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Christophorus 336

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Text

Reiner Schloz

Fotografie

Uli Heckmann

Spaß ist am besten planbar, wenn man alles vergisst, was man

sich vorgenommen hat. Der neue Cayman kann dabei sehr hilfreich

sein. Um in Spanien ins Vergnügen durchzustarten, braucht man

nur den Boxer-Motor hinter und das Steuer vor sich – sonst nichts.

Faszination

Spanish Eyes


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Gut, dass das Thermometer die Fluchtrichtung bestimmt und

den Weg nach Andalusien gewiesen hat. Die Heimat meldet

Wintereinbruch, Stuttgart zittert sich am Gefrierpunkt entlang,

der Schnee bleibt liegen. Aber hier im Süden Spaniens, gut drei

Flugstunden entfernt, kündet die Anzeige von angenehmen 20

Grad Celsius. Die Sonne vertreibt die Wolken, die verspiegelte

Ray-Ban verwischt die letzten Spuren der Nacht. Die Lebensgeister

kehren zurück. Man muss kein Wetterfrosch sein, um die

Zeichen zu erkennen: Die Zeit ist reif für ein leidenschaftlichesVerhältnis–mit

einem Alligator. Der neue Cayman ist eine gute Partie.

„Spanish Eyes“ – die beiden neuen Halogenhauptscheinwerfer

mit ihrer Zwei-Tuben-Optik schauen einen herausfordernd an.

Am Ende des Tages werden wir uns zum Fressen gern haben, so

viel steht fest. Bei Licht betrachtet strahlt der Cayman wie weißes

Gold. Das Heck des bis zu den Felgen cremeweißen Sportwagens

ziert ein dezenter Extraspoiler aus der Abteilung Exclusive &

Tequipment, gleich darunter verspricht das geschwungene „S“

noch mehr Power und Emotionen, also einfach Spaß.

DasVergnügen auf den ersten Blick nimmt weiter zu, sobald man

Körperkontakt aufgenommen hat. Im Innenraum schmiegt sich

wunderbar weiches rotes Leder überall an das Interieur und

spannt sich bis übers Armaturenbrett. Dort thront die Stoppuhr

des Sport-Chrono-Pakets, Designmerkmal der technischen Sonderausstattung,

die dem Piloten per Knopfdruck unter anderem

die Wahl lässt zwischen einer komfortabel-sportlichen und einer

sehr sportlichen Fahrwerksabstimmung. Auf der Mittelkonsole

glitzert verführerisch der Wahlhebel des neuen Porsche-Doppelkupplungsgetriebes

(PDK).

Wir werden uns viel zu sagen haben auf dem Weg nach Sevilla.

Die Erwartungen an denTag sind hoch: eine Spritztour der besonderen

Art, Stadtbummel unter Palmen, im Café sitzen und den

Damen beim Wochenend-Shoppen zusehen, ein paar Tapas verdrücken

und abends zum Fußball, natürlich ein Spitzenspiel. Ein

volles Programm – und ein voller Sound. Schöner kann der Beginn

eines Dialogs kaum sein, weil der Ton schließlich die Musik

macht. Dreht man den Schlüssel, kommt sie sofort von hinten,

füllt den üppigen Laderaum und schmeichelt dem Trommelfell.

Aus dem Stand heraus erweist sich der neue Cayman als großes

Talent in der Disziplin Beschleunigung. SeinTon dazu ist eine einzige

Herausforderung:„Auf geht’s!“

Sie haben „ein bisschen was geändert“, sagen die Ingenieure von

Porsche. Das behaupten sie in aller Bescheidenheit immer, wenn

sie sich ausgereifte Sportwagen nach ein paar Jahren in der freien

Wildbahn nochmals vornehmen. Das Ergebnis nennt der Fachmann„Evolution“.

Für den Fahrer bedeutet es eine volle Fahrt in

neue Erlebniswelten, die sich auf der Tour über Jerez nach Sevilla

genussvoll erkunden lassen. Großen Anteil daran hat der komplett

neu entwickelte Motor mit Benzin-Direkteinspritzung. Dank des

optimierten Verbrennungsvorgangs in jedem der sechs Zylinder

spart sie spürbar Kraftstoff und steigert fühlbar die Leistung.Wie

gut es der Boxer-Motor mit dem Fahrer meint, begreift man aber

erst, wenn man mit dem Gaspedal Freundschaft geschlossen hat.

