Helfen wir uns selbst?'' von Theodor Itten, St ... - Psychiatrie-sro.ch

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Helfen wir uns selbst?'' von Theodor Itten, St ... - Psychiatrie-sro.ch

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Beziehungs- und bedürfnisorientiertes Arbeiten im psychiatrischen Alltag“ (Möglichkeiten,

Herausforderungen und Vision(en)) Tagung in Langenthal vom 2. Juli 2010

Helfen wir uns selbst, wenn wir anderen helfen?“ Supervision als eine taktische

Verantwortung

Von Theodor Itten

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bedanke mich für die Einladung – speziell bei Thomas

Derungs – hier und heute zu Ihnen zu sprechen. Meine herzliche Gratulation zum 20-jährigen

Bestehen des Psychiatrischen Dienstes der Spitalregion Oberaargau in Langenthal.

Ich habe am Morgen des 5. März 1952 im Spital Langenthal das Licht der Welt erblickt. Die

ersten zweieinhalb Jahre lebte ich in Bützberg im Weiler Wanzenried. Später spielte ich eine

Saison beim SCL, als junger Spieler im Kader der ersten Mannschaft, welche soeben von der

Nationalliga B in die erste Liga abgestiegen war. Da ich zwischen 1962 und 1972 auch in

Herzogenbuchsee aufwuchs, das Schlittschuhlaufen als Schüler eh in Langenthal auf der alten

Kunsteisbahn im Schoren übte, bedeuteten mir die wiederkehrenden Herbst- und Wintertage

eine Sehnsuchtserlösung. Das Eis und die gleitende schnelle Bewegung darauf ermöglichten

allerlei Neckereien zwischen den Geschlechtern. Sie vermuten richtig, 1969 verliebte ich

mich zum ersten Mal in eine wunderschöne Langenthalerin. Das Tanzen am Freitagabend im

Tanzkeller des katholischen Kirchgemeindehauses und am Sonntagnachmittag im Hotel

Kreuz ermöglichte die Unabhängigkeit vom Eis. Mit zwei anderen Freunden aus Langenthal,

Kurt Roth, heute Psychotherapeut und Leiter eines Sozialtherapeutischen Institutes, und

Bernhard Schär, Mitgründer vom Chrämerhus in dieser Stadt und seit langem Galerist,

Buchhändler und Veranstalter, gründete ich 1971 in der Herzogstrasse 3 eine Wochenend-

Kommune. Aus drei Bewohnern wurden sechs Bewohner(innen) und die verschiedenen

kreativen und alltagsgerichteten Aktivitäten waren für uns alle heilsam. Da es Sie als Dienst

damals noch nicht gab, mussten wir uns selber helfen.

Thomas Derungs hat mir zwei Anregungen für meinen Vortrag zukommen lassen:

1. Nur gesunde Mitarbeiter(innen) sind in der Lage, hilfreiche Beziehungsangebote für

psychisch kranke Menschen zu machen.

Ja klar, kann ich da ad hoc antworten.

Theodor Itten , 2. Juli, 2010, Tagung in Langenthal


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Was ist zu beachten, damit Mitarbeiter(innen) nicht an der Arbeit erkranken? Was

gibt es für Strategien?

Gutes Arbeitsklima, Ausgleich in der Freizeit, viel Bewegung in der Natur, gute

Fehlerkultur und gesundes Streitklima. Die Möglichkeit der Behandlungskonferenz

benützen, damit die Lust und das eigene Interesse an der helfenden Arbeit erhalten

bleiben.

2. Was bedeutet dies für die Leitung eines psychiatrischen Dienstes?

Ihr Leiter, Dr. med. Kurt Bachmann lebt es vor. Das können wir in der Ausschreibung

zur Tagung lesen. Zeigen durch eigenes Tun. Nur predigen, was selber vorgelebt wird.

Offen sein für die Anregungen der Mitarbeitenden, reflektieren der eigenen Glaubensund

Leitsätze.

Wie gehen wir mit unseren Grenzen um, wie mit Hoffnungslosigkeit und mangelnden

Erfolgserlebnissen, wie mit Störungen im Arbeitsablauf und in der Zusammenarbeit

umgehen?

Die eigenen Grenzen respektieren bedeutet immer auch schon, die der anderen

anzuerkennen und zu respektieren. Es gehört zu dieser sozialtherapeutischen Arbeit,

sich die Ziele der Behandlung nicht unerreichbar zu setzen. Wir können den Umgang

mit dem Unerwarteten kultivieren, den Realitätstest machen und uns Zeit lassen.

Mitsein anstatt Tunfür.

Eine kurze Fallbesprechungsgeschichte aus Ronald D. Laings Die Tatsachen des Lebens

(1976) illustriert diese Frage.

„Fallbesprechung, Anfang der siebziger Jahre, Ostküste der USA. Ein 24-jähriger Mann:

katatonische Schizophrenie kurz vor der Entlassung, Besserung nach acht Monaten,

Elektroschocks, Beruhigungsmittel, Psychotherapie

Patient: Als ich von Vietnam zurückkam, war alles verwirrend.

