PDF-Datei herunterladen (ca. 2 MB) - Gesev.de

gesev.de

PDF-Datei herunterladen (ca. 2 MB) - Gesev.de

64. JAHRGANG – APRIL 2013 – NR. 4

ISSN 1861- 9746 Verkaufspreis: 3,- Euro H 6114

Schlesischer Gottesfreund

NACHRICHTEN UND BEITRÄGE AUS DEM EVANGELISCHEN SCHLESIEN

Wie ihr nun

den Herrn Christus Jesus

angenommen habt, so lebt auch in ihm

und seid in ihm verwurzelt

und gegründet

und fest im Glauben,

wie ihr gelehrt worden seid,

und seid reichlich dankbar.

Kol. 2, 6+7

Monatsspruch für April


50

GEISTLICHES WORT

So viele Versuche, Ostern zu

malen, die Auferstehung Jesu,

den auferstandenen Christus, in

Bildern, in Symbolen ... mein diesjähriges

Osterbild ist ein ganz anderes!

Und es ist ein Sehnsuchts-Bild: so

möchte ich Ostern feiern, in der

Gemeinde, mit der Gemeinde, wie es

mein Osterbild mir zeigt, wie es

Mirjam gefeiert hat. Eine tanzende,

singende, trommelnde Frau, ganz hingegeben

einer beschwingten und

unbedingten Lebensfreude.

Mirjam hat Ostern gefeiert? Wie

das? – wenn sie doch lange, lange vor

Ostern, vor der Auferstehung Jesu

gelebt hat? Was war geschehen? Was

ist der Grund ihrer Freude? Das Lied,

das sie singt, kennen wir, einen kurzen

Vers, sie hat ihn vorgesungen, andere

haben ihn nachgesungen, immer wieder,

wie einen Refrain:

„Laßt uns dem HERRN singen,

denn er hat eine herrliche Tat getan!

Roß und Mann

hat er ins Meer gestürzt.”

Noch einmal: was ist geschehen, daß

Mirjam ihr Auferstehungslied tanzt

und singt? Ich sammle einige Verse

zusammen, um das Ereignis zusammenraffend

zu erzählen, zu erinnern,

Sie kennen es ja. „Und die Ägypter jagten

dem Volk Israel nach mit Rossen,

Wagen und ihren Männern und dem

ganzen Heer des Pharao und holten sie

ein ... und sie fürchteten sich sehr und

schrieen zu dem HERRN ... und der

HERR sprach: Sage den Israeliten, daß

sie weiterziehen. Du aber hebe deinen

Stab auf und recke deine Hand über das

Meer und teile es mitten durch, so daß

die Israeliten auf dem Trockenen mitten

durch das Meer gehen ... Und die

Israeliten gingen hinein mitten ins Meer

auf dem Trockenen, und das Wasser war

ihnen eine Mauer zur Rechten und zur

Linken. Und die Ägypter folgten und

zogen hinein ihnen nach ... Als aber der

Morgen kam, sprach der HERR zu

Mose: Recke deine Hand aus, daß das

Wasser wiederkomme und herfalle über

die Ägypter ... und das Wasser kam wieder

und bedeckte Wagen und Männer,

das ganze Heer des Pharao ...So errettete

der HERR an jenem Tage Israel aus

der Hand der Ägypter ...” (2. Mose 14).

Die herrliche Tat

Diese Errettung durch Gott aus äußerster

Gefahr, als es keine Möglichkeit

mehr gab, dem sicheren Tod aus eigener

Kraft zu entkommen: immer wieder

hat sich das Volk Israel auf dieses

Ur-Datum seiner Geschichte besonnen

als der Voraussetzung für alle weitere

Geschichte, alles weitere Leben-dürfen

und Glauben-dürfen vor ihrem Gott.

Und das Wasser wird zum Bild äußerster

Bedrohung des Lebens: „Gott, hilf

mir, denn das Wasser geht mir bis an

die Kehle. Ich versinke in tiefen

Schlamm, wo kein Grund ist; ich bin

in tiefe Wasser geraten, und die Flut

will mich ersäufen ...” (Psalm 62); „es

umfingen mich des Todes Bande, und

die Fluten des Verderbens schreckten

mich ... und des Todes Stricke überwältigten

mich ...” (Psalm 18); „ich

elender Mensch! Wer wird mich erlösen

von diesem dem Tod verfallenen

Leibe?” (Römer 7,24). Und der Tod:

„Er hatte Schmerzen, der Mann, große

Schmerzen, unerträgliche Schmerzen.

Er lag auf seinem Bett und konnte sich

kaum bewegen. Die Krankheit hatte

ihn gepackt. Es war Krebs, und er

hatte Angst, Angst vor dem Sterben. Er

kämpfte und setzte sich zur Wehr und

wollte es nicht wahrhaben. Und er

wußte doch genau: es ist alles zu Ende.

Es gibt keine Rettung mehr. Immer

näher und näher kam das, was ihn so

entsetzte. Es war wie ein großes und

schwarzes Loch, in das er hineingepreßt

werden sollte. Und er begann zu

schreien. Er wollte nicht in das Loch.

Und er schrie und hörte nicht auf –

drei Tage lang ...” (Leo Tolstoj).

Am Anfang des Jahres gab es im

Radio eine Sendung mit der Überschrift

„Der Tod ist der wichtigste Tag

des Lebens.” Gegen diesen Satz habe

ich mich spontan gesträubt: das kann

doch nicht sein! Und das darf doch

nicht sein! – Dann bin ich nachdenklich

darüber geworden und fand viel

Wahrheit darin. Und schließlich habe

ich ihn mir in mein Losungsbüchlein

geschrieben: unter dem Datum des

Osterfestes!

Denn am Ostermorgen damals,

sehr früh, als die Sonne aufging und

das Grab Jesu leer war und stattdessen

die Osterbotschaft war, so unbegreiflich,

daß sie entsetzt davonliefen: „ER

lebt! Er ist nicht hier!”, damals entschied

sich, was der Tod ist in der

Hand des lebendigen Gottes: eine

Nichtigkeit, ein Nichts, wenn ER will,

der ein Gott der Lebenden ist und

nicht ein Gott der Toten.

Und an meinem Todestag wird sich

entscheiden, daß der Tod, mein Tod


BEITRÄGE 51

nicht das Ende ist, das große dunkle Loch, sondern nur ist

wie ein Diener, wie ein Torsteher am Eingang zum Leben.

Mag sein, daß ich das in der Todesstunde nicht denken, nicht

glauben kann, in diesem Sinne ist es richtig: Der Tod ist der

wichtigste Tag im Leben.

Es war ja immer jenes Geschehen am Roten Meer der

Christengemeinde ein Gleichnis, ein Vor-Bild auf Ostern

hin. Und es war immer und bleibt immer die Auferweckung

Jesu aus dem Tod das Ur-Datum der Christengemeinde,

die Voraussetzung für alles weitere Leben. Wie sie immer

auch das Ur-Datum jedes Christenlebens ist. Dort fängt

unser Leben an, dort allein ist es verwurzelt, dort allein hat

es Bestand in Ewigkeit.

Ich liebe Mirjam, diese tanzende, singende Zeugin der

großen Rettungstag Gottes: „Da nahm Mirjam, die Prophetin,

eine Pauke in ihre Hand, und alle Frauen folgten

ihr nach mit Pauken im Reigen. Und Mirjam sang ihnen

vor: Laßt uns dem HERRN ein Lied singen, denn er hat

eine herrliche Tat getan! Roß und Mann hat er ins Meer

gestürzt.” – Oder mit dem Osterpsalm: „Man singt mit

Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten: die Rechte

des HERRN behält den Sieg! Ich werde nicht sterben, sondern

leben und des HERRN Werke verkündigen.” Oder mit

dem Apostel Paulus: „Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo

ist dein Sieg? Gott aber sein Dank, der uns den Sieg gibt

durch unsern Herrn Jesus Christus!” Oder mit den

Osterliedern unseres Gesangbuches: Singen Sie doch eines,

noch heute, mit Mirjam und – mit mir. Dietmar Neß

Abbildungen S. 50: „Mirjam” (Tontafel im Kanzelkorb

der Kirche in Groß Särchen); darunter: „Frau am Jakobsbrunnen”

(li.) und „Heilige Barbara” (re.) gestaltet von

Frau Ulrike Fehrmann, Wolfsburg-Brackstedt.

