Sommer 2012 (PDF 2,15 MB) - St. Johann Baptist

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Sommer 2012 (PDF 2,15 MB) - St. Johann Baptist

St. Johann Baptist

Aktuell

S o m m er 2 0 12


Veranstaltungen und Feste im Jahreskreis

Editorial

Sommer und Herbst 2012

2

Besondere Gottesdienste

im Sommer und Herbst

MI 15. August, Mariä Himmelfahrt

10:00 Uhr Gottesdienst

mit Kräuterweihe

So 7. Oktober, Erntedank

10:00 Uhr Gottesdienst

in der Pfarrkirche

und Kindergottesdienst

im Kard.-Döpfner-Saal

anschl. Aktion Minibrot der kjg

So 21. Oktober, Kirchweih

10:00 Uhr Festgottesdienst

Messe in fis-moll für Chor

und Orgel von Charles Marie Widor

Gestaltung:

Kirchenchor von St. Johann Baptist

und St. Rupert, Orgel: Andreas Götz

Do 1. November, Allerheiligen

10:00 Uhr Festgottesdienst

in der Pfarrkirche

15:00 Uhr Gräbersegnung

Fr 2. November, Allerseelen

19:00 Uhr Requiem für alle

Verstorbenen der Pfarrei

in der Pfarrkirche

So 18. November, Volkstrauertag

17:00 Uhr Ökumenischer Gottesdienst

So 25. November, Christkönigssonntag

15:00 Uhr Ewige Anbetung

Caritas-Haussammlung

24. bis 30. September

www.johann-baptist.de

Laienbühne St. Max

"Der Zerbrochene Krug"

Oktober

19. Fr 19:30 Uhr

Premiere

26. Fr 19:30 Uhr

20. Sa 19:30 Uhr 27. Sa 19:30 Uhr

28. So 16:00 Uhr

November

9. Fr 19:30 Uhr 16. Fr 19:30 Uhr

10. Sa 19:30 Uhr 17. Sa 19:30 Uhr

11. So 16:00 Uhr

Lebendiger Adventskalender

2012 soll es in Gröbenzell einen lebendigen

ökumenischen Adventskalender

geben. Jeden Tag öffnet eine andere

Familie oder Person für ca. 1 ½ bis 2

Stunden ihre Türe und bietet Herberge

für adventliche Begegnungen. Genauere

Infos erhalten potentielle Gastgeber

und interessierte Teilnehmer

am Freitag, 28.9. um 20:00 Uhr

im Franz-von-

Assisi-Zimmer

des kath. Pfarrzentrums.

Der auf dem Titelbild

abgebildete Rahmen

stammt vom Deckenfresco

in der Apsis unserer

Kirche.

Bitte beachten:

Aktuelle Termine und Informationen

stehen im Pfarrblatt; Gottesdienstzeiten

in der Gottesdienstordnung.

Beide Faltblätter erscheinen alle zwei

Wochen, liegen in der Kirche aus und

sind auch im Internet zu finden.

Gestaltung Titelbild und Rückseite: Bettina Thöne

Foto: Heinrich Wunram

Liebe Pfarrgemeinde,

liebe Leserinnen und Leser unseres Sommerpfarrbriefs!

Blauer Himmel. Ein leerer

Bilderrahmen. Was

gehört da wohl hinein?

Was sehe ich da? Oder sehe ich

doch nichts?

Amen, das sage ich euch:

Wer das Reich Gottes nicht

so annimmt, wie ein Kind,

der wird nicht hineinkommen.“

(Mk 10,15)

Immer wieder beschäftigt mich die Frage, was Jesus

wohl gemeint haben könnte mit diesem Satz.

Eine Spur zur Deutung ist für mich die unverfängliche

Offenheit eines Kindes. Kein vorgeprägtes

Bild, schon gar kein Vorurteil beeinträchtigen die

unverstellte Wahrnehmung der Kinder. Wunderbar

formuliert Peter Handke in Wim Wenders’ Film

„Der Himmel über Berlin“:

Als das Kind Kind war, […] /

erschienen ihm viele Menschen schön /

und jetzt nur noch im Glücksfall, /

stellte es sich klar ein Paradies vor /

und kann es jetzt höchstens ahnen.

Wie verarmt ist oft unsere erwachsene Sicht der

Dinge! Und der Menschen. Und des Himmels. Verstellt

ist uns der Bilderrahmen mit Vorurteilen,

vorgefassten Meinungen oder gar mit manch goldenem

Kalb. Das biblische Bilderverbot will uns

davor bewahren. Kein Blick soll verstellt sein von

übernommenen oder selbstgeschnitzten Götzenbildern.

Frei und unvoreingenommen durch

den Bilderrahmen des Lebens zu schauen, dazu

hat Gott uns geschaffen. Und wenn wir das fertigbringen

wie ein Kind, dann haben wir auch alle

Chancen eines Kindes: Wir können das Leben immer

wieder neu entdecken. Der Rahmen eröffnet

uns dann nicht nur den Blick, er kann sogar zur

Tür zum Leben und in den Himmel

werden.

Möge Ihnen die Sommer- und

Ferienzeit eine Zeit des Schauens

sein! Eine Zeit des Schauens

mit den Augen eines Kindes; eine

wahrhaft lebendige Zeit!

Ihr Pfarrer Gregor König

Inhalt

Titelthema "K(ein) Bild machen“

Kirchenräume als Gottesbilder . . . 4

Bedeutung der Ikonen . . . . . . . . 6

Glaube und Kunst . . . . . . . . . . . 8

Gottesbilder in der Bibel & heute . 12

Wie stellst du dir Gott vor?. . . . . 13

Umfrage unter Seelsorgern . . . . 17

Glaube unter der Haut . . . . . . . 20

Aus der Pfarrei

Sommerrätsel. . . . . . . . . . . . . 16

Interview mit Heinrich Wunram . 22

Projekt "Im Glauben wachsen" . . 23

Neuer PGR-Vorstand . . . . . . . . 24

Orgeljubiläum . . . . . . . . . . . . 24

Katholischer Filmclub. . . . . . . . 24

Freud und Leid . . . . . . . . . . . . 25

Auflösung Sommerrätsel. . . . . . 26

Rubriken

Veranstaltungen im Jahreskreis . . 2

Editorial . . . . . . . . . . . . . . . . . 3

Familienseite:

Der AK Familie stellt sich vor . . . 19

Impressum . . . . . . . . . . . . . . 26

Lesen-Hören-Schauen . . . . . . . 27

3


Titelthema

Titelthema

Kirchenräume als Gottesbilder

Wir betreten eine Kirche zum

ersten Mal. Vielleicht im Urlaub,

in einer fremden Stadt,

auf einer Ausflugstour über Land. Wie

treten wir ein? – Mit welcher Erwartung?

Mit welchem Gefühl? Mit welcher

Absicht?

Sobald wir die Schwelle überschritten

haben, geschieht etwas mit uns, sofern

wir dafür offen sind. Der Raum beginnt

auf uns zu wirken. Er nimmt uns auf

– oder stößt uns ab. Er zieht uns weiter

in sich hinein – oder lässt uns erst einmal

stehenbleiben, bevor wir uns zögerlich

und vorsichtig weiter vorwagen.

Sichtachsen im Raum lenken unseren

Blick – nach vorne, nach oben. Eine

wichtige Rolle spielt dabei das Licht,

das – je nach Bautyp und Baustil – gebrochen

spärlich einfällt oder kraftvoll

flutend den Raum füllt.

Wenn irgend möglich, versuche ich einen

Kirchenraum zuerst von seiner

Hauptachse aus auf mich wirken zu lassen.

Ich schreite z.B. langsam den Mittelgang

ab, bekomme ein Gefühl für

die Dimensionen, erlebe mich selbst im

Raum.

Die Sprache des Raumes

Die großen Baustile (Romanik, Gotik, Barock,

Rokoko, Klassizismus, Historismus

des 19. Jh.. moderner und zeitgenössischer

Kirchenbau) haben bekanntlich

ihre je eigene Grundsprache – und sprechen

dazu auch noch recht unterschiedliche

regionale Dialekte. Man denke nur

Von Judith Müller

an den sinnenfälligen Unterschied zwischen

dem oberbayerischen und dem

spanischen Barock.

Darüber hinaus ist es auch immer eine Frage

der persönlichen Prägung und Disposition,

wie ein Kirchenraum auf uns wirkt:

erhebend, überwältigend, nüchtern, einladend,

befremdend, festlich stimmend,

erdrückend, unsere Erwartung bestätigend,

irritierend?

Die Höhle und der offene Himmel

Es gibt Menschen, die fühlen sich eher

von Kirchenräumen angezogen, die Geborgenheit,

Schutz, Heimatgefühl vermitteln:

eine Lourdes-Grotte,

eine Kapelle

am Waldrand,

eine

k l e i n e

Dorfkirche

oder

auch eine

Krypta – Räume des Typs Höhle oder auch

Mutterschoß. Hier können sie am besten

zu sich kommen, in sich gehen, beten, sagen

sie.

Andere suchen die Erfahrung der Weite,

den offenen Himmel, den leeren Raum,

das hohe Gewölbe, wollen sich äußerlich

und innerlich aufrichten, einem Größeren

entgegenstrecken.

Viele suchen und kennen beide Erfahrungen,

je nach Lebenssituation und Befindlichkeit.

Beide sind gleichermaßen

Foto: Judith Müller

gültig und wertvoll. Beide sind gut bezeugte

Facetten des biblischen Gottesbildes.

Der Gott, der in die Weite führt, der

Freiheit schenkt und Freiheit zumutet, ist

derselbe, der Zuflucht verheißt, Halt gewährt,

Geborgenheit gibt.

Wohl fühlen oder wachsen

Kirchenräume spielen eine nicht geringe

Rolle bei der Prägung unseres Gottesbildes.

Die Raumerfahrung in der Kirche

unserer Kindheit begleitet uns – meist unbewusst

– ein Leben lang. Ebenso gilt: In

der Begegnung und Auseinandersetzung

mit Kirchenräumen kann sich unser Gottesbild

weiter entwickeln. Ein „guter“ Kirchenraum

ist einer, der solche Entwicklung

möglich macht und fördert. Nicht

selten sind es die auf den ersten Blick irritierenden,

herben, gar „anstößigen“

Räume, die etwas in uns „anstoßen“ können,

die unsere Seh- und Denkgewohnheiten

in Frage stellen und durchbrechen

und zum Wachstum anregen – wenn wir

bereit sind, uns darauf einzulassen. Und

mancher Kirchenraum, in dem wir uns

spontan wohl fühlten, hat uns womöglich

nach einiger Zeit nichts mehr zu sagen,

erscheint uns irgendwie flach, allzu

gewöhnlich, oder auch einfach zu protzig.

Diese Erfahrungen gibt es mit alten

und mit neuen Kirchen.

Ein Bild

für die Innenräume

der Seele

Ein guter Kirchenraum

hat uns etwas zu sagen.

Er kann die Innenräume

unserer Seele ansprechen

und für die Begegnung mit

Gott öffnen. Der äußere Raum

hat eine Entsprechung in unserem

Inneren. Die heilige Teresa von Avila erläutert

mit dem Bild von der inneren Burg

den Weg der Seele durch verschiedene

„Räume“ bis zur Begegnung mit Gott in

der innersten Kammer.

Damit ein Kirchenraum uns etwas sagen

kann, müssen wir ihn aber auch selbst

sprechen lassen. Das verlangt zum Beispiel,

ihn wirklich Raum sein zu lassen,

d.h. ihn als Raum auch frei zu halten. Manche

Kirche ist so zugestellt mit Grünpflanzen

und fromm gemeintem Zierrat, dass

von der Botschaft ihres Raumes nicht

viel bleibt. Die offene Weite des Raumes

könnte kraftvoller zu uns sprechen als

jede Kübelpflanze.

Räume sind Bilder. Kirchenräume sind

(auch) Gottesbilder. Trotz der Mahnung

„Du sollst dir kein Bild machen!“ können

wir Sinnenwesen nur über Bilder denken

und sprechen. Doch müssen wir gewohnte

Bilder immer wieder loslassen und

uns neuen Bildern aussetzen. Das verlangt

Mut. Wenn wir uns darauf einlassen, können

Kirchenräume für uns zu Erfahrungsorten

werden, wie Gott uns immer wieder

verstörend und überraschend anders begegnen

kann.


Dr. Judith

Müller, Theologin

und Pastoralreferentin

war bis ins Jahr 2010 als

Pfarrbeauftragte in Olching

tätig. Sie leitet heute den

Fachbereich „Externe Organisationsentwicklung

und

Gemeindeberatung“

Erzbischöflichen Ordinariat

München.

4 5

im


Titelthema

Titelthema

Bedeutung der Ikonen in der Orthodoxen Kirche

Von Archimandrit Peter Klitsch, Pfarrer der Salvatorkirche München

Orthodoxe Kirchen sind meistens

mit prachtvollen Darstellungen

von Christus, der Muttergottes,

und Heiligen, als Wandmalereien, Mosaiken

oder tragbaren Ikonen geschmückt.

Wenn wir die geschichtliche Reihenfolge

der kirchlichen Stilrichtungen betrachten,

bemerken wir eine Entwicklung vom

Schlichten ins immer Aufwändigere, besonders

im Barock, und wieder zurück ins

modern Reduzierte. Diese Schwankungen

in der westkirchlichen Baukunst sind der

Ostkirche größtenteils fremd geblieben.

Die Tradition der Ostkirche bewahrt ab

dem 8. Jahrhundert eine streng definierte

Form des Kirchenbaus, der Ikonenmalerei

und der Kirchenausstattung.

Fotos: Peter Klitsch

Innenraum der Salvatorkirche

Der Besucher betritt die Kirche vom Westen

und befindet sich im Narthex (Kirchenvorraum).

Tragbare Ikonen sind auf

Proskynetarien aufgestellt und Opferkerzen

werden entzündet. Der Besucher begrüßt

die auf den Ikonen abgebildeten

Personen (Christus, Muttergottes, Heilige)

indem er sie küsst und berührt.

Im Kirchenschiff soll die Ikonostase mit ihren

Ikonen ein Fenster in die himmlische

Welt eröffnen. Hinter der Ikonostase befindet

sich der Altarraum. In ihrer Mitte ist

die Schöne Pforte – nur zu Gottesdiensten

geöffnet – in Erinnerung an den Tempelvorhang,

der beim Kreuzestod zerrissen

ist. Dahinter ist der Altar.

Auf dem Weg des Menschen vom Abbild

zur Ähnlichkeit Gottes hin bewegt sich

der Kirchenbesucher von der Dunkelheit

im Westen, symbolisiert durch die untergehende

Sonne, nach Osten, wo die Sonne

aufgeht, also in die Nähe der göttlichen

Herrlichkeit.

Heiligkeit ist ein andauender Prozess in

die Nähe der Liebe Gottes. Die im Kirchenschiff

abgebildeten Heiligen, Kirchenfeste

und Szenen aus Evangelien und Heiligenviten

vergegenwärtigen und aktualisieren

vorbildlich das Heilsgeschehen. Theologisch

erscheint das Gotteshaus als irdisches

Paradies, in dem die Gemeinschaft

mit Gott, Mitmensch und Umwelt

im Vordergrund ins Bewusstsein gestellt

wird. So stellt der Kirchenraum ein himmlisches

Abbild der Herrschaft Gottes dar,

in dem Lebende und Verstorbene in der

Nachfolge Christi als Leib Christi verbunden

sind. Der Kirchenbesucher befindet

sich inmitten dieser Lebensgemeinschaft

– Kommunion – an der er durch die Vorbildfunktion

der Ikonen aufgerufen wird,

bewusst Anteil zu haben.

Ikonen gelten als Bücher der Analphabeten.

Sie sollen den Gläubigen das Heilsgeschehen

vor Augen führen und einen

Blick in die Ewigkeit gewähren. Daher sind

byzantinische Ikonen immer zweidimensional,

wodurch die Präsenz der abgebildeten

Person oder Szene beim Betrachten

aktuell gegenwärtig sein soll.

Mit tiefer Symbolik werden dogmatische

Lehren erkennbar. Auch die Vorbildfunktion

Christi, der Muttergottes und der Heiligen

wird dem Betrachter in den Regeln

der byzantinischen Malkunst nahegelegt,

um die eigene Ehtik zu ändern.

Durch den kleinen Mund wird erinnert,

wenig zu reden, große Hände bedeuten,

Gutes zu tun,

vergrößerte Sinnesorgane

bedeuten

Öffnung

für Gott und

Mitmensch. Die

Hand bei der

M u t t e r g o t t e s

zeigt auf ihren

Sohn Jesus Christus,

der der Erlöser

aller ist.

Die Gesichter aller Heiligen haben ähnliche

Züge wie Christus, da er ja der neue

Adam, das Vorbild der Heiligkeit für alle

ist. Die Abbildung Christi auf Ikonen ist

durch seine Menschwerdung begründet.

Jesus Christus der Messias zwischen Gott

und den Menschen, der selbst in sich die

göttliche und menschliche Natur trägt –

daher auch die Farben rot und blau – hat

Fleisch angenommen und ist Mensch geworden.

Er ist derjenige, den die Menschen

in seiner menschlichen Natur, gesehen,

berührt, erlebt haben und den sie

folglich auch mit Bildern in Erinnerung

behalten können. Natürlich geht es hier

nicht um eine fotografische Abbildung

Christi, sondern um die Abbildung des

menschlichen Urbilds, das durch die göttliche

Natur bereichert wurde und so Vorbild

der Heiligkeit für alle ist. Das alttestamentliche

Gebot, „du sollst dir kein Bildnis

machen und es anbeten“, bedarf der

theologischen Unterscheidung zwischen

Geschaffenem und Ungeschaffenem. Sobald

Geschaffenes angebetet wird, haben

wir Götzendienst, da nur der Schöpfer angebetet

werden soll. In Christus verbindet

sich Geschaffenes mit Ungeschaffenem

und die Verehrung der Ikone Christi ist

keine Anbetung der Schöpfung, sondern

Anbetung des Schöpfergottes, der sich in

Christus offenbart hat.

Der Vater wird gemäß der orthodoxen

Theo logie niemals oder nur aus Unwissenheit

abgebildet. So wird auch das

zweite Gebot eingehalten, indem nur

der Mensch gewordene Sohn erkennbar

ist, Gott Vater als Person nicht abgebildet

oder nur die Dreiheit erkennbar wird, das

Mysterium Gottes, Unnahbarkeit und Unerkennbarkeit

erhalten bleiben.

Das Geheimnis Gottes bleibt in jedem

Fall bewahrt. Das tiefe theologische Verständnis

von offenbartem und verborgenem

Gott rückt Glauben, Ausdrucksweise

des Glaubens und Ethik zusammen.

Einerseits kann Gott in Christus als

Ikone abgebildet werden und andererseits

wird das Bewusstsein der Unvollkommenheit

des Geschöpfs abverlangt,

indem Gott verborgen bleiben soll. So

können wir sehen und trotzdem nichts

erkennen, hören und trotzdem nichts

verstehen, berühren und trotzdem unberührt

bleiben.

ö

6 7


Titelthema

Titelthema

Braucht der Glaube die (zeitgenössische) Kunst?

Interview mit Dr. Norbert Jocher (NJ),

Leiter des Kunstreferats im Erzbischöflichen

Ordinariat

GWD: Hr. Dr. Jocher – welches Verhältnis

besteht zwischen Kunst und Kirche?

NJ: Ein dynamisches. Die engste Verwandte

der Religion ist die Kunst – beide sind

eng miteinander verwoben, haben identische

Wurzeln.

GWD: Was charakterisiert speziell christliche

Kunst?

NJ: Eigentlich gibt es gar keine "christliche

Kunst", sondern nur Kunst im christlichen

Kontext. Die Bedingungen dafür sind: Es

muss Kunst sein und es muss um Inhalte

gehen. Die Wirklichkeit ist nicht abzubilden,

sondern sie ist zu durchstoßen. Ein

Tabernakel, der nur ein Kasten ist, ist albern,

er geht nicht über das Reale hinaus.

Trotzdem ist nicht jede transzendent angelegte

Kunst auch religiös.

GWD: Welchen Auftrag hat die Kirche

hinsichtlich der Kunst?

NJ: Die Kirche muss alte Kunstwerke in

angemessener Weise pflegen und ermölichen

durch neue, die entstehen (müssen!)

etwas von Ernsthaftigkeit, Tiefe und

Fröhlichkeit der Erlösungsbotschaft zu

Kreuzweg in St. Florian, Messestadt Riem,

gestaltet von Horst Thürheimer

Von Gabriele Wenng-Debert (GWD)

zeigen. Bilder, die vom Geheimnis des

Glaubens künden, sollen etwas von Qualität

und Würde der Botschaft vermitteln.

GWD: Und die Aufgabe von Kunst in der

Kirche?

NJ: Die Kunst soll dem Gotteshaus etwas

von der Würde geben, die ihm geziemt. Es

ist ein Abbild des Himmels – in der je zu

Zeiten existierenden menschlichen Vorstellung.

Im 14. Jhdt. sah der Himmel für

die Menschen anders aus als heute…

GWD: War und sind Kunstwerke früherer

Zeiten besser zu verstehen als zeitgenössische?

Foto: Bettina Thöne

Fotos: Erzbischöfliches Ordinariat München, Hauptabteilung Kunst (Siegfried Wameser)

NJ: Auch in früheren Zeiten war kein komplexes

Verständnis der Laien für Kunst vorhanden.

Vieles war auch da so neu. Auch

da brauchte es „Erklärer“, es gab Kirchweihpredigten.

Heute wird dagegen oft über

Leinwände mit Sonnenblumen gepredigt

statt über Kunst in den Kirchen. Manche

Leute sagen: Das ist nicht die hl. Veronika

– aber haben sie wirklich Kenntnis, wie die

Heiligen aussehen? Wissen sie, dass die 4

Evangelisten künstlerisch oft umfassend,

elementar dargestellt wurden: Temperamente,

Lebensalter, Elemente! Andererseits

habe ich erlebt, wie intensiv und unvoreingenommen

Kinder auf den Kreuzweg

in St. Florian, Messestadt-Riem, reagiert

haben…

GWD: Aber gehen bei zeitgenössischer

Kunst nicht häufig die Meinungen auseinander?

Ist zeitgenössische Kunst teilweise

nur etwas für Experten?

NJ: Nein. Die Präsenz von Bildinhalten erschließt

sich – ob früher, ob heute – in erster

Linie über das Sehen. An einem Werk

der bildenden Kunst geht man vorüber,

wenn es nicht auf Anhieb anspricht. Steht

Ignaz Günther darunter, dann schaut man

es sich näher an – dann, meint man, muss

es ja etwas sein. Man sollte sich zutrauen,

seine Sinne zu benutzen, und das gilt im

Kirchenraum für alle.

Darstellungen von Maria und Christus sowie dem hl. Florian. Beides

Werke von Stephan Balkenhol, die sich in St. Florian, Messestadt

Riem, befinden.

GWD: Ist es heute schwieriger geworden,

Kunstwerke zu finden, die die Botschaft

der Kirche vermitteln?

NJ: Es ist schwierig. Wo lässt sich ein

starkes Bild des 21. Jhdts. für Maria finden?

Wie können Heilige in ihrer Komplexität

mit Mitteln der Kunst ins Bild gesetzt

werden? Wie kann man die Aussagekraft

eines hl. Michael wie in Berg am Laim

oder des Dießener Himmels erreichen?

GWD: Gibt es eine Krise der "christlichen

Kunst"?

NJ: Ich weiß es nicht, es ist nicht hinreichend

erprobt. Wir haben große Scheu

vor der Zeitgenossenschaft, weil wir über

Jahre vergessen haben, christliche Inhalte

selbstbewusst über die Kunst zu formulieren.

Seit der Säkularisation hinkt die Kirche

der zeitgenössischen Kunst hinterher.

Es gliche aber einer Kapitulation, wenn es

uns nicht gelänge, Bilder zu schaffen, die

immerwährende Inhalte der Verkündigung

erschließen. Die Kirche muss mehr

Mut haben, eigene Inhalte in Kunst zu formulieren

und gleichzeitig der

Kunst soviel Raum zu geben,

dass diese Inhalte für den

modernen Menschen nachvollziehbar

werden.

GWD: Brauchen Kunst und Kirche

einander?

NJ: Die Kirche braucht die

zeitgenössische Kunst, weil

sie ein bedeutendes Mittel

der Verkündigung ist.

Die Kunst muss sich bemühen,

froh zu sein um die Kirche,

weil die so spannende

Themen wie die existentiellen

Fragen des Lebens hat

– die haben Banken übrigens

nicht. Auch wenn junge

Künstler oft kaum mehr

religiös sozialisiert sind – die meisten

sind offen für kirchliche Themen und gehen

dabei oft erstaunliche neue Wege.

Ich bin sicher, das Verhältnis Kunst-Kirche

wird nie enden, ebenso wenig wie

die Religionen und die Kunst, weil sie allein

Punkte ansprechen, die das Menschsein

definieren.

ö

8 9


Titelthema

Titelthema

Gottesbilder in der Bibel und heute

Warum wir Bilder haben dürfen, uns aber hüten müssen, sie absolut zu setzen

Es gibt keinen Fußball-Gott“ lautete

eine der Schlagzeilen, als der

FC Bayern sein Finalspiel in der

Champions-League verloren hatte. Da

muss man schon fast froh sein, wenn der

Pentateuch (das Fünf-Buch Mose) in den

Weisungen die Aussage bereithält: „Mach

dir kein Bild von Gott!“

Der Mensch braucht Bilder

Auf der anderen Seite brauchen wir Bilder,

Sinneseindrücke, Zeichen und Symbole,

um wenigstens annäherungsweise

an die Wirklichkeit Gottes heranzukommen.

All unsere menschliche Erkenntnis

beginnt bei den Sinnen. Erst durch unsere

Erfahrungen kommen wir zu Begriffen

und zum Verstehen. Allerdings sind uns

da doch erhebliche Grenzen gesetzt. Niemand

von uns kann wirklich sagen, dass

er Gott gesehen hat und ein Bild von ihm

anfertigen kann. Die Theologie hat dafür

den Begriff der „analogia entis“ gefunden,

um zu betonen, dass es nur allergrößte

Unähnlichkeit ist, wenn wir versuchen

über Gott Aussagen zu treffen und uns

dabei innerweltlicher Erfahrungswirklichkeit

bedienen. Über diese Einschränkung

muss man sogar froh sein, wenn wir an

Zuschreibungen denken wie „Herr, deine

Liebe ist wie Gras und Ufer...".

Auf Spurensuche in der Bibel

Ganz bescheiden heißt es von der Gotteserscheinung

am Horeb: Gott war nicht im

Sturm. Gott war nicht im Erdbeben. Gott

war nicht im Feuer. Erst im sanften, leisen

Säuseln erkennt Elija die Stimme Gottes.

Von Martin Cambensy

Es macht durchaus Sinn, wenn wir am

Ende der Lesung sagen „Wort des lebendigen

Gottes“ und nicht „Worte des lebendigen

Gottes“. Wir würden uns zu sehr

in konkrete Annäherungen hinein verlieren

und das unfassbare Ganze aufs Spiel

setzen, wenn wir detailverliebt einzelnen

Aussagen einen Vorrang oder gar eine Alleingültigkeit

einräumen würden. Dennoch

ist es lohnend, sich auf eine Spurensuche

zu begeben, wenn auch im Sinne

der Augustinuslegende vom Kind, das

das Meer in den Sand löffelt. Vom großen

Kirchenlehrer auf die Sinnhaftigkeit seines

Tuns befragt, soll das Kind geantwortet

haben: „Mir wird es leichter gelingen,

das ganze Meer auszulöffeln, als dass du

das Wesen Gottes begreifst.“ Zu sehen übrigens

in der Klosterkirche Weyarn.

So bleibt ein brennender Dornbusch eine

grandiose Naturerfahrung genauso wie

der Sonnenaufgang am Sinai, der dennoch

unserem so notwendig sinnlichen

Glauben wertvolle Impulse geben kann.

Gott hat viele Namen

Schon im ersten Buch der Heiligen Schrift

begegnen uns die Stränge alter Erzähltraditionen

mit je eigenen Gottesnamen

(Jahwe und El bzw. Elohim). Dahinter finden

sich unterschiedliche Gottesbilder,

die wiederum je andere Lebenswirklichkeiten

reflektieren (Jäger, Nomaden, Bauern,

Sesshafte, Stadtmenschen). Das auserwählte

Volk Gottes ist ja in einem langen

Prozess aus verschiedenen Stämmen

zusammengewachsen und die mitgebrachten

religiösen Bräuche und Erzählungen

wurden vermischt

– ein Vorgang, den man

aus dem Christentum (romanische,

gallische oder germanische

Einflüsse) oder übrigens

aus der ethnischen Entwicklungsgeschichte

der Bayern

genauso kennt, selbst

wenn das manche nicht

wahrhaben wollen. Ein dicker

Bauerngott, ein launischer

Wettergott, ein protzig-fruchtbarer Baal-

Stier stellt eben andere Anforderungen

als ein Kriegs- und Jägergott.

Bekenntnis zum einen Gott

Ebenso lässt sich schon frühzeitig und außerbiblisch

ein Ringen um Monotheismus

und Polytheismus ausmachen. Es dürfte

schon etliche Jahrhunderte gedauert haben,

bis sich das jüdische Volk auf das Bekenntnis

an einen einzigen Gott festgelegt

hat. Andere Götter sind dann allenfalls

„Nichtse“, das heißt, es gibt sie nicht.

Die Verehrung Gottes

Eine ganz spannende kulturgeschichtliche

Entwicklung lässt sich dann in der

Frage nach der angemessenen Verehrung

Gottes nachverfolgen weg von Brandopfern,

mit denen Gott zufrieden zu stellen

ist, weg von Menschenopfern (Abraham

und Isaak) hin zur innerlichen Gottesbeziehung:

„Zerreißt eure Herzen, nicht

eure Hemden.“ „Eure Brandopfer sind mir

ein Gräuel!“ – selbst wenn diese Aussage

noch das Bild eines zürnenden und eifersüchtigen

Gottes bekräftigt.

Gott und sein Volk

Kurz zusammengefasst zeigt sich im Alten

Testament die Entwicklung zu einem Gottesbild

des einzigen Gottes Jahwe (ungenügend

übersetzt mit „Ich bin der ich

bin), der Schöpfer des Himmels und der

Erde, der sich ein Volk erwählt, um sein

Heilshandeln zu bezeugen. Er ist ein mitgehender

Gott, der seinem Volk nahe ist,

der es befreit, der sich aber auch strafend

abwendet, wenn das Volk den Bund der

Treue bricht.

Das Bilderverbot

Das Bilderverbot ist allerdings vor allem

dahingehend zu verstehen, dass man

keine Standbilder, kultische Statuten,

Goldene Kälber etc. anfertigt, um diese

gleichsam als Gott zu verehren.

Es ist ein Weg der Verinnerlichung und

Spiritualisierung des religiösen Lebens.

Gott wird Mensch

Ganz konsequent wird dieser Weg im Zweiten,

Neuen Testament (NT), weitergegangen.

Die Bildlichkeit des Immanuel (= Gott

mit uns), die ja eigentlich schon als Schöpfergabe

in der Ebenbildlichkeit des Menschen

grundgelegt ist, spitzt sich zu im Ereignis

der Inkarnation. Gott wird Mensch,

und damit macht er sich sichtbar, menschlicher

Erfahrung direkt zugänglich. Allerdings

gar so einfach verhält es sich auch

wieder nicht, denn Gott erscheint nicht

einfach als Mensch oder in Menschengestalt,

wie das mitunter die griechische My-

10 11

Foto: Erzalibillas


Titelthema

thologie von Zeus berichtet, sondern in

Jesus Christus begegnet uns sichtbar die

menschliche Natur – seine göttliche Natur

entzieht sich der Anschaulichkeit. Der

unergründliche Gott scheint allenfalls und

in erster Linie auf in seinem Heilshandeln

(Wunder, Reden mit Vollmacht). Es braucht

letztendlich die Augen des Glaubens, um

Gott sehen zu können.

Vater und Sohn

Zu neuer Zuspitzung kommt im NT das

Beziehungsgeschehen zwischen Gott-Vater

und Gott-Sohn, das die Theologie später

in der Lehre von der Trinität weiterentfalten

wird. „Niemand kommt zum Vater

außer durch mich“ – „niemand hat je

den Vater gesehen außer dem Menschensohn,

der vom Vater kommt bzw. den der

Vater gesandt hat.“

Ungenügende Bilder

Wie kann man auf diesem Befund von Gottesbildern

sprechen? Ich denke, wieder nur

in der Annäherung menschlicher Bilder, die

aber alle nicht genügen, ausreichen. Solch

Bildzugänge finden sich viele:

Vater. Aber, wie korrumpiert ist dieser Begriff

in der Lebensrealität. Denken Sie an

Mitscherlichs „Vaterlose Gesellschaft“!

Der gute Hirt. Der Winzer, der

Weinstock und die Reben. Der

Heiland – der Arzt. Bis hin zum abwesenden

Gott am Kreuz mit Jesu

Psalmzitat „Mein Gott, mein Gott,

warum hast du mich verlassen?“

Abwesend der Mendelssohn-Gott:

„Denn er hat seinen Engeln befohlen,

dass sie dich behüten auf allen

deinen Wegen“! Und es wird weitergefragt:

Wo war in Ausschwitz

der Magnifikat-Gott, der die Mächtigen

vom Thron stürzt?

Zweckdienliche Gottesbilder

Unsere Gottesbilder und Vorstellungen,

das zeigt auch die lange Geschichte des

Christentums, sind sehr oft Interesse-geleitet.

Der rauschebärtige Vater, der alles

sieht. Das moralische Gottesauge. Der Königgott,

der die Legitimität der Mächtigen

sichert. Der kitschige Herz-Jesu-Schlafzimmer-Christus.

Kein Wunder, dass es zu

Gegenreaktionen kam, wie etwa im Opiumgott

oder in der Gott-ist-tot-Ideologie.

Persönlicher Gott

Ich persönlich bin überzeugt, dass es ganz

legitim ist, Gottesbilder zu haben, die wir

uns auch auf unsere jeweiligen Fragen

und Nöte zurechtlegen, und dass es wichtig

ist, dass wir sie uns auch mitteilen.

Gott will ja in seiner Personalität zu uns

sprechen. In Jesus hat er sich selbst mitgeteilt.

Da wabert kein unpersönliches,

esoterisch-aufgeladenes „Es“ im Weltall.

Was sollte ich zu dem beten? Was sollte

der aber auch von mir wollen!

Wir dürfen nur niemals den Fehler machen,

unsere eigenen Vorstellungen absolut

zu setzen.

ö

Monsignore Martin

Cambensy ist

Pfarrer von St. Martin

in Moosach

und Sportbeauftragter

der Erzdiözese.

Seine Eltern

waren viele Jahre

in St. Johann Baptist

als Kirchenmusiker

tätig.

Foto: Karsten Schmid

Wie stellst du dir Gott vor?

Statements und Bilder von 3-9-jährigen Kindern

Der liebe Gott

wohnt

auf den Wolken.

Zusammengestellt vom Redaktionsteam St. Johann Baptist Aktuell

Im Hut von Gott ist ein Nistkasten

und dort guckt ein Vöglein raus

Laryssa, 5 Jahre

(Bild und Text)

Gott ist der beste Mensch,

den es gibt.

Er lebt in unseren Herzen,

wohnt aber im Himmel.

Gott bleibt immer wach,

weil er auf uns aufpasst.

Er kann durch

die Wände schweben.

Gott erschafft

die schönsten Tage.

Gott frühstückt

und isst Abendbrot.

Theodor, 6 Jahre

(Bild und Text)

Der liebe Gott ist so groß, dass ich ihn mir nicht vorstellen kann.

Wie soll ich ihn dann malen?

Katharina, 7 Jahre

Gott auf der Wolke mit Regenbogen, Schmetterlingen und Blumen

12 13


In der Bibel steht, du sollst

dir von Gott kein Bild machen

- also male ich so was nicht.

Außerdem ist der liebe Gott

überall, wie soll ich ihn da auf

ein Blatt Papier bringen?"

Konstantin, 9 Jahre

Der liebe Gott und ich

Joni, 6 Jahre

Felicitas, 7 Jahre

Gott macht Urlaub

– er fährt mit dem

Auto weg

Helene, 3 Jahre

Bei Gott

kann man sich nicht verlieren

Mathieu, 9 Jahre

Der liebe Gott sitzt

auf seinem Stuhl

Patrick, 7 Jahre

Jesus, gemalt von Marie Theres

Marie, 4½ Jahre

Der liebe Gott hat einen

Sohn. Der Sohn

heißt Jesus.

Marie Theres, 6 Jahre

Ich glaube schon,

dass es Gott gibt -

wo sollen wir

sonst hin,

wenn wir sterben?

David, 6 Jahre

14 15


Titelthema

Sommerrätsel – Wer ist wer? – Eraten Sie es?

Kinderbilder von hauptamtlichen Mitarbeitern unserer Pfarrei

Welche Vorbilder haben Sie?

Eine Umfrage unter den Seelsorgern unserer Pfarrei

16

Marion Wick (Gemeindereferentin)

„Gibt es Menschen, die mich durch ihr

Handeln beeindruckt, ja vielleicht sogar

geprägt haben?“

Zwei Personen sind mir da eingefallen,

auf die das zutreffen würde. Beide sind in

meinem Leben untrennbar miteinander

verbunden. Die eine Person war mein Vater,

der immer für mich und meine Schwestern

da war, und dem Familie sehr wichtig war.

Zu wissen, dass ich immer eine starke

Schulter habe, an die ich mich anlehnen

kann, war für mich als Kind, aber auch als

Jugendliche sehr wichtig. Viel zu früh ist

mein Vater leider verstorben. Aber die Erfahrung,

da war jemand, der hat mir immer

zugehört und war immer für mich

da, das ist wahnsinnig wertvoll für mich.

Bei der Bewältigung der Gefühle bin ich

auf eine Person gestoßen, die mich durch

sein Handeln so stark in der Bewältigung

meiner Trauer unterstützt hat, dass ich

sie zum Thema meiner Diplomarbeit gemacht

habe: Dietrich Bonhoeffer. Seine

Art zu Wirken, sich nicht von seinem Weg

abbringen zu lassen und dabei immer

auf Gott zu vertrauen, auch wenn Christsein

für ihn bedeutete, dass irdische Bindungen

abbrechen, das war für mich Trost

und Faszination zugleich.

Edgar Nubert (Diakon)

Zwei meiner Vorbilder möchte ich nennen.

Mein erstes und umfassendstes Vorbild ist

mein Großvater, den ich in meiner Kindheit

und Jugend ausgiebig erlebt habe,

da er bei uns wohnte. Er war der ruhende

Pol in unserer Familie, besonnen und gelassen,

schöpfte Kraft aus seinem Glauben,

lebte gesund (er war gefühlt nie

krank) und gönnte sich trotzdem ab und

zu ein gutes Essen und ein Glas Wein, war

äußerst naturverbunden und noch im hohen

Alter agil. Andererseits war er auch

etwas kantig und eigen. Als Mann war er

seiner Zeit weit voraus, da ihm seine Körperpflege

sehr wichtig war.

Im Bereich der Seelsorge hat mich die Offenheit

und vor allem die hoffnungsvolle

Verkündigung der Frohen Botschaft eines

Studentenpfarrers fasziniert. Aus unseren

Begegnungen und Gesprächen ist

schließlich sogar eine Freundschaft entstanden.

Er ist mir als Glaubender und als

Seelsorger ein großes Vorbild. Ich gehe

aus jeder Begegnung mit ihm gestärkt im

Glauben hervor und versuche zumindest

etwas davon in meiner seelsorglichen Tätigkeit

umzusetzen.

Beide Menschen waren bzw. sind für mich

unmittelbar "greifbar". Dies ist für mich

das Wertvolle an diesen Vorbildern. So

hoffe ich, dass auch ich in dem einen oder

anderen Bereich für andere Menschen ein

"greifbares" Vorbild sein kann.

Ursula Sonnleitner (Gemeindereferentin)

Ganz verschiedene Menschen dienen

mir in verschiedenen Lebenslagen in

unterschiedlichen Verhaltensweisen als

Vorbilder. Viele Anregungen finde ich in

der „Vida“ von Teresa von Avila. Im Umgang

mit ihrem Körper war Teresa ein

Kind ihrer Zeit und darin keinesfalls Vorbild

für mich. Auf meinem Weg des Glaubens

wäre ich hingegen gerne so selbstbewusst

und tatkräftig wie Teresa, die in

der von Männern beherrschten Gesell-

17


Titelthema

Aus der Pfarrei

schaft und Kirche des 16. Jahrhunderts

sehr viel Gutes bewirkte. Oft beginnen

ihre Betrachtungen mit Sätzen wie: „Man

wird mir entgegnen, dies sei anders zu

verstehen, aber ich erkenne darin einen

anderen Sinn.“ (Einführung zu „Das Buch

des Lebens“ S.56). Sie stellte Zementiertes

in Frage und stieß viel Neues an.

Mehrmals in ihrem kurzen Leben trennte

sie sich von spirituellen Begleitern, weil

diese ihrer Ansicht nach nicht in der Botschaft

Jesu wurzelten. Vor falschem Verhalten

bewahre sie die Liebe Jesu und

sein Wohlwollen, das er jedem Menschen

entgegenbringe, so Teresa. Ihre

Fähigkeit zum Eigensinn verbunden mit

dem grundsätzlichen Wohlwollen für die

Menschen, das seinen Ursprung in ihrer

Gottessuche hat, fasziniert mich. Gerne

würde ich so frei sein von Urteilen. Vorbild

ist für mich auch ihr Humor, wenn es

darum geht, dass sie in ihrem Wohlwollen

gescheitert ist und schreibt: „Ich bin

ein Weib und obendrein kein gutes!“

Franz Finkenzeller (Kaplan)

In den Heiligen und Seligen stellt uns die

Kirche Vorbilder vor Augen, die uns zeigen,

dass Orientierung am Beispiel Jesu

möglich ist. Vor einigen Monaten war ich

in der Hedwigs-Kathedrale in Berlin, wo

auch der seliggesprochene Priester Bernhard

Lichtenberg begraben liegt. Dieser

Priester wurde 1941 wegen öffentlicher

Gebete für die verfolgten Juden und seiner

Kritik am NS-Regime verhaftet. Nach

zweijähriger Strafhaft schwerkrank, verstarb

er auf dem Transport in das Konzentrationslager

Dachau. Aus seinen Aufzeichnungen

während seiner Haft gibt es

einen Text, worin er 4 Grundsätze für das

geistliche Leben im Alltag formuliert hat,

die mir sehr nahe gegangen sind:

1. Versuche alles im Licht der Ewigkeit zu

sehen, alles was Dir widerfährt, Freudiges

und Schmerzliches, Erhebendes und auch

Niederdrückendes.

2. Versuche alles in Geduld zu ertragen, (…).

3. Versuche in all deinem Reden und Antworten

nie verletzend zu sein. (…)

4. Versuche alle freudigen als auch schmerzvollen

Erlebnisse so zu ertragen oder zu leben,

daß du das Gebot der Gottesliebe als

auch der Nächstenliebe beachtest.

In diesen 4 Vorsätzen kann man sehr hilfreiche

Anregungen erkennen für das Leben

als gläubiger Christ im Alltag.

Gregor König (Pfarrer)

Vorbild? Da fällt mir immer wieder mein

früherer Heimatpfarrer ein. In der dritten

Klasse vermochte er uns Kinder offensichtlich

so zu fesseln, dass für mich feststand:

„Ich will auch Pfarrer werden“. Klar,

neben Lokomotivführer, Müllmann und

Feuerwehrmann einer von vielen Bubenträumen.

Oder vielleicht doch nicht?

Als ich jedenfalls nach meinem Theologiestudium

und meiner Priesterweihe

nach vielen Jahren erstmals wieder eine

Begegnung mit ihm hatte, kam ich ins

Nachdenken: Es war ein Priesterjubiläum,

das er, jetzt schon im Ruhestand, in seiner

früheren Pfarrei feierte. Ich hörte seiner

Predigt zu und mir fiel auf, dass ich

als Erwachsener und diplomierter Theologe

noch immer so zuhören konnte, wie als

Zehnjähriger. Irgend etwas muss dran gewesen

sein, denke ich mir bis heute. Kinder

sind vielleicht genauso empfänglich für die

Authentizität eines Menschen wie Erwachsene.

Oder sogar noch sensibler? Wie auch

immer, bis heute geht mir mein alter Heimatpfarrer

und mein Entschluss als Drittkässler

nicht aus dem Kopf. – Vorbild!

Der Arbeitskreis Familie stellt sich vor

Von Christa Pröbstl

„Und alle bildeten eine Gemeinschaft.“

(Apg 2,44) – dies ist einer der Leitsätze unseres

Pfarrgemeinderates und darunter

hat auch der Ak Familie sein Wirken gestellt.

Im Herbst 2010 hat sich eine kleine

Gruppe zusammengefunden und die Arbeit

aufgenommen.

Der Arbeitskreis Familie trifft sich ca. alle

2 Monate und versteht sich als ein Kreis,

der den Pfarrgemeinderat im Fokus auf

Familien und deren Anliegen und Interessen

konkret unterstützt. Hier versuchen

wir, uns folgenden Themen sukzessive zu

widmen:

• Verbindung der Generationen im Gottesdienst

• Verbindung von katholischem Kindergarten

und Hort zur Pfarrgemeinde

• Gestaltung der jährlichen Familiensonntage

der Diözese

• Schaffen eines Marktplatzes für Familien

• Verstärkung der Elternarbeit

bei der Vorbereitung auf

Erstkommunion und Firmung

Dies sind Herausforderungen, die zum einen

kreativer Ideen bedürfen, aber auch

die Möglichkeit geben, sich im Arbeitskreis

selbst intensiv über Meinungen,

Wünsche und Bedürfnisse im familiären

Umfeld auszutauschen.

So konnten wir in den vergangenen zwei

Jahren schon einiges auf den Weg bringen:

Ein Familienkalender wurde entworfen,

der über die Website der Pfarrgemeinde

unter der Rubrik „Kinder und Familien“

abgerufen werden kann. Hier werden

alle Termine unserer Pfarrgemeinde,

die für Familien hilfreich und von Interesse

sein könnten, veröffentlicht, von Familiengottesdiensten

bis zu

Flohmärkten.

In diesem Frühjahr konnte

auch erstmals ein

KESS-Kurs – ein Erziehungskurs

für Eltern unter

dem Motto „Kooperativ,

Ermutigend, Sozial, Si-

Christa Pröbstl

tuationsorientiert“ – angeboten werden,

der große Zustimmung fand.

Bereits zweimal hat der Arbeitskreis auch

den im Januar stattfindenden „Familiensonntag“

im Gottesdienst mitgestaltet,

mit anschließendem Kirchencafé und Zeit

für Gespräche.

In diesem Sommer nun wollen wir den

Berggottesdienst, den das Forum Gröbenzell

seit vielen Jahren anbietet und organisiert,

mit unterstützen und diesen auch zu

einem festen Termin für Familien machen.

Eine gute Gelegenheit, in Gottes wunderbarer

Natur nicht nur Gottesdienst zu feiern,

sondern auch in „losgelöster“ Stimmung

sich zu begegnen.

Dies ist nur ein momentaner Ausschnitt

unserer Arbeit und Ziele. Wir haben Freude

an diesem „Mitgestalten“ und sehen auch

Verantwortung in unserem Handeln. Nur

sind wir eben ein noch sehr kleiner Kreis

und würden uns über Unterstützung und

Mitarbeit sehr freuen. Wer Interesse hat,

der melde sich bitte bei Christa Pröbstl

(Tel. 441548). Wir wollen diese Einladung

mit den Worten unseres Pfarrgemeinderats

unterstreichen: „Wir wünschen uns,

dass wir als Gemeinde eine große Gemeinschaft

bilden. Jeder Mensch hat seine ihm

eigenen Talente und Schätze. Alle Menschen

sind uns willkommen. Wir möchten

Sie einbinden zu einer großen Familie!“

18 19


Titelthema

Titelthema

Wenn der Glaube unter die Haut geht...

Gespräch mit Dennis Pfaff über Tätowierungen christlicher Motive

Ob ich mit dem Anliegen eines Interviews

überhaupt ankomme,

frage ich mich im Vorfeld. "Kein

Problem", meint die Mitarbeiterin am Telefon,

die Thematik sei Herrn Pfaff persönlich

sehr wichtig. Während ich im Studio,

das mit hochwertigen Materialien wie

Marmor und edlem Interieur beeindruckt,

warte, blättere ich schon mal Motivordner

durch und werde sofort fündig: betende

Hände mit Rosenkranz, Chris tusköpfe,

Madonnenfiguren, Heilige in vielen Variationen.

Von Gabriele Wenng-Debert

Herr Pfaff begrüßt mich herzlich. Diese

Motive werden oft und von den Tätowierern

auch gerne gestochen, bestätigt

er mir und zieht den Ärmel seines eigenen

T-Shirts hoch: Christus, Krishna, und

Buddha, friedlich vereint auf dem Oberarm.

Am Rücken das Letzte Abendmahl

mit – neben Jesus – "seinen" Heiligen,

wie Ghandi, Babaji, Sri Yogananda, Mutter

Theresa, Sri Yukesewar, Martin Luther

King, das noch vollendet wird mit dem

Erzengel Michael im Kampf mit dem Teufel.

Auch das Vaterunser oder Psalmtexte

werden gewünscht, am häufigsten der

Spruch "Only God can judge me".

stark zu. Es sind zumeist gläubige, spirituell

suchende Menschen, die sich solch

ein Tattoo stechen lassen. Darunter viele

junge Leute zwischen 18 und 30, eher

kirchlich fernstehend aber keine Esoteriker,

betont er. Vor allem auch bei Kroaten,

Serben, Südeuropäern sind solche Bilder

sehr beliebt.

Insgesamt haben Tätowierungen heute

in allen Bevölkerungsschichten Einzug

gehalten. Christliche Motive wollen aber

oft gerade die, von denen man es am wenigsten

erwartet: jugendliche "Halbstarke",

Mitglieder von Jugend Gangs oder

ehemalige Gefängnisinsassen – vielleicht,

weil sie viel Zeit hatten, über ihr Leben

nachzudenken, meint Herr Pfaff. Und: momentan

ist ein katholischer Priester sein

Kunde.

"…oder wisst ihr nicht, dass euer

Leib ein Tempel des Heiligen Geistes

ist…" (1.Kor.)

Bei den Israeliten waren

Tätowierungen in

Anlehnung an den kanaanäischen

Baalkult

über Jahrhunderte

üblich. Erst im achten

vorchristlichen Jahrhundert

änderte sich

das – im Buch Levitikus

wird diese Art Körperkult verboten,

ebenso wie von Papst Hadrian um 700 n.

Chr. Die oben genannte Aussage des ersten

Korintherbriefes lässt allerdings Deutungsoffenheit:

Darf dieser Tempel des

Heiligen Geistes nicht zum Beispiel durch

eine Tätowierung geschmückt werden?

Fotos: Dennis Pfaff

Das Interieur des "unlimited-bodyart"-Studios von

Dennis Pfaff in der Hirschgartenallee

Mit einem Kreuz in der Haut

lässt sich nichts leugnen

Warum? Was veranlasst jemanden, die

Jungfrau Maria lebenslang auf der Brust

zu tragen? Für viele haben diese Tätowierungen

Schutzfunktion, meint Dennis

Pfaff. In vielen Kulturen gibt es Schutztattoos,

wie z.B. in Thailand, die von Mönchen

gestochen werden. Bei manchen sollen

Monster die Funktion übernehmen, die er

selbst sich jedoch nie stechen lassen würde.

Er ist sicher, dass eine Tätowierung Energien

freisetzt – und da sind ihm gute allemal

lieber. Er möchte seine Überzeugung

nach außen sichtbar machen, sagt

er und nennt die Bibelstelle, in der Petrus

den Herrn verrät – mit einem christlichen

Symbol am Körper lässt sich nichts mehr

leugnen.

Nicht religiös, aber gläubig

Die Nachfrage nach religiösen Motiven

auf der Haut nimmt, laut Dennis Pfaff,

Es lassen sich mehr Männer religiöse Motive

stechen, vor allem große Bilder oder

Rosenkränze um den Arm. Bei Frauen

überwiegen kleine Engelchen oder

Kreuze. Persönlich rät Herr Pfaff, eine Tätowierung

gut zu überlegen und sich nicht

nach modischen Empfindungen zu entscheiden,

sondern nach wohl abgewogenen

Gedanken, diese für immer sichtbare

Manifestation tätowieren zu lassen.

Dennis Pfaff erzählt, dass er vor einigen

Jahren den Jakobsweg gegangen

ist – als Tätowierter

und in Begleitung

seines

Hundes war er

dort wohl bald

bekannt wie

ein bunter Hund.

Nach dieser Pilgerschaft

habe er

intensiv überlegt, ob seine

Tätigkeit gut und richtig sei. Er kam zu

der Überzeugung, dass sich schmücken

ein Urtrieb in jeder Kultur ist und: „Was ich

mit Liebe und Herzblut mache, muss gut

sein.“ Und manchmal wird der Tätowierer

auch zum Seelsorger: wenn Eltern sich das

Bildnis ihres verstorbenen Kindes in die

Haut ritzen lassen – um es nicht nur im

Herzen, sondern auch greifbar am Körper

zu tragen.

ö

20 21


Aus der Pfarrei

Aus der Pfarrei

Wechsel im Vorstand des Pfarrgemeinderats

Heinrich Wunram ist der neue Mann an der Spitze

Von Andrea Sagasser-Nolting

Die Sonne durchscheinen lassen

Gedanken zur Initiative "Im Glauben wachsen"

Von Klaus Broichhausen

Das folgende

Interview

gibt uns Gelegenheit,

Heinrich

Wunram in seiner Eigenschaft

als PGR-

Vorsitzenden kennenzulernen.

Wir haben

ihn gebeten, folgende

Sätze zu vervollständigen:

Manchmal kommen die Dinge im Leben

völlig unerwartet…

…das ist mir schon häufiger passiert und

diese Erfahrung hilft mir, mich schnell auf

Neues einzustellen, zu improvisieren und

aus der Situation heraus zu reagieren.

In diesem Fall bin ich aber froh, dass ich

nach dem Ausscheiden von Wolfgang Rieger

zwei Monate Zeit hatte, mich als kommissarischer

Vorsitzender auf das neue

Amt vorzubereiten.

Als PGR-Mitglied arbeite ich bereits seit 24

Jahren auf verschiedenen Posten, aber als

PGR-Vorsitzender…

…fand ich mich in einer ganz neuen Rolle

wieder. Als 2. Vorsitzender war es meine

Aufgabe, zu organisieren und einzuspringen,

wenn Not am Mann war. Ich merke,

dass ich diese Aufgabe bewusst ablegen

muss, um der neuen Rolle gerecht werden

zu können. Als Vorsitzender sehe ich

mich als ein Repräsentant der Pfarreimitglieder.

Ich muss den Überblick behalten

und darf nicht zu sehr ins Detail gehen.

Als PGR-Vorsitzender ist es meine Aufgabe…

…für die ganze Pfarrgemeinde da zu sein:

Ich möchte sowohl ein Bindeglied zwischen

den Gruppierungen sein, aber genauso

ein Ansprechpartner für alle Gemeindemitglieder,

die keiner Gruppierung

angehören. Außerdem sehe ich es

als meine Aufgabe an, die Pfarrei als Ganzes

voranzubringen und dafür zu sorgen,

dass sie für die Zukunft gerüstet ist.

Motivation für diese Aufgabe erhalte ich…

…durch die von meinem Vorgänger angestoßene

Initiative „Im Glauben wachsen“.

Obwohl wir erst im Januar mit ihr

gestartet sind, sehe ich jetzt schon erste

Erfolge, die mich anspornen, in diesem

Sinne weiter zu machen. Außerdem hilft

es mir bei meiner neuen Aufgabe, wenn

ich sehe, wie viele Menschen sich in der

Pfarrei engagieren, so wie ich es am Pfarrfest

wieder erleben konnte.

Ganz besonders am Herzen liegt mir…

…dass die Pfarrei so vielfältig und lebendig

bleibt, wie sie ist. Deshalb habe ich mir

vorgenommen, die einzelnen Gruppierungen

und Vereine in der Pfarrei zu besuchen,

um einen persönlichen Eindruck

von ihnen zu erhalten, zu sehen, wie sie

arbeiten, und ihnen Unterstützung anzubieten,

wo sie sie brauchen. Gleichzeitig

möchte ich sie aber auch ermutigen,

wo immer möglich mit anderen Gruppierungen

zusammen zu arbeiten.

Weil meine Frau ebenfalls im PGR ist…

… kann ich mich immer mit ihr austauschen.

Ihre – manchmal – andere Sichtweise

hilft mir, den eigenen Blick zu erweitern

und die Dinge von einer anderen Seite zu

betrachten. Außerdem hat sie Verständnis,

wenn ein Termin den anderen jagt. ö

Eigentlich können wir wirklich zufrieden

sein! Zufrieden sein mit

all dem, was unsere Pfarrgemeinde

ausmacht, all den Aktivitäten von „A“

wie Adventsmarkt bis „Z“ wie „neu Zugezogene“.

Und zwischen „A“ und „Z“ gibt

es: Arbeitskreise, Musik, Theater, Soziales,

der Kirchenbauverein... Eigentlich

könnten wir zufrieden sein, dass wir überhaupt

eine lebendige Pfarrgemeinde haben,

mehrere Gottesdienste am Wochenende,

Familien-, Kinder-, Seniorengottesdienste.

Natürlich fragten wir uns im Pfarrgemeinderat

von Anfang an: Was braucht es an

Neuem, Besserem? Und natürlich haben

wir Angriffspunkte für unser Handeln gefunden.

Ein Beispiel von vielen ist das Jugendfußballturnier

„Kirche-kickt“. Und natürlich

versuchen wir, unser Miteinander

und die verschiedenen Aktivitäten in der

Pfarrgemeinde besser zu vernetzen, Austausch

und Ausgleich zu fördern.

Gleichzeitig kommt aber auch eine andere

Frage auf: Noch mehr, noch besser, effizienter

in unseren Aktivitäten werden?

Wodurch unterscheiden wir uns dabei in

unserer Pfarrgemeinde von den anderen

Gruppierungen in Politik und Gesellschaft?

Szenenwechsel: Ein Kindergottesdienst –

nicht in Gröbenzell, wie man gleich sieht –

das Thema sind Heilige und die „einfache“

Frage lautet „Was sind Heilige?“ Die Antwort

kommt nicht spontan, sondern nach

einigem Nachdenken, nach einigem ratlosen

Umherschauen, dann jedoch plötzlich

und total bestimmt: „Heilige sind Leute,

durch die die Sonne durchscheint!“

Zunächst Unverständnis, dann die Erklärung:

Der Blick des kleinen Jungen ist

auf die wunderbaren Glasfenster der Kirche

gerichtet, durch die gerade die Morgensonne

scheint und die dort dargestellten

Heiligenfiguren in bunten Farben zum

Leuchten bringt.

Was „scheint“ durch uns? Was macht unser

Handeln leuchtend, farbig, bunt? Was

ist hinter unseren Aktivitäten, hinter der

Komplexität unserer Pfarrgemeinde? Was

ist hinter jedem Einzelnen von uns?

Selbstverständlich haben wir auch hier

viel im Fundus unserer Pfarrgemeinde,

was uns das „Dahinter“ öffnet: Glaubenskurse,

Exerzitien, den Bibelkreis und natürlich

die Liturgie, die Gottesdienste und

Andachten.

Aber kann es hier nicht ein Mehr geben?

Um beim Beispiel zu bleiben: Scheint

durch alle unsere Aktivitäten, durch die

Vielfältigkeit unserer Pfarrgemeinde in genügendem

Maße diese Sonne des Glaubens,

die uns als Gemeinde zum Leuchten

bringt?

Hier wollte und will der Pfarrgemeinderat

mit allen Mitgliedern der Pfarrei ansetzen.

Letztendlich bedeutet dieser Ansatz, dass

wir hinter den Dingen die wir alle tun,

den Glauben durchscheinen lassen, mehr

durchscheinen lassen. Darum die Initiative

„Im Glauben wachsen“.

Das ist nicht einfach und wird nicht einfach

sein, aber es wäre doch schön, wenn

wir auch hier gemeinsam mehr „die Sonne

durchscheinen lassen könnten“! ö

22 23


Aus der Pfarrei

Freud und Leid

Neuer Vorstand des Pfarrgemeinderates

Für den ausgeschiedenen Vorsitzenden

Dr. Wolfgang Rieger ist satzungsgemäß

Dietrich Mader in den

Pfarrgemeinderat nachgerückt.

In seiner Sitzung am 17. April hat der Pfarrgemeinderat

seinen Vorstand neu gewählt.

25-jähriges Orgeljubiläum

Seit 25 Jahren steht die 1987 erbaute

„Sandtner-Orgel" nun schon in unserer

Pfarrkirche. Bei der Kirchenrenovierung

2006 wurde die Orgel neu intoniert

und erfreut die Zuhörer mit einer

wundervollen klanglichen Disposition. Anlässlich

des Orgeljubiläums wird der Kirchenchor

am Kirchweihsonntag, 21. Oktober

zusammen mit dem Chor der Münchner

St. Rupertgemeinde die Messe in fismoll

von Charles Marie Widor singen.

Dieses Jahr zu Ostern erklangen erstmalig

Vogelstimmen aus der Orgel. Sie waren

Die Wahl ergab folgendes Ergebnis:

1. Vorsitzender: Heinrich Wunram

(bisher 2. Vorsitzender)

2. Vorsitzender Dietrich Mader

Schriftführer: Rainer Kroiss (wie bisher)

im Sanctus der Missa

brevis et solemnis

in C-Dur, der sogenannten

Spatzenmesse

von Mozart,

im Ostergottesdienst

zu hören. Eine

Spatzenmesse ohne

Spatz – das geht natürlich

nicht. Deshalb

beschaffte ein Chormitglied einen

kleinen geschnitzten Vogel, der seit dem

mit Bleiberecht am Orgelgehäuse sitzt.ö

Kath. Filmclub – Programm Oktober-November 2012

Beide Filme werden im Vortragsraum des Gröbenzeller Freizeitheims gezeigt.

Beginn ist jeweils um 15:00 Uhr

Karlsson Vom Dach

nach dem Buch von Astrid

Lindgren

BRD/Schweden 1974,

Farbfilm, 100 Min., FSK:

ohne Altersbeschränkung

Samstag, 20.10.

Sonntag, 21.10.

Eintritt: 5,00 Euro

Lotta zieht um

nach dem Buch von Astrid

Lindgren

BRD/Schweden 1993,

Farbfilm, 75 Min., FSK:

ohne Altersbeschränkung

Samstag, 10.11.

Sonntag, 11.11.

Eintritt: 4,00 Euro

Thomas Freckmann

Beerdigungen 2012

März

Maria Fischer (91)

Robert Ries (85)

Anna Lindner (84)

Werner Behr (75)

April

Martha Kriegel (96)

Robert Wick (84)

Mai

Helene Böhmer (90)

Brigitte Eimer (55)

Anna Mehringer (80)

Rosa Hohmann (85)

Irmgard Donhauser (90)

Adele Dobler (84)

Emma Schmidt (101)

Renate Heinrich (75)

Katharina Stock (88)

Juni

Walburga Mähner (94)

Alois Obersteiner (79)


Monatsrequiem

Jeden letzten Dienstag im

Monat wird in der Pfarrkirche

um 19:00 Uhr ein Requiem

für die Verstorbenen

des Monats gefeiert.

Trauungen 2012

April

Christine & Uwe Müller

Gabriele & Andreas Feldmeier

Mai

Sonja & Alrik Selle

Kathrin & Andreas Huber

Juni

Dorothee de la Camp & Ralf Gruber

Taufen 2012

März

Jonah Gliwitzky

April

Sarah Zwick

Carlotta Singer

Lukas Dragicevic

Marie Brüner

Maria Baumann

Moritz Löbel

Jasper Gaab

Leonard Berg

Maria Thomas

Moritz Maisch

Julia Schuster

Mai

Leonie Komarek

Lena Roloff

Juni

Lukas van Hal

Julian Robert

Johanna Schum

Mira Baur

Timo Zellner

Laura Silvestro

Anna Silvestro

Tanja Böck

24 25


Aus der Pfarrei

Wer ist wer? – Auflösung des Sommerrätsels


Lesen Hö ren Schauen

Diakon Edgar Nubert

Gemeindereferentin

Ursula Sonnleitner

Gemeindereferentin

Marion Wick

Pfarrsekretärin

Petra Bönig

Buchhalterin

Christina Vetter

Buchhalterin

Cornelia Oberstadt

Kirchenmusiker

Michael Kohmünch

Impressum

St. Johann Baptist Aktuell

erscheint dreimal jährlich

in einer Auflage von 7.000 Exemplaren

und wird kostenlos in Gröbenzell verteilt.

Herausgeber

Katholische Pfarrgemeinde

St. Johann Baptist,

Gröbenzell, Kirchenstraße 16 b

Tel: 0 81 42 - 59 65-0

Fax: 0 81 42 - 59 65-99

Internet: www.johann-baptist.de

Bankverbindungen für Spenden

Kath. Kirchenstiftung Liga Bank eG.,

BLZ 750 903 00, Konto-Nr. 214 05 51

Kirchenbauverein Pater Brown

Sparkasse FFB, BLZ 700 530 70, Konto-Nr. 391 94 38

Öffnungszeiten Pfarrbüro

Mo 9:00 - 11:00 Uhr In den Ferien:

Di 9:00 - 11:00 Uhr

17:00 - 19:00 Uhr

(1.8. - 12.9.2012)

Es gelten eingeschränkte

Mi geschlossen

Öffnungs-

Do 9:00 - 11:00 Uhr

15:00 - 17:00 Uhr

zeiten, siehe Pfarrblatt

oder unter www.

Fr 8:30 - 12:00 Uhr johann-baptist.de

Redaktion

Dr. Klaus Broichhausen, Andrea Sagasser-Nolting,

Bettina Thöne (Leitung), Gabriele Wenng-Debert

E-Mail: pfarrbrief@pfarrei-groebenzell.de

Satz & Layout: Bettina Thöne

Druck: Gemeindebriefdruckerei,

Groß Oesingen

Leben, wenn der Tod nahe ist

Diagnose Lungenkrebs – Operation

– Chemotherapie – Bestrahlung

– Prognose ungewiss. Der

Regisseur für Film, Theater und Oper Christoph

Schlingensief, dem dieses Schicksal

widerfahren ist, schrieb Tagebuch während

er den Kampf ums Überleben auf

sich nehmen musste.

Wie weiterleben, wenn

man von einem Augenblick

auf den anderen

aus der Lebensbahn

geworfen

wird, wenn der Tod

nahe rückt? Er begab

sich eindringlich auf

die Suche nach sich

selbst, nach der Liebe

zum Leben und

auf die Suche nach Gott. Er näherte sich

ihm, er entfernte sich von ihm, er haderte

mit ihm. Auf die Frage „Warum?“ hat er

hier auf Erden wohl keine Antwort gefunden

– vielleicht aber im Himmel... -asn

Christoph Schlingensief

So schön wie hier

kanns im Himmel gar nicht sein

Tagebuch einer Krebserkrankung

btb Verlag München 2012, € 9,99

Kunst und Kirche

Christliche Kunst

in neuen Galerieräumen

Am 14. September dieses Jahres eröffnet

die Galerie der Deutschen

Gesellschaft für Christliche Kunst

(DG) – bisher am Wittelsbacherplatz – ihre

neuen Räume im Officium, Türkenstr. 16

(gegenüber der Pinakothek der Moderne).

Im Rahmen der Open Art (jährliche

gemeinsame Veranstaltung der Münchner

Galerien für zeitgenössische Kunst) findet

an diesem Tag die Vernissage zur Ausstellung

Herbert Falken – Aquarelle und Zeichnungen

– zum 80. Geburtstag des Künstlers

und katholischen Priesters statt.

Die ökumenisch ausgerichtete Deutsche

Gesellschaft

für Christliche

Kunst

versteht sich

als Forum für

einen lebendigen

Dialog

zwischen Kunst und Kirche, zwischen

Künstlern, Theologen, Philosophen und

Kunstfreunden. Mehr Infos gibt es auf der

Website der DG www.dgfck.de. -gwd

Zeitgenössischer christlicher Kunst

näher kommen: Viele Kunstwerke

besitzen das Potential, wertvolle

Impulse zum christlichen Glauben zu geben

– und haben die Kraft, unter die Haut zu gehen,

als "Bild im Puls" uns zu bewegen.

Unter www.bildimpuls.de wird alle 14 Tage

ein solches christliches Kunstwerk, vorzugsweise

aus den letzten fünf Jahren, mit

kurzer, gut verständlicher künstlerischer

und spiritueller Hinführung vorgestellt. Ergänzt

werden die Bild-Impulse durch Hinweise

auf aktuelle Ausstellungen in Museen,

Kirchen und Galerien und durch

Namentlich gezeichnete Beiträge geben nicht in jedem

Fall die Meinung des Herausgebers oder der Re-

Fachliteratur zum Thema.

-gwd

26 daktion wieder.

27

Foto: www.dgfck.de


Gott ich seh dich

in tausend Bildern

immer neu erfinde ich dich

Gott, ich seh dich in tausend Bildern

immer neu ganz anders

Gott, ich seh dich in tausend Bildern

immer neu nicht zu fassen

Gott, ich seh dich in tausend Bildern

immer so

wie du nicht bist

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