Kinder- rechte gegen Kinderarmut - Arbeitsgemeinschaft der ...

evangelische.jugend.de

Kinder- rechte gegen Kinderarmut - Arbeitsgemeinschaft der ...

Vorwort

Vorwort

Impressum

Versprechen muss man

halten

Kinderechte gegen

Kinderarmut

Herausgeber:

Arbeitsgemeinschaft der

Evangelischen Jugend in

der Bundesrepublik

Deutschland e. V. (aej)

Otto-Brenner-Str. 9

30159 Hannover

Telefon: 0511 12 15-137

florian-dallmann@

evangelische-jugend.de

April 2005

Redaktion:

Florian Dallmann

Volkmar Hamp

Carola Ritter

Doris Riffelmann

Zeichnungen:

Mandy Merkel

Satz und Gestaltung:

studioprokopy

www.prokopy.de

Gefördert vom

Bundesministerium für

Familie, Senioren, Frauen

und Jugend

© aej

1,5 Millionen Kinder leben in Deutschland in

Armut – so der Kinderreport 2004. Sie und ihre

Eltern sind auf staatliche Hilfe zum Lebensunterhalt

angewiesen. Natürlich heißt Armut in

Deutschland nicht, dass die Menschen verhungern

müssen. Die sozialstaatlichen Instrumente

verhindern nach wie vor das Schlimmste, das

uns aus anderen Regionen dieser Welt allabendlich

ins Wohnzimmer flimmert.

Armut von Kindern hat in Deutschland andere,

sehr einschneidende Folgen. Gesundheitliche

Nachteile und schlechtere Bildungschancen sind

nur die offensichtlichsten. Kindern, die unter diesen Bedingungen aufwachsen,

werden Chancen für ein gelingendes, weitgehend selbstbestimmtes und selbstständiges

Leben vorenthalten. Armut als solche und insbesondere in einer wohlhabenden

Gesellschaft ist skandalös und steht gegen eine Kultur des

Aufwachsens, wie sie der 10. Kinder- und Jugendbericht gefordert hat. Sie ist ein

schmerzlicher Ausdruck von Ungerechtigkeit und widerspricht dem biblischen

Verständnis von Gerechtigkeit. Wenn Kinder durch Armut von der Teilhabe an der

Gesellschaft ausgeschlossen werden, so ist ihre „heile Existenz“ verletzt – ein

untragbarer Zustand, der zum Handeln zwingt.

Wer Kinder ernst nimmt, muss sie ganzheitlich als eigenständige, eigenwillige

Personen wahrnehmen. Dies entspricht dem Selbstverständnis Evangelischer

Jugend. Sie engagiert sich in vielfältiger Weise für und mit Kindern. Diese Praxis

wird konfrontiert mit Fragen wie: Warum sind Kinder arm? Was bedeutet arm

sein? Wie kann diese Situation verbessert werden? Was können wir als

Evangelische Jugend zu einer Veränderung beitragen?

Diesen Fragen stellen wir uns. Der vorliegende Materialband will Unterstützung

dazu geben, dass Verantwortliche in der Evangelischen Jugend und Kinder

selbst Antworten finden und aktiv werden können, um einen Beitrag gegen die

Armut von Kindern zu leisten.

Mike Corsa

aej-Generalsekretär

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Versprechen muss man halten

Kinderrechte gegen Kinderarmut

Versprechen muss man halten

Kinderrechte gegen Kinderarmut

Eine Einführung

1. Arme Kinder

In der Evangelischen Jugend gibt es viele Angebote für KinderKindergruppen,

Jungscharen, Kindertreffs oder Christenlehre. Wer sich in diesem Bereich

engagiert, kennt das Problem der Armut von Kindern. Kaum eine Gruppe ohne

arme Kinder. Wir kümmern uns darum, wenn kein Geld für die Freizeit oder das

Zeltlager da ist. Wir schaffen eine Atmosphäre, in der Geld und schicke Klamotten

nicht das Wichtigste sind. Viele Engagierte reden auch mit Eltern, wenn es

erforderlich ist. Andere versuchen, bei den Hausaufgaben zu helfen und ein warmes

Mittagessen anzubieten. Und wenn es eng wird, ist mancherorts die Kirchengemeinde

mit der „Diakoniekasse“ da. Das ist nicht mehr genug! Denn wir

erleben, dass immer mehr Kinder arm sind. Aber was heißt „arm“?

„Arm ist, wenn man nicht genug zum Anziehen kaufen kann, wenn man nicht

unter einem Dach lebt, wenn man nicht genug zum Essen hat, wenn man keine

Arbeitsstelle hat und kein Geld verdienen kann, wenn man kein warmes Bett

hat, wenn man kein Fahrrad hat oder kein Auto um irgendwo hinzufahren,

Was bedeutet „Armut

von Kindern“?

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Versprechen muss man halten

Kinderrechte gegen Kinderarmut

Arm sein bedeutet

mehr als „kein Geld

zu haben“. Arme

Kinder sind in

vielfacher Weise

benachteiligt.

