INDUSTRIE UND ARBEIT IN BOZEN ZWISCHEN 1900 ... - EmScuola
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<strong><strong>IN</strong>DUSTRIE</strong> <strong>UND</strong> <strong>ARBEIT</strong> <strong>IN</strong> <strong>BOZEN</strong><br />
<strong>ZWISCHEN</strong> <strong>1900</strong> <strong>UND</strong> 1950<br />
Pietro Umberto Fogale<br />
Vorbemerkung<br />
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es<br />
in unserem Land nur sehr wenige Betriebe,<br />
in denen - der modernen Definition von<br />
“Industrie” gemäß - die Maschinen den<br />
größten Teil der Arbeit erledigten.<br />
Eine eminent wichtige Quelle stellt der<br />
“Statistische Bericht” dar, der in den Jahren<br />
1856, 1862, 1870, 1880 und 1890 von<br />
der Handels- und Gewerbekammer Bozen<br />
veröffentlicht wurde und dem wir wertvolle<br />
Hinweise auf die Kategorie dieser Betriebe<br />
Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts<br />
entnehmen können, auf die Art und die<br />
Menge ihrer Produktion sowie auf die Anzahl<br />
der Beschäftigten.<br />
Eine Sonderstellung unter den Fabriken,<br />
die wir zu Beginn des 19. Jahrhunderts in<br />
Bozen antreffen, nimmt das Freiwillige Arbeitshaus<br />
ein, das seinen Sitz im Ansitz<br />
Schrofenstein in der Vintlergasse hatte 1 .<br />
Diese Fabrik war schon 1770 ins Leben<br />
gerufen worden, und zwar dank einer Stiftung<br />
des wohlhabenden Bozners Franz de<br />
Die Südtiroler Industrie bildet heute mit ihren<br />
mehr als 1700 Betriebsstätten 25% des<br />
Landesvermögens (Bruttoinlandsprodukt),<br />
während sie mit rund 28.000 Beschäftigten<br />
13% aller Erwerbstätigen ausmacht. Es handelt<br />
sich allgemein um mittelgroße bis kleine<br />
Betriebe: In mehr als 90% der Betriebe<br />
kommt die Belegschaft auf weniger als 50<br />
Personen, und ihre Produktion ist stark auf<br />
den ausländischen Markt (fast die Hälfte der<br />
Produktion wird exportiert) oder den italienischen<br />
Markt (etwa 40% der Produktion)<br />
ausgerichtet, dagegen nur zu einem kleinen<br />
Teil auf den lokalen Markt.<br />
Die Industrie kann somit auf beträchtliche<br />
Beziehungen auf nationaler wie auf internationaler<br />
Ebene zählen, und sie ist gleichmäßig<br />
über das Landesgebiet verteilt, wobei<br />
Bozen und Bruneck die bedeutendsten Industrie-<br />
und Gewerbegebiete besitzen.<br />
Wir wollen hier nachgehend auf Bozen eingehen<br />
- auch um zu zeigen, dass die Vergangenheit<br />
weit weniger “rosig” aussah als<br />
die eben angeführten statistischen Werte: Sie<br />
sind das Ergebnis einer Entwicklung, die sich<br />
vor allem in den letzten 30 Jahren vollzogen<br />
hat, als die Industrie eine großräumige Verteilung<br />
gefunden hat und in vielen Ortschaften<br />
“kleine Industrie- und Gewerbezonen”<br />
entstanden sind.<br />
In der Geschichte der industriellen Entwicklung<br />
in Südtirol sind drei Phasen zu unterscheiden:<br />
1.) zwischen 1848 und dem ersten Weltkrieg<br />
der Übergang vom Handwerk [Heimindustrie]<br />
zur Industrie, Entstehung der ersten<br />
Fabriken;<br />
2.) in den Dreißigerjahren die Ansiedlung<br />
der Industriegebiete in Bozen und Meran;<br />
3.) die Zeit von den Nachkriegsjahren bis<br />
heute.<br />
Die Historiker haben ihre Aufmerksamkeit<br />
in erster Linie der Industriezone und ihren<br />
historisch-politischen Verkettungen zugewandt.<br />
Der größte Teil der Untersuchungen<br />
ist der Bozner Industriezone gewidmet, während<br />
die vorausgegangene Phase kaum Interesse<br />
gefunden hat.<br />
In der heutigen Auffassung versteht man<br />
unter “Industrie” die gewerbliche, mit Maschinen<br />
bewerkstelligte Massenverarbeitung von<br />
Rohstoffen und Halbfabrikaten zu Waren, bei<br />
vergüteter Arbeit und unter Verwendung von<br />
Finanzkapital.<br />
Das Grundelement der industriellen Produktion<br />
sind die Arbeditswerkzeuge: die Maschinen.<br />
Die Industrieproduktion wird von den Maschinen<br />
beherrscht, sodass sich die Tätigkeit<br />
der Arbeiter mehr oder weniger auf<br />
die Bedienung dieser Maschinen beschränkt.<br />
In der Industrie geht die Tendenz dahin,<br />
dass die Arbeit des Menschen völlig durch<br />
die Maschine ersetzt wird.<br />
101<br />
100-101. Reklameplakate aus dem frühen 20.<br />
Jahrhundert.<br />
100<br />
75
Paula von Mayrl. Im Statistischen Bericht<br />
1862 wird unterstrichen, dass das Freiwillige<br />
Arbeitshaus “während eines mehr<br />
als hundertjährigen Bestehens eines der<br />
