Jahresbericht 2010 - Evangelische Jugend von Westfalen

aej.haus.villigst.de

Jahresbericht 2010 - Evangelische Jugend von Westfalen

Eine Welt Zentrum Herne

Arbeitsstelle für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung

Jahresbericht 2010

Jahresbericht 2010 1


Inhaltsverzeichnis

Vorwort 3

1. Eine Welt Arbeit 2009 4

1.1 Regionale Arbeit Eine Welt 4

1.2 Werkstatt Eine Welt 7

1.3 Jugend und Eine Welt in der Evangelischen Jugend 9

von Westfalen

2. Beratungsarbeit im Eine Welt Zentrum 11

2.1 Beratungsstelle für Migrantinnen 11

2.2 Flüchtlingsreferat 13

3. Arbeitsfeld Gemeindekommunikation 16

4. Partnerschaftsarbeit 18

5. Die MÖWe in der Region 19

5.1 VEM 20

5.2 BROT FÜR DIE WELT Westfalen 20

5.3 Arbeitskreis gegen Kinderprostitution 21

5.4 Der Fürbittendienst des Eine Welt Zentrums 21

6. Finanzen/Haushalt 22

7. Stiftung blue planet 23

Impressum

Evangelischer Kirchenkreis

Herne/Castrop-Rauxel

Eine Welt Zentrum Herne

Arbeitsstelle für Gerechtigkeit, Frieden

und Bewahrung der Schöpfung

Geschäftsführer: Martin Domke

Overwegstraße 31

44625 Herne

Tel 02323/99497-0

Fax 02323/99497-11

E-Mail: ewz-info@kk-ekvw.de

Internet: www.ewz-herne.de

gedruckt auf 100 % Recyclingpapier


Vorwort

20 Jahre waren es im Berichtsjahr her,

dass die Mauer zwischen Ost und

West fiel. Mit den Bildern aus 1989

kamen viele Emotionen wieder hoch.

Die Gefühle von Freiheit und Aufbruch

für Viele haben einige seinerzeit

von „blühenden Landschaften“

träumen lassen, während für andere

damit bis heute ein immer härterer

Überlebenskampf einhergeht. Die gegenwärtige

Diskussion um die in

Deutschland schon immer umstrittenen

Hartz IV-Gesetze zeigt unter

anderem, dass es inzwischen schon

fast als „normal“ gilt, wenn die Umverteilung

von Gütern und Ressourcen

zugunsten einer kleinen Minderheit

auf Kosten einer immer größer

werdenden Mehrheit der Menschen

voranschreitet. Neoliberale Propaganda

hat Menschen sozusagen flächendeckend

erreicht, bis tief hinein

in unsere Gemeinden und kirchlichen

Institutionen.

Die in den vergangenen zwei Jahren

grob fahrlässig bis bewusst herbeigeführte

Vernichtung von Privat- und vor

allem Staatsvermögen in Billionenhöhe

durch eine skrupellose Bankmafia

ist freilich nur möglich gewesen, weil

eine relativ große Anzahl auch gutmeinender

Menschen ihr Geld in diesem

maroden System anlegt. Die Bankenkrise

hat es wieder einmal sinnfällig

werden lassen: Unsere Art zu

denken, zu leben und zu handeln ist

nicht zukunftsfähig, eine Änderung

im Verhalten ist freilich auch nicht in

Sicht.

Nun macht sich möglicherweise die

Mehrzahl derer, die Kinder oder Enkelkinder

haben, wenigstens hin und

wieder Gedanken über die Welt, in

der unsere Kinder leben werden.

Wir sind aber noch immer nicht auf

jene Jahre ausgerichtet, in denen

die nachfolgende Generation selbst

erwachsen wird und ihrerseits wieder

ihre Zukunft entwirft. Das liegt

auch daran, dass wir die Gegenwart

verdrängen. Wer immer nur auf Beschleunigung

setzt, verliert das Bleiben-Können.

Wer immer nur ans

Weitergehen denkt, verliert die Fähigkeit,

sich umzusehen und „wahr“

zu nehmen, was ist.

Im vergangenen Jahr haben wir uns

an verschiedenen Stellen mit der großen

Studie „Zukunftsfähiges Deutschland“

beschäftigt, die vom Evangelischen

Entwicklungsdienst und BROT

FÜR DIE WELT gemeinsam mit dem

BUND herausgegeben wurde. Die allermeisten

unserer Aktivitäten in der

Bildungsarbeit in Schulen, Gruppen,

Gemeinden und anderen Kontakten

haben einen unmittelbaren Bezug zu

eben dieser Frage: Wie können wir

auch in Zukunft gut leben? Sie bleibt

eine Herausforderung an die Gegenwart.

Die soll in diesem Jahresbericht erkennbar

sein. Auch im Jahr 2010

werden uns diese Fragen leiten. Denn

noch sehen wir keine Trendwende.

Dazu müssen noch ganz andere

Es begrüßt Sie das neue und alte Team

des Eine Welt Zentrums Herne

Das Team des EWZ im Februar 2010, von links nach rechts:

Adriana Beldean, Karl-Heinz Hoffmann, Markus Heißler, Martin Domke,

Peter Bednarz, Olga Schneider-Kiselman, Florian Bolenz, Petra Stach-Wittekind,

Katja Jähnel, Renate Hildburg, Gabriele Stückemann, Cemo Polat

Mauern fallen als die zwischen Ost

und West: Die Mauern in unseren

Köpfen. Und in unseren Herzen.

Es mag manche verwundern: Nach

dem Jahresbericht 2008 kommt nun

der von 2010. Das ist kein Irrtum

und erst recht nicht wird einfach

ein Bericht ausgelassen. Wir haben

nur die Datierung verändert. So wie

viele andere Organisationen orientieren

wir uns ab sofort am Erscheinungsjahr.

Das ist jetzt eben 2010.

Der Berichtszeitraum geht natür lich

vom 1. 1. - 31. 12. 2009.

Das Team des

Eine Welt Zentrums

Jahresbericht 2010 3


Links: Markus Heißler überreicht Fritz

Pleitgen fair gehandelten Pottkaffee.

Rechts: Im Ratssaal der Stadt

Castrop-Rauxel wird der Titel

Fairtrade-Stadt gefeiert.

1. Eine-Welt-Arbeit

4

1.1

Regionale Arbeit

Eine Welt

Im Berichtszeitraum lagen die Schwerpunkte

der Arbeit in folgenden Bereichen:

Kampagnen und Aktionen,

entwicklungspolitische Bildungsarbeit,

Beratung und Vernetzung, Presse-

und Öffentlichkeitsarbeit sowie

Lobbyarbeit und Außenvertretung.

Aufgabenfelder, Finanzierung

und Personal

Markus Heißler ist als Eine-Welt-

Koordinator im Kirchenkreis Herne/

Castrop-Rauxel sowie als regionaler

Koordinator für entwicklungspolitische

Bildungsarbeit (3/4 Stelle) für diesen

Arbeitsbereich zuständig. Als regionaler

Koordinator unterstützt er

auf vielfältige Weise das bürgerschaftliche

Eine-Welt-Engagement

im Mittleren Ruhrgebiet (Dortmund,

Bochum, Herne, Gelsenkirchen, Kreis

Recklinghausen). Die Personalkosten

der Stelle refinanzieren sich aus dem

Landesprogramm Koordinatoren für

entwicklungspolitische Bildungsarbeit

(KEB) sowie aus Mitteln der EKvW.

Die Sach- und Veranstaltungskosten

wurden im Wesentlichen aus Mitteln

des Evangelischen Entwicklungsdienstes,

über Fördermittel des Landes

NRW für entwicklungspolitische

Bildungsarbeit sowie aus den Beiträgen

von Kooperationspartnern gedeckt.

Kampagnen und Aktionen

Faire Woche 2009: Perspektiven

schaffen – Fair Handeln!

Vom 12. September bis zum 1. Oktober

2009 fand in Herne, Wanne-Eickel

und Castrop-Rauxel wieder die Faire

Woche statt. Das Motto lautete in diesem

Jahr „Perspektiven schaffen – Fair

Handeln!“. In beiden Städten beteiligten

sich über fünfzig Organisationen,

Einrichtungen und Gewerbetreibende

an den Aktionswochen mit insgesamt

über 60 Einzelveranstaltungen. Die

Palette der Aktionen war in diesem

Jahr vielfältig wie nie und reichte von

Theater, einer Multivisionsschau und

fairem Kochen über Verkostungsaktionen

bis hin zu einer Radtour. Hier

einige Beispiele:

- Auftakt in der Kleingartenanlage

„Am Schellenberg“: Lukullisch wurde

in Castrop-Rauxel die Faire Woche

eröffnet. Spitzenkoch Marc Nabereit

kochte mit Kindern Leckeres

mit fairen Zutaten.

- Weltrekord im fairen Kaffeetrinken.

Am 25. September zwischen 10

und 11 Uhr wurden bundesweit über

120.000 Tassen fair gehandelter

Kaffee getrunken. Im Eine Welt Zentrum

unterstützten Oberbürgermeister

Horst Schiereck und Superintendent

Reiner Rimkus sowie 60 weitere

Gäste den Rekordversuch. In Castrop-

Rauxel führte der Weltladen die Aktion

durch, sodass in beiden Städten

fast 400 Tassen zusammen kamen.

- Die FairRadTour de Ruhr: Der

ADFC Herne und der Eine-Welt-Koordinator

machten wieder auf sportliche

Weise auf den Fairen Handel

aufmerksam. In diesem Jahr unterstützte

die Tour die Kampagne „Faire

Kulturhauptstadt Ruhr.2010“, die alle

Kommunen im Revier dazu auffordert,

Produkte aus ausbeuterischer

Kinderarbeit bei ihren Beschaffungen

auszuschließen und vermehrt auf

fair gehandelte Produkte zu setzen.

Mit 60 Radlerinnen und Radlern aus

Herne, Castrop-Rauxel und Bochum

erzielte die Tour einen neuen Teilnehmerrekord.

Fairtrade Stadt Castrop-Rauxel

Seit dem 2. November 2009 darf sich

die Stadt Castrop-Rauxel als Fairtrade-Stadt

bezeichnen. Sie erhielt

als fünfte Stadt in Deutschland diesen

Titel. Mit der offiziellen Übergabe

der Urkunde durch Dieter Overath,

Geschäftsführer von TransFair

Deutschland, ist die Europastadt für

ihr Engagement im Fairen Handel

ausgezeichnet worden. Das Aktionsbündnis

„Fairer Handel“ in Castrop-

Rauxel, das getragen wird vom Weltladen

Castrop, der Verbraucherzentrale,

dem Eine Welt Zentrum, dem

Bezirksverband der Kleingärtner und

von der Lokalen Agenda 21, wurde

vom TransFair Geschäftsführer für

ihr langfristiges Engagement gelobt.

Kulturell umrahmt wurde die Auszeichnungsfeier

durch den Schauspieler

Andreas Peckelsen und der

Band Naneme.

www.castrop-rauxel-trinkt-fair.de

Magna Charta Ruhr.2010

Im Europäischen Kulturhauptstadtjahr

2010 präsentiert sich das Ruhrgebiet

als Modellregion für Europa.

Das Netzwerk Faire Kulturhauptstadt

Ruhr.2010, welches von den beiden

Regionalkoordinatoren in Essen und

Herne koordiniert wird, fordert die

beteiligten Kommunen dazu auf, ein

Zeichen gegen ausbeuterische Kinderarbeit

zu setzen. Sie sollen zukünftig

bei ihren Beschaffungen

darauf achten, dass Produkte aus

illegaler Kinderarbeit ausgeschlossen

und stattdessen verstärkt die Produkte

aus fairem Handel eingekauft

werden. Im Mai 2009 wurde die

Kampagne mit einem Aktionstag im

Essener Grugapark einer breiteren

Öffentlichkeit vorgestellt. Am 12. Juni

2010, dem internationalen Tag gegen

ausbeuterische Kinderarbeit, sollen

alle 53 Kommunen die Magna

Charta Ruhr.2010 im Dortmunder

Rathaus unterschreiben. Bis Ende

2009 haben knapp die Hälfte aller

Kommunen zwischen linkem Niederrhein

und der Hellwegregion ihre

Bereitschaft erklärt, die Magna Charta

zu unterschreiben. Große Städte

sind dabei wie Dortmund, Essen und

Recklinghausen, aber auch kleinere

wie Castrop-Rauxel, Haltern usw..

Eine aktuelle Liste der Städte und deren

Beschlusslage findet sich auf der

Website des Netzwerks.

www.faire-kulturhauptstadt.de


Brotmobil zu Gast in Herne

Heiße Zeiten: Mit Knöllchen

gegen Spritfresser

Jede Menge verdutzte Gesichter

machten Autofahrer am 16. und 17.

Mai in Herne. An der Windschutzscheibe

ihres PKW`s fanden sie ein

Knöllchen, obwohl sie doch ordnungsgemäß

geparkt hatten. Noch verwunderter

waren sie, als sie den Text

ihrer „Verwarnung“ lasen. Sie waren

Teil der der Aktion Klima-Knöllchen,

die im Rahmen der Kampagne

„Heiße Zeiten“ in zehn Städten in

NRW durchgeführt wurde. Auf Einladung

des Eine Welt Zentrums beteiligten

sich in Herne Jugendliche

des Kinder- und Jugendparlamentes,

der Grünen Jugend und der BUND

Jugend. Die jungen Leute verteilten

gemeinsam und selbst organisiert Klimaknöllchen

an besonders umweltschädliche

Autos wie z.B. Sport- oder

große Geländewagen. Alle Klimaknöllchen

gaben auf ihrer Rückseite

zugleich Tipps, wie CO 2 einsparbar

ist. Das Ziel der Aktion war allerdings

nicht, Klimasünder an den Pranger

zu stellen, sondern ins Gespräch zu

kommen, wach zu rütteln und Bewusstsein

zu wecken für eine klimafreundlichere,

zukunftsfähige Lebensweise.

www.heisse-zeiten.org

Brotmobil zu Gast in Herne

BROT FÜR DIE WELT ist seit 50

Jahren ein Begriff. Zum runden Geburtstag

tourt ein Brotmobil durch

ganz Deutschland und machte am

2. April in Herne Station. Das Brotmobil

ist ein Reisebus, der in ein rollendes

Ausstellungsmobil umgebaut

wurde. Viele Bilder aus der Arbeit

von BROT FÜR DIE WELT verzieren

die Außenwände des Mobils.

Im Innenraum wurden vier Projekte

näher vorgestellt: Ein Bananenprojekt

(Fairer Handel) in Ecuador, ein

Ernährungsprojekt in Sierra Leone,

Bildung und Kinderarbeit in Indien

und ein landwirtschaftliches Projekt

in Papua-Neuguinea. In den Vormittagsstunden

war das Mobil zu Gast

im Gymnasium Eickel. Religionslehrer

Günter Harmel hatte den Besuch dort

vorbereitet. 100 Schüler und Schülerinnen

erhielten so die Möglichkeit,

sich mit dem Thema „Eine Welt“

auseinanderzusetzen und die Arbeit

von BROT FÜR DIE WELT kennen zu

lernen. Nachmittags war dann das

Brotmobil auf dem Robert-Brauner-

Platz in der Herner Fußgängerzone

für die Öffentlichkeit zugänglich. Bei

einem fairen Kaffee oder Orangensaft

konnten sich die Besucher des

Mobils sozusagen aus erster Hand

über die Arbeit der Hilfsorganisation

informieren. Darüber hinaus bot der

Weltladen Esperanza fair gehandelte

Produkte zum Kauf an. Die Mitarbeiter

des Eine Welt Zentrums konnten

auch noch zwei Gruppen begrüßen.

Ein Religionskurs der Hiberniaschule

sowie eine Kindergruppe des CVJM

waren gekommen.

Umwelt- und Eine-Welt-Tag im

Revierpark Gysenberg

Mit dem traditionellen Halali wurde

auch in diesem Jahr der 24. Herner

Umwelt- und Eine-Welt-Tag eröffnet.

Eröffnet wurde die Veranstaltung

durch Oberbürgermeister Horst

Schiereck und den Parlamentarischen

Staatsekretär Michael Müller

aus dem Bundesumweltministerium.

Mitorganisator Markus Heißler vom

Eine Welt Zentrum konnte Grüße von

Bundesentwicklungsministerin Heidemarie

Wieczorek-Zeul an die Mitwirkenden

und Besucher übermitteln.

Inner- und außerhalb der Sporthalle

des Revierparks Gysenberg

präsentierten sich 35 verschiedene

Aussteller. Das Angebot war vielfältig,

so wurde z. B. über regionale

Lebensmittel informiert, bei einer

Kunststoffkuh konnte man sich beim

Melken testen und Solarlampen oder

afrikanische Musikinstrumente erwerben.

Stark nachgefragt war auch

der Faire Kaffeeausschank. Am Stand

des Eine Welt Zentrums drehte sich

diesmal alles um die Themen Klimaund

Artenschutz. Aus 49 bunten

Kärtchen mit jeweils einem guten

Vorsatz konnten sich die Besucher

ihren persönlichen Sechser in Sachen

Schöpfungsbewahrung heraussuchen.

Durch den Klimawandel und

andere Eingriffe des Menschen in

die Natur ist auch die Artenvielfalt

weltweit massiv gefährdet. Auf spielerische

Weise wurden die Standbesucher

auch darüber informiert.

Entwicklungspolitische

Bildungsarbeit

Der Koordinator unterstützt entwicklungspolitische

Bildungsvorhaben in

der Region und organisiert auch

selbst Veranstaltungen mit regionaler

Bedeutung. Von NRW-Umweltminister

Uhlenberg wurde Markus Heißler

in die Projektgruppe Globales Lernen

des „Forums Aktion Zukunft Lernen“

berufen.

Zukunftsfähiges Deutschland

Klima, Energie und Finanzkrise waren

die wesentlichen Themen einer Veranstaltung

zu den Bundestagswahlen

am 4. September in der Akademie

Mont-Cenis. Zu der Diskussion mit

den Herner Bundestagskandidaten

hatten das Eine Welt Zentrum des

Kirchenkreises und der Dachverband

der entwicklungspolitischen Gruppen

in Nordrhein-Westfalen, das Eine

Welt Netz NRW, eingeladen. Das

Motto des Abends war „Zukunftsfähiges

Deutschland“. Dies ist auch

der Titel einer Studie, die von BROT

FÜR DIE WELT, dem evangelischen

Entwicklungsdienst und dem Umweltverband

BUND in Auftrag gegeben

wurde. Diese stellt unsere Art

des Wirtschaftens und Lebens stark

in Frage und fordert eine Umkehr in

vielen Bereichen. „Besser! Anders!

Weniger!“ sei das Fazit der Studie,

so Prof. Dr. Wolfgang Reutter vom

Wuppertal-Institut. Er war als Wissenschaftler

an dem Projekt beteiligt

und gab den anwesenden Politikern

Jahresbericht 2010 5


Links: Bildungsurlaub „Weltreligionen

im Ruhrgebiet” zu Gast im Hindutempel

in Hamm

Rechts: Arbeitsgruppe bei

der Regionalkonferenz Afrika Ruhr

6

und den rund 80 Zuhörerinnen und

Zuhörern einen Einblick in die Ergebnisse

der 600-seitigen Studie. Er ließ

keinen Zweifel daran, dass ein grundsätzliches

Umdenken und Umsteuern

in vielen Bereichen notwendig sei.

Ein wesentliches Thema in der anschließenden

Diskussion war die Frage,

wie wir den Klimawandel in den

Griff bekommen. Alle Parteien bekennen

sich zwar grundsätzlich zum Ziel,

die CO 2 -Emissionen bis 2020 bzw.

2030 um 30 bis 40 Prozent zu reduzieren.

Aber die Wege sind doch sehr

unterschiedlich. Insgesamt machte

die Veranstaltung die unterschiedlichen

Positionen der Parteien und

ihrer Kandidaten gut deutlich und

ermöglichte dem Publikum, sich eine

eigene Meinung zu bilden.

Vom Chaos des Finanzsystems

zu einer gerechten Finanzwelt

Die Hintergründe der weltweiten

Finanz- und Wirtschaftskrise und

mögliche Lösungswege standen im

Mittelpunkt einer Veranstaltung, die

der Koordinator gemeinsam mit der

VHS Herne organisiert hatte. Als Referent

konnte der Wirtschaftsexperte

und Chefredakteur von Publik Forum,

Dr. Wolfgang Kessler, gewonnen werden.

Soll es zukünftig nicht genauso

weitergehen wie bisher, brauchen

wir einen radikalen Umbau des

Finanzsystems: Alle Finanzprodukte

müssen durch einen unabhängigen

Finanz-TÜV überprüft werden, die

Kapitalanleger sollen bei Verlusten

mithaften, Steueroasen müssen ausgetrocknet

werden und die Einführung

einer Finanzumsatzsteuer soll

viele Spekulationsgeschäfte unattraktiv

machen und Geld in die

öffentlichen Kassen bringen, so das

Plädoyer von Kessler.

Weltreligionen im Ruhrgebiet

Zum zweiten Mal veranstaltete das

Eine Welt Zentrum und die Volkshochschule

Herne eine fünftägige

Weiterbildung zum Thema „Weltreligionen

im Ruhrgebiet“. Elf Männer

und Frauen aus Essen, Bochum, Gelsenkirchen

und Herne nahmen daran

teil. Sie arbeiteten in unterschiedlichen

Arbeitsfeldern, wie z.B.

im Krankenhaus, beim Arbeitsamt,

bei der Ausländerbehörde oder im

Jugendpfarramt. Gemeinsam war

ihnen, dass sie beruflich Berührungspunkte

mit Menschen aus verschiedenen

Religionen hatten. Das Seminar

im Kontext der „Interkulturellen

Woche in Herne” vermittelte Einblick

in die Religionen, die in unserer Region

zu Hause sind, beleuchtete ihre

Inhalte und Besonderheiten, ohne

die jeweilige Glaubenspraxis auszusparen.

Durch Besuche und Gespräche

vor Ort (orthodoxe Kirche,

Synagoge, Moschee, Hindutempel)

konnten die Teilnehmenden vertiefende

Kenntnisse über die einzelnen

Religionen erhalten.

Beratung und Vernetzung

Das Zentrum ist lokale und regionale

Anlaufstelle für Fragen der entwicklungspolitischen

Bildung. Wichtiger

Bestandteil der Tätigkeit ist die Beratung

von LehrerInnen, SchülerInnen,

PfarrerInnen und MultiplikatorInnen

bei der Vorbereitung eigener schulischer

und außerschulischer Projekte.

Daneben ist der Koordinator Ansprechpartner

für Eine-Welt-Organisationen

und afrikanische Migrantenselbstorganisationen

sowie für

kommunale Stellen in der Region.

Eine Welt (im) Vest

Im Juni 2009 haben sich etwa 50

Eine-Welt-Engagierte aus Weltläden,

Aktions- und Partnerschaftsgruppen

aus dem gesamten Vest in der Friedenskirche

in Datteln getroffen.

Seit Jahren engagieren sie sich in

Gemeinden und Initiativen im Kreis

Recklinghausen für einen fairen Handel,

kämpfen für die gleiche Sache,

aber viele hatten sich noch nie persönlich

kennen gelernt. Unter dem

Motto „Eine Welt im Vest“ hatten

Markus Heißler, vom Eine Welt

Zentrum des Kirchenkreises Herne,

und Detlef Pflaumenbaum, Ökumenereferent

im Kirchenkreis Recklinghausen,

deshalb erstmals zu einem

Erfahrungsaustausch eingeladen.

„Wirtschaft, Handel und Bildung

sind große Themen. Aber beim Eine-

Welt-Gedanken geht es vor allem

um Gerechtigkeit. Sie tragen dazu

bei, dass die Frage nach der Gerechtigkeit

wach bleibt“, sagte der Recklinghäuser

Superintendent Peter Bukowski.

Anschließend tauschten sich

die TeilnehmerInnen über ihre Arbeit,

Probleme und gemeinsame Perspektiven

aus. Die frisch geknüpften Kontakte

will man nicht abreißen lassen.

Gemeinsam wollen sie das Netzwerk

für eine gerechte Welt im Vest ausbauen

und sich im nächsten Jahr

wieder treffen.

Afrika im Ruhrgebiet

Der Initiativkreis (IK) Afrika Ruhr ist

ein Netzwerk von afrikanischen Migrantenselbstorganisationen,

„deutschen“

Eine-Welt-Gruppen und Einzelpersonen.

Er gründete sich zur

Vorbereitung der ersten Regionalkonferenz

Afrika Ruhr in 2007. Seine

Mitglieder engagieren sich für Afrika

sowie für ein besseres Zusammenleben

von Deutschen und AfrikanerInnen.

Über den IK Verteiler wird ein

Kreis von 90 Personen und Organisationen

regelmäßig erreicht und über

Förderprogramme, Veranstaltungen

und Projekte informiert. Der IK wird

von Herne aus koordiniert. Am 7.11.

2009 fand nun die zweite Regionalkonferenz

in Essen statt und in

verschiedenen Arbeitsgruppen wurde

über Bildungschancen für afrikanische

Jugendliche ebenso diskutiert,

wie über die Vermittlung eines

modernen Afrikabildes in Deutschland.

Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Im Berichtszeitraum sind wieder

zahlreiche Artikel und Ankündigungen

über die Arbeit bzw. Projekte

und Aktionen des Koordinators

erschienen. Durch einen eigenen


Aktionsstand zur Zeltwoche des

Zirkus Schnick-Schnack

Eine-Welt-Newsletter informierte er

in der Region über interessante Termine

und aktuelle Entwicklungen in

der regionalen Eine-Welt-Arbeit. Der

Newsletter erschien im Berichtszeitraum

sechs Mal und wurde jeweils

an ca. 300 Empfänger versandt. Bei

der Zeitschrift „Shalom“ ist Markus

Heißler für den Bereich „Gerechtigkeit

in der einen Welt“ verantwortlich.

Shalom ist das Informationsmedium

für den konzilliaren Prozess im

Bereich der Evangelischen Kirche von

Westfalen und wird an alle Gemeinden

und Einrichtungen der EKvW

verteilt.

Landesweite Vernetzung,

Lobby-Arbeit und Außenvertretung

Markus Heißler vertrat das Zentrum

auf den regelmäßigen Zusammenkünften

und Mitgliederversammlungen

des Eine Welt Netz NRW und des

Flower Label Programms (FLP) sowie

bei den Treffen der Arbeitsgemeinschaft

der Eine-Welt-Gruppen im Bistum

Münster und der Evangelischen

Kirche von Westfalen. Weiterhin arbeitete

er in der „Großen AG“ des

Projekts für Fairen Handel mit.

Dankeschön

Im Jahr 2009 wurde die Eine-Welt-

Arbeit durch die Mitarbeit (Praktikum)

von Birte Ahlhaus tatkräftig

unterstützt. Ihr und den zahlreichen

freiwilligen Unterstützern und Unterstützerinnen

sowie unseren zahlreichen

Kooperationspartnern sagen wir

an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön.

1.2

WERKSTATT

EINE WELT

Aufgabenfelder, Finanzierung

und Personal

Die WERKSTATT EINE WELT ist ein

Ort des globalen und ökumenischen

Lebens und Lernens im mittleren und

nördlichen Ruhrgebiet: Sie bietet Bildungsangebote

zu globalen Themen

für Schulen, Gemeinden und Gruppen

an. Die Seminare und Veranstaltungen

richten sich z.B. an Kindergärten,

Schulen, Konfirmandengruppen,

Jugend- und Erwachsenenkreise und

Eine-Welt-Gruppen. Über die Angebote

der WERKSTATT informierten

wir unsere Zielgruppen in der Region

durch unser Jahresprogramm sowie

durch unsere halbjährliche Veranstaltungsübersicht.

Ein weiteres Serviceangebot

ist unsere Mediothek,

die über ein umfangreiches Angebot

an Büchern, Filmen, Spielen etc. zum

Thema „Eine Welt“ verfügt und von

LehrerInnen, PfarrerInnen usw. genutzt

wird.

Das Team der Werkstatt bestand im

Berichtszeitraum aus Petra Stach-

Wittekind (1/2 Stelle) als pädagogische

Mitarbeiterin und Markus

Heißler (1/4 Stelle) als Projektleiter.

Martin Domke und Gabriele Stückemann

gehören zum erweiterten

Team. Olga Schneider-Kiselman (Sekretariat)

und Cemo Polat (Mediothek)

unterstützen die Arbeit, ebenso

wie die weiteren Arbeitsbereiche des

Zentrums. Die WERKSTATT wird von

der westfälischen Landeskirche über

das Amt für MÖWe gefördert und

ergänzt die Angebote der MÖWe-

Regionalstellen im Ruhrgebiet.

Bildung für

nachhaltige Entwicklung

Im Jahr 2002 haben die Vereinten

Nationen (UN) für die Jahre 2005

bis 2014 die Weltdekade „Bildung

für nachhaltige Entwicklung“ ausgerufen.

Die internationale Initiative

will dazu beitragen, die Prinzipien

nachhaltiger Entwicklung weltweit

in den nationalen Bildungssystemen

zu verankern. Der Begriff „Bildung

für nachhaltige Entwicklung“ bedeutet

Bildung, die Menschen dazu

befähigt, globale Probleme vorherzusehen,

sich ihnen zu stellen und sie

zu lösen. Die Arbeit der WERKSTATT

soll dazu einen Beitrag leisten.

Globales Lernen für Kinder

und Jugendliche

2009 wurde die Kooperation mit dem

Projekt „Umweltdiplom für Kinder“

der Stadt Gelsenkirchen fortgeführt.

Besonderes Interesse galt der Veranstaltung

„Wie spielen Kinder anderswo?“,

die gleich mehrere Male

durchgeführt werden konnte. Unter

Leitung von Petra Stach-Wittekind

unternahmen die Kinder eine Spiele-

Weltreise und lernten dabei neue

kreative Ideen aus anderen Erdteilen

kennen. In den Herbstferien waren

wir durch unsere freie Mitarbeiterin

Angelika Pöppel bei der Fairspielten

Kinderakademie in Dortmund sowie

beim Ferienprojekt „Kindsein in

Afrika“ der VHS Dorsten beteiligt.

Eine neue und sehr gelungene Kooperation

ergab sich mit dem Herner

Familienzirkus Schnick-Schnack im

Rahmen des Projekts Zeltwoche unter

der Überschrift „Dschungel“. So

schenkte der Zirkus während dieser

Woche in seinem Café ausschließlich

fair gehandelten Kaffee aus.

Petra Stach-Wittekind bot an einem

Informations- und Aktionsstand den

Zirkusbesuchern neben Schokoladenproben

auch nachdenkenswerte

Rätsel und Informationen an. An

drei Nachmittagen war der Herner

Weltladen ebenfalls vertreten und so

konnten interessierte Gäste die Palette

der fairen Produkte bestaunen und

auch erwerben. In der Fairen Woche

organisierten wir gemeinsam mit der

VHS Castrop-Rauxel und dem Agen-

Jahresbericht 2010 7


Links: Spielideen selber Entwickeln

beim Umweltdiplom

Mitte: Projektwoche

James-Krüss-Grundschule

Rechts: Lesung mit Siba Shakib

8

dabüro eine Reihe von Workshops

zum Thema Klimaschutz sowie Fairer

Handel in den Jugendzentren der

Stadt.

Angelika Pöppel gestaltete in den

dritten Klassen der James-Krüss-

Grundschule in Herne eine Projektwoche

zum Thema Afrika. Anhand

des Kinderbuches „Aminata” lernten

die Kinder und auch die Lehrer sehr

viel Interessantes über den Lebensalltag

in einem westafrikanischen

Land. Besonders viel Spaß machte

den acht- und neunjährigen der Bau

von afrikanischen Hütten aus Ton

gemacht. Zum Ende der Woche

konnten sie dann ihre afrikanischen

Dörfer den Eltern präsentieren. Bei

dieser Gelegenheit fand auch die

Bukavu-Ausstellung des Eine Welt

Zentrums großes Interesse bei Erwachsenen

und Kindern. An der

Robert-Brauner-Schule, Förderschule

mit dem Förderschwerpunkt geistige

Entwicklung, gestaltete Petra Stach-

Wittekind an vier Nachmittagen

ein Unterrichtsprojekt zum Thema

„Menschen in Afrika“ mit den Jugendlichen

der Oberstufe. Die Lehrerinnen

Monika Bölke und Sandra

Lanser hatten ihren Nachmittagsunterricht

für dieses Thema freigehalten

und so waren die Jugendlichen

engagiert bei der Sache. „Spielt man

dort auch Fußball?“, „Wie sieht eine

Wohnung aus?“ und viele weitere

Fragen beschäftigten die Schülerinnen

und Schüler. Die Highlights waren

die Herstellung eines eigenen

Fußballs nach afrikanischem Vorbild

sowie die Verkostung verschiedener

Schokoladen und des dabei verwendeten

Rohrzuckers. Die Kooperation

soll 2010 weiter geführt werden.

An der Erich-Kästner-Schule in

Castrop-Rauxel gestalteten wir eine

Unterrichtseinheit im Rahmen eines

„Schokoladen-Pojektes“. Für die Janusz-Korczak-Gesamtschule

in Castrop-Rauxel

organisierte Markus

Heißler ein Gastspiel des Theaterstücks

„Kaffee statt Koka“.

Ein Angebot speziell für jüngere Erwachsene

waren die Informationsveranstaltungen

zum entwicklungspolitischen

Freiwilligendienst „Weltwärts“,

die wir in Kooperation mit

dem Eine Welt Netz NRW im Herner

Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung,

im Eine Welt Zentrum sowie in

den Volkshochschulen in Herne und

Castrop-Rauxel durchführten.

Die Kirchengemeinden widmeten

der Partnerschaft mit dem Kirchenkreis

Bukavu viele Veranstaltungen.

Besonderes Interesse zeigten die

Mitarbeiterkreise mehrer Kindergottesdienste.

So gab es in der Petrus-

Kirchengemeinde Herne einen Kindergottesdiensttag

und in der Kinderarche

in Castrop gleich drei Sonntage,

an denen sich die Kinder mit

dem Leben Gleichaltriger im Kongo

beschäftigten.

Eine weitere Zielgruppe waren KonfirmandInnen-Gruppen,

so z.B. eine

Gruppe aus der Kirchengemeinde

Castrop, die zu einer „Weltreise“ in

den Seminarraum der WERKSTATT

kam. Einen selbst hergestellten Fußball

nahmen sie zur Erinnerung mit.

Mit den Konfirmanden aus der Gemeinde

Bladenhorst-Zion führten wir

einen Projekttag zum Thema „Wie

leben Jugendliche in Afrika“ durch

sowie mit allen Konfis aus der Petrus-

Gemeinde Herne einen Projekttag

zum Thema „Heiße Zeiten – Klima

schützen“.

Globales Lernen für Erwachsene

Im Januar war Petra Stach-Wittekind

als Referentin zur Allianz-Gebetswoche

eingeladen, um dort die Arbeit

des Eine Welt Zentrums vorzustellen.

Da im Bereich der Evangelischen

Allianz viele internationale Christen

eine Heimat gesucht und gefunden

haben, war das Interesse an der

Partnerschaft mit Bukavu besonders

groß. Auch der Männerdienst Eickel

widmete eine Monatsversammlung

der Partnerschaft mit Bukavu. Bei

mehreren Frauenhilfen sowie dem

Wanne-Eickeler Stadtverband waren

wir zu Gast mit den Themen „Schokolade,

Speise der Götter“, „Partnerschaft

mit Bukavu“, und „Judentum

im Ruhrgebiet mit Synagogenbesuch“.

Darüber hinaus unterstützen

und schulten wir eine Gemeindegruppe

bei der Neugründung eines

Verkaufsstandes für faire Produkte.

In einer Gelsenkirchener und einer

Hertener Kirchengemeinde waren wir

mit den Themen „Schokolade” und

„Faire Weine aus Chile und Südafrika“

eingeladen. Eine bewährte Kooperation

besteht inzwischen mit

dem christlichen Buchladen „Lesezeichen“

in Eickel. Die Inhaberin Margit

Nimz lud Petra Stach-Wittekind

während der Fairen Woche zu zwei

Vorträgen in ihre Räume ein. „Schokolade“

und „Weine aus Chile und

Südafrika“ fanden ein interessiertes

Publikum und führten zu angeregten

Gesprächen. Auch Markus Heißler

war als Referent zum Thema Fairer

Handel zu mehreren Veranstaltungen

eingeladen.

Eine besondere Veranstaltung in

2009 war die Lesung mit der Bestsellerautorin

Siba Shakib. Nach ihrem

internationalen Erfolg mit „Nach Afghanistan

kommt Gott nur noch zum

Weinen“ hatte sie vier lange Jahre

sehr hart an ihrem neuen Buch gearbeitet.

Herne gehörte neben München

und Köln zu den drei Stationen

ihrer Lesereise in Deutschland. Siebzig

Zuhörerinnen und Zuhörer aus

dem ganzen Ruhrgebiet waren der

Einladung von Stadtbibliothek, Eine

Welt Zentrum und VHS gefolgt und

wurden Zeuge einer Weltpremiere:

Siba Shakib las erstmals selbst vor

Publikum aus ihrem neuen Roman

„Eskandar“. Neben den Fragen zum

Roman wurde auch intensiv über die

aktuelle politische Situation im Iran

gesprochen. Anlässlich des Tages der

Menschenrechte luden wir ebenfalls

in Kooperation mit der Stadtbibliothek

Herne u. a. zur Veranstaltung

„Frauen und Kriege“ mit der Publizistin

Dr. Rita Schäfer ein.

Öffentlichkeitsarbeit

Die WERKSTATT vertrat das Zentrum

mit einem Aktions- und Informationsstand

beim Umwelt- und Eine-

Welt-Tag im Revierpark Gysenberg


Dr. Rita Schäfers bei der Kooperationsveranstaltung

mit der Stadtbibliothek

und der VHS

Peter Bednarz als Leiter des

Handlungsfelds Jugend und Eine Welt

sowie bei „9 mal Life”. Anlässlich eines

Empfangs für Herner SchulleiterInnen

präsentierte sich die Werkstatt

gemeinsam mit den anderen Fachbereichen

des Kirchenkreises. Auf diese

Weise konnten neue Kontakte zu den

Schulen geknüpft werden. Auf Einladung

der Gewerkschaften beteiligten

wir uns an der lokalen Kundgebung

zum 1. Mai in Herne mit dem Thema

„Arbeitsrechte im Bananenanbau“.

Die lokalen und kirchlichen Medien

berichteten regelmäßig über unsere

Veranstaltungen und Aktionen.

Ausblick

Auch in 2010 bietet die WERKSTATT

wieder ein spannendes Programm

an. Themen sind u. a. die Fußball-

WM in Südafrika, Behinderung und

Entwicklung oder die sozialen Bedingungen

in der Sportartikelindustrie

und anderes mehr.

1.3

Jugend und Eine Welt

in der Evangelischen

Jugend von Westfalen

Seit Anfang 2009 ist in unserem Zentrum

eine Stelle angesiedelt, die sich

Jugend und Eine Welt“ nennt. In Kooperation

mit dem Amt für Jugendarbeit

der EKvW haben wir Peter Bednarz

als weiteren Mitarbeiter in unserer

Mitte. Ein viel versprechender Anfang

einer hoffentlich längeren Reise. Zunächst

ist sein Arbeitsvertrag bis Ende

2010 befristet.

Situationsbeschreibung und

Einordnung des Handlungsfeldes

Das Handlungsfeld „Jugend und

Eine Welt“ war zuletzt im Amt für

Jugendarbeit der EKvW für mehrere

Jahre nicht besetzt, so dass keine

konzeptionelle und inhaltliche Auseinandersetzung

mit dem Themenfeld

stattfinden konnte. Davon unberührt

blieb ein temporäres Engagement

der MitarbeiterInnen des Amtes

für das Themenfeld in bestimmten

Situationen und eine allgemein

zunehmende Auseinandersetzung,

wenn Elemente weltweiter Verantwortung

in den direkten Handlungsbezügen

sichtbar wurden. Beispielsweise

wurde das Jahresplakat 2009

„Wir retten die Welt“ mit einem

klaren entwicklungspolitischen Anspruch

initiiert.

Die Mitglieder der Evangelischen Jugend

von Westfalen haben sich in

der Vergangenheit mit höchst unterschiedlicher

Intensität dem Thema zugewandt.

Einige Kirchenkreise haben

ein reges Engagement im Themenfeld

entfaltet, u. a. durch die Partnerschaftsarbeit

und die Beteiligung an

der Fairen Woche. Gleiches gilt für

einige Verbände. Nach Angaben der

MÖWe gibt es im Bereich Evangelische

Jugend von Westfalen etwa 120

Partnerschaftsprojekte mit Ländern

des Südens.

Andere Kirchenkreise und Verbände

erlebten ein kurzzeitiges Interesse

am Themenfeld, das jedoch an handelnde

Personen geknüpft war und

schließlich nicht nachhaltig in die

lokale Agenda der Organisation implementiert

werden konnte. Für die

Jugendarbeit erschwerend kommt

hinzu, dass das Themenfeld teilweise

von Aktionsgruppen besetzt ist, die

sich nicht in die Strukturen eingliedern

wollen oder können. So wurde

das Handlungsfeld oft ungewollt für

junge Christen in der verfassten Kirche

verschlossen.

Die zunehmende Verdichtung der

Arbeitszusammenhänge unter den

hauptamtlichen MitarbeiterInnen führt

zu einer Fokussierung der noch leistbaren

Arbeit. Neben den von den MitarbeiterInnen

bevorzugten Themen

bleibt immer weniger Platz für Querverweise

und Vernetzung der Themen

untereinander. „Weltweite Gerechtigkeit“

als Querschnittsthema zu verstehen,

ähnlich wie bspw. Gender Mainstreaming,

hilft wenig, wenn sich

die Wirkungszusammenhänge und

Schlussfolgerungen nicht automatisch

erschließen. Das Beispiel „Biodiesel“

und die Diskussion „Produzieren wir

Getreide für den Teller oder den Tank“

zeigt deutlich, wie komplex die zu behandelnden

Sachverhalte sein können.

Schlichte singuläre Entscheidungen

(schwarz oder weiß) sind nicht möglich.

Das Themenfeld setzt sich vielmehr

mit dem eigenen Lebensstil und

der Vorbildfunktion der verfassten

Kirche auseinander. Bereiche, in denen

wir selbst massive Defizite aufweisen,

sind schwerlich geeignet, Kinder und

Jugendliche zu einem nachhaltigen

Lebensstil motivieren.

Für die Bildungsarbeit ist es ein Erfolg,

Kinder und Jugendliche zu ertüchtigen,

nicht an den Asymmetrien in

Entwicklung und Fortschritt sowie den

Unzulänglichkeiten der Menschen und

der von ihnen geschaffenen Systeme,

zu verzweifeln. „Globales Lernen/Bil-

Jahresbericht 2010 9


Links: Christina Haas (Praktikantin);

Jenifer Rubis (Indonesien) und

Monika Chuji (Ecuador)

Mitte: Bananenbauer Jorge aus

Ecuador (Bildmitte) produziert Bananen

für den Fairen Handel. Hier nach einem

Gespräch mit einer Handelsschulklasse

in Burgsteinfurt

Rechts: TeilnehmerInnen der EJKW 2009

und Referentin des Evangelischen

Entwicklungsdienstes Katja Breyer

Fotos: Peter Bednarz

10

dung für eine nachhaltige Entwicklung“

muss daher mehrdimensional

ausgerichtet sein. Das Verstehen und

Umgehen mit der eigenen Lebensrealität

muss erlernt werden und es

muss erkannt werden, welche Effekte

das eigene Handeln bewirken kann.

Aus dieser Bildungsarbeit muss sich

zwangsläufig ein politischer Anspruch

entwickeln. Den Lauf der Welt verändern

zu wollen und ein „weiter so

wie bisher“ nicht zu akzeptieren,

ist natürlicher Ausfluss dieses Bildungsprozesses.

Diesem Anspruch muss

Raum gewährt werden, wenn entwicklungsbezogene

Bildungsarbeit in

der Kirche eine Relevanz haben soll

und zudem der Jugendverband den

Jugendlichen als handelnde Akteure

eine Heimat sein will.

Evangelische Jugend wird in der

entwicklungspolitischen Szene kaum

noch als Akteur wahrgenommen.

Dies ist beachtlich, hat doch die

konfessionelle Jugendverbandsarbeit

im Wesentlichen die Gründung des

heute größten Fair-Handels-Hauses,

der „gepa“ vorangetrieben und die

Entwicklungen im Fairen Handel begleitet.

Die Jugendverbände sind Mitglieder

zahlreicher Initiativen und Organisationen

beispielsweise „Trans-

Fair”, der Kampagne für „saubere“

Kleidung, der Klima-Allianz und Erlassjahr.

Gleichzeitig laufen Bemühungen,

landeskirchliche Aktionen

wie „Zukunftsfähiges Deutschland 2“

in die Verbände zu tragen. Es finden

jedoch keine oder kaum Vertretungen

auf struktureller Ebene statt.

Zwar haben Einrichtungen und Organisationen

der Evangelischen Jugend

immer wieder Akteure aus

dem entwicklungspolitischen Bereich

für Bildungsmaßnahmen eingeladen,

jedoch erfolgte daraus in der Regel

keine kontinuierliche Zusammenarbeit.

Mit meinem Stellenantritt ist

es mir ein wichtiges Anliegen diese

Situation zu ändern und Evangelische

Jugend als relevanten Akteur

zu positionieren. Mit der Einrichtung

eines Arbeitskreises „Globales

Lernen und Ökumene“ erhoffe

ich mir, für diese Außenvertretungen

künftig haupt- und ehrenamtliche

Mitarbeitenden der Evangelischen

Jugend von Westfalen finden zu

können. So soll eine kontinuierliche

Mitarbeit in diesen Strukturen sichergestellt

werden. Evangelische Jugend

kann durch ihre Organisation als partizipativer

Verband, durch Ihre Reichweite

(ca. 10 Prozent aller Jugendlicher)

und durch ihren Bezug zum

christlichen Glauben und einem daraus

resultierenden Menschen- und

Wertebild wichtige Beiträge in diesen

Zusammenhängen leisten. Nicht zuletzt

geht es um die Gestaltung einer

zukunftsfähigen Gesellschaft.

Ausgewählte Maßnahmen im

Arbeitsbereich Jugend und Eine Welt

Evangelische Jugend informiert sich

Es gelang mit Jenifer Rubis aus Indonesien

und Monika Chuji aus Ecuador

zwei Vertreterinnen von indigenen

Völkern nach Deutschland einzuladen.

Sie berichteten anschaulich und eindrücklich

über die Veränderungen der

Lebenssituation und die Anpassungen

vor Ort. Ein Highlight der Rundreise

war auch die Teilnahme am Jugendforum

des Eine Welt Netz NRW in

Neuss. Aus Indien kamen zwei weitere

VertreterInnen nach Deutschland

und berichteten in Oberhausen über

die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie.

Für eine Schulveranstaltung

in Burgsteinfurt gelang es einen Bananenbauern,

der Früchte für den Fairen

Handel anbaut, aus Ecuador nach

Deutschland einzuladen. Auch für das

kommende Jahr sind verschiedene Begegnungen

möglich.

Ökumene und Globales Lernen

Die Jugendkonferenz der Evangelischen

Jugend von Westfalen berät

mit annähernd 100 TeilnehmerInnen

Angebote zum Globalen Lernen und

setzt sich ein Wochenende mit der

Thematik weltweiter Gerechtigkeit

auseinander. In den Regionen wird

das Thema zunehmend bedeutender.

Ziel: Ein nachhaltiger Lebens- und

Arbeitsstil soll zum Mainstream in der

Evangelischen Jugendarbeit werden.

Wir wollten wissen, ob Fairtrade-

Produkte für Jugendfreizeiten geeignet

sind und sich gegen Pommes-

Currywurst durchsetzen können. Die

Evangelische Jugend Braunfels überzeugt

auf ganzer Linie. Die Aktion

„Fair Trade Produkte auf Freizeiten“

erreichte über 1.000 Jugendliche in

ganz Westfalen und im Rheinland.

Auch in diesem Jahr wird die Aktion

angeboten. Erste Hinweise finden Sie

schon jetzt unter dem Punkt „Handlungsfeld

Jugend und Eine Welt” auf

der Webseite:

www.aej-haus-villigst.de/


2.1

Beratungsstelle

für Migrantinnen

2. Beratungsarbeit im EWZ

gingen leider zurück. So konnte uns alle Frauen „freiwillig“ da. Natürlich

das Diakonische Werk Münster 2009 schweigen selbst die Frauen, die etwas

nur noch mit 1.000 Euro unterstützen. auszusagen hätten, in Anwesenheit

In früheren Jahren waren es 2.500 der Täter.

Euro. Leider fehlt dieses Geld für die Um dieser Tatsache zu begegnen, haben

Leider reicht der Platz an dieser Stelle Arbeit mit den Frauen in einer Zeit, in

wir 2009 verstärkt Öffentlichkeits-

nicht aus, um die Arbeit der Beratungsstelle

der die Zahl der Ratsuchenden wieder arbeit durchgeführt und uns mit den

umfassend darzustellen, wer je-

steigt. So konnten wir 2009 insgesamt verschiedenen Kooperationspartnern

doch an Zahlen, Statistiken und deren 1.241 Frauen Rat, Unterstützung und zusammengesetzt, um nach neuen

Auswertungen Interesse hat, kann uns Begleitung zuteil werden lassen. Davon

Wegen zu suchen. Die Begleitung der

gerne Ende März kontaktieren, denn

waren 42 Frauen zum ersten Mal Polizei bei Razzien wie auch die Beglei-

dann liegt der Abschlussbericht für das in unserer Beratungsstelle.

tung der Gesundheitsämter in Bordelle

Land NRW vor und kann auf Wunsch Hilfen für von Menschenhandel betroffene

und Clubs waren ein Ergebnis. Neue

zugesandt werden.

Frauen und Mädchen war Flyer in verschiedenen Sprachen und

und ist der Schwerpunkt unserer Arbeit.

Größen waren hier sehr hilfreich. Die

Die Mitarbeiterinnen

Zahl der durch uns begleiteten Opfer

der Beratungsstelle

Obwohl Menschenhandel seit einigen von Menschenhandel stieg 2009 tatsächlich

Jahren als sexualisierte Gewalt und

wieder an.

Das Jahr begann mit der eingespielten

auch als Gewalt in ausbeuterischen Eine minderjährige Klientin konnte in

Teambesetzung von Renate Hild-

Arbeitsverhältnissen strafrechtlich de- einer Jugendhilfeeinrichtung unterge-

burg und Olga Kornev. Von August finiert ist, wird nur die Arbeit mit bracht werden. Die Zusammenarbeit

bis Dezember absolvierte die Sozialarbeitsstudentin

Frauen, die Opfer sexualisierter Ge-

mit dieser Einrichtung eröffnete uns

Anna-Lena Fröse walt geworden sind, vom Land ge-

neue Arbeitsinhalte. Die Mitarbeiter

ihr dreimonatiges Praktikum. Dieses fördert. Für männliche Betroffene und der unterbringenden Stelle, der Vormund

Praktikum ist nach der Änderung der Betroffene von Menschenhandel zur

des Mädchens und die zustän-

Studienstrukturen besonders wichtig Ausbeutung der Arbeitskraft gibt es dige Sachbearbeiterin des Jugendamtes

für die Studierenden geworden, um bisher keine finanzielle Förderung.

sowie die Ausländerbehörde

einen Einblick die praktischen Arbeitsfelder

Die geänderten gesetzlichen Rah-

arbeiten eng mit der Beratungsstelle

der Sozialarbeit zu gewinnen, menbedingungen und die EU-Bei-

zusammen.

da es das einzige Praktikum während tritte der Herkunftsländer der Frauen Das Mädchen wird auf ihrem weiteren

des Studiums ist. Sie war eine zuverlässige,

haben zur Folge, dass das Auffinden Weg durch uns begleitet werden. Die

selbstständige Mitarbeiterin. der Opfer in hohem Maße erschwert nächste Hürde ist die Passbeschaffung

Die Zusammenarbeit mit ihr hat Spaß wird. Die Täter fühlen sich sicher und bei der Botschaft in Berlin. Die Mitwirkungspflicht

gemacht.

besorgen den Frauen selbst erforderliche

in aufenthaltsrechtlichen

Da Katja Jähnel im Dezember 2009

Dokumente wie Freizügigkeits-

Belangen hat zur Folge, dass das Aus-

aus dem Erziehungsurlaub zurückkehrte,

bescheinigung oder Gewerbeschein. länderamt einen Besuch bei der Bot-

endete zeitgleich auch der Damit wird verhindert, dass die schaft vorschreiben kann. Das bedeubescheinigung

Arbeitsvertrag von Olga Kornev. Wir Frauen auffallen, und es wird eine tet, dass Kosten für die Reise, in diesem

verabschiedeten uns mit einem weinenden

erfolgreiche Ausbeutung erreicht.

Fall eine Übernachtung, Kosten

und lachenden Auge, denn Schließlich müssen die Betroffenen für eine Begleitperson und Passge-

sie hatte das Glück, völlig übergangslos

alle Ausgaben zurückzahlen bzw. abbühren

in dreistelliger Höhe anfallen.

eine andere Vollzeitstelle zu finarbeiten.

Die Kostenübernahme ist beantragt,

den. An dieser Stelle nochmals ganz Menschenhandel ist ein Kontrollde- ob der Antrag positiv beschieden wird,

herzlichen Dank an Frau Kornev für likt. Jedoch behindern legale Einrei- ist fraglich.

die geleistete Arbeit und alles Gute semöglichkeiten und Freizügigkeit im Die Aussage bei Gericht und der Prozess

für die neue Arbeit.

EU-Gebiet die polizeilichen Ermittlun-

gegen die Täter stehen noch be-

Am 14. 12. 2009 nahm Frau Jähnel gen stark. Da die Frauen als EU-Bürgerinnen

vor, es wird noch ein langer, steiniger

die Arbeit mit 19,5 Wochenstunden

einreisen, sind sie im Ver-

Weg für die junge Frau werden, jevor,

wieder auf.

gleich zu früher nicht mehr illegal in doch ein Weg, den sie nun nicht mehr

Finanziell hat sich in unserer Arbeit der BRD. Damit entfällt jegliche polizeiliche

alleine gehen muss.

bisher nicht viel geändert. Die Förderung

Handhabe bei Kontrollen.

durch das Land NRW und den Früher konnten illegalisierte Frauen zu

Kirchenkreis Herne erfolgte wie in den Vernehmungen mit Dolmetscherinnen

letzten Jahren. Die Höhe der Spenden und Gesprächen in Beratungsstellen

und Zuschüsse Dritter für unsere Arbeit mitgenommen werden. Heute sind

Jahresbericht 2010 11


12

Immer wieder sind Frauen auch

„nur“ von ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen

betroffen. Diese Tatsache

muss auf Bundes- und Landesebene

unbedingt geklärt werden,

damit die Beratungsstellen ein offizielles

Mandat erhalten. Auch diese

Frauen erleben Gewalt, bekommen

wenig oder kein Geld. Sie werden

finanziell und sexuell ausgebeutet.

Auf Bundesebene wird bereits daran

gearbeitet, diese Frauen im Opferstatus

den Opfern der sexualisierten

Gewalt gleichzustellen. Das ist auch

im Interesse der Verfolgungsbehörden,

denn die Frauen werden für

eine erfolgreiche Verurteilung der

Täter dringend als Zeuginnen vor

Gericht benötigt. Die Beratungsstellen

in NRW thematisieren das schon

seit Jahren beim Land und hoffen,

dass die Landesförderung bald auch

diesen Betroffenenkreis in die Förderung

einschließt. Bisher kann hier nur

mit Spenden und anderen Angeboten

geholfen werden.

Darüber hinaus konnten wir feststellen,

dass unsere Aktivitäten nicht

zuletzt auch am Runden Tisch gegen

Häusliche Gewalt der Stadt Herne, in

Bezug auf Zwangsheirat Früchte tragen.

Hier mehren sich die Anfragen,

und auch die Hilfeangebote Dritter

werden zahlreicher.

Eine junge Frau aus dem Vorderen

Orient wandte sich an uns, weil sie

große Angst hatte. Ihre Familie hatte

sie mit einem Mann aus der Heimat

verheiratet. Glück für sie war, dass die

Ehe bisher nur nach islamischem Recht

vollzogen wurde und in Deutschland

nicht rechtskräftig ist. Die Frau ist

in Deutschland aufgewachsen, hat

eine Ausbildung zur Altenpflegerin

gemacht und immer gearbeitet. Sie

verliebte sich in einen jungen deutschen

Mann, mit dem inzwischen

seit einigen Jahren eine Beziehung

hat. Das wollte die Familie mit der

Eheschließung unterbinden. Doch

die junge Frau ließ sich nicht unterkriegen.

Daraufhin wurde sie starkem

psychischen Druck und auch Gewalt

ausgesetzt, wurde schikaniert, vom

Bruder bedroht, die Eltern tauchten

in der Beratungsstelle und auch an ihrem

Arbeitsplatz auf.

Mit unserer Hilfe gelang es ihr, zusammen

mit ihrem Freund und Unterstützung

seiner Familie, in einer

anderen Stadt unterzutauchen. Sie

hat alle Kontakte zur Familie abgebrochen

und will sich ein eigenes

Leben aufbauen. Dennoch sind ihre

Angst und Unsicherheit immer noch

spürbar. Wenn die Familie ihren Aufenthaltsort

erfahren würde, wäre sie

nicht mehr sicher. Davor hat sie Angst.

Wir wünschen ihr Glück und freuen

uns, dass sie den Weg bisher so konsequent

gegangen ist.

Zum Thema Zwangsheirat wird aufgrund

langjähriger Initiative durch die

Beratungsstellen bundesweit politisch

gearbeitet. So ist im Koalitionsvertrag

zum Thema Folgendes zu lesen:

„Zwangsverheiratung ist eine Verletzung

unseres freiheitlich‐demokratischen

Werteverständnisses und eine

eklatante Menschenrechtsverletzung.

Im Kampf gegen Zwangsehen werden

wir einen eigenständigen Straftatbestand

für Zwangsheirat einführen.

Die zivil‐ und aufenthaltsrechtlichen

Nachteile aus solchen Straftaten werden

wir unter dem Gesichtspunkt des

Opferschutzes beseitigen (insbesondere

Rückkehrrecht) und die Beratungs‐,

Betreuungs‐ und Schutzangebote

verbessern.“

Zum einen ist eine Änderung im Strafrecht

geplant. Es wird vorgeschlagen

einen eigenständigen Straftatbestand

im Strafgesetzbuch zu schaffen und

die bisherige Regelung im Rahmen der

Nötigung gemäß § 240 Abs.4 Satz 2

Nr. 1 StGB zu streichen.

Zum anderen soll im Zivilgesetzbuch

im Rahmen der Aufhebung einer Ehe

die bisherige Antragsfrist für die Betroffenen

von Zwangsverheiratung

von einem auf drei Jahre angehoben

werden. (Die Aufhebung einer Ehe

hat im Gegensatz zur Scheidung den

Vorteil, dass das Trennungsjahr nicht

abgewartet werden muss).

Ferner wird der § 1318 Abs. 2 Satz

1 Nr. 1 BGB dahin gehend geändert,

dass Unterhaltsansprüche des genötigten

Ehegatten nicht mehr davon

abhängen, dass die Drohung durch

den anderen Ehegatten oder mit

dessen Wissen vorgenommen worden

ist. Damit wird verhindert, dass

der genötigte Ehegatte nur deshalb

vom Aufhebungsantrag absieht und

das Scheidungsverfahren wählt, weil

er sonst unterhaltsrechtlich Nachteile

zu erwarten hat. Hintergrund ist hierbei,

dass die Drohung beispielsweise

auch durch ein anderes Familienmitglied

erfolgen kann.

Die Gesetzesänderung wäre ein Zeichen

an alle Frauen, die gegen ihren

Willen die Ehe eingehen mussten,

dass sie mit ihren Problemen und

Ängsten, ihrer Wut und in ihrer Hilflosigkeit

ernst genommen werden.

Es ist ein Zeichen, dass sie diesen Zustand

nicht hinnehmen müssen. Sie

bekommen Rechte zugestanden und

das an ihnen verübte Unrecht kann

und soll bestraft werden.

Auf der ständigen Suche nach Kooperationspartnern

im In- und Ausland

war 2009 für uns die Reise nach

Sankt Petersburg eine weitere positive

Erfahrung. Es konnten viele Kontakte

geknüpft werde, was für den

Ausbau eines internationalen Netzwerkes

unerlässlich ist.

Wie die Vernetzung nach außen, so

ist natürlich die Netzwerkarbeit in unserer

Region und bundesweit äußerst

wichtig für ein gutes Funktionieren

der Arbeitsabläufe. Hier ist besonders

der KOK zu erwähnen, eine Koordinierungsstelle

aller Beratungsstellen

für Opfer von Menschenhandel in

Deutschland. Über das Büro in Berlin

ist es uns jederzeit auf sehr kurzem

Weg möglich, in ganz Deutschland

Anfragen zu starten und Informationen

zu erhalten. Gleichzeitig werden

wir regelmäßig über alle neuen

Vorhaben in Politik und Wissenschaft

zu unseren Themen informiert und

können uns selbst einbringen.

Bereits seit vielen Jahren besteht der

Arbeitskreis beim Diakonischen Werk

in Münster, bei dem sich die Bera-


Flüchtlingsreferent Karl-Heinz Hoffmann

besucht eine verunfallte Klientin im

Evangelischen Krankenhaus Castrop-Rauxel

tungsstellen in evangelischer Trägerschaft

zusammenfinden. Hier geht es

in erster Linie um kirchliche und außerkirchliche

Lobbyarbeit für unsere

Arbeitsbereiche und natürlich immer

wieder um Unterstützung auf dem

Wege zur besseren finanziellen Absicherung

der Beratungsstellen.

Die Beratungsstellen für Opfer von

Menschenhandel in Nordrhein-Westfalen

treffen sich darüber hinaus regelmäßig

in der NRW-Vernetzung.

Es ist ein Ort des Austausches, der Fortbildung

und Planung von gemeinsamen

Aktionen auf regionaler und/oder

Landesebene.

Es gäbe viele weitere Kooperationspartner

in der Arbeit zu nennen. Wir

alle versuchen, den Anliegen der

Frauen ein Gesicht zu verleihen und

ihnen einen Weg aufzuzeigen, der

für sie gangbar ist. Nicht immer sind

wir erfolgreich, nicht immer kennen

wir den Ausgang der Geschichten,

häufig bleibt auch bei uns ein Stück

Unsicherheit, was die Zukunft der

Frauen betrifft. Wir freuen uns über

jedes kleine Licht am Horizont und

danken allen, die die Kerzen immer

wieder neu entzünden.

Genannt seien stellvertretend an dieser

Stelle die Kolleginnen in den Frauenhäusern,

die Mitarbeiterinnen der

Gleichstellungsstelle, die Sozialarbeiter

in den Schulen, Krankenhäusern

und anderen Beratungsstellen, die

Rechtsanwältinnen und Dolmetscherinnen,

die Vermieter und Mitarbeiterinnen

von Unterbringungseinrichtungen

sowie die evangelischen und

katholischen Kirchengemeinden, in

denen manche unserer Klientinnen

ein Zuhause und Freunde gefunden

haben. Wir werden auch in Zukunft

auf die bisher so gute und unkomplizierte

Zusammenarbeit bauen.

2.2

Flüchtlingsreferat

Beratungssituation

Im Kirchenkreis leben nach wie vor

ca. 3.200 Flüchtlinge mit und ohne

Aufenthaltsstatus. Genaue Zahlen

lassen sich wegen des hohen Anteils

an Menschen ohne Aufenthaltsstatus

nicht ermitteln. Hauptherkunftsländer

der vom Flüchtlingsreferat beratenen

Menschen waren die Nachfolgestaaten

des ehemaligen Jugoslawien

sowie verschiedene arabische und

schwarzafrikanische Länder. Insbesondere

hervorzuheben sind hierbei

der Irak und der Kongo, zwei Länder,

in denen vermeintlich, unter anderem

mit westlicher Unterstützung die Demokratie

eingeführt ist. De facto herrschen

dort Krieg, Hunger sowie Mord

und Totschlag.

Hauptanliegen der Ratsuchenden waren

drohende Abschiebung, materielle

Armut, schwere physische und

psychische Erkrankungen und im Zusammenhang

mit der Altfallregelung

Fragen zur Passbeschaffung und zur

Wohnraumanmietung. Insbesondere

schwere psychische Erkrankungen haben

so stark zugenommen, dass in

vielen Fällen eine normale Beratung

nicht mehr möglich ist.

Herrschaft ist im Alltag primär

Verwaltung! – Die Altfallregelung

Treffender als mit dem von Max Weber

stammenden Satz „Herrschaft

ist im Alltag primär: Verwaltung!“ ist

Planung und Durchführung der sog.

Altfallregelung kaum zu beschreiben.

Die Kriterien zur Erlangung einer Aufenthaltserlaubnis

nach langjährigem

Aufenthalt sind realitätsfern und in einigen

Punkten geradezu zynisch.

Gerade besonders schutzbedürftige

Menschen wie Alte, Kranke, Behinderte

und Alleinerziehende mit kleinen

oder mehreren Kindern sind wegen

des nicht erfüllbaren Arbeitszwanges

von vornherein von der Regelung ausgeschlossen.

Dazu kommt, dass Menschen, denen

es teilweise jahrzehntelang per Gesetz

verboten war, zu arbeiten, durch das

erzwungene Herumvegetieren in Lagern

nicht nur arbeitslos, sondern in

nicht geringer Anzahl auch arbeitsunfähig

sind. Die persönlichkeitszerrüttenden

Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit

sind mittlerweile auch in den

meisten deutschen Familien bekannt.

Da die meisten Berufs- und Studienabschlüsse

von Flüchtlingen mangels

Dokumenten oder mangels gegenseitiger

Anerkennungsabkommen zwischen

den Staaten nicht anerkannt

werden, bleiben in der Regel nur unqualifizierte

und schlecht bezahlte

Jobs für diesen Personenkreis übrig.

Gerade diese Arbeitsstellen sind größtenteils

der wirtschaftlichen Entwicklung

zum Opfer gefallen. Schafft es

ein Flüchtling doch, eine Arbeitsstelle

zu erhalten, so nehmen die gesetzlichen

Forderungen bezüglich der Höhe

des geforderten Einkommens wahrhaft

astronomische Größe an.

Möchte man ein nicht abschiebbares

ausländisches Ehepaar mit vier Kindern

unterschiedlichen Alters im rechtlichen

Status der Duldung zur Ausreise drängen,

erhält diese Familie ca. 750 Euro

zuzüglich einer Unterkunft. Die Leistungen

nach dem Asylbewerberleistungsgesetz

für diesen Personenkreis

belaufen sich auf ca. 1.100 Euro plus

Miete. Das Existenzminimum einer vergleichbaren

deutschen Familie beträgt

nach Hartz IV erstaunlicherweise ca.

1.600 Euro zuzüglich der Kosten der

Unterkunft. Es reicht nun bei weitem

nicht aus, wenn Flüchtlinge, die in den

Genuss der Altfallregelung kommen

wollen, netto das verdienen, was ihnen

bisher von Amts wegen zustand. Die

sechsköpfige Flüchtlingsfamilie z. B.

müsste plötzlich 1.800 Euro zuzüglich

der Kosten der Unterkunft verdienen.

Warum das Existenzminimum sich für

diesen Personenkreis quasi über Nacht

verdoppelt, konnte amtlicherseits bisher

nicht erklärt werden. Würden die

Behörden an deutsche Familien ähn-

Jahresbericht 2010 13


Bericht der türkischen

Tageszeitung Zaman über die

Arbeit des Integrationsrates

Castrop-Rauxel vom

19. September 2009

14

liche Ansprüche stellen, müsste ein

Großteil der deutschen Bevölkerung

seine Heimat verlassen.

Ein Fallbeispiel

Die aus dem Kosovo stammende Familie

S. lebt seit ca. 10 Jahren in

Deutschland. Die vier Kinder sowie

die Mutter sprechen gut bis sehr gut,

der Vater ausreichend deutsch. Alle

Kinder besuchen die Schule und erzielen

gute Leistungen.

Herr S. fährt an sechs Tagen in der Woche

nach Rheda-Wiedenbrück, um im

Schlachthof eines auf Schalke sehr

populären Mannes als Ausbeiner zu

arbeiten. Zu seinen Aufgaben gehört

es, tote Schweine zu zerlegen. Herr S.

ist Moslem.

Herr S. ist arbeitsbedingt ca. 70 Stunden

wöchentlich außer Haus. Seine

Kinder sieht er nur noch sonntags.

Herr S. erhält monatlich ca. 1.000 Euro

Lohn sowie 800 Euro Kindergeld

für die vier Kinder. Nach Abzug seiner

Fahrtkosten verbleiben der Familie S.

ca. 1.500 Euro monatlich.

Die Familie S. kann davon nach eigenen

Angaben sehr gut leben, ohne

öffentliche Mittel in Anspruch zu nehmen.

Den Kriterien der Altfallregelung

genügen sie damit nicht. Ihr Gesamtnettoeinkommen

müsste ca. 2.640 Euro

betragen.

Die lokale Politik hat diese Probleme

erkannt und reagiert. Der Rat der

Stadt Herne votierte einstimmig für eine

vom Flüchtlingsreferenten über den

Arbeitskreis Flüchtlinge eingereichte

Resolution bezüglich der Umsetzung

und Verlängerung der sogenannten

Altfallregelung. Eine über die Arbeitsgruppe

Flüchtlinge eingebrachte Resolution

des Flüchtlingsreferenten erhielt

in Castrop-Rauxel die einstimmige Zustimmung

des Integrationsrates sowie

kurz darauf auch die Zustimmung des

Stadtrates. Beide Resolutionen waren

sehr dicht an die Entwürfe der christlichen

Kirchen angelehnt. Die Räte und

Bürgermeister intervenierten bei der

Landesregierung bezüglich der Modifikation

der geltenden Regelung.

Leider wurde diese Bitte nicht berücksichtigt.

Die Innenministerkonferenz der Länder

beschloss Ende 2009 eine Fortschreibung

der Altfallregelung. Die geltenden

Kriterien wurden jedoch nicht

zugunsten der Betroffenen geändert.

Die geforderte Streichung der Stichtagsregelung

fand nicht statt. Das

heißt, dass in Zukunft niemand durch

die Dauer seines Aufenthalts in die

Stichtagsregelung hineinwachsen und

weiterhin nur ein Bruchteil der potenziell

infrage kommenden Personen von

dieser Regelung profitieren kann.

Menschen, die in der Vergangenheit

nicht abgeschoben werden konnten,

weil die Konsulate ihrer Herkunftsländer

Reisepässe ausschließlich zum

Zweck der Aufenthaltsverfestigung ausstellten,

müssen nun nach auslaufender

Altfallregelung mit der Deportation

in eine ihnen oft unbekannte

Heimat rechnen.

Um so wichtiger ist es nun, dass die

dem Stadtrat als ausführendes Organ

dienende Verwaltung, wo immer möglich

dem politischen Willen Folge leistet.

Das heißt, dass in jedem Einzelfall

sorgfältig, differenziert und umfassend

geprüft werden muss, wie die

Meistbegünstigung der Betroffenen

realisiert werden kann. Die Politik sollte,

die Kirchen und die Verbände werden

einerseits weiterhin bei den Verantwortlichen

in Land und Bund intervenieren,

andererseits die Verwaltung

bei einer humanitären Umsetzung

unterstützend begleiten.

Ein wenig Statistik

Frauen 35%

Im Berichtszeitraum suchten 144 Einzelpersonen/Familien

zu 526 Einzelberatungen

das Flüchtlingsbüro auf.

Gegenüber 2008 entspricht das einer

Steigerung von ca. 10 Prozent. Dass

wegen der weiterhin steigenden Fallzahlen

die Qualität der Beratungen

Schaden nimmt, soll hier nicht verschwiegen

werden. Die zahlreichen

telefonischen Anfragen sind in dieser

Summe nicht enthalten. Dazu

kamen zahlreiche Einzelberatungen

bei Hausbesuchen und Gruppenberatungen

in den Wohnheimen und

bei Einzelveranstaltungen. Annähernd

65 Prozent der Ratsuchenden waren

männlich. Darüber hinaus fanden 87

nicht einzelfallbezogene Beratungen

statt. Im Bereich der Multiplikatorenund

Öffentlichkeitsarbeit wurden in

Einzel- und Gruppengesprächen sowie

bei Veranstaltungen 2.751 Personen

erreicht. Das entspricht einer

Steigerung von ca. 200 Prozent gegenüber

2008. Der Flüchtlingsreferent

nahm an 33 Arbeitstreffen (Arbeitskreise,

Runde Tische, Ausschusssitzungen,

etc.) teil. Am Zechenring

fanden 170 Spielnachmittage und

schulunterstützende Maßnahmen in

Gruppenform mit insgesamt 1.281

TeilnehmerInnen statt. Menschen aus

32 Nationen nahmen im Berichtszeitraum

die Einzelfallberatung wahr.

Finanzsituation

Die Finanzsituation hat sich gegenüber

dem Vorjahr kaum verändert.

Der veranschlagte Gesamtetat des

Flüchtlingsreferats betrug 65.450 Euro

auf der Ausgabenseite. Die Einnahmen

setzten sich wie folgt zusammen:

28.100 Euro kamen als Fördermittel

für Personalkosten vom Innenministerium

NRW. Das Diakonische Werk

Anteil der weiblichen bzw. männlichen Rat Suchenden

aus der Gesamtmenge der Einzelfallberatungen

Männer 65%


Karl-Heinz Hoffmann mit Flüchtlingskindern

vom Zechenring auf der traditionellen

Cranger Kirmes

Westfalen stellte 1.000 Euro für den

Rechtshilfefonds zur Verfügung. Der

Rechtshilfefonds wurde zusätzlich von

der Stiftung blue planet mit 3.000 Euro

unterstützt. Größter Geldgeber war,

wie in den Vorjahren, der Kirchenkreis

selbst. Er stellte 36.550 Euro zur

Verfügung. Damit legte der Kirchenkreis

erneut Zeugnis davon ab, dass es

ihm ernst ist mit der Verkündigung des

Evangeliums in Wort und Tat.

Rechtshilfefonds

Der Rechtshilfefonds hat sich in der

Vergangenheit als wahrer Segen für die

Betroffenen erwiesen. Nach wie vor

wird insbesondere in den Ausländerund

Sozialämtern der Ermessensspielraum

auf der Ebene der SachbearbeiterInnen

oft bis regelmäßig zuungunsten

der Klienten ausgelegt. Ohne

finanzielle Unterstützung bei den

Rechtsanwaltskosten wären in etlichen

Fällen die Menschen nicht zu

ihrem Recht gekommen. So wurden

z.B. juristische Auseinandersetzungen

um Zahnersatz, Familienzusammenführung,

angedrohte aufenthaltsbeendigende

Maßnahmen und im Zusammenhang

mit der Altfallregelung

im Sinne der Klienten entschieden.

Eingeworbene Spenden und Drittmittel

sollen in Zukunft schwerpunktmäßig

dem Rechtshilfefonds zugeführt

werden.

Integrationsrat Castrop-Rauxel

Die Mitarbeit des Flüchtlingsreferenten

hat bereits im Vorjahreszeitraum zu erfreulichen

Ergebnissen geführt (siehe

Jahresbericht 2008). Durch die konstruktive,

vertrauensvolle Zusammenarbeit

wurden zahlreiche Brücken über

religiöse und politische Differenzen

hinweg geschlagen.

Auch die internationale Presse nahm

von der guten Zusammenarbeit im

Castrop-Rauxeler Integrationsrat Notiz.

So berichtete unter anderem die

größte türkische Tageszeitung Zaman,

Tagesauflage 950.000 Exemplare,

über die Beteiligung von „protestan

kilisesinden papaz Knipp“ und „görevlilerinden

Karl-Heinz Hoffmann“ am

Fastenbrechen der Vorstände der Castrop-Rauxeler

Ditib-Moscheegemeinden

in Dortmund.

Die Legislaturperiode des Integrationsrates

endete im Oktober 2009.

Die neue Verordnung der Landesregierung

bezüglich der Bildung von Integrationsräten

sieht die Berufung beratender

Mitglieder nicht mehr vor. Aus

der Mitte des Integrationsrates wurde

jedoch der Wunsch geäußert, über

eine Änderung der Ratsordnung der

Stadt Castrop-Rauxel die bewährten

Berufungen wieder zu ermöglichen.

Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass

der Flüchtlingsreferent auch dem im

Februar 2010 zu wählenden neuen

Integrationsrat angehören wird.

Interkulturelle Tage/

Interkulturelle Woche

Der Flüchtlingsreferent beteiligte sich

im Frühling des Berichtszeitraums

auch an den Interkulturellen Tagen der

CDU. In diesem Zusammenhang stand

neben einer Podiumsdiskussion und

Informationsveranstaltungen auch ein

Besuch der Mili Görus-Moschee in

Obercastrop an. Wegen mangelnder

Offenheit und Transparenz bezüglich

der Ziele und Methoden dieser Organisation

wird dieser Kontakt nicht weiter

aufrecht erhalten.

An der interkulturellen Woche in Herne

beteiligte sich der Arbeitskreis Zechenring

mit einem interkulturellen

Frühstück. Auch Superintendent Reiner

Rimkus nutzte die Gelegenheit,

um mit Flüchtlingen ins Gespräch zu

kommen. Der Flüchtlingsreferent war

außerdem an der Planung und Durchführung

der interkulturellen Woche in

Castrop-Rauxel beteiligt.

Ökumenischer Arbeitskreis

Zechenring

Die bewährte Arbeit am Zechenring

wurde fortgeführt. Die traditionellen

Aktivitäten wie Besuch der Cranger

Kirmes, Weihnachtsfeier mit den Bewohnern,

Jahresabschluss mit den Ehrenamtlichen

sowie Spielnachmittage

und schulunterstützende Maßnahmen

fanden auch im Jahr 2009 statt.

Sehr positiv wirkt sich aus, dass die

städtische Sozialarbeiterin Christa

Busch-Pinkal weiterhin für den Zechenring

zuständig war. Sie hatte stets

ein offenes Ohr für die Anliegen der

Bewohner und beteiligte sich konstruktiv

an den Aktivitäten des Arbeitskreises.

Leider wird Frau Busch-Pinkal

altersbedingt im Februar 2010 aus

ihrem Dienst bei der Stadt Herne ausscheiden.

Vernetzung und Kooperation

Im Berichtszeitraum kooperierte das

Flüchtlingsreferat sowohl mit Gemeinden

wie z. B. der Zions-Kirchengemeinde

und der St. Barbara-Gemeinde als

auch mit verschiedenen gemeinsamen

Diensten, wie z. B. dem Arbeitslosenzentrum,

der Schuldnerberatung und

dem Jugendreferat. Bei „9 mal live“

schenkte der Flüchtlingsreferent fair

gehandelten Kaffee aus.

Die Kooperation mit einigen Gemeinden

ist noch ausbaufähig. Gemeinsame

Angebote des Synodalen Diakonie-

und Sozialausschusses für die

Gemeinden sollen hier unterstützend

wirken. Die Zusammenarbeit mit der

Caritas und dem Paritätischen sowie

den Gewerkschaften hat mittlerweile

eine langjährige Tradition. Seit einiger

Zeit ist nun auch die Arbeiterwohlfahrt

mit im Boot. Unterstützt wurde

die Arbeit, wie in den Vorjahren, von

Dietrich Eckeberg, dem zuständigen

Referenten der westfälischen Diakonie.

Durch die gute Vernetzung wurde

die Durchführung unterschiedlicher

gemeinsamer Aktivitäten möglich. So

beteiligte sich der Flüchtlingsreferent

unter anderem an der Planung und

Durchführung der DGB-Veranstaltung

zum 1. Mai sowie der Veranstaltung

des Stadtjugendringes zum 9. November

in Castrop-Rauxel. Allen Beteiligten

sei an dieser Stelle noch einmal

herzlich gedankt.

Jahresbericht 2010 15


Der Teilnehmerkreis der MTV im November

2009 in Fulda. Mittendrin auch Gabriele

Stückemann.

3. Arbeitsfeld Gemeindekommunikation

16

Die Aufgabenfelder und

die Mitarbeitenden

In der Arbeitsstelle Gemeindekommunikation

ging es im Berichtszeitraum

wie auch schon in den vergangenen

Jahren schwerpunktmäßig um:

- Kampagnenarbeit innerhalb des

Bündnisses erlassjahr.de – Entwicklung

braucht Entschuldung

- vielfältige Bildungsarbeit zu Fragen

von „Gerechtigkeit, Frieden

und Bewahrung der Schöpfung“

- Begleitung der Weltgebetstagsarbeit

- Begegnungs- und Beziehungsarbeit

im Interreligiösen Dialog und

in der Begleitung der Aussiedler

aus den GUS-Nachfolgestaaten.

Seit Herbst 1998 ist Gabriele Stückemann,

Pfarrerin im Entsendungsdienst,

in dieser Arbeitsstelle im eingeschränkten

Dienst von 50 Prozent

tätig.

Neben den genannten Aufgabenfeldern

beinhaltete ihr Dienst auch:

- Wahrnehmung pastoraler Dienste

im Kirchenkreis Herne

- Mitarbeit in den synodalen Ausschüssen

für „Mission, Ökumene

und Weltverantwortung“ und

„Frauen“

- Mitarbeit im Arbeitskreis „Strukturen“

zur Umsetzung des Leitbildes

im Kirchenkreis

Die Aufgabenfelder im Einzelnen

Neues zu erlassjahr.de –

aus der Kampagnenarbeit

Die globale Finanzkrise im Jahr 2009

bedeutete für zahlreiche verschuldete

Länder des Südens eine deutliche Einschränkung

ihrer Handlungsfähigkeit.

Nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds

und der Weltbank stehen

eine Reihe gerade erst entschuldeter

Länder infolge der Krise erneut vor der

Zahlungsunfähigkeit und es lässt sich

eine neue Schuldenkrise nicht mehr

ausschließen. Insofern war die Lobbyarbeit

für ein Internationales Insolvenzverfahren

(FTAP) in der bundesdeutschen

Finanz-, Entwicklungs- und

Außenwirtschaftspolitik das wichtigste

Handlungsfeld des Bündnisses. Seit Ende

2008 hatte die Entwicklungsministerin

Wieczorek-Zeul diese Forderung

gerade auch für die HIPCs auf ihre politische

Fahne geschrieben. Auch eine

Reihe von CDU/CSU- und FDP-Parlamentariern

konnte als Unterstützer für

diesen Vorschlag gewonnen werden.

Dies führte schließlich dazu, dass die

neue schwarz-gelbe Regierung das

Ziel einer „Internationalen Insolvenzordnung“

in ihrem Koalitionsvertrag

festschrieb.

Nach einer offenen und kritischen Diskussion

über die Zukunft des Bündnisses

hatte die Mitträgerversammlung

im Mai 2008 beschlossen, eine externe

Evaluierung in Auftrag zu geben.

Dieser Prozess wurde im Auftrag

der Bündnisleitung von einer vierköpfigen

Steuerungsgruppe – dazu gehörte

auch Gabriele Stückemann –

von Ende 2008 bis Ende 2009 intensiv

begleitet und von einem Schweizer

Beratungsunternehmen durchgeführt.

Auf der Grundlage der Ergebnisse dieser

Evaluierung beschloss die Mitträgerversammlung

im November 2009,

das Bündnis in seiner bewährten

Struktur fortzusetzen, das Schuldenthema

stärker als bisher mit anderen

entwicklungspolitisch relevanten Themen

zu verbinden, neue Wege in der

Gewinnung und Pflege der Mitträgerschaft

zu beschreiten und das Zusammenspiel

der Gremien zu prüfen. Bei

der Besetzung der Leitungsgremien

wurde die Berichterstatterin in den

Bündnisrat gewählt.

Auf dem Weg zu mehr „Gerechtigkeit,

Frieden und Bewahrung der

Schöpfung“ – aus der Bildungsarbeit

in den Gemeinden

2009 war Gabriele Stückemann zu

zehn Veranstaltungen eingeladen

worden und im Einzelnen bei einem

Frauenfrühstück in der Kirchengemeinde

Holsterhausen, einem Treffen

der Frauenhilfsleiterinnen in Herne,

einem Treffen der Ehrenamtlichen im

Ev. Krankenhaus in Herne, im Synodalen

Frauenausschuss und in sechs

Gruppen in fünf Gemeinden des Kirchenkreises

Herne zu Gast.

Inhaltlich ging es dabei anhand eines

Reiseberichtes um vielfältige Informationen

zur Partnerschaft des

Kirchenkreises Herne mit dem Partnerkirchenkreis

in Bukavu im Ostkongo,

um unterschiedliche Aspekte des

Themas „Wasser und das Menschenrecht

auf Wasser“, um ein Nachdenken

über die Geschlechterrolle in Verbindung

mit der Frage von „Struktureller

Gewalt an Frauen und Mädchen

als andauernder Menschenrechtsverletzung“

und einen Vortrag

zur Fragestellung „Was Familien zusammenhält“.

Für diesen gesamten Themenbereich

als äußerst hilfreich erwies sich die

Teilnahme an einem zweitägigen Besuch

bei BROT FÜR DIE WELT im

November 2009 in Stuttgart.

Viele sind wir, doch eins in Christus –

Zum Weltgebetstag 2009 aus Papua-

Neuguinea

Jeweils am ersten Freitag im März

feiern Frauen in über 170 Ländern

den ökumenischen Gottesdienst zum

Weltgebetstag. 2009 hatten Frauen

aus Papua-Neuguinea, dem „Land

der Überraschungen“, die Liturgie

geschrieben.

Im Vorfeld dieses Tages führte die Berichterstatterin

drei Frauengruppen


Teilnehmerinnen des Interreligiösen

Frauenfrühstücks im Oktober 2009

aus drei Gemeinden in das Weltgebetstagsland

und die Hintergründe der

aktuellen Gottesdienstordnung ein.

Erstmalig lud sie zu diesem Thema

auch Presbyterinnen und andere interessierte

Frauen aus dem Kirchenkreis

zu einem Informationsabend ins Eine

Welt Zentrum ein. Charlotte Spicker,

eine engagierte Mitstreiterin in der

lokalen Eine-Welt-Arbeit und langjähriges

Mitglied im synodalen Ausschuss

für Mission, Ökumene und Weltverantwortung,

gestaltete diesen Abend

mit und wusste mit ihren Erfahrungsberichten

aus ihrem Dienst in Übersee

in Papua-Neuguinea die kleine Zuhörerschar

zu fesseln.

Im Gespräch bleiben und Brücken

bauen – der interreligiöse Dialog

und die Begleitung der ausgesiedelten

Gemeindeglieder

Der interreligiöse Dialog findet im

Kirchenkreis Herne vor allem zwischen

Christen und Muslimen statt.

Die Islambeauftragte des Kirchenkreises,

Pfarrerin Katharina Henke,

unternimmt einiges, um diesen Dialog

voranzutreiben. Das Eine Welt

Zentrum unterstützt sie darin.

Bereits im Jahr 2007 ist Gabriele Stückemann

in die christlich-islamischen Gespräche

der Herner Volkshochschule

mit eingestiegen – eine Möglichkeit

für interessierte Laien muslimischer

und christlicher Religionszugehörigkeit

zur Begegnung und zum inhaltlichen

Austausch über religiöse und gesellschaftliche

Fragen. Diese Gespräche

umfassen drei Abende pro Halbjahr

und haben einen Teilnehmerkreis von

ca. 50 Personen. Inhaltlich werden

diese Gespräche von einem Kreis vorbereitet,

der sich aus Vertretern der

Volkshochschule, des Integrationsrates

und der Moscheevereine sowie der

beiden christlichen Kirchen zusammensetzt.

Im Jahr 2009 hatte die Berichterstatterin

zwei der Abende inhaltlich und

organisatorisch mit zu verantworten.

Sie beschäftigten sich mit den Fragestellungen

„Wie frei ist der Mensch? –

Zwischen Religionsfreiheit und Missionsauftrag“

und „Ist Allah auch der

liebe Gott? – Interreligiöse Erziehung

im Kindergarten“.

In Zusammenarbeit mit der Islambeauftragten

gibt es seit 2007 ein Interreligiöses

Frauenfrühstück in Herne. Das

Treffen möchte Frauen verschiedener

Religionen im Rahmen eines Frühstücks

die Chance bieten, Kontakte

zu knüpfen und über Lebens- und

Glaubensfragen ins Gespräch zu kommen.

Das erste Treffen im Jahr 2009

fand zum Thema „Eine Tochter ist kein

Sohn – Von der Freude und Bürde, ein

Mädchen zu sein“ im März in der Kirchengemeinde

Bladenhorst-Zion statt.

Darauf folgte ein Zweites zum Thema

„Mein Glaube – Privatsache und doch

öffentlich?“ während der Interkulturellen

Woche im Oktober in der DITIB-

Moschee. Zu beiden Veranstaltungen

kamen rund 60-80 Frauen – je zur

Hälfte Muslima und Christinnen.

Der Aussiedlerarbeit im Kirchenkreis

Herne gehen der mittlerweile längst

pensionierte Pfarrers Ulrich Hentzelt

und seit Ende 2006 die Berichterstatterin

gemeinsam nach.

Die Ausreise aus einem der GUS-

Nachfolgestaaten nach Deutschland

stellt einen schweren Einschnitt im

Leben der Aussiedler dar. Es ist nicht

einfach nur ein Umzug, sondern hat

mit Entwurzelung und neuer Beheimatung

zu tun. Zudem haben nur

wenige von ihnen kirchliche Vorerfahrungen.

Sie sind zwar meistens getauft,

aber oft fehlen ihnen Grundkenntnisse

in Sachen Glauben.

Die Arbeit mit den ausgesiedelten

Menschen geschah im Berichtszeitraum

in erster Linie als Seelsorge

und Beziehungsarbeit. Ermutigung

angesichts der bestehenden Sprachprobleme,

Stärkung des Selbstwertgefühls,

Unterstützung beim Leben

in Deutschland, Verkündigung der

biblischen Botschaft, Vermittlung von

Grundkenntnissen in Glaubenssachen

und Hilfe beim Heimatfinden in unseren

Kirchengemeinden waren und

bleiben die zentralen Aufgaben.

Neben der persönlichen Begleitung

gibt es einen monatlichen Gesprächsabend,

der von einer kleinen Gruppe

von Frauen im Alter von 30 bis 45

Jahren regelmäßig besucht wird. Im

Jahr 2009 standen die 10 Gebote und

das Vaterunser im Mittelpunkt der

Abende.

Pastorale Dienste und Aufgaben

im Kirchenkreis

Im Jahr 2009 hat Gabriele Stückemann

neun Gottesdienste in fünf

Gemeinden und zwei Krankenhäusern

gehalten und zwei Bestattungen

durchgeführt.

Zudem hat sie nun schon zum sechsten

Mal zusammen mit Pfarrer Wolfgang

Henke von der Kreuzkirchengemeinde

zu Einkehrtagen ins „Haus

der Stille“ in Bethel eingeladen. Jeweils

am letzten Wochenende im Januar

beschäftigt sich ein Teilnehmerkreis

von ca. 20 Personen intensiv mit

einem biblischen Thema, verbringt

eine längere Zeit mit Schweigen,

nimmt an den Tagzeitgebeten der

Betheler Schwesternschaft teil und

feiert gemeinsam Gottesdienst.

In den diesjährigen Einkehrtagen

hatten sie sich die „Stille vor Gott“

vorgenommen – ein Thema mit Tiefgang

und mit viel Gewinn!

Die ständige Mitarbeit in zwei synodalen

Ausschüssen sowie im Arbeitskreis

für „Strukturen“ zur Umsetzung

des kreiskirchlichen Leitbildes hat die

Berichtende als Bereicherung erlebt.

Ausblick

Wie schon in den Jahren zuvor wurde

auch im Jahr 2009 in Veranstaltungen

und Gottesdiensten, in Kontakten zu

einzelnen Kirchengemeinden und auch

z.T. in der Wahrnehmung kreiskirchlicher

Aufgaben vielfach über „den

eigenen Tellerrand“ geschaut und gemeinsam

über die Ungerechtigkeit dieser

Welt, Gottes Verheißungen und unser

Zutun nachgedacht. Dass dieses

Sehen, Hören und Handeln nicht

nachlässt, sondern eher zunimmt –

das bleibt eine wesentliche Aufgabe

auch im Jahr 2010!

Jahresbericht 2010 17


Links: Mit einem feierlichen Akt wurde

die Grundsteinlegung für die neue Schule

begangen.

Rechts: Schon kurze Zeit nach der Grundsteinlegung

ist ein großer Teil der Mauern

errichtet.

4. Partnerschaftsarbeit

18

Die Partnerschaftsarbeit hat im vergangenen

Jahr einen erheblichen Auftrieb

erfahren. Die hervorragende Arbeit der

CBCA, unserer Partnerkirche auf nahezu

allen Ebenen, hat bei zwei Besu chen

des Berichterstatters, im Dezember mit

Markus Heißler gemeinsam, wichtige

Impulse erhalten. Entscheidenden Anteil

daran hat die kluge Entscheidung

der Kirchenleitung, in Bukavu einen

neuen Superintendenten einzusetzen.

Er ist uns als ein kommunikativer und

freundlicher Mensch in Erinnerung, der

aufgrund seiner soliden Ausbildung

und Erfahrungen in den letzten Jahren

gute Führungsqualitäten mit sich

bringt. Schon acht Wochen nach seiner

Einsetzung hat er ein Seminar für

Pfarrer einberufen, zu dem alle, auch

die aus den Hunderten Kilometer entfernten

Gemeinden kamen. Wir konnten

regelrecht spüren, welchen Aufwind

die neue Offenheit zum gegenseitigen

Austausch mit sich brachte.

Zu den Projekten

Jatropha

Im Dezember 2009 hat eine vierköpfige

ExpertIn nen-Gruppe unter Federführung

des wissenschaftlichen Büros

BEST eine einwöchige Reise nach Tansania

unternommen, um sich vor Ort

für Anbau-, Verwendungs- und Vermarktungsmöglichkeiten

schulen zu

lassen. Diese Gruppe aus Agrarexperten

und Frauen, die wissen, was an der

Basis gebraucht wird, soll noch in die -

sem Frühjahr Vorschläge für die Umsetzung

im Ostkongo, vor allem in der

Ruzizi-Ebene machen. Das ist insofern

von Bedeutung, als Jatropha in der Bioenergie-Debatte

immer stärker unter

Druck gerät. Da gilt es, in kleinem, lokal

verantwortetem Maßstab eine sinnvolle

Nutzung auf den ver schiedenen

Ebenen zu zeigen und beispielsweise

den Frauen Unterstützung bei der

Energiegewinnung zu geben. Auch

Wiederaufforstung in der fruchtbaren

Ebene ist ein wesentliches Thema, das

hinsicht lich des Einsatzes von Jatropha

im Kongo jetzt richtig erforscht wird.

Eine Schule für Bukavu

Das zweite große Thema der Partnerschaftsarbeit

ist der Bau einer Schule

im äußeren Umfeld von Bukavu.

Dort haben sich in den letzten zehn

Jahren sehr viele Flüchtlinge angesiedelt.

Nach jahre langer Untätigkeit

haben viele internationale Hilfsorganisationen

inzwischen begriffen, wie

drama tisch die Lage vergewaltigter

Frauen und Mädchen ist. Das führt zu

einer fast schon grotesken Hil fewelle

von unzähligen internationalen, aber

auch lokalen Nichtregierungsorganisationen,

bei der wieder einmal die

Frage auftaucht, welche Rolle der

Hilfe eigentlich zusteht und in wie

weit sie auch Menschen entmündigt.

Unsere Partnerkirche hat sich die

umfassende Unterstützung dieser

Frauen und Mädchen zum Ziel.

Gedacht ist an einen Schulkomplex

mit Primar- und Sekundarschule sowie

an geschlossenen Gesundheits- und

Beratungseinrichtungen. Nachdem

ein Antrag bei einer großen deutschen

Stiftung für die Finanzierung des

Schulneubaus scheiterte, haben wir

aus dem Kirchenkreis tief in die Rücklagen

gegriffen und den Beginn des

Baus der Grundschule noch im Dezember

ermöglicht. Den Verantwortlichen

im Kirchenkreis Herne/Castrop-

Rauxel, vor allem aber den Gemeinden

und nicht wenigen auch größeren

Privatspende rInnen sei an dieser Stelle

ganz herzlich gedankt. Bei einem geplanten

Besuch des Berichterstat ters

Mitte 2010 wollen die Schulbehörden

der Partnerkirche schon die fertige

Grundschule präsen tieren. Dabei wird

es dann sicherlich um die Inneneinrichtung

der Schule und weitere Maßnahmen

zur Qualitätssicherung gehen.

Die Fortschritte bis zur Drucklegung

des Berichts lassen alle Planungen als

durchaus realistisch erschei nen.

Für die weitere Finanzierung der Schule

und für evtl. notwendige Transporte

wurde die Gründung eines Vereins

notwendig. Körperschaften des öffentlichen

Rechts sind in mancher Hinsicht

von öffentli cher Förderung ausgeschlossen.

Also musste ein Verein

her. Dieser hat inzwischen seine Arbeit

aufgenommen und wird in Zukunft

auch vom Eine Welt Zentrum

als Instrument der Öffentlich keitsarbeit

genutzt werden.

Petra Stach-Wittekind hat mit großem

Einsatz in den Gemeinden und

Schulen des Kirchenkreises und darüber

hinaus für Bukavu gewor ben

und die Arbeit als Vorsitzende des

Ausschusses intensiv begleitet. Ihr

und dem Ausschuss sei an dieser

Stelle herzlich gedankt.

Auch Gabriele Stückemann und der

Berichterstatter sind in den Gemeinden

mit dem Thema Bukavu häufig

unterwegs gewesen. Die Gemeinden

selbst haben oft genug wieder

ihre Kollekten und Teile ihrer Erlöse

auf Basaren und Festen für Bukavu

zur Verfügung gestellt. Nur so kann

die Partner schaft auf die Dauer ihr

Gesicht bewahren. Wir hoffen sehr,

dass es in Zukunft auch wieder Begeg

nungen in unserem Kirchenkreis

geben kann. Die Visavergabepraxis

der deutschen Botschaften im Blick

auf kongolesische Menschen stellt

dabei freilich eines der größten Hindernisse

dar, einige nennen so etwas

wohl nicht zu Unrecht einen strukturellen

Rassismus. Er hat entscheidend

mit der europäischen (Anti-)

Einwanderungsstrategie zu tun.


Teilnehmende an der Internationalen

Konferenz zum Thema Kinderarmut

5. Die MÖWe in der Region

„Mission, Ökumene und kirchliche

Weltverantwortung”: Die MÖWe-

Ar-beit hatte 2009 ein klares Schwerpunktthema:

„Kinderarmut in der

einen Welt”.

Die internationale Konferenz

zum Thema Kinderarmut

Diese Konferenz fand vom 29.10.

bis zum 5. 11. 2010 in Gelsenkirchen

und Haus Villigst statt. Unser Zenturm

hat sie zu einem Großteil verantwortlich

mitgestaltet.

Expertinnen und Experten aus der

ganzen Welt haben die vielen Aspekte

von Kinderarmut miteinander

diskutiert und traten in einem

Schlussplädoyer vor allem für die

strukturelle Überwindung von Armut

ein. Eine Dokumentation dieser

Tagung ist als DVD in unserem Zentrum

erhältlich.

Einer der wesentlichen Impulse kam

in dieser Woche sicherlich aus der

Church of Scotland. Deren Entscheidung

zu einer gezielten Förderung

von armen Gemeinden in ihrem Verantwortungsbereich

hat die Arbeit

der Kirche wesentlich verändert. Die

Kontakte mit der schottischen Kirche

sollen 2010 vertieft werden.

MÖWe-Gelsenkirchen

und Wattenscheid

Die Partnerschaft mit Morogoro

Die Arbeit in Gelsenkirchen gestaltet

sich durch eine rege und intensive Ausschussarbeit

als anregend und effektiv.

Zentraler Punkt 2009 war der Abschied

von Flora und Yordan Matandika

und ihren Kindern. Die sechs

Jahre, die das Ehepaar Matandika

in Gelsenkirchen war, zählen zu den

Bereicherungen, die der Kirchenkreis

in der vergangenen Zeit erlebt hat.

Das Auswertungsgespräch brachte

die Höhen und Tiefen einer solchen

gemeinsamen Zeit zur Sprache.

Nachhaltig verändert hat sich das Leben

der Matandikas durch eine krankheitsbedingte

Lähmung des Rückgrats

bei Yordan, aufgrund derer er

zur Zeit der Abfassung des Berichts

wieder in Deutschland ist, um eine

effektive Therapie zu erhalten.

Stipendienprogramm der

Kress-Stiftung für Schülerinnen

und Schüler in Tanzania

Wichtiger Schwerpunkt der Partnerschaftsarbeit

ist gegenwärtig ein Förderprogramm

der Gelsenkirchener

Privat-Stiftung Rudi und Rene Kress.

Es soll die Ausbildung von Kindern sicherstellen,

deren Familien keine Mittel

für die Schulbildung ihrer Kinder

haben. Die ersten Abschlüsse sind jetzt

gemacht, allerdings dauert es wohl

noch eine Weile bis eine nach europäischen

Vorstellungen geführte Übersicht

und Verwaltung dieses kleinen

Projekts ausgebaut ist. Eine Reise

wird 2010 vielleicht mehr Klarheit

bringen.

Zudem wurde ein Neubau der Diözesanverwaltung

notwendig. Hier flossen

Mittel, um sozusagen die Arbeit

der Superintendentur in Morogoro

sicher zu stellen.

Klimagerechtigkeit vor Ort

Durchgängiger Schwerpunkt der

Ausschussarbeit war die Beschäftigung

mit den Themen der Klimaallianz.