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wenn man nicht zur Schule und nicht in den Kindergarten gehen kann, wenn

man nichts in seiner Freizeit machen kann, wenn man keinen Fotoapparat hat

für Erinnerungen, wenn man etwas zur Schule mitbringen muss, ein Buch oder

eine Kassette und man das nicht hat.“

(Nathalie, 9 Jahre)

Kinder sind die in Deutschland am häufigsten von Armut betroffene Gruppe. Der

Kinderreport Deutschland 2004 beziffert die Zahl der Kinder, die als arm

bezeichnet werden können auf 1,5 Millionen Kinder. Somit ist ca. jedes zehnte

Kind in Deutschland arm. Wenn wir hier von Armut sprechen, ist zumeist von

relativer Armut die Rede. Als arm gelten dann diejenigen, denen weniger als die

Hälfte des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens (Sozialhilfegrenze) zur Verfügung

steht. Bei Eltern, die ein Kind alleine erziehen oder die arbeitslos sind,

ist das Armutsrisiko besonders groß.

Armut bei Kindern hat besondere Auswirkungen. Anders als bei Erwachsenen

sind Armut und ihre Folgen für Kinder belastender, da sie sich noch in ihrer körperlichen,

geistigen, seelischen, sittlichen und sozialen Entfaltung befinden.

Arme Kinder haben kaum eine Möglichkeit ein normales Leben zu führen. Sie

sind in vielfacher, nicht nur in materieller Hinsicht eingeschränkt. Es belastet,

in schlechten Wohnungen zu leben und von Freizeitaktivitäten ausgeschlossen

zu sein. Arme Kinder sind häufiger krank und anfälliger für psychische Belastungen.

Es benachteiligt sie, kaum Bücher zu haben oder keinen Computer nutzen

zu können – arme Kinder haben oft Probleme in der Schule. Wer nicht an

sportlichen Vereinsleben teilnehmen oder ins Kino gehen kann, ist ausgeschlossen

– arme Kinder haben weniger Freunde. Es belastet sie, nicht das zu haben,

was andere haben – arme Kinder fühlen sich oft weniger wert.

2. Vorrangige Option für die Armen –

Provokationen aus biblisch-theologischer Sicht

„In der vorrangigen Option für die Armen als Leitmotiv gesellschaftlichen Handelns

konkretisiert sich die Gottes- und Nächstenliebe. In der Perspektive einer

christlichen Ethik muss darum alles Handeln und Entscheiden in Gesellschaft,

Politik und Wirtschaft an der Frage gemessen werden, inwieweit es die Armen

betrifft, ihnen nützt und sie zu eigenverantwortlichem Handeln befähigt“. Das

gemeinsame „Sozialwort“ der beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland

überträgt in unsere Zeit die biblischen Forderungen: „Öffne deinen Mund

für die Stummen, für das Recht aller Schwachen! Verschaff dem Bedürftigen und

Armen Recht“ (Sprüche 31,8). Die Zuwendung zu den Armen in Wort und Tat, die

Kritik an ausbeuterischem Reichtum (Amos 5) und ein Schutz vor Verarmung und

Verschuldung durch die Einrichtung eines Sabbatjahres zum Schuldenerlass,

sowie das Verbot des Wucherns (5. Mose) gehören zu der vorrangigen Option

für die Armen der Bibel.


Versprechen muss man halten

Kinderrechte gegen Kinderarmut

Jesus selbst, als armes Kind geboren, lebte in der prophetischen Tradition des

jüdischen Glaubens und war gekommen, den Armen und vielen anderen

Benachteiligten die gute Nachricht zu verkündigen (Lukas 4, 18 f). Dabei hat

sich Jesus besonders den Kindern zugewandt (Matthäus 18, 14). Daher gilt in

der Nachfolge Jesu der Auftrag und die Verheißung: In jedem Armen und in

jedem Kind dürfen und sollen wir das Ebenbild Gottes erkennen und seine

menschliche Würde wahren.

3. Versprechen muss man halten!

Vor zwölf Jahren wurde in der UNO die „Kinderrechts-Konvention“ beschlossen.

Auch Deutschland hat diesem internationalen Gesetz zugestimmt, es ist verbindlich.

In der Kinderrechts-Konvention wird festgestellt, welche Rechte Kinder haben.

Dazu gehört, dass Kinder ein Recht auf einen für ihre körperliche, geistige, seelische,

sittliche und soziale Entwicklung angemessenen Lebensstandard und

soziale Sicherheit haben (Artikel 26 und 27). Kinder haben das Recht, gesund

groß zu werden (Artikel 24) und auf angemessene Freizeitaktivitäten (Artikel 31).

Zur Not muss der Staat Verantwortung und Fürsorge gewährleisten (Artikel 18)

und bei allen wichtigen Entscheidungen muss das Kindeswohl Vorrang vor

anderen Zielen haben (Artikel 3). Deutschland hat sich verpflichtet, dies umzusetzen.

Solange so viele Kinder in Deutschland in Armut leben, sind diese Rechte nicht

voll verwirklicht. Es gilt: Kinderarmut verletzt elementare Rechte von Kindern.

Die UN-Kinderrechts-

Konvention ist ein

auch in Deutschland

geltendes, internationales

Gesetz.

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Versprechen muss man halten

Kinderrechte gegen Kinderarmut

Und umgekehrt gilt: Die Kinderrechte lassen sich nur verwirklichen, wenn Kinderarmut

wirksam bekämpft wird. Solange dies nicht gelingt, bleiben die Kinderrechte

ein uneingelöstes Versprechen. Aber: Versprechen muss man halten!

Den Beschluss

Kindern und

Jugendlichen die

Zukunft sichern“

findest du unter

www.evangelischejugend.de

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4. Kinderarmut geht alle an

Viele Menschen in Deutschland sehen die Verantwortung bei gesellschaftlichen

Problemen vor allem beim Staat. Von dem wird erwartet, etwas gegen Armut

von Kindern zu tun.