Und das geht schnell. Die Landschaft fliegt vorbei. Auch dieWahl

der Waffen hat sich entscheidend geändert.Wer die traditionelle

Gang-Art bevorzugt, vertraut auf das ebenfalls neue Sechsgang-

Schaltgetriebe. Der Innovationen liebende Zeitgenosse entscheidet

sich eher für das neue Porsche-Doppelkupplungsgetriebe. A

Schattenspiele mit Pferdestärken:

In Sevilla bewundern die Touristen die Sehenswürdigkeiten von der

Kutsche aus – während es den Cayman ans Wasser zieht


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Sevilla beeindruckt mit kühler Architektur an warmen

Wintertagen. Im Sonnenlicht strahlt der Cayman dazu wie

weißes Gold. Gleich wird die Tour fortgesetzt, am

Río Guadalquivir entlang Richtung Altstadt mit ihren

kleinen Läden und verwinkelten Gassen.


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Der Nachfolger des bisherigen Tiptronic-S-Getriebes ist im Bereich

der pedalfreien Fortbewegung ein echter Brüller – aufreizend

hörbar, wenn das PDK beim Runterschalten selbstständig

Zwischengas gibt. Schon Anfang der 80er Jahre wurde das Doppelkupplungsgetriebe

erfolgreich im Motorsport eingesetzt, weil es

die Vorteile einer Handschaltung besitzt und von den Nachteilen

eines Automatikgetriebes nichts wissen will. Über all die Jahre

wurden immer wiederVersuche unternommen, das PDK für Serienfahrzeuge

tauglich zu machen. Jetzt geht’s. Und wie!

Das PDK wählt bei jedem Tempo den besten seiner sieben Gänge

aus, was dem Cayman in jeder Lage große Souveränität verleiht.

Ohne lästiges Rucken und Zucken reagiert der Antrieb auf jede

Bewegung des Gaspedals. Wer ein bisschen spielen will, kann

auch mit den Druckschaltern am Lenkrad von Hand die gewünschte

Übersetzung bestimmen. Die Leistungsbereitschaft ist

eh unantastbar. In Zahlen heißt das: Der neue 2,9 Liter große

Boxer des Cayman leistet 265 PS (195 kW) und beschleunigt den

Mittelmotorsportwagen mit PDK in 5,7 Sekunden von null auf

100 km/h. Seine Höchstgeschwindigkeit erreicht er jenseits der

260 km/h. Der Cayman S bringt mit seinen 3,4 Liter Hubraum

320 PS (235 kW) auf die Straße. Mit PDK braucht er von null

auf Tempo 100 nur 5,1 Sekunden. Seine Spitzengeschwindigkeit

beträgt je nach Getriebe bis zu 277km/h.Natürlich ist wieder alles

der neuen Leistungsbereitschaft angepasst worden: die Bremsen,

das Fahrwerk – und der Sound.

Farbenpracht: Im Inneren des Cayman sorgt rotes Leder für ein

außergewöhnliches Ambiente. Außen glänzt er auf der Avenida

María Luísa in königlichem Weiß

Es klingt beeindruckend und das ist es auch. Ob bei Tempo 80,

120 oder 140 – der Spaß mit dem Cayman dreht gleichbleibend

hoch. Und er bleibt auch auf Touren, wenn es plötzlich gegen den

Wochenendverkehr in Sevilla geht. Auf der breiten Paseo de Las

Delicias, begleitet vom Río Guadalquivir, rollt der Cayman gelassen

in Richtung Altstadt. Die Expo 1992 hat Sevilla unter

anderem einige beeindruckende Brücken und viel Ehre eingebracht.

Und zwar bis heute. Noch immer sammeln sichTouristenbusse

am Straßenrand vor der Einfahrt in den alten Kern der Stadt.

Der Cayman kneift nicht. Gut, dass er so wendig ist, hier in den

engen Gassen, mit ihren kleinen Läden, den vielen Menschen und

den Pferdekutschen für die Besucher. Ein schöner Anblick, der auf

Gegenseitigkeit beruht. Der weiße Cayman genießt die Aufmerksamkeit,

er erntet neugierige und anerkennende Blicke:„You and

your Spanish Eyes will wait for me“– eine großeVersuchung. Aber

das ist der Cayman auch. Wir nehmen die Palos de la Frontera

vorbei am kleinen Kanal vor der altenTabakfabrik, um entlang der

Jardines del Alcázar noch ein wenig die breite Avenida Menéndez

Pelayo zu genießen. Der Tag hält mehr, als er versprochen hat.

Das liegt amWetter, das liegt am Sportwagen und das liegt an den

Farben, die den Beginn des Abends ankündigen. Beim Kaffee am

Paseo de Cristóbal Colón blickt man gebannt über den Fluss, um

die Sonne glutrot untergehen zu sehen. Wir müssen weiter, hinein

in die Nacht – wir müssen zurück. Die Autobahn Richtung

Jerez ist frei und der Kopf langsam wieder klar. Wie konnte das

nur passieren? Wir haben das Fußballspiel völlig vergessen! War

es ein Versäumnis oder doch eher so eine Ahnung? Sevilla und

Valencia trennen sich null zu null. So besonders war es wohl nicht.

Gut, dass wir lieber noch eine Runde gedreht haben.

B

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