enervision - Stadtwerke Bielefeld

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enervision - Stadtwerke Bielefeld

Ausgabe 1 | 2013

enervision

Informationen für Geschäftskunden der Stadtwerke Bielefeld

Nautic-Plast Werft: Partner der Stadtwerke

in der gesamten Unternehmensgeschichte

forum S. 3

Wie der Staatsanteil im Strompreis

immer deutlicher steigt

spezial S. 6–7

Das Ende der Kohleverstromung

in Bielefeld

news S. 8

Handwerk, Hotel, Handel: Neue

Rahmenverträge unterschrieben


enervision | editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

das Ende der Kohleverstromung in Bielefeld war für uns Stadtwerker auch ein emotionaler

Akt – vor allem für die Mitarbeiter, sei es an den Kohlekränen, dem Kohlebunker

oder der Rauchgasreinigung. Ihnen allen gebührt unser herzlicher Dank für

viele Jahre exzellente Arbeit. Sie haben ein Stück Industriegeschichte Bielefelds mitgeschrieben.

Die Stadtwerke Bielefeld werden jetzt die Strom- und Fernwärmeerzeugung

ressourcenschonender denn je ausbauen und gleichzeitig die Versorgungssicherheit

auf hohem Niveau halten. Unser Ziel ist der Klimaschutz und das

heißt: Einsparen von CO 2 durch größtmögliche Nutzung von regenerativen Energien.

Dies ist auch die Prämisse der Unternehmen, die ein Energiemanagementsys -

tem für ihre Produktion eingeführt haben. Die Stadtwerke Bielefeld unterstützt sie

dabei nach Kräften. Wir werden in der nächsten Ausgabe ausführlich berichten.

Wolfgang Brinkmann

Geschäftsführer

Friedhelm Rieke

Geschäftsführer

e-World 13 wirft ihre Schatten voraus

Ihr Kontakt

Die E-world energy & water in Essen gilt als

die zentrale Networking-Plattform für die

europäische Energiebranche und wird auch

vom 5.–7. Februar 2013 wieder zum Branchentreffpunkt.

Mitten drin: die Stadtwerke

Bielefeld, die sich auf ihrem Stand

als den Zukunftsthemen der Energiewirtschaft

zugewandtes Unternehmen repräsentieren

werden. Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter aus den Bereichen Strom/Gas-

Vertrieb, Energiewirtschaft, Energie-Dienstleis

tungen und Marketing präsentieren

und referieren das Leistungsportfolio der

Stadtwerke bei den Themen Elektro-Mobilität,

Ökostrom, sichere Nah- und Fernwärmeversorgung,

Kraft-Wärme-Kopplung,

Börsenpreis-Produkte, Contracting-Modelle,

Nutzung von Windkraftanlagen

und vieles mehr. Thomas Monkenbusch,

Leiter Key Account Management: »Die

E-world ist eine ideale Plattform, Kontakte

zu vertiefen und auch neue zu knüpfen.

Wir laden unsere Kunden herzlich ein, uns

auf der Messe zu besuchen. Es lohnt sich!«

Frank Christian

Vertrieb Geschäftskunden

Tel. (05 21) 51-78 82

frank.christian@stadtwerke-bielefeld.de

Thomas Monkenbusch

Key-Account-Management

Tel. (05 21) 51-43 99

thomas.monkenbusch@stadtwerke-bielefeld.de

Olaf Strothmann

Geschäftskunden-Management

Tel. (05 21) 51-74 30

olaf.strothmann@stadtwerke-bielefeld.de

Joachim Krause

Gewerbekunden-Vertrieb

Tel. (05 21) 51-44 01

joachim.krause@stadtwerke-bielefeld.de

Christian Kracht

Marketing und Energiedienstleistungen

Tel. (05 21) 51-78 83

christian.kracht@stadtwerke-bielefeld.de

Impressum

Herausgeber Stadtwerke Bielefeld GmbH

Verantwortlich Volker Gervers

Realisation Medienfabrik Gütersloh GmbH,

Gütersloh

Redaktion Heiner Wichelmann

Layout Frank Wellenbrink

Fotos Achim Rosenthal (Titel, S. 6–7, S. 8), Veit

Mette (S. 2), Kai-Uwe Oesterhelweg (S. 2), Corbis

(S. 4–5)

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forum | enervision

Energieversorger müssen die Zusatzkosten weiterleiten

Staatsanteil im Strompreis steigt deutlich

Die Übertragungsnetzbetreiber haben die ab 2013 fälligen Kosten für die Förderung

der erneuerbaren Energien, Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) sowie die

Umlage für die Netzentgeltentlastung gemäß Paragraf 19 der Stromnetzentgeltverordnung

vorgelegt. Diese drei Kostenblöcke, die der Stromkunde über

seinen Strompreis bezahlt, steigen deutlich an. Zusätzlich stellt ab 2013 die

Umlage für die Haftung beim Netzanschluss von Offshore-Windenergieanlagen

eine neue Belastung dar.

Die staatlichen Lasten betragen im Jahr Kostenblock Kraft-Wärme-Kopplung

2013 8,032 Cent/kWh für Stromkunden

mit einem Jahresverbrauch von weniger Auch der relativ kleine Aufschlag auf den

als 100.000 kWh. Dies ist ein Anstieg um Strompreis zur Förderung der Kraft-Wärme-

2,237 Cent/kWh oder rund 28 Prozent. Kopplung steigt. 2013 müssen die Stromkunden

mit einer Stromabnahme von

Energieversorger müssen diese Entwicklung

in ihre Preise einfließen lassen und weniger als 100.000 kWh im Jahr 0,126

die Zusatzkosten weiterleiten, ohne diese Cent/kWh dafür zahlen. Für Stromabnehmer

mit größeren Abnahmemengen bleibt

Kosten beeinflussen zu können.

die Umlage bei 0,050 Cent/kWh. Die KWK-

Kostenblock Erneuerbare Energien Umlage für das Jahr 2013 enthält eine Nachzahlung

für das Jahr 2011. Hinzu kommen

Den größten Kostenblock verursacht weiterhin

die Umlage zur Förderung der erjahr

2012 beschlossene KWK-Gesetzesno-

höhere Vergütungssätze durch die im Frühneuerbaren

Energien. Sie ist für das Jahr velle. Sie ließ die Fördersätze für neue und

2013 seit Oktober bekannt und beträgt modernisierte KWK-Anlagen um 0,3 C/kWh

5,277 Cent/kWh. Damit liegt sie um 1,685 steigen.

Cent über dem Wert aus dem Jahr 2012.

Für Anlagen, die am Emissionshandel

Inzwischen liegt auch die Prognose der teilnehmen und ab dem 1. Januar 2013 in Betrieb

gehen, erhöht sich der Zuschlag noch

Übertragungsnetzbetreiber für das Jahr

2014 vor. Sie gehen davon aus, dass sich deutlicher um 0,6 Cent/kWh. Zudem wurde

die EEG-Umlage dann in einem Korridor eine zusätzliche, mittlere Anlagenklasse von

zwischen 4,89 und 5,74 Cent/kWh bewegt. 50 bis 250 kW eingeführt.

Kostenblock Netzentgeltentlastung

Der Paragraf 19 der StromNEV befreit energieintensive

Unternehmen mit einem Jahresverbrauch

über zehn GWh und jährlich

mindestens 7.000 Benutzungsstunden von

den Netzentgelten, die übrigen Verbraucher

tragen diese Befreiung mit einer Umlage.

Die Umlage für die Netzentgeltentlastung

gemäß Paragraf 19 der Stromnetzentgeltverordnung

(StromNEV) gilt seit dem 1. Januar

2012. Sie steigt für alle Stromabnehmer

bis zu einem Jahresverbrauch von

100.000 kWh auf 0,329 Cent/kWh. Für darüber

hinausgehende Strommengen werden

0,05 Cent/kWh bzw. im produzierenden

Gewerbe 0,025 Cent/kWh fällig.

Abgesehen von diesen bekannten Kos -

ten übernehmen die Stromkunden ab 2013

auch einen Teil der Haftung für den verspäteten

Anschluss von Offshore-Windanlagen

an das Stromnetz. Die Umlage soll demnach

in der Verbrauchskategorie unter einer Million

kWh im Jahr 0,25 Cent/kWh betragen.

Stromabnehmer mit größeren Abnahmemengen

zahlen 0,05 Cent/kWh. Das produzierende

Gewerbe mit einem Energieverbrauch

von mehr als einer Million kWh

müsste 0,025 Cent/kWh für die Umlage

aufwenden.

Kostenblock Stromsteuer

Unverändert bleibt im Jahr 2013 die Stromsteuer.

Stromverbraucher zahlen weiterhin

2,050 Cent/kWh.

Drei Kostenblöcke, die der Stromkunde über den Strompreis zahlt

Förderung der erneuerbaren Energien

5,277 Cent/kWh

Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung

0,126 Cent/kWh

≤ 100.000 kWh /Jahr

0,050 Cent/kWh

≥ 100.000 kWh/Jahr

Umlage für die Netzentgeldentlastung

0,329 Cent/kWh

≤ 100.000 kWh/Jahr

0,025 Cent/kWh

≥ 100.000 kWh/Jahr

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enervision | spezial

Stadtwerke setzen auf erneuerbare Energien bei der Erzeugung von Strom und Wärme

Strom aus Kohle: Ende einer Ära

Eine Ära ging am 31.12.2012 zu Ende: Nach 112 Jahren stellten die Stadtwerke Bielefeld die Kohleverstromung in

Bielefeld ein. Ein letzter Zug mit Steinkohle aus Polen war am 10. Dezember entladen worden. Zwei Kohlekessel

im Heizkraftwerk am Unternehmenssitz werden stillgelegt – einer wird mit Gas weiterbetrieben. Die Energie -

erzeugung wird zukünftig flexibler und umweltfreundlicher.

Die Stadtwerke hatten bereits 2008 den

Verzicht auf den Weiterbetrieb der Kohlekessel

ab 2013 beschlossen, weil die seit

2004 gültigen neuen CO 2 -Umweltstandards

einen Neubau des Kohlekraftwerks

erfordert hätten. »Eine Kohle-Ersatzanlage

kam aus wirtschaftlichen Gründen nicht in

Frage«, so die Stadtwerke-Geschäftsführer

Wolfgang Brinkmann und Friedhelm Rieke.

»Wir haben sie schließlich durch das ›Neue

Energiekonzept‹, das wir jetzt konsequent

umsetzen, ersetzt.« Seit dem Produktionsstart

am 17. April 1900 lieferte das Kohlekraftwerk

an der Schildescher Straße in

mehreren Ausbaustufen Strom für die Beleuchtung

Bielefelder Haushalte und zum

Beispiel für die ebenfalls 1900 gestartete

Straßenbahn. Im 2. Weltkrieg wurde das

Kraftwerk durch Bombenangriffe schwer

beschädigt, aber schon im Oktober 1945

wurde der Betrieb wieder aufgenommen.

Eine neue Ära startete 1955: Das Kraftwerk

wandelt sich zum Heizkraftwerk, erstmals

versorgten die Stadtwerke Bielefelder

Haushalte neben Strom auch mit in Kraft-

Wärme-Kopplung gewonnener Fernwärme

– heute Standard für fast den gesamten

Innenstadtbereich sowie einige Bielefelder

Außenbezirke. Fernwärme ist besonders

umweltschonend, weil die Wärmeenergie

für die Raumheizung als Abfallprodukt bei

der Stromerzeugung anfällt. Der 1956 neu

erbaute 120 Meter hohe Schornstein für

die Wärmeproduktion ist bis heute prägend

für das Stadtbild. Weitere Stromkontingente

beziehen die Stadtwerke allerdings

schon seit den 60er- und den 80er-

Jahren aus Großkraftwerken an der Weser,

an denen die Stadtwerke beteiligt sind.

Mitarbeiter behalten Arbeitsplätze

Nach der Stilllegung der Kohlefeuerung –

für die betroffenen 24 Mitarbeiter wurden

Lösungen im Unternehmen gefunden –

wird in Zukunft die Wärme vorrangig aus

dem Holzkraftwerk an der Schildescher

Straße und der Biogasanlage in Nieder-

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spezial | enervision

dornberg eingespeist und so viel Wärme

wie möglich von der Müllverbrennungsanlage

abgenommen. Der verbleibende Restbedarf

wird primär im Heizkraftwerk erzeugt.

Bevorzugter Brennstoff wird Erdgas

sein. Die dezentral angeordneten Heizwerke

sollen möglichst selten genutzt

werden. «Erdgas setzt bei der Verbrennung

viel weniger CO 2 frei als Kohle. Das nützt

der Umwelt und schont die Ressourcen.

Die Fernwärme, die wir künftig aus erneuerbaren

Quellen, Abfallverbrennung und

Erdgas erzeugen, wird ab 2013 statt der

bisherigen 210 deutlich weniger als 100

Gramm CO 2 je kWh Wärme erreichen«,

sagt Dr. Ingo Kröpke, Leiter Erzeugung bei

den Stadtwerken Bielefeld. Die Erfolgsstory

wird weitergeschrieben: Das heutige

Fernwärmenetz soll bis 2020 um 70 auf

250 Kilometer erweitert werden.

Breiter Energiemix

Bei der Erzeugung von Strom und Wärme

bleiben die Stadtwerke auch dem breiten

Energiemix treu. »Etwa 80 Prozent des

Stroms, den wir an Kunden in Bielefeld und

außerhalb liefern, werden in eigenen Erzeugungs-

und Beteiligungsanlagen produziert,

bis 2020 werden davon 50 Prozent

aus erneuerbaren Quellen und Kraft-Wärme-

Kopplungsanlagen gewonnen«, sagt Rieke.

Neuestes Beispiel dafür ist der 8,5 Millionen

Euro teure Bau zweier Windkraftanlagen

in Mensinghausen im Landkreis

Nienburg. Es dürfte nicht das letzte Windkraftprojekt

für die Stadtwerke Bielefeld

sein. »Mit unserem Energiekonzept bauen

wir die erneuerbaren Energien konsequent

Wissenswertes zur Kohleverstromung in Bielefeld

■ Seit 1990 wurden an der Schildescher Straße rund 20 Milliarden Kilowattstunden

Strom aus Steinkohle erzeugt. Dazu lieferten 1.967 Güterzüge 2,75 Millionen Tonnen

Kohle an.

■ Als das Kohlekraftwerk 1900 seine Produktion aufnahm, waren zunächst 262 Häuser

an das 63 Kilometer lange Stromnetz in Bielefeld angeschlossen.

■ Für die Wanderrost-Kessel wurde eine besondere Körnung der Kohle benötigt: sie

durfte nicht zu fein und nicht zu grob sein. Die Ibbenbürener und die Ruhrgebietskohle

war genau die richtige. Da es sie nicht mehr gibt, kam sie zuletzt aus Polen.

■ Die Kohle hatte an der Stadtwerke-Stromerzeugung zuletzt einen Anteil von 30 %.

■ Abbau und Verschrottung von Kran und Förderanlagen kosten drei Millionen Euro.

aus«, so Rieke. »Bis 2020 inves tieren wir Zu den Fotos (von links):

hierfür rund 280 Millionen Euro.« Auf der 112 Jahre wurde die Kohle per Bahn angeliefert.

Habenseite stehen bereits ein Holzkraftwerk,

eine Biogasanlage und zahlreiche

Foto: Martin Brockhoff | Stadtwerke Bielefeld

Windkraft- sowie Photovoltaikanlagen. Das Kesselhaus 1900. Hier wurde Dampf für die

Der Ausbau einer dezentralen Nahwärmeversorgung

und der Einsatz von Blockheiz-

Turbinen erzeugt.

kraftwerken ist angestrebt. Gut 60 Millionen

Euro werden hierfür investiert.

(v. l.): Klaus Danwerth, Leiter Erzeugung Fern-

Verkündeten das Ende der Kohleverstromung

Die mittelfristige Abkehr von der Kohleverstromung

auch im Gemeinschafts-

und Handel; Dr. Ingo Kröpke; Wolfgang Brinkwärme;

Ulrich Gieselmann, Leiter Beschaffung

kraftwerk Veltheim macht den Weg frei für mann und Friedhelm Rieke; Manfred Helm,

eine umweltfreundiche Alternative: die Beteiligung

an einem modernen und hochef-

Foto: Stephanie Baseler | Stadtwerke Bielefeld

Koordinator Instandhaltung Maschinentechnik.

fizienten Gaskraftwerk. »Neben den erneuerbaren

Energien benötigen wir

Blick aus Richtung der Eisenbahnlinie auf die

schnell regelbare, hochflexible Kraftwerke, Werkstatt der Abteilung »Erzeugung« (1947).

die bei erhöhtem Strombedarf die Leis -

tung sofort bereitstellen können«, so

1912 ging das Drehstromwerk in den Betrieb.

Kröpke. Die Stadt- werke prüfen zurzeit Rechts ist noch ein Teil des Gleichstromwerkes

eine Beteiligung an einem größeren Gaskraftwerk

im Leis tungsbereich von zirka sich die Wagenhallen der Straßenbahn.

von 1900 zu sehen. Im Vordergrund befinden

120 Megawatt in Krefeld-Uerdingen. Investitionsvolumen:

zirka 90 Millionen Euro. Fotos: Archiv Stadtwerke Bielefeld

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also repariert und überholt werden. Auf

diese Arbeit hat sich Nautic-Plast als zweites

Standbein spezialisiert und längst sind

es nicht nur Yacht-Objekte, sondern auch

Teile aus der Industrie allgemein, die von

den Experten an der Dunlopstraße zusammengeklebt,

geschnitten, gespachtelt und

lackiert werden.

Yachtneubau stagniert branchenweit

Aktuell basiert ein Großteil des Umsatzes

von Nautic-Plast auf diesem Bereich, denn

der Yacht-Neubau ist ein stagnierendes,

wenn nicht rückläufiges Geschäft. Arno

Philipp: »Unsere Branche hat die Folgen der

Finanzkrise 2007/2008 stark zu spüren be-

enervision | porträt

Sennestädter Unternehmen, seit 37 Jahren Kunde der Stadtwerke Bielefeld, sucht einen Käufer

Yachtwerft Nautic-Plast will an Land

Seit 37 Jahren ist die Nautic-Plast-Schiffswerft in Sennestadt treuer Kunde der Stadtwerke Bielefeld – eine lange

Zeit vom ersten Tag der Produktionsaufnahme 1975 an der Dunlopstraße bis heute. Jetzt haben sich die beiden

Eigner, die Brüder Arno und Reinhard Philipp, zum Verkauf des Geschäftes entschlossen. Grund genug, diesen langen

gemeinsamen Weg mit einem Rückblick auf die Geschichte des Stadtwerkekunden zu würdigen.

Eine grüne und eine rote Boje vor dem

Haupteingang weisen den Weg zu Nautic-

Plast und spätestens, wenn Arno Philipp

(67) die Tür öffnet, liegt Bielefeld plötzlich

ganz nah am Meer: Der Mann mit dem markanten

weißen Seemansbart sieht nicht nur

aus wie ein Seemann, er ist es auch, und das

mit Leidenschaft. Arno Philipp hat Zeit seines

beruflichen Lebens das getan, wovon

andere nur träumen: Er baut Schiffe und

das schon seit 45 Jahren. Rund 2.000 Segelboote

– von der kleinen Jolle bis zur 13

Meter langen »NP 43« haben bis heute

seine Werft in Sennestadt auf Trailern verlassen.

Drei stehen noch im Ausstellungsraum,

weitere Boote sind in der Produktionshalle

aufgebockt. Sie müssen refittet,

kommen, das ist ein Fakt, mit dem auch die

ganz Großen auf dem Markt klarkommen

mussten. Der eine oder andere hat es nicht

mehr geschafft und musste seinen Betrieb

entweder verkaufen oder schließen.«

Auch bei Nautic-Plast sind die goldenen

Jahre Geschichte, aber der eigentliche

Grund zum Rückzug ist ein anderer: »Mein

Bruder und ich sind im Rentenalter und unsere

Kinder orientieren sich beruflich woanders.

Deswegen sind wir gewillt, zu verkaufen

– Boote, Werkstatt, Lizenzen und Gebäude.«

Ein Schritt, der den Unternehmern

durchaus schwer fällt, andererseits reizt

aber auch die Freiheit im Rentnerleben:

»Mit meiner Frau drei Monate auf dem Wasser

unterwegs sein – das ist so ein Traum.«

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porträt | enervision

Foto links: Das renovierte Plastik-Tretboot vom Sennestadtteich erstrahlt im neuen Glanz. Mitte: Drei Yachten sind zum Refit aufgebockt.

Rechts: Arno Philipp (l.) und Dipl.-Ing. Robert Cholodetzky, Vertrieb Stadtwerke Bielefeld.

HAI-Schiffe segeln in ganz Europa stattung eine hervorragende Alternative

gegen die Billig-Boote aus Polen, erinnert

Egal, ob im Mittelmeer, im Küstenbereich sich Philipp. Das Schiff hat innen viel Platz

des Atlantiks oder in der Nord- und Ostsee: und wir haben immer Wert auf auf Komfort

und Qualität gelegt. Damit ha ben wir

Arno Philipp wird überall seine Kinder

sehen – die HAI-Jollen und Yachten, die er uns durchgesetzt. Unsere HAI-Boote sind

seit den 60er Jahren baute. Alles begann kompakt und segeln jedes Wetter.«

mit der Jolle »HAI-470« (steht für die Län - Wir sind vom Ausstellungsraum in die

ge des Schiffs, als 4.70 Meter), und endet Produktionshalle gewechselt, wo drei

bis heute mit dem HAI-760 (inklusive zusätzlichem

Innensteuerstand) mit der ist vorbei – Zeit, die Schiffe wieder auf Vor-

Boote gerade überholt werden. Die Saison

aktuellen Typennummer 368. In Spitzenjahren

produzierte Nautic-Plast 28 Boote Seite einen langen Riss mit einem klaffendermann

zu bringen. Eine Jolle hat an der

allein vom legendären Typ 760. Diese den Loch. Was als unreparabel erscheint,

Yacht, deren Linienführung Arno Philipp in ist für Nautic-Plast kein Problem. Das Boot

einer Kneipe auf einem Bierdeckel gezeichnet

hatte, war mit ihrer gehobenen Aus-

werden mit mehreren Schichten

wird auf Position gebracht, Loch und Riss

Glasfaser-

Nautic Plast in Bielefeld

Seit 1969 bauen die Brüder Arno und Reinhard Philipp aus Bielefeld Jollen und Yachtschiffe,

seit 1975 am Standort Sennestadt. Nautic-Plast gehört zu den ganz wenigen Betrieben

in der Branche, die »durchgehalten haben« (Arno Philipp). Am Anfang stand der

(Nach-)Bau der Korsar-Jolle, die die Brüder allerdings länger und breiter zeichneten. Auf

der Bootsmesse in Friedrichshafen verkauften sie gleich vier Boote. In Spitzenzeiten produzierten

die Philipp-Brüder bis zu 60 Jollen im Jahr. Später kamen Ruderboote, dann

auch Kajütboote und schließlich die Yachten hinzu. Nautic-Plast baute bis heute über

2.000 Schiffe und beschäftigte bis zu 14 Mitarbeiter.

Verkaufsschlager Yachtmodell »HAI« mit Parallel-Schwingkiel

Bekannt wurde Nautic-Plast mit dem Typ »HAI« – ein oft gesehenes, beliebtes Yachtboot

mit wertigem Innenleben und solider Technik. Ein Highlight ist der sogenannte Parallel-

Schwingkiel für die HAIe: zwei in Schiffslängsrichtung hintereinander drehbar angeordnete

Seitenschwerter, an deren Fuß mittels zweiter Gelenke eine Ballastbombe angebracht

ist. So entsteht ein Parallelogramm, das sich z. B. zur Verminderung des Tiefgangs

problemlos in einen unterhalb des Rumpfes angebrachten Schwertkasten klappen lässt.

matten abgedeckt und gefüllt, Außen- und

Innenlaminat werden miteinander verbunden,

dann wird geschliffen und lackiert –

Bootsbau ist vor allem Handarbeit.

Attraktives Portfolio

An der Decke hängt ein Tretboot vom Sennestadtteich,

das so manchen Schlag verdauen

musste und jetzt wieder instandgesetzt

werden muss. Auch dies ein typischer

Auftrag bei Nautic-Plast, wo man es

seit geraumer Zeit bewusst ruhig angehen

lässt. Man arbeitet nur noch zu dritt und

bereitet sich auf die Verkaufsgespräche

mit Interessenten vor. Bange ist da Arno

Philipp nicht: »Wir haben absolut konkurrenzfähige

Boote mit sehr zufriedenen

Kunden, was uns nach wie vor durch viele

Zuschriften aus Segelurlauben in allen europäischen

Revieren bestätigt wird, und als

Reparaturwerkstatt sind wir eine gefragte

Adresse.«

Partner Stadtwerke Bielefeld

Und die Stadtwerke Bielefeld? Sie sind seit

dem Produktionsstart 1975 in Sennestadt

an der Dunlopstraße Energie- und Wasserlieferant

des Unternehmens. Eine Partnerschaft,

die bis heute in großer Selbstverständlichkeit

gepflegt wird. Arno Philipp

betont: »Wir freuen uns, in all den Jahren

mit unserem heimischen Energielieferanten

ein so gutes Verhältnis gehabt zu

haben. Die örtliche Nähe ist zudem ein

großer Vorteil. Auch bei den Tarifen fühlen

wir uns fair behandelt.«

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enervision | news

Unterschrieben die Verbändevereinbarungen

Strom und Erdgaslieferungen

durch die Stadtwerke

Bielefeld und Gütersloh für die

kommenden zwei Jahre (vorne v. l.):

Thomas Keitel, Hauptgeschäftsführer

DeHoGa; Friedhelm Rieke, Geschäftsführer

Stadtwerke Bielefeld,

und Jochen Willmann, Vorsitzender

des Handelsverbandes. Hinten v. l.:

Wolfgang Brinkmann, Geschäftsführer

Stadtwerke Bielefeld, Hans-

Günter Lamm, Kreishandwerksmeister,

und Ralf Kuhlmann,

Bereichsleiter Energiewirtschaft

der Stadtwerke Gütersloh.

Neue Rahmenverträge geschlossen

Die Kreishandwerkerschaften in Bielefeld und Gütersloh sowie der Handelsverband Ostwestfalen-Lippe und

der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Ostwestfalen e.V. (DeHoGa) haben die Zusammenarbeit mit den

Stadtwerken Bielefeld und Gütersloh bekräftigt und erneut Strom- und Gaslieferverträge für ihre Verbandsmitglieder

abgeschlossen. Sie erschließen für sie damit Kostensenkungs- und Rationalisierungspotenziale.

»Der Abschluss der Rahmenvereinbarung

für Strom und Erdgas bedeutet für Unternehmen

in der Kreishandwerkerschaft, im

Handelsverband und im Hotel- und Gaststättenverband

nach wie vor günstige

Strom- und Erdgaspreise. Darüber hinaus

profitieren diese Kundengruppen von unseren

guten Serviceleistungen, mit denen

wir den Betrieben Möglichkeiten an die

Hand geben, den Energieverbrauch und

damit auch Energiekosten zu optimieren«,

so Friedhelm Rieke und Wolfgang Brinkmann,

Geschäftsführer der Stadtwerke

Bielefeld, bei der Vertragsunterzeichnung.

Die Zufriedenheit der Verbandsmitglieder

mit den ausgehandelten Rahmenverträgen

lässt sich anhand der unterschriebenen

Einzelverträge ablesen. »Es wurden

über 2.000 Verträge versandt und diese

sind alle unterschrieben an die Stadtwerke

Bielefeld und Gütersloh zurückgesandt

worden«, sagt Friedhelm Rieke.

Die Stadtwerke Bielefeld und Gütersloh

liefern an die Mitglieder der Kreishandwerkerschaften

in Bielefeld und

Gütersloh sowie den Handelsverband

Ost- westfalen-Lippe und den DeHoGa

70 Millionen Kilowattstunden (kWh)

Strom und 16 Millionen kWh Erdgas. In

Bielefeld profitieren 735 Handwerksbetriebe

aus 35 Innungen und in Gütersloh

200 Handwerksbetriebe aus 18 Innungen

von dem Vertragsabschluss.

Bereits seit 1999 liefern die beiden

Stadtwerke Strom und seit 2010 Erdgas

an Handwerksbetriebe in Bielefeld und

in Gütersloh. Hiervon profitieren Installateure,

Maler oder Bäcker ebenso wie große

Textilreinigungsbetriebe. Rund 850 Mitglieder

des Handelsverbandes Ostwestfalen-Lippe

und gut 700 Mitglieder in der

DeHoGa in Bielefeld und Gütersloh beziehen

ebenfalls seit 1999 ihren Strom und

seit 2010 Erdgas von den beiden heimischen

Energieversorgern.

Stadtwerke Bielefeld GmbH

Schildescher Straße 16 | 33611 Bielefeld | Telefon (05 21) 51-90 | Telefax (05 21) 51-43 37

www.stadtwerke-bielefeld.de | info@stadtwerke-bielefeld.de

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