Eisbär - Tierparkfreunde Hellabrunn eV

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Eisbär - Tierparkfreunde Hellabrunn eV

LÖHLEINS TIERLEBEN 13

EisbärUrsus maritimus

Verbreitung: zirkumpolares arktisches Eismeer. Wahrscheinlich 5 regionale, fast eigenständige

Populationen rund um den Polarkreis Lebensraum: Eismeerränder, Inseln, Küsten, Packeis,

meist in der Nähe offenen Wassers Nahrung: Robben (vor allem Ringelrobben), gestrandete

Wale, Aas und menschliche Abfälle, im Sommer auch Kleintiere und Bodenbrüter (und deren

Gelege oder Jungvögel), seltener Kräuter, Beeren, Gräser Besonderheiten: Schwimmhäute

zwischen den behaarten Zehen, hochentwickelter Geruchssinn Alter: im Zoo bis 41 Jahre

Lebensweise: einzelgängerisch und in Mutterfamilien, tagaktiv, ausdauernder Läufer, guter

Schwimmer und Kletterer Feinde: keine Gefährdung: Bejagung Bestand: bedroht, jedoch

dank Schutzbemühungen in den letzten 30 Jahren von 10.000 auf heute wieder 22.000 Tiere

angewachsen. Hellabrunner Eisbären: der in Hellabrunn geborene Michi (17 Jahre, launi-

scher Charakter) und seine Mutter Lisa (27 Jahre, ein bisschen zurückhaltend und eher ängstlich) Fütterung: nicht

im Winter, ab April dann außer Dienstags und Freitags wieder um 13 Uhr (Beutesimulator) und 16 Uhr.


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Winter

in Hellabrunn

ren den Winter schlafend und ruhend, mit

deutlich verringerter Stoffwechselleistung.

Viele Menschen und Tiere verbringen

einen Großteil des Tages im warmenHaus.NichtsodieEisbären.Es

ist ihre Jahreszeit, es ist ihr Wetter.

Endlich ist die Hitze des Sommers

vorbei und sie können in der erfrischenden

Kälte des Schnees spielen.

Könnte man meinen. Doch eigentlich

ist alles ganz anders.

Die Wahrheit ist: Eisbären sind im Sommer

aktiv. Sie baden in der heißen Jahreszeit

häufiger, spielen mehr und haben richtig

Hunger. Doch schon im September wird

der Beutesimulator, der Fleischstücke

durchs Gehege transportiert, nurnoch träge

verfolgt. Der Hunger fehlt. Ende September

werden die öffentlichen Fütterungen

um 13 Uhr (Beutesimulator) und 16

Uhr mangels Nachfrage (auf Seiten der

Bären!) eingestellt. Jetzt ist Fütterungspause

bis April. Lediglich morgens

bekommen die Eisbären in ihren Innenboxen

ein paar Salatblätter,

Obst, Gemüse, Brot und Seefische.

Eisbären schlafen im Winter viel

und nehmen nur noch ein Drittel

bis ein Viertel der Futtermenge des

Sommers auf.

Die Winterdiät hat biologische Gründe.

Und zwar die äußerst unwirtlichen Bedingungen

der Polarnacht. Wegen ihr halten

viele Eisbären in den meisten Teilen des

Verbreitungsgebiets eine Winterruhe. Die

Tiere ziehen sich in Fels- oder Erdhöhlen

oder in selbstgegrabenen Höhlen auf der

windabgewandten Seite von Schneewehen

zurück, in denen sie sich nicht selten

sogar einschneien lassen. Vom

Eingang führt ein mehrere Meter langer

Gang in einen 2,50 m langen und

1,50 m hohen und breiten Kessel. Eine

Schneemauer am Eingang des Kessels

hält die Kälte vom hinteren Teil der

Höhle fern. Hier verbringen die Bä-

Im Schutz der Winterhöhle bringt die Eisbärenmutter

auch ihre Jungen zur Welt.

Meist sind es zwei, die mit einem Geburtsgewicht

von jeweils 400 bis 800 Gramm

gerade mal so schwer wie ein Meerschweinchen

sind. Sie sind fast nackt,

blind und taub. Erst im Frühjahr verlässt

die Bärin mit ihren Jungen die Wurfhöhle,

wenn die Bedingungen außerhalb der

Höhle wieder günstiger sind und die

Jungbären der Mutter folgen können. Der

Hellabrunner Eisbär Michi kam im Frühling

1988 erstmals aus der „Höhle“ (Wurfbox).

Er ist einer von zwei im Münchener

Tierpark geborenen Eisbären. Der andere

hieß Ralf und ist dem Tierparkpersonal

noch in deutlicher Erinnerung, da er bei

seinem Umzug in den Straubinger Tiergarten

für Aufregung sorgte. Zu früh aus der

Immobilisation wiedererwacht sprang er

aus seiner Transportkiste und floh. Der

Flucht konnte erst im Gehegegraben der

Paviananlage ein Ende gesetzt werden!

Dass es seither keinen Nachwuchs mehr

bei den Eisbären gab, liegt daran, dass Michi

mit seiner Mutter Lisa (27) zusammenlebt.

Um die Zucht wieder in Gang zu

bringen, bräuchte Hellabrunn dringend

weibliche Eisbären im zuchtfähigen Alter.

Doch die sind rar. Und außerdem entspricht

die Hellabrunner Eisbärenhaltung

nicht mehr modernen Anforderungen. Es

gibt verschiedene Ideen, die in den siebziger

Jahren erbaute Eisbärenanlage zu modernisieren.

Unter anderem könnte man

die Anlage vergrößern, natürlichen Boden

und Baumstämme einbringen und die

Technik verbessern. Da würde es wenig

Sinn machen, jetzt zuchtfähige Weibchen

zu erwerben, um dann in näherer Zukunft

Umbauten zu beginnen. Michi wird also

noch warten müssen, bis er ein passendes

Zuchtweibchen bekommt.

Bis dahin versuchen die Tierpfleger, die

nicht optimalen Haltungsbedingungen


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unter anderem durch Beschäftigung der Bären auszugleichen.

So dienen z.B. Plastikkanister oder Autoreifen

als Spielzeug. Schwerere Gegenstände wie z.B. Holzfässer

können in der Hellabrunner Anlage leider nicht angeboten

werden. Zu groß wäre die Gefahr, dass eine

der Begrenzungsscheiben zu Bruch ginge oder ein Fass

über die Scheibe zu den Besuchern geschleudert wird.

Was sich zur Beschäftigung hingegen hervorragend

eignet, sind Eisbomben. Fische oder Obst und Gemüse

in Wasserblöcke gefroren (siehe nebenstehendes Rezept)

dienen der Beschäftigung und erfreuen sich

größter Beliebtheit. Denn die Eisbären sind über längere

Zeit gefordert, die Leckerbissen aus dem Eis zu bekommen.

Diese Eisbomben werden den Bären zu keiner

festen Tageszeit gegeben, also schauen Sie einfach

öfter mal in Hellabrunn vorbei.

ZOOLOGISCHES

Der Eisbär ist nach Kodiak- und Kamtschatka-Bär die

zweitgrößte Bärenart, die nah mit dem Braunbären verwandt

ist (so lebte von 1930 bis 1968 der Eisbär-Braunbär-Mischling

„Hella“ im Münchener Tierpark). Seine

großen Füße sind behaart und haben Schwimmhäute

zwischen den Zehen. Sie dienen damit gleichermaßen

als Schneeschuhe wie als Paddel. Das gelblich-weiße Fell

lässt Wasser schnell abrinnen und bündelt Sonnenstrahlen,

die dann über spezielle Haarstrukturen an die dunkle

Haut abgegeben werden. So wird nahezu keine Wärme

nach außen abgegeben, der Eisbär nutzt vielmehr

Solarenergie. Und das funktioniert so gut, dass man Eisbären

im polaren Eis nicht einmal mit hochempfindlichen

Infrarotkameras orten kann.

Eisbären ernähren sich im Frühjahr insbesondere von

neugeborenen Ringelrobben. Später im Jahr auch von

Altrobben, die den Haarwechsel an Land vollziehen

oder von Robben, denen sie an den Atemlöchern im

Eis auflauern. Daneben wird auch Aas gerne genommen,

wie z.B. gestrandete Wale. Menschliche Abfälle

und pflanzliche Nahrung gehören ebenfalls ins Nahrungsspektrum

des Allesfressers.

Nunmehr hat sich die Situation der Eisbären verbessert:

Dank eines seit 30 Jahren bestehenden internationalen

Schutzabkommens hat sich der Bestand von

10.000 auf heute wieder 22.000 Tiere erhöht.

Dr. Wolfgang Löhlein

REZEPT

FÜR EIN EISBÄR-MENÜ

Ein Eisbär frühstückt im Sommer Obst, Gemüse,

Salat und frischen Seefisch. Mittags und nachmittags

gibt es pro Tier 8 kg Rind- oder Pferdefleisch.

Das ganze wird großzügig mit Vitamin A gewürzt.

Und zwischendrin gibt's eine leckere Eisbombe. Dafür

werden Datteln, Feigen, Karotten, Äpfel oder

andere Obst- und Gemüsesorten kleingeschnitten

und mit Fleisch oder Fisch (z.B. Makrele) in einen

Eimer gelegt. Anschließend mit frischem Wasser

auffüllen und für mindestens 12 Stunden ins

Gefrierfach tun. Eisbombe bei Bedarf aus dem

Eimer lösen und ab ins Eisbärengehege damit.

Guten Appetit!

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