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Mauritius 2003

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<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

von<br />

Janet Ahlemann<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 1 von 60


© Janet & Carsten<br />

1. Auflage, Erlensee Dezember <strong>2003</strong><br />

Erschienen als einmalige Sonderauflage<br />

Redaktion und Text: Janet Ahlemann<br />

Graphik und Layout: Carsten Hoppe<br />

Bilder: Janet & Carsten


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Reisekalender<br />

Reisekalender<br />

Samstag, 23.08.<strong>2003</strong> – Abenteuer Airport......................................................5<br />

Sonntag, 24.08.<strong>2003</strong> - <strong>Mauritius</strong> bei Nacht.....................................................8<br />

Montag, 25.09.<strong>2003</strong> - Gewusst wie ?! .............................................................13<br />

Dienstag, 26.08.<strong>2003</strong> - On the Beach.............................................................17<br />

Mittwoch, 27.08.<strong>2003</strong> - Schiffe, Dodos und Pflanzen..................................18<br />

Donnerstag, 28.08.<strong>2003</strong> - Port Louis ............................................................. 23<br />

Freitag, 29.08.<strong>2003</strong> - Sega ............................................................................. 28<br />

Samstag, 30.08.<strong>2003</strong> - Im Süden................................................................... 30<br />

Sonntag, 31.08.<strong>2003</strong> - Supermarché.............................................................. 35<br />

Montag, 01.09.<strong>2003</strong> - Ile aux Cerfs............................................................... 39<br />

Dienstag, 02.09.<strong>2003</strong> – U-Boot ahoi !!!............................................................41<br />

Mittwoch, 03.09.<strong>2003</strong> – Spatzen + anderes Getier...................................... 45<br />

Donnerstag, 04.09.<strong>2003</strong> – An der Westküste .............................................. 47<br />

Freitag, 05.09.<strong>2003</strong> - Schnorchelabenteuer .................................................51<br />

Samstag, 06.09.<strong>2003</strong> – Kofferpacken............................................................ 54<br />

Sonntag, 07.09.<strong>2003</strong> - Rückflug ..................................................................... 56<br />

Montag, 08.09.<strong>2003</strong> – Wieder zuhause.......................................................... 58<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 3 von 60


Reisekalender<br />

<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Abb: Im Botanischen Garten (Pamplemousses)<br />

Seite 4 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Samstag, 23.08.<strong>2003</strong> – Abenteuer Airport<br />

Samstag, 23.08.<strong>2003</strong> – Abenteuer Airport<br />

10:00 Uhr<br />

Wir haben gerade die beiden Hasen bei der Tierpension zwecks Urlaubsaufbewahrung<br />

abgeliefert. Der Vollständigkeit halber gehörte eine Eingangsuntersuchung zum<br />

Service. Ich glaube, Moritz hat das Thermometer im Hintern nicht wirklich gefallen.<br />

12:30 Uhr<br />

Koffer-Check-in am Frankfurter Flughafen. Bereits vor Reisebeginn geht’s gleich lustig<br />

los: Während ich an einem Schalter noch Kofferanhänger besorge, vergisst Carsten in<br />

der Schlange vom Check-in-Schalter unseren vierten Koffer. Als wir das feststellen,<br />

ist das corpus delicti bereits als mutmassliche Bombe vom Bundesgrenzschutz<br />

entdeckt worden. Gott sei Dank entspannt sich die Situation mit unserem Eintreffen<br />

gleich wieder und wir dürfen unseren Abkömmling sofort wieder mitnehmen.<br />

15:30 Uhr<br />

Vom Hanauer Hauptbahnhof fahren wir mit der S-Bahn zum Flughafen.<br />

Da unsere Koffer bereits dort sind, haben wir nur “leichtes” Gepäck – zwei Rucksäcke<br />

und einen Kosmetikkoffer. Auf dem letzten Teilstück der Strecke setzt sich ein<br />

Kampftrinker neben Carsten, der – erstaunlicherweise – doppelt so breit ist wie<br />

Carsten und diesen fast wie einen Hänfling aussehen lässt. Ausserdem stinkt er wie ein<br />

Tier. Also das nächste mal doch lieber in ein Taxi zum Flughafen investieren.<br />

17:45 Uhr<br />

Seit einer halben Stunde warten wir am Gate auf das Boarding. Dann kommt die<br />

Erklärung vom Kapitän persönlich über<br />

Lautsprecher: Ein elektronisches Bauteil<br />

unserer Boeing 767-300 ABUA ist auf<br />

dem Flug nach Frankfurt ausgefallen<br />

und muss ersetzt werden. Das<br />

Austauschteil kommt aus Düsseldorf –<br />

man höre und staune – mit dem Taxi!<br />

Warum die Lufthansa zur Rush Hour mit<br />

der ohnehin staugeplagten A3 diesen –<br />

für eine Fluggesellschaft – höchst<br />

ungewöhnlichen Transportweg wählt,<br />

wird sie nur selbst wissen. Für uns<br />

heisst das warten …<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 5 von 60


Samstag, 23.08.<strong>2003</strong> – Abenteuer Airport<br />

<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

18:40 Uhr<br />

Das Taxi mit dem Ersatzteil ist eben eingetroffen. Von unserem Platz am Gatefenster<br />

aus zu urteilen, handelt es sich bei dem Ding um so eine kleine Chipkarte, kaum grösser<br />

als die Sticks, die wir gerade für unsere Digicam bestellt haben. Der Zeitpunkt des<br />

Abflugs naht – hoffentlich.<br />

19:06 Uhr<br />

Vergeblich gehofft - leider ist nun noch ein Schaden eines weiteren Teils<br />

hinzugekommen, das offensichtlich im rechten Triebwerk sitzt. Jedenfalls machen sich<br />

um die fünf Lufthansa-Techniker dort zu<br />

schaffen. Zu allem Ärger fängt die Zeit<br />

an, knapp zu werden, da das Flugzeug<br />

spätestens 20.30 Uhr abheben muss.<br />

Grund: Die Arbeitszeit der Cabinen-<br />

Crew würde sonst (inkl. 11 Std. Flug)<br />

überschritten. Erwartete Zeit für die<br />

Reparatur bzw. den Austausch des<br />

zweiten Teils: ca. 60 min. Das bedeutet,<br />

wenn alles glatt läuft kommen wir heute<br />

noch hier raus. Wenn sich die<br />

Angelegenheit nur um eine halbe Stunde<br />

verzögert, sehen wir <strong>Mauritius</strong> wahrscheinlich erst einen Tag später. Denn eine<br />

Ersatzcrew aufzutreiben, ist angesichts dessen, was um uns herum los ist, ein Ding der<br />

Unmöglichkeit.<br />

19:35 Uhr<br />

Nachdem einer der Servicetechniker ungefähr 30<br />

min erfolglos damit zugebracht hat, das Ersatzteil<br />

in das Triebwerk einzubauen, versucht er es nun,<br />

indem er das Teil umgedreht hat. Und siehe da – es<br />

passt sofort. Wir und mit uns hundert<br />

Mitpassagiere sitzen staunend am Gatefenster und<br />

können es kaum fassen. Boeing und Lufthansa<br />

Technik haben augenscheinlich eine derartige<br />

„Kompetenz“ ihrer Mitarbeiter eingeplant und<br />

daher die Teile so konstruiert, dass sie nur in<br />

absolut einer Position und zwar in der richtigen<br />

einzubauen sind. Sehr beruhigend für uns und den<br />

Rest der Welt.<br />

Seite 6 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Samstag, 23.08.<strong>2003</strong> – Abenteuer Airport<br />

19:42 Uhr<br />

Diesmal scheint die Operation gelungen zu sein. Die Triebwerkverschalung wird<br />

geschlossen. Geht’s jetzt los?<br />

19:45 Uhr<br />

Der mittlerweile dritte Schubschlepper<br />

ist eingetroffen. Hoffentlich kann der<br />

seine Arbeit zu Ende bringen und uns auf<br />

das Vorfeld zurückschieben.<br />

19:55 Uhr<br />

Tja. Auch der dritte Schlepper fährt<br />

wieder – unverrichteter Dinge. Was ist<br />

los?<br />

20:05 Uhr<br />

Um uns wenigsten einen letzten Rest von Positiv-Laune zu erhalten, serviert die<br />

Fluggesellschaft die berühmt-berüchtigten, weil vor allem pappigen und<br />

geschmacksfreien Lufthansa-Brötchen. Der Ansturm auf das improvisierte Büffet, das<br />

aus Papiertüten auf dem Boden besteht, fällt typisch deutsch aus. Man könnte leicht<br />

dem Eindruck erliegen, unsere Mitpassagiere wurden bereits seit Tagen ohne<br />

Verpflegung auf dem Flughafen eingesperrt.<br />

Als auch das letzte Brötchen niedergekämpft ist, kehrt wieder gespannte Erwartung<br />

am Gate ein. Der Countdown läuft ...<br />

20:35 Uhr<br />

Aus und vorbei. Das Flugzeug wird endgültig zu Schrott erklärt. Unser Kapitän will den<br />

nächtlichen Überflug des schwarzen Kontinents mit einer semi-tauglichen Maschine<br />

lieber nicht wagen. Die Sahara-Geiseln sind schließlich erst seit ein paar Tagen wieder<br />

frei ...?!<br />

Wir werden im Steigenberger Esprix am Flughafen übernachten. Natürlich auf Kosten<br />

von Lufthansa und mit Gratis-Essensgutschein. Abflug morgen früh – Sonntag 7.30<br />

Uhr. Das heisst 6.30 Uhr auf dem Flughafen sein – happy short-time night!<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 7 von 60


Sonntag, 24.08.<strong>2003</strong> - <strong>Mauritius</strong> bei Nacht<br />

<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Sonntag, 24.08.<strong>2003</strong> - <strong>Mauritius</strong> bei Nacht<br />

5:25 Uhr (MESZ)<br />

Nach einer erwartet kurzen Nacht hiess es für uns um 3.30 Uhr früh aufstehen, um<br />

pünktlich 4.30 Uhr am Early-Bird-Frühstückstisch sitzen zu können. Die Lufthansa<br />

scheint grösstes Misstrauen in die Fähigkeit ihrer Passagiere zum pünktlichen<br />

Erscheinen zu setzen und so wird überzeitiges Antreten zum Pick-Up befohlen.<br />

Die Ereignisse von gestern Abend waren schon lustig: Wenn sich die ca. 270 Passagiere<br />

einer bis auf den letzten Platz ausgebuchten Boeing 767-300 im Pulk durch den<br />

Flughafen wälzen, hat das schon etwas Gigantisches. Wehe dem, der da im Weg steht.<br />

Der wird von der Masse glatt mitgenommen – ob er will oder nicht. Auch die<br />

Passkontrolleure hatten etwas zu lachen, als sie uns nach very kurzer Ausreise wieder<br />

einreisen lassen.<br />

Im Hotel dann ein ähnlich außergewöhnliches Bild: Die Rezeptionisten haben es<br />

bestimmt auch nicht jeden Tag mit einem derartigen Massen-Check-in zu tun, bei dem<br />

auch noch jeder zweite Gast mit Zahnbürste und anderen absolut notwendigen Dingen<br />

für die Nacht auszustatten ist. Die Koffer sind nämlich zugunsten einer schnelleren<br />

Abfertigung beim Flugzeugwechsel gleich auf dem Flughafen geblieben. Glücklich<br />

schätzen konnten sich all jene, die wie wir wenigstens die Toilettenartikel als<br />

Handgepäck dabei hatten.<br />

Mittlerweile ist es 5.30 Uhr:<br />

Wir warten auf die Ankunft der Pick-up-<br />

Busse, die uns spätestens um 6.00 Uhr<br />

abholen sollen.<br />

Oh, Überraschung - der erste ist schon<br />

da. Heute wird alles besser ...<br />

8:14 Uhr (MESZ)<br />

Mit noch einmal fast 45 Minuten Verspätung hebt unsere neue Boeing 767-300 ABUZ<br />

endlich vom Frankfurter Boden ab. Und schon wieder hoffen wir – nämlich darauf, das<br />

die vom Kapitän errechnete Flugzeit von 10:50 Stunden einigermaßen erträglich über<br />

die Bühne geht.<br />

Seite 8 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Sonntag, 24.08.<strong>2003</strong> - <strong>Mauritius</strong> bei Nacht<br />

13:50 Uhr (Local Time <strong>Mauritius</strong> = MESZ + 2Std.)<br />

Zwischenzeitlich haben wir unsere Uhren auf Ortszeit <strong>Mauritius</strong> umgestellt und die<br />

ersten 3½ Stunden des Fluges geschafft. Jetzt fängt langsam die Phase an, in der man<br />

sich wünscht, entweder bald anzukommen oder doch mindestens ein paar Runden ums<br />

Flugzeug zu joggen. Leider sitzen ein paar ziemlich nervige Kinder in der Reihe hinter<br />

uns – aber was soll’s, irgendwann werden die hoffentlich auch müde werden.<br />

Draußen ist es jetzt viel interessanter: Da das Wetter mitspielt und keinerlei Wolken<br />

unter uns zu sehen sind, haben wir<br />

freien Blick auf das afrikanische<br />

Festland. So weit das Auge reicht<br />

erstreckt sich die - erstaunlich rote –<br />

Wüste. Wenn man dem Flugroutenplan<br />

im Lufthansa-Magazin glauben darf,<br />

dann befinden wir uns gerade über dem<br />

Osten von Ägypten. Die Gegend scheint<br />

ziemlich unbewohnt zu sein. Von<br />

mutmaßlichen Terroristen und<br />

Entführern, die auf potentielle Sahara-<br />

Geiseln warten, ist weit und breit keine<br />

Spur. Wer hier lang muss, für den besteht eher die Gefahr, den Rest seiner Tage in<br />

absoluter Einsamkeit zu verbringen als in die vergleichsweise kurzweilige Gesellschaft<br />

von zwielichtigen Gestalten zu geraten. Ein Bild von dieser Einöde zu schießen, gelingt<br />

uns leider nicht – irgendwie ist es zu diesig. Aber außer rostrotem Sand und ein paar<br />

dunklen Steinen mittendrin, ist eh’ nicht viel zu sehen. Außerdem: wenn der Plan<br />

stimmt, müssen wir demnächst das Rote Meer erreichen oder zumindest die Ostküste<br />

Ägyptens tangieren und da ist bestimmt mehr los.<br />

14:25 Uhr (Local Time <strong>Mauritius</strong>)<br />

Nachdem der unsägliche Spielfilm im Bordprogramm endlich vorbei ist (Kangaroo Jack)<br />

und die tatsächliche, aktuelle Flugroute<br />

eingeblendet wird, stellt sich leider<br />

heraus, dass wir Afrika doch viel weiter<br />

westlich überqueren und das Rote Meer<br />

nicht mal von weitem zu Gesicht<br />

bekommen werden. Wir werden erst auf<br />

der Höhe von Äthiopiens Hauptstadt<br />

Mogadischu, also kurz vor dem Äquator,<br />

das Festland hinter uns lassen, und unsere<br />

Reise über den Indischen Ozean beginnen.<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 9 von 60


Sonntag, 24.08.<strong>2003</strong> - <strong>Mauritius</strong> bei Nacht<br />

