NABU-Forderungen zur Änderung der Wildfütterungsbestim ...

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NABU-Forderungen zur Änderung der Wildfütterungsbestim ...

NABU-Forderungen zur Änderung der Wildfütterungsbestimmungen

und damit Förderung reich strukturierter Mischwälder

Änderung Landesjagdgesetz

® Die Fütterung von Wildtieren ist generell verboten.

® Die Ablenkungsfütterung von Schwarzwild ist generell verboten.

® Das Anlocken von Schalenwild mit geringen Futtermengen zur Erleichterung der

Bejagung (Kirrung) ist in der Zeit vom 1. September bis zum 31. Januar zulässig.

® Die Bestimmungen der Kirrung werden in einer Rechtsverordnung präzisiert.

Änderung LJagdGDVO

® Kirrung bedarf der Genehmigung der unteren Jagdbehörde mit folgenden

Auflagen:

- Anzeigepflicht der Lage der Kirrstellen

- Maximal eine Kirrstelle pro angefangene 100 Hektar Wald

- Für Schwarzwild je Kirrstelle maximal ein Liter Kirrmittel

- Für wiederkäuendes Schalenwild je Kirrstelle maximal drei Liter Kirrmittel

- Zeitliche Begrenzung der Kirrung auf die Monate September bis Januar

- Kirrmittel für Schwarzwild muss in den Boden eingebracht oder mit bodenständigem

Material abgedeckt werden

® Beseitigungspflicht für nicht genehmigte Kirrung oder Fütterung für die jagdausübungsberechtigte

Person, spätestens drei Tage nach Aufforderung durch die untere

Jagdbehörde.

Stuttgart, im Oktober 2007

Dr. Stefan Rösler

Naturschutzbund Deutschland (NABU)

Landesverband Baden-Württemberg


Fortgesetzter gesetzeswidriger

Fütterungsmissbrauch

in Baden-Württemberg

Novellierung des Landesjagdgesetzes ist überfällig

Trotz gesetzlichem Verbot seit 1996:

Wildschwein-Lockfütterung mit Mais in Fass und Mülleimer im Naturschutz-Modellprojekt

Rohrhardsberg im Auerhuhn-Kerngebiet auf 1150 m Höhe

Oktober 2007


Vorbemerkung

Das MLR plant eine Lockerung des Verbots der

Schwarzwild-Lockfütterung im Hochschwarzwald.

Der NABU nahm dies zum Anlass, die Einhaltung der

gesetzlichen Regelungen zu überprüfen.

Noch mehr Kraftfutter für noch mehr

Wildschweine?

Falls das seit 1996 zum Schutz des Auerhuhns geltende

Verbot der Fütterung, Ablenkungsfütterung und Kirrung

von Schwarzwild im Schwarzwald („800m-Regelung“)

gelockert wird, vergrößert sich die Fläche, auf

der Wildschweine ganzjährig mit Kraftfutter versorgt

werden dürfen, um bis zu 25.000 ha.

Zur Verminderung von Schäden in der Hochlagenlandwirtschaft

und zur Regulierung der Schwarzwildbestände

favorisiert das Land dabei mit der Ansitzjagd

an der Kirrung eine Jagdmethode, die sich über Jahre

hinweg nicht bewährt hat. Denn seit etwa 25 Jahren

steigen die Schwarzwildbestände mehr oder weniger

kontinuierlich an und mit ihnen die Wildschäden. Die

Jäger werden ihrer gesetzlich vorgegebenen Pflicht zur

Bestandsregulierung nicht gerecht.

Wer Schwarzwild in Baden-Württemberg nachhaltig

regulieren will, darf nicht ganzjährig dessen "Fortpflanzungsmotor

mit Kraftstoff " versorgen.

Der NABU fordert landesweit ein Verbot

der Ablenkungsfütterung und eine drastische

Einschränkung der Schwarzwildkirrung

mitsamt dem Verbot aller Hilfsmittel.

Der Klimawandel erfordert angepasste

Schalenwildbestände

Angepasste Schalenwildbestände werden zum Schlüsselfaktor

für die Anpassung der Wälder an den Klimawandel.

Klimagerechte Waldbewirtschaftung bedeutet

reich strukturierte Mischwälder mit einem weiten

Baumartenspektrum in der Verjüngung. Hohe Wilddichten,

die die Verjüngung von Tanne und Laubholz

erschweren oder gar unmöglich machen, sind kontraproduktiv.

Das Forstliche Gutachten 2007 zum Dreijahres-

Rehwildabschussplan verzeichnet bei Tanne und Eiche

nach 2004 erneut einen deutlichen Verbissanstieg,

bei jenen Baumarten also, die „für die naturnahe

Waldbewirtschaftung in Zeiten des Klimawandels von

herausragender Bedeutung sind“.

