Ausgabe Nr. 2 - Juli 2007 - Märkisches Landbrot

landbrot.de

Ausgabe Nr. 2 - Juli 2007 - Märkisches Landbrot

MÄRKISCHES

LAND BOTE

Berlin, Juli 2007

Windy & Maxx: Feierten mit beim

Jubiläumfest. Seite 2 und 3

www.landbrot.de Ausgabe Nr. 2

Interview: mit Sabine Jansen und Peter Steinhoff

von MÄRKISCHES LANDBROT. Seite 2

Reportage: Bio Laden mit Ideen in

der Schönhauser Allee. Seite 4

NACHRICHTEN

MÄRKISCHES LANDBROT in

Al Gore‘s Buch

Mit dem Live Earth-Konzert im Juli 2007

rüttelte Al Gore zum Klimaschutz auf. Ein

Jahr zuvor veröffentlichte der amerikanische

Vizepräsident den Dokumentarfilm

„Eine unbequeme Wahrheit“ über die

Zukunft der Erde. Im gleichnamigen Begleitbuch

entschied der Riemann Verlag, Al

Gore´s Klimatipps durch den Emissionsrechner

von MÄRKISCHES LANDBROT zu

erweitern. Unter www.landbrot.de können

Sie ihre ganz persönliche CO 2 -Produktion

ermitteln.

Bio-Brotbox 2007 sucht

Helferinnen und Helfer

Am 3. September 2007 erhalten mehr als

50.000 Erstklässler die begehrte Bio-Brotbox

geschenkt. MÄRKISCHES LANDBROT ist mit

dabei. Für den Packtermin am Sonntag,

den 2. September 2007, in der Gradestraße

92 in Berlin-Neukölln sucht das Team der

Bio-Brotbox noch Helferinnen und Helfer.

Start ist um 9 Uhr. Weitere Informationen

erhalten Sie unter info@bio-brotbox.de.

Nehmen Sie uns beim Wort

Seit mehr als zwei Jahrzehnten engagiert

sich MÄRKISCHES LANDBROT für ökologisches

Wirtschaften sowie regionalen

und fairen Handel. Unsere Leitlinien und

Firmenziele haben wir im Juni 2007 in

der Broschüre

“Nehmen Sie uns

beim Wort” veröffentlicht.

Sie

haben nun einen

Kriterienkatalog

in der Hand, um

unsere Arbeit zu

überprüfen. Die

Broschüre „Nehmen

Sie uns

beim Wort“ liegt

in allen Verkaufsständen

von MÄR-

KISCHES LAND-

BROT aus.

Feinschmecker essen Bio.

Von Renate Künast, Berlin

B

io-Vollkornbrot ist ein

anspruchsvolles Brot. Nicht

nur für den Bäcker, der die Rezeptur

oftmals in jahrzehntelanger

Tradition perfektioniert hat, auch

für denjenigen, der es isst. Kauwerkzeug,

Geschmacksnerven

und Stoffwechsel werden angeregt,

der ganze Körper in Schwung

gebracht und die Seele gestreichelt.

Biobrot ist aber auch ein kulinarisches

Statement, es sagt viel

über denjenigen aus, der es isst.

Der praktische Jutebeutel von

MÄRKISCHES LANDBROT dient

bereits jetzt als Erkennungszeichen.

Der Biobrotfan will wissen

was drin ist und will den echten

Geschmack ohne industrielle

Zusatzstoffe.

Im Biobrot finden sich die

besten Zutaten: ökologisch angebaute

und sorgfältig ausgewählte

Produkte und die Hingabe des

Bäckers und ein Beitrag zum

Klimaschutz! Getreide, das ohne

Pestizide und chemische Dünger

wächst, zehrt den Boden nicht aus,

sondern nutzt ihn naturnah. Organischer

Dünger und biologischer

Pflanzenschutz sind die Antwort

auf die erodierenden und austrocknenden

Böden der konventionellen

Landwirtschaft. Denn Biolandwirte

bauen die Humusschicht

auf unseren Böden nicht ab,

sondern auf, und diese fruchtbare

Erde bindet den Klimakiller CO 2

und kann Wasser länger speichern.

Die Produktion von Biogetreide

verursacht zwei Drittel

weniger Kohlendioxid als der

herkömmliche Anbau. Betrachten

wir die Biodiversität auf unserer

Erde, dann gefährden Monokulturen,

Gentechnik und standardisierter

Massengeschmack die

Artenvielfalt. Deshalb gewinnt der

ökologische Landbau globale

Bedeutung. Alte Weizensorten, die

Varianten von Hafer, Gerste, Dinkel

und Roggen im Biobrot sind

in ihrer Vielfalt ein geschmackliches

Erlebnis und Artenschutz

zugleich. Wenn das Getreide, wie

Renate Künast geniesst Bio-Vollkornbrot.

bei MÄRKISCHES LANDBROT

auch aus der Region kommt, ist

das Wirtschaftsförderung ohne

lange Wege und die schönste Verbindung

zwischen Stadt und Land.

Und bei einem Fahrradausflug

etwa zum Ökodorf Brodowin darf

man sogar sehen, wo und wie das

Brot wächst!

Frisches Bio-Vollkornbrot

braucht eigentlich nur Butter und

Salz um dem Gaumen zu schmeicheln,

die Sinne anzuregen und

glücklich zu machen. Das hat sich

inzwischen herumgesprochen. Ein

kerniges Biobrötchen sieht nicht

nur viel besser aus, es ist auch

geschmacklich der konventionellen

Schrippe haushoch überlegen.

Mit Freude und auch Stolz

beobachte ich in Cafés und Konditoreien,

dass der Trend zu Bio

wächst und höchsten Genuss

bedeutet. Und je mehr Biobrotboxen

wir auch mit Hilfe von

MÄRKISCHES LANDBROT an

Erstklässler verteilen, desto mehr

Kinder werden Biobrot-Feinschmecker

in der Schulpause. Der

Feinschmecker von heute isst langsam

und bio. Mein persönlicher

Favorit ist der nächtliche Imbiss.

Eine Scheibe Bio-Vollkornbrot

kurz antoasten, etwas Blauschimmelkäse

in Bioqualität drauf, dazu

ein Gläschen Wein–köstlich!

77 Jahre MÄRKISCHES LAND-

BROT, davon schon 26 Jahre Bio,

ich freue mich mit dieser Berliner

Institution, den Mitarbeitern und

allen großen und kleinen Kunden

und wünsche auch in Zukunft

einen guten Appetit!


2

D

er Erfolg von MÄRKISCHES

LANDBROT als Demeter-

Brotbäckerei lebt vor allem von

den Menschen, die täglich mit

ihrem Einsatz für diese gute Sache

einstehen. Dazu gehören Mitarbeiter,

Bäcker, Bauern, Verkäufer

und Freunde. Ihre positive Einstellung

zum fairen, regionalen und

ökologischen Wirtschaften bewirkt,

dass MÄRKISCHES LANDBROT

bereits heute innovative Konzepte

für den Klimaschutz, Umweltschutz,

Artenschutz und für

gesunde Ernährung verwirklichen

kann. Wer diese Menschen sind,

wollen wir Ihnen hier und in den

kommenden Ausgaben vorstellen.

Frau Jansen, Herr Steinhoff,

wie sind Sie zu MÄRKISCHES

LANDBROT gekommen?

Jansen: Das war 2001.Vorher

hatte ich selbständig Ledergürtel

auf Märkten verkauft. Das Geschäft

ging zurück und ich suchte

eine neue Aufgabe, bei der ich den

engen Kundenkontakt behalten

konnte.

Steinhoff: Ich kam damals, 1987,

direkt aus Neuseeland, wo ich als

Bäckergeselle gearbeitet habe.

1987 war Bio weniger anerkannt,

wie heute. Hat Sie der ökologische

Ansatz von MÄRKISCHES

Kundenbetreuerin Sabine Jansen.

LANDBROT gestört?

PORTRAIT

Steinhoff: Ich fand schon damals

Bio gut. Vorausgesetzt, es

wird genauso auf Qualität wie auf

ökologisches Handeln geachtet.

Und damit wir diese Standards

immer erfüllen, habe ich mich von

der DLG zum Qualitätsprüfer ausbilden

lassen. So stellen wir uns

täglich den höchsten Qualitätskriterien

in Deutschland.

Frau Jansen, sind die Kunden

von MÄRKISCHES LANDBROT

der gleichen Meinung?

Jansen: Die Stimmung beim

Kunden ist meistens sehr gut. Das

liegt daran, dass MÄRKISCHES

LANDBROT auf Kundenwünsche

schnell reagiert. Äußert ein Kunde

mir gegenüber am Morgen einen

Wunsch, hat Peter diesen Wunsch

bereits bei der Brotproduktion für

den nächsten Tag berücksichtig.

Was war für Sie die größte

Veränderung bei MÄRKISCHES

LANDBROT?

Steinhoff: Das war die Wende.

Wir bekamen viele neue Bäcker

aus der ehemaligen DDR in die

Backstube. Sie kannten viele

traditionelle Backmethoden. Die

haben wir gleich umgesetzt und

konnten viel von dem traditionellen

Bäckerhandwerk bewahren.

Jansen: Bei mir war es die Wende

im Kopf. Früher war ich viel in

Asien und Afrika unterwegs. Ich

bin eben mal hingeflogen. Heute

fliege ich nur noch selten. Denn

ich kann nicht täglich ökologisch

wirtschaften, ohne dass es mich

selbst positiv verändert.

Welches ist Ihr Lieblingsbrot von

MÄRKISCHES LANDBROT?

Berlin, Juli 2007

MÄRKISCHES LAND BOTE

MÄRKISCHES LANDBROT stellt sich vor.

Interview mit Kundenbetreuerin Sabine Jansen und Backstubenleiter Peter Steinhoff

Windy & Maxx feierten mit uns

Jansen: Möhre-Walnuss. Ich liebe

Walnüsse und es ist immer so

schön frisch.

Steinhoff: Der Frankenlaib ist mir

ans Herz gewachsen. Ich habe die

Idee von einem befreundeten

Bäcker aus dem Schwarzwald

mitgebracht und gleich hier in

Berlin umgesetzt.

Danke für das Gespräch.

Bäckermeister Peter Steinhoff prüft

den Sauerteig.

Nanu, die beiden

kenne ich doch…

klar, Windy&Maxx.

77 Jahre schon…

so alt sieht er

gar nicht aus.

Ob er die

Torte alleine

aufessen will?

Cool, sie redet

Klartext. Ob ihr Windy

das zuflüstert?

Hier rockt der Troll…

Die sind ja richtig gut,

die Mädchen.


Berlin, Juli 2007

MÄRKISCHES LAND BOTE

VERMISCHTES 3

A

A

Fair & regional: Getreidetisch 2007

m Getreidetisch von MÄR-

KISCHES LANDBROT nahmen

sieben Demeter-Bauern und

drei Demeter-Bäcker zusammen

mit Joachim Wekmann teil. In

großer Runde wurden die Getreidepreise,

Mengen und Qualität der

Ernte 2007 besprochen. „Es ist

wichtig, dass diese Kriterien vor

allen Beteiligten offen verhandelt

werden, sonst käme ein fairer und

regionaler Handel nicht zu Stande,“

sagt Geschäftsführer Joachim

Weckmann.

Am Getreidetisch 2007 haben

teilgenommen: Ulf Dobroschke

(Gut Peetzig), Jörg Matthes (Hofgut

Reichardt-Matthes), Sascha

Philipp (Landgut Pretschen), Jürgen

Templin (Bauerngut Templin &

Präsidentengattin aus Madagaskar zu Besuch

m Nachmittag des 20. April

2007 fuhren vier dunkle

Diplomatenwagen auf den Hof

von MÄRKISCHES LANDBROT.

Ihnen entstieg Lala Ravalomanana,

die First Lady der Republik

Madagaskar. MÄRKISCHES

LANDBROT forstet seit zwei

Jahren intensiv den Urwald des

weltweit zweitgrößten Inselstaates

wieder auf.

„Durch das Aufforsten verbessern

wird unsere CO 2 -Bilanz,“ sagt

Projektleiter Christoph Deinert,

„bald kann MÄRKISCHES LAND-

BROT seine Demeter-Brote CO 2 -

Mitglieder des Getreidetisch am Sevenfold-Brunnen.

Mitarbeiter), Ulrike Raulf (Wulkower

Hof), Stefan Schulz (Feldbau

Apfeltraum), Klaus Rauhaus

(Gut Wendlinghausen), Mike

Rühlmann (Ökomühle Trossin),

Jacob Ganten (Demeter-Verband),

Steffen Mucha (ÖBS-Ökobauernhöfe

Sachsen GmbH), Volker Apitz

(Demeter-Bäckerei Vollkern) und

Joachim Weckmann (MÄR-

KISCHES LANDBROT). Zum

Getreidetisch gehören ebenfalls

Weichardt Brot und Bäckerei

Schmitt aus Cottbus.

neutral backen.“ Doch das Engagement

hat weitere positive

Auswirkungen. „Die Madagassen

vor Ort erhalten eine berufliche

Perspektive. Bedrohte Arten, wie

die Lemuren-Affen und der

Drachenbaum, werden geschützt.

In der Region keimt die Hoffnung

auf zukünftigen Ökotourismus auf.“

Grund genug für die afrikanische

Präsidentengattin sich

einmal persönlich in Berlin zu

bedanken und die Demeter-Brotbäckerei

zu besichtigen.

Frau Ravalomanana mit Begleitung

bei MÄRKISCHES LANDBROT.

MELDUNGEN

Renate Künast gratulierte

zum Jubiläum

Am 7. Juli 2007 feierte MÄRKISCHES

LANDBROT sein 77jähriges Firmenjubiläum.

Unter den 500 Gästen war

die Fraktionsvorsitzende der Grünen,

Renate Künast. „77 Jahre zu bestehen

ist eine Leistung und davon auch noch

26 Jahre Vorreiter und Vorbild für ökologisches

Wirtschaften zu sein, ist eine

besondere Tat," sagte Renate Künast

in ihrer Geburtstagsrede. Geschäftsführer

Joachim Weckmann gab dieses Lob

direkt weiter: „Würden nicht alle Bauern,

Mitarbeiter, Wiederverkäufer und Freunde

täglich hinter MÄRKISCHES LANDBROT

stehen, gäbe es keine Demeter-Brotbäckerei

wie diese. Ihr seid der Grund

für diese Feier. Ich sage Danke."

Neuer Feng Shui Brunnen auf

dem Hofgelände

Im Juni 2007 wurde unser neuer Feng

Shui-Brunnen, ein Sevenfold-Brunnen

aus norwegischem Larvikit, auf dem

Gelände von MÄRKISCHES LANDBROT

eingeweiht. Das Wasser fließt über

sieben Flowformen aus grauschwarzem

Granit. Die Flowform-Methode wurde

von dem englischen Bildhauer A. John

Wilkes entdeckt. Seit 1970 betreibt der

Gründer der bildhauerischen Sektion

des Emerson College in East Sussex umfangreiche

Studien der archetypischen

Fließmuster und Fließrythmen in der

Natur. Bei einem Sevenfold-Brunnen

wird das Wasser in jeder Schale zu einer

Acht verwirbelt. Dabei entstehen

wunderschöne Töne und Fließklänge,

die die Umgebung in eine positive und

entspannende Atmosphäre hüllen.

Gemäß der Feng Shui-Lehre steht der

neue Brunnen am nordöstlichen Ende

des Bäckereigeländes.

Halt, nicht so

schnell. Mir ist

ganz schwindlig...

Endlich was zu essen…

Ob sie das merken,

wenn ich mir den Bauch

vollschlage?

Na, wie haben wir

das gemacht?

Prima! Das Fest

ist uns gelungen.

Logisch,

sind doch auch

“The Good Girls”.


4

SATIRE

Drei kleine Fehltritte

Treue Leserinnen und Leser mögen

an dieser Stelle unseren regelmäßigen

Seehofer-Kommentar vermissen. Es gibt

zwei gute Gründe für das Fehlen.

Ersten ist unser Artikel vom Januar

noch immer aktuell. Horst Seehofer wird

derzeitig nicht Nachfolger von Edmund

Stoiber. Zweitens ist die Zeit der Aufzucht

immer auch Schonzeit.

So hat sich die Redaktion gefreut,

dass Renate Künast spontan zum 77jährigen

Jubiläum von MÄRKISCHES LAND-

BROT einen Beitrag geschrieben hat, den

wir interessanter fanden. Horst Seehofers

Leistung – drei kleine Fehltritte – der

letzten Monate benötigt lediglich wenige

Zeilen.

Der erste kleine Fehltritt bringt Hoffnung,

denn er hat Leben geschenkt. An

dieser Stelle wünschen die Redaktion

der Mutter, dem Vater und der kleinen

Tochter alles erdenklich Gute und Ruhe.

Möge die Kleine dem Papa beibringen,

warum eine gesunde und gentechnikfreie

Umwelt wichtig ist.

Der zweite kleine Fehltritt ist sympathisch.

Horst Seehofer hat in einem

vertraulichen Gespräch mit Thilo Bode

von foodwatch e.V. gestanden: „Ich weiß

selbst, das Verbraucherinformationsgesetz

taugt nichts.“

Der dritte kleine Fehltritt ist verständlich.

Bei einem gläubigen Katholiken

darf kein irdisches Recht zwischen Biene

und Blüte stehen. Sei es auch eine infizierte

Blüte. Honig ist also nicht mehr

vor gentechnischen Verunreinigungen

geschützt.

Alle drei haben erst in der Zukunft

absehbare Folgen. Bleibt also nur noch

die Frage: Herr Seehofer, womit süßen

Sie zukünftig die Abendmilch?

LandbrotFibel

MÄRKISCHES LANDBROT hat die

LandbrotFibel überarbeitet und neu

aufgelegt. Sie enthält alle Zutaten der

Brotsorten und Erklärungen der

Backverfahren unserer 36 Demeter-Brote.

Der Demeter-Ansatz und das Engagement

von MÄRKISCHES LANDBROT werden

vorgestellt. Neu ist unser Museum

Brot, das wir in der Alten Bäckerei

Pankow im Holzofen backen.

Die LandbrotFibel erhalten Sie kostenlos

an allen Verkaufsstellen.

D

IMPRESSUM

Herausgeber:

MÄRKISCHES LANDBROT GmbH

Brotbäckerei demeter

Bergiusstraße 36 • 12057 Berlin-Neukölln

Tel.: 030/61 39 12-0 • Fax: 030/684 51 84

landbrot@landbrot.de • www.landbrot.de

REPORTAGE

Chefredaktion:

Joachim Weckmann

Redaktion:

FEIG

Berlin, Juli 2007

MÄRKISCHES LAND BOTE

Morgens um acht auf der Schönhauser Allee.

Von Theo Drobnik

ie Schönhauser Allee ist voller

Bio-Läden. Wer vom Rosenthaler

Platz zur Bornholmer Straße

startet, trifft zuerst auf den Viv-

BioFrischeMarkt mit seiner

schönen Lounge. Fünfhundert

Meter weiter hat vor kurzem Europas

größter Bio-Supermarkt, die

LPG, eröffnet. Der Bio-Wochenmarkt

auf dem Kollwitzplatz ist

seit mehr als zehn Jahren eine

Institution im Kiez. Auf der Kastanienallee

hat gerade ein junger

Bio-Kiosk eröffnet. In der Danziger

Straße liegt ein zweiter Viv-Bio-

FrischeMarkt. Die BioCompany

Höhe Milastraße ist seit der

Schließung des Synanon-Ladens

an der U-Eberswalder Straße der

älteste in der Straße. Kurz vor der

Bornholmer Straße verkauft eo

komma auch MÄRKISCHES

LANDBROT. In ganz Berlin findet

sich wohl keine Straße mit einer

größeren Auswahl an Demeter-

Broten von MÄRKISCHES

LANDBROT.

Eine dieser sieben Brottheken

hat in dem Stadtteil mit Europas

größter Geburtenrate, Prenzlauer

Berg, einen ganz besonderen

Kultstatus. Eltern, die um acht Uhr

morgens schon auf der Straße

sind, weil sie ihren Schützling nicht

mehr zum Schlafen überreden können,

treffen sich an der Brottheke

im Bio-Markt von Angela Kiepert

und Michael Kutzner in der

Schönhauser Allee 65.

Seitdem es neben dem großen

Sortiment von Demeter-Broten in

dem Bio-Markt eine kleine Spielecke

gibt, stehen pünktlich um acht

Uhr mehrere Eltern mit ihren

Kinderwagen vor der Ladentür.

„Die ersten, die morgens den Laden

betreten sind Eltern,“ weiß Michael

Kutzner zu berichten. 1999 hat er

seinen Bio-Markt gegründet und

2006 um eine große Brottheke und

Spielecke erweitert. „Damals riet

mir jeder von der Spielecke ab. Ich

sollte die Fläche lieber für den

Verkauf nutzen.“ Aber Michael

Kutzner blieb bei seiner Idee, wie

anscheinend oft. Der Bio-Markt

hat seinen eigenen Charakter. Aus

den Lautsprechern dringt ein angenehmer

Mix aus Elektro-, Grungeund

Rockmusik. Seine Mitarbeiter

sind sympathische Persönlichkeiten,

tragen auch mal Ziegenbärtchen

und Kopftuch. Man sieht ihnen

den Spaß an der Arbeit an. „Das

gefällt auch unseren Kunden. Sie

mögen unser Profil und die

dadurch entstehende gute Laune.“

Diese gute Laune scheint

nichts zu erschüttern. Denn wenn

das eigene Kind um acht Uhr

endlich Spielkameraden gefunden

hat, dann nutzen Eltern diese Gelegenheit,

die Zeit zu verlängern. So

ist es an der Brottheke ein richtiges

Ritual geworden, sich morgens

durch das Sortiment von 36 Demeter-Broten

zu fragen. Oft wird

z.B. nach dem Brodowiner gefragt.

Rico an der Brottheke in der Schönhauser Allee.

Ein würzig dunkel gebackenes

Sauerteigbrot aus Bergroggen und

Lichtkornroggen, die auf den

Feldern des Ökodorf Brodowin

wachsen. Oder nach dem Essener,

das ist ein Backfermentbrot aus

Dinkel und Roggen. Sehr gut

bekömmlich für Bio-Anfänger.

Denn der Roggenanteil wird 48

Stunden zum Keimen angeregt.

Das öffnet das Vollkorn. Danach

wird das Getreide gequetscht und

eingeteigt. Eine sehr schöne Geschichte

steht hinter dem Dinkel-

Früchtebrot. Mit diesem Brot hat

die Geschichte von MÄRKI-

SCHES LANDBROT als Demeter-

Brotbäckerei vor 26 Jahren

begonnen.

Kein Elternteil schafft alle Brotsorten

auf einmal. Der Schützling

will irgendwann wieder seine

Aufmerksamkeit. Mit ein oder

zwei Broten in der Hand widmen

sie sich dann dem restlichen Bio-

Angebot. Niemand hat Eile, denn

morgen heißt es wieder: Treffpunkt

Brottheke um acht Uhr.

Gestaltung:

Graphik-Design

Annedore Schmidt

Druck:

Druckerei Gläser

Auflage:

10.000 Exemplare

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