PR31 - Proletarische Revolution

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PR31 - Proletarische Revolution

Vor 70 Jahren haben die Herrschenden das Banner der nationalen

Unabhängigkeit und Souveränität über Bord geworfen!

Dokumentation: Flugblatt, 5.März 2008

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Über Österreich und weite Teile

Europas zog 1918/1919 eine revolutionäre

Gewitterfront hinweg.

Das Bürgertum vermochte

nicht, seine Herrschaft mit den

alten Mitteln aufrecht zu erhalten.

Die Beherrschten, vor allem

die Arbeiter/innen und die Teilnehmer

des ersten Weltkriegs,

waren nicht gewillt, das Joch der

kapitalistischen Diktatur weiter

zu ertragen. Nur der „Verrat“ an

den Zielen der Arbeiter/innen-

Bewegung durch die austro-

“marxistischen“ SP-Führer, die in

Wirklichkeit allesamt lammfromme

und staatstreue Lasalleaner

(und gerade keine Marxisten)

waren, ermöglichte der alten

herrschenden Klasse, das Staatsruder

wieder fest unter Kontrolle

zu bringen.

In Österreich bestehen seit dem

19. Jahrhundert durch alle gesellschaftlichen

Umbrüche hindurch

drei politische Lager: ein klerikales,

ein sozialdemokratisches

und ein deutschnationales. Als

die Republik Österreich 1918 aus

der Konkursmasse des Habsburger-Völkerkerkers

hervorging,

war die Übereinstimmung lagerüberschreitend,

dass Österreich

in seinen nunmehrigen Grenzen

angeblich nicht lebensfähig

sei. Über Parteigrenzen hinweg

wurde der Anschluss an Deutschland

propagiert und angestrebt.

Am überzeugendsten waren in

dieser Hinsicht die Deutschnationalen,

die folgerichtig in der

deutsch-faschistischen Hitler-

Partei aufgingen.

Die SP-Führer hatten bald ihre

Schuldigkeit getan und konnten

gehen. Das klerikale Lager,

die Vorläufer der heutigen VP

putschten gegen die bürgerliche

Demokratie, um ein faschistisches

Regime nach dem Vorbild

von Mussolinis Italien zu errichten.

Die fortgeschrittensten Arbeiter/innen

Österreichs sind im

Februar 1934 gegen die vaterländisch-katholischen

Putschisten

und Henker der Demokratie in

Österreich mit ihrem Republikanischen

Schutzbund bewaffnet

aufgestanden. Die Abschaffung

der Demokratie in Österreich

geht gerade nicht auf das Konto

der politischen Ahnen der Herren

Haider (BZÖ) und Strache (FPÖ)

sondern auf das der politischen

Ahnen der Herren Schüssel, Bartenstein

und Molterer (alle ÖVP).

Dass die Haider, Mölzer, Strache

und Co immer wieder gerne pauschal

auf die „Tugendhaftigkeit“

sämtlicher NS-Großväter/Täter

verweisen, ist bekannt. Genauso

wie ihre ideologischen Vorläufer

die Einpeitscher der größten

Verbrechen des deutschen Imperialismus

im 20. Jahrhundert

waren, so befinden sie sich heute

in der Warteschleife, um im Bedarfsfall

jedes erdenkliche Verbrechen

des EU-Imperialismus zu

verherrlichen. Trotzdem ist der

Vergleich, oder gar die Gleichsetzung

des „Anschluss“ Österreichs

an Deutschland 1938, mit

dem Beitritt Österreichs zur EU

grober Unfug. Der EU Beitritt

ist zwar zweifelsfrei im Interesse

der imperialistischen Bourgeoisie

erfolgt, aber das ist noch einmal

ganz etwas anderes als eine offen

faschistische Herrschaft.

Auch den österreichischen Faschisten

war auf ihrem Weg zur

Macht buchstäblich jedes Mittel

recht, das ihnen geeignet schien,

sie ihrem Ziel, der Inbesitznahme

der Staatsmacht, näher zu

bringen. Z.B. waren sie schon damals

„tüchtig“ darin, Angst und

Schrecken unter den Volksmassen

zu verbreiten. Nazi-Terrorismus

richtete sich beständig gegen

die Unterdrückten und nicht

gegen die Eliten im bürgerlichkapitalistischen

System und kostete

vielen, vor allem Arbeiter/innen,

schon vor 1938, das Leben.

In den vier Jahren bis zum März

1938 wurden von den Nazis mindestens

50 Leute ermordet. Und

zwar außerhalb akuter Bürgerkriegsphasen

wie z.B. dem NS-

Putschversuch im Juli 1934. Dieser

Terror wird, wie jeder rechte

Terror, bis heute bagatellisiert,

weil er in letzter Konsequenz für

das System von Staat und Kapital

Partei ergreift, weshalb ihm die

bürgerliche Klassenjustiz häufig

wohlwollend entgegen-kommt.

Die Lüge, der Naziterror der Ersten

Republik hätte sich auf die

Sprengung von ein paar Telefonhütteln

beschränkt, ist genauso

dreist wie die Behauptung, heutige

rassistische Übergriffe, egal

ob durch Staatsdiener oder Zivilisten

ausgeführt, wären nicht

ideologisch motiviert.

Die Wirtschaftspolitik der

Schwarzen (hier: umgangssprachliche

Lagerbezeichnung

für die VP-Richtung) drückte die

Lebenslage der Arbeiter/innen

und Werktätigen dramatisch,

zehntausende waren ausgesteuert

(Lohnerwerbs-Arbeitslose

ohne Unterstützung)! Österreich

wurde für den noch brutaleren

Hitlerfaschismus sturmreif gemacht.

Bereits ab 1936, lange

vor dem deutschen Einmarsch,

der am 12. März 1938 begann,

hat die österreichische Bourgeoisie

die Regierungsgewalt in die

Hände von Gewährsmännern des

NS-Faschismus gelegt. Am Tag

des Einmarsches war bereits eine

Nazi-Regierung an der Macht.

Das ist ein übergroßer, immerwährender

Schandfleck auf der

nicht gerade weißen Weste der

österreichischen Bourgeoisie,

der oft vertuscht und verschwiegen

wird! Es ging damals um

nichts weniger als um die Frage

nach der führenden Rolle in der

Gesellschaft, aber die österreichische

Bourgeoisie hat den Führungsanspruch

in den Rinnstein

geworfen, um sich samt und

sonders dem deutschen Imperialismus

anzudienen. Während

sie 1934 alles aufboten was da

war, um die Arbeiterschaft mit

Artillerie und Infanterie niederzuwerfen,

waren sie 1938 nicht

bereit, auch nur einen Finger

zur Abwehr des deutschfaschistischen

Furor zu rühren.

In einem jähen Anflug von

Kühnheit trat das austrofaschistische

Regime sogar mit Vertreter/innen

der illegalen Arbeiter/

innen-Bewegung über die Bewaffnung

der Arbeiter/innen-

Klasse zur Verteidigung von Unabhängigkeit

und Souveränität

Österreichs in Verhandlung. Das

sollte allerdings eine Episode

am Rande bleiben, denn aus der

Sicht der Bourgeoisie ist eine

klassenbewusste Arbeiterschaft

stets der Hauptfeind.

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