Doing Connectivity als Praxis des Miteinander-in-Beziehung-Setzens

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Doing Connectivity als Praxis des Miteinander-in-Beziehung-Setzens

Doing Connectivity

als Praxis des Miteinander-in-Beziehung-Setzens

Medienhandeln zwischen formalen und informellen Kontexten

„Diskursive und produktive Praktiken in der Digitalen Kultur”

Herbsttagung der Sektion Medienpädagogik der DGfE,

08. & 09.11.2012, Universität Hamburg

Dr. Sandra Aßmann


Agenda

1. Ausgangslage

2. Forschungsfrage & -design

3. Fallauswahl/ theoretisches Sampling

4. Sensibilisierende Konzepte

5. Definitionen

6. Die Entwicklung der Schlüsselkategorie

7. Ausblick I: Visionen für Schule in der Digitalen Kultur

8. Ausblick II: Weiterführende Forschungsperspektiven

Dr. Sandra Aßmann


Dr. Sandra Aßmann

Ausgangslage


„Diese mediale Welt, die uns umgibt, kann ja für die Schule nur

bedeuten, dass sie sich damit auseinandersetzen muss. Ich

selber, für mich hat alles, was mit Medien zu tun hat, etwas

sehr Verteufeltes, sage ich auch ganz ehrlich. Darum ist es mir

wichtig, das in die Schule reinzuholen. Aber vor 20 Jahren

hätte ich die Schule eher abgeschottet. Aber die Entwicklung

ist einfach so gewesen, dass man sagen muss, man muss das

in die Schule holen, weil das der einzige Ort ist, das kritisch zu

reflektieren mit Schülerinnen und Schülern und sie auch fit zu

machen, Gütekriterien für sich zu entwickeln.“

(Schulleiterin einer Gesamtschule mit 1300 SuS)

Dr. Sandra Aßmann


Ausgangslage

Wechselseitige Durchlässigkeit

der Kontexte ?!

Medienbezogenes

Handeln in

informellen Kontexten

(Familie, Freundeskreis)

Medienbezogenes

Handeln in

formalen Kontexten

(Schule)

Dr. Sandra Aßmann


Forschungsfrage und -design

Dr. Sandra Aßmann


Forschungsfrage

Inwiefern bietet die handelnde Auseinandersetzung von Kindern und

Jugendlichen mit digitalen Medien Potenziale, formale und informelle

Kontexte unter dem Fokus des Lernens miteinander zu verknüpfen?

Versuch,

ausgehend vom Kontext

und vom handelnden Subjekt

(Lern)Prozesse, die mit (Hilfe von) Medien ablaufen,

genauer zu charakterisieren

mit dem Ziel, „Durchlässigkeit“

theoretisch und empirisch

fassen zu können.

Dr. Sandra Aßmann


Forschungsdesign

Methodologie der Grounded Theory (nach Strauss/ Corbin)

Erhebungsmethoden:

- Medientagebücher = Weblogs mit Dialogcharakter

- Fragebögen mit Schülerinnen und Schülern (2008/ 2009)

- Leitfadengestützte Interviews mit Lehrpersonen

- Dokumentenanalyse

Auswertung:

Ursächliche

Bedingungen

Medienausstattung

Technischer Stand

Kodierparadigma nach Strauss/ Corbin

Einnehmen einer

Gatekeeperrolle (LP)

Rationalisieren (LP)

Kontext und

intervenierende

Bedingungen

Phänomen:

Medienhandeln von

Kindern und Jugendlichen

Handlungs-/

Interaktionsstrategien

Integration von

Wissensquellen (Knoten)

Situationsadäquate,

emotional gefärbte

Medienauswahl

Bearbeitung bestimmter

Themen

Medienangebote als

strukturelle Kopplung

Schule/ Familie/

Peer Group

Entwicklungsaufgaben/

Bedürfnisse

Zugriff auf Medien

Konsequenzen

keine Durchlässigkeit/

Anschlussfähigkeit von Kontexten

nur einseitige Durchlässigkeit

wechselseitige Durchlässigkeit/

Anschlussfähigkeit von Kontexten

Dr. Sandra Aßmann


Fallauswahl & theoret. Sampling

Dr. Sandra Aßmann


Fallauswahl/ theoretisches Sampling Legende:

Setting: Weblogs + Fragebögen, Interviews und Dokumente zu der jeweiligen Schule

MH = Migrationshintergr., oMH = ohne Migrationshintergr., EK = Einzelkind, GK = Geschwisterkind

