Trotz Alpenschutz-Verfassungsartikel eine zweite ... - Giezendanner

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Trotz Alpenschutz-Verfassungsartikel eine zweite ... - Giezendanner

pro & Contra

Soll trotz Alpenschutz-Verfassungsartikel eine zweite

Gotthard-Röhre gebaut werden?

Ende Juni hat sich

der Bundesrat für den

Bau eines zweiten

Gotthardstrassentunnels

ausgesprochen.

Ausschlaggebende

Argumente lieferten

die Sicherheit und die

Anbindung des

Tessins im Zusammenhang

mit der anstehenden

Tunnelsanierung

zwischen 2020

und 2027. Nach einem

absehbaren Referendum

dürfte das Volk

das letzte Wort haben.

Resultat

Ausgabe 26/2012

In Heft 26/2012 hatten wir Sie um

Ihre Meinung zur Frage gebeten:

«Soll Sexualkundeunterricht erst

nach dem neunten Altersjahr

erfolgen und freiwillig bleiben?»

Hier das Resultat:

20

48%

Nein

52% Ja

Nr. 30/2012

Pro

Ulrich Giezendanner ist

Aargauer SVP-Nationalrat

und Transportunternehmer.

Sicherheit und Umwelt gehen vor

Das Konzept war klar, die Baubewilligung

wurde erteilt: Am

Gott hard sollten zwei Strassenröhren

gebaut werden. Das war aber im

letzten Jahrhundert, Ende der sechziger

Jahre. Kurz nach der Eröffnung der ersten

Röhre setzte das angebliche Waldsterben

ein, rote und grüne Kreise inszenierten

eine regelrechte Hetze gegen den

Individualverkehr. Gegen Autos und gegen

Lastwagen. Sie hatten Erfolg damit.

Auf diesem verlogenen Fundament wurde

auch die – 1994 vom Volk angenommene

– Alpen-Initiative gebaut. Der Alpenschutz

wurde vorsätzlich missbraucht,

um Verkehrspolitik zu machen. Die zweite

Röhre, bereits bewilligt, wurde zur

Glaubensfrage hochstilisiert.

Rund vierzig Jahre nach der Eröffnung

der ersten Tunnelröhre hat uns die Wirklichkeit

eingeholt: Der Wald ist nicht gestorben,

tatsächlich haben wir inzwischen

rund 35 Prozent mehr Wald. Und

die Verantwortlichen der Alpen-Initiati ve

gingen vor ihren roten Freunden in

Brüssel (EU) in die Knie. Bei der Aushandlung

der bilateralen Verträge kam

es jedenfalls zu einer erstaunlichen Konzession:

Obwohl im Initiativtext klar

steht, dass der «Güterverkehr von Grenze

zu Grenze auf der Schiene erfolgen muss»,

haben die angeblichen Umweltschützer

zugestimmt, dass pro Jahr 650 000 Lastwagen

durch die Schweiz fahren dürfen

– und sind demnach für den Mehrverkehr

mitverantwortlich. Nun befürchten die

rot-grünen Verkehrsromantiker, dass

die Neue Eisenbahn-Alpentransversale

(Neat) durch eine zweite Strassenröhre

zum Rohrkrepierer würde. Unsinn!

Wenn die Neat wirklich vom Güterverkehr

genutzt werden kann, dann wird

sie sofort ausgelastet sein.

Nicht nur an Feiertagen und in der Ferienzeit

steht der Verkehr am Gotthard

immer wieder still. Der damit verbundene

Stau produziert unnötiges CO2 und

andere Abgase, die mindestens dreimal

so hoch sind wie beim normalen Verkehr.

Rote und grüne Tunnelverhinderer werden

damit zu Umweltsündern erster

Klasse.

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung

(BfU) wiederum tat sich schwer mit

der Tatsache, dass der richtungsgetrennte

Verkehr in zwei getrennten Tunnel viel

sicherer ist als der Verkehr in einem siebzehn

Kilometer langen Tunnel mit Gegenverkehr.

Nimmt die BfU aus politischen

Gründen in Kauf, dass Menschen

im heutigen Tunnel einer grossen Gefahr

ausgesetzt sind? Die praxisfremde BfU

verschweigt, dass man bei den neuen

Tunneln der Bahn aus Sicherheitsgründen

auf zwei Röhren setzt. Ob Gotthardoder

Ceneritunnel: Beide Bahntunnel

werden mit zwei Röhren gebaut.

Und es ist wieder einmal in Erinnerung

zu rufen: Auch der Kanton Tessin gehört

zu unserer herrlichen Schweiz. Warum

diese Anmerkung? Der alte Strassentunnel

muss in rund zehn bis fünfzehn Jahren

vollumfänglich saniert werden. Die

Autos sollen über den Gotthardpass fahren

– wie vor vierzig Jahren. Nicht weniger

als 1 300 000 Lastwagen sollen während

3 Jahren auf die Bahn verladen werden.

Rot-grüne Utopie! Vernunft muss

einkehren, deshalb braucht es die zweite

Strassenröhre.


Und was meinen Sie?

Ulrich Giezendanner und Alf

Arnold haben ihre Argumente

dargelegt – nun können Sie zu

unserer aktuellen Frage Stellung

nehmen: Wenn Sie Ulrich Giezendanners

Position unterstützen,

senden Sie eine SMS mit dem

Text SM210 Ja an die Nummer

9234; wenn Sie die Argumente

von Alf Arnold überzeugt haben,

senden Sie eine SMS mit dem

Text SM210 Nein an die Nummer

9234. Eine SMS kostet 50 Rappen.

Sie können auch direkt

online abstimmen unter

www.catmedien.ch.

Das Resultat der Abstimmung wird

in Heft 34 vom 23. August 2012

veröffentlicht.

Contra

Alf Arnold ist

Geschäftsführer der

Alpen-Initiative.

Langfristig denken und masshalten

Die Schweiz hat 2004 eine zweite

Strassenröhre am Gotthard abgelehnt.

Eine klare Mehrheit hat

in den letzten Jahren auch konsequent

dafür gestimmt, die Schiene zu fördern

und den Lastwagentransitverkehr einzuschränken.

Deshalb hat die Schweiz eine

Extraabgabe für Lastwagen beschlossen

und achtzehn Milliarden in die Neat-

Tunnel am Gotthard und Lötschberg investiert.

Eine zweite Strassenröhre am

Gotthard läuft diesen demokratisch gefällten

Entscheiden zuwider. Zudem wird

der Grundsatz verletzt, die Güter möglichst

ressourcenschonend und sicher zu

transportieren.

Wer Strassen baut, wird Autos und

Lastwagen ernten. Auch der Bundesrat

weiss das. Er will nach eigenem Bekunden

keinen zusätzlichen Verkehr am

Gotthard. Deshalb hat er das Versprechen

abgegeben, dereinst die beiden

Strassentunnel am Gotthard nur halb

zu nutzen, nämlich nur je einspurig. So

will er der Verfassung Genüge tun, die

den Ausbau der Transitstrassen durch

die Alpen seit 1994 verbietet. Was taugt

dieses bundesrätliche Versprechen?

Herzlich wenig.

Sollte die zweite Röhre gebaut und die

alte anschliessend saniert werden, so stünden

beide ab 2030 bereit. Der heutige Bundesrat

wird dannzumal nicht mehr im

Amt sein und für sein Versprechen nicht

geradestehen können. Das lehrt auch die

Geschichte. Bei der Eröffnung des bestehenden

Strassentunnels 1980 sagte Bundesrat

Hans Hürlimann, der Gotthard sei

kein Korridor für den Schwerverkehr.

Aus diesem Versprechen sind eine Million

Lastwagen pro Jahr geworden! Ist die

zweite Strassenröhre gebaut, wird sie

voll genutzt werden, das lässt sich nicht

wegdiskutieren. Allfällige Gesetze können

– bei bereits geschaffenen Fakten –

bequem abgeändert werden.

Für die Anbindung des Tessins ist die

zweite Röhre nicht nötig. Dank eines

Verladeangebots auf der Schiene wird

der Südkanton während der Sanierung

des Strassentunnels stets mit Auto und

Lastwagen erreichbar sein. Der Bundesrat

hat aufgezeigt, dass dieser Verlad funktioniert

und eine Milliarde Fran ken billiger

ist als eine zweite Röhre – in einer Zeit

des Sparens viel Geld. Auch die totale Sicherheit

auf der Strasse gibt es nicht. Dabei

ist der Gotthardtunnel ein vergleichsweise

sicherer Autobahn abschnitt, auch

wenn es einem subjektiv an ders erscheinen

mag. Im Durchschnitt der letzten

zehn Jahre gab es weniger als ein Todesopfer

pro Jahr – bei weit über 300 Toten

jährlich auf den Schweizer Strassen.

Kurzfristig mag eine zweite Gotthardstrassenröhre

sinnvoll erscheinen. Wer

aber langfristig denkt, kommt zu einem

anderen Schluss. Für die gesamte Transitachse

bedeutet sie letztlich mehr Lastwagen,

mehr Lärm, höheres Risiko für

schwere Unfälle, zusätzliche Schädigung

der Umwelt, zusätzliche Luftverschmutzung

– was vor allem Kinder und Betagte

trifft. Da helfen keine Versprechen, die

im politischen Prozess jederzeit abgeändert

werden können. Nutzen wir die

Bahn. Sie produziert weniger Schadstoffe,

verbraucht weniger Energie, verursachte

weniger Unfälle. Wir müssen masshalten.

Auch am Gotthard.

n

Nr. 30/2012

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