Bei der Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen

Jugend in der Bundesrepublik Deutschland e. V. (aej) haben die Delegierten

gemeinsam festgestellt:

„Die sozialen Sicherungssysteme müssen so ausgestaltet werden, dass sie

dazu beitragen, den gesellschaftlichen Reichtum gerecht zu verteilen. Leistungskürzungen,

die Kinder- und Jugendarmut befördern, bei gleichzeitiger

Entlastung Wohlhabender und – in Relation – besserer Absicherung Älterer,

sind ungerecht.“ (Kindern und Jugendlichen die Zukunft sichern, Beschluss der

114. Mitgliederversammlung der aej, 2004)

Alle Christen und Christinnen sind aufgefordert, vorrangig für Arme und Kinder

ganz umfassend Partei zu ergreifen. Der Einsatz für die Rechte von Kindern


Versprechen muss man halten

Kinderrechte gegen Kinderarmut

beginnt dabei ganz konkret: durch Selbstverpflichtungen oder Aktionen gegen

Armut und Ausgrenzung. Kann sich ein Kind aus einer armen Familie in der Kindergruppe

wohl fühlen? Besorge ich einen zusätzliche Zuschuss für die Freizeit?

Vermittle ich eine kostenlose Nachhilfe in der Gemeinde? Greife ich das Thema

Armut hier und weltweit auf und stelle es in den Horizont der biblischen Armutsaussagen?

Auf den Seiten 8 bis 11 dieses Materialheftes werden dazu Anregungen

gegeben.

„Tu deinen Mund auf für die Stummen und schaffe Recht dem Armen!“ (Sprüche

31, 8-9). Ab einem gewissen Punkt jedoch muss ich mehr tun: Es geht

darum, auch gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Kann ich in meiner

Kirchengemeinde, im Jugendverband oder in der Gesellschaft auch andere

dazu bringen, sich für Kinder in Armut einzusetzen?

Kinder sind nicht die hilflosen Wesen, die manche Erwachsene in ihnen sehen.

In der Evangelischen Jugend werden wir von dem Prinzip „von Kindern – mit

Kindern – für Kinder“ geleitet. Das gilt auch bei diesem Thema! Kinder sind

direkt mit dem Thema „Armut“ konfrontiert: Als Betroffene, aber auch als Freunde

und Mitschüler(innen) von armen Kindern. Sie müssen wissen, was Armut

bedeutet. Sie können lernen, gut miteinander umzugehen. Sie können selbst

aktiv werden, um konkrete Unterstützung zu geben. Und sie haben das Recht,

sich eine Meinung zu bilden und diese zu vertreten.

Die Materialien in diesem Heft sollen dazu beitragen:

Kinder – arme wie reiche – können erfahren, dass Kinderarmut Unrecht ist.

Sie können selbst aktiv werden, um etwas dagegen zu tun.

Kinder und Mitarbeitende können gemeinsam konkrete Aktionen für arme

oder benachteiligte Kinder entwickeln und durchführen.

Kinder und Erwachsene können formulieren oder darstellen, was sie in ihrer

Verantwortung für Kinderrechte und gegen Kinderarmut in Deutschland tun

– und damit Politiker(innen) daran erinnern, wo sie in Verantwortung stehen.

Auf einer Postkarte

können Kinder selbst

ihre Meinung zum

Ausdruck bringen und

an Politiker(innen)

schicken.

Kinder, die ihre Rechte kennen, werden selbstbewusster sein.

Kinder, die wissen was Ausgrenzung und Armut bedeutet, werden ihren

Gerechtigkeitssinn schärfen.

Erwachsene, die ihre Versprechen halten, werden glaubhafter sein.

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Mit Kindern über das Thema

Kinderrechte gegen Kinderarmut“

nachdenken

Mit Kindern über das Thema „Kinderrechte

gegen Kinderarmut“ nachdenken

Im Folgenden findet ihr einen Stundenentwurf zum Thema und viele weitere

Bausteine und Ideen zur Gestaltung von Gruppenstunden.

Die Zahl der armen

Kinder in Deutschland

ist sehr groß. Vielen

Kindern geht es aber

so gut wie nie zuvor.

1. Stundenentwurf

1.1. Einstieg: Kollage zum Thema „arme Kinder/reiche Kinder

Die Kinder reißen oder schneiden aus Zeitschriften und Illustrierten Bilder und

Schriftzüge zum Thema aus und gestalten damit eine Collage. Anschließend

schauen wir uns die Ergebnisse an und kommen so miteinander ins Gespräch

über das Thema.

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1.2. Ratespiel: „Kinderrechte gegen Kinderarmut“

Nachdem wir über die Kollage (s. o.) einen Einstieg ins Thema gefunden haben,

vertiefen wir das Ganze anhand der Kinderrechte (siehe Postkarte!). Dazu

spielen wir ein Ratespiel. Dies kann auf unterschiedliche Weise geschehen:

Erste Möglichkeit: Die Kinder bekommen den unten stehenden Text als Lückentext

und eine Liste mit den Lösungswörtern. Nun sollen sie in Kleingruppen,

die gegeneinander spielen, die (hier fett gedruckten) Lösungswörter einfügen.

Für jedes richtig eingetragene Wort gibt es einen Punkt. Die Gruppe, die als

erste fertig ist, bekommt fünf Punkte extra.

