Infoblatt Kleinwindkraft - e5-Salzburg

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Infoblatt Kleinwindkraft (Stand 8/2012) Seite 1 von 6

e5-PROGRAMM

Infoblatt

Kleinwindkraft

1 EINLEITUNG

Der Stromverbrauch in Österreichs Haushalten wächst ständig. Um klima- und umweltschädliche

Emissionen so gering wie möglich zu halten, sollte dieser zusätzliche Strombedarf mit erneuerbaren

Energieträgern gedeckt werden. Wasserkraft ist seit Jahrhunderten eine verlässliche Quelle,

Fotovoltaik gewinnt immer mehr an Bedeutung und immer häufiger wird private Kleinwindkraft zum Thema.

Grundsätzlich sind Kleinwindkraftanlagen für jedermann zu erschwinglichen Preisen zu haben. Vor

der Anschaffung sollte man jedoch die Windbedingungen am gewünschten Standort sehr genau

untersuchen, da diese ausschlaggebend für den Ertrag einer Anlage sind. Interessenten sollten sich

außerdem dessen bewusst sein, dass handwerkliches Geschick und Spaß am Tüfteln von Vorteil

sind, um eine Kleinwindkraftanlage erfolgreich (selbst) zu betreiben. Weitere Hinweise und nützliche

Tipps für den Weg zur Kleinwindkraftanlage liefert das vorliegende Infoblatt:

2 ERFOLGSFAKTOREN

Kleinwindkraftanlagen werden in unterschiedlichen Leistungsbereichen und für verschiedene

Anwendungsbereiche produziert. Die Leistung liegt

für Kleinstwindanlagen unter 1,5 kW

für Anlagen zur Installation auf Gebäuden zwischen 1,5 und 5 kW und

für Anlagen, die den Stromverbrauch eines Haushalts (teilweise) abdecken können, über 5 kW

Neben der Leistung sind folgende Faktoren entscheidend für den erfolgreichen Betrieb einer Anlage:

Wind

In die Energieberechnung geht die Windgeschwindigkeit mit der dritten Potenz ein. Daher ist es nicht

nur wichtig zu wissen, wie hoch die mittlere Windgeschwindigkeit ist, sondern auch wie sich die

gemessenen Windgeschwindigkeiten über den Zeitverlauf verteilen. Es müssen daher zusätzliche

Informationen über die Häufigkeit niedriger oder hoher Windgeschwindigkeiten vorliegen, um die

Leistungsdichte des Windes beurteilen zu können. Die mittlere jährliche Windgeschwindigkeit soll

mindestens 5,5 m/s betragen.

Es ist ratsam, mit Experten die jeweilige Situation zu besprechen und eventuell durch eine

Windmessung das Potential abzuklären. Ein subjektiver Eindruck ist meistens zu wenig für eine

aussagekräftige Bewertung des Standortes. Vielfach glaubt man einen Standort mit guten

Windbedingungen zu haben, in Wahrheit handelt es sich aber nur um Windböen, Turbulenzen und

Verwirbelungen. Wenn in der Umgebung schon Kleinwindkraftanlagen erfolgreich betrieben werden,

sollten hier Erfahrungswerte eingeholt werden.


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Rotorfläche

Mit der Rotorfläche wird der Wind „geerntet“. Für eine 10 kW-Anlage liegt diese typischerweise

zwischen 30 und 55 m², je nachdem, ob eine Anlage für einen Standort mit Starkwind oder

Schwachwind ausgelegt ist. Außerdem ist wesentlich, dass der Generator in einem Bereich arbeitet, in

dem er einen hohen Wirkungsgrad aufweist. Ein unnötig überdimensionierter Generator weist zwar

einen hohen Leistungswert aber bei einem Schwachwindstandort einen niedrigen

Gesamtwirkungsgrad auf. Eine Anlage sollte daher immer an den Standort angepasst sein. Unter

optimalen Voraussetzungen kann mit jährlichen Erträgen zwischen 40 und 200 kWh pro m²

Rotorfläche gerechnet werden.

