Kulturpreis_Schlesien_04 09 10 - Niedersachsen

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Kulturpreis_Schlesien_04 09 10 - Niedersachsen

Rede von Herrn Minister Uwe Schünemann anlässlich der 34. Verleihung des Kulturpreises

Schlesien des Landes Niedersachsen

am 04. September 2010 in Breslau

- es gilt das gesprochene Wort! -

Ein herzliches Willkommen den deutschen und polnischen Gästen des diesjährigen Kulturpreises

Schlesien!

Sehr geehrter Herr Vizemarschall Luzniak,

sehr geehrte Preisträger,

sehr geehrte ehemalige Preisträger,

sehr geehrte Jurymitglieder,

sehr geehrter, lieber Vorsitzender der Landsmannschaft Schlesien,

Helmut Sauer,

sehr geehrter Herr Oberbürgermeister a. D. der Stadt Salzgitter,

Rudolf Rückert!

Heute verleihen wir zum 34. Mal den Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen.

Mit großer Freude stelle ich fest, dass in diesem Jahr so viele deutsche Gäste den Weg nach

Breslau gefunden haben wie bei keiner Preisverleihung zuvor.

Weit über 200 Teilnehmer stellen die diesjährige Preisverleihung in den Mittelpunkt ihrer Schlesienreise.

Und auch die Anzahl derjenigen, die in diesem Jahr in Eigenregie anreisen, ist besonders groß.

Der Kulturpreis ist eine Erfolgsgeschichte, die an Attraktivität zunimmt. Die beeindruckende Zahl

der Besucher ist dafür ein schlagender Beweis. Die große Resonanz ist natürlich auch dem reichen

und interessanten Programm zu verdanken. Deshalb geht mein herzlicher Dank an den

Vizemarschall Jerzy Luzniak und seine Mitarbeitern!

Ich freue mich darüber, dass wir in diesem Jahr nach Breslau zurückgekommen sind. Diese altehrwürdige

und reiche Stadt ist ein Kristallisationspunkt deutscher und polnischer Geschichte.

Wir haben mit den heutigen Räumlichkeiten eine besondere kulturell-historische Kulisse zur Verfügung.

Dafür möchte ich mich beim Direktor der Breslauer Museen Dr. Maciej Łagiewski herzlich

bedanken!

Schlesien und Niederschlesien mit seiner Hauptstadt Breslau ist ein Platz gewachsener abendländischer

Kultur und des Erinnerns.

Kultur macht niemals an Staatsgrenzen Halt. Sie entsteht in der Begegnung der verschiedenen

Völker und fördert die internationale Verständigung. Der Kulturpreis ist geradezu ein Symbol für

diese Eintracht geworden.

Er ist ein Kernstück deutsch-polnischer Verständigung.

Der Kulturpreis stärkt das partnerschaftliche Miteinander unserer beiden Völker. Er ist mehr denn

je ein Begegnungspreis geworden.

Selbstverständlich ist diese beeindruckende Entwicklung auf den ersten Blick nicht. Gerade die

Ereignisse im letzten Jahrhundert haben bei unseren beiden Völkern tiefe Wunden hinterlassen.

Erinnern wir uns:

Durch Krieg und Gewaltherrschaft hat das polnische Volk entsetzlich gelitten. Polen wurde im

Jahr 1939 durch den Hitler-Stalin-Pakt zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion aufgeteilt

und aufgelöst.

Hitler und Stalin ließen die polnische Intelligenz in ihrem Herrschaftsbereich verfolgen und ermorden.

Beide Diktatoren hatten das erklärte Ziel, das polnische Volk in seinem kulturellen Kern

zu zerstören.

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Die Nationalsozialisten verbreiteten im besetzten Polen Angst und Schrecken. Das Land wurde

unterdrückt und ausgebeutet.

Und als der Krieg für das polnische Volk endete, folgte ein neues Zwangsregime von außen,

diesmal eine kommunistische Diktatur.

Vergessen wir dabei nicht: Das polnische Volk hat während seiner Leidenszeit im 20. Jahrhundert

einen unbeugsamen Freiheitswillen bewiesen. Weder Nationalsozialisten, noch Kommunisten

ist es gelungen, den Polen ihren Willen aufzuzwingen. Viele mutige Frauen und Männer haben

Gewalt und Diktatur tapfer die Stirn geboten – und dabei ihr Leben aufs Spiel gesetzt. Dafür

verdienen sie unser aller Respekt, Dank und Anerkennung!

An dieser Stelle müssen wir aber auch an das Schicksal der nach dem Krieg vertriebenen Deutschen

erinnern. Es geht keinesfalls darum, Leid gegeneinander aufzurechnen. Das ist mir wichtig.

Die Vertreibung ist ohne die Vorgeschichte von Krieg und Nationalsozialismus nicht erklärbar.

Aber sie war, das steht unmissverständlich fest, ein schwerwiegendes Unrecht an wehrlosen

Menschen:

Etwa 12 Mio. Deutsche wurden gewaltsam aus ihrer angestammten Heimat in Mittel- und Osteuropa

gerissen, davon allein mindestens drei Mio. Schlesier. Eine solche Tragödie ist kaum fassbar.

Menschen mussten für immer ihre Heimat verlassen. Sie wurden ihres Besitzes beraubt.

Die Schikanen, Vergewaltigungen und Morde während Flucht und Vertreibung haben bei vielen

— bis heute — tiefe Narben hinterlassen. Auch die Menschen aus Schlesien haben vor 65 Jahren

dieses unsagbare Leid ertragen müssen.

Die Erlebnisse von Flucht und Vertreibung der Deutschen sind ein schmerzhafter Teil unserer

Nationalgeschichte – und der europäischen Geschichte. Dieses Leid aufzuarbeiten, daran zu

erinnern,

ist eine gesamteuropäische Verpflichtung.

Unsere Botschaft muss klar sein: Vertreibung, wo immer sie stattfindet, ist und bleibt menschenverachtendes

Unrecht.

Dieses Unrecht müssen wir ein für allemal ächten!

Umso erstaunlicher ist, dass die Charta der Heimatvertriebenen bereits im Jahr 1950 auf Aussöhnung

und Verständigung baute.

In diesem Jahr feiern wir ihr sechzigjähriges Bestehen.

Die Erfolgsgeschichte der Charta spiegelt das Selbstverständnis der deutschen Heimatvertriebenen

wieder:

Aus der Erinnerung an die eigenen Wurzeln werden Brücken geschlagen, um zur Aussöhnung

unserer beiden Völker und zur europäischen Integration beizutragen.

Deutschland wäre ohne die Heimatvertriebenen nicht das, was es heute ist. Das Thema ist keineswegs

veraltet oder verstaubt.

Jeder vierte Deutsche ist heute ein Heimatvertriebener oder hat Vorfahren von Heimatvertriebenen.

Viele Nachkommen, darunter auch eine große Zahl junger Leute, wollen sich über ihre familiären

Ursprünge informieren. Sie wollen mehr über das Land ihrer Vorfahren erfahren.

Und viele Familien haben ihre Ursprünge hier in Schlesien.

Besonders das Land Niedersachsen wäre nicht so lebendig und vielfältig, wenn nicht so viele

Heimatvertriebene aus Schlesien Zuflucht in Niedersachsen gefunden hätten.

Sie haben sich trotz vieler Beschwernisse hervorragend integriert.

Und sie haben für den Wiederaufbau nach dem Krieg Enormes geleistet.

Die Vertriebenen haben entscheidenden Anteil am Erfolg der Sozialen Markwirtschaft und unserer

gewachsenen Demokratie in Deutschland.

Sie sind ein integraler Teil deutscher Identität.

Niedersachsen verbindet viel mit Schlesien.

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Bereits 1950 hat die Landsmannschaft Schlesien den Niedersächsischen Minister für Vertriebene

und Sozialangelegenheiten, Heinrich Albertz

(später Regierender Bürgermeister Berlins), gebeten,

dass Niedersachsen die Patenschaft für die Landsmannschaft Schlesien und die Schlesier übernehmen

soll.

Die Übernahme der Patenschaft war und ist Ausdruck tiefer Verbundenheit und Wertschätzung

mit den Heimatvertriebenen aus Schlesien.

Die Patenschaft ist lebendig geblieben und hat sich weiter entwickelt.

Sie ist zukunftsweisend und ein festes Bindeglied zwischen Niedersachsen, Schlesien und Polen.

Umso erfreulicher ist, dass wir in diesem Jahr das 60jährige Bestehen dieser Patenschaft feiern

können. Wir haben dazu ein wissenschaftliches Symposium unter dem Titel "Schlesien in Europa

- Nachbarschaft, Beziehungsgeschichte, Kulturaustausch" für den 23. und 24. September geplant.

Das Symposium befasst sich mit der wechselvollen Geschichte Schlesiens und dem Zusammenleben

verschiedener Volksgruppen wie Deutschen, Polen und Tschechen. Auch Flucht

und Vertreibung,

der Neuanfang in Niedersachsen und die enorme Leistung beim Wiederaufbau des Landes werden

thematisiert.

Zur Diskussion kommt natürlich auch die heutige und künftige Rolle der vertriebenen Schlesier

als Brückenbauer zwischen Deutschen und Polen.

Ich lade Sie alle zu dieser hochkarätigen Veranstaltung herzlich ein.

Bei dem Festakt am 25. September im Alten Rathaus in Hannover werden Sie unseren neuen

Ministerpräsidenten David McAllister kennen lernen.

Die Verbindungen meines Landes mit Schlesien und Polen sind vielfältig und weit gediehen:

• Niedersächsische Vertragslehrer sind in Niederschlesien zur Unterstützung des Deutschunterrichts

tätig. Wir haben über 165 Partnerschaften zwischen niedersächsischen und polnischen

Schulen.

• 80 Hochschulkooperationen bestehen zwischen Polen und Niedersachsen. Diese Zusammenarbeit

ermöglicht den Studenten der Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel zum

Beispiel, Teile ihres Studiums hier an der TU Breslau durchzuführen.

• Die Justizpartnerschaft Braunschweig/Breslau gibt deutschen und polnischen Justizmitarbeitern

die Möglichkeit zu interessanten Einblicken in den Justizalltag des Partnerlandes. Herr

Dr. Pansegrau, der heute anwesend ist, hat die Justizpartnerschaft wesentlich ins Leben gerufen,

wofür ich ihm herzlich danke!

• 84 niedersächsische Städte und Gemeinden haben Partnerschaften mit polnischen Kommunen

vereinbart oder stehen kurz davor.

Zu den Vorreitern gehörten 1978 und 1979 die Städte Göttingen mit ihrer Partnerstadt Thorn

sowie die Landeshauptstadt Hannover mit ihrer Partnerstadt Posen (Poznan). An dieser Stelle

begrüße ich die Vertreter der deutsch-polnischen Gesellschaften in Niedersachsen, die

sich seit Jahren engagiert für die deutsch-polnischen Beziehungen einsetzen. Inzwischen haben

auch 19 niedersächsische Landkreise Partnerlandkreise in Polen. Diese kommunalen

Partnerschaften bezeugen zukunftsweisende Verwaltungskooperationen unserer beiden Länder.

• Auch wirtschaftlich stehen Niedersachsen und Polen eng beieinander. Der Weg für eine noch

bessere Zusammenarbeit ist mit dem Beitritt Polens in die EU vor sechs Jahren bereits geebnet

worden.

Rund 1.000 niedersächsische Unternehmen pflegen derzeit geschäftliche Beziehungen zu

polnischen Partnern.

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Rund 200 niedersächsische Firmen haben Repräsentanzen und Niederlassungen in Polen,

darunter auch große Konzerne wie die Volkswagen AG mit Werken in Poznan und Polkowice.

Unsere Zusammenarbeit und Partnerschaft hat viele weitere Facetten.

So haben sich in den letzten Jahren Kontakte im Seniorenbereich angebahnt. Niederschlesische

Frauen nahmen an einer Unternehmerinnenkonferenz in Hannover teil — und die Breslauer

Schüler an einem internationalen Kindergipfel.

Ein besonderer Ausdruck der Verbundenheit Niedersachsens mit Niederschlesien waren auch

die letzten zwei Besuche des ehemaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff (jetzt Bundespräsident)

im September 2009 und im Mai 2010. Er hat sich besonders für die Jugendbegegnungsstätte

in Kreisau eingesetzt.

Das Gut Kreisau ist ein leuchtendes Symbol der Freiheit – und des Widerstands gegen Diktatur

und Gewalt.

Ich bin stolz darauf, dass der Kulturpreis 2009 an die Jugendbegegnungsstätte Kreisau vergeben

wurde!

Durch unser gemeinsames Engagement in den vergangenen Jahren haben wir die niedersächsisch-schlesische

Zusammenarbeit immer wieder neu mit Leben erfüllt. Es wäre schön, wenn

sich die nächsten Generationen nicht zuletzt dank dieser Kontakte, als eine gemeinsame europäische

Völkerfamilie fühlen und verstehen.