Der ungewöhnliche Wegweiser

Gedanken zum Titelbild

ANDREAS NEUMANN-NOCHTEN

Groß, leuchtend, unübersehbar, raumbeherrschend –

das Kreuz, hineingestellt in eine Landschaft, eine

Szenerie, die kaum etwas von sich preisgibt. Dunkel

und schattenvoll empfängt der Vordergrund. Die Stimmung

gleicht jener, die einen umgibt, wenn man zu früher

Morgenstunde hinaus in die fast noch nächtliche Landschaft

tritt. Nebel verschleiern den Blick und lassen das

Beschreiten schon hundertfach genommener Pfade plötzlich

wieder zu einem Gang ins Ungewisse werden. Mühsam

schlägt sich das Licht des heraufdämmernden Tages eine

Bresche durch den Dunst. Und so auf sich gestellt, bemächtigen

sich des Wanderers andere Gefühle, Empfindungen,

Ängste und Fragen, als es sonst die „geschäftige Welt” im

Auf und Ab des täglichen Lebens ihm zuzulassen gewährt:

was war?; was ist?; wie wird es werden?; wohin geht die

„Reise” und welches ist ihr tatsächliches Ziel? Wer verließ

nicht schon einmal, in solcherlei Gedanken versunken, die

eingeschlagene Bahn und fand sich wieder, wie aus einem

Traum erwachend, an vollkommen unbekanntem Ort. Da hilft

es nur, den Blick und die Schritte in Richtung der aufgehenden

Sonne zu wenden, um zurückzufinden. Und dann werden

im sich mildernden Dunkel – zunächst schemenhaft nur – Gestalten

sichtbar, sich bewegende, verharrende und völlig reglose.

Sind sie selbst Suchende, Fragende? Sind es Weggefährten

oder Wegelagerer? Bringen sie den Umherirrenden auf

sichere Straße oder führt ihr Rat nur noch tiefer ins Elend?

Wie gut, daß dort ein Wegweiser steht, ein Kreuz, ein

Wegkreuz, das sich so ganz und gar anders darstellt als solche,

die für gewöhnlich im Diesseits die Richtung vorgeben.

Nein, dieser Wegweiser steht nicht neben dem Weg und unterbreitet

Vorschläge: nach Osten kommst Du dahin, dorthin

nach Westen und geradeaus findest Du diesen oder jenen Ort.

Dieser Wegweiser ist vollkommen anderer Natur, er durchkreuzt

meinen Weg, ohne ihn zu versperren. Er durchstreicht

das Gewesene, das, was hinter mir liegt. Er weist auf sich

selbst und auf das, was hinter ihm zu finden ist: Lichte, Weite,

Unerahntes, Unerhörtes. Dorthin zu gelangen, muß ich unter

den Wegweiser – unter das Kreuz – treten und hindurchgehen.

Da ist kein weiterer Durchlaß, kein Schleichweg, kein

Seitentürchen. Werde ich den Schritt wagen, werde ich mich

unter das Kreuz stellen und in das Licht treten oder warte ich

ab mit den schemen-, schattenhaften Gestalten?

Wie ähnlich mag sich doch der Ostermorgen den drei

Frauen dargeboten haben. Aus der Dunkelheit der Trauer,

Verzweiflung und Hilflosigkeit kamen sie. Ihr Ziel war das

Grab, Ort und Inbegriff jeglichen Endes. Aber statt Finsternis

erwartete sie Licht, statt verzweifelndem Verharrens aufbruchheischende

Wegweisung: „ ... gehet eilend hin und sagt

es seinen Jüngern, daß er auferstanden sei von den Toten.”

(Matth. 28,7).

„Das Kreuz als Wegweiser” (100x120, Acryl auf Leinwand)

ist eine Arbeit der Oldenburger Künstlerin und Pfarrfrau

Karola Onken, deren Arbeiten zur Zeit im Kustos-Haus

am Heiligen Grab in Görlitz gezeigt werden.

Karola Onken, geb. Kleim wurde 1943 in Wesermünde

geboren und wuchs in Delmenhorst-Adelheide auf. Nach

dem Abitur studierte sie an der Pädagogischen Hochschule

Oldenburg und war bis 1971 als Lehrerin tätig. Seit 1968 ist

sie mit Pfarrer Christoph Onken verheiratet. Sie hat seit frühester

Kindheit Freude am Malen, was nicht verwundert,

enthält ihr Stammbaum doch so bedeutende Malernamen

wie Caspar David Friedrich und Gustav und Franz Pflugradt.

Ihre großformatigen Acrylbilder laden zum Nachdenken

über christliche Glaubensinhalte ein.


52

BEITRÄGE

Nachbemerkung: Wenn es um die Auseinandersetzung mit

Bildwerken geht, die ihren Ursprung und Sitz im Religiösen

haben, ist es unerläßlich darauf zu verweisen, daß hier andere

Betrachtungsparameter gelten als im Bereich profaner

Kunst.

Vergegenwärtigen wir uns bitte, daß wir es heute mit

einem Kunstbegriff zu tun haben, der auf einer Entwicklung

basiert, die Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Anfang nahm.

Es war schlichtweg die Erfindung der Photographie, die

ein ganzes Heer von Malern und Zeichnern, Stahlstechern

und Lithographen quasi arbeitslos werden ließ. Bis zu diesem

Zeitpunkt gab es nicht „den Künstler”, sondern in erster

Hinsicht den Handwerker, den, der es mehr oder weniger

gut verstand, ein Abbild der Realität zu schaffen. Daß

viele von ihnen das in höchster künstlerischer Qualität zu

tun verstanden, bedarf gewiß nicht der gesonderten Erwähnung.

Dennoch, nun, da es möglich wurde phototechnisch

kostengünstigere, realitätsnähere Abbildungen zu erwerben,

waren die Maler darauf gewiesen, entweder unterzugehen,

oder sich selbst als „Künstler” und ihr Tun, die

Kunst, neu zu erfinden. Hinfort galt der Grundsatz: Kunst

gibt nicht Sichtbares wieder, sondern macht sichtbar

(Klee). Daß aber die Suche nach neuen Darstellungsweisen

schließlich in den Zwang mündete, nur noch das Neue, das

Ungewöhnliche für Kunst erachten zu dürfen, hatte etwas

mit dem sich etablierenden Kunstmarkt zu tun. Nicht der

Gehalt oder die Qualität eines Werkes bestimmten von nun

an dessen Wert, sondern der Preis, den man damit erzielen

konnte. Auf diesem sich säkularisierenden Kunstmarkt kam

mehr und mehr in Vergessenheit, daß alles bildnerische

Schaffen seinen Ursprung im Kultischen hat: sei es nun die

Willendorfer Venus, die Kolosse der Osterinseln oder die

romanische Madonna. Am Anfang stand immer die Schaffung

eines „Gegenübers”, die Verbildlichung dessen, was

nicht in Worte gefaßt werden kann, einer Sehnsucht, einer

Hoffnung.

Wenn aber, wie eingangs skizziert, Kunst sich selbst

genügen muß, verliert sie zunehmend diesen Ursprung aus

dem Blick. Nicht der Dialog mit einem Gegenüber, sei es

nun Gott oder auch nur der Betrachter, hat dann Priorität,

sondern das Selbstgespräch, der Blick nach innen auf das

eigene Universum, eine Art Parallelwelt, bestehend aus

Kunst-Schaffenden, -Handelnden, -Rezipienten. Wenn

Menschen abseits dieses Kunstbetriebs im originären Sinne

kreativ sind, erzeugt das dort konsequenterweise Mißbehagen.

Tatsächlich aber kommt es nicht darauf an, wie

oder wo ein Kunstwerk entsteht, sondern vielmehr darauf,

daß ihm abzuspüren ist, welche Sehnsucht, Leidenschaft,

welcher Glaube zu dessen Werdung führte. Da beginnt

Kunst, da wird Kunst, da ist Kunst!


Karl Albrecht Felmy

FORTSETZUNG AUS AUSGABE 3/2013 UND SCHLUSS

Nach den schweren Verlusten, die wir im Rußlandfeldzug

hatten, ereilte auch mich die Einberufung.

Ich hatte 1936 ein militärische Übung gemacht.

Innerhalb von drei Tagen sollte ich in die Barbara-Kaserne

in Schweidnitz einrücken. Unserem Superintendenten

Loheyde gelang es, einen Aufschub für meine Einberufung

zu erwirken und einsichtig zu machen, daß man einen

Pfarrer nicht innerhalb von drei Tagen aus seiner Gemeinde

herausziehen kann. Die mir gebliebene Gnadenfrist benutzte

ich dazu, mich den Sanitätern anzuschließen. Ich hatte

keine Lust, mit der Waffe zu kämpfen. Es ging gegen mein

Gewissen, das ich, durch den Eintritt in die Partei aus

Opportunitätsgründen, schon genug belastet hatte. Man soll

nie etwas gegen sein Gewissen tun!! Gleichzeitig schrieb

ich an den dienstältesten Marinedekan Ronneberger, der im

Jahr vorher zur Kur in Landeck war, und den wir öfters bei

uns hatten. Er versprach mir damals, mich im Falle einer

Einberufung zur Marine zu holen.

Er hielt Wort und war bereit, mich anzufordern. Das war

aber nicht leicht, denn Heeresangehörige durften nicht

mehr zur Marine übertreten. Er riet mir, selbst bei dem

Wehrkreiskommandeur vorzusprechen, um meine Freigabe

zur Marine zu erreichen. Ich hatte Glück: Oberst von Kaltenborn-Stachau

war Bruder eines Pfarrers, er hatte Verständnis

für meine Lage und meinen Wunsch. Er gab mich

frei, und so wurde ich Marinekriegspfarrer erst in Royan an

der Girondemündung, dann in Bordeaux.

