Februar 2007 Liahona - Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten ...

res.ldschurch.ch

Februar 2007 Liahona - Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten ...

K I R C H E J E S U C H R I S T I D E R H E I L I G E N D E R L E T Z T E N T A G E • F E B R U A R 2 0 0 7

TITELGESCHICHTE:

Ehrfurcht vor

dem Tempel,

Seite 10

Symbole – heilig, nicht geheim,

Seite 14, 26

Was sollst du anziehen?, Seite KL8


Februar 2007, 133. Jahrgang, Nr. 2

LIAHONA 00782–150

Offizielle deutschsprachige Veröffentlichung der

Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Die Erste Präsidentschaft: Gordon B. Hinckley,

Thomas S. Monson, James E. Faust

Das Kollegium der Zwölf: Boyd K. Packer, L. Tom Perry,

Russell M. Nelson, Dallin H. Oaks, M. Russell Ballard,

Joseph B. Wirthlin, Richard G. Scott, Robert D. Hales,

Jeffrey R. Holland, Henry B. Eyring, Dieter F. Uchtdorf,

David A. Bednar

Editor: Jay E. Jensen

Berater des Editors: Gary J. Coleman, Yoshihiko Kikuchi,

Gerald N. Lund, W. Douglas Shumway

Managing Director: David L. Frischknecht

Editorial Director: Victor D. Cave

Senior Editor: Larry Hiller

Leiter Grafik: Allan R. Loyborg

Managing Editor: R. Val Johnson

Assistant Managing Editor: Jenifer L. Greenwood

Associate Editor: Ryan Carr, Adam C. Olson

Assistant Editor: Susan Barrett

Redaktion: Christy Banz, Linda Stahle Cooper, David A.

Edwards, LaRene Porter Gaunt, Carrie Kasten, Melvin Leavitt,

Melissa Merrill, Michael R. Morris, Sally J. Odekirk, Judith

M. Paller, Vivian Paulsen, Richard M. Romney, Jennifer Rose,

Don L. Searle, Janet Thomas, Paul VanDenBerghe, Julie

Wardell, Kimberly Webb

Redaktionssekretariat: Monica L. Dickinson

Marketing Manager: Larry Hiller

Managing Art Director: M. M. Kawasaki

Art Director: Scott Van Kampen

Production Manager: Jane Ann Peters

Gestaltung und Produktion: Cali R. Arroyo, Collette

Nebeker Aune, Brittany Jones Beahm, Howard G. Brown, Julie

Burdett, Thomas S. Child, Reginald J. Christensen, Kathleen

Howard, Eric P. Johnsen, Denise Kirby, Randall J. Pixton

Leiter Druck: Craig K. Sedgwick

Leiter Vertrieb: Randy J. Benson

Lokalteil:

Siehe Impressum Regionale Umschau

Deutschland – Österreich – Schweiz

Vertrieb:

Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage,

European Distribution Ltd., Leserservice,

Steinmühlstr. 16, 61352 Bad Homburg

Tel.: 06172-492 858; Fax: 06172-492 890

Jahresabonnement:

EUR 16,00; CHF 32,00

Bezahlung erfolgt an die Gemeinde bzw. den Zweig

oder auf eines der folgenden Konten:

D Dresdner Bank, Bad Homburg,

Konto-Nr. 07 264 094 00, BLZ 500 800 00

A Erste Österreichische Spar-Casse-Bank

Konto-Nr. 004-52602

CH UBS AG, Birsfelden,

Konto-Nr. 30-301,363.0

Adressenänderung bitte einen Monat im Voraus melden.

Manuskripte und Anfragen bitte an: Liahona,

Room 2420, 50 East North Temple Street, Salt Lake City,

UT 84150-3220, USA; oder per E-Mail an:

liahona@ldschurch.org.

Der Liahona (ein Begriff aus dem Buch Mormon, der

„Kompass“ oder „Wegweiser“ bedeutet) erscheint auf

Albanisch, Armenisch, Bislama, Bulgarisch, Cebuano,

Chinesisch, Dänisch, Deutsch, Englisch, Estnisch, Fidschi,

Finnisch, Französisch, Griechisch, Haitianisch, Hindi,

Indonesisch, Isländisch, Italienisch, Japanisch, Kambodschanisch,

Kiribati, Koreanisch, Kroatisch, Lettisch, Litauisch,

Madagassisch, Marshallesisch, Mongolisch, Niederländisch,

Norwegisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch,

Samoanisch, Schwedisch, Sinhala, Slowenisch, Spanisch, Tagalog,

Tahitianisch, Tamil, Telugu, Thai, Tongaisch, Tschechisch,

Ungarisch, Ukrainisch, Urdu und Vietnamesisch. (Erscheinen

variiert nach Sprache.)

© 2007 by Intellectual Reserve, Inc. Alle Rechte vorbehalten.

Printed in the United States of America.

Text- und Bildmaterial im Liahona darf für den gelegentlichen,

nichtkommerziellen Gebrauch in Kirche und Familie vervielfältigt

werden. Bildmaterial darf nicht vervielfältigt werden,

wenn dies aus dem Quellenhinweis entsprechend hervorgeht.

Fragen richten Sie bitte an: Intellectual Property Office, 50 East

North Temple Street, Salt Lake City, UT 84150, USA, E-Mail:

cor-intellectualproperty@ldschurch.org.

Den Liahona finden Sie in vielen Sprachen auch im Internet

unter www.lds.org. Die englische Ausgabe finden Sie unter

„Gospel Library“, für alle anderen klicken Sie bitte auf die

Weltkarte.

For Readers in the United States and Canada:

February 2007 Vol. 133 No. 2. LIAHONA (USPS 311-

480) German (ISSN 1522–9203) is published monthly by

The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, 50 East North

Temple, Salt Lake City, UT 84150. USA subscription price is

$10.00 per year; Canada, $12.00 plus applicable taxes.

Periodicals Postage Paid at Salt Lake City, Utah. Sixty days‘

notice required for change of address. Include address

label from a recent issue; old and new address must be

included. Send USA and Canadian subscriptions to Salt Lake

Distribution Center at address below. Subscription help line:

1-800-537-5971. Credit card orders (Visa, MasterCard,

American Express) may be taken by phone. (Canada Poste

Information: Publication Agreement #40017431)

POSTMASTER: Send address changes to Salt Lake

Distribution Center, Church Magazines, PO Box 26368,

Salt Lake City, UT 84126-0368.

LIAHONA, FEBRUAR 2007

FÜR ERWACHSENE

2 Botschaft von der Ersten Präsidentschaft:

Inspirierende Gedanken

Präsident Gordon B. Hinckley

14 Wozu Symbole?

20 Süß ist der Friede, den der Tempel

bringt

25 Besuchslehrbotschaft: Wie wir ein

Werkzeug in der Hand Gottes

werden, wenn wir unser Zeugnis

von Jesus Christus stärken

26 Der barmherzige Samariter –

vergessene Symbole

John W. Welch

40 Niemals allein Anne Grenzebach

44 Stimmen von Heiligen der

Letzten Tage

Änderung in letzter Minute

Jackie Auman

Ich musste an die Heuschrecken

denken Dennis Birks

Ein Mann, ein Eimer

James W. Ritchie

48 Leserbriefe

UMSCHLAGBILD

Fotos von Paul VanDenBerghe.

UMSCHLAGBILD KLEINER LIAHONA

Illustration von Matthew Smith.

ANREGUNGEN FÜR DEN FAMILIENABEND

Sie können diese Anregungen

im Unterricht und auch

zu Hause verwenden.

„Ehrfurcht vor dem

Tempel“, Seite 10: Zeigen

Sie ein Bild von einem

Tempel und sprechen

Sie über die vier

großen Segnungen

des Tempels, die Präsident Groenewald

erläutert. Besprechen Sie,

wie man sich darauf vorbereiten

kann, die Segnungen des Tempels

zu empfangen. Jeder in der Familie

soll ein Ziel nennen, das ihm

hilft, den Tempel besuchen zu

können.

14 Wozu Symbole?

44 Ich musste an die

Heuschrecken denken

„Der barmherzige Samariter:

Vergessene Symbole“, Seite 26:

Erklären Sie, dass in einem

Gleichnis irdische Gegenstände

und Erfahrungen

verwendet werden, um göttliche

Wahrheiten zu

lehren. Gehen Sie

das Gleichnis vom

barmherzigen Samariter durch

und erklären Sie auch die tiefere

Bedeutung, die Bruder Welch

darlegt. Fragen Sie Ihre Familie: Wie

ist Jesus Christus euch schon einmal

zu Hilfe geeilt? Wie hat sich die

Kirche schon um euch gekümmert?

Wie könnt ihr genauso handeln?


Suche den WdR-Ring in dieser Ausgabe.

Denke dabei an deine Lieblingsgeschichten aus

den heiligen Schriften, durch die du Jesus Christus

besser kennenlernst.

FÜR JUNGE LEUTE

7 Poster: Richtig gekleidet?

8 Mamas Kühlschrank Emma E. Sánchez Sánchez

10 Ehrfurcht vor dem Tempel Paul VanDenBerghe

22 Ich habe eine Frage: Meine Freundin macht einen

äußerst depressiven Eindruck; ich fürchte, sie

könnte sich sogar das Leben nehmen. Was soll

ich tun?

34 Zehn Leitsätze für dein Leben

Elder Robert D. Hales

43 Ideen: Wie man mit anderen zurechtkommt

34

Zehn Leitsätze für dein Leben

KLEINER LIAHONA: FÜR KINDER

KL2

KL4

KL6

KL8

KL10

KL11

KL12

KL15

Kommt, hört, was der

Prophet uns sagt: Ein

heiliges Licht

Präsident James E.

Faust

Das Miteinander: Ich

folge gläubig ihm

Elizabeth Ricks

Aus dem Leben von

Präsident Spencer W.

Kimball: Gerettet!

Was soll ich anziehen?

Jennifer Rose

Ich möchte wie

Jesus sein

Das war neu für ihn

Augusto B.

Sich schlagen ist nicht

in Ordnung Alan S.

Zum Ausmalen

Wie ich Bischof Sheets

KL8 Was soll ich

anziehen?

unterstützt habe Sheila Kindred

Besondere Zeugen: Wie kann ich ein Zeugnis

von den heiligen Schriften erlangen?

Elder Russell M. Nelson

THEMEN IN DIESER AUSGABE

„Zehn Leitsätze für dein

Leben“, Seite 34: Schreiben Sie die

zehn Leitsätze jeweils auf einen

Zettel und teilen Sie diese aus.

Lassen Sie Ihre Familie die Leitsätze

nacheinander vorlesen und

besprechen Sie, inwiefern jeder

Leitsatz eine Lebensregel ist. Fragen

Sie die Familienmitglieder, ob sie

noch andere Leitsätze haben, die

sie der Liste hinzufügen könnten.

Lesen Sie zum Abschluss die letzten

vier Absätze des Artikels vor.

„Wie ich Bischof Sheets unterstützt

habe“, Seite KL12: Jemand

soll sich hinstellen und die Arme

seitlich ausstrecken. Legen Sie

allmählich immer mehr Gewichte

in beide Hände (Bücher beispielsweise).

Die anderen in der Familie

sollen die Arme stützen, wenn die

Last zunimmt. Fragen Sie, was es

bedeutet, jemand zu unterstützen.

Lesen Sie die Geschichte vor. Die

Familie soll gut zuhören und herausfinden,

wie Sheila ihren Bischof

unterstützt hat. Schreiben Sie auf,

wie Ihre Familie Ihren Bischof bzw.

Zweigpräsidenten unterstützen

kann. Machen Sie als Familie etwas,

was Sie Ihrem Bischof bzw. Zweigpräsidenten

schenken können (Sie

könnten Kekse backen oder einen

kurzen Dankesbrief schreiben).

KL = Kleiner Liahona

Beispiel, 2, KL2

Bekehrung, 40, 45

Besuchslehren, 25

Depression, 22

Dienen, 46, KL2

Entscheidungsfreiheit, 34,

KL8

Familie, 8, 40, 43

Familienabend, 1

Finanzen, 34

Frauenhilfsvereinigung, 25

Freundschaft, 22, 43,

KL10

Frieden, 20

Gebet, 44, 46

Glaube, KL4, KL11

Gleichnis, 26

Heimlehren, 6

Jesus Christus, 2, 25, 26,

KL4, KL11

Kimball, Spencer W., KL6

Kleidung, 7, 10, KL8

Missionsarbeit, 40, 45,

KL2, KL10

Nächstenliebe, 26, KL12

Primarvereinigung, KL4

Prüfungen, 34, 40,

KL6

Schriftstudium, KL15

Selbstmord, 22

Streit, 43, KL10

Sühnopfer, 2

Symbole, 14, 26

Tempel, 10, 14, 20, 34

Unterrichten, 6, 8, 44

Unterstützung der

Priestertumsführer,

KL12

Zeugnis, 2, 14, 20, 25,

KL15

Ziele, 34

LIAHONA FEBRUAR 2007 1


BOTSCHAFT VON DER ERSTEN PRÄSIDENTSCHAFT

Inspirierende

Gedanken

Jeder von Ihnen hat

die Aufgabe, aufzustehen

und von der

immerwährenden

Wahrheit des Evangeliums

Jesu Christi

Zeugnis zu geben.

Ihre Aufgabe ist es,

anderen die Augen

zu öffnen, damit sie

sich „von der Finsternis

zum Licht

bekehren“.

PRÄSIDENT GORDON B. HINCKLEY

Zeugnis

„Ich möchte Ihnen mein Zeugnis geben.

Ich weiß, dass Gott, unser ewiger Vater,

lebt, dass er der große Herrscher des Universums

ist und dass wir seine Kinder sind.

Auf irgendeine Weise hört und antwortet

er auf die Gebete seiner Kinder. Ich möchte

Ihnen sagen, dass ich weiß, dass Jesus

der Messias ist, der Sohn des lebendigen

Gottes. Er verließ seine königliche Heimat

im Himmel und kam zu den Menschen

herab – die ihn hassten und peinigten –

und er zog umher und tat Gutes [siehe

Apostelgeschichte 10:38]. Wegen des

Hasses der Menschen wurde er gekreuzigt;

am dritten Tag stand er von den Toten auf

‚als der Erste der Entschlafenen‘ (1 Korinther

15:20). Sie sollen wissen, dass der Vater

und der Sohn dem jungen Joseph Smith

erschienen sind und diese wunderbare

Evangeliumszeit eingeleitet haben – die

größte Evangeliumszeit der gesamten Weltgeschichte.“

(Mitgliederversammlung in

Seoul, Südkorea, am 31. Juli 2005.)

Sein Opfer für uns

„Ich bin zutiefst dankbar für das Evangelium

Jesu Christi, für mein Zeugnis vom

Sühnopfer des Erlösers. Ich glaube von

ganzem Herzen daran, ich lebe dafür und

ich gebe heute davon Zeugnis. Von allen

Ereignissen in der Geschichte der Menschheit

kommt keines dem Sühnopfer des

Erlösers gleich, was seine Bedeutung und

seine Auswirkungen angeht. Gott sei

gedankt, dass er seinen kostbaren Sohn

gegeben hat, dem wir alle Dank schulden

für das Opfer, das er für uns gebracht hat.“

(Mitgliederversammlung in Kopenhagen am

22. Mai 2004.)

Die göttliche Mission Jesu Christi

„Wir sind eine große Familie, die in Liebe

und im Glauben verbunden ist. Als Volk und

als Einzelne sind wir sehr gesegnet. Im Herzen

tragen wir die feste, unerschütterliche Überzeugung

von der göttlichen Mission des Herrn

Jesus Christus.

Er war der große Jahwe des Alten Testaments,

der Schöpfer, der auf Weisung des

Vaters alles erschaffen hat. Ohne ihn wurde

nichts, was geworden ist (siehe Johannes 1:3).

Er war der verheißene Messias; seine Flügel

brachten Heilung (siehe Maleachi 3:20). Er ist

der Wundertäter, der große Heiler, die Auferstehung

und das Leben. Sein Name ist der

einzige Name unter dem Himmel, durch den

wir gerettet werden sollen [siehe Apostelgeschichte

4:12]. …

Er war eine Gabe des ewigen Vaters.

‚Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt,

dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit

CHRISTUS IN GETSEMANI, GEMÄLDE VON HEINRICH HOFMANN, ABDRUCK MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG DER C. HARRISON CONROY CO.

2


LIAHONA FEBRUAR 2007 3


jeder, der an ihn glaubt,

nicht zugrunde geht,

sondern das ewige Leben

hat.‘ (Johannes 3:16.)

Er verließ seinen Thron in

der Höhe und stieg herab, um

auf die Erde zu kommen und

in einem Stall geboren zu

werden, in einem eroberten

Land. Er wandelte auf den

staubigen Straßen Palästinas,

heilte die Kranken, verkündete

die Lehre und segnete alle, die

ihn annahmen. …

Auf der Schädelhöhe gab

er sein Leben für jeden von

uns. Das ist die größte Gabe,

die man jemals erhalten

kann, nämlich die Auferstehung

und das ewige

Leben [siehe LuB 14:7].

Seine Geburt ist für uns

sehr wichtig. Doch ohne

seinen Tod wäre seine Geburt

nichts Besonderes gewesen.

Durch die Erlösung, die er im

Garten Getsemani und am

Kreuz auf Golgota bewirkt

hat, wurde seine Gabe unvergänglich,

allumfassend und

immerwährend. Er hat die

große Sühne für alle Sünden

der Menschheit vollbracht.

Er ist die Auferstehung

und das Leben, ‚der Erste

der Entschlafenen‘ (1 Korinther 15:20). Durch ihn

werden alle Menschen aus dem Grab auferweckt

werden.

Wir lieben ihn. Wir ehren ihn. Wir danken ihm. Wir verehren

ihn. Er hat für jeden von uns und für die ganze

Menschheit etwas getan, was kein anderer hätte tun

können. Danken wir Gott, dass er seinen geliebten Sohn

gegeben hat – unseren Erretter, den Erlöser der Welt, das

Lamm ohne Fehl und Makel, das für die ganze Menschheit

geopfert wurde.“ (Andacht mit Missionaren in Salt Lake

City am 15. Dezember 2002.)

Wir leben in einer furchtbar komplizierten

Zeit. Unsere Zuflucht, unseren Frieden,

unser Wohlergehen finden wir darin,

dass wir auf den Wegen des Herrn gehen.

Als Zeuge auftreten

„Ich muss daran denken,

was Paulus auf dem Weg nach

Damaskus Wunderbares

erlebte. Ein Licht vom

Himmel umstrahlte ihn, und

er hörte eine Stimme, die zu

ihm sprach. Er stürzte zu

Boden und fragte: ‚Wer bist

du, Herr?‘

Und Jesus sagte: ‚Steh auf,

stell dich auf deine Füße!

Denn ich bin dir erschienen,

um dich zum Diener und

Zeugen … zu erwählen, …

um ihnen die Augen zu

öffnen. Denn sie sollen sich

von der Finsternis zum Licht

und von der Macht des

Satans zu Gott bekehren.‘

(Apostelgeschichte

26:15,16,18.)

Ich glaube, dass dieses

Gebot, das der Herr dem

Paulus gab, auch für jeden

von uns gilt. ‚Steh auf‘, sagt

er, ‚stell dich auf deine Füße!

Denn ich bin dir erschienen,

um dich zum Diener und

Zeugen … zu erwählen.‘

Jeder von Ihnen hat die

Aufgabe, aufzustehen und

von der immerwährenden

Wahrheit des Evangeliums

Jesu Christi Zeugnis zu

geben. Ihre Aufgabe ist es, anderen die Augen zu öffnen,

damit sie sich ‚von der Finsternis zum Licht und von der

Macht des Satans zu Gott bekehren.‘“(Mitgliederversammlung

in Nairobi, Kenia, am 4. August 2005.)

Unsere Zuflucht, unser Frieden

„Wir leben in einer furchtbar komplizierten Zeit. Wir

werden mit sehr ernsten Problemen konfrontiert. Manch

einer kämpft mit einer Krankheit, mit wirtschaftlichen

Schwierigkeiten, mit Sorgen in vielen Bereichen. Unsere

Zuflucht, unseren Frieden, unser Wohlergehen finden

4


wir darin, dass wir auf den Wegen des Herrn

gehen.“ (Pfahlkonferenz in Australien,

Satellitenübertragung vom 12. Februar

2005.)

Würdig für den Tempelbesuch

„Ich fordere jeden Vater und Ehemann

auf, sich dafür würdig zu machen, seine Frau

und seine Kinder in den Tempel zu führen.

Auf der ganzen Welt gibt es keinen Ersatz

dafür. Es ist die größte Segnung, die ein Ehepaar

erhalten kann. Schieben Sie es nicht auf.

Wenn Sie umkehren müssen, dann fangen

Sie heute damit an und machen Sie sich

bereit, einen Tempelschein zu erhalten.“

(Mitgliederversammlung in Santiago de Chile

am 11. März 2006.)

Ein Vorbild an Rechtschaffenheit

„Allmählich sieht man uns als gute

Menschen, als freundliche Menschen, die

liebevoll sind und gern auf andere Menschen

zugehen und ihnen helfen. Der Himmel

lächelt auf uns herab, und es ist an uns, uns

dafür erkenntlich zu zeigen, indem wir rechtschaffen

leben und den Willen des Herrn

tun.“ (Pfahlkonferenz in St. George, Utah, am

27. Februar 2005.)

Mutig und standhaft

„Wir leben in einer Welt, die voller Schmutz,

Unmoral und Unruhe ist. Erheben Sie sich

darüber, seien Sie mutig und standhaft,

lassen Sie die Welt hinter sich, und leben

Sie so, wie der Herr es möchte. …

Allmählich

sieht man

uns als

gute Menschen, die

gern auf andere

Menschen zugehen

und ihnen helfen.

LINKS: FOTO VON MATTHEW REIER; RECHTS: FOTO VON ROBERT CASEY; SZENEN NACHGESTELLT


Wir haben so viel zu geben.

Bedenken Sie, wie viel wir zu

geben haben. Viele Menschen

kennen das wahre Wesen Gottes

nicht. Sie sind immer noch an

das alte Nizäische Glaubensbekenntnis

aus dem vierten

Jahrhundert gebunden, das

ich nicht verstehen kann. Aber

wir haben eine vollkommene

Erkenntnis vom Wesen Gottes,

die wir durch die erste Vision

des Propheten Joseph Smith

erlangt haben. Er hat Gott gesehen. Er hat ihn sprechen

hören. Er hat seinen Sohn gesehen. Er hat auch ihn

sprechen hören, und er konnte zu ihnen sprechen.

Er musste sich nicht fragen, was das wahre Wesen Gottes

ist. Ist das nicht großartig? In der Schrift heißt es: ‚Das

ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott,

zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.‘

(Johannes 17:3.)

Was wir der Welt zu geben haben, ist großartig und

wunderbar, nämlich das richtige Gottesverständnis. Wir

sind seine Kinder. Unsere Nationalität spielt keine Rolle.

Wo wir geboren wurden, spielt keine Rolle. Ob wir dunkles

oder helles Haar haben, spielt keine Rolle. Die Form

unserer Augen spielt keine Rolle. Jeder von uns ist ein

Kind Gottes. Er ist der große Gott des Universums, aber er

ist auch unser Vater, an den wir uns im Gebet wenden

können. Wir wissen, ich weiß, Sie wissen, dass er unsere

Gebete hört und uns Antwort gibt. … Das ist etwas ganz

Wunderbares und Erstaunliches.“ (Mitgliederversammlung

in Wladiwostok, Russland, am 31. Juli 2005.)

Verkündet das Evangelium!

„Geht hinaus und verkündet dieses Werk. Die erste

Pflicht, die dieser Kirche noch vor der Gründung auferlegt

wurde, war die Pflicht, hinauszugehen und das

Evangelium zu lehren. Von dieser Pflicht sind wir nie

entbunden worden. Das ist auch heute noch unsere Aufgabe.“

(Missionarsversammlung in Columbia, South

Carolina, am 20. November 2004.)

Die letzte Evangeliumszeit

„Wie wunderbar ist es doch, dass Gott uns so reich

gesegnet hat in dieser letzten Evangeliumszeit, der

Fülle der Zeiten. In diesem

bedeutenden und letzten Zeitabschnitt

hat er sein Werk mit

allen Mächten, mit aller Herrlichkeit,

aller Wahrheit und aller

Vollmacht der vergangenen

Evangeliumszeiten wiederhergestellt.


Ich weiß, dass Gott, unser

ewiger Vater, lebt und uns liebt,

dass Jesus sein geliebter Sohn

ist, unser Erlöser, unser Erretter,

unser Herr und unser Freund.

