Vier Wände im Grünen - Welt des Wohnens

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Vier Wände im Grünen - Welt des Wohnens

Vier Wände im Grünen

Ein Garten kann Wohnzimmer, Arbeitszimmer und Esszimmer zugleich sein. Mehrere Räume

sind immer eine gute Lösung! Dabei ist das gestalterische Spiel mit verschiedenen Ebenen

besonders reizvoll. So kann aus mancher Platznot eine echte Tugend werden.

2|2006 Eden 39


Platz an der Sonne. Der Souterrain-Garten bietet geschützten Raum zur Entspannung.

Ein Wasserbecken sorgt für Erfrischung. Über eine Treppe aus Muschelkalkblockstufen

gelangt man auf die nächst höhere Ebene des räumlich abwechslungsreichen Gartens.

Text Martina Löber Fotos Andreas Kühlken

Kaum zu glauben, was eine neue Gartengestaltung alles

bewirken kann. Sie hätten den Garten kaum wiedererkannt,

berichten die Freunde der Gartenbesitzer.

Dunkel und verwinkelt sei er gewesen und eigentlich hätte

man sich darin fast nie aufgehalten.

Kiefern und Rhododrenden,

vor Jahren klein gepflanzt wären

im Laufe der Jahre so groß

geworden, dass kaum Platz zum

Aufenthalt blieb. Der Bauherr,

von Beruf Architekt, bestätigt

dies. Das Flachdach-Reihenendhaus

sei in den 70er Jahren

erbaut worden und entsprechnd

der Mode der Zeit sei sei auch

der Garten gestaltet worden. Der

einzige Zugang zum Garten

lag im Souterrain des Hauses.

Von dort führten verwinkelte

Treppenanlagen bis zur Terrasse.

Die Höhenunterschiede seien

ganz der Mode entsprechend

durch Betonwinkelelemente und

Eisenbahnschwellen abgefangen

worden. Es sei schon immer sehr

umständlich gewesen, ergänzt

die Ehefrau: »Wenn man sich

einfach einmal mit einer Tasse

Kaffee in die Sonne setzen wollte,

musste man erst im Haus eine

Etage tiefer gehen, um dann wieder

über Treppen zur Terrasse zu

gelangen.« Da sei der Kaffee

Filigrane Blattstrukturen laden zum genauen Betrachten

(oben). Ein Wasserspiel belebt und erfrischt (unten).

schon fast kalt gewesen, erinnert

Sie sich. Auch habe sie schon

lange von einem Kräuterbeet

geträumt, doch im Schatten der

der hohen Bäume und Sträucher sei fast nur noch Efeu

gewachsen. Dunkle Farben dominierten das Bild. Das Grün

der Rhododendren und Kiefern, die dunkelroten Pflasterziegel

sowie dunkelbraue Verkleidungen am Wohnhaus ließen

kaum Raum für lichte Gartenbilder. All diese Berichte erscheinen

heute fast unwirklich, so sehr hat sich der Gesamteindruck

des Gartens gewandelt: hell und freundlich vermittelt

er ein Bild von Lebensfreude. Mit Hilfe der Neugestaltung

ist der Garten zu einem festen Bestandteil der Wohn- und

Lebenswelt geworden. Schon lange Jahre bestand beruflicher

Kontakt zwischen dem Hausherrn

und Architekten und

der Gartenarchitektin Margareta

Kulmann-Rohkemper, zumal sich

das Wohnhaus in unmittelbarer

Nachbarschaft zum Büro der

»Gärtnerin von Eden« befindet.

Gegenseitige Wertschätzung und

Achtung bestimmte die berufliche

Zusammenarbeit. Der Hausherr

selbst hatte aber keinen

Bezug zum Thema Gartenplanung.

Durch und durch Hochplaner,

war der Garten während

der langjährigen beruflichen

Tätigkeit für ihn eher eine

schöne Nebensache. Vielleicht sei

es die schönste Nebensache der

Welt, räumt er heute ein. In der

Zusammenarbeit mit der Gartenplanerin

habe entdeckt, welche

vielfältigen Möglichkeiten die

Gartenplanung biete.

Brückenschlag | Verschiedene

Sitzplätze in Sonne und Schatten

sollten entstehen. Und da der

neue Garten wie eine Wohnung

wirken sollte, wurden einzelne

Gartenräume auf unterschiedlichen

Ebenen angelegt. Die Planerin

riet zunächst, im Erdgeschoss

die Außenwand zu öffnen und

somit einen direkten Zugang vom Wohnbereich in den

Garten zu ermöglichen. Zunächst erstaunt über den ungewöhnlichen

Vorschlag, freundeten sich die Gartenbesitzer

schnell mit diesem Gedanken an. Das Fenster vor dem

Essplatz im Erdgeschoss wurde durch eine doppelflüglige Tür

ersetzt. Von hier führt eine Bücke aus verzinktem Stahl und

40 Eden 2|2006


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Gut geschützt. Von Mauern umgeben entwickelt der Garten eine sehr

private Atmosphäre – der Alltag bleibt draußen und Ferienstimmung

kommt auf. Auf der Terrasse frühstückt die Familie gern. Angenehmen

Schatten spendet der Blasenbaum (Koelreuteria) über dem Sitzplatz

(oben und rechts). Da fühlen sich nicht nur die Besitzer wohl.

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9

10

Bohlen aus Bangkirai-Holz in den Garten. Die Holzbrücke ist

so großzügig angelegt, dass Platz für eine kleine Sitzgruppe

bleibt. Über vier breite Stufen gelangt man von der Brücke in

den Hauptgarten. Dort trifft man auf einen breiten, großzügig

gestalteten Weg aus großformatigen

Muschelkalk-Platten und

hellem Travertinsplitt. Anders als

vor der Umgestaltung nehmen

die Wege- und Sitzplatzflächen

den weitaus größten Teil der

Grundfläche des nur 320 Quadratmeter

großen Gartens ein.

Fakten

Die Hauptterrasse wird durch

zwei jeweils zwei mal zwei

Meter große Muschelkalk-Platten

optisch betont. Punktuell

Grundfläche Garten: 320 m 2

oder linien- oder flächenhaft

eingesetzte Pflanzungen aus

Stauden und Gehölzen unterstützen

die klare Raumwirkung.

Bänder aus Funkien (Hosta) und

Montbretien (Crocosmia) und

Solitärfarnen begleiten den Weg. Aus den Kiesflächen erwachsen

Solitärgehölze wie ein Kuchenbaum (Cercidiphyllum)

und ein etwa zwei Meter hoher malerischer Fächer-Ahorn

Baubeginn: Mai 2003 Fertigstellung: Ende Juni 2003

Anspruch: Wohngarten

mit Sitzplätzen auf verschiedenen Ebenen Materialien:

Großformatige Muschelkalk-Platten, Travertin-Splitt,

verzinkter Stahl, Bangkirai-Holz Außergewöhnliches:

Überdachung des Sitzplatzes, halbrunder Tisch und

Kaminholz-Regal sind eigene Entwürfe des Hausherren

(Acer palmatum). Dieses prächtige Gehölz fand die

Gartengestalterin, als sie vor der Umgestaltung den Bestand

des Gartens aufnahm. Freigestellt wurde er in die Planung

integriert. Mit Ausnahme einiger englischer Rosen und

Hortensien am Rande der Terrasse wurde bei der Auswahl der

Pflanzen weitgehend auf leuchtend bunte Blütenfarben

verzichtet. Die Gestaltung spielt mit unterschiedlicher Blattformen

und -farben und dem Kontrast aus Formgehölzen

und freiwachsenden Gehölzen, sowie sommer- und immergrünen

Gehölzen. Ergänzt wird das Farbenspiel jahreszeitlich

durch die cremeweißen Blüten der Christrosen (Helleborus)

und Silberkerzen (Cimicifuga) und hellviolette Blüten verschiedener

Funkien-Sorten (Hosta). Räumlich gefasst wird die

Anlage durch die Hauswände und neu errichtete, weiß gestrichene

Mauern aus Kalksandstein. Die Mauern lassen den

kleinen Garten noch stärker wie ein Zimmer im Freien

erscheinen. Gerade die klare Begrenzung vermittelt den

Eindruck von Großzügigkeit. Die weißen Wände lassen die

unterschiedlichen Strukturen der Pflanzen kontrastreich zutage

treten. Gemeinsam mit den Muschelkalk-Platten und dem

Travertinsplitt entsteht ein edles Gartenbild. Vor einem Teil

der Kalksandsteinmauer wurden Hainbuchen-Spaliere

gepflanzt. An der Hauswand

wachsen echter Wein und eine

Trompetenblume (Campsis radicans).

Sie geben dem Garten

einen natürlichen Charakter,

ohne die klare Raumwirkung zu

zerstören. Im westlichen Teil findet

sich ein weiterer überdachter

Sitzplatz. Die Metallüberdachung

und ein Brennholzregal wurden

vom Hausherrn selbst entworfen.

Treppab … | Vom Hauptgarten

gelangt man über eine Treppe

aus Muschelkalkblockstufen zur

Souterrain-Ebene, auf der sich

ein weiterer geschützer Sonnenplatz

mit einem formal gestalteten

Wasserbecken befindet – der ideale Ort, um in Ruhe ein

Buch zu lesen oder ein Sonnenbad zu nehmen. Die vormals

zur Geländeabstützungen eingesetzten Eisenbahnschwellen

wurden entfernt, hingeben blieben die Betonwinkelelemente

teilweise erhalten. Diese wurden mit blau gestrichenen Eternitplatten

vollständig verkleidet, sodass die alte Konstruktion

nicht mehr sichtbar ist. Die blauen Wandflächen, kombiniet

mit dem Wasserbecken, den hellen Muschelkalkplatten

und dem silbergrauen Holz schaffen eine freundliche Atmosphäre.

Ebenfalls blau gestrichen wurden die ehemals braunen

Verkleidungen des Wohnhauses. Die farbliche Übereinstimmung

schafft eine zusätzliche Verbindung von Außenund

Innenraum. Am Rande des Sitzplatzes im Souterraingarten

wurde auf Wunsch und zur großen Freude der Hausherrin

ein Kräuterbeet angelegt. Streuschatten spendet ein

großer Eisenhutblättriger Ahorn (Acer japonicum ‘Aconitifolium’).

Er korrespondiert mit filigranem Laub und lockerem

Wuchs mit dem an der Haupterrasse wachsenden mehrstämmigen

Blasenbaum (Koelreuteria paniculata). Gemeinsam

mit Freunden genießen die Besitzer Tag für Tag ihr

neu gewonnenes Gartenglück.

N

Spiel mit Ebenen. Der Plan zeigt den ersten

Entwurf des Gartens. Im Verlauf der weiteren

Planungsphase wurden einige Details verändert. So

finden sich anstelle des länglichen Wasserbeckens

des Plans Stauden- und Gehölze. Das Wasserbecken

wurde in anderer Form im Souterraingarten integriert.

4

8

7

11

3

2

6

5

1 Wohnhaus

2 Brücke (Bangkirai-Holz)

3 Gartenweg mit Muschelkalk-Platten

4 Kalksandstein-Wand

5 Hauptterrasse

6 Blasenbaum (Koelreuteria)

12

1

7 Holzpodest

8 Kuchenbaum (Cercidiphyllum)

9 Fächer-Ahorn (Bestand)

10 Sitzplatz mit Metallüberdachung

11 Eisenhutblättriger Ahorn

12 Souterraingarten mit Wasserbecken

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