Im August 1944 kam ich in Gefangenschaft. Nach fast


BEITRÄGE 53

eineinhalb Jahren Kriegsgefangenschaft in den USA wurde

ich am 11.4. 1946 in Regensburg entlassen. Mein erster

Weg führte mich zu dem Dekan des Kirchenkreises

Regensburg, Lic. Schmidt. Er empfahl mich an den Pfarrer

Luther in Pfarrkirchen. Ich hatte gehofft, daß ich einige

Zeit in einem neuen Aufgabenbereich bei ihm bleiben

könnte. Ich hatte mich getäuscht. Ich war vielleicht eine

Stunde bei ihm, dann fuhr er mich nach Tann, setzte mich

in einer Wirtschaft ab und entließ mich mit den Worten:

„Nun gründen Sie sich eine neue Existenz”. Aber wie das

machen? Wo leben, wo essen, wo Gottesdienste halten? In

der Wirtschaft wurde mir bedeutet, daß ich nicht bleiben

könnte. Auf die Frage, wo kann ich denn erfahren, was hier

zu erreichen ist, bekam ich die stereotype Antwort:

„Wenden Sie sich an den Herrn Kämmerer!” Wer war das?

Es war der katholische Ortspfarrer. Sein Kaplan, der meine

amerikanischen Zigaretten gerne rauchte, wollte mit mir

kurzen Prozeß machen und forderte mich auf, röm. kath. zu

werden. Diesen Gefallen konnte ich ihm nicht tun. Meine

evangelischen Gemeindeglieder waren Siebenbürger

Sachsen, Banater Schwaben, Schlesier. Eine buntgemischte

Gesellschaft. Gottesdienste hielt ich in der kath. Kirche

zu Tann und Reuth. Lange blieb ich nicht in Tann.

Durch Ronneberger erfuhr ich, daß sich meine Familie

in Lengerich aufhielt. Aber welches Lengerich war gemeint?

In Thüringen? In Westfalen? Eifrig bemühte ich

mich um eine Wohnung in Tann oder Umgebung für meine

Lieben, aber es war nichts zu machen. Helga telegrafierte

mir, daß sie in Lengerich in Westfalen bereits eine

Wohnung hätte. Daraufhin brach ich meine Zelte in Tann

ab und fuhr über die Zonengrenzen, die damals bestanden,

nach Lengerich. Die Wohnung war alles andere als schön,

aber sie war abgeschlossen. Daß sie verwanzt war, stellten

wir bald fest. In einer Nacht haben wir viele Wanzen gefangen.

Ich war der beste Köder, sie kamen nur so in mein Bett

gelaufen. Aber immerhin, wir waren wieder vereint! Es war

mir ein großes Wunder, daß ich alle meine Lieben im

Westen wiederhatte [...]. Ich half in Lengerich in der

Flüchtlingsseelsorge. Hier wurde auch unser Martin Ulrich

geboren.

Aber die Grafschaft Tecklenburg war reformiert und

hatte den Heidelberger Katechismus. Aus diesem Grunde

entschloß ich mich, mich sobald als möglich wegzumelden.

Superintendent Rübesam versprach mir den Bau eines

Pfarrhauses. So verlockend es war, aber es konnte mich in

Lengerich nicht halten.

Durch Vermittlung der Lengericher Diakonissen, die

dem Mutterhaus in Münster angehörten, wurde man im

Mutterhaus auf mich aufmerksam. Ihr Vorsteher, Professor

Schreiner, litt an einer Gemütskrankheit. Ich wurde am

1.4.1947 stellvertretender Vorsitzender des Mutterhauses.

Es bot sich uns eine Wohnung von meinem Vorgänger auf

der Studtstr. 29 an. Der Wirt, Herr Haacke, wollte uns zwar

nicht nehmen, aber wir zogen einfach ein, und dagegen

konnte der Hauswirt damals nichts machen. [...]

In Münster konnten wir dann ab 1.8.1947 an der

Gemeinschaftsverpflegung des Mutterhauses teilnehmen.

Ohne diese hätten wir die Hungerzeit kaum überstanden.

Für das Mutterhaus konnte ich außer Gottesdiensten

Bibelstunden halten und vor allem die Schwestern auf den

Außenstationen besuchen. So lernte ich ein gut Teil Westfalens

kennen. Außerdem standen mir weithin die Bibliotheken

Professor Schreiners und des Mutterhauses zur Verfügung.

Ich selbst hatte außer der Bibel nichts. Außerordentlich

genoß ich die Spaziergänge mit Prof. Schreiner.

Obwohl er leidend war, war es ein großer Gewinn, mit ihm

zusammen zu sein. Wen kannte er nicht alles, was hatte er

nicht alles gelesen und durchdacht! Ich konnte mir fast ein

Leben ohne die Unterweisung, die ich von diesem klugen

Mann empfing, nicht denken.

Trotzdem nahm ich ein Angebot der Gemeinde Münster

an, mich um eine Pfarrstelle zu bewerben. Ich mußte festen

Boden unter die Füße bekommen, konnte nicht nur stellvertretender

Vorsitzender bleiben, zumal es Schreiner wesentlich

besser ging. Das schöne Pfarrhaus auf der Fehrbellinstraße,

wie zuerst vereinbart, bekam ich zwar nicht, dafür

war ein Westfale vorgesehen. Oberlandeskirchenrat Brandes,

der es sonst sehr gut mit mir meinte, sagte mir: „Ihnen

fehlt die natürliche Nähe zu den Münsteranern.” Diese

Meinung konnte ich mit dem Hinweis entkräften, daß die

meisten evg. Münsteraner Flüchtlinge aus dem Osten seien.

Aber es half alles nichts. Ich rutschte von der 5. auf die 6.

Pfarrstelle runter. Die 6. Pfarrstelle hatte ein altes Pfarrhaus

auf der Herrmannstraße, das besetzt war, und das Helga

auch später unter keinen Umständen beziehen wollte.

[...] Als ich am ersten Advent 1950 eingeführt wurde,

hatte mein Bezirk eine Seelenzahl von 2500, in kurzer Zeit

wuchs sie auf 7500. Ich hatte 120 Konfirmanden und ebenso

viele Katechumenen, 100 Taufen im Jahr. Die Trinitatiskirche

erwies sich als viel zu klein, um die vielen Menschen

aufzunehmen. Es herrschte eine drangvolle Enge,

eine sehr schlechte Luft. So beschloß das Presbyterium

eine Kirche im Raum des 6. Pfarrbezirkes zu bauen. Es

fand sich ein Platz auf der Antoniusstraße, eine frühere alte

Sandgrube. Ein Pfarrhausplatz war gegenüber auf der anderen

Seite erworben worden. [...]. Die neue Matthäuskirche

wurde am 2. Advent 1958 eingeweiht. Es war ein festlicher

Zug, der sich von der Trinitatis- zur Matthäuskirche bewegte,

die von Präses Wilm geweiht wurde. [...]

Am 25.2. 1964 wurde ich an einem Nierentumor operiert.

Ich konnte mich lange nicht erholen. [...] Manchmal

sah es so aus, als wenn es mit mir in wenigen Monaten zu

Ende gehen würde.

Pastor Felmy`s eigene Aufzeichnungen brechen hier ab.

Seine Frau, Helga Felmy, fügte einige Blätter an, den

Bericht über ein noch zwei Jahre währendes schweres

Kämpfen und Leiden: „Am 13.4.1966 morgens um 0,20

Uhr ging er nach einem furchtbaren Todeskampf heim ... es

war ihm nichts, nichts erspart worden. Wie oft hatte ich in

diesen Tagen gebetet: Nimm ihn, mach der Qual ein Ende!

Aber es sollte wohl so sein, daß er erst am 13. April starb;

an dem Tag, den wir stets als unseren Verlobungstag feierten,

an dem Tag, an dem wir uns fanden, wurden wir auch

getrennt...".


54 BEITRÄGE

Freiwillige „vorzüglich von Ausländern”

Der Aufbruch des Lützow`schen Freikorps in Rogau am Zobten vor zweihundert Jahren

Im Herbst dieses Jahres 2013 wird es wohl große

Feierlichkeiten am „Völkerschlacht”-Denkmal bei Leipzig

geben, in Erinnerung an jene entscheidende Wende, die in

den „Befreiungskriegen” das Ende der Napoleonischen

Herrschaft über weite Teile Europas, auch fast alle damaligen

deutschen Staaten brachte. Da dürfen wir Schlesier

daran erinnern, daß es die Stadt Breslau war, in der König

Friedrich Wilhelm von Preußen seinen berühmten „Aufruf

an mein Volk” erließ; am 17. März 1813.