Zweite Möglichkeit: Der unten stehende Text wird mit Hilfe eines Overheadprojektors

als Lückentext an die Wand geworfen. Die Kinder sollen Satz für Satz die


Mit Kindern über das Thema

Kinderrechte gegen Kinderarmut“

nachdenken

(hier fett gedruckten) Lösungswörter erraten. Zwei Gruppen spielen gegeneinander

und wechseln sich dabei ab. Wenn sie ein Wort nicht auf Anhieb wissen, dürfen

sie sich einen Buchstaben wünschen, der – sofern er im Wort vorkommt –

an entsprechender Stelle eingetragen wird. Wird ein Wort erraten, bekommt die

jeweilige Gruppe so viele Punkte, wie dann noch Leerstellen im Wort frei sind.

Vielleicht fallen euch auch noch andere Möglichkeiten ein, aus diesem Text ein

Ratespiel zu machen!

Kinderrechte gelten für alle Kinder gleich. Alle Kinder sollen ihre Rechte kennen.

(Artikel 2 und Artikel 42)

Bei allen Maßnahmen, die Kinder betreffen, geht das Wohl des Kindes vor.

(Artikel 3)

Kinder sollen so gesund wie möglich aufwachsen. Kinder dürfen nicht vernachlässigt

werden. (Artikel 24 und Artikel 19)

Kinder dürfen glauben und denken, was sie wollen. Kinder dürfen eine eigene

Meinung haben und sie frei sagen. (Artikel 12)

Kindern müssen ihre Begabungen und Fähigkeiten voll entwickeln können.

(Artikel 28)

Kinder brauchen Gelegenheiten, um sich zu erholen. Sie müssen auch mal

ihre Ruhe haben. Kinder müssen in ihrer Freizeit etwas Sinnvolles tun können.

Alle Kinder sollen die gleichen Möglichkeiten haben, zu feiern, zu

malen, Musik zu hören und zu machen oder auf andere Art und Weise kreativ

zu sein. (Artikel 31)

Kinder sollen Radio, Fernsehen und das Internet benutzen können. Kinder

sollen Zugang zu Kinderbüchern, zu Zeitungen für Kinder und zu Computern

haben. (Artikel 13 und 17)

Alle Kinder sollen gleiche Chancen in der Schule haben. Kinder, die in der

Schule Probleme haben, sollen unterstützt werden. (Artikel 28)

Kein Kind soll so ärmlich leben, dass seine Entwicklung darunter leidet. Sind

auch seine Eltern zu arm, muss der Staat den Eltern dabei helfen. Dies gilt

vor allem für Ernährung, Wohnung und Kleidung. (Artikel 27)

Der Text ist unter

www.evangelischejugend.de

als

Download verfügbar.

1.3. Gespräch: „Und was hat das mit uns zu tun?“

In Deutschland leben 1,5 Millionen Kinder in Armut!

Was hat das mit den Kinderrechten zu tun?

Welche Rolle spielen die „Armut“ oder der „Reichtum“ von Kindern (und

ihren Familien) bei der Verwirklichung dieser Rechte im Alltag?

Welche Erfahrungen haben wir selbst damit gemacht?

Und was können wir tun, um die Situation von armen Kindern zu verbessern?

Mit einem Rückblick auf die Collagen vom Anfang und den Kinderrechten vor

Augen sprechen wir über diese Fragen. Dies kann mehr oder weniger ausführ-

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Mit Kindern über das Thema

Kinderrechte gegen Kinderarmut“

nachdenken

lich geschehen. Ziel sollte in jedem Fall sein, die Postkartenaktion zum Thema

durchzuführen. Darüber hinaus können wir gemeinsam über weitergehende

Aktionen und Projekte (s. u.) nachdenken.

2. Weitere Bausteine und Ideen für Gruppenstunden

2.1. Bilder zum Thema „arme Kinder/reiche Kinder“ malen

Die Kinder malen einzeln oder in kleinen Gruppen Bilder zum Thema. Anschließend

schauen wir uns die Ergebnisse an und kommen so miteinander ins Gespräch.

Die Postkarten kannst

du kopieren oder bei

der aej bestellen!

10

!

In vielen Gruppen wird

es sowohl Kinder aus

armen wie auch aus

besser gestellten Familien

geben. Also:

Keine Scheu vor dem

Thema – aber viel

Sensibilität!

2.2. Ein Schreibgespräch zum Thema „arm/reich“ führen

Auf ein großes Blatt Papier schreiben wir die Begriffe „arm“ und „reich“. Nun

können die Kinder – ohne miteinander zu sprechen! – ihre Gedanken und Ideen

zu den beiden Stichwörtern ergänzen. Sie können auch Kommentare zu dem

von anderen Kindern Geschriebenen machen. Es entwickelt sich ein „schriftliches

Gespräch“ zum Thema. Anschließend schauen wir uns das Ergebnis an

und kommen so miteinander ins Gespräch.

2.3. Rollenspiele zum Thema „arme Kinder/reiche Kinder“ spielen

Die Kinder bekommen die Aufgabe, sich in kleinen Gruppen kurze Rollenspiele

zu typischen Konflikten zwischen „armen“ und „reichen“ Kindern in ihrem

Lebensumfeld auszudenken. Die Gruppen spielen einander ihre Ergebnisse vor

und wir kommen miteinander darüber ins Gespräch: Welche Situationen sind

den Kindern eingefallen? Wie haben sie sich in ihren Rollen gefühlt? Welche

Rolle spielt das Thema in ihrem Alltag?

2.4. Informationen zum Thema recherchieren

Die Kinder recherchieren selbständig in kleinen Gruppen Informationen zum

Thema „Kinderarmut (in Deutschland)“. Unterschiedliche Varianten sind denkbar:

Sie bekommen vorbereitetes Material zur Verfügung gestellt, das sie in

Kleingruppen sichten, auswerten, zusammenfassen und einander präsentieren.

Oder sie recherchieren in einer öffentlichen Bücherei. Auch eine Internetrecherche

ist möglich.

Eventuell macht es Sinn, die Aufgaben für die Kleingruppen zu spezifizieren: Armut

allgemein und weltweit, Armut in Deutschland, Kinderarmut allgemein und weltweit,

Kinderarmut in Deutschland könnten Themen sein. Die Gruppen bereiten ihre

Rechercheergebnisse füreinander auf und wir werten diese miteinander aus.

2.5. Interviews zum Thema führen

Die Kinder führen in kleinen Gruppen Interviews zum Thema „Kinderarmut (in

Deutschland)“. In einem ersten Schritt überlegen sie sich entsprechende Fragen.

Dann führen sie die Interviews durch. Die Antworten können aufgeschrie-


Mit Kindern über das Thema

Kinderrechte gegen Kinderarmut“

nachdenken

ben, auf Tonträger oder Videokassette aufgezeichnet und weiter bearbeitet werden.

Eventuell lassen sich unterschiedliche Zielgruppen interviewen und man

kann die Ergebnisse miteinander vergleichen.

2.6. Konkordanzarbeit zum Thema

Was sagt die Bibel zum Thema „arm und reich“? Mit Hilfe vorbereiteter Arbeitsblätter

oder einer Konkordanz recherchieren die Kinder in Kleingruppen einschlägige

Bibelstellen zum Thema. Die Ergebnisse werden miteinander ausgewertet

und besprochen.

2.7. Bibelarbeit zum Thema

Die Geschichte von Hagar und Ismael (1. Mose 21,9-21), die auch die Textgrundlage

für den unten abgedruckten Gottesdienstentwurf bildet, kann mit den Kindern

zusammen bearbeitet werden.

Erzählen oder gemeinsames Lesen der Geschichte;

Nachspielen der Geschichte in Form eines Rollenspiels/„Bibliodramas“ mit

anschließender Reflexion;

Kreatives Gestalten der biblischen Geschichte in Bildern, als Pantomime,

Videofilm...;

Übertragung auf heute: Welche Kinder bräuchten – wie Ismael damals –

jemanden, der sie nicht allein lässt in ihrer Armut und ihrem Leid (Vers 18)?

Was könnten wir heute für solche Kinder tun (Vers 19)?

Unter www.evangelische-jugend.de sind die Arbeitsmaterialien dieser Broschüre

eingestellt. Dort ist auch eine vertiefende Arbeitshilfe zum Weltkindertag mit

dem Thema „damit du leben kannst! Das Recht der Kinder auf angemessenen

Labensstandard“ zu finden.

3. Projektideen

Sich über Projekte und Aktionen zum Thema in der eigenen Stadt/im eigenen

Stadtteil informieren und gemeinsam überlegen, wie diese Projekte unterstützt

werden können.

Sich über Projekte und Aktionen zum Thema in anderen Ländern informieren

und gemeinsam überlegen, wie diese Projekte unterstützt werden können.

Durch einen Sponsorenlauf, eine Autowaschaktion, einen Trödelmarkt, ein

Benefiz-Fußball-Turnier oder -Konzert, Waffeln backen etc. Geld für ein konkretes

Projekt sammeln und dieses damit unterstützen.

Eine Internetseite zum Thema gestalten.

Eine Ausstellung zum Thema gestalten.

Einen Gottesdienst zum Thema vorbereiten und gestalten (s. u.)

und was immer euch sonst noch einfällt...

Diese Arbeitsmaterialien

und eine Arbeitshilfe

zum Weltkindertag

findet ihr unter:

www.evangelischejugend.de

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Gottesdienstentwurf zum Thema

Kinderrechte gegen Kinderarmut“

Gottesdienstentwurf zum Thema

Kinderrechte gegen Kinderarmut“

Ein gemeinsam gestalteter

Familiengottesdienst

ist eine gute

Möglichkeit, um der

gesamten Gemeinde

das Thema nahe zu

bringen.

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1. Ablauf

Musikalisches Intro (evtl. mit Bildern zum Thema „Kinderarmut“)

Begrüßung

Bibeltext: Sprüche 31,9

Lied

Einführung in das Thema des Gottesdienstes oder Beispiele aus der

vorhergehenden Gruppenarbeit zum Thema (s. o.).

Erzählen, Lesen oder szenisches Spiel zur biblischen Geschichte

(1. Mose 21,9-21)

Predigt (s. u.)

Musikalisches Zwischenspiel (evtl. noch einmal mit Bildern zum Thema)

Fürbittenteil (mit Liedern und Gebeten)

Kollekte

Lied

Segensgebet

Musikalisches Outro

2. Predigt zu 1. Mose 21,9-21

Eine ärgerliche Geschichte! Da beobachtet Sara, die Frau des „Erzvaters“ Abraham,

wie Hagars Sohn fröhlich umhertollt. Dieser Junge, den es nur gibt, weil

sie selber ein paar Jahre zuvor dafür gesorgt hat! Ihr Mann solle sich doch eine

zweite Frau nehmen, um den ersehnten Nachkommen zu zeugen, hatte sie

gesagt. Sie selbst hatte Hagar ihrem Mann zur Zweitfrau gegeben: „Der Herr hat

mir Kinder versagt! Geh zu meiner Magd! Vielleicht komme ich durch sie zu

einem Sohn.“ (Genesis 16,2) – eine durchaus gängige Praxis im alten Orient.

