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JOACHIM MAYER

Gartenglück

52 Inspirationen fürs Gartenjahr


VORFRÜHLING

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Ansteckender Aufbruch

Wenn die Schneeglöckchen den Winterschlaf beenden,

ist das, als würde der Wecker zum ersten

Mal klingeln. Wenn die Salweide ihre Blüten öffnet,

sitzt die Natur schon am Frühstückstisch – voller

Tatendrang. Lassen Sie sich davon anstecken.

Sie gehört zu den Kennpflanzen des Naturkalenders:

die Salweide ( Salix caprea ). Ihr Blühbeginn

markiert zwar noch keine neue Jahreszeit, aber eine

neue Phase des Aufbruchs, die Sie in der Natur wie im

Garten deutlich spüren können.

Lautgebende Anzeichen sind die ersten Bienen und

Hummeln, die nach monatelanger Winterruhe nun

wieder aktiv werden. Die Weidenkätzchen wirken auf

sie geradezu wie Magneten. Ein paar verwegene Brummer

nehmen zwar schon das Angebot der ersten

Vorfrühlingsblüher an. Doch richtig ausgeschwärmt

wird meist erst ab der Weidenblüte, wenn sich die

Tagestemperatur über 12 °C einpendelt.

Kalte Tage und frostige Nächte sind noch nicht ganz

ausgestanden, aber der Boden hat sich oft schon so

weit erwärmt, dass neues Wurzelwachstum einsetzt.

So wurzeln frisch gesetzte Pflanzen besonders gut ein.

Zugleich wird das nützliche Gewimmel der Bodenlebewesen

aktiver und setzt nun aus Kompostgaben nach

und nach Nährstoffe für die Pflanzen frei. Schließlich

steigen auch die Säfte in den knospenden Obstbäumen,

sodass Schnittwunden jetzt schneller verheilen

als im Winter.

Was gibt’s zu tun?

• Neue Stauden auspflanzen, ältere Stauden

zur Vermehrung oder Verjüngung teilen

• Gehölze und Stauden mit Kompost

versorgen

• Gute Zeit für den Schnitt von Apfelbäumen

und anderen Obstgehölzen


»Wie aus grauer Seide, wie aus grauem Samt«: Die silbrigen,

flaumigen Kätzchen der Weiden inspirierten schon Christian

Morgenstern. Wer sie sieht, möchte sie berühren.

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Wenn die Eisheiligen vorüber sind, gibt es kein Halten mehr.

Jetzt heißt es auch bei Gurken, Sellerie, Basilikum & Co:

auspflanzen und sich auf die Ernte freuen.

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VOLLFRÜHLING

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Stauden – Blumen, die bleiben

Wenn sich die Frühlingszwiebelblumen allmählich

verabschieden, beginnt die große Zeit der Blütenstauden.

Spätfrühlingsblüher wie Herzblume,

Akelei und Bartiris leiten nun mit Schwung über

zum üppigen Sommerflor.

In der Umgangssprache werden oft große, nicht

verholzte Pflanzen als »Stauden« bezeichnet, etwa

Tomatenstauden. Da runzeln Kenner die Stirn, denn

im engeren Sinn meint man mit Stauden etwas

anderes: nämlich ausdauernde, krautige Pflanzen

– ganz egal, ob stattlich wie der Rittersporn oder

zierlich wie die Zwerg-Herzblume. Meist sterben die

Stängel der Stauden vor dem Winter oder nach der

Blüte ab, um dann zu Beginn der nächsten Vegetationszeit

neu auszutreiben.

Prachtstauden wie Phlox und Sonnenhut, genügsame

Polsterstauden wie Blaukissen und Heidenelke, Schattenzierden

wie Funkien und Astilben, Frühlings-,

Sommer- oder Herbstblüher, Blattschmuckstauden

oder Bodendecker: Die gewaltige Fülle der Stauden

lässt kaum Wünsche offen, und viele sind ausgesprochen

pflegeleicht.

Da Stauden meist mit gut durchwurzeltem Ballen in

Töpfen angeboten werden, können Sie sie fast

jederzeit setzen. Gerade jetzt, wenn es warm, aber

noch nicht zu heiß und trocken ist, wachsen sie gut

und schnell an. Lassen Sie sich für die Farbwahl von

Kalenderblatt 9 inspirieren.

Was gibt’s zu tun?

• Stauden (Containerware im Topf) pflanzen

• Alle frisch gesetzten Pflanzen ausreichend

gießen, nährstoffliebende mit organischem

Dünger versorgen

• Bei Rhododendren verwelkte Blütenstände

vorsichtig ausbrechen


FRÜHSOMMER

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Schmückend und schmackhaft

Mit kugeligen Blütendolden an kräftigen Schäften

gehört der Zierlauch zu den markanten Erscheinungen

des Frühsommers. Als attraktiver Cousin

von Gemüselauch und Zwiebel zeigt er ganz nebenbei,

dass Zier- und Nutzpflanzen oft gar nicht so

weit auseinanderliegen.

Mit der Pracht von Iran-, Riesen- und Sternkugellauch

können andere Allium -Arten wie Zwiebel und

Knoblauch natürlich nicht mithalten – sollen sie auch

nicht. Aber wenn jetzt der Schnittlauch seine lila

Blütenbällchen bildet, könnte auch er als Zierlauch

durchgehen. Sie brauchen die Blüten übrigens nicht

alle auszubrechen: Wenn ein paar stehen bleiben,

treibt die Pflanze trotzdem immer wieder frische,

aromatische Blätter.

Schnittlauchblüten eignen sich auch als appetitliche

Garnierung für Salate, denn sie sind essbar. Noch

besser munden die Blütenknospen des Schnittknob-

lauchs, in der asiatischen Küche eine geschätzte

Delikatesse. Essbar und schmackhaft sind auch die

Blüten von Ringelblume, Kapuzinerkresse und

Borretsch – Pflanzen, die gut in die Gemüsebeete

passen und dort für Bauerngartenflair sorgen.

Wächst schon Lauch (Porree) im Beet, sollten Sie ihn

nun öfter mit Erde anhäufeln, damit er schöne weiße

Stangen bildet. Bei Kartoffeln verhindert Anhäufeln

das Vergrünen der Knollen, bei Tomaten und anderem

Gemüse verbessert es die Standfestigkeit und fördert

die Ausbildung zusätzlicher Wurzeln.

Was gibt’s zu tun?

• Regelmäßig gießen, jäten und hacken

• Lauch, Kartoffeln, Kohl, Tomaten, Erbsen,

Bohnen und Gurken des Öfteren anhäufeln

• Zwischen Gemüsereihen, Blumen und

Stauden mulchen (z.B. mit Rasenschnitt)


Faszinierend wie eine edle Goldschmiedarbeit: Die filigranen,

metallisch schimmernden Blütensterne des Sternkugellauchs

stehen in großen, ballförmigen Dolden beisammen.

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Jetzt haben Erntekörbe und Einweckgläser Hochkonjunktur.

Den fruchtigen Geschmack des Sommers zu konservieren,

gehört zu den schönsten Gärtnertraditionen.

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SPÄTSOMMER

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Sonnige Zeiten im Blumenbeet

Sonnenbraut, Sonnenblume, Sonnenauge: Schon

die Namen dieser Sommer- und Herbstblüher verraten

ihre leuchtend gelbe Blütenfarbe. Ein solches

Blütenmeer bietet eine fröhliche Kulisse fürs Werkeln

im Garten – und zum Relaxen sowieso.

Der griechische Sonnengott Helios diente als

Namenspate, als diese Pflanzen ihre botanischen

Bezeichnungen erhielten: Sein Name findet sich in

Helianthus (Sonnenblume), Heliopsis (Sonnenauge)

und Helenium (Sonnenbraut) wieder. Helianthemum

, das hübsche Sonnenröschen, reiht sich da

nahtlos ein. Nur der stattliche Sonnenhut macht mit

dem Namen Rudbeckia eine Ausnahme. Dafür heißt

seine beliebteste Sorte ‘Goldsturm’ und macht

deutlich, dass auch hier kräftiges Gelb den Ton angibt.

Sonnig ist nicht nur die Blütenfarbe dieser Stauden

und Blumen, sondern idealerweise auch ihr Platz im

Garten. Wenn Sie beim Planen und Auswählen die

jeweiligen Lichtansprüche der Pflanzen berücksichtigen,

gedeihen und blühen sie besonders schön. Am

besten lassen Sie sich jetzt an einen schattigen

Gartensitzplatz nieder und entwickeln Pläne für neue

Beete und Rabatten – denn in rund vier Wochen

beginnt eine der besten Pflanzzeiten für Stauden.

Im Gemüsebeet ist schon jetzt Zeit zum Pflanzen:

Späte Kohlrabi, Chinakohl und Winterlauch sollten

bald in die Erde kommen, damit sie noch die

Sommerwärme für ihr Wachstum nutzen können.

Was gibt’s zu tun?

• Bald den letzten Kohlrabi, Chinakohl und

Winterlauch pflanzen

• Das meiste Stein- und Beerenobst

(z.B. Kirsche, Johannisbeere) am besten

gleich nach dem Abernten schneiden

• Neue Staudenpflanzungen planen


Wenn die Eicheln reifen, zeigen sie uns den Beginn des

Vollherbstes an. Für die Eichhörnchen und Eichelhäher

wird es nun Zeit, Wintervorräte anzulegen.

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VOLLHERBST

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Im Zeittakt der Natur

Herbstzeitlose – was für ein geheimnisvoller, geradezu

poetischer Name. Und doch folgt auch dieser

hübsche Blüher dem Zeittakt der Natur, ebenso wie

Laubbäume und andere Pflanzen, die sich nun auf

die Winterruhe vorbereiten.

Viele Herbstblüher im Garten stammen aus

anderen Weltgegenden, die Herbstzeitlose dagegen

wächst bei uns auch wild auf feuchten Wiesen. Hier ist

ihre späte Blüte einzigartig und wirkt wie »losgelöst«

vom Sommerflor anderer Wiesenblumen, deshalb der

Name Herbstzeitlose. Mit ihrem Rhythmus hat sich die

Knollenblume optimal an die traditionelle Wiesenbewirtschaftung

angepasst: Ihre Blüten und die zeitig im

Frühjahr austreibenden Blätter erscheinen außerhalb

der üblichen Mähzeiten und bleiben so verschont.

Nach dem Datumskalender beginnt der Herbst am 22.

oder 23. September, wenn Tag und Nacht gleich lang

sind. Die abnehmende Tageslänge wird nun zum

wichtigen Taktgeber für die Bäume, die sich mit der

Laubverfärbung auf die Winterruhe vorbereiten.

Manche Obstgehölze werfen jetzt schon die Blätter ab

und lassen teils auch Früchte zu Boden fallen. In und

unter diesen »Hinterlassenschaften« verstecken sich

zuweilen Schaderreger, die so am Boden überwintern.

Wenn Sie Herabgefallenes des Öfteren entfernen,

können Sie so manchen Plagegeistern vorbeugen. Dies

können Sie auch mit Leimringen, die an den Stämmen

hochkriechende Frostspannerweibchen abfangen.

Was gibt’s zu tun?

• Knoblauch- und Bärlauchzwiebeln

pflanzen

• Fallobst und krankheitsverdächtiges

Laub vom Boden entfernen

• An Obstbaumstämmen und Stützpfählen

Leimringe gegen Frostspanner anlegen


Eis, Raureif und Schnee: Das sind die Werkstoffe des Winters,

mit denen er wie ein Künstler Pflanzenskulpturen und

Gartenbilder von kühler Schönheit gestaltet.

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WINTER

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Blütensensationen im Schnee

Es hat schon etwas von Magie, wenn sich rundum

noch alles im Winterschlaf befindet und die Zaubernuss

ihre büscheligen, leuchtenden Blüten öffnet.

Sie und andere Winterblüher gehören zu den

kostbarsten Schätzen des Gartens.

Die Zaubernuss (Hamamelis) entfaltet je nach Art,

Sorte und Wetter ihre Blüten teils schon ab Dezember

an den nackten Zweigen. Sie lassen sich auch von

mäßigen Frösten nicht schrecken und kringeln sich

dann nur etwas ein. Ein ähnlich zuverlässiger,

robuster Winterblüher ist der Winterjasmin (Jasminum

nudiflorum) mit unzähligen gelben Blütchen an

seinen langen Ruten. In den tieferen Etagen sorgen

Christrose (Helleborus niger) und Schneeheide

(Erica carnea) ab Dezember für Blütenfreuden.

Daneben gibt es einige schöne Sträucher, die eher zu

den Vorfrühlingsblühern zählen, bei mildem Wetter

aber auch schon mitten im Winter mit duftenden

gelben oder rosa Blüten überraschen. Hierzu zählen

zum Beispiel die Winterblüte ( Chimonanthus

praecox) und der Duftschneeball ( Viburnum farreri).

Blüten, die im Spätwinter erscheinen, haben zugleich

gewaltige Symbolkraft: Die Tage werden nun wieder

merklich länger – und es dauert nicht mehr allzu

lange, bis die Schneeglöckchen den neuen Wachstums-

und Blütenzyklus einläuten. Lassen Sie sich

davon inspirieren, nutzen Sie die ruhige Zeit zum

Planen und zum Auswählen neuer Pflanzen.

Was gibt’s zu tun?

• In Gartenkatalogen und -büchern und auf

Websites von Versendern schmökern

• Obstbaumstämme mit einem Weißanstrich

vor Rindenschäden schützen

• Vitaminreiche Keimsprossen auf dem Fensterbrett

anziehen


Gärtnern mit dem Naturkalender

Von den ersten Schneeglöckchen im Frühling bis zum Laubfall im Herbst –

jede Jahreszeit hat ihren ganz besonderen Reiz. Und ob säen oder ernten, für

Gartenaktivitäten gilt: Alles zu seiner Zeit. Lassen Sie sich inspirieren!

Der phänologische Kalender begleitet Sie Woche

für Woche durchs Gartenjahr: Typische Ereignisse

in der Natur wie die Apfelblüte zeigen an, wann

Sie am besten im Garten aktiv werden sollten –

unabhängig von Witterungsverlauf und Region.

Wunderschöne Fotos nehmen Sie mit auf eine

Entdeckungsreise durch Ihren Garten.

WG 421 Garten

ISBN 978-3-8338-2761-7

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