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Bericht, pdf - Institute of Cartography - ETH Zürich

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Rekonstruktion von<br />

Gletscher-Höhenmodellen<br />

<strong>Bericht</strong> zur Masterarbeit<br />

Autor<br />

Andreas Sidler<br />

Gschweighusweg 8<br />

CH-6403 Küssnacht<br />

asidler@student.ethz.ch<br />

Leitung<br />

Pr<strong>of</strong>. Dr. Lorenz Hurni<br />

Institut für Kartografie und<br />

Geoinformation<br />

<strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong><br />

Geomatik und Planung MSc<br />

Frühjahrssemester 2011<br />

Betreuung<br />

Samuel Wiesmann, IKG<br />

Dr. Andreas Bauder, VAW


Masterarbeit FS 2011<br />

Vorwort<br />

Die vorliegende Masterarbeit wurde während dem dritten Semester des Masterstudiengangs<br />

Geomatik und Planung am Institut für Kartografie und Geoinformation im Departement für<br />

Bau, Umwelt und Geomatik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule <strong>Zürich</strong> geschrieben.<br />

Das Thema „Rekonstruktion von Gletscher-Höhenmodellen“ bildet eine schöne Symbiose und<br />

zugleich Abschluss meines Studiums. Es beinhaltet einerseits die Thematik der Kartografie in<br />

gedruckter Form, die in der Schweiz seit vielen Jahrzehnten Tradition ist und anderseits werden<br />

computergestützte Prozesse aus dem GIS-Bereich in der Verarbeitung der Daten eingesetzt. Die<br />

Zeit, die zwischen der Entstehung dieser zwei Thematiken liegt, ist wiederum auch im Karteninhalt<br />

von früher und heute sichtbar. Dieser Inhalt der Karte, der einst war und heute nicht<br />

mehr ist, bildet den Schwerpunkt dieser Arbeit.<br />

Der interdisziplinäre Charakter dieser Masterarbeit mit Kartografie und Glaziologie hat einen<br />

besonderen Reiz auf mich ausgeübt. Zudem ist es interessant, dass die aus dieser Arbeit hervorgehenden<br />

Daten von der Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie der<br />

<strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong> für ihre Forschungen und Analysen weiterverwendet werden.<br />

Einen herzlichen Dank möchte ich meinem Betreuer Samuel Wiesmann vom Institut für Kartografie<br />

und Geoinformation aussprechen. Er hat mich stets mit seinen Hilfestellungen und<br />

Ideen tatkräftig unterstützt. Für Antworten im Bereich der Glaziologie möchte ich mich bei Dr.<br />

Andreas Bauder von der Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie bedanken.<br />

Danke sagen möchte ich auch den sieben Expertinnen und Experten, die an der Expertenbefragung<br />

teilgenommen haben und mir ihre Erfahrung und Wissen anvertrauten. Ein grosses Merci<br />

geht an Roland Schenkel, Autor einer Bachelorarbeit zu diesem Thema, für die gute Zusammenarbeit<br />

und den Austausch.<br />

Zum Schluss bedanke ich mich beim Institut für Kartografie und Geoinformation unter der Leitung<br />

von Pr<strong>of</strong>. Dr. Lorenz Hurni für das zur Verfügung stellen von einem Arbeitsplatz und allen<br />

Mitarbeitenden des Instituts, die mich während der Arbeit in irgendeiner Form unterstützten.<br />

I


Masterarbeit FS 2011<br />

Zusammenfassung<br />

Diese Masterarbeit befasst sich mit der Rekonstruktion von Gletscher-Höhenmodellen abgeleitet<br />

aus der Erstausgabe der Landeskarte 1:50'000. Die Arbeit wird in Zusammenarbeit mit der<br />

Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie der <strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong> (VAW) durchgeführt.<br />

Seit über vier Jahrzehnten werden Daten über die Gletscherveränderungen in den<br />

Schweizer Alpen von der Abteilung Glaziologie gesammelt und ausgewertet.<br />

Werden heutzutage Gletscher-DHMs erfasst, geschieht dies meist mittels Luftbildern oder Lidar<br />

aus dem Flugzeug. Wenn aber Gletscherstände von früheren Zeiten von Interesse sind,<br />

werden die Höheninformationen häufig aus alten Karten rekonstruiert.<br />

Ziel dieser Arbeit ist es, einen weiteren Gletscherstand zur Datensammlung der VAW hinzuzufügen,<br />

so dass die Daten für weitere Forschungszwecke zur Verfügung stehen. Der Fieschergletscher,<br />

der zweitlängste Gletscher der Alpen, inklusive Galmi- und Studergletscher<br />

werden digitalisiert und daraus ein Höhenmodell abgeleitet.<br />

Bis anhin wird die Erfassung der Höhenlinien bei der VAW manuell durch Punktabsetzung<br />

durchgeführt. Diese Arbeit zeigt ein Digitalisierungsverfahren auf, das eine Extraktion, Vektorisierung<br />

und Attribuierung der Höhenlinien mittels eines halbautomatischen Verfahrens ermöglicht.<br />

Zur Überprüfung und Kontrolle dieses neuen Verfahrens wird ein DHM des Glacier de Moiry als<br />

Testgebiet rekonstruiert. Dieser Gletscher eignet sich hierfür sehr gut, da er eine kleinere Fläche<br />

aufweist und die VAW bereits über ein DHM aus der Erstausgabe der Landeskarte 1:50'000 verfügt.<br />

Zeitgleich rekonstruiert Roland Schenkel in seiner Bachelorarbeit diesen Gletscher mit<br />

demselben Verfahren. Dies ermöglicht die beiden Verfahren unabhängig vom Operateur zu<br />

vergleichen und Genauigkeitsabschätzungen zu machen. Die Resultate dieser Vergleiche zeigen,<br />

dass das neue Verfahren durchaus für weitere Gletscher angewendet werden kann.<br />

Ein weiterer Teil dieser Arbeit widmet sich verschiedenen Visualisierungen im Gletschergebiet.<br />

Das rekonstruierte DHM aus der Landeskarte wird mit einem aktuellen DHM verglichen und die<br />

Höhenveränderungen ausgegeben. Diese Eisdickenab- und –zunahmen werden auf verschiedene<br />

Art und Weise präsentiert. Zudem wird ein interaktives Beispiel für einen Datenviewer basierend<br />

auf Web-Technologie entwickelt.<br />

Mit der Durchführung einer Expertenbefragung unter Experten aus den Fachgebieten Kartografie<br />

und Glaziologie werden die Visualisierungen evaluiert und Ableitungen genereller Aussagen<br />

zur Darstellung der Thematik Höhenveränderungen auf dem Gletschergebiet gemacht.<br />

II


Masterarbeit FS 2011<br />

Inhaltsverzeichnis<br />

1 Einleitung ..................................................................................................................................1<br />

1.1 Ausgangslage ............................................................................................................................................1<br />

1.2 Zielsetzung der Arbeit ............................................................................................................................1<br />

1.3 Aufbau der Arbeit .................................................................................................................................... 2<br />

2 Grundlagen, Methoden, Vorgehen ..................................................................................... 3<br />

2.1 Landeskarte der Schweiz ...................................................................................................................... 3<br />

2.1.1 Genauigkeit der neuen Landeskarten der Schweiz ........................................................ 4<br />

2.1.2 Zeichnungsgenauigkeit der Landeskarten ....................................................................... 6<br />

2.2 Digitale Höhenmodelle bei der VAW .............................................................................................. 6<br />

2.3 Verwendete Grundlagen und Methoden ....................................................................................... 7<br />

2.3.1 Geodaten-Grundlagen ............................................................................................................. 7<br />

2.3.2 Etappe 1: Testgebiet „Glacier de Moiry“ .............................................................................8<br />

2.3.3 Etappe 2: Studiengebiet „Fieschergletscher“ ...................................................................8<br />

2.3.4 Etappe 3: Visualisierung und Vergleiche des Studiengebietes ..................................8<br />

2.4 Vorgehen ................................................................................................................................................... 9<br />

2.4.1 Schritt 1: Bildbearbeitung und Farbseparierung ............................................................ 9<br />

2.4.2 Schritt 2: Vektorisierung von Rasterdaten zu Vektordaten ........................................ 9<br />

2.4.3 Schritt 3: Interpolation von Höhenmodellen .................................................................. 10<br />

2.4.4 Schritt 4: Visualisierungen und Vergleiche ..................................................................... 10<br />

2.5 Arbeitsmittel ........................................................................................................................................... 10<br />

3 Beschreibung der Aufbereitung der digitalen Grundlagen ........................................... 11<br />

3.1 Bildbearbeitung und Farbseparierung ........................................................................................... 11<br />

3.2 Vektorisierung von Rasterdaten zu Vektordaten ....................................................................... 12<br />

3.3 Attribuierung der Höhenlinien ......................................................................................................... 16<br />

3.3.1 Manuelles Attribuieren .......................................................................................................... 16<br />

3.3.2 Halbautomatisches Attribuieren mit Tool Contourline Attribution ...................... 17<br />

3.4 Interpolation ........................................................................................................................................... 18<br />

III


Masterarbeit FS 2011<br />

3.4.1 Unterschied zwischen Raster und TIN .............................................................................. 18<br />

3.4.2 Interpolationsmethoden ...................................................................................................... 20<br />

3.4.3 Interpolationswerkzeuge ..................................................................................................... 20<br />

3.4.4 Qualitätskontrolle .................................................................................................................... 21<br />

3.5 Visualisierung ......................................................................................................................................... 22<br />

3.5.1 Kartografie und Glaziologie ................................................................................................. 22<br />

3.5.2 Darstellungen von Veränderungen auf Gletschergebiet........................................... 23<br />

3.5.3 Farbe in vergleichenden Darstellungen .......................................................................... 24<br />

3.5.4 Farbe in der thematischen Kartografie ............................................................................ 25<br />

3.5.5 Begriffsdefinition 3D und 2.5D ........................................................................................... 26<br />

4 Testgebiet „Glacier de Moiry“ ............................................................................................ 27<br />

4.1 Glacier de Moiry ..................................................................................................................................... 27<br />

4.2 Von der Karte zum DHM .................................................................................................................... 28<br />

4.3 Vergleiche der Resultate vom Testgebiet .................................................................................... 29<br />

4.3.1 Legende der nachfolgenden Vergleiche .......................................................................... 30<br />

4.3.2 Vergleich DHM Schenkel (Linien) und DHM Sidler (Linien)...................................... 30<br />

4.3.3 Vergleich DHM VAW und DHM Sidler .............................................................................. 32<br />

4.3.4 Vergleich DHM VAW (Punktraster 25 m) und DHM Schenkel (Linien)................. 34<br />

4.3.5 Vergleich DHM Sidler (Linien) und DHM Sidler (Stützpunkte)................................. 35<br />

4.3.6 Vergleich der Raster aus Punkten zwischen Raster VAW und Raster Sidler....... 36<br />

4.3.7 Georeferenzierung der Kartengrundlage bei der VAW .............................................. 37<br />

4.3.8 Reklassifizierung der Differenzen ..................................................................................... 40<br />

4.3.9 Volumenberechnung der Differenzen ............................................................................. 42<br />

4.3.10 Qualitativer Konturlinien-Vergleich ................................................................................. 43<br />

4.3.11 Übersicht aller Vergleiche und Interpretation .............................................................. 44<br />

5 Studiengebiet „Fieschergletscher“.................................................................................... 45<br />

5.1 Fieschergletscher.................................................................................................................................. 45<br />

5.2 Erstellung der Gletscherumrandung ............................................................................................ 46<br />

5.2.1 Bestimmung der Fläche und Länge des Fieschergletschers .................................... 48<br />

5.3 Interpolation von Höhenmodellen ................................................................................................ 49<br />

IV


Masterarbeit FS 2011<br />

5.3.1 Verifizierung der Genauigkeit des DHM1927 ................................................................. 52<br />

5.4 Visualisierungen von Höhendifferenzen auf dem Fieschergletscher................................ 54<br />

5.4.1 Vergleiche verschiedener DHMs ........................................................................................ 54<br />

5.4.2 Zweidimensionale Darstellungen ..................................................................................... 54<br />

5.4.3 2D-Visualisierung mit Kreissymbolen.............................................................................. 58<br />

5.4.4 Dreidimensionale Darstellungen ....................................................................................... 61<br />

5.4.5 Gestaffelte Pr<strong>of</strong>ile ................................................................................................................... 63<br />

5.4.6 Interaktives Beispiel ............................................................................................................... 64<br />

6 Evaluierung der Visualisierungen ...................................................................................... 67<br />

6.1 Experteninterviews.............................................................................................................................. 67<br />

6.2 Interviewablauf, Befragungsinhalt und Fachexperten........................................................... 67<br />

6.3 Auswertung der Experteninterviews ............................................................................................ 68<br />

6.4 Resultate und Interpretation der Expertenbefragung ............................................................ 69<br />

6.4.1 Frageblock 1: Farbgebung und Farbschema .................................................................. 69<br />

6.4.2 Frageblock 2: Basiskarte und Thematik ........................................................................... 70<br />

6.4.3 Frageblock 3: Grössenproportionale Kreise..................................................................... 72<br />

6.4.4 Frageblock 4: Gestaffelte Pr<strong>of</strong>ile ......................................................................................... 73<br />

6.4.5 Frageblock 5: 2.5D-Visualisierungen ..................................................................................74<br />

6.4.6 Frageblock 6: Interaktives Beispiel .....................................................................................74<br />

6.4.7 Frageblock 7: Abschluss ........................................................................................................ 76<br />

6.4.8 Abschliessende Interpretation zu den Expertenbefragung ..................................... 78<br />

7 Ausblick und Fazit................................................................................................................. 79<br />

7.1 Ausblick .................................................................................................................................................... 79<br />

7.2 Fazit ........................................................................................................................................................... 79<br />

8 Literaturverzeichnis ............................................................................................................. 81<br />

Anhang .................................................................................................................................. A-1<br />

A 1 Karten ...................................................................................................................................................... A-1<br />

A 2<br />

Unterlagen Expertenbefragung .....................................................................................................A-5<br />

V


Masterarbeit FS 2011<br />

Tabellenverzeichnis<br />

Tabelle 1: Farbverwendung in den Landeskarten der Schweiz nach Knöpfli [1978] ............................ 4<br />

Tabelle 2:<br />

Tabelle 3:<br />

Transformationsparameter zwischen gescannter Karte von der VAW und der<br />

verwendeten georeferenzierten Karte der SWISSTOPO .............................................................. 38<br />

Unterschied zwischen den Differenzen vom nicht transformierten und vom<br />

transformierten Raster in [m] verglichen mit dem DHM Sidler (Linien) .......................... 38<br />

Tabelle 4: Kenngrössen der Differenzen aller angewendeten Transformationen in [m]............... 39<br />

Tabelle 5: Zusammenstellung einer Reklassifizierung eines Höhen-Differenzrasters ..................... 41<br />

Tabelle 6: Zusammenstellung aller Vergleiche der DHMs des Testgebiets „Glacier de Moiry“ ... 44<br />

Tabelle 7: Flächen-Differenz der Gletscherumrandung beim Fieschergletscher bei<br />

halbautomatischer und manueller Erstellung. Die Werte sind aus der Erstausgabe der<br />

LK50 mit Gletscherstand von 1927 abgeleitet. ............................................................................47<br />

Tabelle 8: Fläche und Länge des Fieschergletscher nach Quelle und Jahr ........................................... 49<br />

Tabelle 9:<br />

Tabelle 10:<br />

Mittelwerte und Standardabweichungen über 211 Koten in der Erstausgabe LK50,<br />

DHM1927 und DHM2008 im Gebiet des Fieschergletscher in [m]...................................... 53<br />

Vor- und Nachteile der Verwendung von GOOGLE EARTH und GOOGLE EARTH Plug-In für<br />

eine interaktive Applikation mit Einbindung eigener Daten. ............................................... 65<br />

Tabelle 11: Experten der Expertenbefragung ................................................................................................... 68<br />

VI


Masterarbeit FS 2011<br />

Abbildungsverzeichnis<br />

Abbildung 1: Umschreibung der Landeskarte 1:50’000 in einer Verfügung im Jahre 1936 ....... 4<br />

Abbildung 2:<br />

Höhenfehler der neuen Landeskarten 1: 50'000 im Blatt Rochers de Naye, mit<br />

zulässigem mittlerem Fehler und Durchschnittsfehler [Bertschmann, 1957] ...... 5<br />

Abbildung 3: Originalbild (links) und blauer Farbkanal extrahiert (rechts) ................................... 12<br />

Abbildung 4: Kanalberechnungen der Farbtöne Cyan, Magenta und Schwarz ........................... 12<br />

Abbildung 5: Verwendete Parameter in der Extension ARCSCAN für die Vektorisierung ........... 13<br />

Abbildung 6: ARCSCAN Vektorisierungsparameter INTERSECTION SOLUTION; Links: Median;<br />

Rechts: None .............................................................................................................................. 13<br />

Abbildung 7:<br />

Abbildung 8:<br />

Vektorisierung der braunen und schwarzen Höhenlinie. 1 Pixel entspricht 2.5 m<br />

in natura ...................................................................................................................................... 15<br />

Beispiel einer Vektorisierung; links: Blauer binärer Layer aufgrund des<br />

Koordinatengitters durchtrennte Vektoren (rot); rechts: manuell geschlossene<br />

und korrigierte Höhenlinie (grün) und gelöschte Vektoren bei<br />

Höhenlinienbeschriftung ...................................................................................................... 15<br />

Abbildung 9: Blaue Höhenlinien vektorisiert mit ARCSCAN und manueller Nachbearbeitung 16<br />

Abbildung 10:<br />

Abbildung 11:<br />

Zuordnung der Höhenlinien (rot) in Gletscherspalten ist häufig eine<br />

Schwierigkeit. Im Hintergrund Erstausgabe LK50. ....................................................... 17<br />

Gebiet des Fieschergletscher mit den Höhenlinien (rot) und den Hilfslinien<br />

(pink) zur halbautomatischen Attribuierung ................................................................. 18<br />

Abbildung 12: Kreiskriterium der Delaunay-Triangulation .................................................................... 19<br />

Abbildung 13:<br />

Abbildung 14:<br />

Gewöhnliche Triangulation und Delaunay-Triangulation [geoinformation.net,<br />

2003] ........................................................................................................................................... 19<br />

Vergleich zwischen den aus der Karte digitalisierten (rot) und aus dem DHM<br />

berechneten (grün) Höhenlinien im Bereich der Gletscherzunge des Glacier de<br />

Moiry ............................................................................................................................................. 22<br />

Abbildung 15: Darstellung der Höhenab- und zunahme mit der Verwendung von<br />

Differenzbändern aus Winter [2001] ................................................................................ 25<br />

Abbildung 16: Luftaufnahme des Glacier de Moiry [VAW, 2010a] ...................................................... 27<br />

Abbildung 17: Schritte von der Karte zur digitalen Höheninformation und Höhendifferenz .. 29<br />

Abbildung 18: Legende der Differenzen im Testgebiet Glacier de Moiry in [m] ........................... 30<br />

Abbildung 19:<br />

Unterschiedliche Technik der Vektorisierung von Schenkel (schwarz) und Sidler<br />

(rot)................................................................................................................................................ 31<br />

Abbildung 20: Differenzraster des Vergleichs DHM (Sidler) und DHM (Schenkel)........................ 32<br />

VII


Masterarbeit FS 2011<br />

Abbildung 21:<br />

Abbildung 22:<br />

Differenzraster des Vergleich DHM VAW (Punkraster 25 m) und DHM Sidler<br />

(Linien).......................................................................................................................................... 33<br />

Links: Histogramm des Differenzrasters des Vergleichs DHM VAW (Punktraster<br />

25m) und DHM Sidler (Linien); Rechts: Histogramm des Differenzrasters des<br />

Vergleichs DHM VAW (Stützpunkte) und DHM Sidler (Linien)............................... 34<br />

Abbildung 23: Differenzraster des DHM Sidler (Linien) und DHM VAW (Stützpunkte) ............. 34<br />

Abbildung 24:<br />

Abbildung 25:<br />

Abbildung 26:<br />

Abbildung 27:<br />

Abbildung 28:<br />

Vergleich des Differenzrasters des DHM VAW (Punktraster 25 m) und DHM<br />

Schenkel (Linien)....................................................................................................................... 35<br />

Vergleich des Differenzrasters des DHM Sidler (Linien) und DHM Sidler<br />

(Stützpunkte)............................................................................................................................ 36<br />

Vergleich des Differenzrasters des DHM VAW (Stützpunkte) und DHM Sidler<br />

(Stützpunkte)............................................................................................................................ 36<br />

Vektorisierte Stützpunkte der VAW (grüne Punkte) und Höhenlinien Sidler<br />

(rote Linien) ................................................................................................................................ 37<br />

Toolbox Georeferencing mit der Transformation Adjust, den Residuen und des<br />

RMSE; rechts im Bild ist ein Referenzpunkt zu erkennen .......................................... 40<br />

Abbildung 29: Verteilung der reklassifizierten Höhendifferenzen pro Klasse in [m] ................... 41<br />

Abbildung 30:<br />

Volumenberechnung aus dem Differenzraster zweier DHMs / Schrägansicht<br />

auf den Umriss des Glacier de Moiry von Südosten ............................................... 43<br />

Abbildung 31: Zwei Ausschnitte desselben qualitativen Konturlinienvergleichs mit<br />

berechneten Höhenlinien aus verschiedenen Interpolationen .............................. 43<br />

Abbildung 32: Luftaufnahme des Fieschergletschers in seinem Zungenbereich ......................... 46<br />

Abbildung 33: Halbautomatische Erstellung der Gletscherumrandung für den<br />

Fieschergletscher: (1) Blaue Höhenlinien; (2) 25 m-Buffer um jede Linie; (3)<br />

Zwischenflächen automatisch aufgefüllt; (4) manuelles Schliessen der Lücken<br />

und ausschneiden der Löcher; (5) Mit Dissolve wird ein fertiges Feature<br />

generiert; (6) Messlinie zur Längenbestimmung des Gletschers .......................... 48<br />

Abbildung 34:<br />

Abbildung 35:<br />

Abbildung 36:<br />

Abbildung 37:<br />

Ausschnitt eines Rasters generiert aus einem regelmässigen Punktraster. Die<br />

Werte sind die Höhen der Punkte resp. der Pixel in [m]. In der Mitte der<br />

Rasterzelle ist deren Höhe angegeben in [m]. .............................................................. 50<br />

Fieschergletscher Differenzraster der DHMs DHM1927 – DHM1927_VAW in [m].<br />

A = Finsteraarhorn; B = Gross Wannenhorn ................................................................... 51<br />

Links die steilsten Gebiete um den Fieschergletscher in [°]; rechts: die grössten<br />

Differenzen der Interpolation in [m] ................................................................................. 52<br />

Vergleich zwischen den digitalisierten (rot) und aus dem DHM berechneten<br />

(schwarz) Höhenlinien im Bereich südlich des Finsteraarhorns auf dem<br />

Fieschergletscher ..................................................................................................................... 54<br />

VIII


Masterarbeit FS 2011<br />

Abbildung 38: Visualisierung der Höhendifferenzen zwischen 1927 und 2008 im<br />

Farbspektrum von Rot nach Blau mit Hintergrund der Erstausgabe der LK50 .. 55<br />

Abbildung 39 Visualisierung der Höhendifferenzen zwischen 1927 und 2008 im<br />

Farbspektrum von Blau nach Rot mit Hintergrund der Erstausgabe der LK50 . 56<br />

Abbildung 40: Visualisierung der Höhendifferenzen zwischen 1927 und 2008 im<br />

Farbspektrum von Rot nach Grün mit Hintergrund der Erstausgabe der LK50 . 57<br />

Abbildung 41: Visualisierung der Höhendifferenzen zwischen 1927 und 2008 im<br />

Farbspektrum von Grün nach Rot mit Hintergrund der Erstausgabe der LK50 . 57<br />

Abbildung 42: Visualisierung der Höhendifferenzen zwischen 1927 und 2008 im<br />

Farbspektrum von Rot nach Blau mit Hintergrund eines Orth<strong>of</strong>otos .................. 58<br />

Abbildung 43: Gletschergebiet mit klassierten proportionalen Kreissymbolen, die die<br />

Höhenveränderungen zwischen 1927 und 2008 in [m] mit den Farben Rot und<br />

Blau darstellen ..........................................................................................................................60<br />

Abbildung 44: Gletschergebiet mit proportionalen Kreissymbolen, die die<br />

Höhenveränderungen zwischen 1927 und 2008 in [m] mit den Farben Rot und<br />

Blau darstellen ..........................................................................................................................60<br />

Abbildung 45:<br />

Abbildung 46:<br />

Abbildung 47:<br />

Abbildung 48:<br />

Abbildung 49:<br />

Ausschnitt der Höhendifferenzen mit proportionalen Kreissymbolen zwischen<br />

1927 und 2008 mit schattiertem Relief und Höhenlinien in [m]............................. 61<br />

3D-Visualisierung der Höhenveränderungen vom Fieschergletscher mit einem<br />

Orth<strong>of</strong>oto aus dem Jahre 2008 .......................................................................................... 62<br />

3D-Visualisierung der Höhenveränderungen vom Fieschergletscher mit der<br />

LK50 (Erstausgabe) ................................................................................................................. 62<br />

Visualisierung vom Zungenbereich des Fieschergletschers. Links: DHM1927 mit<br />

LK50 (Erstausgabe); Rechts: DHM2008 mit LK50 (Jahr 2005) ................................. 63<br />

Gestaffelte Pr<strong>of</strong>ile entlang der Gletscherfliesslinie. Die Zahlen neben den<br />

Pr<strong>of</strong>ilen entsprechen der maximalen Höhenabnahme im Pr<strong>of</strong>il. .......................... 64<br />

Abbildung 50: Abbildungen zum interaktiven Prototyp mittels Google Earth. Oben:<br />

Screenshot der wichtigsten Elemente der Webseite; Links: Prismen-Layer in 3D;<br />

Rechts: Informationen zu einem Feature. ...................................................................... 66<br />

IX


Masterarbeit FS 2011<br />

1 Einleitung<br />

1.1 Ausgangslage<br />

Die Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie der <strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong> (VAW) betreibt<br />

Forschung in den entsprechenden Fachgebieten. Seit über vier Jahrzehnten werden Daten über<br />

die Gletscherveränderungen (Glacier Monitoring) in den Schweizer Alpen von der Abteilung<br />

Glaziologie gesammelt, ausgewertet und veröffentlicht. Durch diese Studien konnte die weltweit<br />

grösste und umfangreichste Datenbank über Gletscher-Variationen zur Verwendung in<br />

wissenschaftlichen Studien öffentlich zugänglich gemacht werden [VAW, 2011].<br />

Liegen Höhendatensätze eines Gletschers in verschiedenen Zeitständen vor, ist es möglich, dynamische<br />

Analysen über die Veränderung des Gletschers zu machen sowie darüber Auskunft<br />

zu geben und anhand von Modellen Prognosen für künftige Jahrzehnte zu erstellen.<br />

Besonders interessant für die Forschung sind vollständige Höhendatensätze eines ganzen Gletschers.<br />

Diese Datensätze bestehen heutzutage in Form eines digitalen Höhenmodells (DHM).<br />

Üblicherweise werden diese Daten mittels Luftbildern oder Light detection and ranging (Lidar)<br />

aus dem Flugzeug akquiriert. Wenn aber Gletscherstände von früheren Zeiten von Interesse<br />

sind, werden die Höheninformationen häufig aus alten Karten rekonstruiert.<br />

Mit dieser Arbeit wird ein weiterer Gletscher zur Datensammlung der VAW hinzugefügt, so<br />

dass die Daten der VAW für weitere Forschungszwecke zur Verfügung stehen.<br />

Wurden Karten von der VAW bis heute manuell digitalisiert, soll diese Arbeit Methoden aufzeigen,<br />

die auf halb- und vollautomatischen Digitalisierungsverfahren basieren. So wird diese<br />

Masterarbeit in Zusammenarbeit mit der VAW und dem Institut für Kartografie und Geoinformation<br />

der <strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong> (IKG) durchgeführt.<br />

1.2 Zielsetzung der Arbeit<br />

Ziel dieser Masterarbeit ist es, den Fieschergletscher inklusive Galmi- und Studergletscher, basierend<br />

auf den gedruckten Erstausgaben der Landeskarten 1:50'000 der SWISSTOPO, zu digitalisieren<br />

und daraus ein Höhenmodell abzuleiten. Der Höhendatensatz beinhaltet das ganze hydrologische<br />

Einzugsgebiet obengenannter Gletscher. Der Fieschergletscher mit all seinen Nebengletscher<br />

weist heute eine Fläche von ca. 36.5 km 2 und eine Länge von ca. 15 km auf. Somit<br />

ist er der zweitlängste Gletscher in der Schweiz, respektive der Alpen. Der längste Gletscher ist<br />

der Grosse Aletschgletscher.<br />

In dieser Arbeit wird für die Herleitung der DHMs eine halbautomatische Vektorisierungsmethode<br />

angewendet. Das Tool, welches eine Erweiterung von ESRI ARCGIS ist, nennt sich<br />

ARCSCAN. Durch das Vektorisieren der Höhenlinien wird die Höheninformation des Gletschergebiets<br />

digitalisiert. Durch geeignete Interpolation kann eine kontinuierliche Oberfläche des<br />

Gebietes hergestellt werden. Die Vorgehensweisen und Resultate sind in diesem <strong>Bericht</strong> dokumentiert<br />

und abgefasst.<br />

1


Masterarbeit FS 2011<br />

In der ersten Phase der Arbeit wird zu Testzwecken ein kleinerer Gletscher, Glacier de Moiry, bearbeitet.<br />

Der Bearbeitungsprozess von der Karte zum DHM ist hier der gleiche wie in der zweiten<br />

Phase und bei beiden Gletschern gleich. Für den Glacier de Moiry stehen für Vergleiche bereits<br />

ein generiertes DHM der VAW zur Verfügung und dient als Verifizierung der Genauigkeit<br />

zur Erstellung des DHMs.<br />

In der zweiten Phase wird mit dem generierten Höhenmodell des Fieschergletschers ein Vergleich<br />

zu einem aktuellen Höhenmodell aus dem Jahre 2008 und zum DHM25 des Bundesamts<br />

für Landestopografie SWISSTOPO gemacht. Das rekonstruierte Höhenmodell, wie auch die Unterschiede<br />

zu einem neueren Höhenmodell, werden auf verschiedene Art und Weise in 2D und 3D<br />

visualisiert. Zudem werden vergleichende Analysen mit Mitteln aus der thematischen Kartografie<br />

durchgeführt, dargestellt und diskutiert. Eine Bewertung der Visualisierung wird anhand<br />

von Experteninterviews gewonnen.<br />

1.3 Aufbau der Arbeit<br />

Dieser <strong>Bericht</strong> ist in acht Kapitel unterteilt. Die ersten beiden Kapitel Einleitung und Grundlagen,<br />

Methoden, Vorgehen führen den Leser in die Thematik ein.<br />

Kapitel 2 beinhaltet die Beschreibung der verwendeten Datengrundlagen und der Verwendung<br />

von DHMs in der glaziologischen Forschung. Des Weiteren werden die angewendete Methode<br />

in Etappen und das Vorgehen von der Karte zum DHM beschrieben.<br />

Im Kapitel 3 wird die Aufbereitung der digitalen Grundlagen im Detail beschrieben. Es werden<br />

die Schritte Bildbearbeitung, Vektorisierung der Rasterdaten, Attribuierung und Interpolation<br />

und deren Qualitätskontrolle eingehend erläutert. Der Abschluss bildet ein Theorieblock zu den<br />

Visualisierungen, die in der Kartografie und Glaziologie, respektive Glazialkartografie Anwendung<br />

finden.<br />

Kapitel 4 beinhaltet die Resultate zum Testgebiet des Glacier de Moiry. Es werden Vergleiche<br />

zwischen verschiedenen DHMs aus diversen Interpolationen und Inputs aufgezeigt und dargestellt.<br />

Kapitel 5 zeigt im Hauptteil Visualisierungen des Studiengebiets Fieschergletschers und seinen<br />

Nebengletscher auf verschiedene Art und Weise. Zudem wird die Erstellung der Darstellungen,<br />

wie aber auch die Entwicklung des interaktiven Datenviewers beschrieben.<br />

Im Kapitel 6 wird geschildert, wie die Durchführung der Evaluierung der Visualisierungen durch<br />

ein Experteninterview erfolgt. Zudem sind die Resultate und Interpretationen der Befragung<br />

ausführlich zusammengefasst.<br />

Das Kapitel 7 rundet mit einem Fazit die Arbeit ab. Der Ausblick weist dabei auf weiterführende<br />

Arbeiten zur Thematik hin.<br />

Kapitel 8 zeigt die verwendete Literatur zum Kontext dieser Arbeit.<br />

Im Anhang sind die Landeskartenausschnitte der Erstausgabe 1:50'000 der Gebiete Glacier de<br />

Moiry und Fieschergletscher abgebildet. Weiter sind die 24 verschiedenen Darstellungen, die<br />

für die Befragung der Experten verwendet werden, abgedruckt.<br />

2


Masterarbeit FS 2011<br />

2 Grundlagen, Methoden, Vorgehen<br />

2.1 Landeskarte der Schweiz<br />

Für die Rekonstruktion von Gletscher-Höhenmodellen dient für diese Arbeit die Erstausgabe der<br />

gedruckten Landeskarte der Schweiz im Massstab 1:50’000. Die Schweizerische Landesvermessung<br />

verwendet seit ihrer Einführung im Jahre 1903 die Schweizerische Kartenprojektion SWISS<br />

GRID. Es handelt sich dabei um eine schiefachsige, winkeltreue Zylinderprojektion [swisstopo,<br />

2010a].<br />

Das Parlament erliess im Jahre 1935 nach langen öffentlichen Diskussionen das Gesetz zur Erstellung<br />

neuer Landeskarten der Schweiz in den Massstäben 1:25’000, 1: 50’000, 1: 100’000,<br />

1:200’000, 1:500’000 und 1:1’000’000. Das Ziel war es, kleinmassstäbliche Karten aus grossmassstäblichen<br />

abzuleiten. Aufgrund des absehbaren Zweiten Weltkriegs konzentrierte man<br />

sich auf den Massstab 1:50’000, der schneller realisierbar war. Diese sogenannte Armeekarte<br />

wurde vom Militär gefordert, was deren Herstellung zusätzlich beschleunigte. Die Karten wiesen<br />

eine hohe Inhaltsdichte auf, um das Fehlen des Massstabs 1:25’000 zu kompensieren<br />

[Oberholzer et al., 1995].<br />

Die ersten Blätter erschienen im Jahre 1938 und bilden vor allem das Berner Oberland ab, genauer<br />

die Blätter Wildstrubel, Interlaken, Sustenpass-Westblatt und Jungfrau-Ostblatt. Bis die<br />

ganze Schweiz im Massstab 1:50’000 in der neuen Landeskarte abgedeckt wurde, dauerte es<br />

bis 1963. Von 1939 bis 1947, während der Kriegszeit, wurde die Publikation neuer Landeskartenblätter<br />

eingestellt [Götsch, 2003]. Die neuen Landeskarten haben damit die Dufour- und Siegfriedkarten<br />

abgelöst.<br />

Gegenüber der Siegfriedkarte wies die neue Landeskarte folgende Neuerungen auf:<br />

- veränderte Legende<br />

- Höhenbezugspunkt Pierre du Niton wurde um 3.26 m tiefer definiert<br />

- Äquidistanz von 20 m statt 30 m<br />

- Druck in acht Farben gegenüber drei Farben in der Siegfriedkarte<br />

- Die neue Projektion ist eine schiefachsige, winkeltreue Zylinderprojektion statt einer<br />

flächentreuen unechten Kegelprojektion sowie Verwendung des Ellipsoid Bessel<br />

1841 statt des Ellipsoid Schmidt 1828 [Oehrli & Rickenbacher, 2002].<br />

Bei der Erstellung der älteren Karten wurde das Gelände mit dem Messtischaufnahmeverfahren<br />

punktweise vermessen. Die neuen Landeskarten wurden das erste Mal mittels Stereophotogrammetrie<br />

aufgenommen. So wurde es auch möglich, in ganz unzugänglichem Gelände<br />

Höhenschichtlinien zu bestimmen und Geländeformen detailliert darzustellen. In früheren Karten<br />

wurde der Karteninhalt in Kupfer oder polierten Stein gestochen. Für die neue Landeskarte<br />

gravierten die Kartografen eine dünne Schicht fotografisch bearbeitete Glasplatten. Für alle<br />

acht in der Karte vorkommenden Farben wurde ein Original graviert. Diese Bilder wurden dann<br />

photochemisch auf Druckplatten übertragen und im Offsetdruck nacheinander Farbe auf Farbe<br />

3


Masterarbeit FS 2011<br />

übereinander gedruckt [Knöpfli, 1978]. Tabelle 1 zeigt die acht in der Landeskarte verwendeten<br />

Farben.<br />

Farbe<br />

Schwarz<br />

Verwendung<br />

Verkehrswege<br />

Gebäude<br />

Fels<br />

Braun<br />

Dunkelgrün<br />

Höhenschichtlinien in erdiger Geländeoberfläche<br />

Waldränder<br />

Einzelbäume<br />

Hellgrün<br />

Dunkelblau<br />

Waldflächen<br />

Bäche<br />

Flüsse<br />

Uferlinien<br />

Hellblau<br />

Graublau und Gelb<br />

Seeflächen<br />

Geländemodellierung<br />

Tabelle 1: Farbverwendung in den Landeskarten der Schweiz nach Knöpfli [1978]<br />

In der Verfügung 510.621 des Eidgenössischen Militärdepartements betreffend Ausführungsplan<br />

für die Erstellung neuer Landeskarten vom 9. Dezember 1936 steht unter Artikel 29 zur<br />

Landeskarte 1: 50’000 geschrieben [EMD, 1936]:<br />

Abbildung 1: Umschreibung der Landeskarte 1:50’000 in einer Verfügung im Jahre 1936<br />

2.1.1 Genauigkeit der neuen Landeskarten der Schweiz<br />

In Bertschmann [1957] wurde die Genauigkeit der neuen Landeskarten der Schweiz empirisch<br />

untersucht. Ausgewählte Blätter wurden überprüft und dazu Messungen im Felde durchgeführt<br />

und mit den Angaben aus der Karte abgeglichen.<br />

Die von Bertschmann [1957] festgestellten Ungenauigkeiten können Ursprungs vieler Quellen<br />

sein. So sind zur Erstellung mehrere Aufnahmeverfahren und auch Operateure eingesetzt wor-<br />

4


Masterarbeit FS 2011<br />

den. Die Karten sind wie Mosaikteile von verschiedenen Feldaufnahmen, die zuerst auf einem<br />

Kartenblatt zusammengesetzt werden mussten. Aber auch die Massstabsreduktion hat ihren<br />

Einfluss, welche Generalisierungen und Genauigkeitsverluste nach sich zieht. Jedoch wurden in<br />

der Reproduktion von der Landestopografie neue Verfahren entwickelt, um die Fehlerquellen in<br />

der Vervielfältigung weitgehend herabzusetzen.<br />

Eines der untersuchten Gebiete im Massstab 1: 50’000 ist Rochers de Naye. Es umfasst eine Fläche<br />

von 85 km2 in den Waadtländeralpen mit stark bewegter Topographie und Höhenunterschieden<br />

bis zu 1400 m. Es wurden in dieser empirischen Untersuchung 330 Geländepunkte<br />

überprüft. Das Resultat ist in Abbildung 2 ersichtlich.<br />

Aufgrund theoretischer und praktischer Erwägungen hat Bertschmann [1957] die Toleranzformeln<br />

für die Karte 1: 50’000 mit zulässigem mittlerem Höhenfehler einer Horizontalkurve, respektive<br />

zulässigem mittlerem Lagefehler einer Horizontalkurve, aufgestellt:<br />

Höhe: mH = ± [1,5 + 10 tan α] Meter<br />

Lage: m L = ± [10 + 1,5 cot α] Meter<br />

Abbildung 2:<br />

Höhenfehler der neuen Landeskarten 1: 50'000 im Blatt Rochers de Naye, mit zulässigem<br />

mittlerem Fehler und Durchschnittsfehler [Bertschmann, 1957]<br />

Werden diese Formeln auf das Gebiet Glacier de Moiry angewendet, sieht es wie folgt aus. Wird<br />

überschlagsmässig das Durchschnittsgefälle des Gletschers berechnet, ergibt dies bei einer<br />

Gletscherlänge von rund 6’000 m und einem Höhenunterschied von ca. 1’400 m ein Durchschnittsgefälle<br />

von 13°. In einem Analogieschluss gemäss diesem Diagramm resultiert ein mittlerer<br />

Höhenfehler von ca. ±3.8 m. Für die Lage ergibt sich ein zulässiger mittlerer Lagefehler<br />

5


Masterarbeit FS 2011<br />

gemäss obenstehender Formel von ca. ±16.5 m für eine Horizontalkurve. Wie in Abbildung 2<br />

sichtbar ist, wurden die Toleranzen beim Blatt Rochers de Naye durchschnittlich eingehalten<br />

(gestrichelte Linien). Für diese Arbeit ist zusätzlich zu beachten, dass die Genauigkeit auf dem<br />

Gletscher oder in den Bergen allgemein als schlechter zu erwarten ist als im Untersuchungsgebiet<br />

Rocher de Naye.<br />

Als Randbemerkung: Gemäss DIN ISO 3534-1 Statistik wird der Begriff mittlerer Fehler in der<br />

mathematischen Statistik beziehungsweise Geodäsie nicht mehr verwendet. Der Begriff mittlerer<br />

Fehler wird durch Standardabweichung ersetzt [Ingensand, 2006].<br />

2.1.2 Zeichnungsgenauigkeit der Landeskarten<br />

Die Punkte und Linien von der Landeskarte 1:50’000 liegen innerhalb eines Toleranzbandes von<br />

5–15 m in natura. Diese Genauigkeit ergibt sich aus der Zeichengenauigkeit der LK50, respektive<br />

der kartografischen Bearbeitungsgenauigkeit, welche zwischen 0,1 und 0,3 mm liegt. Grössere<br />

Abweichungen in der Lage ergeben sich ansonsten nur durch Verdrängung oder Generalisierung<br />

[swisstopo, 2010b]. Weitere Hintergrundinformationen zu den Landeskartenwerken der<br />

Schweiz sind unter swisstopo [2010c] abrufbar.<br />

2.2 Digitale Höhenmodelle bei der VAW<br />

Digitale Höhenmodelle werden in verschiedenen Anwendungen bei der VAW verwendet.<br />

Es können aufgrund der Kenntnis der Oberfläche und des Gletscherbettes Volumen berechnet<br />

werden. Sind mehrere DHMs eines Gletschers vorhanden, können zwischen verschiedenen<br />

Zeitständen Volumenunterschiede festgestellt werden. In Huss et al. [2010a] wird eine Anwendung<br />

gezeigt, wie Volumenänderungen zeitlich in Einzeljahresschritte aufgelöst werden. Dies<br />

wird mit der Massenbilanz ausgedrückt. Die Massenbilanz ist gleich dem Produkt von Volumen<br />

und Dichte.<br />

Nebst dem, dass mit mehreren Höhenmodellen die Vergangenheit eines Gletschers abgebildet<br />

werden kann, werden in Huss et al. [2010b] Resultate beschrieben, wie aus DHMs Prognosen<br />

bezüglich dem Gletscherverhalten für die Zukunft abgeleitet werden. Hierfür werden nebst Volumenänderungen<br />

auch monatliche Wasserabflüsse und lokale Klimaszenarien verwendet. So<br />

können Gletscherrückzüge parametrisiert und Gletscherfliessmodelle aus vergangenen Jahrzehnten<br />

aufgestellt und für bevorstehende Dekaden abgeschätzt werden. Die rekonstruierten<br />

oder neu aufgenommenen DHMs werden so auch als Kalibrierungsdaten verwendet, um entsprechende<br />

Modelle abzubilden, respektive anzupassen und auch Modelle zu validieren. Als<br />

weitere Literatur zu Gletscherentwicklungs- und Abflussmodellen wird auf Huss et al. [2008]<br />

verwiesen.<br />

In Huss et al. [2010a] sind 30 Gletscher in der Schweiz untersucht worden und deren Massenänderungen<br />

aufgrund von Auswertungen verschiedener DHMs zu verschiedenen Zeitständen<br />

aufgeführt. Der erste Stand für die untersuchten DHMs basiert meist auf der Erstausgabe der<br />

Landeskarte. So liegen z.B. für den Allalingletscher im Wallis über neun Höhenmodelle seit ca.<br />

1930 für Volumenuntersuchungen vor.<br />

6


Masterarbeit FS 2011<br />

2.3 Verwendete Grundlagen und Methoden<br />

Die Arbeit wird in ein drei Etappen eingeteilt. In der ersten Etappe werden mit einem kleineren<br />

Gletschergebiet, Glacier de Moiry, Erfahrungen erlangt und verschiedene Techniken getestet. In<br />

der zweiten Etappe wird das Hauptstudiengebiet Fieschergletscher, welches ca. eine sechsmal<br />

grössere Fläche aufweist, ins Auge gefasst. Die gemachten Erkenntnisse aus der ersten Etappe<br />

sollen dabei einfliessen und gewisse Schritte effizienter ausführen lassen. In der dritten Etappe<br />

werden aus den gewonnenen Daten der zweiten Etappe, Visualisierungen für Höhen- und<br />

Oberflächenveränderungen in Gletschergebieten hergestellt und diskutiert, respektive mit einem<br />

Experteninterview bewertet.<br />

2.3.1 Geodaten-Grundlagen<br />

Für die beiden ersten Etappen werden Karten von zwei verschiedenen Gletschergebieten verwendet.<br />

Bei den Karten handelt es sich um die gedruckte Erstausgabe der Landeskarte der<br />

Schweiz im Massstab 1:50'000. Herausgeber ist das Bundesamt für Landestopographie (heute<br />

SWISSTOPO). Die gedruckten Karten wurden von der SWISSTOPO gescannt und für diese Arbeit digital<br />

zur Verfügung gestellt. Beide Ausschnitte stehen einmal mit und einmal ohne Relief zur<br />

Verfügung. Die Bilddateien liegen im Format TIFF vor und sind mit einem Worldfile georeferenziert.<br />

Ein Pixel bildet eine Fläche von 2.5 x 2.5 m in natura ab. Beide Bilder haben eine Farbtiefe<br />

von 8 Bit.<br />

Für die erste Phase der Arbeit wird ein kleinerer Gletscher namens Glacier de Moiry bearbeitet.<br />

Das verwendete Kartenblatt trägt die Bezeichnung LK50 Blatt 283 und wurde 1946 herausgeben.<br />

Der Gletscherstand auf der Karte stammt aus dem Jahre 1932 [Mercanton, 1958]. Der Kartenausschnitt<br />

hat die Eckkoordinaten Top Left 808'000 / 109'000 und Bottom Right 615'000 /<br />

99'000.<br />

In der zweiten Etappe liegt der Fokus auf dem Fieschergletscher mit seinen Nebengletscher<br />

Studer- und Galmigletscher. Es handelt sich dabei um LK50 Blatt 264 und 265, welche in den<br />

Jahren 1939, respektive 1947 herausgegeben wurden. Der Fieschergletscher befindet sich grössten<br />

Teils auf dem Jungfrau-Ostblatt (Nr. 264) und der östliche Teil des Gletschers auf dem Blatt<br />

265 Nufenenpass Westblatt. Der Gletscherstand stammt aus dem Jahre 1927 [Mercanton, 1958].<br />

Der Kartenausschnitt hat die Eckkoordinaten Top Left 647'000 / 157'000 und Bottom Right<br />

658'000 / 143'000.<br />

Für beide Gletscher steht nebst der Erstausgabe der Landeskarte auch einen Ausschnitt der Pixelkarte<br />

PK50 zur Verfügung. Die Pixelkarte des Glacier de Moiry wurde im Jahr 2001 und die<br />

die des Fieschergletschers 2005 nachgeführt. Die Karten weisen ebenfalls eine Pixelgrösse in<br />

natura von 2.5 m x 2.5 m vor und haben eine Farbtiefe von 8 Bit. Auch hier liegen die Karten mit<br />

und ohne Relief im Hintergrund vor.<br />

Für Visualisierungszwecke liegt ein Orth<strong>of</strong>oto des Fieschergletschers aus den Jahren 2008 und<br />

2009 vor [swisstopo, 2011]. Es stammt aus dem Orth<strong>of</strong>otomosaik SWISSIMAGE der SWISSTOPO.<br />

Es hat eine Bodenauflösung von 0.5 x 0.5 m pro Pixel.<br />

Für Vergleichszwecke liegt für das Gebiet des Fieschergletschers das DHM25 vor. Dieses Höhenmodell<br />

wurde von der SWISSTOPO zwischen 1984 und 1996 durch Digitalisierung der Höheninformation<br />

aus der Landeskarte 1:25’000 (LK25) und 1:50'000 (LK50) abgeleitet [swisstopo,<br />

7


Masterarbeit FS 2011<br />

2005]. Zudem liegt ein DHM vom Jahr 2008 vor, welches photogrammetrisch ausgewertet<br />

wurde.<br />

Die Landeskartenausschnitte der Erstausgabe der Gebiete Glacier de Moiry und Fieschergletscher<br />

sind im Anhang abgebildet.<br />

2.3.2 Etappe 1: Testgebiet „Glacier de Moiry“<br />

Der Gletscher Glacier de Moiry bedeckt eine Fläche von rund 5 km 2 . Das aus der Karte abgeleitete<br />

Höhenmodell soll jedoch das ganze hydrologische Einzugsgebiet des Gletschers umfassen.<br />

Gleichzeitig wird dasselbe Gebiet in der Bachelorarbeit von Roland Schenkel [2011] bearbeitet.<br />

Die zwei unabhängig erstellten DHMs werden anschliessend miteinander verglichen. Aus diesem<br />

Vergleich soll die Erkenntnis gewonnen werden, ob die gleichen Resultate erzielt werden,<br />

wenn zwei verschiedene Operateure dieselben Daten bearbeiten. Anschliessend werden die<br />

gewonnen DHMs mit einem bereits bestehenden Modell, welches manuell von der VAW digitalisiert<br />

wurde, auf Konsistenz und Genauigkeit verglichen.<br />

In der ersten Etappe soll ein optimales Verfahren zur Farbseparierung, Attribuierung der Höhenlinien<br />

und eine gute Technik zur Interpolation von DHMs aus Höhenlinie gewonnen werden.<br />

Die Lernprozesse die in der ersten Etappe durchschritten werden, sollen dann in Etappe 2<br />

direkt angewendet werden können.<br />

2.3.3 Etappe 2: Studiengebiet „Fieschergletscher“<br />

In der zweiten Etappe wird das Studiengebiet Fieschergletscher mit seinen Nebengletscher<br />

Studer- und Galmigletscher bearbeitet. Diese Etappe stellt die Hauptaufgabe der Arbeit dar.<br />

Hauptprodukt der zweiten Etappe ist ein DHM des Gebietes. Wiederum werden die Höhenlinien<br />

für das ganze Einzugsgebiet digitalisiert. Da für Massenbilanzen und Analysen des Verhaltens<br />

von Gletscher nebst DHMs auch Wasserabflussmessungen durchgeführt werden, ist es<br />

wichtig bei der Erfassung von digitalen Höhenmodellen aus topografischen Karten, dass jeweils<br />

das ganze hydrologische Einzugsgebiet digitalisiert wird. Denn häufig wird der Abfluss<br />

weit unterhalb der heutigen Gletscherzunge gemessen. Das DHM vom Fieschergletscher vom<br />

Stand der Erstausgabe der Landeskarte (Gletscherstand Jahr 1927) ist von grossem Interesse,<br />

denn dieser ist nach dem Grossen Aletschgletscher der zweitlängste Gletscher der Schweiz, respektive<br />

der Alpen.<br />

2.3.4 Etappe 3: Visualisierung und Vergleiche des Studiengebietes<br />

In dieser Etappe werden die Resultate aus der vorangegangenen Etappe visualisiert und dargestellt.<br />

Mit GIS-S<strong>of</strong>tware werden Vergleiche zwischen dem erstellten DHM, dem DHM25 und einem<br />

DHM aus dem Jahre 2008, welches mittels Autokorrelation photogrammetrisch ausgewertet<br />

wurde, erarbeitet. Dies erlaubt den direkten Oberflächen-Vergleich des rekonstruierten<br />

DHMs aus den Jahren 1927 und dem Stand von heute, respektive vom Jahr 2008. Die Differenzen<br />

der DHMs werden mit Techniken der thematischen Kartografie in 2D und 3D visualisiert.<br />

Zudem wird ein Prototyp für eine interaktive Anwendung und Datenpräsentation hergestellt.<br />

In einem weiteren Schritt werden Experteninterviews mit verschiedenen Fachleuten aus der<br />

Kartografie, Geoinformatik, Computer Visualisierung und Glaziologie durchgeführt. Es geht in<br />

8


Masterarbeit FS 2011<br />

diesen Interviews darum, eine Bewertung der vorgestellten Visualisierungen durchzuführen<br />

und die Vor- und Nachteile gewisser Darstellungen zu evaluieren und diskutieren.<br />

2.4 Vorgehen<br />

Das Ziel der Arbeit ist es, von einer gedruckten, respektive gescannten Karte mit Höhenlinien<br />

ein digitales Höhenmodell abzuleiten und zu visualisieren. Das Verfahren besteht aus vier<br />

Schritten.<br />

2.4.1 Schritt 1: Bildbearbeitung und Farbseparierung<br />

Der erste Schritt umfasst die Farbseparierung in einem Bildbearbeitungsprogramm. Die Landeskarte<br />

wurde mit acht Farben übereinander gedruckt. Durch das Einscannen und einer Farbtiefe<br />

von 8 Bit liegen in der digitalen TIFF-Datei 256 Farben vor. Für ein Gletscherhöhenmodell<br />

ist vor allem die Farbe Blau im Bild von Interesse, da die Höhenlinien auf Eismassen blau gezeichnet<br />

sind. Weiter sind aber auch die Farben Braun und Schwarz von Interesse. Die Höhenlinien<br />

werden generell braun und im Geröll schwarz gezeichnet. Es werden nebst den Höhenlinien<br />

auf dem Gletscher, auch die in seiner Umgebung, respektive die im ganzen hydrologischen<br />

Einzugsgebiet, digitalisiert. Höhenlinien über das Gebiet des Gletschers hinaus versprechen<br />

auch ein besseres Ergebnis in der Interpolation, da häufig an Rändern bei Interpolationen Fehler<br />

oder keine sinnvollen Ergebnisse resultieren. Zudem liegen die fixen Partien eines Gebietes<br />

häufig ausserhalb des Gletschergebiets. Mittels Referenzpunkte, welche über all die Jahre fix<br />

waren, können Vergleiche mit den aktuellen Ständen gemacht und quantitative Abschätzungen<br />

zur Genauigkeit gemacht werden.<br />

Ziel des Separierens ist das Auftrennen der drei gewünschten Farben. Aus dem Originalbild<br />

werden somit drei Bilder generiert: eines beinhaltet den Blau-, eines den Braun- und eines den<br />

Schwarz-Anteil.<br />

Die Farbsegmentierung ist ein wichtiger Bestandteil in der Kartografie, respektive in den Geoinformationswissenschaften,<br />

so sind historische Karten die einzigen zusammenhängenden Informationsquellen,<br />

bevor mit der Photogrammetrie flächendeckend Daten erfasst werden<br />

konnten. In Leyk & Boesch [2010] wird ein neuer Ansatz für Color Image Segmentation (CIS)<br />

vorgestellt, wo aus gescannten topografischen Karten aus dem 19. Jahrhundert gleichfarbige<br />

und zusammengehörige Information detektiert wird. Besonders bei älteren und von Hand hergestellten<br />

Karten können Inhomogenitäten in der Farbe, Strichstärke und so weiter auftreten,<br />

die Schwierigkeiten bei der Separierungen bereiten. In den Blättern der LK50, die in dieser Arbeit<br />

verwendet werden, können jedoch keine grosse Inhomogenitäten erkennt werden.<br />

2.4.2 Schritt 2: Vektorisierung von Rasterdaten zu Vektordaten<br />

Für die Weiterverarbeitung der Bilder mit einem GIS werden die Bilder in Binärbilder umgewandelt.<br />

Die Höhenlinien stellen die Information dar und der Rest des Bildes enthält somit keine<br />

Information mehr. Da die Bilder aus dem Bildbearbeitungsprogramm Rasterdateien sind,<br />

müssen die Rasterzellen von Rasterinformationen mit einem GIS in Vektoren umgewandelt<br />

werden, so dass die Höhenlinien als Linienelemente mit einer Höhe attribuiert werden können.<br />

9


Masterarbeit FS 2011<br />

2.4.3 Schritt 3: Interpolation von Höhenmodellen<br />

Nachdem dass die Höhenlinien in Schritt 2 vektorisiert und attribuiert sind, ist es möglich, mit<br />

geeigneten GIS-Werkzeugen ein DHM zu berechnen. Ein GIS-S<strong>of</strong>twarepaket unterstützt dabei<br />

verschiedene Interpolationsmethoden. Es werden in diesem Schritt die optimale Berechnung<br />

ermittelt und weitere Produkte für Vergleichszwecke mit anderen Zeitständen abgeleitet.<br />

2.4.4 Schritt 4: Visualisierungen und Vergleiche<br />

Die hergeleiteten DHMs und Produkte aus Schritt 3 werden in 2D und 3D mit GIS-S<strong>of</strong>tware visualisiert.<br />

Zudem werden Vergleiche mit dem generierten Gletscherhöhenmodell aus dem Jahr<br />

1927 und einem Gletscherhöhenmodell aus einem aktuellen Zeitstand (Jahr 2008) angestellt.<br />

Die Höhendifferenzen werden auf verschiedene Art und Weise visualisiert. Es wird versucht<br />

somit „Gleiches verschiedenartig darzustellen“. Um eine Alternative zu den gedruckten Abbildungen<br />

zu erhalten, wird ein Prototyp für ein interaktives Beispiel entwickelt. Eine Sammlung<br />

der verschiedenen Produkte wird mittels einer Expertenbefragung bewertet und die wichtigsten<br />

Erkenntnisse daraus abgeleitet<br />

2.5 Arbeitsmittel<br />

Unter dem Kapitel Arbeitsmittel wird die für die Arbeit eingesetzte S<strong>of</strong>tware erläutert.<br />

Für die Bildbearbeitung wird die S<strong>of</strong>tware ADOBE PHOTOSHOP CS3 eingesetzt. Dieses Programm<br />

verfügt über Funktionen, die geeignet sind, die gewünschten Höhenlinien der Farbe entsprechend<br />

zu separieren und vom unwichtigen Bildinhalt zu trennen.<br />

Liegen im Bild nur noch die gewünschten Linien vor, wird es in die GIS-S<strong>of</strong>tware ESRI ARCGIS 10<br />

importiert und weiterbearbeitet. ESRI ARCGIS 10 wird benötigt, um aus dem Rasterbild Vektorenobjekte<br />

zu generieren. Bestehen die Linien als Objekte, können sie mit ihrer jeweiligen Höheninformation<br />

attribuiert werden. Anschliessend ist es möglich mittels zur Verfügung stehenden<br />

Tools ein DHM, respektive ein Raster, zu generieren, das für weitere Analysen verwendet<br />

werden kann. Zudem wird die S<strong>of</strong>tware für Vergleiche zwischen verschiedenen Zeitständen<br />

eingesetzt. Mit ESRI ARCSCENE 10 werden die Daten in 3D, respektive 2.5D, visualisiert und auch<br />

analysiert. Dabei kann ein realitätsnaher Eindruck der Daten gewonnen und Zusammenhänge<br />

entdeckt werden, die in einer zweidimensionalen Abbildung vielleicht untergehen.<br />

Der Prototyp für das interaktive Beispiel basiert auf der Technik von GOOGLE EARTH API und KML.<br />

ADOBE PHOTOSHOP wie auch ESRI ArcGIS sind S<strong>of</strong>twarepakete, die in der Lehre im Studiengang<br />

Geomatik und Planung im Bachelor-, wie auch im Masterstudium an der <strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong> gelehrt<br />

und gelernt werden.<br />

10


Masterarbeit FS 2011<br />

3 Beschreibung der Aufbereitung der digitalen Grundlagen<br />

3.1 Bildbearbeitung und Farbseparierung<br />

Die Farbseparierung wird mit dem Bildbearbeitungsprogramm Adobe Photoshop CS3 gemacht.<br />

Da bereits Forschungen am IKG auf diesem Gebiet betrieben wurden, ist bereits Know-how bekannt,<br />

welches in dieser Arbeit angewendet werden kann.<br />

In Photoshop bestehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, um Farbseparierungen vorzunehmen.<br />

Es wird hier die Technik erläutert, mit welcher die besten Resultate für nachfolgende<br />

Vektorisierung erreicht werden.<br />

Als Input dient die gescannte topografische Karte ohne Relief in insgesamt 256 Farben im TIFF-<br />

Format. Der Output mit den Höhenlinien sind drei TIFFs, in denen je nach Farbinhalt die Farben<br />

Blau, Braun und Schwarz enthalten sind.<br />

Als erstes wird in Photoshop der Farbraum des Bildes von RGB auf CMYK umgestellt. Anschliessend<br />

wird unter dem Reiter IMAGE die Funktion CALCULATIONS angewendet. Mit dieser Funktion<br />

können Kanalberechnungen vorgenommen werden. Um die blauen Höhenlinien aus dem Bild<br />

zu extrahieren wird unter CHANNEL 1 YELLOW und im CHANNEL 2 MAGENTA gewählt. Magenta wird<br />

auf INVERT gesetzt. Die beiden Kanäle werden mittels der Füllmethode ADD addiert. Das entstandene<br />

Resultat kann nun weiterbearbeitet werden, um die erhaltenen Linien stärker hervorzuheben.<br />

Das Hervorheben der Linien ist möglich, indem unter dem Reiter SELECT die Funktion COLOR<br />

RANGE gewählt wird. Hier werden nun nacheinander die Mitteltöne und die Tiefen (MIDTONES<br />

und SHADOWS) ausgewählt und unter EDIT mit FILL schwarz gefüllt. Dies wird bei allen Farbkanälen<br />

dreimal gemacht. Diese Vorgehensweise hat den Nebeneffekt, dass sich die Linien etwas<br />

verdicken, da Pixel mit schwarzer Farbe aufgefüllt werden. Durch die Kanalberechnungen gibt<br />

es unerwünschte Bildinformation, die aus wenigen Pixeln bestehen. Mit einem Median-Filter<br />

können noch diese restlichen unerwünschten Pixel und Artefakte eliminiert werden. Da nun die<br />

wichtigste Information, nämlich die Höhenlinien in tiefem Schwarz vorliegen, ist es möglich<br />