Es wird aber kaum jemand daran erinnern, daß dieser

König nur einen Tag später eine weitere Ordre gab, die die

binnenpreußische Perspektive öffnete zu einer gesamtdeutschen

Aufgabe. Er rief gleichsam alle zu den Waffen, die

sich als Deutsche verstanden, wenn er Freiwillige, „vorzüglich

von Ausländern” anzuwerben hieß. Und diese Öffnung

verwirklichte sich in einem schlesischen Dorf, Rogau

am Zobten. Davon will ich berichten, aber nicht mit den

nüchternen, distanzierten Worten eines Historikers, der

zweihundert Jahre später vieles anders sieht, auch den

Überschwang der Gefühle und Worte kaum nachempfinden

kann, sondern mit denen eines noch im Herzen begeisterten,

wenn auch späteren Chronisten. Der Bericht steht in

einem Büchlein, das der damalige Pastor von Rogau-

Rosenau, Walter Gerhard, auf eigene Kosten drucken ließ,

1932: „Das historische Rogau”. Er beginnt seine Dorfund

Kirchchronik aber mit dem Ereignis, das damals, 1813,

das Dorf mit einem Schlage weithin bekannt machte. -ß

Aber lassen wir nun ihn erzählen:

Unter den geschichtlich bedeutsamen Orten Schlesiens

steht die historische Kirche von Rogau mit an

erster Stelle. 1813 wurde Schlesien das Herz

Deutschlands, weil dort der Freiheitswille wider Napoleons

Joch am mächtigsten sich regte. [...] In Breslau das

Gasthaus „Zum Goldnen Zepter” war die Hauptwerbestelle

des Majors Freiherrn von Lützow und des ihm zur Seite

stehenden Majors Friedrich von Petersdorff. Dort fanden

sich mit den Freiwilligen an führenden Männern unter

anderem der Turnvater Friedrich Ludwig Jahn, Friedrich

Friesen, Theodor Körner. Rogau wurde Quartier der von

Lützowschen Reiterei, die nahe Stadt Zobten Standort des

Fußvolks.

Die Lützowsche Freischar begrüßte man aus unmittelbarem

Empfingen wie den ersten Sonnenstrahl nach dunkler

Nacht. Die Bedeutung des ersten Sonnenstrahles ist

nicht, daß er die Saaten reifen läßt, sondern er ist der Bote

der Sonne, die solches tut. So bedarf das Freikorps nicht,

daß man seine Bedeutung etwa der der gewaltigen Armeen

gleichstellte, die wider Napoleon siegten, sondern diese

Truppe von 1000 und später 3000 Mann ist die erste Verkörperung

der für jenen Zeitpunkt ganz neuen und grundlegenden

Erscheinung: Söhne aus allen deutschen Ländern

sammeln sich für die gemeinsame deutsche Sache! Diesen

Vorgang kennzeichnet der erste Abschnitt im Erlaß Friedrich

Wilhelms III., durch den er am 18. Februar 1813 den

Majoren von Lützow und von Petersdorff auf des ersteren

Antrag genehmigte, Freiwillige, „vorzüglich von Ausländern”

anzuwerben, das heißt, von Sachsen, Westfalen

Thüringern, Rheinländern usw., deren Fürsten damals noch

mit Napoleon im Bunde standen. Auch Preußen hatte ja

eben erst durch des Grafen Yorck von Wartenburg kühnen

Abfall sein Zwangsbündnis mit dem großen Korsen gelöst.

Während der König selbst in seinem bekannten Aufruf sich

an „sein” Volk wandte, also an Preußen, sollte Lützow dem

damals erwachenden allgemeindeutschen Gedanken zur

Verwirklichung helfen. Es ist bezeichnend, daß dieser gesamtnationale

Freiheitswille sich 1813 vor Gott stellte und


BEITRÄGE

55

im Gotteshaus seine Klärung, Kraft und Weihe suchte.

Dafür ist außer dem Kirchgang selbst unter vielem anderen

ein Zeugnis das schöne Lied, welches Theodor Körner,

selbst Glied der Lützowschen Freischar, zu jenem historischen

Gottesdienst in der Rogauer Kirche gedichtet hat.

[...]

Wir treten hier im Gotteshaus

Mit frommem Mut zusammen,

Uns ruft die Pflicht zu Kampf hinaus,

Und alle Herzen flammen.

Denn was uns mahnt zu Sieg und Schlacht,

Hat Gott ja selber angefacht.

Dem Gott allein die Ehre.

Der Herr ist unsere Zuversicht,

Wie schwer der Kampf auch werde;

Wir streiten ja für Recht und Pflicht

Und für die heilge Erde.

Drum, retten wir das Vaterland,

so tat`s der Herr durch unsre Hand.

Dem Herrn allein die Ehre.

Es bricht der freche Übermut

Der Tyrannei zusammen,

Es soll der Freiheit heil`ge Glut

In allen Herzen flammen.

Drum frisch in Kampfes Ungestüm!

Gott ist mit uns und wir mit ihm!

Dem Herrn allein die Ehre!

Er weckt uns jetzt mit Siegerlust

Für die gerechte Sache;

Er rief es selbst in unsre Brust,

Auf, deutsches Volk, erwache,

Und führt uns, wärs auch durch den Tod,

Zu seiner Freiheit Morgenrot!

Dem Herrn allein die Ehre!

[Melodie: Aus tiefer Not schrei ich zu dir...]

Seine Weiherede hielt Pastor Peters „als warmer Freund

seines Vaterlandes, als Untertan seines Königs und als

Diener der Religion”. Sie ist eine edle Würdigung der zeitgeschichtlichen

Lage und klingt aus in der Mahnung, mit

Gottvertrauen und als Christen zu kämpfen. „Sie sind

Christen”, so sprach er, „und das Christentum erhöht die

Liebe zum Vaterland und die Treue zum König zum göttlichen

Gesetz.” Zum Schluß fragte er seine soldatische

Gemeinde: „Wollen Sie als Menschen Ihre Menschlichkeit,

als Bürger Ihr Vaterland, als Soldaten Ihren König, als

Christen Ihren Glauben nie verleugnen in der geltenden

Stunde? Dann ersuche ich Sie, mir einmütig und laut mit

erhobener Rechten die Worte nachzusprechen: „Wir

schwören es”! – Nach diesen Worten erhoben sich mehr

denn tausend Stimmen und riefen: „Wir schwören es!”

Jahn und Helmenstreit, die dem Altar am nächsten standen,

hielten beim Schwur ihre Säbel gekreuzt. Paukenwirbel

und Trompetenstoß erschollen [...] Es folgte die Vereidigung

für den König, dann der Segen des Geistlichen und

Luthers „Ein feste Burg ist unser Gott.” Theodor Körner

schreibt in einem Briefe vom 30. März aus Jauer: „Das

machte das Ende der herrlichen Feierlichkeit, die zuletzt

noch mit einem donnernden Vivat, das die Krieger der

deutschen Freiheit ausbrachten, gekrönt wurde, wobei alle

Klingen aus der Scheide flogen und helle Funken das

Gotteshaus durchsprühten.” Kein Auge war tränenleer, und

tief ergriffen trat man aus dem hellen Kerzenglanz ins

Dunkel der Dorfstraße. Trompeten aber schmetterten in die

zukunftsdunkle Nacht einen kräftigen Militärmarsch. Die

Kavalleristen gingen in ihre Quartiere in Rogau, das Fußvolk

marschierte ab nach dem nahen Zobten. An der Stadtgrenze

wurden sie von den Bürgern empfangen, mit Musik

und Vivat-Rufen geleitet zu festlichem Mahl der Abschiedsfeier

nach den Wochen der Übungszeit.

Das Dorf Rogau-Rosenau, aus zwei dicht aneinandergrenzenden

Ortschaften zusammengewachsen und nur

durch einen schmalen Bach getrennt, hatte durch sechs Wochen

mit großer Bereitwilligkeit die aus dem Breslauer

Werbequartier einzeln und in Gruppen herzuwandernden

und -reitenden Freiwilligen aufgenommen. Es wurden allmählich

260 Berittene in Rogau, in Zobten 900 Infanteristen.

Aber freilich, die dunkle Zeit um 1806 wirkte noch

nach. Aus Berichten geht hervor, daß man eben nur mühsam

aus dem allgemeinen Tiefstand sich erhob. Die aus

Halle von der Universität herbeigewanderten Studenten

und viele andere empfanden tief den Abstand zwischen


56

MELDUNGEN

ihrer hohen Begeisterung und der Armut samt der ganzen

Unfertigkeit. So finden wir in des nachmaligen Pastors

Hoffbauer Skizzen folgenden Bericht: „Es ging uns

anfangs in Rogau sehr schlimm. Wir lagen dort in unseren

Studentenröcken ohne Uniform, ohne Waffen, ohne Pferde,

ohne Offiziere.” Der seit Jahren von Frankreich ausgeplünderte

preußische Staat konnte bei seinen eigenen umfassenden

Rüstungen nur etwa 200 Gewehre geben und nicht

viele Pferde und Uniformen. Im wesentlichen leistete er

nur die Besoldung. Das übrige mußte durch Sammlungen

von Breslau und der Provinz her beschafft werden. Dann

aber wurde aufs eifrigste geritten, geschossen, gefochten.