Außerdem wurde eine Arbeitsgruppe

zum Ausbau des ökofairen

Beschaffungswesens eingerichtet,

die sich gezielt den Anfragen, die zu

diesem Bereich aus Gemeinden und

Fachbereichen kommen, widmet und

zugleich Strategievorschläge zu einer

besseren Umsetzung in diesem Bereich

erarbeitet.

Der Ausschuss hat sich auch mit den

kreiskirchlich verordneten Fragebögen

zur kirchlichen Arbeit in Gelsenkirchen

befasst, die eine Prioritätendiskussion

erleichtern sollten. Insgesamt wurde

diese Maßnahme von Seiten des

MÖWe-Ausschusses sehr kritisch gesehen.

In Gelsenkirchen hat die Ökumene-

Beauftragte den Vorsitz der ACK, sodass

darüber eine gute Vernetzung

auch in andere kirchliche Bereiche der

Stadt sicher gestellt. Einige Gemeinden

sind sehr selbstbewusst und selbständig

mit ökumenischen Themen

beschäftigt.

MÖWe-Bochum

In Bochum liegen die Dinge etwas anders,

obwohl sich beide Städte sozusagen

einen Abschnitt teilen: Wattenscheid

liegt auf Bochumer Boden, ist

kirchlich aber fest in Gelsenkirchener

Hand. Der Ausschuss liegt seit 4 Jahren

in der Verantwortung von Anja

Vollendorf, deren zielstrebiges Vorgehen

zu einer Belebung der Ausschussarbeit

geführt hat.

Der MÖWe-Ausschuss Bochum trifft

sich seit einiger Zeit gewissermaßen

standesgemäß im Ökumenischen Studienwerk,

neben dem das Thomaszentrum

als zuständige Gemeinde liegt.

Einen breiten Raum nahm in Bochum

der Aufbau einer neuen Partnerschaft

mit dem schottischen Kirchenkreis

Fallkirk ein. Diese Beziehung zweier

Kirchenkreise in Europa war schon länger

ins Auge gefasst, gewinnt aber gegen

Ende des Jahres konkrete Formen.

2010 ist ein erster Besuch einer kleinen

Delegation in Schottland geplant, bei

der seitens der MÖWe Thomas Krieger

mit von der Partie sein wird.

Hauptevent in Bochum war 2009 sicherlich

die landeskirchliche Visitation,

zu der die Ausschussvorsitzende einen

kurzen Bericht verfasst hat, aus dem

Jahresbericht 2010 19


BROT FÜR DIE WELT Eröffnung 2009 auf

dem Düsseldorfer Flughafen

die wichtigsten Arbeitsfelder im Berichtsjahr

hervorgehen. Neben der genannten

Partnerschaftsarbeit sind hier

die Frage des Umgangs mit (Kinder-)

Armut im eigenen Land zu nennen, zu

dem der Ausschuss sich einen Abend

lang zusammen mit einem Vertreter

der ARGE traf. Die Beschäftigung

der Arbeitsfelder Klima/Energie und

Flüchtlingsarbeit trat 2009 etwas in

den Hintergrund, auch dadurch bedingt,

dass die zuständige Fachfrau

Eva Maria Ranft für ein halbes Jahr

nicht in Bochum war.

Weitere Punkte waren die Beschäftigung

mit dem ökumenischen Modellprojekt

(s.u. RAK) sowie eine ausführliche

Wahrnehmung der Globalisierungsvorlage

der EKvW. Thomas

Krieger von der MÖWe hat als Ausschussmitglied

mehr als einmal seine

fachliche und menschliche Kompetenz

eingebracht.

5.1

VEM

Die Vereinte Evangelische Mission hat

im vergangenen Jahr ihren Kurs, die internationalen

Beziehungen gerade

auch im Bereich Klimaveränderung

und Menschenrechte zu vertiefen, erfolgreich

fortgesetzt. Die Veränderungen

brachten allerdings einige Schwierigkeiten

mit sich, die sich auf die Arbeit

unmittelbar auswirkten.

Die neuen Verantwortlichen für die

Partnerschaftsarbeit David Tulaar, Monica

Hirsch-Reinshagen und Kristin

Jäger haben sich als Team offenbar gut

zusammen gefunden, so dass es tatsächlich

sein könnte, dass auf diese

Weise die Partnerschaftsarbeit gestärkt

aus der Krise hervor geht.

Das vorzeitige Ausscheiden von Sadrack

Djiokou aus der Leitung des

Afrikareferats hat zusätzlich für Unruhe

gesorgt. Erst gegen Ende des Jahres

wurde deutlich, dass eine Interimslösung

gefunden wird.

Da wir durch die langjährige Freundschaft

mit Kakule Molo und den guten

Kontakten zur Kirchenleitung in

Goma stets direkte Kontakte in unsere

Partnerkirche und ihrer Leitung haben,

sind für die direkte Arbeit mit Bukavu

diese Entwicklungen allerdings nur

von sekundärer Bedeutung.

In die JPIC-Arbeit ist unser Zentrum

über den Berichterstatter schon lange

eingebunden. Er wurde bei der konstituierenden

Sitzung des neuen Ausschusses

in 2009 als Vorsitzender des

JPIC-Ausschusses der deutschen Region

gewählt. Hier liegt die Verbindung

von Menschenrechtsarbeit und

den Themen von verantwortlichem

Leben angesichts der Bedrohungen

durch den Klimawandel weltweit auf

der Hand. Ob in der neuen Struktur

der VEM diese Arbeit ihren zentralen

Status innerhalb der ganzen Organisation

wird halten können, muss

sich zeigen. Ermutigend sind aber

immerhin die vielfältigen Erfolge

auch auf internationaler Ebene, die

durch die professionelle Arbeit in der

JPIC-Abteilung möglich vorzuweisen

sind.

Das Ökumenische Netz Zentralafrika

(ÖNZ) ist eines der Aktivitäten, die

durch uns immer wieder unterstützt

wurde. Die Stellvertretung von Jochen

Motte im Koordinierungskreis

hat im Berichtszeitraum zwar keine

direkte Beteiligung an den Sitzungen,

allerdings an mehreren Veranstaltungen

des ÖNZ mit sich gebracht.

Dabei zeigt sich, dass der langwierige

Prozess einer Intervention zugunsten

von Friedens- und Menschenrechtsaspekten

in der Politik Spuren hinterlässt.

Im politischen Berlin kennt man

inzwischen das ÖNZ. Er herrscht ein

nicht immer konfliktfreier, aber intensiver

Dialog.

5.2

BROT FÜR DIE WELT

Westfalen

Seit 2002 existiert die Arbeitsgruppe

BROT FÜR DIE WELT Westfalen. Sie

hat praktisch die Federfüh rung für die

Präsenz von BROT FÜR DIE WELT in

unserem Einzugsbereich übernommen.

Seit 2008 bereits tagt die Arbeitsgruppe

in größerer Runde und

hat dadurch natür lich eine neue Perspektive

erhalten. Nordrhein-Westfalen

ist halt größer und bunter. Eine

Schwie rigkeit stellt dabei die unterschiedliche

Anbindung im Bereich der

großen Landeskirchen dar. Wäh rend

im Rheinland die Federführung ausschließlich

beim Diakonischen Werk

liegt, ist dieser Aufga benbereich in

Westfalen sowohl bei der MÖWe als

auch dem DW angesiedelt. Es bleibt

aber eine gesamte Aufgabe eben der

ökumenischen Diakonie.

Hochstimmung herrschte am 1. Advent

2009 auf dem Düsseldorfer Flughafen.

Aufgrund einer Idee aus Westfalen

wollte man die Eröffnung in einen

völlig säkularen Bereich verlegen –

mit großem Erfolg. Ein Gottesdienst

in der Abflughalle des Flughafens ist

nun wahrlich nicht alltäglich, Handrikschas

zum Gepäcktransport sicherlich

auch nicht. Erstaunlich für alle,

dass der Flughafen Düssel dorf uns

von Anfang logistisch enorm unterstützt

hat, bis hin zur halbstündigen

Durchsagen mit Hinweis auf die

Aktion. Eine kleine separate Veranstaltung

für die oft langjährigen

Spenderinnen und Spender zeigte

unverhoffte Wirkung. Sie wurden

persönlich eingeladen – und kamen

zuhauf. Spenderkontakte sind offenbar

wichtiger als gemeinhin angenommen.

20


Ein wesentlicher Aspekt war die Begeisterung

ganzer Schulklassen (und

ihrer Lehrer), die sich auf diese Weise

mit BROT FÜR DIE WELT beschäftigt

haben. Äußerst positive Erfahrungen

haben wir auch mit der Agentur aus

Wuppertal gemacht, die sich sowohl

inhaltlich als auch logistisch als

hervorra gende Player in einem solchen

Event entpuppten. (Man muss heute

offenbar solche Vokabeln ver wenden,

damit klar wird, worum es geht...)

Ab sofort wird die bundesweite Eröffnung

2011 in Westfalen geplant. Da

sind wir gespannt, wie die Zentrale

in Stuttgart mit unseren Vorschlägen

verfährt. Wir sind schon ein wenig

stolz auf das in vergangenen Jahren

Erreichte. Es ist dies ein Lichtblick bei

den immer enger werden Sitzungszy

klen, die man als Ökumeniker und

Menschenrechtler so über sich ergehen

lassen muss.

5.3

Arbeitskreis gegen

Kinderprostitution

Der Arbeitskreis gegen Kinderprostitution

hat im Berichtsjahr keine

wesentlichen Veränderungen erfahren.

Erfreulich ist allerdings die Tatsache,

dass sich die meisten der evangelischen

Kirchenkreise durch die

Nachfragen nach ihrer Mitgliedschaft

doch haben ermutigen lassen, ihre

Mitgliedschaft auch aktiv weiter zu

betreiben.

Der Tod von Sigrid Lohmann hat uns

alle erschüttert und bedeutet für

das Gedächtnis einer solchen Arbeit

einen Verlust. Die Arbeit gegen Kinderprostitution

hat ihr sehr viel Weitsicht

und energisches Voranschreiten

zu verdanken.

Nun wird nach neuen Wegen gesucht,

diese Arbeit in Westfalen zu

verankern. Eine neue Homepage ist

inzwischen schon wieder erneuerungsbedürftig.

Die Projekte, die wir

fördern, sind nur ein Teil der notwendigen

Unterstützung. Ein ganz

wesentlicher Aspekt muss in Zukunft

auch in Westfalen eine regionale und

zielgerichtete Lobby- und Advocacy-

Arbeit sein. 2010 wird es darüber voraussichtlich

weitere Entscheidungen

geben.

5.4

Der Fürbittendienst des

Eine Welt Zentrums

In diesem Jahr wird der Autor der Fürbitten

Harald Rohr 70 Jahre alt. Der

einzigartige und unschätzbare Dienst

geht noch immer wöchentlich allein

auf seine Kappe. Sowohl der Evangelische

Entwicklungsdienst (eed)

als auch BROT FÜR DIE WELT veröffentlichten

die Fürbitten auf ihrer

Homepage, mit unserem neuen Auftritt

im Internet sind sie auch bei uns

auf der ersten Seite zu finden und

können von dort kopiert und in Texte

eingefügt werden. Der einzige Unterschied:

Das Original ist immer im

Eine Welt Zentrum und erfährt keinerlei

Kürzungen oder redaktionelle

Bearbeitungen.

Wie es weitergeht? Darüber gibt inzwischen

Gespräche zwischen BROT

FÜR DIE WELT, dem Autor und uns.

Darüber zu berichten wird frühestens

dem nächsten Bericht vorbehalten

bleiben. Eines ist aber allen klar:

Es wird weitergehen.

Jahresbericht 2010 21

Jahresbericht 2010 21


6. Finanzen/Haushalt

Der Sonderhaushalt des Kirchenkreises Herne für das Eine Welt Zentrum weist

2009 Einnahmen und Ausgaben in Höhe von 515.365,07 Euro aus. Wir werden

von unterschiedlichen Stellen finanziert wie der Ev. Kirche von Westfalen,

dem eed, dem Eine Welt Netz, dem Land NRW, der Diakonie Rheinland

Westfalen Lippe, der Stiftung blue planet und als größtem Anteilseigner dem

Kirchenkreis Herne.

Die Gründe für die jeweilige Förderung hängen mit den Arbeitsgebieten zusammen,

die bei uns angesiedelt sind. So werden die die Flüchtlings- und Migrantinnenberatung

aus Landesmitteln gefördert, während die Regionalkoordination

für das Eine Welt Netz von eben diesem unterstützt wird. Die Landeskirche

ist wegen der nicht ganz einfach zu durchschauenden Architektur

der MÖWe-Arbeit mit einer relativ hohen Summe bei uns präsent, was sich

allerdings auch in sehr enger Zusammenarbeit mit dem Dezernat und dem

Amt für MÖWe niederschlägt.

Personalkosten

Kirchenkreis Herne 29,6%

Bundesamt für Zivildienst

0,4%

Bezirksregierung Arnsberg

7,7%

Land NRW 16,0%

Eine Welt Netz/Land NRW

9,0%

Ev. Kirche von Westfalen

11,2%

DW Westfalen 3,4%

Pfarrbesoldung 22,5%

Sachkosten

Zuschüsse vom Land

für Beratungsstelle Migration

Eine Welt Netz/Land NRW

0,8%

14,2%

Spenden/Sonstiges

18,1%

DW Westfalen

1,6%

22

Kirchenkreis Herne

30,6%

Ev. Landeskirche Westfalen

22,9%

Evangelischer

Entwicklungsdienst

11,9%


7. Stiftung blue planet

Die Stiftung blue planet hat im vergangenen Jahr einen neuen Vorstand erhalten.

Neben den KSV-Mitgliedern Klaus Eckert und Günter Harmel ist es gelungen,

Antje Tönnis für uns zu gewinnen. Sie ist Expertin für Fundraising bei einer kleinen

Bank in unserer Nähe.

Die Einnahmen der Stiftung lagen im Berichtsjahr bei 13.953,15 Euro. Das angestrebte

Stiftungsvermögen von 150.000 Euro wird damit wohl 2010 erreicht

werden können.

Hier wird in Zukunft noch sehr viel Phantasie notwendig sein, um ein größeres

Eigenkapital zu haben, mit dem Projekte und vielleicht sogar irgendwann einmal

die Förderung einer Stelle zur Fortführung der Arbeit möglich sein wird.

Für kleinere Projekte oder konkrete Aufgaben, wie den Rechtshilfefond für

Flüchtlinge, stellt die Stiftung schon heute eine stabile Perspektive dar. Und das

ist im Einzelfall mehr als es so manchen Zeitgenossen erscheinen mag.

Unsere Arbeit wird finanziell unterstützt durch

Kirchenkreis Herne/Castrop-Rauxel

Evangelische Kirche von Westfalen

Ein Welt Netz NRW

Evangelischer Entwicklungsdienst

Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe

Stiftung blue planet

Jahresbericht 2010 23

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