Joseph Smith war und ist ein Prophet. Diese Kirche ist

wahr. Sie ist Gottes Werk, zu unserem Segen und Glück

auf Erden wiederhergestellt.“ (Regionalkonferenz in Salt

Lake City am 4. Mai 2003.) ■

FÜR DIE HEIMLEHRER

Bereiten Sie sich gebeterfüllt vor und tragen Sie diese Botschaft

anhand einer Unterrichtsmethode vor, bei der Ihre

Zuhörer einbezogen werden. Dazu einige Beispiele:

1. Lassen Sie jemand aus der Familie jeweils ein, zwei

Absätze aus den ersten drei Abschnitten über den Erlöser vorlesen.

Bitten Sie die Familienmitglieder, zu sagen, wie sie über

den Herrn, sein Opfer und seine Mission denken. Geben Sie

auch selbst Zeugnis.

2. Lesen Sie der Familie die Abschnitte vor, in denen Präsident

Hinckley eine Aufforderung ausspricht. Die Familie soll

gut zuhören und feststellen, wozu der Prophet uns auffordert.

Regen Sie die Familie an, sich eine Herausforderung auszuwählen,

die sie gemeinsam verwirklichen möchte.

3. Zeigen Sie der Familie ein Bild aus dem Artikel. Fragen

Sie sie, was auf dem Bild zu sehen ist, warum das von

Bedeutung ist, und was wir daraus lernen können. Lesen

Sie die Worte von Präsident Hinckley vor, die zu diesem Bild

passen. Schließen Sie mit Ihrem Zeugnis.

DIE ERSTE VISION, GEMÄLDE VON GARY KAPP

6


RICHTIG

GEKLEIDET?

FOTO VON CHRISTINA SMITH

KLEIDE DICH ANSTÄNDIG! TRIFF KEINE FALSCHE

ENTSCHEIDUNG, DIE DICH INS STOLPERN BRINGT.

(Siehe Für eine starke Jugend, Seite 14ff.)

LIAHONA FEBRUAR 2007 7


Mamas

Kühlschrank

Wie meine Mutter einen seltsamen

gelben Kühlschrank benutzte, um uns

zu zeigen, was am Wichtigsten ist.

EMMA E. SÁNCHEZ SÁNCHEZ

Soweit ich mich erinnere, habe ich meinen Vater

während der Beerdigung meiner Mutter nicht weinen

sehen, auch zu keiner anderen Zeit an ihren letzten

paar Lebenstagen. Er schien derjenige zu sein, der dafür

verantwortlich war, alle anderen zu trösten. Aber an

einem Abend, nach der Beerdigung, sah ich meinen Vater

vor unserem alten Kühlschrank stehen und weinen. Er

betrachtete all das, was meine Mutter am Kühlschrank

befestigt hatte, und alles erinnerte an ihr Leben.

Als meine Eltern heirateten, kauften sie einen

gebrauchten Kühlschrank. Meine Mutter ließ es sich

nicht nehmen, ihn selbst zu streichen – mit einem seltsamen

Gelb, das ich an keinem anderen Kühlschrank je

gesehen habe (am Ende hatte sie dann auch den Boden,

ein paar andere Möbel und ein neues Kleid angemalt).

Wir sahen allerdings die seltsame gelbe Farbe nur,

wenn der Kühlschrank kaputt ging und ein neues Teil

benötigte und Mama alles, was daran hing, abnahm.

Normalerweise war die Farbe nicht zu sehen, denn

meine Mutter befestigte alles Mögliche am Kühlschrank:

einen guten Cartoon aus der Zeitung, ein bekanntes

Sprichwort, ein Bild meines Vaters, Schriftstellen, die sie

auswendig lernen wollte, den Abholschein für die Reinigung,

eine Annonce, einen Brief, der beantwortet werden

musste, ein Rezept, die Einkaufsliste, die Telefonliste der

Gemeinde und sogar unsere Schulzeugnisse. Als wir älter

wurden, hängte sie Listen mit wöchentlichen Arbeitsaufträgen,

Terminpläne und Nachrichten für die Familie auf.

Wir hatten keine Wandtafel und kein Schwarzes Brett, deshalb

hängten unsere Eltern auch Evangeliumsbilder an den

Kühlschrank.

Im Februar hängte meine Mutter ein großes Herz auf,

auf dem alle unsere Namen geschrieben waren, im März

ein Hochzeitsbild und eine Liste mit Wünschen für ihren

Geburtstag. Den Juni widmete sie Papa, weil er in diesem

Monat Geburtstag hat – sie tat dasselbe in jedem Monat,

in dem einer von uns geboren war. Im September wurde

eine mexikanische Flagge aufgehängt. Im November,

dem Monat, den meine Eltern ihren Vorfahren widmeten,

hängte meine Mutter Bilder von lieben Angehörigen auf,

was zu Gesprächen über sie führte. Im Dezember hängte

sie ein kleines Krippenbild aus Stoff auf, das sie selbst

angefertigt hatte.

Jedes Mal, wenn einer von uns auf Mission ging, hängte

sie ein Missionarsbild an den Kühlschrank und nahm es

erst bei unserer Rückkehr wieder ab. Als der einzige

Bruder meiner Mutter starb, hängte sie ein Bild von sich

und ihrem Bruder an den Kühlschrank und nahm es nie

wieder ab. Sie hatte es nie erwähnt, aber als wir sahen,

wie sie tief in Gedanken versunken das Bild betrachtete,

wussten wir, wie viel ihr Bruder ihr bedeutete.

Gemeinsam vereinten der Kühlschrank und meine

Mutter die Familie.

Heute steht bei mir zu Hause auch ein Kühlschrank,

der, obwohl er neu ist und keine seltsame gelbe Farbe

hat, seine Pflicht lernt, die Familie zu vereinen und zu

unterweisen. Das alte Hochzeitsfoto meiner Eltern, ein

Foto von meiner Tante und die ungelenken Kunstwerke

meiner kleinen Kinder hängen dort. Wenn ich all das

sehe, denke ich an meine Mutter und danke ihr dafür,

dass sie mich gelehrt hat, wie ein Kühlschrank uns auf

vielerlei Weise nähren kann – nicht nur dadurch, dass er

die Lebensmittel kühlt. ■

ILLUSTRATION VON STEVE KROPP

8


LIAHONA FEBRUAR 2007 9


EHRFURCHT VOR

Die Jugendlichen der Kirche

in Südafrika wissen, dass das

Haus des Herrn tiefsten Respekt

verdient.

PAUL VANDENBERGHE

Zeitschriften der Kirche

Naledi Mqokozo ist schon als kleines

Mädchen immer zum Tempelgelände

gekommen. Jetzt ist sie

älter und geht oft in den Tempel, und man

könnte sagen, dass der Tempel in ihr ist –

in ihrem Herzen und in ihren Gedanken. „In meinem

Zimmer habe ich ein Bild vom Johannesburg-Tempel“,

sagt Naledi, 17. „Ich habe das Bild aufgehängt, damit

ich immer reine Gedanken habe und den Geist bei mir

haben kann.“

Es ist ein wenig regnerisch an diesem Morgen in

Johannesburg. Aber der Regen hat die fröhliche

Stimmung von Naledi und den anderen Jugendlichen

aus dem Zweig Ennerdale, Pfahl Johannesburg, nicht

gedämpft, die zum Tempel gekommen sind, um Taufen

für Verstorbene durchzuführen. Naledi ist hier, weil sie

„die Möglichkeit haben wollte, den Tempel wieder zu

sehen und den Geist des Herrn zu verspüren“. Für Naledi

ist ein Tag im Tempel nicht irgendein Tag. „Das ist ein

besonderes Erlebnis, ein ganz besonderer Moment“, sagt

sie, „deshalb sollten wir etwas Besonderes anziehen und

uns auch so verhalten.“

Naledi weiß, dass der Tempel ein heiliger Ort ist: „Wir

sollten im Tempel sehr andächtig sein, weil es das Haus

des Herrn ist und der Heilige Geist dort zu spüren ist.

Deshalb müssen wir uns vorbereiten, uns sittlich verhalten

und rein und respektvoll sein.“

Heilig dem Herrn

Der Tempel ist im wahrsten Sinne ein

Haus des Herrn. Auf jedem Tempel sind ja

die Worte eingraviert: „Das Haus des

Herrn – heilig dem Herrn.“ Er ist der

heiligste Ort für die Gottesverehrung auf

der Erde. Weil der Tempel heilig ist und

weil die Arbeit, die darin verrichtet wird,

heilig ist, muss jeder, der den Tempel

besucht, rein und würdig sein. In einer

Offenbarung an den Propheten Joseph

Smith verheißt der Erlöser:

„Insofern mir mein Volk im Namen

des Herrn ein Haus baut und nicht zulässt, dass etwas

Unreines hineingelangt, … wird meine Herrlichkeit darauf

ruhen;

ja, und meine Gegenwart wird da sein, denn ich werde

dorthin kommen; und alle, die im Herzen rein sind, die

dorthin kommen, werden Gott sehen.“ (LuB 97:15,16.)

Bedeutet das, dass jeder, der in den Tempel geht,

Gott sehen wird? Elder David B. Haight (1906–2004)

vom Kollegium der Zwölf Apostel erklärte:

„Es stimmt: Einige haben tatsächlich den Erretter

gesehen; wenn man aber das Wörterbuch zu Rate zieht,

erfährt man, dass das Wort ‚sehen‘ viele Bedeutungen hat

wie: kennenlernen, ihn und sein Werk erkennen, seine

Bedeutung wahrnehmen oder ihn verstehen lernen.

Solch göttliche Erleuchtung und diese Segnungen

stehen uns allen offen“ 1 .

Louis Groenewald, Präsident des Johannesburg-

Tempels, sagt, dass die Jugendlichen der Kirche erwarten

können, in diesen heiligen Gebäuden mehr über den

Erlöser und sich selbst zu lernen. „Der Tempel bietet nicht

nur die Möglichkeit, das heilige Werk für die Verstorbenen

zu tun“, sagt er. „Er trägt auch dazu bei, unsere Jugendlichen

darauf vorzubereiten, dass sie in diesem und im

FOTOS VON PAUL VANDENBERGHE

10


DEM TEMPEL

nächsten Leben das Leben in Fülle haben.“

Man kann viele Segnungen empfangen, wenn

man im Tempel dient.

Gegenüberliegende Seite: Letsoalo Tumi steht

vor dem Johannesburg-Tempel. Oben: Henry

Mkhonza zeigt, was es heißt, Ehrfurcht zu

haben. Einschub (von links nach rechts): Henry

Mkhonza, Grace Nkosi, Palesa Mqokozo und

Lindiwe Morei unterhalten sich mit dem

Tempelpräsidenten, Louis Groenewald.

Vier große Segnungen

Erstens, sagt Präsident Groenewald,

können die Jugendlichen, wenn sie den

Tempel besuchen, dem Vater im Himmel und

dem Erretter in seinem Haus näherkommen.

Das hat Elder Haight gemeint, als er sagte,

dass der Tempel ein Ort sei, an dem man

LIAHONA FEBRUAR 2007 11


Ju gendliche,

die den

Tempel

besuchen, können

dem Erlöser in

seinem Haus

näherkommen.

den Herrn kennenlernen kann.

Zweitens ist es eine Möglichkeit, selbstlos

zu dienen. Präsident Groenewald bezeichnet

diese Art von Dienen als „die Basis der Nächstenliebe

und des Geistes Christi“. Er sagt

weiter: „Hoffentlich bekommen die Jugendlichen

oft die Gelegenheit, hier Taufen für

Verstorbene mitzuerleben. Das führt sie

schließlich dazu, ihr eigenes Endowment

und die heilige Siegelung zu empfangen.

Diese Verordnungen öffnen das Tor zu

grenzenlosen Segnungen in der Ewigkeit.“

Die dritte große Segnung, auf die Präsident

Groenewald hinweist, sind die heiligen

Handlungen im Tempel: „Ohne diese heiligen

Handlungen können wir nicht das Leben in

Fülle und die Erhöhung erlangen.“ Das

Endowment und die celestiale Ehe sind zwei

dieser heiligen Handlungen. Das Endowment

besteht aus einer Reihe von Unterweisungen

und schließt Bündnisse ein. Wir versprechen,

rechtschaffen zu leben und den Lehren Jesu

zu folgen. Die celestiale Ehe ist die heilige

Handlung, die Mann, Frau und ihre Kinder

für die Ewigkeit aneinander siegelt.

Viertens „führt der Tempel alles zusammen“,

erklärt Präsident Groenewald. Alles,

was die Jugendlichen in der Kirche lernen,

werde im Tempel verfestigt und zusammengeführt.

All diese Lehren drehten sich um das

Ganz oben: Naledi Mqokozo hat ein Bild vom

Johannesburg-Tempel in ihrem Zimmer, das ihr

hilft, den Geist zu spüren. Oben (im Uhrzeigersinn

von links): Roxanne Cockrell, Vincent

Maiete, Kyle Zeeman und Jimmy Plaatjies

genießen den Aufenthalt auf dem

Tempelgelände.

Sühnopfer Jesu Christi und den Erlösungsplan.

Im Tempel werde „das Evangelium zu

einer großen, vollständigen Erfahrung“.

Der Frieden im Tempel

„Dies ist das Haus des Herrn, deshalb

müssen wir Achtung zeigen und friedlich

sein“, findet Vincent Maiete, 17, aus der

Gemeinde Ridgeway. Vincent ist früh am

Morgen zum Tempel gekommen, zusammen

mit anderen Jugendlichen aus seiner

Gemeinde, darunter auch Roxanne Cockrell,

Jimmy Plaatjies und Kyle Zeeman.

Roxanne, 14, sagt: „Ich habe mich entschieden,

zum Tempel zu kommen, anstatt

zu schlafen.“ Aber das frühe Aufstehen

hat sich gelohnt. Sie ist froh, dass sie sich

AUSSCHNITT AUS DEM GEMÄLDE CHRISTUS UND DER REICHE JÜNGLING VON HEINRICH HOFMANN, ABDRUCK MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG VON C. HARRISON CONROY CO.

12


vorgenommen hat, zusammen mit

ihren Freunden Taufen für Verstorbene

durchzuführen. „Ich habe

Menschen geholfen. Das war ein

schönes Erlebnis.“

Kyle, 17, schaut sich auf dem

wunderschönen Tempelgelände um.

Alles ist noch etwas feucht nach dem

Regen am Morgen. „Hier herrscht

eine Ruhe, die man nirgendwo

anders fühlt“, sagt er. „Manchmal

muss man kleine Opfer bringen, um

hierher zu kommen, aber es ist gut,

herzukommen. Ich möchte im

Tempel heiraten.“

„Es bedeutet uns viel, einen Tempel hier in Südafrika zu

haben“, sagt Jimmy, 20. „Wir können an den besonderen

heiligen Handlungen dort mitwirken, indem wir uns für

Angehörige taufen lassen, die schon gestorben sind. Das

ist ein großer Segen für uns. Der Geist ist stark zu spüren,

vor allem, wenn man im Tempel ist. Aber selbst hier

draußen spürt man einfach den Frieden.“

Respektvoll gekleidet

Palesa Mqokozo, 14, aus dem Zweig Ennerdale, trägt

immer ihre besten Kleider, wenn sie zum Tempel kommt.

„Ich kleide mich so aus Achtung vor dem himmlischen

Vater“, erklärt sie. Diese Achtung beruht auf den Gefühlen,

die sie hat, wenn sie zum Tempel kommt. „Wenn man das

Haus des Herrn betritt, spürt man keine Versuchung, und

man weiß, dass hier alles richtig ist. Man wird nichts falsch

machen.“

Präsident Groenewald meint lächelnd: „Die Jugendlichen

kommen angemessen gekleidet zum Tempel. Was

ist angemessene Kleidung? Es ist die beste Sonntagskleidung.“

Es ist die gleiche Kleidung, die man auch zur

Abendmahlsversammlung tragen würde. „Ihre Kleidung

soll ordentlich sein, passend für den Sonntag, das Beste,

was sie haben“, sagt er. „Das ist der Maßstab.“

Henry Mkhonza, 18, ebenfalls aus dem Zweig

Ennerdale, hat die Arme verschränkt, als er über den

Tempel spricht. Henry sieht aus wie ein Missionar – eine

Berufung, auf die er sich schon lange Zeit vorbereitet.

„Ehrfurcht ist etwas, was die Menschen sehen – in der

Art, wie man sich kleidet, wie man sich verhält. Es sagt

„Nehmt die Gelegenheit

wahr, euch für die Toten

taufen zu lassen. Lasst

dieses heilige Erlebnis

zum Anker in eurem

Leben werden, damit

ihr euch immer und

überall so verhaltet, dass ihr zu gegebener

Zeit diese spezielle exklusive Kreditkarte

des Herrn bekommt, [nämlich einen

Tempelschein,] um euch aller Segnungen

und Vorzüge zu erfreuen.“

Präsident Gordon B. Hinckley, „Den Tempel

heilig halten“, Der Stern, Juli 1990, Seite 51

viel darüber aus, wer man ist“,

erklärt er. „Wenn man sich respektvoll

kleidet, braucht man

eigentlich nicht viel zu sagen. Die

Menschen können sehen, was

einem wichtig ist.“

„Es ist von Bedeutung, wie wir

uns kleiden“, stimmt Stephanie

Madhav, 16, aus dem Zweig

Ennerdale zu, „weil der Tempel so

großartig ist. Er ist das Haus des

Herrn, und deshalb kleiden wir uns

so, als wären wir in der Gegenwart

des Herrn.“

Diese Jugendlichen haben verstanden,

dass angemessene Kleidung und ein gepflegtes

Äußeres ihre Achtung und Ehrfurcht zeigen. „Das symbolisiert

alles ein großartiges Vermächtnis“, sagt Präsident

Groenewald. „Es geht zum Beispiel nicht um das weiße

Hemd, sondern in Wirklichkeit um das Symbol der Reinheit.

Diejenigen, die es nicht erkennen, sehen das Symbol als das

Wesentliche. Ein weißes Hemd ist einfach ein Symbol für

Reinheit. Es hat nichts mit der Mode oder dem Stil zu tun;

es hat etwas damit zu tun, dass ich äußerlich darauf hinweise,

dass ich mit Herz und Sinn dem lebenden Propheten

folgen möchte.“

Auf die Zukunft vorbereitet

Die Jungen Männer und Jungen Damen aus Johannesburg

strahlen inneren Frieden, Freude am Dienen und

Selbstvertrauen aus. Weil sie ein klares Verständnis von

der Heiligkeit des Tempels und der Segnungen haben, die

man in diesem heiligen Haus erhalten kann, sind sie für

andere ein Vorbild an Rechtschaffenheit.

Die Segnungen des Tempels sind im Leben der

Jugendlichen in Südafrika zu erkennen, wie Präsident

Groenewald es versprochen hat. „Die Jugendlichen

entwickeln ein Gefühl dafür, dass sie Schwestern und

Brüder sind“, sagt er. „Sie gewinnen mehr Selbstvertrauen,

hinauszugehen und das Werk des Herrn zu tun.

Dieses Gefühl wird sie durch dick und dünn begleiten.

Ja, im Tempel bereitet der Herr die Jugendlichen auf die

Zukunft vor.“ ■

ANMERKUNGEN

1. „Tempel und Tempelarbeit“, Der Stern, Januar 1991, Seite 58

LIAHONA FEBRUAR 2007 13


Wozu


Symbole?

Der Herr verwendet im Tempel Symbole, um ewige

Wahrheiten zu lehren. Hier wird erklärt, wozu.

Der Gottesdienst im Tempel gibt uns die

Möglichkeit, auf eine Weise zu lernen,

die für uns ungewöhnlich ist. „Jeder

Tempel ist ein Haus des Lernens“, erklärt

Elder Russell M. Nelson vom Kollegium der

Zwölf Apostel. „Wir lernen dort auf die Weise

des Herrn und gemäß seinem Weg. Seine

Weise unterscheidet sich von der Art und

Weise anderer. Sie stammt aus alter Zeit und

ist voller Symbole. Vieles können wir

dadurch lernen, dass wir über das

nachsinnen, wofür das jeweilige

Symbol steht.“ 1

Ein Symbol im Evangelium

kann ein Gegenstand, ein

Ereignis, eine Tat oder eine

Lehre sein, die eine geistige

Wahrheit darstellt. Brot und

Wasser beim Abendmahl

stellen beispielsweise den

Körper und das

Blut Jesu Christi

dar. Die Methode,

Symbole zur

Unterweisung zu

verwenden, gibt

es schon seit

Adam, der von

einem Engel

erfuhr, dass

die Erstlinge

seiner Herden, die er gemäß dem Gebot

des Herrn opfern sollte, „ein Sinnbild für

das Opfer des Einziggezeugten des Vaters“

waren (Mose 5:7). So wie Adam Hilfe

brauchte, um die Symbolik des Opfers zu

verstehen, brauchen auch wir Anleitung,

um die Methode zu verstehen, die „aus alter

Zeit [stammt] und … voller Symbole [ist]“

und die der Herr verwendet, um uns die

höchsten Priestertumsverordnungen des

Evangeliums zu lehren.

Die folgenden Aussagen aus den heiligen

Schriften, von Führern und von Wissenschaftlern,

die der Kirche angehören, können dazu

beitragen, dass wir die reiche Symbolik des

Tempels besser verstehen.

Wozu verwendet der Herr

Symbole?

„Und siehe, alles hat sein

Gleichnis, und alles ist

erschaffen und gemacht

worden, dass es von mir

Zeugnis gebe, sowohl das,

was zeitlich ist, als auch

das, was geistig ist; das,

was oben in den Himmeln

ist, und das, was auf der

Erde ist.“ (Mose 6:63.)

„Symbole sind eine

universelle Sprache. …

Die Methode,

Symbole zur Unterweisung

zu verwenden,

gibt es

schon, seit der Herr

Adam und Eva

unterwiesen hat.

LIAHONA FEBRUAR 2007 15

FOTO VON CHRISTINA SMITH, SZENE NACHGESTELLT; AUSSCHNITT AUS DEM GARTENSAAL IM LOS-ANGELES-KALIFORNIEN-TEMPEL VON ROBERT LORENZO SHEPHERD, © IRI, VERVIELFÄLTIGUNG UNTERSAGT


Von der Kleidung,

die im

Tempel getragen

wird, über die Ausstattung

bis zu den

Zeremonien, die dort

vollzogen werden,

spielt Symbolik eine

wesentliche Rolle

dabei, uns über unser

wahres Wesen und

den göttlichen Plan

zu unterweisen,

den Gott für

unsere Erhöhung

vorgesehen hat.

Symbole verleihen einer Aussage Charakter

und Kraft und vertiefen und bereichern unser

Verständnis. Symbole ermöglichen es uns,

Gedanken und Gefühle, die sich mit Worten

nicht beschreiben lassen, in eine begriffliche

Form zu bringen. Sie gehen über Worte

hinaus und können Gefühle sehr beredt ausdrücken.

Die symbolische Sprache verbirgt

bestimmte Lehren vor den Schlechten und

schützt damit Heiliges vor möglichem Spott.

Gleichzeitig wird dem, der geistig wach ist,

durch die Symbole Wahrheit offenbart. …

Symbole sind die Sprache, in der alle Evangeliumsbündnisse

und alle errettenden

heiligen Handlungen offenbart worden sind.

Von dem Moment an, da wir in den Wassern

der Taufe untergetaucht werden, bis zu dem

Moment, da wir mit dem Partner unserer

Wahl am Altar im Tempel knien, um die

ewige Ehe einzugehen, ist jedes Bündnis,

das wir schließen, in symbolischer Sprache

geschrieben.“ 2

„Die grundlegenden Verordnungen des

Evangeliums symbolisieren das Sühnopfer.

Die Taufe durch Untertauchen ist ein Sinnbild

für den Tod, die Grablegung und die

Auferstehung des Erlösers. Wer das Abendmahl

nimmt, erneuert den Taufbund und

gleichzeitig auch das Andenken an das

geschundene Fleisch des Erretters und an

das Blut, das er für uns vergossen hat.

Die heiligen Handlungen des Tempels

versinnbildlichen unsere Versöhnung mit

dem Herrn und siegeln die Familie für

immer aneinander.“ 3

Welche Symbole werden im Tempel

beispielsweise verwendet?

„Im Tempel sind alle in Weiß gekleidet.

