Rupert Riedl, 1925

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Rupert Riedl, 1925

Liebe Smoky, Barbara, Sabina, liebe Familienmitglieder und Trauergäste!

„Begraben müssen wir Cäsar „– und ich wähle die Eröffnungszeile der Grabrede

Marc Antons nicht nur wegen Rupert‘s Cäsarenprofil. Rupert Riedl war cäsarisch in

seiner Ausstrahlung, aber auch in der Weise seine Mitwelt zu polarisieren in

begeisterte Anhänger und unverständige Gegner. Nur gleichgültig konnte man ihm

gegenüber nicht sein.

Vielleicht erwarten Sie, dass ich seine Verdienste um die Etablierung und

Entwicklung einer Meeresforschung in Österreich würdige. Ich bin sehr froh, dass

diese Würdigung noch erfolgen konnte, als Rupert Riedl noch lebte. Im August

dieses Jahres versammelten sich über 200 Meeresbiologen aus der gesamten Welt

um während des 40. Europäischen Meeresbiologie Symposium seinen 80.

Geburtstag zu feiern. Obwohl Rupert Riedl nicht mehr daran teilnehmen konnte, war

er durch seine Familie mit dieser Ehrung verbunden.

Ich möchte einen anderen Aspekt von Rupert Riedls Einfluss auf seine Umwelt

darstellen: seine Wirkung auf eine Generation von Biologen, die das Privileg hatten,

zu seinen Schülern zu zählen. Große Menschen hinterlassen ihre Spuren nicht nur

durch ihre eigenen Leistungen, sondern auch in den Köpfen und Charakteren der

Personen, mit denen sie interagieren. Wir, seine Studenten, nannten Rupert Riedl

den „Meister“ und uns seine „Schüler“ („disciples“, not „students“) und ließen uns

stolz und selbstbewusst dafür verspotten, in dem Bewußtsein, dass keiner unserer

anderen akademischen Lehrer diesen Titel verdient hätte.

Wie alle großen Persönlichkeiten war Rupert Riedl kein einfacher Mensch. Wie heißt

die nächste Zeile der Marc Anton’schen Grabrede „ nicht ihn preisen“. Er war

sparsam mit Lob und sarkastisch in der Kritik. Seine Zornesausbrüche waren

Legende. Er war von großer Ungeduld gegenüber Dummheit, Faulheit und

Unfähigkeit – und er machte kein Hehl daraus. Er verabscheute Mittelmäßigkeit und

ließ es allen wissen, die er dafür hielt. Er war seiner Welt drei Jahrzehnte voraus und

teile dies freimütig allen mit. Es ist nicht verwunderlich dass ihm dies bei vielen

„ehrenwerten Männern“ keine Freunde schuf. Aber für uns, seine Schüler, war dies

ein ungeheurer Antrieb stets unser bestes zu geben, weil wir wussten, dass es für ihn

nie gut genug sein würde.

Rupert Riedls Dominanz war zeitweise übermächtig. Bei jedem Treffen seiner

Schüler war es unvermeidlich, dass nach spätestens einer halben Stunde das


Gespräch um ihn kreiste. Er war der einzige Mensch, der mir als Erwachsener vor

Wut die Tränen in die Augen trieb, weil ich mich von ihm ungerecht behandelt und

missverstanden fühlte.

Aber das alles erscheint unwichtig gegenüber dem Geschenk mit einem Menschen

zu arbeiten, der Visionen hatte, der uns den Wert von Lebensplanung beibrachte,

uns in die Internationalität führte, als viele unserer Alterngenossen noch die

„häusliche Umnachtung“, wie er es zu nennen pflegte, vorzogen. In den vielen

Jahren, die ich Rupert Riedl’s Assistent in den USA und Österreich war, hat er immer

meine wissenschaftliche Weiterentwicklung gefördert, sich nie in meine Forschung

eingemischt und mich nie als Zuarbeiter für seine wissenschaftliche Arbeit

verwendet, ein Schicksal, dass viele Assistenten an der Universität erlitten. Für diese

Freiheit bin ich ihm dankbar – und auch für die Kontrolle durch seine

Qualitätsmaßstäbe, die zu unterschreiten für uns undenkbar war.

Rupert Riedl hat sich nie gescheut, sich für eine ihm wichtige Angelegenheit zu

exponieren. Sein Engagement in Umweltbelangen und in den letzten Jahren seine

Kritik an der unheiligen Allianz von Wissenschaft und Wirtschaft haben ihm auch

viele Gegner geschaffen. Rupert Riedl war sich dessen bewusst und voll Vorsicht

gegenüber Menschen seiner Umgebung. Mancher vermeintliche Brutus war jedoch

nur ein wohlmeinender Widerspruchsgeist.

Ich möchte Rupert Riedl danken, für seinen Einsatz für eine menschliche Form der

Gesellschaft, für eine Umwelt welche die Bedürfnisse der Menschen mit denen aller

anderen Kreaturen verbindet, für seinen Einfluss auf das intellektuelle Klima in

unserem Land, für die Leistung in einem Binnenland das Fach Meeresbiologie als

anerkannten Wissenschaftszweig zu etablieren und nicht zu letzt dafür, dass ich

einen Teil seines Weges mitgehen durfte.

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