<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

20:55 Uhr (Local Time <strong>Mauritius</strong>)<br />

Unsere Boeing schlägt mit ca. 14 Stunden<br />

Verspätung auf <strong>Mauritius</strong> auf. In Ermangelung<br />

eines ausgebauten Rollfelds müssen wir auf der<br />

Landebahn wenden und auf derselben zum<br />

Flughafengebäude zurückrollen. Man stelle sich<br />

diesen Spaß am Frankfurter Flughafen zur Rush<br />

Hour vor, wenn die Flugzeuge im Halb-Minutentakt<br />

vom Himmel purzeln. Doch wir sind ja hier mitten<br />

im Indischen Ozean und da ticken eben nicht nur<br />

die Uhren etwas anders als bei uns. Wie zur<br />

Bestätigung dieses Gedankens fängt das<br />

Kabinenpersonal kurz nach der Landung damit an,<br />

Insektenvernichtungsmittel in der Kabine zu<br />

versprühen. Zu unserer Beruhigung erfahren wir<br />

aber sofort, dass diese Prozedur schon viele <strong>Mauritius</strong>-Touristen vor uns überlebt<br />

haben, die WHO (World Health Organisation) keine Bedenken dazu hat und das Ganze<br />

überhaupt ein übliches Ritual ist, damit wir keine fiesen europäischen Insekten auf die<br />

Südsee-Insel einschleppen. Der gemeine Homo Europidis würde zwar eine solche<br />

Gefahr eher auf dem Rückflug vermuten, aber wir lassen uns natürlich gern belehren<br />

und schämen uns sofort unserer typisch westlichen, überheblichen Gedanken. Nachdem<br />

der Vertreter der mauritianischen Gesundheitsbehörde in Anbetracht unserer<br />

massiven Verspätung gnädig auf die sonst übliche, ausführliche Inspektion der Kabine<br />

verzichtet, dürfen wir unkontrolliert aber desinfiziert in die mauritianische Abendluft<br />

hinaustreten.<br />

In ein paar Minuten werden dann sicherlich die freudig erregten Urlaubsabsolventen,<br />

die seit heute früh auf ihre Maschine warten, das Flugzeug betreten und ihren leicht<br />

verspäteten Rückflug nach Deutschland antreten können. Wer von diesen Unglücklichen<br />

gleich Montag in der Früh’ einen Termin hat, sollte es sich das nächste Mal eben lieber<br />

zweimal überlegen, ob er seine Zeitplanung nicht künftig etwas grosszügiger gestalten<br />

möchte.<br />

22:00 Uhr (Local Time <strong>Mauritius</strong>)<br />

Wir haben endlich die Passkontrolle und – wie hätte es nach dem Erlebnis in der Kabine<br />

anders sein können – die Gesundheitskontrolle hinter uns gelassen. Letztere bestand<br />

allerdings lediglich darin, dass unsere Pässe auf Stempel kontrolliert wurden, die<br />

verraten hätten, dass wir uns vor kurzem in einem gefährdeten Land aufgehalten<br />

haben. Deutschland scheint nicht dazuzugehören und so sind wir schnell durch und auch<br />

relativ zügig wieder im Besitz unserer vier aufgegebenen Koffer. Da Erfahrung klug<br />

macht, versichern wir uns diesmal mehrfach von der Vollständigkeit unserer insgesamt<br />

fünf Koffer und zwei Rucksäcke, bevor wir in den Ankunftsbereich eilen. Dort hat<br />

bereits der lustige Schlagabtausch zwischen den Repräsentanten der<br />

Seite 10 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Sonntag, 24.08.<strong>2003</strong> - <strong>Mauritius</strong> bei Nacht<br />

Reiseveranstalter und einigen Aufgebrachten unter unseren Mitreisenden begonnen.<br />

Insbesondere die armen Schweine, die noch auf andere Inseln weiterreisen möchten<br />

und zusätzlich zu dem bereits eingebüssten Tag noch eine weitere Nacht<br />

gezwungenermaßen auf <strong>Mauritius</strong> festsitzen, liefern sich harte Wortgefechte mit dem<br />

ebenso wenig beneidenswerten Empfangspersonal. Aber auch bei denen, die nur eine<br />

Woche auf der Insel urlauben wollen, kommt massive Freude auf.<br />

Gott sei Dank gehören wir weder zu der einen noch zu der anderen Gruppe und<br />

absolvieren relativ schnell und unkompliziert unser<br />

Empfangsprogramm. Dies endet damit, dass wir zu<br />

unserem Bus Nr. 35 geschickt werden, der uns<br />

gemeinsam mit ein paar anderen Leidensgenossen<br />

zu unserem Hotel „Palmar Beach“ nach Belle Mare<br />

an der Ostküste von <strong>Mauritius</strong> bringen soll.<br />

Draussen vor dem Flughafen wird das Gepäck zur<br />

Freude der<br />

anwesenden Europäer nicht im Bauch des Busses<br />

verstaut, sondern auf einem Gepäckträger auf<br />

dem Dach. Die armen, eher schmächtigen<br />

Mauritier müssen also unsere tonnenschweren<br />

Riesenkoffer auf das Dach stemmen, während wir<br />

im Bus Platz nehmen.<br />

22:15 Uhr (Local Time <strong>Mauritius</strong>)<br />

Es geht endlich los. Die letzte Etappe unserer strapaziösen Anreise hat begonnen.<br />

Jahreszeittypisch – schließlich ist auf der Südhalbkugel Winter – begleitet uns auf der<br />

Hälfte der Busfahrt ein kleiner Regenschauer. Darüber hinaus sieht man soviel, wie in<br />

Deutschland an einem Wintertag nachts um Viertel nach zehn auch: nämlich nichts.<br />

Unseren ersten Eindruck von der mauritianischen Landschaft werden wir auf den<br />

nächsten Tag verschieben müssen.<br />

23:10 Uhr (Local Time <strong>Mauritius</strong>)<br />

Nach fast einer Stunde Fahrt über die zum Teil sehr schmalen Strassen –<br />

selbstverständlich ohne Leitplanken und mit steilen Abhängen daneben – treffen wir<br />

endlich in unserem Hotel ein. Zu unserer Begrüßung, mit uns reisen noch etwa zehn<br />

Deutsche an, steht ein großer Teil des Hotelpersonals bereit. Das müsste man zu solch’<br />

einer Uhrzeit mal in einem deutschen Hotel erwarten – man würde vermutlich<br />

enttäuscht werden. Außerdem erwartet uns ein kleiner Imbiss mit lecker „Red<br />

Snapper“, den wir bereits von den Seychellen kennen. Währenddessen schleppen die<br />

vielen Helfer unsere Koffer auf die Zimmer, ohne auch nur einen zu vertauschen. Nach<br />

individueller Einweisung in die überlebenswichtigen Gegebenheiten des Hotellebens<br />

können wir dann gegen 23.30 Uhr endlich auf unser Zimmer. Obwohl es, wie schon<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 11 von 60


Sonntag, 24.08.<strong>2003</strong> - <strong>Mauritius</strong> bei Nacht<br />

<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

erwähnt, stockdunkel ist, lässt es sich der Zimmer-Bursche nicht nehmen, uns nach<br />

dem Öffnen der Balkontür den unverwechselbaren Meerblick vorzuführen, den wir<br />

während unseres Aufenthalts genießen dürfen. Wahrscheinlich ist diese Prozedur der<br />

Höhepunkt des Einweisungsrituals und das wird eben zu jeder Zeit gnadenlos ohne<br />

Änderungen durchgezogen, schließlich hat der Urlauber für das komplette Programm<br />

bezahlt. Nachdem wir ihm halbwegs glaubhaft unser Entzücken versichert haben, zieht<br />

er sich endlich zurück. Nur noch „schnell“ unsere fünf Koffer auspacken und dann<br />

dürfen wir uns endlich in einem Bett ausstrecken und schlafen.<br />

Seite 12 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch Montag, 25.09.<strong>2003</strong> - Gewusst wie ?!<br />

Montag, 25.09.<strong>2003</strong> - Gewusst wie ?!<br />

Gegen 8.00 Uhr geht’s raus aus dem Bett. Wie immer am ersten Tag in einem für uns<br />

neuen Hotel, müssen wir uns erst mal mit der Technik am Frühstücksbüffet vertraut<br />

machen. Ein recht ungewöhnlicher Durchlauf-Toaster ist das Highlight, das die<br />

höchsten Anforderungen an unsere Auffassungsgabe stellt. Die Frühstückseier sind<br />

von einem Format, dass sie nach deutschen Maßstäben nicht mal als „XS“ eingestuft<br />

würden; darum gibt es gleich zwei Stück.<br />

Nach dem Frühstück wartet Roy, seines<br />

Zeichens Abgesandter von Holiday-Cars,<br />

mit unserem Reisebegleiter für die<br />

nächsten 10 Tage auf uns: einem weissen<br />

Daewoo Matiz (was ist das eigentlich?).<br />

Wie sich schnell herausstellt, handelt es<br />

sich dabei um einen kleinen Bruder eines<br />

Cinquencento oder so ähnlich. Auf jeden<br />

Fall ein dem Inselstandard voll<br />

angepasstes, kleines Häufchen Elend mit<br />

Rechts- und ohne Servolenkung, das<br />

schon bessere Tage erlebt hatte. Mit dem Ding werden wir unproblematisch in den<br />

mauritianischen Strassenverkehr eintauchen können, ohne sofort als Ausländer erkannt<br />

zu werden. Happy driving with happy cars!!! Zum Abschluss des Erst-Tags-Programms<br />

erhalten wir noch eine kurze Einweisung von der Thomas-Cook-Reiseleiterin Sabine. Als<br />

Überraschung erhalten wir von Ihr noch eine fetzige Strandtasche aus Bast als<br />

Willkommensgeschenk. Dies ruft natürlich zwei deutsche Neidbolzen auf den Plan, die<br />

die Szenerie beobachtet haben. Die beiden Pechvögel sind „nur“ mit Neckermann<br />

gereist und müssen nun ohne Tasche auskommen. Das hält sie selbstverständlich nicht<br />

davon ab, uns sofort auf den Unterschied anzusprechen.<br />

Danach geht es endlich an den Strand.<br />

Kaum angekommen, müssen wir leider das<br />

nervige Info-Programm für<br />

Neuankömmlinge über uns ergehen lassen,<br />

welches die fliegenden Händler und Tour-<br />

Guides am Strand für Frischfleisch<br />

vorgesehen haben. Nach einer<br />

Dreiviertelstunde und mehreren<br />

Vorträgen haben wir gelernt, dass wir<br />

unbedingt zur Ile aux Cerfs, der kleinen<br />

Insel vor der Ostküste, und Katamaran<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 13 von 60


Montag, 25.09.<strong>2003</strong> - Gewusst wie ?!<br />

<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

fahren müssen und das jeder Versuch, ein derartige Reise über die etablierten<br />

Reiseveranstalter vor Ort zu buchen, eine untolerierbare Verschwendung unserer<br />

finanziellen Ressourcen wäre. Wir geloben, ernsthaft über die Buchung eines<br />

preiswerteren Ausflugs bei den Strandagenten nachzudenken und werden endlich aus<br />

ihren Klauen entlassen. Ab jetzt nur noch relaxen…. Der Strand ist himmlisch. Schöner<br />

weißer Pudersand, glasklares flaches Wasser, Palmen – die typische Südsee-<br />

Postkartenidylle. Zu unserem Vergnügen stehen Surfbretter, Tret- und Paddelboote<br />

und Wasserski kostenlos zur Verfügung. Was will das Strandurlauberherz mehr?! Die<br />

üblichen Surfanfänger sind sehr lustig anzusehen. Einer versucht seit einer Stunde im<br />

flachen Wasser zumindest einmal auf dem Brett zu stehen. Sehr erfolglos aber absolut<br />

unverzagt und sehr zu unserer Unterhaltung. Das allmorgendliche Strandritual haben<br />

wir auch gleich durchschaut: Entweder Erscheinen bis spätestens 8.00 Uhr und Liege<br />

mittels Handtuch reservieren oder freie Zeiteinteilung verbunden mit der Benutzung<br />

von Ersatzmatratzen mit Rückenstütze.<br />

Da Carsten für jedweden Proll-Spaß zu haben ist, kommt er natürlich nicht am<br />

Luftreifen-Fahren vorbei. Dabei wird der Riesenreifen von einem Motorboot mit dem<br />

Ziel übers Wasser gezogen, den Insassen<br />

möglichst schnell und vor allem<br />

spektakulär abzuwerfen, ähnlich Banana-<br />

Reiten. Für Carsten bestand die<br />

Schwierigkeit allerdings bereits darin,<br />

auf dem Reifen Platz zu nehmen. Zur<br />

Belustigung der anderen Strandbesucher<br />

platscht er schon vor dem eigentlichen<br />

Start mehrmals in Wasser. Um diese<br />

einmalige Szenerie aus nächster Nähe<br />

fotografisch festhalten zu können, lasse<br />

ich mich dazu überreden, im Schnellboot mitzufahren. Mit schöner Regelmäßigkeit<br />

plumpst Carsten dann während der Speedfahrt ins Meer. Mit seiner Schwimmweste,<br />

die zwar um den Bauch etwas spannt aber<br />

ansonsten ihren Zweck erfüllt, auch kein<br />

Problem. Je schneller und unerwarteter<br />

der Ruck ist, mit dem das Boot an dem<br />

Reifen zieht, desto einmaliger fallen<br />

Carstens Stürze aus. Schwierig ist dann<br />

das Wiederaufsteigen. Was schon im<br />

flachen Wasser höchste Anforderungen<br />

an seine Motorik stellt, wächst sich in<br />

tieferen Gewässern zu einer wahrlich<br />

kräftezehrenden Tortour aus. Dazu muss<br />

er an einer kurzen Leiter wieder ins Boot<br />

Seite 14 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch Montag, 25.09.<strong>2003</strong> - Gewusst wie ?!<br />

klettern, und sich von dort aus mit einem<br />

eleganten Schwung in den Reifen fallen<br />

lassen. Wie sich der geneigte Leser<br />

sicherlich vorstellen kann, misslang ihm<br />

das Umsteige-Prozedere erfrischend oft,<br />

so dass der Bootsführer und ich uns vor<br />

Lachen kaum im Boot halten konnten. Man<br />

fühlte sich regelrecht an den ersten<br />

Werner-Film erinnert, der eine ähnlich<br />

köstliche Szene mit Meister Röhricht<br />

enthält, der nach einem Rohrbruch wieder<br />

und wieder aus dem Fenster geschwemmt<br />

wird und im Vorgarten landet: „ un’ da iss<br />

er wieder...“. Am Strand zurück durfte<br />

Carsten zur Belohnung dann 20 US-Dollar<br />

für das Vergnügen bezahlen und sich mit<br />

einem lustigen Muskelkater<br />

verabschieden. Der Gerechtigkeit halber<br />

hätte er für dieses unglaubliche<br />

Schauspiel noch Geld von den Zuschauern<br />

kassieren müssen, aber ich glaube, er<br />

wahr froh, sich auf seine Liege<br />

zurückziehen zu dürfen.<br />

Da es gegen 16.00 Uhr am Strand<br />

ungemütlich wird, haben wir nachmittags noch eine kleine Erkundungsfahrt mit unserem<br />

Daewoo unternommen. Natürlich war es erst einmal wieder eine große Umstellung, einen<br />

Rechtslenker und dann auch noch auf der linken Straßenseite zu fahren. Darüber<br />

hinaus heißt es, möglichst wenige der massenhaft streunenden Hunde zu erwischen und<br />

den sich recht sorglos bewegenden Mauritiern eine Chance zum Weiterleben<br />

einzuräumen. Eine besondere Herausforderung an den eingefleischten europäischen<br />

Autolenker stellt zudem das Straßennetz dar: Verkehrswege, die bei uns als bessere<br />

Feldwege eingestuft würden und sich hier Hauptstrasse nennen dürfen und eine<br />

Beschilderung, die genaugenommen gar nicht vorhanden ist. Der gemeine Urlauber ist<br />

schließlich nicht hier, um sein Gehirn abzuschalten und hat außerdem ausreichend Zeit<br />

und Gelegenheit, seinen Orientierungssinn zu schärfen. Erstaunlicherweise haben wir<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 15 von 60


Montag, 25.09.<strong>2003</strong> - Gewusst wie ?!<br />

<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

trotzdem, ohne uns zu verfahren und ohne Blessuren an unserem Luxus-Vehikel, unser<br />

Hotel wieder erreicht. Wir werden jetzt noch einen Drink an der Poolbar nehmen und<br />

dann unser erstes Dinner hier auf <strong>Mauritius</strong> erleben. See you tomorrow...<br />

Seite 16 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Dienstag, 26.08.<strong>2003</strong> - On the Beach<br />

Dienstag, 26.08.<strong>2003</strong> - On the Beach<br />

Heute haben wir noch mal einen Fauli-Tag am Strand verbracht. Carsten nutzte die<br />

Gelegenheit und das windige Wetter, um erste Erfahrungen mit dem Wasserski zu<br />

sammeln. Ich schreibe bewusst „mit“, denn zum „auf“ kam es leider nicht. Trotz<br />

mehrmaliger Versuche gelang es ihm<br />

nicht, seinen Hintern aus dem Wasser<br />

hochzukriegen. Einmal hat er sogar einen<br />

Ski verloren, und musste diesen<br />

umständlich im Wasser wieder anziehen.<br />

Der Bootsführer muss von soviel<br />

Anfängerglück schlichtweg begeistert<br />

gewesen sein – wie wahrscheinlich auch<br />

die anderen Strandbesucher. In<br />

Ermangelung der Konstellation „Mann auf<br />

Ski auf dem Wasser“, konnte ich leider<br />

nur Bilder von seinem Kopf im Wasser<br />

machen. Aber noch sind ja einige Tage<br />

Zeit, um es zumindest für ein paar<br />

Sekunden mal auf’s Brett zu schaffen.<br />

Um seinen Astral-Körper nicht aus der Form kommen zu lassen, ertränkte Carsten<br />

seinen Frust dann beim Abendessen in 5 Butterbrötchen vor dem 4-Gänge-Menü, das<br />

für ihn auf Grund meines Verzichts zum 6-Gang-Menü wurde. Da es heute Abend im<br />

Gegensatz zu gestern nur ein ziemlich schlaffes Life-Abendprogramm gibt (ein Sänger<br />

am Klavier), werden wir relativ zeitig zu<br />

Bett gehen. Gestern hatte eine<br />

Tanzgruppe recht ansehnliche<br />

orientalische Tänze aufgeführt. Inwiefern<br />

diese tatsächlich etwas mit<br />

mauritianischern Traditionen zu tun<br />

haben, ist fraglich, aber die Kostüme<br />

waren nett anzuschauen. Bis morgen ...<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 17 von 60


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Mittwoch, 27.08.<strong>2003</strong> - Schiffe, Dodos und Pflanzen Ein Reisetagebuch<br />

Mittwoch, 27.08.<strong>2003</strong> - Schiffe, Dodos und Pflanzen<br />

Nach dem Frühstück ging es auf unseren<br />

ersten Ausflug per Mietwagen. Auf der<br />

Küstenstrasse fuhren wir über Flacq,<br />

Poste Lafayette, Poudre d’Or nach<br />

Goodlands. Dort angekommen war unser<br />

Ziel die Fabrik „Historic Marine“, in der<br />

die besten und leider auch teuersten<br />

Schiffsmodelle von ganz <strong>Mauritius</strong><br />

gebaut, ausgestellt und verkauft werden.<br />

Nachdem wir mit unserem formidablen<br />

Englisch ein halbwegs ernsthaftes<br />

Interesse bekundet hatten, wurden wir in die heiligen Produktionshallen vorgelassen.<br />

Während des zügigen, da nicht üblichen Durchmarschs durch die Manufaktur durften<br />

wir den werkelnden Mauritiern bei ihrer filigranen Handarbeit<br />

über die Schultern schauen. Dank des weltweiten Interesses<br />

an diesen kleinen Kunstwerken und der damit verbundenen,<br />

ständig sprudelnden Einnahmequelle,<br />

verdienen die Arbeiter in der Fabrik<br />

ein wenig mehr als der Grossteil ihrer<br />

an der Armutsgrenze lebenden<br />

Landsleute. Die Touristen tun ihr<br />

übriges, indem sich viele eines der<br />

Modelle als schönes Mitbringsel mit<br />

nach Hause nehmen. Wir entschieden uns für<br />

einen Schnitt von der HMS „Victory“ und für ein<br />

Komplettmodell der „Bounty“. Die beiden<br />

zusammen gab es für schlappe 630,- Eur incl.<br />

Rabatt, Katalog und zwei T-Shirts. Als Service<br />

werden sie<br />

reisefertig<br />

verpackt<br />

und am<br />

Abreisetag<br />

zum Flughafen gebracht. Außerdem spart man<br />

sich auf diese Weise die 15% VAT (gut deutsch:<br />

Mehrwertsteuer). Allerdings waren wir mit<br />

unseren ca. 600,- Eur eher preiswert dabei - die<br />

teureren Modell kosteten so um die 3.500 bis<br />

Seite 18 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch Mittwoch, 27.08.<strong>2003</strong> - Schiffe, Dodos und Pflanzen<br />

4.500 Euro. Diese benötigen dann als Ausstellungsfläche eine halbe Garage und sind<br />

aufgrund ihrer Größe für’s Handgepäck eher ungeeignet.<br />

Nach unserem Fabrikbesuch ging es weiter gen Norden nach Cap Malheureux.<br />

Dort machten wir ein paar Fotos von der schönen Bucht und der niedlichen Kirche, und<br />

mussten einen kleinen Einheimischen mit seinen selbstgemachten Dodo-Vögeln<br />

abwimmeln.<br />

Dodo was???<br />

Zur Erleuchtung sei dem verehrten Leser an dieser Stelle<br />

erklärt, dass es sich bei diesem Getier um das mauritianische<br />

Symbol schlechthin handelt. Der Dodo war einst tatsächlich<br />

ein lieblicher, mauritianischer Inselbewohner, allerdings<br />

ziemlich fett und tollpatschig und vor allem flugunfähig. Dem<br />

Aussehen nach hätte man ihn mit einem dicken Albatros oder<br />

einer beleibten Gans mit gebogenem Hakenschnabel und<br />

Krallenfüssen vergleichen können. Aufgrund der zuvor<br />

genannten Eigenschaften hatte er im Zuge der Entdeckung<br />

und Besiedlung der Insel nicht mehr<br />

viel zu lachen, da ihn die Nachfahren<br />

von Kolumbus & Co. mit Vorliebe und ohne grossen Jagdaufwand<br />

nachstellten und verspeisten. Vor der Ankunft der Menschen<br />

führte er ein glückliches Leben, da ihm kein natürlicher Feind an<br />

die Gurgel wollte. Am Ende des 17. Jahrhunderts musste dann<br />

allerdings auch das letzte Exemplar dieser putzigen Vögel in<br />

Anbetracht der menschlichen Übermacht den Löffel abgeben<br />

und in die ewigen Jagdgründe einziehen. Seitdem ist er zum<br />

Wappentier und unbestrittenen Symbolfigur aufgestiegen, die heutzutage<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 19 von 60


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Mittwoch, 27.08.<strong>2003</strong> - Schiffe, Dodos und Pflanzen Ein Reisetagebuch<br />

insbesondere als heiliger Schutzpatron von allen mauritianischen Souvenirhändlern<br />

verehrt wird.<br />

Aber zurück zu unserer Reiseroute:<br />

Vom nördlichsten Punkt der Insel<br />

aus fuhren wir über Grand Baie,<br />

The Vale, Mon Rocher auf der M2<br />

nach Pamplemousses. Hier befindet<br />

sich der große Botanische Garten.<br />

Für spottbillige 100 Rupien (ca. 4,-<br />

Eur) begleitete uns eine<br />

persönliche Führerin, deren Name<br />

ich leider vergessen habe, durch<br />

den Park. Diese zeigte uns die<br />

verschiedenen Gewürzpflanzen,<br />

Palmen, Seerosen und diverse<br />

andere seltene Pflanzen, an denen wir sonst in<br />

unserer Ahnungslosigkeit wahrscheinlich achtlos<br />

vorbeigelaufen wären. Als eingefleischte<br />

Stadtkinder durften wir erfahren, dass<br />

Gewürznelken und Lorbeerblätter nicht<br />

ausschliesslich in Tütchen, Streuern und Döschen im<br />

Supermarkt vorkommen, sondern tatsächlich einen<br />

natürlichen<br />

Ursprung<br />

an Büschen<br />

und<br />

sonstigen<br />

Pflanzen<br />

haben.<br />

Zum<br />

Beweis liess uns das Mädchen an<br />

verschiedenen Blättern und Pflänzchen<br />

schnuppern, deren Verwandtschaft zu den<br />

einschlägig bekannten Gewürzen auf diese<br />

Weise kaum geleugnet werden konnte. Zum<br />

Schluss erfreuten wir uns noch am Anblick<br />

einiger Exemplare der Seychellen-<br />

Riesenschildkröten, die wir aber am<br />

Originalschauplatz bereits kennen gelernt<br />

hatten.<br />

Seite 20 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch Mittwoch, 27.08.<strong>2003</strong> - Schiffe, Dodos und Pflanzen<br />

Abb: grosse Seerosen im Botanischen Garten (Pamplemousses)<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 21 von 60


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Mittwoch, 27.08.<strong>2003</strong> - Schiffe, Dodos und Pflanzen Ein Reisetagebuch<br />

Gegen 14:00 Uhr fuhren wir dann wieder<br />

zurück Richtung Palmar Beach. Mit den<br />

Strassenverhältnissen und dem<br />

Rechtslenker-Auto kommen wir jetzt<br />

schon recht gut zurecht. Wir fahren<br />

zwar des öfteren noch an Abzweigungen<br />

vorbei, da Vorwegweiser auf <strong>Mauritius</strong><br />

gänzlich unbekannt zu sein scheinen, aber<br />

mit einem U-Turn, sprich einem<br />

Wendemanöver, können wir den Fehler<br />

immer schnell korrigieren. Mann muss<br />

ständig darauf gefasst sein, dass die nächste Abbiegung die richtige ist, um dann in<br />

Sekundenschnelle zu reagieren.<br />

Es ist jetzt gleich 17:30 Uhr und wir fangen an, auf das Abendessen zu warten.<br />

Vielleicht gibt es heute lecker „Red Snapper“? See you later ...<br />

Stop, noch was vergessen! Obwohl wir<br />

weder angemeldet waren noch sonst wie<br />

dazu gehören, haben wir versucht, das St.<br />

Géran – eines der besten und teuersten<br />

Hotels der Welt – zu besichtigen. Mit<br />

unserem hochexklusiven Daewoo wurden<br />

wir natürlich gleich am Tor abgefangen.<br />

Nach einigen Überredungs-versuchen und<br />

Telefonaten des Sicherheits-beamten mit<br />

dem Hotel-Management, durften wir dann<br />

aber doch passieren. Doch welche<br />

Enttäuschung: Das Innere der Anlage ist<br />

sicherlich sehr schön und exklusiv gestaltet,<br />

aber es ist nicht so ausser-gewöhnlich, dass<br />

es uns vom Hocker gerissen hätte. Auch die<br />

vermuteten Reichen und Schönen waren<br />

entweder nicht da oder hatten sich gut<br />

getarnt. Wir konnten keinerlei menschliche<br />

Paradiesvögel entdecken und haben nicht mal<br />

Fotos gemacht. Nun aber wirklich bis morgen<br />

...<br />

Seite 22 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Donnerstag, 28.08.<strong>2003</strong> - Port Louis<br />

Donnerstag, 28.08.<strong>2003</strong> - Port Louis<br />

Heute hatten wir wieder ausreichend Möglichkeiten, unseren U-Turn zu<br />

perfektionieren, denn es ging auf große Tour zu drei wichtigen Stationen an der<br />

Westküste. Zunächst fuhren wir über Centre de Flacq, Quartiere Militaire und Rose<br />

Hill zur Hauptstadt von <strong>Mauritius</strong>, Port Louis. Die verhältnismässig weite Anreise (ca.<br />

40 km) war relativ unproblematisch, da wir nun schon einigermassen mit den<br />

Verkehrsverhältnissen auf <strong>Mauritius</strong> vertraut sind.<br />

Ein Erlebnis für deutsche Autofahrer ist<br />

allerdings die einzig existierende<br />

Autobahn auf <strong>Mauritius</strong>. Ein Beamter des<br />

deutschen Verkehrsministeriums hätte<br />

wahrscheinlich einen Herzinfarkt<br />

bekommen. Jegliches Vehikel, und sei es<br />

noch so langsam, darf selbstverständlich<br />

dort fahren! Insofern kann man alle Nasen<br />

lang Mofas überholen, die auf <strong>Mauritius</strong><br />

sehr beliebt sind. Und siehe da – man<br />

traut kaum seinen mitteleuropäischen<br />

Augen – Radfahrer und Fußgänger überqueren in aller Ruhe die Fahrbahn. Schwere<br />

LKW, die schon bei voller Fahrt mit maximal 40 km/h unterwegs sind, fahren aus dem<br />

Stand und ohne Beschleunigungsspur aus Nebenstrassen auf. Auf der Autobahn<br />

herrscht ein buntes Gemisch aus Schleichern, Dränglern, Touri’s und Normalos. Da die<br />

Geschwindigkeit aber nur selten mehr als 100 km/h beträgt, funktioniert das Ganze<br />

dann doch irgendwie.<br />

Es gibt allerdings ein Phänomen, das wir<br />

umgekehrt schon aus Deutschland kennen:<br />

Die Autos fahren auf der zweispurigen<br />

Richtungsfahrbahn immer schön rechts –<br />

also auf der Überholspur. Wahrscheinlich<br />

handelt es sich um einen Instinkt, den<br />

Menschen weltweit besitzen, egal ob<br />

Links- oder Rechts-verkehrsfahrer. Auf<br />

<strong>Mauritius</strong> erinnern allerdings Schilder den<br />

Permarechtsschleicher alle paar Meter:<br />

„Keep left exept when overtaking“(frei<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 23 von 60


Donnerstag, 28.08.<strong>2003</strong> - Port Louis<br />

<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

übersetzt: Bleib verdammt noch mal links, ausser beim Überholen, wenn es sich nicht<br />

vermeiden lässt!!!).<br />

Gleich am Eingang von Port Louis befindet sich auf der linken, also der Hafenseite das<br />

„Caudan Waterfront“ – ein großes<br />

architektonisches Ensemble, welches<br />

Hotel, Einkaufszentrum, Restaurants und<br />

ein Museum beherbergt. Letzteres war<br />

unser erstes Ziel: Das Blue Penny<br />

Museum, in dem zwei der ganz wenigen<br />

ungestempelten Originale der blauen 2-<br />

Penny und der orangeroten 1-Penny<br />

<strong>Mauritius</strong> (Briefmarke) zu besichtigen<br />

sind. Die blaue ist eine von vier<br />

ungestempelten Exemplaren weltweit und<br />

die orangerote eine von zwölf (glaube<br />

ich). Die 156 Jahre alten Originale sind<br />

aufgrund ihrer Vergänglichkeit aber<br />

jeweils nur 10 Minuten pro Stunde zu<br />

sehen, damit sie länger halten. Pech hat<br />

allerdings der Polizist, der in dem, bis auf die wenigen erleuchteten Schaufensterchen<br />

völlig dunklen Raum Wache schieben muss: Er bleibt zwar ebenfalls länger frisch, wird<br />

aber augentechnisch eher maulwurfmässig unterwegs sein. Wir hatten bei unserem<br />

Besuch ziemliches Glück: Gerade als wir ankamen, begann die 10-minütige<br />

Ausstellungszeit der Originalmarken und so gehörten wir wohl zu den eher seltenen<br />

Besuchern, die mit hängender Zunge die Treppe hinauf zum Ausstellungsraum<br />

stürmten.<br />

Seite 24 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Donnerstag, 28.08.<strong>2003</strong> - Port Louis<br />

Nachdem wir dann die üblichen Souvenir-Einkäufe getätigt hatten – für Carsten gab es<br />

natürlich kein passendes Blue-Penny-Museum-T-Shirt – sahen wir uns im<br />

Einkaufszentrum Caudan Waterfront um.<br />

Besonders interessant war selbst-verständlich<br />

wieder der Souvenir-Bereich, wo es landestypische<br />

Mitbringsel zu kaufen gibt. Unsere besondere<br />

Aufmerksamkeit galt dem Dodo, jenem zuvor<br />

erwähnten, längst ausgestorbenen – aber absolut<br />

<strong>Mauritius</strong>-typischen Vogel. Ein besonders<br />

hübsches Exemplar aus Holz fanden wir nach<br />

einigem Suchen in einem kleinen Eckladen, auf das<br />

es die leeren Stellflächen unserer Schrankwand<br />

verschönern möge.<br />

Danach wollten wir weiter zum Fort<br />

Adelaide, jener auf einem Hochplateau<br />

gelegenen Wehranlage, von der aus man<br />

einen besonders guten Überblick über die<br />

gesamte Hauptstadt haben sollte. Die<br />

Fahrt dorthin durch den Großstadtdschungel<br />

war selbst für uns, die wir<br />

einigermaßen leidgeprüft sind, ziemlich<br />

beschwerlich. Ein undurchdringliches<br />

Netz von Einbahnstraßen sabotierte<br />

jeden Versuch, näher an das Fort heran zu kommen. Zudem machten abartig tiefe<br />

Versenkungen zwischen den Straßenabschnitten, die man selbst mit unserem weiß Gott<br />

nicht tiefergelegten Daewoo nur in schräger Fahrt langsam überqueren konnte, das<br />

Fahren zu einem Ding der Unmöglichkeit. Nachdem mehrere Versuche, dem<br />

Aussichtspunkt näher als 1.000 m zu kommen scheiterten, traten wir den geordneten<br />

Rückzug an.<br />

Weiter ging es zum Eureka-<br />

House-Museum, einer der letzten<br />

erhaltenden Villen im Kolonialstil,<br />

die ein paar Kilometer südlich von<br />

Port Louis liegt. Das Haus selbst<br />

und der große dazugehörende<br />

Garten war ganz nett anzusehen.<br />

Aber das Highlight waren mehere<br />

natürliche Wasserfälle, die sich<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 25 von 60


Donnerstag, 28.08.<strong>2003</strong> - Port Louis<br />

<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

auf dem Anwesen befinden. Nachdem wir den<br />

recht beschwerlichen Weg zu den<br />

Wasserfällen bewältigt hatten, erwartete uns<br />

eine Holzbrücke, die offensichtlich auch<br />

schon bessere Tage erlebt hatte. Allein die<br />

Brücke zu überqueren, war bereits eine<br />

wacklige Angelegenheit. Als aber Carsten<br />

hinter mir noch zusätzlich darauf trat,<br />

wünschte ich mir zumindest ein Geländer, um<br />

nicht ungewollt in den Fluss zu stürzen. Doch<br />

welch’ Wunder, wir kamen ohne grössere<br />

Verluste auf der anderen Seite an. Dort nahm<br />

uns eine staatlich geprüfte Führerin in<br />

Empfang, die uns anbot, die<br />

Wasserfälle aus der Nähe zu<br />

betrachten. Nichts Böses ahnend,<br />

nahmen wir das Angebot freudig an.<br />

Was uns dann erwartete, war ein<br />

Gewaltmarsch über Stock und Stein, den<br />

weniger junge und nur zart besaitete Knochen<br />

wahrscheinlich nicht überstanden hätten. Wir<br />

mussten uns laufend die Frage stellen, wie die<br />

durchaus häufig vorkommenden älteren<br />

Touristen diese Tortour überstehen konnten,<br />

ohne irgendwo weinend am Wegesrand<br />

zusammen zu brechen. Da wir aber hart im<br />

Nehmen sind, erreichten wir jeweils kurz<br />

nach unserer persönlichen Wasserfall-<br />

Führerin die Meilensteine der Tour. Dabei<br />

gelang es uns sogar, zwischendurch das eine<br />

oder andere Foto zu schießen, was angesichts<br />

des Tempos wahrscheinlich nicht unbedingt<br />

im Programm vorgesehen war.<br />

Seite 26 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Donnerstag, 28.08.<strong>2003</strong> - Port Louis<br />

Nachdem wir auch das überstanden hatten – angesichts der Hitze kein Pappenstiel –<br />

fuhren wir nochmals nach Pamplemousses, das wir bereits gestern aufgesucht hatten.<br />

Diesmal war unser Ziel allerdings nicht der Botanische<br />

Garten, sondern eine nachgebaute Zuckerfabrik. Da<br />

Zuckerrohr die am häufigsten angebaute Pflanze auf der<br />

Insel ist und dessen überragend grosse Felder uns auf<br />

allen unseren Wegen begleitet hatten, wollten wir der<br />

Bedeutung derselben auf diese Weise Tribut zollen. Der<br />

ganze Entstehungs- und Verarbeitungsprozess war aber<br />

nur mässig interessant, zumal er ausschliesslich in<br />

englisch und französisch und mit vielen Fach-begriffen<br />

versehen<br />

war, die für<br />

uns recht<br />

schwierig<br />

zu verstehen waren. Interessanter kam<br />

dann schon die Verkostung am Ende des<br />

Rundganges daher. Als in diesen Dingen<br />

eher unterbemittelter, europäischer<br />

Zucker-ignorant war es erstaunlich zu<br />

erfahren, dass es so viele unterschiedlich<br />

schmeckende Zuckerarten gibt. Neben<br />

seiner hauptsächlichen Eigenschaft – süß<br />

zu sein – kann er zum Beispiel rauchig oder nach Lakritz schmecken. Und weiss ist<br />

Zucker in der Naturform eigentlich auch nicht, sondern eher braun bis gelb-<br />

/goldbraun. Was sagt man dazu ?!<br />

Da wir uns nun derartig gebildet hatten, machten wir uns zurück auf den Weg zum<br />

Hotel. Die kleinen Fallen, die auf der Strecke eingebaut waren, nahmen wir angesichts<br />

unserer gestrigen Erfahrungen natürlich mit Leichtigkeit. Alles in allem war es ein sehr<br />

anstrengender, aber auch sehr schöner Tag. Jetzt werden wir noch unserer<br />

Abendessen geniessen und dann müde ins Bett fallen. Bis morgen …<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 27 von 60


Freitag, 29.08.<strong>2003</strong> - Sega<br />

<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Freitag, 29.08.<strong>2003</strong> - Sega<br />

Trotz Regen am frühen Vormittag, entschieden wir uns<br />

aufgrund des anstrengenden gestrigen Tages, einen Strandtag<br />

einzulegen. Für solche Gelegenheiten habe ich uns acht<br />

Agatha-Christie-Romane mitgenommen, die sich vortrefflich<br />

am Strand lesen lassen. Nachdem sich dann am späten<br />

Vormittag die Sonne wieder durchgesetzt hatte, konnten wir<br />

den Tag so<br />

richtig geniessen.<br />

Schön entspannt<br />

in der Liege<br />

relaxen – ein<br />

kühles Lüftchen sorgt dafür, dass die<br />

Sonne nicht so heiss brennt – in ein paar<br />

Meter Entfernung rollen die durch das<br />

Korallenriff gebrochenen Mini-Wellen<br />

sanft an den Strand und Agatha unterhält<br />

einen prächtig. Ja – so lässt es sich leben.<br />

In der Annahme, der Tag würde ohne große Aufregung zu Ende gehen, gingen wir zum<br />

Abendessen. Doch weit gefehlt! Um 21:00 Uhr begann eine Sega-Dance-Gruppe ihr<br />

Programm (in Mitteleuropa würden wir Bauchtanz dazu sagen). Als sich die Vorführung<br />

fast dem Ende näherte, kam die grosse Überraschung für uns: Gemeinsam mit einigen<br />

anderen Gästen wurden wir zum Mitmachen auf die Tanzfläche geholt. Nun muss man<br />

wissen, dass die mauritanische Version des<br />

Bauchtanzes mit vollem Körpereinsatz getanzt<br />

wird, also auf die Knie und Schunkel-Tanz<br />

hintenüber gelehnt, bis der Kopf den Boden<br />

berührt! Diese Übung ist absolut effizient für alle,<br />

die ihre Bauchmuskeln extrem trainieren möchten<br />

– und deren Kniescheiben aus Gummi sind. Für uns<br />

Laientänzer war es eher eine ziemliche Tortur, die<br />

darin gipfelte, dass ich einen Lachanfall bekam und<br />

Carsten mir wieder auf die Beine helfen musste.<br />

Die Bewegungen im Stehen waren da schon<br />

einfacher. Uns als geübten Discogängern fiel es<br />

umso einfacher, ausgelassen mit den Hüften zu<br />

wackeln. Die Länge des Songs – es musste sich<br />

offenbar um die Maxi-Version handeln – trieb uns<br />

Seite 28 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Freitag, 29.08.<strong>2003</strong> - Sega<br />

dann allerdings doch die Schweissperlen auf die Stirn. Um so erleichterter waren wir,<br />

als der Sänger dann endlich<br />

Erbarmen mit uns hatte und sein<br />

Liedchen zu Ende brachte. Noch nie<br />

waren wir so froh, dass ein<br />

Unterhaltungsprogramm vorbei war.<br />

Mit dem Applaus der glücklichen<br />

Urlauber, an denen diese Strapaze<br />

vorübergegangen war, wurden wir<br />

dann wieder auf unsere Plätze<br />

verabschiedet. Mit einem leicht<br />

gequälten Stöhnen sanken wir auf<br />

unsere Stühle, um noch den Rest<br />

unseres Cocktails auszuschlürfen.<br />

Als auch das erledigt war, schleppten wir uns mehr schlecht als recht in unser Zimmer,<br />

voller Hochachtung für die Tänzerinnen und Tänzer, die dieses Programm in<br />

ausgeprägter Form zuvor ca. 45 Minuten durchhalten mussten. Vor die endgültige<br />

Erholung in unserem Bett hatte der<br />

Architekt der Anlage aber noch<br />

eine längere Treppe zur oberen<br />

Etage gesetzt. In diesem Moment<br />

hätten wir wohl lieber auf die<br />

„Schöner-Wohnen“-Zimmer von<br />

Thomas Cook verzichtet und statt<br />

dessen die Neckermann-Zimmer im<br />

Erdgeschoss vorgezogen. Mittler<br />

Weile haben wir auch die letzte<br />

Hürde geschafft und fallen nun<br />

todmüde ins Bett. Auf ein Neues …<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 29 von 60


Samstag, 30.08.<strong>2003</strong> - Im Süden<br />

<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Samstag, 30.08.<strong>2003</strong> - Im Süden<br />

Am heutigen Samstag stand die südliche<br />

Inselumrundung per Mietwagen auf dem<br />

Programm. Los ging es gegen 10:00 Uhr<br />

über die B59 gen Süden. Trou d’Eau Douce<br />

und Beau Champ waren die ersten<br />

Stationen, wo wir gleich das Public Ferry<br />

Boat für unsere Passage zur Ile aux Cerfs<br />

auskundschafteten. Weiter ging es dann<br />

über „anciennes batteries francaises“<br />

nach Mahébourg .<br />

Als wir dieses verkehrstechnisch ziemlich nervige<br />

Städtchen hinter uns gelassen hatten, lag der Süden<br />

der Insel vor uns. Über L’ Escalier und Rivière des<br />

Anguilles erreichten wir schliesslich den südlichsten<br />

Punkt der Insel: Souillac. Man muss an dieser Stelle<br />

erwähnen, dass die bis dahin zurückgelegte Strecke<br />

gar nicht mal so lang (vielleicht ca. 60 km), aber sehr<br />

anstrengend war. Insbesondere die vielen<br />

Ortsdurchfahrten mit ihren manchmal recht<br />

interessanten Namen (übersetzt z.B.: „Zwei Brüder“,<br />

„Vier Schwestern“ usw.) forderten unsere ganze<br />

Aufmerksamkeit. Grundsätzlich musste man in jedem<br />

Moment damit rechnen, dass einem Fußgänger oder<br />

die bereits erwähnten Straßenköter in den Weg<br />

liefen, sich Türen von geparkten Autos öffneten, der<br />

Gegenverkehr in unsere Spur fuhr oder urplötzlich Fahrzeuge aus Nebenstrassen auf<br />

unsere Straße einbogen. Und das natürlich ganz egal, ob etwas kommt oder nicht!<br />

Wozu haben die anderen denn Hupe und Bremse – die übrigens wichtigsten Auto-<br />

Utensilien auf <strong>Mauritius</strong>. Kurz und gut: Es konnte jederzeit etwas von vorn, hinten oder<br />

seitwärts auftauchen, was uns das Leben schwer machen wollte. Gott sei Dank haben<br />

die Mauritier die Dritte Dimension im Straßenverkehr noch nicht für sich entdeckt, so<br />

dass uns zumindest von oben nichts in die Quere kam.<br />

Was ich eigentlich damit sagen wollte: Wir waren nach einem Drittel der Strecke<br />

schon ziemlich geschlaucht, zumal das ausgesprochen schöne Wetter seinen (Hitze-)<br />

Teil dazu beitrug. Aber was dann kam, schlug dem Fass den Boden aus:<br />

Seite 30 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Samstag, 30.08.<strong>2003</strong> - Im Süden<br />

Wir hatten uns – leider – dazu entschlossen, den Rochester<br />

Falls (Wasserfälle) bei Surinam einen Besuch abzustatten.<br />

Auf der Karte sah der Weg dorthin auch ganz normal aus,<br />

aber in der Realität fuhren wir kilometerweit über einen<br />

huckeligen Pfad mitten durch ein endloses Zuckerrohrfeld.<br />

Nun war es nicht so, dass uns die unmittelbare Nähe dieser<br />

Pflanzen<br />

sonderlich<br />

beeindruckt<br />

hätte, denn man<br />

muss wissen,<br />

dass ca. 40 % der gesamten Inselfläche<br />

von <strong>Mauritius</strong> mit Zuckerrohr-feldern<br />

bedeckt ist und wir bei unseren<br />

bisherigen Fahrten schon an ungeheuer<br />

vielen Plantagen mehr oder weniger nah<br />

vorbei gekommen sind. Und nun das:<br />

Weit und breit nichts als Zuckerrohr und Feldweg und wir mit unserem eher straff<br />

gefederten Daewoo mittendrin.<br />

Nachdem wir schon gar nicht<br />

mehr damit gerechnet hatten,<br />

stiessen wir an einer steil<br />

abfallenden Weggabelung auf<br />

einen Einheimischen. Wir<br />

nutzten die Gelegenheit, um<br />

nach dem Weg zu fragen, denn<br />

wie immer war auch in unserem<br />

Zuckerrohrfeld die Beschilderung äusserst spärlich.<br />

Man fühlte sich hier eher an einen Irrgarten<br />

erinnert. Da Zuckerrohr etwa 2 bis 3 Meter hoch<br />

wächst, sollte man es tunlichst vermeiden, die<br />

Orientierung zu verlieren, sonst muss man unter<br />

Umständen auf die nächste Ernte warten, eher man<br />

den Ausweg findet. Wie sich später herausstellte,<br />

hatte dieser hoffnungsbringende Mensch in dieser<br />

Einöde aber bereits auf uns gewartet, den er bot sich<br />

als Führer zu den Wasserfällen an. Zum Ensemble<br />

gehörten noch zwei weitere Mauritier, die nun schnell<br />

vorrennen mussten. Allerdings nicht um Wasser in die<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 31 von 60


Samstag, 30.08.<strong>2003</strong> - Im Süden<br />

<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Wasserfälle einzufüllen, sondern um wagemutig von den steilen Klippen hinunter in die<br />

Gischt zu springen. Und das<br />

alles, damit wir ein besonderes<br />

Motiv für unsere Fotos<br />

bekamen. Ob solche Menschen<br />

heute in Deutschland wohl noch<br />

in eine Unfallversicherung<br />

aufgenommen würden?! Leider<br />

stellte sich wenig später<br />

heraus, dass wir in diesem Fall<br />

die Versicherung sein sollten,<br />

denn die Herrschaften wollten Geld für ihre waghalsigen Sprünge sehen. Schöner Mist.<br />

Wir haben sie dann mit 40<br />

Rupien (1,60 €) abgespeist<br />

und hofften, dass sie sich<br />

möglichst schnell verzogen.<br />

Leider murrten sie<br />

angesichts der „Höhe“ der<br />

Bezahlung erst noch rum –<br />

aber wir sind schliesslich<br />

nicht die Heilsarmee.<br />

Nachdem wir gemeinsam mit<br />

unserem Führer die obligatorischen Fotos am Wasserfall geschossen hatten und diesen<br />

ebenfalls mit einem, unserer Meinung nach, nicht zu knappen Trinkgeld abgefunden<br />

hatten, machten wir uns wieder auf den Weg zurück in die Zivilisation. Leider handelte<br />

es sich um den gleichen, den wir auch gekommen waren.<br />

Nachdem wir die Federung unseres<br />

Mietwagens nun einem Härtetest<br />

unterzogen hatten (Dresdens alte<br />

Buckelpisten waren die reinste Erholung<br />

dagegen), fuhren wir weiter auf der B9<br />

über Belle Ombre nach Baie du Cap.<br />

Zwischenzeitlich machten wir noch am<br />

Pointe aux Roches Station. Dieser<br />

Küstenfleck war für uns insofern<br />

interessant, als das an diesem offenbar<br />

kein Korallenriff vorgelagert ist und die<br />

Wellen daher erst am Ufer brachen. Das erledigten diese natürlich um so stärker, da<br />

sie hier ungebremst heranrollen konnten. Für uns gab das ein paar schöne, für die<br />

mauritianische Küste eher ungewöhnliche Fotos, die wir so nur von den Seychellen<br />

kannten.<br />

Seite 32 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Samstag, 30.08.<strong>2003</strong> - Im Süden<br />

In Baie du Cap schlugen wir dann<br />

ahnungslos die Abzweigung rechts nach<br />

Chamarel ein, wo wir einen weiteren<br />

Wasserfall und die berühmte farbige<br />

Erde besichtigen wollten. Doch oh Graus:<br />

Die Karte hatte ein weiteres Mal stark<br />

übertrieben und eine Strasse als relativ<br />

erschlossen ausgewiesen, die sich in<br />

Wirklichkeit als fast unbefahrbar erwies.<br />

Sicherlich war dieser Weg mal<br />

irgendwann geteert worden, aber seitdem<br />

waren unzählige Zuckerrohrpflanzen von den schweren LKW auf ihn gefallen und liegen<br />

geblieben, so das die einmal befestigte Strasse nur noch an einigen Flecken zu erahnen<br />

war. Zu unserer ganz besonderen Freude ging es zudem noch steil in Serpentinen<br />

bergauf, so dass dieses Teilstück unserer Inselrundfahrt zu einer Abenteuer-Tour<br />

wurde.<br />

Nachdem wir nun eigentlich schon gar nicht mehr viel Positives erwarteten<br />

(wahrscheinlich würden sich an den Sehenswürdigkeiten wieder geldgierige Tour-<br />

Guides auf uns stürzen), überraschte uns die Touristikanlage Chamarel auf das<br />

Angenehmste: Erstens begann kurz davor<br />

wieder eine normale, bestens asphaltierte<br />

Strasse und zweitens wurden wir nur<br />

einmal – und diesmal ganz offiziell – an der<br />

Einfahrt zum Park abkassiert. Wie sich<br />

ausserdem herausstellte, sind die<br />

„Cascade Chamarel“ ohnehin die<br />

sehenswerteren Wasserfälle, da es sich<br />

hier um die grösssten der Insel handelt.<br />

Besonders beeindruckend war dann auch<br />

die sogenannte „farbige Erde“, die sich in<br />

sanften Hügeln über ein weites Areal<br />

erstreckt und in insgesamt sieben<br />

verschiedenen Farben leuchtet. Man<br />

glaubt kaum, zu welch schönem,<br />

eigentlich unnatürlich anmutendem<br />

Phänomen die Natur so fähig ist. Das<br />

Ganze ist übrigens vulkanischen<br />

Ursprungs. Selbstverständlich liessen<br />

wir uns im obligatorischen Souvenirshop<br />

eine authentische Bodenprobe<br />

einpacken.<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 33 von 60


Samstag, 30.08.<strong>2003</strong> - Im Süden<br />

<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Weiter ging es dann über eine Serpentinenstrasse zur Westküste und von Case Noyale<br />

aus nordwärts an der Küste entlang Richtung Port Louis. Bei Quatre Bornes fanden wir<br />

uns auf der bereits wohl bekannten A7 ein, die uns über Quartier Militaire nach Flacq<br />

führte, wo sich der Kreis wieder an der Ostküste schloss.<br />

Selten haben wir eine so anstrengende Rundreise erlebt und freuen uns nun auf unser<br />

abendliches Barbeque im Hotel. Falls der Abend heute ohne besondere Highlights<br />

ausklingen sollte, bis morgen ...<br />

Aufgrund seiner enormen Wichtigkeit für <strong>Mauritius</strong>, hier unsere ganz<br />

persönlichen Erfahrungen mit dem Zuckerrohr:<br />

Wie uns ein Einheimischer auf einem unserer Ausflüge zeigte, sitzt bei der<br />

Zuckerrohrpflanze der eigentliche Stoff im verholzten Teil des Stiels, also je jünger<br />

die Pflanze, desto weiter unten. Wenn man einigermaßen Ahnung hat, und den Stiel<br />

nach einer Kerbung geschickt zusammenknickt, kann man der Pflanze ihre saftige<br />

„Frucht“ entlocken. Es handelt sich dabei um einen sehr süssen, klebrigen Saft, den<br />

man bedenkenlos sofort konsumieren kann.<br />

Sollte man kein geeignetes Gefäss dabei haben, tut es – wie bei uns – auch die<br />

hohle Hand. Man sollte sich vorher allerdings gut überlegen, was man danach noch<br />

alles zu erledigen gedenkt, bis man die nächste Wasserquelle zum säubern der<br />

Hände erreicht. Wenn man so gedankenlos herangeht wie wir und unmittelbar<br />

danach noch ein paar Fotos schiessen will, dann kann es leider passieren, dass man<br />

am Auslöser kleben bleibt. Aber was sind solchen Kleinigkeiten im Vergleich zu dem<br />

einmaligen Erlebnis, Zuckerrohr direkt vom Feld gekostet zu haben.<br />

Es gibt natürlich noch eine andere Möglichkeit, die Pflanze zu probieren. Nämlich,<br />

wenn man überhaupt keine Ahnung hat. Uns wiederfuhr diese Variante gleich an<br />

einem unserer ersten Tage auf <strong>Mauritius</strong>. Von Zuckerrohr-Kenntnissen völlig<br />

unbelastet, fuhren wir auf das erstbeste Feld, auf dem man abseits der Strasse<br />

anhalten konnte. Wir hatten nur eine ungefähre Ahnung, dass das Süsse an der<br />

Pflanze irgend etwas in ihrem Inneren sein musste.<br />

Also brachen wir einen prächtigen Stängel ab, der – Eingeweihte aufgepasst!!! –<br />

noch keinerlei holzige Stellen besaß. Diesen entblätterten wir nun auf Zwiebelart. Wir<br />

blätterten und blätterten und blätterten. Aber nichts aufregendes, was sich zu kosten<br />

lohnte, kam zum Vorschein. Als nur noch ein vielleicht 5 mm dickes Stengelchen<br />

übrig geblieben war, entschieden wir, nun endlich mit dem Probieren zu beginnen,<br />

denn viel konnte ja nicht mehr kommen. Also bissen wir jeder zaghaft ein Stück von<br />

dem Grün-Stengel ab und wunderten uns, dass dieser – genau genommen – nach<br />

gar nichts schmeckte, ausser ganz allgemein nach Pflanze. Mit der Erkenntnis, dass<br />

sich das Geheimnis des Zuckerrohrs wohl nur Einheimischen erschliesst, zogen wir<br />

unverrichteter Dinge von dannen. Erst Tage später erfuhren wir dann des Rätsels<br />

Lösung (siehe oben).<br />

Wie schön für uns, dass der ungeniessbare Teil der Zuckerrohr-Pflanze nicht auch<br />

noch giftig ist ...<br />

Seite 34 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Sonntag, 31.08.<strong>2003</strong> - Supermarché<br />

Sonntag, 31.08.<strong>2003</strong> - Supermarché<br />

Um den einheimischen Menschenmassen<br />

zu entgehen, die sich am heutigen Sonntag<br />

an den Stränden versammeln würden,<br />

fuhren wir nochmals gen Norden nach<br />

Grand Baie. Dort wollten wir einen Under-<br />

Sea-Walk (also einen Unterwasserspaziergang)<br />

erleben, bei dem man<br />

– der Name lässt es erahnen – auf dem<br />

Meeresgrund umherspaziert. Das ganze<br />

funktioniert mittels luftgefülltem und<br />

über einen Schlauch ständig versorgten<br />

Helm, einem Bleigürtel und Gummischuhen<br />

in humanen 3 bis 4 Meter Tiefe, so dass der Druckausgleich noch kein wesentliches<br />

Problem ist. Ganz billig ist der Spass allerdings auch nicht. Für 30 Minuten löhnt man<br />

ca. 30,- Eur pro Nase. Leider war man am Sonntag bei Captain Nemo’s Undersea-<br />

Walking auf Spontanentschlossene, wie uns, nicht eingerichtet und konnte uns eine<br />

Tour frühestens morgen anbieten. Da wir am Montag aber nun endlich die<br />

Schnorchelgebiete der Insel Ile aux Cerfs erobern wollten, zogen wir ohne Undersea-<br />

Walk wieder ab. Für den Fall, dass wir im Laufe der Woche die Lust am Schnorcheln<br />

verlieren sollten, können wir es ja dann noch mal probieren. Andernfalls versprechen<br />

wir uns vom Schnorcheln ohnehin mehr.<br />

Also ging es weiter zum Blue Safari Submarine – einem Unterseebot, das einem eine<br />

sicherlich prächtigere Unterwasserwelt präsentieren konnte, als wir sie bereits auf<br />

Gran Canaria im letzten Jahr gesehen hatten. Aber auch dort waren wir offensichtlich<br />

zu kurz entschlossen, da für den heutigen Tag bereits alles ausgebucht war. Da<br />

Carsten aber unbedingt mitfahren möchte, reservieren wir Dienstag, 11:30 Uhr vor.<br />

Dann kam das eigentlich Spassige: Das Vergnügen sollte für uns beide 5.000,- Rupien<br />

(in Worten: fünftausend) also ca. 200,- Eur für zwei Stunden kosten. Davon allerdings<br />

eine Stunde auf dem Zubringer-Schnellboot (über Wasser) und der Rest dann im U-<br />

Boot. Nachdem wir uns zunächst gegenseitig versichert hatten, dass dies die letzte<br />

größere Ausgabe in unserem <strong>Mauritius</strong>-Urlaub sein würde, machten wir den Deal. Mit<br />

einer 200,- Eur – Motivation ausgestattet, wird es uns am Dienstagmorgen hoffentlich<br />

gelingen, pünktlich aus dem Bett zu kommen.<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 35 von 60


Sonntag, 31.08.<strong>2003</strong> - Supermarché<br />

<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Abb: Bucht im Norden von <strong>Mauritius</strong> (Grand Baie)<br />

Seite 36 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Sonntag, 31.08.<strong>2003</strong> - Supermarché<br />

Nachdem unser Besuch in Grand Baie so<br />

überaus erfolg- und erlebnislos verlaufen<br />

war, fuhren wir wieder gen Süden, um uns<br />

bei Curepipe einen – Gott sei Dank<br />

erloschenen – Vulkankrater mit dem<br />

schönen Namen Trou aux Cerfs anzusehen.<br />

Überraschender Weise gelang es uns, den<br />

wahrscheinlich kompliziertesten<br />

Anfahrtsweg hin zum und hinauf auf den<br />

Berg auszuwählen. Von oben aus<br />

betrachtet, entbehrte unsere Fahrstrecke wohl schon<br />

einiger Geradlinigkeit. Zumal es einen recht simplen,<br />

kurzen Weg gab, wie wir auf der Rückfahrt später<br />

feststellen konnten. Aber der ist nur etwas für<br />

verweichlichte Neuankömmlinge – wir waren schliesslich<br />

nach einer Woche bereits Profi-Touri’s! Oben auf dem<br />

Berg erwar-tete uns ein Hochplateau mit einem dicht<br />

bewachsenen<br />

Krater, in<br />

dessen Mitte<br />

alibimässig<br />

noch ein<br />

kleiner See prangte, sonst hätte<br />

wahrscheinlich schon kein Mensch mehr<br />

geglaubt, dass es sich um einen<br />

ehemaligen Vulkan handelt. Auf jeden Fall<br />

kam der hervorragende Rundblick aus<br />

dieser Höhe ein paar schönen Fotos zu<br />

Gute.<br />

Zurück auf der Autobahn wollten wir noch dem<br />

Supermarkt einen Besuch abstatten, den wir auf den<br />

Hinfahrt direkt an der Strecke entdeckt hatten, und<br />

dessen riesiger Parkplatz einen – für einen Sonntag –<br />

überaus belebten Eindruck machte. Und tatsächlich!<br />

Wir in dieser Beziehung leidgeprüften Deutschen<br />

durften die freudige Erfahrung machen, das dieser<br />

Einkaufstempel tatsächlich 365 Tage im Jahr geöffnet<br />

hat, auch an Sonn- und Feiertagen! Für mauritianische<br />

und eigentlich auch für deutsche Verhältnisse war er<br />

riesig in seinen Ausmassen. Es ging dort zu, wie auf<br />

einem Rummelplatz. Die Hindu- und die moslemische<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 37 von 60


Sonntag, 31.08.<strong>2003</strong> - Supermarché<br />

<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Kirche haben im Gegensatz zu unserer katholischen offensichtlich nichts dagegen, dass<br />

ihre Schäflein mit der gesamten Familienbande ihren Sonntag dem schnöden Mammon<br />

widmen. Und dabei ist fast die gesamte mauritianische Bevölkerung 10 x gläubiger als<br />

die Menschen in Deutschland.<br />

Auch wir stürzten uns in das allgemeine<br />

Einkaufs-Getummel. Dabei konnten wir<br />

noch eine interessante Erfahrung machen:<br />

Einkaufswagen auf <strong>Mauritius</strong> sind, im<br />

Gegensatz zu ihren simplen Drahtgestell-<br />

Brüdern in Europa, voll<br />

kunststoffverkleidet – quasi der Formel-<br />

1-Bolide unter den Einkaufswagen. Das<br />

verleiht ihnen die lustige Eigenschaft,<br />

dass sie den relativ starken Winden auf<br />

<strong>Mauritius</strong> genug Angriffsfläche bieten, um<br />

auf dem gut gefüllten Parkplatz ein reges<br />

Eigenleben zu entwickeln. Wir sahen mit Erstaunen einen solch lustigen Gesellen mit<br />

zunehmender Geschwindigkeit an uns vorbeirollen, geradewegs auf eine Reihe<br />

parkender Autos zu. Da wir als gute<br />

Deutsche natürlich grundsätzlich<br />

Autofreunde sind, entschlossen wir uns,<br />

einem der spärlich vertretenen BMW<br />

eine unschöne Delle in Form eines<br />

Einkaufswagens zu ersparen, und<br />

stoppten ihn per Hand. Da wir aber<br />

nicht jederzeit und an jedem Punkt<br />

den Parkplatz-Schutzengel geben<br />

konnten, haben die KfZ-Werkstätten<br />

auf <strong>Mauritius</strong> nach so einem<br />

Einkaufssonntag bestimmt immer gut zu<br />

tun.<br />

Mit dem Brathähnchen, das wir nebenbei in dem Supermarkt erstanden hatten,<br />

machten wir uns dann auf den Heimweg zum Palmar Beach Hotel.<br />

Bis morgen ...<br />

Seite 38 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Montag, 01.09.<strong>2003</strong> - Ile aux Cerfs<br />

Montag, 01.09.<strong>2003</strong> - Ile aux Cerfs<br />

Die Ile aux Cerfs war unser heutiges Ziel. Es handelt sich dabei um eine kleine<br />

unbewohnte Insel, die gemeinsam mit ihrer noch kleineren Schwester Ilot Mangenie<br />

vor der Ostküste von <strong>Mauritius</strong> bei Trou d’Eau Douce liegt.<br />

Zunächst machten wir uns auf die Suche<br />

nach dem Public Ferry Boat (Öffentliche<br />

Personenfähre), das laut Reiseführer im<br />

Vergleich zu den vielen privaten Ferry-<br />

Booten halbwegs preiswert die Passage<br />

zur Insel anbieten sollte (80,- Rupien pro<br />

Person). Als wir den Ticket-Counter<br />

gefunden hatten, stellten wir fest, dass<br />

die Inflation auch vor dem Public Ferry<br />

Boat nicht halt gemacht hatte. Schlappe<br />

200.- Rupien kostete die Überfahrt in<br />

einer altersschwachen Nussschale inzwischen. Naja – was soll’s. Wir mussten ja<br />

irgendwie rüber und wieder zurück, also in Summe 400,- Rupien (ca. 16,- Eur p.P.).<br />

Dafür bot sich uns unvermuteter Weise noch ein Unterhaltungsprogramm – quasi all<br />

inclusive.<br />

Eine lärmende Reisegruppe – dem<br />

Aussehen nach wahrscheinlich aus Japan –<br />

hatte nämlich ebenfalls die Absicht, mit<br />

unserer Nussschale überzusetzen. Wir<br />

wählten, wie sich später herausstellte,<br />

einen strategisch günstigen Platz im<br />

hinteren Teil des Bootes aus. Da es wie<br />

immer an der Ostküste ziemlich windig<br />

war, hatte das voll besetzte Boot einige<br />

Mühe, gegen die Wellen anzukämpfen. Es<br />

schaukelte ordentlich und jede größere<br />

Welle ergoss sich wie ein Sturzbach über das Boot. Das gab natürlich jedes Mal ein<br />

großes „Hallo“ von den Japanern, insbesondere von denen, die vorne saßen. Diese<br />

bedauernswerten Geschöpfe waren bei unserer Ankunft dann auch klatschnass. Bei uns<br />

beiden beschränkten sich die Verluste glücklicherweise auf nasse Brillengläser und<br />

feuchte T-Shirt Ärmel.<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 39 von 60


Montag, 01.09.<strong>2003</strong> - Ile aux Cerfs<br />

<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Kurz vor Ankunft des Bootes gab es dann noch ein<br />

Problem, dass so wohl vor allem Japanern passiert:<br />

Einer der Asiaten stand auf, um zu fotografieren<br />

(was sonst!) – und schwups, hatte sich der Wind<br />

sein Basecap gegriffen und ins Meer befördert.<br />

Natürlich gab es sofort ein großes Geschreie und<br />

Gelache im Boot. Es ist schon erstaunlich, mit<br />

welch’ einfachen Mitteln Menschen zu begeistern<br />

sind. Da der Bootsführer Mitleid mit dem<br />

Entblössten hatte, drehte er bei und der Unglücksrabe konnte seine Kappe aus dem<br />

Ozean fischen.<br />

Nach ungefähr einer halben Stunde<br />

waren wir dann endlich da. In der<br />

Hoffnung, jetzt endlich unsere neue<br />

Schnorchelausrüstung ausgiebig<br />

einweihen zu können, stürmten wir zum<br />

nächsten Strand. Die Unterwasserwelt<br />

der Küste von Ile aux Cerfs erwies sich<br />

leider als erstaunlich ereignislos. Außer<br />

ein paar Seeigeln, die ich auf Grund<br />

meiner schlechten Erfahrungen auf den<br />

Seychellen möglichst mied, war kein<br />

Getier zu entdecken. Also müssen wir wohl doch lieber noch einmal den Strand von<br />

Belle Mare bei uns am Hotel ausprobieren.<br />

Nach einem Rundgang über die Insel, der<br />

Ruckzuck absolviert war, ließen wir uns zu<br />

einem kleinen, aber sehr leckeren Imbiss<br />

im Strandrestaurant nieder, das vom<br />

gegenüber auf dem Festland liegenden<br />

Luxus-Hotel „Le Touessrok“<br />

bewirtschaftet wird. Gegen 15:00 Uhr<br />

traten wir dann die Rückfahrt in unserer<br />

Nussschale an. Unvernünftigerweise<br />

machten wir diesmal aber den Fehler, uns<br />

vorn hinzusetzen. Insofern gehörten wir<br />

dann leider zu den tragischen Gestalten, die nicht nur klamottentechnisch durchnässt<br />

waren, sondern auch mit feuchtem Handgepäck den Rückweg ins Hotel antreten<br />

durften.<br />

See you tomorrow ...<br />

Seite 40 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch Dienstag, 02.09.<strong>2003</strong> – U-Boot ahoi !!!<br />

Dienstag, 02.09.<strong>2003</strong> – U-Boot ahoi !!!<br />

Pünktlich 09:30 Uhr ging es nach dem Frühstück los nach<br />

Grand Baie im Norden von <strong>Mauritius</strong>. Schliesslich stand<br />

heute unsere sauteure U-Boot-Fahrt auf dem Programm.<br />

Natürlich waren wir viel zu früh da und vertrieben uns die<br />

Zeit damit, noch ein paar Fotos von Zuckerrohrfeldern und<br />

von Grand Baie selbst zu schießen. Als es endlich 11:30 Uhr<br />

war, fanden wir<br />

uns am Treffpunkt<br />

vor dem<br />

Hotel „Coralia<br />

Mont Choisy“<br />

ein. Zunächst wurden wir von der<br />

Reiseleiterin wohlweisslich noch einmal auf<br />

Toilette geschickt, denn im Boot müsste<br />

man seine Notdurft sonst schon<br />

ausschwitzen. Als alle ihr Geschäft<br />

erledigt und ihre Namen für’s spätere<br />

Zertifikat buchstabiert hatten, begann das Abenteuer.<br />

Die erste Etappe bildete eine Speedboat-<br />

Fahrt zum sogenannten Mutterschiff<br />

„Betty“. Das ging dann schon etwas<br />

rasanter, als die Public-Ferry-Nussschale<br />

vor der Ile aux Cerfs. Zumal die<br />

insgesamt 9 Hanseln plus Besatzung<br />

gegenüber einer 30-köpfigen, japanischen<br />

Reisegruppe eher untergewichtig sind.<br />

eines der U-Boote<br />

Draussen auf See ging ein ziemlich<br />

starker Wind und der Wellengang war<br />

entsprechend hoch. Bei diesen<br />

Verhältnissen war es dann für den<br />

Bootsführer keine leichte Aufgabe, unser<br />

Speedboat backbordseitig „anzudocken“.<br />

Doch auch uns Passagieren wurde ein<br />

gutes Stück Abenteuerlust abverlangt,<br />

als es darum ging, bei heftigster<br />

Schaukelei vom Speedboat auf die<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 41 von 60


Dienstag, 02.09.<strong>2003</strong> – U-Boot ahoi !!!<br />

<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

„Betty“ umzusteigen. Und zwar ganz ohne Netz und doppelten Boden! Man kam sich<br />

fast wie im Actionfilm vor, wo Stuntmen bei hohen Geschwindigkeiten versuchen, ihre<br />

Transportmittel zu wechseln.<br />

Erschwerend kam hinzu, dass unser<br />

Speedboat durch den starken Seegang<br />

immer wieder ein Stück von der „Betty“<br />

abkam, so dass man schon einen größeren<br />

Ausfallschritt brauchte, um die Seiten zu<br />

wechseln. Carsten und ich gingen als erste.<br />

Bei Carsten ging es noch einigermassen<br />

gut und er kam glimpflich auf der „Betty“<br />

an. Doch just in dem Moment, als ich<br />

rübersteigen wollte, wurde der Wind<br />

wieder so stark, dass sich das Speedboat zu weit vom Mutterschiff entfernte und ich<br />

die Hände der Helfer wieder loslassen musste. Andernfalls hätte sich mindestens einer<br />

von uns Dreien im Wasser wiedergefunden. Das Bad an sich wäre wohl nicht das<br />

Schlimmste, aber die „Betty“ und das Speedboat hätten den Unglücklichen wie eine<br />

Briefmarke in die Zange genommen. Doch schon beim zweiten Versuch klappte es dann<br />

und mit einem kräftigen Satz und zwei paar kräftigen Armen hatte ich den Abgrund<br />

überwunden.<br />

Als auch die restlichen Mitpassagiere auf das Mutterschiff gelotst worden waren,<br />

erhielten wir eine kurze Einweisung, wie wir das U-Boot zu betreten hatten, damit es<br />

auch nach uns noch verwendet werden konnte. Dann galt es ein zweites Mal bei<br />

heftigem Seegang die Schiffe zu wechseln. Und wem das immer noch nicht genügte,<br />

der bekam noch eine kräftige Dusche von den ans U-Boot schlagenden Wellen in<br />

Gesicht und auf die Füsse. Das Deck des U-Bootes war klatschnass, insofern war es<br />

fast ein kleines Wunder, dass keiner ausrutschte und über Bord ging. Nachdem alle 9<br />

Passagiere in dem für 10 Personen plus<br />

Kapitän ausgelegten U-Boot Platz<br />

genommen hatten, wurden wir noch kurz<br />

mit den Sicherheitsvorkehrungen<br />

vertraut gemacht. Beruhigend war zu<br />

vernehmen, dass die Vitalsysteme des U-<br />

Bootes im Notfall für ganze 3 Tage die<br />

Versorgung unter Wasser übernehmen<br />

könnten. Aber mal ehrlich – wer will schon<br />

72 Stunden in einer engen Kapsel und vor<br />

allem ohne Toilette unter Wasser hocken.<br />

So unterhaltsam war es nun dort auch<br />

wieder nicht.<br />

Seite 42 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch Dienstag, 02.09.<strong>2003</strong> – U-Boot ahoi !!!<br />

Aber dann ging es endlich los. Unser Kapitän Vincent steuerte uns ca. 34 Meter in die<br />

Tiefe auf den Meeresgrund (die maximale<br />

Tauchtiefe des Bootes war übrigens mit 80<br />

Meter angegeben). Dort unten war es noch<br />

erstaunlich hell, so dass neben dem natürlichen<br />

Tageslicht, das sich durch die Wasseroberfläche<br />

brach, keine künstlichen<br />

Scheinwerfer benötigt wurden. Allerdings ist der<br />

Meeresboden vor <strong>Mauritius</strong> auch schneeweiss und<br />

das Wasser glasklar. Im U-Boot selbst war es<br />

sehr stickig, der Sauerstoffgehalt der Luft schien nicht ganz so hoch wie über Wasser<br />

zu sein. Dazu kam auch noch eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Also alles in allem eher<br />

etwas für halbwegs gesunde Naturen.<br />

Zunächst wurden uns die verschiedensten Fische<br />

vorgeführt, die passend zum Ambiente in den<br />

schillerndsten Farben leuchteten. Allerdings gab es auf<br />

den Korallenbänken auch ein paar Gesellen zu bewundern,<br />

die man erst sah, wenn sie sich bewegten – so gut waren<br />

sie farblich getarnt. Dazu<br />

gehörte auch ein etwa 30<br />

cm großer (oder langer?) Oktopus (Tintenfisch), der sich<br />

urplötzlich vor meinem Bullauge vom Boden erhob –<br />

Schocking! Er sah schon ziemlich eklig aus und ich war<br />

froh, dass 6 cm dickes Glas zwischen uns war, das<br />

übrigens auch für eine etwa 40%-ige optische<br />

Verkleinerung der Aussenwelt verantwortlich ist. Also<br />

denke ich lieber nicht über die reale Grösse dieses<br />

Tieres nach. Die anderen Fische sind um ihren Wohnort<br />

wirklich nicht zu beneiden.<br />

Nachdem die Fische ihr Entertainment-<br />

Programm absolviert hatten, krochen wir<br />

weiter am Meeresgrund entlang zu dem<br />

obligatorischen Schiffswrack. Praktischer<br />

Weise war uns ein solches bereits bei<br />

unserer Unterwasser-Tour auf Gran<br />

Canaria vorgeführt worden. Ein Schelm,<br />

wer eine böse Absicht hinter den<br />

Schiffsunglücken vermutet. Bei der<br />

mauritianischen Variante handelte es sich um einen 1998 während eines starken<br />

Zyklons gekenterten und auseinander-gebrochenen japanischen Fischkutters. Also fast<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 43 von 60


Dienstag, 02.09.<strong>2003</strong> – U-Boot ahoi !!!<br />

<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

wie beim Untergang der Titanic, nur das Skelett von Leonardo di Caprio fehlte und der<br />

Fischkutter war unwesentlich kleiner. Aber es war ausreichend interessant, um<br />

sämtliche Passagiere dazu zu verleiten, eine Reihe von sinnlosen Fotos zu schiessen,<br />

über die man sich anschliessend sowieso ärgert, weil nichts zu erkennen ist und alles<br />

ohne grosse Kontraste in einem einheitlichen Graublau erscheint. Ob die Fotoindustrie<br />

den U-Boot-Veranstaltern Geld dafür gibt?<br />

Leider war die<br />

dreiviertel Stunde<br />

unter Wasser viel zu<br />

schnell vorbei und<br />

Vincent steuerte unser Boot wieder hinauf und steuerbord an<br />

die „Betty“. Grundsätzlich war es natürlich sehr angenehm,<br />

wieder an die Oberfläche zu kommen und frische Luft atmen zu<br />

können. Auf dem Mutterschiff wurden wir mit ein paar<br />

Getränken bewirtet und durften uns die Fotos ansehen, die beim<br />

Einsteigen in das<br />

U-Boot geschossen<br />

wurden und die<br />

man jetzt für<br />

teures Geld<br />

erwerben konnte.<br />

Wir entschieden uns dafür, nur eines<br />

unserer bedepperten Gesichter während<br />

dieses denkwürdigen Momentes mitzunehmen, um nicht zuviel Geld zum Fenster (oder<br />

besser Bullauge) hinaus zu werfen. Denn für gewöhnlich landen solche Bilder bei uns<br />

später auf den hintersten Seiten der Fotoalben – wenn überhaupt.<br />

Zur allgemeinen Erheiterung kam dann schon die nächste Gruppe mit dem Speedboat<br />

angefahren, so dass wir deren Bemühungen während des Aus- und Umsteigens<br />

beobachten konnten. Uns stand das gleich zwar auch noch einmal bevor, aber diesmal<br />

ging es ruckzuck ohne Verluste über die<br />

Bühne – besser gesagt – über Bord. Gegen<br />

13:30 Uhr hatten wir dann wieder festen<br />

Boden unter den Füßen. Als Belohnung für<br />

die Strapazen erhielt jeder Passagier ein<br />

Zertifikat, so dass wir uns jetzt<br />

„Staatlich geprüfte U-Bootmitfahrer“<br />

nennen dürfen. Also dann bis morgen –<br />

Schiff ahoi und immer eine Handbreit<br />

Wasser unterm Kiel ...<br />

Seite 44 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Mittwoch, 03.09.<strong>2003</strong> – Spatzen + anderes Getier<br />

Mittwoch, 03.09.<strong>2003</strong> – Spatzen + anderes Getier<br />

¾ unserer Urlaubszeit in <strong>Mauritius</strong> sind um und so gönnten wir uns heute noch mal einen<br />

erholsamen Strandtag. Allerdings ist der Wind in den letzten Tagen etwas<br />

aufgefrischt, so dass sich ein grosser Teil der anderen Hotelgäste lieber an den<br />

geschützten Pool zurückgezogen hat. Aber auf diese Weise ist es am Strand<br />

wenigstens nicht so voll und man bekommt auch gegen 11:00 Uhr noch locker eine<br />

Strandliege ab. Da derzeit scheinbar tagsüber Flut herrscht, ist der Strand nur noch<br />

halb so breit, wie zuvor und die abgebrochenen Stückchen<br />

der Korallenriffe liegen wie unzählige kleine<br />

Knochenhäufchen am Strand. Um uns die Zeit etwas zu<br />

vertreiben, hatten wir heute neben Agatha auch eine<br />

Paddelbootfahrt auf dem Programm. Bei dem starken<br />

Wellengang und dem Wind hatten wir ganz schön zu tun, das<br />

Boot gegen die Wellen zu steuern und vorwärts zu kommen.<br />

Ausserdem kam das schlanke Boot ganz schön ins<br />

Schlingern, wenn eine etwas grössere Welle von ihm Besitz<br />

ergriff. Aber wir konnten mit unseren Paddeln Gott sei<br />

Dank immer das Schlimmste verhindern.<br />

Da es am Strand heute nicht so belebt war, trauten sich auch die vielen Spatzen und<br />

ihre kleinen bunten Artgenossen dorthin, wo sich<br />

ansonsten die Badegäste tummeln. Normalerweise<br />

treffen wir sie nur beim Frühstück. Die Vögel<br />

nutzen nämlich die Frühstückszeit, um sich mit<br />

allem, was sie erhaschen können, die Bäuche voll<br />

zuschlagen. Das Hotel versucht zwar jeden Tag auf’s<br />

Neue, sie mit einem separaten, gut gefüllten<br />

Futterplatz vom Geschehen abzulenken. Doch es<br />

nützt nichts! Mit schöner Regelmässigkeit nehmen<br />

die Spatzen und ihre<br />

buntgefiederten Freunde<br />

insbesondere von den benutzten und gerade verlassenen Tischen<br />

Besitz und picken weg, was sie kriegen können. Selbst wenn man<br />

noch am Tisch sitzt, lassen sich die ganz Mutigen nicht davon<br />

abhalten, auf den Tisch zu flattern und zu betteln. Tunlichst<br />

vermeiden sollte man es, den Tisch während des<br />

Zusammenstellens der Speisen vom Frühstücksbuffets kurze<br />

Zeit unbeobachtet zu lassen. Dann ist nämlich Showtime angesagt – für die Spatzen.<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 45 von 60


Mittwoch, 03.09.<strong>2003</strong> – Spatzen + anderes Getier<br />

<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Während des Abendessens hatten wir heute noch einen anderen tierischen Gast – eine<br />

ziemlich große, grüne Heuschrecke. Erst saß sie bei Carsten im Genick, der sie relativ<br />

gelassen wegscheuchte, was sie veranlasste, mitten auf unseren Tisch zu hüpfen.<br />

Nachdem wir sie verjagt hatten, ließ sie es sich aber nicht nehmen, noch mal<br />

wiederzukommen und diesmal mich auf’s Heftigste zu erschrecken, indem sie mich am<br />

Arm kitzelte. Unser Kellner hatte das Spiel offensichtlich beobachtet und sorgte dann<br />

dafür, dass sie standrechtlich verhaftet und beseitigt wurde. Da ist uns unser<br />

persönlicher Zimmer-Gecko schon lieber, dessen gelegentliche und völlig harmlose<br />

Anwesenheit in unserem Zimmer wir schon von den Seychellen kennen. Allerdings muss<br />

man erwähnen, dass die mauritianische Variante, die wir hier angetroffen haben, ein<br />

very kleines Exemplar ist, quasi ein Baby-Gecko, bei dem die schwarzen Knopfaugen<br />

50% des Kopfes ausmachen.<br />

So, morgen werden wir noch ein letztes Mal mit unserem Mietwagen auf Tour gehen,<br />

bevor wir ihn dann am Freitagvormittag zurückgeben müssen. Bis morgen ...<br />

Seite 46 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Donnerstag, 04.09.<strong>2003</strong> – An der Westküste<br />

Donnerstag, 04.09.<strong>2003</strong> – An der Westküste<br />

Unser letzter Autoausflug führte uns an die Westküste, die wir bis dato nur kurz<br />

gestreift hatten. Unsere Erkundungsfahrt führte uns über Flic en Flac, Tamarin nach<br />

Bai du Cap im äussersten Südwesten der Insel. Unser Ziel war Macondé, eine<br />

waghalsige Spitzkehre vor Bai du Cap.<br />

Ensemble fotografieren können. Die in den Felsen gehauene<br />

Treppe ist allerdings mindestens so waghalsig, wie die<br />

Spitzkehre selbst, denn links fällt der Stein steil ab,<br />

geradewegs in Wasser. Da der Aufstieg nach oben hin<br />

immer unzugänglicher wird und der Wind immer stärker<br />

weht, ist der Weg für Menschen mit Höhenangst absolut<br />

ungeeignet. Denn ein falscher Tritt oder eine zu heftige<br />

Böe und man findet sich ca. 20 m weiter unten im Meer<br />

wieder – aber wahrscheinlich ziemlich zerschmettert, sonst<br />

wäre es ja einfach. Aber wir erledigten unsere Fotostrecke<br />

erfolgreich und kamen auch ohne Blessuren wieder unten an.<br />

Der Felsen, den die Straße<br />

umkurvt ist so imposant, dass<br />

die Mauritier auf der<br />

anderen Straßenseite auf<br />

einem kleinen Felsen eine<br />

Plattform installiert haben,<br />

von der aus die Touris das<br />

Ein paar Kurven weiter stöberten wir ein<br />

weitgehend unberührtes Stück Strand<br />

auf, welches auch nicht durch ein<br />

langweiliges vorgelagertes Riff geschützt<br />

war, so dass die Wellen ungestört an Land<br />

rollen konnten. Und diese brachten<br />

offensichtlich die interessantesten Dinge<br />

mit sich, so dass wir auf exzessive<br />

Muschelsuche gingen. Gleich zu Beginn<br />

gabelte ich ein ausgesprochen großes und<br />

gut erhaltenes Exemplar mit dicker Perlmuttschicht auf. Dazu fanden wir noch einige<br />

schöne, schneckenhausförmige Muscheln und ein ballonartiges Etwas, dass wir erst mal<br />

anhand eines einschlägigen Nachschlagewerkes identifizieren müssen (heute gehen wir<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 47 von 60


Donnerstag, 04.09.<strong>2003</strong> – An der Westküste<br />

<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Abb: Carsten an der Spitzkehre vor Bai du Cap<br />

Seite 48 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Donnerstag, 04.09.<strong>2003</strong> – An der Westküste<br />

vage davon aus, dass es sich um den Unterbau eines Seeigels handelt; wir können uns<br />

aber auch irren). Alle Muscheln waren – für unsere Verhältnisse – von beachtlicher<br />

Größe, so dass wir uns wie im Muschelsucher-Schlaraffenland vorkamen.<br />

Am hintersten Teil des Strandstückes<br />

fand ich dann sogar die recht gut<br />

erhaltenen Teile einer Krabbe, die aber<br />

Gott sei Dank ihr Leben schon<br />

ausgehaucht hatte. Als ich so richtig in<br />

die Muschelsuche vertieft war, entdeckte<br />

ich auf einmal nur ein paar Zentimeter<br />

neben meinem<br />

Fuss ein großes<br />

dunkles Etwas mit<br />

vielen Beinen und<br />

Scheren daran. Schrei – Kreisch – Schock!!! Zu meiner<br />

unendlichen Erleichterung stellte ich dann aber fest, dass auch<br />

dieses riesige Krabbentier bereits das Zeitliche gesegnet<br />

hatte. Puh – seufz. Da mich dieses Vieh bereits tot so<br />

erschreckt hatte, mochte ich mir nur sehr ungern vorstellen,<br />

einem lebendigen Exemplar seiner Gattung zu begegnen.<br />

Allerdings liessen die vielen Löcher im groben Sand darauf<br />

schliessen, dass die Unterwelt dieses Küstenabschnitts noch<br />

sehr lebendig war. Nicht umsonst verirrte sich wohl kein<br />

Einheimischer oder Tourist hierher. Zu meinem grössten<br />

Unbehagen befand ich mich am äussersten Ende des<br />

Strandstücks und hatte leider noch den gesamten Rückweg vor<br />

mir. Ohne Chance, auf einen anderen Weg auszuweichen.<br />

Unangenehmerweise war der grobkörnige Sand so locker, dass<br />

meine Füsse bei jedem Schritt komplett im Untergrund versanken. In der Erwartung,<br />

jeden Moment mit einem scherenbestückten Ungeheuer zusammenzustossen, trieb es<br />

mir den Angstschweiss aus den Poren. Mir fiel ein Gesteinsbrocken vom Herzen, als ich<br />

endlich das rettende Rasenstück erreichte, auf dem unser Mietwagen stand. Die<br />

Krebse hatten wahrscheinlich noch mehr Angst als ich, mir zu begegnen und so dürfte<br />

der Adrenalinspiegel fast aller Lebewesen an diesem<br />

Küstenabschnitt in diesen Minuten auf einem Höchststand<br />

gewesen sein.<br />

Bei fast allen – bis auf einen: Carsten schlenderte<br />

unterdessen ohne sich grosse Gedanken zu machen, im<br />

flachen Wasser umher. Er machte dabei die Bekanntschaft<br />

mit mehreren Seeigeln, aber immer aus sicherer<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 49 von 60


Donnerstag, 04.09.<strong>2003</strong> – An der Westküste<br />

<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Entfernung. Einem fehlten schon<br />

die Vitalfunktionen, da er wohl<br />

schon seit längerer Zeit am Strand<br />

lag. Sämtliche Igel wurden<br />

selbstverständlich aufs Foto<br />

gebannt.<br />

Nachdem wir nun so viele Schätze gesammelt hatten, fehlte<br />

uns leider das passende Behältnis, um unser höchst<br />

zerbrechliches Gut halbwegs sicher zu transportieren. Der<br />

Federung unseres Daewoo und den Straßen von <strong>Mauritius</strong><br />

misstrauten wir auf Heftigste. Also steuerten wir den nächsten Souvenirladen an. In<br />

dieser gottverlassenen Gegend, wo sich kaum mal ein Tourist hin verirrt, versetzte<br />

unsere Ankunft die beiden Verkäuferinnen wahrscheinlich in Feiertagsstimmung. In der<br />

Hoffnung auf ein grösseres Geschäft öffneten sie zuvorkommend all ihre Auslagen.<br />

Aber wir mussten sie leider enttäuschen, da wir<br />

lediglich auf der Suche nach einem möglichst kleinen<br />

Bastkörbchen waren, um unsere Muscheln zu verstauen.<br />

Das gab es zu unserer Freude bereits für 65 Rupien,<br />

also ca. 2,30 Eur. Die Enttäuschung war den beiden<br />

Damen buchstäblich ins Gesicht geschrieben, aber wir<br />

hatten nun mal unsere <strong>Mauritius</strong>-Souvenirs schon<br />

komplett.<br />

Auf dem Rückweg testeten wir noch mal unsere Leidensfähigkeit und Stressresistenz<br />

und fuhren zur Rush Hour durch Port Luis. Ich werde das gar nicht kommentieren, denn<br />

es war unbeschreiblich. Die Hauptstädter machen im Strassenverkehr all das, was in<br />

Deutschland unter Höchststrafe verboten ist. Aber irgendwie trug der Verkehrsstrom<br />

auch unseren kleinen Daewoo durch die Stadt. Auf dem Parkplatz des Botanischen<br />

Gartens bewaffneten wir uns noch mit einem Hühnerfleischbrötchen gegen den kleinen<br />

Hunger und begaben uns dann auf nunmehr wohlbekannter Strecke auf den Heimweg<br />

zum Hotel.<br />

Abschliessend sei – auf besonderen Wunsch<br />

von Carsten – noch erwähnt, dass wir es an<br />

unserem letzten Auto-Tag auf <strong>Mauritius</strong> das<br />

erste und damit einzige Mal schafften, ohne<br />

uns zu verfahren durch das extrem<br />

unübersichtliche und komplizierte Straßennetz<br />

von Centre de Flacq zu finden - eine<br />

absolute Glanzleistung zum Schluss. So. Der<br />

Daewoo ist jetzt wieder vollgetankt (Benzin<br />

kostet ca. 0,80 Eur/Liter) und zum Abholen<br />

bereit. Bis morgen ...<br />

Seite 50 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Freitag, 05.09.<strong>2003</strong> - Schnorchelabenteuer<br />

Freitag, 05.09.<strong>2003</strong> - Schnorchelabenteuer<br />

Heute früh um 10:30 Uhr haben wir unseren Daewoo an Roy von der National-<br />

Autovermietung zurückgegeben. Damit gehören wir nun zu den Hotel-Festsitzern. Aber<br />

dafür können wir noch 2 schöne Tage am Strand verbringen.<br />

Heute war grosser Schnorcheltag angesagt. Mit<br />

unseren kurz vor dem Urlaub neu erworbenen<br />

Ausrüstungen ging es gegen Mittag los. Ich wurde von<br />

Carsten – quasi als Vorhut – vorgeschickt, um die Lage<br />

zu peilen. Eigentlich hatte ich nach unseren eher<br />

ernüchternden Erfahrungen auf der Ile aux Cerfs<br />

nicht viel erwartet. Vielleicht ein paar<br />

Unterwasserpflanzen, ein paar Korallen und Seeigel.<br />

Doch siehe da: In dem etwa fünf Meter breiten<br />

Streifen, den der erlaubte Schwimmbereich in die<br />

Korallenzone hineinreicht, herrschte ein buntes<br />

Treiben. Gott sei Dank wussten wir in dem Moment,<br />

als wir an dieser Stelle an den Tagen zuvor<br />

schwammen, noch nicht, wer und was da so alles unter<br />

uns herumtollte. Abgesehen von den imposanten Korallen und den obligatorischen<br />

Seeigeln, die freundlicher Weise ausreichend weit weg am Meersgrund waren,<br />

tummelten sich die verschiedensten Fische in dieser Zone. Angefangen von den<br />

schwarz-weiss-gestreiften eher kleineren Zebrafischen, die wir schon von den<br />

Seychellen her kannten, gab es ziemlich dicke Brocken in gelb, blau, grün und schwarz.<br />

Deren Namen sind mir aber zumindest hier und jetzt unbekannt.<br />

Ich also nichts wie zurück und Carsten<br />

Bescheid gegeben, dass er möglichst<br />

schnell mit unserer Unterwasser-<br />

Einwegkamera antreten soll. Auf unseren<br />

zwei Ausflügen, die wir heute ins Wasser<br />

unternahmen, machten wir dann viele<br />

nette Bekanntschaften mit den<br />

Meeresbewohnern. Diese waren nämlich<br />

recht wenig scheu und kamen neugieriger<br />

Weise relativ nah an uns heran. Da sie<br />

vom Glasbodenboot aus immer gefüttert werden, nahmen sie wahrscheinlich an, auch<br />

wir hätten etwas für sie mitgebracht. Als wir dann undankbarer Weise nichts<br />

auspackten, ergriffen sie selbst die Initiative und interessierten sich auffällig für die,<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 51 von 60


Freitag, 05.09.<strong>2003</strong> - Schnorchelabenteuer<br />

<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

an Carstens Handgelenk baumelnde Kamera. Ein ganz vorwitziger dicker schwarzer<br />

Fisch stupste sie sogar mehrfach an, aber er konnte nichts erhaschen. Da es an<br />

manchen Stellen richtig voll war, konnte man fast unbeweglich im Wasser treiben und<br />

das Geschehen auf dem Meeresboden beobachten.<br />

Wie ich so vor mich hintreibe, bemerke<br />

ich auf einmal an meinem linken Arm<br />

etwas festes, kratziges. Als ich einen<br />

kurzen Seitenblick wage – die<br />

Taucherbrille schränkt das Sichtfeld<br />

seitlich stark ein – traue ich meinen<br />

Augen kaum: Das Etwas ist nicht nur<br />

kratzig, sondern auch groß und dunkel.<br />

Kreisch!!! Seltsamer Weise geht das sogar<br />

mit Schnorchel im Mund (ich muss<br />

Carsten mal fragen, ob er das gehört<br />

hat). Also nichts wie weg. Aus einiger Entfernung stellte ich dann zu meiner<br />

unendlichen Erleichterung fest, dass es sich bei dem vermeindlichen, riesigen<br />

Meeresungeheuer nur um das dicht mit Algen bewachsenen Tau handelte, dass mit<br />

Bojen bestückt den Schwimmbereich abgrenzt. Puh – Gott sei Dank.<br />

Auch Carsten hatte sein ganz persönliches Erlebnis mit dem Pseudo-Nessie: Nachdem<br />

er sich - für ihn nicht sichtbar, da hinter seinem Rücken – mit den Flossen in der Leine<br />

verfangen hatte, dachte er, dass ihn irgend ein grösseres Getier festhalte und machte<br />

sich schon auf das Schlimmste gefasst. Aber wie gesagt: Das Ungetüm war wider<br />

Erwarten völlig unschuldig und auch weit davon entfernt, lebendig zu sein.<br />

Wie ich bereits erwähnte, war das Sichtfeld durch die Taucherbrille ziemlich<br />

eingeschränkt. So mussten wir auch untereinander aufpassen, dass wir uns nicht<br />

Seite 52 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Freitag, 05.09.<strong>2003</strong> - Schnorchelabenteuer<br />

gegenseitig einen heftigen Schlag mit unseren Taucherflossen verpassten. Zum Schluss<br />

erregte dann noch etwas Seltsames unser beider Aufmerksamkeit: Am Meeresboden<br />

war ein armdickes, lilafarbenes Etwas auszumachen, dass ungefähr einen halben Meter<br />

lang war und ganz ruhig am Boden lag. Wir spielten beide erst mit dem Gedanken, es<br />

mit unseren Flossen ein bisschen anzustupsen, um zu sehen, was passiert. Zugunsten<br />

einer wohlbehaltenen Rückkehr an den Strand, liessen wir es dann aber doch bleiben,<br />

und wissen daher leider nicht, welch seltenen Meeresbewohner wir da schlafen lassen<br />

haben.<br />

Als wir in der Sonne wieder etwas abgetrocknet waren, wurden noch ein paar<br />

Mitfahrer für das Glasbodenboot gesucht. Da wir nun wussten, dass es unter der<br />

Meeresoberfläche ziemlich abgeht, fuhren wir mit. Und siehe da: Die Unterwasserwelt<br />

vor Palmar hatte tatsächlich noch einiges an Pflanzen und Tieren zu bieten – ich nehme<br />

an, auch Korallen fallen in eine dieser beiden Kategorien. An einer etwas weiter<br />

draussen liegenden Plattform, die auch als<br />

Basis für das Under-Sea-Walking genutzt<br />

wird (die Helme lagen noch dort),<br />

machten wir Halt und der Bootsführer<br />

gab jedem von uns etwas Brot, damit wir<br />

die Fische füttern konnten. It’s<br />

Showtime: Bruchteile von Sekunden,<br />

nachdem der erste Krümel im Wasser lag,<br />

veranstalteten die Fische eine<br />

regelrechte Schlacht um die Brocken.<br />

Man hätte mit blosser Hand hineingreifen<br />

können und bestimmt einen erwischt. Es handelte sich im wesentlichen um all die Arten,<br />

die wir schon bei unserem Schnorchelgang kennen gelernt hatten.<br />

Nachdem auch der letzte Krümel verfüttert war, ging es wieder zurück zum Strand.<br />

Unter uns glitten die exotischsten Korallen und sonstige Wasserpflanzen hinweg, so<br />

dass die Fahrt schon sehr beeindruckend war – und das alles im Hotelpreis inklusive. So<br />

– jetzt werden wir uns unter der Dusche noch vom Salzwasser befreien und dann zum<br />

Abendessen gehen. Bis morgen ...<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 53 von 60


Samstag, 06.09.<strong>2003</strong> – Kofferpacken<br />

<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Samstag, 06.09.<strong>2003</strong> – Kofferpacken<br />

Es ist Samstag und unser letzter kompletter Tag auf <strong>Mauritius</strong> ist angebrochen. Nach<br />

dem Frühstück gehen wir noch mal an den Strand: Abschiedsschnorcheln ist angesagt,<br />

damit wir uns von den Fischen<br />

verabschieden können. Carsten hat es<br />

tatsächlich geschafft, den letzten<br />

Agatha-Krimi durchzukriegen. Eigentlich<br />

ein Wunder bei seiner sonstigen<br />

Lese(un)lust. Außerdem lassen wir uns zum<br />

Abschied gegen Nachmittag noch mal ein<br />

Toasted Sandwich schmecken. Eine<br />

Köstlichkeit, die uns auf <strong>Mauritius</strong> so<br />

manches mal über den kleinen Hunger am<br />

Mittag hinweg geholfen hat.<br />

Es ist jetzt gleich 17:00 Uhr und wir sind bereits mitten beim Koffer packen. Carsten<br />

ist dabei wie immer in seinem Element und macht aus dieser eigentlich simplen<br />

Angelegenheit eine Wissenschaft. Ein Wunder, dass er keinen Packplan entwirft. Jedes<br />

noch so kleine Sächelchen wird so verstaut, dass auch ja nicht einen Kubikmillimeter<br />

Luft in den 4 Koffern ungenutzt verbleibt. Außerdem muss man auf die Minute genau<br />

wissen, wann man welchen Gegenstand morgen auf der Reise benötigt, und dann wird es<br />

genau in dieser Reihenfolge verstaut. Natürlich nicht ohne dass ich detaillierte<br />

Anweisungen erhalte, wie ich den Rucksack zu öffnen habe, was wie angefasst werden<br />

muss und wie ich den gewünschten Gegenstand rauszunehmen habe. Vielleicht sollte ich<br />

morgen eine mittlere Katastrophe auslösen, in dem ich die Taschentücher vor den<br />

Kaugummis benötige anstatt umgekehrt ?!JJJ Das ganze wird von ihm ergänzt durch<br />

ständig wiederkehrende Klagegesänge, dass wir das ganze Gepäck wohl kaum heil bis<br />

nach Hause bekommen und dass wir wahrscheinlich schon an der Vielzahl unserer<br />

(Hand-)Gepäckstücke scheitern werden.<br />

Natürlich haben wir einiges an Souvenirs erworben – man denke nur an die beiden<br />

Schiffsmodelle, die uns noch am Flughafen erwarten. Und so erhöht sich der<br />

Schwierigkeitsgrad von Carstens Pack-Orgie. Ich halte mich bei soviel Akribie lieber<br />

zurück und schreibe noch das Tagebuch für heute fertig. Zwischendurch hörte ich<br />

Carsten immer wieder leise vor sich hinmurmeln, aber er scheint nur mit sich selbst zu<br />

sprechen. Wahrscheinlich geht er gerade die Packordnung durch und prüft<br />

verschiedene Varianten auf ihre Eignung. Vielleicht sollte ich ihm sagen, dass wir weder<br />

Billard noch Schach spielen, sondern einfach Koffer packen. Wenn ich ihm gleich den<br />

Seite 54 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Samstag, 06.09.<strong>2003</strong> – Kofferpacken<br />

heutigen Tagebuch-Eintrag vorlese, wird er wahrscheinlich peinlich berührt sein und<br />

alles abstreiten.<br />

So, morgen früh müssen wir dann ganz zeitig raus. Bereits um 06:20 Uhr werden wir<br />

hier am Hotel vom Bus aufgegabelt und zum Flughafen gekarrt. See you tomorrow …<br />

Gegendarstellung<br />

In diesem Tagebuch wird im Eintrag zum Samstag, 06. September <strong>2003</strong><br />

behauptet, dass Carsten aus dem Kofferpacken eine Wissenschaft macht. Dazu<br />

stelle ich fest, dass ich aus dem Kofferpacken keine Wissenschaft mache,<br />

sondern lediglich versuche, alle Sachen und Mitbringsel so zu verpacken, dass sie<br />

während der Reise keinen Schaden nehmen.<br />

Carsten Hoppe, Erlensee, 18.10.<strong>2003</strong><br />

Anmerkung der Redaktion:<br />

Gemäss deutschem Pressegesetz sind wir zum Abdruck von Gegendarstellungen<br />

unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt verpflichtet.<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 55 von 60


Sonntag, 07.09.<strong>2003</strong> - Rückflug<br />

<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Sonntag, 07.09.<strong>2003</strong> - Rückflug<br />

Vergleichsweise pünktlich – mit nur 15 Minuten Verspätung – hob unsere Boing 767-300<br />

um 10:10 Uhr (Ortszeit) von mauritianischem Boden ab.<br />

Zuvor waren wir herzlich mit einem<br />

kleinen Abschiedsgeschenk (ein Säckchen<br />

einheimischer Zucker) von unserem Hotel<br />

verabschiedet worden. Auf dem Flughafen<br />

konnten wir dann endlich unsere<br />

Schiffsmodelle in Empfang nehmen, die<br />

von der Factory recht gut verpackt<br />

worden waren. Das Flugzeug war dann fast<br />

bis auf den letzten Platz besetzt. Da wir<br />

erst kurz vorm Abflug eingecheckt haben,<br />

waren die Fensterplätze alle schon<br />

besetzt. Aber dafür haben wir dann<br />

relativ weit vorn gesessen und ich hatte<br />

das Glück, dass niemand hinter mir saß<br />

und so konnte ich meine Rückenlehne weit<br />

nach hinten kippen. Außerdem wurden wir<br />

von nervigen Kindern verschont, so dass<br />

der Flug einigermassen erträglich verlief.<br />

Um 19:15 Uhr (MESZ) wurden wir erlöst: Ankunft in<br />

Frankfurt. Nur noch Koffer abholen und dann ab nach<br />

Hause. Die Zollkontolleure hatten sich so positioniert,<br />

dass sie die Menschenschlange vor allem auf der<br />

linken Seite kontrollierten. Wir hatten zwar kein<br />

schlechtes Gewissen, aber Vorsicht ist besser und so<br />

ging ich möglichst weit rechts. Auch diese Hürde war<br />

geschafft.<br />

Aber dann das: Carsten war leider Gottes auf der<br />

linken Seite gegangen und wurde prompt mit seinem<br />

Schiffskarton rausgefischt. Die Zöllner waren<br />

wahrscheinlich froh, endlich jemand gefunden zu<br />

haben und so folgte dann das volle Programm. Wie wir<br />

erfuhren, durften wir auch „normale“ Waren maximal<br />

Seite 56 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>


<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Sonntag, 07.09.<strong>2003</strong> - Rückflug<br />

im Wert von 175,- Eur zollfrei nach Deutschland einführen. Darüber hinausgehende<br />

Werte werden gnadenlos und vor allem mit ihrem kompletten Betrag besteuert. Für<br />

Alkohol, Zigaretten und für auch in Deutschland erhältliche Waren kann man diese<br />

Vorgehensweise auch nachvollziehen. Das aber die von den mauritianischen Bürgern<br />

gefertigten Souvenirs, mit deren Kauf man diese Leute auch irgendwie unterstützen<br />

möchte, derart abgestraft werden, ist kaum zu verstehen. Die 60,- Euro, die wir dann<br />

an Ort und Stelle bezahlen durften, werden sicherlich ihren Teil dazu beitragen, dass<br />

wir bei künftigen Reisen die Finger von solchen Produkten lassen werden – schöne<br />

Entwicklungshilfe!<br />

Nach einem derart unangenehmen Empfang schnappten wir uns einen Mietwagen, um<br />

unser Reisegepäck nach Hause zu transportieren.<br />

© Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong> Seite 57 von 60


Montag, 08.09.<strong>2003</strong> – Wieder zuhause<br />

<strong>Mauritius</strong> <strong>2003</strong><br />

Ein Reisetagebuch<br />

Montag, 08.09.<strong>2003</strong> – Wieder zuhause<br />

Die Koffer sind ausgepackt, alle Mitbringsel sind heil geblieben. Die Waschmaschine<br />

läuft bereits auf vollen Touren, und die Hasen sind auch wieder zu Hause. Ich glaube,<br />

sie sind recht froh, wieder hier zu sein, da sie ausgelassen durch die Wohnung tollen.<br />

Aber das ist gut so, da Max ziemlich zugenommen hat und ein bisschen Training<br />

braucht.<br />

Jetzt werden wir noch die Filme zum Entwickeln bringen und dann langsam wieder zum<br />

Alltagsleben übergehen. Mittwoch ruft ja – leider – wieder die Arbeit. Es war ein toller<br />

Urlaub.<br />

Seite 58 von 60 © Janet & Carsten, Erlensee <strong>2003</strong>

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