Unsere gemeinsamen Wurzeln können einen Beitrag zu einer gemeinsamen europäischen Identität

leisten, mit dem Ziel, über Grenzen hinweg in einer Gemeinschaft zu leben, die Vertreibung

und Unrecht ächtet, die für Frieden, Verständigung und Freiheit einsteht.

Das muss unsere gemeinsame Vision sein!

Das deutsche Volk ist dem polnischen Volk zutiefst dankbar.

Ich habe bereits den Freiheitswillen der Polen erwähnt.

Dieses Land hat während der Zwangsherrschaft der Kommunisten immer an die Freiheit geglaubt

– und dafür gekämpft!

Ohne den Mut des polnischen Volkes, ohne die Stärke von Papst Johannes Paul II

und ohne den Einsatz der Gewerkschaft „Solidarnosc“ wäre der Eiserne Vorhang nicht zerbrochen.

Der Freiheitskampf der Polen war Vorbild für viele andere Völker in Osteuropa, auch in der DDR,

das kommunistische Joch abzuschütteln.

Der Sieg der Solidarnosc bei der Parlamentswahl vom 4. Juni 1989 war entscheidend für den

Aufbau der Demokratie in Polen — und damit letztlich in ganz Osteuropa.

Auch die Deutsche Einheit, die am 3. Oktober dieses Jahres ihren 20. Geburtstag feiert, ist ein

Ergebnis dieses Freiheitskampfes.

Das dürfen und werden wir Deutsche nicht vergessen.

Das polnische Volk war der „Eisbrecher“ für die Freiheit!

Polen und Deutschland leisten heute als Mitglieder der Europäischen Union einen außerordentlichen

Beitrag zum Frieden in Europa.

Noch niemals zuvor konnten Deutsche und Polen so sicher in Europa leben. Innerhalb der EU

kann bald jeder EU-Bürger an jedem Ort sein Unternehmen gründen und die Wirtschaft dadurch

ankurbeln.

Sehr geehrte Gäste aus Deutschland!

Sie konnten ohne Passkontrolle nach Polen fahren.

Finanzielle Hilfen der EU lassen Polens Wirtschaft wachsen und geben deutschen Unternehmen

Gelegenheit in Polen zu investieren.

Ich habe das Beispiel der Volkswagen AG aufgezeigt:

Polen kann von der EU nur profitieren. Es ist bis vor Kurzem das einzige Land gewesen, das

sogar mit einem Wirtschaftswachstum aus der weltweiten Finanzkrise heraus gehen konnte.

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Wirtschaftlich und politisch ist Polen heute ein modernes Land, das innerhalb der EU seinen

Platz gefunden hat.

Der polnische Europaparlaments-Präsident Jerzy Buzek leistet seinen aktiven Beitrag dazu.

Europa braucht Polen, aber Polen braucht auch Europa!

Die Preisträger des Kulturpreises Schlesien 2010 des Landes Niedersachsen wurden von einer

unabhängigen Jury ausgewählt.

Ich möchte die anwesenden Jurymitglieder:

• Generalkonsul Bernhard Brasack,

• Vizemarschall Jerzy Luzniak,

• Generalsekretär der Stiftung Niedersachsen Joachim Werren,

• Museumsdirektor Dr. Markus Bauer,

• Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der polnischen Botschaft in Berlin, Malgorzata Lawrowska,

• Museumsdirektor Dr. Maciej Lagiewski,

• Prof. Dr. Michael Pietsch

• und ganz besonders Herrn Landtagspräsident a. D. Horst Milde

herzlich begrüßen.

Die ausgewählten Preisträger haben durch ihre kulturelle und wissenschaftliche Leistung die Jury

überzeugt.

Prof. Ewa Michnik, geboren in Bochnia, wirkt seit 1995 als Intendantin und Generalmusikdirektorin

der Oper Breslau.

Mit der ersten Breslauer Produktion von Richard Wagners gesamten

„Ring der Nibelungen“ nach 1945 hat sie Operngeschichte geschrieben.

Die Zusammenarbeit zwischen den Opern Hannover und Breslau wurde mit der Inszenierung

durch den ehemaligen Intendanten der Staatsoper Hannover, Prof. Hans-Peter Lehmann, intensiviert.

Ich freue mich sehr, dass er heute der Feierstunde beiwohnt!