Weiß ist das Symbol der Reinheit. Kein

unreiner Mensch hat das Recht, das Haus

Gottes zu betreten. Außerdem wird

durch die einheitliche Kleidung ausgedrückt,

dass vor Gott, unserem

himmlischen Vater, alle Menschen

gleich sind. Der Bettler und der

Bankier, der Gebildete und der

Ungebildete, der Prinz und der Arme

sitzen im Tempel nebeneinander

und sind gleichbedeutend, wenn sie

vor dem Herrn, ihrem Gott, rechtschaffen

leben.“ 4


LINKS: FOTO VOM BAPTISTERIUM IM VERNAL-UTAH-TEMPEL VON TAMRA RATIETA; FOTOS VOM SCHÖPFUNGSSAAL, GARTENSAAL, TELESTIALEN SAAL UND CELESTIALEN SAAL IM NAUVOO-ILLINOIS-TEMPEL VON WELDEN C. ANDERSEN, © IRI, VERVIELFÄLTIGUNG UNTERSAGT;

FOTO VON EINEM EHEPAAR VON CHRISTINA SMITH, SZENE NACHGESTELLET; RECHTS: FOTOS VOM LUXOR-TEMPELKOMPLEX, ÄGYPTEN, (LINKS) UND VOM KARNAK-TEMPELKOMPLEX, ÄGYPTEN, (RECHTS) VON RICHARD CLEAVE

„Es gibt … die Unterwäsche, die man als Tempelgarment

bezeichnet, nämlich das Garment des heiligen Priestertums,

das die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der

Letzten Tage, die [das Endowment] empfangen haben,

tragen. Dieses Garment, das Tag und Nacht getragen wird,

dient drei wichtigen Zwecken: Es erinnert an die heiligen

Bündnisse, die mit dem Herrn in seinem heiligen Haus

geschlossen wurden, es schützt den Körper, und es ist ein

Symbol für die anständige Kleidung und die anständige

Lebensweise, durch die sich alle demütigen Nachfolger

Christi auszeichnen sollen.“ 5

Warum ist ein Teil der Symbolik aus dem Tempel auch

anderswo auf der Welt zu finden?

„Meiner Ansicht nach ist der Grund, warum es

in jedem Zeitalter, an jedem

Ort und unter jedem Volk

Tempelbau und Gottesanbetung

im Tempel gegeben

hat, der, dass das Evangelium

in seiner Fülle bereits Adam

offenbart wurde und dass alle

Religionen und religiösen

Bräuche deshalb von den Überresten

der Wahrheit stammen,

die Adam gegeben und von ihm an die

Patriarchen weitergegeben wurde. Die

heiligen Handlungen des Tempels wurden

zweifellos auch in diesen frühen Tagen offenbart,

soweit sie damals notwendig waren,

und natürlich sind sie in verfälschter Form

über die Zeitalter hindurch weitergegeben worden. Wenn

man die ewige Natur des Evangeliums begreift – das vor

der Grundlegung der Erde geplant war –, dann ist auch

klar, warum sich die ganze Geschichte immer wieder um

den Bau und die Nutzung von Tempeln dreht.“ 6

„Dieselbe vergleichende Untersuchung, die ein gemeinsames

Schema in allen alten Religionen entdeckt hat, hat

auch gezeigt, wie dieses Schema über die ganze Welt verbreitet

und im Lauf dieses Prozesses zerstückelt wurde,

sodass erkennbare Überreste in fast jedem Land und Zeitalter

zu finden sind. …

Erfand Joseph Smith den Tempel neu, indem er alle

Bruchstücke – von den Juden, den Orthodoxen, den

Freimaurern, den Gnostikern, den Hindus, den Ägyptern

usw. – wieder zusammensetzte? Nein, so funktionierte es

nicht. Zu seiner Zeit waren nur sehr wenige Bruchstücke

verfügbar. Die Arbeit, sie zusammenzufügen, wurde,

wie wir gesehen haben, erst in der zweiten Hälfte des

neunzehnten Jahrhunderts begonnen. Selbst wenn sie zur

Verfügung stehen, bilden diese armseligen Bruchstücke

allein noch kein Ganzes; bis zum heutigen Tag wissen die

Gelehrten, die sie sammeln, nicht, was sie damit anfangen

sollen. Der Tempel lässt sich daraus nicht herleiten. Es

ist genau umgekehrt. … Dass etwas so Vollständiges,

Beständiges, Geniales und Vollkommenes auf einmal und

an einem Ort hervorgebracht wurde – sozusagen über

Nacht –, ist wohl ein hinreichender Beweis für eine ganz

besondere Evangeliumszeit.“ 7

Wie lernen wir das, was Gott uns in seinem heiligen

Haus beibringen möchte?

„Wir sollen im Tempel, durch den Tempel und vom

Tempel ‚Macht aus der Höhe‘ (LuB 95:8) erhalten. Christus

ist die Quelle dieser Macht. Es ist sein Tempel. Jedes Symbol

in und an diesem heiligen Gebäude weist auf ihn hin

und trägt den Heiligen Geist in sich, so wie man

Wasser in einer Tasse trägt.“ 8

„Niemand kann, wenn er das

Endowment so empfangen hat, wie es sein

soll, aus dem Tempel kommen, ohne hinter

dem Symbol die mächtige Realität erkannt

zu haben, für die das Symbol steht. …

Wenn jemand mit offenen Augen durch

den Tempel geht und den Symbolen und

Bündnissen Beachtung schenkt und sich stetig

und fortwährend bemüht, die Bedeutung ganz

zu erfassen, dann spricht Gott zu ihm und gewährt ihm

Offenbarung. Das Endowment ist so reich an Symbolik,

dass nur ein Narr versuchen würde, es zu beschreiben. Es

ist so vollgepackt mit Offenbarungen an die, die ihre Kraft

aufwenden, um zu suchen und zu erkennen, dass keine

menschlichen Worte erklären oder deutlich machen

können, welche Möglichkeiten dem Dienst im Tempel

innewohnen. Das Endowment, das durch Offenbarung

gegeben wurde, ist auch durch Offenbarung am besten zu

verstehen, und für den, der mit reinem Herzen am eifrigsten

danach strebt, ist diese Offenbarung am größten.“ 9

„Wägen Sie die Deutung eines Symbols gegen andere

Offenbarungen und Ihre Evangeliumskenntnis ab. …

Fügen Sie die Deutung eines Symbols in das Gesamtbild

Ihrer Evangeliumskenntnis ein. Wie klug, logisch oder

LIAHONA FEBRUAR 2007 17


Ehe wir in den

Tempel gehen,

müssen wir

geistig vorbereitet

sein, um die Unterweisung,

die wir dort

erhalten, zu schätzen

und zu verstehen.

Deshalb gibt es einen

bestimmten Vorgang,

durch den die Führer

der Kirche feststellen

können, ob wir

würdig und bereit

sind, den Tempel

zu besuchen.

genial unsere Deutung eines bestimmten

Symbols auch sein mag, wenn sie dem widerspricht,

was anderswo offenbart ist, können

wir davon ausgehen, dass sie falsch ist.“ 10

„Wenn Sie sich beim Tempelbesuch vor

Augen halten, dass die Belehrung auf symbolische

Weise geschieht, so werden Sie,

wenn Sie mit der richtigen Geisteshaltung hingegangen

sind, nie von dort fortgehen, ohne

einen tieferen Einblick erhalten zu haben, sich

ein wenig mehr erhöht zu fühlen und in der

Erkenntnis von Geistigem gewachsen zu sein.

Die Art der Unterweisung ist überragend, sie

ist inspiriert. Der Herr selbst, der größte aller

Lehrer, hat seine Jünger beständig in Gleichnissen

belehrt, wobei ein Sachverhalt, der

sonst schwer zu verstehen wäre, durch Worte

symbolisch dargestellt wird.“ 11

„Der Besuch des Tempels ist keine

Garantie, dass wir uns bessern, aber er ist

eine machtvolle und deutliche Einladung an

uns, besser zu werden. Die Wege der Welt

erhalten ständig Verstärkung – sollte es mit

den Wegen des Himmels nicht auch so sein?

Tempelarbeit ist keine Flucht aus der

Welt, sondern wir werden darin bestärkt, dass

es notwendig ist, die Welt zu verbessern,

während wir uns für eine andere und sehr

viel bessere Welt bereitmachen. Im Haus des

Herrn zu sein kann also dazu beitragen, dass

wir uns mehr von der Welt unterscheiden,

um mehr in der Welt bewirken zu können. …

Die Unterweisungen im Tempel führen

uns über die gegenwärtige Zeit und den

gegenwärtigen Raum hinaus. Wir lernen dort

etwas ganz Besonderes, was ‚zu wunderbar

für [uns]‘ ist (Ijob 42:3). Die Bedeutung kann

sich erst entfalten, wenn wir immer wieder in

den Tempel gehen und beten.“ 12

Warum heißt es, dass die Zeremonie im

Tempel heilig ist und nicht geheim?

„In einer der frühen Offenbarungen in

dieser Evangeliumszeit offenbarte der Herr,

dass es sein Wille war, dass ein heiliges Haus

gebaut werden sollte. Er verhieß, dass seine

Herrlichkeit darauf ruhen und seine Gegenwart

dort sein und er dorthin kommen

werde, und alle, die im Herzen rein sind,

sollten dorthin kommen und Gott sehen –

unter einer Bedingung. Die Bedingung war,

dass sie nicht zuließen, ‚dass etwas Unreines

hineingelangt, damit es nicht entweiht werde‘

(siehe LuB 97:15,16). Um diese Anweisung zu

befolgen, werden die heiligen Tempel sorgfältig

geschützt, nicht um etwas geheim zu

halten, sondern wegen der Heiligkeit des

Werkes, das darin verrichtet wird, indem

denen der Zutritt verboten wird, die nach

den Maßstäben des Herrn als ‚unrein‘

bezeichnet werden können, weil sie nicht

nach seinen Geboten leben.“ 13

„Die heiligen Handlungen des Tempels

sind keine dunklen, verborgenen Geheimnisse,

die man vor der Welt verbergen muss.

… Der grundlegende Gedanke der heiligen

Handlungen von Mose bis zurück zu Adam ist

die Trennung von der Welt. Das Endowment

stellt die Schritte dar, durch die wir uns von

einer verdorbenen, weltlichen, einengenden

Umgebung lösen. …

Es kommt darauf an, dass ich es nicht enthülle

– dass es mir heilig ist. Ich muss einen

heiligen Bereich bewahren, der nicht durchdrungen

werden kann. … Denn meine Bündnisse

bestehen nur zwischen mir und

meinem himmlischen Vater.“ 14

„Wir sprechen außerhalb des Tempels

nicht über das, was darinnen geschieht. Es

war aber nie beabsichtigt, die Kenntnis der

Tempelzeremonie auf ein paar Auserwählte

zu beschränken, die dann gewährleisten

mussten, dass andere nichts davon erfuhren.

Genau das Gegenteil ist richtig. Wir strengen

uns sehr an, jeden Menschen so weit zu

bringen, dass er sich qualifiziert und in den

Tempel gehen kann. …

Die heiligen Handlungen und Zeremonien

des Tempels sind einfach und schön. Sie

sind heilig und es wird darüber nichts verlautbart,

damit nicht jemand davon erfährt,

der nicht dafür bereit ist. Neugierig zu sein

18


LINKS: FOTO VON CHRISTINA SMITH, SZENE NACHGESTELLT; FOTO VOM COLONIA- JUÁREZ-CHIHUAHUA-TEMPEL IN MEXIKO VON SHAUNA JONES NIELSEN; EMPFANG IM MONTICELLO-UTAH-TEMPEL;

FOTO EINES TEMPELSCHEINS VON CRAIG W. DIMOND; RECHTS: FOTO VOM SALT-LAKE-TEMPEL VON CRAIG DIMOND

heißt nicht, dass man bereit ist, auch ernsthaftes

Interesse nicht. Zur Vorbereitung auf die heiligen Handlungen

gehören Glaube, Umkehr, Taufe, Konfirmierung,

Würdigkeit und die Reife und der sittliche Ernst, die

derjenige haben muss, der das Haus des Herrn als

geladener Gast betritt.“ 15 ■

ANMERKUNGEN

1. „Wie man sich für die Segnungen des Tempels bereitmacht“, Liahona,

Juli 2001, Seite 38

2. Joseph Fielding McConkie und Donald W. Parry, Guide to Scriptural

Symbols, 1990, Seite 1

3. Russell M. Nelson, „Das Sühnopfer“, Der Stern, Januar 1997,

Seite 34

4. John A. Widtsoe, „Looking toward the Temple“, Improvement Era,

Oktober 1962, Seite 710

5. Carlos E. Asay, „Das Tempel-Garment – das äußere Zeichen dafür,

dass man sich innerlich verpflichtet hat“, Der Stern, September 1999,

Seite 35

6. John A. Widtsoe, „Symbolism in the Temples“, in: Archibald F.

Bennett, Hg., Saviors on Mount Zion, 1950, Seite 163

7. Hugh Nibley, „What Is a Temple“, in: The Collected Works of Hugh

Nibley: Volumn 4 – Mormonism and Early Christianity, Hg. Todd M.

Compton und Stephen D. Ricks, 1987, Seite 366f., 383

8. Truman G. Madsen, The Radiant Life, 1994, Seite 118

9. John A. Widtsoe, „Symbolism in the Temples“, Seite 168

10. Gerald N. Lund, „Understanding Scriptural Symbols“, Ensign,

Oktober 1986, Seite 24

11. Boyd K. Packer, „Der heilige Tempel“, Der Stern, Juni 1992, Seite 18

12. Neal A. Maxwell, „Not My Will, But Thine“, 1988, Seite 133f.

13. Harold B. Lee, Decisions for Successful Living, 1973, Seite 137

14. Hugh Nibley, „Return to the Temple“, in: The Collected

Works of Hugh Nibley: Vol. 12 – Ancient History, Temple

and Cosmos, Don E. Norton, Hg., 1992, Seite 61, 64

15. Boyd K. Packer, „Der heilige Tempel“, Der Stern, Juni 1992,

Seite 17

Ein Heiligtum, das dem

Dienen geweiht ist

„Im Tempel … [lässt man] die Welt mit ihrem Lärm

und ihrer Hektik [hinter sich]. [Im Haus des Herrn

herrscht Ruhe.] Wer hier dient, weiß, dass es um

Belange geht, die sich in die Ewigkeit erstrecken.

Alle sind weiß gekleidet. Es wird leise gesprochen.

Die Gedanken wenden sich Höherem zu.

Es ist ein Heiligtum, das dem Dienen geweiht ist.

Die meiste Arbeit, die in diesem heiligen Haus verrichtet wird,

wird stellvertretend für diejenigen vollzogen, die sich schon auf

der anderen Seite des Schleiers des Todes befinden. Ich kenne

keine andere Arbeit, die dieser vergleichbar wäre. Sie kommt

dem stellvertretenden Opfer des Gottessohns für die ganze

Menschheit näher als irgendeine andere Arbeit, die ich

kenne. Von denen, denen im Jenseits dieser engagierte

Dienst zugute kommt, wird kein Dank erwartet. Es ist

ein Dienst, den die Lebenden für die Toten verrichten.

Es ist ein Dienst, der von wahrer Selbstlosigkeit

geprägt ist.“

Präsident Gordon B. Hinckley, „Der Salt-Lake-Tempel“,

Der Stern, November 1993, Seite 5f.


Süß ist der Friede,

den der Tempel bringt

Mitglieder berichten von dem Frieden, den sie durch

den Besuch im Tempel erfahren haben.

Freude über die Tempelehe

Von klein auf hatten wir beide

den Wunsch, im Tempel zu heiraten.

Wir bereiteten uns darauf vor und

blieben würdig, um eines Tages

einen heiligen Tempel betreten zu

können. Als wir heiraten wollten,

erhielten wir eine großartige

Segnung: Ein anderes Ehepaar

ermöglichte es uns, zum Tempel in

Hongkong zu reisen, der sehr weit

von unserer Heimat in Indonesien

entfernt war. Am 17. Februar 2004

wurden wir dort gesiegelt.

Wir fühlten eine große Freude, als

wir am Altar knieten, und hatten die

Gewissheit, dass unsere Liebe ewig

war und wir für Zeit und Ewigkeit ein

Paar sein würden. Wir sind dankbar,

dass wir die Segnungen des Tempels

erfahren haben. Wir sind dankbar,

dass wir uns für unsere Vorfahren

taufen lassen können und dass sie

durch uns auch das Endowment

empfangen und als ewige Familie

aneinander gesiegelt werden können.

Es gibt kein anderes Glück, das die

Freude ersetzen kann, die die heiligen

Handlungen im Tempel mit sich

bringen.

Edi und Lisa Rochadi, Indonesien

Fern von der Welt

Als ich in Argentinien lebte, reiste

ich zweimal zum Tempel in Buenos

Aires – einmal, um mein eigenes

Endowment zu erhalten, und einmal,

um heilige Handlungen für Verstorbene

zu vollziehen. Worte können

nicht ausdrücken, was ich fühle, wenn

ich im Tempel bin. Ich kann nur

sagen, wie fern ich mich dort der

Welt fühle und wie glücklich es mich

macht, wenn ich daran denke, dass ich

wieder zum Tempel gehe. Ich kann

bezeugen, dass der Heilige Geist

bei uns ist und uns Liebe und Trost

schenkt. Ich weiß gewiss, dass der

himmlische Vater mich und meine

Brüder und Schwestern liebt, denn er

hat uns das Evangelium und die Propheten

gegeben.

Norma Rodríguez, Israel

Atemberaubende Segnungen

Als ich mit meinem Mann und

unseren zwei kleinen Söhnen in San

Diego, Kalifornien, lebte, konnte ich

jede Woche in den Tempel gehen. Das

war wunderbar. Einmal, als ich für eine

verstorbene Schwester durch den

Tempel ging, fühlte ich mich, als ob ich

diese heiligen Handlungen zum ersten

Mal erlebte. Ich saß mit weit

geöffneten Augen da und saugte

alles auf, was ich hörte. Meine Seele

dürstete wahrhaftig nach allem, was

gelehrt wurde. Es war atemberaubend,

über die Segnungen nachzudenken,

die dieser Schwester und ihrer Nachkommenschaft

durch die heiligen

Handlungen im Tempel verheißen

wurden. Ich kann kaum beschreiben,

welche Freude und Dankbarkeit ich

damals empfand. Ich weinte offen. Ich

wollte vor Freude jauchzen und jeden

umarmen, den ich sah!

Als ich zur Umkleidekabine zurückkam,

umarmte ich eine überraschte

Tempelarbeiterin und erzählte ihr von

meinen Gefühlen. Ich war überrascht,

dass ich buchstäblich ein Werkzeug

gewesen war, um einer Verstorbenen

ewige Wahrheiten zu bringen.

Ritva Hokkanen, Finnland

Wunder im Tempel

Im August 2002 kam Präsident

Gordon B. Hinckley unerwartet nach

New York und sprach zu uns. Er sagte:

„Heute möchten wir ankündigen, dass

Sie in zwei Jahren hier einen Tempel

haben werden. Ich hoffe, ich werde es

noch erleben.“ Die Zeit verging, und

20


FOTO VON DEN HÄNDEN VON JOHN LUKE; FOTO VOM HONGKONG-TEMPEL IN CHINA VON CRAIG DIMOND; FOTO VOM BUENOS-AIRES-TEMPEL

IN ARGENTINIEN VON NESTOR CURBELO; FOTO VOM SAN-DIEGO-KALIFORNIEN-TEMPEL VON STEVE TREGEAGLE, VERVIELFÄLTIGUNG UNTERSAGT;

FOTO VOM MANHATTAN-NEW-YORK-TEMPEL VON MATTHEW REIER

unsere Erwartungen wuchsen.

Schließlich wurden die Tage der

offenen Tür für Anfang Mai 2004

angekündigt. Ich setzte meinen

Namen auf jede Liste für Freiwillige,

die ich finden konnte. Da ich bei der

Arbeit Urlaubstage angesammelt hatte,

konnte ich 11 Tage ununterbrochen im

Tempel arbeiten.

Bei jeder Führung spürte ich den

Geist, und der größte Lohn war, die

Bemerkungen der Besucher zu hören.

Ich erinnere mich an einen stämmigen

Mann, der an einem Stock ging. Nach

dem Rundgang sagte er mit strahlenden

Augen: „Ich hätte nie gedacht, dass

ich jemals einen Ort finde, der so viel

Frieden ausstrahlt, wie ich heute hier

verspürt habe.“ Die Tage der offenen

Tür brachten viele Wunder wie dieses

mit sich. Viele Menschen waren sehr

berührt, und viele wurden sehr nachdenklich

und spürten den besonderen

Geist, der hier herrscht.

An einem Tag lernte ich eine

junge Frau aus Chile kennen,

die während der Tage der offenen

Tür als Ordnerin arbeitete. Sie war

ganz begeistert und bot an, überall

zu helfen, wo sie gebraucht wurde.

Sie sagte mir, sie sei für nur wenige

Wochen auf einer Reise durch die

Vereinigten Staaten und werde bald

in ihr Land zurückkehren. Ich fragte

sie, wie lange sie schon der Kirche

angehörte und war erstaunt, als sie

mir sagte, dass sie noch gar nicht

getauft war.

Sie muss wohl bemerkt haben, dass

ich sprachlos war, also erzählte sie mir

ihre Geschichte. Am zweiten Tag ihrer

Reise hatte sie eine Anzeige in der

Zeitung gesehen, in der die Tage der

offenen Tür im Tempel angekündigt

wurden. Sie war neugierig und

beschloss, den Tempel zu besuchen.

Während des Rundgangs war sie von

der Schönheit und dem Frieden, den

sie verspürte, so berührt, dass sie ihre

Tränen nicht zurückhalten konnte. Als

der Rundgang vorbei war, bat sie die

Missionare, ihr mehr über die Kirche

erzählen. Nachdem sie unterwiesen

worden war, beschloss sie, sich taufen

zu lassen. Sie war hierhergekommen,

um Urlaub zu machen, und der Herr

hatte einen Weg für sie bereitet, das

Evangelium zu hören. Und obwohl sie

noch kein Mitglied war, hatte sie darum

gebeten, während der Tage der offenen

Tür als Ordnerin arbeiten zu dürfen!

Zweifellos geschehen Wunder im

Tempel, jedes Mal, wenn jemand das

Endowment empfängt oder für einen

verstorbenen Vorfahren getauft wird

oder wenn ein junges verliebtes Paar

für Zeit und Ewigkeit gesiegelt wird.

Bereits vor der Weihung des Tempels

in Manhattan war der Geist dort schon

zu spüren. Wie Präsident Hinckley

gesagt hat: „Der Tempel ist ein Ort

des Lichts, ein Ort des Friedens, ein

Ort der Liebe, wo wir uns mit dem

befassen, was die Ewigkeit betrifft.“

Carlos González, Mexiko ■

LIAHONA FEBRUAR 2007 21


Ich habe

eine Frage

„Meine Freundin macht einen äußerst depressiven Eindruck; ich fürchte,

sie könnte sich sogar das Leben nehmen. Was soll ich tun?“

22

DIE ANTWORT

DES LIAHONAS

Die Situation deiner Freundin ist ein

ernstes Problem, das du nicht alleine

bewältigen kannst. Deine Freundin

braucht die Hilfe des Herrn, aber sie braucht

auch professionelle Hilfe wie etwa eine psychologische

Beratung oder eine medizinische

Behandlung.

Menschen, die an Depressionen leiden,

fühlen sich hoffnungslos und hilflos. Deshalb

bitten sie meist niemand um Hilfe. Auch

wenn deine Freundin dich gebeten hat, es

niemandem zu erzählen, ist doch das Beste,

was du für sie tun kannst, es jemandem zu

erzählen, der ihr helfen kann. Sprich

zumindest mit ihren Eltern. Du kannst dir

auch bei einem Arzt, Berater an der Schule

oder deinem Bischof oder Zweigpräsidenten

Rat holen. Besonders wenn sie Selbstmord

erwähnt hat, ist es dringend notwendig,

jemand aus diesem Personenkreis zu

informieren.

Wenn sie dann Hilfe bekommt, bleib weiterhin

ihre Freundin. Menschen, die an

Depressionen leiden, denken oft, dass sie

nicht wichtig sind. Deshalb musst du deiner

Freundin zeigen, dass sie dir wichtig ist, und

ihr immer wieder sagen, dass es noch viele

andere gibt, die sie lieb haben. Sage ihr aufrichtig,

was du an ihr schätzt. Lade sie ein, mit

Sprich so bald wie

möglich mit den Eltern

deiner Freundin und

anderen Erwachsenen,

die helfen können,

wie z. B. ein Arzt, ein

Berater oder ein

Priestertumsführer.

Bleib weiterhin eine

gute Freundin, indem

du Zeit mit ihr verbringst

und ein guter

Zuhörer bist.

Lass deine Freundin

wissen, dass sie sehr

wichtig ist, dass du dich

um sie sorgst und dass

sie sich besser fühlen

kann, wenn sie Hilfe

bekommt.