Setting 1:

Städtisches Mädchengymnasium

in einer westdeutschen Großstadt

Weblog:

♀, 13 J.,

MH, EK

Weblog:

♀, 8 J.,

oMH, GK

Setting 2:

Städtisches koedukatives Gymnasium

in einer ostdeutschen Mittelstadt

Weblog:

♂, 14 J.,

oMH, GK

Weblog:

♂, 14 J.,

oMH, GK

Weblog:

♂, 9 J.,

MH, GK

Weblog:

♂, 8 J.,

oMH, EK

Setting 5:

Katholische Grundschule

in einer westdeutschen Mittelstadt

Setting 3:

Städt. Realschule in einer Trabantenstadt

vor einer süddeutschen Großstadt

Weblog:

♂, 14 J.,

MH, GK

Weblog:

♂, 8 J.,

oMH, GK

Setting 6:

Städtische Grundschule

in einer westdeutschen Mittelstadt

Setting 4:

Städtische Gesamtschule

in einer westdeutschen Großstadt

Weblog:

♂, 14 J.,

oMH, GK

Weblog:

♀, 8 J.,

oMH, EK

Setting 7:

Städtische Grundschule in

einer südwestdeutschen Kleinstadt

Sek I

Dr. Sandra Aßmann

Primarstufe


Fallauswahl/ theoretisches Sampling

Prinzip der maximalen strukturellen Variation

Minimale Kontraste

• Ganztagsschulen mit

„Freien Lernorten“

• 5 Jugendliche, 5 Kinder

• 5 x Grundschule, 3 x Gymnasium

• 3 x übereinstimmende Soziodemografie

Maximale Kontraste

• Unterschiedliche Ausgestaltung des Ganztags

und der „Freien Lernorte“

• 3 Mädchen, 7 Jungen

• 3 unterschiedl. weiterführende Schulformen

• 3 Jugendliche/ Kinder mit MH, 7 ohne MH

• 3 Einzelkinder, 7 Geschwisterkinder

• 3 Kinder von einer Grundschule (2 aus einer

Klasse), 2 Jugendliche aus einer Klasse

Dr. Sandra Aßmann


Sensibilisierende Konzepte

Dr. Sandra Aßmann


Sensibilisierende Konzepte I

Praxistheoretische

Ansätze

(Reckwitz)

Systemtheoretische

Ansätze

(Luhmann, Baecker)

Netzwerktheoretische

Ansätze

(Castells, Hepp)

Raumtheoretische

Ansätze

(Löw)

Dr. Sandra Aßmann


Sensibilisierende Konzepte II

Lernen als Handeln

(Tulodziecki/ Herzig)

Lernen als Erfahren

(Meyer-Drawe)

Lernen als Verknüpfen

(Siemens/ Downes)

Dr. Sandra Aßmann


Praxistheoretischer Zugang nach Reckwitz

Alltagsroutinen; potenzielle Irritationen; Medien als Artefakte;

Kulturelle Codes (vermittelt über Diskurse!);

Individuen als Knotenpunkte sozialer Praktiken

Dr. Sandra Aßmann


Dr. Sandra Aßmann


Dr. Sandra Aßmann

Definitionen


Definitionen

Kontext:

Zeitliche, räumliche und soziale Umstände des Medienhandelns

Medien(angebote):

Selektionsofferten;

bieten in Kommunikationsprozessen Anlässe zur Bedeutungszuweisung

und Wissensproduktion

Medienhandeln:

Komplex spezifischer sozialer Praktiken, zu deren Ausübung eine

besondere Form des Wissens erforderlich ist

Lernen:

Lernprozess als Erfahrung und Lernresultat als Ergebnis von Erfahrungen

Dr. Sandra Aßmann


Die Entwicklung der

Schlüsselkategorie

Dr. Sandra Aßmann


Die zentralen Kategorien der Grounded Theory

Dr. Sandra Aßmann


Agenda

Dr. Sandra Aßmann


Ausblick: Visionen für

Schule in der Digitalen Kultur und

weiterführende Forschungsperspektiven

Dr. Sandra Aßmann


Ausblick: Visionen für Schule in der Digitalen Kultur

Entwicklung von personalisierten Freien Lernorten

Verändertes Verständnis von Schüler und Lehrperson bzw.

„Neukonzeption“ des Lernenden

Unterstützung der Lernenden beim Aufbau eigener

Wissensnetzwerke

Förderung von Informationskompetenz

Anschlussfähigkeit des Systems Schule an das System Familie:

Betrachtung von Medienangeboten als Elemente

struktureller Kopplung

Stärkere Responsivität von Schule gegenüber Interessen

und Bedürfnissen Heranwachsender

Dr. Sandra Aßmann


Weiterführende Forschungsperspektiven

Bewährung in der Praxis/ Generalisierbarkeit

Ausbau der materialen Theorie zur formalen Theorie durch gezielte

Vergleichsforschung (z.B. Einbezug von Familie und Peers sowie

Ausbildungsbetrieben)

Systematischer Vergleich mit Clustern aus „Medienhandeln

Jugendlicher“ (Treumann et al. 2007) sowie mit Mustern konvergenzbezogener

Medienaneignung nach Theunert/ Wagner (2008)

Anwendung der Webtagebücher in Praxisforschungsprojekten

(z.B. auch unter Einbezug visuellen Materials)

Dr. Sandra Aßmann


„Im Zentrum der Tagung steht die Frage, ob sich durch die

Verbreitung neuer digitaler Medien eine neue Erfahrungsund

Handlungssphäre etabliert hat und wie diese aus

medienpädagogischer Perspektive einzuschätzen ist. Im

Fokus stehen dabei vor allem diskursive und produktive

Praktiken, die sich in informellen und formalen Kontexten

etabliert haben.“

Dr. Sandra Aßmann


„Medienkompetenz als Reflexion der Zielorientierung eigenen

Medienhandelns“ (Kammerl 2006)

Wie können wir als Medienpädagogen Chancen und

Möglichkeiten zum Erwerb einer solchen Medienkompetenz

aufzeigen?

…Analyse von Kontexten als erster möglicher Schritt…

Dr. Sandra Aßmann


Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

Dr. Sandra Aßmann


Weiterführende Literatur:

Aßmann, S. (erscheint 2013): Doing Connectivity. Medienhandeln zwischen formalen und informellen Kontexten. Wiesbaden:

VS Verlag.

Herzig, B./ Aßmann, S. (2012): Medienpädagogik und Schule. In: von Gross, F./ Sander, U./ Meister, D. M. (Hrsg.):

Enzyklopädie Erziehungswissenschaft Online (EEO). Weinheim: Juventa/ Beltz. http://www.erzwissonline.de/#

Herzig, B./ Aßmann, S./ Grafe, S. (2010): Medienbezogene Lernumfelder von Kindern und Jugendlichen. Schlussbericht.

Paderborn: Universität, Fakultät für Kulturwissenschaften, Institut für Erziehungswissenschaft. http://kw.unipaderborn.de/fileadmin/kw/instituteeinrichtungen/erziehungswissenschaft/arbeitsbereiche/herzig/Herzig/Material/Schlussbericht_MeiLe_221110.pdf

Aßmann, S./ Herzig, B./ Grafe, S. (2010): Entwicklung von Medienkompetenz als schulische Aufgabe. In: SchulTrends.

Sonderausgabe der SchulVerwaltung. (2010) 1, S. 2-4

Aßmann, S. (2010): Medienhandeln als kontextübergreifender Lernprozess. In: Hug, Th./ Maier, R. (Hrsg.): Medien - Wissen -

Bildung: Explorationen visualisierter und kollaborativer Wissensräume. Innsbruck: Innsbruck University Press, S. 102-115

Aßmann, S./ Herzig, B. (2009): Schulische Verortungsprobleme in einer Netzwerkgesellschaft. In: Böhme, J. (Hrsg.):

Schularchitektur im interdisziplinären Diskurs. Territorialisierungskrise und Gestaltungsperspektiven des schulischen

Bildungsraumes. Wiesbaden: VS-Verlag, S. 58-72

Herzig, B./ Aßmann, S. (2008): Digitale Medien in formalen und informellen Lernumgebungen von Kindern und Jugendlichen. In:

Wernstedt, R./ John-Ohnsesorg, M. (Hrsg.): Neue Medien in der Bildung : Dokumentation der Konferenz des Netzwerk Bildung

vom 5. und 6. Mai 2008 Friedrich-Ebert-Stiftung - 1. Aufl. [Electronic ed.] - Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung, S. 41-46.

Dr. Sandra Aßmann

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