(zu mir) Zu kompliziert. Ich musste versuchen es zu begreifen. Ich musste den ganzen Ballast

loswerden. Deshalb bewegte ich mich schließlich überhaupt nicht mehr. Sie schleppten mich

hierher. Und fingen an mich zu Grunde zu richten. Mir wurde klar, dass ich mein Leben nicht

in der Weise vereinfachen konnte, und so begann ich mich wieder normal zu bewegen und

normal zu reden, und sie reduzierten die Beruhigungsmittel und stellten die Elektroschocks

ein, und ich glaube, sie lassen mich in Kürze hier raus.

Theodor Itten , 2. Juli, 2010, Tagung in Langenthal


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Psychotherapeut des P: Aber John, ich glaubte, Sie seien richtig geheilt, und jetzt höre ich,

dass Sie uns nur was vorspielten, um rauszukommen. John, Sie enttäuschen mich.“ (S. 88–89)

Ein gutes Rezept gegen solche Enttäuschungen – positiv gedacht als Vermeidung, uns in die

Situation zu bringen, wo wir getäuscht werden können – ist, sich als Team in der

Behandlungskonferenz mit der Patientin, dem Patienten zusammen über die Behandlung und

die Wirklichkeit auszutauschen. In einer solchen Gesprächsrunde können wir unsere

Meinungen, Gedanken und Erlebnisse mit den Tatsachen der Gefühle abgleichen. Paul

Watzlawick hat irgendwo notiert: „Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen

Beziehungsaspekt, wobei letzterer den ersten bestimmt.“ (Zitiert nach NZZ Folio, 2010/05,

S. 23)

Vor Missachtung dieser Regel sei gewarnt. Die Team-Kommunikation und möglicherweise

kollegiale, gar freundschaftliche Beziehungen könnten in Schieflage geraten.

In der Supervision werden wir gefragt, wie es uns geht. Das ist schön, tut gut und ist

gleichzeitig eine innerseelische Herausforderung. Vorerst etwas zu meinem Beziehungsaspekt

der eigenen Supervisionserfahrungen. Selber war ich in Supervision während meiner

Ausbildung zum Psychotherapeuten und Gemeinschaftstherapeuten bei einem Ethnologen

und Mythologe und bei einem Psychoanalytiker und Psychiater. Seit ich ab 1981 in

selbständiger Praxis als Psychotherapeut wirke, war ich in Supervision bei Dr. med. Adolf

Guggenbühl-Craig, Psychiater und Analytischer Psychologe nach C. G.Jung, und zehn Jahre

später von 1993–1995, bei Dr. med. Herman Städeli, Kinder-und Jugendpsychiater und

Daseinsanalytiker. Nach meiner Weiterbildung in Integrativer Körperpsychotherapie war ich

wieder in Supervision bei einem Fachkollegen. Zwischendurch nahm ich Supervision in

Anspruch, um Störungen sowie Veränderungen in meinem privaten Lebensbereich zu

reflektieren und neu zu bedenken.

Grundsätzlich habe ich gelernt, unter Supervision die „taktische Verantwortung“ zu sehen,

welche mein Supervisor für mich hat. Ich präsentiere in der Supervision so genau, wie es mir

möglich ist, eine Therapiestunde, mit all den nicht verbalen Nuancen, die ich mir neben dem

gesprochenen Wort merken konnte. Wichtig in der Supervision war für uns Lehrlinge immer,

das zu erinnern, was ich gesagt und nicht gesagt habe, neben dem, was meine Patientin oder

mein Patient ausgedrückt hat. Da sind die Symptome hilfreiche Wegweiser zu den seelischen

Themen, um die es wirklich geht. Wir lernten erstmals den eigenen Blick zu reflektieren. Wie

Theodor Itten , 2. Juli, 2010, Tagung in Langenthal


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sehe ich, was ich sehe; wie höre ich, was ich höre. Was spüre ich in mir, als ein emotionales

Signal, und wo nehme ich dieses wahr. Joachim Bauer hat diese Quelle intuitiver

Kommunikation in seinem Buch Warum ich fühle, was Du fühlst (2003) mit dem Geheimnis

der Spiegelneuronen beschrieben. Im Weiteren mussten wir lernen, wie andere

Psychotherapie- oder Psychoanalyse-Schulen den gleichen Tatbestand – Gefühle sind

Tatsachen – beschreiben und analysieren würden. Wir wurden geschult in kontextuellem,

vernetzendem und kulturwissenschaftlichem Denken. Die Resultate dieses Denkens waren zu

verbinden mit den eigenen psychotherapeutischen Fähigkeiten, welche eine Methode bietet,

die aus ganz verschiedenen Beweggründen von einem selbst gelernt wurde.

Viele Menschen bekunden Mühe zwischen den drei Psys zu unterscheiden und sind gleich

verwirrt wie einige Berufsleute in diesen drei Schaffens- und Wissenschaftsfeldern. Hier eine

kurze Erläuterung, wie ich es sprachlich sehe:

Psychiatrie – definiert bei Nosos – übt den wissenschaftlichen, diagnostischen Blick und

benennt das Phänomen, das als störend erlebt wird.

Psychologie – definiert bei Norma – misst und vergleicht die Normalität(en), welche in einem

sozial-kulturellen Kontext erkannt werden können.

Psychotherapie – definiert bei Pathos – ist der begleitete Weg der Wandlung durch das

Verstehen und Auslegen der Grundmöglichkeiten der menschlichen Existenz.

Die Wirkfaktoren in der modernen Psychotherapie, untersucht in einer großen Metaanalyse

von Asay und Lambert (2001), zeigen folgende empirische Argumente für die allen Therapien

gemeinsamen Faktoren:

Methoden- und Konzeptfaktoren 15%

Erwartungs-Placebo-Effekte 15%

Psychotherapeutische Beziehung 30%

Patient(inn)enfaktoren und

extratherapeutische Veränderungen 40%

Was bedeuten diese Resultate für uns Patient(inn)en und für uns in den Heilberufen Tätige?

Der Unterschied, welcher den heilenden Unterschied macht, ist die Beziehung zwischen den

Menschen. Ob wir Psychotherapeut(inn)en Kognitive Verhaltenstherapeut(inn)en,

Psychoanalytiker(innen) oder Körperpsychotherapeut(inn)en sind, spielt schlussendlich nur

eine untergeordnete Rolle. Das Wichtigste in der Psychotherapie sind die therapeutische

Theodor Itten , 2. Juli, 2010, Tagung in Langenthal


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Beziehung und die Lebensumstände, der Lebens- und Bildungskontext der Patient(inn)en.

Das Geteilte in uns, gehört in seiner Seins-Erinnerung zusammen. Wir haben alle die

Erfahrung des dualen Innen und Außen, Privaten und Öffentlichen, von gefühltem

Wahrhaftigsein und Falschsein und so weiter. In unserem Berufsfeld der Sozialpsychiatrie

haben wir das Ziel, Menschen mit psychischen Störungen in ihrer Wechselwirkung mit der

sozialen Mitwelt und der von ihnen kommunizierten inneren erlebten Wahrheiten zusammen

zu hören. Die therapeutische Besinnung und Beziehung, welche auf der gesellschaftlichen

Partnerschaft beruht, hält den Konflikt der Interpretationen des Erlebten offen. Wir Helfenden

wissen nicht zum Voraus, was für die Patientin oder den Patienten gut ist. Die

Lebensweiseantwort liegt im je einzelnen Menschen. Was wir selber schon wissen, ist, dass

eine gemütliche, entspannte, empathische Atmosphäre im Behandlungsmilieu gefühls-,

erlebnis- und verhaltensnormalisierend wirkt.

In meiner bisher 17-jährigen Karriere als Supervisor habe ich Teams von therapeutischen

Gemeinschaften betreut. Für fast neun Jahre begleitete ich das Fachteam der Praxisgruppe

Dornbirn, Psychosoziale Gesundheitsdienste Vorarlberg. Spannend war später die Begleitung

des Teams „Omnibus“, Selbsthilfe-Beratungsstelle Bregenz, Österreich. Gleichzeitig kommen

immer wieder Personen aus verschiedenen Berufsfeldern aus sozialen und

Dienstleistungsbereichen, welche um Einzelsupervision nachfragen.

Sie arbeiten hier in der Tradition der Berner Sozialpsychiatrie. Das bedeutet, die Zukunft hat

in Langenthal, somit dem Oberaargau schon vor 30 Jahren begonnen. Damals begann mit Luc

Ciompi, dem ersten Lehrstuhlinhaber an der Universität Bern, die Berner Sozialpsychiatrie

unter seiner und Dr. med. Herbert Heises Leitung und ihrem Team, in dem Kurt Bachmann in

verschiedenen Positionen auch tätig war, eine beflügelnde Frische auszustrahlen. Thomas

Derungs war ja selber für mehrere Jahre Leiter der therapeutischen Gemeinschaft „Soteria“ in

Bern. Die verschiedenen Hilfeleistungen für seelisch Leidende sind hier bei Ihnen vereinigt

und interdisziplinär vernetzt. Somit haben Sie die Psychotherapie-Strukturen an die

Bedürfnisse der Menschen angepasst. Meistens ist die Psychiatrie, wie wir sie in meiner

Generation geerbt haben, nicht passend für Kummer und Leiden der Patient(inn)en gewesen.

Heute sind ihre Dienste Nutzer(innen)-orientiert. Als ich 1974 als Stift im klinischen Setting

angefangen habe, in einem Half-Way House der Richmond Fellowship, welche in der

Tradition von Maxwell Jones therapeutische Gemeinschaften betreibt, wurde noch von der

Nichteinsicht der Bewohner(innen) in ihre seelische Krankheit gesprochen. Dass wir, die in

Theodor Itten , 2. Juli, 2010, Tagung in Langenthal


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diesen Institutionen Arbeitenden, eventuell gleichfalls nicht einsichtig sein könnten, in die

Fehler unserer eigenen Glaubenssysteme und Lehrsätze, habe ich erst später bei Laing und

anderen kennen gelernt. Eine Diagnose (Durchblick) ist immer eine soziale und muss

phänomenologisch begründet werden. Das Gleiche gilt für Symptome, die immer nur im

sozialen Kontext verstanden werden können, falls sie für uns und die Hilfesuchenden Sinn

machen sollten.

Die erste Frage von Thomas Derungs kann ich schon mal beantworten: Nur gemeinsam sind

wir glaubwürdig. Im Team bedeutet das, so authentisch und persönlich wie möglich zu

informieren und einander offen, respektvoll zu begegnen. Die Supervision gibt uns Raum zur

Übung in der eigenen Toleranz der anderer Sicht- und Erlebnisweisen. Damit pflegen wir das

Gemeinsame im Team. Wir können gemeinsam sensibler und spürvoller im Umgang mit uns

selber und anderen werden. Einer meiner wichtigsten Leitsätze ist: So wie unsere Stimmung

im Team ist, so ist die Stimmung im Behandlungszentrum oder der Behandlungseinrichtung.

Das können Sie jederzeit in ihrem Lieblingslokal oder ihrer Lieblings-Beiz testen. Hat die

Wirtin oder der Wirt ihr Herz in dieser „Chose“, so wird das Gemütliche, das Heimelige, das

Geborgene spür- und wahrnehmbar.

Viele Supervisor(inn)en trennen zwischen Teamebene und Fallebene. Michael Balint hat in

seiner Arbeit immer auf den Einfluss des äußeren Rahmens, des inneren Settings einer Praxis

und die schon vorhandene Gegenübertragung hingewiesen. Die nach ihm benannten Balint-

Gruppen sind vor allem von unseren ärztlichen Kolleg(inn)en sehr geschätzt. Da werden die

eigenen gefühlsmäßigen Reaktionen beachtet, die gestaltete Atmosphäre im Gespräch mit der

Patientin oder dem Patienten und in der beruflichen Verantwortung der Ärztin oder des Arztes

hoch taxiert. Auf der Teamebene kann ich als Teammitglied meine eigenen Fähigkeit im

Umgang mit eigenen Krisen, den sie begleitenden Seelen-Geschichten und blinden Flecken

zeigen. Wir sind so Lebensbeispiele für die Menschen, welche wir in ihren Krisen und

seelischen Störungen begleiten. Selbstverständlich gibt es immer schon und wieder unseren

„gesunden“ Umgang mit dem, was uns alle innerlich als Menschen an Schwierigem

beschäftigt. Sich mit den eigenen Sinnfragen, dem eigenen Da-Sein zu beschäftigen, gehört

zum Leben. Wir leben und werden gelebt. Die Alltagsfestigkeit der eigenen Lebenswerte, das

eigene Leben gut genug leben können, ist Ziel und Wunsch zugleich.

Eine wichtige Strategie der Supervision ist, meiner Meinung nach, das Reflektieren der

eigenen Verspannungen in den Reaktionen auf die Fallgeschichten und unserer Erfahrungen

Theodor Itten , 2. Juli, 2010, Tagung in Langenthal


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mit Patient(inn)en. Dann hilft es, sich ab und zu über die eigene Grundmotivation klar zu

werden, was es bedeutet, in einem helfenden Beruf tätig zu sein.

In ihrer Forschungsarbeit Supervision als Katalysator der Veränderungen von Individuum und

Institution (so der Untertitel ihres Buches), beschreibt die erste Professorin für Supervision an

der Evangelischen Fachhochschule Hannover, Kornelia Rappe-Giesecke, ihr Modell einer

wissenschaftlich basierten Supervision. Ihr Supervisionskonzept ist sehr differenziert und ihr

populäres Buch ist sicher einigen unter Ihnen bekannt. Zeit für sich selber und Zeit fürs Team

haben. Das selbstorientierte Handeln mit eigenen Zukunftsperspektiven betrachten können.

Supervision wird evaluiert mit Kundenrückmeldungen und in verschiedenen Weiterbildungen.

Das ist eine Kontroll-Supervision der Supervisor(inn)en, die Supervision der Supervision der

supervidierenden Supervisor(inn)en. Wir können da in ganz verschiedene Metaebenen

kommen, falls Sie sich das wünschen. Wie andere Menschen können wir stören und werden

gestört. Mein Erfahrungsaustausch im Fachbereich mit meinen Kolleg(inn)en ist die frische

Quelle der eigenen sozialen Arbeitsfähigkeit. Falls angebracht, nehmen wir ja selber immer

wieder Psychotherapie oder Beratung in Anspruch. Somit ist die Entlastung in der

Supervision, durch die gegenseitige Information des Getanen, unsere

Ressourcenorientiertheit. Ich nenne das die Soziale Phänomenologie des Umsorgens.

Gemeinsam den eigenen Blick betrachten, mit dem ich schauen, was für eine Art und Weise

wir im Team haben, andere zu betrachten. Adolf Guggenbühl-Craig, hat 1971 ein wichtiges

Buch für unsereins geschrieben: Macht als Gefahr beim Helfer. Darin reflektiert er die

Schattenseiten unserer Seele mit den verschiedenen Machtansprüchen in unseren helfenden

Berufen. Es gilt die Gesamtsituation im Blick zu behalten. Die Fragen der Macht, die

politischen Fragen in der Sozialpsychiatrie sind: Wer bestimmt, was und wie lange gemacht

wird? Wer definiert Gesundheit und Störung? Wer begründet, wie und wozu was gemacht

oder nicht gemacht wird? Unsere Sprache ist immer schon beziehungspolitisch relevant.

Darin erkennen wir, wenn wir es wagen unverdeckt zu sprechen, die wahren Sach- und

Erlebnisinhalte.

Ihr lebt hier in Langenthal eine offene therapeutische Gemeinschaft in der Stadt. Sicher sind

sie mit Langenthal verbündet, haben diverse Politiker(innen) verschiedener Parteien

überzeugen können, wie wichtig es ist, seelische Gesundheit in der Gemeinschaft zu pflegen

und hegen, ohne auszugrenzen. So können wir die eigene persönliche Entwicklung mit und in

positiven und stabilen Beziehungen bezeugen. Aber: Auch Wechsel gehören zum Leben.

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Und: Ihr seid nicht alleine. In Kraków gibt es eine Gemeindepsychiatrie, welche als ein

offenes System der Versorgung von Menschen in seelischer Not verstanden wird. Inspiriert

durch das Gedankengut von Professor Antoni Kepinski, der seit über 30 Jahren diese

Bewegung leitet und theoretisch reflektiert. Ihre eigene Zeitschrift, dla nas – magazine for

communities working for the mentally ill, berichtet, was in der Gemeinschaft der Stadt als

Gesellschaft passiert. Ich habe hier ein Exemplar in englischer Sprache, das ich Ihnen gerne

schenke.

Um meine gesuchten Antworten empirisch zu stärken, habe ich die Leiterin des

Psychosozialen Teams in Dornbirn mit einigen Fragen angeschrieben. Kann sie sich erinnern,

was die Supervison mit mir in den 90er-Jahren ihrem Team gebracht hat? Zur

wissenschaftlichen Kontrolle habe ich ein weiteres Interview, mit den gleichen Fragen, mit

Dr. phil. Karin Wallenczus gemacht. Sie praktiziert als Supervisorin und Psychologische

Psychotherapeutin in Hamburg und ist Autorin des Buches Praxisfeld Krankenhaus: Analyse

einer Feldstudie anhand Bourdieuscher Reflexionen (1998).

Eine meiner Thesen für die Teamsupervision ist: Nur gemeinsam sind wir glaubwürdig.

Für die Teammitglieder bedeutet das, sich gegenseitig so authentisch wie möglich zu

informieren und einander zu begegnen.

Praxisgruppe Dornbirn PGD: Dem können wir zustimmen, das ist der Anspruch der

Supervision. Zusätzlich zur eigenen Toleranz sind andere Sicht- und Erlebnisweisen auch

bestärkend für die (den) Einzelne(n); eventuelle eigene Unsicherheiten werden dadurch im

Team korrigiert.

Dr. Karin Wallenczus: Aus einer alltagspraktischen Perspektive stimme ich Ihrer These sofort

zu. Wenn wir jedoch etwas genauer beobachten, können wir sehen, dass jedes Feld, in dem es

um etwas geht, von einem gemeinsamen Glauben zusammengehalten wird. Dieser

gemeinsame Glauben ist somit Teil einer jeden Praxis, hat großen Anteil an der Herstellung

einer Praxis und ist je nach Praxis sehr spezifisch. Jedes Team benötigt ein Mindestmaß an

geteiltem Glauben an das, was es tut. Diesen Glauben zu hinterfragen, scheint mir ein

wesentliches Element der Supervision zu sein. Authentizität in der Vermittlung von

Informationen entspricht einem Wahrnehmungs- und Handlungsschema zur Umsetzung einer

Praxis, in der eine glaubwürdige Begegnung sicher günstig im Feld der Psychotherapie ist.

Dabei kommt den Akteur(inn)en die Rolle zu, die für ein Feld als nützlich erachteten

Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsschemata in eine Praxis zu transformieren.

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Supervision beginnt dann spannend zu werden, wenn habituelle Handlungspraktiken nicht

mehr greifen, wenn unbekannte Krisen mit dem Automatismus des Habitus nicht mehr

bewältigt werden können und andere, reflexiv zu erarbeitende Strategien gefunden werden

wollen.

Ist die Supervision eine Übung in der eigenen Toleranz anderer Sicht- und Erlebnisweisen.

Was denken Sie dazu?

PGD: Können wir bestätigen.

Dr. KW: Supervision ist eine Veranstaltung, die sich einer Metaperspektive bedient, und sollte

versuchen, die habituellen Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsschemata, d. h., die

automatisch hervorgebrachten Praktiken, zu hinterfragen. Das gipfelt am Ende immer in der

zutiefst ernsthaften Frage: Was machen wir hier eigentlich? Diese Situation, in der eine Praxis

in Frage gestellt wird, löst Unsicherheiten aus, die von den Akteur(inn)en in der Regel

unterschiedlich schwer ertragen werden. Daher ist es wichtig, dass die Supervision in einem

handlungsentlasteten Raum erfolgt. Toleranz hilft enorm, eine zunächst chaotisch werdende

Situation besser zu ertragen. Dabei scheint es mir spielentscheidend, von welcher Position aus

Toleranz gewährt wird. Gibt es z. B. einen Chef, der das beginnende Chaos im Hinterfragen

einer Praxis als Bedrohung (meist seiner Position) erlebt, werden praxiskritische Äußerungen

schnell unterbunden und entwertet. Toleranz entfaltet sich leichter, wenn Konkurrenzen um

die Positionen im Feld thematisiert werden können, wenn die Verteilung der Positionen als

gerecht bewertet werden und das Feld über genügend Ressourcen verfügt, sodass den

Akteuren die Kapitalverteilung geregelt erscheint.

Falls dem so ist, werden wir im Team gemeinsam sensibler und spürender im Umgang mit

uns selber und anderen. Haben Sie das erlebt?

PGD: Können wir zustimmen. Wir haben erlebt, dass in Zeiten von persönlichen Spannungen

zwischen Teammitgliedern die Klient(inn)en das atmosphärisch aufgenommen haben.

Dr. KW: Ja, wenn es bei ausreichend vorhandenen Ressourcen gelingt, die Positionen zu

besprechen, gegebenenfalls neu zu ordnen, die Kapitalverteilung zu überdenken, die Härte

eines Spiels sanfter zu gestalten und damit eine Teamkultur zu etablieren, die von

unterschiedlichen Sichtweisen profitieren kann. Dann ist genügend Raum vorhanden,

unsinnige wie sinnige Vorschläge zu produzieren, die eigene Arbeit zu überdenken und neu

zu entwickeln.

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Eine andere Annahme ist, dass die Stimmung im Team ein Behandlungszentrum oder eine

Behandlungseinrichtung beeinflusst. Lässt sich das anhand Ihrer langjährigen

Erfahrungen empirisch erhärten?

PGD: Können wir zustimmen.

Dr. KW: Unbedingt. Wenn ich als Supervisorin in ein für mich neues Team komme, gucke

ich zunächst eigentlich nur nach der Stimmung. An der Stimmung, die sich an den

gesprochenen Sätzen und ihrer affektiven Tönung erspüren lässt, lässt sich eine Menge über

die Kultur eines Teams sagen. Je mehr ein Team um Positionen, Kapitalien und sonstiges

untereinander ringen muss, desto weniger gelingt ein offener Austausch über die

Patient(inn)en. Er wäre zu riskant.

In der Supervision wird oft das Besprechen der Teamebene und der Fallebene getrennt.

Braucht es diese Trennung überhaupt? Was für eine Balance zwischen diesen

Reflexionsbereichen braucht es?

PGD: Es sollte beides ausgeglichen sein bzw. bedarfsorientiert besprochen werden.

Krisensituationen haben auf jeden Fall Vorrang.

Dr. KW: First things first. Zuerst die Teamebene etwas von ihren Konkurrenzen erlösen, dann

lassen sich Fälle auf einer wirklich unbelasteten Ebene besprechen. Das können dann auch

Situationen sein, in denen es sich sehr lohnt, auch die Patient(inn)en zur Supervision

einzuladen. Lassen sich die Teamkonkurrenzen nicht besprechen und werden dennoch Fälle

besprochen, so gestalten sich die Fallbesprechungen meist in Form eines eher uninspirierten

Besserwisser-Dialoges.

Die Teamebene ist das Zeigen der eigenen Fähigkeit im Umgang mit eigenen Krisen und

den sie begleitenden Seelen-Geschichten. Damit werden wir Beispiele für die Menschen,

welche wir in ihren Krisen und seelischen Störungen begleiten. Es gibt immer wieder

unseren gesunden Umgang mit dem, was uns alle innerlich beschäftigt. Was denken Sie

von diesen Annahmen?

PGD: Stimmt, und wir würden hinzufügen, dass es die Qualität der Arbeit sichert. Es sollte

für jede und jeden selbstverständlich sein, um Übertragungsprozesse zu reflektieren;

allerdings muss es nicht immer im eigenen Team stattfinden, sondern es kann auch hilfreich

sein, eine eigene Supervision (einzeln oder in Gruppe) in Anspruch zu nehmen.

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Dr. KW: Ja, ich stimme zu. Und vieles begründet sich bereits aus dem, was ich oben

beschrieben habe. Als Zusatz: Ich glaube, diese Arbeit lässt sich nur gut machen, wenn es

einem selber gut geht. Dazu gehört, dass ich auch in eigenen Krisenzeiten die Möglichkeit

habe, die Brüche offen besprechen zu können. Wenn ich einem Team als Heimgrund vertraue,

wird es helfen, Krisen und Brüche konstruktiv zu meistern. Und die entsprechenden Grenzen

zur Therapie zu wahren.

Ist die Supervision in Ihrer Sichtweise ein Reflektieren der eigenen seelischen

Verspannungen und Reaktionen auf unsere Erfahrungen mit Patient(inn)en?

PGD: Das gehört für uns in die Ausbildung hinein.

Dr.KW: Sie sprechen das Phänomen der Übertragung und Gegenübertragung an? Jede

Beziehungsgestaltung neigt zu affektivem Einschwingen: Empathie ist eine zutiefst hilfreiche

Gabe der meisten Menschen, die positive wie negative Gefühlslagen annehmen kann. Ich

glaube, blinde Flecke sind da vorprogrammiert und ein wohlmeinendes Team kann manchmal

besser die Bretter vor dem Kopf erkennen als man selbst. Es sollte sich trauen, die Bretter zur

Sprache zu bringen. Ein Supervisionskontext kann da helfen.

Die Supervision hilft den Beteiligten über die eigenen Leitfragen des Berufes klarer zu

werden: Was ist die Grundmotivation in diesem helfenden Beruf tätig zu sein? Das andere

orientierte Leben? Sehen Sie das auch so in ihren Supervisionen?

PGD: Zeit fürs Team und Zeit bei sich zu sein – ja; das ist eine wesentliche Qualität

gegenüber dem „Einzelkämpfertum“ in der alltäglichen Routine.

Dr. KW: Ich kann es nur für mich formulieren: Mich interessieren einfach Geschichten von

Menschen, mit welchen unterschiedlichen Perspektiven sie lesbar sind, welche Gefährdungen

und Chancen den Geschichten innewohnen und mit welchen Perspektiven und Ressourcen die

Geschichten angereichert werden sollten, um einen gelingenden Verlauf zu nehmen.

Ist der Erfahrungsaustausch im Fachbereich die Quelle der kontinuierlichen

Arbeitsfähigkeit? Die Entlastung in der Supervision durch gegenseitige Information des

Getanen wird oft als die Ressourcenorientiertheit gesehen. Wie sehen Sie das im Lichte

ihrer Erfahrung?

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PGD: Stimmt bezüglich Erfahrungsaustausch – allerdings finde ich die Vermischung mit

eigener Psychotherapie nicht richtig, Supervision sollte und kann keine Psychotherapie sein

oder ersetzen.

Dr. KW: Erfahrungsaustausch ist kontinuierlich wichtig, sofern er wohlwollend, korrigierend

und perspektiverweiternd gestaltet wird. Aber der Supervision eine besondere Bedeutung als

Quelle einer kontinuierlichen Arbeitsfähigkeit zuzuschreiben, würde ich als vermessen

ansehen. Ein Teamleben mit halbwegs guten Bedingungen trägt mehr zur Erhaltung der

Arbeitsfähigkeit bei. Aber Supervision kann ein Licht auf den Praxisalltag werfen und dazu

beitragen, dass er lichter, leichter gestaltet wird.

Üben Sie in den Teamsupervisionen die Möglichkeit, den eigenen diagnostischen und

therapeutischen Blick zu betrachten, mit dem wir Helfende schauen, was für eine Art und

Weise wir haben, andere zu betrachten.

PGD: Oh ja Theodor, da waren wir am Üben und sind es noch.

Dr. KW: Ich finde, ich lerne als Supervisorin eine Menge von den Supervidierten. Ich

betrachte mich zurücknehmend eher als Gestalterin eines Rahmens, in dem wilde, verkehrte,

angemessene, hilfreiche, utopische, passende etc. Perspektiven und Möglichkeiten der

Supervidierten zu Wort kommen dürfen, die dann ein ums andere Mal in deren Praxis

etabliert werden können. Dabei kommen manchmal einfach ungewöhnliche Lösungen und

Ideen zustande, die dann auch von den Teams in der Praxis ausprobiert werden. Das sind dann

von einem Team gemeinsam entwickelte Ideen, die in der Regel auch Spaß machen und als

Ergebnis weit über einen diagnostischen Brillenrand hinaus gehen. Diesen gestaltenden

Zufällen überhaupt einen Raum zu ermöglichen, verstehe ich als meine Aufgabe.

Unterstützt eine Teamsupervision wie Sie diese ausüben, die Alltagsfestigkeit der eigenen

Lebenswerte und die Fähigkeit von Teammitgliedern in der Sozialpsychiatrie oder

stationären Psychiatrie, das eigene Leben gut genug leben zu können?

PGD: Wir haben dich intensiv unterstützend erlebt; wir haben uns durch die Supervision zu

einem tragfähigen Team entwickelt und uns persönlich weiterentwickelt. Supervision ist auch

Selbsterfahrung und hat Einfluss auf Denken, Fühlen, Handeln; es hat Einfluss auch auf

andere Lebensbereiche. Die Supervision unterstützt auf jeden Fall unsere Alltagswerte in der

Arbeit.

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Dr. KW: In der Supervision sitzen alle auf dem Zaun des Spielplatzes, gucken bestenfalls

ihrem eigenen Treiben zu, baumeln in Gedanken mit ihrem Fühlen, Denken und Handeln und

fragen sich: Ist das gut, wie und was wir da machen? Können wir auch anders? Wollen wir

anders? Ich finde, Regeln, Praxen und Strukturen sind alle von Menschen gemacht, deswegen

kann man sie auch ändern. Das kann man in der Supervision vordenken, aber umgesetzt wird

alles in der Praxis. Die Supervision ist also nur ein vorläufiger Ort, der vielleicht ein ganz

klein wenig dazu beiträgt, das eigene Arbeitsumfeld gut zu gestalten.

Und zum Abschluss die Frage: Helfen wir uns selbst, wenn wir andern helfen?

PGD: Es kann eine Form der Selbsterfahrung sein, aber auch diese These steht für uns im

Gesamtzusammenhang, denn wenn wir unsere Arbeit und damit uns reflektieren, da wir ja in

unserem Bereich alle mit geisteswissenschaftlichen Ansätzen arbeiten, sind fachlicher

Austausch und persönlicher Austausch engst verbunden. Den Begriff Selbsthilfe finden wir in

diesem Zusammenhang diskussionswürdig.

Dr. KW: Nein. So direkt erscheint mir der Zusammenhang nicht. Als Supervisorin etabliert

man einen Raum, in dem neue Perspektiven generiert und für die Praxis brauchbar verwendet

werden können. Das gelingt und das gelingt nicht. Und doch kommen da manchmal

unglaubliche Dinge und Möglichkeiten ans Licht, die vorher nie so gesehen wurden und dazu

beitragen, eine bessere, angenehmere Praxis zu gestalten. Das macht manchmal viel

Vergnügen. Auch die Absurdität mancher Perspektiven landen zuweilen in einem schallenden

Gelächter, das befreiend sein, die Kirche manchmal gut wieder ins Dorf bringen kann und

eine Praxis auf das zurückführen kann, wofür sie sich zuständig erklärt. Das kann alles

hilfreich sein. Ich glaube, die Hilfe der Supervision besteht in der Handlungsentlastung für die

Teams.

Zusammenfassung

Super-Vision ist ein Über-Sehen, ist ein Darüber-hinaus-Sehen, eine Meta-Perspektive

dessen, was wir in unserem Schaffen tun und lassen. Supervision beinhaltet oft Ängste und

Erwartungen, Spannungen und Zielabsichten, Intimität und Vertrauen, Institution und

Personen, System und Organisation, Gemeinschaft und Gesellschaft, Innen und Außen, Zeit

und Grenze, Termine und Bezahlung, verbunden. Wenn mehrere Supervisor(inn)en in einer

Institution arbeiten, lohnt es sich unter Umständen eine Supervisionskonferenz einzuberufen,

um die gemeinsamen Themen zu diskutieren und den Dialog unter den Supervisor(inn)en zu

kultivieren. Ein Bericht der ärztlichen Leitung aus der Westfälischen Klinik Schloss Halden

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bestätigt diese Supervisionskonferenz aus der Sicht der Leitungssupervision. „Für uns alle

war dieses erste gemeinsame Treffen ungewöhnlich. Entsprechend gemischt waren wohl auch

die Erwartungen. Anfangs schien bei den Supervisoren das Empfinden vorzuherrschen,

examiniert und kritisiert zu werden. Es kam zunächst zu einem Schlagabtausch. Erst

allmählich entwickelte sich daraus eine konstruktive Diskussion mit dem Willen, den Dialog

fortzusetzten.“ (Externbrink und Schmitz, 1990, S. 37)

Im Verbund mit einer Behandlungskonferenz (BK) fördert eine Team-Supervision die Lust

und garantiert das Interesse, in einem helfenden Beruf weiterhin tätig zu sein. Gottwalz-Itten

und Aderhold (2010) bestätigen in einer neuen Publikation, dank ihrer langen Erfahrung mit

der BK, dass es auf die „Individualität und das Anderssein jeder und jedes Mitarbeitenden

ankommt.“ (S. 151) Weitere Qualitätsmerkmale der BK sind: größtmögliche Gleichwertigkeit

aller Teammitglieder, die ehrliche Verhandlungskultur und der positive Diskurs mit der

Patientin, dem Patienten.

Alle Beteiligten sind vielseitig begabt, haben einen Reichtum an Vorstellungen und

Möglichkeiten, welche in einer aktuellen Lebensschwierigkeit weiter helfen können. Wenn

ich frage und um Hilfe bitte, zeige ich an, dass ich erwachsen bin. In dem Sinne bedanke ich

mich für Ihre Aufmerksamkeit.

Literatur

Aderhold V, Gottwalz-Itten E, Haßlöwer H (2010) Die Behandlungskonferenz – Dialog, Reflexion und

Transparenz. Psych.Pflege Heute 16: 142–152

Asay TP, Lambert MJ (2001) Empirische Argumente für die allen Therapien gemeinsamen Faktoren:

quantitative Ergebnisse. In: Hubble MA, Duncan BL, Miller SD (Hrsg) So wirkt Psychotherapie: empirische und

praktische Folgerungen. Verlag modernes Lernen, Dortmund, S 41–81

Balint M, Balint E (1995) Psychotherapeutische Techniken in der Medizin, 5. Aufl. Klett-Cotta, Stuttgart

Bauer J (2003) Warum ich fühle, was Du fühlst. Hoffmann und Campe, Hamburg.

Externbrink D, Schmitz K (1990) Supervision aus der Sicht der ärztlichen Leitung. Sozialpsychiatrische

Informationen Jg. 20, Nr. 2

Guggenbühl-Craig A (1983) Macht als Gefahr beim Helfer, 4. Aufl. Karger, Basel

Laing RD (1990) Die Tatsachen des Lebens. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München

Rappe-Giesecke K (2003) Supervision für Gruppen und Teams, 3. Aufl. Springer, Berlin

Wallenczus K (1998) Praxisfeld Krankenhaus: Analyse einer Feldstudie anhand Bourdieuscher Reflexionen.

Kovač, Hamburg

Theodor Itten , 2. Juli, 2010, Tagung in Langenthal

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