EINFÜHRUNG IN DIE INFORMATIONSETHIK ... - Amerbauer Martin

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EINFÜHRUNG IN DIE INFORMATIONSETHIK ... - Amerbauer Martin

Martin Amerbauer: Einführung in die Informationsethik 6

1.4 Informationsgesellschaft

Der Austausch und die Verbreitung von Information sind (und waren immer) Voraussetzung

für soziales Handeln. Durch Informationsprozesse werden soziale Systeme miteinander

verbunden, und der Ausschluss von oder die Beteiligung an Informationsprozessen

entscheidet weitgehend über die soziale Position von Menschen. Informiertheit ist eine

wesentliche Voraussetzung für Mitwirkung und Mitbestimmung des Einzelnen oder einer

Gruppe in der Gesellschaft.

Charakteristika einer Informationsgesellschaft sind etwa:

(i) Die IuK-Technik als technische Voraussetzung für die Informationsgesellschaft: der aus

dem Zusammenwachsen von Informationstechnologie, Telekommunikation und

Unterhaltungselektronik entstandene Industriebereich. Computer, Netzwerke, Internet, Email,

Datenbanken, CD-ROM, DVD, Mobilfunk, Video, Fernsehen etc. garantieren einen

schnellen, intensiven Informationsaustausch und eine hohe Rate der Informationsspeicherung.

Diese technologische Entwicklung wird verglichen mit anderen technologischen

Revolutionen wie Dampfmaschine, Eisenbahn, Elektrizität, Verbrennungsmotor, die allesamt

zu massiven gesellschaftlichen Veränderungen geführt haben.

(ii) Auswirkungen der IuK-Technik auf die Wirtschaft: im Vier-Sektoren-Modell der

Wirtschaft nimmt der Sektor Information (d.i. die Zahl der Erwerbstätigen im Bereich

Information) den weitaus größten Teilbereich ein, gefolgt von Produktion, Dienstleistung und

Landwirtschaft.

(iii) Information als Produktionsfaktor: der Strukturwandel von der Industriegesellschaft zu

einer Informationsgesellschaft wird auch dadurch ersichtlich, dass die Information

zunehmend zum vierten zentralen Produktionsfaktor (neben Boden, Kapital und Arbeit) wird.

Sowohl die Herstellung von Informationsgütern (primärer Informationssektor) als auch der

Einsatz von Informationsarbeitszeit und -kapital (sekundärer Informationssektor) sind in

immer stärkeren Ausmaß am Sozialprodukt beteiligt – besonders Informationsmanagement

und Wissensmanagement (als Teilbereiche der Informationswirtschaft).

Informationsmanagement versucht die für einen Betrieb notwendigen externen

Informationsquellen und die Informationsprozesse bestmöglich zu organisieren, während

Wissensmanagement die Wissensresourcen der Mitarbeiter (die internen Informationsquellen)

eines Betriebes optimal einzusetzen sucht. 3

(iv) Auswirkungen der IuK-Technik auf gesellschaftliche Entwicklungen: eine wichtige

Frage, die in das Gebiet der Technikfolgenabschätzung im weiteren Sinn fällt, ist diejenige,

ob die IuK-Technologie eine qualitative Veränderung der Gesellschaft zum besseren oder

schlechteren bewirkt.

Unbestritten erscheint, dass die Informationsgesellschaft für den größten Teil der Menschheit

nachhaltige Auswirkungen auf Lebens- und Arbeitsbedingungen hat.

Weiters besteht Übereinstimmung darin, dass diese Prozesse spätestens seit Anfang der 90er

Jahre begonnen haben und ihre weitere Entwicklung die Erde zunehmend und unumkehrbar

bestimmen werden.

3 Das Zentrum für Wissen- und Informationsmanagement der Donau-Universität Krems etwa bietet den

viersemestrigen Universitäts-Lehrgang ‚Wissensmanagement’ an; siehe folgende

URL: http://www.donau-uni.ac.at/weiterbildung/lg_beschreibung38.html

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