über eine invertierte Selektion, alles ausser schwarz zu löschen.<br />

Am Schluss resultiert ein Graustufenbild oder ein Binärbild (schwarz-weiss), das bereit für die<br />

Weiterverarbeitung in ARCGIS ist. In Abbildung 3 ist die Gegenüberstellung des Originalbildes<br />

und eines Graustufenbildes des blauen Kanals des Gebiets des Fieschergletschers dargestellt.<br />

Nebst den Höhenlinien sind auch Gletscherspalten, Schriftzüge und Höhenangaben ersichtlich,<br />

die bei der Vektorisierung ignoriert, respektive gelöscht werden.<br />

11


Masterarbeit FS 2011<br />

Abbildung 3:<br />

Originalbild (links) und blauer Farbkanal extrahiert (rechts)<br />

Für die Kanalberechnung und die Extrahierung der Farben Blau (CYAN), Braun (MAGENTA) und<br />

Schwarz (BLACK) werden folgende Angaben in Photoshop angewendet. Die nachfolgende Abbildung<br />

4 zeigt Screenshots der Maske CALCULATIONS in PHOTOSHOP, um Kanalberechnungen zur<br />

Farbseparierung der verwendeten Farben der Landeskarte durchzuführen.<br />

Cyan / Blautöne Magenta / Rottöne (Braun) Schwarz<br />

Abbildung 4:<br />

Kanalberechnungen der Farbtöne Cyan, Magenta und Schwarz<br />

3.2 Vektorisierung von Rasterdaten zu Vektordaten<br />

Seit 2003 und der Version ARCGIS 8.3 liegt für das ARCGIS DESKTOP ARCSCAN als Extension vor.<br />

ARCSCAN ist eine Toolbox, die es erlaubt Rasterdaten in Vektor-Features zu konvertieren. Es gibt<br />

dabei zwei Arten von Vektorisierung, nämlich eine manuelle durch interaktive Verfolgung der<br />

Rasterzellen oder einen automatischen Modus. Für eine grosse Rastervorlage mit homogenen<br />

Daten ist die automatisierte Erstellung sehr praktisch. Deshalb wird auch dieser Modus in dieser<br />

Arbeit für die topografische LK50 angewendet.<br />

Als Grundlage dient die Rasterdatei. Diese Datei darf nur zwei Farben beinhalten. Das heisst,<br />

die Vorlage besteht aus einer Hintergrundsfarbe und dem eigentlichen Thema in einer anderen<br />

Farbe. Es ist möglich vor dem Vektorisieren das Bild mittels Rasterbearbeitung zu manipulieren<br />

und Pixel zu löschen oder hinzufügen. In dieser Arbeit wird das Bild für die Vektorisierung<br />

hauptsächlich vor dem Import in ARCGIS aufbereitet. Zudem muss anfangs noch ein Template-<br />

Shapefile angelegt werden, um die neu erstellten Features in einer Datei abzuspeichern.<br />

12


Masterarbeit FS 2011<br />

Für die Vektorisierung können benutzerdefinierte Parameter festgelegt werden. Je nach Grundlage<br />

können bereits vordefinierte SETTINGS übernommen werden. Die folgende Maske (Abb. 5)<br />

wird verwendet, um Höhenlinien zu vektorisieren. Nachfolgend werden die Parameter gemäss<br />

ArcGIS-Hilfe [2011a] erläutert.<br />

Abbildung 5:<br />

Verwendete Parameter in der Extension ARCSCAN für die Vektorisierung<br />

Abbildung 6:<br />

ARCSCAN Vektorisierungsparameter INTERSECTION SOLUTION; Links: Median; Rechts: None<br />

13


Masterarbeit FS 2011<br />

Intersection<br />

Solution:<br />

Maximum<br />

Line Width:<br />

Noise Level:<br />

Compression<br />

Tolerance:<br />

Mit diesem Parameter wird festgelegt, was bei sich schneidenden Rasterobjekten geschehen<br />

soll. Als Alternativen kann der geometrische Schnittpunkt oder der Median<br />

der „Kreuzung“ gewählt werden. Von der ArcGIS-Hilfe [2011a] wird jedoch für Höhenlinien<br />

NONE empfohlen. Der Unterschied ist in Abbildung 6 ersichtlich. Im linken Bild<br />

ist die INTERSECTION SOLUTION auf MEDIAN und im rechten Bild auf NONE eingestellt. Da<br />

die Höhenlinie von einer Gletscherspalte geschnitten wird, gibt es mehrere Vektoren,<br />

doch die Höhenlinie wird durchgezogen. Mit NONE entsteht eine Auftrennung der Linien<br />

vor der „Kreuzung“. Die cyanfarbene Linie im rechten Bild wurde von Hand eingezeichnet,<br />

um die Höhenlinie zu schliessen. Zudem ist die manuell hinzugefügte Linie<br />

geometrisch genauer (rechts), als die automatisch generierte (links).<br />

Der Parameter für die „geometrische“ INTERSECTION, hier nicht abgebildet, kommt sogar<br />

teils neben den schwarzen Pixel zu liegen und ist je nach Schneidewinkel der<br />

Kreuzung sehr ungenau.<br />

Dieser Parameter wirkt wie ein Filter. So dass Linien, die dicker als x Pixel sind, nicht<br />

vektorisiert werden. Die dicksten Linien in der Rastervorlage sind die 200er-<br />

Höhenlinien, die bis zu 5 Pixel breit sind.<br />

Ist die Angabe, wie viel Prozent Rauschen in der Rastergrundlage ist.<br />

Dieser Wert gibt an, wie viele Stützpunkte bei einem Vektor gesetzt werden. Die<br />

Komprimierung ist ein Vektor-Nachbearbeitungsvorgang. Es wird zur Generalisierung<br />

ein Douglas-Peucker-Algorithmus mit einem maximal zulässigen Versatz als<br />

Eingabe verwendet. Je höher der Eingabewert, desto kleiner die Anzahl der Stützpunkte.<br />

Da die Linien in der Vorlage sehr verpixelt sind, wird hier ein etwas höherer<br />

Wert eingegeben. Der Genauigkeit der Geometrie schadet es nicht.<br />

Smoothing<br />

Weight:<br />

Gap Closure<br />

Tolerance /<br />

Fan Angle:<br />

Hole Size:<br />

Die „Glättungsgewichtung“ dient zur Linienglättung. Der Wert legt die Intensität der<br />

Gewichtung fest.<br />

Die Landeskarte, die als Grundlage dient, wurde mit einem Scanner digitalisiert. Bei<br />

der Bildbearbeitung wurde bereits festgestellt, dass nicht alle Pixel im gleichen Farbton<br />

erscheinen, sondern z.B. bei den blauen Linien von Hell bis Dunkelblau Farbwerte<br />

auftreten. In der Bildbearbeitung und in der Konvertierung des Bildes in binäre Farben<br />

ist es vorgekommen, dass gewisse Pixel wegfallen. Dies reisst Lücken in die Linien.<br />

Mit diesem Parameter wird dem genannten Effekt entgegengewirkt, indem eine<br />

Lücke überwindbar gemacht wird.<br />

Unter Fan Angel wird der Suchwinkel verstanden. Anhand des Winkels wird hier nach<br />

den Linien gesucht. Besonders bei geschwungen Linien mit Lücken ist dies nützlich.<br />

Die Lochgrösse beschreibt Löcher in der Linie, die z.B. ursprünglich aus schlecht gescannten<br />

Quelldokumenten entstanden sind. Diese spielt in der automatisierten Vektorisierung<br />

keine Rolle und in der Karte weisen die Höhenlinie aufgrund der Methode<br />

zur Farbeseparierung keine Löcher auf.<br />

Gemäss der ESRI ArcGIS-Hilfe [2011d] wird das Ergebnis der Vektorisierung durch Faktoren wie<br />

Bildauflösung, Rauschverhältnis und Inhalt der gescannten Dokumente beeinflusst. Die Vektorisierung<br />

ist für diese Arbeit ein sehr nützliches Tool. Doch bleibt trotz Automatisierung manuelle<br />

Nacharbeit bestehen. Denn durch die Bildbearbeitung und das vorliegen von verschiedenen<br />

14


Masterarbeit FS 2011<br />

Farbtönen in der Kartengrundlage ist ein lückenloses Vektorisieren nicht möglich. So werden<br />

die Lücken von Hand mit dem Editierwerkzeug geschlossen. Abbildung 7 zeigt einen Zusammenschluss<br />

von einer braunen und einer schwarzen Höhenlinie, die von Hand geschlossen<br />

wird. Da dann durch manuelles Ergänzen eine Höhenlinie aus mehreren Vektoren besteht, wird<br />

das Tool UNSPLIT LINE aus dem DATA MANAGEMENT TOOL verwendet, um Linien mit denselben<br />

Stützpunkten zu einem Objekt zusammenzuschliessen. Dies ist bei der Attribuierung der Höhe<br />

im nächsten Schritt wichtig, so dass nicht viele kleine Linien mit einer Höhe versehen werden<br />

müssen. Doch auch nach der Nachbearbeitung ist es nicht unbedingt der Fall, dass eine Höhenlinie<br />

durch nur einen Vektor abgebildet wird. Denn häufig sind Linien unterbrochen, z.B. durch<br />

Höhenangaben, Gebietsnamen, Bergspitzen oder Koordinatengitter (siehe Abb. 8).<br />

Abbildung 9 zeigt einen Ausschnitt des Resultats der Vektorisierung der blauen Höhenlinien<br />

auf dem Fieschergletscher. Die Gletscherspalten und die Beschriftungen sind nicht mehr vektorisiert,<br />

sondern nur noch die Höhenlinien.<br />

.<br />

Abbildung 7:<br />

Vektorisierung der braunen und schwarzen Höhenlinie. 1 Pixel entspricht 2.5 m in natura<br />

Abbildung 8:<br />

Beispiel einer Vektorisierung; links: Blauer binärer Layer aufgrund des Koordinatengitters<br />

durchtrennte Vektoren (rot); rechts: manuell geschlossene und korrigierte Höhenlinie<br />

(grün) und gelöschte Vektoren bei Höhenlinienbeschriftung<br />

15


Masterarbeit FS 2011<br />

Abbildung 9:<br />

Blaue Höhenlinien vektorisiert mit ARCSCAN und manueller Nachbearbeitung<br />

3.3 Attribuierung der Höhenlinien<br />

3.3.1 Manuelles Attribuieren<br />

Durch das Vektorisieren des Rasterinhalts liegen alle geometrischen Vektoren in einem Shapefile<br />

vor. Nun wird jedem Feature ein Attribut, nämlich seine Höhe, zugeteilt, dass dadurch später<br />

eine Interpolation für ein Höhenmodell berechnet werden kann. Für das Testgebiet des Glacier<br />

de Moiry wird diese Arbeit manuell erledigt. Im Hintergrund der Vektoren liegt der Layer<br />

der vektorisierten Landeskarte. Die manuelle Arbeit kann je nach Grösse und Komplexität des<br />

zu bearbeitenden Perimeters sehr aufwendig sein. Abbildung 10 zeigt als Beispiel ein schwieriges<br />

Gebiet, mit Gletscherspalten, für die Attribuierung. Manuell muss jeder Vektor selektiert<br />

und mit entsprechender Höhe aus der Karte versehen werden. Grösste Fehlerquelle ist hier das<br />

falsche eingeben von Zahlen oder sogenannte Zahlenverdreher.<br />

Nebst den Höhenlinien werden auch die Koten, die in den Landeskarten enthalten sind, als<br />

Punkte vektorisiert und mit der angeschriebenen Höhe attribuiert. Die Koten sind meistens als<br />

„x“ oder als „•“ in den Karten dargestellt.<br />

Als visuelle Kontrolle wird über ein Label beim Layer der Vektoren die eingetragene Höhe des<br />

Features angezeigt (Abb. 10). Für die abschliessende Qualitätskontrolle kann ein DHM berechnet<br />

werden und bei Vorliegen eines Referenz-DHMs die Höhen verglichen werden.<br />

16


Masterarbeit FS 2011<br />

Abbildung 10:<br />

Zuordnung der Höhenlinien (rot) in Gletscherspalten ist häufig eine Schwierigkeit. Im<br />

Hintergrund Erstausgabe LK50.<br />

3.3.2 Halbautomatisches Attribuieren mit Tool Contourline Attribution<br />

Für das Studiengebiet des Fieschergletschers steht ein Programm zur halbautomatischen Attribuierung<br />

der Höhenlinien zur Verfügung.<br />

Das Programm CONTOURLINE ATTRIBUTION wird von Samuel Wiesmann, Doktorand am IKG, zur<br />

Verfügung gestellt. Das Skript basiert auf der Programmiersprache Python. In ARCGIS 10 ist<br />

Python als zentraler Baustein für diverse Funktionen und Werkzeuge ausgebaut worden. Das<br />

Ziel des Programms ist das halbautomatische Attribuieren von Höhenlinien. Als Input benötigt<br />

es den Layer mit den Höhenlinien und einen zweiten Layer, der Hilfslinien enthält. Die Hilfslinie<br />

soll die zu attribuieren gewünschten Höhenlinien schneiden. Sie muss von der tiefstgelegenen<br />

Linie beginnen und bei der höchsten Linie enden. Ersichtlich ist der Verlauf der Linie in ARCGIS<br />

durch einen grünen Startpunkt und einen roten Endpunkt.<br />

Durch das Angeben einer ganzzahligen Zahl in Meter wird die Hilfslinie in kleinere Abschnitte,<br />

sogenannte Segmente, unterteilt. Der Algorithmus überprüft in einem ersten Schritt, ob sich<br />

die Boundingbox der Hilfslinie und die Boundingbox der jeweiligen Höhenlinien schneidet. Dies<br />

optimiert das Programm, indem sehr schnell nicht betr<strong>of</strong>fene Höhenlinien ausgeschlossen<br />

werden können und das wiederum beschleunigt die Berechnung für die Attribuierung. Schneidet<br />

die Boundingbox eine Höhenlinie, wird sie in diese Segmente unterteilt. Diesen Segmenten<br />

wird aufsteigend eine Integerzahl zugewiesen und durchnummeriert. Wenn jede Höhenlinie<br />

durch die Hilfslinie in einem anderen Segment geschnitten wird, kann das Skript erfolgreich die<br />

Attribuierung abschliessen. Durch die Nummerierung der Segmente ist bekannt, in welcher<br />

Reihenfolge die Höhenlinien vorliegen. Mit der Eingabe der Höhe der untersten Höhenlinie als<br />

Attribut und der gewünschten Äquidistanz werden die Höhenlinien korrekt attribuiert. Optional<br />

kann, wenn bekannt, die Höhe der obersten Höhenlinie angegeben werden. Bei Eingabe<br />

17


Masterarbeit FS 2011<br />

dieses Werts überprüft das Tool automatisch die Berechnung über die Eingaben der untersten<br />

Höhe, der Äquidistanz und der Anzahl geschnittenen Höhenlinien. Sollte dies eine Inkonsistenz<br />

ergeben, wird eine Fehlermeldung ausgegeben.<br />

Abbildung 11 zeigt einen Ausschnitt des Gebiets des Fieschergletschers mit den Höhenlinien<br />

und den Hilfslinien, die zur halbautomatischen Attribuierung dienen.<br />

Das Programm ist sehr gut in der Anwendung und hat sich bei der Bearbeitung des Studiengebiets<br />

bestens erwiesen. Die hier beschriebene halbautomatische Attribuierung ist zeitlich einiges<br />

schneller als die manuelle und beugt der Vermeidung von Flüchtigkeits- und Tippfehlern<br />

vor.<br />

Abbildung 11:<br />

Gebiet des Fieschergletscher mit den Höhenlinien (rot) und den Hilfslinien (pink) zur<br />

halbautomatischen Attribuierung<br />

3.4 Interpolation<br />

3.4.1 Unterschied zwischen Raster und TIN<br />

Die Darstellung vom Gelände und deren Höhen in einer Karte erfolgen in der Regel durch Höhenlinien.<br />

Sollen jedoch Analysen und Auswertungen über die Geländeform gemacht werden,<br />

ist es unabdingbar, das ganze Gebiet in einer kontinuierlichen Oberfläche verwalten zu können.<br />

Denn ein Nachteil von Höhenlinien ist das Nichtvorhandensein von Informationen zwischen<br />

den Konturlinien.<br />

Die zwei wichtigsten Datentypen mit denen raumbezogene Daten kontinuierlich bearbeitet<br />

und dargestellt werden, sind das bekannte und übliche Raster (Grid) und das TIN (Triangulated<br />

Irregular Network).<br />

18


Masterarbeit FS 2011<br />

Ein TIN setzt sich aus Knotenpunkten, Kanten und Dreiecken zusammen. Die Repräsentation<br />

durch die Verbindung der Punkte ist trianguliert. Die Punkte sind unregelmässig (irregulär) verteilt<br />

und dementsprechend auch die Dreiecke. Jedes Dreieck enthält Informationen seiner<br />

Nachbarsdreiecke und bildet mit ihnen ein Netzwerk [Gäb, 2005]. Für die Erstellung wird <strong>of</strong>t die<br />

Delauney-Triangulation angewendet. Das Verfahren basiert auf dem Kreiskriterium, dass kein<br />

vierter Punkt im Umkreis eines Dreiecks liegt (siehe Abbildung 12). Wenn diese Bedingung nicht<br />

erfüllt ist, ergeben sich Dreiecke mit spitzen Winkeln (siehe Abbildung 13). Eine weitere Bedingung<br />

ist, dass bei der Delaunay-Triangulation in jedem Dreieck der kleinste Winkel maximal<br />

wird.<br />

Bei der Maske zur Interpolation mit CREATE TIN im 3D ANALYST in ARCGIS besteht die Möglichkeit,<br />

auszuwählen, ob die Bedingung von Delauney zur TIN-Generierung angewendet werden soll.<br />

schlechte Triangulation (nach dem Kreiskriterium)<br />

gute Triangulation (erfüllt das Kreiskriterium)<br />

Abbildung 12:<br />

Kreiskriterium der Delaunay-Triangulation<br />

Gewöhnliche Triangulation mit schleifenden Winkeln<br />

(schlechtes Dreiecksnetz)<br />

Delaunay-Triangulation mit minimalen Winkeln<br />

(gutes Dreiecksnetz)<br />

Abbildung 13: Gewöhnliche Triangulation und Delaunay-Triangulation [geoinformation.net, 2003]<br />

19


Masterarbeit FS 2011<br />

3.4.2 Interpolationsmethoden<br />

In dieser Arbeit werden DHMs aus alten Karten abgeleitet. Die einzige Höheninformation die<br />

daraus gewonnen werden kann, sind die Höhenlinien und die Koten, die mit einer Höhe versehen<br />

sind. Das heisst, aus diskreten Daten soll eine kontinuierliche Oberfläche generiert werden.<br />

Es ist somit viel weniger Information vorhanden als gewünscht. Dieser Vorgang, die Datenverdichtung<br />

und Vorhersage eines Attributs an einer nicht gemessenen Stelle, nennt man Interpolation.<br />

Das Ergebnis der Interpolation und deren Qualität hängen einerseits von der Genauigkeit, Anzahl<br />

und Verteilung der bekannten Punkte ab, aber auch davon wie gut die mathematische<br />

Funktion das abzubildende Phänomen modelliert [Bill, 1996]. Im Allgemeinen gilt, je höher die<br />

Punktdichte und gleichmässiger die Punktverteilung, desto besser ist das Ergebnis. Doch soll<br />

die mathematische Funktion die Eigenheit der Oberfläche so gut wie möglich annehmen, respektive<br />

sich anpassen.<br />

Es gibt viele Interpolationsmethoden, die für bestimmte Anwendungen geeignet sind. Zum<br />

Beispiel eine Abbildung von Temperaturen über ein Gebiet basierend auf einzelnen Messstationen<br />

wird mit einer glättenden Funktion berechnet. Wohingegen ein DHM über ein felsiges<br />

Gebiet mit einer Glättung zu keiner detailgetreuen Abbildung führt.<br />

Die bekannten Interpolationsmethoden, die auch in ARCGIS Anwendung finden, sind INVERSE-<br />

DISTANCE-WEIGHTING (IDW), NATURAL NEIGHBOR, SPLINE (RADIAL BASIS FUNCTION) und KRIGING. Dabei<br />

gibt es exakte und approximierte Interpolatoren. Exakte Interpolatoren geben den ursprünglichen<br />

Wert des Datenpunkts exakt wieder, wobei approximierende Verfahren sich dem Wert<br />

nur annähern.<br />

Für die Interpolation einer Oberfläche aus Höhenlinien, was in dieser Arbeit angewendet wird,<br />

steht in ARCGIS das Interpolationswerkzeug TOPO TO RASTER zur Verfügung [ArcGIS-Hilfe, 2011b].<br />

TIN werden in dieser Arbeit nur zu Versuchs- aber nicht für die Analyse- und Visualisierungszwecken<br />

generiert.<br />

3.4.3 Interpolationswerkzeuge<br />

Das Interpolationswerkzeug TOPO TO RASTER ist eine Methode, die speziell für die Erstellung hydrologisch<br />

korrekter DHMs entwickelt wurde. Das Tool basiert auf dem Programm ANUDEM von<br />

Michael Hutchinson. Die aktuelle Version von ANUDEM, die in ARCGIS verwendet wird, ist 4.6.3.<br />

Mehr Informationen und Literaturangaben findet man in der ArcGIS-Hilfe [2011b].<br />

TOPO TO RASTER ist der einzige ARCGIS-Interpolator, der speziell für das intelligente Zusammenwirken<br />

mit Konturlinieneingaben entwickelt wurde. Als Input für eine Berechnung einer Rasteroberfläche<br />

können jedoch Punkt-, Linien- und Polygondaten angegeben werden [ArcGIS-<br />

Hilfe, 2011c].<br />

Konturlinien zu verarbeiten sind in der Interpolation die schwierigste Technik. Denn der Nachteil<br />

liegt in der Unterabtastung von Informationen zwischen den Konturen, vor allem in flacherem<br />

Gelände. Die Interpolationsmethode TOPO TO RASTER verwendet eine Methode der iterativen<br />

finiten Differenz an. Einerseits führt dies zu einer optimierten rechnerischen Effizienz, wie bei<br />

einem lokalen Interpolator wie IDW und berücksichtigt auch die Oberflächen Kontinuität, was<br />

globale Interpolationsmethoden, wie KRIGING und SPLINE, nicht vorsehen. Hinter TOPO TO RASTER<br />

steckt eine Art diskretisierte THIN-PLATE-SPLINE-INTERPOLATION [ArcGIS-Hilfe, 2011c].<br />

20


Masterarbeit FS 2011<br />

Die VAW wendet für ihre Interpolationsaufgaben Routinen und Funktionen von GTGRID 2.0 der<br />

Firma GEOPHYSICAL TECHNIQUES in der S<strong>of</strong>tware PV-WAVE von VISUAL NUMERICS an. Sie wendet zur<br />

Interpolation Algorithmen an, die für hydrologische Berechnungen sich sehr empfehlen. Da in<br />

dieser Arbeit mit ARCGIS Interpolationen durchgeführt werden, sind die Resultate zu denen der<br />

VAW unterschiedlich. Es ist wichtig, wenn man Daten miteinander vergleichen will, dass immer<br />

dieselben Mittel eingesetzt werden. Nur so kann auch die Konsistenz innerhalb von Datenreihen<br />

erhalten bleiben.<br />

Das Fachgebiet Interpolation ist eine Wissenschaft für sich und jede Interpolation bedarf einer<br />

genauen Interpretation.<br />

3.4.4 Qualitätskontrolle<br />

Nach dem Interpolieren benötigt es immer eine Qualitätskontrolle und eine Überprüfung und<br />

Verifizierung der gerechneten Ausgabe. Die ArcGIS-Hilfe [2011b] schlägt gängige Methoden vor:<br />

- Konturlinien anhand der neuen Oberfläche mit dem Werkzeug Konturlinie zu<br />

erstellen und diese mit den Eingabe-Konturliniendaten zu vergleichen.<br />

- Visueller Vergleich mit den bekannten Wasserläufen und Bergrücken.<br />

- Ausschliessen eines Prozentsatzes der Eingabedaten aus dem Interpolationsprozess.<br />

Der reduzierte Datensatz wird wiederum interpoliert und mit der ersten Ausgabedatei<br />

verglichen.<br />

3.4.4.1 Vergleich der Konturlinien<br />

In ARCGIS ist es möglich mit dem Tool CONTOUR aus einer Oberfläche die Höhenlinien berechnen<br />

zu lassen. Die berechneten Höhenlinien sollten im Umkehrschluss ähnlich im Aussehen und<br />

gleich der Attribuierung sein wie die Höhenlinien, die als Input zur Generierung der Oberfläche<br />

dienten.<br />

Nach ausführlicher Überprüfung kann das Resultat dieses Vergleichs als befriedigend betrachtet<br />

werden. In Abbildung 14 ist der Vergleich beispielhaft im Zungenbereich des Glacier de Moiry<br />

dargestellt. Es wird festgestellt, dass die Linien mit weniger Stützpunkten abgebildet werden<br />

und somit der Verlauf der Linie stark vereinfacht wird. Dies sind jedoch Parameter, die nicht<br />

vom User festgelegt, sondern von der Funktion als Blackbox angewendet werden.<br />

21


Masterarbeit FS 2011<br />

Abbildung 14:<br />

Vergleich zwischen den aus der Karte digitalisierten (rot) und aus dem DHM<br />

berechneten (grün) Höhenlinien im Bereich der Gletscherzunge des Glacier de Moiry<br />

3.5 Visualisierung<br />

Ein Teil dieser Arbeit beinhaltet die Visualisierung der hergeleiteten Höheninformation aus der<br />

Karte in den oben beschriebenen Kapiteln. Hauptsächlich geht es darum, um Höhendifferenzen,<br />

respektive Eisdickenänderungen im Gletschergebiet darzustellen.<br />

3.5.1 Kartografie und Glaziologie<br />

Bei diesem Teil treffen die beiden Fachgebiete Kartografie und Glaziologie aufeinander. So beschäftigen<br />

sich Glaziologen hauptsächlich mit der Entstehung von Gletschern, deren Formen<br />

und Verbreitung sowie Wirkungsbeziehungen unter Gletschern. Es interessieren aber auch der<br />

Gletscherhaushalt, Oberflächenformen, Gletscherbewegung sowie Ablation und Akkumulation<br />

im Verlaufe der Zeit 1 . Um diese Eigenschaften der Gletscher festzuhalten werden sie seit Jahrzehnten<br />

kartiert. Wurden im Ausland im 19. Jh. eigenständige Gletscherkarten angefertigt, war<br />

dies in der Schweiz aufgrund der sehr genauen Karten der Landestopografie nicht notwendig,<br />

da diese den glaziologischen Anforderungen genügten [Brunner, 2006]. Werden Gletscher regelmässig<br />

kartiert, zeigen sie den direkten Vergleich auf, wie sich die Gletscher über die Jahre<br />

veränderten, respektive hauptsächlich zurückzogen.<br />

Hurni et al. [2000] berichten, dass bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts die Gletscherkartierung<br />

noch Teildisziplin der Gletscherforschung war und erst später sich daraus ein eigenes Teilgebiet<br />

der Kartografie, die Glazialkartographie entwickelte.<br />

1 http://wissen.woxikon.de/glaziologie (Zugriff: 20.06.2011)<br />

22


Masterarbeit FS 2011<br />

Ziel ist es, die beiden Wissenschaften mit einer Darstellung zusammenzuführen und die Thematik<br />

übersichtlich darzustellen, die kartografischen, aber auch den glaziologischen Ansprüchen<br />

genügt. Als Hilfsmittel wird ein Geografisches Informationssystem (GIS) verwendet. Dies<br />

ist schon seit über 20 Jahren state-<strong>of</strong>-the-art in beiden Wissenschaftszweigen. So arbeiten heute<br />

Kartografen und auch die Glaziologen mit GIS-S<strong>of</strong>tware, um Auswertungen, wie auch Darstellungen<br />

zu generieren [Brunner, 2006].<br />

3.5.2 Darstellungen von Veränderungen auf Gletschergebiet<br />

Brunner [2006] beschreibt in seinem Artikel, wie Karten den Rückzug der Gletscher seit 1850<br />

dokumentieren. Bei gedruckten Karten ist die Darstellung von raumzeitlichen Prozessen problematisch,<br />

da Karten statisch sind. Methoden, die sich in gedruckten Medien bewährt haben,<br />

sind Kartenreihen, Darstellungen mehrschichtiger Zustände und Diagramme, die Höhenänderungen<br />

darstellen. Bereits anfangs des 20. Jahrhunderts wurden Mehrfachkartierungen veröffentlicht,<br />

die die Zungenstände über mehrere Jahrzehnte in vielen einzelnen Kärtchen aufzeigten.<br />

Sind Mehrfachkartierungen vorhanden, ist es möglich Flächenvergleiche auch zahlenmässig<br />

anzustellen und darzustellen. Ein Nachteil von Einzelkarten bei Kartenreihen ist, dass ein<br />

quantitativer Vergleich nur schwer zu erreichen ist. Mehrschichtige Zustände erlauben die<br />

Übersicht mehrerer Zeitstände innerhalb einer Karte. Häufig wird diese Technik bei Gletscherzungen<br />

angewendet, die veranschaulicht, wenn der Gletscher stark zurück weicht. Noch interessanter<br />

für Glaziologen sind Volumen- und Höhenänderungen, doch sind diese mit analogen<br />

Karten aufwendig abzuleiten [Brunner, 2006]. Komplexere Visualisierungen von Gletscherveränderungen<br />

dieser Art sind Darstellungen von Flächen- und Höhenänderungen. Wegen der<br />

Lesbarkeit werden meistens nur zwei Zeitstufen gezeigt und diese in Farbe dargestellt. Zu viele<br />

Stände sind bei mehrschichtigen Zuständen der Übersicht nicht förderlich und lassen deshalb<br />

nur eine geringe Inhaltsdichte zu.<br />

Eine häufig angewendete Darstellung für Flächen- und Höhenänderungen ist die Einfärbung<br />

der Flächen zwischen den Höhenlinien aufgrund von Höhenzunahme oder -abnahme. Diese<br />

Methode wurde vermutlich erstmals 1966 für den Aletsch- und den Mattmarkgletscher angewendet.<br />

Ein weiteres Beispiel ist in Brunner & Rentsch [2002] zu finden.<br />

Seit dem Einzug von GIS wird flächendeckend über digitale Höhenmodelle von Gletschern verfügt.<br />

Dieser Fortschritt der Technik liess viele neue Möglichkeiten in der Analyse und Darstellung<br />

zu. So lassen sich mühelos Höhenänderungen für den ganzen Gletscher berechnen und<br />

mittels Methoden der thematischen Kartografie abbilden. In Kääb [1996] wird der Grubengletscher<br />

(VS) mit dieser anschaulichen Methode in gedruckter Version und als interaktive Animation<br />

in Isakowski [2003] gezeigt.<br />

Mit dem Vorliegen der digitalen Höhenmodelle und moderner Computertechnik lassen sich<br />

nebst 2D auch Visualisierungen in 3D sehr anschaulich erstellen. Dazu kann mit Farbe mehr Inhalt<br />

in eine Darstellung verpackt werden. Zudem ist es auch möglich, je nach Bedürfnis Information<br />

ein- oder auszublenden. So werden auch in Zukunft Animationen für die 3D-<br />

Darstellung dynamischer Prozesse im Gletschergebiet vermehrt eingesetzt.<br />

Eine Auswahl an verschiedenen Darstellungen im Gletschergebiet zeigen Hurni et al. [2000],<br />

Winter [2001] und Wiesmann [2009].<br />

23


Masterarbeit FS 2011<br />

3.5.3 Farbe in vergleichenden Darstellungen<br />

Farbe in gedruckten Medien ist wichtiger denn je. Sind früher häufig auch Grafiken in schwarzweiss<br />

dargestellt worden, werden heute vermehrt Illustrationen attraktiv in Farbe präsentiert.<br />

Vor allem, wenn Inhalte nicht nur in gedruckter Form, sondern auch am Bildschirm gezeitgt<br />

werden. Der Bildschirm birgt aber auch grosse Gefahr. Da es möglich ist, fast jede Farbkombination<br />

darzustellen, muss beim Hersteller von Grafiken ein gewisses Farbverständnis vorhanden<br />

sein. Besonders bei der Herstellung thematischer Karten ist darauf zu achten, wie das Mittel<br />

Farbe eingesetzt wird, da bei solchen Darstellungen meistens schon eine farbige Karte als<br />

Basis vorhanden ist.<br />

Hurni et al. [2000] schildert die Phase vor 1950, die Pionierzeit der Gletscherkartografie, wo den<br />

Darstellungen von Gletschern noch keine allzu grosse Beachtung geschenkt wurde. Ab 1950 hat<br />

sich dies mit dem Einzug der modernen Glazialkartografie geändert. Es wurden in dieser Zeit<br />

auch vermehrt Daten über Gletscher akquiriert, was wiederum auch neue Thematiken im Zusammenhang<br />

mit Gletschern ermöglichte. Nebst der bekanntesten, der topografischenthematischen<br />

Karte, entstand auch die glaziologische Orth<strong>of</strong>otokarte oder Satellitenbildkarte.<br />

Auch manuell hergestellte kartenverwandte Darstellungen, z.B. Schrägansichten oder Panoramadarstellungen,<br />

werden seit einigen Jahrzehnten immer wieder eingesetzt.<br />

Mit der Entwicklung in der Informatik wurde auch die Datenhaltung massiv verändert und die<br />

Verarbeitung der Daten in GIS ermöglichte neue Anwendungen. So sind sogenannte Synthesekarten<br />

oder auch GIS-Karten entstanden, wo verschiedene glaziale Thematiken überlagernd<br />

dargestellt sind. Bis heute wird der Trend mit computergenerierten Darstellungen, Animationen<br />

und Visualisierungen fortgesetzt, die es erlauben interaktiv zwischen Mensch und Grafik<br />

zu kommunizieren.<br />

Dabei ist auffällig, dass in älteren Darstellungen die Farben eher spärlich und meistens nur in<br />

Form von Strichen eingesetzt wurden, dies auch wegen der Schwierigkeiten bei der Reproduktion<br />

solcher Grafiken. Mit Einsatz von Computergrafik ist Farbe ein sehr wichtiges Mittel, um<br />

einerseits die Aufmerksamkeit des Nutzers zu gewinnen und andererseits Inhalte von einander<br />

abzugrenzen oder Klassen zu bilden.<br />

Winter [2001] zeigt einige Darstellungen über verschiedene Jahrzehnte von Gletscherveränderungen<br />

in der Höhe. Doch eine einheitlich Farbgebung für dieselbe Thematik hat sich nicht<br />

durchgesetzt und konnte keine festgestellt werden. So schreibt auch Peters [2008], dass gleiche<br />

Farben sogar für entgegengesetzte Ausprägungen verwendet werden. Brunner und Pillewizer<br />

wenden in den Jahren 1977 und 1982 für Höhenzunahme-, respektive -abnahme die Farbe Rot<br />

und Blau an. Für Flächenabnahmen, respektive -zunahmen verwendete Pillewizer Gelb, respektive<br />

Braun. Kääb jedoch benützt im Jahre 1999 für eine Dickenabnahme Rot und für eine Zunahme<br />

Blau. In einer Karte von 1976, die von der Eidgenössischen Landestopographie, der Abteilung<br />

für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie an der <strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong> und der Gletscherkommission<br />

der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft herausgegeben wurde, kommen die<br />

Farben Grün für eine Zunahme und Gelb für eine Abnahme zur Anwendung [Winter, 2001].<br />

Diese Karte wird in Abbildung 15 gezeigt.<br />

Aufgrund des Ausgabejahres der Karten kann nicht auf einen zeitlichen Zusammenhang oder<br />

Entwicklung der Farbgebung geschlossen werden. Alle erwähnten Karten weisen eine unterschiedliche<br />

Art der Basiskarte, resp. Hintergrundskarte auf. So werden topografische Karten<br />

oder auch nur die Höhenlinie und Koten oder ein Orth<strong>of</strong>oto verwendet. Doch die Technik der<br />

24


Masterarbeit FS 2011<br />

Darstellung der Höhenänderungen der Gletscheroberfläche ist bei allen gleich. Durch das Überlagern<br />

der Höhenlinien zweier Zeitstände spannen sich Flächen bei einer Veränderung in der<br />

Höhe auf. Diese Differenzflächen werden Höhenlinienbänder genannt. Die negativen und die<br />

positiven Höhenveränderungsflächen tragen zwei verschiedene Farben, die eine Höhenzunahme<br />

oder –abnahme symbolisieren [Winter, 2001].<br />

Abbildung 15:<br />

Darstellung der Höhenab- und zunahme mit der Verwendung von Differenzbändern aus<br />

Winter [2001]<br />

Die Interpretation einer Farbe kann so verschieden sein, wie deren Wahrnehmung. Brunner<br />

verwendet Rot für eine Höhenzunahme, weil er dies mit einer Aktivität auf dem Gletscher deutet.<br />

Kääb deutet die Farbe Rot für einen Höhenverlust. Rot bedeutet wahrnehmungspsychologisch<br />

warm, was auf dem Gletscher einer Eisschmelze gleichkommt. Blau interpretiert er als<br />

Höhenzunahme, da blau wahrnehmungspsychologisch für kalt steht und eine Eiszunahme bedeutet<br />

[Winter, 2001].<br />

3.5.4 Farbe in der thematischen Kartografie<br />

Farbe in der Kartografie wird auch in der Literatur thematisiert, so schrieb auch Imh<strong>of</strong> [1972]<br />

darüber. Für gewisse Karten, wie topografische oder geologische Karten, sind gewisse Farben<br />

zur Gewohnheit geworden, doch ist „der Hersteller thematischer Karten in der farbigen Gestaltung<br />

frei. Guter Geschmack, guter Farbsinn und die Freude am Gestalten sind durch keine Fesseln<br />

eingeengt“ [Imh<strong>of</strong>, 1972].<br />

Ob die Farbwahl angenehm, gut zusammenklingend oder harmonisch empfunden wird, folgen<br />

teils Regeln, welche doch auch kontrovers und stark voneinander abweichen. Angewöhnung,<br />

Schulung, psychische Veranlagung und augenblickliche seelische Verfassung spielen hierbei<br />

ebenso mit, wie ein mehr oder weniger vorhandener künstlerischer Sinn [Imh<strong>of</strong>, 1972].<br />

25


Masterarbeit FS 2011<br />

Doch gelten trotzdem gewisse Regeln in der Farbenlehre, die auch Imh<strong>of</strong> [1972] untermalt. So<br />

wirken Farbpaare, die komplementär sind, als harmonisch und bei mehreren Farben sind es<br />

Farben, die nacheinander im Farbkreis vorkommen. Wenn die Flächen nicht gleichgross sind,<br />

dann ist die Farbabstimmung noch wichtiger. Extreme jeder Art sollten kleine Areale einnehmen.<br />

Beschränkt man sich auf kräftige, gewichtige, satte und reine Farben auf kleinflächige Extreme,<br />

so entstehen ausdrucksstarke und schöne Farbflächenmosaike. Doch wenn das Kartenbild<br />

als zu bunt erscheint, wirkt es ungeordnet, verwirrend und unschön<br />

Da häufig die Wahrnehmung von Farbe im Auge des Betrachters liegt, ist es von Vorteil in digitalen<br />

Medien mit interaktiven Legenden zu arbeiten, die es ermöglichen, eigene Farbgebungen<br />

einfliessen zu lassen und die Resultate anders darzustellen. Hier sei als Beispiel der Atlas der<br />

Schweiz 2 genannt, wo der Benutzer, die Legenden und deren Farbe selber definieren kann.<br />

3.5.5 Begriffsdefinition 3D und 2.5D<br />

In dieser Arbeit wird der Begriff 3D-Visualisierung verwendet. 3D ist die Abkürzung für dreidimensional.<br />

Dies bedeutet, es findet eine Abbildung in allen drei Raumdimensionen statt. Hier<br />

ist dies der Fall, indem die Koordinaten Y, X und dazu noch die Höhe Z abgebildet werden.<br />

Nebst 3D wird auch in der Literatur häufig der Begriff 2.5D verwendet. Dies ist ein Begriff aus<br />

der Geoinformationswissenschaft und ist die konventionelle Art Geländeoberflächen z.B. mit<br />

einem TIN oder Grid darzustellen. Da in GI-Systemen bisweilen die Lage von der Höhe getrennt<br />

gespeichert wird, hat sich dieser Begriff durchgesetzt für Angaben, wo einem Oberflächenpunkt<br />

genau eine Z-Koordinate zugewiesen wird. In einem konventionellen GIS ist es nicht<br />

möglich, dass ein Koordinatenpaar zwei Z-Koordinaten aufweist, so können z.B. überhängende<br />

Felswände etc. nicht dargestellt werden. In dieser Arbeit wird einfachheitshalber die 2.5D-<br />

Darstellung als 3D-Darstellung bezeichnet und interpretiert.<br />

Das Attribut Zeit wird in dieser Arbeit generell nicht als Dimension hinzugezählt, sondern ist<br />

Thema durch das Vergleichen zweier Zeitstände.<br />

2 Atlas der Schweiz: http://www.atlasderschweiz.ch<br />

26


Masterarbeit FS 2011<br />

4 Testgebiet „Glacier de Moiry“<br />

4.1 Glacier de Moiry<br />

Der Glacier de Moiry, deutsch Moirygletscher, ist ein Gletscher im südlichen Talabschluss des<br />

Val de Moiry. Der Gletscher liegt im Kanton Wallis (CH) und weist heute eine Länge von ca. fünf<br />

Kilometer auf. Im Mittel ist er etwa einen Kilometer breit und bedeckt eine Fläche von ungefähr<br />

fünf km².<br />

Der höchst gelegene Punkt des Gebietes ist der Grand Cornier auf ca. 3800 m ü. M. Von dort<br />

fliesst der Gletscher nach Norden, flankiert von der Pointe de Bricola (3658 m ü. M.) und dem<br />

Tsa de l'Ano (3368 m ü. M.) im Westen sowie von den Bouquetins (bis 3627 m ü. M.) und der<br />

Pigne de la Lé (3396 m ü. M.) im Osten.<br />

Die Gletscherzunge liegt zurzeit auf einer Höhe von rund 2400 m ü. M. In den 1930er-Jahren lag<br />

die Gletscherzunge auf 2355 m [Mercanton, 1958]. Im Hochstadium der Kleinen Eiszeit in der<br />

Mitte des 19. Jahrhunderts weitete sich der Moirygletscher rund 1 km talabwärts aus.<br />

Hydrologisch speist der Moirygletscher die La Gougra, die im Lac de Moiry ca. 150 Höhenmeter<br />

tiefer als die Gletscherzunge gestaut ist und danach in die La Navisence mündet. Diese fliesst<br />

bei Sierre in die Rhone [wikipedia, 2010].<br />

Abbildung 16: Luftaufnahme des Glacier de Moiry [VAW, 2010a]<br />

27


Masterarbeit FS 2011<br />

4.2 Von der Karte zum DHM<br />

Für das Gebiet wird die Methode gemäss Kapitel 3 angewendet. So kann nach der Bildbearbeitung<br />

und Farbseparierung mit dem Vektorisieren der Höhenlinien begonnen werden. Nach anschliessender<br />

Bereinigung der Vektoren und Attribuierung mit entsprechender Höheninformation<br />

wird aus den Höhenlinien ein DHM interpoliert.<br />

Für die Interpolation wird in ARCGIS das Tool TOPO TO RASTER verwendet. Das Tool eignet sich<br />

hervorragend, da nebst Linien auch Punkte als Input in die Berechnung mitgegeben werden<br />

können. Beim Glacier de Moiry sind die Koten in der Karte als kleine, kurze Linien digitalisiert.<br />

Beim Fieschergletscher (Kapitel 5) werden für die Koten bei der Digitalisierung Punkte abgesetzt.<br />

Aus Gründen der Konsistenz und Analysemöglichkeiten werden Raster generiert, da die VAW<br />

ihre weiterführenden Analysen basierend auf Rasterdaten durchführen und auch in ARCGIS<br />

stehen einige Tools Analysentools für Rasterdaten zur Verfügung im Gegensatz zu TINs.<br />

Die nachfolgende Abbildung 17 mit mehreren Bildern zeigt die einzelnen Produkte von der Karte<br />

bis zum Differenzen-Raster von einem zweiten Oberflächenmodell. Als Grundlage dient die<br />

Erstausgabe der Landeskarte. Mittels der Farbseparierung werden die jeweiligen Farbtöne<br />

(Blau, Schwarz, Braun) als binäre Raster gespeichert. Von der Karte werden halbautomatisch<br />

und teils manuell die Höhenlinien vektorisiert und mit ihrer Höheninformation attribuiert. Anschliessend<br />

wird mit dem Interpolationswerkzeug TOPO TO RASTER ein Raster generiert. Das Raster<br />

nimmt die Grösse der Boundingbox der Inputdaten an. Die gewonnene Oberfläche kann mit<br />

einer zweiten Oberfläche, die als Referenz dient, verglichen werden, indem die beiden Raster<br />

voneinander subtrahiert werden. Alle berechneten DHMs (Raster) und deren Differenzraster<br />

werden mit einer Zellgrösse von 25 m berechnet. Der Wert wird so gewählt, da er auch bei der<br />

VAW für DHMs so definiert wird und somit auf Erfahrung für Gletscheranalysen beruht.<br />

Für das Gletschergebiet wird nebst den Höhenlinien auch eine Gletscherumrandung digitalisiert.<br />

Diese Umrandung dient als Vorlage, um das Raster zu clippen. Mit dem Tool CLIP ist es<br />

möglich ein Dataset auf eine bestimmte Form zuzuschneiden.<br />

28


Masterarbeit FS 2011<br />

Abbildung 17:<br />

Schritte von der Karte zur digitalen Höheninformation und Höhendifferenz<br />

4.3 Vergleiche der Resultate vom Testgebiet<br />

Im Kapitel 4.3 werden Vergleiche zwischen verschiedenen DHMs im Testgebiet Glacier de Moiry<br />

gezeigt. Diese Vergleiche werden gemacht, um die angewendete Technik zur Rekonstruktion zu<br />

überprüfen. Zum einen werden Vergleiche mit dem DHM von Roland Schenkel und zum anderen<br />

mit dem manuell erstellten DHM der VAW gemacht. Mit verschiedenen Inputdaten wird<br />

zudem das Verhalten der Interpolationsmethode untersucht.<br />

In Kapitel 4.3.11 wird abschliessend eine zusammenfassende Übersicht aller hier aufgeführten<br />

Vergleiche über den Glacier de Moiry gegeben.<br />

29


Masterarbeit FS 2011<br />

4.3.1 Legende der nachfolgenden Vergleiche<br />

Für die nachfolgenden Vergleiche werden die Differenzen aus zwei Raster, respektive DHMs berechnet.<br />

Alle Werte entsprechen folgender Legende (Abb. 18). Die Legende weist sieben Klassen<br />

auf. Die Klassen werden mittels vier verschiedenen Farben dargestellt. Die extremen Klassen<br />

werden in Rot, die mittleren Klassen in Orangetönen und die Klasse mit den tiefsten Differenzen<br />

in einem hellgrün dargestellt. Somit werden die Beträge der Werte in der gleichen Farbe<br />

dargestellt. Denn primär ist nicht das Vorzeichen der Vergleiche entscheidend, sondern der<br />

Zahlenwert der Differenzen. Diese Einteilung wird ebenso durch die Verteilung der Differenzwerte<br />

begründet, da sie laut Histogramm einer Normalverteilung folgen. Das Aussehen dieser<br />

Legende ist ein Standard, der häufig so eingesetzt wird.<br />

Legende<br />

Differenzen in [m]<br />

< -20<br />

-20 - -5<br />

-5 - -1<br />

-1 - 1<br />

1 - 5<br />

5 - 20<br />

> 20<br />

Abbildung 18:<br />

Legende der Differenzen im Testgebiet Glacier de Moiry in [m]<br />

4.3.2 Vergleich DHM Schenkel (Linien) und DHM Sidler (Linien)<br />

Das Testgebiet Glacier de Moiry wird nebst vom Autor auch von Roland Schenkel ausgewertet.<br />

Die Bildbearbeitung und Vektorisierung können je nach Operateur und Methode unterschiedlich<br />

sein. Um diese Unterschiede zu beziffern, werden die beiden DHMs miteinander verglichen<br />

und die Ursache für Differenzen erläutert.<br />

Der Vergleich der beiden Raster kann basierend auf einer Subtraktion abgeleitet werden. Das<br />

Raster von Schenkel ist der Minuend und das Raster von Sidler ist der Subtrahend. Die Differenz<br />

ist in Abbildung 20 ersichtlich.<br />

Das Ergebnis aus der Rasterkalkulation sieht zufriedenstellend aus und entspricht den Erwartungen.<br />

Der grösste Teil der Fläche liegt im Bereich von ± 1 m (grüne Farbe). Die grössten Unterschiede<br />

treten vor allem in den Steilstufen des Gletschers auf. Dies rührt daher, dass die beiden<br />

Operateure bei der Vektorisierung und Nachbearbeitung der Vektoren unterschiedliche Strategien<br />

verfolgen. Während Sidler nur die deutlich als Höhenlinien erkennbaren Linien vektorisiert,<br />

versucht Schenkel, das Terrain zu lesen und die Linien gemäss Schraffenzeichnung, Gletscherspalten<br />

und Eisbalkonen zu interpretieren (siehe Abb. 19). Im ersten Fall entstehen dadurch Lücken<br />

in den Daten, das heisst, es werden in einem gewissen Gebiet keine Höhenlinien erfasst.<br />

Im zweiten Fall hat es die Bedeutung, dass zwar Daten erfasst werden, jedoch die Verifikation<br />

über die Richtigkeit der Information nicht gewährleistet ist.<br />

30


Masterarbeit FS 2011<br />

Abbildung 19:<br />

Unterschiedliche Technik der Vektorisierung von Schenkel (schwarz) und Sidler (rot)<br />

Da die Differenzen hauptsächlich im negativen Bereich liegen, wird das Ergebnis nun so interpretiert,<br />

dass der Interpolationsalgorithmus „Topo to Raster“ bei einem Abschnitt ohne Daten<br />

eher eine konvexe Form annimmt. Dies bedeutet, dass Volumen unter der Oberfläche zu gross<br />

ausgewiesen wird. Bei Angaben von Höhenlinien wird die interpolierte Oberfläche nach unten<br />

gezogen. Dies führt dazu, dass die grösste Differenz im negativen Bereich -77.2 m und im positiven<br />

Bereich bei 35.54 m liegt. Der Mittelwert liegt bei 0.87 m und die Standardabweichung beträgt<br />

4.47 m. Wenn alle Differenzwerte in einem Histogramm geplottet werden, nimmt die<br />

Form eine deutliche Normalverteilung an.<br />

Weiter hat es grössere Differenzen im Gebiet um die Pointe de Mourti und in der Mitte des östlichen<br />

Teils des Gletschers. Beide Unterschiede liegen beim Wert von ca. 20 m. Dies ist darauf<br />

zurückzuführen, dass an beiden Stellen durch einen Flüchtigkeitsfehler eine Höhenlinie um<br />

20 m falsch attribuiert wurde. Weiters hat es an den Rändern des Rasters und in den Löchern<br />

des Rasters, wo Felsgebiet ist, grössere Differenzen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass je<br />

nach Umgrenzung des Gletschergebiets teils der Interpolationsalgorithmus keine Daten in<br />

unmittelbarer Nähe verwendet und somit über die Fläche hinaus interpoliert hat.<br />

31


Masterarbeit FS 2011<br />

Abbildung 20:<br />

Differenzraster des Vergleichs DHM (Sidler) und DHM (Schenkel)<br />

4.3.3 Vergleich DHM VAW und DHM Sidler<br />

Der Vorteil des Testgebiets Glacier de Moiry besteht darin, dass die VAW bereits einen Datensatz<br />

und ein DHM aus der selbigen Karte generiert hat. Dieses DHM kann nun für Vergleiche<br />

bezüglich Qualität und Konsistenz der Daten herangezogen werden.<br />

Da im Hauptteil dieser Arbeit ein DHM des zweitlängsten Gletschers, dem Fieschergletscher,<br />

rekonstruiert wird, und zur Datengewinnung ein anderes Verfahren eingesetzt wird als bisher<br />

bei der VAW, möchte auch die VAW die Unterschiede bezüglich eines anderen Operateurs und<br />

Verfahren ermittelt haben.<br />

Gegenüber der VAW wird in dieser Arbeit ESRI ARCGIS eingesetzt. Die VAW setzt andere S<strong>of</strong>tware<br />

ein und digitalisiert, rektifiziert und georeferenziert Karten manuell. Der Interpolationsalgorithmus<br />

für ein DHM verwendet im Anschluss nur die Stützpunkte der Linien und benützt<br />

somit nicht die ganze Linieninformation. Im Gegensatz vom Verfahren mit Topo to Raster, wo<br />

Linien als Input verwendet werden.<br />

4.3.3.1 DHM VAW (Punktraster 25 m) und DHM Sidler (Linien)<br />

Im Differenzen-Vergleich wird das DHM von Sidler vom DHM der VAW subtrahiert. Die grössten<br />

Differenz-Werte werden wiederum in den Steilstufen sichtbar. Die VAW verwendet denselben<br />

Ansatz wie Sidler und digitalisiert nur die als Höhenlinien sichtbaren Linien. Jedoch ver-<br />

32


Masterarbeit FS 2011<br />

wenden sie nur die Punktinformation von den Linien zur Interpolation. Das Maximum der Differenzen<br />

beträgt 32.48 m und das Minimum -27.15 m. Der Mittelwert über alle Differenzen liegt<br />

bei 0.19 m. Die grossen Differenzen treten wiederum dort auf, wo aus einem Flüchtigkeitsfehler<br />

die Höheninformation in manueller Arbeit falsch attribuiert wurde. Zudem ist sehr auffällig,<br />

dass häufig in steilen Gebieten die Unterschiede grösser sind als in den flacheren Partien. Dies<br />

wird wohl eine Eigenheit aus den Interpolationsalgorithmen sein (siehe Abb. 21).<br />

Abbildung 21:<br />

Differenzraster des Vergleich DHM VAW (Punkraster 25 m) und DHM Sidler (Linien)<br />

4.3.3.2 DHM VAW (Stützpunkte) und DHM Sidler (Linien)<br />

Im oben genannten Vergleich wird das DHM von der VAW verwendet, welches bereits vorgängig<br />

einer Interpolation unterzogen wurde, indem dass die Höhenlinien in ein regelmässiges<br />

Raster interpoliert worden sind. Deshalb werden hier nur die Linienstützpunkte der Vektorisierung<br />

von der VAW verwendet. So wird die Differenz zwischen dem DHM VAW (Stützpunkte)<br />

und DHM Sidler (Linien) gebildet. Das Maximum liegt hier bei 25.63 m und das Minimum bei<br />

-33.80 m. Der Mittelwert hat einen Wert von -0.48 m und die Standardabweichung beträgt<br />

3.73 m. Wie die kleinere Standardabweichung 3.73 m statt 4.63 m andeutet, ist die Streuung etwas<br />

kleiner (Abb. 22). Dies ist im Differenzraster (Abb. 23) unter anderem ersichtlich, dass nicht<br />

mehr so viele und so grosse Zonen vorhanden sind, wo höhere Werte von Unterschiede zwischen<br />

± 20 bis 50 m resultieren. Auch an den Rändern sind die Unterschiede etwas kleiner.<br />

Es ist jedoch anzumerken, dass im ersten, vorangehenden Vergleich die Rasterpunkte von der<br />

VAW ein grösseres Gebiet abdecken als das des Gletschers. Für diesen Vergleich hier, wo die<br />

Stützpunkte der Linien verwendet wurden, liegt die Höheninformation nur gerade auf dem<br />

Gletscher vor.<br />

33


Masterarbeit FS 2011<br />

Abbildung 22:<br />

Links: Histogramm des Differenzrasters des Vergleichs DHM VAW (Punktraster 25m) und<br />

DHM Sidler (Linien); Rechts: Histogramm des Differenzrasters des Vergleichs DHM VAW<br />

(Stützpunkte) und DHM Sidler (Linien)<br />

Abbildung 23:<br />

Differenzraster des DHM Sidler (Linien) und DHM VAW (Stützpunkte)<br />

4.3.4 Vergleich DHM VAW (Punktraster 25 m) und DHM Schenkel (Linien)<br />

Ein weiter Vergleich kann zwischen dem DHM der VAW aus dem Punktraster und dem DHM<br />

von Schenkel aus Linien gemacht werden (Abb. 24). Das Resultat zeigt ein ähnliches Verhalten,<br />

wie beim Vergleich zwischen DHM VAW (Stützpunkte) und DHM Sidler (Linien). Jedoch im<br />

westlichen Teil des Gletschers hat es ein grösseres Maximum. Dieses Maximum ist ursprünglich<br />

von einer inkorrekten Attribuierung. Weiter ist erkennbar, dass es mehrere kleinräumige<br />

Flächen von Differenzen zwischen 5 – 20 m und hauptsächlich in den Steilstufen hat. Dies rührt<br />

daher, dass zur Herstellung der beiden Raster eine unterschiedliche Herangehensweise zur<br />

34


Masterarbeit FS 2011<br />

Vektorisierung angewendet wurde. So kommen die Unterschiede besonders in den Steilstufen<br />

zum Ausdruck.<br />

Abbildung 24:<br />

Vergleich des Differenzrasters des DHM VAW (Punktraster 25 m) und DHM Schenkel<br />

(Linien)<br />

4.3.5 Vergleich DHM Sidler (Linien) und DHM Sidler (Stützpunkte)<br />

Da die VAW nur mit Punkten bei der Interpolation arbeitet, werden auch hier zur Interpolation<br />

nur die Stützpunkte der vektorisierten Höhenlinien als Input verwendet. Mit einem Vergleich<br />

der Raster-Resultate, die aus der Interpolation mit Linien, respektive Punkten, entstehen, soll<br />

erkundet werden, wie das Resultat abhängig vom Input und der Berechnung der Interpolation<br />

von TOPO TO RASTER ist (Abb. 25). Da hier auch Vergleiche angestellt werden, die als Input Linien<br />

und Stützpunkte aufweisen, wird untersucht, ob der Input Punkt oder Linie überhaupt eine Rolle<br />

spielt.<br />

Das aus Höhenlinien gerechnete Raster ist der Minuend und das Raster aus Stützpunkten ist<br />

der Subtrahend. Die Differenz beträgt im Durchschnitt -1.34 m, die Standardabweichung 2.51 m<br />

und das Maximum, respektive Minimum liegen bei 14.98 m und -13.90 m. Obwohl der Input für<br />

die Interpolation der Punkte dieselbe Information enthält, wie die Höhenlinien, wird eine differente<br />

Oberfläche berechnet.<br />

Die Aussage dieses Vergleichs ist, dass es einen Unterschied ausmacht, ob TOPO TO RASTER mit<br />

Linien oder mit Stützpunkten gefüttert wird. Da jedoch TOPO TO RASTER hauptsächlich zur Interpolation<br />

von Oberflächen aus Höhenlinien empfohlen wird, werden auch Höhenlinien als Input<br />

verwendet [ArcGIS-Help, 2011b].<br />

35


Masterarbeit FS 2011<br />

Abbildung 25:<br />

Vergleich des Differenzrasters des DHM Sidler (Linien) und DHM Sidler (Stützpunkte)<br />

4.3.6 Vergleich der Raster aus Punkten zwischen Raster VAW und Raster Sidler<br />

4.3.6.1 DHM VAW (Stützpunkte) und DHM Sidler (Stützpunkte)<br />

Aus Vergleichsgründen, dass auch dieselben Dateninputs miteinander verglichen werden, wird<br />

hier ein weiterer Vergleich gemacht. Es handelt sich hierbei um die Differenz zwischen einer<br />

Oberfläche von der VAW nur aus den Stützpunkten der Linien und ebenso aus einer Oberfläche<br />

nur aus den Stützpunkten der Höhenlinien von Sidler (Abb. 26). Die Differenzen zeigen folgende<br />

Kenngrössen. Das Maximum liegt bei 22.93 m, das Minimum bei -33.58 m und der Mittelwert<br />

bei -1.83 m und die Standardabweichung bei 4.06 m. Dies ist der einzige Vergleich, wo die beiden<br />

Inputs nur aus den Punkten bestehen. Die Differenzen im Mittelwert sind hier am grössten<br />

aller Vergleiche, jedoch bei den Minima und Maxima sind die Werte unterdurchschnittlich.<br />

Abbildung 26:<br />

Vergleich des Differenzrasters des DHM VAW (Stützpunkte) und DHM Sidler<br />

(Stützpunkte)<br />

36


Masterarbeit FS 2011<br />

4.3.6.2 DHM VAW (Punktraster 25 m) und DHM Sidler (Punktraster 25 m)<br />

Die VAW berechnet nach der Vektorisierung der Höhenlinien ein regelmässiges Punktraster aus<br />

den Stützpunkten der Höhenlinien. In diesem Abschnitt wird ein Homogenitätsvergleich angestrebt.<br />

Die Stützpunkte der Höhenlinien von Sidler werden von der VAW mit ihrem Interpolationsalgorithmus<br />

in ein 25 m Punkteraster gerechnet. Anschliessend werden die beiden Punkteraster<br />

in ARCGIS mit TOPO TO RASTER in Rasteroberflächen berechnet und anschliessend voneinander<br />

subtrahiert. Das Raster der VAW ist wiederum der Minuend. Folgende Kennziffern werden<br />

aus dem Differenzenraster berechnet. Der Mittelwert ist -1.56 m und die Standardabweichung<br />

ist 4.03 m. Das Minimum liegt bei -26.99 m und das Maximum bei 25.38 m. Der Mittelwert<br />

ist somit einiges grösser als bei den vorangegangen Vergleichen. Jedoch liegt auch dieser<br />

Wert immer noch in der Toleranz, respektive Genauigkeit des beschriebenen Verfahrens.<br />

4.3.7 Georeferenzierung der Kartengrundlage bei der VAW<br />

4.3.7.1 Helmert-Transformation<br />

Für die Digitalisierung der Karten werden bei der VAW die Karten selber gescannt und georeferenziert.<br />

Bei der Bearbeitung des Testgebietes Glacier de Moiry wurde festgestellt, dass es bezüglich<br />

der georeferenzierten Karte der SWISSTOPO zu einem Versatz von ca. vier Pixeln kommt.<br />

Vier Pixel im Kartenbild entsprechen zehn Meter in natura. Somit sind die vektorisierten Höhenlinien<br />

von einem Versatz betr<strong>of</strong>fen (siehe Abbildung 27).<br />

Abbildung 27:<br />

Vektorisierte Stützpunkte der VAW (grüne Punkte) und Höhenlinien Sidler (rote Linien)<br />

Mit einer Transformation kann dieser Offset behoben werden. Um die Transformationsparameter<br />

zu bestimmen, werden die Koordinatenkreuze aus beiden Kartengrundlagen abgegriffen<br />

und mit einer Helmert-2D-Transformation berechnet [Ingensand, 2011]. Die Berechnung wird<br />

mit elf Referenzpunkten durchgeführt. Die vier Transformationsparameter Translation delta X,<br />

delta Y, Rotation phi und Massstab stehen in Tabelle 2:<br />

37


Masterarbeit FS 2011<br />

Parameter<br />

Wert<br />

Drehung 0.02056°<br />

Massstab 0.9992951<br />

Shift Ost<br />

Shift Nord<br />

-5.0839 m<br />

5.3322 m<br />

Tabelle 2:<br />

Transformationsparameter zwischen gescannter Karte von der VAW und der<br />

verwendeten georeferenzierten Karte der SWISSTOPO<br />

Aufgrund dessen, dass festgestellt wird, dass die Vektorisierung der Höhenlinien nicht auf der<br />

selben Georeferenzierung basiert, werden die vier Parameter (2 Tanslation, 1 Rotation, 1 Massstab)<br />

auf das berechnete Raster, welches aus den Höhenlinien von der VAW berechnet wird, bestimmt.<br />

Das Raster wird in ARCGIS mit den Funktionen SHIFT, ROTATE und RESCALE unter DATAMA-<br />

NAGEMENT TOOLS und PROJECTIONS AND TRANSFORMATIONS mit der Angabe der Werte aus der Helmertransformation<br />

nacheinander transformiert.<br />

Anschliessend wird das transformierte Raster nochmals vom Raster – DHM Sidler (Linien) subtrahiert,<br />

was folgende Kennziffern der Differenzen ergibt. Das Maximum der Differenzen als<br />

Input mit transformiertem Raster liegt bei 32.50m, das Minimum ist 28.27 m und der Mittelwert<br />

beträgt 0.11 und die Standardabweichung 4.83 m.<br />

Differenz der Raster<br />

DHM VAW (Punktraster<br />

25 m) – DHM Sidler (Linien)<br />

Differenz der Raster<br />

DHM VAW transformiert (Punktraster<br />

25 m – DHM Sidler (Linien)<br />

Unterschied<br />

Minimum -27.15 –28.27 -1.05<br />

Maximum 32.48 32.50 +0.02<br />

Mittelwert 0.19 0.11 -0.08<br />

Standardabweichung 4.63 4.83 +0.2<br />

Tabelle 3: Unterschied zwischen den Differenzen vom nicht transformierten und vom<br />

transformierten Raster in [m] verglichen mit dem DHM Sidler (Linien)<br />

Aus der Tabelle 3 ist ersichtlich, dass sich die unterschiedliche Georeferenzierung der Grundlagenkarte<br />

auf die Differenzen der beiden Raster auswirkt. Zu erwarten von einer Transformation<br />

der Daten ist eine bessere Übereinstimmung der beiden berechneten Raster und somit eine<br />

Reduktion der Differenzen. Denn so sollten die Raster deckungsgleich sein und somit dieselben<br />

Datenpunkte im Raster voneinander berechnet werden. Diese Annahme ist anhand des Mittelwerts<br />

über das ganze Raster und dessen Verringerung auch bestätigt. Jedoch haben sich<br />

beide Extremwerte erhöht und die Standardabweichung hat sich vergrössert. Zudem muss gesagt<br />

werden, dass durch die Transformation die Rasterzellen nicht mehr deckungsgleich zu den<br />

anderen Rastern übereinander liegen. Dies kann wiederum zu Ungenauigkeit in der Subtraktion<br />

der verschiedenen Raster führen.<br />

4.3.7.2 Transformation mit der Georeferencing Toolbar<br />

Mit der GEOREFERENCING TOOLBAR steht in ARCGIS ein weiteres Tool zur Verfügung, um Rasterdaten<br />

zu georeferenzieren. In der Toolbar werden die Punktepaare angegeben, die von der einen<br />

38


Masterarbeit FS 2011<br />

zur anderen Lage transformiert werden sollen. Das heisst, es wird die Ist- und die Soll-<br />

Koordinate von mehreren Punkten angegeben. Als Referenzpunkte kommen wiederum dieselben<br />

elf Punktepaare zur Anwendung, wie zur Berechnung der Helmert-Transformation. Anschliessend<br />

stehen in der Art der Berechnung der Transformationen mehrere Algorithmen zur<br />

Verfügung. So werden zu Test- und Optimierungszwecken mehrere Transformationsvarianten<br />

ausprobiert.<br />

Die Affine Transformation ist eine Polynomiale Funktion 1. Ordnung. Mit dieser Transformation<br />

wird ein RMSE von 2.90 m angegeben. Mit der Adjust-Methode wird ein RMSE von 1.25 m erreicht<br />

und bei der Spline-Funktion ein RMSE von 0.00004 m. Der RMSE (Root Mean Square Error)<br />

zeigt die mittlere Lagegenauigkeit relativ zur Referenzvorlage, die mit der Georeferenzierung<br />

erreicht wird [ArcGIS, 2008]. Dieser Wert ist jedoch nicht gleich zusetzen mit der Qualität<br />

der Georeferenzierung. Denn häufig gewichten Funktionen, wie SPLINE, die einen sehr kleinen<br />

RMSE ausgeben, lokale Anpassungen sehr stark, so dass die Referenzpunkte sehr gut übereinstimmen.<br />

Doch bei einer Georeferenzierung werden grossräumige, globale Anpassungen gewünscht,<br />

die den ganzen Datensatz homogen transformieren. Die nachstehende Tabelle 4<br />

zeigt die Resultate der Kennwerte ohne Transformation, mit der Helmert-2D-Transformation<br />

und mit der Transformation der GEOREFERENCING TOOLBAR.<br />

Differenz der<br />

Raster<br />

DHM VAW<br />

(Punktraster<br />

25 m) – DHM<br />

Sidler (Linien)<br />

Differenz der<br />

Raster<br />

DHM VAW<br />

(Punktraster<br />

25 m) (transformiert)<br />

–<br />

DHM Sidler (Linien)<br />

[Helmert]<br />

Differenz der<br />

Raster<br />

DHM VAW<br />

(Punktraster<br />

25 m) (transformiert)<br />

–<br />

DHM Sidler (Linien)<br />

[Affine]<br />

Differenz der<br />

Raster<br />

DHM VAW<br />

(Punktraster<br />

25 m) (transformiert)<br />

–<br />

DHM Sidler (Linien)<br />

[Adjust]<br />

Differenz der<br />

Raster<br />

DHM VAW<br />

(Punktraster<br />

25 m) (transformiert)<br />

–<br />

DHM Sidler (Linien)<br />

[Spline]<br />

Minimum -27.15 –28.27 -29.43 -29.89 -29.21<br />

Maximum 32.48 32.50 33.36 33.88 34.23<br />

Mittelwert 0.19 0.11 0.32 0.42 0.57<br />

Standardabweichung 4.63 4.83 5.22 5.46 5.44<br />

RMSE -- -- 2.90 1.25 0.0004<br />

Tabelle 4:<br />

Kenngrössen der Differenzen aller angewendeten Transformationen in [m]<br />

39


Masterarbeit FS 2011<br />

Abbildung 28:<br />

Toolbox Georeferencing mit der Transformation Adjust, den Residuen und des RMSE;<br />

rechts im Bild ist ein Referenzpunkt zu erkennen<br />

Die Tabelle 4 zeigt auf, dass sich eine Rastertransformation auf das Differenzergebnis auswirkt.<br />

Doch sind nicht alle Resultate besser als vom Autor erwartet. Die Helmert-Transformation ist<br />

gegenüber ohne Transformation im Mittelwert über das ganze Raster etwas kleiner, doch ist<br />

der Wert der Standardabweichung etwas grösser. Die Transformationen über die GEOREFEREN-<br />

CING TOOLBAR bewirken keine Verbesserung der Kennwerte. Es ist schwierig abzuschätzen, ob<br />

und welche Transformation eine Steigerung der Qualität der Differenzen bewirkt. Denn einerseits<br />

sind die Kenngrössen Mittelwert, Standardabweichung, Minima und Maxima in derselben<br />

Grössenordnung wie bei den vorher beschriebenen Vergleichen.<br />

Nicht zu vergessen ist, dass die Abweichung in der Georeferenzierung im Verhältnis zur Zeichnungsgenauigkeit<br />

praktisch vernachlässigbar ist. So ist die Zeichnungstoleranz zwischen 5 –<br />

15 m, was in etwa auch der Versatz der Georeferenzierung (4 Pixel = 10 m) ist. Auch in einem visuellen<br />

Vergleich der beiden Raster fallen die Unterschiede nicht gross ins Gewicht.<br />

In allen oben beschriebenen Transformationen wird das berechnete Raster (DHM) aufgrund<br />

unterschiedlicher Georeferenzierung umprojiziert. Da bei einer Rastertransformation auch immer<br />

ungünstige Fehler und Verschiebungen im Raster auftreten, wäre es eventuell sinnvoller,<br />

wenn die Höhenlinien transformiert und im Anschluss das DHM nochmals berechnet werden<br />

könnte. Dies würde sicherlich ein genaueres Resultat der Differenzen erzielen. Denn ansonsten<br />

werden nebst der eigentlichen Transformation auch noch die Rasterzellen auf die neue Positionen<br />

transformiert und nochmals interpoliert. Dass jedoch Vektordaten in ARCGIS über Parameter-Eingaben<br />

transformiert werden können, ähnlich der GEOREFERENCING TOOLBAR für Rasterdaten,<br />

müsste die ARCGIS SURVEY ANALYST EXTENSION von ESRI erworben werden.<br />

4.3.8 Reklassifizierung der Differenzen<br />

Als Kennziffern der Differenzen dienen in den vorangegangen Vergleichen stets der Mittelwert,<br />

die Standardabweichung, das Maximum und Minimum. Zudem werden die Raster visuell über<br />

der topografischen Karte dargestellt. Das Differenzraster deckt zugleich immer die Fläche des<br />

40


Masterarbeit FS 2011<br />

Gletschergebietes ab und dies immer in derselben Klasseneinteilung. Mit der Farbwahl, dass<br />

die Werte zwischen -5- -1 m und 1-5 m, sprich die Beträge der Werte dieselben Farben tragen,<br />

vereinfacht die Abbildung, jedoch gehen dabei auch Informationen verloren.<br />

Mit einer Reklassifizierung der Daten können diese Klassen einzeln und übersichtlich dargestellt<br />

und analysiert werden. Die nachfolgende Tabelle 5 zeigt die Anzahl der Pixel in ihrer jeweiligen<br />

Klasse und die Verteilung in Prozent. Mit der Funktion RECLASSIFY in den SPATIAL ANALYST<br />

TOOLS in ESRI ARCGIS kann das Differenzenraster in eine andere Klasseneinteilung umgewandelt<br />

werden und zugleich wird die Anzahl der Pixel pro Klasse ausgewiesen. Über 75 % der Daten<br />

liegen in einem Bereich zwischen ±5 m Die Werte stammen vom Vergleich des Helmerttransformierten<br />

Rasters DHM VAW Punktraster 25 m (transformiert) und des Rasters DHM Sidler<br />

(Linien). Die nachstehende Abbildung 29 zeigt die Werte aus der Tabelle in einem Balken-<br />

Histrogramm. Die Verteilung der Werte über das ganze Differenzenraster folgt stark einer<br />

Normalverteilung und kommt mit dieser Abbildung gut zur Geltung.<br />

Klassen Klasseneinteilung Anzahl Pixel Verteilung in %<br />

1 -50 - -20 24 0.22<br />

2 -20 - -5 1034 9.42<br />

3 -5 - -1 2839 25.86<br />

4 -1 - 1 2903 26.44<br />

5 1 - 5 2937 26.75<br />

6 5 - 20 1214 11.06<br />

7 20 - 50 27 0.25<br />

Summe: 10978 100.00<br />

Tabelle 5:<br />

Zusammenstellung einer Reklassifizierung eines Höhen-Differenzrasters<br />

Abbildung 29:<br />

Verteilung der reklassifizierten Höhendifferenzen pro Klasse in [m]<br />

41


Masterarbeit FS 2011<br />

4.3.9 Volumenberechnung der Differenzen<br />

Wenn eine Oberfläche als DHM beschrieben ist, können in einem GIS Volumenberechnungen<br />

durchgeführt werden. In ARCGIS ist es möglich mit dem Tool SURFACE VOLUME in der Toolbox des<br />

3D-ANALYST den Volumeninhalt unter- oder oberhalb einer frei wählbaren Referenzebene zu<br />

bestimmen.<br />

Wie bereits in den dargestellten Vergleichen festgestellt, entstehen bei Raster-Subtraktionen<br />

der DHMs Höhendifferenzen. Die Kenngrössen bei den Vergleichen sind die Minima, Maxima,<br />

Mittelwerte und die Standardabweichungen. Bei einem Differenzraster ist anzunehmen, dass<br />

es negative und positive Werte gibt, da es sich um ähnliche Oberflächen handelt, die aus denselben<br />

Daten, respektive derselben Quelle, stammen. So sind die Werte der Interpolation von<br />

einem zum anderen DHM etwas höher und dann wieder tiefer. Optimal für das gesamte Raster<br />

wäre ein Mittelwert um 0. Da Differenzen im negativen, wie auch im positiven Bereich entstehen.<br />

Im hier durchgeführten Volumenvergleich wird die Referenzebene auf 0 gesetzt und jeweils<br />

der Volumeninhalt über- und unterhalb dieser Höhe bestimmt. Wenn die Differenz zwischen<br />

dem Inhalt unter und über der Ebene 0 m 3 ist, wäre dies ein optimales Ergebnis. Auch bezüglich<br />

der Interpolation, könnte gesagt werden, dass die Oberfläche im Mittel das Gebiet gut beschreibt<br />

und dass sie generell nicht zu hoch oder zu tief ist gegenüber den Stützpunkten, die<br />

für die Berechnung benutzt werden.<br />

Es wird hier für diese Volumenberechnungen der Vergleich der Differenzen von den Raster<br />

DHM VAW Punktraster 25 m (Helmert transformiert) – DHM Sidler (Linien) gemacht.<br />

Die Fläche des Gletschergebietes beträgt 6’968’785 m 2 . Über der Referenzebene bis zum Differenzraster<br />

beträgt das Volumen 10’345’878 m 3 und unter der Ebene 9’746’186 m3. Dies ergibt<br />

ein Differenzvolumen von 599’692 m 3 . Dies entspräche auf der ganzen Gletscherfläche eine gedachte<br />

Eisschicht von weniger als neun Zentimeter, respektive ± 4.5 cm auf der Oberfläche.<br />

Wird diese Volumenberechnung auf den Mittelwert statistisch zentriert 3 , wird die Referenzebene<br />

nicht auf 0 m, sondern auf den Mittelwert des Differenzrasters, nämlich auf 0.11 m (siehe<br />

Kapitel 4.3.7.1), definiert. Werden dieselben Berechnungen analog wie oben dargestellt, durchgeführt,<br />

führt dies auf eine „imaginäre“ Eisschicht von lediglich ± 2 cm auf der Gletscheroberfläche.<br />

Diese tiefen Werte der Rasterdifferenz der beiden DHMs bestätigen auch den Mittelwert von<br />

0.11 m (siehe Kapitel 4.3.7.1). Sie lassen auch die Aussage zu, dass der Interpolationsalgorithmus<br />

die berechnete Gletscheroberfläche gleichmässig berechnet, da die Differenzen über- respektive<br />

unterhalb der Referenzebene stark einer Normalverteilung folgen und dies um einen Mittelwert<br />

von 0 m herum.<br />

3 Zentrieren des Mittelwerts: Dient der Skalierung der Daten. Wird der Mittelwert von den Daten subtrahiert, wird<br />

dies als "Mittelwert-Zentrieren“ bezeichnet. Die Daten werden gegen den Mittelwert verschoben. Der Mittelwert der<br />

transformierten Daten ist danach gleich null: Y = X – μ<br />

http://www.statistics4u.info/fundstat_germ/cc_scaling.html (Zugriff: 06.05.2011)<br />

42


Masterarbeit FS 2011<br />

Fläche des Gletschers<br />

Höhe der<br />

„gedachten<br />

Eisschicht“<br />

Abbildung 30:<br />

Volumenberechnung aus dem Differenzraster zweier DHMs / Schrägansicht auf den<br />

Umriss des Glacier de Moiry von Südosten<br />

4.3.10 Qualitativer Konturlinien-Vergleich<br />

Wie oben beschrieben können mit dem Tool CONTOUR aus einem DHM die Höhenlinien berechnet<br />

werden. Dies wird mit dem DHM Sidler (Linien), DHM VAW (Punktraster 25 m), DHM VAW<br />

Punktraster 25 m (Helmert transformiert) und DHM VAW Punktraster 25 m (Affin transformiert)<br />

gemacht. Die nachstehende Abbildung 31 zeigt zwei Ausschnitte über dem Gletschergebiet. Die<br />

Karte gilt als Referenz im Hintergrund. Man erkennt, dass alle Interpolationen eine gewisse<br />

Ungenauigkeit aufweisen. Diese ist unumgänglich, wenn bedenkt wird, dass die Resultate<br />

mindestens zweimal einer Interpolation unterliegen. Des Weiteren ist feststellbar, dass die<br />

Transformation in beiden Fällen, bei der Helmert-Transformation, wie auch bei der Affinen<br />

Transformation die Lagegenauigkeit der berechneten Höhenlinien sich verbessert hat. Im rechten<br />

Bild ist erstaunlicherweise ersichtlich, dass unterhalb (südlich) der Zahl 2570 sich die Linien,<br />

die aus dem Punktraster stammen, besser an der gegeben Situation anpassen als die rote Linie<br />

(DHM Sidler (Linien)).<br />

DHM VAW (Punktraster 25 m [Affin])<br />

DHM VAW (Punktraster 25 m [Helmert])<br />

DHM VAW (Punktraster 25 m)<br />

DHM Sidler (Linien)<br />

Abbildung 31:<br />

Zwei Ausschnitte desselben qualitativen Konturlinienvergleichs mit berechneten<br />

Höhenlinien aus verschiedenen Interpolationen<br />

43


Masterarbeit FS 2011<br />

4.3.11 Übersicht aller Vergleiche und Interpretation<br />

Bei Betrachtung dieser Zusammenstellung (Tab. 6) ist erkennbar, dass die Resultate der Vergleiche<br />

sehr variabel sind. Das beste Resultat erzielt der Vergleich des DHMs VAW (Punktraster<br />

25 m) und des DHM Sidler (Linien) aus Höhenlinien. Obwohl es zwei unterschiedliche Inputs<br />

sind. Wenn noch eine Helmert-2D-Transformation auf das Raster angewendet wird, passt das<br />

Ergebnis noch etwas besser, wenn der Mittelwert als Kenngrösse betrachtet wird. Es ist somit<br />

nicht einfach abzuschätzen, welches DHM das richtige Resultat ist. Es könnte auch sein, dass<br />

im Mittelwert sich die Fehler der DHMs und der Interpolation gegenseitig aufheben und ihn so<br />

verbessern. Wie so <strong>of</strong>t in der Statistik oder Datenanalyse lässt das Ergebnis viel Interpretationsspielraum.<br />

Abschliessend zu diesen verschiedenen Vergleichen kann gesagt werden, dass alle Ergebnisse<br />

zufriedenstellend sind, wenn der Mittelwert und die Standardabweichung über die Differenzraster<br />

als Bewertung herangezogen werden. Die Maxima und Minima sind nicht unbedingt<br />

aussagekräftig, so kann auf die ca. 11’000 Pixel pro Differenzraster auch 1 Pixel ein Ausreisser<br />

sein.<br />

Durch das Ausführen mehrerer Vergleiche mit verschiedenen DHMs wird auch erkannt, dass<br />

die Umrandung, die für das Clipping des Gletschergebiets verwendet wird, einen wichtigen<br />

Faktor ist, in der Berechnung des Mittelwertes. Vergleiche mit der Gletscherumrandung von<br />

Schenkel zeigen, dass eine andere Umrandung mehrere Dezimeter im Mittelwert ausmachen.<br />

Dies ist auch dadurch zurückzuführen, dass die grössten Differenzen und auch Unsicherheiten<br />

in der Interpolation an den Rändern der Gletscherumrandung liegen.<br />

Weitere Unsicherheiten sind im Prozess einer DHM-Generierung aus alten Karten vorhanden.<br />

Nebst Bildbearbeitung, Vektorisierung und Interpolation, bildet auch die Zeichnungsgenauigkeit<br />

der Karte eine Quelle von Ungenauigkeit sowie später auch das Scannen und die Georeferenzierung.<br />

Die Zeichnungstoleranz der 1:50’000 LK ist 5-15 m in der Lage und 10 m in der Höhe,<br />

wenn man die Faustregel zur Höhengenauigkeit einer halben Äquidistanz nimmt. So sind die<br />

erhaltenen Resultate (Mittelwerte) immer noch ein Zehnfaches genauer als die Toleranzen und<br />

somit sind alle Vergleiche akzeptierbar.<br />

Tabelle 6:<br />

Zusammenstellung aller Vergleiche der DHMs des Testgebiets „Glacier de Moiry“<br />

44


Masterarbeit FS 2011<br />

5 Studiengebiet „Fieschergletscher“<br />

5.1 Fieschergletscher<br />

Die Rekonstruktion des DHM vom Fieschergletscher inklusive seinen Nebengletschern bilden<br />

den Hauptteil dieser Masterarbeit.<br />

Der Fieschergletscher ist ein Talgletscher auf der Südseite der Berner Alpen im Kanton Wallis<br />

und liegt östlich des Grossen Aletschgletschers. Der Gletscher ist ca. 15 km lang und nach dem<br />

Grossen Aletschgletscher der zweitlängste Gletscher der Alpen. Im oberen Teil ist er etwa 1 km<br />

breit und im unteren Teil nur 500 bis 700 m. Mit seinen Seitengletscher Studergletscher, Galmi-<br />

und Triftgletscher weist er heute eine Fläche von ca. 36.5 km² auf. Der Studergletscher ist in<br />

alten Karten noch als Studerfirn bezeichnet.<br />

Der Fieschergletscher nimmt seinen Ursprung am Osthang des Gross Fiescherhorn auf 4000 m<br />

ü. M. In den oberen 2 km ist er relativ steil. Mit zunehmender Länge wird er im unteren Teil flacher.<br />

Flankiert wird der Gletscher von den höchsten Schweizer Bergen ausserhalb des Kantons<br />

Wallis. Im Westen liegt das Grünhorn (4044 m ü. M.) und Gross Wannenhorn (3906 m ü. M.),<br />

im Osten das Finsteraarhorn (4274 m ü. M.). Von beiden Seiten münden kleinere Hanggletscher<br />

in den Fieschergletscher. Am Südfuss des Finsteraarrothorns (3530 m ü. M.) treffen von Osten<br />

die fünf Kilometer langen Studer- und Galmigletscher zum Talgletscher. Von dort aus fliesst er<br />

weiter südlich durch das Fieschertal. Die Gletscherzunge befindet sich derzeit auf rund 1700 m<br />

ü. M. Im Jahre 1927 lag sie noch auf 1610 m [Mercanton, 1958]. Während der Kleinen Eiszeit (bis<br />

Mitte 19. Jahrhundert) war der Fieschergletscher rund zwei Kilometer länger und besass zwei<br />

voneinander getrennte Zungen.<br />

Der Fieschergletscher speist den Gletscherbach Wysswasser, welcher bei Fiesch in die Rhone<br />

mündet [wikipedia, 2011a].<br />

Nördlich des Hinter- und Gross-Fiescherhorn befindet sich in der Karte ein Gletscher, der ebenfalls<br />

mit Fieschergletscher beschriftet wird. Dieser fliesst Richtung Grindelwald und wird deshalb<br />

auch Grindelwald-Fieschergletscher genannt und ist um ein Vielfaches kleiner als der Walliser-Fieschergletscher.<br />

In dieser Arbeit werden der Walliser-Fieschergletscher und seine Nebengletscher,<br />

Galmi- und Studergletscher, behandelt.<br />

45


Masterarbeit FS 2011<br />

Abbildung 32: Luftaufnahme des Fieschergletschers in seinem Zungenbereich [VAW, 2010b]<br />

5.2 Erstellung der Gletscherumrandung<br />

Für die Darstellung der Differenzen des Gletschers ist es von Nöten, die Umrandung eines Gletschers<br />

digital zu erfassen. Diese wird verwendet, um einerseits aus der interpolierten Fläche<br />

nur die gewünschte Eismasse auszuweisen und andererseits bei der VAW zur Interpolation, da<br />

im Randgebiet auf eine andere Art interpoliert wird.<br />

Bei der Erfassung der Umrandung werden in der Regel zwei Konzepte angewendet. Entweder<br />

wird die zusammenhängende einzelne Eismasse umfahren oder es werden alle Eismassen innerhalb<br />

eines Gebietes erfasst. Für diese Arbeit werden alle Eismassen innerhalb des ganzen<br />

hydrologischen Einzugsgebiets zum Gletschergebiet miteinbezogen.<br />

46


Masterarbeit FS 2011<br />

Für die beiden Gletschergebiete Moiry- und Fieschergletscher werden die Umrandungen manuell<br />

mit Editier-Werkzeugen von ARCGIS digitalisiert. Da dieser Arbeitsschritt sehr zeitintensiv<br />

ist, wird hier ein Versuch dargestellt, diesen Prozess halbautomatisch durchzuführen (Abb. 33).<br />

Für ein halbautomatisches Vorgehen müssen die Höhenlinien auf dem Gletschergebiet als Vektoren<br />

vorliegen. Dies kann mit ARCSCAN auf der Grundlage der Pixelkarte erreicht werden, wie in<br />

Kapitel 3.2 ausführlich beschrieben wird. Danach wird ein Buffer um jede Höhenlinie berechnet.<br />

In steileren Gebieten erreicht man damit, dass es zu Überlappungen der Buffer kommt. Der<br />

Buffer ist so definiert, dass er an den Enden der Linien einen flachen, geraden Abschluss bildet,<br />

alternativ könnte eine Abrundung gewählt werden. Mit dem Tool ELIMINATE POLYGON PART aus<br />

den DATA MANAGEMENT TOOLS kann in Prozent oder in Flächeneinheiten angegeben werden, dass<br />

sich Lücken unter einem Schwellwert schliessen sollen. Beim Fieschergletscher wird für den<br />

Buffer ein empirischer Wert von 25 m und für das Schliessen von Lücken 20 % angewendet.<br />

Durch diese zwei Schritte wird eine grosse Fläche des Gebiets zusammengeschlossen. Von<br />

Hand muss noch Feinarbeit geleistet und Gebiete, die nicht geschlossen sind, manuell bearbeitet<br />

werden. Dies gelingt mit dem Tool AUTO COMPLETE POLYGON, wo sich Lücken einfach schliessen<br />

lassen. Mit DISSOLVE aus den DATA MANAGEMENT TOOLS lassen sich die manuell verbesserten<br />

Features in ein zusammenhängendes Polygon umwandeln.<br />

Diese halbautomatische Vorgehensweise birgt gegenüber der manuellen Umfahrung des Gebietes<br />

eine Ungenauigkeit in sich, indem dass der Buffer um jede Linie das Gletschergebiet<br />

25 m erweitert, so kommt es an den Rändern zu einer flächenmässigen Vergrösserung des Gebietes.<br />

Doch in diesem Massstab, wo die Umrandung hergestellt wird, liegt dieser Wert nur<br />

knapp über der Toleranz der Genauigkeit.<br />

Als Illustration seien hier die Werte der Gletscherumrandung vom Fieschergletscher gezeigt<br />

(Tabelle 7). Die gesamte Gletscherfläche beträgt ca. 42'000'000 m 2 . Die Differenz zwischen der<br />

manuellen und halbautomatischen Technik zur Herstellung der Umrandung beträgt ca.<br />

800'000 m 2 . Dies ist eine Abweichung von unter zwei Prozent auf die gesamte Fläche. Jedoch<br />

ist die Zeitersparnis für die Generierung der Umrandung enorm. Es gilt nun abzuwägen, ob dies<br />

der Genauigkeit genügt oder nicht. Für diese Arbeit wird aber die manuell generierte Umrandung<br />

weiter verwendet.<br />

Fläche<br />

Umrandung (halbautomatisch) in [m 2 ] 42’707’473<br />

Umrandung (manuell) in [m 2 ] 41’883’194<br />

Differenz in [m 2 ] 824'279 (1.9%)<br />

Tabelle 7: Flächen-Differenz der Gletscherumrandung beim Fieschergletscher bei<br />

halbautomatischer und manueller Erstellung. Die Werte sind aus der Erstausgabe der<br />

LK50 mit Gletscherstand von 1927 abgeleitet.<br />

47


Masterarbeit FS 2011<br />

1 2 3<br />

4 5 6<br />

Abbildung 33: Halbautomatische Erstellung der Gletscherumrandung für den Fieschergletscher: (1)<br />

Blaue Höhenlinien; (2) 25 m-Buffer um jede Linie; (3) Zwischenflächen automatisch<br />

aufgefüllt; (4) manuelles Schliessen der Lücken und ausschneiden der Löcher; (5) Mit<br />

Dissolve wird ein fertiges Feature generiert; (6) Messlinie zur Längenbestimmung des<br />

Gletschers<br />

5.2.1 Bestimmung der Fläche und Länge des Fieschergletschers<br />

Mittels Digitalisierung der Umrandung des Gletschergebietes ist es möglich, Flächen zu generieren<br />

und diese zu quantifizieren. Nachstehende Tabelle 8 zeigt in verschiedenen Quellen gefundene<br />

Angaben über Fläche und Länge des Fieschergletschers. Die Abweichungen rühren<br />

häufig daher, dass nirgends festgehalten ist, welche eisbedeckten Flächen dazugezählt werden<br />

und welche nicht. Der Fieschergletscher weist verschiedene Nebengletscher und mehrere Arme<br />

auf, so ist nicht in jedem Fall klar, wie und wo die Länge des Gletschers gemessen wird. Doch<br />

häufig wird der Gletscherfliesslinie entlang gemessen. Hilfreich ist, wenn die Messlinie auf einer<br />

Karte eingezeichnet wird sowie die Quelle, respektive das Jahr vermerkt ist (siehe Abb. 33,<br />

Bild 6).<br />

48


Masterarbeit FS 2011<br />

Attribut Grösse [km2] [km] Quelle Jahr<br />

Fläche 34.21 [VAW, 2010b] 1973<br />

Fläche 41.88 Autor Gletscherstand 1927<br />

Fläche 36.54 Autor Gletscherstand LK50 2005<br />

Fläche 33.00 [wikipedia, 2011a] ---<br />

Länge 15.35 [VAW, 2010] 1973<br />

Länge 16.00 Autor Gletscherstand 1927<br />

Länge 15.00 Autor Gletscherstand LK50 2005<br />

Länge 16.00 [wikipedia, 2011a] ---<br />

Tabelle 8:<br />

Fläche und Länge des Fieschergletscher nach Quelle und Jahr<br />

5.3 Interpolation von Höhenmodellen<br />

Die Bildbearbeitung, Vektorisierung und halbautomatische Attribuierung werden beim Fieschergletscher<br />

wie in den vorangegangen Kapiteln beschrieben durchgeführt. So wird hier mit<br />

der Beschreibung der Interpolation weitergefahren.<br />

Es wird im Studiengebiet Fieschergletscher dieselbe Interpolation wie bereits im Testgebiet<br />

Glacier de Moiry angewendet. Als Input dienen die Höhenlinien auf dem Gletscher und im hydrologischen<br />

Einzugsgebiet. Zusätzlich werden die angrenzenden Höhenlinien mit berechnet,<br />

um an den Rändern des Gletschers möglichst viel Höheninformation für die Interpolation zu<br />

erhalten. Nebst den Höhenlinien werden auch die Koten, die in der Karte als Kreuze oder Punkte<br />

eingezeichnet und mit einer Höhenangabe versehen sind, als Punktfeature in die Interpolation<br />

miteinbezogen. Im Tool TOPO TO RASTER in ARCGIS können gleichzeitig Punkt- und Linienfeature<br />

interpoliert werden. Insgesamt sind dies 5841 Linienfeatures und 211 Punktfeatures (siehe Anhang).<br />

Das daraus berechnete DHM mit Rastergrösse von 25 m x 25 m wird nachfolgend als<br />

DHM1927 bezeichnet.<br />

Zu Vergleichszwecken werden die vektorisierten Höhenlinien von der VAW mit ihrem S<strong>of</strong>twarepaket<br />

prozessiert, wie es bei ihr üblich ist. Aus den Höhenlinien wird ein regelmässiges<br />

Punktraster von 25 m x 25 m berechnet. Anschliessend wird mit TOPO TO RASTER eine kontinuierliche<br />

Oberfläche berechnet. Das auf diese Weise berechnete DHM, ebenfalls mit Pixelgrösse<br />

von 25 m x 25 m wird nachfolgend als DHM1927_VAW bezeichnet. Die VAW verwendet für ihre<br />

Zwecke ein Raster mit einer Maschenweite von 25 m. Abbildung 34 zeigt, dass TOPO TO RASTER<br />

bei einem Input von Punkten, die in einem Raster angeordnet sind, die Rasterzelle nicht jeweils<br />

um einen Punkt berechnet, sondern zwischen den Rasterpunkten interpoliert wird. Das bedeutet,<br />

die Rasterzelle übernimmt nicht die Höhe eines Input-Punktes an, sondern sie wird interpoliert.<br />

Die Abbildung zeigt die Höhenwerte der Input-Eckpunkte und den Pixelwert, wie er nach<br />

TOPO TO RASTER gespeichert wird. Es ist anzunehmen, dass nicht nur die lokalen Punkte um das<br />

Pixel einen Einfluss auf dessen Wert nimmt, sondern auch die benachbarten Punkte.<br />

49


Masterarbeit FS 2011<br />

3333.91<br />

3347.49<br />

3320.39<br />

3317.81<br />

3336.80<br />

Abbildung 34:<br />

Ausschnitt eines Rasters generiert aus einem regelmässigen Punktraster. Die Werte sind<br />

die Höhen der Punkte resp. der Pixel in [m]. In der Mitte der Rasterzelle ist deren Höhe<br />

angegeben in [m].<br />

Wie bereits beim Glacier de Moiry wird auch hier ein Vergleiche mit verschiedenen DHMs gemacht.<br />

Es wird hier ein Vergleich zwischen dem obengenannten DHM1927 und dem DHM1927_<br />

VAW gezeigt. Beide DHMs basieren grundsätzlich auf denselben Inputdaten (Höhenlinien und<br />

Koten), jedoch werden sie unterschiedlich interpoliert. DHM1927 wird aus Höhenlinien und Koten<br />

und mit Topo to Raster generiert. Das DHM1927_VAW besteht aus demselben Input, wird<br />

aber mit den Algorithmen der VAW berechnet. Das Differenzrasterbild mit der Subtraktion<br />

DHM1927 minus DHM1927_VAW ist in Abbildung 35 ersichtlich.<br />

Es ist auffällig, dass in den flacheren, zusammenhängenden Gebieten die Unterschiede am geringsten<br />

sind. In cyanischer Farbe entspricht dies ±2 m. Weiters sind die Differenzen eher positiv<br />

in der Region westlich ums Finsteraarhorn (Buchstabe A) und negativ im Gebiet nördlich des<br />

Gross Wannenhorns (Buchstabe B). Die grösseren Differenzen ab ±10 m sind nur kleinräumig,<br />

wenige Pixel gross und an den Rändern. Dies lässt darauf schliessen, dass diese Differenzen von<br />

der Interpolation stammen aufgrund sehr weniger Inputdaten.<br />

Statistisch lässt sich sagen, dass ca. 87 % der Gletscherfläche innerhalb von ±10 m Höhendifferenz<br />

liegen.<br />

50


Masterarbeit FS 2011<br />

A<br />

B<br />

Abbildung 35:<br />

Fieschergletscher Differenzraster der DHMs DHM1927 – DHM1927_VAW in [m].<br />

A = Finsteraarhorn; B = Gross Wannenhorn<br />

Zur Illustration werden in Abbildung 36 ein Vergleich der steilsten Stellen des Gebietes und die<br />

grössten Differenzen der beiden DHM-Interpolation gezeigt. Nebst der Steilheit ist auch ersichtlich,<br />

dass die Interpolationsunterschiede je nach Exposition negativ oder positiv sind. Ob<br />

diese Tatsachen aufgrund der doppelten Interpolation der Höhenlinien in regelmässige Punktfeature<br />

und dann in eine Rasterdatei auftreten oder andere Gründe haben, kann an dieser Stelle<br />

nicht gesagt werden.<br />

51


Masterarbeit FS 2011<br />

Abbildung 36:<br />

Links die steilsten Gebiete um den Fieschergletscher in [°]; rechts: die grössten<br />

Differenzen der Interpolation in [m]<br />

5.3.1 Verifizierung der Genauigkeit des DHM1927<br />

Bei dieser Arbeit interessieren in erster Linie die Höhenveränderungen auf dem Gletscher. Um<br />

die Genauigkeit des digitalen Höhenmodells abzuschätzen, werden dazu die fixen Partien um<br />

den Gletscher vom DHM1927 mit dem DHM2008 verglichen. Der Vergleich findet durch Stichproben<br />

statt. Die Punkte, die zum Vergleich ausgewählt werden, sind die Koten, die in der Erstausgabe<br />

der LK50 mit einer Höhe versehen sind. Diese Koten liegen meistens in fixen Partien<br />

und meisten auf Fels. Der Vergleich eignet sich gut, denn diese Punkte dienen als Input für die<br />

Berechnung der Oberfläche fürs DHM1927, aber für die Erstellung des DHM2008 wurden diese<br />

Koten nicht explizit eingesetzt, denn das DHM2008 wurde photogrammetrisch ausgewertet.<br />

Für diesen Vergleich werden die 211 digitalisierten Punkte mit den jeweiligen DHMs verschnitten,<br />

respektive Abfragen über die Koordinaten gemacht. Dies wird mit einem Tool der GEOSPATI-<br />

AL MODELLING ENVIRONMENT (GME) gemacht, weitere Informationen zu diesen Tools werden im<br />

Kapitel 5.4.3.1 gegeben. Diese Verschneidung ergibt uns die Höhe in beiden DHMs, bei jedem<br />

gewünschtem Punkt. Tabelle 9 zeigt den Mittelwert der Höhenunterschiede aller 211 Punkte der<br />

beiden DHMs und der Karte.<br />

Der Mittelwert der Höhenunterschiede zwischen der Karte LK50 und des berechneten DHMs<br />

beträgt 8.7 m und die Standardabweichung 17.4 m. Dieser Wert erscheint sehr gross, doch erklärbar<br />

wird er dadurch, dass diese Koten häufig isoliert von Höhenlinien auf Bergspitzen liegen.<br />

Das Interpolationswerkzeug TOPO TO RASTER scheint dem Input Höhenlinien viel mehr Ge-<br />

52


Masterarbeit FS 2011<br />

wicht zu schenken als dem Input von Punkten. Dies zeigt sich dort, wo Linien und Punkte nahe<br />

beieinander liegen.<br />

Eine ähnliche Höhendifferenz ergibt die Subtraktion von der Karte LK50 und dem DHM2008<br />

mit einem Mittelwert von 8.5 m und einer Standardabweichung von 10.6 m. So ergibt dies bei<br />

einem Vergleich unter den 211 Punkten im festen Gelände zwischen dem DHM1927 und dem<br />

DHM2008 einen Unterschied von gerade mal 0.2 m und einer Standardabweichung von 18.3 m.<br />

Werden diese 20 cm auf die 81 dazwischen liegenden Jahre aufgeteilt, beträgt dieser Betrag ca.<br />

2.5 mm pro Jahr. Wenn man in Betracht zieht, dass sich die Alpen pro Jahr bis zu 1.5 mm heben<br />

[Kahle, 2008], könnte gesagt werden, dass diese Hebung mit diesem Vergleich sogar bestätigt<br />

wird. Abgesehen davon, dass dabei keine Erosion stattfindet und das Resultat eher auf einem<br />

Zufall basiert.<br />

Es ist hier anzufügen, dass zudem das DHM2008 eine bessere Genauigkeit aufweist als das<br />

DHM1927 aus der LK50 aufgrund seiner Entstehung. Schliesslich zeigen beide Ergebnisse, dass<br />

sie in der Toleranz der Kartengenauigkeit der LK50 liegen.<br />

Höhenunterschied<br />

Karte LK50 - DHM1927<br />

Höhenunterschied<br />

Karte LK50- DHM2008<br />

Höhenunterschied<br />

DHM1927 - DHM2008<br />

Mittelwert 8.7 8.5 -0.2<br />

Standardabweichung 17.4 10.6 18.3<br />

Tabelle 9:<br />

Mittelwerte und Standardabweichungen über 211 Koten in der Erstausgabe LK50,<br />

DHM1927 und DHM2008 im Gebiet des Fieschergletscher in [m]<br />

5.3.1.1 Visuelle Qualitätskontrolle des DHM1927<br />

Für die Qualitätskontrolle des berechneten DHMs wird zusätzlich ein visueller Vergleich zwischen<br />

den aus der LK50 digitalisierten (rot) und den aus dem DHM berechneten (schwarz) Höhenlinien<br />

gemacht (Abb. 37). Es ist auf den ersten Blick ersichtlich, dass die Linien sehr gut zueinander<br />

korrespondieren. Jedoch verlaufen die schwarzen Linien eckiger als die roten Linien.<br />

Felspartien, die keine Höhenlinien beinhalten, sind nun mit regelmässigen Linien bedeckt (z.B.<br />

unten in der Mitte und oben rechts). Rechts in der Mitte der Abbildung ist eine grosse Schlaufe<br />

in der Höhenlinie ersichtlich, die in der Karte eher spitz verläuft. Doch aufgrund des flachen Terrains<br />

ist dies wohl auf den Interpolationsalgorithmus zurückzuführen.<br />

Der Ausschnitt ist so gewählt, dass er flache und steilere Partien beinhaltet. Seitens der Genauigkeit<br />

sind keine markanten Unterschiede zwischen den beiden Partien ersichtlich.<br />

53


Masterarbeit FS 2011<br />

Abbildung 37:<br />

Vergleich zwischen den digitalisierten (rot) und aus dem DHM berechneten (schwarz)<br />

Höhenlinien im Bereich südlich des Finsteraarhorns auf dem Fieschergletscher<br />

5.4 Visualisierungen von Höhendifferenzen auf dem Fieschergletscher<br />

5.4.1 Vergleiche verschiedener DHMs<br />

Ziel der Visualisierungen in diesem Abschnitt ist es, Resultate, die in den vorangegangen Kapiteln<br />

erzielt wurden, kartografisch darzustellen und teils auf eine andere, neue Art in der Thematik<br />

von Gletschern darzustellen. Wiederum sind die Daten über verschiedene DHMs hergeleitet<br />

worden. Zur Verfügung steht das DHM25, ein DHM aus dem Jahr 2008 und zwei Versionen<br />

des selbsterstellten DHM aus der Erstausgabe der Landeskarte 1:50'000 mit Gletscherstand<br />

von 1927. Es wird darauf hingewiesen, dass die Resultate, die dargestellt werden, nicht <strong>of</strong>fiziell<br />

anerkannt sind, sondern für diese Arbeit generiert werden. Für <strong>of</strong>fizielle Auskünfte müssten die<br />

Daten mit den Algorithmen der VAW prozessiert werden. Im Hauptaugenmerk liegt bei dieser<br />

Arbeit, wie die Daten, z.B. Höhenänderungen, im Gletschergebiet dargestellt werden können.<br />

Abschliessend werden die Darstellungen mittels einer Expertenbefragung bewertet (siehe Kapitel<br />

6).<br />

5.4.2 Zweidimensionale Darstellungen<br />

Die klassische 2D-Darstellung wird in Abbildung 38 dargestellt. Es handelt sich hierbei um eine<br />

Darstellung mit zwei Layern. Als Basiskarte wird die Erstausgabe der LK50 gewählt. Das Thema<br />

54


Masterarbeit FS 2011<br />

sind die Höhendifferenzen der Gletscherstände zwischen 1927 und 2008. Es wird als eingefärbtes<br />

auf das Gletschergebiet von 1927 geclipptes Pixelraster auf der Karte überlagert. Die Farbskala<br />

wird im Spektrum zwischen den Farben Rot und Blau gewählt. Die Werte, die eine Abnahme<br />

symbolisieren sind rot und eine Zunahme wird blau dargestellt. Die Intervalle der Klasseneinteilung<br />

sind aufgrund einer natürlichen Einteilung gemäss ARCGIS festgelegt, welche anschliessend<br />

manuell unter CLASSIFY… in der SYMBOLOGY auf die Zehner Meter gerundet werden.<br />

Ein ähnliches Beispiel der Datenpräsentation ist in Wiesmann et al. [2011] zu finden, wo ein geclipptes<br />

Raster über einem schattierten Relief dargestellt wird.<br />

DHM2008 - DHM1927<br />

Differenzen in [m]<br />

< -150<br />

-150 - -100<br />

-100 - -50<br />

-50 - -20<br />

-20 - -10<br />

-10 - 0<br />

0 - 20<br />

> 20<br />

Abbildung 38:<br />

Visualisierung der Höhendifferenzen zwischen 1927 und 2008 im Farbspektrum von Rot<br />

nach Blau mit Hintergrund der Erstausgabe der LK50<br />

Diese Darstellung wird zu Testzwecken in der Farbwahrnehmung mit anderen Farbskalen illustriert.<br />

Es werden dieselben Daten dargestellt, doch ist bei Abbildung 39 die Skala in der Farbe<br />

invers zur Abbildung 38 dargestellt. Somit entspricht Rot einer Höhenzunahme und Blau einer<br />

-abnahme.<br />

Eine weitere Skala ist die sogenannte Ampeldarstellung, die Höhendifferenzen im Spektrum<br />

zwischen Rot und Grün darstellt (Abb. 40). Die inverse Farbskala von Grün nach Rot bewirkt<br />

55


Masterarbeit FS 2011<br />

beim Betrachter eine grosse Veränderung in der Wahrnehmung, trotzdem dass dieselben Daten<br />

visualisiert werden (Abb. 41). Die Farben Rot und Grün in Kombination haben den Nachteil,<br />

dass ca. 10 % aller Menschen von einer Rot-Grün-Sehschwäche oder -Blindheit betr<strong>of</strong>fen sind.<br />

Bei den hier gezeigten Rot-Grün-Darstellungen ist zu beachten, dass die Farben einen harmonischen<br />

Farbverlauf darstellen, jedoch nicht farblich dem Nullwechsel der Skala angepasst sind.<br />

Mit einer Variation der Basiskarte werden weitere Darstellungen hergestellt. Abbildung 42 zeigt<br />

die Differenzen über einem Orth<strong>of</strong>oto abgebildet. Die Farbskala ist dieselbe wie in<br />

Abbildung 38.<br />

Die Differenzen dieser Abbildungen zeigen die Höhenveränderungen auf dem Gletscher über<br />

80 Jahre. Da zwischen 1927 und 2008 einige Dekaden liegen, welche die Höhe des Gletschers<br />

stark reduzierten, nimmt die Fläche der Zunahme ein sehr kleines Gebiet bezogen auf die gesamte<br />

Gletscherfläche. Zudem kann angenommen werden, dass die ausgegebenen Dickenzunahmen<br />

aus Interpolationsfehlern stammen. Es sind auch keine zusammenhängende Flächen,<br />

die eine grössere Zunahme aufweisen, sondern eher vereinzelte kleine Pixelhaufen und besonders<br />

an den Rändern, wo nur wenige Inputdaten für die Interpolation vorhanden sind.<br />

DHM2008 - DHM1927<br />

Differenzen in [m]<br />

< -150<br />

-150 - -100<br />

-100 - -50<br />

-50 - -20<br />

-20 - -10<br />

-10 - 0<br />

0 - 20<br />

> 20<br />

Abbildung 39<br />

Visualisierung der Höhendifferenzen zwischen 1927 und 2008 im Farbspektrum von Blau<br />

nach Rot mit Hintergrund der Erstausgabe der LK50<br />

56


Masterarbeit FS 2011<br />

DHM2008 - DHM1927<br />

Differenzen in [m]<br />

< -150<br />

-150 - -100<br />

-100 - -50<br />

-50 - -20<br />

-20 - -10<br />

-10 - 0<br />

0 - 20<br />

> 20<br />

Abbildung 40:<br />

Visualisierung der Höhendifferenzen zwischen 1927 und 2008 im Farbspektrum von Rot<br />

nach Grün mit Hintergrund der Erstausgabe der LK50<br />

DHM2008 - DHM1927<br />

Differenzen in [m]<br />

< -150<br />

-150 - -100<br />

-100 - -50<br />

-50 - -20<br />

-20 - -10<br />

-10 - 0<br />

0 - 20<br />

> 20<br />

Abbildung 41:<br />

Visualisierung der Höhendifferenzen zwischen 1927 und 2008 im Farbspektrum von<br />

Grün nach Rot mit Hintergrund der Erstausgabe der LK50<br />

57


Masterarbeit FS 2011<br />

DHM2008 - DHM1927<br />

Differenzen in [m]<br />

< -150<br />

-150 - -100<br />

-100 - -50<br />

-50 - -20<br />

-20 - -10<br />

-10 - 0<br />

0 - 20<br />

> 20<br />

Abbildung 42:<br />

Visualisierung der Höhendifferenzen zwischen 1927 und 2008 im Farbspektrum von Rot<br />

nach Blau mit Hintergrund eines Orth<strong>of</strong>otos<br />

5.4.3 2D-Visualisierung mit Kreissymbolen<br />

Eine ganz andere Art zur Darstellung der Höhenveränderung wählte Kääb [1996]. Er bildet die<br />

Höhendifferenz mittels Kreissymbolen über das Gletschergebiet ab. Die Symbole werden in der<br />

Grösse proportional zur Veränderung angegeben. Das bedeutet, je grösser der Kreis, desto<br />

grösser der Betrag der Veränderung. Mit der Farbe des Kreises wird angegeben, ob es sich um<br />

eine positive oder negative Veränderung handelt.<br />

5.4.3.1 Erstellung der grössenproportionalen Kreissymbole<br />

Für die Erstellung der Darstellung mit grössenproportionalen Kreissymbolen wird ein regelmässiges<br />

Raster benötigt. Danach muss für jede Position die Höhenveränderung aus dem Raster<br />

der Differenzen DHM2008 – DHM1927 abgefragt werden.<br />

58


Masterarbeit FS 2011<br />

Für beide Aufgaben, die Punktrastergenerierung und auch die Abfrage der Höhendifferenz der<br />

Punkte wird die GEOSPATIAL MODELLING ENVIRONMENT (GME) 4 von der Spatial Ecology verwendet.<br />

Die GME ist eine Umgebung für die Analyse und Modellierung von raumbezogenen Untersuchungen.<br />

Diese Umgebung verwendet die statistische S<strong>of</strong>tware R 5 zusammen mit ARCGIS [Spatial<br />

Ecology, 2010]. Das Programm wird unabhängig von ESRI ARCGIS bedient. Für die Prozessierung<br />

der Daten werden die gewünschten Dateien mittels Kommandozeilenfenster bearbeitet.<br />

Für die Erstellung eines Punktrasters wird folgendes Statement angegeben:<br />

genregularpntsinpolys(in="C:\temp\gletscher_umrandung.shp", uidfield="FID",<br />

xdist=250, ydist=250, rot="0", out="C:\temp\raster250.shp");<br />

Der Befehl startet mit einem Command-Aufruf, anschliessend wird das Shapefile angegeben, in<br />

welchem Bereich dieses regelmässige Raster berechnet werden soll. Anschliessend wird die<br />

eindeutige ID der Feature angegeben. Mittels XDIST und YDIST können die Rasterpunktabstände<br />

angegeben und mit dem Parameter ROT eine allfällige Rotation hinzugefügt werden. Im OUT<br />

wird der Output gespeichert.<br />

Für die Wertabfrage in einer Rasterdatei über bestimmte Punkte aus einem Punkte-Shapefile<br />

gilt folgendes Statement:<br />

isectpntrst(in=" C:\temp\raster250.shp ", raster="C:\temp\DHM2008-<br />

DHM1927", field="Differenz_2008-1927");<br />

Der Befehl startet wiederum mit dem Command-Aufruf mit anschliessender Angabe des Punktefiles<br />

im IN. Unter RASTER wird das abzufragende Raster-DHM angegeben. Der Name des neuen<br />

Attributs, wo der Wert gespeichert wird, steht unter FIELD.<br />

Für die Darstellung der Werte wird in ARCGIS unter SYMBOLOGY die Darstellung PROPORTIONAL<br />

SYMBOLS IN QUANTITIES gewählt. Von Vorteil ist es, wenn die negativen und positiven Höhendifferenzen<br />

in zwei getrennten Layern dargestellt werden. So kann nebst der Grösse proportional<br />

zum Wert auch die Farbe des Symbols verschieden gewählt werden.<br />

Um etwas Übersicht zu schaffen, werden in einer anderen Darstellung die proportionalen Kreise<br />

zu Klassen zusammengefasst. Diese Klassierung wird mittels GRADUATED SYMBOLS in QUANTI-<br />

TIES erzielt.<br />

Die nachfolgenden Abbildungen 43, 44 und 45 zeigen das Resultat basierend auf den obigen<br />

Ausführungen. Einerseits mit proportionalen und klassierten Symbolen und andererseits in der<br />

Farbe variiert mit Blau und Rot.<br />

4 Spatial Analysis S<strong>of</strong>tware: http://www.spatialecology.com/<br />

5 R Project for Statistical Computing: http://www.r-project.org/<br />

59


Masterarbeit FS 2011<br />

Zunahme<br />

< 10<br />

10 - 20<br />

20 - 40<br />

40 - 60<br />

> 60<br />

Abnahme<br />

< 10<br />

10 - 20<br />

20 - 40<br />

40 - 60<br />

> 60<br />

Abbildung 43: Gletschergebiet mit klassierten proportionalen Kreissymbolen, die die<br />

Höhenveränderungen zwischen 1927 und 2008 in [m] mit den Farben Rot und Blau<br />

darstellen<br />

Zunahme<br />

1<br />

10<br />

25<br />

50<br />

100<br />

Abnahme<br />

1<br />

10<br />

25<br />

50<br />

100<br />

Abbildung 44:<br />

Gletschergebiet mit proportionalen Kreissymbolen, die die Höhenveränderungen<br />

zwischen 1927 und 2008 in [m] mit den Farben Rot und Blau darstellen<br />

60


Masterarbeit FS 2011<br />

Zunahme<br />

Abnahme<br />

Abbildung 45:<br />

Ausschnitt der Höhendifferenzen mit proportionalen Kreissymbolen zwischen 1927 und<br />

2008 mit schattiertem Relief und Höhenlinien in [m]<br />

5.4.4 Dreidimensionale Darstellungen<br />

Nebst den 2D-Visualisierungen in den vorangegangenen Kapiteln wird hier die Thematik in 3D<br />

abgebildet. Hierzu wird die S<strong>of</strong>tware ARCSCENE von ESRI verwendet. In diesem Programm können<br />

sehr einfach Darstellungen von DHM, Basiskarte und weiteren Layern aus verschiedenen<br />

Blickwinkeln erstellt werden.<br />

Abbildung 46 zeigt das DHM des Fieschergletschers mit einem Orth<strong>of</strong>oto aus dem Jahre 2008<br />

und den Höhendifferenzen drapiert. In Abbildung 47 wird die LK50 auf das DHM projiziert.<br />

Durch das Darstellen der Höhen zusammen mit der Basis erkennt man die Geländeformen des<br />

Gebietes sehr gut. Doch weist diese Abbildungsart einige Nachteile auf, z.B. Verzerrungen in<br />

der Perspektive, Verdeckungen im Sichtschatten etc. Diese Nachteile bestätigen auch die Experten<br />

(siehe Kapitel 6.4.6) bei der Befragung.<br />

In Abbildung 48 werden zwei Ausschnitte des Zungenbereichs vom Fieschergletscher gezeigt.<br />

Die Darstellungstechnik ist dieselbe wie in den beiden vorangegangenen Abbildungen. Jedoch<br />

werden von derselben Beobachtungsposition zwei verschiedene DHMs und Basiskarten betrachtet.<br />

Auf der linken Seite ist das DHM1927 mit der LK50 der Erstausgabe abgebildet. Auf der<br />

rechten Seite ist das DHM2008 mit der Pixelkarte aus dem Jahre 2005 gezeigt. Die Unterschiede<br />

sind aus diesem Blickwinkel gut zu erkennen. Wird eine Darstellung nur für diesen Ausschnitt<br />

und zum Aufzeigen der qualitativen Veränderung der Höhe auf dem Gletscher gebraucht,<br />

weist diese Darstellungsart einen anschaulichen Charakter auf.<br />

Als weiterer Schritt wäre es möglich, diese beiden Bilder für eine Animation zu gebrauchen und<br />

die beiden Stände ineinander fliessen zu lassen. Eine viel aufwendigere Methode wäre anhand<br />

61


Masterarbeit FS 2011<br />

der zugrunde liegenden Daten ein Morphing zwischen beiden Ständen zu berechnen, indem<br />

mehrere Zwischenstände interpoliert würden.<br />

Abbildung 46:<br />

3D-Visualisierung der Höhenveränderungen vom Fieschergletscher mit einem Orth<strong>of</strong>oto<br />

aus dem Jahre 2008<br />

Abbildung 47:<br />

3D-Visualisierung der Höhenveränderungen vom Fieschergletscher mit der LK50<br />

(Erstausgabe)<br />

62


Masterarbeit FS 2011<br />

Abbildung 48:<br />

Visualisierung vom Zungenbereich des Fieschergletschers. Links: DHM1927 mit LK50<br />

(Erstausgabe); Rechts: DHM2008 mit LK50 (Jahr 2005)<br />

5.4.5 Gestaffelte Pr<strong>of</strong>ile<br />

Um Höhendifferenzen zwischen zwei Oberflächen darzustellen, wird eine Staffelung von Pr<strong>of</strong>ilen<br />

hergestellt. Die Pr<strong>of</strong>ile sind senkrecht zur Mittellinie des Fieschergletschers angelegt und<br />

erstrecken sich über 14 km in Fliessrichtung. Die Länge eines Pr<strong>of</strong>ils beträgt 2 km und der Abstand<br />

auf der Fliesslinie je 1 km. In dieser Darstellung werden nicht nur die Höhendifferenz wie<br />

bis anhin gezeigt, sondern auch die beiden DHMs, respektive ihre Oberflächen in den Pr<strong>of</strong>ilen<br />

(Abb. 49).<br />

Zur Herstellung wird ein 3D-Shapefile angelegt. Mittels der ArcToolbox 3D ANALYST kann unter<br />

FUNCTIONAL SURFACE mit INTERPOLATE SHAPE die Höhenwerte einer Linie interpoliert werden. Als<br />

Grundlage dienen das DHM1927 und das DHM25.<br />

Anschliessend werden die Pr<strong>of</strong>ile manuell so aneinandergereiht, dass die Fliesslinie einer Geraden<br />

entspricht und die Pr<strong>of</strong>ile senkrecht zur Linie stehen. Die Pr<strong>of</strong>ile werden bis auf eine Höhe<br />

von 1500 Meter extrudiert und verschiedenfarbig dargestellt. Die grünen Pr<strong>of</strong>ile stellen den<br />

Stand des DHM25 dar und die roten Pr<strong>of</strong>ile den Stand von 1927. Der Übersicht halber wird die<br />

Darstellung aus ARCSCENE exportiert und mit weiteren Informationen in einem Desktop Publishing<br />

Programm ergänzt. Es werden die Höhen, die maximale Differenz pro Pr<strong>of</strong>il auf der rechten<br />

Seite des Pr<strong>of</strong>ils, eine Legende und eine Übersichtskarte in der linken oberen Ecke hinzugefügt.<br />

Um die Höhen besser zu erkennen, werden die Pr<strong>of</strong>ile mit einem Faktor 1.5 überhöht.<br />

Nachteil dieser Darstellung ist, dass die roten Flächen eine Eisabnahme suggerieren, jedoch<br />

könnte dies auch als Gesteinsabtragung interpretiert werden, weil die Gletscherumrandung<br />

aus den Pr<strong>of</strong>ilen nicht ersichtlich ist. Ein weiterer genereller Nachteil ist, dass es schwierig ist,<br />

einen Höhenzuwachs mit dieser Darstellung abzubilden. Verbessert würde diese Darstellung,<br />

wenn bekannt wäre, wie das Pr<strong>of</strong>il des Gletscherbetts aussehen würde. Jedoch würde durch die<br />

Überlappung der einzelnen Pr<strong>of</strong>ile diese Linie verdeckt werden. Für die Farbwahl ist zu beachten,<br />

dass Darstellungen mit Rot und Grün ein Problem für Menschen mit einer Rot-Grün-<br />

Sehschwäche oder –Blindheit sind. Als letzter negativer Punkt ist hinzuzufügen, dass mit der<br />

Zentralperspektive von ARCSCENE die Pr<strong>of</strong>ile und deren Abstände gegen hinten immer kleiner<br />

werden, was der Übersicht nicht förderlich ist und eine gewisse Verzerrung verursacht.<br />

63


Masterarbeit FS 2011<br />

C<br />

B<br />

A<br />

C<br />

B<br />

A<br />

Abbildung 49:<br />

Gestaffelte Pr<strong>of</strong>ile entlang der Gletscherfliesslinie. Die Zahlen neben den Pr<strong>of</strong>ilen<br />

entsprechen der maximalen Höhenabnahme im Pr<strong>of</strong>il.<br />

5.4.6 Interaktives Beispiel<br />

Nebst dem, dass die Resultate in gedruckter Version dargestellt werden, wird ein Prototyp für<br />

eine interaktive Applikation entwickelt. So können die Höhendifferenzen zwischen 1927 und<br />

2008 in 2D und 3D interaktiv am Bildschirm betrachtet werden. Aufgrund der vielen Vorteile,<br />

die GOOGLE EARTH (GE) bietet, wird der Prototyp basierend auf GE aufgebaut. Nachfolgende Tabelle<br />

10 zeigt die Vor- und Nachteile von GE insbesondere mit der Möglichkeit, dass mittels<br />

Plug-In GE auch in einem Browser lauffähig ist.<br />

64


Masterarbeit FS 2011<br />

Vorteile:<br />

Nachteile:<br />

+ Jedes Gebiet verfügt über DHM - Keinen Einfluss auf DHM (Stand etc.)<br />

+ Jedes Gebiet abgedeckt mit Orth<strong>of</strong>oto - Keinen Einfluss auf Projektionsart<br />

+ Offene Schnittstelle für eigenen Datenimport - Keinen Einfluss auf Genauigkeit der Daten<br />

+ Offen für eigene Programmierung über API - Keinen Einfluss auf Steuerung und Navigation<br />

+ Feature-Abfragen<br />

+ Browserlauffähig über Plug-In<br />

+ Earthviewer mit grosser Bekanntheit<br />

+ Grosse Community<br />

+ Kostenlos<br />

Tabelle 10:<br />

Vor- und Nachteile der Verwendung von GOOGLE EARTH und GOOGLE EARTH Plug-In für eine<br />

interaktive Applikation mit Einbindung eigener Daten.<br />

5.4.6.1 Funktionsprinzip<br />

Wie bereits erwähnt basiert die Applikation auf GE. Mittels Plug-In kann die Anwendung in einem<br />

Webbrowser angezeigt und eine Internetseite rund um die Karte nach Belieben gestaltet<br />

werden. Mittels dem Google Earth APPLICATION PROGRAMMING INTERFACE (API) und JavaScript ist es<br />

möglich, eigene Layer und Themen mittels KML und Overlay in GE einzubinden.<br />

Die Layer stammen aus ARCGIS und wurden mittels TO KML exportiert. Die Farben der Layer<br />

werden automatisch in KML, respektive KMZ übernommen. Da KML und Google Earth stets im<br />

geodätischen Referenzsystems WGS84 vorliegen, wird auch die Projektion von Swiss Grid in<br />

WGS84 beim Export automatisch transformiert.<br />

Nur wenn die exportierten KML-Dateien auf einem Server, der über das Internet abrufbar ist,<br />

gespeichert sind, können die Daten in der Google Earth API über ihre URL aufgerufen werden.<br />

5.4.6.2 Funktionen des interaktiven Prototyps<br />

Abbildung 50 zeigt einen Screenshot der wichtigsten Elemente des interaktiven Prototyps.<br />

Hauptteil ist das Kartenfenster, welches den Earthviewer und die Daten präsentiert. Der Seiteninhalt<br />

ist beliebig gestaltbar z.B. mit HTML. Bereits standardmässig eingeblendet sind die Layer<br />

der 2D-Abbildung der Differenzen zwischen 1927 und 2008 auf dem Fieschergletscher. Mittels<br />

Checkboxen können die einzelnen Layer, respektive Klassen, ein- und ausgeblendet werden. Die<br />

Buttons “Terrain ein“ und “Terrain aus“ ermöglichen es, das Gelände anzuzeigen oder als ebene<br />

Karte darzustellen.<br />

Mittels Checkboxen ist es möglich, die Differenzen in 3D klassenweise als Prismenkarte darzustellen.<br />

Für die Herstellung dieser Prismen werden die Flächen extrudiert. Dies wird erreicht, indem<br />

in der KML-Datei an den Features manuell Änderungen angebracht werden. Zwei Tags<br />

1 und relativeToGround<br />

müssen in der Geometrie hinzugefügt und bei den Koordinaten der Stützpunkte die Höhe auf<br />

den gewünschten Wert angegeben werden. Der dritte Tag 1<br />

wird bereits beim Export aus ARCGIS ins KML geschrieben. Im 3D-Layer wird die Höhe auf das<br />

100-fache der oberen Klassengrenzen der Höhendifferenz gewählt. Als Beispiel der Klasse 20 –<br />

50 m wird die Fläche auf 5000 m angehoben. Da Google Earth für 3D-Objekte eine bestimmte<br />

65


Masterarbeit FS 2011<br />

Beleuchtung vorsieht, erhalten die Objekte eine etwas andere Farbgebung. Deshalb wir eine<br />

zweite Legende für die 3D-Objekte angezeigt.<br />

Bei einem Mausklick auf ein Feature werden weitere Informationen zur Klasse angezeigt. Dabei<br />

erscheint eine Sprechblase, ein sogenannter Ballon, der die Informationen beinhaltet. Dieser ist<br />

mittels HTML beliebig gestaltbar.<br />

Abbildung 50:<br />

Abbildungen zum interaktiven Prototyp mittels Google Earth. Oben: Screenshot der<br />

wichtigsten Elemente der Webseite; Links: Prismen-Layer in 3D; Rechts: Informationen<br />

zu einem Feature.<br />

66


Masterarbeit FS 2011<br />

6 Evaluierung der Visualisierungen<br />

6.1 Experteninterviews<br />

Zur Evaluierung der oben gezeigten Visualisierungen und Ableitung genereller Aussagen über<br />

die Darstellung der Thematik wird die Methode der Expertenbefragung eingesetzt. Als Experten<br />

gelten nach Atteslander [2008] Personen, die „über den Forschungsgegenstand besondere<br />

und umfassende Erfahrungen haben“. Expertenbefragungen werden eher selten in der Kartografie<br />

eingesetzt. Häufiger werden sogenannte Nutzertests für Beurteilungen durchgeführt.<br />

Als weitere Beispiele bezüglich des Einsatzes von Experteninterviews in der Kartografie seien<br />

Häberling [2003] und Papandreou [2009] genannt. Eine Einführung und Anleitung zum Experteninterview<br />

findet sich im Skript von Mieg & Näf [2005].<br />

Um die Interviews und die Fragestellungen immer im selben Rahmen durchzuführen, wird ein<br />

strukturierter Gesprächsablauf schriftlich erstellt. Das Interview wird als ein Einzelgespräch<br />

mündlich mit dem Experten durchgeführt. Dieser Ablauf lässt besonders von der Seite des Interviewers<br />

Abweichmöglichkeiten, je nach Situation mit dem Experten.<br />

Bei der Befragung werden vom Experten nebst qualitativen Aussagen auch quantitative Bewertungen<br />

erwartet. Der eingesetzte Fragenkatalog beinhaltet Entscheidungs- und Beurteilungsfragen.<br />

Jedoch sollten die einzelnen Fragen keine Beeinflussung auf nachfolgende Fragen haben.<br />

Der Vorteil der Expertenbefragung ist der direkte Kontakt zwischen Interviewer und Befragtem.<br />

So kann der Interviewer Einfluss nehmen, um zum Beispiel weitere Erläuterungen zu einer<br />

Antwort zu fordern [Flick et al., 2010]. Und zugleich kann der Experte seine Standpunkte in eigenen<br />

Worten umfassend beschreiben. Ein gewichtiger Nachteil des Experteninterviews ist die<br />

Einmaligkeit der Befragung. Die Reproduzierbarkeit der Situation und des Moments ist in keinem<br />

Fall gegeben, da das Gespräch nie gleich gestaltet werden kann [Flick et al., 2010].<br />

In dieser Masterarbeit wird der Einfachheit halber nur die männliche Form des Experten verwendet.<br />

Die weibliche Form ist immer mit eingeschlossen.<br />

6.2 Interviewablauf, Befragungsinhalt und Fachexperten<br />

Das Interview umfasst 7 Frageblöcke zu verschiedenen Darstellungen und einem interaktiven<br />

Beispiel am Laptop zur Thematik der Höhenveränderungen auf dem Gletscher. Alle Abbildungen<br />

zeigen dieselben Datengrundlage in verschiedenen Darstellungstypen und mit verschiedenen<br />

gestalterischen Variablen wie der Farbe. Insgesamt werden 24 Abbildungen in der Grösse<br />

von DIN A4 gedruckt vorgelegt. Das Gespräch dauert ca. 60 Minuten und wird schriftlich vom<br />

Interviewer mit dem Gesprächsleitfaden dokumentiert.<br />

Vor dem Interview wird dem Fachexperten eine kurze mündliche Einführung zum Thema mitgegeben<br />

und der Gesprächsablauf geschildert. Bei den Fragestellungen werden die Daten vom<br />

Fieschergletscher präsentiert. Die Inhalte des Kartenthemas sind die Höhendifferenzen im Gebiet<br />

zwischen 1927 und 2008.<br />

67


Masterarbeit FS 2011<br />

Die Frageblöcke beinhalten folgende Themen:<br />

- Frageblock 1: Farbgebung und Farbschema<br />

- Frageblock 2: Basiskarte und Thematik<br />

- Frageblock 3: Grössenproportionale Kreise<br />

- Frageblock 4: Gestaffelte Pr<strong>of</strong>ile<br />

- Frageblock 5: 2.5D-Visualisierungen<br />

- Frageblock 6: Interaktiver Prototyp<br />

- Frageblock 7: Abschlussfragen<br />

Insgesamt werden sieben Fachexperten befragt. Zwei Experten stammen vom Gebiet der Glaziologie<br />

und fünf aus dem Gebiet der Kartografie, respektive der Computergrafik. Alle Befragten<br />

sind somit grosse Kapazitäten in ihren Bereichen und spezialisiert auf das befragte Thema.<br />

Nachfolgende Tabelle 11 nennt die befragten Fachexperten. Im Folgenden werden alle Experten<br />

des IKG als Kartografen bezeichnet und die der VAW als Glaziologen, unabhängig von ihrer tatsächlichen<br />

Ausbildung. Andreas Bauder wird einerseits als Experte befragt und andererseits ist<br />

er Betreuer dieser Arbeit. Es ist hier jedoch anzufügen, dass er für die Erarbeitung dieser Experteninterviews<br />

nicht in die Planung einbezogen wird und unbefangen an dieser Befragung teilnimmt.<br />

Experte<br />

Juliane Cron<br />

Dr. Christian Häberling<br />

Thomas Koblet<br />

Anne-Kathrin Reuschel<br />

Oleggini Lorenzo<br />

Gabbi Jeannette<br />

Dr. Andreas Bauder<br />

Fachbereich<br />

Institut für Kartografie und Geoinformation (IKG), <strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong><br />

IKG, <strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong><br />

IKG, <strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong><br />

IKG, <strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong><br />

IKG, <strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong><br />

Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie & Glaziologie (VAW), <strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong><br />

VAW, <strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong><br />

Tabelle 11:<br />

Experten der Expertenbefragung<br />

Der komplette Interviewablauf ist auf dem beigelegten Datenträger einzusehen.<br />

6.3 Auswertung der Experteninterviews<br />

Um eine Interpretation zu den Expertenmeinungen abzugeben, müssen die Kerngedanken aus<br />

den Gesprächen ausgewertet werden. Da die Fragen nicht nur quantitativer Art sind und Antworten<br />

auch qualitativ abgegeben werden, wird versucht die Hauptaussagen zu extrahieren<br />

und anzugeben. Zuerst wird mit einer Zusammenstellung der Antworten pro Frage eine Übersicht<br />

geschaffen. Diese ist in vollständiger Länge in digitaler Form auf dem beigelegten Datenträger<br />

einsehbar. Anschliessend folgt eine Interpretation aufgrund der zentralen Grundfragen<br />

und Aussagen der Experten.<br />

68


Masterarbeit FS 2011<br />

Die Zahlen- und Buchstabenkombination, z.B. (1A), ist der Code, welcher die verschiedenen Darstellungen<br />

bezeichnet. Im Anhang sind alle Visualisierungen inklusive des Codes abgedruckt.<br />

6.4 Resultate und Interpretation der Expertenbefragung<br />

Die Nachvollziehbarkeit dieses Kapitels 6.4 wird erleichtert, wenn gleichzeitig der Fragebogen<br />

zur Orientierung vorliegt. Dieser ist ebenfalls auf dem beigelegten Datenträger einzusehen.<br />

6.4.1 Frageblock 1: Farbgebung und Farbschema<br />

6.4.1.1 Ablauf und Resultate Frageblock 1<br />

Im Frageblock 1 ist Gegenstand der Befragung, welches Farbschema zur Dickenab- und zunahme<br />

auf dem Gletschergebiet geeignet ist. Hierzu werden Darstellungen im Farbbereich von<br />

Grün nach Rot und von Rot nach Blau, wie auch jeweils invers, gezeigt. Wie bereits im Kapitel<br />

3.5 beschrieben, tauchen in der Literatur verschiedene Arten der Farbdarstellung dieser Thematik<br />

auf. Farbe ist die Gestaltungsvariable, die die grösste Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dabei<br />

kann sie verschiedene Assoziationen und Bedeutungen in sich tragen.<br />

Es ist anzumerken, dass die Skala-Einteilung in den Grün-Roten-Abbildungen bewusst „falsch“<br />

gewählt ist, so dass der Farbverlauf schön aussieht, jedoch der Farbwechsel der Skala nicht bei<br />

Null liegt.<br />

Bei der ersten Frage wird den Experten eine Abbildung gezeigt (1A), die Abnahmen in der Farbe<br />

Grün und Zunahmen in Rot darstellt. Die Legende ist abgedeckt und für den Experten nicht<br />

sichtbar. Gemäss Experten zieht die grösste Aufmerksamkeit die markante Zunge auf sich. Das<br />

Bild wird aufgrund der Farbgebung als ungewohnt bezeichnet. Weiter seien die verschiedenen<br />

Grüntöne im Druck schlecht unterscheidbar. Entsprechend fällt die Bewertung auf einer Skala<br />

von 1 (schlecht) bis 5 (sehr gut) aus und liegt im Mittel bei einer 3.<br />

Bei der inversen Farbdarstellung (1B) liegt die Benotung deutlich höher. Sie wird durchscnittlich<br />

mit 4 Punkten bewertet. Die grösste Aufmerksamkeit fällt wiederum hauptsächlich auf den<br />

Zungenbereich, jedoch trägt er hier die Farbe Rot statt Grün wie bei 1A. Als weitere Nennungen<br />

werden die grosse orange Fläche und die grünen Ränder an den Kämmen genannt. 5 der 7 Experten<br />

favorisieren diese zweite Darstellung.<br />

In einer nächsten Darstellung wird Rot für eine Abnahme und Blau für eine Zunahme verwendet<br />

(1C). Die Aufmerksamkeit zieht hier wiederum die rote Zunge, aber auch die gelben Flächen<br />

an den Hängen und die Randgebiete, auf sich. Hier fällt die Bewertung im Mittel auf 3 Punkte.<br />

Dass der Farbverlauf nicht graduell und der Kontrast gegenüber der Karte in den Blautönen<br />

eher schlecht ist, wird am häufigsten kritisiert. Zudem fliesst der Farbverlauf von Rot über Gelb<br />

zu Blau. Es wäre harmonischer, wenn Rot und Blau nur in diesen beiden Farbtönen ineinander<br />

fliessen würde.<br />

Bei der inversen Darstellung (1D), so dass Blau eine Abnahme und Rot eine Zunahme darstellt,<br />

wird festgestellt, dass die orangen Flächen stark in Erscheinung treten. Falls dies nicht gewünscht<br />

ist, erzeugt die Darstellung eine falsche Wirkung. Als Favoriten wählen die Experten<br />

im gleichen Verhältnis wie bei den ersten beiden Darstellungen die Darstellung (1C) mit Rot für<br />

eine Abnahme und Blau für eine Zunahme.<br />

69


Masterarbeit FS 2011<br />

Der Favorit dieser ersten vier Darstellungen, immer noch ohne Kenntnis der Legende, ist die<br />

Darstellung 1C mit 3 Stimmen. Gefolgt von 1B mit 2 Stimmen und 1A und 1D mit je 1 Stimme.<br />

In einem zweiten Schritt sind die Legenden der Abbildungen aufgedeckt. Jetzt wird zwischen 1A<br />

und 1B die Abbildung 1B einstimmig als besser und zwischen 1C und 1D ebenso einstimmig die<br />

Abbildung 1C besser bewertet. Dies zeigt unabhängig von der Legende, dass die Favoriten in<br />

beiden Fällen die gleichen bleiben.<br />

Die Experten teilen mit Kenntnis der Legende diese vier Abbildungen in eine Rangordnung ein.<br />

Auf Platz 1 liegt 1C knapp vor 1B. Auf den 3. Platz wird 1D knapp vor 1A gewählt. Die Experten haben<br />

hier besonders auf den korrekten Wendepunkt der Legende beim Übergang von einer Abzu<br />

einer Zunahme Wert gelegt. Der Farbverlauf in 1B gefällt allen Experten gut, jedoch vermittelt<br />

das Bild eine falsche Vorstellung der Daten.<br />

Als Verbesserungsvorschläge für diese Darstellungen werden eine geringere Anzahl Klassen<br />

und eine lineare Klasseneinteilung erwähnt. Einmal wird von einem Glaziologen geäussert,<br />

dass es üblich ist, dass in der Legende die Null innerhalb einer Klasse zentriert wird, so dass Ungenauigkeiten<br />

von der Messmethode oder der Interpolation mit dem Wert der Standardabweichung<br />

abgegrenzt werden.<br />

6.4.1.2 Interpretation Frageblock 1<br />

Die dargestellten Resultate aus den Darstellungen der Thematik Höhenveränderungen auf<br />

dem Fieschergletscher lassen einen gewissen Spielraum für eine Interpretation <strong>of</strong>fen. Die Experten<br />

sind sich über die Wichtigkeit der Gestaltungsvariable Farbe und deren grossen Wirkung<br />

auf das menschliche Auge bewusst. Ohne Legende und unabhängig von Werten wird vermehrt<br />

auf ein harmonisches Farbbild geachtet und dies als positiv gewertet. Grundsätzlich lässt sich<br />

aufgrund der Interpretationen der Experten bei Betrachtung der Abbildungen darauf schliessen,<br />

dass alle Experten erwarten, wenn die Signalfarbe Rot auf dem Gletscher eingesetzt wird,<br />

dass dies einer Abnahme der Eisdicke entspricht. Dies im Sinne eines Indikators z.B. für Klimawandel,<br />

dass der Gletscher an dieser Stelle schmilzt und somit an Eisdicke verliert. Besagt die<br />

Legende eine Eisdickenzunahme für die Farbe Rot, ist der Experte häufig verwirrt.<br />

Die Haupterkenntnis aus dem Frageblock 1 ist, dass die Farbe Rot auf dem Gletscher sehr geeignet<br />

für die Darstellung von Abnahmen ist. Bei der Legende ist darauf zu achten, dass der<br />

Farbwechsel generell bei Null gewählt wird. Die beiden Farben, die eingesetzt werden, sollten<br />

zudem nicht zu stark voneinander divergieren, sondern harmonisch ineinander laufen. Wenn<br />

die Klasseneinteilung nicht linear ist, sollte dies entsprechend in der Legende optisch gekennzeichnet<br />

sein. Je nach Aussage sollten zudem die einzelnen Klassen, die in Erscheinung treten<br />

sollen, farblich deutlich sichtbar gezeigt werden. Wenn zudem durch die Klasseneinteilung<br />

grosse, zusammenhängende Flächen entstehen, muss die Farbwahl besonders in gedruckten<br />

Medien mit Bedacht bestimmt werden.<br />

6.4.2 Frageblock 2: Basiskarte und Thematik<br />

6.4.2.1 Ablauf und Resultate Frageblock 2<br />

In der Regel wird in der Kartografie thematische Information auf einer Basiskarte dargestellt.<br />

Im Frageblock 2 werden Aspekte zur Basiskarte berücksichtigt. So wird zum Beispiel der Frage<br />

nachgegangen, ob die Thematik im Kontext eher mit einer topografischen Karte oder mit ei-<br />

70


Masterarbeit FS 2011<br />

nem Luftbild gezeigt werden soll. Oder wird mit der Variation der Transparenz der Thematik<br />

oder der Basiskarte mehr oder weniger Gewicht gegeben.<br />

In der ersten Frage 2.1 hat sich der Experte zwischen drei Möglichkeiten einer Basiskarte zu entscheiden.<br />

Als Auswahl steht die Erstausgabe der Landeskarte 1:50'000, ein Orth<strong>of</strong>oto oder nur<br />

die Thematik ohne Basiskarte zur Verfügung. Er soll seine Entscheidung in Form einer Rangliste<br />

abgeben. Alle Fachexperten der Kartografie wählen als erste Priorität die topografische Karte,<br />

danach das Luftbild und als letztes die Thematik ohne Basiskarte. Die Experten der Glaziologie<br />

betrachten das Orth<strong>of</strong>oto als gute Grundlage. Ebenso beurteilen sie die leere Thematik zu ergänzenden<br />

Zusatzinformationen wie Höhenlinien, als genügend Information zur Interpretation.<br />

Mit der nächsten Frage 2.2 wird erörtert, wie die Experten den Einsatz von Transparenz einstufen.<br />

Gesetzt ist als Basiskarte die topografische Karte. In der ersten Darstellung sind die Karte<br />

und die Thematik opak gezeigt (2A), in der zweiten ist die Thematik opak und die Karte leicht<br />

transparent (2D) und in der dritten Abbildung wird die Thematik etwas zurückgenommen und<br />

die Karte opak gezeigt (2E). Als klarer Favorit geht die Darstellung (2E) mit opaker Basiskarte<br />

und leicht transparenter Thematik hervor. 5 von 7 Experten wählen diese auf den ersten Rang.<br />

Die anderen beiden Darstellungen liegen im Ranking nahe beieinander.<br />

Die nächste Frage 2.3 wird analog zur Vorangegangen gestellt, anstatt der topografischen Karte<br />

als Basis liegt aber das Orth<strong>of</strong>oto vor. Alle Kartografen wählen die Darstellung (2G) mit leicht<br />

transparenter Thematik analog zu (2E) als beste Variante. Die Glaziologen favorisieren die Abbildung<br />

mit opaker Thematik und leicht transparentem Orth<strong>of</strong>oto (2F). Praktisch alle finden,<br />

dass opake Thematik kombiniert mit ebenfalls opaker Basis (2B) keine gute Wahl ist.<br />

In der Frage 2.4 wird die Bestvariante aller sieben Auswahlmöglichkeiten ermittelt. 4 Kartografen<br />

entscheiden sich für die Abbildung (2E) und 1 für die 2D. Aus glaziologischer Sicht wird die<br />

Abbildung 2F und 2G als Favorit ausgewählt.<br />

Auf die Frage 2.5, welche Verbesserungsmöglichkeiten in den gezeigten Darstellungen vorliegen,<br />

wird erwähnt, dass die beiden Layer, Thematik und Basiskarte, leicht transparent dargestellt<br />

werden sollen. So wirke die Abbildung auch leichter. Zudem wäre der Kontrast zwischen<br />

Thematik und Hintergrund besser und die dunklen Farben könnten besser unterschieden werden.<br />

Um die Klassen besser voneinander zu trennen, wird empfohlen, um jede Klasse eine Kontur<br />

zu zeichnen. Weiter soll zur besseren Orientierung die Beschriftung aus der Karte als oberster<br />

Layer über die Thematik gedruckt werden. Sind die Höhenlinien durch die Thematik hindurch<br />

sichtbar, sollten diese ausgedünnt und jede 100er-Höhenlinie leicht stärker dargestellt<br />

werden.<br />

6.4.2.2 Interpretation Frageblock 2<br />

Die Antworten zeigen auf, dass der Hintergrund der Thematik eine wesentliche Rolle spielt. Die<br />

Basiskarte dient einerseits zur Orientierung und andererseits zur Interpretation der Darstellung.<br />

Das Mittel der Transparenz wird von vielen geschätzt, um der Thematik oder der Basiskarte<br />

mehr Gewicht zu verleihen. Die topografische Karte wird von den Kartografen vermehrt als<br />

Basis gewünscht. Die Glaziologen bevorzugen eher eine Orth<strong>of</strong>otokarte, sagen aber auch, dass<br />

diese einiges mehr an Geländekenntnis benötigt, respektive die Karte bereits abstrahierte Information<br />

beinhaltet und einfacher für die Interpretation ist. 2 Experten sagen aber auch, wenn<br />

z.B. in einem wissenschaftlichen Paper immer vom selben Gletschergebiet die Rede ist, dann<br />

71


Masterarbeit FS 2011<br />

kann auch nur die Thematik mit einzelnen Orientierungsangaben abgebildet werden. Die richtige<br />

Wahl der Basis hängt somit stark vom Zielpublikum und Zweck ab.<br />

6.4.3 Frageblock 3: Grössenproportionale Kreise<br />

6.4.3.1 Ablauf und Resultate Frageblock 3<br />

In den ersten beiden Frageblöcken werden die Dickenänderungen auf dem Gletscher mit Flächenfarben<br />

visualisiert. Im Frageblock 3 werden die Änderungen mittels diskreten Symbolen in<br />

einem regelmässigen Raster gezeigt. Diese Darstellungsvariante wird auch in glaziologischer<br />

Fachliteratur angewendet [Kääb, 1996]. Anhand dieses Frageblocks wird eine Beurteilung zu<br />

dieser Darstellungsart und deren Farbgebung von Seiten der sieben Experten verlangt.<br />

In der Frage 3.1 entscheidet der Experte, welche Darstellung er bevorzugt. Zur Auswahl steht als<br />

erste Variante eine Abbildung mit grössenproportionalen Kreisen. Dies bedeutet, je grösser eine<br />

Abnahme oder Zunahme, desto grösser der dargestellte Kreis (3B). In der zweiten Variante werden<br />

ebenfalls grössenproportionale Kreise abgebildet, jedoch sind diese in je fünf Klassen eingeteilt.<br />

4 Experten bevorzugen die klassierte Variante (3A). Einerseits sind die Werte zuordenbarer<br />

und andererseits sei die Grössenverteilung besser erkennbar. 3 Experten wählen die grössenproportionale<br />

Darstellung (3B) als Favorit. Es wird jedoch angefügt, dass die Überlappung<br />

im Zungenbereich unschön und viel Information verdeckt ist. Doch sei (3B) besser, um einen<br />

Einzelpunkt abzuschätzen.<br />

In der Frage 3.2 wird aufgegriffen, welche Farbgebung für eine Zunahme oder eine Abnahme<br />

auf dem Gletschergebiet optimal ist. Alle Experten sehen für eine Abnahme die Farbe Rot und<br />

für eine Zunahme die Farbe Blau als geeignet. Rot wird hauptsächlich mit etwas Negativem<br />

verbunden, eine Gefahr, etwas Dramatisches oder mit „Achtung! hier geht etwas vor sich“ und<br />

löst Aufmerksamkeit aus. Weiter wird Rot auch mit einen Temperaturanstieg verbunden, weil<br />

Rot warm bedeutet und somit das Eis schmilzt. Im Gegenteil dazu die Farbe Blau. Diese symbolisiert<br />

Kälte, was eine Eisdickenzunahme bedeutet. Als Alternative zu Rot/Blau würden die Experten<br />

die Farben Rot/Grün oder Orange/Lila (einmal genannt) befürworten. Dies auch z.B. um<br />

in einer Kiesgrube Auf- und Abtrag darzustellen, unabhängig von einer Temperatur oder Klimabewusstsein.<br />

Bei dieser Frage wird von zwei Experten hinzugefügt, dass sie eine Höhenzunahme<br />

ausserhalb des Gletschergebiets nicht immer mit grüner Farbe darstellen würden, z.B.<br />

bei einem Murgang oder einem Bergsturz. Auch bei einer Lawine ist ein Höhenauftrag nicht<br />

positiv zu werten und würde eher mit Rot statt Grün dargestellt. Ein Experte hat aber angefügt,<br />

dass die grüne Farbe häufig Schwierigkeiten aufweist, wenn sie gedruckt werden soll. Somit ist<br />

Rot/Grün besser am Bildschirm als in einem Ausdruck geeignet.<br />

Bei den weiteren Fragen des Blocks 3 geht es um Hilfsmittel in der Darstellung zur Orientierung.<br />

Es wird ein Ausschnitt der oben erwähnten Darstellung verwendet (3E und 3F). Als Zusatzinformation<br />

werden eine Übersichtskarte und Höhenlinien auf dem Gletschergebiet gezeigt.<br />

Alle Experten sind sich einig, dass die Übersichtskarte bei guter Ausführung ein sehr hilfreiches<br />

Mittel zur Orientierung ist. Ebenso werden die Höhenlinien als sehr hilfreich eingestuft. Den<br />

meisten Experten reicht es, wenn nur jede 100er-Linie oder diese in einer grösseren Strichstärke<br />

gezeichnet ist. Die gezeigte Schriftplatzierung der Höhenangaben ist noch überarbeitungsbedürftig<br />

und stand deshalb nicht im Mittelpunkt der Interviews.<br />

72


Masterarbeit FS 2011<br />

6.4.3.2 Interpretation Frageblock 3<br />

Dass Dickenänderungen auf dem Gletscher auch mit Symbolen dargestellt werden, befürworten<br />

alle Experten. Ob die Kreissymbole klassiert oder grössenproportional eine grössere Aussagekraft<br />

darstellen, kann aufgrund der gegebenen Antworten nicht eindeutig gesagt werden.<br />

Wichtig erscheint den Experten, dass die Darstellung interpretiert und quantifiziert werden<br />

kann. Deshalb wird die Überlappung von den Kreissymbolen als sehr negativ bewertet. In der<br />

Farbwahl bevorzugen alle Experten Rot für eine Abnahme und Blau für eine Zunahme. Rot wird<br />

als Gefahr oder als dramatisch eingestuft, löst aber auch ein Temperaturempfinden wie Wärme<br />

aus, was einer Schmelze auf dem Gletscher gleichkommt. Blau wird mit Kälte verbunden,<br />

was einem Eisdickenzuwachs entspricht. Die Farben Rot und Grün sind als Alternative einsetzbar.<br />

Es ist jedoch zu unterscheiden, ob der Höhenzuwachs einen qualitativ positiven oder negativen<br />

Effekt aufweist. Z.B. bei einem Hangrutsch oder einer Lawine gilt ein Höhenzuwachs als<br />

etwas Negatives und wird mit der Farbe Rot assoziiert. Die Farbe Grün wird laut einer Glaziologen-Aussage<br />

aber auch auf dem Gletschergebiet eingesetzt, um ein neutrales Verhalten des<br />

Gletschers darzustellen, also weder Höhenzuwachs noch -abnahme.<br />

6.4.4 Frageblock 4: Gestaffelte Pr<strong>of</strong>ile<br />

6.4.4.1 Ablauf und Resultate und Interpretation Frageblock 4<br />

Bis anhin sind in dieser Expertenbefragung Darstellungen, die die Höhendifferenzen zweier<br />

Gletscherstände verschiedener Jahre zeigten, diskutiert worden. Im Frageblock 4 liegt den Experten<br />

eine Darstellung vor, die versucht, gleichzeitig zwei Höhenmodelle des Gletschers aufzuzeigen.<br />

Es handelt sich dabei um gestaffelte Querpr<strong>of</strong>ile senkrecht zur Fliessrichtung des<br />

Gletschers. Zum einen wird das DHM von 1927 und zum anderen das DHM25 gezeigt. In dieser<br />

Darstellung wird zugleich ermöglicht, dass die Höhenveränderung in der richtigen Achse, nämlich<br />

der Z-Achse, dargestellt werden kann.<br />

Den Experten wird dieser Entwurf vorgelegt und nach Beurteilung und möglichen Verbesserungsvarianten<br />

gefragt.<br />

Die Antworten fallen weitgehend positiv aus, da es eine Darstellung ist, welche die Experten so<br />

noch nie gesehen haben und sie im ersten Augenblick einen interessanten Charakter aufweist.<br />

Sie zeigt qualitativ gut die Veränderung der Höhe besonders im Zungenbereich. In den Pr<strong>of</strong>ilen,<br />

die höher oben liegen und optisch in der Grafik weiter entfernt sind, hat die Perspektive jedoch<br />

einen grossen Einfluss und es wird schwierig, die Höhenveränderung abzuschätzen. Zudem ist<br />

der Fieschergletscher in seinem oberen Teil breiter als die gewählte Pr<strong>of</strong>illänge, somit kann mit<br />

der vorliegenden Pr<strong>of</strong>ilserie nicht die ganze Gletscherausdehnung abgebildet werden. Von einem<br />

Experten wird ausserdem bemängelt, dass mit dieser Darstellung nicht gleichzeitig allfällige<br />

Höhenzunahmen dargestellt werden können.<br />

Als Verbesserungsvorschläge werden genannt, dass die Darstellungsrichtung der Pr<strong>of</strong>ile in der<br />

Fliessrichtung des Gletschers gezeigt werden soll. Zwei Experten empfehlen die Höhenlinien in<br />

den Pr<strong>of</strong>ilen darzustellen und ein anderer Experte empfiehlt die Höhenveränderungen wie eine<br />

Art Band in den Pr<strong>of</strong>ilen abzutragen und einzufärben.<br />

Ein Glaziologe erwähnt, dass er einzelne Pr<strong>of</strong>ildarstellungen herstellt. Jedoch wird nur ein Pr<strong>of</strong>il<br />

gezeichnet und dies jeweils mit verschiedenen Ständen gezeigt. Als Zusatzinformation wird<br />

73


Masterarbeit FS 2011<br />

auch häufig das Gletscherbett, die Sohle des Gletschers, abgebildet, um nicht nur die Veränderungen,<br />

sondern auch die gesamte Eisdicke zu zeigen.<br />

6.4.5 Frageblock 5: 2.5D-Visualisierungen<br />

6.4.5.1 Ablauf und Resultate Frageblock 5<br />

Im Frageblock 5 wird geklärt wie sinnvoll die Darstellung der Thematik in 3D generell ist. Auf einer<br />

Skala von 1 (nicht sinnvoll) bis 5 (sehr sinnvoll) beurteilen die Experten diese Darstellungsmöglichkeit<br />

mit einer knappen 3. Sie sagen, dass es sehr vom Zielpublikum abhängt, ob eine<br />

solche Darstellung geeignet ist. Die Vorteile sind, dass das Gebiet plastisch aussieht und man<br />

sich gut orientieren kann. Zudem ist ein 3D-Bild für die breite Öffentlichkeit sehr anschaulich<br />

und es müssen keine Höhenlinien interpretiert werden zur Auffassung der Topografie. Für die<br />

Experten überwiegen jedoch die Nachteile die Vorteile stark. So wird gesagt, dass eine 3D-<br />

Darstellung häufig weniger wissenschaftlichen Gehalt in sich trägt als eine Darstellung in 2D.<br />

Zudem sind einige Partien des Geländes aufgrund der Topografie im Sichtschatten verdeckt.<br />

Durch die Perspektive der Darstellung ist es häufig schwierig, Abschätzungen zu machen, z.B.<br />

wie breit der Gletscher an einer bestimmten Stelle ist.<br />

So entscheiden sich alle Experten im Falle einer wissenschaftlichen Präsentation des Themas<br />

für eine 2D-Darstellung anstatt einer 3D. Doch die Kombination, bei der die 3D-Abbildung mit<br />

einer 2D-Darstellung abgebildet wird, würden 6 von 7 Experten bevorzugen.<br />

Wenn 3D-Abbildungen in gedruckter Version oder in einem PDF gezeigt werden, bewerten dies<br />

die Experten mit 3 Punkten. Dies begründen sie mit den Vor- und Nachteilen, die oben geschildert<br />

sind.<br />

Bei der Frage konkret zum gezeigten Bild, wie wichtig der Hintergrund erscheint, sagen die Experten,<br />

dass er wichtig ist, muss aber gut gewählt sein. So wird genannt, dass z.B. ein schattiertes<br />

Relief oder nur ein Gitter genügt, um die Form des Geländes wiederzugeben. Die gezeigte<br />

topografische Karte war allen Experten zu informativ und für den Druck einer 3D-Darstellung<br />

ungeeignet.<br />

6.4.5.2 Interpretation Frageblock 5<br />

Alle Experten sind der Meinung, dass das Thema durchaus in 3D visualisierbar ist. In gedruckter<br />

Version raten die meisten davon ab. Wenn die breite Öffentlichkeit das Zielpublikum darstellt,<br />

ist es als Anschauungszweck geeignet oder an einem Vortrag sinnvoll. Jedoch ist der Informationsgehalt<br />

in 3D viel kleiner als in einer 2D-Abbildung. Zudem kann 3D durch die Perspektive<br />

und Verdeckung zu Fehlinterpretationen führen.<br />

6.4.6 Frageblock 6: Interaktives Beispiel<br />

6.4.6.1 Ablauf und Resultate Frageblock 6<br />

Nachdem dass in den vorangegangen Blöcken gedruckte Produkte die Thematik darstellten,<br />

wird im Frageblock 6 ein Prototyp gezeigt, welcher dieselben Daten interaktiv am Bildschirm<br />

präsentiert. Dieser ist auf dem beigelegten Datenträger aufrufbar.<br />

74


Masterarbeit FS 2011<br />

Im Prototyp werden die Daten mittels Google Earth und KML dargestellt. Die Steuerung erfolgt<br />

mit der Maus und verfügt über Zoom und Pan. Mittels Mausklick in den Themenlayer werden<br />

die Klasse und weitere Informationen angezeigt. Rechts neben dem Kartenfenster besteht die<br />

Möglichkeit mittels Button das Terrain in 2D und 3D ein- und auszublenden. Weiter können die<br />

Layer in 2D und extrudiert als Prismenkarte in 3D betrachtet werden. Für eine detailliertere Beschreibung<br />

des Prototyps siehe Kapitel 5.4.6.<br />

Die Frage 6.1 befragt die Experten bezüglich ihrer Erfahrung mit Google Earth. Zwischen 1 (keine)<br />

und 5 (sehr viel) wird diese Frage im Mittel mit einer 4 beantwortet. 3 Experten haben die<br />

Zusatzfrage verneint, ob sie bereits wissen, dass Google Earth mit Plug-In in einem Webbrowser<br />

lauffähig ist.<br />

Auf die Frage, ob es wichtig ist, dass das interaktive Beispiel über das Internet abrufbar ist, wird<br />

mit einer guten 4 geantwortet. Besonders geschätzt wird, dass die Verbreitung der Daten ohne<br />

grosse Hürden geschieht. Hauptsächlich für die Information und Sensibilisierung der Bevölkerung<br />

könnte dieses Medium eingesetzt werden.<br />

Dass der interaktive Prototyp als Mehrwert bezeichnet wird, bestätigt ebenfalls die Bewertung<br />

einer guten 4. Doch wird er eher als Ergänzung zu einer gedruckten Karte betrachtet. Wissenschaftlich<br />

könnte er in dieser Form kaum zum Einsatz kommen, deshalb wird er von einem Glaziologen<br />

als Spielerei bezeichnet.<br />

Ebenfalls im selben Rahmen fällt die Bewertung für die Abfragemöglichkeit der Klassen mittels<br />

Mausklick aus. Besonders gefällt, dass noch mehr Infos angezeigt werden und zum Vergleich<br />

nicht die Legende konsultiert werden muss. Dass diese Funktion die absoluten Werte einer Zelle<br />

anzeigen würde, wäre aus der Perspektive eines Glaziologen nicht notwendig.<br />

Dass die Prismenfunktion in 3D ein Mehrwert zum 2D-Layer darstellt, wird bei den meisten Experten<br />

verneint. Die negative Kritik basiert hauptsächlich in der Skalierung der grossen Säulen.<br />

3 Personen sagen, es sei ein Mehrwert, weil es eine spannende Darstellung ist oder weil sie Daten<br />

bis jetzt noch nie so aufbereitet gesehen haben.<br />

Der Ansichtswechsel des Terrains zwischen 2D und 3D wird nur von zwei Experten als sinnvoll<br />

bezeichnet. Denn wenn die Darstellung interaktiv ist, dann gibt es keine Verdeckungen und<br />

somit ist diese Funktion unnötig. Zudem ist die Vogelperspektive auch in 3D einstellbar und erzielt<br />

denselben Effekt. Ein Button, der die Ansicht automatisch in die Vogelperspektive wechselt,<br />

wäre eine gute Idee laut einem Experten.<br />

Die Frage, ob der User die Option haben sollte, einen anderen Hintergrund anzeigen zu lassen,<br />

haben alle bejaht. Am häufigsten wünschten sich die Experten ein Relief als Hintergrund ähnlich<br />

der Ansicht wie beim Atlas der Schweiz im Panoramamodus. Aber auch einen Beschriftungslayer,<br />

Höhenlinien und Koten oder aber auch die topografische Karte werden von zwei<br />

Experten gewünscht.<br />

Ob der User die Farbe der Legende selber ändern können soll, wird mit einer 2 bewertet. Es<br />

scheint nicht so wichtig eine eigene Farbgebung zu wählen, wenn die Default-Legende gut gewählt<br />

ist. Ein Experte meint als Kompromiss, dass es eventuell sinnvoll ist, vier verschiedene<br />

Farbskalen zur Verfügung zu stellen, aus welchen der User auswählt. Viel mehr wird von den<br />

Experten jedoch eine Funktion gewünscht, die es erlaubt die einzelnen Layer leicht transparent<br />

darzustellen<br />

75


Masterarbeit FS 2011<br />

Bei der Frage 6.10 werden drei Screenshots vom Rhonegletscher von drei verschiedenen Zeitständen<br />

in gedruckter Version gezeigt. Die Frage dazu lautet, wie sinnvoll es ist, dass diese drei<br />

Stände fliessend ineinander dargestellt werden, z.B. mit einer Animationstechnik wie<br />

Morphing. 4 Experten bewerten diese Möglichkeit als sehr sinnvoll mit einer 5, und je 1 Experte<br />

gibt 4, respektive 3 und 2 Punkte. Positiv wird bewertet, dass eine Animation für Aufklärungszwecke<br />

zum Klimawandel und als Anschauungsobjekt sehr gut geeignet ist. Der grösste Kritikpunkt<br />

ist, dass ein Morphing die Zeitstufen zwischen zwei Ständen interpoliert und somit Daten<br />

gezeigt werden, die nicht empirisch aus der Landschaft stammen.<br />

Zur Abschlussfrage wird ein 3D-PDF mit einem Gletscher gezeigt. Alle Experten haben noch<br />

wenig Erfahrung damit und noch nie eines erstellt. Dass das Format existiert und plattformunabhängig<br />

Geodaten in kleinster Datengrösse versendet werden können, schätzen alle Experten<br />

als sehr wertvoll ein.<br />

6.4.6.2 Interpretation Frageblock 6<br />

Mit dem Frageblock 6 wird von den Experten ihre Meinung zur 3D-Datenpräsentation in einem<br />

interaktiven Beispiel verlangt. Die meisten Experten finden diese Darstellung interessant und<br />

vor allem für die breite Bevölkerung ein gutes Informationsmedium. Dass das Beispiel über Internet<br />

abrufbar ist, wird geschätzt, muss aber nicht zwingend sein. Es stellt sicherlich einen<br />

Mehrwert zu einer gedruckten Karte dar. Sehr geschätzt wird, dass der User die einzelnen Klassen<br />

abfragen kann und die Daten nicht mit der Legende herauslesen muss. Von grossem Vorteil<br />

wäre, wenn der User die Basiskarte wechseln könnte. Auf diese Weise wird die Darstellung individuell<br />

und je nach Bedürfnis angepasst. Die Experten empfinden es aber als wenig sinnvoll,<br />

wenn der Benutzer Einfluss auf die Farbgebung der Legende hat. Falls mehrere DHMs gleichzeitig<br />

angezeigt werden, betrachten die Experten dies gerne als Animation, um die Veränderungen<br />

über eine gewisse Zeitspanne fliessend zu visualisieren. Dies würde sicherlich auch gut zur<br />

Aufklärung der Bevölkerung genutzt werden können. Dass ein plattformunabhängiges Austauschformat<br />

wie 3D-PDF existiert wird von den Experten sehr geschätzt. Jedoch kommt es<br />

auch in ihrem Arbeitsalltag bis jetzt noch nicht zum Einsatz.<br />

6.4.7 Frageblock 7: Abschluss<br />

6.4.7.1 Ablauf und Resultate Frageblock 7<br />

Im letzten Block 7 geht es um das genaue Lesen von verschiedenen Darstellungen und um Abschätzungen<br />

zu einzelnen Werten zu äussern. Zudem werden abschliessende Fragen zur Thematik<br />

gestellt und um bereits im Gespräch mit den Experten erwähnte Punkte nochmals aufzugreifen.<br />

Es wird nach der attraktivsten und der schlechtesten der gezeigten Darstellungen<br />

gefragt.<br />

Bei der Frage 7.1 muss der Experte aus einer flächendeckenden Darstellung (7A) anhand einer<br />

kontinuierlichen Skala die Höhenveränderung an einem definierten Punkt bestimmen (markiert<br />

mit einem Kreuz). 1 Experte hat den Wert bis auf 3 Meter genau geschätzt, ein weiterer innerhalb<br />

von ±10m. Die 5 weiteren Experten haben sich zwischen 40 und 60 m verschätzt. In der<br />

zweiten Frage wird die gleiche Darstellung mit einer klassierten Einteilung (7B) nochmals gezeigt.<br />

Allen Experten gelingt es, anhand der Legende die richtige Klasse zu bestimmen.<br />

76


Masterarbeit FS 2011<br />

Die zweite Abschätzfrage zeigt die Darstellung mit der grössenproportionalen Darstellung (7C).<br />

Bei einem gekennzeichneten Kreis schätzen die Experten die Höhenabnahme. Allen Experten<br />

gelingt die Schätzung innerhalb von ±5 m. Der gleiche Kreis soll in der klassierten Darstellung<br />

geschätzt werden. Alle Experten haben auch hier die richtige Klasse erkannt. Welche einfacher<br />

zum Abschätzen ist, haben alle, ausser einem Experten, die klassierte Variante angegeben.<br />

Auf die Frage, welche die attraktivste aller gezeigten Abbildungen ist, werden diverse genannt.<br />

Mit drei Nennungen wird die Darstellung mit den gestaffelten Pr<strong>of</strong>ilen(4A) als Attraktivste gewertet,<br />

weil sie eine neuartige und interessante Illustration zur Thematik darstellt. Die topografische<br />

Karte mit der leicht transparenten Thematik (2E) wird zweimal als attraktivste gewählt.<br />

Einzelnennungen sind die grössenproportionalen Kreissymbole (3B) und die Abbildung mit dem<br />

Orth<strong>of</strong>oto (2G). Diese Angaben sind wiederum stark vom Zielpublikum abhängig, so die Experten.<br />

Auch das interaktive Beispiel wird hier mehrmals als sehr attraktiv genannt.<br />

Als Darstellung, die den Inhalt am besten zeigt, werden wiederum diverse genannt. Als einzige<br />

zweimal wird die Abbildung (2E) gewählt. Weiters erwähnt werden (2B), (2D), (2G), (3A) und<br />

(3B).<br />

Den Inhalt am schlechtesten zeigt die Darstellung (1A), da die Farbwahl den Kartenleser sehr<br />

verwirrt. Sie wird dreimal als schlechtestes Beispiel genannt. Zweimal genannt wird (7A), da aus<br />

dieser Abbildung die Werte nicht richtig schätzbar sind. Weiter werden auch die (3F) und die<br />

(3D) mit den grössenproportionalen Kreisen gewählt.<br />

Ähnlich sieht es bei der Frage zur unattraktivsten Darstellung aus. (1A) wird hier zweimal gewählt,<br />

aber auch (3D) mit den grössenproportionalen Kreissymbolen mit der Farbe Blau als Abnahme.<br />

(3F) und (2C) werden ebenso erwähnt. Ein Experte bezeichnet keine der gezeigten Darstellungen<br />

als sehr unattraktiv.<br />

Die zweitletzte Frage ergründet, wie wichtig die Gestaltungsvariable Farbe für die Thematik der<br />

Höhenveränderungen auf dem Gletscher ist. 4 Experten bewerten diese als sehr wichtig mit einer<br />

5 und 3 Experten bewerten es mit einer 4. Die Farbe hat die grösste Kraft aller Variablen, so<br />

die Meinung aller Experten. Sie bekommt eine grosse Aufmerksamkeit in allen Darstellungen.<br />

Formen können die Thematik nie so aufgelöst darstellen wie die Farbe. Ein Glaziologe erwähnt,<br />

dass einige Paper nur in schwarz/weisser Farbe gedruckt werden. Somit stellt er auch Visualisierungen<br />

in Graustufen dar. Trotzdem ist für ihn die Farbe ein wichtiges Instrument in der<br />

Darstellung.<br />

Die letzte Frage ist eine <strong>of</strong>fene, die die Experten frei beantworten. Hier soll der Experte schildern,<br />

wie er die Thematik mit seiner Erfahrung und Wissen darstellen würde. Es werden einige<br />

Varianten genannt, die ihren Ursprung in einer der gezeigten Abbildungen finden. Einige tendieren<br />

auf eine 2D-Darstellung mit topografischer Karte, ein anderer versucht nur mit einer<br />

Outline-Karte des Gletschers, sowie Flächenfarben in der Thematik und Zusatzinformationen<br />

zur Orientierung zu arbeiten. Zudem würde einer die gezeigten Daten noch stärker generalisieren.<br />

Ein Experte aus dem Bereich der Kartografie würde das Thema nur interaktiv in 3D darstellen<br />

wollen und ein anderer mit einer kartenverwandten Darstellung anhand einer diskreten<br />

Säulenkarte, ähnlich der gezeigten Prismenkarte im interaktiven Beispiel. Beide Glaziologen<br />

würden mittels eines Orth<strong>of</strong>otos ihre Thematik präsentieren.<br />

Alle Experten weisen darauf hin, dass die Darstellung stark vom Zielpublikum und der Aussage,<br />

die vermittelt werden soll, abhängt<br />

77


Masterarbeit FS 2011<br />

6.4.7.2 Interpretation Frageblock 7<br />

Der Frageblock 7 weist gemischte Fragen auf. Einerseits gilt es Abschätzungen von Werten aus<br />

den Karten anzugeben, andererseits werden Bestvarianten aus den Abbildungen erkoren.<br />

Die meisten Experten schätzen die Werte relativ genau, ausser bei der Darstellung mit der kontinuierlichen<br />

Legende. Bei den klassierten Legenden stossen die Experten auf keine Probleme.<br />

Daraus lässt sich schliessen, dass diese Visualisierungen einfach zu interpretieren sind und die<br />

Thematik angemessen wiedergeben wird.<br />

Bei den attraktivsten, den Inhalt am besten, den Inhalt am schlechtesten und bei den unattraktivsten<br />

Darstellungen sind die Antworten der Experten sehr divers. Häufig war der Standpunkt<br />

zu hören, dass es keine allgemeingültigen Kriterien gibt, die es erlauben eine perfekte Visualisierung<br />

zur Thematik zu gestalten. Vielmehr ist es vom Zielpublikum abhängig und der Aussage,<br />

die man mit der Kartendarstellung verfolgt. Wird die Thematik mehrmals in einer wissenschaftlichen<br />

Arbeit wiederholt dargestellt, darf die Karte anders aussehen, als wenn sie zu illustrativen<br />

Zwecken, z.B. in einer Tageszeitung, abgedruckt wird.<br />

Aus den Expertenvoten kann eruiert werden, dass in den gezeigten Abbildungen interessante<br />

Darstellungen hervorgegangen sind, jedoch auch noch Optimierungspotenzial vorhanden ist.<br />

Die Grundbasis und die Daten liegen vor, um Karten für jedes Zielpublikum und jeden Zweck zu<br />

gestalten.<br />

6.4.8 Abschliessende Interpretation zu den Expertenbefragung<br />

Diese Expertenbefragung untersucht die Thematik der Höhenveränderungen auf dem Gletscher<br />

und deren Visualisierung. Mit gezielten Fragestellungen werden die Kernpunkte zu Farbgebung,<br />

Farbschema, Darstellungsart und Gestaltung von Experten ermittelt und festgehalten.<br />

Eine Befragung von sieben Experten erlaubt keine statistisch korrekte und repräsentative Aussage<br />

zum Thema. Die Befragung von Experten ist auch eine qualitative Erfassungsmethode.<br />

Vielmehr werden diese Experteninterviews als ein erster Schritt zur Beurteilung dieser interessanten<br />

Fragestellung und Thematik angesehen. Aufgrund dieser erstmaligen Durchführung ist<br />

es möglich, anhand der Erkenntnis aus den Angaben der Experten und den daraus gezogenen<br />

Interpretationen, weitere vertiefte Evaluierungen für zukünftige Arbeiten durchzuführen.<br />

78


Masterarbeit FS 2011<br />

7 Ausblick und Fazit<br />

7.1 Ausblick<br />

Diese Arbeit und die Thematik beinhaltet reichlich Potential, um in einzelne angesprochene Aspekte<br />

weiter einzudringen. Doch wird mit dieser Arbeit ein begehbarer Weg aufgezeigt, in welche<br />

Richtung die Forschungen und weiterführende Arbeiten gehen könnten.<br />

So verbirgt sich in den beschriebenen Arbeitsschritten im halbautomatischen Verfahren von<br />

der Karte zum DHM einiges Potential, um die Rekonstruktion weiter zu automatisieren.<br />

Als weitere zukünftige Arbeit könnte der interaktive Prototyp basierend auf GOOGLE EARTH API<br />

und KML weiter ausgebaut werden. Eine erste Evaluierung wurde mit der Expertenbefragung<br />

im Sinne eines evolutionären Prototyping durchgeführt. Es besteht z.B. die Möglichkeit, weitere<br />

Layer einzublenden, wie die Landeskarte 1:50'000 oder ein schattiertes Relief. Zudem könnten<br />

weitere spezifische und interessante Informationen zu den Klassen abgefragt werden. Wenn<br />

noch mehr Daten und DHMs vorhanden sind, könnte man auch noch weitere Gletscherstände<br />

integrieren. Als weiterer Schritt stünde <strong>of</strong>fen, weitere Gletscher aus der Datensammlung der<br />

VAW mit ähnlichem Informationsgehalt in die Applikation einzubinden. Da das Kartenfenster<br />

in eine konventionelle HTML-Seite integriert ist, kann auch diese beliebig übersichtlich und mit<br />

verschiedenen Inhalten gestaltet werden.<br />

Bezüglich Visualisierungen stehen auch nach Ausführung dieser Arbeit einige Möglichkeiten<br />

<strong>of</strong>fen. Die Darstellungen in dieser Arbeit sind auf der Grundlage zweier DHMs aus den Jahren<br />

1927 und 2008 erstellt. Diese könnten nun für animierte Visualisierungen verwendet werden,<br />

z.B. mit Morphing, wo Gletscherstände zwischen den Zeiträumen interpoliert sind.<br />

Mit der Durchführung von Experteninterviews wurde eine erste Sondage zur Thematik Höhenveränderungen<br />

auf dem Gletschergebiet durchgeführt und die Resultate stehen für weitere Arbeiten<br />

zur Verfügung. Aufgrund der Expertenkommentare besteht noch grosses Potential, um<br />

die diversen Visualisierungen aus dieser Arbeit dem Zweck und je nach Zielpublikum entsprechend<br />

zu optimieren.<br />

7.2 Fazit<br />

Mit dieser Masterarbeit konnte das DHM der ganzen hydrologischen Einheit vom Fieschergletscher<br />

inklusive Studer- und Galmigletscher mit dem Gletscherstand von 1927 aus der Erstausgabe<br />

der Landeskarte 1:50'000 rekonstruiert werden. Somit kann dieser Datensatz zur Datensammlung<br />

der VAW hinzugefügt werden und steht für weitere Forschungszwecke zur Verfügung.<br />

Es ist gelungen, ein halbautomatisches Verfahren aufzuzeigen, welches erlaubt, aus der Karte<br />

die Höheninformation mittels Bildbearbeitung zu extrahieren und durch den Einsatz eines GIS<br />

ein DHM herzustellen. Mittels verschiedenen Vergleichen mit anderen DHMs konnte gezeigt<br />

79


Masterarbeit FS 2011<br />

werden, dass diese Methodik in der Genauigkeit ebenso gut oder gar besser ist als die bisher<br />

angewendete manuelle Variante.<br />

Ob die halbautomatische Variante von der Karte zum DHM vom Zeitaufwand hier in der Ausführung<br />

kleiner als in der manuellen Variante ist, kann nicht gesagt werden, da der direkte Vergleich<br />

in dieser Arbeit nicht gemacht werden konnte. Zudem ist zu erwarten, dass es stark von<br />

der Grösse und der Komplexität des Gletschergebiets abhängt. Die blaue Höheninformation<br />

aus der Karte wird sehr gut mit diesem Verfahren detektiert und vektorisiert, einzig die Gletscherspalten<br />

und die Beschriftung sind störende Elemente. Die braunen Höhenlinien sind aufwendiger<br />

in der Extrahierung aus der Karte, da die Linien verschiedene Farbtöne aufweisen. Mit<br />

einer indexierten Bildvorlage könnte die Extrahierung eventuell noch besser gelingen. Der<br />

schwarze Layer benötigt am meisten Zeit, um die Höheninformation schliesslich vektoriell im<br />

GIS zu verwalten. Einerseits hat es im schwarzen Layer, nebst den Höhenlinien, Beschriftung<br />

und andererseits vor allem Felszeichnungen und -schraffen, die keine quantitative Höheninformation<br />

aufweisen. So muss bei dieser Farbe viel Aufwand betrieben werden, um nur die gewünschte<br />

Information zu erhalten.<br />

Der Vorteil zum manuellen Vorgehen liegt darin, dass schliesslich die Höhenlinien in exakter<br />

Geometrie aus der Karte und nicht nur punktweise generalisiert vorliegen. Somit ist der Ansatz<br />

dieses Verfahrens sehr interessant und kann weiterhin rationalisiert und optimiert werden. Am<br />

meisten Potential liegt sicherlich in der Selektion zwischen benötigter und nicht benötigter Information,<br />

sprich zwischen Höhenlinien und anderen Kartenelementen.<br />

Durch das halbautomatisierte Verfahren zur Attribuierung der Höhenlinien mittels eines Tools<br />

liegt eine effiziente Methode vor, die nur mit sehr viel Aufwand noch weiter automatisiert werden<br />

kann.<br />

Mit dem Herstellen verschiedener Darstellungen wird gezeigt, dass die Thematik auf diverse<br />

Art und Weise dargestellt werden kann. Mit der Evaluierung der Abbildungen anhand einer<br />

Durchführung von Experteninterviews mit sieben Experten werden erste Aussagen zur Abbildung<br />

von Höhenveränderungen auf dem Gletschergebiet gemacht. Die Expertenbefragung liefert<br />

in dieser Form erste Erkenntnisse, die für weitere Untersuchungen als Ausgangslage verwendet<br />

werden können.<br />

80


Masterarbeit FS 2011<br />

8 Literaturverzeichnis<br />

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<strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong>, 2011.<br />

[wikipedia, 2010]<br />

Moirygletscher, http://de.wikipedia.org/wiki/Moirygletscher, 2010. (Zugriff: 29.04.2011).<br />

[wikipedia, 2011a]<br />

Fieschergletscher, http://de.wikipedia.org/wiki/Fieschergletscher, 2011. (Zugriff: 29.04.2011).<br />

[Winter, 2001]<br />

Winter, R.: Entwicklung geeigneter Ansätze und Methoden zur kartographischen Visualisierung<br />

mehrdimensionaler glaziologischer Prozesse, Diplomarbeit, Institut für Kartographie der TU Dresden,<br />

Dresden, 2001.<br />

Copyright und Quelle der in der Arbeit verwendeten Geodaten<br />

Reproduziert mit Bewilligung von swisstopo (JA100120). Bundesamt für Landestopografie swisstopo<br />

(Art. 30 GeoIV): 5704 000 000.<br />

85


Masterarbeit FS 2011<br />

Anhang<br />

A 1<br />

Karten<br />

A 1.1 Glacier de Moiry<br />

Abbildung 51:<br />

Glacier de Moiry in der Erstausgabe der Landeskarte 1:50'000 (ohne Relief, nicht<br />

massstabsgetreu)<br />

A-1


Masterarbeit FS 2011<br />

Abbildung 52:<br />

Glacier de Moiry in der Erstausgabe der Landeskarte 1:50'000 mit den vektorisierten<br />

Höhenlinien für die Rekonstruktion (ohne Relief, nicht massstabsgetreu)<br />

A-2


Masterarbeit FS 2011<br />

A 1.2 Fieschergletscher<br />

Abbildung 53:<br />

Fieschergletscher in der Erstausgabe der Landeskarte 1:50'000 (ohne Relief, nicht<br />

massstabsgetreu)<br />

A-3


Masterarbeit FS 2011<br />

Abbildung 54:<br />

Fieschergletscher in der Erstausgabe der Landeskarte 1:50'000 mit den vektorisierten<br />

Höhenlinien und Koten für die Rekonstruktion (ohne Relief, nicht massstabsgetreu)<br />

A-4


Masterarbeit FS 2011<br />

A 2 Unterlagen Expertenbefragung<br />

A 2.1 Fragestellung<br />

Der komplette Fragebogen und Interviewablauf ist auf dem beigelegten Datenträger abgelegt.<br />

A 2.2 Abbildungen zur Expertenbefragung<br />

Aus Platzgründen werden hier alle Abbildungen aus dem Experteninterview in einer verkleinerten<br />

Grösse abgedruckt. Die Originalbilder in höherer Auflösung sind auf dem beigelegten Datenträger<br />

abgelegt.<br />

1A<br />

1B<br />

A-5


Masterarbeit FS 2011<br />

1C<br />

1D<br />

2A<br />

2B<br />

A-6


Masterarbeit FS 2011<br />

2C<br />

2D<br />

2E<br />

2F<br />

A-7


Masterarbeit FS 2011<br />

2G<br />

3A<br />

3B<br />

Akkumulation<br />

1<br />

10<br />

25<br />

Akkumulation<br />

0.139893 - 10.000000<br />

10.000001 - 20.000000<br />

20.000001 - 40.000000<br />

40.000001 - 60.000000<br />

60.000001 - 140.000000<br />

Ablation<br />

0.139893 - 10.000000<br />

10.000001 - 20.000000<br />

20.000001 - 40.000000<br />

40.000001 - 60.000000<br />

60.000001 - 140.000000<br />

50<br />

100<br />

Ablation<br />

1<br />

10<br />

25<br />

50<br />

100<br />

A-8


Masterarbeit FS 2011<br />

3C<br />

3D<br />

Akkumulation<br />

1<br />

10<br />

25<br />

50<br />

Akkumulation<br />

0.139893 - 10.000000<br />

10.000001 - 20.000000<br />

20.000001 - 40.000000<br />

40.000001 - 60.000000<br />

60.000001 - 140.000000<br />

Ablation<br />

0.139893 - 10.000000<br />

10.000001 - 20.000000<br />

20.000001 - 40.000000<br />

40.000001 - 60.000000<br />

60.000001 - 140.000000<br />

100<br />

Ablation<br />

1<br />

10<br />

25<br />

50<br />

100<br />

3E<br />

3F<br />

A-9


Masterarbeit FS 2011<br />

4A<br />

5A<br />

A-10


Masterarbeit FS 2011<br />

6A<br />

A-11


Masterarbeit FS 2011<br />

7A<br />

7B<br />

D<br />

7C<br />

7D<br />

Akkumulation<br />

1<br />

10<br />

25<br />

50<br />

100<br />

Ablation<br />

1<br />

10<br />

25<br />

50<br />

100<br />

Akkumulation<br />

0.139893 - 10.000000<br />

10.000001 - 20.000000<br />

20.000001 - 40.000000<br />

40.000001 - 60.000000<br />

60.000001 - 140.000000<br />

Ablation<br />

0.139893 - 10.000000<br />

10.000001 - 20.000000<br />

20.000001 - 40.000000<br />

40.000001 - 60.000000<br />

60.000001 - 140.000000<br />

A-12

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