Weitere Informationen

zu diesem Thema

findest du unter

www.LDSFamily

Services.org.

dir etwas zu unternehmen, was Spaß macht

und erbauend ist. Dienen ist dabei besonders

gut, weil es ihr helfen kann, sich auf andere zu

konzentrieren, und körperliche Bewegung

hebt die Stimmung. Bete um Führung, damit

du erkennst, was das Beste für sie ist.

Vielleicht ist deine Freundin deprimiert,

weil sie nicht glaubt, dass ihr Leben einen

Sinn hat. Aber der himmlische Vater hat

einen besonderen Plan für jeden von uns. Er

hat uns hierher gesandt, damit wir Freude

haben, Prüfungen überstehen und einen

Zweck erfüllen. Das kannst du deiner

Freundin bezeugen und ihr Hoffnung geben,

dass sie mit der Zeit und der richtigen Hilfe

das Leben wieder genießen kann.

Erinnere sie daran, dass es normal ist, ein

paar Sorgen zu haben. Präsident Boyd K.

Packer, der amtierende Präsident des

Kollegiums der Zwölf Apostel, hat gesagt:

„Es war so vorgesehen, dass das Leben eine

Herausforderung ist. Es ist normal, dass

man Angst, Niedergeschlagenheit und Enttäuschung

erlebt und manchmal sogar

scheitert. … Unsere Kämpfe im Leben

erfüllen einen wichtigen Zweck.“ 1 Aber es ist

nicht normal, uns so sehr mit Problemen aufzuhalten,

dass wir unseren klaren Blick verlieren.

Am besten ist es, wenn man sich damit


FOTO VON CHRISTINA SMITH, SZENE NACHGESTELLT

auseinandersetzt und sich bemüht,

gestärkt daraus hervorzugehen.

Mache deiner Freundin auch

bewusst, dass es viele Möglichkeiten

gibt, Hilfe zu bekommen. Depressionen

sind ein Symptom einer seelischen

oder emotionalen Krankheit.

So, wie sie zu einem Arzt gehen

würde, um sich wegen einer körperlichen

Krankheit behandeln zu

lassen, kann sie mit einem

Fachmann sprechen, der ihr dabei

helfen kann, das Wesen von Depressionen

zu verstehen, und der ihr

Wege aufzeigt, wie sie damit

umgehen kann. Ob sie ein Mitglied

der Kirche ist oder nicht – sie kann

auch geistige Hilfe bekommen. Sie

kann beten, einen Priestertumssegen

bekommen und Trost finden,

indem sie in den heiligen Schriften

liest. Gib ihr Zeugnis, dass der Herr

sie liebt und sie mit Frieden segnen

kann (siehe Johannes 14:27).

ANMERKUNG

1. „Solving Emotional Problems in the Lord’s

Own Way“, Ensign, Mai 1978, Seite 93

ANTWORTEN

UNSERER LESER

Als jemand, der depressiv war, kann ich

dir aus meiner Erfahrung einen Rat

geben. Lass deine Freundin wissen, dass

du immer da bist, um ihr zuzuhören,

und sage ihr auch, dass du sie nicht verurteilst.

Lass sie wissen, dass sie dir

wichtig ist. Eine Mitbewohnerin zu haben,

die mir zugehört hat und bereit war, mir

zu helfen, das war für mich das Wichtigste.

Priestertumssegen haben auch

geholfen.

Name der Redaktion bekannt

Ich würde ihr zeigen, dass

ihr Leben wertvoll ist, nicht

nur für mich als ihr Freund,

sondern auch für unseren

Vater im Himmel, indem ich

Zeit mit ihr verbringe. Außerdem würde ich

sie auch ermutigen, an Jugendaktivitäten

LIAHONA FEBRUAR 2007 23


teilzunehmen, damit sie andere Wege erkennt, wie

sie ihre Depressionen lindern kann. So kann sie

vielleicht andere Freunde finden. Schließlich würde

ich den himmlischen Vater bitten, ihr zu helfen.

Ryan S., 17, Philippinen

Das ist die Zeit, in der du helfen

kannst. Statt dir übermäßig Sorgen

zu machen, solltest du einfach nur

mit ihr reden und ein guter Zuhörer

sein. Ich bin dankbar für meine

Freunde in der Kirche, die sich immer liebevoll um

mich geschart haben, wenn ich deprimiert, frustriert,

ärgerlich oder traurig war. Ich weiß, dass

ich geliebt werde, weil sie immer da sind, um mir

zuzuhören. Meistens habe ich mich viel besser

gefühlt und die Situation viel positiver betrachtet,

wenn ich darüber geredet habe. Unterstütze sie

also und mach ihr Mut. Hilf ihr, ihr Selbstvertrauen

zurückzugewinnen. Bitte auch den himmlischen

Vater, sie zu segnen, dass sie mehr Glauben haben

und glücklicher sein kann.

Yue-Min L., 16, Taiwan

Sag ihr, dass du eine wunderbare

Zukunft für sie siehst, und sag ihr,

wie sehr der himmlische Vater sie

liebt, und dass er einen Plan für

sie hat. Er hat ihr einen Auftrag

gegeben, bevor sie in dieses Leben kam, und sie

ist diejenige, die ihn ausführen und seinen Willen

erfüllen muss. Es gibt so viele Seelen, die darauf

warten, dass sie ihnen vom Evangelium erzählt,

und die ihre Liebe brauchen. Ich würde ihr vor

allem sagen, dass sie eine geliebte Tochter

Gottes ist.

Elizabeth B., 20, Andhra Pradesh, Indien

Wenn du denkst, dass sie sich wirklich

das Leben nehmen könnte,

dann bitte jemanden um Hilfe, wie

den Bischof, den Zweigpräsidenten

oder einen anderen vertrauenswürdigen

Erwachsenen. Dann sag deiner

Freundin, dass ihre Familie, ihre Freunde und der

himmlische Vater sich um sie sorgen. Bete darum,

dass sie diese Liebe spüren kann, und bete um

Führung, damit du ihr helfen kannst. Sprich auch

mit ihr und mach ihr klar, dass du immer da bist,

um ihr zuzuhören. Lade sie zu erbaulichen

Ich selbst habe

erlebt, wie man

durch Depressionen

geschwächt wird.

Aber ich habe aus

meiner Erfahrung

gelernt und lerne

auch von denen, die

ich treffe, dass wir

niemals auf uns

allein angewiesen

sind. Wir sind niemals

verlassen. Eine Quelle

der Güte, der Kraft

und Zuversicht ist in

uns, und wenn wir

voll Vertrauen

hinhören, werden wir

aufgerichtet. Wir

werden geheilt. Wir

überleben nicht nur,

sondern lieben das

Leben.

Kathleen H. Hughes, Erste

Ratgeberin in der FHV-

Präsidentschaft, „Durch

lebendiges Wasser

gesegnet“, Liahona, Mai

2003, Seite 13f.

Unternehmungen ein, die sie von ihren

depressiven Gefühlen ablenken.

Olivia C., 19, Ontario, Kanada

Als Erstes solltest du es jemandem

erzählen. Erzähl es einem

Erwachsenen, den du kennst und

dem du vertraust. Ihr könnt dann

zusammen überlegen, was zu tun

ist. Du kannst deiner Freundin auch helfen.

Manchmal ist es das Beste, einfach zuzuhören. Sei

nicht derjenige, der redet. Menschen möchten einfach

nur jemanden haben, der ihnen zuhört.

Alexandra M., 17, Quebec, Kanada

Besuche deine Freundin und

unternimm etwas Schönes mit

ihr, damit sie sich in eurem

Freundeskreis glücklich und

angenommen fühlt. Bete auch für

sie, manchmal kannst du auch mit ihr beten und

in den heiligen Schriften lesen. Nimm sie mit zu

Versammlungen und Aktivitäten in der Kirche.

Lass sie wissen, wie viel sie dir und dem himmlischen

Vater bedeutet. Ermutige sie, geistig und

körperlich fit zu sein.

Grace A., 20, Ghana

Die Antworten sollen Hilfe und Ausblick geben, sind

aber nicht als offizielle Lehre der Kirche zu

verstehen.

DIE NÄCHSTE FRAGE

„Manchmal komme ich mit meiner Mutter nicht

aus. Wir sagen alles Mögliche, was wir nicht

sagen sollten, und am Ende sind wir beide verletzt.

Ich bete darum, sie zu lieben, aber die guten

Gefühle halten nicht sehr lange an. Was kann ich

tun, um unsere Beziehung zu verbessern?“

SCHICKT EURE ANTWORT mit eurem Vor- und Zunamen,

eurem Geburtsdatum, eurer Gemeinde

und eurem Pfahl (bzw. eurem Zweig und eurem

Distrikt) und einem Foto (mit der schriftlichen

Genehmigung eurer Eltern, dass das Foto

gedruckt werden darf) an:

Questions & Answers 3/07

50 E. North Temple St., Rm. 2420

Salt Lake City, UT 84150-3220, USA

E-Mail: liahona@ldschurch.org

Einsendeschluss ist der 15. März 2007. ■

FOTO VON SCHWESTER HUGHES VON BUSATH PHOTOGRAPHY

24


BESUCHSLEHRBOTSCHAFT

FOTO VON HYUN-GYU LEE, SZENE NACHGESTELLT; FOTO VON WERKZEUGEN VON CRAIG DIMOND

Wie wir ein Werkzeug in der Hand

Gottes werden, wenn wir unser

Zeugnis von Jesus Christus stärken

Wählen Sie aus dieser

Botschaft gebeterfüllt

die Schriftstellen und

Lehren aus, die den

Bedürfnissen der Schwestern entsprechen,

die Sie besuchen, und lesen

Sie sie dann vor. Erzählen Sie von

eigenen Erlebnissen und geben Sie

Zeugnis. Bitten Sie die Schwestern,

dies ebenfalls zu tun.

Wie kann ich mein Zeugnis stärken?

Alma 32:27: „[Macht] mit meinen

Worten … einen Versuch …, und

[übt] zu einem kleinen Teil Glauben

aus …, ja, selbst wenn ihr nicht mehr

könnt, als dass ihr den Wunsch habt

zu glauben, dann lasst diesen Wunsch

in euch wirken.“

Elder Richard G. Scott vom

Kollegium der Zwölf Apostel: „Prüfen

Sie ernsthaft Ihren Lebenswandel.

Wie stark ist Ihr Zeugnis? Ist es wirklich

eine tragende Säule für Sie, oder

hoffen Sie eher, dass das, was Sie

gelernt haben, wahr sei? … Ihr Zeugnis

lässt sich

dadurch

stärken, dass Sie

Glauben an Jesus

Christus und an

seine Lehren üben

und daran, dass er …

unbegrenzte Macht hat. …

Ein machtvolles Zeugnis kommt

auch dadurch zustande, dass man im

Stillen betet und … nachsinnt. … Ein

starkes Zeugnis entsteht Zeile um

Zeile, Weisung um Weisung und

erfordert Glauben, Zeit, ständigen

Gehorsam und Opferbereitschaft.“

(„Die Macht eines starken

Zeugnisses“, Liahona,

Januar 2002, Seite 101,

103.)

Bischof Keith B.

McMullin, Zweiter

Ratgeber in der

Präsidierenden

Bischofschaft: „Ein

Zeugnis erlangt man …

nicht ohne eigene

Anstrengung. Man muss

den Wunsch haben zu

wissen, das Evangelium

studieren, um zu lernen,

so leben, dass man es verdient,

und darum beten,

dass man es erlangt. Wenn

man auf diese Weise mit

Demut und Glauben nach diesem

Wissen strebt, erlangt man

es und damit auch die angenehme

Gewissheit, dass alles gut werden wird,

und die innere Stärke, selbst dazu beizutragen.“

(„Jesus, wenn ich nur denk

an dich“, Liahona, Mai 2004, Seite 33.)

Wie kann mein Zeugnis mich dahin

bringen, Gottes Willen zu tun?

Moroni 10:32: „Kommt zu Christus,

und werdet in ihm vollkommen, und

verzichtet auf alles, was ungöttlich

ist, und wenn ihr auf alles verzichtet,

was ungöttlich ist, und Gott mit all

eurer Macht, ganzem Sinn und aller

Kraft liebt, dann ist seine Gnade ausreichend

für euch, damit ihr durch

seine Gnade in Christus vollkommen

seiet.“

Elder Dallin H. Oaks vom

Kollegium der Zwölf Apostel: „Es

genügt … nicht, dass wir vom Evangelium

überzeugt sind, sondern wir

müssen so handeln und denken,

dass wir uns bekehren. Im Gegensatz

zu den weltlichen Institutionen, die

uns lehren, etwas zu wissen, fordert

uns das Evangelium Jesu Christi

dazu auf, etwas zu werden. …

Das geschieht nicht einfach nur

dadurch, dass wir das tun, was

richtig ist, sondern dadurch,

dass wir es aus dem

richtigen Beweggrund

tun, nämlich aus reiner

Christusliebe. … Die

Nächstenliebe, nämlich

‚die reine Christusliebe‘

(Moroni 7:47), [ist] keine Tat,

sondern ein Zustand. … Nächstenliebe

erlangen wir durch

aufeinanderfolgende

Taten,

die zur Bekehrung

führen. Nächstenliebe

ist etwas,

was man wird.“

(„Werden – unsere

Herausforderung“,

Liahona, Januar

2001, Seite 40, 42.)

Anne C. Pingree, Zweite Ratgeberin

in der FHV-Präsidentschaft:

„Wir können uns alle am wiederhergestellten

Evangelium Jesu Christi

erfreuen und dankbar sein für das

große Glück, dass wir ein Zeugnis

vom Erretter und seinem Sühnopfer

haben. Ich weiß: Es war nicht leicht,

ein Werkzeug in der Hand Gottes

zu werden, aber dieses Bestreben

hat uns geistig wachsen lassen

und unser Leben in ganz persönlicher,

wunderbarer Weise bereichert.“

(„Was will der Herr von mir?“,

Liahona, November 2005,

Seite 114.) ■

LIAHONA FEBRUAR 2007 25


Buntglasfenster

aus drei Kathedralen

in Frankreich: Chartres

(Mitte; oben rechts Außenansicht),

Bourges (links) und Sens

(gegenüberliegende Seite). In jedem

Fenster ist das Gleichnis vom barmherzigen

Samariter zusammen mit einer Darstellung des Erlösungsplans

zu sehen.

26


Der

barmherzige

Samariter

Vergessene Symbole

FOTOS VON JOHN W. WELCH, SOWEIT NICHT ANDERS ANGEGEBEN; ABDRUCK DER BILDER VON SENS MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG

VON: CL. MUSÉES DE SENS (FRANKREICH), E. BERRY (GESAMTANSICHT) UND J.-P. ELIE (DETAILAUFNAHMEN); FOTOS VOM HINTERGRUND UND

VON DEN VERBÄNDEN: MATTHEW REIER

JOHN W. WELCH

Professor am J.-Reuben-Clark-Institut für

Rechtswissenschaften der Brigham-Young-

Universität sowie verantwortlicher

Herausgeber der BYU Studies

Eine der einflussreichsten

Geschichten, die Jesus

Christus erzählt hat, ist das

Gleichnis vom barmherzigen

Samariter. Jesus erzählte dieses

Gleichnis einem Mann, der

gefragt hatte: „Meister, was muss

ich tun, um das ewige Leben zu

gewinnen?“ Darauf fragte Jesus:

„Was steht im Gesetz?“

Der Mann bezog sich in seiner

Antwort auf Deuteronomium 6:5

und Levitikus 19:18: „Du sollst

den Herrn, deinen Gott, lieben

mit ganzem Herzen … und: Deinen Nächsten

sollst du lieben wie dich selbst.“

Als Jesus ihm verhieß: „Handle danach und

du wirst leben“, entgegnete der Mann herausfordernd:

„Und wer ist mein Nächster?“ Als

Antwort auf diese Frage erzählte ihm Jesus

das Gleichnis vom barmherzigen Samariter

(siehe Lukas 10:25-35).

Eine tiefere Bedeutung

Der Erretter sprach oft in Gleichnissen,

denn jedes hat eine tiefere

Bedeutung, die nur der versteht,

der wirklich hört (vgl. Matthäus

13:9,13). Der Prophet Joseph Smith

hat bestätigt, dass ein Ungläubiger

die Gleichnisse Jesu nicht verstand.

„Doch seinen Jüngern erklärte

[der Herr die Gleichnisse] ganz

deutlich“, und wir können die

Gleichnisse verstehen, sagt der

Prophet, „wenn wir nur unsere

Augen öffnen und mit offenem

Herzen lesen“. 1 Wenn wir dieses

Prinzip kennen, können wir überlegen,

welche symbolische Botschaft

hinter dem barmherzigen

Samariter steckt. Im Licht des Evangeliums

Jesu Christi sehen wir, dass diese

meisterhafte Geschichte den Erlösungsplan

ganz hervorragend zusammenfasst – auf eine

Weise, die vielleicht nur wenigen Lesern in der

heutigen Zeit aufgefallen ist.

Die offenkundige Bedeutung dieses

Gleichnisses ist sehr sinnfällig und packend,

doch eine altehrwürdige christliche Tradition

Dieses

Gleichnis kann

man als eindrucksvolle

Allegorie auf

den Fall und

die Errettung

des Menschen

betrachten.

LIAHONA FEBRUAR 2007 27


Jesus lässt

diesen Mann

nicht von

irgendeinem

gewöhnlichen

Ort aufbrechen,

sondern von

Jerusalem. Da die

Stadt mit dem

Tempel heilig war,

sahen die frühen

Christen in diesem

Detail sofort den

Gedanken, dass

der Betreffende

aus der Gegenwart

Gottes kam.

besagt, dass das Gleichnis auch eine eindrucksvolle

Allegorie auf den Fall des

Menschen und die Errettung der Menschheit

darstellt. Diese frühe christliche Deutung des

barmherzigen Samariters ist in der berühmten

Kathedrale von Chartres dargestellt, die im

elften Jahrhundert entstand. In einem der

schönen Buntglasfenster sieht man die Vertreibung

von Adam und Eva aus dem Garten

von Eden ganz oben im Fenster und parallel

dazu unten das Gleichnis vom barmherzigen

Samariter. Daran sieht man, dass „eine symbolische

Auslegung des Gleichnisses Jesu im

Mittelalter sehr verbreitet war“. 2 Als ich dieses

Fenster betrachtete, fragte ich mich: Was hat

der Fall Adams und Evas mit dem Gleichnis

vom barmherzigen Samariter zu tun?

Schon bald fand ich die Antwort. 3 Die

Wurzeln dieser allegorischen Auslegung

reichen tief in das frühe Christentum. Im

zweiten Jahrhundert n. Chr. erkannten sowohl

Irenäus in Frankreich als auch Clemens von

Alexandria, dass der barmherzige Samariter

ein Sinnbild für Christus ist, der das mit

Sünden verwundete und gefallene Opfer

rettet. Einige Jahre später erklärte

Clemens’ Schüler Origenes, dass er diese

Auslegung von frühen Christen übernommen

hatte, die die Allegorie

folgendermaßen beschrieben

hatten:

„Der Mann, der sich auf den

Weg macht, ist Adam. Jerusalem

ist das Paradies, und Jericho ist

die Welt. Die Räuber sind böse

Mächte. Der Priester ist das

Gesetz, der Levit stellt die Propheten

dar, und der Samariter ist

Christus. Die Wunden sind

Ungehorsam, das Reittier ist der

Körper des Herrn, die [Herberge], in

die alle kommen können, die es wollen,

ist die Kirche. … Der Wirt ist das Oberhaupt

der Kirche, dem sie anvertraut worden

ist. Und die Tatsache, dass der Samariter

zurückkehren wird, ist ein Sinnbild für das

Zweite Kommen des Erretters.“ 4

Diese sinnbildliche Auslegung wurde nicht

nur von den frühen Nachfolgern Jesu verkündet,

sondern war in der Anfangszeit des

Christentums weit verbreitet. Sie wurde

ebenso von Irenäus, Clemens und Origenes

und im vierten und fünften Jahrhundert

auch von Chrysostomos in Konstantinopel,

Ambrosius in Mailand und Augustinus von

Hippo in Nordafrika vertreten. Diese Interpretation

findet sich auch vollständig in zwei

weiteren Buntglasfenstern aus dem Mittelalter:

in den Kathedralen von Bourges und

Sens in Frankreich.

Ein Sinnbild des Erlösungsplans

Der Leser gewinnt viel, wenn er über die

heiligen Schriften nachsinnt, vor allem dann,

wenn die Schriften Zeugnis von Jesus Christus

ablegen (siehe Johannes 5:39). Das Gleichnis

vom barmherzigen Samariter ist ein Zeugnis

für Christus. Darin geht es um den Erlösungsplan,

die sühnende Liebe des Erretters und

unsere Reise dahin, dass wir das ewige

Leben ererben. Man kann also nicht nur die

28


Geschichte eines Mannes herauslesen, der von Jerusalem

nach Jericho gehen wollte, sondern es ist die Geschichte

eines jeden, der aus der Gegenwart Gottes gekommen ist,

um auf der Erde zu leben. Diese Bedeutung wird ganz

offensichtlich angesichts des Evangeliums Jesu Christi, das

durch seine Propheten in den Letzten Tagen wiederhergestellt

wurde.

Schauen wir uns einige Teile der Geschichte genauer an.

Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und

wurde von Räubern überfallen.

Ein Mann. Die frühen Christen verglichen diesen

Mann mit Adam. Dieser Zusammenhang war in den alten

Sprachen vielleicht offensichtlicher als in den heutigen

Übersetzungen. Im Hebräischen bedeutet das Wort Adam

„Mann, Mensch, Menschen, Menschheit“ und ebenfalls

„Adam“ als Eigenname. 5 Daher hatte Clemens von Alexandria

Recht, als er das Opfer in diesem Gleichnis als Symbol

für „jeden von uns“ sah. Wir sind ja alle als ein Adam bzw.

eine Eva herabgekommen und sind den Risiken und dem

Auf und Ab des Lebens ausgeliefert: „Denn wie in Adam

alle sterben …“ (1 Korinther 15:22).

Ging hinab. Der frühe christliche Autor Chrysostomos

sah in dieser Formulierung den

Abstieg Adams aus dem Garten in

diese Welt – von der Herrlichkeit in

die Weltlichkeit, von der Unsterblichkeit

in die Sterblichkeit. Der

Geschichte in Lukas 10 kann man

entnehmen, dass der Mann sich

absichtlich auf den Weg machte, er

wusste um die Risiken, die mit der

Reise verbunden waren. Niemand

zwang ihn, nach Jericho zu gehen.

Offenbar war er der Ansicht, die Reise

lohne sich auch angesichts der allgemein

bekannten Risiken des

Verkehrs auf den Straßen zur Zeit

Jesu, die in einem schlechten Zustand waren. 6

Von Jerusalem. Jesus lässt diese Person nicht von

Frühe christliche

Autoren: Irenäus

(oben), Clemens

(oben rechts) und

Ambrosius (rechts).

irgendeinem gewöhnlichen Ort aufbrechen, sondern von

Jerusalem. Da die Stadt mit dem Tempel heilig war, sahen

die frühen Christen in diesem Detail sofort den Gedanken,

dass diese Person aus der Gegenwart Gottes kam.

Nach Jericho. Jericho wurde gemeinhin mit dieser Welt

gleichgesetzt. Die Stadt liegt über 250 Meter unter dem

Meeresspiegel und ist die am niedrigsten gelegene Stadt

der Welt. Aufgrund des milden Klimas im Winter wurde sie

zu einem hedonistischen Erholungsort, an dem Herodes

einen prächtigen Palast als Urlaubsdomizil errichtet hatte.

Man beachte jedoch, dass der Reisende im Gleichnis noch

nicht in Jericho angekommen war, als er von den Räubern

überfallen wurde. Dieser Mann war auf dem steilen Weg

hinab nach Jericho, aber er war noch nicht unten angekommen.

Überfallen. Darin steckt das Wort „fallen“, eine

Anspielung auf den gefallenen, sterblichen Zustand des

Menschen und die missliche Lage des Sünders: „Ja, alle

sind gefallen und sind verloren.“ (Alma 34:9.)

Von Räubern. Die frühen christlichen Autoren sahen in

den Räubern entweder den Teufel und seine satanischen

Mächte, böse Geister oder falsche Lehrer. Das griechische

Wort für „Räuber“, das Lukas verwendet, legt nahe, dass

es sich hierbei nicht um Gelegenheitstäter handelte. Der

Reisende wurde von einer Bande bösartiger Wegelagerer

angegriffen, einer strukturierten Gruppe, die wohlüberlegt

und gezielt gemeinsam handelte.

Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann

gingen sie weg und ließen ihn halb tot liegen.

Sie plünderten ihn aus. [In der englischen Bibel: Sie

raubten ihm seine Kleidung; Anm. d. Ü.] Die frühen

Christen spürten, dass Jesus hier etwas

Wichtiges ansprach. Origenes und

Augustinus sahen im Verlust der

Kleidung ein Symbol dafür, dass die

Menschheit die Unsterblichkeit und

Unverdorbenheit verloren hatte.

Chrysostomos sprach vom Verlust

„seines Gewandes der Unsterblichkeit“

oder des „Gewandes des Gehorsams“.

Ambrosius sprach davon, dass dem

Reisenden „die Bekleidung seiner

geistigen Herrlichkeit geraubt wurde,

die wir [alle von Gott] erhalten haben“.

Offensichtlich wollten die Angreifer

dem Reisenden die Kleidung stehlen,

denn nirgendwo wird etwas von Wertgegenständen

oder Handelsware

erwähnt. Aus irgendeinem Grund

wollten die Räuber unbedingt sein Gewand haben –

etwas, was er von dem heiligen Ort mitgebracht hatte

und worum sie ihn beneideten und was sie ihm deshalb

wegnehmen wollten.

Sie schlugen ihn nieder. Dies wurde als Vergleich mit

dem Kummer im Leben betrachtet, den Seelenqualen und

den Bedrängnissen aufgrund verschiedener Sünden und

Laster. Ja, die Feinde der Seele fügen Wunden zu (siehe

LIAHONA FEBRUAR 2007 29


30

Jakob 2:8,9). Übertretung hat reale Folgen (siehe Alma

41:10).

Halb tot. Die Räuber rannten fort und ließen den

Betreffenden wahrhaftig „halb tot“ zurück. In diesem

Detail können wir einen Vergleich mit dem ersten und

zweiten Tod erkennen. Die Person war gefallen, war der

Sünde ausgesetzt und hatte den ersten Tod erlitten, sie

wurde sterblich. Doch der zweite Tod, die dauerhafte

Trennung von Gott, konnte noch verhindert werden (siehe

Alma 12:32-36).

Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah

ihn und ging weiter. Auch ein Levit kam zu der Stelle; er

sah ihn und ging weiter.

Zufällig. Der jüdische Priester kam „zufällig“ dorthin, er

hatte nicht bewusst nach dem Mann gesucht. Niemand

hatte es so vorgesehen, dass er dorthin kam.

Ein Priester … Auch ein Levit. Alle frühen christlichen

Kommentatoren sahen in dem Priester ein Symbol für das

Gesetz des Mose. Sie hatten nicht die Vorstellung, dass

jemand, der das im Alten Testament vorhandene

Priestertum trug, einem gefallenen Menschen nicht helfen

wollte, sondern dass das Gesetz des Mose einfach nicht die

Macht hatte, ihn zu retten. Das Gesetz des Mose war ja nur

ein Sinnbild, ein Vorzeichen des Sühnopfers, das noch vollbracht

werden musste, und besaß nicht dessen volle Wirksamkeit

(siehe Mosia 3:15-17).

Der Levit wurde als Symbol für die Propheten des Alten

Testaments betrachtet, deren Worte der Herr auf Erden

erfüllt hat (siehe Matthäus 5:17; 3 Nephi 15:2-5). Die

Leviten waren den Priestern untergeordnet und erfüllten

Aufgaben im Tempel. Immerhin kam dieser

Levit „zu der Stelle“ und sah den Mann.

Vielleicht wollte er ihm ja helfen, aber

möglicherweise betrachtete er sich dafür

als zu unbedeutend. Außerdem hatte

er auch gar nicht die Macht, einen

Sterbenden zu retten.

Dann kam ein Mann aus

Samarien, der auf der Reise

war. Als er ihn sah, hatte er

Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl

und Wein auf seine Wunden und

verband sie.

Samariter. Alle frühen christlichen

Autoren waren sich darüber einig, dass der

barmherzige Samariter Christus darstellte.

Chrysostomos meint, der Samariter sei eine

treffende Darstellung für Christus, denn „so

wie der Samariter nicht aus Judäa war, ist Christus nicht

von dieser Welt“.

Seine Zuhörer in Jerusalem bemerkten wohl, dass der

Erretter damit auf sich selbst anspielte. Einige Juden in

Jerusalem lehnten Jesus mit der Schmähung ab: „Sagen

wir nicht mit Recht: Du bist ein Samariter?“ (Johannes

8:48.) Da Nazaret auf der anderen Seite des Tales nördlich

von Samarien liegt, konnte man die beiden Orte schon

einmal über einen Kamm scheren. Und genauso wie die

Samariter als die geringsten Menschen betrachtet wurden,

so war auch prophezeit worden, der Messias werde „verachtet

und von den Menschen gemieden“ und nicht

geschätzt (siehe Jesaja 53:3).

Der auf der Reise war. Man könnte glauben, dass der

Samariter (der Christus darstellt) nach Menschen Ausschau

hielt, die Hilfe brauchten. Aus dem Text geht nicht hervor,

dass er rein zufällig dort vorbeikam. Origenes schrieb: „Er

ging mit der Absicht dort hinunter, den sterbenden Mann

zu retten und sich seiner anzunehmen.“ Der Erretter kam

mit lindernden Mitteln, in der Absicht, „der Welt die Erlösung

zu bringen“ (3 Nephi 9:21).

Mitleid. Dieses wichtige Wort spiegelt die reine

Christusliebe wider. Das griechische Wort drückt aus, dass

der Samariter von tiefem, innigem Mitgefühl bewegt war.

Dieses Wort wird im Neuen Testament nur dann verwendet,

wenn der Verfasser Gottes barmherzige Gefühle

beschreiben will. Es erscheint auch im Gleichnis vom

unbarmherzigen Gläubiger, in dem der Herr (der Gott darstellt)

Mitleid hatte (vgl. Matthäus 18:27), und im Gleichnis

vom verlorenen Sohn, in dem der Vater (der ebenfalls Gott

SYMBOLE AUS DEM GLEICHNIS VOM BARMHERZIGEN SAMARITER

Symbol

der barmherzige

Samariter

das Opfer

Jerusalem

Jericho

der Priester

der Levit

das Reittier

die Herberge

der Herbergswirt

Eine frühe christliche Auslegung

Jesus Christus

ein durch Sünden

verwundeter Mensch

das Paradies

die Welt

das Gesetz des Mose

die Propheten

der Körper Christi

die Kirche

das Oberhaupt der Kirche


darstellt) sah, dass sein Sohn zurückkehrte,

und „Mitleid mit ihm“ hatte. „Er lief dem

Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und

küsste ihn.“ (Lukas 15:20.) Ebenso stellt der

Samariter den mit göttlichem Mitgefühl

erfüllten Christus dar, der gelitten hat,

„auf dass sein Inneres von Barmherzigkeit

erfüllt sei gemäß dem Fleische, damit er

gemäß dem Fleische wisse, wie er seinem

Volk beistehen könne gemäß dessen

Schwächen“ (Alma 7:12).

Verband seine Wunden. Einige frühe

Christen erklärten, der Verband symbolisiere

Liebe, Glauben und Hoffnung – „ein Band

des Heils, das man nicht abstreifen kann“.

Andere sahen in dem Verband die Lehren

Christi, die uns an die Rechtschaffenheit

binden. Ein Heiliger der Letzten Tage könnte

noch ergänzen, dass der Gerettete durch

Bündnisse an den Herrn gebunden ist (siehe

LuB 35:24; 43:9).

Öl. Eine Lotion mit Olivenöl war sicher

sehr wohltuend. Die meisten frühen

christlichen Autoren sahen darin ein Symbol

für den Trost, den Christus zuspricht, doch

Chrysostomos betrachtete dies als „heilige

Salbung“ – das könnte sich auf verschiedene

Verordnungen des Priestertums beziehen: die

Krankenheilung (siehe Jakobus 5:14), die

Gabe des Heiligen Geistes (oft durch

Olivenöl symbolisch dargestellt) oder die

Salbung eines Königs oder einer Königin.

Wein. Der barmherzige Samariter goss

auch Wein auf die offenen Wunden, um sie

zu reinigen. Spätere christliche Autoren

sahen in dem Wein das Wort Gottes – etwas,

was brennt –, aber die frühere Interpretation

legte den Wein als das Blut Christi aus, das

beim Abendmahl symbolisch dargestellt wird

(siehe Matthäus 26:27-29; 3 Nephi 18:8-11).

Dieser Wein, das sühnende Blut, wäscht die

Sünde fort und reinigt die Seele, sodass der

Geist Gottes bei uns sein kann. Ein wahrhaft

barmherziger Samariter leistet nicht nur

physische Hilfe, sondern bietet auch die

errettenden Grundsätze und Verordnungen

des Evangeliums an. Der sühnende Wein tut

anfangs vielleicht weh, aber in der Folge

bewirkt er einen

heilenden Frieden.

Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte

ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn.

Hob ihn auf sein Reittier. Christus nahm

unsere Schmerzen auf sich und erfüllte so die

Prophezeiung (siehe Jesaja 53:4; Alma 7:11).

Im Reittier des Samariters sah man ein Symbol

für den Leib Christi. Auf das Reittier

gelegt werden bedeutet, daran glauben, dass

Gott einen fleischlichen Körper bekam,

unsere Sünden trug und für uns litt.

Herberge. Für die frühen Christen war

ganz klar, dass dies ein Symbol für die

Kirche war. Eine Herberge war ein öffentlicher

Ort, der allen offenstand. Die Kirche

Christi ist in vielerlei Hinsicht ein öffentlich

zugänglicher Zufluchtsort. Eine Herberge

am Wegesrand ist nicht das himmlische Ziel,

aber ein notwendiges Hilfsmittel für die

Reisenden, damit sie ihr ewiges Zuhause

erreichen.

Sorgte für ihn. Der Samariter blieb bei

dem Verletzten und versorgte ihn persönlich

in der ersten Nacht. Er lieferte den Verletzten

nicht einfach schnell beim Herbergswirt ab,

Aus irgendeinem

Grund

wollten die

Räuber unbedingt

das Gewand des

Reisenden haben –

etwas, was er von

dem heiligen Ort

mitgebracht hatte

und worum sie ihn

beneideten und was

sie ihm deshalb

wegnehmen wollten.

LIAHONA FEBRUAR 2007 31


Wenn

wir das

Gleichnis

im Licht des Evangeliums

sehen,

können wir uns mit

fast jeder Figur in

der Geschichte

identifizieren.

sondern blieb in den schlimmsten Stunden

an seiner Seite. Origenes schrieb, Jesus

nehme sich des Verletzten an, und zwar

„nicht nur am Tag, sondern auch in der

Nacht. Er widmet ihm all seine Aufmerksamkeit

und sein Tun.“

Am andern Morgen holte er zwei Denare

hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge

für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst,

werde ich es dir bezahlen, wenn ich

wiederkomme.

Am andern Morgen. Die frühen Kommentatoren

sahen hierin den Gedanken, dass

Jesus am Morgen der Auferstehung hervorkommt.

Christus erwies seinen Jüngern für

kurze Zeit persönlich seinen Dienst. Nach

seiner Himmelfahrt überließ er den Reisenden

der Kirche. Sie sollte sich seiner annehmen.

Der Wirt. Dementsprechend betrachteten

die frühen Kommentatoren den Wirt als

Paulus und die anderen Apostel und deren

Nachfolger. Wenn die Herberge die Kirche im

Allgemeinen darstellt, kann man im Wirt und

seinen Mitarbeitern aber auch alle Führungskräfte

und Helfer in der Kirche sehen, denen

der Herr geboten hat, sich jeder geretteten

Seele anzunehmen, die geheilt werden

möchte, und sie zu nähren.

Wenn ich wiederkomme. Die Person,

die Christus darstellt, verspricht ganz

offen, dass sie wiederkommt – ein

offensichtliches Sinnbild für das

Zweite Kommen Christi. Das

griechische Wort, das hier mit

„wiederkommen“ übersetzt ist,

erscheint nur noch ein weiteres

Mal im Neuen Testament, und zwar

in Lukas 19:15. Dort kehrt der Herr in

einem Gleichnis zurück und richtet die

Menschen danach, was sie mit dem anvertrauten

Geld gemacht haben. Diese Verknüpfung

bekräftigt eindeutig das Sinnbild

für das Zweite Kommen.

Bezahlen oder belohnen. Zum Schluss

wird dem Wirt versprochen, dass alle seine

Kosten erstattet werden. „Ich werde dir wiedergeben,

was auch immer du ausgibst.“

Dieses Element der Geschichte – der Wirt

erhält ja sozusagen einen Blankoscheck – hat

den Kommentatoren unserer Zeit, die diese

Geschichte nur als Schilderung eines Ereignisses

aus dem Leben hinnehmen, wohl am

meisten Kopfzerbrechen bereitet. Welcher

vernünftige Mensch würde denn eine so

ungewisse Verpflichtung gegenüber einem

unbekannten Wirt eingehen? Wenn man die

Geschichte jedoch als Sinnbild auffasst, ergibt

dieses Versprechen Sinn, denn der Samariter

(Christus) und sein Wirt kannten sich bereits

und vertrauten einander, als dieses Versprechen

gegeben wurde.

Ein ewiger Auftrag

Da es für uns schwierig ist, das unendliche

Wesen Gottes und seine göttliche Fülle zu

begreifen, spricht er zu uns in Sinnbildern

(siehe Mose 5:7). Anhand von Symbolen kann

unser begrenzter Verstand heilige Wahrheiten

erfassen, die in das einzigartige Evangelium

32


Jesu, das so viele Geheimnisse birgt, eingebettet sind.

Außerdem verleiht die allegorische Auslegung dem

Gleichnis vom barmherzigen Samariter neben seiner moralischen

Aufforderung auch noch eine ewige Perspektive.

In seinen Gleichnissen vermittelte Jesus die Grundlagen

des Erlösungsplans, den der Vater aufgestellt hat. Als

Sinnbild und Vorzeichen für diesen Plan stellt der barmherzige

Samariter die Akte der Nächstenliebe hier in

diesem Leben in einen ewigen Kontext, nämlich damit,

woher wir gekommen sind, wie wir in unsere gegenwärtige

missliche Lage geraten sind und wie die

bindenden Verordnungen

und die

heilende Liebe des

verheißenen Erlösers

und die Fürsorge

seiner Kirche uns aus

diesem Zustand

retten können, wenn

wir anderen dienen

und so leben, dass

wir bei seinem

Zweiten Kommen

Lohn verdienen.

Wenn wir das

Gleichnis in diesem

Licht sehen,

können wir uns

mit fast jeder Figur

in der Geschichte

identifizieren.

Man kann sich

gleichermaßen in

der Rolle des barmherzigen

Samariters

sehen, der als

tatsächlicher Retter

auftritt, wie in der

des Erretters auf

dem Berg Zion, der

bei der so bedeutsamen

Arbeit mithilft,

verlorene

Seelen zu retten. Jesus sagte dem Pharisäer: „Dann geh und

handle genauso!“ (Lukas 10:37.) Wenn wir so handeln wie

der Samariter, schließen wir uns Christus an und helfen ihm,

die Errettung und das ewige Leben des Menschen zustande

zu bringen.

Die Elemente aus diesem Fenster in Sens wurden

gemäß den Themen angeordnet, die sie darstellen.

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (rechts,

digital aus dem Bild herausgefiltert) wird in den drei

zentralen Scheiben des Fensters dargestellt, und

Themen aus dem Erlösungsplan, darunter der Fall

von Adam und Eva und die Kreuzigung des Erretters

(links, digital herausgefiltert) umgeben dieses

Gleichnis und vervollständigen das Fenster.

Ein Jünger Jesu betrachtet sich sicher auch als Wirt,

dem von Jesus Christus aufgetragen wurde, die langfristige

geistige Heilung von verwundeten Reisenden

zu unterstützen.

Man kann sich aber auch in der Rolle des Reisenden

sehen. Zu Beginn des Gleichnisses kann sich jeder in den

einsamen und müden Reisenden hineinfühlen und hat

Mitleid mit ihm. Wir alle müssen gerettet werden. Am

Ende der Geschichte kann sich jeder Reisende sicher

fühlen, denn er weiß jetzt, dass gemäß dieser Auslegung

derjenige, der „sich als der Nächste dessen erwiesen

[hat], der von den Räubern überfallen

wurde“ (Lukas 10:36), niemand anders ist als

der barmherzige Christus. Er ist das beste

Beispiel dafür, wie man sich als „Nächster“

verhält.

Diese Erkenntnis ist die Antwort auf die

zweite Frage des Gesetzeslehrers: „Und wer

ist mein Nächster?“ Gleichzeitig wird auch

die erste Frage beantwortet: „Was muss ich

tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“

Das ewige Leben bekommen wir, wenn

wir Gott „lieben mit ganzem Herzen und

ganzer Seele, mit all [unserer] Kraft und all

[unseren] Gedanken“ (Lukas 10:27), und

indem wir seinen Sohn (unseren Nächsten)

wie uns selbst lieben. Und das tun wir, wenn

wir uns aufmachen und das tun, was der

Erretter getan hat – unseren Mitmenschen

Liebe erweisen. Denn nur, wenn wir ihnen

dienen, dienen wir auch unserem Gott (vgl.

Mosia 2:17). ■

ANMERKUNGEN

1. History of the Church, 2:266

2. Malcolm Miller, Chartres Cathedral, 1985, Seite 68

3. Eine ausführliche Schilderung und Quellen der

Zitate in diesem Artikel in John W. Welch, „The Good

Samaritan: A Type and Shadow of the Plan of Salvation“,

Brigham Young University Studies, Frühjahr

1999, Seite 51–115. Andere Heilige der Letzten Tage,

darunter Hugh Nibley, Stephen Robinson, Lisle Brown

und Jill Major, haben das Gleichnis vom barmherzigen

Samariter teilweise auf ähnliche Weise interpretiert.

4. Origenes, Homily 34.3, übersetzt von Joseph T.

Lienhard, Origenes: Homilies on Luke, Fragments

on Luke, 1996, Seite 138

5. R. Laird Harris, Gleason L. Archer Jr. und Bruce K. Waltke, Hg.,

Theological Wordbook of the Old Testament, 1980, „adam“, 1:10

6. Siehe Anchor Bible Dictionary, 1992, „Travel and Communication“,

6:644ff. Da in alter Zeit das Risiko sehr groß war, auf einer Reise von

Räubern überfallen zu werden, war kaum jemand allein unterwegs

wie der Mann in diesem Gleichnis. Dies ist ein weiterer Hinweis

darauf, dass es sich hierbei um ein Sinnbild handelt.

LIAHONA FEBRUAR 2007 33


10

für dein Leben

Zehn Leitsätze

ELDER ROBERT D. HALES

vom Kollegium der Zwölf Apostel

Hier sind zehn

Leitsätze, die aus

meinen Erfahrungen

mit einem Leben nach

dem Evangelium

stammen. Ich hoffe,

sie helfen dir weiter,

wenn du bestimmst,

nach welchen Grundsätzen

du dein Leben

ausrichten willst.

An den jüngsten Ereignissen sehen

wir, dass wir in den Letzten Tagen

leben. Die zunehmenden Wirren

unter den Völkern lassen uns an die

Worte unseres Erretters, Jesus Christus,

denken: „Ihr werdet von Kriegen hören

und Nachrichten über Kriege … Denn ein

Volk wird sich gegen das andere erheben

und ein Reich gegen das andere.“ (Matthäus

24:6,7.)

Es ist eine schwierige, aber auch eine

spannende Zeit. Das Evangelium rollt

voran wie der Stein, der ohne Zutun von

Menschenhand vom Berg losbrach. Es füllt

die ganze Erde (siehe Daniel 2:44,45). Und

nun ist es dein Vorrecht, dazu beizutragen,

dass es weiter voranschreitet.

Wenn du hinausgehst und anderen dienst,

wirst du feststellen, dass dein größter

Erfolg und Einfluss nicht allein auf deinem

erworbenen Wissen beruht. Er rührt daher,

was du mit diesem Wissen tust – wie klug du

deine Entscheidungsfreiheit nutzt, um gute

Entscheidungen zu treffen.

Mit einigen Entscheidungen musst du

freilich warten, bis sich die Umstände

geändert haben und du mehr Verständnis

erlangt hast. Aber viele der wichtigsten Entscheidungen

kannst und musst du schon jetzt

treffen. Du kannst zum Beispiel die Grundsätze

oder Leitsätze festlegen, die sich auf

deine künftigen Entscheidungen auswirken.

Hier sind zehn Leitsätze, die aus meinen

Erfahrungen mit einem Leben nach dem

Evangelium stammen. Ich hoffe, sie helfen dir

weiter, wenn du bestimmst, nach welchen

Grundsätzen du dein Leben ausrichten

willst.

1Leitsatz

Nicht das Hindernis zählt, sondern wie du es

überwindest.

Stell dir einmal vor, du seist ein

Lokomotivführer. Deine Lokomotive rast

die Gleise entlang, und du schaust aus dem

Fenster. In der Ferne entdeckst du einen

großen Haufen Geröll, mitten auf deinem

Weg. Was nun? Den nächsten Bahnhof

anfunken? Den Zug anhalten und dich selbst

um das Problem kümmern? Kohle nachschütten

und dann einfach mittendurch?

Es lässt sich nun einmal nicht ändern, dass

wir alle im Leben auf Hindernisse stoßen.

Durch zeitliche Hindernisse wird die Entwicklung

für die Ewigkeit erst möglich. Wir

müssen uns also entscheiden, wie wir damit

umgehen wollen.

ILLUSTRATIONEN VON SCOTT GREER UND BRANDON DORMAN

34


So wie der Lokführer können wir Hilfe suchen. Durch

Beten, Fasten und eifriges Forschen können wir die Hilfe

unseres Vaters im Himmel erlangen. Er wird uns trösten,

stärken und durch seinen Heiligen Geist Licht schenken.

Häufig gibt er uns inspirierten Rat durch unsere Eltern und

Priestertumsführer. Manchmal ebnet er uns den Weg,

indem er das Hindernis beseitigt. Manchmal hilft er uns –

wie ein Weichensteller –, auf ein anderes Gleis zu

gelangen. Doch gelegentlich können wir das Geröll nur

vom Gleis beseitigen, indem wir den Zug anhalten und das

Problem beseitigen.

Das ist immer dann erforderlich, wenn wir das

Hindernis selbst verursacht haben, wenn wir beispielsweise

die Gebote des Herrn missachtet haben. Umkehr ist

der einzige Weg, wie wir das Geröll der Sünde beseitigen

und dann im Leben vorankommen können. „Ob jemand

von seinen Sünden umkehrt, könnt ihr daran erkennen:

Siehe, er wird sie bekennen und von ihnen lassen.“

(LuB 58:43.)

Und dann gibt es noch die Zeiten, in denen uns der

Vater im Himmel anweist, geistig die Kohle des Glaubens

und der Hoffnung nachzulegen und mittendurch zu

fahren, oder – wie es in den Schriften heißt – „vorwärtszustreben”:

„Darum müsst ihr mit Beständigkeit in Christus vorwärtsstreben,

erfüllt vom vollkommenen Glanz der Hoffnung und

von Liebe zu Gott und zu allen Menschen. Wenn ihr darum

vorwärtsstrebt und euch am Wort von Christus weidet und

bis ans Ende ausharrt, siehe, so spricht der Vater: Ihr werdet

ewiges Leben haben.“ (2 Nephi 31:20.)

2Leitsatz

Verfolg deine Ziele mit ganzem Herzen, aller Macht, ganzem

Sinn und aller Kraft. Wenn du deine Ziele nur halbherzig verfolgst,

ist das Ganze von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Oft sind wir zaghaft und machen uns nicht voller Überzeugung

an die Arbeit. Wir tasten uns voran, als hätten wir

Angst im Dunkeln. Es ist wirklich viel besser, das Licht des

LIAHONA FEBRUAR 2007 35


36

Es ist wirklich viel

besser, das Licht

des Glaubens

anzuschalten und

mit Energie und

Begeisterung ans

Werk zu gehen.

Glaubens anzuschalten und mit Energie und

Begeisterung ans Werk zu gehen.

Wenn wir den falschen Weg eingeschlagen

haben, werden wir das schnell merken und

können die erforderlichen Änderungen vornehmen.

Wenn wir aber eine Sache zaghaft

und unentschlossen angehen, lässt sich nur

schwer feststellen, ob sie richtig oder falsch

ist, jedenfalls nicht rechtzeitig genug für

Korrekturen.

Der Herr hat gesagt: „Wärest du doch kalt

oder heiß!“ (Offenbarung 3:15.)

Wir müssen uns jetzt entschließen, unsere

Entscheidungen gebeterfüllt zu treffen, und

uns dann mit Glauben, Energie und Entschlossenheit

an die Arbeit machen.

3Leitsatz

Aus einem kleinen Funken kann ein großes Feuer

entstehen.

Wenn wir uns vorwärts bewegen,

entzünden sich ganz selbstverständlich

ein paar Funken. Missverständnisse,

Meinungsverschiedenheiten, verschiedene

Persönlichkeiten und ein unterschiedlicher

Stil können Reibung erzeugen. Bedenke

immer: Wenn wir nicht aufpassen, kann aus

einer Mücke leicht ein Elefant werden.

Nimm dir jetzt vor, Konflikten den Zündstoff

zu nehmen, indem du gut über andere

denkst. Der Herr hat uns ermahnt: „Vertrage

dich mit deinem Widersacher schnell, während

du noch mit ihm auf dem Weg bist.“

(3 Nephi 12:25.)

Kritisiere andere nicht. Was du über

andere sagst, kann ihnen (und wird ihnen

auch meistens) zu Ohren kommen. Sieh das

Gute in den Menschen und trag zu diesem

Guten durch deine treue Freundschaft,

Achtung, Loyalität, dein Vertrauen und deine

Liebe bei.

4Leitsatz

Unsere größte Stärke kann zu unserer größten

Schwäche werden.

In manchen Lebensbereichen bist du

vielleicht sehr geschickt und gut vorbereitet,

aber dies kann zu einer Schwäche werden,

wenn du nur auf diese Fähigkeiten baust.

Wenn du nicht aufpasst, können diese

erlernten Fähigkeiten zum Eigennutz

werden, wenn sie nicht im ausgewogenen

Verhältnis stehen. Dann können sie dich

sogar sehr behindern.


Wenn du beispielsweise nicht mit anderen zurechtkommst,

wirst du scheitern. Du musst jetzt das Wissen, das

du dir angeeignet hast, einsetzen, um die Kirche, deine

Familie, dein Arbeitsumfeld, das Gemeinwesen und deine

Freunde zu stärken.

Unsere größte Stärke kann immer dann zu einer

Schwäche werden, wenn wir vergessen, dass uns unsere

Gaben, Talente und unser Intellekt von Gott gegeben

wurden – immer, wenn wir uns auf den „natürlichen

Menschen“ (siehe Mosia 3:19) verlassen und vergessen, dass

Gott uns alle Gaben in diesem Leben schenkt. Wenn wir verhindern

wollen, dass unsere Stärken zu einer Schwäche

werden, müssen wir „seine Hand in allem anerkennen und

… seinen Geboten gehorchen“ (LuB 59:21).

5Leitsatz

Wir können viel aus Misserfolgen lernen, wenn wir den

entsprechenden Glauben haben.

Der Erlöser hat gesagt: „In der Welt seid ihr in Bedrängnis.“

Aber weil er die Welt besiegt hat, können wir Mut

haben (siehe Johannes 16:33) – wir können unsere Misserfolge

überwinden. Daher müssen wir die Gelegenheit

nutzen, aus unseren Fehlern zu lernen, indem wir analysieren,

was wir hätten besser machen können, und einen

Plan aufstellen, wie wir uns bessern können.

Wenn wir das tun, stellen wir fest, dass Rückschläge und

Enttäuschungen „nur … einen kleinen Augenblick“ dauern

und uns „zum Guten dienen“ werden (LuB 122:4,7). Wenn

wir Glauben haben, nehmen wir den Rat des Herrn ernst:

„Forscht eifrig, betet immer und seid gläubig, dann wird

alles zu eurem Guten zusammenwirken.“ (LuB 90:24.)

taumelnd erreichte Akhwari als Letzter das Stadion. Als er

gefragt wurde, warum er einen Lauf beendet habe, den

er gar nicht mehr gewinnen konnte, antwortete er:

„Mein Land hat mich nicht 11 000 Kilometer in die Ferne

geschickt, um einen Lauf anzufangen. Mein Land hat mich

11 000 Kilometer in die Ferne geschickt, damit ich den

Lauf beende.“

Wir kommen auch nicht auf die Erde, um lediglich in

ein sterbliches Umfeld zu gelangen. Wir haben eine Mission

und ein Ziel, nämlich bis ans Ende auszuharren.

Denk an das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg.

Sie alle dienten dem Gutsbesitzer und alle bekamen den

gleichen Lohn. Es spielte keine Rolle, dass einige erst

später dazugekommen waren. Wichtig war nur, dass sie

letztendlich alle da waren (siehe Matthäus 20:1-16).

Wenn du in jungen Jahren ein paar Fehler gemacht hast,

lass dich davon nicht entmutigen. Der Richterspruch des

Herrn ist keine geistige Durchschnittsnote, bei der frühere

Sünden und Fehler in die Abschlussnote mit eingerechnet

werden. Er hat verheißen: „Wer von seinen Sünden umgekehrt

ist, dem ist vergeben, und ich, der Herr, denke nicht

mehr an sie.“ (LuB 58:42.)

Wenn du also heute nicht da bist, wo du gerne sein

möchtest, nimm dir heute vor, dorthin zu gelangen.

Die Note für unser Leben wird danach festgelegt,

wie gut wir nach den Bündnissen leben, die wir bei den

errettenden heiligen Handlungen geschlossen haben: bei

der Taufe, der Gabe des Heiligen Geistes, bei Waschungen,

Salbungen, dem Endowment und der Siegelung.

Du kannst die Ziellinie mit all den anderen überschreiten.

„Geht vorwärts und nicht rückwärts! Mut, Brüder, und

auf, auf zum Sieg!“ (LuB 128:22.)

6 7

Leitsatz

Es ist egal, wie man das Rennen beginnt oder an welcher Stelle

man im Wettlauf ist – was zählt ist, wie man die Ziellinie erreicht.

John Stephen Akhwari, ein Marathonläufer aus Tansania,

nahm an den Olympischen Spielen im Sommer 1968 teil.

Obwohl er während des Laufs mit Erschöpfung, Wadenkrämpfen,

Dehydrierung und Orientierungsschwächen

zu kämpfen hatte, trieb ihn eine innere Stimme an,

weiterzulaufen, und das tat er dann auch. Erschöpft und

Leitsatz

„Wenn ihr reich werden wollt, dann spart, was ihr bekommt. Ein

Narr kann Geld verdienen, aber man muss weise sein, um es zu

sparen und es zu seinem Vorteil zu nutzen.“ 1

Es ist zu unserem Vorteil, in unserem Leben auf wahres

Glück Wert zu legen. Der Prophet Joseph Smith hat

gesagt: „Glücklich zu sein ist der Zweck und die Absicht

unseres Daseins.“ 2 Leider leben wir in einem Zeitalter

der Gier – eines unersättlichen Hungers nach zeitlichen

Dingen, der uns zu Sklaven macht.

Doch bedenke: Zeitlich bedeutet „vergänglich“. Und

LIAHONA FEBRUAR 2007 37


Vergängliches kann uns kein Glück in der Ewigkeit

bescheren.

Plane also für die Zukunft. Blicke weit voraus. Sei

geduldig. Zahl den Zehnten und die übrigen Spenden. Und

spare dein Geld. Versuch nicht, jetzt schon all das zu haben,

worauf deine Eltern jahrelang geduldig sparen mussten.

Glücklich ist der Mensch, der mit den Mitteln auskommt,

die er heute hat, und daran Freude hat.

8Leitsatz

Du kannst nicht erfahren, was der Herr von dir erwartet, wenn

du nicht deine Entscheidungsfreiheit gebrauchst und die Verantwortung

für deine Entscheidungen übernimmst.

Allzu oft glauben wir, dass wir uns nur ein wenig oder

gar nicht anzustrengen brauchen, und der Heilige Geist

werde uns dann schon Antworten auf unsere Fragen

geben. So wie Oliver Cowdery machen wir uns „keine

Gedanken …, außer … zu bitten“ (LuB 9:7). Und leider

beten wir manchmal noch nicht einmal.

Das ist allerdings nicht die Weise des Herrn. Er hat uns

aufgetragen: „Du musst es mit deinem Verstand durcharbeiten;

[und] dann [den Herrn] fragen, ob es recht

ist.“ (LuB 9:8; Hervorhebung hinzugefügt.)

Wenn wir uns beispielsweise für einen Partner für die

Ewigkeit entscheiden wollen, legen wir dem Herrn keine

Liste mit Namen vor, aus der er dann einen auswählen

soll. Stattdessen üben wir unsere Entscheidungsfreiheit

aus, indem wir mit anderen ausgehen. Wir lernen die

innere Einstellung und das äußere Verhalten einer Person

kennen. Dann treffen wir eine Entscheidung und legen sie

dem Herrn vor.

Auf diese Weise übernehmen wir die Verantwortung für

unsere Entscheidungen und dafür, dass wir gebeterfüllt

alle Probleme lösen, mit denen wir konfrontiert werden.

9Leitsatz

Je mehr sich ändert, desto mehr bleibt gleich.

1975 sprach ich zu den Studenten der Brigham-Young-

Universität. Ich hielt meine linke Hand hoch und sagte:

„Wir sind hier.“ Dann führte ich meine rechte Hand immer

weiter von der linken fort und sagte: „Und die Welt bewegt

sich immer weiter weg.“ Damals war ich der Ansicht, die

Wege der Welt seien hunderte Kilometer von den Wegen

des Evangeliums entfernt. Dann verwies ich auf meine

linke Hand: „Aber die Kirche ist noch immer hier.“

Das ist fast 32 Jahre her. Heute ist die Welt noch viel

weiter entfernt. Ich würde sagen, sie ist tausende Kilometer

entfernt oder noch mehr, aber die Kirche hat sich

noch immer nicht von ihrer Position entfernt.

Als Mitglied dieser Kirche kannst du davon ausgehen,

dass du dich von deinen Altersgenossen in der Welt

unterscheidest. Du musst damit rechnen, dass der

Abstand zunehmen wird. Aber lass dich davon nicht

erschrecken. Diejenigen, die Augen haben, um zu sehen,

werden erkennen, dass du ein Licht auf einem Berg bist,

und sie werden durch die Finsternis in diesen Letzten

Tagen zu dir kommen, um in deinem Licht zu stehen.

10 Leitsatz

Der Tempel Gottes ist die größte Universität.

Das Wissen um die Wahrheiten des wiederhergestellten

Evangeliums Jesu Christi ist das kostbarste Wissen, das du

jemals erlangen kannst.

Geh in den Tempel! Das Endowment ist der Lehrplan

der Ewigkeit. Darin erfahren wir, woher wir kommen und

warum wir hier auf der Erde sind, und wir bekommen die

Verheißung, dass wir das ewige Leben im celestialen Reich

erlangen, wenn wir die Gebote und Bündnisse befolgen.

Mit diesen zehn Leitsätzen im Hinterkopf möchte ich

dir mein Zeugnis geben und dir etwas verheißen. Wenn

du danach strebst, ein erfolgreicher Sohn, eine erfolgreiche

Tochter Gottes zu sein, brauchst du niemals

Abstriche von dem zu machen, was zum Gottesreich

gehört. Was deine von Gott bestimmte Mission betrifft,

wirst du niemals dafür bestraft werden, dass du nach

dem Evangelium lebst. Doch wenn du Abstriche von

den ewigen Grundsätzen Gottes machst, um für dich

zeitlichen Gewinn zu erzielen, verlierst du die ewigen

Segnungen, die dir doch zustehen.

Ich wuchs in New York auf und war eines von zwei, drei

Mitgliedern der Kirche an einer Highschool mit ein paar

tausend Schülern. Vor kurzem hatten wir nach 50 Jahren

38


ein Klassentreffen, und meine früheren Mitschüler

konnten sich noch erinnern, wie ich

mich immer an meine Werte und Grundsätze

gehalten hatte. Da wurde mir klar, dass ein

einziger Verstoß gegen das Wort der Weisheit

oder ein Ausrutscher bei sittlichen Werten

bedeutet hätte, dass ich niemals hätte sagen

können: „Daran glaube ich“, und meine

Freunde mir vertraut hätten.

Wir können das Evangelium nur in dem

Maß weitergeben, wie wir danach leben. An

der Hochschule, beim Militär als Adjutant

und Jagdflieger, beim Studium oder in

meiner beruflichen Laufbahn im Verkauf

und Marketing, als Abteilungsleiter oder als

Vizepräsident am Hauptsitz meiner Firma –

niemals musste ich Abstriche von meinen

Werten und Grundsätzen machen.

War das einfach?

Ich weiß es nicht. Ich war nicht auf der

Suche nach dem Einfachen.

War es schwer?

Ich war auch nicht auf der Suche nach

dem Schweren. Es war ganz einfach so.

Gab es Menschen, die gelegentlich meine

Ansichten infrage stellten?

Ganz gewiss.

Hatten diese Leute dann Achtung und Respekt

vor meiner Entschlossenheit, nach dem

Evangelium zu leben, wenn ich meinen

Grundsätzen treu blieb?

Jedes Mal.

Wenn du daran denkst, wer du bist, und

dich entsprechend verhältst, wenn du

ehrenvoll jede Berufung, Aufgabe und jeden

Auftrag erfüllst, wenn du dem Namen des

Erretters treu und seiner ewigen Segnungen

würdig bleibst, hast du immer das Licht des

Heiligen Geistes bei dir, das dich führt und

leitet und dich aufrichtet. Du wirst immer

wissen, was du sagen oder tun sollst. Es wird

dir gegeben werden.

Dadurch, wie du lebst, wofür du stehst,

wie du deine Mitmenschen behandelst und

wie du deinen Ehepartner und deine Familie

ehrst, wird der Einfluss Jesu Christi, des

Erlösers, ausgeweitet. Denn es gibt keinen

größeren christlichen Dienst als wie der Herr

zu werden, auf den Rat seines Geistes zu

hören und seinen Willen zu tun.

Im Laufe der Jahre wirst du noch mehr

Leitsätze finden, die deine Erfahrungen mit

einem Leben nach dem Evangelium widerspiegeln.

Finde sie und lebe entsprechend.

Möge der Herr dich segnen und bewahren,

dass du ein gutes Leben führen kannst, das

sein kannst, was du sein möchtest, und deine

Träume jetzt erreichen kannst und dann

ehrenvoll in die Ewigkeit zurückkehrst. ■

Nach einer Ansprache bei einer Abschlussfeier an der

Brigham-Young-Universität am 14. August 2003.

ANMERKUNGEN

1. Brigham Young, in Lehren der Präsidenten der

Kirche: Brigham Young, 1997, Seite 229

2. History of the Church, 5:134

Spar dein Geld.

Versuch nicht,

jetzt schon

all das zu haben,

worauf deine Eltern

jahrelang geduldig

sparen mussten.

LIAHONA FEBRUAR 2007 39


Niemals allein

ANNE GRENZEBACH

Stellen Sie sich vor, Sie wollen sich einer anderen

Kirche anschließen als der, mit der sie groß geworden

sind. Jetzt stellen Sie sich vor, wie Sie das Ihrer

Familie beibringen. Wie werden sie wohl reagieren? Werden

sie Sie unterstützen oder sind sie enttäuscht von Ihnen?

Wenn Sie sie als Freunde verlieren würden – wäre das der

Wechsel zu einer anderen Kirche wert?

Das sind einige der Fragen, die ich mir

vor ein paar Jahren stellte, als ich die Kirche

untersuchte. Eine Freundin riet mir, meinem

Herzen zu folgen und daran zu glauben,

dass der Herr mir helfen werde, meine

Angst vor Zurückweisung durch Angehörige

und Freunde zu überwinden. Mit diesem

schlichten Glauben ging ich weiter voran

und ließ mich im April 2002 taufen.

Als einziges Mitglied der Kirche in der

Familie hat man es nicht leicht. Niemand

hilft einem dabei, die Bündnisse zu halten,

jeden Tag in den heiligen Schriften zu lesen und all die

kleinen Dinge zu tun, mit denen man stetig sein Zeugnis

festigt. Man ist ganz allein dafür zuständig, dass man

motiviert bleibt. Als einziges Mitglied in meiner Familie

habe ich diese Säulen der Kraft für mich entdeckt: Ich

widme mich voll und ganz der Kirche, ich erzähle

anderen vom Evangelium, ich befasse mich intensiv mit

der Tempelarbeit und ich verliere nie die Hoffnung, dass

meine Familie sich doch noch irgendwann der Kirche

anschließt.

Unterstützung inmitten von Anfeindungen

Bis ich mich der Kirche anschloss, hatte ich meine

Familie noch nie übermäßig enttäuscht. Als ich mich

taufen ließ, wusste ich, dass sie sich hintergangen fühlten,

und ich fühlte mich ganz elend, weil ich ihnen so weh

tat. Ich blieb weiterhin in der Kirche, denn ich wusste

im Herzen, dass es das war, was der Herr für mich

wollte – und für meine Angehörigen.

Als einziges

Mitglied in

meiner Familie

habe ich einige Säulen

der Kraft im Evangelium

entdeckt.

Damals wohnte ich nicht in der Nähe meiner Familie.

Immer, wenn ich zu Besuch kam, wurde ich mit

Beschuldigungen und Beleidigungen überschüttet. Es

wurde noch schlimmer, als ich mich entschloss, auf Mission

zu gehen. Meine Großmutter hatte Tränen in den

Augen, als sie sagte: „Annie, mein Mädchen, wenn du auf

diese Mission gehst, brichst du mir das

Herz.“ Ich sagte ihr, dass ich die Eingebung

empfangen hatte, auf Mission zu gehen,

und wenn ich das nicht tue, würde ich dem

Vater im Himmel nicht gehorchen.

Als ich mich auf die Mission vorbereitete,

fand ich Trost und Kraft in meiner Gemeindefamilie.

Sie halfen mir ungemein, mich an

die neue Lebensweise zu gewöhnen, die ein

Mitglied der Kirche an den Tag legen sollte,

und sie halfen mir, mit der Ablehnung durch

meine Familie zurechtzukommen. Ich stellte

fest, dass ich trotz der Enttäuschungen durchhalten

konnte, wenn ich mich ganz und gar der Kirche

widmete – durch Berufungen, Aktivitäten und wenn ich mit

den Missionarinnen zusammenarbeitete. Außerdem wohnte

ich in der Nähe von Palmyra in New York und so saß ich

häufig im heiligen Hain, dachte über meine Situation nach

und suchte Frieden.

Einsatz für die Familie

Meine Gemeinde stand mir zwar zur Seite, aber ich war

trotzdem frustriert und fühlte mich von meiner Familie

unverstanden. Alles, was sie über die Kirche wussten,

hatten sie aus anderen Quellen erfahren, und sie wollten

nicht glauben, was ich ihnen erzählte. Ich gab mir Mühe,

mit ihnen über das Evangelium zu sprechen und ihre

falschen Ansichten zu korrigieren, aber irgendwie fanden

wir keine gemeinsame Basis. Die Kluft zwischen mir und

meinen Angehörigen wurde immer weiter, und ich wusste

nicht, wie ich sie verringern konnte. Als ich dann zu

meiner Mission in Virginia aufbrach, hatte ich schon fast

FOTO VON KIMBERLY WEBB; HINTERGRUND VON WELDEN C. ANDERSEN

40


die Hoffnung aufgegeben, dass sich meine

Familie wohl jemals für die Kirche interessieren

könnte.

Durch meine Briefe an meine Familie versuchte

ich weiterhin, ihnen etwas über das

Evangelium zu vermitteln. Ich weiß noch,

dass ich meinen Vater bat, sich doch mit den

Missionaren zu treffen. Er erklärte klipp und

klar, er habe kein Interesse. Seine Antwort zu

lesen war eine der schwersten Erfahrungen

während meiner Mission, aber sie gab mir

nur noch mehr Ansporn, mich anzustrengen

und jedem, der zuhören wollte, vom Evangelium

zu erzählen. Mir wurde klar, dass jeder

zu einer Familie gehört, und wenn ich einem

Menschen half, war ich vielleicht die Antwort

auf das Gebet eines anderen. Ich bin noch

immer bemüht, andere am Evangelium

teilhaben zu lassen, auch wenn ich keine

Vollzeitmissionarin mehr bin.

Segnungen durch den Tempel

Als Elder Henry B. Eyring vom Kollegium

der Zwölf Apostel bei der Generalkonferenz

im April 2005 ans Rednerpult ging, hatte

ich das starke Gefühl, ich solle bei seiner

Ansprache ganz genau zuhören. Er begann

mit den folgenden Worten: „Ich möchte

heute zu denen sprechen, die nicht in der

Kirche aufgewachsen sind. … Sie sehen …,

Meine

Gemeindefamilie

half

mir, mit der Ablehnung

durch meine

Familie zurechtzukommen,

und ich

fand auch Frieden,

wenn ich im heiligen

Hain über meine

Situation nachdachte.

LIAHONA FEBRUAR 2007 41


Auch wenn

ich keine

Vollzeitmissionarin

mehr bin,

bemühe ich mich

noch immer, andere

am Evangelium

teilhaben zu lassen.

Auch die Genealogie

und das Dienen im

Tempel schenken mir

Frieden und Freude.

dass Sie keineswegs eine Ausnahme bilden!

Ich möchte Ihnen sagen, dass der Herr Sie

sehr liebt und dass er Ihnen vertraut; ja,

dass er sich sehr auf Sie verlässt.“ 1

Er sprach darüber, dass ein Bekehrter

niemals aufhören darf, seiner Familie vom

Evangelium zu erzählen. Dann erklärte er, dass

die Tempelarbeit ein weiterer wichtiger Aspekt

bei der Missionsarbeit in der Familie sei.

Elder Eyrings Worte inspirierten mich, mir

Ziele zu setzen, was den Tempelbesuch und

die Genealogie betrifft. Es verschafft mir

große Zufriedenheit, wenn ich Namen von

Vorfahren beim Tempel einreiche, und ich

habe in diesem Zusammenhang einige

erstaunliche und unerwartete Segnungen

empfangen. Meine Bindung an diejenigen auf

der anderen Seite des Schleiers ist dadurch

immens gewachsen. Ich habe Wunder erlebt,

als ich auf der Suche nach ihren Namen war,

und ich habe ihre Gegenwart gespürt, als ich

für sie die heiligen Handlungen empfing.

Eine weitere Segnung kam, als ich meine

Großmutter das erste Mal nach meiner Mission

wiedersah. Sie gab mir eine Liste mit

Namen für den Tempel. Außerdem sagte sie,

sie wolle das „Mormonenbuch“ lesen, denn

sie könne sich daran erinnern, dass auch ihr

Vater darin gelesen habe. Jetzt ruft sie mich

jede Woche an und erzählt mir, was sie im

Buch Mormon Neues entdeckt hat.

Ehe ich auf Mission ging, hatte ich die

Eingebung gehabt, dass der Mann meiner

Großmutter – er war 1996, noch bevor

ich mich der Kirche angeschlossen hatte,

gestorben – ebenfalls versuchte, ihr Herz zu

erweichen. Als ich in der Missionarsschule

war, vollzogen die Missionare in meinem

Distrikt die Tempelarbeit für ihn. Als ich

im celestialen Saal saß, war ich von dem

Gedanken überwältigt, dass meine ganze

Familie hier zusammen sein könnte. Mir

gefällt die Vorstellung, dass mein Großvater

alles nur Mögliche tut, damit unsere Familie

das Evangelium annimmt.

Die Hoffnung bleibt

Meine Mutter holte mich nach meiner Mission

ab. Es war zufällig gerade das Wochenende,

an dem die Herbst-Generalkonferenz

stattfand. Sie sah sich mit mir drei Konferenzversammlungen

an, und es gefiel ihr so sehr,

dass sie sich die Konferenz-DVD zu Weihnachten

wünschte. Für mich war

das ein Wunder. Es zeigte mir, dass ich die

Hoffnung nicht aufgeben darf.

Momentan ist niemand in meiner Familie

sonderlich daran interessiert, sich der Kirche

anzuschließen, aber ich habe das Gefühl, dass

es eines Tages doch noch kommt, entweder in

diesem Leben oder im nächsten. Unsere Beziehung

hat sich sehr verbessert, und ich weiß,

dass dies nicht meinen Anstrengungen zu verdanken

ist, sondern dass der Geist hier gewirkt

hat. Der Vater im Himmel segnet uns mit

Wundern und erfüllt unsere rechtschaffenen

Herzenswünsche, wenn wir uns bemühen,

seinen Willen zu tun. Ich habe seine Kraft und

Unterstützung gespürt, sodass ich vorangehen

konnte, und ich weiß, dass ich in seiner

wahren Kirche niemals allein sein werde. ■

ANMERKUNG

1. „In Liebe verbunden“, Liahona, Mai 2005, Seite 77

WENN SIE DER ODER DIE

EINZIGE SIND

• Suchen Sie Trost und Kraft in ihrer Gemeindebzw.

Zweigfamilie.

• Suchen Sie im Gebet Frieden und Führung.

• Sprechen Sie mit anderen über das Evangelium.

Bedenken Sie, dass jeder eine Familie hat, und

vielleicht sind Sie die Antwort auf das Gebet

eines anderen.

• Betätigen Sie sich in der Genealogie und in der

Tempelarbeit.

• Geben Sie nie die Hoffnung auf, dass Ihre Familie

vielleicht doch eines Tages das Evangelium

annimmt.

FOTO VOM HIMMEL © GETTY IMAGES; FOTO VOM PALMYRA-NEW-YORK-TEMPEL VON CRAIG DIMOND

42


IDEEN

Wie man mit anderen zurechtkommt

Die Aktivität am Familienabend bei Familie Pardo in

Santiago de Chile ist in vollem Gange. Auf dem Tisch

steht eine Flasche, auf der Streichhölzer hoch aufgeschichtet

werden. Die 16-jährige Andrea ist an der

Reihe, und alle Augen sind auf ihre Hand gerichtet, wie

sie langsam und vorsichtig ein weiteres Streichholz auf

den wackeligen Stapel legt. Es herrscht absolute Stille.

„Pass auf!“, ruft der 13-jährige Javier und erschreckt

damit alle. Andrea wirft beinahe den schwankenden

Stapel um.

Einen Augenblick lang sieht es so aus, als sei Javier jetzt

in Schwierigkeiten, aber nach dem ersten Schreck fängt

auch Andrea an zu lachen.

Wenn neun Leute unter einem Dach wohnen, sind

gelegentliche Probleme schon vorprogrammiert. Wie

deine Familie auch aussehen mag – es ist nicht immer

einfach, miteinander zurechtzukommen.

Francisco und Vivian und ihre Kinder – Andrea,

Francisco, Vivian, Javier, Sebastian, Elizabeth und

Augustin – haben vor kurzem zusammengetragen,

was sie unternehmen, um ihre Beziehungen untereinander

zu verbessern.

Beziehungen erfordern Zeit

• Nehmt euch füreinander

Zeit. Unterstützt eure

Geschwister, wenn sie bei einer Sportveranstaltung

oder einer anderen Veranstaltung oder einer Aufführung

mitmachen.

• Nehmt so oft wie möglich die Mahlzeiten gemeinsam ein.

• Räumt dem Familienabend oberste Priorität ein.

• Plant einen Tag in der Woche ein, an dem ihr als Familie

etwas unternehmt.

• Kocht, putzt, betet, spielt und lacht miteinander.

• Seid spontan. Wenn ihr auf einmal Zeit habt, die ihr gar

nicht eingeplant habt, unternehmt etwas Schönes.

Beziehungen erfordern Kommunikation

• Nehmt euch die Zeit, miteinander

zu reden. Haltet

den Familienrat ab.

Beide Eltern sollen mit

jedem Kind

einzeln reden.

• Lest zusammen in

den heiligen

Schriften. Daraus

können sehr gute

Gespräche

entstehen.

• Es kann Spaß machen,

zusammen fernzusehen

oder einen Film

anzuschauen, aber das ist ein schlechter Ersatz für eine

gemeinsame Aktivität.

• Wenn es Reibungen gibt, kann es helfen,

wenn ein Unbeteiligter als Friedensstifter

eingreift.

FOTO VON MATTHEW REIER; FOTO DER FAMILIE

VON ADAM C. OLSON

Beziehungen verlangen, dass man

dient

• Wenn einer ein Problem hat, nimmt

jeder daran Anteil.

• Findet Möglichkeiten, einander zu

dienen, vor allem denjenigen, mit

denen ihr nicht so gut auskommt.

• Sucht nach Möglichkeiten, wie die

Familie zusammen dienen kann.

• „Denn wie soll jemand den Herrn

kennen, dem er nicht gedient hat und

der für ihn ein Fremder ist und den

Gedanken und Absichten seines Herzens

ferne steht?“ (Mosia 5:13.) ■

LIAHONA FEBRUAR 2007 43


STIMMEN VON HEILIGEN DER LETZTEN TAGE

44

Änderung in

letzter Minute

Jackie Auman

Im November 2001 wurde bei

meiner jüngeren Schwester ein

besonders bösartiger Krebs festgestellt.

Sie war 45 Jahre alt und hatte

vier Söhne, von denen einer gerade

auf Mission in Portugal war. Ihre

Gemeinde und ihr Pfahl in Arizona

und auch ihre Familie fingen sofort

an, für sie zu fasten und zu beten.

Doch noch vor Ende Mai hatte der

Krebs die Oberhand gewonnen, und

sie fiel ins Koma. Wir ließen uns einen

Priestertumssegen geben, beteten

inständig und trafen daraufhin die Entscheidung,

die Geräte abschalten zu

lassen. Die Ärzte versicherten uns,

dass sie nicht lange leiden müsse.

Doch acht Tage später war ihr Zustand

unverändert, und jeder weitere Tag

erschien uns länger und qualvoller.

In den vergangenen Monaten hatte

unsere Familie sehr viel nachgedacht.

Wir liebten meine Schwester, und

obwohl wir den Erlösungsplan

kannten, war es doch zuweilen

schwierig, dem Herrn zu vertrauen,

dass alles gut werden würde.

Irgendwie hatten wir das Gefühl,

dass meine Schwester wieder

gesund werden würde, wenn wir

nur genügend Glauben hätten.

Und so fragten wir uns, ob unser

Glaube machtvoll genug war.

Wir wussten, dass der Vater im

Himmel Gebete hört und uns

antwortet, aber wir waren von

seiner Antwort erschüttert und

konnten keinen Frieden finden.

Unsere Pfahlkonferenz in Utah

war für den 2. Juni angesetzt,

und ein Gebiets-Siebziger sollte

mit dabei sein. Da es so viele Mitglieder

im Pfahl gibt, wurde die

Pfahlkonferenz in zwei Versammlungen

abgehalten. Unsere drei Söhne

gehörten zu einer JAE-Gemeinde im

Pfahl und sollten in die Versammlung

am Vormittag gehen. Der Rest der

Familie war für die Versammlung am

Nachmittag eingeteilt. Mein Mann und

ich beschlossen, dass wir als Familie

gemeinsam in die Versammlung am

Vormittag gehen wollten. Kurz

nachdem wir das entschieden hatten,

wurden mein Mann und ich jedoch

gebeten, die Gebete in der Versammlung

am Nachmittag zu sprechen. Also

änderten wir unseren Plan.

In der Versammlung am Samstagnachmittag

merkten wir, dass

etwas geändert worden

war. Elder L. Whitney

Clayton von den

Siebzigern war im

letzten Augenblick

für unsere Konferenz eingeteilt

worden und war anstelle des Gebiets-

Siebzigers da.

Am Sonntagnachmittag erklärte

Elder Clayton zu Beginn seiner

Ansprache, er habe das Gefühl, er

solle über etwas ganz anderes

sprechen. Der Geist gab ihm ein, er

solle zu einer Familie sprechen, die an

diesem Tag in der Versammlung sei.

Ich wusste sofort, dass er zu unserer

Familie sprechen wollte. Er erzählte

von einem Pfahlpräsidenten, bei

dessen Frau Krebs festgestellt worden

war. Nachdem Angehörige, Freunde

und Mitglieder in ihrem Pfahl viel

gebetet und gefastet hatten, war sie

wieder ganz gesund geworden.

Dann berichtete Elder Clayton

von einem anderen Pfahlpräsidenten.

Dessen Frau war während

seiner Dienstzeit als Pfahlpräsident

Elder Clayton erklärte zu

Beginn seiner Ansprache, er

habe das Gefühl, er solle über

etwas ganz anderes sprechen. Der

Geist gab ihm ein, er solle zu einer

Familie sprechen, die an diesem

Tag in der Versammlung sei.


ILLUSTRATIONEN VON SAM LAWLOR

an Krebs

gestorben. Sie hinterließ

einige kleine Kinder, um

die er sich nun kümmern musste.

Auch für sie hatten viele Menschen

gefastet und gebetet, dass sie wieder

gesund werde. Diese Geschichte

ging Elder Clayton besonders nahe,

denn diese Frau war die einzige

Schwester seiner Frau.

Elder Clayton erklärte weiter:

Unabhängig davon, wie viel Glauben

in einer solchen Situation ausgeübt

wird, lautet die Antwort manchmal

eben Nein. Dann las er eine Schriftstelle,

die jetzt eine der Lieblingsstellen

unserer Familie ist – Daniel

3:17,18:

„Wenn überhaupt jemand, so kann

nur unser Gott, den wir verehren, uns

erretten; auch aus dem glühenden

Feuerofen und aus deiner Hand,

König, kann er uns retten.

Tut er es aber nicht, so sollst du,

König, wissen: Auch dann verehren

wir deine Götter nicht und beten

das goldene Standbild nicht an, das

du errichtet hast.“ (Hervorhebung

hinzugefügt.)

Elder Clayton sprach an jenem

Nachmittag nicht über eine Lehre,

die wir noch nicht kannten. Aber es

geschah ein Wunder, das uns ehrfürchtig

stimmte. Der Herr sorgte

dafür, dass wir an der Versammlung

am Nachmittag teilnahmen, indem er

jemanden inspirierte, uns zu bitten,

die Gebete zu sprechen. Außerdem

sorgte er dafür, dass einer seiner

Diener, der etwas Ähnliches erlebt

hatte wie wir, zu uns sprach. Und

schließlich gab er uns jemanden, der

weise und gehorsam war und so lebte,

dass er den Geist vernehmen und entsprechend

handeln konnte. Durch

dieses Erlebnis wurde unser Geist auf

unbeschreibliche Weise berührt.

Am folgenden Tag wurde uns

telefonisch mitgeteilt, dass meine

Schwester gestorben war. Wir waren

zwar traurig, aber als wir für ihre

Familie beteten, erfüllte ein

angenehmer, tröstlicher Geist unser

Zuhause – dieses Mal waren wir ganz

sicher, dass alles gemäß dem Willen

des Herrn geschehen war –, und wir

dankten dem Herrn, dass er unsere

Gebete auf eine so wundervolle

Weise erhört hatte. ■

Ich musste

an die

Heuschrecken

denken

Dennis Birks

Ich wurde 1942 in England

geboren – in eine liebevolle

Familie mit Mutter, Vater und

einer Schwester. Als ich sieben war,

kam noch ein weiteres Kind in

unsere Familie, ein kleiner Junge.

Meine Mutter liebte den Erlöser, aber

sie gehörte keiner Kirche an. Sie

ging immer in eine Kirche bei uns

in der Nähe und hielt auch meine

Schwester und mich an, mitzukommen.

Also erfuhr ich viel

über Jesus Christus und hoffte,

dass ich eine Kirche finden

würde, in der ich meinen

Glauben an ihn vertiefen

konnte.

Eines Tages hatten wir zu Hause

einen großen Bildband mit dem Titel

Buffalo Bill’s Wild West Annual

(Buffalo Bills Jahrbuch über den

Wilden Westen). Ich weiß nicht, wo

das Buch herkam. Damals dachte

ich, dass es vielleicht ein Freund mitgebracht

und bei uns vergessen hatte.

Es enthielt Bildergeschichten über

Buffalo Bill und Billy the Kid, also all

das, was einen Jungen interessierte,

der selbst ein Cowboy werden wollte.

Darin war auch eine Bildergeschichte

über eine verfolgte Gruppe von

Menschen, die von einem gesetzlosen

Pöbel aus einer schönen Stadt vertrieben

wurden und hunderte Kilometer

weit ziehen und endlose

Qualen erdulden mussten, bis sie

dann schließlich ihr neues Zuhause in

der Wildnis im Westen fanden. Jedes

kleine Bild erzählte eine dramatische

Geschichte über Leid und Glauben,

und ein paar der Bilder zeigten auch


ein Wunder: Heuschrecken fraßen die

Ernte auf, und Seemöwen fraßen die

Heuschrecken.

Erst als ich die Geschichte schon

ein paar Mal gelesen hatte, merkte

ich, dass diese armen, verfolgten

Menschen einer Kirche angehörten.

Langsam wurde mir klar, dass dies

die Kirche war, nach der ich suchte.

Ich wollte mich dieser Kirche

anschließen. Doch leider stand ich

nun vor einem Problem. Auf dem

letzten Bild in der Geschichte sah

man Salt Lake City in Utah. Aus einer

anderen Quelle erfuhr ich, dass

Utah in den Vereinigten Staaten von

Amerika lag. Da ich kaum hoffen

konnte, einmal von England nach

Utah zu reisen, musste ich wohl

meinen Plan aufgeben, mich der

Kirche anzuschließen. Auf die Idee,

dass die Kirche auch außerhalb der

Vereinigten Staaten vertreten sein

könnte, kam ich nicht.

Und so blieb es dann die folgenden

elf Jahre. Inzwischen war meine

Familie nach Australien ausgewandert,

und wir wohnten in Sydney. Dort fing

mein Bruder an, sich mit einer neuen

Kirche zu befassen. Er brachte ein

paar Broschüren nach Hause, die

mich interessierten, und er sagte,

er werde „Älteste“ bitten, vorbeizukommen.

Ich war einverstanden

und erwartete, dass ein paar ehrwürdige

ältere Herren zu Besuch

kämen. Ich war ziemlich überrascht,

als zwei junge Männer in meinem

Alter zu uns kamen und mir die

Grundlagen des Erlösungsplans

erklärten. Mein Interesse war geweckt,

und ich wollte mir weitere Lektionen

anhören.

Ich hörte den Missionaren zu,

aber hatte nicht die Absicht, mich der

Kirche anzuschließen, vor allem, als

ich vom Zehnten erfuhr. Doch eines

Tages erzählte einer der Missionare

auf einmal etwas über irgendwelche

Pioniere, die gezwungen waren, einen

langen Fußmarsch zu einem Ort

namens Salt Lake City zurückzulegen.

Ich spitzte die Ohren und fing an,

Fragen zu stellen. War das die Kirche

mit den Heuschrecken und Seemöwen?

Als dann von Brigham Young

die Rede war, erkannte ich den

Namen sofort, und mir war klar, dass

ich an einem bedeutsamen Scheidepunkt

in meinem Leben stand. Sollte

ich mich überhaupt einer Kirche

anschließen, dann dieser.

Das Problem mit dem Zehnten

erledigte sich, als ich vom Wort der

Weisheit erfuhr. Ich überschlug, dass

ich zehn Prozent meines Einkommens

für Zigaretten und Alkohol ausgab.

Wenn ich also den Zehnten zahlte,

würde sich meine finanzielle Lage

nicht verschlechtern, und das Geld

würde einem wesentlich besseren

Zweck dienen, als meine Lungen

mit schwarzem Teer zu verkleistern

und meine Leber zu vergiften.

Inzwischen hatte mein Bruder auch

meiner Mutter die Broschüren gegeben.

Sie erklärte sich einverstanden,

sie auf dem Weg zur Arbeit im Zug zu

lesen. Als sie am Abend nach Hause

kam, war sie voll

und ganz von der

Kirche überzeugt. Sie war

ganz enttäuscht, als sie erfuhr, dass

sie einige Missionarslektionen durchnehmen

musste, ehe sie sich taufen

lassen konnte!

Und so ließen wir uns alle taufen –

zuerst mein Bruder, dann ich eine

Woche später. Meine Mutter wurde in

der darauf folgenden Woche getauft

und konfirmiert. Mein Vater ließ sich

21 Jahre Zeit, aber 1985 schloss er

sich dann doch der Kirche an. Ein

Jahr später wurden sie im Tempel in

Sydney aneinander gesiegelt.

Ich war mehrmals in Salt Lake City

und habe auch historische Stätten

aus der Geschichte der Kirche in

Palmyra, Kirtland und Nauvoo

besucht. An all diesen Orten muss ich

an die Geschichte im Bilderbuch von

Buffalo Bill denken, und ich werde

nicht müde, dem Herrn zu danken,

dass er dafür gesorgt hat, dass ich

dies als Junge von zehn Jahren in die

Hände bekam. ■

Ein Mann,

ein Eimer

James W. Ritchie

Am 12. Juli 2004 erwachte ich

morgens gegen 5 Uhr 20 und

schaute wie gewohnt aus dem

Fenster. Der Wachmann am Tor zu

unserem Schulgelände war quicklebendig.

Eine Frau fuchtelte ihm mit

den Fingern im Gesicht herum, und

weitere 25 Frauen lehnten sich an

den Zaun; jede trug mindestens

einen leeren Eimer oder Wasserbehälter.

Ich zog mich rasch an und

ging hinaus.

Das Wasser war seit dem Vortag in

Tema – einer Stadt mit 100 000 Einwohnern

– und im Umkreis von

46


vielen Kilometern gesperrt. Seit über

24 Stunden war niemand an Wasser

herangekommen, und allmählich kam

Panik auf. Wir hatten von dem Problem

gar nichts mitbekommen, denn

die Missionarsschule in Ghana, deren

Präsident ich war, hat einen geräumigen

Vorratstank, und wir pumpten

grundsätzlich aus diesem Speicher,

wenn wir Wasser benötigten. Obwohl

gegenwärtig kein Frischwasser nachfloss,

zehrten wir von unserem Vorrat.

Außerdem gab es aus irgendeinem

Grund immer noch etwas Wasser in

der Außenleitung unseres Gemeindehauses

(das auf demselben bewachten

Gelände liegt), und irgendwer

hatte allen Leuten erzählt, dass die

Mormonen Wasser hatten. Sie kamen

von überall her mit ihren Eimern, um

welches zu holen. Der Hausmeister

war schon vor mir am Gemeindehaus

angelangt und wollte niemanden

hereinlassen. Er war sicher, dass innerhalb

kürzester Zeit auch wir kein

Wasser mehr haben würden.

Ich rief den

Jemand hatte Wachmann und

allen Leuten

erzählt, dass

die Mormonen

Wasser hatten.

Sie kamen von

überall her mit

ihren Eimern, um

welches zu holen.

den Hausmeister zu mir. Ich fragte

den Hausmeister, was der Erlöser tun

würde. Ich bat ihn, darüber nachzudenken,

wie unsere Entscheidung

wohl aufgenommen würde – im

Guten wie im Bösen. Ich wies ihn

darauf hin, dass das Wasser in unserer

Leitung durchaus ausgehen könnte,

aber dass es besser sei, wenn in

diesem Fall der letzte Tropfen im

Eimer eines Nachbarn landete. Er

stimmte zu, und so öffneten wir das

Tor und versuchten, Ordnung in die

ständig anwachsende Menschenmenge

zu bringen, die hereingestürmt

kam. Wir baten

sie, sich an die Regel „ein

Mann, ein Eimer“ zu halten.

Inzwischen war es etwa 6

Uhr 15. Die Schlange war

lang und der Wasserdruck

gering, aber aus der

Leitung floss es nach

wie vor.

Wir waren überzeugt, dass

das Wasser ausgehen würde.

Nirgendwo sonst in der

Stadt war noch Wasser zu

bekommen. Wir baten

alle, mit uns gemeinsam

zu beten und den

himmlischen

Vater zu bitten,

er möge aus dieser einzigen Leitung

weiterhin Wasser für diese Menschen

fließen lassen, die so großen Durst

leiden. Die Leitung versiegte nicht,

und die Leute waren sehr dankbar.

Noch etwas Wunderbares geschah

während dieser Krisensituation. Wir

kontrollierten den Vorratstank der

Missionarsschule, und er war nur halb

voll. Wir wollten nicht viel Aufhebens

davon machen, dass wir dieses Wasser

hatten, weil wir vorhatten, es für

wirkliche Notfälle aufzuheben,

falls die Krise

tagelang anhielte. Aber

dann fuhr ein Kleintransporter,

der mehrere große

Kanister geladen hatte,

aufs Gelände. Er kam vom

städtischen Krankenhaus. Dort

gab es auch einen großen

Vorratstank für Notfälle, aber

der war schon leer, und die

Patienten waren durstig. Also

ließen wir den Transporter

rückwärts an den Tank der Missionarsschule

heranfahren und

die Kanister aus unserem Notvorrat

befüllen. Wir sagten, sie

könnten wiederkommen, falls

sie noch mehr brauchten; wir

würden abgeben, bis unser

Vorrat aufgebraucht sei. Dafür

waren sie dankbar.

Gegen 15 Uhr nachmittags

lief das städtische Wasser wieder,

und die Schlangestehenden

griffen ihre Eimer und rannten

nach Hause. Aber die guten

Gefühle sind noch immer da. ■


LESERBRIEFE

Erinnerung an Bündnisse

Der Liahona hilft mir, ein besserer

Mensch zu werden. Immer, wenn ich

die Artikel lese, spüre ich die Liebe

Gottes, und ich werde an die Bündnisse

erinnert, die ich mit ihm

geschlossen habe. Die Artikel in der

Rubrik „Stimmen von Heiligen der

Letzten Tage“ zeigen mir, dass wir alle

geprüft werden müssen. Ich lerne,

wie man in allem geduldig sein kann.

Ich fühle mich stärker und arbeite

daran, bis ans Ende auszuharren.

Christine Torres Lagunbay, Philippinen

Die Stimme des Herrn

Ihre Artikel sind sehr inspirierend.

Die persönlichen Erlebnisse gefallen

mir sehr gut. Am meisten mag ich die

Botschaften vom Propheten, denn ich

weiß, dass dies die Stimme des Herrn

an uns, die Jugend, ist. Ich bin dankbar

für die Artikel und gebe sie auch

gern an meine Freunde weiter.

Jackeline Bedoyal, Ecuador

Ich weide mich an den Worten im

Liahona

Als Hausaufgabe für die Schule

sollten wir uns mit verschiedenen

Zeitschriften und anderen

Veröffentlichungen befassen. In den

anderen Zeitschriften überblätterte

ich ein paar Seiten, aber den Liahona

las ich von vorn bis hinten durch. Es

ist schwer, nur ein wenig darin zu

lesen, denn alle Botschaften, Nachrichten

und Geschichten sind

angefüllt mit Inspiration, Anleitung

und Ermahnungen für jeden in

unserer Familie. Jedem Mitglied

der Kirche, das sich nicht

an den Worten im

Liahona weidet,

entgeht etwas

sehr Wertvolles.

Irene Taniegra,

Philippinen

Fesselnde

Lektüre

Sobald der

Liahona im Briefkasten

steckt, lese ich ihn in

zwei Stunden ganz durch.

Mir gefällt alles darin. Er bietet Hilfestellung

in schwierigen Situationen

und gibt die richtigen Antworten auf

unsere Fragen. Er ist ein Instrument,

das ich ebenso dringend brauche,

wie Lehi und seine Familie es

gebraucht haben. Elder Quentin L.

Cooks Artikel „In der Welt, aber nicht

von der Welt“ (Februar 2006) hat

mich einfach fasziniert. Ich hoffe, alle

Heiligen der Letzten Tage lesen eifrig,

was unsere Führer und der Prophet

uns heute durch den Liahona

mitteilen.

Héctor Iramain, Argentinien

Brüder im Geiste

Ich habe Ihre E-Mail-

Adresse in der russischen

Version Ihrer

Zeitschrift gefunden.

Ich möchte mich für

Ihre Zeitschrift und

für die Missionare

bedanken. Ich habe

ein Exemplar des

Buches Mormon, und

ich lese den Liahona.

Wenn ich darin lese, finde

ich Antworten auf Fragen

über Themen, die mir unklar

sind. Ich finde, eine Kirche, die so

gute Menschen hervorbringt, verdient

Respekt und Bewunderung.

Ich bin zwar ein Christ aus der

russisch-orthodoxen Kirche, aber ich

glaube, im Geiste sind wir Brüder.

Oleg Anatoljewitsch Jakowlew, Ukraine

WIR BITTEN UM ARTIKEL

Haben Sie etwas Positives dabei erlebt, wenn Sie anderen vom Evangelium erzählt

haben? Bitte senden Sie uns Ihren Bericht, was Sie unternommen haben, um als Mitglied

Missionsarbeit zu leisten. Bitte senden Sie Ihren Bericht (höchstens 800 Wörter)

bis zum 15. März 2007 an liahona@ldschurch.org oder an:

Liahona, Sharing the Gospel

50 E. North Temple St., Rm. 2420

Salt Lake City, UT 84150-3220, USA

Bitte geben Sie Ihren Namen, Ihre Adresse, Telefonnummer, E-Mail-Adresse sowie

Ihre Gemeinde und Ihren Pfahl (bzw. den Zweig oder Distrikt) an. Wir benachrichtigen die

Autoren, deren Beiträge ausgewählt wurden.

