Fürstentum Liechtenstein

llv.li

Fürstentum Liechtenstein

Amt für Umweltschutz

Fürstentum Liechtenstein

Lichtemissionen in Liechtenstein

RENAT AG, August 2008


Bearbeitung

RENAT AG

Im Bretscha 22

FL-9494 Schaan

Herausgeber

Amt für Umweltschutz

Fürstentum Liechtenstein

FL-9490 Vaduz

Zitiervorschlag

RENAT AG (2008): Lichtemissionen in Liechtenstein.

Hrsg. Amt für Umweltschutz, Vaduz, 30 S.

August 2008


Inhalt

U1.U UAusgangslageU 1

U1.1.U UNeues UmweltschutzgesetzU 1

U1.2.U UWirkungsbereiche LichtemissionenU 1

U2.U UAuswirkungen auf den MenschenU 2

U3.U UAuswirkungen auf Tier- und PflanzenartenU 2

U4.U UGrundlagen für LiechtensteinU 5

U5.U URechtliche SituationU 7

U5.1.U ULombardei – ItalienU 8

U5.2.U UTschechienU 8

U5.3.U USlowenienU 9

U5.4.U UKatalonien – SpanienU 9

U5.5.U USchweizU 10

U5.6.U UDeutschlandU 11

U5.7.U ULiechtensteinU 11

U6.U URelevanz der verschiedenen Lichtquellen als Emissionsquellen für

LiechtensteinU 12

U6.1.U UBeispieleU 14

U7.U UVorgehensebenenU 18

U8.U UÖffentlichkeitsarbeitU 19

U9.U UPlanungshilfenU 19

U10.U UOptimierung der Beleuchtung auf GemeindeebeneU 21

U10.1.U UErarbeitungsschritte eines Gemeindekonzeptes zur Beleuchtung unter dem

Blickwinkel der Reduktion der Lichtemission und der EnergieeinsparungU 22

U11.U URegelung ReklamenU 23

U12.U URegelung Anleuchtung und ArealbeleuchtungU 24

U13.U URegelung Extrem- und SonderformenU 25

U14.U UÜbersicht Vorgehen und RegelungenU 26

U15.U UMögliche HandlungsfelderU 27

U16.U UDankU 29

U17.U UVerwendete AusdrückeU 29

U18.U ULiteraturU 30


1. Ausgangslage

1.1. Neues Umweltschutzgesetz

Für Liechtenstein wurde zwischen 2007 und 2008 ein Umweltschutzgesetz (USG) erarbeitet.

Im Rahmen der Vernehmlassung wurde von verschiedener Seite (mehrere Gemeinden, LIA,

BZG, LGU, Freie Liste) eine Regelung der Lichtemissionen gewünscht. Zunehmend wird erkannt,

dass Lichtemissionen eine schädigende Wirkung auf die Tier- und Pflanzenwelt sowie

auf den Menschen haben. In den Stellungnahmen standen folgende Aspekte im Vordergrund:

- Es sind Massnahmen zur Reduktion der nächtlichen Erhellung erwünscht, störende

Lichtemissionen sollten vermindert werden.

- Die Immissionsbelastung durch Lichtquellen bzw. die Lichtemissionen sollten im Rahmen

einer Licht-Richtlinie bzw. durch besondere Vorschriften geregelt werden (allenfalls

Integration ins USG).

- Wichtig bei der Regelung ist die Unterscheidung nach öffentlichem Interesse (z.B.

Strassenbeleuchtung) und privatem Interesse (z.B. Gebäudebeleuchtung).

- Zudem wird darauf hingewiesen, dass Liechtenstein hier international eine Vorreiterrolle

übernehmen kann.

Der im Auftrag des Amtes für Umweltschutz erarbeitete nachfolgende Bericht bildete die

Grundlage für die Berücksichtigung des Themas der Lichtemission im neuen Umweltschutzgesetz.

1.2. Wirkungsbereiche Lichtemissionen

Zusammenfassend können folgende Wirkungsbereiche der Lichtemissionen unterschieden

werden (KLAUS et al. 2005):

- landschaftlicher, kultureller Aspekt (Verlust der natürlichen Nachtlandschaft)

- ökologische Aspekte (Beeinträchtigung der Lebensräume nachtaktiver Tiere)

- biologischer und medizinischer Aspekt (Einfluss auf Hormonsystem und «innere biologische

Uhr»)

- energetischer und technischer Aspekt (Energieverbrauch)

- physiologischer und psychologischer Aspekt (Störung des Menschen durch Blendung

und Aufhellung)

- emotionaler und ästhetischer Aspekt (Gewöhnung an unkontrollierte Lichtüberflutung)

Bericht Lichtemissionen August 2008 1


2. Auswirkungen auf den Menschen

Licht kann zu einer visuellen Überbelastung führen, starke Lichtquellen werden durch die

ständige Umadaptation des Auges als unangenehm und lästig empfunden. Bei der Blendung

kann eine physiologische (Verminderung des Sehvermögens) sowie eine psychologische

(Störempfindung) Komponente unterschieden werden. Besonders störend sind Lampen die

Wohn- und Schlafzimmer beleuchten (Raumaufhellung).

Künstliches Licht hat Auswirkungen auf die innere Uhr des Menschen. Der Rhythmus von

Schlaf- und Wachphasen kann dadurch gestört werden. Der Melatoninstoffwechsel wird beeinflusst.

Der Nachthimmel wird durch Lichtemissionen aufgehellt, sodass nur noch wenige Sterne erkennbar

sind. Die von der Siedlung stammenden Lichtemissionen dominieren das Landschaftsbild

im Rheintal. Dies erlaubt nur noch ein eingeschränktes visuelles Erleben der

nächtlichen Landschaft. Dies ist vor allem dort störend, wo der Erlebbarkeit der Landschaft

eine wichtige Bedeutung zukommt, z.B. in den kaum besiedelten Naturräumen.

Direkt betroffen ist von dieser Aufhellung des Nachthimmels auch die Astronomie (Sternwarte).

Es geht ein Gefährdungspotenzial von starken Lichtquellen für Strassen- und Flugverkehr

aus (z.B. Blendung/Ablenkung durch Skybeamer oder Leuchtreklamen).

3. Auswirkungen auf Tier- und Pflanzenarten

Kunstlicht führt bei zahlreichen Tierarten zu einem Wechsel in der Orientierung (Desorientierung

oder Falschorientierung) und bewirkt eine Anziehung oder Abschreckung für das vom

Licht beeinflusste Gebiet. Dies beeinflusst in der Folge die Reproduktion, Wanderung,

Kommunikation oder Nahrungssuche (LONGCORE & RICH 2004). Nachfolgend werden beispielhaft

einige Wirkungen und Wirkungsweisen aufgezeigt:

• Lichtquellen können Veränderungen des Ernährungs- und Fortpflanzungsverhaltens, Veränderung

der Aktivitätsphasen und des Lebensrhythmus, räumliche Desorientierung bei der Wanderung

und der Eiablage, Veränderung des Wanderverhaltens, Veränderung der Kommunikation

mit Artgenossen bewirken.

• In der Literatur wird darauf hingewiesen, dass sich der Einfluss der Lichtquelle nicht auf die

direkte Wirkung (Beeinflussung der Arten) beschränkt. Da sich unter den vom Licht beeinflussten

Artengruppen Tiere mit Bestäubungs- und Nahrungsfunktion für zahlreiche weitere Arten

befinden – und das in grosser Zahl – werden auch weit reichende ökologische Folgewirkungen

erwartet. Sie können indessen nicht näher beziffert werden.

• Gut bekannt sind die Lichtwirkungen vor allem auf Vögel und Insekten. Insekten sind meist positiv

phototaktisch. Die Ursachen hierfür sind noch nicht abschliessend geklärt.

• Die optische Strahlung wird von Insekten spektral anders bewertet als vom Menschen. Insektenaugen

sind im Gegensatz zum Menschen auch für ultraviolette Strahlung empfindlich, die

Empfindlichkeit ist zu kürzeren Wellenlängen hin verschoben. Die Anlockwirkung von Lichtquellen

mit hohen Anteilen im kurzwelligen Bereich (blau, ultraviolett) ist entsprechend sehr viel

grösser.

• Für die Anlockwirkung sind neben der spektralen Lichtverteilung (eine Quecksilberdampflampe

lockt ein Mehrfaches an Insekten an als eine Natriumdampf-Hochdrucklampe) vor allem die

Leuchtdichte (Helligkeit), der Kontrast zur Umgebung, der Abstrahlwinkel und die Leuchtpunkt-

2 August 2008 Bericht Lichtemissionen


höhe wichtig. So lockt eine schräg nach oben abstrahlende Leuchte ca. 1,5-mal so viele Insekten

an, wie eine nur nach unten abstrahlende Leuchte.

• Die Arten werden aus grösserer Entfernung angelockt, je höher der Lichtpunkt angelegt ist. Bei

doppelter Leuchtenhöhe wird ca. die 1,5 bis 2 fache Insektenmenge angezogen.

• Lichtquellen können durch Aufprall oder Verbrennen eigentliche Todesfallen darstellen (kleine

Arten) oder durch dabei auftretende Schädigung die Fitness der Tiere reduzieren.

• Lichtquellen können Tiere in ihrem Lichtkegel "einfangen". Durch Verhungern, Erschöpfung

oder indem die Tiere leichte Beute von Räubern werden, kann die Individuendichten reduziert

werden. Dies kann zu einer wesentlichen Dezimierung der Populationen von nachtaktiven Insekten

in der Umgebung der Lichtquelle führen.

• Verschiedene Arten (Fledermäuse, Spinnen) nutzen die durch eine Lichtquelle angelockten

Insekten als leichte Beute. Vom Licht angelockte Insekten verstecken sich oft tagsüber nicht

artgerecht und werden so wiederum leichter eine Beute für Vögel.

• Die Konzentration der Insekten im Bereich von Strassenlampen kann zu einer zusätzlichen

Gefährdung (z.B. Überfahren durch Fahrzeuge, Verwirbelung durch vorbeifahrende Autos, Aufprall,

Zertreten auf Gehsteigen) führen.

• Für lichtsensible Artengruppen – insbesondere zahlreiche nachaktive Insektenarten – können

beleuchtete Bänder eine eigentliche Ausbreitungsbarriere darstellen.

• Nachtaktive Gross-Säuger meiden in der Regel künstlich beleuchtete Räume. Beleuchtete

Strassen und Räume können den Aktionsradius dieser Tiere einschränken und den Lebensraum

zerschneiden.

• Bei Vögeln spielen die Beleuchtungsanlagen sowohl für den Lebensrhythmus wie auch für die

Orientierung eine grosse Rolle. Rund zwei Drittel der Zugvögel wandern bei Nacht (Kollision,

Veränderung Zugkurs, Vorverlegung Brutzeit (z.B. in der Stadt)). Bekannt ist das "einfangen"

von Zugvögeln in den Lichtkegeln über Städten. Die Fehlorientierung führt zu einem Kreisen

über der Stadt, sodass die Vögel erst nach Tagesanbruch auf ihrer Zugroute weiterziehen.

• Tiere können aus ihren Herkunfts-Lebensräumen herausgelockt werden und finden bei der

Lichtquelle keine geeigneten Nahrungsquellen oder Geschlechtspartner.

• Vom Einfluss des Lichtes in besonderem Masse gefährdet sind standorttreue und spezialisierte

Arten. Es sind dies in der Regel Arten, die auch sonst gefährdet sind, oft auf isolierte Lebensräume

beschränkt sind und in kleinen Populationen vorkommen.

• Bei Pflanzen können durch künstliche Lichtquellen physiologische Abläufe verändert werden.

Blattfall, Laubaustrieb, Bildung der Frostresistenz sind häufig von der Tageslänge abhängig.

• Die Anlockdistanz ist artspezifisch und nur für wenige Arten gut belegt. Sie hängt auch von den

äusseren Rahmenbedingungen ab (z.B. Witterung, Vollmond, Neumond). Die grösste Wirkung

entfalten Lichtquellen bis zu einer Distanz von 150 bis 250m. Eine Strassenlampe kann bis

700m wirken.

• Die Fernwirkung einer Lichtquelle für Insekten nimmt zu mit der Grösse des Raumes, aus dem

die Quelle als deutlicher Lichtpunkt im Kontrast zur Umgebung zu erkennen ist. Je stärker der

Kontrast zwischen Lichtquelle und der Beleuchtung der Umgebung ist, desto mehr Insekten

lockt eine Lichtquelle an (z.B. Neumond).

• Der Anflug wird auch von der Witterung beeinflusst. Er ist hoch bei höheren Temperaturen (z.B.

warme Sommernächte), geringen Windgeschwindigkeiten, geringen bis keinen Niederschlägen.

• Konkurrierende Lichtquellen reduzieren den Anflug an eine einzelne Lichtquelle.

Bericht Lichtemissionen August 2008 3


Fazit

- Lichtquellen haben eine grosse Wirkung auf die belebte Umwelt und können zu wesentlichen

Bestandesverlusten bei einzelnen Arten führen.

- Von den Lichtquellen sind zahlreiche Arten in unterschiedlicher Weise betroffen. Die

Auswirkungen von Lichtquellen auf die einzelnen Tier- und Pflanzenarten sind jedoch

erst in Ansätzen bekannt.

- Vor allem in der Nähe zu Lebensräumen, die besonders empfindliche Arten beherbergen

(Gewässer, Wälder, Feuchtgebiete, Magerwiesen), ist von einer Gefährdung von

Arten durch die Lichtquellen auszugehen.

- Liechtenstein liegt im Alpenrheintal, einer wichtigen Vogelzugroute über die Alpen. Da

Zugvögel mehrheitlich nachts unterwegs sind, kommt der Vermeidung der den Vogelzug

störenden Lichtemissionen eine wesentliche Bedeutung zu.

- Durchgehend beleuchtete Siedlungsbänder (z.B. zwischen Schaan und Triesen) können

die Barrierenwirkung der Siedlung für die Wanderung von Arten zwischen Hang

und Tal zusätzlich erhöhen

0BAbb. 1: Zugvögel und Nachtfalter sind zwei der stark von den Lichtemissionen betroffenen

Tiergruppen

(© Fotos LWThiele und Makrohelmut, PIXELIO)

4 August 2008 Bericht Lichtemissionen


4. Grundlagen für Liechtenstein

Als eine Grundlage steht die Potentialstudie zur Eindämmung der Lichtverschmutzung im

Fürstentum Liechtenstein zur Verfügung (KOBLER et al. 2005). Wesentliche Erkenntnisse daraus

sind:

- Der Talraum und Hangfuss sind primäres Siedlungsgebiet, die dabei entstehenden

Lichtemissionen betreffen auch die naturnahen und unbesiedelten Hanglagenbereiche

(Beispiel Balzers in KOBLER et al. 2005).

- Dieser Lichtabfall bringt keinen Nutzen und wäre deutlich reduzierbar.

- Die Beleuchtung des öffentlichen Raumes (Strasse, Plätze) ist die wichtigste

Lichtemissionsquelle.

- Es sind zahlreiche Akteure für die Lichtgestaltung und damit die Emissionen verantwortlich

(Architekten, LKW, Gemeinden, Private, Firmen, Elektroplaner, Beleuchtungsfachplaner).

- Die Lösungsfindung soll über einen breiten Ansatz unter Partizipation der verschiedenen

Akteure erfolgen.

Total sind rund 8000 Strassenleuchten im Einsatz. Die LKW (Liechtensteinischen Kraftwerke)

stellen Betrieb und Unterhalt im Auftrag der Gemeinden sicher (Eigentümer sind die Gemeinden).

- Rund 1000 Natrium-Hochdrucklampen an Hauptstrassen mit einer Leistung von 150

Watt, diese wird in der Nacht (0:30 bis 5:30 Uhr) auf 95 Watt reduziert.

- Rund 7000 Lampen finden sich an Nebenstrassen (Natrium-Hochdrucklampen ca.

80%, Quecksilberdampflampen ca. 20%). Diese haben eine Leistung von 50 Watt

(teilweise 70 Watt abhängig von der notwendigen Beleuchtungssituation wie Verkehrsaufkommen,

Fussgängerstreifen, Abstände der Leuchten). Eine Reduktion

(Dimmen) in der Nacht wird aufgrund der bereits tiefen Werte nicht durchgeführt.

Die Quecksilberdampflampen werden seit rund 15 Jahren aufgrund des höheren Wirkungsgrades

durch Natrium-Hochdrucklampen ersetzt. Dieser Ersatz geht weiter und ist auf die fortlaufenden

Strassensanierungen abgestimmt. Unterschiede liegen vor allem im Spektrum des

ausgesendeten Lichtes. So senden Natrium-Hochdrucklampen tendenziell gelberes Licht aus

und erschweren die Erkennung von Farben. Bei den Stadien werden zur guten Farberkennung

Halogenscheinwerfer eingesetzt.

Eine besondere Situation sind die Stehkandelaber oder "nostalgischen Dorfleuchten" in einzelnen

Gemeinden (Schellenberg, Gamprin, Bendern, Schaan), die aus Gründen des Dorfbildes

eingesetzt werden. Diese weichen von der Norm ab, werden teilweise lokal gefertigt. Je

nach Aufbau sind diese bezüglich Lichtemission (Lichtstreuung waagrecht und nach oben) als

ungünstig zu beurteilen. Sie werden vor allem in den Dorfzentren angewendet.

Die Strassenbeleuchtung (Abstände, Lichtleistung, Höhe über Boden etc.) orientiert sich an

der Norm der Schweizerischen Lichtgesellschaft. Diese berücksichtigt verschiedene Aspekte

wie Verkehrsaufkommen, Sicherheitsanforderungen etc.

In verschiedenen Gemeinden werden derzeit die Lichtemissionen und ihre Auswirkungen thematisiert.

Einzelne Gemeinden haben bereits Massnahmen zur Vermeidung von Lichtemissionen

getroffen, bzw. es sind entsprechende Vorhaben geplant. So hat sich der Gemeinderat in

Triesen für eine Reduktion der Lichtemissionen ausgesprochen. Als eine erste Massnahme

wird auf ausgewählten Nebenstrassen im Zeitfenster von 0:30 bis 5:30 nur jede zweite Stras-

Bericht Lichtemissionen August 2008 5


senlampe eingeschaltet. Zudem wurde die Gemeindebauverwaltung beauftragt, die Beleuchtung

gemeindeeigener Bauten hinsichtlich einer möglichen Reduktion von Lichtemissionen zu

prüfen und entsprechende Massnahmen vorzuschlagen (Gemeindeprotokoll vom 1. Juli

2008).

In der Gemeinde Planken hat die Kommission für Energie, Umweltschutz, Abfall und Mobilität

die Aufgabe, über die Lichtverschmutzung zu informieren. (Aus dem Reglement für die Kommissionen)

(Dezember 2007).

In Vaduz hat sich der Gemeinderat grundsätzlich für eine Reduktion der Lichtemissionen im

Gemeindegebiet ausgesprochen. Bauvorhaben der Gemeinde sollen den Umständen entsprechende

geringe Lichtemissionen aufweisen (Protokoll vom 24. Juni 2008).

6 August 2008 Bericht Lichtemissionen


5. Rechtliche Situation

Das steigende Bewusstsein um die negativen Auswirkungen der Lichtemissionen hat in verschiedenen

Staaten auf unterschiedlichen Verwaltungsebenen zu rechlichten Regelungen

geführt. Die Regelungen betreffen die Qualität der Beleuchtung, die Beleuchtungsstärke,

-dauer und -anordnung sowie Verbote von Formen mit hohen Emissionen. Zusätzlich existieren

weitergehende Regelungen für besonders empfindliche Gebiete. Abbildung 2 gibt eine

Übersicht der Regelungsinhalte, in den Kapitel 5.1 bis 5.6 werden die Regelungen in den einzelnen

Staaten im Detail vorgestellt.

1BAbb. 2: Übersicht der rechtlichen Regelungen in Tschechien, der Lombardei (Italien) und

Katalonien (Spanien)

Allgemeine Grundsätze

Optimale Beleuchtung mit

möglichst wenig Lichtabfall

Vorgaben für die

Qualität der

Beleuchtung

Keine Abstrahlung nach oben (Minimierung

der Verluste in den Nachthimmel)

Kontrollmöglichkeit für

Reduktion in der Nacht

Keine

Quecksilberdampflampen

Verbot besonderer

Formen

Skybeamer

Skipistenbeleuchtung

Reklamescheinwerfer

Rechtliche

Regelungen in

anderen Ländern

Beleuchtungsstärke

Beleuchtungsdauer

Beschränkung auf das aufgrund der

Sicherheitsanforderungen notwendige

Minimum, ansonsten Angabe von

Grenzwerten für die Beleuchtungsstärke

Reduktion in der späteren

Nacht (30 bis 50%)

Grenzwerte bei Leuchtreklamen,

teils in Abhängigkeit von der

Grösse der Reklamefläche

Abschalten von Gebäude-/Strassenbeleuchtungen

in der späteren Nacht

(23:00 Uhr, Sommerzeit 24:00 Uhr)

Beleuchtungsausrichtung

Beleuchtung von Gebäuden/Monumenten

von oben nach unten (mit Ausnahmen)

Lichtkegel darf Gebäudekanten nicht

überschreiten

Beleuchtung von Reklametafeln von

oben nach unten

Bewilligungspflicht

Aussenbeleuchtung grosser Gebäude

Besondere Zonen mit

weitergehenden Regelungen

Umgebungszonen von Observatorien

Naturschutzgebiete

Bericht Lichtemissionen August 2008 7


5.1. Lombardei – Italien

In Italien haben verschiedene Regionen Regelungen gegen die Lichtverschmutzung getroffen.

Dabei gilt die Region Lombardei als Vorreiterin (Gesetz Nr. 17 vom 03/27/2000):

- Künstliche Aussenlichtquellen (öffentliche wie private) müssen die Bedingungen des

Lichtemissionsgesetzes sowie die Stromeinsparungskriterien erfüllen.

- Keine Abstrahlung gegen oben und in der Waagrechte (0 cd per 1000 Lumen).

- Die beleuchtete Fläche soll die aufgrund von Sicherheitsstandards notwendige Fläche

nicht überschreiten.

- Die Lampen müssen mit einer Kontrollmöglichkeit versehen sein, die nach 23 Uhr

(Sommerzeit 24 Uhr) ermöglicht, die Lichtemission um mindestens 30% zu reduzieren

(Ausnahmen für interne Lampen, sowie solche unter 1500 Lumen Lichtstärke bzw.

Lampen mit zeitlich beschränkter Nutzung (20:00 Uhr, 22:00 Uhr Sommerzeit)).

- Leuchtreklamen ohne eigenes Licht müssen von oben nach unten beleuchtet werden.

- Verbot von Skybeamern.

- Die Beleuchtung von Sportarenen, Gebäuden und grossen Flächen muss so ausgeführt

werden, dass Lichtverluste in den Nachthimmel vermieden werden können.

- Die Beleuchtung von Gebäuden und Monumenten muss von oben nach unten erfolgen.

Ausnahmen: wenn dies technisch nicht möglich ist und für Gebäude mit nachgewiesenem

architektonischem Wert. Das Licht muss mindestens 1 Meter unter der nach

oben begrenzten Objektfläche enden und auf jeden Fall innerhalb der Objektfläche liegen.

Das Lichtsystem muss ganz oder teilweise abschaltbar oder reduzierbar sein

(nach 23:00 Uhr (Sommerzeit 24:00 Uhr)).

- Es gibt spezielle Richtlinien für geschützte Zonen (rund um Observatorien).

5.2. Tschechien

Als erstes Land hat Tschechien im Jahr 2002 ein nationales Gesetz gegen Lichtemissionen

erlassen.

- Die Lichtquellen müssen nach unten leuchten (0 cd/klm nach oben und horizontal)

(Ausnahmen: Beleuchtung architektonischer Monumente mit Nachtabschaltung oder

Reduktion auf die Hälfte in der Zeit von 23:00-5:00 Uhr, der Lichtkegel darf nicht über

das Gebäude hinausgehen).

- Die Beleuchtungsstärke der beleuchteten Fläche darf die aufgrund der Sicherheitsstandards

notwendige nicht überschreiten; falls keine Sicherheitsstandards bestehen

wird eine maximale Lichtbelastung aufgeführt (10 Lux, oder 1 cd/m 2 ); (Ausnahme: Reklamen:

200 cd, 300 cd bei >= 5 m 2 oder 500cd bei >=30 m 2 siehe unten).

- Die Lampen müssen mit einer Reduktionsvorrichtung ausgestattet sein, die eine Reduktion

von mindesten 30% oder das Abschalten später in der Nacht erlaubt (Ausnahme

Sicherheitsgründe).

- Obige Vorschriften gelten nicht, wenn eines der folgenden Kriterien erfüllt ist:

o

o

Der Lichtstrom 1500 Lumen nicht überschreitet

Wenn sie höchstens 3 Wochen im Jahr aktiv sind (z.B. Festival) oder zwischen

8 August 2008 Bericht Lichtemissionen


23:00 und 5:00 Uhr nicht genutzt werden

o Lichter die für die Sicherheit des Verkehrs oder der Verteidigung notwendig

sind

- Um Oberflächen mit Text oder Bildern zu beleuchten, darf mehr Licht verwendet werden,

sofern 200 cd oder 300 cd bei einer Fläche über 5 m 2 oder 500 cd bei einer Fläche

über 30 m 2 nicht überschritten werden.

- Die Beleuchtung von Gebäuden und Monumenten muss zwischen 23:00 Uhr und 5:00

Uhr abgeschaltet oder zumindest um 50% reduziert werden. Der Rand des Leuchtkegels

darf die Grenze des Objektes nicht überschreiten.

- Verbot von Skybeamern (Lichtquelle mit mehr als 1500 Lumen).

- Besondere Auflagen für sensible Gebiete (Naturschutzgebiete, Observatorien): Lichtquellen

die näher als 1km an eine sensibles Gebiet liegen, müssen zwischen 23:00

und 5:00 Uhr ausgeschaltet werden (Ausnahme aus Sicherheitsgründen), bestehende

Lichtquellen sind abzuschirmen (Vorgaben für maximale Beleuchtungsstärke, die aus

dem Naturschutzgebiet sichtbar sind).

5.3. Slowenien

Als weiteres Land hat Slowenien im August 2007 ein Gesetz gegen die Lichtverschmutzung

erlassen. Dabei wird insbesondere auch ein grosser Energieeinspareffekt erwartet. Das Gesetz

- verlangt die Abschirmung der Leuchten (Verbot von Lichtabstrahlung über die Horizontale

für die meisten Einrichtungen, Verbot von Kugellampen)

- verlangt die Reduktion des Energieverbrauchs bei der öffentlichen Beleuchtung (teilweise

Abschaltung in der zweiten Nachthälfte)

- regelt die Gebäudeanleuchtung, so sollen Gebäude von historischem Wert einschliesslich

Kirchen nur in einer geringeren Ausdehnung und Lichtstärke angeleuchtet

werden

5.4. Katalonien – Spanien

- Es werden Zonen mit unterschiedlicher Lichtempfindlichkeit ausgeschieden (E1 = Naturvorrangflächen

bis E4 = Flächen, die eine hohe Lichtbelastung erlauben)

- Die maximale Lichtbelastung muss geregelt werden, unter Berücksichtigung internationaler

Empfehlungen.

- Es muss die Notwendigkeit von Beleuchtungsinstallationen, die in der Nacht in Betrieb

sind, begründet werden.

- Beleuchtungen die mehr als 50% gegen oben abstrahlen oder Projektoren bzw. Laser,

die über die Horizontale abstrahlen, sind verboten (Ausnahme Beleuchtungen von Objekten

von historischem oder künstlerischem Interesse).

- Grossflächige Beleuchtungen (wie z.B. permanente Skipistenbeleuchtungen, Grosse

Strandbeleuchtungen) sind verboten.

- Vorgaben für die Ausgestaltung von Beleuchtungsinstallationen (Ersatz der Quecksil-

Bericht Lichtemissionen August 2008 9


erdampflampen, Pflicht zum Unterhalt, etc.).

- Generelle Pflicht zum Abstellen der Beleuchtungen auf privatem wie öffentlichem

Grund mit Formulierung von Ausnahmen (Strassenbeleuchtung, Sicherheit ….).

- Pflicht der öffentlichen Hand zum effizienten Einsatz der Beleuchtung.

- Es wird ein finanzieller Fonds zur Unterstützung von Massnahmen zur Reduktion der

Lichtemissionen eingerichtet.

5.5. Schweiz

In der Schweiz besteht keine besondere nationale gesetzliche Regelung zum Thema der

Lichtemissionen. Licht wird als Teil der Strahlung aufgefasst. Für die Regelung der Strahlungsemission

besteht eine rechtliche Grundlage im nationalen Umweltschutzgesetz. Im Rahmen

einer Vollzugshilfe des Bundes (BUWAL 2005) wurden folgende Empfehlungen an die

Kantone abgegeben, ihre Bau- und Umwelterlasse im Hinblick auf Lichtimmissionen zu überprüfen

und dahingehend zu konkretisieren, dass:

- für alle Beleuchtungseinrichtungen von Grossbauten und -anlagen, einschliesslich historischer

Gebäude und Anlagen, ein Baubewilligungsverfahren durchzuführen ist;

- der Betrieb von Himmelwärts gerichteten Anlagen, welche keine Sicherheits- oder Beleuchtungsfunktion

von Bauten erfüllen (Skybeamer, Laserscheinwerfer, Reklamescheinwerfer

oder ähnliche künstliche Lichtquellen), zum Schutz von Arten, Biotopen

oder der Landschaft verboten oder, sofern das nicht möglich ist, so weit eingeschränkt

wird, als es für deren Inhaber technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar

ist;

- bestehende Beleuchtungseinrichtungen von Grossbauten und -anlagen, einschliesslich

historischer Gebäude und Anlagen, im Hinblick auf die Vermeidung von Lichtimmissionen

überprüft und so weit wie möglich saniert werden.

Einzelne Kantone haben das Thema aufgegriffen, u.a. die Umweltschutzdirektionen der Innerschweiz,

und haben Empfehlungen abgegeben (UMWELTSCHUTZDIREKTION 2005). Einzelne

Gemeinden und Städte in der Schweiz haben bereits Massnahmen (z.B. Teilabschaltungen,

Nachtabschaltungen) ergriffen. Teils sind konkrete Verordnungen erlassen worden, z.B.:

- Der Einsatz eines so genannten Skybeamers, Laser-Scheinwerfers, Reklamescheinwerfers

oder einer ähnlichen künstlichen, himmelwärts gerichteten Lichtquelle ist in der

Gemeinde Burgdorf BE verboten.

- Auf der Basis verschiedener nationaler Gesetze hat die Gemeinde Coldrerio (Tessin)

eine Verordnung erlassen. Diese verbietet u.a. Laserscheinwerfer oder Skybeamer,

verlangt eine Bewilligung für grosse Aussenbeleuchtungen sowie eine Reduktion der

Beleuchtung zwischen 24:00 Und 6:00 Uhr.

- Die Stadt St. Gallen verlangt in ihrem Immissionsschutzreglement, dass Beleuchtungsanlagen,

die Aussenbereiche erhellen, so einzurichten sind, dass sie keine störenden

Immissionen ausserhalb ihres Bestimmungsbereichs verursachen. Zu unterstehen

Anlagen die im Freien Licht- oder Lasereffekte erzeugen keine schädlichen o-

der über den Bestimmungsbereich hinausgehende Immissionen verursachen und bewilligungspflicht

sind

Der SIA (Schweizer Ingenieur- und Architektenverein) arbeitet an einer Norm «Lichtschutz im

Freien».

10 August 2008 Bericht Lichtemissionen


5.6. Deutschland

Es gibt eine Richtlinie Länderausschuss für Immissionsschutz (Deutschland):

- Immissionsrichtwerte für die Raumaufhellung (z.B. Immissionsrichtwerte Fensterebene

in Wohngebieten max. 1 Lux) (gilt jedoch nicht für die öffentliche Beleuchtung)

- Blendung: Festlegung einer maximal tolerablen mittleren Leuchtdichte einer technischen

Blendlichtquelle (Abhängig von Leuchtdicht der Umgebung, Raumwinkel der

vom Immissionsort aus gesehenen Blendlichtquelle)

In Deutschland wurde Ende 2007 beim Bundestag eine Petition eingereicht, die zum Schutz

der Umwelt und des Klimaschutzes ein Gesetz gegen Lichtverschmutzung verlangt.

5.7. Liechtenstein

Lichtemissionen sind nicht spezifisch im Rahmen einer eigenen Gesetzgebung geregelt. Das

sichtbare Licht zählt zu den Strahlen im Sinne des neuen Umweltschutzgesetzes (Umweltschutzgesetz

(USG) vom 29. Mai 2008). Darin ist festgelegt, dass die Strahlenemissionen

nach Art. 14 Abs.2 soweit zu begrenzen sind, als dies technisch und betrieblich möglich und

wirtschaftlich tragbar ist. Die Emissionsbegrenzungen werden zudem verschärft, wenn feststeht

oder zu erwarten ist, dass die Einwirkungen unter Berücksichtigung der bestehenden

Umweltbelastung schädlich oder lästig werden Art. 14, Abs. 3.

Gemäss Artikel 15, Abs. 1 werden Emissionen unter anderem durch den Erlass von Bau- und

Ausrüstungsvorschriften (lit. b) sowie Verkehrs- und Betriebsvorschriften (lit. c) eingeschränkt.

Solche Begrenzungen können durch Verordnungen oder durch unmittelbar auf das Umweltschutzgesetz

abgestützte Verfügungen seitens des Amtes für Umweltschutz festgelegt werden.

Eine rechtliche Notwendigkeit für Massnahmen zur Vermeidung unnötiger Lichtemissionen

lässt sich auch aus dem Naturschutzgesetz vom 23. Mai 1996 ableiten. Im Artenschutz sollen

insbesondere Pflanzen und Tiere und ihre Lebensgemeinschaften vor Beeinträchtigungen

durch den Menschen geschützt werden (Art. 24).

Eine weitere Regelung findet sich im Strassenverkehrsgesetz (SVG) vom 30. Juni 1978,

welches Reklamen und andere Ankündigungen im Bereich der für Motorfahrzeuge oder Fahrräder

offenen Strassen untersagt, die zur Verwechslung mit Signalen oder Markierungen Anlass

geben oder sonst namentlich zur Ablenkung der Strassenbenützer die Verkehrssicherheit

beeinträchtigen könnten (Art. 5).

Die Ausrichtung der Beleuchtung des öffentlichen Raumes (Strassen, Plätze) erfolgt nach den

Normen der Schweiz. Diese orientieren sich wie die Regelung im Strassenverkehrsgesetz

primär an den Sicherheitsbedürfnissen.

Lichtemissionen, die sich aus der Aussenbeleuchtung von Gebäuden ergeben, sind baurechtlich

nicht geregelt. Auch die Strassensignalisationsverordnung (SSV) enthält keine Bestimmungen

zur Regelung der Beleuchtung bei Strassenreklamen.

Bericht Lichtemissionen August 2008 11


6. Relevanz der verschiedenen Lichtquellen als Emissionsquellen

für Liechtenstein

Nachfolgend werden die wesentlichen Lichtemissionsquellen im Fürstentum Liechtenstein

aufgelistet und die Stärke der Wirkung auf Mensch und Umwelt grob nach einer dreistufigen

Skala (hoch, mittel, gering) beurteilt.

Inhalt

Situation

Aktuelle Belastung

Neg, Wirkung

Tier- und

Pflanzenwelt

Neg. Wirkung

Mensch

Strassenbeleuchtung,

Beleuchtung öffentlicher

Plätze

Wichtigste Streulichtquelle, grossteils

werden in der Strassenbeleuchtung

aufgrund des höheren

Wirkungsgrades heute Natriumhochdruckdampflampen

eingesetzt.

Diese haben für die Tierwelt

ein günstigeres Strahlungsspektrum.

Vor allem in den Dorfkernen

sind traditionelle Lampenformen

mit teils höherem Horizontallichtanteil

vorhanden.

Arealbeleuchtung Industrie/Gewerbe

Verschiedene grössere Industriebetriebe

beleuchten ihr Umgebungsareal

teilweise sehr intensiv.

Abhängig

vom Einzelfall

Arealbeleuchtung Sportstätten

Die Belastung ist zeitlich beschränkt,

findet aber mit hoher

Lichtintensität und in Liechtenstein

räumlich nahe an Naturräumen

statt. Die grosse Höhe der

Lichtquelle erhöht zusätzlich die

Anlockwirkung auf die Tierwelt.

Zeitlich

beschränkt

Arealbeleuchtung Private

Traditionell werden die Zugänge

zu den Häusern zumindest zeitweise

beleuchtet

Abhängig

vom Einzelfall

Anleuchtung Gebäude

Anleuchtungen sind zunehmend

ein Mittel der architektonischen

Gestaltung. Teils sind Extremformen

vorhanden.

Extrembeispiele

vorhanden

12 August 2008 Bericht Lichtemissionen


Inhalt

Situation

Aktuelle Belastung

Neg, Wirkung

Tier- und

Pflanzenwelt

Neg. Wirkung

Mensch

Anleuchtung Monumente

Diverse historisch bedeutsame

sowie öffentliche Gebäude werden

von aussen und in der Regel

von unten nach oben angeleuchtet

(Bsp. Schloss Vaduz, Kirchen),

teilweise mit sehr hohen

Lichtintensitäten und ungenauer

Ausrichtung.

Abhängig

vom Einzelfall

Reklamen

Es sind zahlreiche Leuchtreklamen

vorhanden, teils mit unerwünschter

Blendwirkung. Kann

sich negativ auf die Verkehrssicherheit

auswirken.

Schaufenster

In den Zentrumsbereichen sind

zahlreiche Schaufenster zeitweise

beleuchtet

Skybeamer, Laserscheinwerfer

Ein Skybeamer war zeitweise in

der Gemeinde Triesen vorhanden.

Beleuchtung Skipiste,

Rodelbahn, Langlaufloipe

Zeitlich beschränkte Belastung

von Rodelbahn und Langlaufloipe,

derzeit werden die Skipisten

im Malbun nicht beleuchtet, längerfristig

ist dies jedoch denkbar.

Der Schnee bewirkt einen hohen

Reflexionsanteil.

Wald-, Güterwege,

Fusswege (Beleuchtung

in besonders sensiblen

Räumen)

Es bestehen vereinzelt Beleuchtungen,

z.B. an Vitaparcours oder

an einzelnen Verbindungswegen.

Teilweise punktuelle Ausleuchtung

ausgewählter Standorte

(Gebäude, Parkplätze).

Bericht Lichtemissionen August 2008 13


6.1. Beispiele

2BAbb. 3: Dieses Gasthaus fällt durch seine markante Aussenbeleuchtung auf.

3BAbb. 4: Der Strassenraum ist oft durchgehend ausgeleuchtet. Um hier auffällig zu bleiben,

weisen vor allem Tankstellen (im Vordergrund) eine intensive Reklamebeleuchtung auf.

14 August 2008 Bericht Lichtemissionen


4BAbb. 5: Die Pfarrkirche in Schaan weist eine auffällige Fassadenbeleuchtung auf. Am Verbindungsweg

zu den Sportstätten in der Schaaner Au finden sich noch Quecksilberdampflampen.

5BAbb. 6: Auffällige und lichtintensive Ausleuchtung eines Strassenkreisels in Vaduz

Bericht Lichtemissionen August 2008 15


6BAbb. 7: Die Fassade dient als Werbefläche in Triesen

7BAbb. 8: Licht als Gestaltungselement einer Fassade in Balzers

16 August 2008 Bericht Lichtemissionen


8BAbb. 9: "Lichtermeer" zwischen Triesen und Triesenberg. Die Streusiedlung am Triesenberg

spiegelt sich in der Ausleuchtung wider.

9BAbb. 10: Oft werden aus Sicherheitsgründen Wege in der freien Landschaft punktuell beleuchtet.

Die Wirkung solcher Lampen auf die Tierwelt ist wie hier in Balzers unterhalb des

Burghügels Gutenberg entsprechend hoch.

Bericht Lichtemissionen August 2008 17


7. Vorgehensebenen

Das Thema Licht steht in einem Spannungsfeld von verschiedenen Interessen:

- Die negativen Wirkungen der Lichtverschmutzung werden erst seit kurzem als solche

wahrgenommen und sind bei der Bevölkerung als Problem noch wenig verankert.

- Licht hat als Gestaltungselement mit den zunehmenden technischen Möglichkeiten in

der Architektur und bei der Reklametätigkeit an Bedeutung gewonnen. Um aufzufallen,

werden immer stärkere Lichteffekte verwendet.

- Mit der Ausleuchtung des öffentlichen Raumes ist ein subjektives Sicherheitsgefühl

verbunden (dies muss objektiv gesehen gar nicht immer vorhanden sein). Beleuchtete

Monumente (z.B. Schloss Vaduz) können identitätsstiftend wirken und das Heimatgefühl

stärken. Die Veränderung der Beleuchtung kann also auch eine emotionale Komponente

haben.

- Die Beleuchtung kann Bestandteil eines Sicherheitskonzeptes sein (z.B. Banken, Industriebetriebe).

- Licht kann eine Voraussetzung für die Erholungs- und Freizeitgestaltung sein (Langlaufloipe,

Stadien).

- Bezüglich der Lichtgestaltung gibt es derzeit noch relativ viele Freiheiten für den Einzelnen

(z.B. Aussenbeleuchtung, Weihnachtsbeleuchtung). Regelungen können hier

als einschränkend empfunden werden.

- Die Spannbreite der Emissionsquellen ist sehr hoch und reicht von nicht geschlossenen

Jalousien am Abend, wo ein Lichtschimmer durch die Fenster dringt, über Lampen

im Eingangsbereich und hell erleuchteten Plätzen und Strassen, bis zu den Skybeamern

und beleuchteten Fassaden als Extremformen.

Beiträge zur Problemlösung müssen daher die verschiedensten Aspekte berücksichtigen. Dies

macht einen breiten Ansatz mit einem Schwerpunkt bei der Information und Sensibilisierung

der Akteure notwendig. Planungshilfen können die Umsetzung von freiwilligen Massnahmen

erleichtern. Daneben können in einzelnen Teilbereichen übergeordnete, einheitliche

und verbindliche Rahmenbedingungen sinnvoll sein:

Öffentlichkeitsarbeit/

Sensibilisierung der

Akteure

Breite Bevölkerung

Eigentümer von Gebäuden und Anlagen

Architekten, Planer

Gemeindeverantwortliche (Bewilligungsbehörden)

Vorgehen

Planungshilfen /

Unterlagen

Bevölkerung, Bauherren

Planer, Architekten (LIA)

Gemeinden

Übergeordnete

Rahmenbedingungen

Beleuchtungskonzept Gemeinden

Regelungen von Einzelaspekten (Vereinbarungen,

Reglemente, Verordnungen)

Technische Empfehlungen

18 August 2008 Bericht Lichtemissionen


8. Öffentlichkeitsarbeit

Die Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierung der Akteure für das Thema der Lichtemissionen

ist eine der wichtigsten Ebenen für die erfolgreiche Umsetzung von Massnahmen (s. Kap. 7).

Wesentlich ist dabei der Einbezug weiterer Akteure, insbesondere der Liechtensteinischen

Ingenieur- und Architektenvereinigung (LIA), der Liechtensteiner Kraftwerke (LKW), der Energiefachstelle

und weiterer Amtsstellen bei Land und Gemeinden. Der Einbezug von Umweltschutzorganisationen

(z.B. Liechtensteinische Gesellschaft für Umweltschutz, LGU) kann zusätzlich

die Breitenwirkung erhöhen (siehe auch Kap. 9. Planungshilfen).

Wesentlicher Inhalt ist die laufende Information der Bevölkerung über die Problematik der

Lichtverschmutzung und das Aufzeigen einfacher Möglichkeiten zu ihrer Vermeidung. Mögliche

Massnahmen sind:

- Erstellen von Informationsmaterial (Flyer, Broschüre) zum Thema

- Information über die Medien (Zeitungen, Radio)

- Exkursionen, Vorträge (z.B. LIA, LGU), Forschung

- Weiterführende Informationen zum Thema auf der Homepage (AFU)

Vorschlag Regelungsebene:

Die Öffentlichkeitsarbeit ist auf der Basis der im Umweltschutzgesetz festgeschriebenen Verpflichtung

zur Information und Beratung durch das Amt für Umweltschutz möglich. Es sind

keine zusätzlichen Regelungen notwendig.

Zuständigkeit

- Amt für Umweltschutz

9. Planungshilfen

Planungshilfen sollen auf der Grundlage des Wissens um die Wirkung und Entstehung der

Lichtemissionen zu einer Optimierung der Lichtgestaltung führen. Sie richten sich an das

Fachpublikum sowie an der Thematik vertieft interessierte Personen (z.B. Bauherren, Architekten).

Ziele sind die Minimierung des Lichtabfalles und des Energieverbrauchs. Die optimale

Lichtgestaltung wird dabei auf der planerischen und technischen Ebene behandelt:

Planung: Die Beleuchtung sollte sich an den notwendigen Bedürfnissen orientieren.

- Notwendigkeit der Beleuchtung prüfen

- Minimierung der eingesetzten Beleuchtungsstärke (Anzahl der Lampen, Leistung)

- Festlegung der optimalen Leuchtenstandorte (Ausrichtung, Platzierung, Höhe, Vermeidung

direkter Blickverbindungen)

Technik: Technisch ist die Beleuchtung so zu optimieren, dass möglichst wenig unerwünschte

Emissionen entstehen.

- Lichtlenkung in die Bereiche, die künstlich beleuchtet werden müssen (Abstrahlung

nach unten, keine Abstrahlung lateral oder gegen oben, Beleuchtung von oben nach

Bericht Lichtemissionen August 2008 19


unten, Leuchten mit Abschirmung, Scheinwerfer mit asymmetrischer Lichtverteilung,

die nur die notwendige Fläche intensiv ausleuchten).

- Keine flächige Ausleuchtung heller Fassaden, Vermeidung oder zumindest Regelung

(Zeit, Intensität) der Beleuchtung von hohen Gebäudekörpern.

- Verwendung von Leuchten, wo Insekten nicht mit einer heissen Lichtquelle in Berührung

kommen können (insektendicht), Oberflächentemperatur unter 60 Grad.

- Lichtquellen mit wirkungsarmem Spektrum nutzen (Natriumdampf-Niederdruck und

-Hochdrucklampen, UV-absorbierende Leuchtenabdeckungen). Natriumdampf-

Niederdrucklampen in der offenen Landschaft oder in Naturschutzgebieten.

- Indirekte Lichtwirkung (Reflexion) vermindern (keine hellen Farben).

- "Lichtabfall" aus Gebäuden reduzieren (z.B. Abdunkelungsmassnahmen, Jalousien).

- Begrenzung der Betriebsdauer von Aussenlampen und Reklamen auf die notwendige

Zeit (Abschaltung), evtl. Synchronisation mit Nachtruhefenster (23:00 – 6:00 Uhr).

- Zeitlich veränderte Lichtstärken (z.B. Reduzierung Leuchtreklamen, Strassenbeleuchtung),

Halbnachtschaltung (Abschaltung einer Lampe).

- Berücksichtigung der Räume unterschiedlicher Lichtempfindlichkeit. Vermeidung heller,

weitreichender künstlicher Lichtquellen in der freien Landschaft (Wahl des Standortes,

empfindliche Biotope, Sternwarte), Vermeidung von Beleuchtungsanlagen in

den naturschützerisch wertvollen Naturräumen.

Vorschlag Regelungsebene:

Die Erarbeitung von Planungshilfen ist über die im Umweltschutzgesetz festgeschriebene Verpflichtung

zur Information und Beratung durch das Amt für Umweltschutz möglich. Es sind

keine zusätzlichen rechtlichen Regelungen notwendig.

Zuständigkeit/Mitwirkung

- Amt für Umweltschutz

- Tief- und Hochbauamt

- Bauämter der Gemeinden

- LIA/Hochschule

- Fachleute

Einbezug des Aspektes der Lichtemissionen in das Architekturstudium (Lichtplanung)

Die Architekten sind die wesentliche Schaltstelle bei der Organisation der Aussenbeleuchtung

der Gebäude. Der Aspekt der Lichtemission sollte entsprechend im Architekturstudium wie

auch in der Fortbildung durch die LIA stärker gewichtet werden. Die Lichtplanung ist als gestalterisches

Element entsprechend aufzuwerten.

20 August 2008 Bericht Lichtemissionen


10. Optimierung der Beleuchtung auf Gemeindeebene

Die Beleuchtung des öffentlichen Raumes (Strassen, Plätze) ist die wichtigste Lichtemissionsquelle.

Sie ist zudem ein zentrales Gestaltungselement und entscheidet wesentlich über die

Attraktivität der Siedlung in der Nacht (u.a. Sicherheitsempfinden, Störung durch Lichtquellen).

In Liechtenstein wird diese Beleuchtung weitgehend im Auftrag der Gemeinden durch die

Liechtensteinischen Kraftwerke (LKW) sichergestellt und geplant. Einerseits bestehen verschiedene

Optimierungsmöglichkeiten, z.B. durch die Reduktion der Beleuchtung zu gewissen

Zeiten oder Teilabschaltungen. Andererseits werden generelle Vorgaben der Komplexität der

Beleuchtungssituationen im Einzelfall nicht gerecht (z.B. Lampen an Fussgängerstreifen, Abstände

der Lampen, Kreuzungen, unterschiedliche Verkehrsaufkommen, Sicherheit).

Vielfach ergibt sich das Gesamtbild der Siedlung in der Nacht relativ zufällig aus den verschiedenen

Leuchtkörpern der öffentlichen und privaten Beleuchtung. Es fehlt die Gesamtbetrachtung

und die Abstimmung der verschiedenen Beleuchtungen aufeinander.

Sinnvoll wäre daher die Erarbeitung eines Massnahmenplanes, welcher auf der Basis einer

Analyse der Ist-Situation unter der Berücksichtigung der verschiedenen Interessen die Optimierung

der öffentlichen Beleuchtung zum Ziel hat.

Aspekte sind:

- Reduktion der Lichtemissionen

- Optimierung von Ästhetik und Funktion der Beleuchtung

- Nutzen des Energieeinsparpotenzials

Betrachtungsebene ist das ganze Gemeindegebiet. Ein mögliches Vorgehen wird in Kap. 10.1

erläutert.

Vorschlag Regelungsebene:

Die Erarbeitung eines Gemeindekonzeptes zur Beleuchtung erfolgt durch die Gemeinden. Die

Erarbeitungskosten dürften weitgehend durch die Energieeinsparung kompensiert werden.

Eine rechtliche Regelung ist vorerst nicht notwendig, kann zu einem späteren Zeitpunkt allenfalls

für die Vereinfachung der Umsetzung sinnvoll sein (z.B. rechtliche Regelung des Zeitpunktes

des «Nachtruhefensters» für Lichtemissionen).

Zuständigkeit/Mitwirkung

- Gemeinden (Bauamt, Naturschutzkommission)

- Amt für Umweltschutz

- Tief-/Hochbauamt

- Amt für Wald, Natur und Landschaft

- Liechtensteiner Kraftwerke

- Energiefachstelle

- Unabhängige Fachleute (Lichtplanung)

- Fachleute (Natur-, Umweltschutz), evtl. LGU

Bericht Lichtemissionen August 2008 21


10.1. Erarbeitungsschritte eines Gemeindekonzeptes zur Beleuchtung

unter dem Blickwinkel der Reduktion der Lichtemission und der

Energieeinsparung

1. Ausweisung von Zonen mit unterschiedlichen Licht(schutz)bedürfnissen

Je nach Standort, z.B. Dorfzentrum, Waldweg, Nähe Observatorium, bestehen unterschiedliche

Anforderungen an die Ausleuchtung bzw. Licht(schutz)bedürfnisse. Es können vereinfacht

folgende Zonen, gereiht mit steigender Lichtempfindlichkeit, unterschieden werden:

– Siedlung - Kernzone

– Siedlung - Industriegebiet

– Siedlung - Wohngebiet

– Wald, Landwirtschaftsgebiet, Bereich oberhalb der Waldgrenze

– Gewässernahbereiche, Flächen gemäss Naturvorrangflächeninventar

2. Erfassung Ausgangslage (die Erfassungstiefe ist abhängig von der Zone)

Es werden die im Verhältnis zum jeweiligen Bezugsraum wesentlichen Lichtemissionsquellen

erfasst (z.B. Strassen-, Wegbeleuchtung, Anleuchtungen Gebäude, Flutlichtanlagen Sportstätten,

Beleuchtung Parkplätze). Ausserhalb der Siedlung kann dies auch Formen mit geringerer

Lichtstärke beinhalten (z.B. Beleuchtung Fuss-, Wald-, Alpwege). Der Schwerpunkt der Betrachtung

richtet sich auf die Beleuchtung im Auftrag der öffentlichen Hand (Verantwortung

Land und Gemeinde). Daneben werden wesentliche private Emittenten (z.B. Reklamen, Anleuchtungen,

Arealbeleuchtungen) erfasst.

Zu erfassende Inhalte sind: Lampentyp, Standort, Beleuchtungsfunktion (z.B. Kreuzung,

Fussgängerstreifen), Qualität der Beleuchtung (bezüglich der Beleuchtungsfunktion, Ästhetik),

aktuelle zeitliche Regelung, vorhandene stromtechnische Regelungsmöglichkeiten, Konfliktpotential

mit Mensch oder Natur.

Verschiedene dieser Informationen sind bereits vorhanden und müssten nur zusammengetragen,

bzw. unter dem Aspekt der Vermeidung von Lichtemissionen sowie der Ästhetik und der

Funktionserfüllung der Beleuchtung beurteilt werden.

3. Aufzeigen wesentlicher Konfliktbereiche

Auf der Basis der erarbeiteten Übersicht können die wesentlichen Konfliktbereiche zwischen

Beleuchtung-Mensch und Beleuchtung-Natur bezeichnet und Optimierungsmöglichkeiten insbesondere

auch im Hinblick auf die Energieeinsparung und Ästhetik aufgezeigt werden.

4. Festlegen von Massnahmen und Zuständigkeiten

Es werden die kurz- und langfristigen Massnahmen sowie die Prioritätensetzung festgelegt.

Ihre Auswahl beruht insbesondere auch auf einer Kosten-Nutzen-Abwägung. Die Zuständigkeiten

und Akteure werden bezeichnet.

5. Öffentlichkeitsarbeit

Die Konzepterarbeitung und Umsetzung wird von einer Öffentlichkeitsarbeit begleitet.

22 August 2008 Bericht Lichtemissionen


11. Regelung Reklamen

Bezüglich Reklametafeln gibt es keine übergreifenden verbindlichen Regelungen im Fürstentum

Liechtenstein. Die einzelnen Gemeinden sind in eigener Kompetenz im Rahmen des

Baubewilligungsverfahrens zuständig. Daraus entsteht eine gewisse Uneinheitlichkeit in der

Beurteilung. Hier wäre ein übergeordneter Rahmen zur Regelung der Reklametätigkeit sinnvoll.

Die Regelung in einer eigenen Lichtemissionsverordnung ist als Alternative möglich.

Vorschlag Regelungsebene:

Berücksichtigung der Reklame-Lichtemissionen im Rahmen einer allgemeinen Regelung der

Reklametätigkeit im gesamten Fürstentum Liechtenstein (z.B. in einem "Reklame"-

Reglement).

Alternative: Lichtemissionsverordnung

Mögliche Regelungsinhalte:

- Vorgabe der Beleuchtung von oben nach unten (bei nicht selbstleuchtenden Formen)

- Regelung der Lichtstärke (Vorgabe von Maximalwerten) (Beispiel aus Tschechien: 200

cd bei weniger als 5m 2 , 300 cd bei 5-30 m 2 , 500 cd bei mehr als 30 m 2 ), die Lichtstärke

sollte 60 cd/m 2 nicht überschreiten

- Reduktion der Lichtstärke je nach Ausgangswert von 30 bis 50% oder Ganzabschaltung

während der Nachtruhe (z.B. 23:00-6:00) (analog zum Lärm)

- Optimierung Lichtspektrum im Hinblick auf Insektenschutz (keine UV-Abgabe)

Bericht Lichtemissionen August 2008 23


12. Regelung Anleuchtung und Arealbeleuchtung

Die Aussenbeleuchtung und Anleuchtung von Gebäuden sind derzeit nicht Bestandteil des

Baubewilligungsverfahrens. Die Gemeinde hat somit nur geringe Möglichkeit der Einflussnahme.

Die fachliche Qualität der Beleuchtung (Leuchtentyp, Ausrichtung etc.) ist sehr unterschiedlich,

Teile der Beleuchtungen sind älteren Datums und entsprechen nicht mehr dem

heutigen Stand der Technik.

Die Möglichkeiten für grössere Fassaden- und Arealbeleuchtungen seitens Privater sollte zukünftig

eingeschränkt werden (Voraussetzung für eine Aussenanleuchtung wären öffentliches

Interesse, Sicherheitsgründe). Eine allfällige Regelung muss sich aus Gründen der Praktikabilität

und des Vollzugs auf wesentliche Formen der Anleuchtung und Aussenbeleuchtung beschränken

(Abgrenzung gegenüber kleineren privaten Aussenleuchten). Von der Materie her

ist die Regelung über eine Berücksichtigung in der Bau- oder Energiegesetzgebung sinnvoll.

Die Regelung in einer eigenen Lichtemissionsverordnung ist als Alternative möglich.

Vorschlag Regelungsebene:

Mögliche Regelung im Rahmen einer Änderung des Baurechts (Bauverordnung) oder der E-

nergiegesetzgebung.

Alternative: Lichtemissionsverordnung

Mögliche Regelungsinhalte:

- Fassaden-, grössere Anleuchtungen und Arealbeleuchtungen sind der Bewilligungspflicht

(Baubewilligung) zu unterstellen und zu regeln (nur im öffentlichen Interesse

oder aus Sicherheitsgründen möglich)

- Vorgabe der Beleuchtung von oben nach unten

o

Ausnahmen:

- Regelung der Lichtstärke

o

o

• architektonisch besondere Bauwerke / Monumente / Öffentliche Bauten

wo dies aus anderen Gründen des öffentlichen Interesses (Z.B.

denkmalpflegerisch) nicht anders möglich ist. Der Lichtkegel muss in

diesem Fall innerhalb der Gebäudegrenzen zu liegen kommen (Optimale

Ausrichtung, moderner Stand der Technik)

• Je nach Art der durch eine Beleuchtung betroffenen Fläche kann eine

Ausrichtung von oben nach unten auch aus anderen Gründen nicht

sinnvoll sein (z.B. Nahbereich von Wasserflächen)

Reduktion der Stärke (30-50%) je nach Ausgangswert während der Nachtruhe

(z.B. 23:00-6:00) oder Ganzabschaltung

Festlegung von Grenzwerten (Anleuchtung: 1 cd/m 2 ) (Vermeidung der Reflexion

am Gebäude oder am Boden z.B. durch geeignete Farbwahl)

- Emissionsoptimierte Lampen

o

o

Strahlungsspektrum mit geringerer Wirkung auf die Fauna wählen

Hohe Energieeffizienz

24 August 2008 Bericht Lichtemissionen


13. Regelung Extrem- und Sonderformen

Einzelne Beleuchtungsformen (Skybeamer, Laserscheinwerfer) weisen eine beabsichtigte und

intensive Abstrahlung in den freien Raum auf. Damit sind entsprechend starke Effekte auf die

Umwelt (z.B. ziehende Vogelarten) und den Menschen (z.B. Verkehrs-, Flugsicherheit) verbunden.

Hier sind weitgehende Beschränkungen sinnvoll.

Die grösseren Sportstätten (Fussball, Tennis) Liechtensteins liegen meist in unmittelbarer

Nähe von wertvollen und lichtempfindlichen Naturräumen (Rhein, Rheindamm, Esche, Mölibach,

Waldflächen) und sind mit Flutlichtanlagen ausgerüstet. Das Konfliktpotenzial dieser

Lichtemissionen mit dem Naturschutz ist gross. Entsprechend ist eine unter den Aspekten der

Lichtemission optimale technische und zeitliche Lösung anzustreben.

Ein Konfliktpotenzial besteht auch für die Langlaufloipe/Schlittelbahn im Steg sowie eine allfällige

Pistenbeleuchtung im Malbun. Die Schneedecke erhöht einerseits die Reflexion in den

freien Raum, anderseits sind die Tieraktivitäten im Winter reduziert. Zusätzliche Beleuchtungen

sind in ihren Umweltauswirkungen zu überprüfen.

Vorschlag Regelungsebene:

Eine rechtliche Regelung im Rahmen einer eigenen "Lichtemissions-Verordnung" ist sinnvoll.

Als Alternative können Extremformen auch im Rahmen des Baugenehmigungs- bzw. Betriebsbewilligungsverfahrens

durch die Gemeinden geregelt werden.

Die Erstellung einer Skipistenbeleuchtung ist ein Eingriff gemäss dem Gesetz zum Schutz von

Natur und Landschaft und in seinen Umweltauswirkungen zu überprüfen.

Die Sportstätten können im Rahmen von technischen und zeitlichen Vorgaben geregelt werden.

Sie sind auch Bestandteil eines Konzeptes zur Optimierung der öffentlichen Beleuchtung

(s. Kap. 10)

Eine wesentliche Einflussnahmemöglichkeit bei der Skipistenbeleuchtung und der Beleuchtung

von Sportstätten besteht im Rahmen von Subventions- und Baubewilligungen. Hier könnte

dem Aspekt der Lichtemissionsvermeidung die entsprechende Gewichtung gegeben werden.

Mögliche Regelungsinhalte:

- Verbot von Skybeamern

o

Übergangsregelung für allfällig bestehende Skybeamer

- Verbot von Reklame-/Laserscheinwerfern

o

Ausnahmebewilligungen für Anlässe im öffentlichen Interesse

- Regelung Skipistenbeleuchtung (Nachweis der Umweltverträglichkeit)

- Technische und zeitliche Vorgaben für die Flutlichtanlagen in den Sportstätten unter

dem Aspekt der Vermeidung der Wirkung der Lichtemissionen (Lichtspektrum, Dimmmöglichkeiten,

Ausrichtung, Lampenleistung)

Bericht Lichtemissionen August 2008 25


14. Übersicht Vorgehen und Regelungen

26 August 2008 Bericht Lichtemissionen


15. Mögliche Handlungsfelder

Die in den Kapiteln 8 bis 13 gemachten Vorschläge sind in einem nächsten Schritt zu konkretisieren.

Nachfolgende Tabelle gibt eine Übersicht möglicher Arbeitsschritte und Handlungsfelder.

Thema Arbeitsschritt Anmerkungen

Umweltschutzgesetz

Öffentlichkeitsarbeit

Planungshilfen

Gemeindekonzept

Regelung Reklamen

Berücksichtigung der Lichtemission

in der Umweltschutzgesetzgebung

Ausarbeitung Informationsmaterial

(Flyer, Broschüre) zum Thema

Lichtemissionen

Medieninformation (Zeitungen,

Radio)

Informationen auf Homepage

Amt für Umweltschutz

Exkursionen, Vorträge

Erarbeitung einer Planungshilfe

für die Reduktion der Lichtemission

für Bauherren, Planer, Bevölkerung

Herstellen Kontakt Hochschule

Präzisierung der Anforderungen

und Vorgehensweise für ein Beleuchtungskonzept,

Umsetzung

in einer Pilotgemeinde, Evaluation

der Methode und Ergebnisse

Idealvariante: Berücksichtigung

der Reduktion der Lichtemissionen

im Rahmen einer Regelung

der Reklametätigkeit im gesamten

Fürstentum Liechtenstein

(Reklamereglement)

Alternative Variante: Berücksichtigung

im Rahmen einer

Lichtemissionsverordnung

Durch den Begriff Strahlung

abgedeckt

Kann sich an Vorlagen

aus anderen Ländern orientieren

(z.B. Kanton Baselland)

In Zusammenarbeit mit

der LGU, LIA (z.B. Fachvorträge)

In Zusammenarbeit mit

der LIA/Fachleuten

Ziel ist der verstärkte Einbezug

der Problematik

Lichtemission in Architekturstudium

Anhand einer Pilotgemeinde

können die Möglichkeiten

zur Reduktion

der Lichtemissionen gezeigt

werden

In Zusammenarbeit mit

dem Tiefbauamt und dem

Hochbauamt

Bericht Lichtemissionen August 2008 27


Regelung Fassadenanleuchtung,

Arealbeleuchtung

Regelung Extrem- und Sonderformen

Idealvariante: Regelung der Fassadenanleuchtung

und der Arealbeleuchtung

im Bereich des

Baurechts

Alternative Variante: Berücksichtigung

im Rahmen einer

Lichtemissionsverordnung

Regelung von Skybeamern, Reklame

und Laserscheinwerfer im

Rahmen einer Lichtemissionsverordnung

Alternative Variante: Übernahme

entsprechender Regelungen auf

Gemeindeebene

Regelung Skipistenbeleuchtung

im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens

(Nachweis der

Umweltverträglichkeit)

Alternative Variante: Regelung

im Rahmen einer Lichtemissionsverordnung

Einbezug von Anforderungen an

den Schutz vor unnötigen

Lichtemissionen von Sportstättenbeleuchtungen

im Rahmen

von Bewilligungsverfahren und

Subventionszahlungen

In Zusammenarbeit mit

dem Hoch- und dem Tiefbauamt

Enge Schnittstelle zur

Beleuchtungskonzepterarbeitung

auf Gemeindeebene

(Kap. 10). Teilaspekte

könnten hier geregelt

und bearbeitet werden.

28 August 2008 Bericht Lichtemissionen


16. Dank

Verschiedene Personen standen für Auskünfte und Diskussionen zur Verfügungen. Ihnen sei

an dieser Stelle herzlichst gedankt:

- Helmut Kindle, Amt für Umweltschutz

- Jeannine Niedhart, Stefan Hassler, Ressort Umwelt, Raum, Land- und Waldwirtschaft

- Johann Ott, Markus Verling, Tiefbauamt

- Peter Mündle, Hochbauamt

- Michael Fasel, Josef Schädler, Amt für Wald, Natur und Landschaft

- Martin Büchel, Markus Frieser, Gemeinde Eschen

- Hans Burckhardt, Gemeinde Triesenberg

- Werner Frick, Edi Risch, Gemeinde Schaan

- Arthur Büchel, LKW

- Hans Frommelt für den LIA

17. Verwendete Ausdrücke

Lichtstrom: Mass für die von der Lichtquelle ausgesandte Strahlung unter Berücksichtigung

der spektralen Hellempfindlichkeit des menschlichen Auges (Einheit: Lumen).

Beleuchtungsstärke: Lichtstrom pro Flächeneinheit. Mass für die Helligkeit mit der etwas ausgeleuchtet

wird (Einheit: Lux = Lumen/m 2 ).

Lichtstärke: Mass für die von einer Lichtquelle in einer bestimmten Richtung abgestrahlte

Lichtstromdichte (Strahlungsleistung einer Lichtquelle pro Raumwinkel) Dabei wird die spektrale

Wahrnehmungsfähigkeit des menschlichen Auges in Betracht gezogen (Einheit ist Candela

(cd)).

Lichtstärkeverteilung: Zeigt die unterschiedliche Lichtstärke in verschiedene Richtungen an.

Einheit: Lichtstärke pro 1000 Lumen (cd/klm).

Leuchtdichte: Ist für den Helligkeitseindruck massgebliche Grösse und ist definiert als Lichtstärke

pro Flächeneinheit (Candela (cd) pro Quadratmeter).

Bericht Lichtemissionen August 2008 29


18. Literatur

HÖTTINGER, H. & GRAF, W. (2003): Zur Anlockwirkung öffentlicher Beleuchtungseinrichtungen auf

nachaktive Insekten. Hinweise für Freilandversuche im Wiener Stadtgebiet zur Minimierung negativer

Auswirkungen, Endbericht, 37 S.

KLAUS, G, KÄGIE, B., KOBLER, R.L., MAUS, K., & A. RIGHETTI (2005): Empfehlungen zur Vermeidung

von Lichtemissionen. Vollzug Umwelt. Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Bern. 37 S.

KOBLER, R. L. (2002): Die Lichtverschmutzung in der Schweiz. Mögliche Auswirkungen und praktische

Lösungsansätze.

KOBLER, R.L., HENGEVOSS, D. & M. HOH (2005): Eindämmung der Lichtverschmutzung im Fürstentum

Liechtenstein. Potentialstudie (Phase 1). 48 S.

KOLLIGS, D. (2000): Ökologische Auswirkungen künstlicher Lichtquellen auf nachtaktive Insekten,

insbesondere Schmetterlinge (Lepidoptera). – Faunistisch-Ökologische Mitteilungen, Suppl. Kiel: 1-

136.

LONGCORE, T. & C. RICH (2004): Ecological light pollution. Front Ecol Environ 2004; 2: 191-198.

SCHEIBE, M. A. (2003): Über den Einfluss von Strassenbeleuchtung auf aquatische Insekten. Natur

und Landschaft 78. Jahrgang, Heft 6, 264-267.

UMWELTSCHUTZDIREKTIONEN (2005): Vorgehen der Innerschweiz betreffend das Thema "Lichtimmissionen.

Version 5.0a, 9 S.

30 August 2008 Bericht Lichtemissionen

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine