Pfarrbrief Nr. 98 - St. Michael Weingarten

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Pfarrbrief Nr. 98 - St. Michael Weingarten

Pfarrbrief Nr. 98 Seite 2

Auf ein Wort

Das Jahr der Sammlung –

das Ja zur Einheit

Liebe Gemeinde,

nichts lag Jesus mehr am Herzen als die

Einheit der Seinen. Und unter nichts anderem

leidet die Christenheit mehr als

unter der Trennung, als unter dieser gestörten

Einheit. Dieses Leiden aber, und

das ist auch schon zeichenhaft, trägt immer

wieder andere Züge. Nach dem Konzil

gingen Christen herzhaft, ja mit Vehemenz

daran, die Einheit zwischen katholischen

und evangelischen Christen anzubahnen.

Sie sind dabei ein erfreuliches

Stück weit gekommen. Doch, wie das so

ist, wenn ein Ziel näher rückt – plötzlich

beginnt man sich zu fragen, ob man es je

erreichen wird. Katholische Kirche und

EKD haben in vielen Bereichen gelernt

zusammenzuarbeiten, ja sogar mit einer

Stimme zu sprechen. So weit, so gut.

Was ein bisschen aus dem Blick geraten

ist, das sind die Schwärmer, denen alles

viel zu langsam geht, und die aus ihrer

Ungeduld Salz in die Suppe schütten; das

sind die Verbissenen, die alle Prinzipien,

ja die Rechtgläubigkeit am Wanken sehen,

und von ihrer Warte aus alles blockieren.

Und es sind die vielen kleinen

Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften,

die um nichts mehr fürchten als um ihre

Selbständigkeit. Und als neueres Problem

hat sich jetzt, nachdem die ersten spektakulären

Erfolge nicht in Serie gegangen

sind, bei vielen, denen an ihrer geschichtlich

gewachsenen Kirche nur noch wenig

liegt, Gleichgültigkeit breit gemacht. Sie

könnten sehr gut damit leben, dass einfach

alles gleich gültig ist.

So kommt es, dass in den Kirchen immer

wieder die Frage nach den Wurzeln gestellt

wird und die sind, vor allem in unserer

Kirche, von der Liturgie nicht zu trennen.

Die Liturgie ist der älteste Sammlungsort

katholischer Christen und diese

Tradition ist nie abgebrochen, nein, sie ist

zu einer Kette der Traditionen geworden.

Immer wieder hat Liturgie sich verändert,

immer wieder sind ihr Formen zugewachsen,

immer wieder hat sie sich von Formen

verabschiedet, aber immer waren

auch die Veränderungen selbst ein heiliger

Prozess. So steht über den einzelnen

Traditionen die Tradition der Traditionen.

Wer also auf eine ganz bestimmte Tradition

besteht und sich in ihr verbeißt, hat

Kirche nicht begriffen, und ihren Gründer,

der sich über alle Traditionen gestellt hat,

nicht verstanden.

Eine solche Auseinandersetzung erleben

wir momentan wieder in unserer Kirche.

Sie macht sich fest an zwei Dingen: einmal

an Überlegungen in unserer Kirchenleitung,

die „Tridentinische Messe“ einzureihen

unter die Liturgien, die eine heilige

Vergangenheit haben und damit in sich

gültig sind, die aber ausgedient haben

und einer neuen Liturgie weichen mussten.

Solche Liturgien können aus gege-

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