wichtigsten nationalökonomischen Probleme,<br />
die Verschaffung von Arbeit an<br />
Personen, welche wegen phisischer oder<br />
geistiger Unfähigkeit auf einen Verdienst<br />
bei gewöhnlichen Arbeitsunternehmungen<br />
verzichten müssen, ... behandelt” 2 .<br />
Das Arbeitshaus wurde von der Stadtgemeinde<br />
Bozen gefördert, die Frantz<br />
Paul Lang mit der Leitung betraut hatte.<br />
Laut seines Dreijahresvertrags gehörten<br />
folgende Aufgaben zu seinen Obliegenheiten:<br />
“a) Einrichtung einer Baumwoll- und<br />
Florettseidenspinnerei;<br />
b) Ausbildung einer Gruppe von 30 jungen<br />
Mädchen zwischen 7 und 20 Jahren<br />
und weitere Kurse für andere Mädchengruppen,<br />
bis alle mittellosen jungen Mädchen<br />
aus Bozen eine dieser Arbeit entsprechende<br />
Ausbildung erfahren haben;<br />
c) Erwerb des Rohmaterials und der Geräte<br />
auf eigene Kosten;<br />
d) Entrichtung eines Tageslohns von 4<br />
Kronen pro Schüler;<br />
e) Gewährleistung einer angemessenen<br />
102. Reklamekarte der Konservenfabrik Tschurtschenthaler in Bozen.<br />
religiösen Ausbildung der Arbeiter (mindestens<br />
zweimal wöchentlich)” 3 .<br />
Im Jahr 1812 wurde mit der Leitung die<br />
Firma Franz Aukenthaler betraut, die hier<br />
eine Fabrik zur Herstellung von Wolldecken<br />
(von der Spinnerei über die Weberei<br />
bis zur Färberei) einrichtete und sich<br />
verpflichtete, 60 Personen anzustellen 4 .<br />
Laut Berichten der Handelskammer waren<br />
hier in den Jahren 1860-1862 96 Erwachsene<br />
und 32 Kinder beschäftigt, deren<br />
Tageslohn sich auf 24-32 Fierer beziehungsweise<br />
auf 8-12 Fierer belief 5 .<br />
Von der Mitte der Sechzigerjahre des 19.<br />
Jahrhunderts an begannen die Geschäfte<br />
sich zwar zu verschlechtern, aber diese<br />
Führung wurde bis in die Dreißigerjahre<br />
des 20. Jahrhunderts beibehalten,<br />
als die Fabrik in eine Fürsorgeanstalt<br />
verwandelt wurde.<br />
103. Die Bozner Baumwollspinnerei.<br />
Die “k.k. privilegierte Baumwollspinnerei<br />
Kofler, Hermann & Co.” wurde am 7. Januar<br />
1848 vor dem Bozner Merkantilmagistrat von<br />
den Boznern Franz von Kofler und Anton<br />
Welponer sowie von dem aus Vorarlberg stammenden<br />
Georg Hermann gegründet. Es handelte<br />
sich um eine Kommanditgesellschaft,<br />
zu deren Aktionisten einige der bekanntesten<br />
Bozner Familien gehörten 6 . Die Baumwollspinnerei<br />
hatte vor allem der Nachfrage nach<br />
Garn seitens des Veneto und der Lombardei<br />
zu genügen, die damals von den Märkten<br />
des Donaugebiets angezogen wurden. Die<br />
76<br />
Die ersten Fabriken: die Baumwollspinnerei<br />
zentrale Lage Bozens und seine Rolle als<br />
Durchgangsstadt zwischen Norden und Süden<br />
und damit zwischen Österreich und Italien<br />
hatten die Gründer mit zu ihrer Wahl veranlasst<br />
und sie von der möglichen Rentabilität<br />
der Spinnerei überzeugt (im Vergleich zu<br />
den in Nordtirol und Vorarlberg gelegenen<br />
Baumwollfabriken). Da aber keinerlei Infrastrukturen<br />
vorhanden waren, mussten die<br />
Eigentümer selbst für die Hälfte der Bau- und<br />
Instandhaltungskosten der Zwölfmalgreiener<br />
Straße aufkommen. Bis 1859 erfolgte der<br />
Transport des Rohmaterials und der Produkte<br />
auf Karren. Die Baumwollspinnerei lag im<br />
Bozner Stadtviertel St. Anton, wo Franz von<br />
Kofler die Burg Klebenstein besaß. Der zum<br />
Antrieb der Maschinen notwendige Strom<br />
wurde durch Wasserkraft erzeugt, und zwar<br />
durch den hier vorhandenen Talferwasserfall<br />
7 .<br />
Die Baumwollspinnerei lernte auch schwierige<br />
Zeiten kennen. Die politische und wirtschaftliche<br />
Unbeständigkeit, die auf die Kriege<br />
in Europa zurückzuführen war sowie auf<br />
den Bürgerkrieg in Amerika, das die in Bozen<br />
verarbeitete Baumwolle lieferte, verursachten<br />
der jungen Industrie erhebliche<br />
Schwierigkeiten: Der Ankauf des Rohmaterials<br />
wurde erschwert, enorme Preisunterschiede<br />
machten einen regelmäßigen Absatz<br />
unmöglich, und es mussten weniger Maschinen<br />
gekauft werden, als ursprünglich geplant<br />
war 8 . Die vorgesehenen 13.500 Spindeln<br />
mussten infolge der im März 1848 ausgebrochenen<br />
Revolutionen drastisch reduziert<br />
werden, und erst 1851 konnte die Spinnerei<br />
ihre volle Arbeit mit den 4500 installierten
Spindeln aufnehmen, wobei 3720 Baumwollspindeln<br />
und 600 Florettseidenspindeln waren.<br />
Angesichts der hohen Kosten der Seidenkokons<br />
wurde alles von der Seidenraupe<br />
erzeugte Material genutzt, einschließlich der<br />
minderwertigen Fasern. Diese kurzen, unregelmäßigen<br />
und groben Fasern stammen<br />
sowohl aus der äußeren Kokonschicht als<br />
auch als durchbrochenen oder ganzen Kokons.<br />
Wie die Wolle und die Baumwolle müssen<br />
die Seidenabfälle erst mit der Spindel<br />
oder der Spinnmaschine gesponnen werden,<br />
bevor sie verwebt werden können 9 .<br />
Zu den äußeren Schwierigkeiten kamen<br />
andere Probleme: eines davon war der Mangel<br />
an Facharbeitern, die aus anderen Regionen<br />
herbeigerufen werden mussten, sodass<br />
die Spinnerei ihnen auch Unterkünfte<br />
zur Verfügung stellen musste - was ebenfalls<br />
Mehrkosten verursachte.<br />
In den unmittelbar folgenden Jahren wurden<br />
die Anlagen verbessert und sogar eine<br />
Dampfmaschine eingeführt (1887), die zusätzlich<br />
zur Wasserkraft Energie lieferte 10 .<br />
Am 17. Februar 1890 wurde die Baumwollspinnerei<br />
von einem Brand zerstört, aber sofort<br />
darauf nach neuen und moderneren Kriterien<br />
wieder aufgebaut, sodass sie ihre Tätigkeit<br />
etwa ein Jahr später, im März 1891, mit über<br />
9000 Spindeln wieder aufnehmen konnte.<br />
104. Frauen bei der Arbeit in der Bozner Baumwollspinnerei.<br />
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnte die<br />
Baumwollspinnerei dank der ersten Elektrizitätswerke,<br />
die damals entstanden, mit Strom<br />
beliefert werden, sodass die bisher mit Dampfmaschinen<br />
angetriebenen Anlagen jetzt von<br />
Grund auf geändert wurden.<br />
Aus dem Jahr 1906 stammt ein Antrag zur<br />
Aufstockung der Wohnhäuser der Arbeiterinnen<br />
in Zwölfmalgreien.<br />
Während des ersten Weltkriegs wurde die<br />
Fabrik beschlagnahmt und in eine Reparaturwerkstätte<br />
für militärische Kraftfahrzeuge<br />
verwandelt.<br />
Nach dem Krieg musste sich die Baumwollspinnerei<br />
wieder neuen Gegebenheiten<br />
anpassen. Die Märkte im Norden waren durch<br />
die neue Grenzziehung verloren gegangen,<br />
es war eine andere Währung eingeführt worden,<br />
und es gab neue Gesetze. So änderte<br />
die Fabrik erneut ihren Namen und wurde<br />
zum cotonificio di Bolzano soc. a g.l. Bolzano.<br />
Zu faschistischer Zeit musste die Herstellung<br />
von Baumwollstoffen zugunsten von<br />
Kunstfasern aufgegeben werden 11 .<br />
Glücklicherweise wurde die Baumwollspinnerei,<br />
da sie weit genug vom Bahnhof entfernt<br />
lag, nicht von den Bomben getroffen,<br />
die das Bahnhofsgebiet zerstörten. So konnte<br />
es die Produktion fortsetzen 12 .<br />
In einer Jubiläumsschrift, die anlässlich des<br />
100jährigen Bestehens der Baumwollspinnerei<br />
erschien, heißt es, dass das Land “27<br />
Jahre lang von europäischen Kriegen heimgesucht<br />
wurde und 25 Jahre von außereuropäischen”.<br />
13<br />
Bei den Industriebetrieben, die zu Beginn<br />
des 20. Jahrhunderts in Bozen tätig waren,<br />
handelte es sich um Fabriken zur Obstverarbeitung,<br />
wo aus einheimischem Obst Marmeladen<br />
und Obstkonserven erzeugt wurden.<br />
Die Entstehung der Industriezone<br />
105. Tafel zur Abgrenzung der im Entstehen begriffenen Bozner Industriezone, 1935.<br />
Im Jahr 1933 wurde anstelle des bisherigen<br />
Präfekten Marziali jetzt Giuseppe<br />
Mastromattei zum neuen Präfekten ernannt.<br />
Dieser Wechsel bedeutete eine entschieden<br />
andere Haltung der römischen Regierung den<br />
Südtirolern gegenüber: das Ende der Assimilierungspolitik<br />
und die Durchführung einer<br />
neuen Bevölkerungspolitik, um die Italiener<br />
in der Provinz zur Mehrheit zu machen, sowie<br />
einer Wirtschaftspolitik, die auf die “Eroberung<br />
von Grund und Boden” 14 ausgerichtet<br />
war.<br />
Wie Rolf Petri 1989 in seiner Storia di Bolzano<br />
schreibt, steht das Thema der Industriezone<br />
im Mittelpunkt einer politischen und<br />
historiographischen Polemik, die “bis in die<br />
jüngste Vergangenheit angedauert” hat.<br />
“Italienische Autoren tendieren eher dazu,<br />
die Industrialisierung mit dem wirtschaftlichen<br />
Autarkieprogramm des Faschismus zu erklären<br />
oder als Ausdruck eines überregionalen<br />
Modernisierungsprozesses zu werten;<br />
manche Südtiroler Historiker neigen hingegen<br />
heute noch dazu, die Industriegründun-<br />
77
gen einzig und allein im Lichte der gewaltsamen<br />
Assimilierungsversuche zu interpretieren.<br />
Ökonomen haben inzwischen hinreichend<br />
belegt, daß die Standortwahl für die meisten<br />
Betriebe schon in der Zwischenkriegszeit<br />
durchaus gerechtfertigt war”. 15<br />
Die Änderung in der Beurteilung der Industriezone<br />
ist auch auf die tief greifenden Umwälzungen<br />
der letzten Jahre zurückzuführen:<br />
Einige der großen Industriebetriebe, die<br />
in den Dreißigerjahren entstanden waren,<br />
bestehen nicht mehr und sind durch neue<br />
Unternehmen ersetzt worden, die der Industriezone<br />
ein neues, dynamisches und modernes<br />
Image verleihen. Die neue Bozner Messe,<br />
die Eiswelle und nicht zuletzt die Präsenz<br />
mehrerer Nachtlokale ziehen mit ihren Veranstaltungen<br />
ein Massenpublikum an, sodass<br />
die Industriezone heute nicht mehr eine<br />
“monofunktionelle“ Stätte ist, sondern sich<br />
auch gegen die gesamte Stadt öffnet.<br />
Am 28. September 1934 wird ein Königliches<br />
Dekret erlassen, das die Unterstützung<br />
der auf dem Bozner Gemeindegebiet<br />
gelegenen Industriebetriebe durch<br />
Zollfreiheit oder Steuererleichterungen<br />
für das notwendige Rohmaterial vorsieht.<br />
106. Familie vor einer Baracke des Villaggio Lancia<br />
in Bozen, 1948.<br />
Die Industriezone und ihre Entwicklung<br />
Königliches Dekret (RD.) Nr. 1621 vom 28. September 1934.<br />
Anhand einiger Artikel, die zwischen 1935<br />
und 1938 in der Zeitung “La Provincia di Bolzano”<br />
veröffentlicht worden sind, und der Königlichen<br />
Dekrete zur Gründung der Bozner<br />
Industriezone können wir die Etappen<br />
nachvollziehen, die dazu geführt haben, dass<br />
weniger als drei Jahre nach dem offiziellen<br />
Startzeichen die ersten Industriebetriebe im<br />
Lande tätig waren.<br />
Die Artikel liefern, wenn man von der zeittypischen<br />
Rhetorik absieht, das Bild der “operativen”<br />
Lage; denn natürlich konnte man sich<br />
hinsichtlich der Werke des Regimes weder<br />
Zweifel noch Unentschlossenheit erwarten.<br />
Die Probleme der Personen, die wegen der<br />
Industrieanlagen ihre Felder verloren hatten<br />
oder sich wegen der Umweltverschmutzung<br />
Sorgen machten, fanden im Organ der faschistischen<br />
Partei PNF natürlich keinen Widerhall.<br />
Art. 1<br />
Den technisch organisierten Industriebetrieben, die bis zum 30. Juni 1944 auf dem Gemeindegebiet<br />
von Bozen entstehen, und den innerhalb dieses Termins durchgeführten Erweiterungen<br />
und Veränderungen von auf dem Gemeindegebiet schon vorhandenen Industriebetrieben<br />
werden die in den nachfolgenden Artikeln angeführten Erleichterungen gewährt.<br />
Art. 2<br />
Für das Baumaterial, die Maschinen und alles für die erste Anlage dieser Industriebetriebe, die<br />
innerhalb des im vorausgegangenen Artikel angeführten Termins in der Gemeinde entstehen,<br />
werden keine Zölle erhoben, sofern sie nicht im Reich erzeugt werden können. [...]<br />
Art. 3<br />
Den neuen, technisch organisierten Industriebetrieben, die innerhalb des im Art. 1 dieser<br />
Verordnung angeführten Termins in der Stadtgemeinde Bozen entstehen, wird vom Moment<br />
ihrer Inbetriebsetzung an für zehn Jahre Einkommensteuerfreiheit gewährt.<br />
Außerdem waren für einen Zeitraum von<br />
nicht mehr als 5 Jahren auch staatliche<br />
Zuschüsse für die Anlage und in außergewöhnlichen<br />
Fällen für die Instandhaltung<br />
der Industriebetriebe vorgesehen.<br />
La Provincia di Bolzano, 21. Februar 1935<br />
“[...] Mussolini sitzt einer Versammlung von Ministern, Staatssekretären, Industriechefs und<br />
Behördenvertretern der Provinz Bozen vor, um die Industriefragen unserer Stadt zu untersuchen.<br />
[...]<br />
Nach Überprüfung der verschiedenen Probleme, die mit der Schaffung der Bozner Industriezone<br />
zusammenhängen, und der nachdrücklichen Betonung des damit verbundenen großen<br />
politischen Interesses hat der Duce Anordnungen gegeben, damit diese Probleme so schnell<br />
und angemessen wie möglich gelöst werden und die allgemeinen Dienstleistungseinrichtungen<br />
der Zone bis spätestens 1. Juni betriebsfähig sind.<br />
[...] Die allgemeinen Dienstleistungseinrichtungen, auf die sich das offizielle Kommuniqué<br />
bezieht, bestehen in einem Komplex von Arbeiten, die teils von der Staatsbahn und vom<br />
staatlichen Bauamt, zum größten Teil aber von der Gemeinde durchgeführt werden. Das Verkehrsministerium<br />
sieht vor, am Kilometer 148.500 der Brennerstrecke, d.h. kurz nach dem<br />
Bahnübergang von Oberau, einen Bahnhof mit einer Blockstelle und etwa drei Kilometer<br />
langen Anschlussgleisen zu errichten und die einzelnen Betriebe mit Verladegleisen, Laderampen,<br />
Schutzsignalen und anderen Anlagen zu versehen [...]”.<br />
78
Mehrere Monate nach dem ersten Dekret<br />
zur Industrialisierung, das noch keine Gesetzeskraft<br />
hatte, verabschiedete der Ministerrat<br />
neue Vorkehrungen, die in das Dekret<br />
vom März 1935 eingehen: Hier ist zum ersten<br />
Mal von Industriezone die Rede.<br />
Mit diesem Dekret werden die Arbeiten, die<br />
zur Anlage und Inbetriebnahme der Industriezone<br />
notwendig sind, für gemeinnützig erklärt.<br />
Im Art. 1 wird das Gebiet abgegrenzt, in<br />
dem die im vorausgegangenen Dekret angeführten<br />
Bestimmungen Anwendung finden.<br />
Königliches Dekret (RD.) Nr. 234 vom 7. März 1935<br />
Art. 1<br />
Für gemeinnützig werden die Arbeiten erklärt, die zur Anlage und Inbetriebnahme der<br />
Industriezone Bozen notwendig sind; sie dehnt sich zwischen dem Fluss Eisack und der<br />
Brenner-Staatsstraße aus und wird auf beiliegendem Lageplan begrenzt, der - auf unsere<br />
Weisung vom Minister für öffentliche Arbeiten mit einem Sichtvermerk versehen - beim<br />
Staatsarchiv zu hinterlegen ist.<br />
Zur Durchführung der oben genannten Arbeiten hat die Stadtgemeinde Bozen die Befugnis,<br />
die notwendigen Grundstücke zu enteignen.<br />
Art. 2<br />
Die Entschädigung für die Enteignung ist dem bloßen Kaufwert des Grundstücks anzugleichen,<br />
das, unabhängig von seiner eventuellen Bebaubarkeit, als landwirtschaftliches<br />
Grundstück angesehen wird. [...]<br />
107. Arbeit im Lancia-Werk, Bozen 1937.<br />
Wenige Tage vor der Veröffentlichung<br />
des Dekrets in der Gazzetta Ufficiale war<br />
in der Zeitung “La Provincia di Bolzano”<br />
zu lesen:<br />
La Provincia di Bolzano, 1. März 1935<br />
“[...] die Enteignungen und die Arbeiten für die Industriezone dürfen erst nach der Veröffentlichung<br />
des in der letzten Sitzung des Ministerrats gebilligten Gesetzesdekrets in der Gazzetta Ufficiale<br />
begonnen werden; in diesem Dekret werden die Arbeiten für gemeinnützig erklärt, und die<br />
Enteignungsprozedur wird vereinfacht und in Abweichung vom Gesetz des Jahres 1865 von<br />
besonderen Kriterien geregelt. [...]<br />
[...] In Erwartung dieses Dekrets hat die Stadtverwaltung, der die heikle und undankbare Aufgabe<br />
zukommt, das Gebiet auf den Zuzug der Industriebetriebe vorzubereiten, keine Zeit verloren. Die<br />
Projekte zur Anlage der Kanalisation und der Stromversorgung für die Beleuchtung befinden sich in<br />
Vorbereitung. Für das Straßenproblem ist grundsätzlich schon eine Teillösung entschieden worden<br />
[...]<br />
Das Interesse an der Industriezone ist so groß, dass der Gemeindekommissar, um die eintreffenden<br />
Gesuche angemessen beantworten zu können, die Einrichtung eines eigenen Industrieamts<br />
angeordnet hat, das nicht nur Erläuterungen hinsichtlich der geplanten Arbeiten liefert, sondern<br />
auch als Verbindungsstelle zwischen den Verwaltungsorganen und den interessierten Privatkörperschaften<br />
dienen soll. Dieses Amt wird in diesen Tagen seine Tätigkeit aufnehmen. [...]”<br />
La Provincia di Bolzano, 29. März 1935<br />
“[...] In der Gazzetta Ufficiale wird das Dekret vom 7. März 1935 veröffentlicht, das die Bestimmungen<br />
für die für die Schaffung einer Industriezone nötigen Enteignungen enthält.<br />
Die Staatsbahn hat beschlossen, die Zeiten für die Anlage des Anschlussgleises zu beschleunigen.<br />
[...] Das Projekt sieht die Verlegung von mehr als zwei Kilometern Gleisen vor, die Errichtung einer<br />
mit Signalisierungsgeräten versehenen Blockstelle sowie den Bau eines Bahnhofs. [...]<br />
Die Errichtung der Arbeitersiedlungen schreitet voran, und das Problem der Anlage einer Fußgängerbrücke<br />
über den Eisack sieht einer unmittelbaren Lösung entgegen [...]”.<br />
79
Die Verwirklichung der Industriezone<br />
schreitet voran, und die Zeitung möchte einen<br />
Überblick über das bisher Geleistete<br />
geben.<br />
La Provincia di Bolzano, 9. April 1936<br />
“[...] 28. September 1934: Veröffentlichung des<br />
Königlichen Gesetzesdekrets Nr. 1621, das “Vorkehrungen<br />
zur industriellen Entwicklung der Stadtgemeinde<br />
Bozen” enthielt [...]<br />
20. Februar 1935: der Regierungschef versammelt<br />
im Palazzo Venezia die bedeutendsten Vertreter<br />
der italienischen Industrie, die sich zur Planung<br />
und Anlage “neuer großartiger Anlagen in der<br />
Industriezone” verpflichteten. [...]<br />
[...] Juli 1935: Beginn der Arbeiten seitens der<br />
Stadtgemeinde Bozen und der einzelnen Industriebetriebe.<br />
[...]<br />
[...] Das Gelände: anfangs hatten die Projekteure<br />
an eine 1.200.000 qm große Fläche gedacht, die aber<br />
angesichts der zahlreichen Anfragen bis zum Flugplatz<br />
O. Huber erweitert wurde. Aufgrund dieser<br />
Maßnahme verfügt die Industriezone über eine<br />
Gesamtfläche von 3 Millionen qm, 300 Hektar. [...]<br />
Das Gelände wurde folgendermaßen unterteilt:<br />
Flächen für Straßen, Plätze, Grün- und Freizeitanlagen:<br />
450.000 mq; Flächen für die Anlagen der<br />
Anschlussgleise: 100.000 qm; Flächen für die neuen<br />
Industriebetriebe: 245 Hektar.<br />
[...] Der Bauleitplan [...] sieht eine ringförmige<br />
Straße als Trasse des Anschlussgleises vor, b) eine<br />
Längsstraße [...], c) eine Querstraße, die die derzeitige<br />
Staatsstraße [...] mit der geplanten, neuen Eisackbrücke<br />
verbindet.<br />
Auf diese Weise ist das Gelände in große, von<br />
Straßen umgebene Gebäudeblocks unterteilt worden,<br />
die insgesamt für die Großindustrie geeignet<br />
sind [...] und durch Straßen in kleinere Betriebsparzellen<br />
geteilt werden können.<br />
[...] Die 20 Meter breite und mehr als 1000 Meter<br />
lange Hauptstraße ist schon fertig gestellt. [...] In<br />
allernächster Zeit soll eine neue Unterführung der<br />
Bahnlinie Bozen-Trient angelegt werden.<br />
Die Großindustrie<br />
[...] Die Betriebe der Großindustrie haben<br />
Grundstücke von insgesamt 500.000 qm reserviert.<br />
[...] Das Lancia-Werk hat eine 8000 qm große<br />
Werkhalle sowie Nebengebäude für Büros und<br />
Diensteinrichtungen schon fast fertiggestellt. [...]<br />
Die Acciaierie di Bolzano haben mit Arbeiten für<br />
ein riesiges modernes Hüttenwerk begonnen.<br />
Die Montecatini wird innerhalb April mit einer<br />
neuen Anlage zur Produktion von über 4000 Tonnen<br />
Aluminium beginnen.<br />
Die Masonite leitet Arbeiten für ein Werk zur Erzeugung<br />
eines Nebenprodukts des Holzes in die<br />
Wege [...]. Es handelt sich um eine Art Pressschichtholz<br />
[...], und Südtirol ist mit seinem reichen Waldbestand<br />
der ideale Sitz für diese Industrie.<br />
Auf dem den kleineren Industriebetrieben vorbehaltenen<br />
Gelände werden eine Eisengießerei, das<br />
neue Gaswerk, eine kleine Nudelfabrik und andere<br />
kleine Industriebetriebe untergebracht.”<br />
108. Plan der Industriezone Bozen.<br />
La Provincia di Bolzano, 29. November 1936<br />
“Auf Anordnung des Duce wird die Industriezone am 20. Dezember eingeweiht”.<br />
La Provincia di Bolzano, 20. Dezember 1936<br />
“Einweihung der Industriezone [...]”<br />
La Provincia di Bolzano, 2. März 1937<br />
“[...] Bei der Montecatini stehen die Anlagen vor der Vollendung, die Arbeiten zur Realisierung des [...]<br />
Lancia-Plans schreiten voran, während die Acciaierie Bolzano / Stahlwerke Bozen nach Fertigstellung der<br />
ersten Gebäude sich jetzt an die Erweiterung der Werkstätten machen [...] und bei der Feltrinelli werden die<br />
Projekte des Werks für die Masonite realisiert, zwei Fabriken sind schon in Betrieb genommen worden. [...]<br />
Bei der Eisengießerei Guido Pippa sind in der vergangenen Woche die ersten Güsse erfolgt, und die<br />
ligurisch-athesische Gesellschaft Legnami hat mit den Sägearbeiten und der Verarbeitung der Baumstämme,<br />
die im vergangenen Monat angehäuft worden waren, zu Brettern begonnen.”<br />
La Provincia di Bolzano, 30. April 1937<br />
Erster Aluminiumguss im Montecatini-Werk. [...]<br />
La Provincia di Bolzano, 7. Juli 1937<br />
“[...] Gestern hat das Lancia-Werk seine Produktion (Gießerei) begonnen. [...]<br />
[...] Die einzelnen Autoteile nehmen unter den Blicken der Besucher Form an [...] Alle Gussstücke, die<br />
für die Autoproduktion gebraucht werden und von denen beim Lancia-Werk in Turin 35 pro Tag erzeugt<br />
werden, werden hier in diesem Werk hergestellt, das auf eine Tagesproduktion von so vielen Gussstücken<br />
kommen kann, wie sie für den Bau von 70 Autos nötig sind.”<br />
La Provincia di Bolzano, 3. Juni 1938<br />
“[...] Dabei ist sofort zu unterstreichen, dass hier in weniger als zwei Jahren nicht weniger als zwölf<br />
Fabriken entstanden sind [...], in denen derzeit 1800 Arbeiter tätig sind, deren Zahl im kommenden ersten<br />
Halbjahr auf 4000 ansteigen wird.<br />
[...] Die Acciaierie Bolzano / Stahlwerke Bozen beginnen jetzt mit ihrer Produktion [...]<br />
[...] Das Masonite-Feltrinelli-Werk [...] hat schon mit der Holzverarbeitung begonnen und wird, wenn<br />
es bis zum Jahresende ganz in Betrieb ist, 150 Arbeiter beschäftigen.<br />
[...] Der Fürst von Piemont wird bei seinem Besuch auch dem Beginn der Arbeiten für den Bau eines<br />
großen Werks beiwohnen, in dem Metallmagnesium hergestellt und die Legierungen dieses Metalls<br />
verarbeitet werden sollen”.<br />
80
La Provincia di Bolzano, 25. Dezember 1938<br />
“[...] Nächstes Jahr wird ebenfalls in der Industriezone eine große Schuhfabrik mit ihr angeschlossener Gerberei entstehen.”<br />
La Provincia di Bolzano, 28. Februar 1939<br />
“Innerhalb des neuen Jahres soll die Anzahl der Betriebe auf 31 ansteigen. [...] Bis Jahresende können in der Industriezone 5000 Arbeiter beschäftigt werden<br />
[...].”<br />
La Provincia di Bolzano, 26. August 1939<br />
“Nächstes Jahr wird das Lancia-Werk zum Bau von Lastautos vollendet. [...] Die Arbeiterschaft wird sich verdreifachen [...] und auf 2000 ansteigen”.<br />
Während des Weltkriegs wurde das Lancia-<br />
Werk neben vielen anderen Betrieben der Industriezone<br />
für “geschützt” erklärt, da ihre<br />
Produktion als kriegswichtig galt, sodass sich<br />
die Anzahl der Beschäftigten erheblich erhöhte.<br />
Die gesamte LKW-Produktion des Lancia-Mutterwerks<br />
in Turin wurde nach Bozen<br />
verlegt, und Hunderte von hierher versetzten<br />
Arbeitern fanden in den Baracken des<br />
Villaggio Lancia Unterkunft, das auf firmeneigenen<br />
Grundstücken zwischen der Bahnlinie<br />
und der Fabrik Viberti angelegt worden<br />
war. Dieses Villaggio, das den Turiner Arbeitern<br />
als provisorische Unterkunft hätte dienen<br />
sollen, blieb bis 1959 bestehen und wurde<br />
von Bozner Arbeiterfamilien bewohnt, die<br />
wegen des Wohnungsmangels in der Nachkriegszeit<br />
keine angemessene Unterkunft finden<br />
konnten.<br />
Auch auf dem Gelände der Magnesio entstand<br />
südwestlich der Fabrik eine Barackensiedlung<br />
für die Arbeiter.<br />
In diesem Zusammenhang darf die Tätigkeit<br />
des Magnesio-Direktors Manlio Longon<br />
nicht vergessen werden. Er stellte viele Personen<br />
als für die Produktion unentbehrliche<br />
Arbeiter an und rettete sie auf diese Weise<br />
vor der Deportation nach Deutschland oder<br />
vor der Einberufung. Manlio Longon, der dem<br />
örtlichen Nationalen Befreiungskomitee CNL<br />
vorstand, wurde Ende 1944 verhaftet und im<br />
Sitz des Armeekorps Bozen hingerichtet.<br />
Nach dem Krieg wird die Industriezone in<br />
den italienischen Produktionszyklus und den<br />
eben entstanden europäischen Markt einbezogen,<br />
sodass seine weitere Entwicklung von<br />
den gleichen Krisen- und Wachstumszeiten<br />
gezeichnet ist, wie sie die entsprechenden<br />
Märkte erlebt haben.<br />
Im Jahr 1946 beläuft sich die Gesamtzahl<br />
der in der Industriezone Beschäftigten auf<br />
109. Villaggio Lancia in Bozen, 40er Jahre.<br />
5000 Personen, 1956 auf 600 und 1970 auf<br />
8000.<br />
Es sind dies die Jahre des Wiederaufbaus<br />
und des Wirtschaftsbooms. Italien braucht<br />
Metall, um sich mit Infrastrukturen auszustatten.<br />
Ein Teil der Produktion der Industriezone<br />
geht nach Deutschland, das zum Beispiel<br />
mehr als 75% des in Bozen erzeugten Magnesiums<br />
importiert.<br />
In den Jahren 1960-1961 werden mehrere<br />
der “historischen” Werke - die Ceda, das<br />
Calzaturificio Rossi, die Viberti - von der Wirtschaftskrise<br />
zum Schließen gezwungen, während<br />
die Lancia einen Teil der Belegschaft<br />
entlassen muss.<br />
In den Sechziger- und Siebzigerjahren tritt<br />
unter den Industriebetrieben ein gewisser<br />
Wandel ein, als sich hier in der Industriezone<br />
auch kleine einheimische Betriebe niederlassen.<br />
Die Großindustrie erlebt in den Siebziger-<br />
und Achtzigerjahren eine neue Krise 16 .<br />
Von den fünf Werken, die in der Vergangenheit<br />
den Kern der Bozner Industrie bildeten,<br />
haben sich bis heute nur zwei erhalten:<br />
Die Feltrinelli hat in den Sechzigerjahren ihre<br />
Pforten geschlossen, die Magnesio hat 1999<br />
81
endgültig ihre Produktion eingestellt, und die<br />
Alluminia hat ihren Besitzer gewechselt und<br />
ihre Produktion geändert, während die ursprüngliche<br />
Fabrik nur noch ein Beispiel für<br />
Industriearchitektur darstellt. In Betrieb sind<br />
bis heute noch die Acciaierie, die seit nunmehr<br />
einem Jahr im Mittelpunkt eines Streits<br />
hinsichtlich des bei der Verarbeitung entstehenden<br />
umweltverschmutzenden Staubs stehen,<br />
und die Lancia, die in den Achtzigerjahren<br />
zur Iveco geworden ist und jetzt - angesichts<br />
der schweren Krise der FIAT-Gruppe -<br />
von der Oto-Melara übernommen werden<br />
könnte.<br />
110. Villaggio Lancia in Bozen, 40er Jahre.<br />
Anmerkung<br />
kungen<br />
1<br />
Die Angaben sind den Daten über die Industrialisierung<br />
in Bozen entnommen, die im Rahmen des Projekts<br />
Historische Stätten des Stadtarchivs, Amt für<br />
Kulturgüter - Assessorat für Kultur der Stadt Bozen<br />
zusammengestellt worden sind. Die detaillierten<br />
Datenblätter der einzelnen Betriebe können beim<br />
Stadtarchiv Bozen eingesehen werden.<br />
2<br />
HANDELS- & GEWERBE-KAMMER <strong>IN</strong> <strong>BOZEN</strong>, Statistischer Bericht<br />
1862, S. 49.<br />
3<br />
PANTOZZI, G., Le istituzioni storiche dell’assistenza<br />
bolzanina, Bolzano 2001, S. 14.<br />
4<br />
ibd., S. 16.<br />
5<br />
HANDELS- & GEWERBE-KAMMER <strong>IN</strong> <strong>BOZEN</strong>, Statistischer Bericht<br />
1880, S. 177.<br />
6<br />
HARTUNGEN, C. H. VON, Aus feinstem Tuche… Die Entstehung<br />
der Südtiroler Textilindustrie, in: MITTERER, V.<br />
(Hrsg.), Zeitzeichen der Technik. Technische Kulturgüter<br />
in Südtirol. La Parabola meccanica. Beni tecnici<br />
culturali in Alto Adige, Bozen-Bolzano 1993, S. 26.<br />
7<br />
100 anni di Cotonificio di Bolzano, in: “Bollettino<br />
Ufficiale e notiziario economico della camera di<br />
Commercio, Industria e Agricoltura Bolzano”, 1948,<br />
Nr. 10, S. 9-10.<br />
8<br />
ibd., S.10.<br />
9<br />
La seta in Italia dal Medioevo al ‘600, Venezia<br />
2001.<br />
10<br />
100 anni di Cotonificio di Bolzano, op. cit., p. 10.<br />
11<br />
ibd., S. 11.<br />
12<br />
ibd., S.12.<br />
13<br />
ibd., S.12.<br />
14<br />
PETRI, R., Storia di Bolzano, Padova, 1989, S. 67.<br />
15<br />
PRAXMARER, R. K., Richtungswechsel, in: MITTERER, V.<br />
(Hrsg.), Zeitzeichen der Technik. Technische Kulturgüter<br />
in Südtirol. La Parabola meccanica. Beni tecnici<br />
culturali in Alto Adige, Bozen-Bolzano 1993, S.158.<br />
16<br />
PETRI, La frontiera industriale. Territorio, grande<br />
industria e leggi speciali prima della cassa per il<br />
mezzogiorno, Milano 1990.<br />
82<br />
Zum Nachlesen<br />
AMONN, A., Die geschichtliche Entwicklung der Industrie<br />
in Südtirol, Doktorarbeit, Wien 1996 (auf Italienisch)<br />
BAGH<strong>IN</strong>, G., L’industria elettrica in Südtirol – Alto Adige,<br />
dalle origini alla seconda guerra mondiale, Doktorarbeit,<br />
Venezia 1992-93.<br />
FABBRICA DEL TEMPO (LA) (Hrsg.), Uomini e macchine:<br />
Lancia e Viberti Bolzano: due stabilimenti, una storia.<br />
Lancia und Viberti: zwei Betriebe, eine Geschichte;<br />
Publikation anlässlich der gleichnamigen Ausstellung<br />
in Bozen, Centro Trevi, 13. Oktober - 4. November<br />
2001, Bozen-Bolzano 2001.<br />
HOENIGER, K. T., L’economia industriale della regione<br />
Trentino-Alto Adige, in: TOSCHI, U. (Hrsg.), L’economia<br />
industriale della Regione Trentino Alto Adige, Trento<br />
1956 - Ursprung und Entwicklung der Industrie im<br />
Tiroler Etschland bis 1918, Trento 1956.<br />
FIORENT<strong>IN</strong>O, W., Industrie e industriali in Alto Adige,<br />
Bolzano 1996.<br />
MITTERER, V. (Hrsg.), Zeitzeichen der Technik. Technische<br />
Kulturgüter in Südtirol. La Parabola meccanica. Beni<br />
tecnici culturali in Alto Adige, Bozen-Bolzano 1993.<br />
OBERKOFLER, G., Die Tiroler Arbeiterbewegung. Von den<br />
Anfängen bis zum 2. Weltkrieg, Wien 1979.<br />
PETRI, R., Storia di Bolzano, Padova 1989.<br />
PRAXMARER, R. K., Richtungswechsel, in: MITTERER, V.<br />
(Hrsg.), Zeitzeichen der Technik. Technische Kulturgüter<br />
in Südtirol. La Parabola meccanica. Beni tecnici<br />
culturali in Alto Adige, Bozen-Bolzano 1993.<br />
SEEBACHER, K., Industrie und Industrielle in Südtirol:<br />
Werden, Wachsen und Wandel eines wichtigen Wirtschaftszweiges;<br />
zur 50. Wiederkehr der Neugründung<br />
der Bozner SCEIB-IVG Industrieverl.-Genossenschaft,<br />
Bozen 1996.<br />
VIS<strong>IN</strong>T<strong>IN</strong>, M., L’industrializzazione in Alto Adige tra<br />
le due guerre mondiali, Doktorarbeit, Bologna<br />
1983-84.<br />
ZENDRON, A. / ROMEO, C., Una scuola per l’industria:<br />
l’evoluzione dell’insegnamento tecnico a Bolzano<br />
nelle immagini della mostra sul cinquantennio dell’ITI<br />
e venticinquennale dell’IPIA, Bolzano 1991.<br />
Woc<br />
ochensc<br />
henschau hau Luce<br />
- 23.12.1936 (Einweihung der Industriezone)<br />
- 15.6.1938 (Einweihung Masonite Feltrinelli)