Selbstverständlich waren auch die Rogauer Quartiere nicht

zu vergleichen mit den Wohnungen, die man heute hat. Ein

Gärtner (Kleinbauer) hatte in seiner Wohnstube 4 bis 5

Mann aufgenommen. Ein kleines Fenster, das nie geöffnet

wurde, vielleicht überhaupt nicht zu öffnen ging, gab spärliches

Licht. Neben dem Ofen stand ein Faß, in das

Speisereste und allerhand Abwässer gegossen wurden. Auf

den ungedielten Fußboden schüttete man für die Nacht den

Soldaten und den Kindern des Gärtners eine ordentliche

Schütte Stroh, die am Morgen wieder zusammengerafft und

hinausgeschafft wurde. Als einer der Freiwilligen ernsthaft

erkrankte, erbarmte sich der Gärtner und bereitete dem

Fiebernden eine ständige Bettstatt: in etlicher Entfernung

von der Wand schlug er ein paar Pfähle in den Estrich und

ein paar Bretter daran. In die so entstandene „Bucht” kam

Stroh. Die Kost war natürlich auch altschlesisch, d.h. gleich

früh Kartoffeln, in Rüböl oder in ausgelassenen Speck

getunkt. Zum Mittagbrot kam Sauerkraut dazu, mitunter

aber wundervolle, große Klöße, „so derb, daß man keinen

an der Wand hätte zerwerfen können.” Abends gab es

Gewärmtes vom Tage. Die städtischen Feinschmecker vermißten

Kaffee, Suppe und Bier. Mitunter pilgerte man nach

Zobten in den Hirsch und Ferraris Weinstube. In Rogau gab

es dergleichen Genüsse nicht. [...]

Am Tage nach der Einsegnung zogen die tausend Mann

des Königs ab mit dem Auftrag, nicht in der Linie zu kämpfen,

sondern kühn sich hindurchzuschlagen hinter die Festungen

Leipzig, Halle, Magdeburg, die der Franzmann besetzt

hielt. Dort sollte die „schwarze Schar” dem Feinde die

Zufuhr an Lebensmitteln, Munition und Geld abschneiden,

sollte das Nachrichtenwesen stören, und – dreist genug –

im Rücken seiner Macht immer neue Freiwillige sammeln.

In der Tat: Aufgaben für eine „wilde, verwegene Schar!”

[...]

Abbildungen: „Schlesische privilegierte Zeitung”: aus

Hirt’s Realienbuch für die Höheren Schulen, Ausgabe A,

Nr. 146, Breslau 1936; die Federzeichnung zeigt die

Rogauer 1795 im Bethaus-Stil errichtete Kirche ohne den

erst 1865 angebauten Turm; Innenansicht der Kirche zu

Rogau auf einer zur 100-Jahr-Feier herausgebrachten Postkarte:

„Einsegnung von Freiwilligen 1813”, Künstlerpostkarte

des Volkskunstbundes, 1913.


Falkenberger Kirchenbücher restauriert!

DR. STEPHAN ADERHOLD

„Die Gemeinschaft der evangelischen Schlesier e.V. war

unser Pfingstwunder!” – Diese Worte sagte Frau Elfriede

Barnert zum Schreiber dieser Zeilen aus tiefstem Herzen

am 15. Februar 2013 in Oppeln. Anlaß war die Vorstellung

von zwölf restaurierten Kirchenbüchern im Oppelner

Staatsarchiv, die aus Falkenberg O.S., heute Niemodlin,

stammen. Eigentlich ist es eine Geschichte wie immer –

wie immer auch unglaublich schön.

Das Ehepaar Alois und Elfriede Barnert hatte es sich zur

persönlichen Aufgabe gemacht, die fast völlig zerstörten

Falkenberger Kirchenbücher zu retten. Hierzu wurden

Financiers und Spender gesucht. Auf die in die Welt

gesandten „Bettelbriefe” kamen – auch wie immer – viele

Absagen und, auf dem Höhepunkt der Absagenflut, ein

Anruf von Klaus-Ulrich Vogel, dem Schatzmeister der

Gemeinschaft evangelischer Schlesier, der diesem Projekt

die Unterstützung zusagte. Und dieser Pfingst-Anruf war

dem Vorhaben eine neuerliche Motivation, so daß, modern

ausgedrückt, das Fundraising wieder an Fahrt gewann und

nach und nach alle Kirchenbücher von dem Restaurator

Dariusz Subocz bearbeitet werden konnten, der eine wirklich

hervorragende Arbeit ablieferte.

Der um 13 Uhr im Oppelner Staatsarchiv beginnende

Festakt wurde von dessen Direktor Herrn dr. hab. Miros-

³aw Lenart sehr souverän geleitet. Nach der Begrüßung

wurden die Förderer und Organisatoren durch die Überreichung

von Dankesurkunden gewürdigt. Als, der sichtlich

bewegte, Alois Barnert den Dank erwiderte, staunte die

Gesellschaft: seine Rede war in gereimter Prosa verfaßt. Da

sie in dieser Form die Festversammlung begeisterte, soll sie

den Lesern hier nicht vorenthalten werden.

„Meine sehr verehrten Damen und Herren,


MELDUNGEN 57

verzichten möchte ich hier auf das Nennen von Namen,

allen ein herzliches ,,Grüß Gott”, die kamen.

Natürlich kennen Sie alle den Grund,

weshalb wir uns treffen zu dieser Stund’.

Gönnen wir uns einen Augenblick

und schauen auf knapp 7 Jahre zurück.

Es ist zusammengefaßt unsere Geschichte

von den Kirchenbüchern, die ich hier berichte.

Kaum war ich zum Vorsitzenden

des Falkenberger Heimatvereins gewählt,

wurde mir von verloren geglaubten Kirchenbüchern

der einstigen Kreisstadt erzählt,

die – dahin vegetierend – im Staatsarchiv Oppeln liegen,

nicht mehr darauf hoffend, den Verfall zu besiegen,

oder – daß wie im Märchen – ein Prinz sie entdeckt,

mit einem Kuß sie zu neuem Leben erweckt.

Nun – einem Prinzen habe ich nie geglichen.

Doch der Gedanke an die Bücher ist nicht mehr gewichen.

Läßt sich überhaupt solches Kulturgut erhalten?

Wie ließe sich die Finanzierung gestalten?

Ein Sponsor war im Heimatverein nicht zu erspähen.

Wen könnte man um Finanzhilfe anflehen?

Derlei Fragen haben uns manche Nacht

um den ersehnten Schlaf gebracht.

...

Es bedeutete: – Verhandlungsslalom mit Behörden.

Eine Art „Kampf” begann mit vielen Instanzen,

mit Informationen, Anträgen,

Bettelbriefen für die Finanzen.

Zunächst ging es um Kulturgut und Zuständigkeit.

Allein die Erlaubnis zum Restaurieren kostete Zeit.

Uns führte so manche Reise ins Generalkonsulat

zu Herrn Sachs. Er stand uns zur Seite mit Rat und Tat.

Ansprechpartner für deutsche und polnische Seiten

konnte er unser Projekt als Mittler begleiten.

Zahlreiche Briefe, das Projekt finanziell zu unterstützen,

brachten uns all die Jahre ins Schwitzen,

Wechselbäder zwischen Bangen und Hoffen.

Manche Antwort steht übrigens heute noch offen.

Es kostete Ausdauer und Überzeugungskraft,

jedoch wir sehen – das Projekt ist geschafft.

Die Bücher erstrahlen in neuem Glanz.

In Dankbarkeit ziehe ich nun Bilanz.

Vergelt’s Gott allen, die uns irgendwie unterstützten,

mit Finanzen, durch Wort, Tat und Ermutigung nützten.

...

Ich danke auch allen,

die diese Feierstunde ermöglicht haben.

Hinweg über nationale und konfessionelle Schranken

darf ich für wertvolle Begegnungen

und Freundschaften danken.

Für jeden, der forschend schaut in die Bücher hinein,

mögen sie eine reiche Fundgrube sein,

zumal jedes Buch nicht allein nur die Stadt

sondern dazu 30-40 Orte zum Inhalt hat.

Erfreut stelle ich fest – unser Projekt fand sein Ende.

Die restaurierten Bücher kommen in gute Hände;

denn nun ist Herr Direktor Lenart der Hüter

unter anderem dieser kulturellen Güter.

Ich danke Ihnen.”

Alois Barnert, 1. Vorsitzender des Heimatvereins

Nachzutragen bleibt nur, daß Herr Barnert als praktizierender

Katholik dem diesjährigen Thema der Lutherdekade

„Reformation und Toleranz” durch die Rettung dieser

evangelischen Kirchenbücher eine ganz eigene Bedeutung

gab. Auch dafür sei dem Ehepaar gedankt.

Der Text ist redaktionell gekürzt wiedergegeben. ANN

Festgesellschaft mit dem Ehepaar Barnert (rechts)

Foto: Aderhold

Schlesische Ostern

Wer einen Bericht über das schlesische Osterfest geben

will, der muß zwangsläufig mit dem Gründonnerstag beginnen.

Nicht nur, weil mit diesem Tag allerorten die österliche

Zeit ihre mächtigen Schatten vorauswirft, sondern vor

allen Dingen deswegen, weil am Gründonnerstag das

schlesische Brauchtum des Osterfestes beginnt.

Von diesem Brauchtum möge hier ein wenig geplaudert

werden und die wehmütige, aber doch süße Erinnerung soll

den schlesischen Heimatkindern ein Trost und eine kleine

Osterfreude sein.

Am Gründonnerstag gab es bei vielen schlesischen

Familien Spinat mit Ei. In manchen Gegenden sollen

auch grüne Suppen aus Frühlingskräutern, wie z.B.

Sauerampfer, Brennessel, Schafgarbe, Löwenzahn Kerbel

usw. bereitet worden sein. Oder es wurden – wenn es schon

keine Suppe sein sollte – Rapünzchen und Grünkohl gegessen.

Das Grüne sollte nicht nur eine Bestätigung des Grünen

Donnerstags sein, sondern diese Speisen hatten die Aufgabe,

den Körper zu reinigen. Wie ja das Reinigen und Säubern in

Haus und Garten überhaupt die ganze Osterwoche ausfüllte.


58

OSTERN

„Ostern in Schlesien” (Ausschnitt), Holzstich von Alfred Sternberger, 1870

Abbildung SMG

Dem Honig wurde besondere Zauberkraft zugesprochen.

Er brachte Glück und stärkte gegen Krankheiten.

Aus diesem Grunde durfte er in der österlichen

Zeit nicht fehlen und die Menschen drängten sich

auf dem vielerorts üblichen Honigmarkt. Grütze und Hirse

indessen sollten Schutz gegen Dämonen und dunkle Kräfte

verleihen.

Der Gründonnerstag war auch ein Tag der Kinder, ein

kleiner Vorgeschmack auf das kommende Fest. An

manchen Orten ging es zum „Gründonnerstagssingen”,

ähnlich dem „Sommersingen” am Sonntag Lätare.

Frau Dora Lotti Kretschmer weiß in ihrem Büchlein „Vom

schlesischen Himmelreich” zu berichten, daß auch die Patenbesuche

an diesem Tage üblich waren. Diese brachten

Geschenke, wie: geflochtene Milchsemmeln, Osterlämmchen

aus Kuchenteig, Zuckerfischel oder sonstiges Naschwerk

ins Haus.

Karfreitag setzte der süßen Lust ein energisches

Ende. Denn an diesem Tage wurde in der ganzen

„Schläsing” streng gefastet, und zwar bei beiden

Konfessionen. Freilich, die verschiedenen Eierspeisen,

welche an Stelle des Fleisches auf den Tisch kamen, waren

ein recht „nahrhafter” Ersatz. In Oberschlesien gab es den

beliebten Zur, eine brotsuppenähnliche Speise.

Am Morgen des Karfreitag oder aber am Ostermorgen

wurde das „Gutfreitagswasser” oder „Osterwasser”

geholt. Dies war im Volksmund „geweihtes”

Wasser und half gegen Krankheiten – so wurde jedenfalls

behauptet. Auch das Vieh im Stall wurde damit gewaschen.

Doch die heilende Wunderkraft trat nicht ein, wenn

beim Wasserholen gesprochen worden war.

Eine stille Schwermut lag über dem ganzen Karfreitag,

die sich auch noch bis zum Ostersonnabend,

dem „stillen Sonnabend” hinüberschleppte. Die festlichen

Vorbereitungen erreichten ihre Höhepunkt und die

Hausfrau kam kaum noch zur Ruhe.

Am Nachmittag rüstete man in den katholischen Gegenden

zur „Auferstehungsprozession” und das

„Triumpf! Der Tod ist überwunden” pflanzte sich

mit Singen und Glockenläuten fort über das frühlingserwachende

Land.

Wollte dann der Herrgott den schlesischen Kindern

eine besondere Freude machen, ließt er am Sonntagmorgen

eine strahlende und sieghaft lachende

Ostersonne emporsteigen. Diese aufgehende Ostersonne zu

sehen war ein begehrter Wunsch vieler Kinderherzen. Denn die

alten Leute erzählten, daß man inmitten der strahlenden und

glitzernden Sonne das Osterlämmchen erblicken könne.

Josef Wittig, der Glatzer Volksdichter, erzählt uns in seiner

Geschichte von den „Gesprengten Steinen”, wie

sein Vater mit ihm am Ostertag Ostern suchen ging.

Und wie ihm das nicht in den kleinen Kopf hinein wollte,

daß man Ostern erst suchen müsse. Später jedoch habe er

erkannt, wie es der Vater es damals meinte. Ostern suchen


MELDUNGEN – LESERBRIEF 59

– ja das wollten die Kinderherzen alle, aber sie meinten

damit in ihrer einfältigen und natürlichen Art nur die Ostereier,

die selbstverständlich auch in Schlesien nur der Osterhase

legte und in Gärten und Hof versteckte. Des lustigen

Suchens, des freudigen Findens und jubelnden Rufens war

kein Ende. Das Ei – Sinnbild alles Lebens – fehlte natürlich

auch auf der Speisekarte nicht. Und den verlockenden bunten

Farben konnte bestimmt so leicht keiner widerstehen.

Aam Ostermorgen hat es früher in Breslau ein erheiterndes

Spiel des „Eyerlesens” gegeben. Ähnliche

Spiele waren auch reihum im Lande bekannt. So

versuchte man – wiederum in der Lausitz – die Eier auf

schräggestellten Tischen hinunterzurollen, um die am anderen

Ende liegenden Geldstücke zu treffen. Der erfolgreiche

„Schütze” erhielt zur Belohnung das Geld und durfte so

lange im Spiel bleiben, bis er fehlte.

Die Feiertage wurden – wenn es das Wetter auch nur

einigermaßen erlaubte – draußen in Wald und Feld

verbracht. Der Bauer besah sich die ersten grünen

Saaten und die Städter zogen auf das flache Land. So möge

es, im Erinnern an diese heimische, österliche Flur, unser

Herz mit Wärme durchziehen, und wenn wir das Unverlierbare

und Ewige der schlesischen Heimat in uns spüren,

dann haben wir – so glaube ich, auch hier in der Fremde

unser Ostern gefunden. Jochen Hoffbauer; Gefunden in:

Schlesisches Monatsblatt, Jg. 2,1951


Generalsuperintendent Martin Herche beging 60. Geburtstag

Bereits am 21. Februar konnte Generalsupeintendent

Martin Herche seinen 60. Geburtstag feiern – dem

aufmerksamen Leser wird das anhand der Geburtstagsliste

aufgefallen. Auch wenn seit dem großen Ereignis

nun schon wieder drei Wochen ins Land gegangen sind,

war es dennoch damals zu spät für eine Gratulation im Gottesfreund.

Dies sei nun, wenn auch nachträglich, in aller

Form, mit fröhlichem Herzen und den besten Segenswünschen

im Sinn nachgeholt.

Die offizielle Geburtstagsfeier fand am darauffolgenden

Samstag, dem 23. Februar statt und begann mit einer Andacht

in der Görlitzer Frauenkirche. Die musikalische Umrahmung

der gottesdienstlichen Feierstunde lag in den Händen von

KMD Reinhard Seliger, Kreiskantorin Ulrike Scheytt, Landesposaunenwartin

Maria Döhler und der Kantorei. Die Predigt

hielt Bischof Dr. Markus Dröge.

Mehr als 180 Gemeindeglieder, Freunde, Weggefährten,

und Vertreter aus Ökumene, aus regionaler und überregionaler

Politik waren der Einladung in die Kirche und zum anschließenden

Empfang im Wichernhaus gefolgt.

Dieser stand ganz im Zeichen offizieller Grußworte – u. a.

auch vom letzten DDR-Außenminister Markus Meckel – und

zahlreicher persönlicher Glückwünsche und Gratulationen.

Ein reich gedeckter Tisch ludt im Anschluß die Anwesenden

dazu ein, in lockerer Athmosphäre Bekanntschaften zu

schließen, zu erneuern und in regen Gedankenaustausch zu

treten.

ANN

Mitglieder des Kuratoriums und des Vorstandes der Evangelischen

Kulturstiftung überbringen Glückwünsche Foto: ANN

Leserbrief

Der Beitrag „Die Zillerthaler” in den Ausgaben 1+2/2013

veranlaßte Frau Mechthild Thümmel (Greifswald) der Redaktion

zu schreiben:

... Der Artikel über die Zillerthaler in den

beiden letzten Nummern des Gottesfreundes

sprach mich persönlich so an,

daß ich dazu einiges sagen möchte. Der

zuständige Bahnhof meines Heimatortes

Buchwald war Zillerthal-Erdmannsdorf.

Durch das Dorf Quirl fuhren wir auf unseren

Schulwegen nach Hirschberg täglich

auf der Chaussee zwischen der Tiroler

Mühle und einem gleich an Quirl

angrenzenden Tirolerhaus zur Bahnstation, stellten dort

unter dem klassischen Balkon eines weiteren Tirolerhauses

unsere Räder ab und konnten dabei die Zillerthaler Dorfstraße

hinauf sehen, an der weitere Tirolerhäuser aufgereiht

standen, unter ihnen das bekannte, an dessen Balkon die

Inschrift eingearbeitet war „Gott segne unseren König

Friedrich Wilhelm III.”, heute wieder sehr schön restauriert.

Immer wieder lese ich sehr gern in dem Buch „Friederike

Gräfin von Reden – Ein Lebensbild nach Briefen

und Tagebüchern von Eleonore Fürstin Reuß”, Berlin 1888.

Die Aufzeichnungen der Gräfin Reden schildern viel Freude,

viele Begegnungen mit Jung und Alt der Zillerthaler,

deren Anhänglichkeit und Dankbarkeit bei ihrer Ansie-


60

LESERBRIEF – TERMINE

dlung, die Gräfin Reden im Auftrag von Friedrich Wilhelm

III. übernommen hat. Aber es gibt auch viel Arbeit, Mühe

und Ärger mit geistlichen und weltlichen Behörden. Dazu

kommen Heimweh und Unzufriedenheit der Zillerthaler,

als sie die erste lange mühsame Zeit in der Fremde überstehen

müssen, besonders den ersten kalten Winter in

Schmiedeberg. Dort leiden sie auch unter schlechter Unterbringung

und vielseitiger Arbeitslosigkeit. Trotz allem aber

bleibt die Gräfin „ihre Mutter”, wie sie sie nennen, ihre

dankbar empfundene Wohltäterin und Helferin bei der

Ansiedlung in der neuen Heimat. Immer hat Gräfin Reden

bei allem die beratende und stützende Stimme von dem ihr

nahe stehenden König Friedrich Wilhelm III. zur Seite,

dem sie in Freundschaft verbunden ist.

An Johannes Bagg sei erinnert. Als etwa 4-jähriger sitzt

er auf einem Tiroler Wagen, als die Tiroler in Erdmannsdorf

einziehen und singt Choräle so wunderschön, daß der

König auf ihn aufmerksam wird. Er läßt ihn später Gesang

studieren. Opernsänger Bagg ist am russischen Hof tätig,

kommt im Alter in das Riesengebirge zurück, wohnt in

Quirl. Als nach der Revolution die Altersbezüge wegfallen,

lebt er kärglich, wird von Herrenhäusern der Umgebung

gelegentlich zu musikalischen Abenden eingeladen, so

auch in das Buchwalder Schloß. Meine Schwester (geb.

1913) konnte sich noch erinnern, wie sie ihn als großen

stattlichen Zillerthaler zu Besuch in unserem Pfarrhaus

erlebte.

Mir steht noch deutlich das 100-jährige Jubiläum der

Zillerthaler Einwanderung 1937 vor Augen. Am 24. September

waren in Erdmannsdorf die großen Feierlichkeiten,

am 25. nachmittags die Feierstunde am Buchwalder Pavillon.

Ein Foto zeigt, wie mein Vater zur Festansprache zum

Pavillon hochsteigt. Rechts und links am Hügel sind die

Dorfbewohner versammelt, um der Einwanderung der

Zillerthaler und der Gräfin Reden zu gedenken....

Inzwischen sprach ich noch mit einem ehemaligen

Erdmannsdorfer, Herrn Schnabel ... Von ihm hörte ich, daß

Pastor Glatz im Krieg noch eingezogen war und daß die

Gottesdienste von Vertretern gehalten wurden. Zum Ende

des Krieges wäre dann aus Breslau, wie er meinte, Frau

Huberta Körner gekommen. Im Adressenverzeichnis der

kirchlichen Amtsträger von Schlesien von 1946, als Vikarin

Körner geführt, wird sie irrtümlicher Weise dem Ort

Reibnitz zugeordnet. In Erdmannsdorf wurde sie immer als

Pastorin angesprochen. Zwei Jahrgänge soll sie noch konfirmiert

haben. Im Tagebuch meines Vaters wird ein

Besuch von ihr mit Superintendent Bellardi in unserem

Hause erwähnt. Sie war dann im Herbst 1946 in der schweren

Krankheitszeit meiner Mutter helfend und tröstend um

uns. Auch zum Kriegsende und in der schweren Russenund

Polenzeit danach verwaltete Frau Pastor Körner die ihr

dankbare Kirchgemeinde Zillerthal-Erdmannsdorf. Später

soll sie in der Münchener Gegend tätig gewesen sein. Bei

einem Heimattreffen hielt sie noch einmal einen Gottesdienst.

Inzwischen lebt sie nicht mehr.


König Friedrich Wilhelm III. ließ der Gräfin Reden in den

Jahren 1856/57 dieses Denkmal unweit der Kirche Wang errichten.

Foto: ANN

Die Evangelische Gesellschaft für Ost-West-Begegnung e.V. ...

... (früher: Evangelischer Jugenddienst für Ost-West-Begegnung)

weist in ihrem Rundschreiben zum Jahreswechsel

(neben einem Rückblick auf das Jahr 2012) auf ihre

Angebote für das Jahr 2013 hin und lädt zur Teilnahme ein:

A) Jahrestagung vom 6.-8. September in Heiligenstadt:

„Europa aus der Sicht von Mittel- und Osteuropäern.” Die

Jahrestagung soll ein Forum bieten, Erfahrungen, Hoffnungen,

Enttäuschungen, Wünsche und Vorstellungen hinsichtlich

Europas vorzutragen und zur Diskussion zu stellen.

Neben Mitgliedern und oft langjährigen Teilnehmern

an den Angeboten der egb sind auch „Neue” herzlich willkommen!

B) Studien- und Begegnungsreise in die Ukraine

(Odessa und Krim) vom 20.-30. Juli. Begegnungen mit

Kirchen und Gemeinden vor Ort bilden den Schwerpunkt

dieses Angebotes, doch auch Geschichte und Gegenwart

des Landes werden nicht zu kurz kommen.

C) Studien- und Begegnungsreise nach Posen vom 3.-

6. Oktober. Diese fünftgrößte Stadt Polens, die schon öfter

Ausgangspunkt für Erkundungen des Posener Landes war,

soll in diesem Jahr selber Mittelpunkt dieser „kleinen” Reise

sein.

Kontakt: egb, Auf dem Hagen 23, 37079 Göttingen

mail@egb-info.de / www.egb-info.de


AUS DER LESERGEMEINDE 61

GEBURTSTAGE AUS DER LESERGEMEINDE

92. Am 10.04. Herr Pastor i.R. Gerhard Lampe, 46499

Hamminkeln, früher Annaberg/Rüderswald 1/Krs. Ratibor.

Am 11.04. Frau Helene Labitzke, 50767 Köln, früher Gr.-

Ujeschütz.

90. Am 28.04. Frau Hildegard Kreisel, 31812 Bad Pyrmont,

früher Weißstein.

89. Am 13.04. Frau Erna Blase, 80939 München, früher

Breslau.

88. Am 01.04. Herr Pfarrer Dr. Herbert Patzelt, 80809

München, früher Teschen. Am 16.04. Herr Walter Ungelenk,

58093 Hagen, früher Kauffung, Goldberg.

87. Am 09.04. Frau Ilse Born, 07387 Krölpa, früher

Breslau.

86. Am 19.04. Frau Hildegard Heinrich, 91781 Weißenburg,

früher Weißstein/Waldenburg. Am 23.04. Frau

Friedhild Schmitt, 91560 Heilsbronn, früher Saarau. Am

26.04. Herr Pastor i.R. Heinz Lischke, 39261 Zerbst, früher

Breslau.

85. Am 01.04. Frau Dorothea Bergmann, 49186 Bad

Iburg, früher Breslau. Am 03.04. Frau Astrid Berger,

71634 Ludwigsburg, früher Beuthen O/S. Am 25.04. Frau

Wally Himmelmann, 34128 Kassel, früher Heinzendorf/ Wohlau.

Am 26.04. Frau Dr. Eleonore Rau, 02708 Löbau, früher

Brieg.

84. Am 01.04. Frau Erna Rademacher, 91085 Weisendorf,

früher Woitsdorf/Krs. Oels. Am 23.04. Herr Reinhard

Sauer, 73479 Ellwangen, früher Langenbielau/Eulengeb.

83. Am 02.04. Herr Klaus-Ulrich Jacob, 02826 Görlitz,

früher Breslau. Am 08.04. Herr Otto Klages, 30982 Pattensen,

früher Fürstenhagen.

82. Am 04.04. Frau Christine Kroll, 23560 Lübeck, früher

Beuthen O.S.. Am 21.04. Herr Bodo Zapora, 31832

Springe, früher Striese/Trebnitz. Am 26.04. Herr Siegfried

Schönfelder, 48151 Münster, früher Breslau.

80. Am 26.04. Herr Erich Brandt, 28755 Bremen, früher

Gogolin Krs. Oppeln.

79. Am 03.04. Frau Rosemarie Szmais, 51580 Reichshof,

früher Aumälisch, Krs. Sprottau. Am 06.04. Frau

Erdmuthe Becker, 79189 Bad Krozingen, früher Wohlau.

Am 07.04. Herr Walter Dittrich, 55296 Gau-Bischofsheim,

früher Trebnig, Krs. Mückenbach. Am 07.04. Frau

Edelgunde Hauskeller, geb. Eberlein, 13053 Berlin, früher

Glogau. Am 14.04. Herr Minister a.D. Gottfried Milde,

64347 Griesheim, früher Breslau. Am 18.04. Herr Wolfgang

Steffler, 41564 Kaarst, früher Mertschütz. Am 26.04.

Frau Dorothea Schall, Weinhold, 32756 Detmold, früher

Schwiebendorf, Krs. Bunzlau. Am 28.04. Frau Barbara

Metzger, 86720 Nördlingen, früher Hermsdorf.

