dem russischen Arbeitsmarkt

deutlich erhöhen.

– Was sollten ein Europäer oder

ein Amerikaner unternehmen,

wenn sie über eine Einstellung in

Moskau nachdenken?

– Sie sollten verschiedene Meinungen

über ihr zukünftiges Arbeitsumfeld in

Moskau einholen, eine mehrwöchige Urlaubs–

bzw. Erkundungsreise in die russische

Hauptstadt unternehmen, die Unternehmen

festlegen, bei welchen sie sich

eine Einstellung vorstellen können, anfangen,

Russisch zu lernen und schließlich

ihre Bewerbung auf zwei Sprachen

(Russisch und Englisch) auf hh.ru platzieren.

Wenn ein Unternehmen einen gutbezahlten

ausländischen Mitarbeiter in Russland

beschäftigt, darf es von ihm auch

Russischkenntnisse verlangen.

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Startup und Venture

Urlaub

ab dem ersten

Klick

„Travelata.ru” präsentiert sich als ein Unternehmen der

neuen Generation. Der Verkauf von Urlaubsangeboten

passiert hier übers Internet. Dabei kommen die neuesten

Technologien zum Einsatz, mithilfe derer der Kunde sehr

bequem seine Reiseauswahl treffen, die Reise reservieren

und bezahlen kann.

Die Bezahlung für die ausgewählte Reise erfolgt mit der

Bankkarte über das Portal. Der potentielle Urlauber verliert

somit keine Zeit mit dem Besuch des Reisebüros und

mit den nicht immer kompetenten Reisebüromitarbeitern.

Die Reisesuche erfolgt über eine Suchfunktion. Um die

in Frage kommende Reise zu finden, muss man Suchparameter

wie Art und Zielpunkt der Reise angeben. Man

kann zusätzlich auch die Auswahl eingrenzen, indem man

Preisgrenzen nach oben und nach unten festlegt.

Die Bezahlung bei dieser Vorgehensweise erfolgt im Rahmen

des „Payment Gateway“, das von einer der größten

russischen Banken zur Verfügung gestellt wird. Die

Zahlungssicherheit wird durch die Verwendung des SSL-

Protokolls, das die vertraulichen Kundeninformationen zur

Weiterverarbeitung an den Server des Payture-Systems

überträgt, gewährleistet. Die anschließende Informationsweitergabe

erfolgt innerhalb der geschlossenen Banknetze

mit der höchsten Sicherheitsstufe. Dabei besitzt nur die

Bank den Zugang zu den Bankkartendaten: Die Erfassung

und Verarbeitung von vertraulichen Kundendaten erfolgt

im Text: gesonderten travelata.ru Rechenzentrum | Übersetzung: und Dr. Helga nicht auf Schulze-Neufeld der Seite

von Travelata.ru.

Der wichtige Vorteil bei einer Reisebuchung über Travelata.ru

ist auch die elektronische Erfassung der Reiseunwww.travelata.ru


BIGMOSCOW // Startup und Venture // Travelata.ru und Bas Godska

.. ..

Ein Gespur fur

aussichtsreiche

Projekte

Bas Godska, international tätiger Fachmann

und Consultant im Bereich Marketing und

Unternehmensentwicklung, hat dieses Gespür. Er hat

selbst in das Projekt Travelata.ru investiert.

Text: Dmitrij Semjonow | Foto: acrobator.com | Übersetzung: Dr. Helga Schulze-Neufeld


BIGMOSCOW // Startup und Venture // Travelata.ru und Bas Godska

Der Verkauf von Reiseangeboten übers Internet ist für die

russische Reiseindustrie Neuland. Projekte auf diesem Markt

gehören zu den Startups. Wieso entscheiden sich die Investoren

für solche Projekte? Und wie riskant sind die Investitionen im

Bereich des E-Commerce in Russland? Darüber berichtete

BIGMOSCOW Bas Godska, Investor des Projekts Travelata.ru,

international tätiger Fachmann und Consultant im Bereich

Marketing und Unternehmensentwicklung.

– Warum haben Sie sich entschieden,

ein Startup ausgerechnet

im Bereich der Touristikbranche

auf dem russischen Markt zu

unterstützen?

– Ich verfüge über eine siebenjährige

Erfahrung im Bereich Online Travel im

Westen. Mir ist es gelungen, vier Startups

in dieser Branche erfolgreich zu

entwickeln. Dieses Gebiet ist für mich

gut verständlich und daher sehr interessant.

Ich mache grundsätzlich nur das,

was ich interessant finde. In diesem Fall

weckte mein Interesse das Angebot von

Travelata.ru, Urlaubskomplettpakete zu

verkaufen. Dieser Bereich ist sehr aussichtsreich.

Als das System des Flugticketverkaufs

übers Internet kam, glaubte

auch kaum jemand daran. Heute ist man

vom Komfort des Ticketverkaufs übers

Internet überzeugt. Somit besteht auch

die Besonderheit des Projekts Travelata.

ru darin, den Kunden bequeme Kaufbedingungen

anzubieten. Der Kunde

braucht nicht selbst nach einer Reise zu

suchen, diese Arbeit wird ihm abgenommen.

Man setzt vor allem auf die Qualität

der Dienstleistungen. Wir bieten auch

Garantien an: Travelata.ru hat seriöse

Geschäftspartner. Innerhalb eines Jahres

nach dem Start des Projekts zeigte Travelata.ru,

dass es lebensfähig und aussichtsreich

ist.

– Welche Rolle spielen Sie

bei diesem Projekt? Und wie

wurde das Mitarbeiterteam

zusammengestellt?

– Beim Projekt Travelata.ru fungiere

ich als Investor und Mitbegründer. Meine

Tätigkeit innerhalb des Projekts liegt

www.travelata.ru


BIGMOSCOW // Startup und Venture // Travelata.ru und Bas Godska

im Marketing. Ich kümmere mich um die

Weiterentwicklung der Seite sowie um

die Markenkommunikation. Im Grunde

genommen bin ich der Marketingmanager.

In Bezug auf das Personal kann ich nur

sagen, dass ich selbst gefunden wurde. Es

gab am Anfang zwei Unternehmensgründer,

die mir die Teilnahme im Projekt

anboten. Sie hatten eine Idee, doch ihnen

fehlte ein erfahrener Manager im Bereich

Marketing. Sie machten mir ein interessantes

Angebot, und ich investierte in das

Projekt. Ich finde das Team von Travelata.ru

richtig gut. Ich vertraue dem Leiter

des Projekts, Alexej Sarezkij, dem auch

die Idee gehört. Er denkt positiv, sowohl

als Theoretiker als auch als Praktiker.

– Wenn wir über den

E-Commerce-Markt reden

– wie gefährlich ist dieses

Unternehmen in Russland?

Man hat ja bereits viel über die

russischen Hacker gehört.

– Dieses Problem hat man nicht nur

in Russland. Aber wir hatten noch keine

derartigen Probleme, denn unser Business

ist transparent, und wir verwenden

keine Systeme, die gegen das Gesetz

verstoßen. Außerdem gibt es bestimmte

Mittel, die einem helfen, Betrug aufzudecken.

Nach meinen Arbeitserfahrungen

in Russland kann ich sagen, dass es im

Bereich des E-Commerce keine Hacker-

Probleme gibt. Auch die DDOS-Übergriffe,

von denen man uns so häufig warnt,

bringen keine ernsthaften Probleme mit

sich. Allerdings im Offline-Bereich trifft

man auf Probleme unterschiedlicher Art.

Ein ernsthaftes Problem ist dabei der

Lagerdiebstahl. Aber darum sollten sich

Personalabteilungen und Wachdienste in

den Unternehmen kümmern, wo solche

Probleme auftauchen.

– Welche Ratschläge können Sie

potentiellen Investoren geben?

– Ich persönlich entscheide mich immer

für ein solches Projekt, wo ich selbst

etwas direkt bewirken kann. Das können

Ideen, Technologien, Erfahrungen und

Wissen sein. Ich mache mir eine Check-

Liste, wo ich mit Häkchen markiere, was

ich selbst machen könnte. Ich bin ständig

am Überlegen, wie ich die Ideen, mit de-

Als der Flugticketverkauf übers

Internet begann, glaubte auch

kaum jemand daran.


BIGMOSCOW // Startup und Venture // Travelata.ru und Bas Godska

Wenn ich sehe, dass eine Idee noch hinkt, ich

aber dem Autor des Projekts vertrauen kann,

steige ich ein.


BIGMOSCOW // Startup und Venture // Travelata.ru und Bas Godska

sein. Ich habe bereits Business-Pläne gesehen,

die korrekt und fein ausgearbeitet

waren. Aber sie waren schablonenhaft

und hatten kein Alleinstellungsmerkmal,

so als ob ihre Autoren einfach eine Schulübung

gemacht und darauf ihre ganze

Energie verwendet hätten. Für sie war

die Konzeption bereits die vollständige

Grundlage; die finanziellen Berechnungen,

zukünftige Perspektiven und Ideen

im Bereich der Marketingentwicklung

blieben dabei auf der Strecke.

Im Westen ist es heute nicht üblich,

Nach meinen Arbeitserfahrungen in

Russland kann ich sagen, dass es im Bereich

des E-Commerce keine Probleme gibt.

nen man zu mir kommt, in meinen Projekten

umsetzen kann.

Ein wichtiges Element bei der Wahl

eines Startups ist das Projektteam und

das Vertrauen, das man ihm entgegenbringt.

Wenn ich sehe, dass eine Idee

noch hinkt, ich aber dem Autor des Projekts

vertrauen kann, steige ich ein. Die

Verlässlichkeit des Geschäftspartners ist

eine notwendige Voraussetzung. Aber die

Überprüfung ist auch nicht zu vergessen.

Ich bekommen zwischen fünf und sechs

Startup-Angebote pro Woche. Ich beschäftige

in meinem Team spezielle Mitarbeiter,

die diese Angebote überprüfen,

testen und dann zu einem entsprechenden

Schluss kommen.

Das Wichtigste ist aber, dass man ein

Gespür für aussichtsreiche Projekte hat.

Dabei spielt das Business-Modell oft nur

eine untergeordnete Rolle. Wenn ich ein

Angebot von jemanden bekomme, frage

ich ihn gleich: Wollen Sie ein langfristiges

Business oder einfach nur die erste

Schicht abschöpfen? Die Investition an

sich sollte nicht das Endziel des Projekts

mit dem Risiko zu spielen. Der potentielle

solide Investor lässt Ruhe walten und

wägt „pro“ und „contra“ lange gegeneinander

ab. Dieses Vorgehen dient dabei

als eine Art Filter: In der Zeit, welche der

Investor zum Überlegen braucht, kann

viel passieren: Die Autoren des Projekts

können ihre Konzeption ändern, oder

das Team bricht komplett auseinander.

Aber es kann auch anders laufen: Ein

Investor erzählte mir, dass am besten

solche Konzepte funktionieren, wo man

in unbekannte Bereiche investiert und


BIGMOSCOW // Startup und Venture // Travelata.ru und Bas Godska

Die Nachfrage nach Internet-Werbung,

Online-Marketing-Dienstleistungen,

E-Commerce und Apps für Mobiltelefone

wird steigen.


BIGMOSCOW // Startup und Venture // Travelata.ru und Bas Godska

dabei ein hohes Risiko trägt. Dieser Investor,

der nichts von Mineralwasserarten

verstand, investierte übrigens in den

90er Jahren in die erfolgreiche Mineralwassermarke

„Borjomi“ und hatte damit

Recht. Aber diese Geschichte bleibt eher

eine Ausnahme.

– Welche Richtungen sind

am aussichtsreichsten für die

russischen Startup-Projekte?

Online-Handel. Der Kunde kann übers

Internet oder über Mobilfunk-Apps seine

Bestellungen bei einer großen Handelskette

aufgeben und später an einem

vereinbarten Ort abholen. Dieses Projekt

befindet sich noch im Entwicklungsstadium,

weil man noch zwei Handelsbereiche

aufeinander abstimmen muss – online

und offline. Es gibt aber auch noch weitere

interessante Ideen wie zum Beispiel

der Ankauf und die Weiterverwendung

Nicht alle Investoren finden kleine Projekte

attraktiv. Große Unternehmen interessieren

sich in der Regel für große Projekte.

– Ideal ist die Internet-Werbung, danach

kommen Online-Dienstleistungen

im Bereich Marketing, E-Commerce (z.B.

Internet-Shops mit funktionierender Logistik)

und Apps für Mobiltelefone. Diese

werden heute stark nachgefragt. Gute

Perspektiven haben auch Dienstleistungen

im Bereich Consulting. Aber da sollte

man es sich sehr genau mit den Investitionen

überlegen, da vieles von den Honoraren

der Mitarbeiter abhängt.

Für die Zukunft plane ich eine Zusammenarbeit

mit den großen Handelsnetzen

im Bereich der Organisation von

von „Karteileichen“ – inaktiven Werbebannern.

Es soll außerdem ein Internet-

Shop für Kinderbekleidung entstehen.

Auch ein Startup im Bereich der Anwendungen

für Mobiltelefone ist geplant.

– Mit welchen Schwierigkeiten

haben Sie zu kämpfen, wenn

Sie Ihre Projekte in Russland

realisieren?

– In erster Linie betrifft das die Suche

nach kompetenten Mitarbeitern, die alles

sofort verstehen. Solche Mitarbeiter zu

finden ist sehr schwer, es bewerben sich


BIGMOSCOW // Startup und Venture // Travelata.ru und Bas Godska

Prüfungsbehörden? Wie

schaffen Sie es, die weltbekannte

russische Bürokratie zu

besiegen?

– Als ich 2008 zum ersten Mal nach

Russland kam, war ich geschockt. Der

„Bürokratiesumpf“ verschluckte jede

Initiative. Zum Glück stellte ich ein gutes

Team zusammen, das sich mit allen

Bürokratiefragen auseinandersetzte.

Ein gutes Spezialistenteam ist ziemlich

kostspielig, aber man löst dadurch eine

Menge Probleme. Im Allgemeinen sind

Das Problem des russischen Startup-

Marktes besteht darin, dass er keine

Mentoren hat, die bereit wären, ihr Wissen

weiter zu vermitteln.

vor allem Menschen mit geringen Erfahrungen

im gesuchten Bereich. Aber natürlich

mangelt es ihnen an Erfahrungen,

denn der Bereich des Online-Handels

kommt in Russland gerade erst auf. Aber

leider möchten auch solche unerfahrenen

Mitarbeiter sofort hohe Honorare bekommen.

Die nächste Schwierigkeit besteht darin,

dass nicht alle Investoren kleine Projekte

attraktiv finden. Große Unternehmen

interessieren sich in der Regel für

Großprojekte. Etwas, das irgendwo dazwischen

liegt, wird oft übersehen. Insbesondere

dann, wenn man dabei etwas

tun muss. Ich habe aber kein Problem

damit, für das Projekt 16 bis 18 Stunden

pro Tag zu arbeiten. Dabei ist mir klar,

dass die Erfolge auf sich warten lassen

können. Nicht alle sind bereit, unter solchen

Bedingungen zu arbeiten und zu

investieren.

– Gibt es auch Schwierigkeiten

bei der Zusammenarbeit mit

den russischen staatlichen

in Russland die Verhältnisse zwischen

Staat und Business in vielerlei Hinsicht

nicht geregelt. In den westlichen Ländern

ist es für die Behörden üblich, Zielgruppenforschung

zu betreiben. So wird zum

Beispiel gemessen, wie viel Zeit ein Unternehmer

mit dem Ausfüllen von Steuerformularen

verbringt. Die Forschungsergebnisse

sollen dazu dienen, die Zeit

für das Ausfüllen der Formulare zu senken,

damit der Unternehmer mehr Zeit

für sein Businessprojekt bekommt. Ich

hoffe sehr, dass man auch in Russland


BIGMOSCOW // Startup und Venture // Travelata.ru und Bas Godska

irgendwann mal dazu kommt. Aber noch

ist das Bürokratieproblem insbesondere

für die Startups existent. Nicht alle können

sich ein gutes Spezialistenteam leisten.

– Werden die russischen Startups

den ausländischen Investoren

nicht mit der Zeit Konkurrenz

machen? Haben Sie keine Angst

davor?

– Zu einem gewissen Grade ist die Befürchtung

da. Als ich mit meinen Projekten

in Russland anfing, kam ich mir wie

ein Astronaut vor. Heute habe ich dieses

Gefühl nicht mehr. Es kommen immer

mehr mutige und energische Jungunternehmer,

die nicht nur Ihre Ideen vorschlagen,

sondern auch bereit sind, diese

zu realisieren. Es gibt auch viele Projekte,

die im Alleingang entwickelt werden, d.h.

mithilfe von Investorenkapital aus Russland.

Dies bedeutet, dass die Zeiten, wo

jeder ausländische Unternehmer als eine

Art Guru galt, langsam vorbei sind.

Aber das Problem des russischen Startup-Marktes

besteht darin, dass er keine

Mentoren hat, die bereit wären, ihr Wissen

weiter zu vermitteln. Jeder hier ist

ein Einzelkämpfer, der nicht besonders

hilfsbereit ist. Anders als in Silicon Valley,

wo der Austausch von Ideen und Erfahrungen

üblich ist. Dort wird das System

eines „Wissenspools“ bewusst gelebt,

was zu sehr guten Ergebnissen führt. In

Russland gibt es so etwas nicht. Es gibt

hier auch nicht so viele Fonds, die bereit

wären, in Startups zu investieren. Und

auch nicht jedes Unternehmen wäre zu

einer Zusammenarbeit mit einem Startup

bereit. Die Situation stagniert. Daher

ist der Bedarf an Fachleuten aus dem

Westen, an ihren Geldmitteln und Ideen

in Russland noch immer da.

Das Bürokratieproblem in Russland

ist insbesondere für die Startups noch

existent. Nicht alle können sich ein gutes

Spezialistenteam leisten.

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Sicherheit

Darüber, wie private Security-

Unternehmen eine komfortable

Entwicklung für die ausländischen

Unternehmen in Russland

gewährleisten können, berichtet

Alexandr Reschetnikow,

Leiter der Unternehmensgruppe für

Sicherheit „Vityaz“.

Hinter dem Schild

der Spezialisten

Text: Matthew Kozhukhin | Foto: Jurij Schipilow | Übersetzung: Dr. Helga Schulze-Neufeld


BIGMOSCOW // Sicherheit // Alexandr Reschetnikow

Die Sicherheit von Büroräumen, Gütern, Bau– und

Industrieobjekten, Handelskomplexen, Lagerräumen,

die Einziehung von Wertgegenständen…

Mit der Businessentwicklung kommen auch die Fragen

nach der Sicherheit des Business auf. So ist es in jedem

Land der Welt. Russland ist dabei keine Ausnahme.

Wie können die privaten Sicherheitsunternehmen

den ausländischen Investoren dabei helfen?

Wir möchten sofort betonen, dass im Sicherheitsbereich

nur solche Unternehmen qualifizierte Dienstleistungen

anbieten können, die eine langjährige Berufserfahrung

auf diesem Gebiet haben. Zu solchen Spezialisten gehört

auch die Unternehmensgruppe für Security „Vityaz“.

www.gkb-vityaz.ru


BIGMOSCOW // Sicherheit // Alexandr Reschetnikow

Günstige Sicherheit kommt

einen teuer zu stehen

Es ist nicht schwer, im Internet eine

Anzeige für einen persönlichen Wachdienst

oder eine bewaffnete Begleitung

von Gütern zu finden. Man darf sich

nicht von einem günstigen Preis für einen

Sicherheitsdienst blenden lassen,

hinter welchem absolute

Laien stecken,

die ihr Sicherheitsunternehmen

auf

die Schnelle gegründet

haben und nur

wegen ihrer Dumpingpreise

und ihrer

billigen Arbeitskräfte

aus der Provinz

Über private Sicherheitsdienste

in Russland

auf den Markt kommen konnten.

Der zivilisierte Markt für Security-

Dienstleistungen befindet sich in Russland

noch im Entwicklungsstadium.

Und es überrascht überhaupt nicht,

denn das Gesetz über die privaten Sicherheits–

und Detektivdienste wurde

erst vor 20 Jahren angenommen,

davor existierte so etwas

überhaupt nicht. Wie trifft

man in einer solchen Situation

eine gute Wahl? Die

beste Empfehlung ist dabei

die Liste der Objekte,

die vom jeweiligen Sicherheitsdienst

betreut werden.

Wenn zu diesen Objekten

keine Prestige-Objekte


BIGMOSCOW // Sicherheit // Alexandr Reschetnikow

zählen und man Ihnen Dienstleistungen

für einen sehr geringen Preis ohne

Versicherungsschutz anbietet, dann ist

bereits klar, dass daraus nichts Gutes

werden kann.

Vertrauen Sie den Profis

Die Unternehmensgruppe für Sicherheit

„Vityaz“ verspricht keine Dumpingpreise.

Sie wurde 1998 von Veteranen

der Spezialeinheit des russischen

Innenministeriums „Vityaz“ gegründet.

Sie wissen es genau: Sicherheit kann

nicht billig sein. Denn in diesem Fall

wird sie einen teuer zu stehen kommen.

– Manche unserer

Auftraggeber,

die bereits

schlechte Erfahrungen

mit

So kann es

auch kommen Billiganbietern

gemacht haben,

kommen letztendlich

zu den

Profis, – meint

Alexandr Reschetnikow,

Leiter der Gruppe „Vityaz“.

Und im Endeffekt zahlen sie dann ein

zweites Mal.

Für diesen Fall gibt es in Russland

ein Sprichwort: „Der Geizige zahlt

zweimal“. Eine qualifizierte Sicherheitskraft,

die ihren Preis kennt, wird

für einen geringen Lohn keine fleißige

Arbeit vortäuschen. Potentielle Kunden

des Sicherheitsdienstes sollten auch

wissen, dass laut Angaben des russi-

schen Innenministeriums lediglich in

253 von 453 Fällen Überfälle auf die

von den engagierten Sicherheitskräften

bewachten Objekte unterbunden werden

konnten. Dies bedeutet, dass fast

jeder zweite Überfall nicht verhindert

werden konnte…

„Vityaz“ taucht in dieser traurigen

Statistik nicht auf. Die Gründe hierfür

liegen auf der Hand: Das Team von

„Vityaz“ besteht aus Reserveoffizieren

der russischen Rechtssicherheitsorgane

und Sondereinheiten, die professionelle

Arbeitserfahrungen im Bereich

von Ordnungs– und Sicherheitsschutz,

Rechtsschutz, Interessen– und Vermögensschutz

von Bürgern aufweisen

können. Diese Menschen sind gewohnt,

alles für die Umsetzung der gesetzten

Ziele zu riskieren.

Alles in einem

Aber als Trumpf der Unternehmensgruppe

für Sicherheit „Vityaz“ gelten

sowohl ihre qualifizierten Sicherheitskräfte

als auch ihre Gesamtdienstleistungen.

Dies bedeutet, dass wenn Sie

Dienstleistungen des Sicherheitsunternehmens

wie das Bewachen und

die bewaffnete Begleitung von Waren

in Anspruch nehmen, bekommen Sie,

wenn Sie sich für das „Gesamtpaket“

entscheiden, auch die Überprüfung des

Personals dazu. Solche Dienstleistungen

werden Ihnen nicht alle nichtstaatlichen

Sicherheitsunternehmen bieten

können. Denn dafür brauchen sie eine


BIGMOSCOW // Sicherheit // Alexandr Reschetnikow

Die Vorteile von „Vityaz“ sind sowohl

ihre qualifizierten Sicherheitskräfte als

auch ihr Gesamtpaket

an Dienstleistungen.


BIGMOSCOW // Sicherheit // Alexandr Reschetnikow

starke analytische Abteilung in ihrem

Team. Bei der Gruppe „Vityaz“ besteht

diese Abteilung vorrangig aus ehemaligen

Mitarbeitern der staatlichen

Rechtssicherheitsorgane, die sich auf

die Bekämpfung von Wirtschaftsverbrechen

spezialisiert haben.

– Einer unserer Kunden, ein ausländisches

Unternehmen, das sich

für das Gesamtpaket unserer Sicherheitsdienstleistungen

entschieden hat,

suchte nach einem neuen Finanzdirektor,

– erzählt Alexandr Reschetnikow.

Unser Sicherheitsdienst überprüfte die

Bewerber und stellte fest, dass einer

von ihnen eine kriminelle Vergangenheit

hatte, denn er hatte Beziehungen

zu professionellen Räubergruppen. So

konnte diese Prüfung dem ausländischen

Unternehmen ernsthafte Schwierigkeiten

ersparen.

Es ist natürlich nicht bewiesen, dass

der entlarvte Bewerber die ausländischen

Unternehmer tatsächlich ihres

Business entledigen wollte, aber er

hätte sie natürlich in anderen Angelegenheiten

unter

Druck setzen

können. Es ist

daher wichtig,

rechtzeitig

eine „Personalschranke“

vor

potentiellen Verbrechern

zu setzen.

Die Gruppe

Objekte, die

von „Vityaz“

bewacht

werden

„Vityaz“ stützt sich dabei auf das Gesetz

„Über den privaten Detektiv– und

Sicherheitsdienst in der Russischen

Föderation“, in dessen Rahmen sie beratend

ihren Kunden zur Seite steht

und Ratschläge in Schutzfragen gegen

gesetzeswidrige Übergriffe gibt. Die

Unternehmensgruppe für Sicherheit

„Vityaz“ hat auch eine eigene Rechtsabteilung,

wodurch sie alle juristischen

Probleme ihrer Kunden schnell lösen

kann. Zum Rechtsservice der Gruppe

gehören auch Beratungstermine mit einem

Anwalt und ein schnelles Reagieren

vor Ort in Fragen der Sicherheit vor

gesetzeswidrigen Übergriffen usw.

„Blindenführer“

für Investoren

Ausländische Investoren, die sich

nur schlecht auf dem russischen Markt

auskennen, brauchen einen „Blindenführer“,

der sie im Falle unvorhergesehener

Ereignisse schützen kann. Dabei

kann bereits das Vorhandensein eines

eigenen Sicherheitsdienstes bei der

russischen Tochtergesellschaft

eines ausländischen Mutterkonzerns

abschreckend auf

potentielle Verbrecher wirken.

Aber die Aufstellung eines

eigenen Sicherheitsdienstes

ist ein langwieriger und komplizierter

Prozess. Bei den ersten

Entwicklungsschritten des

Unternehmens kann daher ein


BIGMOSCOW // Sicherheit // Alexandr Reschetnikow

längerfristiger Vertrag mit einem renommierten

Sicherheitsunternehmen,

das ein vielseitiges Paket an Sicherheitsdiensten

anbietet, gute Dienste

erweisen. Dabei handelt es sich in erster

Linie um die physische Überwachung

von geschlossenen und offenen

Objekten und Industrieanlagen, Lagerhäusern,

Parkhäusern, Banken, Büros,

Einkaufs– und Unterhaltungszentren

sowie Privathäusern, um die bewaffnete

und unbewaffnete Begleitung von

Gütern, um den privaten Begleitschutz

mit uns, einem professionellen Sicherheitsdienst,

unterschrieben hat und

das Objekt mithilfe von modernen Sicherheitssystemen

überwacht wurde,

hörten die Diebställe auf. Und gleich

darauf kündigten fast 20% der Mitarbeiter

des Unternehmens. Im Rahmen

der eingeleiteten Untersuchungen fand

unser Unternehmen heraus, dass dies

nicht nur gewöhnliche Diebe waren,

sondern einer organisierten Verbrecherorganisation

angehörten. Sie haben

sich extra auf Stellen bei solchen

Sie zahlen nur einmal und bewahren Ihren

Besitz vor Feuer und ihr Portemonnaie

vor zusätzlichen „Kontroll“-Ausgaben.

sowie um Sondereinsatzkommandos.

Dabei sollte das Sicherheitsunternehmen

auch die Aufstellung und Einrichtung

von modernen Sicherheitssystemen

an den bewachten Objekten und

Transportmitteln übernehmen können.

– Bei einem der Objekte eines ausländischen

Konzerns für die Herstellung

von chemischen Haushaltsprodukten

kam es immer wieder zum

Verschwinden von Sachgütern, – erzählt

Alexandr Reschetnikow. Nachdem

das Unternehmen einen Vertrag

Objekten beworben, um dann eine „Absatzkette“

auf die Beine zu stellen. Alle

Unterlagen zum Tathergang wurden an

die rechtssprechenden Organe übergeben.

Diese Geschichte veranschaulicht

deutlich, wie ein zuverlässiges professionelles

Sicherheitsunternehmen

nicht nur dazu beitrug, ein verlässliches

Sicherheitssystem am Objekt aufzubauen,

sondern auch half, organisierte

Kriminalität aufzudecken. Die Unternehmensgruppe

für Sicherheit „Vityaz“


BIGMOSCOW // Sicherheit // Alexandr Reschetnikow

zeichnet sich auch dadurch aus, dass

sie über ein weites Netz aus zehn privaten

Sicherheitsdiensten verfügt. Diese

sind in Moskau, im Moskauer Gebiet, in

Stawropol und in den Republiken des

Nordkaukasus tätig. In ihre Reihen nehmen

sie nur Wachmänner mit Lizenz

auf, die spezielle Sicherheitsdienstlehrgänge

erfolgreich abgeschlossen haben.

Die Personalbeschaffung von den Sicherheitskräften

setzt solche Kriterien

wie langjährige und weitgehende praktische

Erfahrungen als professionelle

Ausbilder in einem der Ausbildungszentren

für Sicherheitskräfte voraus.

Nicht weniger wichtig ist das Problem

von Schutzgelderpressern, die

unter dem Vorwand einer Kontrolle

(zum Beispiel die Überprüfung des

Brandschutzes) die Tätigkeit der ausländischen

Unternehmen in Russland

erheblich stören können. Um sie in ihre

Schranken zu weisen, braucht man solche

Sicherheitsdienste wie die Unternehmensgruppe

für Sicherheit „Vityaz“.

Im Einklang mit den Bestimmungen

des bereits erwähnten Gesetzes „Über

den privaten Detektiv– und Sicherheitsdienst

in der Russischen Föderation“

beschäftigt sich die Gruppe mit


BIGMOSCOW // Sicherheit // Alexandr Reschetnikow

der Projektierung, Anbringung und

Wartung von Sicherheits– und Feuerschutzsystemen.

Anders ausgedrückt:

Sie zahlen nur einmal und bewahren

Ihren Besitz vor dem Feuer und ihr

Portemonnaie vor den zusätzlichen

Ausgaben, die durch die zahlreichen

Kontrollen entstehen.

Und das Wichtigste zum Schluss. Es

ist kein Geheimnis, dass einige ausländische

Geschäftsleute, die große

Unternehmen besitzen, immer noch

Angst haben, nach Russland zu fahren

und dort Geschäfte zu machen, weil sie

um ihr Leben und um ihre Gesundheit

fürchten. Dies betrifft vor allem einige

russische Regionen, gegen welche starke

Vorurteile existieren. Wir können

diesen Befürchtungen etwas entgegensetzen,

wenn wir auf solche privaten

Sicherheitsunternehmen wie „Vityaz“

verweisen. Mit ihrer Hilfe können Sie

die Situationen lösen, in denen die offiziellen

Rechtsschutzorgane versagen.

Laut Alexandr Reschetnikow beschäftigt

das Sicherheitsunternehmen „Vityaz“

professionelle Bodyguards, die

große Erfahrungen mit dem Aufziehen

eines „Sicherheitskorridors“ haben.

Beim Bedarf „führen“ und begleiten sie

ihren Auftraggeber auf seinem Weg.

Und sie machen ihren Job so, dass kein

Außenstehender davon etwas merkt.

Somit ist die Rolle eines solchen „Blindenführers“

im Business nicht weniger

wichtig als die eines professionellen

Top-Managers.

Hotline

Ende Oktober dieses Jahres plant die

Unternehmensgruppe für Sicherheit

„Vityaz“ mithilfe ihrer Geschäftspartner

die Einrichtung eines Hotline-Dienstes.

Man könnte sie auch als einen Notfalldienst

für ausländische Investoren

bezeichnen. Oder als einen Concierge-

Dienst mit Sicherheitselementen. Worum

geht es da genau?

Ein Ausländer, der in Russland tätig

ist, kann in viele unangenehme Situa-

Die ausländischen Investoren

brauchen einen „Blindenführer“,

der sie im Falle unvorhergesehener

Ereignisse schützen kann.


BIGMOSCOW // Sicherheit // Alexandr Reschetnikow

tionen geraten: Er kann von der Polizei

angehalten werden, eine Autopanne

oder einen entzündeten Blinddarm usw.

haben… Und wenn er dabei noch kein

Russisch spricht? Ihm zur Hilfe kommt

das multilinguale 24-Stunden-Callcenter,

und bei Bedarf auch der Schichtdienst

von „Vityaz“. Es handelt sich dabei

um einen Tag– und Nacht-Support

für Ausländer in allen Problemsituationen,

wie sie in Russland so zahlreich

vorhanden sind. Parallel dazu werden

auch Abholdienste wie ein Empfang

am Flughafen, Begleitung auf dem Gesamtterritorium

Russlands und Übersetzungsdienste

angeboten. Die Gruppe

„Vityaz“ und ihre Geschäftspartner garantieren

somit vollständige Sicherheit

und bieten Lösungen für alle potentiellen

„Begleitprobleme“ an, die die Führung

von ausländischen Unternehmen

in Russland erschweren können.

Man darf sich nicht von einem günstigen

Preis für einen Sicherheitsdienst blenden

lassen, hinter welchem die absoluten Laien

stecken können.

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der Artikeldiskussion

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Консультации

Beratung

Steine des

Anstoßes

Wie man diese umgeht, berichtet

Iwan Medwedjew, geschäftsführender

Partner von „Impek Alliance“.

Text: Dmitrij Semjonow | Foto: Jurij Schipilow | Übersetzung: Dr. Helga Schulze-Neufeld


BIGMOSCOW // Beratung // Iwan Medwedjew

Der Gang auf

den russischen

Markt ist für

ausländische

Unternehmen

nicht selten mit

organisatorischen

Schwierigkeiten

verbunden. Nichtdestotrotz

ist Iwan Medwedjew,

geschäftsführender Partner

der Gesellschaft Impek

Alliance GmbH, die sich auf

Beratungsdienstleistungen

für ausländische

Unternehmen spezialisiert

hat, überzeugt: Viele

Probleme lassen sich

vermeiden, wenn man

seine Vorgehensweise

sinnvoll konzipiert sowie

professionelle und

verlässliche Berater

ins Haus holt.

www.impekalliance.ru

– Die Schwierigkeiten fangen bereits bei der

Wahl der Unternehmensform an, – meint Iwan

Medwedjew. Welche Unternehmensform sollte es

werden – eine Filiale der Firma oder eine neue juristische

Person, die in Russland angemeldet wird?

Ich würde eher zur Gründung einer selbständigen

juristischen Person in Russland raten, die eine

Tochtergesellschaft des ausländischen Mutterkonzerns

ist. In diesem Fall gehört das Unternehmen

zu den vollwertigen Marktteilnehmern in Russland.

Ein weiteres Problem stellt die Art der Finanzierung

des ausländischen Unternehmens dar. Weit

verbreitet ist das Einbringen von Geldmitteln in

das Grundkapital der Gesellschaft. In Falle von

Einflüssen höherer Gewalt kann aber ein ausländischer

Unternehmer nur schwer seine Geldanteile

wiederbekommen. Alle Investitionen werden in die

Produktionsanlagen gesteckt, daher müsste man im

Rahmen der Liquidation diese Anlagen entweder

verkaufen oder das Unternehmen als Ganzes veräußern.

Aber auch von der Variante einer unentgeltlichen

Unterstützung ist abzuraten: Diese Investitionen

kriegt man nicht mehr zurück.

Am besten eignet sich hierfür nach Meinung

von Iwan Medwedjew eine Darlehensvergabe. Der

ausländische Unternehmensgründer gewährt seiner

russischen Tochtergesellschaft eine Kreditlinie.

Somit können die Geldmittel problemlos zu– und


BIGMOSCOW // Beratung // Iwan Medwedjew

Das einfache

Einbringen

von

Geldmitteln

in das

Grundkapital

ist problematisch:

Bei

Ereignissen

höherer

Gewalt sind

diese kaum

wiederbringlich.

abgeführt werden. Im Falle der Unternehmensliquidation

gehen alle zur Verfügung gestellten Geldmittel

in die Insolvenzmasse über.

Weitere Fragen kommen auch im Laufe der Unternehmenstätigkeit

auf. Die erste und wichtigste

Frage ist die nach der Organisation einer qualitativen

Steuer– und Finanzbuchhaltung. Das Thema

der Steuerbuchhaltung ist sehr weitläufig und soll

an dieser Stelle daher außen vor gelassen werden.

Über die Spezifik der Finanzbuchhaltung erörtert

Iwan Medwedjew Folgendes.

Entsprechend der Gesetzgebung der Russischen

Föderation ist das Tochterunternehmen eines ausländischen

Konzerns verpflichtet, seine Geschäftsberichte

und Abschlüsse nach den Regeln der

RSBU (=Russische Rechnungslegungsstandards)

vorzulegen. Außerdem dürfen die Filialen und Repräsentanzen

von ausländischen Unternehmen in

Russland ihre Geschäftsberichte eigentlich auch

nach den Regeln des Heimatlandes des ausländischen

Mutterkonzerns verfassen, wenn diese den

Regeln der Internationalen Rechnungslegungsstandards

(=IFRS), die durch das Internationale Rechnungslegungsstandardkomitee

(=IASB) festgelegt

wurden, nicht widersprechen.

Aber in der Praxis zeigt sich, dass die Prüfungsbehörden

der Russischen Föderation mit den Finanzberichten,

die nach gemäß IFRS erstellt wurden,

häufig nicht einverstanden sind. Die russische

Steuerprüfungsbehörde verlangt, dass man nur

Geschäftsberichte vorlegt, die nach den Regeln der

RSBU verfasst wurden. Diese Situation bringt internationale

Inverstoren häufig in Schwierigkeiten, da

sie dann mehrere Exemplare der Geschäftsberichte

vorbereiten müssen, die jeweils nach unterschiedlichen

Regeln erstellt wurden. Dies bringt einen erhöhten

Erstellungsaufwand mit sich.


BIGMOSCOW // Beratung // Iwan Medwedjew

Die Rechtsgrundlagen

für die

Finanz– und

Steuerbuchhaltung

werden in

Russland

ständig

erneuert und

verändert.

Ein weiteres Problem stellen die ständigen Veränderungen

in der russischen Gesetzgebung dar.

Die Rechtsgrundlagen für die Finanz– und Steuerbuchhaltung

werden dauernd erneuert und verändert.

Bei der Vorbereitung seines Jahresabschlusses

muss das ausländische Unternehmen alle neuen

gesetzlichen Veränderungen berücksichtigen. Diese

werden in der Regel gegen Ende Januar des Folgejahres

bekannt gegeben. So führt das Unternehmen

seine Finanz– und Steuerbuchhaltung innerhalb

eines Jahres nach dem geltenden Steuerrecht, und

Anfang des nächsten Jahres müssen die oft bereits

fertiggestellten und eventuell schon veröffentlichten

Jahresberichte im Rahmen der neu erschienenen

Regelungen angepasst werden.

– Nicht alle ausländischen Unternehmer wollen

auch die Tatsache verstehen, dass die Gesetzesakte

in der Russischen Föderation immer im Zusammenhang

mit den bereits früher festgelegten Akten

betrachtet werden müssen, – erzählt Iwan Medwedjew.

Dies ist zum Beispiel dann ratsam, wenn in den

verschiedenen Gesetzestexten voneinander abweichende

Anforderungen auftauchen. Beim Abfassen

eines Finanzberichts gelten in dieser Situation solche

normativen Rechtsakte, die zu den neu erschienenen

Rechtsakten nicht im Widerspruch stehen.

Anders ausgedrückt sollte man beim Vorhandensein

unterschiedlicher normativer Rechtsakte die

später erschienenen Akte priorisieren.

In der russischen Gesetzgebung fehlt eine Definition

für den Begriff des „beizulegenden“ bzw.

„anzusetzenden Buchwerts“. Daher werden die im

obengenannten Finanzbericht angegebenen Vermögensgegenstände

und Verbindlichkeiten nicht

richtig bewertet. Dieser Umstand führt die Anteils-


BIGMOSCOW // Beratung // Iwan Medwedjew

Die meisten

ausländischen

Unternehmen

in Russland

führen ihre

Bücher auf

zwei Arten

– nach den

russischen

und den internationalen

Standards.

eigner in die Irre und erschwert somit das Treffen

richtiger Managemententscheidungen.

Problematisch für die ausländischen Unternehmer

ist auch die Tatsache, dass die Geschäftsberichte

in Russland an das jeweilige Kalenderjahr gebunden

sind. Dagegen weisen die Geschäftsberichte,

die nach den Regeln der Internationalen Rechnungslegungsstandards

(IFRS) verfasst wurden,

keine unbedingte Bindung an das jeweilige Kalenderjahr

auf. Dieses Faktum erschwert den Konsolidierungsprozess

in der Geschäftsberichtserstattung.

Die russischen Regeln der Finanzbuchhaltung

unterscheiden sich von den ausländischen auch

darin, dass hier das für das Ausland wichtige Prinzip

„substance over form“ keine Gültigkeit hat. D.h.

das Wichtigste für die russische Finanzbuchhaltung

ist das Existieren eines Belegs in Papierform, und

nicht der tatsächliche Inhalt des Vertrags. Wenn

zum Beispiel die Ware geliefert und später veräußert

wurde, aber die Lieferung aus irgendwelchen

Gründen nicht formell festgehalten wurde, darf ein

solcher Vertrag nicht im Finanzbericht auftauchen.

Gleichzeitig aber ist es nach den Regeln der Internationalen

Rechnungslegungsstandards durchaus

zulässig, solche Verträge auch ohne ihre Dokumentation

in Papierform in den Finanzbericht aufzunehmen,

denn dem wirtschaftlichen Inhalt des Vertrags

wird dabei Vorrang gegeben.

Somit führen die meisten ausländischen Unternehmen,

die in Russland gegründet wurden, zwei

Arten der Finanzbuchhaltung – nach den russischen

und nach den internationalen Standards. Dabei

spielt die Finanzbuchhaltung nach den internationalen

Standards nur eine interne Funktion: Sie

ist flexibler und macht die wirtschaftliche Lage des

Unternehmens gut nachvollziehbar und eignet sich

somit, auf ihrer Grundlage Managemententschei-


BIGMOSCOW // Beratung // Iwan Medwedjew

Man sollte

die möglichen

Forderungen

seitens der

Steuerbehörde

kontrollieren

und

rechtzeitig

darauf

reagieren.

dungen treffen. Die Finanzbuchhaltung nach den

russischen Standards wird von den ausländischen

Unternehmern dagegen nicht als Quelle wirtschaftlich

interessanter Informationen betrachtet und

daher nicht analysiert. Sie dient vor allem der Repräsentation

und fungiert als die Steuerprüfungsgrundlage

für die Steuerbehörde.

Viele Fragen, die mit den Besteuerungsregelungen

verbunden sind, werden zu ernst zu nehmenden

Steinen des Anstoßes für ausländische Unternehmer.

– Wir haben im Rahmen unserer Tätigkeit einen

Fall erlebt, wo ein ausländisches Unternehmen,

das in Russland eine Immobilie kaufte, ernsthafte

Probleme mit der Bezahlung der Vermögensteuer

bekam, – erzählt Iwan Medwedjew. In der Steuerprüfungsbehörde

weigerte man sich, die Bezahlung

der Vermögenssteuer anzunehmen. Man verwies

darauf, dass das ausländische Unternehmen keine

Repräsentanz in Russland hat und dass es nicht

möglich sei, die Steuertilgung in Russland aus dem

Ausland vorzunehmen.

Dem ausländischen Unternehmer wurde empfohlen,

in Russland eine Tochtergesellschaft zu

gründen, diese anzumelden und ein Konto in einer

russischen Bank zu eröffnen. Von diesem könnte

man dann die Steuersumme bezahlen. Der ausländische

Unternehmer lehnte diesen Vorschlag

ab und zum Schluss gab es einfach keinen, der die

ausstehende Steuerschuld tilgen konnte. Der Unternehmer

ging davon aus, dass er diese Summe dann

einfach sparen könnte.

– So eine Herangehensweise ist nicht ganz korrekt,

– meint Iwan Medwedjew. Denn jederzeit

kann ein Vollstreckungsverfahren aufgrund der

Steuerhinterziehung eingeleitet werden. Die Steuerbehörde

kann dann den Einsatz der verfügbaren


BIGMOSCOW // Beratung // Iwan Medwedjew

einiger

Fragen

braucht man

ein ganzes

Team. Bei

einigen

Situationen

muss man

mehrere

Schritte im

Voraus

planen.

Mittel zur Tilgung der Steuerschuld erzwingen.

Meine Empfehlung: Möglichen Forderungen seitens

der Steuerbehörde kontrollieren und rechtzeitig

darauf reagieren. Es kann auch nicht schaden,

wenn man Beweisdokumente sammelt, die belegen,

dass man vorhatte, die Steuern zu zahlen, man aber

von der Steuerbehörde abgelehnt wurde.

Die größte Gefahr für ein ausländisches Unternehmen

besteht aber dann, wenn es in die Insolvenz

geführt wird, – sagt Iwan Medwedjew. Ein

italienisches Unternehmen, das sich auf die Lieferungen

von Metallwalzen spezialisiert hatte, hatte

in Russland schwere Verluste erlitten. Das Unternehmen

stand vor der Insolvenzmeldung, doch dies

bereitete den Investoren anscheinend keine Sorgen.

Als aber die Steuerbehörde im Rahmen ihrer Steuerprüfung

das Unternehmen kontrollierte, kamen

mehrzählige Fälle der Veruntreuung von Mitteln

ans Tageslicht. Diese führten das Unternehmen

schließlich in den Bankrott. Sie Situation spitzte

sich immer mehr zu, und es hätte auch zu einer

strafrechtlichen Verfolgung wegen „vorsätzlicher

Insolvenz“ und „Geldwäsche“ kommen können.

– Heute arbeiten wir für dieses Unternehmen, –

erzählt Ivan Medwedjew. Wir unterstützen es vor

Gericht, bei den Verhandlungen mit den ehemaligen

Geschäftspartnern und bei außengerichtlichen

Einigungen. Ein Teil der Schulden konnte das Unternehmen

bereits tilgen.

Erfahrene Juristen können bei der Lösung vieler

problematischer Situationen helfen. Das Wichtigste

ist dabei, sich in die Hände von guten Spezialisten

zu begeben oder am besten gleich ein ganzes Spezialistenteam

zu engagieren. „Für die Lösung einiger

Fragen braucht man ein ganzes Team, – meint

der geschäftsführende Partner von Impek Alliance

GmbH. Bei einigen Situationen muss man mehrere


BIGMOSCOW // Beratung // Iwan Medwedjew

Bei der Wahl

einer

Consultingfirma

in

Russland

sollte man

auf die

Empfehlungen

statt auf nur

die bekannten

ausländischen

Firmennamen

achten.

Schritte im Voraus planen.“

Wenn ein Unternehmen Dienstleistungen von

einer großen Consultingfirma in Anspruch nimmt,

bekommt es ein Gesamtpaket. Für das ausländische

Unternehmen bedeutet dies, dass es keine zusätzlichen

Mitarbeiter – Juristen oder Buchhalter –

einstellen und bezahlen muss. Man weiß ja zudem

auch vorher nicht, welches Niveau diese Mitarbeiter

mitbringen. Ein Consultingunternehmen verfügt

über eine große Mitarbeiterzahl in allen Fachrichtungen

und kann seine Kunden vollständig im Rahmen

der ihnen zugeteilten Befugnisse begleiten. So

führt Iwan Medwedjew ein Beispiel an, wo einem

Juristen aus seiner Firma vom ausländischen Unternehmen

sogar das Recht zum Abschluss von

Geschäften in dessen Namen anvertraut wurde.

Auch beim Werben neuer Kunden wird bei Impek

Alliance GmbH auf Vertrauen gesetzt. An das Unternehmen

wendet man sich vor allem auf Empfehlung

von Kunden, denen das Consultingunternehmen

bereits bei Problemlösungen geholfen hat.

Iwan Medwedjew rät den ausländischen Investoren,

bei der Wahl einer Consultingfirma auf die

Empfehlung ihrer Landsleute zu hören anstatt sich

von den bekannten ausländischen Firmennamen

blenden zu lassen. Diese betrachten die Probleme

ihrer Kunden oft nur oberflächlich und sind so

stark ausgelastet, dass die Qualität ihrer Dienstleistungen

darunter oft leidet.

Man sollte sich auch nicht auf die Informationen

in den Ratings verlassen: Die Platzpositionen

dort sind oft gekauft. Aber dies ist auch im Ausland

gängige Praxis, sodass die Ausländer in der

Regel Bescheid wissen.

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Wir erörtern Situationen

Vertrauen

ist gut,

Kontrolle

ist besser

... über das CFRRF

Jurij Jegorow, Assistent der Geschäftsführung

des Zentrums für Finanzinvestigation

der Russischen Föderation (CFRRF), berichtet

ausführlich über einige Problemsituationen

und über Methoden, wie man sein Business

vor Betrügern schützt.

Text: Jurij Jegorow | Foto: Igor Romanow | Übersetzung: Dr. Helga Schulze-Neufeld


organen wohl bekannt. Ihre konkreten Umsetzungsformen

sind vielfältig, aber sie alle zielen darauf ab, denselben

Vermögensgegenstand als Sicherheit bei mehreren Kreditverträgen

anzusetzen.

BIGMOSCOW // Wir erörtern Situationen // Jurij Jegorow

Zu den Kunden des Zentrums für Finanzinvestigation zählen

russische und ausländische Organisationen, Ihre konkreten

die in Russland in

eine schwierige finanzielle Situationen Umsetzungsformen geraten sind. In der sind Regel

wenden sie sich an das Zentrum vielfältig, erst nachdem aber ihnen sie bereits alle

ein wirtschaftlicher oder Reputationsschaden zielen darauf zugefügt ab, denselben

worden

ist. Wie man sein Business vor Vermögensgegenstand unrechtmäßigen Handlungen als

von Betrügern oder anderen, gewissenlosen Sicherheit Marktteilnehmern

bei mehreren

schützt, erzählte BIGMOSCOW Kreditverträgen Jurij Jegorow, Assistent anzusetzen.

der Geschäftsführung des Zentrums für Finanzinvestigation.

Situation

1

Eine schwedische Bank gewährte

einem russischen Unternehmen

einen Kredit. Als Sicherheit wurde

ein Immobilienobjekt im Zentrum

Moskaus hinterlegt. Das russische

Unternehmen meldete bald

darauf Insolvenz an. Im Rahmen

der Gläubigerbefriedigung stellte

die Geschäftsführung der schwedischen

Bank Ansprüche auf das

oben genannte Immobilienobjekt

und erfuhr, dass dieses auch bei

einer anderen, russischen Bank als

Sicherheit für eine weitere Kreditvergabe

hinterlegt wurde. Im Laufe

der darauffolgenden Ermittlungen

stellte sich heraus, dass das Immobilienobjekt

noch vor der Kreditvergabe

bei der Moskauer Regierung

entwendet worden war.

In der Regel arbeiten Betrüger und Mitarbeiter der Bank in

solchen Situationen eng zusammen.

Wie lassen sich solche Situationen vermeiden? Zum einen

sollte die finanzielle Lage und das wirtschaftliche Handeln

des Kreditnehmers überprüft werden. Dabei sollte man besondere

Aufmerksamkeit der Frage schenken, wie die als

Sicherheit hinterlegten Objekte zum Kreditnehmer gelangt

sind. Zum anderen sollte die Tätigkeit der Bankmitarbeiter,

die mit den Kreditvergabeverträgen betraut sind, genau

kontrolliert werden.

Es würde auch keinesfalls schaden, wenn man die Aktivitäten

der Kreditnehmer und ihrer Geschäftspartner in den

letzten Monaten eingehend untersuchen würde. Die ausländischen

Consultingunternehmen, die über keine eigenen

Filialen in Russland verfügen, übersehen in der Regel die

Anzeichen von Betrug bei solchen Geschäftsoperationen,

weil ihnen die notwendigen Informationen und Markterfahrungen

fehlen und weil sie vom Geschehen einfach zu

weit weg sind. Und wenn ein Schaden eingetreten ist, ist es

meistens bereits zu spät, etwas zu unternehmen. Um solche

Situationen zu vermeiden ist es daher ratsam, russische Consultingunternehmen

einzubinden. Diese Vorgehensweise garantiert

die Unabhängigkeit und die Objektivität der Situationseinschätzung.

Die russischen Spezialisten verfügen auch

über eine Sammlung an Informationen über die auf dem

russischen Markt tätigen betrügerischen Organisationen. Sie

kennen sich auch mit den Mechanismen der Vermeidung von

und des Entgegenwirkens gegen solchen Situationen aus. Zu


BIGMOSCOW // Wir erörtern Situationen // Jurij Jegorow

Situation

2

Im Vertrag, der zwischen einem

Hersteller für Bautechnik

aus Deutschland und seinem

russischen Vertragshändler

abgeschlossen wurde, wurden

sowohl Lieferfristen und Preise

als auch Zuschlagsgrenzen

bei der Umsetzung der Waren

auf dem russischen Markt festgehalten.

Aber der russische

Vertragshändler veräußerte

die Waren mithilfe seines Vermittlers

abweichend von den

Vertragsvereinbarungen zum

dreifachen Preis. Dabei verwendete

er falsche Belege, die diese

Preiserhöhung begründeten.

Die Endverbraucher waren russische

staatliche Unternehmen,

und nach einer Weile kam der

russische Vertragshändler ins

Visier der Rechtsschutzorgane.

Eine solche Situation ist recht typisch: Einige gewissenlose

Geschäftspartner versuchen immer wieder, Zusatzgewinne

einzustreichen, indem sie spezielle betrügerische Schemata

entwickeln und so die Interessen der ausländischen Unternehmen,

welche von ihnen vertreten werden oder deren

Produktion sie in Russland vertreiben, verletzen. Dabei werden

die Veräußerungsbedingungen mithilfe der Einbeziehung

fiktiver Vermittler ohne Benachrichtigung des ausländischen

Herstellers geändert.

Dabei werden die

VeräuSSerungsbedingungen

mithilfe der Einbeziehung

fiktiver Vermittler ohne

Benachrichtigung des

ausländischen Herstellers

geändert.

In diesem Fall wurde ein Betrugssystem entwickelt, wobei

die Preise für die Waren bei deren Veräußerung an die

staatlichen Unternehmen mithilfe der Einbeziehung fiktiver

Vermittler unbegründet erhöht wurden. Gleichzeitig entstand

für den ausländischen Hersteller ein wirtschaftlicher

und ein Reputationsschaden: Der Versuch, seine Waren

den staatlichen Unternehmen zu einem überteuerten Preis

zu verkaufen, schreckte die tatsächlichen Kunden ab. Dazu

kamen noch die Auseinandersetzungen mit den Rechtsschutzorganen,

Gerichtskosten, andere Zusatzkosten etc.

Insgesamt machten diese Aktionen keine gute Werbung für

die Waren des ausländischen Unternehmens.

Zur Vermeidung von solchen Situationen sollte das ausländische

Unternehmen die ganze Warenvertriebskette

auf dem russischen Markt kontrollieren, indem es stichprobenartige

Kontrollen des wirtschaftlichen Handelns seiner

Vertriebshändler und seiner Geschäftspartner durchführt.

Diese Kontrollen können dabei entweder vonseiten des Unternehmens

selbst oder unter Einbeziehung von speziellen

Unternehmen, welche dann die notwendigen Maßnahmen

einleiten, durchgeführt werden.


Tages beschließt die Leitung

des Tochterunternehmens, das

Produktionsvolumen mithilfe

zusätzlicher Anlagen zu erhöhen.

Um dieses Ziel zu erreichen,

wird mit einer russischen

Bank eine Kreditaufnahme mit

BIGMOSCOW // Wir erörtern Situationen // Jurij Jegorow

Situation

einer Laufzeit von zwei Jahren

vereinbart. Dabei war es aber

von vornherein

3

klar, dass das

russische Tochterunternehmen

seine Kreditschulden innerhalb

von den vereinbarten zwei Jahren

nicht tilgen werden würde

können. Für das Anbringen

und die Einführung der Anlagen

wurde ein Generalauftragsnehmer,

eine russische Firma,

hinzugezogen. Danach wurde

ein Vertrag mit einem anderen

abgeschlossen, der sich verpflichtete,

die Arbeit für eine

geringere Summe zu erledigen.

Bei der Einführung der Anlagen

stellt sich aber heraus, dass diese

den Gebrauchsbedingungen,

den ökologischen Standards

und technischen Vorschriften

nicht entsprachen. Die Kreditsumme

wurde somit faktisch

veruntreut. Die Leitung des

Tochterunternehmens wies die

Verantwortung von sich, sie beschuldigte

die Auftragnehmer.

www.cfrrf.ru

Der Mutterkonzern musste solche

Verluste wie die entgangenen

Gewinne, die veruntreute

Kreditsumme und den Verlust

seines Geschäfts in Russland

tragen.

Die russische Machen Sie mit Bank bei leitete ein

der Artikeldiskussion

gerichtliches auf facebook.com Verfahren mit der

Forderung ein, das gesamte

In solche komplizierte Betrugsschemata sind oft die Geschäftsführer

der russischen Tochterunternehmen des ausländischen

Mutterkonzerns, die Bankdirektoren und andere

Personen, die für verschiedene Dienstleistungen krimineller

Art zuständig sind, involviert. Im Rahmen dieser Schemata

werden unter Vertrauensmissbrauch Geldmittel unrechtmäßig

abgezogen.

Um sich davor zu schützen, sollte man bei jedem Schritt Maßnahmen

ergreifen, die Wirtschaftsverbrechen aufzudecken in

der Lage sind. In diesem Fall könnte man Folgendes tun.

Man sollte bei jedem

Entwicklungsschritt

MaSSnahmen zur Aufdeckung

von Wirtschaftsverbrechen

ergreifen.

In diesem Fall könnte man Folgendes tun:

Zur Überwachung der Geschäftsführung der Tochtergesellschaft

sollte man eine Vertrauensperson des Mutterkonzerns

einsetzen oder einen Spezialisten von einem unabhängigen

russischen Controlling-Unternehmen hinzuziehen. Diese

Person würde die Finanzen der Gesellschaft überprüfen,

sich über alle Ereignisse innerhalb des Tochterunternehmens

informieren und die Berichterstattung über seine Arbeit dann

an die Hauptgeschäftsstelle schicken.

Man sollte auch sehr genau die Mitarbeiter auf ihre Zusammenarbeit

mit auf dem Markt tätigen Betrügern überprüfen

sowie Geldmittelflüsse bis auf den letzten Geschäftspartner

kontrollieren, vor allem in Fragen der Kreditgewährung an

die Auftragnehmer und der Kreditaufnahme. Allerdings ist es

für ein Unternehmen nicht möglich, alle notwendigen Kontrolloperationen

im Alleingang oder nur mithilfe von ausländischen

Beratern zu bewältigen. Hierzu sollte ein spezialisiertes

russisches Unternehmen mit staatlicher Beteiligung

am Grundkapital hinzugezogen werden. Wir glauben, dass

dies die beste Qualität solcher Dienstleistungen und den

besten Schutz vor Betrügern garantiert.


Liebe und Business

BIGMOSCOW // Liebe und Business // Shotaro und Anna

Die

Zeitmaschine

von Shotaro

Yamamoto

Das Familien-Startup

„MirVracha“ (dt. „Ärztewelt“), gegründet von

einem ehemaligen japanischen Diplomaten

und seiner russischen Frau,

zog bereits 1,4 Mio. Investitionen an.

Text: VIktor Demtschenko | Foto: Francesco Rossini | Übersetzung: Dr. Helga Schulze-Neufeld


BIGMOSCOW // Liebe und Business // Shotaro und Anna

Shotaro Yamamoto und Anna Burowa sind wie Yin und Yang.

Sie kennen sich seit 21 Jahren, davon verheiratet – elf Jahre.

Füreinander sind sie Vorgesetzte, Untergebene, Partner und

Investoren zugleich. Während er nach russischen Worten

sucht, um zu erklären, was für ein Business er in Russland hat,

schaut sie ihn verliebt an. Und in der Pause flüstert sie uns zu:

„Sie können sich einfach nicht vorstellen, wie begabt er ist“.

Durch die Dornen

des Runets

– Wir lernten uns 1991 kennen, – erzählt

Anna. Ich studierte damals an der

MGU (die Staatliche Lomonossow Universität

Moskau) und Shotaro hatte ein

Praktikum beim japanischen Innenministerium.

Mit seinen Freunden kam er

nach Russland, um zu sehen, wie hier

Japanisch gelernt wird. Er selbst lernte

Russisch an der MGU und arbeitete in

der japanischen Botschaft. Wir waren

jahrelang ein Paar, zuerst drei Jahre hier,

in Moskau, dann kehrte er nach Japan

zurück. Kurz darauf bekam ich einen Zuschuss

von der Universität und konnte

ihm nach Tokio folgen. Nach drei Jahren

in Tokio kehrte ich zurück nach Moskau,

und er besuchte mich dann fast jeden

Monat. Wir heirateten 2001. Im selben

Jahr hat Shotaro das Innenministerium

verlassen und fing bei einem Consulting-

Unternehmen an. Wir verbrachten acht

Jahre lang in Tokio. Meine Freude war

riesengroß, als ich erfuhr, dass er 2009 in

die Moskauer Niederlassung der Firma

wechseln sollte. Damals haben wir noch

nicht über ein eigenes Business-Projekt

nachgedacht.

Bereits seit über einem Jahr kämpfen

sich Shotaro, Anna und ihr Team durch

die Dornen des Runets, das russische

Internet: Sie versuchen, ihre Seite „Mir-

Vracha“ als professionelles Hauptportal

für die russische medizinische Gemeinschaft

zu etablieren. Wir haben uns in

einem kleinen Zimmer mit fünf m 2 im

Zentrum Moskaus zu einem Interview

verabredet. Ihr Büro besteht noch aus

einigen Tischen und ein paar Rechnern.

Auf dem Tisch von Shotaro steht eine

www.mirvracha.ru


BIGMOSCOW // Liebe und Business // Shotaro und Anna

Figur von Daruma, eine traditionelle japanische

Glücksbringer-Puppe in Form

eines Steh-auf-Männchens aus Pappmaché,

das eine buddhistische Gottheit

darstellt. Anderthalb seiner Augen sind

mit einem Marker schwarz ausgemalt.

Auf dem restlichen Teil des Auges steht

50.000. Dies steht für ein

Ziel im Japanischen und

bedeutet in diesem Falle

die Anzahl der registrierten

Nutzer, die man gewinnen

will. Die Grenzen von

1.000, 15.000 und 30.000

sind bereits erreicht und

deswegen ausgemalt.

– Sind Sie denn mit

50.000 Nutzern dann zufrieden?

– frage ich Shotaro.

– Nein, wir stellen dann die nächste

Daruma-Figur auf, – meint er ohne

nachzudenken.

Über Shotaro

Yamamoto und

Anna Burowa

Wie wurde die Idee geboren?

Shotaro Yamamoto: Während meiner

Zeit im Consulting-Unternehmen

hatte ich viel Kontakt

mit den Vertretern

großer Pharmaunternehmen.

Und als das

Unternehmen 2009

ihre Filiale in Moskau

eröffnete, siedelte ich

mit meiner Frau nach

Moskau um. In Mos-


BIGMOSCOW // Liebe und Business // Shotaro und Anna

kau wurden die Pharmaunternehmen

zu meinen Hauptkunden. In der Regel

handelt es sich dabei um internationale

Firmen; sie nehmen 80% des Marktanteils

auf dem russischen Markt ein.

Die Idee mit dem Portal wurde

nach und nach klarer. Ich wusste,

dass bereits in vielen Ländern solche

Internet-Ressourcen vorhanden sind,

die Marketing-Dienstleistungen für

die Pharmaindustrie anbieten. Somit

schwebte die Idee, eine Plattform zu

schaffen, wo Ärzte miteinander und mit

den Arzneimittel– und Geräteherstellern

in Kontakt treten können, förmlich

in der Luft. Aber in der russischen Variante

des Internets konnte ich so etwas

nicht finden. Es ist wie eine Zeitmaschine:

Die Internet-Funktionen bezüglich

des russischen Pharma-Marktes

sind im Vergleich zu den USA und Japan

unterentwickelt, so als ob jemand

den Film rückwärts hat laufen lassen.

In einer solchen Situation gibt es eine

reelle Chance, Gewinne zu machen.

Daher schienen mir die Möglichkeiten

eine medizinischen Internet-Plattform

sehr aussichtsreich.

Wichtig ist außerdem Folgendes:

Für die Pharmaunternehmen macht es

keinen Sinn, selbst solche Seiten einzurichten.

Erstens würden diese als reine

Werbeseiten verstanden. Zweitens

gibt es heute auf dem Markt zwischen

20 und 30 „Big Player“. Und kein Arzt

wäre imstande, eine solche Anzahl von

eigenständigen Seiten ständig zu verfolgen.

Daher musste jemand Unabhängiges

kommen, um alle Informationen

auf einer Seite zu bündeln.

Woher kriegt man Geld für so ein

Projekt?

S. Y.: Ich trug diese attraktive Idee

etwa ein halbes Jahr lang mit mir herum.

Aber als wir diese dann bekannten Ärzten

unterbreiteten, hatten wir eine negative

Reaktion bekommen. Sie meinten,

die Idee an sich wäre zwar interessant,

die überbelasteten und schlecht bezahlten

russischen Ärzte aber hätten kein

Interesse für eine solche Internet-Seite.

Es war der ewige Lied: Russland

und ihre Ärzte haben ihren eigenen Weg,

auf dem die weltlichen Ideen

nichts verloren haben...


BIGMOSCOW // Liebe und Business // Shotaro und Anna

Auf dem Rest des Auges steht 50.000.

Dies steht im Japanischen für ein Ziel,

und bedeutet hier die Anzahl

der registrierten Nutzer.


BIGMOSCOW // Liebe und Business // Shotaro und Anna

Wir waren nicht bereit, alles zu verkaufen

und in unser Unternehmen zu investieren.

Daher wendete ich mich an

die russische Abteilung des japanischen

Venture-Fonds United Managers Japan.

Ich hatte dort einen Bekannten, der sich

auf die Gründung von Internet-Startups

spezialisiert hat. Ich vereinbarte mit ihm

einen Termin, erstellte Tabellen und Diagramme

und bereitete mich auf einen

Vortrag vor. Er hörte mir aufmerksam

zu und bekundete ein unerwartet großes

Interesse. Einige Monate lang führten

Wir wollten alles an einen Ort bringen, was ein

Arzt braucht, und unsere Seite

mit den Infos füllen, die der alltäglichen Arbeit

des Arztes nutzen.

Anna Burowa: Es war das ewige

Lied: Russland und ihre Ärzte hätten ihren

eigenen Weg, auf dem die weltlichen

Ideen nichts verloren hätten... Aber wir

wussten, dass die Bewohner jedes Landes

so etwas über ihren eigenen, besonderen

Weg erzählen. Bei der genauen Überprüfung

einer solchen Aussage stellt sich

diese jedoch meist als großer Quatsch

heraus. Natürlich existieren immer irgendwelche

Unterschiede. Aber im Großen

und Ganzen sind die Menschen doch

gleich: Sie sind neugierig und wissbegierig,

sie wollen kommunizieren und Geld

verdienen. Als Shotaro beschloss, diese

Idee ernsthaft zu entwickeln, war ich von

Beruf Hausfrau und fühlte mich dabei

wunderbar. Aber ich unterstützte meinen

Mann sofort: Einen Platz als Angestellter

würde er immer finden können, die

Gründung seines eigenen Unternehmen

dagegen ist eine interessante und aussichtsreiche

Idee.

S. Y.: Mir war natürlich klar, dass

das kein Vabanquespiel werden durfte.

wir mit dem Fonds Verhandlungsgespräche,

und schließlich bekamen 1,4 Mio.

US Dollar. Man ging davon aus, dass diese

Summe für anderthalb bis zwei Jahre

reichen sollte.

Wie haben Sie angefangen?

S.Y.: So richtig angefangen zu arbeiten

haben wir im März 2011. Wir mussten

zuerst verstehen, wie unsere Seite

aufgebaut sein soll, und so viele Ärzte wie

möglich gewinnen. Es war klar, dass ihre


BIGMOSCOW // Liebe und Business // Shotaro und Anna

Registrierung kostenlos erfolgen muss,

denn sonst machen sie einfach nicht mit.

Im russischen Internet existieren zurzeit

viele Seiten, die Ärzte als Mitglieder gewinnen

möchten. Aber sie sind vollkommen

abhängig von dem Inhalt, das von

den Ärzten selbst zur Verfügung gestellt

wird. Und es ist ziemlich schwierig, auf

diesen Seiten einige nützliche Informationen

zu finden. Wir wollten alles an ein

Ort bringen, was ein Arzt braucht, und

unsere Seite mit den Infos füllen, die der

alltäglichen Arbeit des Arztes nutzen.

Dabei orientierten wir uns an der amerikanischen

Seite medscape. Die Seite

enthält viele interessante Informationen,

welche die Ärzte in Russland aber wegen

ihrer mangelnden Englischkenntnisse

nicht immer lesen können. So dachten

wir, dass die übersetzten Artikel aus dem

Englischen zu unserem Trumpf werden

könnten. Wir fingen daher an mit der Suche

nach russischen Ärzten, die Englisch

konnten. Dafür fuhren wir mit unserem

Auto alle medizinischen Fakultäten ab

und gaben zahlreiche Anzeigen auf. Diese

haben wir auf Englisch geschrieben,

damit nur die passenden Bewerber zu

uns kommen. Zuerst kamen zwei, dann

brachten sie noch zwei mit. Zunächst

trafen wir uns in einem Café, im Juni

mieteten wir dann unser Büro. Unseren

hochprofessionellen Chefredakteur fanden

wir auf einer Seite über onkologische

Erkrankungen. Heute sind wir insgesamt

zu neunt in der Firma: Vier sind fest

eingestellt, die restlichen fünf sind Studenten

und Assistenzärzte, die kommen,

wann sie können, und hauptsächlich

von Zuhause aus arbeiten. Unser Team

besteht aus Enthusiasten und Gleichgesinnten,

unser Arbeitsklima ist daher

sehr positiv.

А. B.: Mit unserem Büro hatten wir

einfach Glück. Es sollte im Zentrum, irgendwo

in der Nähe des Arbat liegen. Es

ist unweit von der Schule, welche unser

Kind besucht. Auf einer Internet-Seite

fand ich sofort das passende Angebot. Ein

Zimmer mit 24m 2 im dritten Stock eines

kleinen Gebäudes, kostet uns monatlich

24.000 Rubel (ca. 770 US Dollar), was relativ

günstig ist. Bereits am nächsten Tag

haben wir dieses Zimmer gemietet.

Heute haben wir 46.000 registrierte Nutzer,

aber wir brauchen mehr.

In Russland gibt es 600.000 Ärzte.


BIGMOSCOW // Liebe und Business // Shotaro und Anna

S. Y.: Unsere Seite haben wir im Juli

bestellt. Wir haben die passenden Web-

Designer gefunden und ihnen erklärt,

was wie konkret haben wollten. Das

Einrichten der Plattform kostete uns ca.

30.000 US Dollar. Die Wartung unserer

Internet-Seite hat die gleiche Firma

übernommen. Im ersten Halbjahr haben

wir dafür 20.000 US Dollar ausgegeben

– vieles wurde verändert und angepasst.

Im zweiten Halbjahr mussten keine Änderung

an der Seite mehr vorgenommen

werden, und wir zahlten überhaupt

nichts. Heute planen wir eine Seitenerneuerung,

daher stellen wir uns bereits

auf einige Kosten ein, die auf uns zukommen

werden.

Eigentlich hätten wir die Seite auch

Wir sind eine Informationsquelle, eine

medizinische Zeitschrift online. Jeden Tag bieten

wir neue Nachrichten und Artikel.


BIGMOSCOW // Liebe und Business // Shotaro und Anna

Wir schaffen vor allem

eine Informationsquelle, die als solche

von unseren Nutzern verstanden werden soll.

Die Gewinne kommen noch.

günstiger einrichten können: Wenn wir

ein Standard-Design gewählt hätten, hätten

wir uns eine Null am Ende der Summe

sparen können. Aber wir haben uns

von Anfang an für ein individuelles Plattform-Design

entschieden. Wir wollten

auch einige nützliche Zusatzfunktionen

wie zum Beispiel medizinische Kalkulationsrechner

haben. Sie enthalten ein

Programm, das helfen kann, die Medikamentendosis

abhängig vom Gewicht des

Patienten zu berechnen. Außerdem haben

wir einen Medikamenten-Datenpool

und ein breites Service-Angebot hinzugefügt.

Damit verfügen wir über ein Alleinstellungsmerkmal

im Vergleich zu den

anderen medizinischen Seiten.

Wie haben Sie Ihre Internetseite

weiterentwickelt?

S.Y.: Unsere Seite wurde am 9. September

2011 freigeschaltet, zwischen dem

Beginn der Arbeiten und der Eröffnung

liegen vier Monate. Zuerst haben wie unsere

Werbung über die sozialen Netzwerke

wie „V kontakte“ etc. geschaltet. Ein

Banner war damals ziemlich günstig, ein

Link auf unsere Seite kostete zehn Rubel

(ca. 0,3 US Dollar). Aber die Preise steigen

proportional zur Anzahl der Benutzer

der Netzwerke. Heute kostet ein Link

bereits 30 Rubel (ca. 1,0 US Dollar). Solche

Werbung ist für uns am effektivsten,

denn so haben wir unsere ersten Tausend

registrierten Mitglieder zusammenbekommen.

Nicht alle, aber viele haben

sich registrieren lassen. Und jedes Mitglied

ist dabei Gold wert. Wir registrieren

ja keine Anonymen: Der Abonnent muss

seinen echten Namen, seinen Arbeitsplatz

und seine Position angeben, weil es

dabei nicht nur um einen lockeren Chat,

sondern um eine Unterhaltung unter

Fachleuten geht.

Eigentlich ist unser Forum nur eine

von vielen Funktionen, die wir anbieten.

Wir sind eher eine Informationsquelle,

eine medizinische Zeitschrift online. Jeden

Tag bieten wir neue Nachrichten und

Artikel. Aber die Möglichkeit der Kom-


3Ratschläge

1

BIGMOSCOW // Liebe und Business // Shotaro und Anna

von Shotaro Yamamoto

munikation zwischen den Ärzten stellt

den wichtigsten Faktor für die Mitgliedergewinnung

und -pflege dar. Ganz am

Anfang hat kaum jemand irgendetwas

auf der Seite geschrieben. Die Menschen

brauchten etwa ein halbes Jahr, um sich

an die Seite zu gewöhnen. Wir haben

eine Liste aller Seitenbesuche, aber es

waren nur ganz wenige Diskussionen dabei.

Heute hingegen kann man regelrechte

Verbalkämpfe beobachten! Man diskutiert,

man gibt Literaturquellen, -auszüge

und -zitate an. So hatten wir zum Beispiel

erst vor Kurzem das Thema über den

Arzt Oserow. Er ist der einzige Chirurg

in einem Bezirkskrankenhaus und wurde

unverdienterweise für den Tod eines

Wichtig ist, den

Businessbereich zu

finden, der für Sie selbst

spannend wird.

Es ist schwer, nur nach einem Business-Plan vorzugehen,

man sollte auch den Business-Prozess

selbst genießen.

2

Scharen Sie um sich herum

Gleichgesinnte.

Eine der wichtigsten Fragen lautet: „Wer spielt in

Ihrem Team?“ Man kann nicht alles allein machen.

Scharen Sie um sich herum Gleichgesinnte. Das

betrifft sowohl ihre zukünftigen Mitarbeiter als

auch die Investoren, die Ihnen das Geld geben.

3

Wenn Sie noch keine

Gewinne machen, müssen

Sie eisern sparen.

Wenn Ihre Geldmittel zur Neige gehen, hört auch

Ihr Business auf. Verwechseln Sie auf keinen Fall

Ihre Investitionen mit Ihrem Gewinn. Wenn Sie

noch keine Gewinne machen, müssen Sie eisern

sparen. seiner Patienten verantwortlich gemacht.

Dieses Thema wurde von etwa tausend

Ärzten in unserem Forum heiß diskutiert.

Das Problem bleibt aber leider, dass

noch nicht so viele Ärzte überhaupt das

Internet für sich entdeckt haben…

Gleich am Anfang unseres Business-

Projekts haben wir uns einen ehrgeizigen

Plan gesetzt. Man muss leider sagen,

dass wir noch nicht alle unsere Ziele

realisieren konnten, aber das ist ja normal.

Jedes Vorhaben nimmt mehr Zeit

in Anspruch, als es auf den ersten Blick

scheinen mag. Aber dafür sind unsere

Ausgaben geringer als gedacht, was uns

einen zusätzlichen Zeitpuffer verschafft.

Heute haben wir 46.000 registrierte Nut-


BIGMOSCOW // Liebe und Business // Shotaro und Anna

zer, aber wir brauchen mehr. In Russland

gibt es 600.000 Ärzte. Die Hälfte von ihnen

nutzt das Internet. Wenn diese Hälfte

unsere Seite besuchen würde, hätten

wir viel gewonnen.

А.B.: Übrigens verbringen unsere

Ärzte-Freunde, die das Scheitern unseres

Unternehmens vorhergesagt und über

einen besonderen Weg des russischen

Arztes sinniert haben, ganze Tage auf unserer

Seite.

Wie planen sie, Geld zu verdienen?

S. Y.: Wir machen noch keine Gewinne.

Uns kennen aber schon viele und machen

uns Werbeangebote. Aber ich lehne

das ab. Nur in einigen Ausnahmefällen

stimme ich zu, wenn wir die Rolle von

Informationssponsoren für Konferenzen

und Kongresse der Mediziner übernehmen

können. Ich möchte einfach nicht,

dass unsere Seite mit Bannern vollgehängt

wird. Erstens ist es nicht schön,

und zweitens würde dann unsere Plattform

als eine rein kommerzielle empfunden

werden. Einige Nutzer haben übrigens

versucht, ihre Werbung auf unserer

Seite zu platzieren. Aber wir verfolgen die

Entwicklung unserer Seite und blocken

solche Werbemitteilungen ab.

Wir schaffen vor allem eine Informationsquelle,

die als solche von unseren

Nutzern verstanden werden soll. Die Gewinne

kommen sicherlich noch. Wenn

wir in der Mediziner-Community die

notwendige Bekanntheit erlangen, wenn

die Ärzte unsere Plattform als einen unabdingbaren

Teil ihres Lebens sehen,

dann werden wir das Dreifache unserer

Investitionen gewinnen. Wir werden den

Pharmaunternehmen die Gelegenheit geben,

mit der Ärzte-Community von ganz

Russland in Kontakt zu treten.

Woran kann man sparen?

S. Y.: In erster Linie würde ich das

Outsourcing empfehlen. In unserem

Team haben wir keine Programmierer,

und mit der Verwaltung der Seite ist ein

anderes, von uns beauftragtes Unternehmen

betraut, was uns somit einige Kosten

spart. Aber nun brauchen wir unseren

eigenen IT-Manager, nach welchem

wir bereits über die Recruiting-Agenturen

Ausschau halten. Auch ein Buchhalter

von außerhalb kann zur Einsparung

von Kosten beitragen. Wir machen noch

keine solchen Umsätze, dass es sich lohnen

würde, einen Buchhalter einzustellen,

daher nehmen wir einen Buchhalter

nur punktuell zur Lösung von konkreten

Aufgaben hinzu. Dadurch können wir die

Kosten nicht nur für ein regelmäßiges

Gehalt, sondern auch für die Steuern und

für die Einzahlungen in die Rentenkasse

sparen. Aber ich würde keinem empfehlen,

sich selbst an der Lösung der Probleme

der russischen Buchhaltung zu versuchen…

Außerdem bezahlen wir nur das Allernötigste.

Wir haben kein lokales Rechnernetz

und keinen Farbdrucker. Und

wir haben keine „Prestige-Probleme“:


BIGMOSCOW // Liebe und Business // Shotaro und Anna

Wir besuchen keine Restaurants und veranstalten

keine Partys. Wir sind ein sparsames,

hungriges Startup-Unternehmen.

Wir sitzen hier, arbeiten und essen nur

das Mitgebrachte. Wir wissen, dass wir

mindestens 150.000 bis 200.000 russische

Ärzte als Mitglieder und Nutzer unseres

Portals brauchen. Und diese Marke

werden wir auf alle Fälle knacken können!

Wir sind ein sparsames, hungriges Startup-

Unternehmen. Wir sitzen hier, arbeiten und

essen nur das Mitgebrachte.

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