Gespeicherte Kindheit - Dachbodenbande

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Gespeicherte Kindheit - Dachbodenbande

SP EICHERSTADT

Gespeicherte Kindheit

von Petro Schreiber

Beinahe unbemerkt eröffnete Manfred Bauditz im vergangenen Sommer sein Spielzeugmuseum

in der Speicherstadt. Auf 450 Quadratmetern zeigt er Kinderträume aus längst

vergangenen Zeiten. Ein (Dach -)Boden , der Erinnerungen weckt

Hermann der Bär und seine Frau Emilie auf großer Fahrt. Auto und Fahrer haben gut 60 Jahre auf dem Bucke l


SPEICHERSTADT

Der Vorraum ist spärlich beleuchtet. In der Luft ein

Geruch, der unweigerlich an GroßmuttersDachboden

erinnert. Kein Wu nder. Denn das Spielzeugmuseum

an der Kehrwieder 4 ist eine Mi schung ausJahrmarkt,

Kunstwerk und M useum. Auf dem 450 Quadratmeter

großen Speicher von Ma nfred Bauditz, zwei Stockwerke

unter dem M iniatur W underland, findet sich

Spielzeug aus den letzten 200 Jahren: Puppen, Spiele,

kleine Blechkarusselle, Kaufmannsläden und sogar

ein Schaukeipferd aus dem 19. Jahrhundert.

Hier ist auch das Zuhause der .Dachbodenbande" .

Der Clique, die dem Mu seum seinen Namen gab. Sieben

Mi tglieder zählt der betagte Clan. Zu ihm gehören

Plüsch-Pinguin Otto, Katze Gerda mit Tochter

M iezi, Affe Fritz, Hermann der Bär und seine Frau

Emilie sowie der einohrige Hase Karl. Dass die Gruppe

so zerrupft und abgerissen daherkommt, liegt

sicherlich daran, dass sie schon einige Jahre in Kinderhänden

" verspielt " hat.

Dass sich die Besucher in Kindertage zurückversetzen

können, erleichtert Bauditz mit träumerischer Mu sik,

die im Hintergrund erklingt, und der Möglichkeit, die

Gegenstände zu berühren. Eigene Erinnerungen

indes gibt der Betreiber nicht preis. "Meine Person

spielt keine Rolle. Die Idee ist wi chtig" , behauptet

Manfred Bauditz beharrl ich, wenn er von seiner

Dachbodenbande spricht. Bauditz ' Bande ist eine

symbolische Verknüpfung zwischen gestern und

heute, und die muss gepflegt werden: "Wir können

nicht im Jetzt sein, wenn wir das Vergangene aufgeben",

bekund et der gebürti ge Rostocker. War um

Bauditz sich mehrmals in der Woche auf den Weg zu

Flohmärkten und Antiquitätenhändlern macht, um

neue Schätze für seinen Dachboden zu ergatte rn,

DIE DACHBODENBANDE

Kehrwieder 4, 20457 Hamburg

Tel. 0172 329 32 50

Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 18 Uhr,

Eintrit t: Erwachsene 6 Euro, Kinder 3 Euro,

Rentner, Studenten oder Erwerbslose 4 Euro

www.dachbodenbande.de

erklärt er so: " Spielzeug ist einer der emot ionalsten

Gegenstände, die wir Me nschen besitzen." Bauditz

bedauert, dass es solche Auf bewahrungsorte für

Spielzeug heute kaum noch gibt, denn "dadurch wird

uns auch die Möglichkeit genommen, Gefühie, die

ein bestimm tes Spielzeug in uns geweckt hat, wi eder

aufleben zu lassen." Für ihn verkörpert Spielzeug das,

wonach jeder strebt: Geborgenheit und Liebe.

Mit besonders viel Liebe ist auch die Zaubertrommel

gemacht. Mi t der magischen Formel " Hokuspokus

Fidibus, dreimal schwarzer Kater" schickt der Stöberer

jeden mutigen Besucher auf eine Zeitreise. Es

braucht nur wenige Sekunden in das versteckte Zimmer

- und nur wenige Sekunden zum beinahe kindlichen

Erstaunen.

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