Bereits im Jahr 2000 konnte die Wildforschungsstelle

des Landes Baden-Württemberg in einem Forschungsprojekt

nachweisen, dass „für die Mehrheit der Jagdreviere

in Baden-Württemberg eine Winterfütterung

von Rehen weder biologisch notwendig noch sinnvoll

ist und sich auch nicht generell als Mittel zur Wildschadensvermeidung

eignet“.

Trotz der bekannten Klimaprognosen und landeseigenen

Forschungsergebnisse erlaubt das Landesjagdgesetz

von 1996 mit einer freizügigen Regelung die Fütterung

von Schalenwild in der Zeit vom 1. Dezember bis

zum 31. März.

Der NABU fordert ein generelles

Fütterungsverbot von Rehen und

Wildschweinen in Baden-Württemberg.

Selbst bei frühlingshaften Temperaturen von 20°C sind

prall gefüllte Rehwildfuttertröge im Land nicht verboten

und keine Seltenheit. Mit Fütterung künstlich hoch

gehaltene Rehwildbestände verhindern eine ausreichende

Naturverjüngung an Eiche, Hainbuche und Linde

(Oberrheinebene, Landkreis Rastatt, März 2007).

®

Geht es nach dem Willen der Obersten Jagdbehörde, sollen

bald Maisfässer, Saukreisel, Beschäftigungsglocken etc. den

Hochschwarzwald verschandeln dürfen (Bildmontage).


Die Kontrollmechanismen und der Vollzug

geltender Gesetze haben versagt

Mit mehreren Dokumentationen von Missbräuchen bei

der Wildfütterung hat der NABU zwischen 1999 und

2002 in Baden-Württemberg eine Präzisierung und

teilweise Verschärfung der Fütterungsbestimmungen

in der Landesjagdgesetz-Durchführungsverordnung

(LJagdGDVO) erreicht. Auch in den Folgejahren und

bis heute hat der NABU mehrfach gravierende Verstöße

gegen die Wildfütterungsbestimmungen dokumentiert

und zur Anzeige gebracht.

Eine aktuelle NABU-Recherche im September 2007

in den Auerhuhn-Verbreitungsgebieten des Südschwarzwaldes

erbrachte erneut eklatante Verstöße.

Die insbesondere im Projektgebiet Rohrhardsberg in

Höhenlagen zwischen 850 und 1150 m vorgefundenen,

offensichtlich seit Jahren und dauerhaft betriebenen

Schwarzwild-Lockfütterungen belegen in erschreckender

Weise, dass die bisherigen Verbote grob missachtet

und alle Appelle und Kontrollen kläglich versagt haben.

Naturschutzgebiet "Kostgefäll" im Projektgebiet Rohrhardsberg:

Dauerhaft betriebene Schwarzwild-Kirrung auf über

1000 m Höhe im Auerhuhn-Kerngebiet mit dem üblichen

Equipment der Schwarzwildhege (September 2007).

Obwohl seit Jahren angeprangert, gelang es bislang

nicht, Missbräuche selbst in herausragenden Naturschutzgebieten

wie dem „Taubergießen“ konsequent

abzustellen.

Offensichtliche Verstöße können mangels eindeutiger

Beweise in den meisten Fällen nicht geahndet werden.

Hintergrund ist die Gesetzeslage, die die Behörde dazu

zwingt, den direkten Nachweis der widerrechtlichen

Das „Tafelsilber des Naturschutzes“

wird auf dem Altar

des privaten Jagdvergnügens

geopfert: Naturschutzgebiet

„Taubergießen“

(Ortenaukreis): seit Jahren

ordnungswidrig offen angebotener

Mais (2003, 2005,

2007)

Ausbringung zu führen und das Standardargument der

Jagdausübungsberechtigten - „das waren Dritte“ - zu

entkräften. Die Unzufriedenheit und Enttäuschung bei

den Mitarbeitern der Unteren Jagdbehörden und bei

engagierten Bürgern ist groß. Die Tatsache, dass über

Jahre hinweg bestehende Gesetze ungestraft gebrochen

werden, verletzt das Rechtsgefühl der Bürger und

offenbart Ohnmacht oder Kalkül des Gesetzgebers.

Der NABU fordert die Anzeigepflicht für

Kirrungen sowie die Umkehr der bisherigen

Beweislast durch Einführung einer

Beseitigungspflicht ordnungswidriger

Kirrungen durch den Jagdausübungsberechtigten

spätestens drei Tage nach Aufforderung

durch die Untere Jagdbehörde.

Dies ist in Rheinland-Pfalz, Hessen und

Nordrhein-Westfalen bereits Gesetz.

Diese Änderungen sind in

Baden-Württemberg überfällig!

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