GL 3/2010 - der Lorber-Gesellschaft eV

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GL 3/2010 - der Lorber-Gesellschaft eV

Die Vergebung der Sünden

Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu?

Das Herzensgebet

Die Stille - Wohnstätte des lebendigen Geistes

Von der Vergebung

Prüfet eure Liebesschulden


INHALT

Teresa von Avila Gebet des älter werdenden Menschen S. 2

Klaus W. Kardelke Editorial S. 3

Jakob Lorber Die Vergebung der Sünden S. 5

Gerd Kujoth Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu? S. 8

Jakob Lorber Seelen-Mitternacht S. 32

Alfons Rosenberg Das Herzensgebet S. 33

Jack Holland Die Stille - Wohnstätte des lebendigen Geistes S. 37

Michiaki Horie Von der Vergebung S. 44

Jakob Lorber Von der Gewissenserforschung S. 46

Jakob Lorber Prüfet eure Liebesschulden S. 47

J. Dittrich Ein Psalm des Herzens für Jesus S. 49

F. M. Der Traum S. 50

Weisheitsgeschichten Der Schmetterling S. 51

Der Schattenspringer S. 52

Verzeihung S. 53

Vom wahren Glauben S. 53

Verschiedenes S. 54

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Schriftleitung übereinstimmen.

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- Zeitschrift im Geiste christlicher Mystik -

Jahrgang 30 2010 Heft 3

„So jemand einen Löwen also gebändiget hätte,

dass dieser ihn gleich einem sanftmütigen Lasttiere

herumtrüge, meinst du wohl, dass es da löblich wäre,

sich auf dem mächtigsten Rücken des Löwen zu

fürchten vor den flüchtigen Hasen?!

Ich bin der mächtige Löwe von Juda, der dich auf

Seinem Rücken trägt; wie magst du dich denn

fürchten vor denen, die Ich mit einem Hauche

verwehen kann wie lose Spreu?!“

(Jugend Jesu 72,14-18)


2 Gebet des älter werdenden Menschen

GL 3/2010

Gebet des älter werdenden Menschen

Teresa von Avila

„Herr du weißt besser als ich selbst, dass ich älter werde und

eines Tages alt bin. Bewahre mich vor der unheilvollen

Angewohnheit, zu meinen, ich müsse zu allem etwas sagen und

das bei jeder Gelegenheit. Befreie mich von dem Verlangen,

jedermanns Angelegenheit in Ordnung bringen zu wollen.

Mache mich bedachtsam und nicht schwermütig, hilfsbereit,

jedoch nicht herrschsüchtig.

Angesichts meines unermesslichen Vorrates an Lebenserfahrung

erscheint es bedauerlich, nicht alles zu nützen, aber du weißt,

Herr, dass ich ein paar Freunde haben möchte am Ende.

Bewahre mich davor, endlose Einzelheiten aufzuzählen; verleihe

mir Flügel zur Hauptsache zu kommen. Versiegle meine Lippen,

was meine Schmerzen und Leiden anbelangt. Sie nehmen zu, und

die Lust daran, sie aufzuzählen, wird wohltuender mit den

Jahren. Um soviel Gnade zu bitten, dass ich an den Erzählungen

über die Schmerzen anderer Gefallen finden könnte, wage ich

nicht. Hilf mir jedoch, sie in Geduld zu ertragen.

Ich wage es nicht, ein besseres Gedächtnis zu erbitten, wohl

aber zunehmende Bescheidenheit und abnehmende

Selbstsicherheit, wenn meine Erinnerung mit den Erinnerungen

anderer in Widerspruch zu stehen scheint. Führe mich zu der

großartigen Erkenntnis, dass ich mich gelegentlich

auch irren könnte.

Trage Sorge dafür, dass ich einigermaßen liebenswürdig bin;

ich möchte keine Heilige sein - mit manchen von ihnen ist es so

schwer zu leben -, aber eine sauertöpfische, alte Person ist eines

der hervorragenden Werke des Teufels. Schenke mir die

Fähigkeit, Gutes zu entdecken an Orten, an denen ich es nicht

erwarte und Begabungen in Menschen,

denen ich sie nicht zutraue.

Und gib mir, oh Herr, die Gnade es ihnen auch zu sagen.

Amen.


GL 3/2010 Editorial

3

Editorial

Als Menschen neigen wir gerne dazu die Verantwortung

und Selbstbestimmung für unser Leben anderen

aufzubürden und diesen dann die Schuld dafür zu geben,

wenn unser Leben nicht so läuft wie wir es uns vorstellten.

Schon beim Sündenfall wälzte Adam seine Schuld und

Verantwortung auf die Eva ab und Eva beschuldigte die

Schlange. Doch „war die Schlange nicht vielmehr eine

äußere Erscheinlichkeit ihres eigenen Bösen in ihr, durch

Klaus W. Kardelke

Geschäftsführender

Vorsitzender der

Lorber-Gesellschaft

welches sie sich selbst beredet hat in ihrem großen Wahne?“ (HGt.1; 20,14)

So übernahmen Adam und Eva nicht die Verantwortung für ihr Handeln,

sondern beschuldigten den anderen.

Diese Schuldzuweisungen praktizieren wir als ihre Kinder auch heute

noch. Um unser eigenes Versagen zu rechtfertigen, schieben wir unsere

Schuld dem andern zu und machen uns damit zum Opfer der Menschen

und Umstände, die alle an unserem Leben die Schuld zu tragen haben,

damit wir als Unschuldslämmer dastehen können.

Doch „der Mensch ist und bleibt der Selbstschöpfer seiner zeitlichen

und ewigen Schicksale“ (GEJ. 7; 52,3) und „den Übeln unter ihnen.“ (Erde

64,09) und kann keinen anderen anklagen als sich selbst für das, was in

seinem Leben in die äußere Erscheinlichkeit tritt.

„Ein jeder sucht den Grund des Übels dieser Zeit bald bei einem, bald

im andern; aber dass sich einer von all diesen Klägern bei der eigenen

Nase nähme und sich fragen möchte, ob nicht etwa auch er irgend zur

Verschlimmerung solcher Zeit irgendwann beigetragen habe und vielleicht

noch beiträgt, das fällt keinem ein! Ein jeder empfindet das Übel nur von

außen; aber in sich selbst erschaut er es nicht.“ (Erde 64,1)

Sehen wir doch nur allzu gerne den Splitter im Auge des anderen und

werden unseres eigenen Balkens nicht gewahr. Oder soll uns gerade der

Fehler und die Sünde des anderen unsere eigenen verdeckten Fehler, die

wir nicht sehen wollen, spiegeln? Zeigt uns etwa unsere äußere Umwelt

auf, wie wir innerlich beschaffen sind? Zeigt sie uns auf, was wir in uns

nicht wahr haben wollen und was noch der Heilung bedarf?

„Die innere, geistige Beschaffenheit eines Menschen steht stets im

Einklange mit seiner äußeren Umgebung, so dass sich alsbald Wechselwirkungen

daraus ergeben.“ (GEJ 11; 3,6)

Wie abhängig gestaltet sich doch unsere Umwelt von unserer inneren

Welt, von unseren inneren Einstellungen und Vorstellungen, unseren

Sichtweisen, Glaubenssätzen und unserem Streben und Lieben. So wie der


4 Editorial

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Mensch in sich gestaltet ist, so gestaltet sich auch seine äußere Welt, weil

diese mehr ein Produkt seiner subjektiven Wahrnehmung ist, als eine

objektive Tatsache.

„Nicht die Welt selbst, sondern den Spiegel derselben nur siehst du in

deinem Herzen.“ (Lgh S. 232, bzw. S. 251) „Ich sage dir, dass alles das, was

du siehst, du nur in dir selbst siehst. Deine Seele hat nur mit den

Abbildern der äußeren Wirklichkeit, die außer ihr sind, zu tun und nicht

mit den Wirklichkeiten selbst.“ (GEJ 10, 195,14)

Dieses Gesetz der Analogie, der Entsprechung von Innen und Außen,

erkennen wir auch schon im 'Vater unser', wo es heißt ‘wie im Himmel, so

auch auf Erden‘, wobei sich der Begriff ‚Himmel‘ auf die innere, geistige

Welt im Menschen (GEJ 1; 157,4) und ‚Erde‘ auf die naturmäßige, äußere

Welt des Menschen bezieht. (GEJ 1; 157,4 + 2: 149,6)

Zwischen unserer inneren Welt, je nach dem wie wir sie in uns gestaltet

haben, und unserer äußeren Umwelt ergeben sich also mannigfache

Entsprechungen, denn „es geschieht nichts in der geistigen Welt (des

Menschen), was sich nicht entsprechend zugleich auch naturmäßig (in

seiner Umwelt) darstellen möchte.“ (Hi. I S. 184,30)

Daraus folgt, dass der Mensch die volle Verantwortung für all das

Geschehen in seiner inneren und äußeren Welt zu übernehmen hat, da sie

ihm entsprechen. Unsere Wahrnehmung ist immer ein Für-wahr-nehmen,

ein Für-wahr-halten, also unsere eigene subjektive Interpretation der

Situation. Wir nehmen unsere Umwelt durch den Balken in unserem Auge

wahr, filtern sie also durch unsere Sichtweise der Dinge. Denn „niemand

kann in seiner natürlichen Sphäre etwas erschauen, was er nicht

ehedem in sich hat.“ (Ste 37,8) Demnach habe ich die wahrgenommenen

Fehler und Sünden meines Nächsten irgendwie auch in mir, ansonsten ich

sie nicht wahrnehmen könnte. Ich erkenne also im Splitter des anderen

meinen eigenen Balken.

Wenn ich diesen annehme, kann ich die Verantwortung für meinen

Anteil am Geschehen übernehmen, in dem ich mich in Vergebung übe und

es somit in mir wie auch in meiner Umwelt zur Heilung bringe.

Indem ich mich bemühe die Sünden und Fehler meines Nächsten, die

ich in mir erkenne, mir selbst und dem anderen zu vergeben, heile, befreie

und reinige ich mein Herz von alten Schulden und richte mich wieder nach

der göttlichen Ordnung aus. Und bin ich dann in meinem Herzen in der

Ordnung, dann bin ich es auch mit Gott. (s. RBl 1; 142,20)

Euer Klaus Kardelke


GL 3/2010 Die Vergebung der Sünden

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Die Vergebung der Sünden

Ich sage es euch: Vergebet euch selbst eure Sünden und Dummheiten

gegenseitig, erwecket eure Liebe zu Gott und zum Nächsten, so werden

euch auch von Mir aus eure Sünden vergeben sein!

So aber jemand ein Narr, ein Blinder und ein Stummer ist, wird ihm das

zu etwas nütze sein, so Ich zu ihm sagte: Ich vergebe dir deine Narrheit,

dir deine Blindheit und dir deine Stummheit? Nein, das wird keinem zu

etwas nütze sein; denn es wird dabei dennoch der Narr ein Narr, der Blinde

ein Blinder und der Stumme ein Stummer verbleiben. So Ich aber den

Narren von seinem Übel und den Blinden und den Stummen von ihrem

Übel heile durch Wort, Rat und Tat, so wird allen dadurch wahrhaft

geholfen sein.

Wer demnach eine Torheit begeht, der erkenne die Torheit, lege sie ab

und begehe sie nicht mehr, und sie wird ihm vergeben sein auch im

Himmel; aber solange er das nicht tut und dennoch von Zeit zu Zeit Gott

um die Vergebung seiner Sünden bittet, so werden sie ihm nicht vergeben

werden eher, als bis er durch die volle Ablegung seiner alten Torheiten

sich selbst seine Sünden vergeben hat.

Ein jeder kehre daher zuerst vor seiner Tür, dann kann er auch zu

seinem Nächsten gehen und zu ihm sagen: ,Siehe, ich habe nun den

Unflat von mir entfernt und bin mit mir in der Ordnung; lasse denn auch,

dass ich selbst nun deine Hausflur reinige dadurch, dass ich alles dir

zugefügte Unrecht auf die Weise gutmache, wie du es wünschest!‘ Ja,

wenn die beiden Nachbarn also ihre Sache gutmachen und freundschaftlich

schlichten, dann wird sie auch im Himmel gutgemacht und geschlichtet

sein! Wenn aber nicht also, dann nützet den Himmel um die Vergebung

seiner Sünden bitten nichts!“

„Wer da gut sehend ist, der kann wohl zu seinem Bruder sagen, so er in

dessen Auge einen Splitter erschaut: ,Bruder, lasse es, dass ich dir den

Splitter aus deinem Auge nehme!‘ Aber einer, der selbst nicht nur einen

Splitter, sondern gar einen ganzen Balken von Sünden und Torheiten im

eigenen Auge trägt, der sehe, wie er den Balken aus seinem Auge ziehen

mag! Ist sein Auge rein, dann erst kann er auch seinem Bruder den Splitter

aus dem Auge nehmen helfen.

Wer da lehrt seine Mitmenschen, der lehre sie nicht nur weise und

feingefügte Worte, wie das auch tun die Pharisäer und andere falsche

Propheten, sondern vielmehr durch seine Taten und Werke, so wird er

seine Mitmenschen zur wahren und lebendigen Befolgung bewegen! So er

aber so und so lehrt, selbst aber seiner Lehre zuwiderhandelt, so gleicht er


6 Die Vergebung der Sünden

GL 3/2010

einem Wolfe in Schafspelzkleidern, der nur darum die kurzsichtigen und

leichtgläubigen Schafe um sich vereinigt und ihnen weise Lehren gibt, um

sie sich für seinen Rachen gefügig zu machen.

Wird es solch einem Wolfe von einem Lehrer wohl etwas nützen, so er,

heimlich sein Unrecht einsehend, zu Gott sagt: ,Herr, vergib mir meine

Sünden; denn ich habe an Deinen Schafen gesündigt oftmals!‘, bleibt aber

dabei dennoch der alte Wolf? Oh, dieses Bitten und Beten wird ihm gar

nichts nützen; denn er ist ja noch der alte Wolf! Er lege den Wolf ganz ab

und werde ein Lamm, dann hat er sich selbst seine Sünden vergeben, und

sie werden ihm dann im Himmel vergeben sein!

Wenn dein Bruder dich beleidigt und dir Übles zugefügt hat, so hast du

durch die Liebe in deinem Herzen das offenste Recht, deinem Bruder die

an dir begangenen Sünden zu vergeben; und so er dann auch freundlich zu

dir kommt und dir dankt für deine Liebe und dir Gutes zu tun ernstlich

verspricht, so sind ihm seine an dir begangenen Sünden auch im Himmel

vergeben, auch dann, so du dich von ihm nicht entschädigen lässt.

Sieht der Bruder sein an dir begangenes Unrecht aber nicht ein und

verharrt in seiner Bosheit, da wird wohl deine Liebe und Geduld dir im

Himmel hoch angerechnet werden, aber dem Bruder werden seine

Sünden bleiben, solange er sie sich selbst nicht gänzlich vergibt, was

dadurch geschehen kann, dass er sie völlig als Sünden erkennt, sie an sich

verabscheut und vollends ablegt und nicht mehr begeht.

Wie aber, wenn also und unmöglich anders, können einige von euch

Essäern zu den Menschen sagen: ,Wir sind für die Menschen von dem

höchsten Gott erwählt zu Seinen Stellvertretern und haben das Recht, den

Menschen die uns einbekannten Sünden und Laster, als auch im Himmel

gültig, zu vergeben, so der Bekenner die von uns ihm auferlegten Bußen

verrichtet und dies und jenes Opfer bringt!‘ – auf welch letzteres vor allem

gesehen wird?! So Ich Selbst aber keinem Menschen die Sünden zuvor

vergeben kann, als bis er sie sich selbst auf die euch gezeigte Art

vergeben hat, wie könnet dann ihr an Gottes Statt den Menschen gegen

Opfer jene Sünden vergeben, die sie an euch nie begangen haben?!

Ja, ihr könnet als rechte Ärzte von jenen Menschen, die bei euch Hilfe

suchen, schon wohl ganz ernstlich auch verlangen, dass sie euch bekennen

alle ihre Sünden und Gebrechen, auf dass ihr ihnen dann einen rechten Rat

fürs fernere Leben und mit dessen genauer Befolgung auch die gewünschte

Heilung der Seele und des Leibes verschaffen könnet. Doch auch in

diesem Falle seid keine sündenvergebende Stellvertreter Gottes, sondern

nur helfende Brüder und Freunde der an Leib und Seele leidenden

Mitmenschen, denen dann auch alle Sünden im Himmel vergeben sein


GL 3/2010 Die Vergebung der Sünden

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werden, so sie, euren Rat genau befolgend, sich selbst ihre Sünden völlig

vergeben haben werden!

Darum, wollt ihr in der Folge den Menschen wahrhaft helfen, so

lehret sie vor allem, wie sie sich vor allem selbst zu helfen haben; denn

ohne eine ernst vorangehende Selbsthilfe ist auch keine Hilfe von Gott

aus möglich! Vorzugsweise aber gilt das für die durch allerlei Sünden

schwach und krank und oft schon ganz tot gewordene Seele des Menschen,

die vermöge ihres freien Willens und rechten Verstandes von Gott aus auf

sich selbst angewiesen ist und sich selbst von allen Schlacken der Materie

und deren Gerichtes reinigen muss, auf dass sie dann auch vom Geiste

gereinigt und gestärkt werden kann.

Leget daher alle eure alten Torheiten und leeren Trügereien ab, und

machet euch frei von ihnen; reiniget dadurch eure Seelen, und Ich werde

dann zu euch auch sagen können: ,Nun seid ihr auch rein vor Mir!‘ Ich

werde euch dann stärken durch Meinen Geist, der euch dann beleben wird

zur höheren Tatkraft und euch zeihen wird zu wahren und vollkommenen

Menschen.

So ihr nun aber das wisset und es vernommen habt aus Meinem Munde,

so handelt auch danach; denn sonst nützen euch diese Meine wahrsten und

lebendigsten Worte ebenso wenig, als den Menschen eure leeren und

unwahren und toten Worte jemals etwas genützt haben.

Es sind Meine Worte wohl die Kraft und das Leben aus Gott Selbst,

aber sie werden erst zu eurem Lebensanteile durch euer Handeln

danach. Seid darum allzeit wahre Täter und nicht pure Hörer des Wortes,

das Ich zu euch geredet habe, so werden euch alle eure vielen Sünden

vergeben werden auch im Himmel, und Ich werde euch dann allzeit helfen

können!

(GEJ.08_193,12-194,11)

„Der Mensch kann nur dadurch die wahre und volle Vergebung

seiner begangenen Sünden erlangen, so er erstens seine Sünden als ein

Unrecht gegen seine Nebenmenschen erkennt, sie bereut und nach

Möglichkeit wiedergutmacht, und zweitens aber dann auch Gott um

Vergebung bittet mit dem ernsten Vorsatz, die Sünden nicht mehr zu

begehen und dem gemachten guten Vorsatz auch treu zu bleiben. So ihr

das in euren Herzen euch treu und wahr vornehmen und dann aber

auch nach der Vornahme handeln werdet, so sage Ich es euch schon

hier: Eure Sünden sind euch von Mir vergeben!“

[GEJ.08_066,11]


8 Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu? GL 3/2010

Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu?

Gerd Kujoth

1. Das Leid dieser Welt

Ein Mann, der als Soldat den 2. Weltkrieg miterlebt hatte, wurde

gefragt, als er nach Kriegsende wieder zu Hause war, warum er nicht mehr

in die Kirche gehe? Er antwortete: „Nach dem, was ich alles gesehen und

erlebt habe, kann ich nicht mehr glauben, dass es einen Gott gibt.“

Der Kriegsheimkehrer Wolfgang Borchert stellte in seinem Drama

„Draußen vor der Tür“ den „lieben Gott“ in Frage. Da ließ er den Soldaten

Beckmann sprechen: „Wir haben dich gesucht, Gott, in jeder Ruine, in

jedem Granattrichter, in jeder Nacht. Wir haben nach dir gerufen, Gott.

Wo warst du da, lieber Gott? – Wo warst du, als die Bomben brüllten?

Warst du lieb, als von meinem Spähtrupp elf Mann nicht mehr

zurückkehrten? Elf Mann zu wenig, lieber Gott. Und du warst nicht da,

lieber Gott! Einfach nicht da. Warst du in Stalingrad lieb, lieber Gott?

Wann warst du eigentlich lieb, Gott, wann? Wann hast du dich jemals

wirklich um uns gekümmert?“

Auch heute wollen die Stimmen nicht verstummen, die nach Gott in

dem Leid auf dieser Welt fragen. Ein gläubiger Mann, der in seiner Kirche

mitwirkte und dort die Orgel spielte, sagte, nachdem sein Sohn von einem

Auto überfahren worden war, er könne nicht mehr glauben, dass es einen

Gott gäbe, denn sonst hätte er das nicht zugelassen. – Ein bekannter

Fußball-Trainer trat aus der Kirche aus, nachdem sein 15jähriger Sohn an

einer schweren Krankheit gestorben war. Er meinte: „Mit einem Gott, der

einen unschuldigen Menschen so leiden lässt, möchte ich nichts mehr zu

tun haben.“ – Als ein ehemaliger Schüler in einem Amoklauf in seiner

Schule in Winnenden neun Schüler und drei Lehrerinnen erschoss, wurde

die Frage nach dem „Warum“ gestellt: „Warum mussten neun Kinder

sterben?“ Und in dem Meer von Blumen und Kerzen stand auf einem

Karton geschrieben: „Gott, wo warst Du?“

Die Frage nach dem Leid wird von den Menschen immer wieder

gestellt, wenn Naturkatastrophen, Kriege, Folterungen, Verbrechen,

Verkehrsunfälle, Hungersnöte und Krankheiten die Menschen treffen. Da

ist es nicht übertrieben, wenn in manchen Kirchenliedern die Erde als ein

Jammertal besungen wird. Viele können nicht verstehen, warum die einen

zu wenig zum Leben haben, während die anderen Millionen verdienen. –

Warum verhungern viele Menschen in den armen Ländern, während in den

Industriestaaten oftmals Nahrungsmittel in den Müll geworfen werden und

Übergewichtige viel Geld ausgeben, um abzunehmen? – Warum kann ein


GL 3/2010 Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu?

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Teil der Menschheit in Freiheit leben, während ein anderer Teil unter

brutalen Diktatoren leben muss? – Warum können die einen Feste feiern,

während zur gleichen Zeit andere elendiglich dahinsterben? – Warum sind

die einen kerngesund und die anderen sterbenskrank? – Warum sterben die

einen viel zu früh, während die anderen im hohen Alter ein qualvolles

Siechtum ertragen müssen? – Auf diese Fragen finden die meisten

Menschen keine Antwort.

Jeden kann es treffen, auch Christen. Jeder könnte, zumindest am Ende

seines Lebens, eine leidvolle Geschichte erzählen, die er erlebt hat. Da

wird jemandem, der noch mitten im Leben steht, der Ehepartner von der

Seite genommen. Oder jemand verliert seine Arbeitsstelle, und es ist für

ihn aussichtslos, eine neue zu bekommen. Oder es klingelt bei einem

Ehepaar das Telefon und sie werden aufgefordert, schnell ins Krankenhaus

zu kommen, weil die Tochter oder der Sohn schwer verunglückt ist. Oder

jemand wird für ein Verbrechen verurteilt, das er nicht begangen hat. Oder

es ist jemand überfallen und ausgeraubt oder als Geißel genommen

worden. Oder jemand verliert schlagartig die Gesundheit und muss viel

leiden. Da steht dann so mancher hilflos und verzweifelt da, denn er ist

von einem schweren Schicksalsschlag getroffen worden. Wen es trifft, der

fragt sich: „Wie konnte Gott das nur zulassen?“ – „Warum musste

ausgerechnet mir das passieren?“ – „Kümmert sich Gott überhaupt um

mich?“ – „Ist Gott nicht ein zorniger, strafender, statt ein liebender

Gott?“ – „Warum schweigt Gott dazu?“ – „Gibt es überhaupt einen

Gott?“

Mit diesen Fragen fühlt sich der Mensch allein gelassen und er muss

nun mit dem Leid, das er erfahren hat, fertig werden. In seiner

Verzweiflung wünscht sich so mancher: „Hätte ich doch wenigstens eine

sinnvolle Erklärung darüber, warum mir das geschehen ist, dann könnte

ich das leichter ertragen.“ Die entscheidende Frage lautet deshalb: „War

das alles nur Zufall? Habe ich einfach nur Pech gehabt oder hat das Leid

auf dieser Erde einen Sinn? Gibt es eine Führung und Lenkung im

Menschenleben und vielleicht sogar der ganzen Menschheit?“

2. Gibt es einen Gott trotz Leid auf der Welt?

Viele Menschen sind Atheisten geworden, weil sie mit dem Leid auf

der Welt nicht fertig werden konnten. Sie sagen: „Einen Gott, der Leid

zulässt, kann es nicht geben. Wenn es einen Gott gäbe, so könnte das nur

ein mitfühlender und allmächtiger Gott sein. Gäbe es einen mitfühlenden,

allmächtigen Gott, so würde er ein Ende machen mit den Kriegen,

Katastrophen, Hungersnöten, Ungerechtigkeiten und Krankheiten und


10 Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu? GL 3/2010

würde eine bessere Welt erschaffen. Da aber das Leid und Elend auf der

Welt kein Ende nimmt, so gibt es keinen Gott.“

Es kann aber wegen des Leids auf dieser Welt, das durch Zerstörungen

verursacht wird, sei es durch die Natur (z.B. Erdbeben, Überschwemmungen,

Stürme) oder durch Menschen, (z.B. Kriege, Morde,

Betrügereien) ebenso wenig an einen Gott gezweifelt werden, wie an der

Existenz eines Baumeisters gezweifelt werden kann, der ein großartiges

Gebäude errichtet hat, auch wenn es durch einen Terroranschlag oder

durch Erdbeben zerstört worden ist. An den Ruinen kann die Absicht des

Baumeisters noch deutlich erkannt werden. Im Leid auf der Welt kann die

Absicht Gottes noch deutlich erkannt werden. Bei allem Elend auf der

Welt steht hinter allem Leid die Erziehungsabsicht des himmlischen

Vaters. Bei unvoreingenommenem Denken kann zwischen der geplanten

Absicht und der dazwischengetretenen Störung unterschieden werden. Das

Gebäude wird wieder aufgebaut, genauso wie Gott dabei ist, Seine

zerstörte Schöpfung „Mensch“ wieder neu zu gestalten. Es ist deshalb ein

Trugschluss, an der Existenz eines Gottes zu zweifeln, nur weil es so viel

Leid in der Welt gibt. Gott kann uns höchstens erklären, warum es das

Leid auf der Welt gibt.

Mahal, der Bruder Noahs zweifelte nicht an der Existenz Gottes, denn

er kannte den himmlischen Vater. Aber er zweifelte daran, dass Gott

vollkommene Werke erschaffen kann. Er wusste, dass Satan die Menschen

zu zerstörerischem Wirken an der Erde verführt hatte, wodurch die

Sündflut entstehen würde. Er machte deshalb dem himmlischen Vater den

Vorwurf, Satan unvollkommen erschaffen zu haben. Deshalb stellte er dem

Herrn die Frage: „Wenn alles gut und vollkommen von Dir ausgegangen

ist und außer Dir in der ganzen Unendlichkeit nichts ist und alles, was da

ist, demnach Dir gleich gut und vollkommen sein muss, – o sage, wessen

Ursprungs ist demnach der Satan und dessen unbegrenzte Bosheit? Woher

nimmt er das, womit er nun alle Menschen gegen Dich aufgewiegelt hat,

dass sie Dich verachten und, so es möglich wäre, Dich Selbst mit allen

Deinen Werken vernichten möchten? O sage, wer da ist des Satans

Schöpfer und Werkmeister?!“

Und der Herr sprach: „O du blinder Verfechter blinder Rechte deiner

Selbstsucht, was redest du?! Hast du denn vergessen, wie vollkommen Ich

den Menschen geschaffen habe, dass er außer Meiner Allmacht tun kann,

was er will, wie ein zweiter Gott, nach einer frei von ihm gestellten

Ordnung?! Meinst du, der Satan als ein freies Wesen solle

unvollkommener sein als du?! Wenn du Mir gegenüber tun kannst, was du

willst, ohne Berücksichtigung Meiner Ordnung, solle das dem freien


GL 3/2010 Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu?

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Geiste unmöglich sein?!

Muss Ich euch nicht handeln lassen, wie ihr wollt, so Ich euch nicht

gerichtet haben will in Meiner Allmacht?! Wenn aber also, da sage du, wie

Ich den ersten Geist hätte gestalten sollen, dass er nach deinem Sinne

handeln müsste in Meiner Ordnung, dabei aber dennoch haben solle eine

vollkommene Willensfreiheit! Oder besteht die Vollendung der Wesen

nicht in dem nur, dass sie ganz frei wollen und tun können, – ob es nun für

oder gegen Meine Ordnung ist!“ (3.HG 339,13-15)

Satan ist der Erzfeind Gottes (1.Hi. S. 347,5), der zufolge seines freien

Willens, den Gott ihm gegeben hat, sich gegen Ihn stellte und Seine

Schöpfung zerstören will. Auch der Mensch bekam von Gott einen freien

Willen und schafft sich sein Schicksal durch sein freies Wollen selbst,

denn was der Mensch sät, das wird er ernten, (Gal. 6,7) schreibt Paulus.

Jeder Mensch, der seinen freien Willen missbraucht, zerstört und schafft

sich selbst oder anderen Leid. Jeder Mensch, der nach dem Worte Gottes

lebt und Nächstenliebe übt, lindert das Leid und hilft mit, Zerstörtes

wieder herzustellen.

3. Ist Gott nicht ein zorniger, strafender, statt ein liebender Gott?

Wenn ein Tsunami weites Land überschwemmt, wenn ein Hurrikan

eine Stadt unter Wasser setzt, wenn ein Erdbeben viele Gebäude zerstört,

wenn sich eine Epidemie ausbreitet und in solchen Naturkatastrophen

Tausende, Hunderttausende oder manchmal sogar Millionen Menschen

dahingerafft werden, so werden auch sogleich Stimmen laut, die von

einem zornigen Gott sprechen, der die Menschen gestraft habe. Es heißt ja

auch in der Offenbarung des Johannes: „Welche Ich lieb habe, die strafe

und züchtige Ich!“ (Off. 3,19) Gottes Liebe hat große Geduld mit den

Menschen, die gegen Seine Ordnung handeln, aber wenn diese nichts

nützt, dann muss Gott manchmal schärfere Mittel ergreifen, um die

Menschen wieder auf den rechten Weg zurückzubringen.

„Aber selbst diese Mittel“, sagt Jesus, „sind nicht als eine Folge der

göttlichen Zornmacht anzusehen, sondern rein nur als eine Folge der

verkehrten Handlungsweise der Menschen. Ja, die Welt und die Natur hat

von Gott aus ihre notwendigen und unwandelbaren Mussgesetze, und zwar

in der rechten Ordnung; dergleichen Gesetze aber hat auch der Mensch

seiner Form und seinem leiblichen Wesen nach. Will der Mensch nun

irgend wider diese Ordnung sich auflehnen und die Welt umgestalten, so

wird er darum nicht von einem freiwilligen Zorne Gottes gestraft, sondern

von der beleidigten, strengen und fixierten Gottesordnung in den Dingen

selbst, die so sein müssen, wie sie sind.


12 Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu? GL 3/2010

Du sagst nun bei dir und fragst dich, ob die Sündflut auch als eine

natürliche und notwendige Folge der verkehrten Handlungsweise

anzusehen wäre. Und Ich sage es dir: Ja, das war sie! Mehr denn hundert

Seher und Boten habe Ich erweckt und habe die Völker vor ihren naturund

gottesordnungswidrigen Handlungen gewarnt, und habe sie mehr

denn hundert Jahre hindurch auf die für sie daraus notwendig

entstehenden und leiblich und seelisch schrecklichen Folgen sehr ernstlich

aufmerksam gemacht; aber ihr boshafter Mutwille ging so weit, dass sie in

ihrer Blindheit die Boten nicht nur verhöhnten, sondern viele sogar töteten

und mit Mir also einen förmlichen Kampf unternahmen. Aber darum

ergrimmte Ich dennoch nicht vor Zorn und Rache, sondern ließ sie

handeln und die traurige Erfahrung machen, dass die Unvernunft und die

Unkunde – als selbst schuld an dem, was sie sind – mit der großen Natur

und Ordnung Gottes durchaus nicht alles machen dürfen, was ihnen in

ihrer Blindheit beliebt.

Siehe, es steht dir ja frei, auf jenen von hier gegen Süden gelegenen und

bei fünfhundert Mannslängen hohen Felsen zu steigen und dich dann

mutwillig häuptlings über die hohe Wand hinabzustürzen! Nach den

notwendigen Gesetzen der Schwere aller Körper wird dir solch ein

Mutwille doch offenbar sicher das Leben des Leibes kosten. Frage dich, ob

dir das aus Meinem Zorne und aus Meiner Rache zugekommen ist! „ (4.GEJ

143,2-4)

Auch Erdbeben, Hurrikans und Epidemien lässt Gott nicht aus Zorn

und Rache über die Menschen kommen, sie sind auch keine blind

zuschlagenden Naturkräfte, sondern Folgen der ordnungswidrigen

Handlungen der Menschen. Wenn auch solche Erscheinungen auf

natürliche Weise erklärt werden können, so ist die tiefste Ursache aber

doch geistiger Art. Jesus sagt: „Solange es nun irgendwo auf der Erde ein

widerspenstiges Geschlecht gibt, so lange auch werden solche

Erscheinungen um so häufiger vorkommen, je sinnlicher und

gottvergessener irgendein Menschengeschlecht auf der Oberfläche der

Erde wird.“ (1.Hi. S. 135,14)

„Sie (die Erscheinungen) werden an solche Orte als warnende

Mahnboten geführt, allwo sich Menschen vorfinden, die von Mir kaum

mehr etwas wissen als die Bäume in einem Walde. Solche Boten sagen

dann den Gott vergessenden Menschen, dass Ich noch nicht gestorben bin,

sondern noch bestehe in aller Meiner Macht und Kraft.“ (1.Hi. S. 136,17)

„Es ist alles (von Mir) so eingerichtet, dass es ewig bestehen kann,

wenn nicht die freiwillige Bosheit der Menschen Störungen in Meiner

ewigen Ordnung verursacht, die Ich nicht hindern darf, da sie von der


GL 3/2010 Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu?

13

Freiheit des Willens der Menschen herrühren und weil der freie Wille auch

nur eines Menschen (Mir) unendlich höher steht als ein ganzes

Sonnengebiet mit allen Planeten, Monden und Kometen.“ (1.Hi. S.138,25)

„Wenn du das nun ganz gehörig aufgefasst hast, so wirst du doch

endlich ganz einsehen, wie alles Übel unter den Menschen auf dieser Erde

wahrlich nicht vom Zorne und von der Gottesrache, sondern allein von der

Lebensordnung der Menschen herrührt, so wie auch das Gute oft von

einem einzigen in sich vollendeten Menschen.“ (4.GEJ 146,13)

Manchmal muss Gott die Zuchtrute in die Hand nehmen, aber diese

Zuchtrute nimmt Er nicht persönlich in die Hand, sondern sie ist nichts

anderes als die zugelassene Folge der verkehrten Handlungen der

Menschen. Selbst wenn man das als Zorn Gottes bezeichnet, so wäre aber

dieser Zorn noch bei weitem mehr Liebe von Ihm, als sie je ein Mensch

aufbringen könnte. (JJ 204,6-7)

4. Wie konnte Gott das nur zulassen?

Wenn in einem Krieg viele Zivilisten getötet werden, wenn ein

grausamer Diktator über Leichen geht oder wenn Verbrechen verübt

werden, die viel Leid verursachen, dann erheben sich Stimmen, die Gott

anklagen und schreien: „Wie konnte Gott das nur zulassen?“ Aber kann

Gott überhaupt angeklagt werden? Paulus schreibt im Römerbrief: „Ja,

lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst?“ (Röm.

9,20) Ist es denn Gott, der auf die Anklagebank gehört, wenn jemand das

Gewehr erhebt und abdrückt? Hat Gott denn die Waffen erfunden? Ist es

denn Gott, der den Krieg anfängt, der mordet, foltert, stiehlt, lügt und

betrügt? War es Gott, der die Welt so eingerichtet hat, wie sie jetzt ist, mit

Waffen, Armeen, Geld, Banken und Börsen? Ist Gott dafür verantwortlich,

wenn ein Herrscher einen Krieg gegen seinen Nachbarn anfängt, um sein

Land zu erobern, um ihn zu strafen oder sich an ihn zu rächen? Ist Gott für

die Finanzkrise, die Wirtschaftskrise, die Inflation und die Teuerung

verantwortlich? Müsste nicht richtiger gefragt werden: Haben nicht die

Menschen einen freien Willen von Gott erhalten, mit dem sie Seinen

Geboten entgegen handeln können? Warum fangen die Menschen einen

Krieg oder Streit an? Warum rauben, stehlen, lügen und betrügen die

Menschen? Warum ermordet ein Mensch einen andern? Warum haben sich

die Menschen diese Welt so eingerichtet, dass die einen mehr besitzen und

verdienen können, als die andern? Sind es nicht die Menschen, die sich die

Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Technik so einrichten, wie sie es

wollen und dabei die Ordnung Gottes oftmals missachten?

Jesus sagt: „Geizige und habsüchtige Menschen legen vor ihren


14 Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu? GL 3/2010

Scheunen Schloss und Riegel an und obendrauf noch scharfe Wächter zu

ihren über allen Überfluss steigenden Schätzen und Reichtümern, und

wehe dem, der sich ihnen unbefugt nähern möchte; wahrlich, der bekäme

augenblicklich einen scharfen Prozess!

Ich will damit nicht sagen, als sollte jemand sein mühsam erworbenes

Eigentum nicht beschützen; Ich rede hier vom höchst unnötigen, ins

Ungeheure gehenden Überfluss. Wäre es denn da nicht tunlich, auch

solche Scheuern zu errichten, die da offen stünden für jeden Armen und

Schwachen, wennschon unter der Aufsicht eines weisen Spenders, auf dass

kein Armer sich mehr nähme, als was er für seine Nahrung bedarf?

Würden sogestaltig die Habsucht und der Geiz von der Erde

verschwinden, so würden auch – höret Mich wohl! – alle mageren Jahre

von der Erde den Abschied nehmen.“ (4.GEJ 144,4-5)

Zu viele Menschen bieten alles auf, um möglichst schnell möglichst

viel Geld und Besitz anzuhäufen. Das geschieht auf Kosten der anderen

und es entsteht Not unter der Bevölkerung. Würde dieses Geld und der

Besitz zum Nutzen für die ganze Bevölkerung eingesetzt, es gäbe keine

Finanz- und Wirtschaftskrise und alle Menschen hätten eine Arbeit. Wo

wahre Nächstenliebe geübt wird, da gibt es keine Not. Aber die Menschen

denken zu viel nur an sich und vergessen dabei Gott und den Nächsten.

Über solche Menschen lässt Gott eine Not kommen.

„Mangel, Not und allerlei Elend“, sagt Jesus, „lasse Ich nur dann

unter die Menschen kommen, wenn sie von Mir ganz abgefallen und zum

Teil finstere und dumme Götzendiener und zum Teil pur selbstsüchtige und

gottlose Weltlinge geworden sind. Denn Not und Mangel nötigen die

Menschen zum Denken über die Ursachen ihres Elends, machen sie

erfinderisch und scharfsichtig, und es werden auf diese Art bald ganz

kluge und weise Männer aus einem Volke aufstehen, die ihren

Mitmenschen die Augen öffnen und ihnen die Quellen des allgemeinen

Elends zeigen, und viele treten dann bald aus den Schranken ihrer

Trägheit und rüsten sich zum Kampfe gegen jene mächtig gewordenen

Müßiggänger, die über die durch sie mit Blindheit geschlagenen Völker

tyrannisch herrschen und die eigentlichen Gründer des allgemeinen

Elends auf dieser Erde sind. Diese werden unter oft schweren Kämpfen

entweder gänzlich besiegt und vertrieben oder zum wenigsten dahin

genötigt, den Völkern solche Gesetze zu geben, unter denen sie bestehen

können. Und so kehrt dann allzeit nach dem Maße Glück und Wohlstand

unter den Menschen ein, in welchem Maße die Menschen wieder zu dem

einen allein wahren Gott zurückzukehren angefangen haben.

Würden die Menschen sich nie von Gott abwenden, so würden sie auch


GL 3/2010 Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu?

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nie in eine Not und in ein Elend verfallen.

Wenn ihr sonach auch in euren Nachkommen stets in und bei Mir im

Glauben und in der Tat nach Meiner Lehre verbleiben werdet, so werdet

ihr auch nie ein Elend zu bestehen haben. Auch des Leibes Krankheiten

werden eure Seelen nicht ängstlich und kleinmütig machen; denn des

Leibes Krankheiten sind allzeit nur die bitteren Folgen der Nichtbefolgung

der von Mir den Menschen allzeit klar ausgesprochen gegebenen

Gebote.“ (9.GEJ 35,4-6)

Mangel, Not und Elend lässt Gott nur dann zu, wenn sich die Menschen

von Gott und Seinen Geboten abgewendet haben. Wolfgang Borchert ließ

in seinem Hörspiel nicht nur die Frage nach dem lieben Gott stellen, er ließ

sie auch beantworten und zwar von Gott Selbst: „Meine Kinder haben sich

von Mir gewandt, nicht Ich von ihnen. Ich bin der Gott, an den keiner

mehr glaubt.“ (Le. S.28) Durch Mangel Not und Elend denken die

Menschen über die Ursachen ihres Zustandes nach, werden klug,

erfinderisch und tätig und fangen an, zu Gott und Seiner Ordnung

zurückzukehren.

„Ich sage es dir“, sagt Jesus, „nur fünfzig Jahre lang leben in der

rechten Ordnung Gottes, – und ihr werdet von keiner Kalamität je etwas

zu sehen, zu hören, zu schmecken und zu genießen bekommen!

Ich sage euch: Alle Kalamität, Seuchen, allerlei Krankheiten unter

Menschen und Tieren, schlechte Witterung, magere und unfruchtbare

Jahre, verheerender Hagelschlag, große, alles zerstörende

Überschwemmungen, Orkane, große Stürme, große Heuschreckenzüge

und dergleichen mehr sind lauter Folgen der unordentlichen

Handlungsweisen der Menschen!

Würden die Menschen möglichst in der gegebenen Ordnung leben, so

hätten sie alles das nicht zu gewärtigen. Die Jahre würden wie die Perlen

auf einer Schnur verlaufen, eines so gesegnet wie das andere. Es würde

den bewohnbaren Teil der Erde nie eine zu große Kälte oder eine zu große

Hitze plagen. Aber da die gescheiten und überaus klugen Menschen aus

sich allerlei bei weitem über ihren Bedarf hinaus unternehmen, wenn sie

auf der Erde zu große Bauten und zu übertriebene Verbesserungen

vornehmen, ganze Berge abgraben, um Heerstraßen anzulegen, wenn sie

viele Hunderttausende von Morgen der schönsten Waldungen zerstören,

wenn sie des Goldes und des Silbers wegen zu tiefe Löcher in die Berge

schlagen, wenn sie endlich untereinander selbst im beständigen Zank und

Hader leben, während sie doch zu jeder Zeit von einer großen Menge der

intelligenten Naturgeister umgeben sind, von denen alle Witterung der

Erde herrührt, sowie die Reinheit und Gesundheit der Luft, des Wassers


16 Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu? GL 3/2010

und des Erdreiches, – ist es da denn hernach zu verwundern, wenn diese

Erde von einer Unzahl von Übeln aller Art und Gattung stets mehr und

mehr heimgesucht wird?! „ (4.GEJ 144,1-3)

Die Zerstörung der Umwelt ist den Menschen heute zum Teil bewusst.

Doch können und wollen die Menschen zum großen Teil nichts daran

ändern, weil es einerseits wirtschaftliche und finanzielle Einbußen

bedeuten würde und andererseits auf die Annehmlichkeiten des

technischen Fortschritts verzichtet werden müsste.

5. Kümmert sich Gott überhaupt um die Menschen?

Es geschehen auf dieser Erde immer wieder Unglücke, Kriege oder

Verbrechen, bei denen ein Mensch oder auch ein Teil der Menschheit viel

zu leiden hat. Da urteilen dann manche Menschen, die noch einen

schwachen Glauben an Gott haben über das Gottwesen und meinen, Gott

habe sicher Größeres und noch anderes zu tun, als sich um jeden einzelnen

kleinen Menschen zu kümmern. (1.RB 23,9)

Doch Jesus sagt: „Die Gottheit sorgt eben für die Menschen dieser

Erde so außerordentlich, als hätte sie in der ganzen Unendlichkeit nahe

keine Wesen mehr, die Ihrer Fürsorge bedürften. Und sie führt die

Menschen unter allen Verhältnissen ihres Prüfungslebens so, dass fast alle

trotz aller Schwierigkeiten jene hohe Bestimmung erreichen müssen,

derentwegen sie von der Gottheit einzig und allein ins Dasein gerufen

sind! Freilich gibt es ziemlich viele, die ihren Willen trotz aller

angewendeten Mittel dennoch nicht unter den besten Willen der Gottheit

beugen wollen! – Dass die Gottheit für solche Geister dann auch ernstere

und schärfere Mittel gebrauchen muss, um sie unbeschadet ihres freien

Willens am Ende dennoch auf den rechten Weg zu bringen, ist

begreiflich.“ (1.RB 24,2-3)

Wer kennt nicht die ernsteren und schärferen Mittel, die sich den

Menschen mit allen möglichen Übeln entgegenstellen können?! Da hat

sich schon so mancher in größter Lebensgefahr befunden und wenn er sich

nicht wenigstens in diesem Augenblick ernsthaft an Gott gewendet hätte,

so wäre er dem Untergang geweiht gewesen.

„Es steht einem jeden Menschen frei“, sagt Jesus, „sich in jedem

Augenblick an Gott zu wenden und Ihn um Beistand anzuflehen, und

Gott wird Sein Antlitz zu dem Flehenden wenden und wird ihm helfen

aus jeglicher Not!

Übrigens ist aber ohnehin einem jeden Menschen ein unsichtbarer

Schutzgeist hinzugegeben, der den Menschen von seiner Geburt an bis zum

Grabe hin zu geleiten hat! Solch ein Schutzgeist wirkt stets auf das


GL 3/2010 Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu?

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Gewissen des Menschen ein und fängt erst dann an, sich ferner und ferner

von dem ihm anvertrauten Menschen zu halten, so dieser, durch seine

Eigenliebe geleitet, allen Glauben und alle Liebe zum Nächsten freiwillig

verlassen hat.

Der Mensch auf dieser Erde ist demnach durchaus nicht also verlassen,

als du es meinst; denn es hängt alles von dessen freiestem Wollen und

Handeln ab, ob er von Gott beaufsichtigt und geführt sein will oder nicht!

Will es der Mensch, so wird es auch Gott wollen; will es aber der Mensch

nicht, so ist er völlig frei von Gott aus, und Gott kümmert Sich weiter auch

nicht um ihn, außer was aus der allgemeinsten Ordnung dem Naturmenschen

zuzukommen bestimmt ist, als da ist das Naturleben und alles,

was als Bedingung für dasselbe nötig ist. Aber weiter lässt Sich Gott mit

dem Menschen nicht ein und darf Sich wegen desselben unantastbarer

Freiheit nicht einlassen! Nur wenn ein Mensch Gott aus dem freien Willen

des Herzens sucht und Ihn bittet, so wird Gott auch dem Bitten und Suchen

des Menschen allzeit auf dem kürzesten Wege entgegenkommen,

vorausgesetzt, dass es dem Menschen mit seinem Suchen und Bitten ein

vollkommener Ernst ist.“ (1.GEJ 92,13-15)

Wer sich ernsthaft an Gott wendet, dem hilft er auch aus jeglicher Not.

Gott lässt es zu, dass eine Not über einen Menschen oder über ein ganzes

Volk kommt, damit sie durch die Not Gelegenheit bekommen, sich zu

bessern und sich Gottes wieder zu erinnern. „Gott legt uns eine Last auf,

aber Er hilft uns auch“, heißt es im Psalm 68,20. Die noch an Gott den

Herrn auch in den Tagen der Prüfungen und Heimsuchungen festhaltenden

Menschen werden in Zeiten der Not von Gott geholfen werden. (8.GEJ

152,12) Doch die nicht auf Gott vertrauen, weil ihnen ihr eigenes Herz sagt,

dass sie einer Gotteshilfe unwert sind, denen hilft Gott auch nicht. Sie

vertrauen auf ihre eigenen Kräfte und Mittel und sagen: „Hilf dir selbst, so

ist dir geholfen!“ (1.GEJ 125,13)

Viele Menschen sind davon überzeugt, dass sich Gott wirklich um die

Menschen kümmert. Das können sie mit einer kleinen Geschichte, die sie

erlebt haben, belegen. Sie können z.B. erzählen, wie sie vor einem Unfall,

einem Schaden oder gar vor dem sicheren Tod bewahrt worden sind. Da

wurde eine Frau aufgehalten und verpasste das Flugzeug. Zuerst war sie

ärgerlich darüber, aber dann vernahm sie, dass gerade dieses Flugzeug, mit

dem sie fliegen wollte, abstürzte und keiner der Insassen mit dem Leben

davonkam. – Warum wurde nur sie und nicht auch die anderen vor dem

Tod bewahrt?

Andere wiederum können erzählen, wie eine unsichtbare Kraft in das

Lenkrad eingegriffen und das Auto am Hindernis vorbei gelenkt hat oder


18 Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu? GL 3/2010

die unsichtbare Kraft trat auf die Bremse, wodurch ein Unfall verhindert

wurde. Wieder andere haben Bewahrungen im 2. Weltkrieg, in den Bergen

oder auf hoher See erlebt, die ans Wunderbare grenzen. Wenn diese

Geschichten erzählt werden, so wird oft gesagt: „Da hast du aber einen

guten Schutzengel gehabt.“ Diese Schutzengel helfen zumeist für uns

unsichtbar, manchmal aber auch sichtbar aus größter Not. Wer seine Seele

durch sein Hängen an der Welt zu sehr mit dem Materiellen verbunden hat

und sich demzufolge auch nicht an Gott wendet, der wird weder auf

natürliche und noch weniger auf wunderbare Weise bewahrt und muss das

Unglück oder die Krankheit erleiden. Ein ganzes Volk muss dann

vielleicht einen Krieg, ein Erdbeben, eine Überschwemmung oder einen

grausamen Diktator erleiden.

6. Warum schweigt Gott dazu?

Es kommt auf dieser Erde immer wieder vor, dass einzelnen Menschen

und ganzen Volksgruppen ein schreiendes Unrecht angetan wird, wie es

z.B. unter dem Nationalsozialismus vielen Menschen geschehen ist oder

wie es auch heute noch den Menschen immer wieder geschieht. Da

empören sich manche Menschen und meinen, dass Gott da doch mal

eingreifen müsse. Wenn sie dann aber kein Eingreifen Gottes feststellen

können, so fragen sie: „Wo warst du, Gott?“ oder „Warum schweigt Gott

dazu?“

Darauf antwortet uns Jesus: „Siehe, es ist leicht gesagt: ‚Herr, tue dies

und jenes! Richte die bösen Völker, richte die Könige und richte den

herrschsüchtigen Papst! Vertilge alle, die eines hochmütigen und

herrschgierigen Herzens sind! Tue Wunder! Lasse durch eine allgemeine

Pest das ganze arge Menschengesindel zugrunde richten, denn sie sind

alle zusammen böse!’ – Aber da muss man doch mit größerer Einsicht

bedenken, dass Ich rein umsonst gearbeitet haben würde, so Ich wegen der

nicht gesetzmäßigen Handlungsweise die auf die Erde gesetzten Menschen

sogleich richten und töten wollte.

Obschon wir hauptsächlich darauf zu sehen haben, dass die werdenden

Menschen auf der Erde so viel nur immer möglich nach den Gesetzen der

ewigen Ordnung handeln, durch die natürlich am ehesten und leichtesten

das freie Leben zu erreichen ist – so müssen wir uns aber doch auch der

größten Geduld hingeben und selbst die verkehrtesten Handlungen mit

derselben Ruhe betrachten, als wären sie gut und gerecht. Denn die erste

Hauptbedingung zur Gestaltung freier Menschen ist, dass sie in der vollen

Trennung von Mir einmal ihrer selbst bewusst werden und aus sich selbst

heraus zu handeln anfangen! Ob gut oder schlecht, gesetzlich oder


GL 3/2010 Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu?

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ungesetzlich, das muss für den Anfang eines jeden neuwerdenden

Menschen völlig eins sein. Wir müssen ihre selbstgemachten

Einrichtungen und Erfindungen respektieren und unseren sie erhaltenden

Einfluss so verborgen wie möglich halten. Denn würden wir da offen

auftreten, so würden wir die junge und zarte Pflanzschule der Menschen

mit einem Tritt zerstören und hätten dann viel länger zu tun, das

Zertretene wieder aufzurichten und der großen Bestimmung zuzuführen,

als so wir geduldig dieser ersten Entwicklung der Menschen auf der Erde

nur ganz leise wirkend und helfend zusehen. Denn nach dieser ersten

Entwicklungsperiode haben wir dann ja noch immer zahllose Wege, um

die noch unentwickelten Menschen ihrer rechten Bestimmung zuzuführen.

Nur wenn unter den werdenden Menschen derartig schroffe

Ordnungswidrigkeiten zu entstehen anfangen, dass dadurch die bezweckte

absolute Lebensfreiheit in bedeutende Gefahr geraten könnte, dann freilich

müssen wir hie und da kleine, aber bloß nur äußere Schreckgerichte

auftauchen lassen, als da sind Kriege, Teuerung, Hunger und Pest. Aber

jedes solche Strafgericht darf nie mehr als höchstens ein Zehntel der

Menschen ergreifen, weil es bei einer größeren Verschärfung nur zu leicht

die Wirkung eines wirklichen, tödlichen Gerichtes annähme!“ (1.RB 95,8-10)

„Also muss solches ganz besonders von unserer rein geistigen,

innersten Machtsphäre aus genauest beobachtet werden. Innerlich dürfen

wir nie jemandem einen Zwang anlegen, wohl aber, so es nötig ist, der

Hölle einen Damm zu setzen, äußerlich: durch allerlei Übel fürs sinnliche

Fleisch, durch Krieg, Hungersnot und Pestilenz, durch Mißwuchs der

einen und der anderen Nährfrucht. Zwar ist dies auch schon ein Gericht

und seine Früchte sind nur schlecht, aber zwischen zwei Übeln wählt

(man) allemal das kleinere. Ein äußeres Gericht lässt sich wieder

gutmachen, aber ein inneres nur höchst schwer oder häufig für die wahre

Freiheit Meiner Himmel gar nicht.“ (2.RB 254,14)

Gott darf nur ganz unmerklich bei Ungerechtigkeiten eingreifen und

muss größte Geduld mit den Menschen haben. Würde Gott offen in die

Ordnungswidrigkeiten der Menschen eingreifen, so wäre das ein innerer

Glaubenszwang, und da wären die Menschen in ihrer Freiheit gerichtet,

denn dieser Schaden an dem inneren Menschen könnte nicht leicht wieder

gutgemacht werden. Deshalb sagte Jesus: „Selig sind, die nicht sehen und

doch glauben.“ (Joh. 20,29)

7. Wozu sind die Menschen auf der Welt?

Gott hat die Menschen nicht für diese Welt erschaffen, sondern für das

jenseitige große Gottesreich. Wenn Tausende bei Katastrophen oder gar


20 Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu? GL 3/2010

Millionen in großen Kriegen dahingerafft werden, so haben dabei wohl

viele ein großes Leid erlebt, was für sie eine Läuterung bedeutete, aber von

ihrem Hinübertritt an leben sie im Jenseits ein leichteres Leben ewig

weiter. Die diesseitige Erde ist nur eine Erziehungsanstalt für das

jenseitige Gottesreich. (1.Hi. Seite 345,1)

„Die Menschen dieser Erde“, sagt Jesus, „rief Ich aus dem Zentrum

Meines Herzens hervor und schuf sie vollkommen nach Meinem Ebenbilde,

und sie sollten nicht nur Meine Geschöpfe, sondern Meine lieben Kinder

sein, die Mich nicht als Gott und Schöpfer, sondern nur als ihren guten

Vater erkennen sollen, der sie nach kurzer Prüfungszeit wieder ganz zu

Sich nehmen will, damit sie da alles haben sollen, was Er Selber hat, und

bei Ihm wohnen möchten ewiglich und mit Ihm herrschen und richten

möchten das All. Aber siehe, alle Meine Geschöpfe lieben Mich als ihren

Schöpfer in dankbarer Freude ihres Daseins; aber Meine Kinder wollen

ihren Vater nicht und verschmähen Seine Liebe!

Siehe, Ich bin traurig, wenn Ich sehe, wie stündlich Tausende und

tausendmal Tausende dahinwelken und -sterben! Oh, wenn Ich ihnen doch

nur helfen könnte! Ist es nicht traurig, wenn der Allmächtige nicht helfen

kann?!

Du fragst Mich schon wieder, wie denn das möglich sei? O ja, sage Ich

dir, das ist sehr möglich! Siehe, alle Meine Geschöpfe hängen an Meiner

Macht, aber Meine Kinder hängen an Meiner Liebe! - Meine Macht

gebietet, und es geschieht; aber Meine Liebe wünscht nur und gebietet in

aller Sanftmut den freien Kindern, und die freien Kinder verstopfen ihre

Ohren und wollen nicht das Angesicht ihres Vaters schauen. Daher, weil

sie frei sind, wie Ich es bin, kann Ich ihnen nicht helfen, wenn sie es nicht

wollen. Denn Meine Macht geht über alles; aber Mein Wille ist Meinen

Kindern untertan. Dieses aber soll sich jeder hinter die Ohren schreiben:

Ich bin euer Vater, bin aber auch euer Gott, und außer Mir ist keiner

mehr. Wollet ihr Mich als Vater - oder als Gott? - Eure Taten werden Mir

die entscheidende Antwort geben.“ (1.HG 3,3-5)

Wie die Menschen auf der Welt gelebt und sich verhalten haben, so

wird auch ihr Zustand in jenem ewigen, großen Vaterhause sein. (1.Hi. S.

345,1)

„Aber natürlich“, sagt Jesus, „wenn die Menschen sich zu sehr in die

bloßen Lustreize der Welt verrennen und verstricken und nur denken, dass

sie bloß darum da sind, um sich als vernünftige und denkende Wesen von

der mit allem reichst ausgestatteten Welt auch alle erdenklichen

Wohlgenüsse zu bereiten und des eigentlichen Zweckes gar nicht gewahr

werden, warum sie in die Welt gesetzt worden sind, und wer sie in die Welt


GL 3/2010 Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu?

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gesetzt hat, da kann von einer eigentlichen und höheren Offenbarung

Gottes und Seines Liebewillens so lange keine Rede sein, als bis die

Menschen durch allerlei Not und Elend wenigstens so weit zu denken

anfangen, dass sie fragen und sagen: ,Warum mussten denn wir in diese

elende Welt kommen, und warum müssen wir uns denn so plagen und

martern lassen bis in den sichern Tod als dem elenden Schlusspunkte

unserer Verzweiflung?“ (9.GEJ 23,3)

Erst wenn Not und Elend über die Menschen hereinbricht, fangen sie

darüber nachzudenken an, welches die Ursachen ihrer Leiden sind und wer

sie auf diese Welt gesetzt hat und warum.

„Daran denkt niemand“, sagt Jesus, „dass all das Leiden, alle

Krankheiten, alle Kriege, alle Teuerung, Hunger und Pest lediglich daher

rühren, weil die Menschen anstatt für ihre Seele und ihren Geist nach der

Ordnung Gottes alles zu tun, nur alles für ihren Leib tun!“ (3.GEJ 12,6)

Darum sind die Menschen auf diese Welt gesetzt worden, nicht um

allein für ihren Leib zu sorgen und für seine Bedürfnisse alles zu tun,

sondern um ihre Seele nach den Geboten Gottes zu bilden und den

göttlichen Geistfunken in sich zu erwecken. Da sich die Menschen in der

Regel aber nicht nach dem Göttlichen ausrichten, so müssen sie durch Not

und Leid vom Weltlichen gelöst werden. Deshalb hat Jesus den Menschen

geboten, das Kreuz willig auf ihre Schultern zu nehmen und Ihm

nachzufolgen. (Matth. 16,24)

„Das Kreuz ist eine wahre Not(wendigkeit) des Lebens!“ sagt Jesus,

„Wenn das Leben keine Not hat, so zerstreuet es sich und verflüchtigt sich

wie ein Äthertropfen. Die kein Kreuz tragende Seele ermattet und stirbt

und verliert sich in die Nacht des Todes. Die Not des Lebens aber ist ein

Gefäß des Lebens, in welchem dieses gefestet wird gleich einem

Diamanten...

Daher nehme jeder das Kreuz auf seine Schulter und folge Mir in aller

Liebe nach, so wird er sein Leben erhalten ewig! Wer mit seinem Leben

zärtelt, der wird es verlieren. Wer es aber kreuzigt und von Mir kreuzigen

lässt, der wird es erhalten für alle Ewigkeiten.“ (1.Hi. S.335,1-4)

Einer, der ein schweres Kreuz zu tragen bekam, war Dietrich

Bonhoeffer. In seinem Gedicht „Von guten Mächten wunderbar

geborgen“, das er im Konzentrationslager schrieb, drückte er das

folgendermaßen aus:

Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern,

des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,

so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern

aus Deiner guten und geliebten Hand.


22 Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu? GL 3/2010

Wer das kann, das schwere Leid, das über ihn gekommen ist, dankbar

und ohne Zittern anzunehmen, der steht schon fest im Glauben und

Vertrauen auf den guten Vater. Aber ist es oft nicht so, wenn allerlei

Ungewitter über einen Menschen hereinbrechen, dass es dann trüber und

trüber im Menschenherzen wird und er ganz und gar verzagt? Was vorher

noch klar vor den Augen seiner Seele stand, das wird nun von dunklen

Wolken verdeckt und er kann nicht mehr glauben, dass hinter dem Leid ein

liebender Vater steht. (3.GEJ 65,3)

8. Gottes Führungs- und Erziehungsweise

Einen bösen Menschen darf Gott nicht einfach mit Seiner Allmacht

umgestalten, denn sonst wäre er gerichtet und hätte seine Freiheit verloren.

Er muss andere Wege mit dem Menschen einschlagen, um eine Besserung

erreichen zu können.

Jesus sagt: „Gott darf beim Menschen in Bezug auf seine innere,

geistige Entwicklung mit Seiner Allmacht nicht leitend und lenkend

einwirken, und das aus Seiner ewigen Ordnung heraus. Denn täte Gott

das, so würde der Mensch in sich zur toten Maschine und könnte nie zu

einer freiesten Lebensselbständigkeit gelangen.

Bringe Mir den ärgsten Raubmörder her, und Ich werde ihn plötzlich

umgestalten zu einem Engel des Lichtes; aber da wird unterdessen sein

Selbstisches so gut wie völlig tot sein! Sowie Ich Mich aber mit dem Geiste

Meines allmächtigen Willens wieder zurückziehen werde, so wird sein

Selbstisches wieder tätig, und vor dir wird der alte Raubmörder stehen.

Denn seine Liebe ist Raub- und Mordlust und ist somit sein Leben; nimmt

man ihm dieses, so ist er dann vollkommen tot und hat gänzlich zu sein

aufgehört.

Ein solcher Mensch aber kann dennoch gebessert werden, und das

durch den höchst schlimmen Zustand, in den er sich selbst durch seine

böse Liebe versetzt hat. Denn des Menschen Seele fängt erst dann an, über

den Grund ihres argen und unglückseligen Zustandes nachzudenken, wenn

sie sich schon im schweren Gerichte aus sich selbst befindet; und fängt die

Seele einmal an, den Grund zu erkennen, dann wird sie auch bald den

Wunsch in sich wahrnehmen, ihres argen Zustandes loszuwerden, und

wird auf Mittel und Wege nachzusinnen anfangen, wie sie sich von dem

argen Gerichte irgend losmachen könnte.

Und hat die Seele einmal solchen Wunsch und Willen in sich, so ist sie

auch schon fähig, ein Licht in sich aufzunehmen, das ihr von oben her

durch allerlei geeignete Mittel geboten wird.

Ergreift die Seele die ihr gebotenen Mittel, so fängt ihre ehedem böse


GL 3/2010 Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu?

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Liebe an, sich in eine gute und bessere aus und in sich selbst

umzugestalten. Es wird lichter und lichter in ihr, und sie geht wie von Stufe

zu Stufe zu einer höheren Lebensvollendung über, und das ist nur durch

die Zulassung eines schärfsten Gerichtes möglich.“ (7.GEJ 52,7-11)

Gottes Führungs- und Erziehungsweise lässt über einen Menschen oder

über ein ganzes Volk etwas Böses und Leidvolles zu, wodurch der Mensch

oder das Volk gebessert wird. Da hat sich der Mensch freiwillig von seinen

bösen und ordnungswidrigen Wegen abgewendet, ohne dass Gott mit

Seiner Allmacht eingegriffen hätte.

„Alles, was als zugelassen einmal da ist“, sagt Jesus, „muss da sein als

ein Triebkeil zum Besserwerden der Menschen… Es ist demnach alles, was

man als moralgesetzwidrig, also auch als arg und schlecht bezeichnet, nur

als ein zugelassenes Hebelwerk zu betrachten, und dem Reinen ist

demnach alles rein und gut. Dem Schwachen und Unreinen ist und muss

es anders sein, weil er noch so manches Tätigkeitshebels benötiget.“ (5.GEJ

158,1-2)

Solch ein Tätigkeitshebel ist auch die Ehe. In ihr wird oftmals so

manches Leid erfahren, nachdem sich der anfänglich glückliche Teil

gewendet hatte. „Der Ehe Honig aber ist ohnehin der schlechteste Teil

derselben“, sagt Jesus, „erst mit dem gallichten Teile der Ehe nimmt des

Lebens goldner Ernst seinen Anfang. Dieser aber muss überall sich

einstellen; denn käme dieser nicht, da ginge es mit der Saat für die

Himmel schlecht. Im oft bittersten Lebensernst beginnt erst der geistige

Same sich zu beleben und zu entfalten, der im beständigen Honigleben

also erstickt wäre wie eine Fliege, die sich mit aller Gier in den Honigtopf

stürzt und vor der zu großen Süßigkeit des Honigs ihr Leben

einbüßet.“ (3.GEJ 70,9-10)

Ein Anhänger Jesu sagte einmal: „Ich möchte, dass allen Menschen,

die Not leiden, geistig und leiblich geholfen werde, so es möglich wäre!“

Da gab ihm Jesus zur Antwort: „Mein Freund, möglich wäre alles,

aber aus gar vielen weisen Rücksichten nicht tunlich und zulässig. Es gibt

eine Menge sehr dürftiger und mit allerlei Übeln behafteter Menschen,

denen du nach deinem Mir sehr wohlgefälligen Herzen sicher gerne helfen

möchtest; und siehe, wenn du ihnen nach deinem besten Wissen und

Gewissen geholfen hättest, so wäre ihnen wahrlich gar nicht geholfen,

sondern es würde an ihnen dadurch gerade nur das Entgegengesetzte

bewirkt werden!

Es ist darum wohl sehr löblich von dir, dass du dich in deinem

Wohlsein der Notleidenden und Elenden erinnerst und den Wunsch hast,

ihnen zu helfen; aber es wäre da wahrlich nicht jedem geholfen, dem du


24 Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu? GL 3/2010

geholfen hättest.

Siehe, niemand kennt die Not und das Elend der Menschen besser als

Ich, und niemand ist barmherziger und liebevoller als eben auch Ich; aber

es wäre allen Menschen mit Meiner alleinigen Liebe und Erbarmung

wenig geholfen, wenn nicht Meine höchste Weisheit mit der Liebe und

Erbarmung mitwirkte.

Ja, da geht es einer armen Familie schlecht! Sie hat keine Arbeit, kein

Dach und Fach, kein Brot und leidet Hunger und Durst. Sie bettelt von

Haus zu Haus, von Ort zu Ort und erbettelt sich im Tage oft kaum so viel,

dass sie sich zur Not sättigen kann, während andere im vollen Überflusse

leben und schwelgen und solch einer armen Familie die Tür weisen, so sie

bittend zu ihnen kommt.

Es ist das von den Reichen, die solch einer armen Familie mit harten

Herzen begegnen, gewiss böse, und du möchtest bei dem Anblick einer

solchen harten Begegnung gewiss sagen: ,Aber, du großer, allgütiger und

allmächtiger Gott, kannst Du wohl solch eine himmelschreiende

Unbarmherzigkeit ungestraft dahingehen lassen? Vernichte solche

Menschen mit Blitz und Feuer aus Deinen Himmeln!‘ Und siehe, Gott

würde solchem deinem Anflehen dennoch kein Erhören schenken! Ja,

warum denn aber das nicht?

,Soll die Lieblosigkeit der Menschen denn fort und fort wuchern auf

dieser Erde?‘ Nein, sage Ich dir, das sei ferne! Aber sieh, es muss nach

dem weisen Ratschlusse Gottes alles seine Zeit haben auf dieser Erde, auf

der die Menschen zur wahren Kindschaft Gottes reif werden sollen! Es hat

somit der Reiche seine Zeit, reich zu sein und mit seinem Überflusse den

Armen Barmherzigkeit zu erweisen, und der Arme hat seine Zeit, sich in

der Geduld und Selbstverleugnung zu üben und seine Not und sein Elend

Gott aufzuopfern, und Gott wird dem Armen bald auf die für sein

Seelenheil beste Art helfen und eben also den harten Reichen zur rechten

Zeit züchtigen. Denn es ist der Reiche wie der Arme zur Kindschaft Gottes

berufen.

Es war aber unsere arme Familie einstens auch wohlhabend und war

hart gegen andere Arme, und es hatte sich das Blatt ihres irdischen

Glückes zum Heile ihrer Seelen notwendig einmal wenden müssen.

Würdest du ihr nun plötzlich helfen, so würde sie bald sehr übermütig

werden und Rache an jenen üben, die ihr mit Härte begegnet sind. Wenn

sie aber einmal in der Geduld recht durchgeprüft sein wird, so wird ihr

nach und nach, und zwar so unmerklich wie möglich, geholfen werden,

und sie wird darin die Fürsorge Gottes besser und heller erkennen, als so

man sie von heute auf morgen in einen sehr glücklichen Wohlstand


GL 3/2010 Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu?

25

erhoben hätte.

Der harte Reiche aber wird auch nach und nach und von Punkt zu

Punkt in einen misslicheren Zustand versetzt werden. Er wird bald da und

bald dort in seinen Spekulationen einen Missgriff machen, wird eine

schlechte Ernte haben, Schaden bei seinen Herden erleiden, er wird

entweder selbst krank werden oder sein Weib oder eines seiner liebsten

Kinder, und kurz, es wird Schlag auf Schlag über ihn kommen.

Wird er in sich gehen und sein Unrecht erkennen, so wird ihm auch

wieder geholfen werden; wird er aber nicht in sich gehen und sein Unrecht

nicht erkennen, so wird er um alles kommen, und dann auch den Bettelstab

oder nach Umständen noch etwas Schlimmeres zum Verkosten bekommen.

Wer ihn dann in seiner Armut trösten und ihm unter die Arme greifen

wird, der soll auch von Gott aus getröstet und belohnt werden; doch ganz

helfen wird ihm niemand eher können, als bis es Gottes Wille zulassen

wird. Daher sei du, Mein Freund, nun nur ganz ruhig und heiter; denn Ich

weiß es schon, wer da zu einer Hilfe reif geworden ist!“ (7.GEJ 92,1-11)

Die Mutter Jakob Lorbers beklagte sich bei ihm wegen mancher bitterer

Erfahrungen. Da kam dem Jakob plötzlich folgendes in den Sinn und er

sprach zu Ihr: „Es war ein Mann, den die vielen traurigen Ereignisse auf

dieser Welt glauben machten, Gott kümmere Sich nicht viel um die

Menschen und sehe ganz ruhig zu, wie die Schwachen von den Mächtigen

unterdrückt und die Armen von den Reichen übervorteilt würden.

Da sandte Gott zu diesem Manne, der ein tugendhaftes Leben führte,

einen Engel. Dieser sprach zu ihm: „Du sollst die unbegreiflichen Wege

Gottes kennen lernen, folge mir!“

Da führte der Engel den Mann in einen Palast zu einem sehr reichen

Herrn. Diesem schenkte der Engel eine große Geldsumme und viele

Edelsteine. – Während dieser Beschenkung meldete sich ein Dürftiger

beim Reichen. Diesen Armen tötete der Engel. – Darauf führte dieser den

Mann in ein Dorf zu einer fast morschen Hütte, wo eine zahlreiche,

überaus arme Familie wohnte. Diese Hütte steckte der Engel in Brand,

und die armen Bewohner retteten nichts als ihr Leben.

Als der Mann all dieses sah, sprach er zum Engel: „Du bist kein Bote

Gottes, sondern ein Bote des Teufels! Du häufst Ungerechtigkeit über

Ungerechtigkeit!“

Der Engel sprach: „Höre, und du sollst bald anders urteilen! – Siehe,

der Reiche, den ich beschenkte, war stolz und geizig. Als ich aber seinen

Reichtum so bedeutend erhöhte, fing er an zu prassen und verschwendete

alles, dass er endlich ein Bettler wurde und anfing, sich zu demütigen. –

Der Bettler, den ich tötete, war auf gutem Wege, er hätte aber noch am


26 Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu? GL 3/2010

selben Tage eine große Erbschaft gemacht, dadurch wäre er hochmütig

geworden, hätte ausschweifend gelebt und wäre von Gott gänzlich

abgefallen. – Die arme Familie, deren Hütte ich in Brand steckte, wurde

zuvor im Dorfe fast gar nicht berücksichtigt. Das Brandunglück aber

erregte nahe und ferne großes Mitleid, und die arme Familie wurde von

allen Seiten reichlich beschenkt.“ (2.Hi. S. 158,1-159,5)

Sind des Herrn Wege nicht seltsam? Wir sehen an diesen Beispielen,

dass es dem himmlischen Vater in erster Linie auf die Bildung des Herzens

ankommt und nicht auf das irdische Wohlergehen. Da ist jeder Weg, den

Er mit einem Menschen einschlägt, ein neues, selbst für den tiefsinnigsten

Engel unerforschliches Wunder und heilig unter jeder noch so sonderbaren

Erscheinung! (BM 73,4])

„Freilich bei ganz verdorbenen und lebensverschlagenen Menschen“,

sagt Jesus, „die keiner Mahnung von Mir aus mehr wert sind, bleiben

derlei sie bessernde Zulassungen denn auch unterm Wege; denn sie

fruchten nicht mehr und zeihen die Argen, dass sie noch ärger werden…

Über den Ich noch allerlei Leiden und Trübsal zulasse, dem helfe Ich denn

auch zur rechten Zeit; den Ich aber sein irdisch stolzes und

schwelgerisches Wohlleben unbeirrt fortgenießen lasse, der trägt sein

Gericht und seinen ewigen Tod schon in sich und sonach auch

allenthalben mit sich. Und somit weißt du nun denn auch, warum so

mancher Weltgroße und Weltreiche ungestraft bis zu seines Leibes Tode

hin fortsündigen und fortgreueln kann.“ (9.GEJ 29,12-13)

Ein Bergarbeiter im Ruhrgebiet hatte für Gott nur Spott übrig. Durch

einen Unfall wurde er querschnittsgelähmt. Im Rollstuhl fand er zum

Glauben an Jesus Christus. Später bekannte er: „Ich danke Gott, dass Er

mir die Wirbelsäule zerschlagen hat, damit ich zu Seinem Sohn Jesus

Christus finden konnte. Es ist besser, gelähmt zu Jesus zu gehören und ein

Kind Gottes zu sein, als mit zwei gesunden Beinen in die Hölle zu laufen.“

Jesus sagt: „Der Vater allein ist gut und hat kein Wohlgefallen an den

Leiden der Menschen; aber Er hindert auch nicht, dass solche über die

Menschen kommen, so sie aus lauter Weltsinn des Vaters vergessen,

keinen Glauben haben und sich selbst in alles das begeben, was ihnen

alles mögliche Ungemach bereiten und bringen muss.

Wandelt gleichfort auf den Wegen, die Ich euch nun treulich gezeigt

habe, so werdet ihr wenig zu leiden haben, und euer Abgang von dieser

Welt wird ein leichter sein!

Nur über jene kommen am Ende zumeist bittere Leiden, die aus allerlei

Welttümlichkeiten ihre Seele zu sehr in ihr Fleisch vergraben haben; denn

eine solche Seele muss, damit sie nicht völlig verderbe in ihrem Fleische,


GL 3/2010 Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu?

27

mit großer Gewalt von ihm losgetrennt werden, und dies muss dann auch

im Leibe große Schmerzen erzeugen. Und das ist noch gut für die Seele,

weil sie durch die Schmerzen und Leiden von ihren fleischlichen Gelüsten

gereinigt wird und dadurch im Jenseits einen leichteren Fortgang und ein

sichereres Vorwärtsschreiten auf der Bahn des geistigen Lebens

findet.“ (8.GEJ 16,10-12)

Schon mancher ernsthafte Christ, der am Ende seines Lebens noch eine

schwere Krankheit mit großen Schmerzen zu bestehen hatte, fragte sich,

warum er noch so viel leiden muss, während manche ganz weltlich

gesinnte Menschen eines kurzen und schmerzlosen Todes gestorben sind.

– Das Leiden des Christen vor seinem Tod ist eine Gnade, denn durch

Schmerzen und Krankheiten kann die Seele noch von manchem

Weltlichen, an dem sie noch hängt, gelöst werden. (8.GEJ 4,10-12) Diese

Gnade haben nicht alle Menschen.

Jesus sagt: „Ganz welttümliche Menschen aber, die an keinen Gott

glauben und dabei doch ein gesundes Leben bis in ihr hohes Alter

genießen und am Ende auch eines schnellen und schmerzlosen Todes

sterben, haben ihren Lebenslohn auch schon auf dieser Welt empfangen

und werden im Jenseits sehr schwer je mehr einen zu gewärtigen haben. In

der Gesellschaft solcher wird die äußerste Finsternis walten, und es wird

sein viel Heulen und Zähneknirschen unter ihnen.“ (8.GEJ 16,13)

9. Warum musste ausgerechnet mir das passieren?

Das Leben ist doch zumeist mit allerlei Drangsalen gesegnet. Der

Mensch, ob arm oder reich, bekommt von seiner Geburt bis zum Grabe hin

so manche sehr schwere Probe auferlegt. Seinen Plänen, die er sich in

seinem Leben auszuführen vornahm, traten bald unvorhergesehene

Hindernisse entgegen, und aus allen seinen schönen Plänen wurde nichts.

An ihre Stelle traten allerlei Plackereien, Krankheiten und

Verdrießlichkeiten, und bis zum Ende seines Lebens hat der Mensch mehr

ganz schlechte, als ganz glückliche Tage gehabt. (4.GEJ 243,8) Über wen ein

schweres Leid hereingebrochen ist, der fragt sich: „Warum musste

ausgerechnet mir das passieren, wo ich doch an Gott glaube und Jesus

nachfolge?“

Der himmlische Vater sagt: „Schon oft drang bis zu Mir der Klageton

eines Menschen, der Mich der Ungerechtigkeit, der Härte beschuldigte,

weil sein Leben und die dasselbe bestimmenden Ereignisse nicht so

ausfielen, wie er es glaubte, hoffte oder wünschte.

Schon oft hörte Ich das Flehen einer gedrückten, mit allem Elend des

menschlichen Lebens kämpfenden Seele, wenn sie ausrief, im Drange ihres


28 Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu? GL 3/2010

höchsten Schmerzes: ‚Aber Vater und Herr, was habe ich denn

verschuldet, dass Du mich mit allen möglichen Drangsalen verfolgst,

während Du andern das Glück in Fülle in den Schoß schüttest, ohne dass

sie wissen, warum sie es eigentlich verdient haben!’“ (Lg Kapitel 22,1-2)

Und der himmlische Vater antwortet darauf: „Auf dieser Erde ist die

Einrichtung also für die auf ihr zu erziehenden Kinder Gottes. Das Leben

ist und bleibt so lange ein Kampf mit allerlei Feinden, bis es sich über alle

Materie als ein Sieger aus eigener Kraft emporgerungen hat. Und so

darfst du dich über die materiellen Lebensfeinde gar nicht wundern; denn

sie sind nicht Feinde des eigentlichen Lebens, sondern nur Feinde des

materiellen Scheinlebens, das eigentlich gar kein Leben ist, sondern nur

ein Werkzeug des wahren, inneren, geistigen Seelenlebens, mittels

welchem sich dieses stets höher und höher zur wahrsten eigentlichsten

Lebensfreiheit emporarbeiten kann.“ (6.GEJ 133,9)

In jedem Menschen, selbst in den ernsthaften Christen, verbergen sich

noch manche Übel, wie Ichbezogenheit, Stolz, Genusssucht, Ungeduld und

noch viele andere, denen sich der Mensch zumeist nicht bewusst ist. Da

muss die Seele geläutert werden und dazu muss es der himmlische Vater

zulassen, dass der Mensch mit Sorgen, Ängsten, Enttäuschungen,

Beleidigungen, Schmerzen, Verletzungen und Krankheiten konfrontiert

wird, mit etwas Unangenehmem, das genau sein Übel berührt und aus ihm

hinausschafft. Das sind dann die Prüfungen, in denen sich herausstellt, wie

weit ein Mensch in den himmlischen Tugenden der Liebe, Demut,

Sanftmut und Geduld fortgeschritten ist.

Jesus sagt: „Sagen aber nicht schon die Menschen: ‚Die wahre Liebe

muss gezanket werden!’? – Siehe, auch Ich pflege mit denen, die Mir lieb

sind, so lange durch allerlei, dem Leibe unangenehme Empfindungen zu

zanken, solange Ich in irgendeinem noch so verborgenen Herzenswinkel

etwas entdecke, das für Meine heilige Liebe nicht taugt.“ (2.Hi. S. 100,12)

Was taugt denn für Seine heilige Liebe nicht? – Wenn wir zu wenig

Geduld und zu viel Stolz haben, wenn wir nicht vergeben können und wir

noch gerne das weltliche Leben genießen und noch manches mehr. Wenn

wir uns da nicht ändern, dann muss Jesus uns helfen. – Wie bekommt man

Geduld? – Durch das Ertragen lang anhaltender Not und Leiden. Wie

verliert man den Stolz? – Durch das Ertragen von Beleidigungen. Wie

lernt man das Vergeben-Können? – Durch das Ertragen von Unrecht, das

einem zugefügt wird. Wie kann man von der Genusssucht losgerissen

werden? – Durch das Erleiden von Schmerzen und Krankheiten.

„Wen Ich prüfe“, sagt Jesus, „und wahrlich, solches tue Ich nicht

umsonst, – den will und werde Ich auch zu etwas machen; denn er ist


GL 3/2010 Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu?

29

schon in Meiner Schule. Ein Student aber muss sich die Prüfung gefallen

lassen, wenn er etwas werden will. Bei Mir wird niemand in der Prüfung

verworfen, sondern jeder kann bestehen, entweder schon hier oder doch

sicher im Jenseits. Wer aber Meine sanften Prüfungen flieht und macht

einen argen Ausreißer, der wird dann von der Welt und vom Satan geprüft,

ob er tüchtig sei zur Bosheit.

Ich nehme jeden zu jeder Stunde in Meine Schule auf. Wer aber nicht

mehr denn ein Schweinehirte oder ein Eseltreiber… werden will und im

Unrate seine Seligkeit findet, wahrlich, der wird je weder im Amte, noch in

seinem Vergnügen gestört werden!

Ihr aber – höret und begreifet es – seid auf Meiner „Universität“! Ich

möchte überaus vieles aus euch machen! Daher müssen euch schon auch

manche besondere Prüfungen auf dieser Hochschule nicht

befremden.“ (1.Hi. S. 345,2-6)

„O Kinder, erkennet, erkennet doch einmal, dass Ich euer liebevollster

Vater bin, der euch in jeder Prüfung euer Leben ums Tausendfache erhöht

und vermehrt!“ (1.Hi. Seite 346,10)

„Es werden demnach auch über euch noch allerlei Prüfungen und

Versuchungen kommen; wenn sie aber kommen werden, dann denket, dass

Ich euch das zum voraus verkündet habe. Seid dann mutig und kämpfet

weise und stets mit aller Liebe gegen das Heranstürmen der Welt in euch

und auch außer euch, und ihr werdet mit Meiner steten Hilfe für eure

Arbeit des Himmels goldene Früchte im reichlichsten Maße ernten, und

eure Freude darob wird eine große und unvergängliche sein.“ (10.GEJ

117,13-14)

„Daher sollet ihr auch nicht ängstlich sein, – denn ohne Meine

Zulassung kann nichts geschehen; wenn Ich aber irgend etwas zulasse, so

habe Ich allzeit Meinen besten Grund dazu!“ (2.HG 158,26)

„Denket euch aber nicht, dass das (was in eurem Leben auf euch

zukommt) etwas Derartiges sei, das die gewissen blinden Weltweisen

„Bestimmung“ nennen, als habe Gott schon für jeden Menschen bestimmt,

was er in seinem kurzen oder längeren Leben zu gewärtigen hat! Etwas

Derartiges zu denken und zu glauben kann der Seele den Tod bringen, weil

das eine Lehre ist, die eine heimliche Ausgeburt der Hölle ist und zu den

wahren Lebensprinzipien aus Gott für die Menschen gerade das schroffste

Gegenteil darstellt…

Von Gott aus war es nur eine Zulassung, und das eben infolge des

vollkommen freien Willens des Menschen. Und was Ich nun sagte von

einem Menschen, das gilt denn auch von einem ganzen Volke. Es ist und

bleibt der Selbstschöpfer seiner zeitlichen und seiner ewigen


30 Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu? GL 3/2010

Schicksale.“ (7.GEJ 52,1-3)

Es ist nicht von vornherein festgelegt, welches und wie viel Leid ein

Mensch zu ertragen hat, sondern das liegt in jedem Menschen selbst. Es ist

für die meisten Menschen nicht leicht, einen Schicksalsschlag zu ertragen.

Viele Menschen klagen Gott an, weil Leid über sie gekommen ist. Wer es

aber weiß, wie viel Gutes das Leid für die Menschen bringt, der hadert

nicht, sondern dankt Gott auch für das Leid.

Raphael sagt: „Der Mensch, dessen Leben und Alles von Gott abhängt,

soll Gottes Anordnungen und Fügungen, so er Gott einmal erkannt hat,

allzeit lobend und preisend anerkennen und nicht darüber murren und

hadern. Denn Gott der Herr weiß es stets und ewig sicher am allerbesten,

warum Er auf einem Erdkörper bald dieses und bald jenes in

Erscheinung treten lässt.

Der Mensch aber hat sich dabei geduldig und voller Ergebung in den

Willen Gottes zu verhalten und dabei auch also zu denken: Das geschieht

nach dem Willen Gottes zum Besten des Menschen…

Wenn ein Mensch also denkt und fühlt, so wird er auch in allen

Zuständen seines diesirdischen Freiheits-, Bildungs- und Probelebens

Ruhe finden und haben, und Gott wird ihn erretten aus jeder Not und wird

ihn finden lassen den Weg des wahren Lebens, den Weg des Lichtes und

aller Wahrheit.

Aber wer da ungeduldig wird und über dies und jenes, das er doch

nicht ändern kann, murrt und oft sogar in seinem gemeinen Grimme

Lästerungen über die ihm widrig vorkommenden Erscheinungen in dieser

Welt denkt und offen ausspricht, der eignet sich die Liebe Gottes nicht an,

sondern entfernt sich nur mehr und mehr von ihr, und das gibt keinem

Menschen weder eine irdische und noch weniger eine jenseitige Ruhe und

Glückseligkeit. Denn alles geschieht ja nur durch die Liebe Gottes, wie

schon gesagt, zum wahren Wohle des Menschen. Erkennt der Mensch das

dankbar in seinem Gemüte an, so nähert er sich auch stets der Liebe und

der Ordnung Gottes und geht dann bald und leicht ganz in dieselbe über

und wird dadurch selbst weise und mächtig; tut er aber das Gegenteil, so

wird er denn auch stets dümmer und in allem schwächer und

machtloser.“ (8.GEJ 140, 4-7)

Wer Gottes Erziehungsweise kennt, der murrt nicht gegen Ihn, wenn

eine Not über ihn gekommen ist und beklagt sich nicht, dass Gott ihn

verlassen hätte. Er wendet sich an Gott, vertraut Ihm und dankt Ihm, auch

für die Not. (1.GEJ 125,12) Die Lebensbürden, die uns auf dem irdischen

Lebensweg begegnen werden, sollen wir nicht fürchten, denn der

himmlische Vater sendet sie uns zur Stärkung unserer Seele und unseres


GL 3/2010 Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu?

31

Geistes zu. (3.GEJ 120,6) Das Kreuz, das Er uns schickt, erscheint uns oft

außerordentlich groß, so dass wir gewaltig davor erschrecken, aber das

Kreuz sieht oft nur so groß aus, es ist gar nicht so schwer. Der himmlische

Vater weiß, wie viel wir ertragen können und gibt uns nie über unsere

Kraft zu tragen. (1.Hi. S.265,3-4) Sind wir im Geiste stark geworden, so

hören die Leiden, Nöte und Krankheiten auf.

Wer auf Jesus vertraut, der betet: „O Herr! Lass Du hier über mich

kommen, was Dein heiliger Wille nur immer für gut findet; und möge mir

dieses alles noch so sonderbar und widersprechend vorkommen, so aber

weiß ich dennoch, dass Du über alles das mein allerliebevollster und

allerbester Vater bist, und ich will Dich nur um so mehr lieben, je mehr

Du Dich vor mir versteckst. Denn ich weiß, dass Du mir allzeit nur um

desto näher bist, je entfernter Du mir zu sein scheinst. Darum auch will ich

Dich lieben stets mehr und mehr aus allen meinen Lebenskräften!“ (1.GS

94,16)

Wer den himmlischen Vater so liebt, zu dem spricht Er: „Sehet, so ihr

Mich wahrhaft liebet, sollet ihr gar nichts fürchten, und würde die Erde

auch unter euren Füßen in Trümmer zerbröckelt werden! – Wahrlich,

Ich sage euch: Auch auf den dampfenden Trümmern einer zerstörten Welt

würdet ihr erfahren, dass Ich die Ewige Liebe bin, und ein wahrer, einzig

guter Vater denen, die Mich im Geiste und in der Wahrheit der Liebe ihres

Herzens erkannt haben.

Ja, Ich sage euch, Ich will Sonnen zerstören und die Trümmer der

Welt wie Blitze durcheinander werfen und entzünden mit dem

Feuer Meines Grimmes die ganze ewige Unendlichkeit, und doch

soll auch nicht ein Haar gesengt werden denen, die Mich lieben.

Denn Ich bin allezeit ein liebender und heiliger Vater Meinen

Kindern! – Amen.“

(Hi. Bd.1, S. 139,30-31)

„Selig sind, die da Leid tragen;

denn sie sollen getröstet werden.“

(Mt. 5,4)


32 Seelen-Mitternacht

GL 3/2010

Seelen-Mitternacht

„O Herr! Mir kommt vor, ich bin mehr tot als lebendig. Wird die

Mitternacht nicht bald durch Deine große Liebe, Gnade und Erbarmung

vorüber sein?“

„Das kommt nur auf dich an! Wenn du mit aller Welt vollends brechen

wirst samt deinem ganzen Hause, dann wird die Mitternacht bald vorüber

sein! – Wenn da aber jemand zwischen zwei voneinander schroff

abstehenden Pfeilern noch also gebunden ist, dass, während er von jemand

gen Morgen zum lebendigen Pfeiler gezogen wird, er aber auch noch mit

ebensolchen Stricken von jemand anderem gen Abend an den Pfeiler des

Todes gezogen wird – wie muss es dem werden bei diesem Doppelzuge?

Ihr sagt ja aber selbst: „Der Gescheite gibt nach!“ – Und Ich sage dir,

dass da allezeit Ich den „Gescheiten“ machen muss und muss mit Meinem

Zugwerke allezeit nachgeben an Meinem Morgenpfeiler, wenn der

geschäftige Meister am Abendpfeiler zu straff sein Schnürwerk zu spannen

anfängt.

Ziehe Ich bei solchen Gelegenheiten auch an, da wirst du nahezu zu

einem Insekte, dass dir darob der geistige Atem ausbleibt. Und gerade

dieser Zustand bei dir ist das, darum du sagst, es komme dir vor, als wärest

du „mehr tot als lebendig“!

Wann du aber willst und magst (denn es steht vollkommen bei deinem

freien Willen, dich von den Stricken des Abendpfeilers loszumachen!) – so

wird auch sobald deine vermeintliche „Mitternacht“ vergehen; denn der

Morgenpfeiler wirft dann keinen Schatten mehr, aber einen desto größeren

der Abendpfeiler!

Wer Mich aber durch seinen Glauben verherrlicht und wen Ich schon

von allen Seiten mit Liebesstricken umwunden habe, tut wohl daran, so er

sich sobald losmacht von alledem, was ihn noch an den Abendpfeiler

hinzieht.

Und solches ist ja doch nicht also schwer, wie sich's da jemand denken

mag! Eine wahre, lebendige Liebe zu Mir macht alles leicht, und kein

Ding ist ihr unmöglich!

So du aber mit dir so manchmal eine kleine Rechnung des abendlichen

Pfeilers wegen halten möchtest, Ich sage dir, du würdest gar leicht ersehen,

wie du noch so einige Schnüre vom Abende her um deinen Leib duldest!

Diese aber müssen vom Leibe! Ehedem wird es nicht viel besser

werden mit deiner vermeintlichen „Mitternacht“! – Beachte dieses wohl!

Denn nun brauche Ich dir ja nicht mehr beizusetzen, von wem diese Gabe

ist! – Amen.“ (HiG Bd. 2, S. 102)


GL 3/2010 Das Herzensgebet

33

Das Herzensgebet

Alfons Rosenberg

Das berühmteste und älteste aller nicht liturgischen Gebete der

Ostkirche ist unter dem Namen des Herzensgebetes bekannt. Freilich ist

dieses nicht ein ausschließliches Eigentum der östlichen Christenheit. In

der urchristlichen Tradition gegründet, ist es, wenn auch nicht in seiner

systematischen Form, auch im Westen bekannt. Davon zeugt ein kleines

Erlebnis. Als ich einst vor dem Allerheiligsten im Gebete kniete, vernahm

ich das Gebet eines einfachen, schon bejahrten Laienbruders. Weil er

meine Gegenwart nicht bemerkt hatte und zudem schwerhörig war, betete

er laut. Bei jedem Atemzug seufzte er: „Jesus" in so schmerzlichem Tone,

dass ich an „die unnennbaren Seufzer" des Heiligen Geistes erinnert

wurde. Dieser Bruder, der sein ganzes Leben in der Küche verbracht und

gewiss keine „Philokalie" gelesen hatte, übte mit Selbstverständlichkeit

das „Herzensgebet" oder „Jesusgebet", das heißt die unermüdliche

Anrufung des „einzigen Namens, in dem wir gerettet werden" (Apg. 4,12), in

einem geregelten Atemrhythmus. Dazu hatte er die Gebetsformel aufs

Äußerste vereinfacht, das „Herr Jesus, Sohn Gottes, sei mir armem Sünder

gnädig" (eine Verschmelzung von Math. 9,12 und Lk. 18,13) im Namen Jesus, in

dem alles enthalten ist, zusammengefasst.

Wenn auch das physische Verhalten beim Beten wichtig ist, so darf es

doch nicht übertrieben werden. Sonst könnte dies bei manchen die

Empfänglichkeit für eine falsche Mystik erwecken. Im Maße, in dem die

christliche Methode des Gebetes jener bei den Sufis gebräuchlichen angenähert

wird, wäre es nahe liegend, das Herzensgebet als eine Art

christliches Yoga aufzufassen, das heißt, als ein Gebet, das sich auf

bestimmte physiologische Übungen stützt, die jenen der Hindu-Asketen

mehr oder minder gleichen.

Jedoch ist dieser Gesichtspunkt zweitrangig neben den segensreichen

Wirkungen dieses Gebetes. Denn die Atemtechnik ist nicht Ursache,

sondern Begleitung des Herzensgebetes. Grundlegend ist die Anrufung des

Namen Jesu. Die ganze reiche Systematik und Technik des Herzensgebetes

ist erst in der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts durch Gregor den

Sinaiten und durch die beiden Athosmönche Ignatius und Kallistus in ihrer

berühmten Centurie ausgeformt worden. Sie beruht auf dem esoterischen

Wissen von der Beziehung zwischen der Herztätigkeit, der Atmung und

dem inneren Zustand des Menschen. Das Jesusgebet gehört seit den

Anfängen des Mönchtums zu den Traditionen der östlichen Welt. Doch so

häufig schon in den frühen Schriften die wiederholte Anrufung des


34 Das Herzensgebet

GL 3/2010

Namens Jesu empfohlen wird, so zurückhaltend sind sie bezüglich dieser

Atemmethode. In einem dem Markarius (4. Jahrh.) zugeschriebenen Text

wird z. B. festgestellt, dass es nicht leicht sei bei jedem Atemzug zu

sprechen: „Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner.. ." Offensichtlich

bewirkt eine solch einfache und grundlegende Übung, dass die Atmung

allmählich gleichmäßig und harmonisch wird. Dadurch wird das Gebet

durch eine Atmosphäre der Ruhe vorbereitet und eingehüllt in eine

Harmonie der Seele wie des Leibes, in deren Rhythmus es sich

ungehindert entfalten kann. Eine solche aus der Einsicht in die

psychosomatischen Zusammenhänge gewonnene Technik dient nicht

allein der Begehung des mystischen Weges. Auch das offizielle Beten der

Kirche beruhte auf der Kenntnis des Atemrhythmus, und in den letzten

Jahrzehnten hat man diese Gesetze wieder entdeckt und zu nützen gewusst

- vor allem für die Gestaltung des Psalmengebetes, das gemeinschaftliche

Chorgebet der Mönche.

Dass man diese Gesetze einst in der Kirche gekannt hat, erweisen die

alten Gebete der Liturgie; sie sind wegen ihres dem Atem des Menschen

angepassten Rhythmus leicht zu beten und zu sprechen. Hingegen sind die

Gebete aus späterer Zeit mit abstrakten Erwägungen und mit Theologie

förmlich überladen worden, unter Nichtachtung der psychischen und

psychologischen Gesetzmäßigkeiten. Dadurch sind sie kaum mehr laut

oder gemeinsam zu beten. Doch nicht nur das liturgische, auch das

Privatgebet ist naturgemäß solchen Regeln unterworfen. Ein so großer

Beter wie der hl. Ignatius gibt den Rat „wie im Takt" zu beten, „von einem

Atemzug zum andern."

Es ist durchaus sinnvoll, wenn der Text des Markarius darauf hinweist,

der Herr Jesus Christus solle „bei jedem Atemzug" angerufen werden. Zu

dieser einfachen Anweisung gesellen sich später, so in den Angaben des

Pseudo-Simon und Gregors des Sinaiten, wie dessen Schule, noch

eingehende Atemlehren, um die psychische Wirksamkeit des Gebetes zu

steigern. Zur klassischen Formulierung ist diese Gebetsmethode im 14.

Jahrhundert durch zwei Mönche vom heiligen Berg, Athos Ignatius und

Kallistus, in ihrer „Centurie" gebracht worden.

Von der Seele wie vom Körper her nach der Vollkommenheit des

Gebetes zu streben, wie es das Herzensgebet unternimmt, ist

wahrscheinlich die Synthese alles Betens. Aber es scheint im Mönchstum

zwei Schulen gegeben zu haben. Denn es heißt in einem Markarius zugeschriebenen

Texte: „Unser Gebet sollte nicht mit irgendeiner Art von

Gewohnheit, d. h. nicht mit vorgeschriebenen Körperhaltungen, mit

Schweigen oder Kniebeugungen beginnen. Wir sollen vielmehr unsern


GL 3/2010 Das Herzensgebet

35

Geist in Nüchternheit erhalten, um den Augenblick zu erwarten, da Gott

sich zeigt und die Seele durch alle ihre Zugänge, ja auch durch alle Sinne

heimsucht. Man sollte nicht in einer bestimmten Weise, sei es schweigend,

schreiend oder klagend beten wollen, bevor nicht der Geist sich Gott fest

verbunden hat. Die Seele muss sich gänzlich aller Wünsche entäußern, um

der Anbetung und der Liebe Christi willen, unter Vermeidung aller

Zerstreutheit und Abirrung der Gedanken. »Man kann also auf christliche

Weise sowohl mit wie auch ohne Regelung des Atems beten, obwohl die

Nutzung des Letzteren die Einbeziehung nicht nur der Seele sondern auch

des Leibes in den Bereich des Gebetes bedeutet. Man sollte sich als christlicher

Beter nicht von der durchaus vorhandenen Ähnlichkeit zwischen der

hesychastischen Atemmethode und der des Yoga abschrecken lassen.

Denn die Intention beider ist im Grunde eine durchaus verschiedene. Dies

wird deutlich, wenn wir nach der christlichen Substanz des Jesusgebetes

fragen.

In der ganzen ostkirchlichen Überlieferung, nicht nur in der berühmten

Sammlung der mystischen Texte der griechischen Kirchenväter, der

„Philokalie", wird die Auffassung vom geistigen Leben als eines

immerwährenden Kampfes mit dem Dämon vertreten. Nur durch eine beständig

erneuerte Läuterung des Willens, durch einen beständigen

Widerstand gegen alle Ursachen der Zerstreuung, kann man ihm

widerstehen. Die Kirchenväter nennen allgemein diese Haltung

„Mäßigkeit, Wachsamkeit des Herzens oder Ruhe (hesychia) des Geistes".

Formal betrachtet könnte eine solche Askese - was nichts anderes bedeutet

als Übung - als eine allgemein menschliche religiöse Praxis verstanden

werden. In Wirklichkeit aber hat „die Läuterung des Herzens keinen

anderen Urheber als Jesus Christus, den Sohn Gottes und Gott

selber" (Hesichius v. Batos). Darum ist sie übernatürlichen Ursprungs und

ist im ureigentlichen Sinn christlich, gleich jenem Gebet, das unablässig

von Jesus unsere Rettung erfleht. Denn Quelle und Zeugnis des

Jesusgebetes ist das Neue Testament und seine dreifache Gebetsweisung:

1.Betet unaufhörlich;

2.Die Anrufung des Namens (Gottes im Alten Testament, Jesu im

Neuen Testament) ist heilbringend;

3.„Niemand kann Jesum einen Herrn heißen, es sei denn im Heiligen

Geist" (1. Kor. 12,3).

Überdies hat das Jesusgebet einen Klang, der nicht täuschen kann, denn

es ist voller Demut. Wenn man sich auch nur auf seinen wesentlichen

Wortlaut beschränkt „Herr Jesus, Sohn Gottes, sei mir Sünder gnädig",

und diesen in einem einfachen Atemrhythmus beständig wiederholt, so ist


36 Das Herzensgebet

GL 3/2010

die Wirkung, wie die Praxis zeigt, außerordentlich. Auch läuft man

dadurch nicht Gefahr, in die Übertreibung eines Widerstandes gegen

jegliches gedanklichere Gebet zu verfallen oder es in falscher Ausschließlichkeit

zum einzigen Gebet zu machen. Die Tradition kennt diese beiden

Extreme und meidet sie. So rät beispielsweise Theoleptos von Philadelphia

aus einem Buch zu beten, wenn man fühlt, dass die Aufmerksamkeit bei

der Übung des Herzensgebetes nachlässt. Ebenso empfiehlt Gregor, der

Sinait, als Ausgleich und Ergänzung das Psalmsingen.

Es ist sehr zu hoffen, dass die Christen unserer Zeit, die dieses

„Herzensgebet" neu entdecken, durch seine Einfachheit und seine

unendliche Verwendungsmöglichkeit in allen Lagen des Lebens jenes unablässige

Beten wiedergewinnen werden, das im frühen Christentum und

vor allem vom Apostel Paulus hoch geschätzt wurde. Hat nicht Christus

selbst es uns geboten, indem Er sagte: „Betet ohne Unterlass" (Lk. 18,1).

(Quelle: Alfons Rosenberg - „Die unerschütterliche Hilfe -

Macht und Wirkung des Gebetes“ , Otto-Wilhelm-Barth-Verlag)


„Sprechet aber nun auch in euren Herzen mit mir und saget es laut:

O du allmächtige, heilige Liebe, du allerbarmherzigster Herr und Vater

in Jesu Christo! Wir bekennen nun unsere alte, große Schuld vor Dir; wir

sagen hier, dass wir allzeit nicht nur unnütze, sondern die

allerschlechtesten Knechte vor Dir waren, und bekennen, dass all unsere

vermeintliche Verdienstlichkeit von unserer Seite Dir, o heiliger Vater,

gegenüber ein Gräuel sein musste, bitten Dich aber dennoch hier in unserer

äußersten und größten Not, dass Du uns gnädig und barmherzig sein

möchtest!

Lass uns hier zu wahren Brüdern werden, die sich allzeit durch Deine

Gnade und Erbarmung lieben und Dir geben in jeglichem Zustande alle

Ehre, alles Lob und allen Preis!

Und wir bitten Dich auch aus dem Grunde unseres Herzens, dass Du, o

heiliger Vater, uns nur diese allerhöchste Gnade verleihen möchtest, dass

wir allergrößten Sünder vor Dir - Dich, o ewige Liebe, aber dennoch aus

allen unseren Kräften lieben dürfen!“

(GS.01_089,13)


GL 3/2010 Die Stille - Wohnstätte des lebendigen Geistes

37

Die Stille - Wohnstätte des lebendigen Geistes

Jack H. Holland

Was aber bedeutet das: Den Geist, der in uns ist, lebendig machen?

Was bedeutet das, wir sollen in uns gehen? So fragt man an den

Universitäten, so fragt man im Alltag.

In unserer Zeit, die so extrem materialistisch orientiert ist, finden viele

Menschen unbegreiflich, dass der Mensch ein „inneres Bewusstsein“ hat

(oder wie immer wir es nennen) und dass er sich kraft Geistes eine

entscheidendere, ja für ihn die einzig maßgebende Wirklichkeit erschafft,

der gegenüber die Wirklichkeit der materiellen Erscheinungswelt, die wir

aufgrund unserer Sinne „begreifen“ können, zurücktritt.

Für die meisten Menschen existiert all das nicht, was nicht zumindest

mit einem unserer Sinne wahrgenommen werden kann. Und doch wissen

wir von Kräften und Energien, die wir den Phänomenen nach kennen, mit

unseren Sinnen aber nicht wahrnehmen können!

Albert Einstein hat schon 1930 festgestellt, dass unsere Sinne nur etwa

ein Tausendstel von dem wahrnehmen können, was allein im

elektromagnetischen Spektrum existent ist. Und denken wir noch an die

Entdeckungen, die seit 1930 gemacht worden sind! Wir kennen uns

bestens mit Geräten aus, deren Funktionieren auf physikalischen oder

chemischen Vorgängen beruht: Radio, Telefon, Fernsehen. Und wir

kennen auch Röntgenstrahlen und Ultrakurzwellen. Hat jemand von ihnen

je etwas wahrgenommen? Im Matthäusevangelium (13,13) lesen wir: „Mit

den Ohren werdet ihr hören und werdet es nicht verstehen; und mit

sehenden Augen werdet ihr sehen und es nicht erkennen.“

Alles Schöpferische ist eine Manifestation des Geistes. Jeder Erfinder,

jeder Künstler, jeder Wissenschaftler und jeder Wirtschaftsmanager -

überhaupt jeder Mensch, der je eine „neue“ Idee hatte - musste das Neue

an der Sache oder Idee von irgendwoher beziehen; es existierte schon

immer. Es ist buchstäblich wahr, dass es „nichts Neues unter der Sonne

gibt“. Aber jedes kreative Werk wurde von einem Menschen geschaffen,

der den Willen hatte, das Unsichtbare sichtbar zu machen, und der den

Mut hatte, etwas zu tun oder zu denken, das kein Mensch vor ihm getan

oder gedacht hatte. Kreative Menschen verstehen den Geist, der ihnen

innewohnt, lebendig zu machen.

Haben Sie je darüber nachgedacht, wie eine Erfindung zustande

kommt, wie eine neue Technik entdeckt wird? Haben Sie je einem

Künstler bei seiner Arbeit zugeschaut? Sind nicht alle Menschen, die je


38 Die Stille - Wohnstätte des lebendigen Geistes GL 3/2010

etwas Neues entdeckten, vom Bestehenden ausgegangen und haben dann

im Bewusstsein, dass das Bestehende nicht etwas Endgültiges ist, ihre

neue Idee entwickelt? Was bedeutet eigentlich das Wort „entdecken“? Es

sagt doch buchstäblich aus, dass etwas Verdecktes hervorgeholt wird. Wer

etwas entdeckt, der enthüllt etwas, macht etwas sichtbar, das natürlich

immer schon da war, das aber verdeckt da war und deshalb die Illusion

zuließ, dass „unter der Decke“ nichts existiert. War Amerika nicht da,

bevor Kolumbus es entdeckte? Waren die Mondgesteine nicht existent,

bevor die Raumfahrzeuge sie zur Erde brachten? Entdecken bedeutet

tatsächlich, fast wie dem Wortsinn nach, „die Decke wegziehen“, so dass

unsere Sinne gewahr werden, was unter der Decke verborgen ist. Zöge nur

jemand - es müsste ein zweiter Jesus sein - die Decke, die den Geist, die

Gotteskraft, verbirgt, weg, damit auch die Menschen, die um jeden Preis

der sinnlichen Wahrnehmung bedürfen, erkennen könnten, dass er

vorhanden ist, der Geist Gottes, um uns, in uns, in allem, was ist und lebt!

Und doch müsste es ein jeder von uns wissen!

Die Entdeckung des Geistes ist die größte Entdeckung, die der Mensch

je gemacht hat; aber jeder Mensch muss den ihm innewohnenden Geist für

sich selbst zuerst entdecken und dann erwecken. Und dabei ist etwas

Wunderbares: Jeder Mensch kann und soll auch sein eigener Entdecker

der Kraft seines Geistes sein - in der Stille. Die „Wohnstätte“ des Geistes

ist die Stille. Alle Menschen, die, wie ihre Lebensgeschichte beweist, nach

geistiger Erleuchtung strebten, die nach kreativen Ideen suchten, die sich

für das Schöne und Gute begeisterten oder die Wunder der Natur zu

begreifen versuchten, haben - heute wie in alter Zeit - erkannt, wie wichtig

die Stille ist.

In der Stille findet der Mensch zu sich selbst, zu seinem geistigen

Wesen. Im Stillesein - sei es aufgrund gezielter körperlicher Entspannung

und bewusst geistig-seelischer Ruhigstellung oder sei es durch den Schlaf

herbeigeführt – kann der Mensch seine kreative Kraft aktivieren. Natürlich

wird diese in bewusst und willentlich vollzogenen Tätigkeiten zum

Ausdruck gebracht, aber ihre Erweckung findet in der Stille statt. Darum

haben so viele Erfinder, Künstler und Wissenschaftler die Kontemplation

oder den Rückzug auf die wohltuende Ruhe der Natur als einen so

wichtigen Faktor ihres Schaffens betrachtet und immer wieder die Stille

gesucht.

Charles Lindbergh hat in einem Brief an die Leser des Magazins Life

betont, dass der Mensch zur Natur zurückkehren und womöglich wieder in

die „Wüste“ gehen müsse, um die alles sprengende Technologie in

Einklang auch mit den geistigen Bedürfnissen des Menschen bringen zu


GL 3/2010 Die Stille - Wohnstätte des lebendigen Geistes

39

können. Lindbergh war sich, wie fast alle Wissenschaftler und Forscher,

der großen Bedeutung bewusst, die die Nähe zur Natur und das „Eintreten

des Menschen in die Stille“ für uns alle hat.

Alle Großen des Geistes, Philosophen wie Platon, Wissenschaftler wie

Einstein oder Edison, Dramatiker wie Sophokles oder Shakespeare oder

erleuchtete religiöse Lehrer wie Jesus oder Buddha, haben betont, wie

wichtig es ist, in die Stille zu gehen. Sie sprechen von den „Wundern der

Stille“, von der „winzig kleinen, erhebenden Stimme“, die aus ihr spricht,

von der „Schönheit“, die sie beherbergt, von den „großen Ideen“, die sie

bereithält. Sie alle betonen die Notwendigkeit, aus dieser Quelle alle

Energie, Kreativität und geistige Kraft zu schöpfen.

Stille sein ist ein Phänomen eigener Art. Es hat große Bedeutung für

das körperliche und geistig-seelische Wohlbefinden des Menschen. Was

bislang im Abendland weitgehend ignoriert wurde, gewann erst in den

letzten Jahrzehnten an Bedeutung: Meditation und Gebet.

In diesem Zusammenhang haben Wissenschaftler festgestellt, dass der

menschliche Körper, ein kompliziertes elektromagnetisches System, durch

bestimmte Energien aktiviert werden kann. Im vollkommenen Stillesein -

wenn Körper und Geist im Zustand der Ruhe sind - wird die „Batterie“ des

elektromagnetischen Systems im Menschen aufgeladen. Das ist häufig

demonstriert worden, und bekannte Wissenschaftler haben darüber

berichtet. Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Beweise, dass die

Versenkung in die Stille sowohl vom physiologischen als auch vom

psychologischen Standpunkt aus von großer Bedeutung ist.

Das Bedürfnis, die körperliche Gesundheit zu verbessern, ist jedoch

nicht der entscheidende Grund, in die Stille zu gehen. Ausschlaggebend

ist: In der Stille ist die Wohnstätte des Geistes. Im Stillesein finden wir

zur Kraft des uns innewohnenden Geistes und den Zugang zum

unendlichen Geist, zu Gott. In der Stille entdecken wir das Göttliche

unseres Wesens.

Das menschliche Sein beruht auf der „Trinität“ aus Körper, Verstand

und Geist (Geist-Seele). Nicht die eine, nicht zwei, sondern alle drei

Komponenten seines Wesens muss der Mensch entwickeln, und zwar

gleichzeitig und gleichmäßig. Nur so kann er sich im Gleichgewicht

befinden und der Segnungen und Wohltaten des Lebens sowohl in

materieller als auch in geistiger Hinsicht teilhaftig werden. Nur so werden

ihm Freude, Glück und Frieden zuteil.

Was uns die übliche, einseitig auf Verstandesschulung und

Körperertüchtigung angelegte Erziehung weitgehend vorenthält, die

Entwicklung unseres Geistes, das müssen wir selbst für uns tun - und in


40 Die Stille - Wohnstätte des lebendigen Geistes GL 3/2010

der Stille können wir es tun. In der Stille finden wir, was wir suchen. Wir

werden des lebendigen Geistes in uns gewahr und seiner Gaben teilhaftig:

Intuition, Kreativität, Gotteserkenntnis, Selbsterkenntnis, Selbstverwirklichung.

In allen großen Weltreligionen wird auf die Notwendigkeit hingewiesen,

durch Meditation und Gebet die Stille zu suchen. Im

Matthäusevangelium (6,6) finden sich die Worte Jesu: „Wenn aber du

betest, so geh in deine Kammer, schließ die Tür zu und bete zu deinem

Vater, der im Verborgenen ist.“ Die Kammer, von der Jesus spricht, ist

die innere Stille; dass wir die Tür zuschließen sollen, heißt, dass wir vom

Alltag unseres materiellen Lebens abschalten sollen; das „Verborgene“ ist

der uns innewohnende Geist. Indem wir durch Meditation und Gebet die

Stille aufsuchen, erkennen wir, dass Gott „über allen und durch alle und in

allen ist“. Paulus sagt im Zweiten Brief an die Korinther (4,18): „... uns,

die wir nicht auf das Sichtbare sehen, sondern auf das Unsichtbare. Denn

was sichtbar ist, das ist vergänglich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.“

In der Stille wird uns das Unsichtbare, das Ewige, offenbar. Wir werden

uns bewusst, dass der unendliche Geist - Gott - allgegenwärtig ist: um uns,

aber auch in uns. Wir können daher zu jeder Zeit und unter jeder

Bedingung mit ihm Verbindung aufnehmen, einfach indem wir in die Stille

gehen.

Wir brauchen allerdings einen überzeugenden Beweggrund, eine

Motivation, ein Ziel, wenn wir uns auf die Suche machen, die

Vollkommenheit, die Schönheit und den Frieden zu entdecken, die in der

Stille, in unserem Inneren, verborgen sind. Der menschliche Verstand ist

nicht fähig, sich Wissen anzueignen, wenn er nicht auf ein Ziel gerichtet

ist. Das haben die pädagogische Psychologie und andere

Wissenschaftszweige nachgewiesen. „Alle Wohltaten des Geistes und des

Herzens entgleiten dem Zugriff eines unentschlossenen Willens“, hat

William Shakespeare gesagt.

Ich befinde mich in Übereinstimmung mit den geistigen Führern aller

großen Weltreligionen, wenn ich meine, dass das Ziel jeglichen Betens

und Meditierens, der wesentliche Grund für die Versenkung in die Stille,

darin liegt, ein Mittel zur bewussten Kommunikation zwischen dem

Menschen und Gott als dem Inbegriff allen Geistes zu finden.

Ist es nicht das, was der Begriff „Kommunion“ eigentlich ausdrückt -

die Kommunikation zwischen dem Menschen und Gott? Durch Meditation

und Gebet in der Stille vollzieht sich die Kommunion, nicht durch ein

besonderes Ritual.

In unserem Inneren finden wir zu unserem eigentlichen Wesen, das


GL 3/2010 Die Stille - Wohnstätte des lebendigen Geistes

41

geistiger Natur ist. Der materielle Körper verlässt uns, wenn wir aus dem

Leben scheiden. Alles Wissen, das sich unser Verstand angeeignet hat,

vergeht mit dem Leben. Doch der Geist, das Ewige unserer Teilhabe am

unendlichen Geist, das in religiösem Zusammenhang auch „Seele“

genannt wird, vergeht nicht. Und es ist derselbe Geist, den wir in der Stille

finden.

Jesus hat gesagt, dass das „Reich Gottes“ in uns ist - dieses stirbt nicht.

Die Seele ist ewig! Sollten wir uns nicht mehr der Komponente unseres

Seins zuwenden, die ewig ist, der die Erkenntnis des wahren Wesens

Gottes, des Universums und des Menschen verliehen ist?

Wenn ein Organ unseres Körpers nicht richtig funktioniert, versuchen

wir, so schnell wie möglich Abhilfe zu schaffen. Wenn wir uns auf

irgendeinem Wissensgebiet, das für uns von Nutzen ist, nicht richtig

auskennen, setzen wir unseren Verstand ein, um die Lücke zu schließen.

Warum ignorieren wir unsere Seele, unseren unsterblichen Geist? Warum

wollen wir nicht in uns gehen und aus der Stille Kraft schöpfen, wenn wir

niedergeschlagen sind, wenn wir einsam oder unglücklich sind? In der

Stille können wir Trost und Stärke finden, bei dem unendlichen Geist,

der unser wahres Wesen ist.

Alle großen Weltreligionen verkündigen dem Menschen, dass die

Lösungen unserer Ängste, Probleme und Nöte, Einsamkeit, Unglücklichsein,

Verzweiflung, Unterdrücktsein und soviel anderes mehr - in der

Stille, im Stillesein gefunden werden können. Der Prophet Jesaja verheißt

uns (30,15): „Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch

geholfen; durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein.“ Und der

Prophet Sacharja fordert uns auf (2,17): „Alles Fleisch sei stille vor dem

Herrn; denn er hat sich aufgemacht von seiner heiligen Stätte!“ Paulus sagt

in seinem Brief an die Römer (8,14): „Denn die der Geist Gottes treibt, die

sind Gottes Kinder.“ Und im Brief an die Philipper (4,5-7) schreibt er:

„Der Herr ist nahe! Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst

eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kommen! Und

der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und

Gedanken bewahren in Jesus Christus.“

Im Schrifttum aller großen Religionen wird darauf hingewiesen, dass

Friede, Heiterkeit des Herzens, Verständnis und Liebe den Menschen

zuteil werden, die durch Meditation und Gebet in die Stille gehen.

In der Stille gelangen wir über die Möglichkeiten metaphysischer oder

theologischer Erkenntnis hinaus. Wir finden in ihr das wahre Bewusstsein.

Ich meine nicht das Bewusstsein, wie es die Psychologie oder andere


42 Die Stille - Wohnstätte des lebendigen Geistes GL 3/2010

Wissenschaft definiert; ich spreche eher, wie ich schon einmal hervorhob,

von dem, was Ralph Waldo Emerson als „Weltseele“ oder was Carl

Gustav Jung als das „kollektive Unbewusste“ bezeichnet haben. Es ist

dem der Metaphysik, der philosophischen Lehre von den letzten Gründen

und Zusammenhängen des Seins überlegen, weil es individuellen Bezug

hat: wir sind unser eigener Lehrer und zugleich Schüler. Dieses

Bewusstsein - man könnte es auch kosmisches Bewusstsein nennen - kann

nur vom einzelnen Menschen erfahren werden, der in der Stille, in der

Wohnstätte seines Geistes, nach ihm sucht.

Kosmisches Bewusstsein - der unendliche Geist -, das ist es, wonach

wir suchen sollen. Durch ihn kehren wir zu unserem Schöpfer zurück,

durch ihn erlangen wir wahre Erkenntnis.

Wie in allen wesentlichen Belangen ist zur Entwicklung unserer

Fähigkeit, das kosmische Bewusstsein in uns zu finden, das Wichtigste

Liebe. Wenn wir uns selbst nicht lieben, können wir keine Antworten in

uns finden. Wir müssen uns selbst lieben lernen, so wie wir lernen müssen,

alle anderen Geschöpfe Gottes zu lieben.

Gott wirkt durch die Kraft der Liebe. Je mehr wir von der Liebe

durchdrungen sind, umso näher kommen wir Gott. Je näher wir Gott

kommen durch bewusste Liebe zu allem, was ist und lebt, desto leichter

ist es für uns, der Segnungen und der Weisheit teilhaftig werden, die in

der Stille verborgen sind. Jesus hat uns gelehrt, dass das höchste Gebot die

Liebe zu Gott ist. Wenn wir Gott in Wahrheit lieben, dann lieben wir alles,

was Gott geschaffen hat: unsere Mitmenschen, uns selbst, die ganze

Schöpfung, denn Gott „ist über allen und durch alle und in allen“.

Jeder Tag hat 1.440 Minuten; sicher können Sie zehn Minuten

erübrigen, um sich der Vergegenwärtigung der Kraft Ihres Geistes zu

widmen. Überlegen Sie doch einmal, wie viele Minuten Sie täglich für die

Pflege Ihres Körpers und für die Aktivitäten Ihres Verstandes verwenden!

Allzu lange hat sich der Mensch in fast allen Stunden seines Wachseins

nur dem Körper und dem Verstand gewidmet. Kein Wunder, dass der

moderne Mensch so unglücklich und hilflos ist: er entbehrt der Zuflucht

bei dem ihm zur Verfügung stehenden unendlichen Geist. Ist es nicht

geradezu absurd, die Kraft unseres Geistes zu vernachlässigen, wenn sie

doch so leicht aktiviert werden kann? Wer von uns hat die besagten zehn

Minuten Zeit nicht?

Viele Menschen, die sich über die Notwendigkeit, in die Stille zu

gehen, klar geworden sind, können sich nicht entscheiden, welche der

vielen angebotenen „Techniken“ sie benutzen sollen. Manche sind von

dem Angebot so verwirrt, dass sie lieber gar nichts tun. Es ist nun aber


GL 3/2010 Die Stille - Wohnstätte des lebendigen Geistes

43

einmal so, dass jeder Mensch die für ihn geeignete Technik oder Methode

selbst entdecken muss. Die Tür zur Stille, der Wohnstätte des Geistes, wird

dem geöffnet, der in Aufrichtigkeit und Geduld, mit starkem Glauben und

echter Motivation anklopft. Doch jeder Mensch muss selbst anklopfen, das

kann ihm niemand abnehmen.

Der Zugang zu den Mysterien der Stille ist jedem von uns gegeben. Es

gibt nicht nur eine Methode, nicht nur einen Weg. In den Sprüchen

Salomons (16,9) heißt es: „Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg;

aber der Herr allein lenkt seinen Schritt.“

Alle Wege zu Gott haben eines gemeinsam: sie führen in die Stille, in

die Wohnstätte des Geistes. Das Mittel zur Vereinigung mit dem uns

innewohnenden unendlichen Geist ist Gebet und Meditation. Wie das

Mittel angewendet wird, welche Technik für Gebet und Meditation benutzt

wird, ist der Wahl des Einzelnen überlassen. Jeder muss seinen Weg selbst

finden. Man sollte nicht versuchen, eine spezielle Technik anzuwenden, nur

weil sie ein anderer als hilfreich für sich empfunden hat. Unterweisungen in

Meditation und Gebet können hilfreich sein, aber sie können auch Schaden

anrichten, weil nicht jedem Menschen der gleiche Weg offen ist.

Vielmehr muss jeder Mensch selbst seinen Weg suchen, muss jeder

selbst an die Tür klopfen. „Denn wer bittet, der empfängt; und wer sucht,

der findet; und wer anklopft, dem wird aufgetan“ (Matthäus 7,8). Doch für

alle Menschen gilt, dass sie ein Ziel, dass sie den Glauben, die Liebe und

Geduld haben müssen.

Die „kostbare Perle“, von der die Bibel spricht, ist die Stille. In ihr kann

unser Geist zum Leben erweckt werden; in ihr finden wir den Zugang zu

Gott, dem unendlichen vollkommenen Geist; in ihr finden wir Frieden und

Heiterkeit, Weisheit und Liebe. Wenn ein Mensch seinen Weg in die Stille

gefunden hat, dann vermag er alle Probleme zu überwinden. Dann erfährt

er, dass der unendliche Geist in ihm selbst ist und ihm wirkliche Freiheit

und wahres Glück, dass er ihm Freude, Liebe und Weisheit schenkt.

(Quelle: Liebe - Urquelle Ihrer Kraft, Ariston Verlag)

„Darum sage Ich euch auch, dass Ich weder im Sturmgebraus

noch in dem Wüten des Feuers, sondern im sanften Gesäusel der

wehenden Morgenluft einhergehe.

Wer Mir dann in solcher Stille seines Gemütes entgegengehen

wird, der wird Mir auch begegnen.“

(GEJ.08_095,07)


44 Von der Vergebung

GL 3/2010

Von der Vergebung

Michiaki Horie

Dadurch, dass der Mensch aus dem Liebesverhältnis zu Gott ausbrach,

war er nicht mehr lebensfähig. Menschlich gesehen gab es keine Hoffnung.

Da hat Gott selbst eine Lösung geschaffen, indem er in Jesus Mensch wurde

und das Urteil stellvertretend an sich selbst vollstrecken ließ: Durch das

Sterben Jesu wurde Jesus der Kanal, durch den die Liebe Gottes erneut

wieder den Menschen erreichte; so wurde der Mensch durch das

aufgerichtete Zeichen der Liebe wieder lebensfähig; denn die Schuld des

Menschen war gesühnt. Und das, was als Niederlage gewertet wurde, hat Gott

in einen Triumph verwandelt, indem er Jesus von den Toten auferweckte.

Seitdem gilt ein anderes Prinzip: nicht mehr Schuld und Sühne, sondern

Schuld und Vergebung.

Meine Schuld hat Jesus das Leben gekostet. Ich kann nichts zurückzahlen.

Ich darf mich beschenken lassen. Mir ist vergeben, weil ich geliebt bin.

Wer sich aber von Gott geliebt weiß, kann lieben. Und wer selbst von

der Vergebung lebt, wird auch anderen vergeben.

So hat die Vergebung zwei Aspekte: Empfangen und Austeilen. Immer

aber ist die Basis die Liebe. Weil ich von Gott geliebt bin, ist mir vergeben.

Und weil ich von dieser Vergebung lebe, kann ich auch vergeben und habe

somit Teil an der göttlichen Liebe.

Aber wie viele Menschen gibt es, die halten an ihrer Anklage fest. Um das

eigene Versagen zu rechtfertigen, wird die Schuld dem anderen

zugeschoben. Da sind die Eltern. Da sind die Lehrer. Die Kirche. Die

Gesellschaft. Der Staat. Immer ist es der andere, der auf die Anklagebank

gezerrt wird, um für den eigenen Schaden zu zahlen. Als hätte man selbst ein

Recht auf Wiedergutmachung. Ich kenne Menschen, die steigern sich derart

in die Vorstellung hinein, dass andere an ihnen schuldig geworden sind, dass

sie die ganze Welt anklagen. Sie fordern ihr Recht. Sie fordern Vergeltung. Sie

fordern Sühne. So listen sie alle Fehler der anderen auf und bestehen darauf,

dass der andere zahlt.

Wie viele negative Erinnerungen werden gespeichert und immer wieder

aufs neue hervorgeholt. Und diese negativen Erinnerungen sind wie ein

Fäulnisherd, der langsam um sich frisst. Und dann fängt der Mensch an

aufzulisten: „Als ich vier Jahre alt war, ist mir jenes Unrecht geschehen ...

Und als ich fünf war, wurde mir dies oder das angetan ... Und mit sechs

musste ich das oder jenes erleben...“ Und die Erinnerung an all die

Verletzungen wird immer wieder aufs Neue genährt, bis sie schließlich zu

einem Schatz geworden sind, den man eifersüchtig bewacht, den man

nicht mehr verlieren möchte. Damit aber wird die Bitterkeit noch betoniert.


GL 3/2010 Von der Vergebung

45

„Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren

Schuldigern“, lehrt Jesus seine Jünger beten. Und dann warnt er sie noch

einmal eindringlich davor, mit einem unversöhnlichen Herzen im Gebet zu

Gott zu kommen. Solch ein Gebet ist wie ein Hohn. Wie sollte Gott da hören?

(Matth. 6,12.14.15) Sooft ich mit einem tief verbitterten oder gekränkten

Menschen über die Vergebung spreche, ist die erste Reaktion: „Das kann ich

nicht. Das ist unmöglich!“ Und es ist in der Tat - menschlich gesehen -

unmöglich. Wir sind einfach nicht in der Lage, aus eigener Kraft dieses Gebot

Jesu zu praktizieren. Das ist eine nüchterne Bilanz und bittere Wahrheit über

uns selbst.

An diesem Punkt lernen wir uns kennen, wie wir sind: voller

Rachegelüste; denn wir leben noch immer nach dem Prinzip „Schuld und

Sühne“. Aber wer sind wir selbst? Hat unsere Schuld nicht Jesus das Leben

gekostet?

In dem Wort Vergebung klingt im Hebräischen „nasa“ der Begriff „tragen“

mit. Vergebung hat also mit Tragen zu tun. Und genau das hat ja Jesus getan.

Er hat das Kreuz, das eigentlich unser Kreuz war, auf sich genommen. So

geht die Vergebung über das Kreuz. Ohne diesen Prozess des Sterbens ist

keine Vergebung möglich. Und dieses Sterben ist nicht nur ein einmaliges

Geschehen, sondern es muss auch in uns heute erfolgen.

Jesus sagt: „Wer mit mir gehen will, der verleugne sich selbst und nehme

sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Wer sein Leben retten will, der wird es

verlieren. Wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es

finden.“ (Matth. 16,24-25)

Was bedeutet das? Heißt das nicht: Wenn wir unser Recht verlangen und

darauf bestehen, uns für dieses oder jenes zu rächen, dann gewinnen wir

nichts; im Gegenteil, wir verlieren alles, nämlich das Leben? Denn ohne

Vergebung gibt es kein Leben. Wer aber um Jesu willen das Leben verliert,

d.h. sein Recht auf Eigenleben abgibt, der wird das wahre Leben finden - das

eigene Leben eintauschen gegen das göttliche Leben.

Wenn wir das erkennen, können wir mit Freuden loslassen und all unsere

Rachegedanken dem Tod überlassen. Wir erhalten ungleich Besseres zurück -

Jesus Christus selbst, der das Leben ist. Auferstehen setzt Sterben voraus. Sind

wir dazu bereit? Auferstehen ist nicht ein Wiederaufleben der alten

Vergangenheit, es ist ein Neuanfang. Ein neues Leben. Der Preis für dieses

neue Leben ist das Sterben: der Verzicht auf Vergeltung. Verzicht auf das

eigene Recht. Das aber bedeutet Vergebung.

Vergebung ist nun kein einmaliges Geschehen. Vergebung ist eine

Gesinnung, für die wir uns immer wieder aufs Neue entscheiden müssen.

(Michiaki und Hildegard Horie – Einübung ins Vertrauen; Brockhaus-Verlag)


46 Von der Gewissenserforschung

GL 3/2010

Von der Gewissenserforschung

„Aber das sage Ich euch auch, dass es für euch gut ist, dass ihr euer

Gewissen genau durchforschet und so die ganze Größe all eurer Sünden

und Laster, die ihr begangen habt, durchschauet.

Habt ihr das getan, dann habt ihr euch fürs erste der Sünden entäußert,

werdet auch einen rechten Abscheu vor ihnen überkommen und sie

wahrhaft im Herzen bereuen; dazu werdet ihr dann auch leicht und

wirksam den festen Vorsatz fassen, ja keine Sünde mehr zu begehen,

sondern nur den Wunsch stets lebendiger in euch fühlen, jeden Schaden,

den ihr je jemandem zugefügt habt, nach allen euren Kräften wieder

gutzumachen. Ihr werdet dazu in voller Tat wohl nicht imstande sein,

besonders bei denen, die sich schon jenseits befinden; aber da werde Ich

euren festen Willen fürs Werk annehmen und für euch alles gutmachen,

was ihr Übles angerichtet habt.

Aber ihr müsset das wohl höchst ernst beherzigen, denn ihr werdet

noch so manche Versuchungen zu bestehen haben! Ein altes Fleisch legt

seine alten Gewohnheiten nicht so leicht ab, wie jemand in seinem ersten

guten Vorsatze sich das vorstellt. Ihr werdet zwar mit Mir ziehen; aber an

Meiner Seite, solange Ich noch auf dieser Erde umherwandeln werde,

werdet ihr gleich Meinen anderen Jüngern in noch gar manche

Versuchungen kommen, und es wird sich dann auch schon zeigen, wie

schwach euer Fleisch noch ist, wenn der Geist in euch schon zu einer

bedeutenden Stärke gediehen ist. Darum aber ist es eben so notwendig,

alles aufzubieten, damit die Seele aus der alten Gefangenschaft des

Fleisches kommen mag, und das kann nur dadurch geschehen, dass ihr das

tuet, was Ich euch angeraten habe; denn die Sünde verlässt die Seele in

dem Maße, in welchem die Seele die Sünde als Sünde erkennt, sie bereut,

verabscheut und sie hinfort nicht mehr begeht.“

(GEJ.07_163,17-19)


„Gott sieht nicht auf die Sünden der Menschen, sondern allein auf

das Herz! Wer Gott wahrhaft liebt, dem werden alle Sünden erlassen,

und hätte er derselben so viele, als wie da ist des Grases auf der Erde

und des Sandes im Meere. Deine Sünden aber liegen nur in deiner

Einbildung und nicht in der Wirklichkeit. Gott aber ist alles das nur ein

Gräuel, was vor der Welt groß ist; du bist aber gar klein vor der Welt und

somit vor Gott kein Gräuel. Liebe Gott nur recht stark, und Er wird dich

dann auch lieben und dir geben das ewige Leben!“ (GEJ.07_013,21)


GL 3/2010 Prüfet eure Liebesschulden

47

Prüfet eure Liebeschulden

„Es heißt in der Schrift, dass sich ein jeder gar wohl prüfen soll, und: es

ist nichts so verborgen und so Geheimes im Menschen, dass es dereinst

nicht laut von den Dächern der Häuser verkündet würde. Das will sagen:

Der Mensch hat nichts so vollkommen Allerinwendigstes in sich, dass

es sich im absolut geistigen Zustande nicht äußerlich erschaulich

beurkundet. Aus diesem Grunde ist einem jeden Menschen

nachdrücklich zu raten, alle freundlichen und feindlichen Verhältnisse,

in denen er sich je befunden hat, genauest zu prüfen, welche Wirkung

sie auf sein Gemüt ausüben würden, so er in diese zurückversetzt würde.

Denn darauf muss sich ein jeder hier auf der Erde lebende Mensch

gefasst machen, dass er jenseits im absolut geistigen Zustande in alle

jene verhängnisvollen Zustände lebendigst versetzt wird, welche ihm hier

als die größten Steine des Anstoßes galten; – denn der Herr Selbst ist mit

diesem Beispiele vorangegangen.

Zuerst wurde Er auf der Welt von Seinen Feinden gerichtet und

inmitten von Missetätern gekreuzigt, dann stieg Seine wesenhafte Seele

nicht sogleich auf in den Himmel, sondern hinab zur Hölle, wo Seine

größten Feinde Seiner harrten, wennschon auch manche alte Freunde wie

die alten Väter und gar viele Propheten und Lehrer. –

Wenn jemand auf dieser Welt nicht den letzten Heller zurückbezahlt

hat, wird er nicht vermögen, in das Himmelreich einzugehen. Darum

heißt es hier fleißig alle diese alten Schuldbücher durchgehen und

besonders diejenigen, welche das Wort Liebe als Aufschrift führen.

Liebeschulden sind für Jenseits die hartnäckigsten. Ein Millionenraub

wird leichter aus der geistigen Gedächtniskammer vertilgt als eine

Liebeschuld. Warum? Weil ein Millionenraub nur eine äußere, den Geist

nichts angehende, große Verschuldung ist; aber die Liebeschuld betrifft

zumeist den ganzen Geist, weil alles, was Liebe ist, das eigentliche Wesen

des Geistes ausmacht. Aus diesem Grunde ist für den Menschen auf dieser

Welt nichts so gefährlich, wie das so genannte „Verliebtwerden“; denn

dieser Zustand nimmt den ganzen Geist in Anspruch. Treten hernach

äußere Hindernisse ein, welche dergleichen vorzeitige gegenseitige

Geschlechtsliebe nicht verwirklichen lassen, so ziehen sich die beleidigten

Geister wohl zurück, lassen sich durch allerlei Weltgeflitter ihre erhaltenen

Wunden wohl lindernd verheilen; aber nichtsdestoweniger werden sie aus

dem Grunde geheilt.

Kommt dann das geistige böse Wetter hinterdrein, so brechen diese

Wunden von neuem auf. Dieser zweite Zustand wird um vieles ärger sein


48 Prüfet eure Liebesschulden

GL 3/2010

als der erste; wie auch in der Schrift von den ausgetriebenen sieben

Geistern die Rede ist. Da wird auch durch äußere Mittel wohl das Haus

gereinigt und der böse Feind durchwandert dürre Wüsten und Steppen;

aber weil er da keines Bleibens findet, nimmt er noch sieben andere, die

ärger sind denn er, zu sich und zieht dann wieder in sein altes, gereinigtes

Haus ein.

Das alte, gereinigte Haus ist der Geist, der auf dieser Welt durch äußere

Mittel gereinigt wird; der böse Geist ist der schlechte Zustand, in dem sich

ein Mensch auf dieser Erde einmal befunden hat. Dieser wurde durch die

äußeren Mittel völlig hinausgeschafft. Er durchwandert nun dürre Wüsten

und Steppen, das heißt, der Geist des Menschen heilt und vernarbt seine

Wunden, dass sie dürre werden und nicht mehr bluten. Aber der böse Geist

kehrt zurück mit noch sieben anderen, das heißt, im absolut geistigen

Zustande werden alle Wunden wieder bloßgestellt, brechen von neuem

und mit bei weitem größerer Heftigkeit auf; und das ist dann der Zustand,

der schlimmer ist als der erste.

Überall aber, wo ihr ein Wesen gegen das andere im höchsten,

verderblichsten Zorne auftreten sehet, da ist auch schon die Fundamentalhölle

vollendet da!

Aus diesem Grunde rate ich, Johannes, als nun wohlerfahrener, ewiger

Diener und Knecht des Herrn allen Menschen, besonders aber den Eltern,

dass sie ihre Kinder vor nichts so sorgfältigst warnen wie vor dem so

genannten Verliebtwerden. Wie sehr der Geist darunter leidet, könnet ihr

bei jedem studierenden Jünglinge, der sich unzeitigermaßen verliebt hat,

schon naturmäßig klar erschauen; denn ein solcher Jüngling ist sicher für

seine ganze Lebenszeit verdorben und keines geistigen Fortschrittes fähig.

Mag er sonst auch was immer für eine Leidenschaft haben, so könnet ihr

sie ihm durch eine gerechte Leitung hinwegnehmen und aus ihm einen

ordentlichen Menschen machen. Aber ein gewisses lebendiges Zauberbild,

das sich mit dem Geiste einmal verbunden hat, bringet ihr schwerer aus

einem jugendlichen Gemüte, gleich welchen Geschlechtes, als einen Berg

von seiner Stelle.

Und eben solchem unzeitigen Verliebtwerden liegt die größte geistige

Unzucht zugrunde; denn Unzucht oder Hurerei ist alles, was auf den

Betrug des Geistes absieht.

Da aber die Liebe am meisten des Geistes ist, so ist ein Betrug der

Liebe oder eine offenbare Verschuldung an dieser der wahren geistigen

Unzucht tiefster und unterster Grad oder die eigentliche unterste Hölle.“

(GS.02_116,05-13)


GL 3/2010 Ein Psalm des Herzens für Jesus

49

Ein Psalm des Herzens für JESUS

Öffnet euch, ihr heiligen Tempeltüren der Liebe meines Herzens! Tuet

euch weit auf mit Wohlklang und Wahrheit! Erwache, du Gottgeist in mir

und sei bereit, zu empfangen den Heiligen Geist deines HERRN! Denn der

HERR-HERR, unser Gott, unser heiligster Vater, will kommen! Ja, ER

kommt, um in dem sich selbst erkennenden Herzen Einzug zu halten!

Machet euch freudig weit, ihr heiligen Pforten des Tempels unserer

Seele! Lasset die Liebe frohlocken und ihre Morgengabe dem HERRN

darbringen:

Ziehe ein, DU Ersehnter, DU Hochgelobter, DU Geliebter meiner

Seele! Ziehe ein, in den gereinigten Tempel meines Herzens! Ziehe ein

und nehme Wohnung in mir! Denn DU, heilige Wahrheit, DU bist das

ewige Leben! Und Wenn DU in mir Einzug hältst und in mir wohnen

wirst, so bin ich ewig DEIN! Und DEIN Wesen, DEIN Geist, wird mich

durchdringen zu einem Leben der Liebe und Ewigkeit in DIR!

Alle, meine Gedanken wollen Dir dienen! All, mein Empfinden will

DICH liebkosen! Ja, all mein Sehnen, mein Hoffen, Vertrauen ist DEIN

Gefolge und wandelt mit DIR!

Sieh, meinen Glauben, er sucht DEINE Wege! Er will DICH finden,

DU ewiges Licht! Er will in DIR sterben, um neu zu er-stehen, als heilige

Wahrheit, gesegnet aus DIR!

Sieh, meine Tränen geheiligter Liebe! DU bist mein König, neig DICH

zu mir! All, meine Liebe möcht DICH umfassen! Möcht sich DIR geben

als DEINE Braut! Zeug mit ihr Wahrheit! Zeug mit ihr Freude! Zeug

DEINEN Frieden tief in mein Herz! Ja, mei-ne Liebe möcht DIR vermählt

sein! Ewig verbunden wahr und getreu!

Lass DEINE Liebe mir meine Welt sein! Lass sie mein Licht sein,

Herrlichster, DU! Sieh an, meinen Tempel, er ist DIR geöffnet! Ja, all

mein Sehnen ruft stets nach DIR! Komme, o Komme herrlichster JESUS!

Komme, o komme, komme zu mir!

Hier kniet mein Sehnen vor DIR, meinem Vater! Nehme die Gaben der

Liebe von mir! Nehme mich selbst, DU mein Gott, DU mein Vater! Nimm

meinen Tempel und wohne bei mir!

Schau meinen Altars: ER ist ja DEIN WILLE! Auf IHM will ich opfern

mein falsches Sein! Flamme des Altars, verbrenne mein Opfer zur heiligen

Freude! Und gib mich, gereinigt und durchglüht von DEINEM Feuer! Hin,

meinem JESUS als ewiglich SEIN! H A L L E L U J A H! AMEN!

(J. Dittrich)


50 Der Traum

GL 3/2010

Der Traum

Mir träumte, ich war bei Jesus. Mit wenigen Getreuen saßen wir in

Seiner Königskammer. Es war still. Jesus schwieg und jeder hing seinen

Gedanken nach. Mich trieb es an das Fenster, welches auf die Straße

hinausging. Dort sah ich Menschen vorbeiziehen, Menschen aus allen

Ländern, Schwarze, Rote, Gelbe, Weiße. Alle sahen sie verschieden aus

und interessant: Manche mit weißen Turbanen, andere in prächtigen

Gewändern, wieder andere murmelten andächtig vor sich hin. Gurus zogen

vorbei mit langen Bärten, Propheten stellten sich auf Podeste und

begannen zu predigen, wieder andere deuteten auf die Sterne und machten

dabei ein bedeutungsvolles Gesicht. Ich drehte mich um. Jesus saß noch

immer da, an einen Pfosten gelehnt. Er schien zu schlafen und sah dabei

plötzlich so normal aus. Ein Unbehagen kroch in mir hoch. War draußen

nicht alles viel spiritueller und religiöser als hier bei uns? Warum gerade

Jesus? Vielleicht haben andere Meister mir auch etwas zu bieten. Ich

wurde neugierig. Nur mal schauen und ein wenig lauschen, dachte ich.

Und im Geiste sah ich mich das Fenster öffnen und hinaussteigen.

Ich sah, wie ich mich unter das Volk mischte. Gespannt lauschte ich

hier und da, ob ich nicht die eine oder andere neue Weisheit aufpicken

könnte. Ich gesellte mich zu den Astrologen, zu esoterischen Zirkeln und

zu Wundermännern. Nur wenn jemand anfing, von Jesus Christus zu

erzählen, dann ging ich schnell weiter, denn den kannte ich ja selbst. Am

meisten angetan aber war ich von den Gurus aus Indien, die meditierten

und eine hohe Weisheit ausstrahlten. Und ich sah mich noch weiterziehen,

einem großen Tempel entgegen. Und wie ich so ging, bemerkte ich

plötzlich ein Tuscheln um mich her, ein Raunen ging durch das Volk, das

mir entgegenkam. Die Menschen sprachen leise miteinander, manche

zeigten schüchtern in eine Richtung, ja, bald schien es, als blickten alle nur

noch in eine Richtung, aus der ich kam. Was sollte es da schon

Großwichtiges geben, dachte ich bei mir, reckte mich aber dennoch, um zu

sehen, was es da gäbe. Da fuhr es mir mit einem Schlage durch meine

Glieder: Weit vorne, von unvorstellbarem Licht umflossen, war ein Mann

auf die Straße getreten, im einfachen Kleid stand er da, die Arme weit

ausgebreitet. Und Seine sanfte Stimme erklang in jedermanns Herzen:

„Meine Kindlein alle, die ihr mühselig und beladen seid, kommet her zu

eurem Vater, Ich will euch erquicken“.

Und in endlosen Scharen zogen die Menschen und mit ihnen alle

Gurus, Astrologen, Esoteriker und Propheten dem zu, der dort so demütig

stand, und den ich sogleich erkannte. Da brach es mir das Herz, vor Scham

und Schande, dass ich Jesus allein gelassen hatte, als er einsam und

verlassen war, und nun, da Ihn alle erkannten, nur als ein Letzter mich den


GL 3/2010 Der Schmetterling

51

Scharen anschließen konnte, wo ich die ganze Zeit bei Ihm hätte sein

können. Und vor übergroßer Trauer über meine Treulosigkeit und meinen

Hochmut brach ich in heftiges Schluchzen aus. Da legte sich mir eine

Hand auf meine Schulter. Es war Jesus, der zu mir ans Fenster getreten

war. Weinend warf ich mich Ihm an die Brust. „Vergib mir Vater.

Nimmer will ich Dich lassen, mein geliebter Jesus!“ (F.M.)


Der Schmetterling

Ein Mann fand die Puppe eines Schmetterlings. Eines Tages erschien

eine kleine Öffnung, und der Mann beobachtete über viele Stunden, wie

sich der Schmetterling mühte, seinen Körper durch die schmale Öffnung

zu zwängen. Nach einer gewissen Zeit erschien es dem Mann, als ginge es

nicht mehr weiter. Es sah so aus, als ob der Schmetterling erreicht hatte,

was möglich war. Der Mann fasste den Entschluss, dem Schmetterling zu

helfen.

Er nahm eine Schere und trennte den verbliebenen Rest der Puppe auf.

Der Schmetterling war dadurch schnell befreit. - Aber irgendetwas

stimmte nicht. Der Schmetterling hatte einen geschwollenen Körper und

verschrumpelte Flügel. Der Mann beobachtete den Schmetterling

weiterhin und erwartete, dass sich der Körper langsam zusammenziehen

würde und dass sich die Flügel entfalteten, um den Körper davonzutragen.

Aber nichts davon geschah.

Der Schmetterling verbrachte den Rest seines Lebens damit, mit einem

geschwollenen Körper und deformierten Flügeln herumzukriechen. Er war

niemals fähig zu fliegen. Was der Mann in seiner Hilfsbereitschaft und

Ungeduld nicht verstand, war, dass die Beschränkungen durch die Puppe

und die erforderlichen Anstrengungen, diese Puppe zu verlassen, Gottes

Weg waren, Flüssigkeit vom Körper des Schmetterlings in die Flügel zu

befördern, so dass der Schmetterling die Fähigkeit zum Fliegen erreicht,

sobald er sich endgültig von seiner Puppe befreit hat.

Manchmal sind Anstrengungen und Kampf genau das, was wir in

unserem Leben brauchen. Falls Gott uns erlaubte, ohne alle

Behinderungen durchs Leben zu gehen, würde uns dies verkümmern

lassen. Wir würden niemals die Stärke erreichen, die uns möglich ist.

Nicht nur das, wir könnten auch niemals fliegen…


52 Der Schattenspringer

GL 3/2010

Der Schattenspringer

Ein junger Mann wollte Gutes tun und ein guter Mensch sein. Oft

jedoch gelang es ihm nicht.

Seine Bequemlichkeit siegte und anstatt Gutes zu tun, verschanzte er

sich hinter Trägheit und Ausreden.

Jeden Abend, wenn er ins Bett ging, sah er sich in einem Traum. Dort

stand er in einer wunderschönen, sonnendurchfluteten Landschaft. Die

Sonne hoch am Himmel und vor seinen Füßen ein klarer, dunkler, scharf

umrissener Schatten.

Der Schatten war das Symbol für seine Schwächen, seine Trägheit und

Bequemlichkeit.

In seinem Traum versuchte er immer wieder über seinen Schatten zu

springen. Er wollte so gerne seine Schwächen überwinden. Jede Nacht

arbeitete er in seinem Traum daran.

Er erfand neue Sprungtechniken, machte immer höhere und weitere

Sprünge. Doch es wollte ihm nie gelingen, seinen Schatten hinter sich zu

lassen. Viele Jahre ging das so.

Eines Nachts sah er sich auf einer Wanderschaft mit dem heiligen

Franz. Der wirkte ständig ausgeglichen und fröhlich und unser Schattenspringer

fragte ihn nach seinem Geheimnis.

„Wie schaffst Du es nur, ständig so ausgeglichen und fröhlich zu sein?

Wenn ich auf meine Fehler schaue und versuche darüber hinweg zu

kommen, so drückt mich das zu Boden und macht mich unglücklich. Ich

schaffe es nicht wirklich.“

Der heilige Franz lachte und antwortete ihm: „Auch ich habe noch viele

Fehler, auch, wenn Du sie nicht siehst. Die einzige Lösung, die es gibt,

lautet: Schau auf Gott, nicht auf Deine Fehler, sieh Deine Stärken, nicht

Deine Schwächen. Denn mit dem, womit Du dich beschäftigst, zu dem

wirst Du.“

Langsam dämmerte die Erkenntnis in unserem Schattenspringer. In der

folgenden Nacht sah er sich in seinem Traum, wie er sich von seinem

Schatten ab- und der Sonne zuwendete.

Er spürte die angenehme Wärme und das Licht, dass ihn nun

durchflutete und das er all die Jahre lang nicht wahrgenommen hatte.

Er hatte seinen Schatten übersprungen. Und von diesem Tage an war

auch er ein glücklicher und ausgeglichener Mensch.

Was nicht bedeutet, dass er keine Schwächen mehr hatte. Diese waren

ihm wohl bewusst, er steckte lediglich keine Energie mehr in sie hinein.


GL 3/2010 Verzeihung

53

Verzeihung

Eine Frau kam zu einem Weisen und fragte ganz verzweifelt: „Herr, ich

weiß nicht mehr, was ich mit der Untreue meines Mannes manchen soll.

Ich habe alles versucht, aber nichts hilft!“

Der Weise antwortete: „Verzeihung!“

„Aber, Herr, ich habe ihm schon mehr als tausendmal verziehen. Ich

habe es schon satt, dieses ständige Verzeihen.“

Und wieder gab der Weise den Rat: „Verzeihen!“

„Das einzige, was dabei herauskommt, ist, dass er mein Verzeihen

ausnützt, um weiterhin fremdzugehen“, beteuerte die Betrogene.

Doch der Weise blieb dabei: „Wenn ich zu dir Verzeihung sage, meine

ich nicht, dass du ihm seine Untreue vergeben sollst, sondern dass du ihn

um Verzeihung bittest, weil du ihm das nicht gegeben hast, was er außer

Hauses gesucht hat.

Bitte ihn um Verzeihung dafür, dass du nicht genügend verständnisvoll

und zärtlich zu ihm gewesen bist, dass du ihn verurteilt und verwünscht

hast, dass du für ihn nicht das gewesen bist, was er von dir hätte erwarten

können, und bitte ihn um Verzeihung für all das, womit du zu seinem

ehelichen Fehlverhalten beigetragen hast.“


Vom wahren Glauben

Ein Jünger kam zu einem Meister und klagte: „Meister, jeder Priester

und Mönch preist mir seinen Glauben als den allein wahren an und

verdammt den der anderen als falsch. Zweifel quält mich, ich weiß nicht,

auf wessen Worte ich hören soll.“

Der Meister antwortete: „Deine Zweifel sind begründet. Höre meine

Anweisung: Glaube nichts auf bloßes Hörensagen hin: glaube nicht an

Überlieferungen, weil sie alt und durch viele Generationen auf uns

gekommen sind; glaube nichts auf Grund von Gerüchten, oder weil die

Leute viel davon reden; glaube nicht, bloß weil man dir das geschriebene

Zeugnis irgendeines alten Weisen vorlegt; glaube nie etwas, weil

Mutmaßungen dafür sprechen oder weil langjährige Gewohnheit dich

verleitet, es für wahr zu halten; glaube nichts auf die bloße Autorität deiner

Lehrer und Geistlichen hin.

Was nach eigener Erfahrung und Untersuchung mit deiner Vernunft

übereinstimmt und zu deinem eigenen Wohle und Heile wie zu dem aller

anderen Wesen dient, das nimm als Wahrheit an und lebe danach.“


54 Verschiedenes

GL 3/2010

Lorberfreundeskreis Innsbruck (Österreich)

Lorberfreunde aus Lans bei Innsbruck suchen Gleichgesinnte zwecks

gelegentlichen Gedankenaustausches.

Kontakt unter: 0512 / 377 911 ab 20 Uhr

Lorberfreundeskreis Lugano (Schweiz)

Lorberfreund möchte in Lugano / Locarno einen Freundeskreis

ins Leben rufen.

Kontakt unter: 0043 - (0) 664-9473859

Geistesbruder sucht Wohnwagen oder Holzhaus

Lorberfreund aus Österreich sucht für sein Grundstück in Ungarn einen

günstigen Wohnwagen oder ein Holzhaus.

Kontakt unter: 0043 - (0) 664-9473859

Lorberfreundin sucht Lorberfreund

Lorberfreundin, Mitte 60, geistig und körperlich wach und rege, sucht

Lebensbegleiter bis ca. 70 Jahre, der eine Beziehung leben möchte in

Seinem (Jesu) Sinne, unter Beibehaltung räumlicher Eigenständigkeit.

Zuschriften bitte an die Lorber-Gesellschaft,

Postfach 114, 83731 Hausham

Inseratenwerbung der Werke Jakob Lorbers

Geistesbruder Helmut Betsch inseriert aus eigener Initiative seit Jahren

in Zeitungen und Zeitschriften für die Werke Jakob Lorbers.

Die erfolgreiche Zeitschriftenwerbung in den letzten Jahren bestätigt

diese segensvolle Arbeit. Um diese auch zukünftig weiterführen zu können,

ist er auf unsere finanzielle Unterstützung angewiesen.

Wer diese segensvolle Arbeit finanziell unterstützen möchte, kann seinen

Beitrag mit den beiliegenden Überweisungsträgern der Lorber-

Gesellschaft unter dem Stichwort: Zeitschriftenwerbung leisten. Die

eingehenden Mittel werden dann umgehend weitergeleitet.

Dadurch ist es möglich eine Spendenbescheinigung auszustellen.


GL 3/2010 Seminare

55

Seminare nach den Eingebungen Jakob Lorbers

Sonntag, 3. Oktober 2010

Bearbeitung der 36 Emotionen nach Hildegard und

Jesus mit Günter Oberschmid

Beginn: 10 Uhr 30 bis ca. 16 Uhr mit kleiner Mahlzeit

€ 35,--

Sonntag, 31. Oktober

2. Geistige Sonne Kap. 10 – 66 Teil: 4

mit Wilfried Schlätz

Beginn: 9 bis ca. 16 Uhr Spendenbasis

Sonntag, 28. November

Die Himmel und Himmelfahrten – Teil 2

mit Wilfried Schlätz

Beginn: 9 Uhr – ca. 16 Uhr Spendenbasis

Sonntag, 5. Dezember

Fortsetzung der Bearbeitung der 36 Emotionen mit

der hl. Hildegard und Jesu mit Günter Oberschmid

Beginn: 10 Uhr 30 bis ca. 16 Uhr mit kleiner Mahlzeit

€ 35,--

Unkostenbeitrag mit Tagesverpflegung mit Wilfried Schlätz € 25,--

Übernachtung: € 20,--

Seminarhaus „Heidewuhr“ im schönen Schwarzwald

79736 Rickenbach – Bergalingen

Anmeldung Tel: 07765 – 1006 oder 07761 – 2041

mail: seminarhaus.heidewuhr@t-online.de

www.lorberfreunde-schwarzwald.de


56 Andritz-Quelle

GL 3/2010

Jakob-Lorber-Begegnungsstätte

www.andritzquelle.de

Ursprungblick 5a, A-8046 Graz-Stattegg

Steiermark / Österreich

Tel./Fax: 0043 / 316 - 691353 (von D)

Tel./Fax: 0316 - 691353 (von A)

Fernab vom Lärm der Welt, liegt

der besinnliche Quellteich der

Andritz, umgeben von Felsen und

alten Bäumen malerisch versteckt

in einer kleinen Talbucht am Fuße

des Schöckelgebirges. Eine hohe

Mauer, welche im Grün der Bäume

und Sträucher fast verschwindet,

beschützt diesen ruhigen und

beschaulichen Ort vor fremden

Blicken. Hier, in dieser Oase der Stille und Ruhe, findet die nach inneren

Frieden suchende Menschenseele einen Ort der Kraft zum Auftanken.

Um den Quellteich führt ein Fußweg und Bänke laden zum Verweilen

und Meditieren ein, um das innere Wesen dieses von der Natur so reich

gesegneten Ortes zu erfahren.

Das Gästehaus der Andritz-Quelle wurde 1905 erbaut und 2004

modernisiert. Es steht als Seminar- und Begegnungsstätte allen nach

Stille und Ruhe suchenden Menschen offen. Es bietet drei

Doppelzimmer mit Dusche/WC, ein Doppelzimmer mit Etagendusche/

WC, zwei Einzelzimmer mit Etagendusche/WC, einen Gästeraum und

eine Gästeküche. Das Gästehaus ist von April bis Januar geöffnet.

Anmeldungen und Anfragen an die:

Lorber-Gesellschaft e.V.

Anita Strattner, Pfarrhofstr. 7, D-83132 Pittenhart

Tel. / Fax : 08624-4114

E-mail: Lorber-Gesellschaft@web.de

Homepage: www.andritzquelle.de


Die Hauptwerke des Mystikers Jakob Lorber (1800-1864)

Das große Evangelium Johannes (10 Bände, je 450 Seiten) - In diesem großen und

herrlichen Offenbarungswerk erhalten wir nach der Verheißung Joh. 14,26 eine genaue,

eingehende und tief gedankenvolle Schilderung alles dessen, was Jesus in den drei Jahren

Seiner irdischen Lehrtätigkeit getan und gesprochen hat. Von der Fülle des in Joh.

21,25 Angedeuteten hat die Liebe und Gnade des Himmlischen Vaters hier den Menschen

zu ihrer Erleuchtung und Rettung endlos Großes geoffenbart.

Die Haushaltung Gottes (3 Bände, je 450 Seiten) - Dieses Werk entrollt in machtvoller

Sprache ein gewaltiges Bild des göttlichen Weltplanes, der Schöpfungsgeschichte und

der Urgeschichte der Menschheit von der Erschaffung Adams bis zur Sündflut.

Die Jugend Jesu (420 Seiten) - Dies ist die Wiedergabe der verschollenen, von Jakobus,

dem Stiefbruder des Herrn, verfassten Jugendgeschichte Jesu, des sog. Jakobus-

Evangeliums. Enthaltend die wunderbare Schilderung der Kindheit Jesu, gibt sie uns

auch zugleich ein helles Licht über das Rätsel von Gott und Mensch in der Person Jesu.

Die geistige Sonne (2 Bände, je 500 Seiten) - Grundsätzliche Belehrung über die Zustände

im Jenseits und die dortige Weiterentwicklung der Seelen. Ein hoch bedeutendes

Werk für Fortgeschrittene.

Bischof Martin (500 Seiten) - Entwicklungswege eines in menschlicher Unvollkommenheit

abgeschiedenen Bischofs im Jenseits bis zu seiner Vollendung.

Von der Hölle bis zum Himmel (Robert Blum) (2 Bände, je 500 Seiten) - Erfahrungen

und Erlebnisse des 1848 erschossenen Revolutionärs Robert Blum im Jenseits. Dieses

Werk gibt ein überaus lebendiges, vielseitig aufgeklärtes Bild der jenseitigen Weiterentwicklung

dieser politischen Persönlichkeit zum Gotteskind.

Erde und Mond (250 Seiten) - Wichtiges Hauptwerk über die geistige Welterklärung.

Umfassende Darstellung des Baues und der Bedeutung von Erde und Mond.

Die natürliche Sonne (1 Band, 320 Seiten) - Mehr als die Werke der gelehrten Sternkunde

enthüllt uns dieses Buch die Schöpfungen unseres Sonnensystems. Die Hauptsache

aber dieser Sonnen- und Sternenkunde führt uns zu Gott und zum Leben aus Gott.

Schrifttexterklärungen (112 Seiten) - Lichtvolle, aufschlussreiche Erklärung wichtiger

Bibelstellen.

Die drei Tage im Tempel (96 Seiten) - Der zwölfjährige Jesus im Tempel zu Jerusalem.

Briefwechsel Jesu mit Abgarus (40 Seiten) - Wiedergabe des einzigen, echten Briefwechsels

Jesu, von welchem das Geschichtswerk des Kirchenvaters Eusebius Kunde

gibt.

Der Großglockner (80 Seiten) - Ein Evangelium der Berge, behandelnd die natürliche

und geistige Bedeutung der Gebirge und das Wesen und Walten der Naturgeister in der

Bergwelt.

Heilung und Gesundheitspflege (240 Seiten) – Zusammenstellung von Ratschlägen für

die Heilung und Gesunderhaltung von Leib und Seele.

Kurt Eggenstein – Der unbekannte Prophet Jakob Lorber. Ein Einführungsbüchlein.

Gesamtprospekt und Bücher sind zu beziehen durch den LORBER-Verlag

Postfach 1851, 74308 Bietigheim, Deutschland

E-Mail: info@lorber-verlag.de

http://www.lorber-verlag.de


Besinnliche Texte zur Meditation

„Geist, der allein lebendige im Menschen, ist pur Liebe

und ihr zartestes und ewig wohlwollendstes Gefühl.

Wer demnach solche seine Liebe und deren zartestes

und ewig wohlwollendstes Gefühl in seine eigenliebige

Seele stets mehr und mehr aufzunehmen bemüht ist

und in selben auch stets stärker, kräftiger, mutiger und

gefügiger wird, der befördert dadurch die volle Einung des Geistes

mit der Seele; und wird dann die Seele zu purer Liebe und Weisheit

ihrem zartesten und wohlwollendsten Gefühle nach, so ist solch

eine Seele denn auch schon vollends eins mit ihrem Geiste und ist

dadurch denn auch im lebendigsten Besitze aller der wunderbaren

Lebens- und Seinsfähigkeiten ihres Geistes.“ (Gr.Ev.Joh. 8; 150,15)


„Ich will euch ein Mittel zeigen, um Gott den ganzen Tag

zu loben, wenn ihr das wollt. Was ihr auch immer tut, tut

nur Gutes, dann werdet ihr Gott loben.“



Jakob Lorber (1800-1864)

Augustinus (1767-1835)

„Wohin und wie weit wir blicken mögen, zwischen

Religion und Naturwissenschaf finden wir nirgends einen

Widerspruch, wohl aber gerade in den entscheidenden

Punkten volle Übereinstimmung.

Religion und Naturwissenschaft schliessen sich nicht

aus, wie heutzutage manche glauben und fürchten,

sondern sie ergänzen und bedingen einander.

Gott steht für den Gläubigen am Anfang, für den Physiker am Ende

alles Denkens.“ Max Planck ( 1858-1947 )

„Kann Er uns nicht erhören, das, worum wir bitten, uns

nicht gewähren, so gibt Er uns etwas Besseres dafür. Wir

können versichert sein, dass der Herr jedes gläubige

Gebet erhört. Wir erlangen immer etwas dadurch, was wir

ohne unser Gebet nicht erlangt hätten.“

Johann Heinrich Jung-Stilling (1740-1817)

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