Antike Leihmutterschaft sozusagen: Die Nebenfrau bringt stellvertretend für die

Hauptfrau die Kinder zur Welt, wenn diese unfruchtbar ist.

Inzwischen sind ein paar Jahre vergangen. Es hat doch noch funktioniert mit dem

eigenen Kind. Und plötzlich ist der kleine Ismael ein Konkurrent um das Erbe

Abrahams! Sicher, die Beziehung zwischen Sara und Hagar war nie frei von Konflikten!

Kaum hat Hagar gemerkt, dass sie schwanger ist, sieht sie auf ihre Herrin

herab! Sara ärgert sich darüber sehr. Verständlicherweise. Und Abraham? Wie geht

er mit diesem „Zickenterror“ um? Er stellt sich auf die Seite Saras! Keine Frage!

„Hier ist deine Magd!“ sagt er. „Tu mit ihr, was du willst!“ (Genesis 16,6).

Das wiederum lässt Sara sich nicht zweimal sagen! Sie behandelt ihre Magd so

unmöglich, dass diese schließlich davonläuft. In die Wüste. Und genau dort

macht Hagar zum ersten Mal die Erfahrung, dass Gott jemand ist, der sich um


Gottesdienstentwurf zum Thema

Kinderrechte gegen Kinderarmut“

sie kümmert. Der Engel des Herrn findet sie an einem Brunnen und sorgt dafür,

dass sie heimkehrt und Saras Schikanen erträgt. Um des Kindes willen, das in

ihr heranwächst. „Brunnen des Lebendigen, der nach mir schaut“ nennt sie den

Ort des Geschehens!

Und nun? Wieder setzt Sara alles daran, dass Hagar verschwindet: „Verstoß

diese Magd und ihren Sohn!“ sagt sie zu Abraham. Und begründet dieses Ansinnen

damit, dass das eine Kind die Zukunft des anderen gefährdet! Ist das nicht

absurd? Damit der kleine Isaak erben kann, muss der kleine Ismael sterben!?

Warum können die nicht alle in Frieden miteinander leben?

Abraham versteht das auch nicht. „Ihn verdross das sehr!“ heißt es im Bibeltext.

Schließlich war auch Ismael sein Sohn! Der Erstgeborene noch dazu! Aber

was soll er tun? Typische Probleme einer Patchworkfamilie könnte man sagen!

Wie soll man dafür eine Lösung finden!?

Gott, der Lebendige, der nach mir schaut, scheint eine Lösung zu haben: „Hör

auf alles, was Sara dir sagt! Was auch passiert: Ich werde mich um beide Kinder

kümmern!“

Ich habe mich einen Moment lang gefragt, ob das, was Abraham hier als „Stimme

Gottes“ hört, nicht vielleicht seine eigene „innere Stimme“ war. Die Rechtfertigung,

die er sich selbst zurechtlegt, um aus diesem Loyalitätskonflikt zwischen

Sara und Isaak auf der einen und Hagar und Ismael auf der anderen Seite

einigermaßen unbeschadet heraus zu kommen.

Wenn Gott sich kümmert,

dann brauche ich mir doch

keine Gedanken mehr zu

machen! Dann kann ich

Hagar und Ismael in die

Wüste schicken – und Sara

gibt endlich Ruhe! Gott

wird das schon alles

regeln.

Aber dass Abraham so

gedacht haben könnte, ist

natürlich reine Spekulation!

Jedenfalls tut er genau

das, was Sara von ihm verlangt

hat: Er verstößt seine

zweite Frau und seinen

erstgeborenen Sohn! Gut,

er gibt ihnen das Allernötigste

mit auf den Weg:

etwas Brot und einen

13


Gottesdienstentwurf zum Thema

Kinderrechte gegen Kinderarmut“

14

Schlauch mit Wasser. Aber letztlich weiß er wohl, dass er sie damit dem Tod

ausliefert – oder der Gnade und Fürsorge Gottes!

Schnitt! Szenenwechsel! Hagar irrt in der Wüste umher. Das Brot ist aufgegessen,

der Wasserschlauch leer – und keine Rettung in Sicht! Heiß brennt die

Sonne auf die junge Mutter mit dem kleinen Kind herab. Und sie weiß: Das

überleben wir nicht! Das ist das Ende der Reise! Da ist kein Brunnen! Und kein

Gott, der nach mir schaut!

In ihrer Verzweiflung nimmt sie das Kind und wirft es unter einen Strauch. Sie

kann nicht mit ansehen, wie ihr Sohn stirbt. Ganz verlassen kann sie ihn aber

auch nicht. Sie bleibt in der Nähe. Sitzt da im Wüstensand und weint und wartet

auf den Tod.

Ich weiß nicht, ob es ein eindrücklicheres Bild für Verzweiflung und dieses

Gefühl der Ausweglosigkeit gibt als Hagar im Wüstensand. Vielleicht noch Jesus

am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Habe ich dich

nicht als einen Gott erlebt, der nach mir schaut? Und jetzt?!?

Es gibt Lebensgeschichten, die an dieser Stelle enden. Ich denke an junge Frauen,

die ihre gerade geborenen Kinder in Müllcontainern „entsorgen“, weil sie

nicht wissen, wie sie sich um diese Kinder kümmern sollen. Ich denke an Aidswaisen

in Südafrika, die ohne Eltern in eine ungewisse Zukunft hinein aufwachsen.

Ich denke an eine Bekannte, die mit Ende 30 die Diagnose „Krebs“ bekam

– und nun mit dem Wissen lebt, dass ihr vielleicht nur noch ein, zwei Jahre bleiben.

Und da ist kein Gott,

der nach ihnen schaut!

Jedenfalls scheint es

manchmal so.

Die biblische Geschichte

geht weiter. Mit einem

kleinen, unscheinbaren

Satz: „Gott hörte den

Knaben schreien!“ Gott

hörte den Knaben schreien!

Nicht die Mutter, die

in der Nähe sitzt und

weint. Nicht den Vater, der

vielleicht zu Hause sitzt

und sich fragt, ob er das

Richtige getan hat. Nein,

Gott hört das Kind, das

unter diesem Strauch in

der Wüste liegt und

schreit. Weil es Hunger


Gottesdienstentwurf zum Thema

Kinderrechte gegen Kinderarmut“

hat. Und Durst. Und nicht versteht, was mit ihm geschieht. Gott hörte den Knaben

schreien!

Ich bin fest davon überzeugt, dass die Kinder dieser Welt im Herzen Gottes

einen besonderen Platz haben! Gott hat eine Option für die Kleinen und Schwachen!

Ihre Engel, heißt es in Matthäus 18,10, sehen allezeit das Angesicht des

Vaters im Himmel. Niemand sonst hat eine solche Nähe zu Gott!

Und weil Gott ein Gott ist, der nach den Kindern schaut, will er, dass wir es

ihm gleich tun! Da kommt kein Engel vom Himmel, nimmt den kleinen Ismael

auf den Arm und gibt ihm zu trinken! Da geschieht kein Wunder – und alles

wird gut! Da ist nur diese Stimme, die die Mauer aus Verzweiflung, Trauer und

Angst durchbricht, von der Hagar sich umschlossen glaubt. „Fürchte dich nicht!

Gott hat den Knaben dort schreien gehört, wo er liegt.“

„Fürchte dich nicht! Hab´

keine Angst!“ – Immer ist

das das Erste, was Gott/

was Jesus einem Menschen

sagt, wenn er ihn

einlädt ins Leben! „Fürchte

dich nicht! Ich habe

dich erlöst! Ich habe dich

bei deinem Namen gerufen!

Du bist mein!“ (Jesaja

43,1) „Fürchte dich

nicht! Von jetzt an wirst

du Menschen fischen!“

(Lukas 5,10) „Fürchte dich

nicht! Ich habe den Knaben

dort schreien gehört,

wo er liegt.“

„Fürchte dich nicht! Hab

keine Angst!“ – Diese

Worte lösen die lähmende

Verzweiflung, die von

Hagar Besitz ergriffen hat. Und noch bevor Gott ihr die Augen öffnet und sie einen

Ausweg aus ihrer scheinbar ausweglosen Situation findet, mutet Gott ihr zu, in

diese Situation zurückzukehren: „Steh auf, nimm den Knaben, und halt ihn fest

an deiner Hand.“ – Sich um dieses schreiende, sterbende Kind kümmern. Einfach

nur bei ihm zu sein und es festzuhalten. Das kann sie tun – egal, was geschieht!

Auch an dieser Stelle könnte diese Geschichte enden. Viele Lebensgeschichten

enden hier. Ohne das rettende Wunder! Ohne den Brunnen, der plötzlich die

Wende bringt. Und doch nicht in Verzweiflung und Einsamkeit! Da finden junge

Die Postkarten können

auch im Gottesdienst

verteilt werden!

15


Gottesdienstentwurf zum Thema

Kinderrechte gegen Kinderarmut“

Gott nimmt uns nicht

ab, was wir selber tun

können!

Frauen vielleicht den Weg zur „Kinderklappe“ eines Krankenhauses oder einer

Sozialstation. Da schreiben junge Eltern, die in Südafrika an Aids sterben, noch

ein Buch für ihre Kinder: erzählen ihre Lebensgeschichte und die ihrer Vorfahren,

damit diese Kinder, wenn sie aufwachsen, eine Geschichte haben und die

Erinnerung an eine Familie – auch wenn es nie ihre eigene Erinnerung sein

kann! Da entdeckt meine Bekannte, dass ihr Leben das, was ihre Krankheit ihm

an Dauer nimmt, an Tiefe hinzu gewonnen hat. Manche Lebensgeschichten

enden ohne ein rettendes Wunder, ohne einen Brunnen, der plötzlich die

Wende bringt – und doch mit der Erfahrung, dass da ein Gott ist, der nach uns

schaut.

Die biblische Geschichte geht auch hier noch weiter, weil Gott mit dem kleinen

Ismael noch etwas vorhat! Und so öffnet er Hagar die Augen, und sie sieht

einen Brunnen! Doch selbst an dieser Stelle hätte alles noch ganz anders kommen

können! Was, wenn Hagar dieses Bild für eine Fata Morgana gehalten

hätte? Ein Trugbild, für das es sich nicht lohnt, noch einmal aufzustehen und

sich durch den heißen Wüstensand zu schleppen? Selbst hier noch macht Gott

sich abhängig davon, dass Hagar ihm traut! Hätte er den beiden nicht auf wundersame

Weise den leeren Wasserschlauch füllen können!? Nein! Hagar muss

aufstehen. Sie muss zu diesem Brunnen hingehen – so schwer ihr das fallen

mag – und selbst das Wasser schöpfen!

Ich glaube, das ist ein Prinzip Gottes im Umgang mit uns: Er nimmt uns nicht

ab, was wir selber tun können! Er entmündigt uns nicht! Er lässt uns die Freiheit

eigener Entscheidungen! Er will zu seinem Ziel kommen – aber er will es

nicht ohne uns! Darum lädt er uns ein, an seinem Reich mit zu bauen. „It’s up

to you!“, sagt er. „Steh auf, gehe los und tu du deinen Teil! Füll einem Verdurstenden

den Wasserschlauch! Bau eine ‚Kinderklappe‘ an dein Herz! Gib einem

Aids-Waisen eine Zukunft! Lass dein Leben, von dem du nicht weißt, wie lange

es dauert, an Tiefe gewinnen! – It’s up to you! Tu du deinen Teil – ich tu den

meinen!“

Und so endet unsere Geschichte so schlicht, wie sie begann: Das Kind, das in

der Wüste sterben sollte, erobert sich die Wüste als Lebensraum! Der, der einst

nur um Bogenschussweite dem Tod entging, wird ein Bogenschütze! Und

warum das alles? Weil Gott mit ihm war!

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Post für den Bundestag!

Post für den Bundestag!

Wirksame Maßnahmen gegen Kinderarmut? Das geht nicht ohne die Menschen,

die in der Politik unsere Gesellschaft entscheidend gestalten – die Abgeordneten

des Deutschen Bundestages. Abgeordneten unsere Erwartungen mitzuteilen,

ist daher nahe liegend und vernünftig. Dies ist um so glaubwürdiger,

je deutlicher ein eigener Beitrag geleistet wird. So wird auch Kindern die Gelegenheit

gegeben, selbst aktiv zu werden.

In diesem Materialheft finden sich drei Postkartenentwürfe für unterschiedliche

Aktionen.

Postkarte 1 dient dazu, dass Kinder sich mit ihren Wünschen, Vorstellungen und

Forderungen direkt an Bundestagsabgeordnete wenden können. (vgl. hierzu den

Gruppenstundenentwurf auf S. 10) Wie die Postkarte gestaltet wird, ist offen.

Jüngere Kinder können z. B. malen, wie Kinder in Armut leben. Ältere Kinder

können ein Projekt gegen Kinderarmut beschreiben. Haben sich Kinder intensiv

mit dem Thema auseinander gesetzt, können sie auch ihre konkreten Forderungen

oder Wünsche aufschreiben. Die Karte liegt als Kopiervorlage bei und

kann auch bei der aej bestellt werden.

2

3

1

Versprechen

muss man

halten

Zusätzliche Postkarten

können bei der aej

kostenlos bestellt

werden.

Postkarte 2 stellt die Diskrepanz zwischen den geforderten Kinderrechten und

den vielen in Armut lebenden Kindern dar. Die Postkarte kann auf der Rückseite

von Kindern ebenso wie von Mitarbeitenden oder anderen aktiven Erwachsenen

aus der Kirchengemeinde entsprechend gestaltet werden. Auf der Rückseite

kann ausgefüllt werden, was der oder die Absender(in) selbst gegen

Kinderarmut getan hat oder zu tun plant. Wenn ein konkretes Projekt durchgeführt

wird, sollte diese Postkarte benutzt werden.

Postkarte 3 ist die allgemeinste Postkarte. Mit ihr werden Abgeordnete gebeten,

sich für Maßnahmen gegen Kinderarmut einzusetzen. Sie kann z.B. in der

Kirche oder im Gemeindehaus ausgelegt oder im Gottesdienst mit dem Vorschlag

verteilt werden, sie an eine konkrete Person abzuschicken.


Wer ist „mein Abgeordneter“?

Wenn unbekannt ist, wie die Abgeordneten im Wahlkreis heißen, einfach unter:

www.bundestag.de auf „Abgeordnete“ klicken. Hier findet sich der Link „Suche

nach ihrem MdB“. In der eingeblendeten Landkarte erst das Bundesland und

dann den Wahlkreis auswählen.

Die Anschrift – Adresse des Deutschen Bundestages – ist für alle Abgeordneten

gleich: Platz der Republik 1, 11011 Berlin.

Deine(n) Bundestagsabgeordnete(n)

findest

du unter

www.bundestag.de

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Post für den Bundestag!

Stundenplan:

Kinder müssen ihre Rechte kennen. Dafür gibt es einen Stundenplan, auf dem

die Kinderrechte noch einmal in kindgerechter Form erklärt worden sind. Den

Stundenplan können Kinder nach den Gruppenstunden, Projekten oder einem

Gottesdienst mit nach Hause nehmen.

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Material bestellen:

Das Material ist kostenlos. Diese Broschüre, die Postkarten und die Stundenpläne

können in größerer Stückzahl bestellt werden bei der:

Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend

in der Bundesrepublik Deutschland e. V. (aej)

Otto-Brenner-Str. 9

30159 Hannover

0511 12 15-136

www.evangelische-jugend.de, lh@aej-online.de

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