Universitätsbibliothek - Raumprogramm & Funktionen
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<strong>Universitätsbibliothek</strong> - <strong>Raumprogramm</strong> & <strong>Funktionen</strong><br />
Wesentliche Merkmale der Bauaufgabe<br />
charakteristisch: Anzahl der Bücher (Annahme z.B. 3 Kellergeschoße unter dem Lesesaal (je 500 m²) mit<br />
Magazinen entweder zum Ausleihen oder zum Lesen im Lesesaal)<br />
Anzahl der Lese-/Arbeitsplätze: einerseits im Lesesaal, andererseits im Bereich der Freihandbibliothek, evtl.<br />
kleinere Gruppenräume (für Diskussionen) und individuelle Arbeitsnischen (absperrbar).<br />
Eingangsbereich<br />
Garderobe (Schließfächer in Abhängigkeit zur Anzahl der zu erwartenden Besucher, die den Freihandbereich<br />
oder den Lesesaal benützen). Besucheranzahl: Freihandbereich 100 Personen, Lesesaal 200 Personen.<br />
Katalog (Computerplätze): Suche nach gewünschten Büchern nach Autor, Schlagwörtern, Themen, etc.<br />
Platzbedarf ca. 8m²<br />
Entlehnung, Vorgang: Suche nach den gewünschten Büchern entweder im Katalog oder im Freihandbereich.<br />
Anschließend Entlehnung entweder beim Entlehnschalter (5m Pultfläche mit 2m Bewegungsfläche<br />
dahinter) oder bei einer digitalen Entlehnmaschine mit Entlehnausweis („self service“) (Fläche 2x2m)<br />
möglich.<br />
Kauf eines Entlehnausweises entweder beim Entlehnbereich oder bei einem gesonderten Schalter bzw.<br />
Automaten.<br />
Buchrückgabe für Benützer außerhalb des Gebäudes (entweder bei einem Schalter neben der Entlehnstelle<br />
oder bei einer Entlehnmaschine).<br />
Räumlichkeiten<br />
Freihandbibliothek mit ca. 100* Leseplätzen (hell!) auf 1-2 Ebenen, sinnvolle Anordnung der<br />
Sitzgelegenheiten (Breite pro Leseplatz 1,20m, Tiefe 0,8m; Bei Anordnung der Leseplätze nebeneinander und<br />
gegenüber Gesamttiefe 1,6m). Die Leseplätze müssen mit einem durchgehenden Lichtbalken ausgestattet sein.<br />
Durchgangsbreite Tischkante-Tischkante 1,80m. In der gleichen Ebene befinden sich die Regale, die eher in<br />
dunkleren Bereichen untergebracht sind.<br />
Schleuse (elektronische Sicherung der Bücher) und Betreuungspersonal bei Ein- und Ausgang des<br />
Freihandbereichs.<br />
Lesesaal für konzentriertes Arbeiten (Halle, womöglich mit Tageslicht und Ausblick auf entspannendes Objekt<br />
(z.B. Garten oder Dachlandschaft), vorzugsweise im obersten Geschoß mit ca. 200* Leseplätzen. Gestaltung der<br />
Leseplätze wie in der Freihandbibliothek. Größe ca. 500m² - Platzbedarf mit Bewegungsfläche ca. 2,5m² pro<br />
Person. Es ist ein Informationspult für 1-2 Auskunftspersonen vorzusehen, bei denen Buchbestellungen<br />
getätigt werden können. Daher ist auch ein extra Personallift zu den Magazinen (im Keller) vorzusehen.<br />
Schleuse (elektronische Sicherung der Bücher) und Betreuungspersonal bei Ein- und Ausgang des Lesesaales.<br />
*Bemerkung: Die Relation zwischen Leseplätzen in der Freihandbibliothek und Lesesaal soll 1:2 sein. Sollte die<br />
oben angegebene Anzahl aus gestalterischen Gründen nicht genau eingehalten werden, können die<br />
Leseplätze bis max. 150 und 300 erhöht, jedoch nicht verringert werden.<br />
Stand: 16.10.2012<br />
1
Individuelle Arbeitsnischen (ca. 20 Stk., absperrbar) für mehrtägige Recherche, Ausstattung: Schreibtisch<br />
1,80m x 0,80m, darüber kleines Regal t=0,30m, Abmessung der Nische: ca. l=1,80m x b=1,60m,<br />
individuelle Leselampe, natürliches Licht von links<br />
Gruppenräume (ca. 5-6 Räume mit 20-25m² für Besprechungen, je ca. 6-10 Personen), schallisolierend<br />
getrennt<br />
Medienräume (ca. 5-6, für Einzelpersonen, z.B. für Mikrofilme, DVDs, etc.) Größe ca. 1,5 x 1,5 m<br />
Café/Buffet in der Nähe des Freihandbereiches, mit guter Verbindung auch zum Lesesaal, schalltechnisch<br />
getrennt von Lese- und Arbeitsbereichen. Zulieferung und Müllentsorgung (Lift).<br />
Separates WC für das Café.<br />
WCs bei den Lesebereichen in den Erschließungszonen in jedem Geschoß (1 Kabine pro 30 Nutzer);<br />
Sinnvolle Anordnung<br />
Verwaltung: Direktion, Buchankauf, Dokumentation (mit Tageslicht und eigenem Personal WC, z.B. im 1.OG).<br />
Insgesamt 50 Personen für die Verwaltung der eigenen Bibliothek und der zugeordneten Büchereien der<br />
Universität. Flächenbedarf ca. 12m² pro Person inkl. Verkehrsfläche.<br />
Keller:<br />
1. Technikräume (Klima, Heizung, 8% der Gesamtkubatur, 6 m Raumhöhe) unter dem<br />
Verwaltungsbereich/Eingangshalle.<br />
2. Magazine (3 Untergeschoße unter dem Lesesaal) mit Liftverbindung<br />
Vertikale Verbindung über Stiegen und Aufzüge (+ Fluchtstiegen!) bis zum untersten Kellergeschoß.<br />
2 Fluchtstiegen pro Brandabschnitt (Magazin, Technikraum, Lesesäle etc.) direkt ins Freie. (Max. Entfernung<br />
zum Fluchtstiegenhaus: 40 m)<br />
Anordnung<br />
Vorschlag für die Gruppierung der <strong>Funktionen</strong>:<br />
1. Erschließung, Eingangshalle, Katalog, Information, Café, Pausenraum<br />
2. Lesetrakt mit Büchermagazinen (KG), Freihandbibliothek und Lesesaal.<br />
3. Verwaltungstrakt. Hier können noch Gruppenräume, Medienräume angeordnet werden. (Geeignete<br />
Verbindung zum Lesetrakt erforderlich)<br />
Gestaltung<br />
Die Erfüllung der architektonischen Qualität des Gebäudes (Architektur ist Raumkunst) besteht in der<br />
Gestaltung der Lesesäle und der Eingangshalle. Die Schaffung geeigneter Raumhöhen und guter<br />
Raumproportionen sind wichtige Aufgaben des Entwurfes.<br />
Universal Design<br />
Alle Bereiche und Fluchtwege müssen auch für Körperbehinderte zugänglich und geeignet sein.<br />
Je Toilettenanlage mind. 1 Behinderten-WC.<br />
Fortsetzung des Entwerfens im SS<br />
Die oben erwähnten Konstruktionen bei hallenartigen Räumen stellen besonders bei Fortsetzung des<br />
Entwerfens „Angewandte Ästhetik“ im SS, im Rahmen des Entwerfens „Katastrophenvorbeugung“ eine<br />
interessante Aufgabe dar, indem diese in widerstandsfähige Konstruktionen gegen verschiedene<br />
Naturgewalten (Erdbeben, Hangrutsch, Lawinengefahr etc.) weiterentwickelt werden sollen.<br />
In diesem Fall muss die Konstruktion detaillierter gelöst werden.<br />
Weitere Informationen bezüglich Katastrophenvorbeugung erhalten Sie im Sommersemester.<br />
Stand: 16.10.2012<br />
2
Unterlagen für den Entwurf von öffentlichen Gebäuden - Bibliotheken<br />
Bibliotheken<br />
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Unterlagen für den Entwurf von öffentlichen Gebäuden - Bibliotheken<br />
Bibliothekstypen<br />
x<br />
Wissenschaftliche Bibliotheken:<br />
Sammlung, Erschließung und Angebot von Literatur bestimmter Sachgebietsspektren für Lehre und<br />
Forschung, meist uneingeschränkt öffentlich zugänglich.<br />
Öffentliche Bibliotheken:<br />
Breites Angebot an Literatur und anderen Informationsmedien, möglichst weitgehend in<br />
Freihandaufstellung. Flächendeckende Literaturversorgung aller Bevölkerungsschichten und<br />
Altersgruppen. <strong>Funktionen</strong> von Wissenschaftlichen und Öffentlichen Bibliotheken in größeren Städten<br />
gelegentlich auch gemischt.<br />
Landesbibliotheken:<br />
Überregionale Bibliotheken und Nationalbibliothek: Sammlung z.B. von Literatur der Produktion eines<br />
Landes oder einer Region (Pflichtexemplare); öffentlich zugänglich.<br />
Spezialbibliotheken:<br />
Wissenschaftliche Bibliotheken zur Sammlung von spezieller Literatur und Medien begrenzter<br />
Fachgebiete mit oft eingeschränkter Benutzung.<br />
<strong>Universitätsbibliothek</strong>en sind ein- oder zweischichtig organisiert:<br />
Einschichtige Systeme werden zentral verwaltet (Buchbearbeitung und Dienstleistungen) und haben<br />
meist nur wenige gesonderte Benutzungsbereiche in Zweig- oder Fachbibliotheken. Zweischichtige<br />
Systeme umfassen eine Zentralbibliothek und eine - oft größere - Anzahl von Fakultäts-, Fachbereichsund<br />
Institutsbibliotheken. Bestände werden frei zugänglich („freihand") in Lesesälen - oft auch in<br />
„Freihandmagazinen" (Regalachsabstände wie in geschlossenen Magazinen) und in geschlossenen<br />
Magazinen aufgestellt; diese Aufstellungsformen findet man gemischt in fast allen Wissenschaftlichen<br />
Bibliotheken. Das Verhältnis von Magazin bzw. Ausleih- zu Präsenzbestand wird von der<br />
Bestandsstruktur und/oder dem Organisationstyp bzw. Konzept der Bibliothek, oft auch vom<br />
Raumangebot eines vorhandenen Gebäudes bestimmt. Flächenbedarf für Buchstellflächen abhängig von<br />
Organisationsform, Zugänglichkeit für Benutzer, Regalart (feste oder Fahrregale), fachlich systematischer<br />
Gliederung und entsprechender Aufstellung, Formattrennung sowie vom Konstruktionsraster.<br />
In jeder Bibliothek 3 Flächenbereiche: Benutzungs- und Lesebereich, Magazin und Verwaltung.<br />
Flächenbedarf für diese Bereiche je nach Bibliotheksart unterschiedlich.<br />
Lesehalle, Columbia University Library, 1898 Lesehalle, New York University, 1895<br />
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Unterlagen für den Entwurf von öffentlichen Gebäuden - Bibliotheken<br />
Benutzungs- und Lesebereiche<br />
x<br />
Bei guten Orientierungsmöglichkeiten (Leitsystem mit gut lesbarer Beschriftung von Wegen, Funktionsstellen<br />
und Regalen) sollte sich der Lesesaalbereich mit Lese-und Arbeitsplätzen - auch wegen<br />
Büchertransport - über möglichst wenige Ebenen verteilen; dabei versetzte Geschosse vermeiden.<br />
Erschließung möglichst über Treppen. Alle Flächen in<br />
Benutzungs- und Lesesaalbereichen müssen über<br />
Aufzüge erreichbar sein (Buchtransport, Behinderte).<br />
Verkehrswege >1,20 m breit, lichter Abstand<br />
zwischen - im Publikumsbereich immer fest<br />
stehenden - Regalen bis zu max. 1,30-1,40 m.<br />
Eingangs- und Lesesaalbereich durch Kontrollschleuse<br />
mit Buchsicherungsanlage getrennt.<br />
Möglichst nur ein Ein- und Ausgang.<br />
Kontrollschleuse zweckmäßig in der Nähe von<br />
Leihstelle/Zentraler Information.<br />
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Unterlagen für den Entwurf von öffentlichen Gebäuden - Bibliotheken<br />
Belichtung und Belüftung<br />
x<br />
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Unterlagen für den Entwurf von öffentlichen Gebäuden - Bibliotheken<br />
Raumanforderungen<br />
x<br />
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Unterlagen für den Entwurf von öffentlichen Gebäuden - Bibliotheken<br />
Beispiele Lesesäle<br />
Law Library, Cambridge University<br />
Reading Room, Thames Valley University<br />
Cranfield University<br />
Reading Room, British Museum<br />
University of Hertfordshire<br />
Position der Lesehalle im Gebäude<br />
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Unterlagen für den Entwurf von öffentlichen Gebäuden - Bibliotheken<br />
<strong>Universitätsbibliothek</strong> in Utrecht<br />
x<br />
Der strenge, dunkle Bau mit<br />
Schilfornamenten bildet den Schlusspunkt<br />
der Nachverdichtung und wurde<br />
im September fertig gestellt.<br />
Japanisches Design, vor allem die<br />
Entwürfe von Yohji Yamamoto und<br />
Comme des Garcons, nennt Wiel Arets<br />
denn auch gerne als Inspirationsquellen<br />
für seine Architektur. Häufig beinhalten<br />
seine Bauten japanisierende Elemente -<br />
und bei der <strong>Universitätsbibliothek</strong> fängt<br />
es neben der Schilfornamentik schon mit<br />
der Farbwahl an. Schwarze Gebäude sind eine Seltenheit. Die Farbe, die eigentlich gar keine ist,<br />
repräsentiert hier zu Lande das Negative schlechthin, ist ein Lichtschlucker, Albtraum jedes<br />
Architekturfotografen und schmutzt auch noch schnell. In Ostasien hingegen ist ihr Image weniger<br />
düster: Dort steht Schwarz für das Erhabene und Festliche.<br />
Mit der <strong>Universitätsbibliothek</strong> hat Wiel Arets einen ebenso<br />
schwarzen wie erhabenen Bau geschaffen. Auf einem 110 mal<br />
36 Meter großen Grundstück errichtete er einen neun<br />
Stockwerke hohen Kubus, in dem diverse<br />
Fakultätsbibliotheken mit insgesamt 4,2 Millionen Büchern<br />
zusammengeführt wurden. Daneben steht ein ebenfalls<br />
schwarzes Parkhaus mit 530 Stellplätzen, das durch einen von<br />
West 8 gestalteten Garten vom Bibliotheksbau getrennt ist<br />
und bei Bedarf mit einem zusätzlichen Depot aufgestockt<br />
werden kann. Von Ferne erscheint die Bibliothek als schlichte<br />
Kiste, die ähnlich der Kaaba in Mekka im Zentrum des<br />
Geschehens auf dem Unicampus thront. Erst beim<br />
Näherkommen wird das Spiel transparenter und blickdichter<br />
Fassadenflächen erkennbar. Das Schilfmotiv - ursprünglich ein Foto, das der Künstler Kim Zwarts in<br />
Arets' Auftrag in Schweden machte - bildet einen weichen Kontrast zur artifiziellen Härte des schwarzen<br />
Kubus'. Es wurde in Siebdrucktechnik positiv auf die Glaselemente gedruckt und mit Hilfe von<br />
Gummimatten als negatives Relief in die Oberfläche der anthrazit eingefärbten Betonplatten<br />
eingelassen.<br />
Von außen betrachtet ist die Bibliothek im wahrsten Sinne des<br />
Wortes eine »black box«, also eine Maschine, deren<br />
Funktionsweise nicht ersichtlich ist. Da die<br />
Haupterschließungsebene wie bei vielen Gebäuden auf dem<br />
Campus im ersten Stock liegt, nutzt auch ein Blick durch die<br />
Glasfront im Erdgeschoss nichts. Der Besucher betritt den Bau<br />
durch eine unauffällige Tür und findet sich vor einer Treppe<br />
wieder. Sie führt in die zentrale Halle im ersten Geschoss, die<br />
sich als riesiger, achtgeschossiger Luftraum entpuppt,<br />
umgeben von offenen Galerien und den schwarzen,<br />
geschlossenen Raumboxen, in denen sich die Depots befinden.<br />
Die Lesesäle liegen auf diesen<br />
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Unterlagen für den Entwurf von öffentlichen Gebäuden - Bibliotheken<br />
Depot-»Wolken«, wie Arets selber sie nennt, oder sind als<br />
Plattformen von ihnen abgehängt. Gefiltertes Tageslicht<br />
dringt durch die komplett verglasten Fronten der öffentlichen<br />
Bereiche in die Bibliothek ein.<br />
Schwarz spielt auch im Inneren des Gebäudes die Hauptrolle,<br />
lediglich unterbrochen vom glänzenden Hellgrau des<br />
Epoxidbodens, dem Weiß der Tische und dem leuchtenden<br />
Hummerrot der Tresen und Sofas in den<br />
Informationsbereichen. Letztere sind dank ihrer Signalfarbe<br />
von weitem erkennbar und erleichtern die Orientierung im<br />
Gebäude ungemein. Als farbliche Akzente dienen außerdem<br />
die bunten Buchrücken der Handbibliothek, vor allem aber<br />
die Besucher selber. Vor dem schwarzen Hintergrund<br />
entfalten Gesichter, Haare und Kleider eine starke Strahlkraft.<br />
Das Resultat ist eine offene, fließende Bibliothekslandschaft<br />
im Stil von Scharouns Staatsbibliothek in Berlin, deren<br />
Inneres einen starken Kontrast zur Strenge der äußeren Form<br />
bildet. Diese Komplexität innerhalb der Konturen<br />
kennzeichnet auch Arets' Entwurf. Ähnlich der route<br />
architecturale in Rem Kohlhaas' Educatorium, das über eine<br />
Laufbrücke und ein daran anschließendes Gebäude aus,<br />
den sechziger Jahren indirekt mit der Bibliothek verbunden<br />
ist, präsentiert sie sich als abwechslungsreiche, verwinkelte<br />
Landschaft aus Bücherregalen und Lesebereichen, die immer<br />
wieder neue Eindrücke und Ausblicke bietet. Wie in den<br />
meisten Bibliotheken, ist der Großteil der Bücher nicht sichtbar, sondern in den geschlossenen<br />
Magazinen versteckt.<br />
Wenig niederländisch wirkt nicht nur die Farbgebung der<br />
Bibliothek, sondern auch das Niveau der Detaillierung. Im<br />
Gegensatz zu vielen Gebäuden auf dem Uithof weist die<br />
Bibliothek äußerst sorgfältige, maßgeschneiderte Details auf.<br />
So wurden Sprinkleranlage, Lüftung und Beleuchtung<br />
geschickt in Deckenkanäle integriert, die eine abgehängte<br />
Decke überflüssig machten. Für derart funktionale Details war<br />
Wiel Arets bisher ebenso wenig bekannt wie für schön<br />
alternde Gebäude. Man darf gespannt sein, wie die Bibliothek<br />
sich in Zukunft entwickeln wird.<br />
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Unterlagen für den Entwurf von öffentlichen Gebäuden - Bibliotheken<br />
Grundriss EG Grundriss Ebene 6<br />
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Unterlagen für den Entwurf von öffentlichen Gebäuden - Bibliotheken<br />
Bibliothek in Seattle von OMA<br />
x<br />
Die außergewöhnliche Entstehungs-geschichte der<br />
»Central Library« in Seattle dokumentiert, dass ein<br />
konstruktives Ineinandergreifen von PR-Konzept,<br />
Bauherrenwünschen und Architekturansprüchen ein<br />
Projekt regelrecht beflügeln kann. Die Seattle Public<br />
Library schrieb bewusst keinen klassischen<br />
Architekturwettbewerb aus, sondern suchte mit einem<br />
»open call« einen Architekten, um mit ihm gemeinsam<br />
eine moderne Bibliothek des 21. Jahrhundert zu<br />
entwickeln. Unter dem Motto »Library for all«<br />
mobilisierte die Bibliotheksleiterin Deborah L. Jacobs<br />
198 Millionen Dollar in der Bevölkerung. Als Abschluss<br />
des mehrstufigen Bewerbungsverfahrens präsentieren<br />
1999 Steven Moll und Rem Koolhaas anhand von<br />
Skizzen ihre konzeptionellen Ideen vor 1700<br />
Zuschauern. Unerwartet entscheidet sich das Library<br />
Board für die »European Wildcard« Rem Koolhaas und<br />
seine Konzeption, die auf den viel beachteten, aber<br />
nicht realisierten Wettbewerbsentwurf für die<br />
Bibliotheken von Jussieu in Paris von 1992 zurückgeht.<br />
In der nun folgenden, dreimonatigen »Researchphase« beginnt ein interdisziplinärer Austausch<br />
zwischen Architekten, Bibliotheksexperten und den Entwicklungsabteilungen der Sponsoren wie<br />
Boeing, Microsoft, Amazon, Starbucks Coffee und vielen mehr.<br />
Gemeinsam beleuchtet man kritisch das Potenzial einer hoch technologischen Bibliothek für den<br />
urbanen Raum aus sozialen, kulturellen und kommerziellen Perspektiven. Im Dezember 1999 findet<br />
diese intensive Auseinandersetzung mit der Typologie der Bibliothek schließlich in einem<br />
dreidimensionalen Raumdiagramm, umhüllt durch eine<br />
ausdrucksvolle Architekturhaut, ihren künstlerischen<br />
Ausdruck. Drei Sichtbetongeschosse mit einem vielfältigen<br />
Angebot öffentlicher <strong>Funktionen</strong> verankern den<br />
Komplex auf dem zur Elliot Bay abfallenden Gelände im<br />
Business District.<br />
Erdbebenaussteifung, intelligentes Sonnenschutzsystem<br />
und Innenraumgestaltung greifen nahtlos ineinander;<br />
ein Ergebnis, das erst durch die enge Zusammenarbeit<br />
von OMA und Arup Associates möglich wurde.<br />
Die rautenförmige Fassadenstruktur lässt das Gebäude je nach Tageslicht durch ihr Schattenspiel in<br />
einem immer neuen Licht erscheinen. Je nach Blickwinkel schaut man tief in das transparente<br />
Raumgebilde hinein oder steht vor einer metallischen glänzenden Oberfläche, die spannungsvoll ihr<br />
Umfeld widerspiegelt. »You don't fit«, war die spontane Reaktion der streitbaren Bürger auf die ersten<br />
Entwurfszeichnungen dieser futuristisch anmutenden Raumskulptur. Doch wenn man sich dem realisierten<br />
Gebäude nähert, spürt man wie das Gebäude durch Vor- und Rücksprünge subtil auf die<br />
Umgebung eingeht. Wer von der 4th Avenue das 27 Meter hohe Foyer betritt, erlebt über Blickbeziehungen<br />
auch von innen den intensiven Dialog mit den umgebenden Hochhäusern Miesscher Schule.<br />
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Unterlagen für den Entwurf von öffentlichen Gebäuden - Bibliotheken<br />
Unweigerlich fällt der Blick auf die fluoreszierendgelben<br />
Rolltreppen, die als aufsteigender »Urban Walk«<br />
den Betrachter in der gestapelten Innenraumlandschaft<br />
in die Höhe ziehen. Während die Außenhaut auf das<br />
städtische Umfeld antwortet, befindet sich darunter eine<br />
poetische Sequenz von »Raumhüllen«, die als<br />
»Phänomenologie des großstädtischen Deliriums«<br />
(Stanfort Kwinter) den Betrachter mit unterschiedlichen<br />
Materialien und Farben anspricht. Die<br />
Besprechungsebene überrascht mit einem frivol<br />
anmutenden, feuerroten Labyrinth aus geschwungenen<br />
Acrylharzoberflächen. Eine Treppe führt in das darüber<br />
liegende »Mixing chamber«, das als zentrale, digital<br />
aufgerüstete Auskunft atmosphärisch an Andreas<br />
Gurskys Fotografien von pulsierenden Börsen erinnert.<br />
Darüber gleitet der Leser auf der Rolltreppe durch die<br />
kompakt gefüllte »Graphicspace« der vierstöckigen<br />
Buchspirale, hinauf in den Lesesaal, der als<br />
Innenraumpiazza mit Blick durch die Netzfassade auf<br />
die Elliott Bay die Raumsequenz abschließt. Der Leser<br />
bewegt sich in einem programmierten Gebäude, in dem<br />
ein interdisziplinär abgestimmtes Funktionsprofil durch<br />
ein ästhetisches Panorama von Hüllen räumlich<br />
umgesetzt wird. In verdichteten Zonen berührt es den<br />
Betrachter fast hautnah, an anderen Stellen spannt es<br />
weite, hohe Räume für spektakuläre öffentliche Events<br />
auf.<br />
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