Reality - 45 Jahre RGB.indd - Kindergarten und Schule in Südtirol

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Reality - 45 Jahre RGB.indd - Kindergarten und Schule in Südtirol

tenz, die für mich heute, in dieser

schnelllebigen Zeit mit dieser

Unmenge an Informationen, Informationskanälen

und Medien, nicht

mehr wegzudenken ist.

REALITY: Was war Ihr Lieblingsfach?

AR: Richtiges Lieblingsfach hatte

ich keines. Interessiert haben mich

vor allem die Naturwissenschaften,

also das Verstehen und Beschreiben,

was unsere Welt zusammenhält

und wie sie aufgebaut ist.

Nicht weniger interessant waren

aber die Geisteswissenschaften,

wo wir uns mit den großen Gedanken

und Denkern auseinandersetzten

– wobei ich sagen muss, dass

ich damals bei Weitem noch nicht

über die notwendige geistige Reife

für die Inhalte verfügte. Trotzdem

war es ein spannendes Gefühl,

auch nur zu erahnen, was es alles

an großartigen Gedanken gibt. Es

war also die Kombination von Naturwissenschaften

und Geisteswissenschaften,

von Berechenbarem

und Nicht-Berechenbarem, die das

Realgymnasium für mich äußerst

interessant machten. Letztendlich

gehört in jedem Bereich auch der

irrationale, menschliche Faktor

dazu: Gefühle, Emotionen, Hoffnungen,

Wünsche, die für jeden

– ob Techniker, Physiker oder wen

auch immer – eine wichtige Rolle

spielen.

REALITY: Das Realgymnasium als

allgemeinbildende Schule sollte

eine breite Bildung in vielen Bereichen

vermitteln – gibt es trotzdem

Fächer, die in Ihren Augen zu kurz

gekommen sind?

AR: Sicherlich der sprachliche Teil;

das habe ich selbst miterlebt und

fällt mir auch heute immer wieder

bei Bewerbern auf, schließlich

ist ein korrekter Umgang mit

Deutsch, Italienisch und Englisch

heute eine Grundvoraussetzung.

Vielleicht auch Latein! (lacht) Doch

Spaß beiseite: Mir reichte Latein

absolut aus, aber gerade die Fähigkeiten,

die durch das Erlernen

dieser Sprache vermittelt werden,

sind enorm hilfreich, wenn es darum

geht, sich neues Wissen anzueignen.

REALITY: Was sehen Sie kritisch,

wenn Sie an Ihre Schulzeit am Realgymnasium

denken?

AR: Was ich mir im Nachhinein

gewünscht hätte, wären zum Teil

höhere Leistungsanforderungen!

Freilich ist es nicht unbedingt das,

was man als Schüler will - das

konnte ich damals auch noch

nicht erkennen: Mehr lernen und

mehr leisten (lacht). Aber letztendlich

bedeutet es doch, an sich

und den eigenen Fähigkeiten zu

arbeiten, um die Möglichkeiten

auszuschöpfen und die eigenen

Chancen zu steigern.

REALITY: Also hat in gewisser Hinsicht

das Leistungsprinzip gefehlt?

AR: Ganz gefehlt hat es natürlich

nicht – aber wie erwähnt, hätte ich

mir gerade in einer weiterführenden

Schule höhere Leistungsanforderungen

gewünscht. Das Risiko ist

natürlich, dass nicht mehr jeder in

der Klasse den Abschluss schafft.

Aber es bleibt die stereotype

Frage: „Soll man sich nach dem

schwächsten oder dem stärksten

Glied in der Gruppe richten?“

REALITY: Was letztendlich eine

Grundsatzfrage darstellt...

AR: Hier den richtigen Weg zu finden

ist nicht immer leicht für eine

Schule, da sie mit vielen Erwartungen

konfrontiert ist. Dazu ist

auch zu sagen, dass einige Lehrpersonen

dies sicherlich auch gut

gemacht haben, uns zu fordern

und zu fördern. Leider ist Leistung

heute - außer vielleicht im

Sport - oft negativ behaftet. Dieser

Begriff kann im Verhaltensbereich

nicht mit der rein physikalischen

Definition, nämlich „Arbeit in einer

bestimmten Zeit“, gleichgesetzt

werden, denn in diesem Fall hätte

„leisten“ wirklich mehr mit „auspressen“

zu tun. Leistung bedeutet

vielmehr: Möglichkeiten ausschöpfen,

Einsatz zeigen, Verbesserungen

suchen. Leistung steht auch in

einem engen Zusammenhang mit

Zufriedenheit. Leistung ist heute

weder überlebensnotwendig noch

erforderlich, um sich ein „gutes“

Leben zu leisten. Es gibt genug Situationen,

in denen jemand ohne

viel Leistung nicht schlechter lebt

als jemand , der versucht, etwas

zu bewegen. Letztendlich kommen

wir jedoch um das Leistungsprinzip

nicht herum, wenn wir etwas

verändern wollen.

REALITY: Abschließend kann also

gesagt werden, dass die Ausbildung

am Realgymnasium eine

gute Basis für das Leben war?

AR: Ja, auf alle Fälle. Doch wenn

ich heute mit der Frage konfrontiert

werde, welche Schule nun

die richtige sei, möchte ich dies

doch ein wenig differenziert sehen.

Jeder Schüler soll das tun,

was ihm gefällt. Was ich jedem

raten möchte: Chancen sehen –

nicht warten, bis der gewünschte

Arbeitsplatz ausgeschrieben wird.

Deshalb: Selbst aktiv werden – mit

dem Risiko, auch einmal Fehler zu

machen. Denn gerade Fehler bringen

uns weiter!

REALITY: Vielen Dank für das aufschlussreiche

Gespräch!

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