78. Am 02.04. Herr Wedigo v. Kessel, 37216 Witzenhausen,

früher Breslau. Am 05.04. Herr Hans-Christoph

Menzel, 57258 Freudenberg, früher Schweidnitz/Nieders.

Am 08.04. Herr Neithard v. Stein, 31703 Bad Eilsen, früher

Beuthen O/S. Am 28.04. Herr Hans-Jürgen Fischer, 21079

Hamburg, früher Breslau. Am 30.04. Herr Dr. Erhard

Neumann, 67365 Schwegenheim, früher Schmogau Krs.

Namslau.

77. Am 27.04. Herr Eberhard Prehn, 55583 Bad

Münster am Stein, früher Schweidnitz.

76. Am 19.04. Herr Adrian v. Tschirschky u. Boegendorff,

22393 Hamburg. Am 26.04. Herr Edgar Kraus,

03048 Cottbus, früher Waldenburg. Am 30.04. Herr Dr.

Christoph Olearius, 85757 Karlsfeld, früher Breslau.

75. Am 07.04. Frau Barbara Zähler, 79346 Endingen,

früher Streit, Krs. Schweidnitz. Am 08.04. Herr Dr. Konrad

Buschbeck, 69121 Heidelberg, früher Frankenstein. Am

26.04. Herr Gottfried Leder, 90409 Nürnberg.

74. Am 03.04. Frau Ursula Gütz, geb. Golibersuch,

10249 Berlin, früher Görlitz. Am 08.04. Herr Wolfgang

Felden, 71640 Ludwigsburg, früher Breslau. Am 12.04.

Frau Ute Benning, 02827 Görlitz, früher Görlitz. Am

21.04. Herr Wolfgang Karutz, 71732 Tamm, früher

Christianstadt. Am 28.04. Herr Studiendirektor Ekkehard

Schmidt, 51469 Bergisch Gladbach.

73. Am 23.04. Herr Pastor i. R. Werner Krutscher, 29664

Walsrode, früher Althof/Oder.

71. Am 29.04. Frau Dietlinde Seydel-Roethke, 74321

Bietigheim-Bissingen, früher Hirschberg.

70. Am 23.04. Herr Heinz Geisler, 02894 Reichenbach,

früher Penzig. Am 24.04. Frau Helga Wüst, 71384 Weinstadt,

früher Breslau.

69. Am 24.04. Frau Inge Grimm, 02826 Görlitz, früher

Rüstern/Liegnitz.

EVANGELISCHE GOTTESDIENSTE

IN DEUTSCHER SPRACHE IN SCHLESIEN

Breslau:

an jedem Sonntag um 10 Uhr in der Christophorikirche,

pl. Św. Krzyzstofa 1.

Lauban:

an jedem 2. Sonnabend um 10 Uhr in der Frauenkirche,

al. Kombatantów.

Liegnitz:

am 1. und 3. Sonntag um 13 Uhr

in der Liebfrauenkirche, pl. Mariacki 1.

Schweidnitz:

an jedem 4. Sonnabend um 9 Uhr im Lutherhaus,

pl. Pokoju 6.

Waldenburg:

an jedem 2. Sonntag und jedem 4. Sonnabend um 14 Uhr

in der Erlöserkirche, pl. Kościelny 4.

Bad Warmbrunn:

an jedem 2. Sonnabend in der Erlöserkirche, pl. Piastowski 18.

Jauer

Friedenskirche

Auf Anfrage: Park Pokoju 2, 59-400 Jawor.

Tel. (+4876) 870 51 45. E-Mail: jawor@luteranie.pl

Pfarramt:

ul. Partyzantów 60, 51-675 Wrocław.

Tel. 0048 - 71-3484598. Pfarrer Andrzej Fober

www.stchristophori.eu

christophori@poczta.onet.eu


62

VERANSTALTUNGEN

VERANSTALTUNGEN DER

GEMEINSCHAFT EVANGELISCHER SCHLESIER

Hamburg

Gemeindenachmittage der evangelischen Schlesier

Freitag, 5. April im Gemeindesaal von St. Petri in Altona,

Schmarjestr. 31;

am Mittwoch, den 8. Mai findet der Jahresausflug statt.

LAG Schlesische Oberlausitz

Nächste Zusammenkunft am 6. April 2013 um 10 Uhr

in der Stadtmission, Langenstr. 43, 02826 Görlitz. Die Andacht

hält Altbischof Klaus Wollenweber. OKR i.R. Eberhard Völz wird

zum Thema „50 Jahre Partnerschaft mit Oldenburg” sprechen.

LAG Baden-Württemberg/Stuttgart

Gottesdienst mit Feier des Hl. Abendmahls

mit schlesischer Liturgie am Sonntag Kantate,

28. April um 14.30 Uhr in der Schloßkirche in Stuttgart.

LAG Sachsen-Anhalt/Zerbst

Gottesdienst in schlesischer Liturgie

mit Feier des Hl. Abendmahls am Sonntag Kantate,

28. April um 14 Uhr in der Trinitatiskirche zu Zerbst.

LAG Oldenburg/Bremen

Zusammensein mit Abendmahlsgottesdienst

Sonntag, 28. April, um 15 Uhr

in der Christuskirche in Oldenburg, Harlinger Straße 16-18.

Impressum

Herausgeber:

Gemeinschaft evangelischer Schlesier (Hilfskomitee) e.V.

D 32440 Porta Westfalica, PF 1410, Tel.: 0571-971 99 74,

Bankverbindung: Stadtsparkasse Porta Westfalica

BLZ: 490 519 90 Kto.-Nr.: 26 997

E-mail: info@gesev.de

Verantwortlich für den Inhalt:

Andreas Neumann-Nochten

Hotherstraße 32, D - 02826 Görlitz

Tel.: 03581 - 878988

E-mail: gottesfreund@nochtenart.de

Beiträge/Grafik/Satz/Layout: Andreas Neumann-Nochten

Herausgegeben in Zusammenarbeit mit der

Stiftung Evangelisches Schlesien

Alle Einsendungen: Schlaurother Straße 11, 02827 Görlitz

E-Mail: gottesfreund@kkvsol.net

Druck: JAENSCH & AHRENSMEYER, Porta Westfalica

Sehenswert!

1945 sind ca. 40.000 Flüchtlinge und Vertriebene aus

dem Kreis Militsch-Trachenberg ins Muldental

gekommen. Etwa die Hälfte von ihnen fand hier Aufnahme,

die andere Hälfte wurde nach Sachsen-Anhalt

weitergeleitet. Die Bevölkerungszahl in den Städten

und Dörfern des Muldentals hatte sich bis 1950 um

durchschnittlich ein Viertel erhöht.

In einem Gemeinschaftsprojekt des Kreismuseums

und des St. Augustin-Gymnasiums Grimma wurde

diese sehenswerte Ausstellung erarbeitet.

Eine intensive Zeitzeugenbefragung und die Sammlung

von zeitgeschichtlichen Dokumenten führte zu

einer lebendigen Darstellung der damaligen Lebensumstände:

Wie fanden die Flüchtlinge und Vertriebenen

Aufnahme in den Gemeinden; welche Ausbildung

nahmen sie auf und welchen beruflichen Tätigkeiten

gingen sie nach; wie arrangierten sich die

Neubürger mit den Verhältnissen in der DDR ...

Die Ausstellung konnte mit der freundlichen Unterstützung

des Sächsischen Staatsministerium des

Innern, des Augustiner Vereins und weiterer Partner

realisiert werden. Sie ist zu besichtigen bis zum:

4. August 2013,

Dienstag bis Freitag und Sonntag: 10-17 Uhr

im Kreismuseum Grimma

Paul-Gerhardt-Straße 43, Tel.:03437/911132

www.museum-grimma.de


FUNDSTÜCK 63

Panoramakarte von Schlesien (Ausschnitt) , hgg. durch die Graphische Kunstanstalt Brend'Amour, Sinhart & Co., München 1935;

gezeichnet von Hans Holzapfel, München


64 __

FUNDSTÜCK

Noch einmal Weihnachtsrätsel. Vor wenigen Tagen hatte

ich die Gelegenheit mit einem Einsender des richtigen

Lösungswortes zu telephonieren. Dieser ließ mich wissen,

daß er lange gezögert habe, die an und für sich nicht schwere

Auflösung einzusenden. Es war die Rätselgraphik, die

ihm zwar gefiel, ihm aber als Preis nicht unbedingt zusagte.

Hoffentlich war das nicht der Grund dafür, daß auch

andere Leser nicht am Weihnachtsrätsel teilnahmen, denn

den „Blick auf mein Bücherregal” als Preis zu vergeben

war nie beabsichtigt. Stattdessen haben die sieben Einsender

– wohlgemerkt alle mit richtiger Lösung – die oben

abgebildete Graphik mittlerweile zugestellt bekommen. Es

ist eine im Jahre 2008 als Bleistiftzeichnung entstandene

Abbildung der Burg Kynast. Auf Büttenpapier ausgedruckt

und mit Pastellstiften farbig gefaßt, ist jedem Preisträger ein

unverwechselbares Original zuteil geworden. ANN

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine