Systolisches Herzgeräusch - wie weiter? - Herzpraxis am Albis

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Systolisches Herzgeräusch - wie weiter? - Herzpraxis am Albis

PRAXIS Schweiz Med Forum 2004;4:49–55 51

Herzgeräusche

Abbildung 1.

Klassische Auskultationsstellen

und Lokalisation des Punctum

maximum bei der Auskultation

verschiedener systolischer

Geräusche.

AS = Aortenstenose;

PS = Pulmonalstenose;

VSD = Ventrikelseptumdefekt;

HOCM = hypertroph obstruktive

Kardiomyopathie;

MI = Mitralinsuffizienz.

EKG

Funktionelles Geräusch

Mitralinsuffizienz

(holosystolisch)

Mitralinsuffizienz

(telesystolisch, MKP)

HOCM, 4. ICR links

Aortenstenose,

2. ICR rechts

Ventrikelseptumdefekt,

4. ICR links

Pulmonalstenose

Funktionelles

Austreibungsgeräusch

P

QRS

M1T1

PAT

AORTAL:

AS

T

Klick

ERB:

VSD

ERB:

HOCM

A2P2

PULMONAL

PS

APEX

MI

P 2 A 2

(evtl. paradox)

A2 verfrüht

A2 P2

Herzgeräusche bestehen aus einer Summe von

hörbaren Schwingungen mit unterschiedlicher

Intensität, Frequenz (20–1000 Hz) und unterschiedlichem

zeitlichem Auftreten. Sie sind Ausdruck

turbulenter Strömungen. Austreibungsgeräusche

entstehen zum Zeitpunkt des maximalen

Flusses und nicht zum Zeitpunkt des maximalen

Druckgradienten.

Bei Herzgeräuschen muss folgendes beurteilt

werden: 1. Lokalisation, 2. zeitliche Verhältnisse,

3. Lautstärke, 4. Konfiguration sowie 5. Frequenz.

Die Lokalisation – vor allem das Punctum maximum

– kann Hinweise für die Ursache des Herzgeräusches

geben (siehe oben).

Die zeitlichen Verhältnisse beschreiben das Auftreten

im Herzzyklus (systolisch, diastolisch oder

kontinuierlich) ist, sowie die genaue zeitliche

Lokalisation in Systole beziehungsweise Diastole

(früh = proto, Mitte = meso, spät = tele, ganz =

holo). Systolisch ist definiert als der Zeitraum nach

S1 und bis vor oder zu S2. Ein Holosystolikum geht

bis zu A2 (linksseitig) oder P2 (rechtsseitig). Die

zeitliche Lokalisation ergibt bereits Rückschlüsse

auf die Ätiologie des Systolikums. Ein holosystolisches

Geräusch ist typisch für AV-Klappeninsuffizienzen

oder einen Ventrikelseptumdefekt. Ein

frühsystolisches Geräusch ist typisch für einen

kleinen oder sehr grossen Ventrikelseptumdefekt.

Ein meso- bis telesystolisches Geräusch ist charakteristisch

für einen Mitralklappenprolaps.

Die Einteilung der Lautstärke eines Herzgeräusches

erfolgt gemäss Samuel A. Levine (1933) in

6 Grade: I: sehr leise, nur mit Schwierigkeiten hörbar;

II: leise, aber gut hörbar; III: mittellaut; IV:

laut, oft ein Schwirren; V: sehr laut, Schwirren,

Geräusch hörbar, wenn auch nur der Rand des

Stethoskops aufgelegt wird; VI: Schwirren, Geräusch

auch ohne Stethoskop hörbar. Dies wurde

für die systolischen Geräusche entwickelt und gilt

aber auch für die diastolischen Geräusche.

Die Geräuschkonfiguration umfasst: Crescendo,

Decrescendo-, Crescendo-Decrescendo- (spindelförmige)

oder bandförmige Geräusche.

Bezüglich Frequenz unterscheidet man tieffrequente

(Mitralstenose, Ventrikelseptumdefekt,

Pulmonalstenose, Aortenstenose). oder hochfrequente

(Aorten- oder Pulmonalinsuffizienz) Geräusche.

Bei den systolischen Herzgeräuschen sind eindeutige

Muster beschrieben, die wir zumindest auf

dem Papier klar erkennen sollten (Abb. 2 und 3 x).

Wann gilt ein Systolikum als normal?

Abbildung 2.

Vergleich des Auskultationsbefundes verschiedener systolischer Geräusche. M1 = mitrale

Komponente des 1. Herztons; T1 = trikuspidale Komponente des 1. Herztons; A2 = aortale

Komponente des 2. Herztons; P2 = pulmonale Komponente des 2. Herztons; ICR = Interkostalraum;

HOCM = hypertroph obstruktive Kardiomyopathie. PAT = pulmonaler Austreibungston.

Ein «normales», d.h. ein so genannt funktionelles

Systolikum ist ein häufiger Auskultationsbefund

bei einer kardial gesunden Person. Das

funktionelle Systolikum beginnt nach S1, ist sehr

kurz dauernd, hört auf vor A2, ist deutlich über

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