Fallstudie Plantagenwirtschaft in Kenia - Institut für Umwelt und ...

hortikultur.ch

Fallstudie Plantagenwirtschaft in Kenia - Institut für Umwelt und ...

Hochschule Wädenswil

Abteilung Hortikultur

4.7 Schnitt

Für das Schneiden des Kaffeebaumes gibt es mehrere Gründe. Nicht alle Zweige sind

fruchttragend. Der Baum soll zur stetigen Neubildung möglichst langer einjähriger Triebe

angeregt werden. Weiter ist es zweckmässig, den Baum auf einer arbeitsgerechten Höhe zu

halten, damit sich die Kulturarbeiten rationell durchführen lassen. Ebenso wird mit dem

Schnitt eine harmonische Ast- und Zweigverteilung angestrebt, was zu einer besseren

Durchlüftung führt und Windbruchschäden vorbeugt.

Der Kaffeestrauch wurde früher mit einem Hauptstamm gezogen. Das Beschneiden der

Seitenzweige erfordert viel Arbeit und Erfahrung. Heute wird daher das Mehrstammsystem

vorgezogen. Durch das Herunterbinden des Hauptstammes werden mehrere steil aufrecht

wachsende Triebe gebildet. Gewöhnlich lässt man vier stehen, von denen jedes Jahr einer

entfernt wird. Gleichzeit wird ein neuer als Ersatz nachwachsen. Noch einfacher ist es,

jährlich jede vierte Reihe bis auf den Stammstumpf zurückzuschneiden, aus dem dann

schnell neue steil aufrecht wachsende Triebe wachsen. Bei dieser Methode liefern nur zwei

von vier Reihen einen Ertrag.

4.8 Düngung

Wenige andere tropische Wirschaftspflanzen entziehen dem Boden in so hohem Masse

Nahrungsstoffe wie der Kaffee, was eine entsprechende Düngung notwendig macht. Durch

die Rodung von Urwaldböden gehen grosse Mengen an organischem Material verloren. Der

wenige Humus des Bodens unterliegt zusätzlich einem sehr raschen Abbau. Deshalb ist es

unbedingt nötig, immer wieder organisches Material zuzuführen.

4.9 Schädlinge und Pilze

Es ist unvermeidlich, dass die Kulturpflanzen in den Tropen und Subtropen gegenüber

denen in gemässigten Zonen ungleich stärkeren Angriffen von Krankheiten und Schädlingen

ausgesetzt sind, weil Mikroorganismen und Schadinsekten in den Tropen ausgezeichnete

Lebensbedingungen haben. Wärme und Feuchtigkeit begünstigen ihr Wachstum.

Ein besonders ungeliebter Schädling ist der Kaffeekirschenkäfer, der in jedem

Kaffeeanbaugebiet der Erde vorkommt. Er bohrt sich an der Ansatzstelle der Blütenkrone in

den Kaffee ein und legt hier seine Eier ab.

Der gefährlichste pilzliche Erreger ist der Kaffeerost, welcher im vorigen Jahrhundert ganze

Anbaugebiete zum Erliegen gebracht hat.

4.10 Entwicklung der Frucht

Die Blütezeit der Kaffeepflanze hängt von der Häufigkeit der Niederschläge ab, denn zwei

Wochen nach jedem Regenfall blüht der Strauch auf. Es sind also so viele Ernten notwendig,

wie es Blütezeiten, d. h. Regenfälle gegeben hat. Je gleichmässiger die Niederschläge im

Verlauf des Jahres verteilt sind, desto ausgedehnter ist die Blüte und damit auch die Zeit der

Reife. Längere Trockenperioden sind für den Anbau jedoch günstiger, da dann der Regen

ein gleichzeitiges Öffnen der Blüte auslöst und die Beeren innerhalb einer kurzen Periode

reifen.

Der grösste Anteil der Blüten befindet sich an einjährigen holzigen Zweigen. Je älter das

Holz ist, umso geringer ist seine Fruchtbarkeit. Die weissen Blüten öffnen sich nur kurz.

Innerhalb von 2 bis 3 Stunden muss die Bestäubung erfolgen. An diesem Vorgang sind

sowohl Wind als auch Insekten beteiligt. Die Fremdbestäubung ist nur bei der Coffea

canephora erforderlich, während sich die Blüten der Coffea arabica selbst befruchten. Nach

der Blüte entwickelt sich sehr schnell eine grünfarbene Frucht. Nach 6-12 Wochen Reifung

hat sie ihre endgültige Grösse erreicht. In den letzten Wochen ändert sich die Farbe der

Früchte, zuerst werden sie gelb und dann leuchtendrot. Wenn sie nicht rechtzeitig gepflückt

Silja Bollier, Jürg Gerber und Roland Huber 19 Plantagenwirtschaft in Kenia

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