Schallemissionen

Moderne Anlagen erzeugen wenig Lärm, der Großteil des Geräusches kommt vom aerodynamischen

Schall. Es gibt jedoch auch bei Kleinwindkraftanlagen unterschiedliche Erfahrungswerte zu

Schallemissionen. Einzelne Hersteller sprechen von einem Geräuschpegel von dem eines normalen

Kühlschranks. Andere Messungen gehen von einem Niveau von 5 bis 10 Dezibel über dem

Umgebungslärm aus. Relevante Größen sind der Abstand zu den Nachbarn, die Turmhöhe und die

Lärmniveau-Unterschiede zwischen den Windgeschwindigkeiten. Es ist zu beachten, dass in der

Nacht der Umgebungslärm bedeutend geringer ist und somit die Emissionen des Windrades

auffälliger sind als am Tag. Die Einholung von Erfahrungswerten von Referenzanlagen ist daher sehr

empfehlenswert.

ACHTUNG: Durch falsche Montage an Gebäuden kann es zu Schwingungen und dadurch zu

Lärmbelästigung im Gebäudeinneren kommen, d.h. Entkopplung durch Gummipuffer etc. überprüfen.

Grundstücksbeschaffenheit und Positionierung des Windrades

Es ist zu beachten, dass das Grundstück, auf dem das Windrad errichtet werden soll, baulich dafür

geeignet ist. Es sollte sichergestellt werden, dass weder Bäume noch Gebäude Rückstau und

Turbulenzen verursachen. Durch den Schattenwurf des Windrades sollen keine Beeinträchtigungen

im Umfeld entstehen. Die Kabelführung vom Windrad zum Wechselrichter ist festzulegen. Weiters

sollte der Abstand zum Nachbargrundstück größer als 50 m sein und mit den Nachbarn die Akzeptanz

des Windrades abgeklärt werden.

Folgende Übersicht zeigt stark vereinfacht die möglichen lokalen Situationen sowie Tipps zur

Aufstellung (Quelle: Small Scale Wind Energy – Technical Report, MET Office, 2008):


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3 STROMERZEUGUNG UND BENÖTIGTE ANLAGENTEILE

Stromerzeugung

Die Reihe der elektrischen Bestandteile beginnt mit dem Generator. Hier wird die im Wind gespeicherte

mechanische Energie in elektrische Energie umgewandelt. Es entsteht Wechselstrom mit einer

Spannung, deren Amplitude und Frequenz sich in Abhängigkeit von der Windgeschwindigkeit ändern.

Daher wird die Spannung gleichgerichtet, das Ergebnis ist Gleichstrom. Im Wechselrichter der

Windkraftanlage wird der Strom auf das übliche Maß gebracht (in Europa auf eine Nennspannung von


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230 Volt und eine Frequenz von 50 Hertz). Damit wird gewährleistet, dass die erzeugte Energie ins

öffentliche Niederspannungsnetz eingespeist werden kann. Eine andere Möglichkeit ist die Nutzung des

Stroms für Gebäude in Insellage, z.B. Schutzhütten, landwirtschaftliche Nutzgebäude, da mithilfe der

vom Windrad produzierten Gleichspannung Akkumulatoren geladen werden können.

Benötigte Anlagenteile

Windrad mit integriertem Gleichrichter und Überlastschutz

Wechselrichter

Mast inkl. Befestigung und Sicherung

Elektrische Leitungen und Kabelführung von Kleinwindkraftanlage zu Wechselrichter

Stromzähler mit zwei Zählwerken (vom Energieversorgungsunternehmen)

zuverlässiger Blitzschutz/Erdung

Bremsbox (sie reduziert bei Sturm die Generatordrehzahl und somit die Leistung, um die Anlage

vor Beschädigungen zu bewahren.)

Not-Aus, Abschaltungsmöglichkeit

Trockener Raum zur Unterbringung der Technik (Bremsboxen, Wechselrichter)

4 RECHTLICHE UND FÖRDERTECHNISCHE RAHMENBEDINGUNGEN

Bewilligung und Genehmigung

Zur Installation einer Kleinwindkraftanlage in Salzburg sind insbesondere folgende Rechtsmaterien

relevant: Baurecht inkl. Raumordnung und Ortsbildschutz, Naturschutzrecht und Energierecht. Hier

die wichtigsten Fakten:





Baurecht: Es muss unbedingt Kontakt mit dem/der BürgermeisterIn als Baubehörde erster Instanz

aufgenommen werden. Denn laut Salzburger Baupolizeigesetz ist die Errichtung von

Kleinwindkraftanlagen ausnahmslos genehmigungspflichtig. Die Gemeinde muss auch darauf

achten, dass es zu keiner erheblichen Beeinträchtigung durch die Anlage im Ortsbild kommt.

Raumordnung: Ob die bestehende Flächenwidmung innerhalb des Baulandes die Errichtung von

Kleinwindkraftanlagen zulässt, muss im Einzelfall abgeklärt werden. Je nach Anlagengröße und

Standort ist möglicherweise die Ausweisung einer "Sonderfläche" erforderlich. Eine

Einzelbewilligung im Gründland ist für Windkraftanlagen nicht mehr möglich.

Naturschutz: Außerhalb des Baulandes ist für die Errichtung von Windkraftanlagen eine

naturschutzrechtliche Bewilligung erforderlich. Ob bei der Bewilligung ein vereinfachtes Verfahren

ausreicht oder nicht, entscheidet die jeweilige Bezirkshauptmannschaft.

Energierecht: Lt. Landeselektrizitätsgesetz bedarf es unter einer Leistung von 10 kW weder einer

Anzeige bei der energierechtlichen Behörde (Amt der Salzburger Landesregierung) noch einer

elektrizitätsrechtlichen Bewilligung.

In allen Bundesländern gilt der Antrag zur Anerkennung als Ökostrom-Anlage durch die

Landesregierung, falls die Anlage zur Netzeinspeisung aufgestellt werden soll.

In Salzburg ist derzeit eine behördeninterne Vorbegutachtung für eine gänzliche Neuregelung der

baurechtlichen Bewilligungserfordernisse für Kleinwindkraftanlagen im Gange. Wann diese

Neuregelung vom Landtag beschlossen wird, ist derzeit noch unklar.

Für weitere rechtliche Informationen wenden Sie sich an:

Amt der Salzburger Landesregierung

Abteilung 4 - Lebensgrundlagen und Energie, Referat 4/01 - Allgemeine Rechtsangelegenheiten

Fanny-v.-Lehnert Straße 1, 5020 Salzburg

E-Mail: landw-recht@salzburg.gv.at, Web: www.salzburg.gv.at/energierecht.htm


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Förderung und Stromeinspeisung

Derzeit gibt es keine Förderungen für Kleinwindkraftanlagen von Land oder Bund, es besteht jedoch

die Möglichkeit, den Strom aus privaten Anlagen für den Eigenverbrauch zu nutzen und den

Überschuss in das öffentliche Stromversorgungsnetz einzuspeisen. Wenden Sie sich an Ihr

Energieversorgungsunternehmen, um einen Netzzugangsvertrag abzuschließen. Das nötige Formular

„Datenblatt Erzeugungsanlage“ der Salzburg Netz GmbH finden Sie unter

www.salzburgnetz.at/Erzeugungsanlagen.1721.0.html. Nach Fertigstellung der Anlage ist eine

Fertigmeldung des Elektrikers notwendig. Anschließend erfolgt ein Zählertausch. Es wird ein Zähler

mit zwei Zählwerken installiert, damit bei einer Einspeisung der Zähler nicht rückläufig ist.

Hinweis: Informieren Sie sich in Ihrem Gemeindeamt über eventuelle Gemeindeförderungen.

5 AUSWAHL DES ANBIETERS UND DES FABRIKATS

Für private Nutzer gibt es am Markt noch nicht sehr viele Anbieter, dadurch ist die Auswahl stark

begrenzt. Folgende Punkte können hilfreich bei der Auswahl eines Anbieters/Produkts sein:









Achten Sie darauf, dass die Nennleistung der Windkraftanlage nicht bei extrem hohen

Windgeschwindigkeiten angegeben wird! Werte, die 13 m/s bei Weitem übersteigen sind sinnlos,

da diese Geschwindigkeiten selten erreicht werden.

Ist das Unternehmen seriös? Informieren Sie sich genau über Anlagen des Herstellers, die bereits

in Betreib sind. Tests zeigen, dass oft bei relevanten technischen Aspekten wie der nötigen Start-

Windgeschwindigkeit und der Leistung, nicht haltbare Aussagen getroffen werden.

Bedenken Sie, dass entgegen mancher Behauptungen von Herstellern eine komplette

Stromversorgung oder sogar die Beheizung eines ganzen Hauses mit Windrädern bis 2 kW

undenkbar ist. Die angegeben Jahreserträge sind oft unrealistisch.

Gibt es belegbare Daten zur Leistungskurve? Bedenken Sie, dass die Leistungskurven gerne im

Windkanal gemessen werden, wo es 100% laminare Anströmungsverhältnisse gibt und die

Turbulenzen nicht abgebildet werden.

Wie hoch sind die Volllaststunden beziffert? (Realistisch sind 300 bis 1.500 Stunden)

Überprüfen Sie, wie sich die Anlage in Bezug auf Lärmemissionen verhält. Sind Schallmessungen

vorhanden?

Welcher Wechselrichter wird verwendet? Billige Produktionen führen schnell zu Anlagenausfällen.

Wie sieht es mit der Garantie aus? Wie lange läuft sie, welche Schäden werden gedeckt (Blitz,

Abnützung etc.)? Sind Ersatzteil-Lieferung und Wartung auch in ein paar Jahren noch realistisch?

Die Firma SOLAR-WIND-TEAM GmbH führte weltweit Tests verschiedener Fabrikate und Hersteller

durch. Fachbücher und Tests sind unter http://wind-mobil.de/test.html und http://windmobil.de/buecher.html

verfügbar.

Bildquelle: http://wind-mobil.de


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6 CHECKLISTE: VORGEHENSWEISE BEI DER PLANUNG UND ERRICHTUNG

Visuelle Standortbewertung

Höhenlage

Umgebende Hindernisse

Hauptwindrichtung, Platzierung in Bezug auf Hauptwindrichtung

Windstärke und Häufigkeit von Windrichtungsänderungen

Vermeidung von turbulenten Zonen

Frei stehend oder Dachmontage

Turbinenwahl

Schwach-/Starkwindturbine

Installationsvoraussetzung: Mechanische Belastungen, Netz- oder Inselbetrieb

Maximierung der Masthöhe

Zertifizierung

Leistungskurve

Lärmgutachten

Nennleistung (abhängig von Bauordnung, Eigenstrombedarf, Einspeisetarif)

Bestimmung der vorherrschenden Windgeschwindigkeiten

Messung

Vorhandenen Daten (Meteorologie)

Ermittlung des Energieertrages der Turbine

Berechung mittels Leistungskurve und Windverteilung - Aufgrund von Stillstandszeiten (Wartung,

Windspitzen) und Verlusten können vom berechneten Ergebnis 5 bis 15 % abgezogen werden.

Rechtliche Voraussetzungen am Standort:

Baurechtliche Genehmigung einholen

Flächenwidmung, Ortsbildschutz, Naturschutz

Anrainerrechte

Wirtschaftliche Betrachtungen

Ertragsberechung, Amortisationsberechnung

Sonstiges

Statische Berechungen (Mast, Dach)

Vorkehrungen bei Inselbetrieb: Speichermöglichkeiten

Vorkehrungen bei Netzbetrieb: Abklärung mit Netzbetreiber

7 WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN

Mehr über Kleinwindkraft:

Planungsbüros (Mitglieder der IG Windkraft):

www.kleine-windkraft.at

www.wind-mobil.de

www.energiewerkstatt.org/html/grundlagen.html

www.kleinwindanlagen.de

http://igwindkraft.at/?mdoc_id=1000102#2

Leitfaden der AEE NÖ-Wien „Empfehlungen für Kleinwindkraftanlagen“:

www.aee-now.at/cms/fileadmin/downloads/allgemein/Empfehlungen%20f%C3%BCr%20Kleinwindkraftanlagen.pdf

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