FOTO VON JOHN LUKE, SZENE NACHGESTELLT; AUSSCHNITT AUS LEHI ENTDECKT IN DER WILDNIS EINEN KOMPASS VON GOTT, GEMÄLDE VON ARNOLD FRIBERG, ABDRUCK MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG DES MUSEUMS FÜR KUNST UND GESCHICHTE DER KIRCHE; HINTERGRUND © PHOTOSPIN

48


FÜR KINDER • KIRCHE JESU CHRISTI DER HEILIGEN DER LETZTEN TAGE • FEBRUAR 2007

Kleiner Liahona


KOMMT, HÖRT,

WAS DER PROPHET

UNS SAGT

Ein heiliges Licht

KL2

PRÄSIDENT JAMES E. FAUST

Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft

Vor ein paar Jahren wurde Constance,

eine Lernschwester, beauftragt, sich

um eine Frau zu kümmern, die sich

bei einem Unfall das Bein verletzt hatte. Die

Frau lehnte ärztliche Hilfe ab, weil sie Angst

hatte. Als Constance das erste Mal nach ihr

sah, schickte die verletzte Frau sie wieder

hinaus. Beim zweiten Versuch ließ sie Constance

herein. Zu dem Zeitpunkt war das

Bein schon mit großen Entzündungen übersät,

und stellenweise fing das Fleisch

an zu faulen. Doch noch immer wollte sie

sich nicht behandeln lassen.

Constance entschloss sich, es mit Beten

zu versuchen, und ein, zwei Tage später kam die Antwort.

Beim nächsten Besuch nahm sie Wasserstoffperoxid

mit. Das verursachte keine Schmerzen, und so ließ

die alte Frau ihr Bein damit behandeln. Dann sprachen

sie über eine intensivere Behandlung im Krankenhaus.

Constance versicherte ihr, dass das Krankenhaus dafür

sorgen werde, dass der Aufenthalt dort so angenehm

wie möglich wird. Ein, zwei Tage später fasste die Frau

den Mut, ins Krankenhaus zu gehen.

Als Constance sie besuchte, sagte die Frau lächelnd:

„Sie haben mich überzeugt.“ Dann fragte sie Constance

ganz unerwartet: „Zu welcher Kirche gehören Sie?“ Constance

sagte, sie sei Mitglied der Kirche Jesu Christi der

Heiligen der Letzten Tage. Die Frau sagte: „Ich wusste

es! Ich wusste vom ersten Tag an, als ich Sie sah, dass Sie

zu mir gesandt worden waren. Da war ein Leuchten in

Ihrem Gesicht, das mir auch bei anderen aus Ihrer Kirche

aufgefallen ist. Ich musste Ihnen einfach vertrauen.“

Präsident Faust

erklärt, wie wir ein

Leuchten in den

Augen haben

können.

Innerhalb von drei Monaten war das vereiterte

Bein vollständig verheilt. Mitglieder

der Gemeinde, in deren Gebiet die alte Frau

lebte, renovierten ihr Haus und brachten

den Garten in Ordnung. Die Missionare

besuchten sie, und bald darauf ließ sie

sich taufen. All das geschah, weil sie das

Leuchten im Gesicht dieser jungen Lernschwester

gesehen hatte.

Das Dienen in dieser Kirche bringt ein

Leuchten in unsere Augen. Alma fragt, ob

wir das Abbild des Erretters in unseren

Gesichtsausdruck aufgenommen haben (vgl.

Alma 5:14). Ein heiliges Licht erhellt unsere

Augen und unser Gesicht, wenn wir eine

ganz persönliche Bindung zu unserem

liebevollen Vater im Himmel und seinem Sohn,

unserem Erretter und Erlöser, haben. ●

Nach einer Ansprache anlässlich der Generalkonferenz im

Oktober 2005.

DENK DARÜBER NACH!

1. Wie kam die kranke Frau darauf, dass Constance eine

Heilige der Letzten Tage war?

2. Zu wem müssen wir eine Verbindung aufbauen, damit wir

ein „heiliges Licht“ in unseren Augen und im Gesicht

haben? Wie baut man diese Verbindung auf?

3. Constance hatte den aufrichtigen Wunsch, etwas für die

kranke Frau zu tun. Was hat Constance unternommen, um

herauszufinden, wie sie ihr besser helfen kann? Wie kannst

du lernen, anderen besser zu dienen?

FOTO VON BUSATH PHOTOGRAPHY; ILLUSTRATION VON MICHAEL T. MALM


Ich folge

gläubig

ihm

KL4


DAS MITEINANDER

Ich folge gläubig ihm

ILLUSTRATION VON THOMAS S. CHILD

„Wir sind zum Glauben gekommen und haben

erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“

(Johannes 6:69.)

ELIZABETH RICKS

§Habt ihr schon einmal das Spiel

„Folgt dem Anführer“ gespielt? Die

Regeln sind ganz einfach: Man wählt

einen Anführer aus und dann folgt man ihm.

Der Zweck unseres irdischen Lebens ist es,

Jesus Christus zu folgen. Als Jesus den Petrus

und den Andreas beim Fischen sah, sagte er zu

ihnen: „Folgt mir nach!“ Petrus und Andreas ließen ihre

Netze liegen und folgten ihm (siehe Matthäus 4:18-20).

Wie Petrus und Andreas lädt Jesus auch jeden von

uns ein, ihm zu folgen (siehe LuB 100:2). Wir werden

wohl nicht auf den gleichen Wegen gehen wie er, aber

wir können das tun, was er getan hat. Wir können in

den heiligen Schriften lesen. Wir können zum Vater im

Himmel beten. Wir können uns taufen lassen.

Petrus folgte Jesus nach und erklärte später: „Wir sind

zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist

der Heilige Gottes.“ (Johannes 6:69.) Wenn wir Jesus

Christus gläubig folgen, können wir das gleiche Zeugnis

bekommen.

Unser Glaube an Jesus Christus nimmt zu, wenn wir

mehr über ihn erfahren. Und je mehr wir über ihn

wissen, desto leichter wird es, ihm gläubig zu folgen.

Zur Beschäftigung

Um ein Kreuzstichbild herzustellen, mal zuerst auf

Seite KL4 jedes Symbol in einer anderen Farbe aus.

Übertrage dann das Muster auf einfarbigen Stoff,

z. B. Musselin. Jedes Symbol stickst du mit drei Fäden

Stickgarn in der Farbe aus, die du für das Symbol

8

1

6 2

7

3

4

5

Ich folge

gläubig

ihm

ausgesucht hast. Lass dir von einem Erwachsenen

zeigen, wie man den Kreuzstich über jedes

Symbol macht (siehe Abbildung). Bring das

Bild an einer Stelle an, wo du es oft siehst.

Anmerkung: Man kann die Anleitung auch kopieren

oder aus dem Internet unter www.lds.org

herunterladen und ausdrucken. Für die englische

Ausgabe klickst du auf „Gospel Library“, für andere

Sprachen auf die Weltkarte.

Anregungen für das Miteinander

1. Schreiben Sie die Namen der Kinder und

ebenso Namen von einigen Propheten aus alter Zeit

auf Wortstreifen. Fragen Sie, was all diese Namen

gemeinsam haben. Lesen Sie zusammen Abraham 3:22-24 und

erklären Sie, dass wir alle im vorirdischen Leben beim Vater im

Himmel gelebt haben. Sagen Sie den Kindern, dass wir dank

der heiligen Schriften ein wenig darüber wissen, was dort

geschehen ist. Lassen Sie die Kinder LuB 93:21 aufschlagen und

herausfinden, welches von allen Geistkindern Gottes das Erstgeborene

war. Lassen Sie die Pianistin erst einen Takt und

dann zwei Takte eines Liedes über das vorirdische Leben

spielen. Spielen Sie immer noch einen Takt mehr, bis die Kinder

das Lied erraten haben. Singen Sie anschließend das ganze

Lied und weisen Sie auf die Stellen hin, die von unserem Leben

beim Vater im Himmel, ehe wir auf die Erde kamen, handeln.

Erklären Sie, dass wir im vorirdischen Leben als Geistkinder

alle Brüder und Schwestern waren. Wir reden einander mit

Bruder und Schwester an, weil man damit die geistige

Beziehung zueinander zum Ausdruck bringt. Singen Sie:

„Ich bin ein Kind von Gott.“

2. Zeigen Sie den Kindern verschiedene Pläne, z. B. ein

Backrezept, einen Bauplan oder eine Anleitung, wie man

ein Spielzeug zusammenbaut. Erklären Sie: Wenn man

etwas zusammenfügt – für ein Haus, einen Kuchen oder ein

Spielzeug –, ist es gut, wenn man weiß, wie es am Ende aussehen

soll. Wir brauchen einen Plan. Ehe wir auf die Erde

kamen, stellte uns der Vater im Himmel seinen Plan vor.

Er wird der Erlösungsplan genannt. Laden Sie die Vollzeitmissionare

oder einen vor kurzem zurückgekehrten Missionar

(dafür brauchen Sie die Genehmigung vom Bischof bzw.

Zweigpräsidenten) ein, den Kindern mit Hilfe der Anleitung

Verkündet mein Evangelium! den Plan der Erlösung zu

erklären (Seite 54–68). ●

KLEINER LIAHONA FEBRUAR 2007

KL5


AUS DEM LEBEN VON PRÄSIDENT SPENCER W. KIMBALL

Gerettet!

Spencer wuchs in einem

Ort in Arizona auf, wo jeder

jeden kannte. Als er sieben

Jahre alt war, ging er zu

einem Picknick auf eine

nahegelegene Ranch.

Los, lasst uns in den

Teich springen und

schwimmen!

Alle behielten ihre Kleidung

an und gingen schwimmen.

Doch Spencer hatte noch

nicht gut schwimmen gelernt.

Nicht in das tiefe

Wasser! Papa, ich habe

Angst! Bring mich zurück

ins flache Wasser.

Ich würde auch

gern so gut schwimmen

können wie du,

Papa!

KL6

Nicht so fest,

mein Sohn.

Gut, Spencer.

Da wären wir. Kannst du

den Boden unter dir

spüren?

ILLUSTRATIONEN VON SAL VELLUTO UND EUGENIO MATTOZZI


Spencer kletterte vom

Rücken seines Vaters, und

sein Vater schwamm fort.

Er kämpfte und schlug um

sich, aber er glaubte, dass

niemand gesehen hatte, wie

er untergegangen war.

Gerade als Spencer glaubte,

er werde ertrinken, packte

ihn sein Vater und zog ihn

ans Ufer.

Doch als Spencer zum Ufer

zurückging, fiel er in ein

tiefes Loch!

Hilfe! Warum

hört mich denn

niemand um Hilfe

rufen?

Später lernte Spencer zwar schwimmen, aber er

fühlte sich in tiefem Wasser nie sicher. Er war dankbar,

dass der Herr sein Leben bewahrt hatte, sodass

er heranwachsen und seine Mission auf der Erde

erfüllen konnte.

Nach Edward L. Kimball und

Andrew E. Kimball Jr., Spencer W.

Kimball, 1977, Seite 35

KLEINER LIAHONA FEBRUAR 2007

KL7


Was

soll ich anziehen?

JENNIFER ROSE

Zeitschriften der Kirche

Würdest du mit Fellstiefeln zum heißen Strand

gehen? Würdest du für dein Fußballspiel

deinen Schlafanzug anziehen? Bestimmt nicht!

Es gibt bestimmte Zeiten, zu denen du diese Kleidungsstücke

trägst: wenn du einen Schneemann baust bzw.

wenn du schlafen gehst.

Antonio und Ella lernen etwas darüber, wie wichtig

anständige Kleidung ist und welche Kleidung für verschiedene

Unternehmungen geeignet ist. Während sie

überlegen, was sie alles zu tun haben, denken sie auch

daran, dass sie ihre beste Kleidung tragen, wenn sie am

Sonntag in die Kirche gehen. Elder Dallin H. Oaks vom

Kollegium der Zwölf Apostel hat gesagt: „Wenn wir zum

Gottesdienst in einen Tempel oder eine

Kirche gehen, dann legen wir die

Alltagskleidung ab und bessere

Kleidung an. Durch diesen Kleiderwechsel zeigen

wir Respekt.“ („Die Sprache des Betens“, Der Stern,

Juli 1993, Seite 15.)

Schneide die Bilder von Ella und Antonio

auf Seite KL16 aus. Klebe oder lege sie auf

diesen Seiten auf die richtige Stelle.

Hilf Antonio und Ella, die richtige

Kleidung für die Schule, den

Sport und andere Aktivitäten

auszuwählen. Vergiss nicht,

ihre beste Kleidung für Sonntag

aufzuheben! ●

ILLUSTRATIONEN VON MATTHEW SMITH

KL8


Viele Kinder tragen

in der Schule eine

Uniform. Was ziehst

du an?

KLEINER LIAHONA FEBRUAR 2007

KL9


ICH MÖCHTE

WIE JESUS SEIN

„Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben.“

(Johannes 8:12.)

Das war neu

für ihn

AUGUSTO B.

Einmal ging ich zu

einem Freund nach

Hause. Seine Familie

hat einen

Swimmingpool.

Er gehört einer

anderen Kirche an,

und ich erzählte ihm von Joseph

Smith. Er war ganz überrascht, dass

der Vater im Himmel und Jesus dem

jungen Joseph Smith erschienen

sind. Ich erzählte ihm vom Buch

Mormon. Er hatte noch nichts

darüber gehört, er kannte nur die

Bibel. Da er kein Buch Mormon

hatte, wusste er auch nichts über

Nephi oder sonst jemanden.

Ich erzählte ihm vom Wort der

Weisheit. Ich hatte ihn zuvor schon

einmal gefragt, ob er rauchen oder

Alkohol trinken werde, wenn er

größer ist. Nachdem ich ihm das

Wort der Weisheit erklärt hatte,

fragte ich ihn noch einmal. Jetzt

will er keinen Alkohol trinken und

auch nicht rauchen.

Ich wollte gern, dass er mit in

unsere Kirche kommt, also lud

ich ihn ein. Diese Woche war er

unterwegs, also werde ich ihn

noch einmal einladen, wenn er

wieder da ist.

Es hat ihm gefallen, das alles zu

erfahren. ●

Augusto B., 10 Jahre, Argentinien

Sich schlagen ist

nicht in Ordnung

ALAN S.

Einmal schlugen

sich ein paar

meiner Freunde

um ein Mädchen

in meiner Klasse.

Sie wollten,

dass das Mädchen

sie mochte.

Ich sagte zu ihnen: „Es reicht,

es reicht!“, und zerrte sie auseinander.

Ich wollte nicht, dass

sie einander weh taten oder ihre

Freundschaft kaputtging.

Ich hatte keine Angst, dass mir

etwas dabei passieren könnte, aber

als ich sie getrennt hatte, wurden

sie wütend. „Was mischst du dich

hier ein?“, fragten sie. Ich sagte

ihnen, sie sollten sich beruhigen,

denn ich wollte, dass sie Freunde

waren. Außerdem will Jesus, dass

wir freundlich zueinander sind.

Sie vertrugen sich wieder und

hörten auf, sich um das Mädchen

zu schlagen. ●

Alan S., 11 Jahre, Argentinien

ILLUSTRATION VON THOMAS S. CHILD

KL10


ZUM AUSMALEN

NACH CHRISTUS WECKT DIE TOCHTER DES JAÏRUS VON DEN TOTEN AUF, GEMÄLDE VON GREG OLSEN

Mein Glaube an Jesus Christus wächst, wenn ich weiß, wer er ist.

„Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist

der Heilige Gottes.“ (Johannes 6:69.)

KLEINER LIAHONA FEBRUAR 2007

KL11


KL12

Wie ich

Bischof Sheets

unterstützt

habe


ILLUSTRATIONEN VON DILLEEN MARSH

„Wir glauben, dass man durch Prophezeiung

und das Händeauflegen derer, die

Vollmacht dazu haben, von

Gott berufen werden muss.“

(5. Glaubensartikel)

SHEILA KINDRED

Nach einer wahren Begebenheit

Wer Bruder Rulon T. Sheets als

unseren neuen Bischof unterstützen

kann, zeige es bitte durch

das Heben der rechten Hand.“

Meine Hand schoss nach oben. Ich

freute mich sehr, dass Bruder Sheets

unser neuer Bischof war. Seine

Tochter Peggy war meine Freundin.

Sie war zwar ein paar Jahre älter als

ich, aber sie lud mich oft ein,

wenn bei ihr zu Hause etwas los

war. Bruder Sheets schaute dann

immer kurz zu uns herein, führte

uns mit Peggy einen bestimmten

Tanzschritt vor oder machte bei

einem Ratespiel mit. Manchmal

machte er Popcorn und setzte sich

eine Weile zu uns und unterhielt

sich mit uns.

Ich freute mich wirklich, dass ich

Bruder Sheets als unseren neuen

Bischof bestätigen konnte. Doch als ich

in der Gemeinde meine Hand hob, sah

ich mich um und sah überall die

erhobenen Hände, und ich fragte mich,

wie ich als Elfjährige mit meinen kleinen

Händen wohl einen so großen Mann unterstützen

könnten.

Deshalb backte ich als Erstes mit

meinen Händen für unseren neuen

Bischof Kekse. Meine Mutter sagte, dass

der Bischof sehr viel Zeit in der Kirche

zubringt und manchmal Mahlzeiten zu

Hause verpasst, also machten wir uns

gleich an die Arbeit und backten unsere

besten Haferflockenkekse. Ich rührte

den Teig, bis er genau richtig war. Als die

Kekse fertig waren, trug ich sie ganz vorsichtig

hinüber zu seinem Haus. Er freute

sich sehr darüber, aber ich wollte noch

mehr tun.

Ein paar Wochen später war ich bei

Peggy, weil wir etwas zusammen machen

wollten. Ich durfte die Musik aussuchen.

Mit meinen Händen stellte ich im Radio

einen Sender ein, bei dem anständige

Musik gespielt wurde. Dann drehte ich die

Lautstärke herunter, damit die Musik nicht

zu laut war. Schließlich war es das Haus des

Bischofs, und ich wollte dazu beitragen,

dass es ein friedlicher Ort war.

Ich freute mich

wirklich, dass

ich Bruder

Sheets als unseren

neuen Bischof

bestätigen konnte.

Doch als ich in der

Gemeinde meine

Hand hob, sah

ich mich um und

sah überall die

erhobenen Hände,

und ich fragte mich,

wie ich als Elfjährige

mit meinen kleinen

Händen wohl einen

so großen Mann

unterstützen

könnten.

KLEINER LIAHONA FEBRUAR 2007 KL13


Als der Bischof

zur Bordsteinkante

gekommen war,

blieb er stehen und

schaute besorgt.

Ich merkte, dass

er zu schwach war,

hinaufzusteigen. Ich

lief zu ihm hinüber.

„Nehmen Sie meine

Hand“, sagte ich.

„Ich kann Ihnen

helfen.“

„Das Amt des Bischofs und des

Zweigpräsidenten und ihrer Ratgeber

ist in dieser Kirche ein heiliges Amt.

Die Männer, die ein solches Amt

innehaben, werden vom Herrn

geachtet. … Wir ehren und lieben sie,

und das zeigen wir ihnen, indem wir

auf sie Rücksicht nehmen.“

Elder Dallin H. Oaks vom Kollegium der Zwölf

Apostel, „Bischof, Hilfe!“, Der Stern, Juli 1997,

Seite 23.

Als die Schule wieder losging, nahm die

Familie des Bischofs ein Pflegekind bei

sich auf, ein Mädchen namens Carla. Als

ich Carla das erste Mal traf, reichte ich ihr

die Hand und hieß sie willkommen. Ich

wusste, dass ich dem Bischof half, wenn

Carla neue Freunde fand.

Die Monate vergingen, und der Bischof

wurde krank. Jetzt brauchte er zum Laufen

einen Stock. Meine Mutter sagte, er sei

krank und brauche unsere Gebete und

unsere Unterstützung mehr als je zuvor.

Als mein 12. Geburtstag näher rückte,

hatte ich eine Unterredung mit Bischof

Sheets. Meine Mutter und ich gingen zum

Gemeindehaus und kamen an, als der

Bischof gerade aus dem Auto stieg. Er

winkte mir fröhlich zu und ging mühsam

auf den Gehweg hinüber. Mir fiel auf, dass

er, obwohl es kein Sonntag war, einen

Anzug und eine Krawatte trug – nur für

die Unterredung mit mir! Ich fühlte

mich geehrt.

Als der Bischof zur Bordsteinkante

gekommen war, blieb er stehen und

schaute besorgt. Ich merkte, dass er zu

schwach war, hinaufzusteigen. Ich lief

zu ihm hinüber.

„Nehmen Sie

meine Hand“,

sagte ich. „Ich

kann Ihnen

helfen.“

Dankbar

ergriff er meine

Hand und zog

sich nach oben.

Dann lief ich voraus

und öffnete die

schwere Eingangstür

des Gemeindehauses.

„Das sollte ich

eigentlich für dich tun“,

sagte er sanft. „Vielen Dank!”

In seinem Büro ließ er sich mit einem

Seufzer auf seinen Stuhl fallen. Dann bat

er mich, ein Gebet zu sprechen. Ich verschränkte

andächtig meine Arme, und

auch wenn ich den Bischof in meinem

Gebet nicht erwähnte, bat ich den Vater im

Himmel doch in meinem Herzen, ihn

zu segnen und ihm Kraft zu geben.

Nach dem Gebet sah der Bischof wieder

mehr so aus, wie ich ihn kannte. Er saß

aufrecht auf dem Stuhl, und seine Augen

leuchteten. Am Ende der Unterredung

schüttelte er mir kräftig die Hand. Darüber

freute ich mich.

Als meine Mutter und ich nach der

Unterredung nach Hause gingen, dachte

ich darüber nach, wie sehr ich Bischof

Sheets mochte, und ich wusste, dass er

von Gott berufen war. Ich war dankbar,

dass ich – obwohl meine Hände noch

klein waren – noch weitere Möglichkeiten

finden konnte, meinen geliebten Bischof

zu unterstützen. ●

KL14


BESONDERE ZEUGEN

Wie kann ich ein Zeugnis von den

heiligen Schriften erlangen?

✸ Wenn du über Grundsätze des Evangeliums

nachdenkst und darüber betest,

spricht der Heilige Geist zu deinem Verstand

und zu deinem Herzen.

✸ Wenn du das Buch Mormon liest,

dann konzentriere dich auf die Hauptperson

des Buches – vom ersten Kapitel bis

zum letzten –, nämlich den Herrn Jesus

Christus, den Sohn des lebendigen Gottes.

✸ Auf deiner Lebensreise triffst du auf

viele Hindernisse und machst einige

Fehler. Durch die Führung aus den heiligen

Schriften kannst du Fehler erkennen

und die erforderlichen Änderungen

vornehmen.

✸ Wir genießen die Schriften, wenn

wir mit Forscherdrang und gläubigem

Gehorsam darin lesen.

✸ Das Buch Mormon kann in sehr

spürbarer Weise bei persönlichen Problemen

helfen. Möchtest du eine schlechte

Gewohnheit loswerden? Möchtest du die

Beziehungen innerhalb der Familie verbessern?

Möchtest du deine geistigen Fähigkeiten

vergrößern? Lies das Buch Mormon!

✸ Jeder, der das Buch Mormon gebeterfüllt

liest, kann ein Zeugnis davon

erlangen, dass es von Gott kommt. ●

Nach „Lassen wir uns von den heiligen Schriften

führen“, Liahona, Januar 2001, Seite 20f.; „Ein

Zeugnis vom Buch Mormon“, Liahona, Januar

2000, Seite 82, 85.

Elder Russell M.

Nelson vom

Kollegium der Zwölf

Apostel gibt uns

einige Gedanken zu

diesem Thema mit

auf den Weg.

FOTO VON CHRISTINA SMITH, SZENE

NACHGESTELLT

KLEINER LIAHONA FEBRUAR 2007

KL15


Die Aktivitäten und die Anleitung findest du auf den Seiten KL8 und KL9.

KL16

ILLUSTRATIONEN VON MATTHEW SMITH


VERVIELFÄLTIGUNG UNTERSAGT

Speakers’ Corner, Hyde Park, 1934/1935, Gemälde von John Mason

Elder Gordon B. Hinckley spricht zu einer Menschenmenge, die sich an der Speaker’s Corner – der Ecke

der Redner – im Hyde Park in London versammelt hat. Während seiner Mission in Großbritannien Mitte

der Vierzigerjahre erwarb Elder Hinckley sich besondere Verdienste und wurde schließlich als Assistent

des Apostels berufen, der über alle europäischen Missionen präsidierte.


Die Jungen Männer und Jungen Damen aus

Johannesburg strahlen inneren Frieden, Freude am

Dienen und Selbstvertrauen aus – einige der

Segnungen des Dienstes im Tempel. Sie sind sich der Heiligkeit

und der Atmosphäre dieses heiligen Hauses bewusst und wissen

daher, wie wichtig es ist, sich selbst und den Tempel des Herrn

zu achten. Siehe „Ehrfurcht vor dem

Tempel“, Seite 10.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine