Reality - 45 Jahre RGB.indd - Kindergarten und Schule in Südtirol

schule.suedtirol.it

Reality - 45 Jahre RGB.indd - Kindergarten und Schule in Südtirol

1REALITY


REALITY.2010.01


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IMPRESSUM

CHEFREDAKTION: Maximilian Mair

KOORDINATION: Hans Peter Lercher

REDAKTIONSGRUPPE: Maximilian Mair, Hans Peter Lercher, Lukas Purer,

Marc Perin, Sandra Plaikner, Dominik Rainer, Arsalan Saidi, Christof Wiedemair

und Brenda Zoderer.

REALITY Die Schülerzeitung des Realgymnasiums Bruneck ist ein Sonderheft

der PZ - Pustertalerzeitung, eingetragen Trib. Bz. Nr. 23/89 vom 02.10.1989 -

Verantwortlicher Direktor: Willy Pöder

DRUCK: Tezzele Print, Lavis - Trient

LAYOUT: Thomas Christoph Mediendesign • www.tc-md.com

AUFLAGE: 500 Stück


INHALT

ZUM GELEIT - Direktorin Martina Adami ... Seite 8

INTRO - Chefredakteur Maximilian Mair ... Seite 9

NACHGEFRAGT:

STEFAN GALLER ... Seite 10

CHRISTIAN FERDIGG ... Seite 11

ANNIE BRUNNER ... Seite 12

CATERINE LEITNER ... Seite 13

INGRID ROFNER ... Seite 13

STEFAN HITTHALER ... Seite 14

WOLFGANG NIEDERHOFER ... Seite 15

ANTON HUBER ... Seite 16

ALEX MITTERHOFER ... Seite 18

RAINER OBERHOLLENZER ... Seite 19

CHRISTIANE GASPERI ... Seite 20

MEINHARD FEICHTER ... Seite 21

SYLVIA FORER ... Seite 21

STEFANO RECCHIA ... Seite 22

ERNST STIFTER ... Seite 24

VALENTIN PIFFRADER ... Seite 24

MICHAEL OBERHUBER ... Seite 25

IM INTERVIEW:

ANDREAS ROGGER ... Seite 26

7

GABI BACHMANN ... Seite 28

GERT CREPAZ ... Seite 29

LENI DORNER ... Seite 30

SONJA HARTNER ... Seite 31

SUSANNE HUBER ... Seite 32

ANITA LADSTÄTTER ... Seite 32

ALBERT KOFLER ... Seite 33

ZILLI MOSER ... Seite 34

ALFRED NIEDERHOFER ... Seite 35

SCHEIN UND WIRKLICHKEIT ... Seite 36

DIE ARBEIT HINTER DEN KULISSEN ... Seite 38

NICHT NUR EXPERIMENTE MIT AHA!-EFFEKT ... Seite 39

WENN SCHULE MAL SO RICHTIG SPASS MACHT ... Seite 40

DER LICHTGESCHWINDIGKEIT AUF DER SPUR ... Seite 42

TOP DOGS ... Seite 45


Direktorin

MARTINA ADAMI

ZUM GELEIT

8

Als Direktorin, die das Realgymnasium

Bruneck erst vor wenigen

Monaten übernommen hat, bin ich

in dieses Feierjahr „geschlittert“.

40 Jahre alt – ein halbes Menschenleben

– ist das Realgymnasium

Bruneck geworden. Es war

für mich als neu Hinzugekommene

überaus spannend, in den Archiven

der Schule Vergangenes zu

entdecken, Spannendes auszuwählen,

Personen wieder zu erkennen,

die ich aus ganz anderen Zusammenhängen

kannte. Außerdem

wurde ich auf die zahlreichen Initiativen

und Projekte aufmerksam,

die das Realgymnasium Bruneck

in den vierzig Jahren seiner Lebenszeit

geplant und umgesetzt

hat, meist etwas stiller und weniger

spektakulär in der Öffentlichkeitsarbeit

als so manch andere

Schule, aber darum nicht weniger

wichtig und entwicklungsträchtig.

Ich erlebe tagtäglich unsere Schülerinnen

und Schüler, die hin und

wieder zu Streichen aufgelegt sind,

welche uns Erwachsenen nicht so

ganz gefallen, Schülerinnen und

Schüler, von denen Einzelne die

Schule auch nicht immer so ernst

nehmen, wie die Lehrpersonen

es gerne hätten, denen ich aber

eines immer wieder mit großem

Lob attestieren muss: Sie zeigen

bedeutende soziale Kompetenzen

im Umgang miteinander und im

Umgang mit den Erwachsenen,

man kann mit ihnen wunderbare

Gespräche führen, unsere SchülerInnen

wissen, was sie wollen, sie

zeigen sich interessiert, kritisch

und nicht nur eindimensional denkend,

sie sind imstande, die Dinge

von verschiedenen Seiten zu

betrachten und können ihre Vorstellungen

auch sprachlich so vorbringen

und so argumentieren, wie

man es sich als Schulführungskraft

nur wünschen kann. Ich meine, damit

hat das Realgymnasium in den

letzten Jahren ganz wichtige Arbeit

geleistet, die auch im Leitbild

der Schule verankert ist und die

wir gern weiterführen werden.

Auch die SchülerInnen, die an RE-

ALity mitarbeiten, waren sofort bereit

mitzumachen, als wir darüber

sprachen, dass wir die 40-Jahr-

Festschrift nicht in der üblichen

Standardform wollten. Auch war

der Schule die tatsächliche Mitarbeit

der SchülerInnen ganz, ganz

wichtig. Ich danke den SchülerInnen

für die guten Ideen und die

großartige Arbeit, die sie geleistet

haben. Wir wollten keine Festschrift,

in der die 40 Jahre minutiös

dokumentiert sind, wir wollten

eine Festschrift, die ein möglichst

buntes Bild unserer Schule entwirft,

wohl wissend, dass wir damit

nicht alles erfassen können,

was in diesen 40 Jahren war. Die

MitarbeiterInnen von REALity haben

versucht, mit möglichst vielen

Personen Kontakt aufzunehmen

(die meisten sind per Zufallsprinzip

ausgewählt worden), die als

SchülerInnen, Lehrpersonen oder

nicht unterrichtendes Personal irgendwann

zum Realgymnasium

gehörten. Herausgekommen ist

eine Vielzahl von Eindrücken und

Meinungen, die möglicherweise in

ihrer Gesamtheit ein „Bild“ unserer

Schule entwerfen.

Am Schluss dieses Vorworts erlaube

ich mir, meiner „neuen“ alten

Schule zum Vierzigsten ganz,

ganz herzlich zu gratulieren. Wir

wollen den Vierzigsten zum Anlass

nehmen, mit Dankbarkeit zurückzuschauen

- aber nicht nur: Das

Innehalten sollte auch die Zeit und

Ruhe gewähren, die Geschicke des

Realgymnasiums Bruneck weiterzuplanen,

dort, wo es notwendig

ist, umzustrukturieren (einige Ideen

sind bereits da) und unsere

Schule in eine erfolgreiche und für

alle Beteiligten anerkennenswerte

Zukunft zu führen.

Alles, alles Gute!

Direktorin Martina Adami


Chefredakteur

MAXIMILIAN MAIR

INTRO

Was Ihr hier vor Euch liegen habt,

ist zweifellos etwas Besonderes:

Die Sonderausgabe unserer Schülerzeitung

zum 40jährigen Jubiläum

unserer Schule als „lebendigere“

Alternative zu Festschrift & Co.

soll den Blick weglenken von diversen

Episoden aus der Vergangenheit,

verstaubten Dokumenten

über Schulprojekte und Unmengen

an statistischen Daten und Zahlen

– schließlich hat jede Schule

solche Publikationen (auch wir vor

fünf Jahren). Denn was ein Gymnasium

letztlich ausmacht, sind

die Menschen – ob Lernende, Lehrende

oder auch das nicht unterrichtende

Personal, mit denen wir

über ihre Schul- und Arbeitszeit

am „Real“ gesprochen haben. Das

Ergebnis ist ein facettenreiches

Bild der Schule aus verschiedenen

Perspektiven.

REALity besteht als Schülerzeitung

seit nunmehr sechs Jahren

– die ersten Exemplare wurden im

Schuljahr 2004 verteilt und wie jedes

Schuljahr konnten auch heuer

alle interessierten Schüler Beiträge

– ob Kommentare, Essays, Reportagen

und vieles mehr – verfassen

und als Meinungsforum nutzen.

Leider hat inzwischen auch

unsere Schülerzeitung die Phase

der anfänglichen Schreib-Euphorie

bereits hinter sich und ist mehr

und mehr von der Schreib-Faulheit

betroffen, bleibt aber trotzdem ein

einzigartiges Projekt: Unterstützt

von verschiedenen Sponsoren –

allen voran die „Pustertaler Zeitung“

–, haben die Mitglieder der

Redaktion die Möglichkeit, an ihren

journalistischen, sprachlichen

und kommunikativen Fähigkeiten

zu arbeiten - und sich nicht zuletzt

über das gedruckte Ergebnis

zu freuen!

Wer sich für die journalistische

Arbeit am Realgymnasium interessiert

und gern in den Ausgaben

der letzten Jahre schmökert, der

sei auf unsere Schulhomepage

verwiesen: http://www.realgymnasium-bruneck.eu/html/reality.php

In diesem Sinne wünschen wir

dem Realgymnasium alles Gute für

die Zukunft – und den Lesern viel

Spaß und Unterhaltung bei der

Lektüre!

Chefredakteur Maximilian Mair

9


STEFAN GALLER

Foto: Luigi Caputo

10

NACHGEFRAGT

STEFAN GALLER

maturiert 1981, Studium der Biologie

und Erdwissenschaften an der

Universität Innsbruck, 1989 Dissertation

an der Universität Konstanz

im Fach Biologie, 1996 Habilitation,

seit 1997 außerordentlicher

Universitätsprofessor am Institut

für Zoologie (nach der Neuorganisation

im Fachbereich Zellbiologie)

der Universität Salzburg.

REALITY: Wie beurteilen Sie im

Rückblick die Ausbildung am Realgymnasium

Bruneck?

SG: Die Ausbildung ist „gut“ zu

nennen. Es kommt nicht nur darauf

an, dass man bestimmte Inhalte

lernt, die man dann später „im

Leben“ braucht; solche Inhalte lassen

sich relativ leicht nachlernen.

Wichtig ist, dass einem auch Freude,

Begeisterung, Eifer, Pflichtbewusstsein,

Arbeitsmoral und Disziplin

vermittelt werden; hier ist die

Phase zwischen 14 und 19 Jahren

sehr wichtig. Auch in dieser Hinsicht

hat mich das Realgymnasium

geprägt. Das Jubiläum soll natürlich

Anlass sein, den Lehrerinnen

und Lehrern für das alles zu danken.

Schließlich verlangt ihr Beruf

viel Mühe und Geduld.

REALITY: Was ist Ihnen vom Realgymnasium

in positiver Erinnerung

geblieben, was sehen sie kritisch?

SG: Mein obiger Kommentar sagt

da schon einiges aus. Vielleicht

wundert man sich, wenn ich als

Naturwissenschaftler noch hinzufüge,

dass mir das „Soziale“ und

„Weltanschauliche“ in der besten

Erinnerung ist. Es wurde keinerlei

Überheblichkeitsgefühl vermittelt,

sondern ein Gefühl der Selbstverständlichkeit,

dass jede und jeder

mit seinen jeweiligen Talenten zu

achten und zu fördern ist. Diese

wertvolle Anschauung entwickelte

sich naturgemäß insbesondere aus

dem ausgiebigen Studium der humanistischen

Fächer, die auch in

einem Realgymnasium ihren wichtigen

Platz haben müssen. Das

steht aber wahrscheinlich ohnehin

außer Frage.


NACHGEFRAGT

CHRISTIAN FERDIGG

Matura im Jahr 1996, studiert an

den Universität Verona Lettere Moderne,

lebt in St. Vigil in Enneberg

und hat sich einen Namen als

Buchautor und Leserbriefschreiber

gemacht.

REALITY: Wie beurteilen Sie im

Rückblick die Ausbildung am Realgymnasium

Bruneck?

CF: Es war eine sehr schöne, lehrreiche

& lustige Zeit.

REALITY: Was ist Ihnen vom Realgymnasium

in positiver Erinnerung

geblieben, was sehen sie kritisch?

CF: Die Gemeinschaft, die Freunde

& Professoren!

CHRISTIAN FERDIGG

11


ANNIE BRUNNER

12

NACHGEFRAGT

ANNIE BRUNNER

Studiert nach der Matura im Jahr

1988 Germanistik, Theaterwissenschaft

und italienische Philologie

in München, arbeitet in der Folge

als Bühnenbild-Assistentin und

Dramaturgie-Hospitantin an diversen

Off-Theatern in München,

war Szenenbildnerin für Film und

Fernsehen, Lektorin und Dramaturgin

bei KirchMedia für Film

und Fernsehen in München und

ist seit 2000 Filmproduzentin und

Geschäftsführerin der Roxyfilm –

ebenfalls in München.

REALITY: Wie beurteilen Sie im

Rückblick die Ausbildung am Realgymnasium

Bruneck?

AB: Meine Ausbildung am Realgymnasium

Bruneck war durch

die Kombination von geisteswissenschaftlichen

und naturwissenschaftlichen

Fächern insofern

ideal, als sie mir die Möglichkeit

gab, ein geisteswissenschaftliches

Studium zu beginnen, das mich

letztendlich zum Bereich Stoffentwicklung

geführt hat. Die naturwissenschaftlich-mathematische

Seite

bildet heute eine weitere wichtige

Säule meines Berufs als Filmproduzentin.

REALITY: Was ist Ihnen vom Realgymnasium

in positiver Erinnerung

geblieben, was sehen sie kritisch?

AB: In positiver Erinnerung ist mir

bis heute das Schulgebäude, das

sich damals noch in der Stadtgasse

befand, der Deutschunterricht

und die Klassengemeinschaft.

Als kritischen Punkt sehe ich,

dass in den letzten drei Jahren

meiner Ausbildung am Realgymnasium

durch das Hinzukommen

des Fachs Chemie die naturwissenschaftliche

Seite zu viel Gewicht

bekommen hat. Hier hätte

ich mir mehr Beschäftigung mit

den Fächern Kunst oder Medien

gewünscht; zudem bemängle ich,

dass es zu unserer Zeit keinerlei

berufsvorbereitende Orientierung

innerhalb der Schule gegeben hat.


Maturiert im Jahr 1999, dann Studium

der Musiktherapie (Musikwissenschaft,

Theaterwissenschaft,

Komparatistik, Kulturmanagement)

in Berlin und Wien; psychotherapeutisches

Propädeutikum; von

2006 bis 2008 Mitarbeiterin im

Pressebüro Theater an der Wien,

seit Herbst 2008 Leiterin des Projekts

„Jugend an der Wien“ am

Theater an der Wien.

REALITY: Wie beurteilen Sie im

Rückblick die Ausbildung am Realgymnasium

Bruneck?

CL: Meine Ausbildung am Realgymnasium

Bruneck beurteile ich rückblickend

als sehr gut. Individuelle

Betreuung (kleine Klassengröße, in

unserem Fall nur 15 SchülerInnen),

zum Großteil gutes Lehrpersonal

und ein breit gefächerter Stundenplan

bildeten die Grundlage für

eine gute Allgemeinbildung, von

der ich heute noch sehr profitiere.

Insbesondere der Geschichte-,

Philosophie-, Deutsch- und Mathematikunterricht

sind mir in positiver

Erinnerung geblieben. Der

Leistungsdruck in unserer Klasse

war relativ hoch, was ich nicht als

Nachteil empfunden habe.

REALITY: Was ist Ihnen vom Realgymnasium

in positiver Erinnerung

geblieben, was sehen sie kritisch?

CL: Positiv: Bildung auf hohem

Niveau und angenehme Schulatmosphäre.

Zu kurz kamen meiner

Meinung nach kreative und interdisziplinäre

Ansätze.

NACHGEFRAGT

CATERINE LEITNER

NACHGEFRAGT

INGRID ROFNER

Matura im Jahr 1990, Biologie-

Studium an der Universität Padua,

leitete danach mehrere Jahre lang

das Labor der Fleischfabrik Senfter

in Innichen; heute Laborleiterin

der Senni in Bruneck, die zur

Milkon gehört.

REALITY: Wie beurteilen Sie im

Rückblick die Ausbildung am Realgymnasium

Bruneck?

IR: Ich habe am Realgymnasium

Bruneck eine sehr gute Ausbildung

genossen. Das wurde mir besonders

im ersten Jahr an der Universität

klar, wo ich mit einer sehr

guten Basis das Studium beginnen

konnte.

REALITY: Was ist Ihnen vom Realgymnasium

in positiver Erinnerung

geblieben, was sehen sie kritisch?

IR: Rückblickend sehe ich den

Platzmangel kritisch. Das erste

Jahr waren wir im Michael-Pacher-

Haus untergebracht, der Raum war

aber zu klein für die große Anzahl

an Schülern. Das zweite Jahr waren

wir auf Schloss Bruneck untergebracht.

Die Räume dort waren

sehr groß. die Umgebung sehr

schön, der Schulweg aber etwas

mühsam. Ab der dritten Klasse

durften wir dann in das Hauptgebäude

in der Stadtgasse.

Positiv habe ich das gute Verhältnis

zu meinen Mitschülern in

Erinnerung, das Verständnis der

Professoren für meine sportlichen

Tätigkeiten (und manchmal eben

auch Abwesenheiten) und die gute

Ausbildung, die ich genossen habe.

13


STEFAN HITTALER

REALITY: Wie beurteilen Sie im

Rückblick die Ausbildung am Realgymnasium

Bruneck?

SH: Wir mussten als Studienanfänger

in Innsbruck eine Art Nachhilfekurs

für Südtiroler belegen

und zwar viermal in der Woche

ein Semester lang. Der Schwerpunkt

war Darstellende Geometrie

und Technisch Zeichnen. Ich kann

sagen, dass ich wesentlich besser

vorbereitet war als viele meiner

Kollegen. Die Ausbildungsrichtung

des Realgymnasiums war eine

ganz gute Vorbereitung für ein Architekturstudium,

auch wenn einige

Fächer, wie zum Beispiel Latein

und Deutsch, nahezu spurlos an

mir vorübergegangen sind.

14

NACHGEFRAGT

STEFAN HITTALER

Legt die Matura im Jahr 1985 ab,

studiert an der Universität Innsbruck

Architektur, eröffnet 1992

in Bruneck das Architekturbüro

Hitthaler, erhält 2002 den Südtiroler

Architekturpreis und ist seit

2006 Vertragsprofessor für Architektur

an der Universität Ferrara.

REALITY: Was ist Ihnen vom Realgymnasium

in positiver Erinnerung

geblieben, was sehen sie kritisch?

SH: Ich finde, dass das Fächerbündel

für mich ganz gut gepasst

hat. Soweit ich mich erinnern

kann, war meine Einschulung zugleich

der Start eines Pilotprojekts

mit mehreren neuen Fächern. Für

mich ein inhaltlicher Höhepunkt

war Technisch Zeichen und Kunstgeschichte

(was, vermute ich, eher

selten vorkommt). Mathematik und

Physik waren ganz okay. Wenn

ich meinen heutigen Literaturverschleiß

betrachte, so wundere ich

mich, wie es möglich war, dass ich

dafür in der Schule absolut nicht

zu begeistern war. Aus heutiger

Sicht hat mir die Förderung der

Motivation zum selbstständigen

Lernen und Arbeiten gefehlt. Einblicke

in Lehr- und Lernmethoden

heute stimmen mich etwas traurig

und wehmütig. Gerne hätte ich Inputs

zur Selbstständigkeit mitbekommen

und gerne würde ich die

daraus resultierenden Fähigkeiten

heute in meinem Büro öfters finden.


NACHGEFRAGT

WOLFGANG NIEDERHOFER

Matura im Jahr 1987, Studium

der Betriebswirtschaft an der Universität

Trient, Diplomarbeit über

ein Entwicklungsmodell zum öffentlichen

Personennahverkehr in

Südtirol, 1994/1995 Logistikleiter

der Firma Stuffer in Bozen, 1995

bis 2001 Oberschullehrer für Wirtschafts-

und Rechtskunde, 1996

bis 2000 Berater im Bereich des

öffentlichen Personennahverkehrs,

seit 2001 Inhaber und Geschäftsführer

des Reisebüros „Vai e Via

AktivReisen“ in Bozen.

losophie, Deutsch) mit einer fundierten

naturwissenschaftlichen

Ausbildung ist für mich die beste

Grundlage, den Herausforderungen

der heutigen Berufswelt gerecht

zu werden. Die für Südtirol

wichtigsten Sprachen Deutsch, Italienisch

und Englisch werden von

Absolventen des Realgymnasiums

ebenfalls beherrscht.

REALITY: Was ist Ihnen vom Realgymnasium

in positiver Erinnerung

geblieben, was sehen sie kritisch?

WN: Das Realgymnasium Bruneck

hat kurz vor Beginn meiner Oberschulzeit

eine Serie höchst positiver

Schulversuche umgesetzt. So

war das Realgymnasium Bruneck

das erste Realgymnasium Südtirols,

das Englisch einführte und

auch sonst wurden einige zukunfts-

REALITY: Wie beurteilen Sie im

Rückblick die Ausbildung am Realgymnasium

Bruneck?

WN: Ich würde das Realgymnasium

Bruneck sofort wieder besuchen.

Die Verbindung von allgemeinbildenden

Fächern (Geschichte, Phiweisende

Akzente gesetzt. Mein

Niveau in den Fächern Italienisch

und Englisch war nach der Matura

allerdings nicht zufriedenstellend.

Ich empfand die didaktische Ausrichtung

als nicht zeitgemäß.

Das alte Schulgebäude in der

Stadtgasse war traumhaft. Zwar

waren die Räumlichkeiten weniger

luxuriös als heute, aber die Atmosphäre

war unübertroffen. Sehr

wahrscheinlich hatten wir mit der

Stadtgasse den schönsten Pausenhof

Südtirols.

In der öffentlichen Diskussion wird

eine gediegene naturwissenschaftliche

Ausbildung häufig zugunsten

anderer Schwerpunkte vernachlässigt.

Letztlich sind die Naturwissenschaften,

eingebettet in ein

humanistisches Weltbild, die beste

(aber nicht immer ausreichende)

Grundlage für mündige BürgerInnen

und einen menschen- und

umweltverträglichen Fortschritt.

15

WOLFGANG NIEDERHOFER


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NACHGEFRAGT

ANTON HUBER


Matura im Jahr 1986, 20 Monate

Zivildienst, Besuch der theologischen

Kurse in Brixen, Studium

der Psychologie an der Universität

Innsbruck, Ausbildung zum systemischen

Familientherapeuten und

Notfallpsychologen, seit 1999 im

Sanitätsbezirk Bruneck als Psychologe

tätig, seit 2000 Koordinator

des Psychologisches Dienstes am

Krankenhaus Bruneck.

REALITY: Wie beurteilen Sie im

Rückblick die Ausbildung am Realgymnasium

Bruneck?

AH: Rückblickend würde ich sagen,

dass mir die Basis für eine sehr

gute Allgemeinbildung gegeben

wurde. Besonders wichtig finde

ich dabei die Inhalte in Deutsch

(Literatur), Geschichte, Philosophie

und Biologie und mancher Impuls

in der Religionsstunde. Wir waren

damals die erste Klasse mit Englischunterricht,

heute ein absolutes

Muss zum Beispiel auf internationalen

Kongressen oder bei Literaturrecherchen.

Generell wichtiger

als die Ansammlung von Faktenwissen

schätze ich die Fähigkeit,

in Zusammenhängen zu denken; in

einigen Fächern hatte man wirklich

die Möglichkeit, dies zu lernen.

REALITY: Was ist Ihnen vom Realgymnasium

in positiver Erinnerung

geblieben, was sehen sie kritisch?

AH: In positiver Erinnerung geblieben

sind mir ganz konkret einige

Lehrpersonen, welche es verstanden,

in ihrer originellen, manchmal

auch etwas kauzigen Art wertvolle

Impulse zu geben: der mittlerweile

verstorbene Hubert Hopfgartner

hat mir die Tür zur klassischen

Musik geöffnet, indem er

eine Oper besprochen hat oder

uns vorab seine Radiokommentare

zu den verschiedensten Bachkantaten

vorlas. Raimund Grießmairs

Stimme beim Vorlesen der „Feuerzangenbowle“

höre ich heute

noch in mir, so pointiert trug er

vor. Leni Dorner hat sich mit Herz

für uns Schüler eingesetzt und

auch einmal nachgefragt, wie es

uns geht; dasselbe gilt für Gert

Crepaz. Pepi Demetz hat über

manche Kunstwerke so pointierte

Sprüche geklopft, dass sie noch

heute meinen Zugang zur Kunst

prägen. Josef Holzer hat uns ganz

schön „gezwiefelt“, aber durch ihn

habe ich verstanden, wie wichtig

und hilfreich die Philosophie als

Dachwissenschaft für viele andere

Disziplinen ist. Das hätte er aber

auch mit etwas weniger Prüfungsterror

erreicht. Die Religionsstunde

bei Otto Ellecosta war immer

für eine heiße Diskussion gut. Die

Schuldiener waren meistens recht

nett und ihnen konnte man auch

einmal ein Leid klagen (wenn man

vor die Tür geschickt wurde).

Kritisch sehe ich im Nachhinein,

dass viel zu wenig „pädagogisch“

gearbeitet wurde. Oft war es reine

Lernstoff-Sammlerei, ohne dass einem

vermittelt wurde, warum und

wozu die Themen im Leben wichtig

sind. Dem Umstand, dass Schüler

in diesem Alter viele Themen ihrer

Persönlichkeit und in ihrer Lebenswelt

zu entwickeln haben und

dazu viel Energie und oft auch Hilfe

brauchen, um ihre Selbst- und

Sozialkompetenz zu stärken, wurde

so gut wie gar nicht Rechnung getragen.

So gab es so gut wie keine

Reaktionen auf den Suizid eines

Mitschülers oder eines Schulwarts.

Von einer Lehrperson wurden wir

wortgewaltig beschimpft (assassini,

stupidi, maleducati... aber auch

so lernt man Italienisch). Musische

und kreative Elemente kamen so

gut wie gar nicht vor. Die Pausenkultur

im Wechsel mit Lernzeiten

war katastrophal (und ist

sie wohl auch heute noch) und

entspricht nicht dem Biorhythmus

junger Menschen. Weiter wurden

wir nicht darin unterstützt, unsere

Lerntechniken zu hinterfragen und

effizienter zu gestalten; da hätte

man sich manchen Fünfer und viel

vergebene Mühe erspart. Unser

Maturaball war damals schon so

schlimm wie die Bälle heute.

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ALEX MITTERHOFER

NACHGEFRAGT

ALEX MITTERHOFER

18

Matura im Jahr 1984, Medizinstudium

in Innsbruck, Facharztausbildung

im Sonderfach Physikalische

Medizin und Rehabilitation in Wien

und im Sonderfach Sportmedizin

in Verona; seit 2002 Leiter der

Abteilung Sportmedizin am Krankenhaus

Bruneck.

REALITY: Wie beurteilen Sie im

Rückblick die Ausbildung am Realgymnasium

Bruneck?

AM: Trotz der - gemessen an

heutigen Verhältnissen - geringen

Anzahl an Unterrichtsstunden

glaube ich doch, eine umfangreiche

Allgemeinbildung genossen

zu haben. Die wissenschaftliche

Basis war für meinen wissenschaftlich

orientierten Werdegang

völlig ausreichend und jetzt erst

erkenne ich auch den Wert der

humanistischen Bildung, die man

während der Schulzeit oft nicht

geschätzt hat. Ich glaube, dass

die Entwicklung zu zunehmend

fachspezifischen Oberschulen

nicht gut ist, weil die Auseinandersetzung

mit Kultur und Wertesystemen

vor allem in jungen

Jahren persönlichkeitsprägend

wirkt. Fachwissen kann jedoch zu

jeder Zeit erlernt werden. Ich sehe

da zum Beispiel oft große Lücken

bei Bekannten, die zu meiner Zeit

die Handelsschule besucht haben,

eine der Schulen, in denen bereits

damals die berufsbezogene

Ausbildung im Vordergrund stand.

REALITY: Was ist Ihnen vom Realgymnasium

in positiver Erinnerung

geblieben, was sehen sie kritisch?

AM: An positiven Erinnerungen

gehen mir folgende Bilder durch

den Kopf: Die amüsanten Lesestunden

mit Prof. Raimund Grießmair

(Memoiren eines mittelmäßigen

Schülers...); die ketzerischen

Betrachtungen zu Geschichte und

Philosophie von Prof. Josef Holzer,

die militärisch organisierten

Turnstunden bei Prof. Gert Crepaz,

die oft ziemlich unkonventionell

gestalteten Kunstgeschichtestunden

bei Prof. Pepi Demetz

und die väterliche Art von Direktor

Josef Eppacher...

Positiv war meines Erachtens

auch die im Vergleich mit anderen

Schulen großzügig bemessene

Freizeit, die es erlaubte, neben

dem Unterricht noch vielen

privaten Interessen nachzugehen

(Sport, Angeln, Jagd...). Das hatte

rückblickend äußerst positive

Effekte auf die Entwicklung der

Persönlichkeit eines jungen Menschen.

Heute erlebe ich, dass

Oberschüler den ganzen Tag

schulisch eingespannt sind und

keine Zeit für nichts mehr haben.

Kritisch sehe ich die Tatsache,

dass der Englischunterricht erst

ein Jahr nach meiner Matura eingeführt

wurde. Ich habe mir die

Sprache zwar autodidaktisch angeeignet,

aber mir fehlt immer

noch die grammatikalische Basis.

Zum Glück ist Englisch im heutigen

Unterricht Standard.

Kritisch sehe ich weiter den Umstand,

dass der Italienischunterricht

nicht ausgereicht hat, auf

Anhieb die Zweisprachigkeitsprüfung

zu bestehen. Damals wurde

leider auch der Kontakt zur

Berufswelt etwas wenig gepflegt

- externe Referenten waren eine

Seltenheit; Betriebsbesichtigungen

gab es überhaupt nicht. Ich bin

jetzt häufig in Schulen zu Gast,

um aus meinem Berufsleben zu

erzählen, und ich stoße dabei

immer auf ein sehr interessiertes

Publikum. Die heutigen Schüler

verstehen sehr wohl, wofür der

oft trockene Unterrichtsstoff im

Leben gut sein kann.


RAINER OBERHOLLENZER MIT FAMILIE

NACHGEFRAGT

RAINER OBERHOLLENZER

Matura 1983, 1983 bis 1989 Medizinstudium

an der Universität

Innsbruck, 1989 bis 1993 Facharztausbildung

in Kardiologie an

der Universitätsklinik in Padua,

seit 1993 im Krankenhaus Bozen,

Abteilung Kardiologie, als Facharzt

tätig mit dem Schwerpunkt interventionelle

Kardiologie, seit 2003

Vize-Primar der Abteilung Kardiologie.

REALITY: Wie beurteilen Sie im

Rückblick die Ausbildung am Realgymnasium

Bruneck?

RO: Die Ausbildung am Realgymnasium

beurteile ich im Rückblick

positiv, im dem Sinne, dass ich

auf meinem weiteren Ausbildungsweg

niemals den Eindruck hatte,

gegenüber Abgängern anderer

Oberschulen im In-und Ausland irgendwie

im Nachteil zu sein.

19

REALITY: Was ist Ihnen vom Realgymnasium

in positiver Erinnerung

geblieben, was sehen sie kritisch?

RO: In guter Erinnerung habe ich

das für mein Empfinden richtige

Verhältnis zwischen Disziplin und

Freiräumen im Schulalltag sowie

die Möglichkeit der Nutzung der

Stadtgasse als Pausenhof. Andererseits

erschienen mir die Räumlichkeiten

im Schulgebäude teilweise

etwas beengt.


CHRISTIANE GASPERI

20

NACHGEFRAGT

CHRISTIANE GASPERI

Maturiert im Jahr 2007 – und zwar

mit 100 von 100 Punkten und

„cum laude“; studiert seitdem Medizin

an der Ludwig-Maximilians-

Universität München.

REALITY: Wie beurteilen Sie im

Rückblick die Ausbildung am Realgymnasium

Bruneck?

CG: Ich habe im Laufe meines

bisherigen Studiums den Eindruck

gewonnen, im Realgymnasium

eine gute Ausbildung genossen

zu haben. Vor allem in den

wissenschaftlich-mathematischen

Fächern ist der Stoffumfang, der

im Realgymnasium behandelt wird,

bemerkenswert. Dies ist mir vor allem

im Vergleich mit den Vorkenntnissen

einiger meiner Mitstudenten

bewusst geworden. Im Realgymnasium

wird aber auch großer Wert

auf Fremdsprachen und geisteswissenschaftliche

Bildung gelegt.

Projekte wie die Schülerzeitung

REALity oder eine klassenübergreifende

Schreibwerkstatt haben meine

Kreativität und mein Interesse

an den Sprachen gefördert. Was

ich allerdings etwas schade finde,

ist, dass das Fach Wirtschaft und

Recht nur in den ersten beiden

Schuljahren unterrichtet wird. In

diesem Fach böte sich nämlich die

Möglichkeit, sich mit den aktuellen

wirtschaftlich-rechtlichen sowie politischen

Geschehnissen zu befassen

- Themen, die im Unterricht

leider zu kurz gekommen sind. Ich

habe mich nach dem Abschluss

der Mittelschule dazu entschlossen,

das Realgymnasium zu besuchen,

weil ich mir erhofft habe,

dort eine gute Allgemeinbildung zu

erhalten. Ich würde dieselbe Entscheidung

wieder treffen.

REALITY: Was ist Ihnen vom Realgymnasium

in positiver Erinnerung

geblieben, was sehen sie kritisch?

CG: An die fünf Jahre, die ich

im Realgymnasium verbracht habe,

habe ich beinahe nur positive Erinnerungen.

Abgesehen von den

Freundschaften, die ich geknüpft

habe, ist mir vor allem die gute

Schulgemeinschaft in Erinnerung

geblieben. Durch klassenübergreifende

Projekte wie die sogenannten

Projekttage, die gemeinsamen

Ausflüge mit anderen Klassen und

die von Professor Wiedemair organisierte

Projektreise in die Türkei

hatte ich viele Gelegenheiten, mich

mit Schülern aus anderen Jahrgängen

anzufreunden. Ebenfalls

erwähnen möchte ich das umfangreiche

Sportangebot, das den

Schülern des Realgymnasiums vor

allem von Professor Gert Crepaz

angeboten wird. Die Möglichkeit,

jeden Nachmittag kostenlos an

verschiedenen Sportkursen teilnehmen

zu können, wird nicht vielerorts

geboten.


Maturiert im Sommer 1976, studiert

in der Folge Musik am Konservatorium

in Bozen (Violoncello)

und besucht die Fachschule des

Deutschen Buchhandels in Frankfurt;

heute ist er Geschäftsführer

der Athesia-Buchhandlung in Bruneck.

REALITY: Wie beurteilen Sie im

Rückblick die Ausbildung am Realgymnasium

Bruneck?

MF: Die damaligen Möglichkeiten

der Schule im Aufbau waren nach

heutigen Maßstäben sicher gering;

mitbekommen und mitgenommen

habe ich aber ein solides allgemeinbildendes

Wissen, das mir

zum Teil hervorragende Lehrkräfte

nachhaltig vermitteln konnten.

Dazu zählt ganz besonders die

weite und tiefe Welt der Literatur.

REALITY: Was ist Ihnen vom Realgymnasium

in positiver Erinnerung

geblieben, was sehen sie kritisch?

MF: Siehe oben.

NACHGEFRAGT

MEINHARD FEICHTER

NACHGEFRAGT

SYLVIA FORER

Maturiert im Juli 1998, studiert

Zahnmedizin an der Universität

Wien, 2007 Staatsprüfung für

Zahnheilkunde, Diplomarbeit zum

Thema: „Zahnbehandlungsangst

und Zahnbehandlungsphobie - ein

literarischer Überblick“. Von 2004

bis 2007 Praktikum an der Bernhard-Gottlieb-Universitätszahnklinik

in Wien, danach Zahnärztin in

Osttirol, im Februar 2010 Eröffnung

der eigenen Zahnarztpraxis

in Sand in Taufers.

REALITY: Wie beurteilen Sie im

Rückblick die Ausbildung am Realgymnasium

Bruneck?

MF: Für das Medizinstudium war

das Realgymnasium mit seiner

vielseitig naturwissenschaftlichen

Ausbildung die beste Wahl und

hat mir den Einstieg in das Universitätsleben

um einiges leichter

gemacht.

REALITY: Was ist Ihnen vom Realgymnasium

in positiver Erinnerung

geblieben, was sehen sie kritisch?

MF: Es waren fünf lange, aber

schöne Jahre. Zu meiner Zeit waren

die Lehrer noch von der älteren

Generation, die zwar streng

waren, uns aber vielleicht gerade

deswegen viel beigebracht haben.

21


22

NACHGEFRAGT

STEFANO RECCHIA


STEFANO RECCHIA

Matura im Jahr 1997, 1997 bis

2002 Studium der Politikwissenschaften

an der Luiss-Universität

in Rom, 2002/2003 Masters-Aufbaustudium

im Bereich Internationale

Beziehungen an der London

School of Economics and Political

Science, Herbst 2003 bis Sommer

2004: Arbeit am Entwicklungsprogramm

der Vereinten Nationen

(UNDP) in Beirut; seit Herbst 2005

Doktorand im Bereich Internationale

Beziehungen und US-Außenpolitik

an der Columbia University

in New York.

REALITY: Wie beurteilen Sie im

Rückblick die Ausbildung am Realgymnasium

Bruneck?

SR: Meine Ausbildung am Realgymnasium

Bruneck beurteile ich

im Rückblick als sehr positiv. Ich

bin zwar Sozialwissenschaftler und

nicht Naturwissenschaftler geworden,

dennoch hat mir das logische,

analytische Denken, das mir

am „Wisslyz“ beigebracht wurde,

sehr weitergeholfen.

REALITY: Was ist Ihnen vom Realgymnasium

in positiver Erinnerung

geblieben, was sehen sie kritisch?

SR: Gerne erinnere ich mich an

den Enthusiasmus einzelner Lehrpersonen

am Realgymnasium, die

ihre Arbeit tatsächlich als „Beruf“

empfanden und von denen ich

sehr viel gelernt habe. Auch erinnere

ich mich gerne an die vielen

wertvollen Freundschaften, die ich

im Laufe meiner „Wisslyz“-Zeit geknüpft

habe. Allerdings habe ich

heute leider nur mehr zu wenigen

alten Klassenfreunden Kontakt.

Nicht so gerne erinnere ich mich

an Lehrpersonen, die entweder

im Klassenzimmer gerne Politik

betrieben oder aber ihrer Arbeit

gelangweilt und ohne Enthusiasmus

nachgingen (glücklicherweise

betraf das stets nur eine kleine

Minderheit meiner Lehrer). Im

Rückblick bewerte ich auch die allgemein

ziemlich sozial-konservative

Atmosphäre an der Schule als

nicht allzu positiv. Unterm Strich

würde ich jedoch das Realgymnasium

wieder besuchen; ich habe

dort summa summarum durchwegs

gute Erfahrungen gemacht.

23


24

Maturiert 1984, 1984 bis 1990 Studium

der Veterinärmedizin an der

Universität Wien, 1991 Doktorat an

der Universität Bologna, 1992 bis

1996 Sprengeltierarzt im Gadertal,

1996 bis 1998 Spezialisierung zum

Fachtierarzt für Rinderkrankheiten,

1996 bis 2000 Amtstierarzt beim

Landestierärztlichen Dienst der

Autonomen Provinz Bozen, 2000

bis 2002 Nationalexperte bei der

EU-Kommission in Brüssel, verantwortlich

für die Überwachung der

Tierkrankheitsprogramme in den

EU-Staaten; seit 2002 stellvertretender

Landestierarzt der Autonomen

Provinz Bozen.

REALITY: Wie beurteilen Sie im

Rückblick die Ausbildung am Realgymnasium

Bruneck?

ES: Die Ausbildung war streng, ist

nach den klassischen Regeln abgelaufen

und war eine hervorragende

Grundlage für das anschließende

Studium.

REALITY: Was ist Ihnen vom Realgymnasium

in positiver Erinnerung

geblieben, was sehen sie kritisch?

ES: Das tägliche Zusammentreffen

mit Schülern aus den verschiedenen

Tälern hat mich schon damals

fasziniert. Den Schülern hätte

man bestimmte Unterrichtsstunden

für einen Unterricht außerhalb des

normalen Schemas und mehr Freiraum

für neue Ideen geben sollen.

NACHGEFRAGT

ERNST STIFTER

NACHGEFRAGT

VALENTIN PIFFRADER

Matura 1991, Geschichte- und Pädagogikstudium

an der Universität

Innsbruck; Zusatzausbildungen

in Erlebnispädagogik, Supervision,

Coaching, Organisationsentwicklung,

Sportpsychologie und Mentalcoaching

im Leistungssport;

arbeitet als Outdoor- und Mentaltrainer

und Führungskräfte-Coach.

REALITY: Wie beurteilen Sie im

Rückblick die Ausbildung am Realgymnasium

Bruneck?

VP: Gute Allgemeinbildung! Ich

war einer der Glücklichen, welcher

sechs Jahre das „Wisslyz“ besuchen

durfte...


REALITY: Was ist Ihnen vom Realgymnasium

in positiver Erinnerung

geblieben, was sehen sie kritisch?

VP: Ich hätte mir immer mehr

Sportstunden gewünscht, dafür

keine Chemiestunden (war für mich

und wird für mich immer ein Buch

mit sieben Siegeln bleiben). Latein

waren sechs Jahre „qualvolles

Auswendiglernen“, auch wenn Prof.

Christian Christandl sich sehr um

mich bemüht hat.

Sehr gut in Erinnerung geblieben

sind mir auch die vielen „Spaziergänge“

von den Außenstellen

(Turnhalle, Schloss, Michael- Pacher-Haus)

zum Hauptgebäude in

der Stadtgasse. Dort konnten wir

ungemein viel trödeln, fachsimpeln

(über Fußball, Mädchen…), um

dann 15 Minuten zu spät zur ungeliebten

Chemiestunde zu kommen.

Highlight meiner sechsjährigen

Wisslyz-Karriere war sicherlich der

Gastauftritt (Schwangerschaftsvertretung)

von Prof. Ferdl Dorfmann

in Englisch. Durch seine Art und

Weise, seine Natürlichkeit und seinen

Respekt vor den Schülern war

er und ist er für mich immer noch

ein Vorbild.

NACHGEFRAGT

MICHAEL OBERHUBER

Maturiert 1993, 1998 Abschluss

des Chemiestudiums an der Universität

Innsbruck, 2001 Forschungsdoktorat

in Bioorganischer

Chemie an der Universität Innsbruck,

bis 2005 wissenschaftlicher

Mitarbeiter am Skaggs Institute

for Chemical Biology am Scripps

Research Institute in La Jolla

(Kalifornien), Laborleiter am Sandoz

Development Center (Novartis

AG) in Kundl/Schaftenau, seit

2009 Direktor des Versuchs- und

Forschungszentrums Laimburg in

Pfatten.

REALITY: Wie beurteilen Sie im

Rückblick die Ausbildung am Realgymnasium

Bruneck?

MO: Ich beurteile die Ausbildung

insgesamt positiv, sehr gut in den

Grundfächern Mathematik, Deutsch

und andere Sprachen; gut in den

Fächern Naturwissenschaften, Physik

und Chemie.

REALITY: Was ist Ihnen vom Realgymnasium

in positiver Erinnerung

geblieben, was sehen sie kritisch?

MO: Positiv: fast familiäre Atmosphäre

auf Schloss Bruneck, engagierte

und originelle Lehrer, sehr

gute Allgemeinbildung. Verbessert

werden könnte (oder hat sich vielleicht

schon) der Anteil an praktischen

Versuchen, Experimenten

und Demonstrationen in den naturwissenschaftlichen

Fächern.

25


IM INTERVIEW

ANDREAS ROGGER

26

Andreas Rogger hat 1992 maturiert,

an der „Cà Foscari“ in

Venedig Wirtschaft studiert,

war dann Personalreferent und

Personalentwickler bei der GKN

Birfield (heute GKN Driveline)

in Bruneck, 2003 war er in Melbourne

(Australien) tätig, von

2006 bis 2008 war er Personalleiter

bei der Speditionsfirma

Fercam in Bozen, heute arbeitet

er als Personalleiter bei der

GKN Driveline AG in Bruneck

und hat seit kurzem die Personalverantwortung

für mehrere

GKN-Standorte weltweit.

REALITY: Herr Rogger, Sie haben

das Realgymnasium von 1987 bis

1992 besucht. Wie viel ist Ihnen

von Ihrer Oberschulzeit in Erinnerung

geblieben?

AR: Es ist nun schon eine Weile

her; interessant ist aber, dass

trotz dieser zeitlichen Distanz viele

Erinnerungen an meine Jahre am

Realgymnasium, an die Kollegen

und Lehrpersonen, stark präsent

sind. Das zeigt, dass die Oberschulzeit

eine sehr wichtige und

intensive Zeit war, auf jeden Fall

prägend für mein weiteres Leben.

Glücklicherweise stellte die Schule

für mich nie eine Belastung dar,

ganz im Gegenteil.

REALITY: Also haben Sie insgesamt

ein positives Bild von Ihren

Schuljahren am Realgymnasium?

AR: Auf alle Fälle! Wobei man

neben „brav die Schulbank drücken“

in diesem Alter noch jede

Menge andere Gedanken im Kopf

hat, vor allem jede Menge überschüssiger

Energien, die sich oft

unkontrolliert äußern. Ich denke,

dass ich für meine Lehrpersonen

nicht immer ein angenehmer

Schüler war, meine Sichtweisen

und Ideen konnten recht anstrengend

sein. Doch hat es mich

schon damals gereizt, Grenzen

auszuloten und mich mit anderen

Meinungen und Sichtweisen

zu konfrontieren. Alles in allem

habe ich meine Oberschulzeit genossen:

Wir hatten Spaß, ich war

wissbegierig – allerdings ohne zu

wissen, wofür ich eigentlich lerne.

REALITY: War für Sie nach der

Mittelschule von Anfang an klar,

dass Sie das Realgymnasium besuchen

werden?

AR: Nein, absolut nicht – ich wollte

sofort in die Arbeitswelt einsteigen.

Zum Glück haben mich meine

Eltern dazu bewogen, eine weiterführende

Schule zu besuchen,

eine Schule mit vielseitigen Möglichkeiten.

Das Realgymnasium war

also ihre Wahl – ich hätte beim

besten Willen nicht gewusst, für

welche Schule ich mich entscheiden

sollte. Es war aber absolut die

richtige Entscheidung für mich!

REALITY: Inwiefern?

AR: In erster Linie durch die umfassende

Allgemeinbildung, weil

ich vielseitig interessiert war. Ich

glaube zudem, dass das Realgymnasium

als Schultyp eine bestimmte

Offenheit vermittelt. Durch die

Vielseitigkeit werden viele Möglichkeiten

aufgezeigt, was wiederum

zu einer offenen Sichtweise

der Welt beiträgt. Und was eine

Schule letztendlich ausmacht, sind

die Menschen, die nicht nur Stoff,

sondern auch Werte vermitteln –

und in dieser Hinsicht habe ich

einige sehr gut in Erinnerung. Das

Wichtigste jedoch ist, dass ich

in dieser Zeit gelernt habe, mir

Wissen anzueignen, eine Kompe-


tenz, die für mich heute, in dieser

schnelllebigen Zeit mit dieser

Unmenge an Informationen, Informationskanälen

und Medien, nicht

mehr wegzudenken ist.

REALITY: Was war Ihr Lieblingsfach?

AR: Richtiges Lieblingsfach hatte

ich keines. Interessiert haben mich

vor allem die Naturwissenschaften,

also das Verstehen und Beschreiben,

was unsere Welt zusammenhält

und wie sie aufgebaut ist.

Nicht weniger interessant waren

aber die Geisteswissenschaften,

wo wir uns mit den großen Gedanken

und Denkern auseinandersetzten

– wobei ich sagen muss, dass

ich damals bei Weitem noch nicht

über die notwendige geistige Reife

für die Inhalte verfügte. Trotzdem

war es ein spannendes Gefühl,

auch nur zu erahnen, was es alles

an großartigen Gedanken gibt. Es

war also die Kombination von Naturwissenschaften

und Geisteswissenschaften,

von Berechenbarem

und Nicht-Berechenbarem, die das

Realgymnasium für mich äußerst

interessant machten. Letztendlich

gehört in jedem Bereich auch der

irrationale, menschliche Faktor

dazu: Gefühle, Emotionen, Hoffnungen,

Wünsche, die für jeden

– ob Techniker, Physiker oder wen

auch immer – eine wichtige Rolle

spielen.

REALITY: Das Realgymnasium als

allgemeinbildende Schule sollte

eine breite Bildung in vielen Bereichen

vermitteln – gibt es trotzdem

Fächer, die in Ihren Augen zu kurz

gekommen sind?

AR: Sicherlich der sprachliche Teil;

das habe ich selbst miterlebt und

fällt mir auch heute immer wieder

bei Bewerbern auf, schließlich

ist ein korrekter Umgang mit

Deutsch, Italienisch und Englisch

heute eine Grundvoraussetzung.

Vielleicht auch Latein! (lacht) Doch

Spaß beiseite: Mir reichte Latein

absolut aus, aber gerade die Fähigkeiten,

die durch das Erlernen

dieser Sprache vermittelt werden,

sind enorm hilfreich, wenn es darum

geht, sich neues Wissen anzueignen.

REALITY: Was sehen Sie kritisch,

wenn Sie an Ihre Schulzeit am Realgymnasium

denken?

AR: Was ich mir im Nachhinein

gewünscht hätte, wären zum Teil

höhere Leistungsanforderungen!

Freilich ist es nicht unbedingt das,

was man als Schüler will - das

konnte ich damals auch noch

nicht erkennen: Mehr lernen und

mehr leisten (lacht). Aber letztendlich

bedeutet es doch, an sich

und den eigenen Fähigkeiten zu

arbeiten, um die Möglichkeiten

auszuschöpfen und die eigenen

Chancen zu steigern.

REALITY: Also hat in gewisser Hinsicht

das Leistungsprinzip gefehlt?

AR: Ganz gefehlt hat es natürlich

nicht – aber wie erwähnt, hätte ich

mir gerade in einer weiterführenden

Schule höhere Leistungsanforderungen

gewünscht. Das Risiko ist

natürlich, dass nicht mehr jeder in

der Klasse den Abschluss schafft.

Aber es bleibt die stereotype

Frage: „Soll man sich nach dem

schwächsten oder dem stärksten

Glied in der Gruppe richten?“

REALITY: Was letztendlich eine

Grundsatzfrage darstellt...

AR: Hier den richtigen Weg zu finden

ist nicht immer leicht für eine

Schule, da sie mit vielen Erwartungen

konfrontiert ist. Dazu ist

auch zu sagen, dass einige Lehrpersonen

dies sicherlich auch gut

gemacht haben, uns zu fordern

und zu fördern. Leider ist Leistung

heute - außer vielleicht im

Sport - oft negativ behaftet. Dieser

Begriff kann im Verhaltensbereich

nicht mit der rein physikalischen

Definition, nämlich „Arbeit in einer

bestimmten Zeit“, gleichgesetzt

werden, denn in diesem Fall hätte

„leisten“ wirklich mehr mit „auspressen“

zu tun. Leistung bedeutet

vielmehr: Möglichkeiten ausschöpfen,

Einsatz zeigen, Verbesserungen

suchen. Leistung steht auch in

einem engen Zusammenhang mit

Zufriedenheit. Leistung ist heute

weder überlebensnotwendig noch

erforderlich, um sich ein „gutes“

Leben zu leisten. Es gibt genug Situationen,

in denen jemand ohne

viel Leistung nicht schlechter lebt

als jemand , der versucht, etwas

zu bewegen. Letztendlich kommen

wir jedoch um das Leistungsprinzip

nicht herum, wenn wir etwas

verändern wollen.

REALITY: Abschließend kann also

gesagt werden, dass die Ausbildung

am Realgymnasium eine

gute Basis für das Leben war?

AR: Ja, auf alle Fälle. Doch wenn

ich heute mit der Frage konfrontiert

werde, welche Schule nun

die richtige sei, möchte ich dies

doch ein wenig differenziert sehen.

Jeder Schüler soll das tun,

was ihm gefällt. Was ich jedem

raten möchte: Chancen sehen –

nicht warten, bis der gewünschte

Arbeitsplatz ausgeschrieben wird.

Deshalb: Selbst aktiv werden – mit

dem Risiko, auch einmal Fehler zu

machen. Denn gerade Fehler bringen

uns weiter!

REALITY: Vielen Dank für das aufschlussreiche

Gespräch!

27


Gabi Bachmann hat das Realgymnasium

Bruneck als Schülerin

besucht, 1985 maturiert und

unterrichtet heute dort Biologie

und Chemie.

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REALITY: Frau Bachmann, Sie sind

heute Lehrperson und haben das

Realgymnasium selbst besucht.

Was ist Ihnen von Ihrer Oberschulzeit

in Erinnerung geblieben?

GB: Was mir als erstes einfällt,

ist das Gebäude: Wir waren in einem

Gebäude in der Stadtgasse

untergebracht, wo sich jetzt die

Uni befindet – ein sehr schönes

Stadthaus! Als zweites fällt mir

der Duft ein: Der damalige Direktor

hat Pfeife geraucht, dieser Geruch

ist in den Gängen hängen

geblieben. Natürlich erinnere ich

mich auch an meine Klasse, die

Klassenkameraden und den Klassenraum:

Er war sehr klein, mit

gelblichen Mauern und eher trist;

trotzdem war alles sehr gemütlich

und überschaubar.

REALITY: Und der Unterricht?

GB: Als ich die erste Klasse besucht

habe – 1980 war das –, hatte

ich das große Glück, als erster

Jahrgang Englischunterricht genießen

zu dürfen. Auch Biologie im

Biennium war damals eine wichtige

Neuerung, also bereits in der

ersten Klasse mikroskopieren zu

können. Sonst ist der Unterricht

an sich mit dem von heute vergleichbar

– es gab in den naturwissenschaftlichen

Fächern leider

nicht so viele Möglichkeiten, Schülerversuche

durchzuführen und generell

praktische Arbeiten zu machen.

Trotzdem – wir konnten auch

Lehrfahrten und Ausflüge machen

und hie und da an einem Projekt

teilnehmen. Bei der Bewertung

gab es keine Transparenz – wir

wussten am Ende des Schuljahrs

nicht, welche Note wir bekommen

werden (lacht). Bei einigen Lehrern

kann ich mich gar nicht erinnern,

„SEHR GEMÜTLICH UND

ÜBERSCHAUBAR“

ob wir wirklich Tests oder Prüfungen

gemacht haben oder ob wir

uns die Note nur sonst irgendwie

erwirtschaftet haben. Also total

anders als heute – nun muss jeder

Schritt genauestens dokumentiert

und begründet werden.

REALITY: Also hat sich die Schule

doch weiterentwickelt?

GB: Ja, in jeder Hinsicht! Heute

sind die Schüler allgemein strebsamer

als früher, die meisten

wollen nämlich gute Noten – was

damals eher verpönt war. Freilich

fanden gute Schüler auch früher

Anerkennung, etwa wenn sie sich

in einem Bereich besonders gut

auskannten. Ob diese Anstrengung

mit 9 oder 7 oder gar nur mit 6

bewertet wurde, machte für uns

keinen großen Unterschied. Heute

achtet jeder darauf, dass er ja

nicht zu tief bewertet wird.

REALITY: Was war Ihr Lieblingsfach?

GB: Am liebsten hatte ich den

Deutschunterricht, auch weil ich

gern gelesen habe – auch den Lateinunterricht

habe ich nicht als

Übel empfunden. Insgesamt bevorzugte

ich die schriftlichen Fächer,

im mündlichen Bereich war einfach

mehr zu lernen...

REALITY: Sind einige Ihrer ehemaligen

Lehrer heute Kollegen?

GB: Einige schon, beispielsweise

Prof. Peter Knapp, der allerdings

bereits seit längerer Zeit nicht

mehr an unserer Schule ist. Auch

Prof. Josef Holzer und Prof. Pepi

Demetz und natürlich auch einige

andere, die aber nicht meine

Lehrer waren, sondern in anderen

Zügen unterrichtet haben.

REALITY: War das ein seltsames

Gefühl?

GB: Daran gewöhnt man sich

schnell. Es war auf alle Fälle interessant,

auch einmal menschliche

Seiten zu sehen, die man als

Schüler im Unterricht nicht sehen

kann.

REALITY: Frau Bachmann, vielen

Dank für das Interview!


„JEDEN TAG EINE

STUNDE SPORT!“

die das Realgymnasium besucht

haben. Sie sind alle erfolgreiche

Akademiker geworden.

REALITY: Welche Entwicklungen

sehen Sie für die Zukunft des Realgymnasiums?

GC: Die Schule entwickelt sich

sehr gut; ich wünsche mir aber,

dass die Stundenanzahl am Vormittag

von sechs auf fünf reduziert

wird, weil sechs Stunden einfach

zu viel sind.

REALITY: Gab es auch negative

Aspekte in der Geschichte des Realgymnasiums?

GC: Nicht wirklich; vielleicht ist

manchmal die Pädagogik überbewertet

worden.

Gert Crepaz ist am Realgymnasium

Bruneck eine Institution:

Seit dem 1. Oktober 1970, also

seit 40 Jahren, unterrichtet er

als Turnlehrer.

REALITY: Herr Crepaz, was ist in

der Geschichte des Realgymnasiums

gleich geblieben und was

hat sich verändert?

GC: Gleich geblieben sind die tollen

Jugendlichen; gleich geblieben

ist, dass wir in Bruneck ein

schönes Umfeld haben. Geändert

haben sich die Infrastrukturen,

sprich Klassenräume, Spezialräume

und die Sportanlagen; jedes

Jahr gab es irgendeine Verbesserung.

REALITY: Und was hat sich in

sportlicher Hinsicht geändert?

GC: Da ist mehr oder weniger

alles gleich geblieben, weil die

Schülerinnen und Schüler, die

das Realgymnasium besuchen,

von Haus aus sportlich talentiert

sind - der Rest ist Organisationssache

und Überzeugungsarbeit.

So gesehen haben wir seit

40 Jahren immer große Erfolge

gehabt.

REALITY: An welche Ereignisse in

Ihrer langen Tätigkeit erinnern sie

sich gern zurück?

GC: Alle Direktoren – und jetzt

auch die Frau Direktor – sind

Persönlichkeiten; ich habe eigentlich

nur gute Erfahrungen mit dieser

Schule gemacht.

REALITY: Was heißt für Sie moderner

und innovativer Sportunterricht?

GC: Im Sportunterricht gibt es eigentlich

nicht viel Modernes und

auch nicht viel Innovatives…

(Professor Crepaz öffnet das

Fenster und weist einige Schüler

zurecht, die draußen herumalbern)

…weil der Sportunterricht immer

derselbe ist. Dazu gehören das

Laufen, Sprinten, Werfen, Stoßen,

Springen – ohne diese Fähigkeiten

gibt es keinen Sportunterricht.

REALITY: Wie ist Ihre Meinung zu

den Bildungs- und Berufsmöglichkeiten

nach dem Abschluss des

Realgymnasiums, auch im Vergleich

zu anderen Schulen?

GC: Die Möglichkeiten sind sicher

besser. Ich habe selbst drei Söhne,

REALITY: Wie lange werden Sie

am Realgymnasium noch unterrichten?

GC: Solange mir der Himmel die

Gesundheit schenkt. Aber wenn

das Pensionsalter erreicht ist,

muss ich eben gehen. Aber ich

werde nicht gehen, sondern laufen!

(lacht)

REALITY: Zum Schluss: Einen Rat

vom wohl erfahrensten Sportlehrer

des Pustertals an alle Sportlehrer

und Sportler...

GC: Jeden Tag eine Stunde Sport

treiben! Die Vielseitigkeit fördern

und alle Fächer lernen, denn alle

Fächer sind von großer Bedeutung!

REALITY: Herr Crepaz, danke für

das Interview!

29


30

„KEIN MENSCH LERNT IN

50-MINUTEN-EINHEITEN!“

Leni Dorner war von 1978 bis

2007 Lehrerin für Deutsch und

Latein am Realgymnasium Bruneck;

seitdem arbeitet sie am

Pädagogischen Beratungszentrum

in Bruneck.

REALITY: Frau Dorner, wenn Sie

an das Realgymnasium Bruneck

zurückdenken – woran erinnern Sie

sich?

LD: Ich verbinde mit dem Realgymnasium

vor allem gute Erinnerungen.

Anfangs war die Schule

klein, sie hatte nur zwei Züge, ehe

sie auf drei und vier angewachsen

ist. Wir waren damals nur 20 Lehrer,

heute sind es doppelt so viele.

Alles war gemütlicher und nachmittags

gab es kaum Sitzungen.

REALITY: Die pädagogischen Tagungen,

die ab 1993 jährlich stattfanden,

gehen auf eine Idee von

Ihnen zurück...

LD: Ja, aber nicht nur. Wir waren

eine kleine Gruppe von Kolleginnen

und Kollegen, die sich die

Frage stellten: Warum sollte sich

das gesamte Lehrerkollegium im

Herbst vor Schulbeginn nicht irgendwo

außerhalb der Schule zu

einem gemeinsamen Tag treffen,

der Themen gewidmet werden

sollte, die für alle wichtig sind? Ein

kleiner Personenkreis ließ sich dafür

sofort begeistern, aber es gab

auch einige Bedenken. Die erste

Tagung fand in Mühlbach oberhalb

von Gais statt, es ging um das

Thema „Die Schule als Lebensund

Erfahrungsraum“. Weitere

Themen waren etwa „Angstfreies

Lernen“, „Der autonome Schüler“

und „Offene Lernformen“. Zum

Großteil waren es sehr fruchtbare

Gespräche, die die Unterrichtspraxis

stark beeinflusst haben.

REALITY: Sie arbeiten seit drei

Jahren am Pädagogischen Beratungszentrum

in Bruneck im Bereich

Schulentwicklung; was ließe

sich an den Oberschulen generell

verbessern?

LD: Ein erster wichtiger Schritt

wäre sicher die Reduzierung der

Wochenstundenzahl, denn ein

normales Schülerhirn kann so viel

Stoff, wie derzeit vermittelt wird,

nicht sinnvoll verarbeiten. Dann

müssten die Fächer durchforstet

werden: Welcher Lehrstoff ist

überlebt, was ließe sich getrost

und ruhigen Gewissens weglassen?

Diese Entrümpelung würde dafür

sorgen, dass für die Schüler mehr

Zeit für Sport und Musik und andere

wichtige Dinge bleibt.

REALITY: Welcher dieser Pläne ließen

sich im Rahmen der geltenden

Autonomie der Schulen schon jetzt

umsetzen?

LD: Da wäre einiges machbar. Alle

Lerntheorien besagen, dass kein

Mensch in 50-Minuten-Einheiten

lernt. Als Hausfrau weiß ich: Ob

ich gut oder schlecht gekocht

habe, hängt nicht davon ab, wie

lange ich gekocht habe. Ähnlich

ist es mit dem Lernen: Allein das

Ergebnis zählt. Ideal wäre das College-System,

bei dem die Schüler

sich ihre Schwerpunkte und Fächer

zum Teil selbst auswählen

und ihre Ziele selbst setzen. Bis

es bei uns so weit ist, wird es

aber noch einige Zeit dauern. Aber

das hat auch Vorteile: Wenn die

Schule sich immer sofort den neuesten

pädagogischen Trends anschließen

würde, wäre das totale

Chaos vorprogrammiert.

REALITY: Frau Dorner, vielen Dank

für das Gespräch!


Sonja Hartner war am Realgymnasium

Bruneck von 1988

bis 2006 tätig als Lehrerin für

Deutsch und Latein tätig, danach

arbeitete sie am Pädagogischen

Institut. Seit zwei

Jahren leitet sie die Stadtbibliothek

Bruneck.

REALITY: Frau Hartner, Sie kennen

das Realgymnasium Bruneck

als Schülerin und als Lehrerin und

sind jetzt in einem anderen Bereich

tätig; wie denken Sie aus der Distanz

über unsere Schule?

SH: Ja, ich habe das Realgymnasium

selbst besucht, habe dort

lange gearbeitet und kenne auch

die anderen Brunecker Oberschulen

recht gut – und ich kann sagen,

dass das Realgymnasium

eine gute Schule ist. Zum einen

bietet es eine gute Allgemeinbildung,

zum anderen hat es einen

klaren inhaltlichen Schwerpunkt

auf den Naturwissenschaften - wobei

mir die die Richtung mit Latein

immer sympathischer war als die

technische Richtung. Was fehlt, ist

der musische Bereich - aber man

kann schließlich nicht alles haben.

REALITY: Welche Erinnerungen

verbinden Sie mit dem Realgymnasium?

SH: Da fällt mir vor allem der Umbruch

um das Jahr 2000 herum

auf: Die Schule wurde der Autonomen

Provinz übertragen, die Anforderungen

von Seiten des Schulamts

wuchsen beständig an, es

gab einen neuen Arbeitsvertrag mit

mehr Lohn, aber auch die Zahl der

Arbeitsstunden und der Sitzungen

nahm zu. Ich meine, diese Änderung

hat viele Lehrer ziemlich unvorbereitet

getroffen. Der klassische Lehrer

war bisher ein Einzelkämpfer, nun

ging es darum, vieles im Team zu

erledigen. Viele Lehrer sind damit

schlicht überfordert und machen als

Folge nur noch Dienst nach Vorschrift.

Das ist sehr schade.

„GEHOBEN UND

GESCHOBEN“

REALITY: Wie könnte besser werden

an der Schule insgesamt?

SH: Das selbstständige Arbeiten

der Schülerinnen und Schüler sollte

durch Projektunterricht stärker

gefördert werden; die Lehrer sollten

mehr auf die Eigeninitiative

der Schüler setzen.

REALITY: Und was sollte sich am

Realgymnasium ändern?

SH: Was mich in den letzten Jahren

meiner Unterrichtstätigkeit

am Realgymnasium gestört hat,

war eine gewisse Beliebigkeit: Das

Lehrerkollegium hat gemeinsam

Regeln festgelegt und durch Beschlüsse

für alle verbindlich gemacht

– aber kaum jemand hat

sich daran gehalten. Gefährlich

halte ich auch die allgemeine

Entwicklung hin zu immer mehr

Stützkursen. Das fördert die Trägheit

der Schüler, die denken: „Ich

muss mich nicht mehr anstrengen,

ich bekomme sowieso alles in kleinen

Portionen geliefert und werde

am Ende in die nächste Klasse

gehoben und geschoben.“ Das ist

meines Erachtens ein Versagen

der Schule insgesamt.

REALITY: Frau Hartner, vielen

Dank für das Gespräch!

31


„ALTE

UND NEUE

MEDIEN“

Konkurrenz der Bücher sind, denn

es geht immer ums Lesen.

REALITY: Die Schulbibliothek wird

von zwei Schulen zugleich genutzt...

SH: Ja, aber das ist kein Problem,

im Gegenteil: Unsere Bibliothek

ist so groß, dass Schüler beider

Schulen genug Platz haben.

REALITY: Vielen Dank für das Interview!

„VOM PAUS-

PAPIER ZU IT“

REALITY: Wie gefällt Ihnen Ihre

Arbeit?

AL: Mir gefällt meine Arbeit gut,

vor allem das breite und abwechslungsreiche

Tätigkeitsfeld und die

Arbeit mit Menschen.

32

Susanne Huber leitet die Schulbibliothek,

die vom Realgymnasium

und vom Humanistischen

Gymnasium gemeinsam genutzt

wird.

REALITY: Seit wann leiten Sie die

Schulbibliothek?

SH: Seit drei Jahren.

REALITY: Kennen Sie alle Bücher

der Bibliothek?

SH: Nein, leider nicht! Ich hatte

sie bisher nicht einmal alle in der

Hand! Denn es gibt Bücher, die

absolut nicht entlehnt werden und

einfach nur Platz wegnehmen. Was

den Kauf neuer Bücher angeht,

muss ich zusammen mit den Mitgliedern

des Bibliotheksrats genau

überlegen, was wir kaufen, damit

unser Budget nicht überlastet wird.

REALITY: Sehen Sie im Internet

eine Konkurrenz zu den Büchern?

SH: Ich denke nicht, dass die

Neuen Medien eine gefährliche

Anita Ladstätter ist die Schulsekretärin

des Realgymnasiums

Bruneck.

REALITY: Frau Ladstätter, wie lange

arbeiten Sie schon am Realgymnasium?

AL: Seit 17 Jahren; damals befand

sich das Schulgebäude noch

in der Stadtgasse.

REALITY: Wofür sind Sie als Chefsekretärin

zuständig?

AL: Für die Buchhaltung und die

steuerrechtlichen Verwaltungsarbeiten,

die Koordinierung des Personals,

die Ankäufe, die Arbeitsverträge

und einiges andere mehr.

REALITY: Was könnte man Ihrer

Meinung nach noch verbessern?

AL: Man könnte die Arbeiten noch

besser koordinieren, damit es weniger

Terminschwierigkeiten gibt.

REALITY: Was hat sich in der Zeit,

in der Sie hier tätig sind, verändert?

AL: Trotz der fast hundertprozentigen

Anwendung der modernen

Informationstechnologien hat sich

der bürokratische Verwaltungsapparat

immer weiter aufgebläht und

der Papierausstoß ist auch nicht

gesunken. Ich habe nämlich noch

das Zeitalter der Schreibmaschine

und des Pauspapiers erlebt! (lacht)

REALITY: Frau Ladstätter, vielen

Dank für das Gespräch!


Albert Kofler war 33 Jahre lang

Schullaborant am Realgymnasium

Bruneck, ehe er sich Ende

2009 in den Ruhestand verabschiedete.

REALITY: Wie viele Experimente

haben Sie in 33 Jahren gemacht?

AK: Das kann ich beim besten

Willen nicht mehr sagen, weil ich

nicht Buch geführt habe. Aber da

sind schon einige zusammengekommen:

Alle Jahre wieder die

vielen Standardversuche, dazu viele

selbst entwickelte. Die Anleitungen

habe ich in den vergangenen

Jahren immer öfter aus dem Internet

besorgt, denn „Tante Google“

bringt viele Informationen.

REALITY: Haben die Versuche immer

wie am Schnürchen geklappt

oder ist auch gelegentlich einiges

danebengegangen?

AK: Das immer alles klappt, ist

unmöglich - und das soll es auch

gar nicht. Allerdings hätte es viele

Möglichkeiten gegeben, die Versuche

zu manipulieren, um sie doch

gelingen zu lassen. Aber das habe

ich nicht gemacht. Wenn ein Versuch

einmal nicht funktioniert hat,

dann eben nicht – übrigens sehr

zur Freude der Schüler. Wenn ich

manchmal Schüler von früher treffe,

erinnern sie sich vor allem an

die misslungenen Versuche.

REALITY: Hat es Sie nie gereizt,

selbst einmal zu unterrichten?

AK: Nein, mit den Lehrern wollte

ich nie tauschen. Ich war glücklich

damit, die Versuche und das ganze

Drumherum aufzubauen; mich

hat die technische Seite immer

mehr interessiert als die pädagogische,

weil die viel komplizierter

ist.

REALITY: Wie hat sich das chemische

Labor am Realgymnasium

im Lauf der vergangenen 33 Jahre

entwickelt?

AK: Zu Beginn meiner Arbeit besaßen

wir gerade einmal zwei kleine

Kästen mit einigen Reagenzgläsern,

heute verfügen wir über ein

Labor, das kaum Wünsche offen

lässt.

REALITY: Haben die Naturwissenschaften

für Sie immer noch ihren

Reiz?

AK: Durchaus, denn es gibt noch

jede Menge zu klären. Das fängt

mit einfachen Fragen an - Was

ist Wasser wirklich, wie verhält es

sich im Detail? - und endet mit

dem Rätsel Mensch.

REALITY: Wie beurteilen Sie Ihre

Zeit am Realgymnasium Bruneck?

AK: Es war eine schöne Zeit, sehr

lehrreich und sehr spannend. Auch

im Ruhestand werde ich nicht einfach

ruhen, sondern wie bisher

mit viel Passion fotografieren und

meine kleine Imkerei betreiben.

REALITY: Herr Kofler, vielen Dank

für das Interview!

„SICH MERKEN WAS MISSLINGT“

33


„KEIN

KONKURRENZDENKEN“

34

Zilli Moser ist Vizedirektorin

des Humanistischen Gymnasiums

„Nikolaus Cusanus“, also

gewissermaßen der Schwesterschule

des Realgymnasiums,

denn beide Schulen sind im

selben Gebäude in der Schulzone

untergebracht.

REALITY: Frau Direktorin, seit

wann leiten Sie das Humanistische

Gymnasium?

ZM: Ich bin seit 1988 am Humanistischen

Gymnasium tätig, und

zwar als Lehrerin für Deutsch

und Latein. Vor einem Jahr habe

ich die Schulleitung übernommen,

aber unser eigentlicher Direktor ist

Werner Sporer, der Direktor der

Gewerbeoberschule; ich bin seine

Stellvertreterin.

REALITY: Wie entwickelt sich Ihre

Schule?

ZM: Derzeit haben wir 286 Schülerinnen

und Schüler. Seit fünf

Jahren haben wir keine klassische

Richtung mit Griechisch mehr, weil

sich keine Schüler mehr angemeldet

haben. Also besteht das klassische

Lyzeum nur noch auf dem

Papier; dafür sind unsere beiden

anderen Richtungen, nämlich das

Sprachen- und das Kunstlyzeum,

sehr gefragt.

REALITY: Was halten Sie davon,

dass das Humanistische und das

Realgymnasium im selben Gebäude

untergebracht sind?

ZM: Ich finde es gut, dass sich die

beiden Schulen das Gebäude teilen,

weil dadurch viele Räume besser

genutzt werden können, etwa

die Bibliothek, aber auch die Aula

und der Eingangsbereich. Man

könnte es so sehen: Zusammen

sind wir ein großes Gymnasium

mit verschiedenen Fachrichtungen.

REALITY: Sind die beiden Schulen

auch Konkurrenten?

ZM: Ich glaube nicht, dass es ein

Konkurrenzdenken gibt, denn beide

Schulen sind gewachsene Schulen,

das heißt Schulen, die sich in

Jahrzehnten entwickelt haben und

eine eigene Identität besitzen. Daher

gibt es auch keine besseren

oder schlechteren Fächer, sondern

es gibt nur Fächer, die einer besonderen

Begabung mehr oder

weniger liegen.

REALITY: Und was halten Sie von

den Feiern zu unserem 40. Gründungsjubiläum?

ZM: Ein großes Kompliment für

eure Ausstellung im Innenhof; ich

fand es sehr interessant, wie ehemalige

Schüler bei der Ausstellungseröffnung

von ihrem Werdegang

erzählt haben.

REALITY: Frau Moser, vielen Dank

für das Interview!


Im Realgymnasium Bruneck war

er ein Mann der ersten Stunde:

Alfred Niederhofer war zunächst

Lehrer für Mathematik

und Physik, ehe er die Schule

von 1985 bis 2008 als Direktor

leitete. Seit zwei Jahren ist er

in Ruhestand.

REALITY: Herr Niederhofer: Wenn

Sie auf „Ihre“ Schule zurückblicken

– sind Sie zufrieden mit der

Entwicklung?

AN: Durchaus, denn es ging bei

der Gründung darum, eine Oberschule

mit naturwissenschaftlichtechnischem

Schwerpunkt aufzubauen.

Dass wir im Laufe der

Jahre auch einige pädagogischdidaktische

Schwerpunkte gesetzt

haben, freut mich besonders. Da

sind vor allem unsere pädagogischen

Tagungen zu nennen, an

denen immer das ganze Kollegium

teilgenommen hat. Dabei ging

es vor allem darum, das Klima

zwischen den Schülern und Lehrern

zu verbessern. Und das ist

uns meines Erachtens recht gut

gelungen.

REALITY: Sie waren zunächst Lehrer,

dann Direktor. Haben Sie als

Direktor den direkten Kontakt zu

den Schülern vermisst?

AN: Ja, denn ich habe meine

Berufung immer in der Rolle des

Lehrers gesehen. Direktor bin ich

eher aus Zufall geworden. In meinen

ersten Jahren als Direktor

habe ich viele Supplenzstunden

gemacht; später habe ich noch einige

Male eine Stelle als Mathematik-

und Physiklehrer übernommen,

weil ich keine geeigneten Lehrer

gefunden habe. Allerdings war ich

mit meinem Unterricht nicht unbedingt

zufrieden, weil ich mir stets

zu viel vorgenommen habe. Später

ist es aus gesetzlichen Gründen

nicht mehr möglich gewesen,

EIN LEBEN FÜR DIE SCHULE

dass ein Direktor selbst unterrichtet.

Dabei wäre diese Doppelrolle

nicht schlecht gewesen, weil ich

besser in das Schulgeschehen

eingebunden gewesen wäre. Nach

dem Übergang der Schule an die

Autonome Provinz Bozen wurden

die Direktoren immer mehr zu Managern,

die nur noch wenig mit

der Basis zu tun haben.

REALITY: Wie hat sich die Schule

im Lauf der Jahre geändert?

AN: Einerseits hat sich wenig geändert,

denn es gibt ja den bösen

Spruch: Langsamer als die Schule

ändert sich nur die Kirche. Andererseits

hat sich eine ganze Menge

getan: Das Wissen, das vermittelt

wird, hat sich potenziert, es kommen

ständig neue Bereiche dazu,

denken wir nur an die Informationstechnologien.

Auch im Bereich

Didaktik hat sich einiges getan,

der Frontalunterricht wird durch

viele andere Unterrichtsformen ergänzt.

Dabei gibt es keine Patentrezepte:

Jeder Lehrer muss sich

fragen, was eignet sich in welcher

Klasse gut, was nicht? Und selbstverständlich

haben sich auch die

Schüler verändert. Ich glaube aber,

dass unsere Schule insgesamt gut

dasteht.

REALITY: Der Neubau des Realgymnasiums

geht auf Ihre Initiative

zurück...

AN: Ja, das war eine lange Geschichte:

Bereits 1984 hat die Landesregierung

den Neubau genehmigt;

dann hat sie uns aber lange

hängen lassen. Erst 1999 wurde

das Gebäude endlich fertig gestellt.

Am 9.9.1999 wurde es offiziell

seiner Bestimmung übergeben.

Die Eile in der Schlussphase hat

dazu geführt, dass arg geschludert

wurde, weshalb nun – nach zehn

Jahren – bereits zur Generalsanierung

geschritten werden muss.

Außerdem ist das Gebäude für unsere

Schule zu klein, vor allem die

Aula: Sie hat 269 Sitzplätze, nötig

wären aber mindestens 400, um

etwa ein Schulfest zu feiern.

REALITY: Was wünschen Sie sich

für das Realgymnasium? Wohin

sollte es sich entwickeln?

AN: Wenn wir die Schulreform einmal

beiseite lassen, weil man eh

nicht weiß, was sich dadurch alles

ändert, wünsche ich mir, dass die

Lehrer und das Schulpersonal die

Arbeit in der Schule nicht nur als

beliebigen Job verstehen, sondern

die Schule als eine Gemeinschaft,

in der auch Kollegialität und Solidarität

zählen. Denn nur so kann

eine Schule wirklich funktionieren.

REALITY: Herr Niederhofer, vielen

Dank für das Gespräch!

35


SCHEIN UND

WIRKLICHKEIT

36

Das Gebäude des Realgymnasiums

erweckt nach außen hin

den Anschein, eine wichtige Regierungsbehörde

(Finanz- oder

Verteidigungsministerium) zu

beherbergen – so prächtig-protzig

steht die Fassade mit den

glänzenden Marmorplatten da.

Aber die Realität hält nicht unbedingt,

was die polierte Fassade

verspricht. Kurzzeit-Direktor Gregor

Beikircher hat im Frühjahr 2009

in einem Interview mit der „Pustertaler

Zeitung“ eine Reihe von

Mängeln aufgelistet: „Die Gebäude

des Realgymnasiums und der

Gewerbeoberschule wurden beide

1999 bezogen; während die Gewerbeoberschule

sehr einfach und

funktional errichtet wurde, ist das

Realgymnasium sehr unpraktisch

gebaut und mit allerlei Schnörkeln

versehen worden. Dabei kostete bei

der Gewerbeoberschule der Kubikmeter

200 Euro, beim Realgymnasium

das Doppelte. Zudem wurde

beim Bau des Realgymnasiums so

sehr geschludert, dass von Beginn

Wasser durch das Dach sickerte.

Für die schnelle Sanierung war

kein Geld da, bei den zuständigen

Ämtern hat es stets geheißen: Èin

neues Gebäude sanieren wir nicht.`

Jetzt besteht endlich die Aussicht,

dass es während der Sommermonate

umfassend saniert wird.“

Dazu ist es nicht gekommen; die

Sanierungsarbeiten sind erst vor

kurzem angelaufen.

NICHT BLOSS KOSMETIK

Florian Nössing, Geometer im

Amt für Bauerhaltung der Provinz

Bozen, ist für die Erhaltung der

Oberschulen des Pustertals zuständig.

Ist das Realgymnasium

Bruneck eine Schule, die in einem

besonders schlimmen Zustand ist?

Nössing: „Nicht unbedingt. Wir haben

zwar gerade mit der Sanierung

des Daches begonnen, weil

bei längeren Regenfällen Wasser

ins Gebäude sickert. Aber solche

Sanierungen sind auch bei anderen

Schulgebäuden nötig.“ Fakt ist,

dass die Abdeckungen auf dem

Dach zum Großteil durchgerostet

sind, dass da bereits vom Architekten

Albert Colz einiges falsch

geplant worden ist und dass die

Ausschreibungssumme für die Sanierung

nicht weniger als 250.000

Euro beträgt. Ein privater Bauherr

könnte sich eine so umfassende

Sanierung nach bereits zehn Jahren

kaum leisten... Zudem musste

bereits eine Reihe von Türen

ausgetauscht werden, weil sie so

groß und schwer waren, dass sie

ihre Verankerungen aus den Mauern

gerissen haben. An sich hätte

das Gebäude ein gut gedämmtes

Klimahaus werden sollen, aber die

Dichtungen der Fenster entsprechen

diesem Standard in keiner

Weise. Nössing bestreitet das alles

auch gar nicht; er hat sich dafür

stark gemacht, die jetzige Sanierung

umfassend zu gestalten und

„nicht nur Kosmetik zu betreiben

und kleine Schäden zu beheben“.

Wird in Südtirol bei öffentlichen

Bauten besonders viel gepfuscht?


Nössing verneint das: „Insgesamt

sind unsere Schulbauten in einem

gutem Zustand.“ Ein Geometer im

Amt für Bauerhaltung muss das

wohl kraft seines Amtes behaupten...

AUF DER HABENSEITE

Der Ausgewogenheit halber soll

aber auch angemerkt werden, dass

das Realgymnasium Bruneck über

die vermutlich schönsten naturwissenschaftlichen

Labors des ganzen

Landes verfügt, dass es ein eigenes

Fotolabor hat, eine gut ausgestattete

Schulbibliothek, zwei EDV-Säle,

einen geräumigen und mit Glasdach

versehenen Innenhof, eine (etwas zu

klein ausgefallene) Aula Magna... und

zusammen mit den anderen Schulen

des Brunecker Schulzentrums über

Sportanlagen verfügt, um die uns

viele andere Schulen beneiden.

VOM CHAOS ZUR

ORDNUNG ODER

UMGEKEHRT

An der Vorder- und an der Rückseite

des Realgymnasiums Bruneck

stehen zwei Bronzeskulpturen.

Über ihre mögliche Bedeutung

haben sich die SchülerInnen eine

originelle Sichtweise zurechtgelegt:

Die Skulpturen stehen für den Werdegang

der SchülerInnen. Wenn

diese ihre Oberschulzeit beginnen,

sind sie noch wild und ungeordnet

wie Nudeln – genauer: „Fusilli“;

wenn sie nach fünf Jahren

am anderen Ende der Schule als

geformte und gebildete Persönlichkeiten

wieder herauskommen,

ähneln sie „Oscar“, der vergoldeten

Nickel-Kupfer-Figur, die in

Hollywood alljährlich als Filmpreis

vergeben wird. Selbstverständlich

kann man diesen Bildungsweg

auch in der umgekehrten Richtung

beschreiten....

37


DIE ARBEIT HINTER

DEN KULISSEN

38

Sieglinde Treyer ist Schulwartin

am Realgymnasium und zugleich

„Mädchen für alles“. Aus dem

Schulalltag ist sie längst nicht

mehr wegzudenken.

Stets freundlich und hilfsbereit

schlendert sie mit einem Lächeln

durch die Schule. Für Probleme

jeglicher Art, sei es von Seiten

der Lehrer oder sei es von Seiten

der Schüler, hat sie immer ein

offenes Ohr und hilft mit Rat und

Tat. Nunmehr sind es 14 Jahre,

dass Sieglinde am Realgymnasium

arbeitet. „Meine Arbeit gefällt mir

immer noch sehr gut, sie bereitet

mir viel Spaß!“ Frau Treyer hat

eine der wichtigsten Rollen der

Schule inne, sie kümmert sich um

alles, was irgendwie hakt; ohne

ihren Einsatz würde so manches

nicht rund oder gar aus dem Ruder

laufen. Zu ihren Aufgaben gehören

das Kopieren, das Betreuen

der technischen Geräte und das

Weitergeben von Informationen,

um nur einige zu nennen. Wegen

ihres weit gefächerten Tätigkeitsbereichs

wird Sieglinde auch häufig

in Klassen und Spezialräume

beordert. „Es kann schon ziemlich

stressig sein, immer wieder wegen

irgendwelcher Kleinigkeiten in diverse

Räume geholt zu werden,

aber das gehört bei mir einfach

dazu, es macht mir Freude zu helfen,

wo ich kann. Solange noch

Zeit für ein Schwätzchen zwischendurch

bleibt, ist das kein Problem“,

meint die Schulwartin lachend.

Ihre Arbeit “hinter den Kulissen“

als „Mädchen für alles“ und ihr

ausgeglichenes Gemüt verdienen

ein hohes Maß an Anerkennung.

„So wie es aussieht, werde ich

wohl noch ein paar Jahre am Realgymnasium

bleiben“, schmunzelt

sie abschließend.


NICHT NUR EXPERIMENTE

MIT AHA!-EFFEKT

Mittlerweile gilt die Teilnahme

an der Südtiroler Chemieolympiade

als Fixpunkt im Schuljahr

des Realgymnasiums.

Bereits seit mehreren Jahren können

begabte und an der Chemie

interessierte SchülerInnen an den

Vorbereitungskursen (von November

bis Februar) teilnehmen und

sich dann dem schulinternen Kurswettbewerb

stellen (normalerweise

im März). Dabei qualifizieren sich

die besten zwei ChemikerInnen für

den Südtiroler Landeswettbewerb –

heuer waren dies Kuno Schwärzer

(4A) und Maximilian Mair (3E), die

ihr chemisches Wissen bereits im

vorigen Schuljahr gegen die Südtiroler

Konkurrenz zu beweisen

versuchten. Und zwar mit Erfolg:

Kuno Schwärzer schaffte 2009

den Sprung in die Österreichische

Chemieolympiade, bei dem sich

JungchemikerInnen aller Bundesländer

messen – und wir SüdtirolerInnen

sind mit dabei! 2006

qualifizierte sich Jonas Rivetti

sogar für die IChO (International

Chemistry Olympiad) in Südkorea,

bei der er mit einer Bronzemedaille

ausgezeichnet wurde – ein

schöner Erfolg für unsere Schule!

Trotzdem: Der Weg ist das Ziel

– dieser Grundsatz gilt trotz allen

Wettbewerbseifers. Bei den

Vorbereitungskursen zählte deshalb

nicht nur die „olympische“

Chemie, sondern es war auch die

Möglichkeit gegeben, diverse Versuche

durchzuführen und zu experimentieren.

Zudem führen einige

dieser an Chemie interessierten

SchülerInnen bei den Schulbesuchen

der MittelschülerInnen und

ihrer Eltern regelmäßig Experimente

mit Aha!-Effekt vor. Wie gesagt:

Im Mittelpunkt steht die Beschäftigung

mit der Chemie als spannende

Naturwissenschaft; gute Erfolge

sind ein schöner Nebeneffekt...

39


40

Ende April finden am Realgymnasium

Bruneck wieder die Projekttage

statt – heuer bereits

zum siebten Mal. Die SchülerInnen

der ersten, zweiten und

dritten Klassen werden dabei

drei Tage lang an einem selbst

gewählten Themenbereich arbeiten,

während die SchülerInnen

der vierten und fünften

Klassen ihre Lehrfahrten machen.

Für drei Tage wird dabei der übliche

Schulbetrieb aufgelöst, die

SchülerInnen befassen sich in 24

klassenübergreifenden Projektgruppen

mit überaus verschiedenen

Themen, die nicht unbedingt mit

dem Realgymnasium in Verbindung

gebracht werden. Der Bogen

spannt sich von Modellieren mit

Ton, Licht- und Schattenmalerei

und Schwarz-Weiß-Fotografie über

sportliche Aktivitäten, Theaterspielen

und Tanz bis hin zum Sezieren,

zum Illustrieren eines Astrobüchleins,

zu chemischen Versuchen

und zum Programmieren mit C#.

Auch die Angebote der Hauswirtschaftsschule

in Dietenheim zur

Lebensmittelherstellung und Textilverarbeitung

werden gerne angenommen.

Die Gruppen organisieren

sich selbst, verteilen die Aufagaben,

planen und reflektieren ihre Zusammenarbeit,

während eine Lehrperson

als AnsprechpartnerIn stets

in greifbarer Nähe ist, Anstöße gibt,

berät und für ein geregeltes Arbeiten

sorgt. Die Projekttage sollen

das eigenständige Arbeiten und die

Eigenverantwortlichkeit der SchülerInnen

fördern, ihre Teamfähigkeit

schulen, Kreativität zulassen und

natürlich auch Freude und Spaß

in und an der Schule ermöglichen.

Die Erfahrungen der letzten Jahre

haben gezeigt, dass SchülerIinnen

trotz vieler ungewohnter Freiheiten

ernsthaft und zielbewusst zu arbeiten

imstande sind und immer wieder

zu erstaunlichen Ergebnissen

kommen.

IMPROVISIEREN

Während zu Beginn der Projekttage

im Schuljahr 2002/2003 die

gesamte Schulgemeinschaft einbezogen

war, beteiligen sich seit


einigen Jahren die beiden oberen

Züge nicht mehr daran. Auch ist

die Dauer von fünf Tagen auf drei

Tage gestutzt worden. Das Themenangebot

hat sich ebenfalls

gewandelt, da das Arbeiten an

abstrakten und theoretischen Themen

bei den jüngeren SchülerInnen

nicht so gut ankommt. Sie arbeiten

viel lieber praktisch, wollen kreativ

gestalten, wollen mit ihren Händen

etwas schaffen, wollen sich ausgiebig

bewegen und grundsätzlich

etwas ganz anderes machen als im

normalen Unterricht. Und das wird

ihnen in diesen drei Tagen einfach

zugestanden. Natürlich müssen

auch hier Schwierigkeiten vielerlei

Art bewältigt werden, Improvisationsfähigkeit,

Einfallsreichtum und

viel Mühe sind oft notwendig, um

die angestrebten Projekte fertig zu

stellen und die gesteckten Ziele zu

erreichen. Die Mehrheit der „Wisslitzer“

zeigt sich jedenfalls begeistert

von den Projekttagen, zumal

nebenbei neue Bekanntschaften

zwischen den SchülerInnen der

verschiedenen Klassen geschlossen

werden.

Der Höhepunkt der Projekttage

wird auch heuer wieder die Vorstellung

der einzelnen Gruppen

und ihrer Arbeiten am Ende der

drei Tage und zum Teil beim

Schulfest Ende Mai sein.

41


42

DER LICHTGESCHWINDIGKEIT AUF DER SPUR

DAS ASTRO PROJEKT

Im Herbst 2008 startete am Realgymnasium

Bruneck ein aufwändiges

Astrophysik-Projekt: Eine

Gruppe von SchülerInnen wagte

sich an die Bestimmung einer der

fundamentalsten Naturkonstanten

– der Lichtgeschwindigkeit. Nach

mehr als einem halben Jahr Arbeit

lag im Frühjahr 2009 ein Ergebnis

vor, das sich sehen lassen konnte.

Mehr noch: Es war überhaupt das

erste Mal, dass dieses Unterfangen

an einer Schule gelang.

Brenda Zoderer und Christof

Wiedemair

Der 2001 verstorbene Astronom

Alfred Jensch wies im Jahre 1936

in einer Publikation darauf hin,

dass sich der Stern „CY Aquarii“

im Sternbild Wassermann für

die direkte Bestimmung der Lichtgeschwindigkeit

gut eignen sollte.

Aufgrund dieser Anregung schlossen

sich im Herbst 2008 die fünf

SchülerInnen David Cont, Maria

Lena Campei, Elisabeth Moritz,

Florian Peintner und Brenda Zoderer

mit dem Physiklehrer Christof

Wiedemair zu einer Astrogruppe

zusammen, um die Messung zu

DIE ASTROGRUPPE DES

REALGYMNASIUMS BRUNECK

von rechts: Florian Peintner, David Cont, Maria

Lena Campei, Elisabeth Moritz, Brenda Zoderer

und Fachlehrer Christof Wiedemair.

Der schwarze Zylinder an der Rückseite des

Teleskops ist die Astro-Kamera.

versuchen. Angespornt wurden die

Sechs vom Umstand, dass die direkte

Messung der Lichtgeschwindigkeit

normalerweise weit jenseits

der Möglichkeiten des Physiklabors

einer Schule liegt und dass eigenen

Recherchen zufolge der Vorschlag

von Jensch noch nie von

einer Schule aufgegriffen wurde.

Das Thema hat auch einen interessanten

wissenschaftsgeschichtlichen

Hintergrund, da bis in das

17. Jahrhundert nicht klar war,

ob die Geschwindigkeit des Lichts

nicht doch unendlich wäre.

Periodischer Stern

„CY Aquarii“ ist kein gewöhnlicher

Stern, sondern ändert seine Helligkeit

periodisch zwischen einem

Maximal- und einem Minimalwert.

Dies macht er in einer ausgesprochen

regelmäßigen Art und Weise.

Kennt man den genauen Zeitabstand

zwischen zwei Helligkeitsmaxima

- die Periodendauer -, so

kann man auch alle zukünftigen

Helligkeitsmaxima vorhersagen.

Weil sich die Erde aber um die

Sonne dreht, ändert sich laufend

ihr Abstand zum beobachteten


Stern. Bei einer Beobachtungen

des Sterns im September ist die

Erde näher an „CY Aquarii“ als bei

einer Beobachtung im Dezember.

Wegen der größeren Laufstrecke

braucht das Licht im Dezember

länger, um die Erde zu erreichen,

was sich in einer Verspätung

der Helligkeitsmaxima gegenüber

der Vorhersage bemerkbar macht.

Aus dieser „Lichtverspätung“, die

in etwa 12 Minuten beträgt, lässt

sich die Lichtgeschwindigkeit ermitteln.

Von September bis Dezember

2008 beobachteten wir den Stern

in 14 Nächten vom Dach des Realgymnasiums

aus. Da der Stern

mit dem Auge selbst im Teleskop

kaum sichtbar ist, wurde eine

hochempfindliche digitale Kamera

an das computergesteuerte Schulteleskop

angeschlossen. Insgesamt

wurden so 6.000 Aufnahmen

des Sterns zu je 20 Sekunden

gewonnen, was einer Gesamtbelichtungszeit

von über 33 Stunden

und einer Datenmenge von

4,5 Gigabyte entspricht. Bei den

Beobachtungen machten uns die

herbstlichen und winterlichen Wetterverhältnisse

schwer zu schaffen:

Selten war der Himmel gänzlich

wolkenlos, frisch gefallener Schnee

musste vom Schuldach geschaufelt

werden, plötzlich einsetzender

Regen zwang die Gruppe, die Beobachtung

abzubrechen und das

empfindliche Teleskop samt Elektronik

eiligst abzubauen. Manche

Widrigkeiten führten zu kreativen

Gegenmaßnahmen: Eine eigens

entworfene und selbst konstruierte

Teleskopheizung verhinderte das

Beschlagen der Optik durch die

feuchte Novemberluft. Manches

ließ sich aber nicht ändern, wie

etwa die Aufhellung des Nachthimmels

durch die künstliche Stadtbeleuchtung.

Helligkeitsschwankungen

Bei der Auswertung der gesammelten

Daten stießen wir schnell

an die Grenzen unserer Hard- und

Software. Schließlich musste auf

jeder gewonnen Aufnahme die

Menge des gesammelten Lichts

vermessen und in einen Helligkeitswert

umgewandelt werden.

Trägt man diese Werte gegen die

Zeit auf, so werden die Helligkeitsschwankungen

des Sterns erkennbar

(Abbildung 1). Aus einer Vielzahl

solcher „Lichtkurven“ konnten

wir die Periodendauer von „CY

Aquarii“ ermitteln. Der von uns gefundene

Wert beträgt 87 Minuten,

53,63 Sekunden und liegt nur ein

Zwölftel Sekunde unter dem Wert,

der im Jahr 2003 von einem Forscherteam

der Universität Brüssel

ermittelt wurde. In der Zwischenzeit

hat sich ebendieses Forscherteam

bei uns gemeldet und um die Zusendung

unserer Beobachtungsdaten

gebeten, um diese gemeinsam

mit ihren Ergebnissen publizieren

zu können – eine besondere Genugtuung

für die Astrogruppe.

Die hohe Genauigkeit in der Periodenbestimmung

war notwendig,

schließlich liegen im Beobachtungszeitraum

von September bis Dezember

mehr als 1.600 Helligkeitsmaxima.

Selbst ein anfangs kleiner

Fehler wird durch diesen Faktor

stark aufgebläht. Angesichts dieser

Herausforderung waren die geometrischen

Überlegungen zur relativen

Lage von Erde, Sonne und Stern

im Jahreslauf noch einfach.

43


44

257.000 Kilometer pro Sekunde

Schließlich kristallisierte sich Ende

April 2009 ein vorläufiges Endergebnis

heraus: Das Licht bewegt

sich im Weltraum mit 257.000

Kilometer pro Sekunde fort. Der

tatsächliche Wert beträgt fast

300.000 Kilometer pro Sekunde.

Mit dieser Geschwindigkeit könnte

man die Erde in einer Sekunde

siebenmal umrunden, zum Mond

bräuchte man eineinhalb Sekunden.

Wenn man sich vor Augen

hält, dass das Licht trotz dieser

hohen Geschwindigkeit 1.300 Jahre

lang von „CY Aquarii“ zu uns

unterwegs war, wird einem die

Größe des Kosmos bewusst.

über unser Projekt informieren will,

kann dies im Internet unter der

Adresse http://astro.realgymnasium-bruneck.eu

tun. Ein Dank für

die Unterstützung des Projekts gilt

den Direktoren Alfred Niederhofer

und Gregor Beikircher und dem

technischen Assistenten Albert

Kofler.

Die Abweichung zwischen unserem

Wert und der tatsächlichen

Geschwindigkeit des Lichts beträgt

14 Prozent und ist fast vollständig

auf die außerordentliche Schwierigkeit

der Periodenbestimmung

zurückzuführen. Wer sich genauer


Die Klasse 4 B des Realgymnasiums

Bruneck hat im Mai 2009

das überaus aktuelle Theaterstück

„Top Dogs“ des Schweizer Dramatikers

Urs Widmer mit großem Erfolg

aufgeführt. Darin geht es um

die Wiedereingliederung arbeitslos

gewordener Top-Manager.

Urs Widmers Drama ist eine Sozialsatire,

die er mit dem Regisseur

Volker Hesse erstmals beim

Berliner Theatertreffen 1997 vorgestellt

hat. Darin geht es es um

Topmanager, die ihre Seele gegen

Geld, Macht und Anerkennung

verkauft haben. Sie richteten ihr

Leben völlig nach den Firmen aus,

für die sie arbeiteten. Doch was

geschieht, wenn diese Leute irgendwann

ihren Job, ihr Ein und

Alles, verlieren? Denn im ziemlich

wölfischen Kapitalismus, der sich

mittlerweile weltweit seinen Weg

bahnt, müssen Manager nicht nur

reihenweise ihre Untergebenen,

sondern gelegentlich auch sich

selbst entlassen. Die Arbeitslosigkeit

trifft also nicht nur die einfachen

Arbeiter und Angestellten,

die „Underdogs“, sondern auch

die „Top Dogs“ - die Globalisierung

frisst ihre liebsten Kinder.

Das ist die groteske Logik der

Ökonomie. Um den Absturz dieser

„Top Dogs“ etwas abzufedern, um

ihnen zu helfen, den Schock und

die Enttäuschung ihrer plötzlichen

Arbeitslosigkeit zu verarbeiten und

sie fit zu machen für die berufliche

Wiedereingliederung, gibt es

mittlerweile weltweit operierende

„Outplacement-Agenturen“. Die

Tragikomödie von Urs Widmer erzählt

vom Alltag in einer solchen

Agentur. Die Klasse 4 B des Realgymnasiums

Bruneck hat das sozialkritische

Stück unter der Regie

ihres Deutschlehrers Hans Peter

Lercher auf eine Stunde gekürzt

und mit multimedialen Mitteln zu

einem leicht verständlichen und

überaus aktuellen Drama über die

menschlichen Abgründe der heutigen

Wirtschaftswelt ausgebaut.

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DIE KLASSE 4B SPIELTE IM MAI 2009 DAS

DRAMA „TOP DOGS“ VON URS WIDMER

(vorne von links): Maria Hellweger, Debora Agreiter, Marina Sula,

Nathalie Burger, Eugen Happacher, Manurishi Nanda, Valentin Hellweger;

(hinten von links): Martin Leitgeb, Lukas Kerschbaumer, Pia

Rolandelli, Patrick Maurer, Sophia Kofler, Petra Hainz, Elisabeth

Pörnbacher, Judith Volgger und Nora Oberarzbacher.

46

Die Utopie vom Menschen

Auszug aus dem Drama „Top

Dogs“ von Urs Widmer

Es wird, es muss die Zeit kommen,

da wir Menschen uns achten

und mit Würde begegnen. Ja. Da

wir unsre Bedürfnisse stillen, ohne

uns niederzutreten im Kampf um

immer mehr. Ohne die Tiere zu

morden, die Bäume zu fällen, die

Wässer zu trüben. Da ein jeder

Mensch dem andern gleich seinen

Teil leistet. Da die Frauen nicht

den Männern untertan sind, und

die Männer nicht den Frauen. Da

die Menschen das tun, was zu tun

ihnen ihre Begabung erlaubt, an

ihrem Ort, mit ihrer Kraft, in Freiheit.

Mit dem Feuer ihrer Herzen.

Und zu ihrer Zeit.

Jeder wird seine eigene Zeit haben.

Das Schlagen unserer Herzen wird

unser Maß werden, das Atmen der

Lungen.

Oh, natürlich werden wir arbeiten.

Wir werden Dinge herstellen,

notwendige und auch ein paar

überflüssige, wir werden mit ihnen

handeln. Oh ja. Wir werden sie

verkaufen und kaufen. Oh gewiss.

Aber nach den Bedürfnissen aller,

in denen die unsern enthalten sein

werden.

Unsre Grenzen werden wir als

Glück und nicht als Mangel erleben.

Wir werden nicht alles haben

wollen und werden nicht alles haben.

Aber keiner wird nichts haben.

Die Flüsse sind voller Fische. Die

Luft ist ein Getränk. Die Wiesen

leuchten. Die Städte sind schön.

Wir sind wir und fühlen uns als

uns. Es gibt kein Ich, das nur „lch“

sein kann, wenn es ein Du tötet. Es

wird den Tod geben, den Schmerz,

das Leid. Die Trauer, wenn sich ein

Schicksal erfüllt zu seiner Zeit oder

vor seiner Zeit gar. Aber keiner wird

dann allein sein mit seinen Tränen.

Die Menschen werden trösten und

helfen. So wird es werden; wenn

nicht in diesem, dann im nächsten

Jahrtausend.


EALITY

2010.01

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