Frau Michniks „Nebentätigkeiten“ im musikalischen Bereich sind kaum zu überbieten. Als Gastdirigentin

auf der ganzen Welt umfasst ihr künstlerisches Werk mehr als 95 Opernpremieren, Symphoniekonzerte

oder Uraufführungen.

Sie hat außerordentlichen Mut und künstlerische Kreativität bewiesen,

die Oper „Chopin“ von Giacomo Orefice, dessen Darbietung wir heute Abend bestaunen dürfen,

aufführen zu lassen.

Frau Michnik bezeugt durch ihr reiches kulturelles Schaffen eine enge Verbundenheit mit Schlesien

und darüber hinaus.

Prof. Dr. Arno Herzig, 1937 in Albendorf/Kr. Glatz geboren,

besuchte ab 1948 die Internatsschule der schlesischen Franziskaner in Ottbergen bei Hildesheim

in Niedersachsen und anschließend das Gymnasium Josephinum in Hildesheim. Nach dem Studium

der Geschichte, Geographie und Germanistik erhielt er nach verschiedenen Stationen einen

Ruf als Professor für Frühe Neuzeit an die Universität Hamburg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten

zählt die Geschichte Schlesiens. Prof. Dr. Herzig begleitet seine wissenschaftliche Arbeit

auch mit verschiedenen Forschungsaufenthalten hier in Breslau und unterhält enge Kontakte zu

Kollegen der Universität Breslau.

Dass er mit Schlesien und besonders seiner Heimat Glatz in großer Verbundenheit steht, bezeugt

auch seine Ernennung zum Ehrenbotschafter der Grafschaft Glatz und weitere Ehrungen.

Den Sonderpreis 2010 erhält die gebürtige Norwegerin Bente Kahan.

Im Jahr 2001 entschloss sie sich zum Umzug nach Breslau.

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Dort gründete sie 2006 die nach ihr benannte Stiftung zum Wiederaufbau der Synagoge „Zum

Weißen Storch“.

Im Jahr 1933 lebten 34.375 Juden in Schlesien, besonders viele hier in Breslau. Sie waren geachtete

Bürger. Sie haben das kulturelle,

das gesellschaftliche und das Wirtschaftsleben hier in Breslau und in Schlesien entscheidend

bereichert.

Die Zeit des Nationalsozialismus war eine schmerzhafte Zäsur.

Durch Terror und Verfolgung sank die Zahl jüdischer Bürger in Breslau dramatisch. Viele Juden

wurden vertrieben oder ermordet.

Frau Kahan leistet mit ihrer Stiftung und dem Wiederaufbau der Storchsynagoge einen enormen

Beitrag zur Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Schlesien.

Es freut mich daher besonders, dass der Wiederaufbau der Synagoge in diesem Jahr abgeschlossen

werden konnte.

Das Gotteshaus wurde bereits wieder eröffnet — ein hoffnungsvolles und schönes Zeichen!

Alle drei Preisträger setzen sich in ihren Leistungen über die nationalstaatlichen Grenzen hinweg.

Sie tragen durch ihre Arbeit zur Verständigung, Versöhnung und Integration der europäischen

Völker bei.

Niedersachsen und Schlesien sind Vorreiter im Brückenbauen.

Unsere engen und vielfältigen Verbindungen sprechen eine deutliche Sprache. Der Kulturpreis

Schlesien ist ein starkes Symbol unserer Verständigung. Nicht umsonst bezeichnen wir ihn auch

als Brückenpreis.

Wir haben viele Gründe positiv in die Zukunft zu schauen:

Selten waren sich polnische und deutsche Politiker so verbunden. Bundespräsident Wulff und

Staatspräsident Komorowski sehen in ihrer fast zeitgleichen Wahl eine große Chance zur noch

besseren Zusammenarbeit. Als Ministerpräsident Donald Tusk in diesem Jahr in Aachen der

Karlspreis verliehen wurde, sprach er folgenden Schlüsselsatz aus: „Europa als Norm, Gemeinschaft

als Regel, Freiheit und Solidarität als Grundsatz. Das sind unsere Wegweiser.“

Polen und Deutschland, Schlesien und Niedersachsen, beide sind wir auf einem guten Weg, diese

Wegweiser mit Leben zu füllen.

Die deutsch-polnischen Beziehungen sind stark:

politisch, wirtschaftlich und zwischenmenschlich.

Das wollen und werden wir an diesem Wochenende in Breslau wieder unter Beweis stellen!

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

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