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Universitätsbibliothek - Raumprogramm & Funktionen

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<strong>Universitätsbibliothek</strong> - <strong>Raumprogramm</strong> & <strong>Funktionen</strong><br />

Wesentliche Merkmale der Bauaufgabe<br />

charakteristisch: Anzahl der Bücher (Annahme z.B. 3 Kellergeschoße unter dem Lesesaal (je 500 m²) mit<br />

Magazinen entweder zum Ausleihen oder zum Lesen im Lesesaal)<br />

Anzahl der Lese-/Arbeitsplätze: einerseits im Lesesaal, andererseits im Bereich der Freihandbibliothek, evtl.<br />

kleinere Gruppenräume (für Diskussionen) und individuelle Arbeitsnischen (absperrbar).<br />

Eingangsbereich<br />

Garderobe (Schließfächer in Abhängigkeit zur Anzahl der zu erwartenden Besucher, die den Freihandbereich<br />

oder den Lesesaal benützen). Besucheranzahl: Freihandbereich 100 Personen, Lesesaal 200 Personen.<br />

Katalog (Computerplätze): Suche nach gewünschten Büchern nach Autor, Schlagwörtern, Themen, etc.<br />

Platzbedarf ca. 8m²<br />

Entlehnung, Vorgang: Suche nach den gewünschten Büchern entweder im Katalog oder im Freihandbereich.<br />

Anschließend Entlehnung entweder beim Entlehnschalter (5m Pultfläche mit 2m Bewegungsfläche<br />

dahinter) oder bei einer digitalen Entlehnmaschine mit Entlehnausweis („self service“) (Fläche 2x2m)<br />

möglich.<br />

Kauf eines Entlehnausweises entweder beim Entlehnbereich oder bei einem gesonderten Schalter bzw.<br />

Automaten.<br />

Buchrückgabe für Benützer außerhalb des Gebäudes (entweder bei einem Schalter neben der Entlehnstelle<br />

oder bei einer Entlehnmaschine).<br />

Räumlichkeiten<br />

Freihandbibliothek mit ca. 100* Leseplätzen (hell!) auf 1-2 Ebenen, sinnvolle Anordnung der<br />

Sitzgelegenheiten (Breite pro Leseplatz 1,20m, Tiefe 0,8m; Bei Anordnung der Leseplätze nebeneinander und<br />

gegenüber Gesamttiefe 1,6m). Die Leseplätze müssen mit einem durchgehenden Lichtbalken ausgestattet sein.<br />

Durchgangsbreite Tischkante-Tischkante 1,80m. In der gleichen Ebene befinden sich die Regale, die eher in<br />

dunkleren Bereichen untergebracht sind.<br />

Schleuse (elektronische Sicherung der Bücher) und Betreuungspersonal bei Ein- und Ausgang des<br />

Freihandbereichs.<br />

Lesesaal für konzentriertes Arbeiten (Halle, womöglich mit Tageslicht und Ausblick auf entspannendes Objekt<br />

(z.B. Garten oder Dachlandschaft), vorzugsweise im obersten Geschoß mit ca. 200* Leseplätzen. Gestaltung der<br />

Leseplätze wie in der Freihandbibliothek. Größe ca. 500m² - Platzbedarf mit Bewegungsfläche ca. 2,5m² pro<br />

Person. Es ist ein Informationspult für 1-2 Auskunftspersonen vorzusehen, bei denen Buchbestellungen<br />

getätigt werden können. Daher ist auch ein extra Personallift zu den Magazinen (im Keller) vorzusehen.<br />

Schleuse (elektronische Sicherung der Bücher) und Betreuungspersonal bei Ein- und Ausgang des Lesesaales.<br />

*Bemerkung: Die Relation zwischen Leseplätzen in der Freihandbibliothek und Lesesaal soll 1:2 sein. Sollte die<br />

oben angegebene Anzahl aus gestalterischen Gründen nicht genau eingehalten werden, können die<br />

Leseplätze bis max. 150 und 300 erhöht, jedoch nicht verringert werden.<br />

Stand: 16.10.2012<br />

1


Individuelle Arbeitsnischen (ca. 20 Stk., absperrbar) für mehrtägige Recherche, Ausstattung: Schreibtisch<br />

1,80m x 0,80m, darüber kleines Regal t=0,30m, Abmessung der Nische: ca. l=1,80m x b=1,60m,<br />

individuelle Leselampe, natürliches Licht von links<br />

Gruppenräume (ca. 5-6 Räume mit 20-25m² für Besprechungen, je ca. 6-10 Personen), schallisolierend<br />

getrennt<br />

Medienräume (ca. 5-6, für Einzelpersonen, z.B. für Mikrofilme, DVDs, etc.) Größe ca. 1,5 x 1,5 m<br />

Café/Buffet in der Nähe des Freihandbereiches, mit guter Verbindung auch zum Lesesaal, schalltechnisch<br />

getrennt von Lese- und Arbeitsbereichen. Zulieferung und Müllentsorgung (Lift).<br />

Separates WC für das Café.<br />

WCs bei den Lesebereichen in den Erschließungszonen in jedem Geschoß (1 Kabine pro 30 Nutzer);<br />

Sinnvolle Anordnung<br />

Verwaltung: Direktion, Buchankauf, Dokumentation (mit Tageslicht und eigenem Personal WC, z.B. im 1.OG).<br />

Insgesamt 50 Personen für die Verwaltung der eigenen Bibliothek und der zugeordneten Büchereien der<br />

Universität. Flächenbedarf ca. 12m² pro Person inkl. Verkehrsfläche.<br />

Keller:<br />

1. Technikräume (Klima, Heizung, 8% der Gesamtkubatur, 6 m Raumhöhe) unter dem<br />

Verwaltungsbereich/Eingangshalle.<br />

2. Magazine (3 Untergeschoße unter dem Lesesaal) mit Liftverbindung<br />

Vertikale Verbindung über Stiegen und Aufzüge (+ Fluchtstiegen!) bis zum untersten Kellergeschoß.<br />

2 Fluchtstiegen pro Brandabschnitt (Magazin, Technikraum, Lesesäle etc.) direkt ins Freie. (Max. Entfernung<br />

zum Fluchtstiegenhaus: 40 m)<br />

Anordnung<br />

Vorschlag für die Gruppierung der <strong>Funktionen</strong>:<br />

1. Erschließung, Eingangshalle, Katalog, Information, Café, Pausenraum<br />

2. Lesetrakt mit Büchermagazinen (KG), Freihandbibliothek und Lesesaal.<br />

3. Verwaltungstrakt. Hier können noch Gruppenräume, Medienräume angeordnet werden. (Geeignete<br />

Verbindung zum Lesetrakt erforderlich)<br />

Gestaltung<br />

Die Erfüllung der architektonischen Qualität des Gebäudes (Architektur ist Raumkunst) besteht in der<br />

Gestaltung der Lesesäle und der Eingangshalle. Die Schaffung geeigneter Raumhöhen und guter<br />

Raumproportionen sind wichtige Aufgaben des Entwurfes.<br />

Universal Design<br />

Alle Bereiche und Fluchtwege müssen auch für Körperbehinderte zugänglich und geeignet sein.<br />

Je Toilettenanlage mind. 1 Behinderten-WC.<br />

Fortsetzung des Entwerfens im SS<br />

Die oben erwähnten Konstruktionen bei hallenartigen Räumen stellen besonders bei Fortsetzung des<br />

Entwerfens „Angewandte Ästhetik“ im SS, im Rahmen des Entwerfens „Katastrophenvorbeugung“ eine<br />

interessante Aufgabe dar, indem diese in widerstandsfähige Konstruktionen gegen verschiedene<br />

Naturgewalten (Erdbeben, Hangrutsch, Lawinengefahr etc.) weiterentwickelt werden sollen.<br />

In diesem Fall muss die Konstruktion detaillierter gelöst werden.<br />

Weitere Informationen bezüglich Katastrophenvorbeugung erhalten Sie im Sommersemester.<br />

Stand: 16.10.2012<br />

2


Unterlagen für den Entwurf von öffentlichen Gebäuden - Bibliotheken<br />

Bibliotheken<br />

©KeyStationderTUWien2009 Seite 1 von 11


Unterlagen für den Entwurf von öffentlichen Gebäuden - Bibliotheken<br />

Bibliothekstypen<br />

x<br />

Wissenschaftliche Bibliotheken:<br />

Sammlung, Erschließung und Angebot von Literatur bestimmter Sachgebietsspektren für Lehre und<br />

Forschung, meist uneingeschränkt öffentlich zugänglich.<br />

Öffentliche Bibliotheken:<br />

Breites Angebot an Literatur und anderen Informationsmedien, möglichst weitgehend in<br />

Freihandaufstellung. Flächendeckende Literaturversorgung aller Bevölkerungsschichten und<br />

Altersgruppen. <strong>Funktionen</strong> von Wissenschaftlichen und Öffentlichen Bibliotheken in größeren Städten<br />

gelegentlich auch gemischt.<br />

Landesbibliotheken:<br />

Überregionale Bibliotheken und Nationalbibliothek: Sammlung z.B. von Literatur der Produktion eines<br />

Landes oder einer Region (Pflichtexemplare); öffentlich zugänglich.<br />

Spezialbibliotheken:<br />

Wissenschaftliche Bibliotheken zur Sammlung von spezieller Literatur und Medien begrenzter<br />

Fachgebiete mit oft eingeschränkter Benutzung.<br />

<strong>Universitätsbibliothek</strong>en sind ein- oder zweischichtig organisiert:<br />

Einschichtige Systeme werden zentral verwaltet (Buchbearbeitung und Dienstleistungen) und haben<br />

meist nur wenige gesonderte Benutzungsbereiche in Zweig- oder Fachbibliotheken. Zweischichtige<br />

Systeme umfassen eine Zentralbibliothek und eine - oft größere - Anzahl von Fakultäts-, Fachbereichsund<br />

Institutsbibliotheken. Bestände werden frei zugänglich („freihand") in Lesesälen - oft auch in<br />

„Freihandmagazinen" (Regalachsabstände wie in geschlossenen Magazinen) und in geschlossenen<br />

Magazinen aufgestellt; diese Aufstellungsformen findet man gemischt in fast allen Wissenschaftlichen<br />

Bibliotheken. Das Verhältnis von Magazin bzw. Ausleih- zu Präsenzbestand wird von der<br />

Bestandsstruktur und/oder dem Organisationstyp bzw. Konzept der Bibliothek, oft auch vom<br />

Raumangebot eines vorhandenen Gebäudes bestimmt. Flächenbedarf für Buchstellflächen abhängig von<br />

Organisationsform, Zugänglichkeit für Benutzer, Regalart (feste oder Fahrregale), fachlich systematischer<br />

Gliederung und entsprechender Aufstellung, Formattrennung sowie vom Konstruktionsraster.<br />

In jeder Bibliothek 3 Flächenbereiche: Benutzungs- und Lesebereich, Magazin und Verwaltung.<br />

Flächenbedarf für diese Bereiche je nach Bibliotheksart unterschiedlich.<br />

Lesehalle, Columbia University Library, 1898 Lesehalle, New York University, 1895<br />

©KeyStationderTUWien2009 Seite 2 von 11


Unterlagen für den Entwurf von öffentlichen Gebäuden - Bibliotheken<br />

Benutzungs- und Lesebereiche<br />

x<br />

Bei guten Orientierungsmöglichkeiten (Leitsystem mit gut lesbarer Beschriftung von Wegen, Funktionsstellen<br />

und Regalen) sollte sich der Lesesaalbereich mit Lese-und Arbeitsplätzen - auch wegen<br />

Büchertransport - über möglichst wenige Ebenen verteilen; dabei versetzte Geschosse vermeiden.<br />

Erschließung möglichst über Treppen. Alle Flächen in<br />

Benutzungs- und Lesesaalbereichen müssen über<br />

Aufzüge erreichbar sein (Buchtransport, Behinderte).<br />

Verkehrswege >1,20 m breit, lichter Abstand<br />

zwischen - im Publikumsbereich immer fest<br />

stehenden - Regalen bis zu max. 1,30-1,40 m.<br />

Eingangs- und Lesesaalbereich durch Kontrollschleuse<br />

mit Buchsicherungsanlage getrennt.<br />

Möglichst nur ein Ein- und Ausgang.<br />

Kontrollschleuse zweckmäßig in der Nähe von<br />

Leihstelle/Zentraler Information.<br />

©KeyStationderTUWien2009 Seite 3 von 11


Unterlagen für den Entwurf von öffentlichen Gebäuden - Bibliotheken<br />

Belichtung und Belüftung<br />

x<br />

©KeyStationderTUWien2009 Seite 4 von 11


Unterlagen für den Entwurf von öffentlichen Gebäuden - Bibliotheken<br />

Raumanforderungen<br />

x<br />

©KeyStationderTUWien2009 Seite 5 von 11


Unterlagen für den Entwurf von öffentlichen Gebäuden - Bibliotheken<br />

Beispiele Lesesäle<br />

Law Library, Cambridge University<br />

Reading Room, Thames Valley University<br />

Cranfield University<br />

Reading Room, British Museum<br />

University of Hertfordshire<br />

Position der Lesehalle im Gebäude<br />

©KeyStationderTUWien2009 Seite 6 von 11


Unterlagen für den Entwurf von öffentlichen Gebäuden - Bibliotheken<br />

<strong>Universitätsbibliothek</strong> in Utrecht<br />

x<br />

Der strenge, dunkle Bau mit<br />

Schilfornamenten bildet den Schlusspunkt<br />

der Nachverdichtung und wurde<br />

im September fertig gestellt.<br />

Japanisches Design, vor allem die<br />

Entwürfe von Yohji Yamamoto und<br />

Comme des Garcons, nennt Wiel Arets<br />

denn auch gerne als Inspirationsquellen<br />

für seine Architektur. Häufig beinhalten<br />

seine Bauten japanisierende Elemente -<br />

und bei der <strong>Universitätsbibliothek</strong> fängt<br />

es neben der Schilfornamentik schon mit<br />

der Farbwahl an. Schwarze Gebäude sind eine Seltenheit. Die Farbe, die eigentlich gar keine ist,<br />

repräsentiert hier zu Lande das Negative schlechthin, ist ein Lichtschlucker, Albtraum jedes<br />

Architekturfotografen und schmutzt auch noch schnell. In Ostasien hingegen ist ihr Image weniger<br />

düster: Dort steht Schwarz für das Erhabene und Festliche.<br />

Mit der <strong>Universitätsbibliothek</strong> hat Wiel Arets einen ebenso<br />

schwarzen wie erhabenen Bau geschaffen. Auf einem 110 mal<br />

36 Meter großen Grundstück errichtete er einen neun<br />

Stockwerke hohen Kubus, in dem diverse<br />

Fakultätsbibliotheken mit insgesamt 4,2 Millionen Büchern<br />

zusammengeführt wurden. Daneben steht ein ebenfalls<br />

schwarzes Parkhaus mit 530 Stellplätzen, das durch einen von<br />

West 8 gestalteten Garten vom Bibliotheksbau getrennt ist<br />

und bei Bedarf mit einem zusätzlichen Depot aufgestockt<br />

werden kann. Von Ferne erscheint die Bibliothek als schlichte<br />

Kiste, die ähnlich der Kaaba in Mekka im Zentrum des<br />

Geschehens auf dem Unicampus thront. Erst beim<br />

Näherkommen wird das Spiel transparenter und blickdichter<br />

Fassadenflächen erkennbar. Das Schilfmotiv - ursprünglich ein Foto, das der Künstler Kim Zwarts in<br />

Arets' Auftrag in Schweden machte - bildet einen weichen Kontrast zur artifiziellen Härte des schwarzen<br />

Kubus'. Es wurde in Siebdrucktechnik positiv auf die Glaselemente gedruckt und mit Hilfe von<br />

Gummimatten als negatives Relief in die Oberfläche der anthrazit eingefärbten Betonplatten<br />

eingelassen.<br />

Von außen betrachtet ist die Bibliothek im wahrsten Sinne des<br />

Wortes eine »black box«, also eine Maschine, deren<br />

Funktionsweise nicht ersichtlich ist. Da die<br />

Haupterschließungsebene wie bei vielen Gebäuden auf dem<br />

Campus im ersten Stock liegt, nutzt auch ein Blick durch die<br />

Glasfront im Erdgeschoss nichts. Der Besucher betritt den Bau<br />

durch eine unauffällige Tür und findet sich vor einer Treppe<br />

wieder. Sie führt in die zentrale Halle im ersten Geschoss, die<br />

sich als riesiger, achtgeschossiger Luftraum entpuppt,<br />

umgeben von offenen Galerien und den schwarzen,<br />

geschlossenen Raumboxen, in denen sich die Depots befinden.<br />

Die Lesesäle liegen auf diesen<br />

©KeyStationderTUWien2009 Seite 7 von 11


Unterlagen für den Entwurf von öffentlichen Gebäuden - Bibliotheken<br />

Depot-»Wolken«, wie Arets selber sie nennt, oder sind als<br />

Plattformen von ihnen abgehängt. Gefiltertes Tageslicht<br />

dringt durch die komplett verglasten Fronten der öffentlichen<br />

Bereiche in die Bibliothek ein.<br />

Schwarz spielt auch im Inneren des Gebäudes die Hauptrolle,<br />

lediglich unterbrochen vom glänzenden Hellgrau des<br />

Epoxidbodens, dem Weiß der Tische und dem leuchtenden<br />

Hummerrot der Tresen und Sofas in den<br />

Informationsbereichen. Letztere sind dank ihrer Signalfarbe<br />

von weitem erkennbar und erleichtern die Orientierung im<br />

Gebäude ungemein. Als farbliche Akzente dienen außerdem<br />

die bunten Buchrücken der Handbibliothek, vor allem aber<br />

die Besucher selber. Vor dem schwarzen Hintergrund<br />

entfalten Gesichter, Haare und Kleider eine starke Strahlkraft.<br />

Das Resultat ist eine offene, fließende Bibliothekslandschaft<br />

im Stil von Scharouns Staatsbibliothek in Berlin, deren<br />

Inneres einen starken Kontrast zur Strenge der äußeren Form<br />

bildet. Diese Komplexität innerhalb der Konturen<br />

kennzeichnet auch Arets' Entwurf. Ähnlich der route<br />

architecturale in Rem Kohlhaas' Educatorium, das über eine<br />

Laufbrücke und ein daran anschließendes Gebäude aus,<br />

den sechziger Jahren indirekt mit der Bibliothek verbunden<br />

ist, präsentiert sie sich als abwechslungsreiche, verwinkelte<br />

Landschaft aus Bücherregalen und Lesebereichen, die immer<br />

wieder neue Eindrücke und Ausblicke bietet. Wie in den<br />

meisten Bibliotheken, ist der Großteil der Bücher nicht sichtbar, sondern in den geschlossenen<br />

Magazinen versteckt.<br />

Wenig niederländisch wirkt nicht nur die Farbgebung der<br />

Bibliothek, sondern auch das Niveau der Detaillierung. Im<br />

Gegensatz zu vielen Gebäuden auf dem Uithof weist die<br />

Bibliothek äußerst sorgfältige, maßgeschneiderte Details auf.<br />

So wurden Sprinkleranlage, Lüftung und Beleuchtung<br />

geschickt in Deckenkanäle integriert, die eine abgehängte<br />

Decke überflüssig machten. Für derart funktionale Details war<br />

Wiel Arets bisher ebenso wenig bekannt wie für schön<br />

alternde Gebäude. Man darf gespannt sein, wie die Bibliothek<br />

sich in Zukunft entwickeln wird.<br />

©KeyStationderTUWien2009 Seite 8 von 11


Unterlagen für den Entwurf von öffentlichen Gebäuden - Bibliotheken<br />

Grundriss EG Grundriss Ebene 6<br />

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Unterlagen für den Entwurf von öffentlichen Gebäuden - Bibliotheken<br />

Bibliothek in Seattle von OMA<br />

x<br />

Die außergewöhnliche Entstehungs-geschichte der<br />

»Central Library« in Seattle dokumentiert, dass ein<br />

konstruktives Ineinandergreifen von PR-Konzept,<br />

Bauherrenwünschen und Architekturansprüchen ein<br />

Projekt regelrecht beflügeln kann. Die Seattle Public<br />

Library schrieb bewusst keinen klassischen<br />

Architekturwettbewerb aus, sondern suchte mit einem<br />

»open call« einen Architekten, um mit ihm gemeinsam<br />

eine moderne Bibliothek des 21. Jahrhundert zu<br />

entwickeln. Unter dem Motto »Library for all«<br />

mobilisierte die Bibliotheksleiterin Deborah L. Jacobs<br />

198 Millionen Dollar in der Bevölkerung. Als Abschluss<br />

des mehrstufigen Bewerbungsverfahrens präsentieren<br />

1999 Steven Moll und Rem Koolhaas anhand von<br />

Skizzen ihre konzeptionellen Ideen vor 1700<br />

Zuschauern. Unerwartet entscheidet sich das Library<br />

Board für die »European Wildcard« Rem Koolhaas und<br />

seine Konzeption, die auf den viel beachteten, aber<br />

nicht realisierten Wettbewerbsentwurf für die<br />

Bibliotheken von Jussieu in Paris von 1992 zurückgeht.<br />

In der nun folgenden, dreimonatigen »Researchphase« beginnt ein interdisziplinärer Austausch<br />

zwischen Architekten, Bibliotheksexperten und den Entwicklungsabteilungen der Sponsoren wie<br />

Boeing, Microsoft, Amazon, Starbucks Coffee und vielen mehr.<br />

Gemeinsam beleuchtet man kritisch das Potenzial einer hoch technologischen Bibliothek für den<br />

urbanen Raum aus sozialen, kulturellen und kommerziellen Perspektiven. Im Dezember 1999 findet<br />

diese intensive Auseinandersetzung mit der Typologie der Bibliothek schließlich in einem<br />

dreidimensionalen Raumdiagramm, umhüllt durch eine<br />

ausdrucksvolle Architekturhaut, ihren künstlerischen<br />

Ausdruck. Drei Sichtbetongeschosse mit einem vielfältigen<br />

Angebot öffentlicher <strong>Funktionen</strong> verankern den<br />

Komplex auf dem zur Elliot Bay abfallenden Gelände im<br />

Business District.<br />

Erdbebenaussteifung, intelligentes Sonnenschutzsystem<br />

und Innenraumgestaltung greifen nahtlos ineinander;<br />

ein Ergebnis, das erst durch die enge Zusammenarbeit<br />

von OMA und Arup Associates möglich wurde.<br />

Die rautenförmige Fassadenstruktur lässt das Gebäude je nach Tageslicht durch ihr Schattenspiel in<br />

einem immer neuen Licht erscheinen. Je nach Blickwinkel schaut man tief in das transparente<br />

Raumgebilde hinein oder steht vor einer metallischen glänzenden Oberfläche, die spannungsvoll ihr<br />

Umfeld widerspiegelt. »You don't fit«, war die spontane Reaktion der streitbaren Bürger auf die ersten<br />

Entwurfszeichnungen dieser futuristisch anmutenden Raumskulptur. Doch wenn man sich dem realisierten<br />

Gebäude nähert, spürt man wie das Gebäude durch Vor- und Rücksprünge subtil auf die<br />

Umgebung eingeht. Wer von der 4th Avenue das 27 Meter hohe Foyer betritt, erlebt über Blickbeziehungen<br />

auch von innen den intensiven Dialog mit den umgebenden Hochhäusern Miesscher Schule.<br />

©KeyStationderTUWien2009 Seite 10 von 11


Unterlagen für den Entwurf von öffentlichen Gebäuden - Bibliotheken<br />

Unweigerlich fällt der Blick auf die fluoreszierendgelben<br />

Rolltreppen, die als aufsteigender »Urban Walk«<br />

den Betrachter in der gestapelten Innenraumlandschaft<br />

in die Höhe ziehen. Während die Außenhaut auf das<br />

städtische Umfeld antwortet, befindet sich darunter eine<br />

poetische Sequenz von »Raumhüllen«, die als<br />

»Phänomenologie des großstädtischen Deliriums«<br />

(Stanfort Kwinter) den Betrachter mit unterschiedlichen<br />

Materialien und Farben anspricht. Die<br />

Besprechungsebene überrascht mit einem frivol<br />

anmutenden, feuerroten Labyrinth aus geschwungenen<br />

Acrylharzoberflächen. Eine Treppe führt in das darüber<br />

liegende »Mixing chamber«, das als zentrale, digital<br />

aufgerüstete Auskunft atmosphärisch an Andreas<br />

Gurskys Fotografien von pulsierenden Börsen erinnert.<br />

Darüber gleitet der Leser auf der Rolltreppe durch die<br />

kompakt gefüllte »Graphicspace« der vierstöckigen<br />

Buchspirale, hinauf in den Lesesaal, der als<br />

Innenraumpiazza mit Blick durch die Netzfassade auf<br />

die Elliott Bay die Raumsequenz abschließt. Der Leser<br />

bewegt sich in einem programmierten Gebäude, in dem<br />

ein interdisziplinär abgestimmtes Funktionsprofil durch<br />

ein ästhetisches Panorama von Hüllen räumlich<br />

umgesetzt wird. In verdichteten Zonen berührt es den<br />

Betrachter fast hautnah, an anderen Stellen spannt es<br />

weite, hohe Räume für spektakuläre öffentliche Events<br />

auf.<br />

©KeyStationderTUWien2009 Seite 11 von 11

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