Bericht, pdf - Institute of Cartography - ETH Zürich
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Rekonstruktion von<br />
Gletscher-Höhenmodellen<br />
<strong>Bericht</strong> zur Masterarbeit<br />
Autor<br />
Andreas Sidler<br />
Gschweighusweg 8<br />
CH-6403 Küssnacht<br />
asidler@student.ethz.ch<br />
Leitung<br />
Pr<strong>of</strong>. Dr. Lorenz Hurni<br />
Institut für Kartografie und<br />
Geoinformation<br />
<strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong><br />
Geomatik und Planung MSc<br />
Frühjahrssemester 2011<br />
Betreuung<br />
Samuel Wiesmann, IKG<br />
Dr. Andreas Bauder, VAW
Masterarbeit FS 2011<br />
Vorwort<br />
Die vorliegende Masterarbeit wurde während dem dritten Semester des Masterstudiengangs<br />
Geomatik und Planung am Institut für Kartografie und Geoinformation im Departement für<br />
Bau, Umwelt und Geomatik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule <strong>Zürich</strong> geschrieben.<br />
Das Thema „Rekonstruktion von Gletscher-Höhenmodellen“ bildet eine schöne Symbiose und<br />
zugleich Abschluss meines Studiums. Es beinhaltet einerseits die Thematik der Kartografie in<br />
gedruckter Form, die in der Schweiz seit vielen Jahrzehnten Tradition ist und anderseits werden<br />
computergestützte Prozesse aus dem GIS-Bereich in der Verarbeitung der Daten eingesetzt. Die<br />
Zeit, die zwischen der Entstehung dieser zwei Thematiken liegt, ist wiederum auch im Karteninhalt<br />
von früher und heute sichtbar. Dieser Inhalt der Karte, der einst war und heute nicht<br />
mehr ist, bildet den Schwerpunkt dieser Arbeit.<br />
Der interdisziplinäre Charakter dieser Masterarbeit mit Kartografie und Glaziologie hat einen<br />
besonderen Reiz auf mich ausgeübt. Zudem ist es interessant, dass die aus dieser Arbeit hervorgehenden<br />
Daten von der Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie der<br />
<strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong> für ihre Forschungen und Analysen weiterverwendet werden.<br />
Einen herzlichen Dank möchte ich meinem Betreuer Samuel Wiesmann vom Institut für Kartografie<br />
und Geoinformation aussprechen. Er hat mich stets mit seinen Hilfestellungen und<br />
Ideen tatkräftig unterstützt. Für Antworten im Bereich der Glaziologie möchte ich mich bei Dr.<br />
Andreas Bauder von der Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie bedanken.<br />
Danke sagen möchte ich auch den sieben Expertinnen und Experten, die an der Expertenbefragung<br />
teilgenommen haben und mir ihre Erfahrung und Wissen anvertrauten. Ein grosses Merci<br />
geht an Roland Schenkel, Autor einer Bachelorarbeit zu diesem Thema, für die gute Zusammenarbeit<br />
und den Austausch.<br />
Zum Schluss bedanke ich mich beim Institut für Kartografie und Geoinformation unter der Leitung<br />
von Pr<strong>of</strong>. Dr. Lorenz Hurni für das zur Verfügung stellen von einem Arbeitsplatz und allen<br />
Mitarbeitenden des Instituts, die mich während der Arbeit in irgendeiner Form unterstützten.<br />
I
Masterarbeit FS 2011<br />
Zusammenfassung<br />
Diese Masterarbeit befasst sich mit der Rekonstruktion von Gletscher-Höhenmodellen abgeleitet<br />
aus der Erstausgabe der Landeskarte 1:50'000. Die Arbeit wird in Zusammenarbeit mit der<br />
Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie der <strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong> (VAW) durchgeführt.<br />
Seit über vier Jahrzehnten werden Daten über die Gletscherveränderungen in den<br />
Schweizer Alpen von der Abteilung Glaziologie gesammelt und ausgewertet.<br />
Werden heutzutage Gletscher-DHMs erfasst, geschieht dies meist mittels Luftbildern oder Lidar<br />
aus dem Flugzeug. Wenn aber Gletscherstände von früheren Zeiten von Interesse sind,<br />
werden die Höheninformationen häufig aus alten Karten rekonstruiert.<br />
Ziel dieser Arbeit ist es, einen weiteren Gletscherstand zur Datensammlung der VAW hinzuzufügen,<br />
so dass die Daten für weitere Forschungszwecke zur Verfügung stehen. Der Fieschergletscher,<br />
der zweitlängste Gletscher der Alpen, inklusive Galmi- und Studergletscher<br />
werden digitalisiert und daraus ein Höhenmodell abgeleitet.<br />
Bis anhin wird die Erfassung der Höhenlinien bei der VAW manuell durch Punktabsetzung<br />
durchgeführt. Diese Arbeit zeigt ein Digitalisierungsverfahren auf, das eine Extraktion, Vektorisierung<br />
und Attribuierung der Höhenlinien mittels eines halbautomatischen Verfahrens ermöglicht.<br />
Zur Überprüfung und Kontrolle dieses neuen Verfahrens wird ein DHM des Glacier de Moiry als<br />
Testgebiet rekonstruiert. Dieser Gletscher eignet sich hierfür sehr gut, da er eine kleinere Fläche<br />
aufweist und die VAW bereits über ein DHM aus der Erstausgabe der Landeskarte 1:50'000 verfügt.<br />
Zeitgleich rekonstruiert Roland Schenkel in seiner Bachelorarbeit diesen Gletscher mit<br />
demselben Verfahren. Dies ermöglicht die beiden Verfahren unabhängig vom Operateur zu<br />
vergleichen und Genauigkeitsabschätzungen zu machen. Die Resultate dieser Vergleiche zeigen,<br />
dass das neue Verfahren durchaus für weitere Gletscher angewendet werden kann.<br />
Ein weiterer Teil dieser Arbeit widmet sich verschiedenen Visualisierungen im Gletschergebiet.<br />
Das rekonstruierte DHM aus der Landeskarte wird mit einem aktuellen DHM verglichen und die<br />
Höhenveränderungen ausgegeben. Diese Eisdickenab- und –zunahmen werden auf verschiedene<br />
Art und Weise präsentiert. Zudem wird ein interaktives Beispiel für einen Datenviewer basierend<br />
auf Web-Technologie entwickelt.<br />
Mit der Durchführung einer Expertenbefragung unter Experten aus den Fachgebieten Kartografie<br />
und Glaziologie werden die Visualisierungen evaluiert und Ableitungen genereller Aussagen<br />
zur Darstellung der Thematik Höhenveränderungen auf dem Gletschergebiet gemacht.<br />
II
Masterarbeit FS 2011<br />
Inhaltsverzeichnis<br />
1 Einleitung ..................................................................................................................................1<br />
1.1 Ausgangslage ............................................................................................................................................1<br />
1.2 Zielsetzung der Arbeit ............................................................................................................................1<br />
1.3 Aufbau der Arbeit .................................................................................................................................... 2<br />
2 Grundlagen, Methoden, Vorgehen ..................................................................................... 3<br />
2.1 Landeskarte der Schweiz ...................................................................................................................... 3<br />
2.1.1 Genauigkeit der neuen Landeskarten der Schweiz ........................................................ 4<br />
2.1.2 Zeichnungsgenauigkeit der Landeskarten ....................................................................... 6<br />
2.2 Digitale Höhenmodelle bei der VAW .............................................................................................. 6<br />
2.3 Verwendete Grundlagen und Methoden ....................................................................................... 7<br />
2.3.1 Geodaten-Grundlagen ............................................................................................................. 7<br />
2.3.2 Etappe 1: Testgebiet „Glacier de Moiry“ .............................................................................8<br />
2.3.3 Etappe 2: Studiengebiet „Fieschergletscher“ ...................................................................8<br />
2.3.4 Etappe 3: Visualisierung und Vergleiche des Studiengebietes ..................................8<br />
2.4 Vorgehen ................................................................................................................................................... 9<br />
2.4.1 Schritt 1: Bildbearbeitung und Farbseparierung ............................................................ 9<br />
2.4.2 Schritt 2: Vektorisierung von Rasterdaten zu Vektordaten ........................................ 9<br />
2.4.3 Schritt 3: Interpolation von Höhenmodellen .................................................................. 10<br />
2.4.4 Schritt 4: Visualisierungen und Vergleiche ..................................................................... 10<br />
2.5 Arbeitsmittel ........................................................................................................................................... 10<br />
3 Beschreibung der Aufbereitung der digitalen Grundlagen ........................................... 11<br />
3.1 Bildbearbeitung und Farbseparierung ........................................................................................... 11<br />
3.2 Vektorisierung von Rasterdaten zu Vektordaten ....................................................................... 12<br />
3.3 Attribuierung der Höhenlinien ......................................................................................................... 16<br />
3.3.1 Manuelles Attribuieren .......................................................................................................... 16<br />
3.3.2 Halbautomatisches Attribuieren mit Tool Contourline Attribution ...................... 17<br />
3.4 Interpolation ........................................................................................................................................... 18<br />
III
Masterarbeit FS 2011<br />
3.4.1 Unterschied zwischen Raster und TIN .............................................................................. 18<br />
3.4.2 Interpolationsmethoden ...................................................................................................... 20<br />
3.4.3 Interpolationswerkzeuge ..................................................................................................... 20<br />
3.4.4 Qualitätskontrolle .................................................................................................................... 21<br />
3.5 Visualisierung ......................................................................................................................................... 22<br />
3.5.1 Kartografie und Glaziologie ................................................................................................. 22<br />
3.5.2 Darstellungen von Veränderungen auf Gletschergebiet........................................... 23<br />
3.5.3 Farbe in vergleichenden Darstellungen .......................................................................... 24<br />
3.5.4 Farbe in der thematischen Kartografie ............................................................................ 25<br />
3.5.5 Begriffsdefinition 3D und 2.5D ........................................................................................... 26<br />
4 Testgebiet „Glacier de Moiry“ ............................................................................................ 27<br />
4.1 Glacier de Moiry ..................................................................................................................................... 27<br />
4.2 Von der Karte zum DHM .................................................................................................................... 28<br />
4.3 Vergleiche der Resultate vom Testgebiet .................................................................................... 29<br />
4.3.1 Legende der nachfolgenden Vergleiche .......................................................................... 30<br />
4.3.2 Vergleich DHM Schenkel (Linien) und DHM Sidler (Linien)...................................... 30<br />
4.3.3 Vergleich DHM VAW und DHM Sidler .............................................................................. 32<br />
4.3.4 Vergleich DHM VAW (Punktraster 25 m) und DHM Schenkel (Linien)................. 34<br />
4.3.5 Vergleich DHM Sidler (Linien) und DHM Sidler (Stützpunkte)................................. 35<br />
4.3.6 Vergleich der Raster aus Punkten zwischen Raster VAW und Raster Sidler....... 36<br />
4.3.7 Georeferenzierung der Kartengrundlage bei der VAW .............................................. 37<br />
4.3.8 Reklassifizierung der Differenzen ..................................................................................... 40<br />
4.3.9 Volumenberechnung der Differenzen ............................................................................. 42<br />
4.3.10 Qualitativer Konturlinien-Vergleich ................................................................................. 43<br />
4.3.11 Übersicht aller Vergleiche und Interpretation .............................................................. 44<br />
5 Studiengebiet „Fieschergletscher“.................................................................................... 45<br />
5.1 Fieschergletscher.................................................................................................................................. 45<br />
5.2 Erstellung der Gletscherumrandung ............................................................................................ 46<br />
5.2.1 Bestimmung der Fläche und Länge des Fieschergletschers .................................... 48<br />
5.3 Interpolation von Höhenmodellen ................................................................................................ 49<br />
IV
Masterarbeit FS 2011<br />
5.3.1 Verifizierung der Genauigkeit des DHM1927 ................................................................. 52<br />
5.4 Visualisierungen von Höhendifferenzen auf dem Fieschergletscher................................ 54<br />
5.4.1 Vergleiche verschiedener DHMs ........................................................................................ 54<br />
5.4.2 Zweidimensionale Darstellungen ..................................................................................... 54<br />
5.4.3 2D-Visualisierung mit Kreissymbolen.............................................................................. 58<br />
5.4.4 Dreidimensionale Darstellungen ....................................................................................... 61<br />
5.4.5 Gestaffelte Pr<strong>of</strong>ile ................................................................................................................... 63<br />
5.4.6 Interaktives Beispiel ............................................................................................................... 64<br />
6 Evaluierung der Visualisierungen ...................................................................................... 67<br />
6.1 Experteninterviews.............................................................................................................................. 67<br />
6.2 Interviewablauf, Befragungsinhalt und Fachexperten........................................................... 67<br />
6.3 Auswertung der Experteninterviews ............................................................................................ 68<br />
6.4 Resultate und Interpretation der Expertenbefragung ............................................................ 69<br />
6.4.1 Frageblock 1: Farbgebung und Farbschema .................................................................. 69<br />
6.4.2 Frageblock 2: Basiskarte und Thematik ........................................................................... 70<br />
6.4.3 Frageblock 3: Grössenproportionale Kreise..................................................................... 72<br />
6.4.4 Frageblock 4: Gestaffelte Pr<strong>of</strong>ile ......................................................................................... 73<br />
6.4.5 Frageblock 5: 2.5D-Visualisierungen ..................................................................................74<br />
6.4.6 Frageblock 6: Interaktives Beispiel .....................................................................................74<br />
6.4.7 Frageblock 7: Abschluss ........................................................................................................ 76<br />
6.4.8 Abschliessende Interpretation zu den Expertenbefragung ..................................... 78<br />
7 Ausblick und Fazit................................................................................................................. 79<br />
7.1 Ausblick .................................................................................................................................................... 79<br />
7.2 Fazit ........................................................................................................................................................... 79<br />
8 Literaturverzeichnis ............................................................................................................. 81<br />
Anhang .................................................................................................................................. A-1<br />
A 1 Karten ...................................................................................................................................................... A-1<br />
A 2<br />
Unterlagen Expertenbefragung .....................................................................................................A-5<br />
V
Masterarbeit FS 2011<br />
Tabellenverzeichnis<br />
Tabelle 1: Farbverwendung in den Landeskarten der Schweiz nach Knöpfli [1978] ............................ 4<br />
Tabelle 2:<br />
Tabelle 3:<br />
Transformationsparameter zwischen gescannter Karte von der VAW und der<br />
verwendeten georeferenzierten Karte der SWISSTOPO .............................................................. 38<br />
Unterschied zwischen den Differenzen vom nicht transformierten und vom<br />
transformierten Raster in [m] verglichen mit dem DHM Sidler (Linien) .......................... 38<br />
Tabelle 4: Kenngrössen der Differenzen aller angewendeten Transformationen in [m]............... 39<br />
Tabelle 5: Zusammenstellung einer Reklassifizierung eines Höhen-Differenzrasters ..................... 41<br />
Tabelle 6: Zusammenstellung aller Vergleiche der DHMs des Testgebiets „Glacier de Moiry“ ... 44<br />
Tabelle 7: Flächen-Differenz der Gletscherumrandung beim Fieschergletscher bei<br />
halbautomatischer und manueller Erstellung. Die Werte sind aus der Erstausgabe der<br />
LK50 mit Gletscherstand von 1927 abgeleitet. ............................................................................47<br />
Tabelle 8: Fläche und Länge des Fieschergletscher nach Quelle und Jahr ........................................... 49<br />
Tabelle 9:<br />
Tabelle 10:<br />
Mittelwerte und Standardabweichungen über 211 Koten in der Erstausgabe LK50,<br />
DHM1927 und DHM2008 im Gebiet des Fieschergletscher in [m]...................................... 53<br />
Vor- und Nachteile der Verwendung von GOOGLE EARTH und GOOGLE EARTH Plug-In für<br />
eine interaktive Applikation mit Einbindung eigener Daten. ............................................... 65<br />
Tabelle 11: Experten der Expertenbefragung ................................................................................................... 68<br />
VI
Masterarbeit FS 2011<br />
Abbildungsverzeichnis<br />
Abbildung 1: Umschreibung der Landeskarte 1:50’000 in einer Verfügung im Jahre 1936 ....... 4<br />
Abbildung 2:<br />
Höhenfehler der neuen Landeskarten 1: 50'000 im Blatt Rochers de Naye, mit<br />
zulässigem mittlerem Fehler und Durchschnittsfehler [Bertschmann, 1957] ...... 5<br />
Abbildung 3: Originalbild (links) und blauer Farbkanal extrahiert (rechts) ................................... 12<br />
Abbildung 4: Kanalberechnungen der Farbtöne Cyan, Magenta und Schwarz ........................... 12<br />
Abbildung 5: Verwendete Parameter in der Extension ARCSCAN für die Vektorisierung ........... 13<br />
Abbildung 6: ARCSCAN Vektorisierungsparameter INTERSECTION SOLUTION; Links: Median;<br />
Rechts: None .............................................................................................................................. 13<br />
Abbildung 7:<br />
Abbildung 8:<br />
Vektorisierung der braunen und schwarzen Höhenlinie. 1 Pixel entspricht 2.5 m<br />
in natura ...................................................................................................................................... 15<br />
Beispiel einer Vektorisierung; links: Blauer binärer Layer aufgrund des<br />
Koordinatengitters durchtrennte Vektoren (rot); rechts: manuell geschlossene<br />
und korrigierte Höhenlinie (grün) und gelöschte Vektoren bei<br />
Höhenlinienbeschriftung ...................................................................................................... 15<br />
Abbildung 9: Blaue Höhenlinien vektorisiert mit ARCSCAN und manueller Nachbearbeitung 16<br />
Abbildung 10:<br />
Abbildung 11:<br />
Zuordnung der Höhenlinien (rot) in Gletscherspalten ist häufig eine<br />
Schwierigkeit. Im Hintergrund Erstausgabe LK50. ....................................................... 17<br />
Gebiet des Fieschergletscher mit den Höhenlinien (rot) und den Hilfslinien<br />
(pink) zur halbautomatischen Attribuierung ................................................................. 18<br />
Abbildung 12: Kreiskriterium der Delaunay-Triangulation .................................................................... 19<br />
Abbildung 13:<br />
Abbildung 14:<br />
Gewöhnliche Triangulation und Delaunay-Triangulation [geoinformation.net,<br />
2003] ........................................................................................................................................... 19<br />
Vergleich zwischen den aus der Karte digitalisierten (rot) und aus dem DHM<br />
berechneten (grün) Höhenlinien im Bereich der Gletscherzunge des Glacier de<br />
Moiry ............................................................................................................................................. 22<br />
Abbildung 15: Darstellung der Höhenab- und zunahme mit der Verwendung von<br />
Differenzbändern aus Winter [2001] ................................................................................ 25<br />
Abbildung 16: Luftaufnahme des Glacier de Moiry [VAW, 2010a] ...................................................... 27<br />
Abbildung 17: Schritte von der Karte zur digitalen Höheninformation und Höhendifferenz .. 29<br />
Abbildung 18: Legende der Differenzen im Testgebiet Glacier de Moiry in [m] ........................... 30<br />
Abbildung 19:<br />
Unterschiedliche Technik der Vektorisierung von Schenkel (schwarz) und Sidler<br />
(rot)................................................................................................................................................ 31<br />
Abbildung 20: Differenzraster des Vergleichs DHM (Sidler) und DHM (Schenkel)........................ 32<br />
VII
Masterarbeit FS 2011<br />
Abbildung 21:<br />
Abbildung 22:<br />
Differenzraster des Vergleich DHM VAW (Punkraster 25 m) und DHM Sidler<br />
(Linien).......................................................................................................................................... 33<br />
Links: Histogramm des Differenzrasters des Vergleichs DHM VAW (Punktraster<br />
25m) und DHM Sidler (Linien); Rechts: Histogramm des Differenzrasters des<br />
Vergleichs DHM VAW (Stützpunkte) und DHM Sidler (Linien)............................... 34<br />
Abbildung 23: Differenzraster des DHM Sidler (Linien) und DHM VAW (Stützpunkte) ............. 34<br />
Abbildung 24:<br />
Abbildung 25:<br />
Abbildung 26:<br />
Abbildung 27:<br />
Abbildung 28:<br />
Vergleich des Differenzrasters des DHM VAW (Punktraster 25 m) und DHM<br />
Schenkel (Linien)....................................................................................................................... 35<br />
Vergleich des Differenzrasters des DHM Sidler (Linien) und DHM Sidler<br />
(Stützpunkte)............................................................................................................................ 36<br />
Vergleich des Differenzrasters des DHM VAW (Stützpunkte) und DHM Sidler<br />
(Stützpunkte)............................................................................................................................ 36<br />
Vektorisierte Stützpunkte der VAW (grüne Punkte) und Höhenlinien Sidler<br />
(rote Linien) ................................................................................................................................ 37<br />
Toolbox Georeferencing mit der Transformation Adjust, den Residuen und des<br />
RMSE; rechts im Bild ist ein Referenzpunkt zu erkennen .......................................... 40<br />
Abbildung 29: Verteilung der reklassifizierten Höhendifferenzen pro Klasse in [m] ................... 41<br />
Abbildung 30:<br />
Volumenberechnung aus dem Differenzraster zweier DHMs / Schrägansicht<br />
auf den Umriss des Glacier de Moiry von Südosten ............................................... 43<br />
Abbildung 31: Zwei Ausschnitte desselben qualitativen Konturlinienvergleichs mit<br />
berechneten Höhenlinien aus verschiedenen Interpolationen .............................. 43<br />
Abbildung 32: Luftaufnahme des Fieschergletschers in seinem Zungenbereich ......................... 46<br />
Abbildung 33: Halbautomatische Erstellung der Gletscherumrandung für den<br />
Fieschergletscher: (1) Blaue Höhenlinien; (2) 25 m-Buffer um jede Linie; (3)<br />
Zwischenflächen automatisch aufgefüllt; (4) manuelles Schliessen der Lücken<br />
und ausschneiden der Löcher; (5) Mit Dissolve wird ein fertiges Feature<br />
generiert; (6) Messlinie zur Längenbestimmung des Gletschers .......................... 48<br />
Abbildung 34:<br />
Abbildung 35:<br />
Abbildung 36:<br />
Abbildung 37:<br />
Ausschnitt eines Rasters generiert aus einem regelmässigen Punktraster. Die<br />
Werte sind die Höhen der Punkte resp. der Pixel in [m]. In der Mitte der<br />
Rasterzelle ist deren Höhe angegeben in [m]. .............................................................. 50<br />
Fieschergletscher Differenzraster der DHMs DHM1927 – DHM1927_VAW in [m].<br />
A = Finsteraarhorn; B = Gross Wannenhorn ................................................................... 51<br />
Links die steilsten Gebiete um den Fieschergletscher in [°]; rechts: die grössten<br />
Differenzen der Interpolation in [m] ................................................................................. 52<br />
Vergleich zwischen den digitalisierten (rot) und aus dem DHM berechneten<br />
(schwarz) Höhenlinien im Bereich südlich des Finsteraarhorns auf dem<br />
Fieschergletscher ..................................................................................................................... 54<br />
VIII
Masterarbeit FS 2011<br />
Abbildung 38: Visualisierung der Höhendifferenzen zwischen 1927 und 2008 im<br />
Farbspektrum von Rot nach Blau mit Hintergrund der Erstausgabe der LK50 .. 55<br />
Abbildung 39 Visualisierung der Höhendifferenzen zwischen 1927 und 2008 im<br />
Farbspektrum von Blau nach Rot mit Hintergrund der Erstausgabe der LK50 . 56<br />
Abbildung 40: Visualisierung der Höhendifferenzen zwischen 1927 und 2008 im<br />
Farbspektrum von Rot nach Grün mit Hintergrund der Erstausgabe der LK50 . 57<br />
Abbildung 41: Visualisierung der Höhendifferenzen zwischen 1927 und 2008 im<br />
Farbspektrum von Grün nach Rot mit Hintergrund der Erstausgabe der LK50 . 57<br />
Abbildung 42: Visualisierung der Höhendifferenzen zwischen 1927 und 2008 im<br />
Farbspektrum von Rot nach Blau mit Hintergrund eines Orth<strong>of</strong>otos .................. 58<br />
Abbildung 43: Gletschergebiet mit klassierten proportionalen Kreissymbolen, die die<br />
Höhenveränderungen zwischen 1927 und 2008 in [m] mit den Farben Rot und<br />
Blau darstellen ..........................................................................................................................60<br />
Abbildung 44: Gletschergebiet mit proportionalen Kreissymbolen, die die<br />
Höhenveränderungen zwischen 1927 und 2008 in [m] mit den Farben Rot und<br />
Blau darstellen ..........................................................................................................................60<br />
Abbildung 45:<br />
Abbildung 46:<br />
Abbildung 47:<br />
Abbildung 48:<br />
Abbildung 49:<br />
Ausschnitt der Höhendifferenzen mit proportionalen Kreissymbolen zwischen<br />
1927 und 2008 mit schattiertem Relief und Höhenlinien in [m]............................. 61<br />
3D-Visualisierung der Höhenveränderungen vom Fieschergletscher mit einem<br />
Orth<strong>of</strong>oto aus dem Jahre 2008 .......................................................................................... 62<br />
3D-Visualisierung der Höhenveränderungen vom Fieschergletscher mit der<br />
LK50 (Erstausgabe) ................................................................................................................. 62<br />
Visualisierung vom Zungenbereich des Fieschergletschers. Links: DHM1927 mit<br />
LK50 (Erstausgabe); Rechts: DHM2008 mit LK50 (Jahr 2005) ................................. 63<br />
Gestaffelte Pr<strong>of</strong>ile entlang der Gletscherfliesslinie. Die Zahlen neben den<br />
Pr<strong>of</strong>ilen entsprechen der maximalen Höhenabnahme im Pr<strong>of</strong>il. .......................... 64<br />
Abbildung 50: Abbildungen zum interaktiven Prototyp mittels Google Earth. Oben:<br />
Screenshot der wichtigsten Elemente der Webseite; Links: Prismen-Layer in 3D;<br />
Rechts: Informationen zu einem Feature. ...................................................................... 66<br />
IX
Masterarbeit FS 2011<br />
1 Einleitung<br />
1.1 Ausgangslage<br />
Die Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie der <strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong> (VAW) betreibt<br />
Forschung in den entsprechenden Fachgebieten. Seit über vier Jahrzehnten werden Daten über<br />
die Gletscherveränderungen (Glacier Monitoring) in den Schweizer Alpen von der Abteilung<br />
Glaziologie gesammelt, ausgewertet und veröffentlicht. Durch diese Studien konnte die weltweit<br />
grösste und umfangreichste Datenbank über Gletscher-Variationen zur Verwendung in<br />
wissenschaftlichen Studien öffentlich zugänglich gemacht werden [VAW, 2011].<br />
Liegen Höhendatensätze eines Gletschers in verschiedenen Zeitständen vor, ist es möglich, dynamische<br />
Analysen über die Veränderung des Gletschers zu machen sowie darüber Auskunft<br />
zu geben und anhand von Modellen Prognosen für künftige Jahrzehnte zu erstellen.<br />
Besonders interessant für die Forschung sind vollständige Höhendatensätze eines ganzen Gletschers.<br />
Diese Datensätze bestehen heutzutage in Form eines digitalen Höhenmodells (DHM).<br />
Üblicherweise werden diese Daten mittels Luftbildern oder Light detection and ranging (Lidar)<br />
aus dem Flugzeug akquiriert. Wenn aber Gletscherstände von früheren Zeiten von Interesse<br />
sind, werden die Höheninformationen häufig aus alten Karten rekonstruiert.<br />
Mit dieser Arbeit wird ein weiterer Gletscher zur Datensammlung der VAW hinzugefügt, so<br />
dass die Daten der VAW für weitere Forschungszwecke zur Verfügung stehen.<br />
Wurden Karten von der VAW bis heute manuell digitalisiert, soll diese Arbeit Methoden aufzeigen,<br />
die auf halb- und vollautomatischen Digitalisierungsverfahren basieren. So wird diese<br />
Masterarbeit in Zusammenarbeit mit der VAW und dem Institut für Kartografie und Geoinformation<br />
der <strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong> (IKG) durchgeführt.<br />
1.2 Zielsetzung der Arbeit<br />
Ziel dieser Masterarbeit ist es, den Fieschergletscher inklusive Galmi- und Studergletscher, basierend<br />
auf den gedruckten Erstausgaben der Landeskarten 1:50'000 der SWISSTOPO, zu digitalisieren<br />
und daraus ein Höhenmodell abzuleiten. Der Höhendatensatz beinhaltet das ganze hydrologische<br />
Einzugsgebiet obengenannter Gletscher. Der Fieschergletscher mit all seinen Nebengletscher<br />
weist heute eine Fläche von ca. 36.5 km 2 und eine Länge von ca. 15 km auf. Somit<br />
ist er der zweitlängste Gletscher in der Schweiz, respektive der Alpen. Der längste Gletscher ist<br />
der Grosse Aletschgletscher.<br />
In dieser Arbeit wird für die Herleitung der DHMs eine halbautomatische Vektorisierungsmethode<br />
angewendet. Das Tool, welches eine Erweiterung von ESRI ARCGIS ist, nennt sich<br />
ARCSCAN. Durch das Vektorisieren der Höhenlinien wird die Höheninformation des Gletschergebiets<br />
digitalisiert. Durch geeignete Interpolation kann eine kontinuierliche Oberfläche des<br />
Gebietes hergestellt werden. Die Vorgehensweisen und Resultate sind in diesem <strong>Bericht</strong> dokumentiert<br />
und abgefasst.<br />
1
Masterarbeit FS 2011<br />
In der ersten Phase der Arbeit wird zu Testzwecken ein kleinerer Gletscher, Glacier de Moiry, bearbeitet.<br />
Der Bearbeitungsprozess von der Karte zum DHM ist hier der gleiche wie in der zweiten<br />
Phase und bei beiden Gletschern gleich. Für den Glacier de Moiry stehen für Vergleiche bereits<br />
ein generiertes DHM der VAW zur Verfügung und dient als Verifizierung der Genauigkeit<br />
zur Erstellung des DHMs.<br />
In der zweiten Phase wird mit dem generierten Höhenmodell des Fieschergletschers ein Vergleich<br />
zu einem aktuellen Höhenmodell aus dem Jahre 2008 und zum DHM25 des Bundesamts<br />
für Landestopografie SWISSTOPO gemacht. Das rekonstruierte Höhenmodell, wie auch die Unterschiede<br />
zu einem neueren Höhenmodell, werden auf verschiedene Art und Weise in 2D und 3D<br />
visualisiert. Zudem werden vergleichende Analysen mit Mitteln aus der thematischen Kartografie<br />
durchgeführt, dargestellt und diskutiert. Eine Bewertung der Visualisierung wird anhand<br />
von Experteninterviews gewonnen.<br />
1.3 Aufbau der Arbeit<br />
Dieser <strong>Bericht</strong> ist in acht Kapitel unterteilt. Die ersten beiden Kapitel Einleitung und Grundlagen,<br />
Methoden, Vorgehen führen den Leser in die Thematik ein.<br />
Kapitel 2 beinhaltet die Beschreibung der verwendeten Datengrundlagen und der Verwendung<br />
von DHMs in der glaziologischen Forschung. Des Weiteren werden die angewendete Methode<br />
in Etappen und das Vorgehen von der Karte zum DHM beschrieben.<br />
Im Kapitel 3 wird die Aufbereitung der digitalen Grundlagen im Detail beschrieben. Es werden<br />
die Schritte Bildbearbeitung, Vektorisierung der Rasterdaten, Attribuierung und Interpolation<br />
und deren Qualitätskontrolle eingehend erläutert. Der Abschluss bildet ein Theorieblock zu den<br />
Visualisierungen, die in der Kartografie und Glaziologie, respektive Glazialkartografie Anwendung<br />
finden.<br />
Kapitel 4 beinhaltet die Resultate zum Testgebiet des Glacier de Moiry. Es werden Vergleiche<br />
zwischen verschiedenen DHMs aus diversen Interpolationen und Inputs aufgezeigt und dargestellt.<br />
Kapitel 5 zeigt im Hauptteil Visualisierungen des Studiengebiets Fieschergletschers und seinen<br />
Nebengletscher auf verschiedene Art und Weise. Zudem wird die Erstellung der Darstellungen,<br />
wie aber auch die Entwicklung des interaktiven Datenviewers beschrieben.<br />
Im Kapitel 6 wird geschildert, wie die Durchführung der Evaluierung der Visualisierungen durch<br />
ein Experteninterview erfolgt. Zudem sind die Resultate und Interpretationen der Befragung<br />
ausführlich zusammengefasst.<br />
Das Kapitel 7 rundet mit einem Fazit die Arbeit ab. Der Ausblick weist dabei auf weiterführende<br />
Arbeiten zur Thematik hin.<br />
Kapitel 8 zeigt die verwendete Literatur zum Kontext dieser Arbeit.<br />
Im Anhang sind die Landeskartenausschnitte der Erstausgabe 1:50'000 der Gebiete Glacier de<br />
Moiry und Fieschergletscher abgebildet. Weiter sind die 24 verschiedenen Darstellungen, die<br />
für die Befragung der Experten verwendet werden, abgedruckt.<br />
2
Masterarbeit FS 2011<br />
2 Grundlagen, Methoden, Vorgehen<br />
2.1 Landeskarte der Schweiz<br />
Für die Rekonstruktion von Gletscher-Höhenmodellen dient für diese Arbeit die Erstausgabe der<br />
gedruckten Landeskarte der Schweiz im Massstab 1:50’000. Die Schweizerische Landesvermessung<br />
verwendet seit ihrer Einführung im Jahre 1903 die Schweizerische Kartenprojektion SWISS<br />
GRID. Es handelt sich dabei um eine schiefachsige, winkeltreue Zylinderprojektion [swisstopo,<br />
2010a].<br />
Das Parlament erliess im Jahre 1935 nach langen öffentlichen Diskussionen das Gesetz zur Erstellung<br />
neuer Landeskarten der Schweiz in den Massstäben 1:25’000, 1: 50’000, 1: 100’000,<br />
1:200’000, 1:500’000 und 1:1’000’000. Das Ziel war es, kleinmassstäbliche Karten aus grossmassstäblichen<br />
abzuleiten. Aufgrund des absehbaren Zweiten Weltkriegs konzentrierte man<br />
sich auf den Massstab 1:50’000, der schneller realisierbar war. Diese sogenannte Armeekarte<br />
wurde vom Militär gefordert, was deren Herstellung zusätzlich beschleunigte. Die Karten wiesen<br />
eine hohe Inhaltsdichte auf, um das Fehlen des Massstabs 1:25’000 zu kompensieren<br />
[Oberholzer et al., 1995].<br />
Die ersten Blätter erschienen im Jahre 1938 und bilden vor allem das Berner Oberland ab, genauer<br />
die Blätter Wildstrubel, Interlaken, Sustenpass-Westblatt und Jungfrau-Ostblatt. Bis die<br />
ganze Schweiz im Massstab 1:50’000 in der neuen Landeskarte abgedeckt wurde, dauerte es<br />
bis 1963. Von 1939 bis 1947, während der Kriegszeit, wurde die Publikation neuer Landeskartenblätter<br />
eingestellt [Götsch, 2003]. Die neuen Landeskarten haben damit die Dufour- und Siegfriedkarten<br />
abgelöst.<br />
Gegenüber der Siegfriedkarte wies die neue Landeskarte folgende Neuerungen auf:<br />
- veränderte Legende<br />
- Höhenbezugspunkt Pierre du Niton wurde um 3.26 m tiefer definiert<br />
- Äquidistanz von 20 m statt 30 m<br />
- Druck in acht Farben gegenüber drei Farben in der Siegfriedkarte<br />
- Die neue Projektion ist eine schiefachsige, winkeltreue Zylinderprojektion statt einer<br />
flächentreuen unechten Kegelprojektion sowie Verwendung des Ellipsoid Bessel<br />
1841 statt des Ellipsoid Schmidt 1828 [Oehrli & Rickenbacher, 2002].<br />
Bei der Erstellung der älteren Karten wurde das Gelände mit dem Messtischaufnahmeverfahren<br />
punktweise vermessen. Die neuen Landeskarten wurden das erste Mal mittels Stereophotogrammetrie<br />
aufgenommen. So wurde es auch möglich, in ganz unzugänglichem Gelände<br />
Höhenschichtlinien zu bestimmen und Geländeformen detailliert darzustellen. In früheren Karten<br />
wurde der Karteninhalt in Kupfer oder polierten Stein gestochen. Für die neue Landeskarte<br />
gravierten die Kartografen eine dünne Schicht fotografisch bearbeitete Glasplatten. Für alle<br />
acht in der Karte vorkommenden Farben wurde ein Original graviert. Diese Bilder wurden dann<br />
photochemisch auf Druckplatten übertragen und im Offsetdruck nacheinander Farbe auf Farbe<br />
3
Masterarbeit FS 2011<br />
übereinander gedruckt [Knöpfli, 1978]. Tabelle 1 zeigt die acht in der Landeskarte verwendeten<br />
Farben.<br />
Farbe<br />
Schwarz<br />
Verwendung<br />
Verkehrswege<br />
Gebäude<br />
Fels<br />
Braun<br />
Dunkelgrün<br />
Höhenschichtlinien in erdiger Geländeoberfläche<br />
Waldränder<br />
Einzelbäume<br />
Hellgrün<br />
Dunkelblau<br />
Waldflächen<br />
Bäche<br />
Flüsse<br />
Uferlinien<br />
Hellblau<br />
Graublau und Gelb<br />
Seeflächen<br />
Geländemodellierung<br />
Tabelle 1: Farbverwendung in den Landeskarten der Schweiz nach Knöpfli [1978]<br />
In der Verfügung 510.621 des Eidgenössischen Militärdepartements betreffend Ausführungsplan<br />
für die Erstellung neuer Landeskarten vom 9. Dezember 1936 steht unter Artikel 29 zur<br />
Landeskarte 1: 50’000 geschrieben [EMD, 1936]:<br />
Abbildung 1: Umschreibung der Landeskarte 1:50’000 in einer Verfügung im Jahre 1936<br />
2.1.1 Genauigkeit der neuen Landeskarten der Schweiz<br />
In Bertschmann [1957] wurde die Genauigkeit der neuen Landeskarten der Schweiz empirisch<br />
untersucht. Ausgewählte Blätter wurden überprüft und dazu Messungen im Felde durchgeführt<br />
und mit den Angaben aus der Karte abgeglichen.<br />
Die von Bertschmann [1957] festgestellten Ungenauigkeiten können Ursprungs vieler Quellen<br />
sein. So sind zur Erstellung mehrere Aufnahmeverfahren und auch Operateure eingesetzt wor-<br />
4
Masterarbeit FS 2011<br />
den. Die Karten sind wie Mosaikteile von verschiedenen Feldaufnahmen, die zuerst auf einem<br />
Kartenblatt zusammengesetzt werden mussten. Aber auch die Massstabsreduktion hat ihren<br />
Einfluss, welche Generalisierungen und Genauigkeitsverluste nach sich zieht. Jedoch wurden in<br />
der Reproduktion von der Landestopografie neue Verfahren entwickelt, um die Fehlerquellen in<br />
der Vervielfältigung weitgehend herabzusetzen.<br />
Eines der untersuchten Gebiete im Massstab 1: 50’000 ist Rochers de Naye. Es umfasst eine Fläche<br />
von 85 km2 in den Waadtländeralpen mit stark bewegter Topographie und Höhenunterschieden<br />
bis zu 1400 m. Es wurden in dieser empirischen Untersuchung 330 Geländepunkte<br />
überprüft. Das Resultat ist in Abbildung 2 ersichtlich.<br />
Aufgrund theoretischer und praktischer Erwägungen hat Bertschmann [1957] die Toleranzformeln<br />
für die Karte 1: 50’000 mit zulässigem mittlerem Höhenfehler einer Horizontalkurve, respektive<br />
zulässigem mittlerem Lagefehler einer Horizontalkurve, aufgestellt:<br />
Höhe: mH = ± [1,5 + 10 tan α] Meter<br />
Lage: m L = ± [10 + 1,5 cot α] Meter<br />
Abbildung 2:<br />
Höhenfehler der neuen Landeskarten 1: 50'000 im Blatt Rochers de Naye, mit zulässigem<br />
mittlerem Fehler und Durchschnittsfehler [Bertschmann, 1957]<br />
Werden diese Formeln auf das Gebiet Glacier de Moiry angewendet, sieht es wie folgt aus. Wird<br />
überschlagsmässig das Durchschnittsgefälle des Gletschers berechnet, ergibt dies bei einer<br />
Gletscherlänge von rund 6’000 m und einem Höhenunterschied von ca. 1’400 m ein Durchschnittsgefälle<br />
von 13°. In einem Analogieschluss gemäss diesem Diagramm resultiert ein mittlerer<br />
Höhenfehler von ca. ±3.8 m. Für die Lage ergibt sich ein zulässiger mittlerer Lagefehler<br />
5
Masterarbeit FS 2011<br />
gemäss obenstehender Formel von ca. ±16.5 m für eine Horizontalkurve. Wie in Abbildung 2<br />
sichtbar ist, wurden die Toleranzen beim Blatt Rochers de Naye durchschnittlich eingehalten<br />
(gestrichelte Linien). Für diese Arbeit ist zusätzlich zu beachten, dass die Genauigkeit auf dem<br />
Gletscher oder in den Bergen allgemein als schlechter zu erwarten ist als im Untersuchungsgebiet<br />
Rocher de Naye.<br />
Als Randbemerkung: Gemäss DIN ISO 3534-1 Statistik wird der Begriff mittlerer Fehler in der<br />
mathematischen Statistik beziehungsweise Geodäsie nicht mehr verwendet. Der Begriff mittlerer<br />
Fehler wird durch Standardabweichung ersetzt [Ingensand, 2006].<br />
2.1.2 Zeichnungsgenauigkeit der Landeskarten<br />
Die Punkte und Linien von der Landeskarte 1:50’000 liegen innerhalb eines Toleranzbandes von<br />
5–15 m in natura. Diese Genauigkeit ergibt sich aus der Zeichengenauigkeit der LK50, respektive<br />
der kartografischen Bearbeitungsgenauigkeit, welche zwischen 0,1 und 0,3 mm liegt. Grössere<br />
Abweichungen in der Lage ergeben sich ansonsten nur durch Verdrängung oder Generalisierung<br />
[swisstopo, 2010b]. Weitere Hintergrundinformationen zu den Landeskartenwerken der<br />
Schweiz sind unter swisstopo [2010c] abrufbar.<br />
2.2 Digitale Höhenmodelle bei der VAW<br />
Digitale Höhenmodelle werden in verschiedenen Anwendungen bei der VAW verwendet.<br />
Es können aufgrund der Kenntnis der Oberfläche und des Gletscherbettes Volumen berechnet<br />
werden. Sind mehrere DHMs eines Gletschers vorhanden, können zwischen verschiedenen<br />
Zeitständen Volumenunterschiede festgestellt werden. In Huss et al. [2010a] wird eine Anwendung<br />
gezeigt, wie Volumenänderungen zeitlich in Einzeljahresschritte aufgelöst werden. Dies<br />
wird mit der Massenbilanz ausgedrückt. Die Massenbilanz ist gleich dem Produkt von Volumen<br />
und Dichte.<br />
Nebst dem, dass mit mehreren Höhenmodellen die Vergangenheit eines Gletschers abgebildet<br />
werden kann, werden in Huss et al. [2010b] Resultate beschrieben, wie aus DHMs Prognosen<br />
bezüglich dem Gletscherverhalten für die Zukunft abgeleitet werden. Hierfür werden nebst Volumenänderungen<br />
auch monatliche Wasserabflüsse und lokale Klimaszenarien verwendet. So<br />
können Gletscherrückzüge parametrisiert und Gletscherfliessmodelle aus vergangenen Jahrzehnten<br />
aufgestellt und für bevorstehende Dekaden abgeschätzt werden. Die rekonstruierten<br />
oder neu aufgenommenen DHMs werden so auch als Kalibrierungsdaten verwendet, um entsprechende<br />
Modelle abzubilden, respektive anzupassen und auch Modelle zu validieren. Als<br />
weitere Literatur zu Gletscherentwicklungs- und Abflussmodellen wird auf Huss et al. [2008]<br />
verwiesen.<br />
In Huss et al. [2010a] sind 30 Gletscher in der Schweiz untersucht worden und deren Massenänderungen<br />
aufgrund von Auswertungen verschiedener DHMs zu verschiedenen Zeitständen<br />
aufgeführt. Der erste Stand für die untersuchten DHMs basiert meist auf der Erstausgabe der<br />
Landeskarte. So liegen z.B. für den Allalingletscher im Wallis über neun Höhenmodelle seit ca.<br />
1930 für Volumenuntersuchungen vor.<br />
6
Masterarbeit FS 2011<br />
2.3 Verwendete Grundlagen und Methoden<br />
Die Arbeit wird in ein drei Etappen eingeteilt. In der ersten Etappe werden mit einem kleineren<br />
Gletschergebiet, Glacier de Moiry, Erfahrungen erlangt und verschiedene Techniken getestet. In<br />
der zweiten Etappe wird das Hauptstudiengebiet Fieschergletscher, welches ca. eine sechsmal<br />
grössere Fläche aufweist, ins Auge gefasst. Die gemachten Erkenntnisse aus der ersten Etappe<br />
sollen dabei einfliessen und gewisse Schritte effizienter ausführen lassen. In der dritten Etappe<br />
werden aus den gewonnenen Daten der zweiten Etappe, Visualisierungen für Höhen- und<br />
Oberflächenveränderungen in Gletschergebieten hergestellt und diskutiert, respektive mit einem<br />
Experteninterview bewertet.<br />
2.3.1 Geodaten-Grundlagen<br />
Für die beiden ersten Etappen werden Karten von zwei verschiedenen Gletschergebieten verwendet.<br />
Bei den Karten handelt es sich um die gedruckte Erstausgabe der Landeskarte der<br />
Schweiz im Massstab 1:50'000. Herausgeber ist das Bundesamt für Landestopographie (heute<br />
SWISSTOPO). Die gedruckten Karten wurden von der SWISSTOPO gescannt und für diese Arbeit digital<br />
zur Verfügung gestellt. Beide Ausschnitte stehen einmal mit und einmal ohne Relief zur<br />
Verfügung. Die Bilddateien liegen im Format TIFF vor und sind mit einem Worldfile georeferenziert.<br />
Ein Pixel bildet eine Fläche von 2.5 x 2.5 m in natura ab. Beide Bilder haben eine Farbtiefe<br />
von 8 Bit.<br />
Für die erste Phase der Arbeit wird ein kleinerer Gletscher namens Glacier de Moiry bearbeitet.<br />
Das verwendete Kartenblatt trägt die Bezeichnung LK50 Blatt 283 und wurde 1946 herausgeben.<br />
Der Gletscherstand auf der Karte stammt aus dem Jahre 1932 [Mercanton, 1958]. Der Kartenausschnitt<br />
hat die Eckkoordinaten Top Left 808'000 / 109'000 und Bottom Right 615'000 /<br />
99'000.<br />
In der zweiten Etappe liegt der Fokus auf dem Fieschergletscher mit seinen Nebengletscher<br />
Studer- und Galmigletscher. Es handelt sich dabei um LK50 Blatt 264 und 265, welche in den<br />
Jahren 1939, respektive 1947 herausgegeben wurden. Der Fieschergletscher befindet sich grössten<br />
Teils auf dem Jungfrau-Ostblatt (Nr. 264) und der östliche Teil des Gletschers auf dem Blatt<br />
265 Nufenenpass Westblatt. Der Gletscherstand stammt aus dem Jahre 1927 [Mercanton, 1958].<br />
Der Kartenausschnitt hat die Eckkoordinaten Top Left 647'000 / 157'000 und Bottom Right<br />
658'000 / 143'000.<br />
Für beide Gletscher steht nebst der Erstausgabe der Landeskarte auch einen Ausschnitt der Pixelkarte<br />
PK50 zur Verfügung. Die Pixelkarte des Glacier de Moiry wurde im Jahr 2001 und die<br />
die des Fieschergletschers 2005 nachgeführt. Die Karten weisen ebenfalls eine Pixelgrösse in<br />
natura von 2.5 m x 2.5 m vor und haben eine Farbtiefe von 8 Bit. Auch hier liegen die Karten mit<br />
und ohne Relief im Hintergrund vor.<br />
Für Visualisierungszwecke liegt ein Orth<strong>of</strong>oto des Fieschergletschers aus den Jahren 2008 und<br />
2009 vor [swisstopo, 2011]. Es stammt aus dem Orth<strong>of</strong>otomosaik SWISSIMAGE der SWISSTOPO.<br />
Es hat eine Bodenauflösung von 0.5 x 0.5 m pro Pixel.<br />
Für Vergleichszwecke liegt für das Gebiet des Fieschergletschers das DHM25 vor. Dieses Höhenmodell<br />
wurde von der SWISSTOPO zwischen 1984 und 1996 durch Digitalisierung der Höheninformation<br />
aus der Landeskarte 1:25’000 (LK25) und 1:50'000 (LK50) abgeleitet [swisstopo,<br />
7
Masterarbeit FS 2011<br />
2005]. Zudem liegt ein DHM vom Jahr 2008 vor, welches photogrammetrisch ausgewertet<br />
wurde.<br />
Die Landeskartenausschnitte der Erstausgabe der Gebiete Glacier de Moiry und Fieschergletscher<br />
sind im Anhang abgebildet.<br />
2.3.2 Etappe 1: Testgebiet „Glacier de Moiry“<br />
Der Gletscher Glacier de Moiry bedeckt eine Fläche von rund 5 km 2 . Das aus der Karte abgeleitete<br />
Höhenmodell soll jedoch das ganze hydrologische Einzugsgebiet des Gletschers umfassen.<br />
Gleichzeitig wird dasselbe Gebiet in der Bachelorarbeit von Roland Schenkel [2011] bearbeitet.<br />
Die zwei unabhängig erstellten DHMs werden anschliessend miteinander verglichen. Aus diesem<br />
Vergleich soll die Erkenntnis gewonnen werden, ob die gleichen Resultate erzielt werden,<br />
wenn zwei verschiedene Operateure dieselben Daten bearbeiten. Anschliessend werden die<br />
gewonnen DHMs mit einem bereits bestehenden Modell, welches manuell von der VAW digitalisiert<br />
wurde, auf Konsistenz und Genauigkeit verglichen.<br />
In der ersten Etappe soll ein optimales Verfahren zur Farbseparierung, Attribuierung der Höhenlinien<br />
und eine gute Technik zur Interpolation von DHMs aus Höhenlinie gewonnen werden.<br />
Die Lernprozesse die in der ersten Etappe durchschritten werden, sollen dann in Etappe 2<br />
direkt angewendet werden können.<br />
2.3.3 Etappe 2: Studiengebiet „Fieschergletscher“<br />
In der zweiten Etappe wird das Studiengebiet Fieschergletscher mit seinen Nebengletscher<br />
Studer- und Galmigletscher bearbeitet. Diese Etappe stellt die Hauptaufgabe der Arbeit dar.<br />
Hauptprodukt der zweiten Etappe ist ein DHM des Gebietes. Wiederum werden die Höhenlinien<br />
für das ganze Einzugsgebiet digitalisiert. Da für Massenbilanzen und Analysen des Verhaltens<br />
von Gletscher nebst DHMs auch Wasserabflussmessungen durchgeführt werden, ist es<br />
wichtig bei der Erfassung von digitalen Höhenmodellen aus topografischen Karten, dass jeweils<br />
das ganze hydrologische Einzugsgebiet digitalisiert wird. Denn häufig wird der Abfluss<br />
weit unterhalb der heutigen Gletscherzunge gemessen. Das DHM vom Fieschergletscher vom<br />
Stand der Erstausgabe der Landeskarte (Gletscherstand Jahr 1927) ist von grossem Interesse,<br />
denn dieser ist nach dem Grossen Aletschgletscher der zweitlängste Gletscher der Schweiz, respektive<br />
der Alpen.<br />
2.3.4 Etappe 3: Visualisierung und Vergleiche des Studiengebietes<br />
In dieser Etappe werden die Resultate aus der vorangegangenen Etappe visualisiert und dargestellt.<br />
Mit GIS-S<strong>of</strong>tware werden Vergleiche zwischen dem erstellten DHM, dem DHM25 und einem<br />
DHM aus dem Jahre 2008, welches mittels Autokorrelation photogrammetrisch ausgewertet<br />
wurde, erarbeitet. Dies erlaubt den direkten Oberflächen-Vergleich des rekonstruierten<br />
DHMs aus den Jahren 1927 und dem Stand von heute, respektive vom Jahr 2008. Die Differenzen<br />
der DHMs werden mit Techniken der thematischen Kartografie in 2D und 3D visualisiert.<br />
Zudem wird ein Prototyp für eine interaktive Anwendung und Datenpräsentation hergestellt.<br />
In einem weiteren Schritt werden Experteninterviews mit verschiedenen Fachleuten aus der<br />
Kartografie, Geoinformatik, Computer Visualisierung und Glaziologie durchgeführt. Es geht in<br />
8
Masterarbeit FS 2011<br />
diesen Interviews darum, eine Bewertung der vorgestellten Visualisierungen durchzuführen<br />
und die Vor- und Nachteile gewisser Darstellungen zu evaluieren und diskutieren.<br />
2.4 Vorgehen<br />
Das Ziel der Arbeit ist es, von einer gedruckten, respektive gescannten Karte mit Höhenlinien<br />
ein digitales Höhenmodell abzuleiten und zu visualisieren. Das Verfahren besteht aus vier<br />
Schritten.<br />
2.4.1 Schritt 1: Bildbearbeitung und Farbseparierung<br />
Der erste Schritt umfasst die Farbseparierung in einem Bildbearbeitungsprogramm. Die Landeskarte<br />
wurde mit acht Farben übereinander gedruckt. Durch das Einscannen und einer Farbtiefe<br />
von 8 Bit liegen in der digitalen TIFF-Datei 256 Farben vor. Für ein Gletscherhöhenmodell<br />
ist vor allem die Farbe Blau im Bild von Interesse, da die Höhenlinien auf Eismassen blau gezeichnet<br />
sind. Weiter sind aber auch die Farben Braun und Schwarz von Interesse. Die Höhenlinien<br />
werden generell braun und im Geröll schwarz gezeichnet. Es werden nebst den Höhenlinien<br />
auf dem Gletscher, auch die in seiner Umgebung, respektive die im ganzen hydrologischen<br />
Einzugsgebiet, digitalisiert. Höhenlinien über das Gebiet des Gletschers hinaus versprechen<br />
auch ein besseres Ergebnis in der Interpolation, da häufig an Rändern bei Interpolationen Fehler<br />
oder keine sinnvollen Ergebnisse resultieren. Zudem liegen die fixen Partien eines Gebietes<br />
häufig ausserhalb des Gletschergebiets. Mittels Referenzpunkte, welche über all die Jahre fix<br />
waren, können Vergleiche mit den aktuellen Ständen gemacht und quantitative Abschätzungen<br />
zur Genauigkeit gemacht werden.<br />
Ziel des Separierens ist das Auftrennen der drei gewünschten Farben. Aus dem Originalbild<br />
werden somit drei Bilder generiert: eines beinhaltet den Blau-, eines den Braun- und eines den<br />
Schwarz-Anteil.<br />
Die Farbsegmentierung ist ein wichtiger Bestandteil in der Kartografie, respektive in den Geoinformationswissenschaften,<br />
so sind historische Karten die einzigen zusammenhängenden Informationsquellen,<br />
bevor mit der Photogrammetrie flächendeckend Daten erfasst werden<br />
konnten. In Leyk & Boesch [2010] wird ein neuer Ansatz für Color Image Segmentation (CIS)<br />
vorgestellt, wo aus gescannten topografischen Karten aus dem 19. Jahrhundert gleichfarbige<br />
und zusammengehörige Information detektiert wird. Besonders bei älteren und von Hand hergestellten<br />
Karten können Inhomogenitäten in der Farbe, Strichstärke und so weiter auftreten,<br />
die Schwierigkeiten bei der Separierungen bereiten. In den Blättern der LK50, die in dieser Arbeit<br />
verwendet werden, können jedoch keine grosse Inhomogenitäten erkennt werden.<br />
2.4.2 Schritt 2: Vektorisierung von Rasterdaten zu Vektordaten<br />
Für die Weiterverarbeitung der Bilder mit einem GIS werden die Bilder in Binärbilder umgewandelt.<br />
Die Höhenlinien stellen die Information dar und der Rest des Bildes enthält somit keine<br />
Information mehr. Da die Bilder aus dem Bildbearbeitungsprogramm Rasterdateien sind,<br />
müssen die Rasterzellen von Rasterinformationen mit einem GIS in Vektoren umgewandelt<br />
werden, so dass die Höhenlinien als Linienelemente mit einer Höhe attribuiert werden können.<br />
9
Masterarbeit FS 2011<br />
2.4.3 Schritt 3: Interpolation von Höhenmodellen<br />
Nachdem dass die Höhenlinien in Schritt 2 vektorisiert und attribuiert sind, ist es möglich, mit<br />
geeigneten GIS-Werkzeugen ein DHM zu berechnen. Ein GIS-S<strong>of</strong>twarepaket unterstützt dabei<br />
verschiedene Interpolationsmethoden. Es werden in diesem Schritt die optimale Berechnung<br />
ermittelt und weitere Produkte für Vergleichszwecke mit anderen Zeitständen abgeleitet.<br />
2.4.4 Schritt 4: Visualisierungen und Vergleiche<br />
Die hergeleiteten DHMs und Produkte aus Schritt 3 werden in 2D und 3D mit GIS-S<strong>of</strong>tware visualisiert.<br />
Zudem werden Vergleiche mit dem generierten Gletscherhöhenmodell aus dem Jahr<br />
1927 und einem Gletscherhöhenmodell aus einem aktuellen Zeitstand (Jahr 2008) angestellt.<br />
Die Höhendifferenzen werden auf verschiedene Art und Weise visualisiert. Es wird versucht<br />
somit „Gleiches verschiedenartig darzustellen“. Um eine Alternative zu den gedruckten Abbildungen<br />
zu erhalten, wird ein Prototyp für ein interaktives Beispiel entwickelt. Eine Sammlung<br />
der verschiedenen Produkte wird mittels einer Expertenbefragung bewertet und die wichtigsten<br />
Erkenntnisse daraus abgeleitet<br />
2.5 Arbeitsmittel<br />
Unter dem Kapitel Arbeitsmittel wird die für die Arbeit eingesetzte S<strong>of</strong>tware erläutert.<br />
Für die Bildbearbeitung wird die S<strong>of</strong>tware ADOBE PHOTOSHOP CS3 eingesetzt. Dieses Programm<br />
verfügt über Funktionen, die geeignet sind, die gewünschten Höhenlinien der Farbe entsprechend<br />
zu separieren und vom unwichtigen Bildinhalt zu trennen.<br />
Liegen im Bild nur noch die gewünschten Linien vor, wird es in die GIS-S<strong>of</strong>tware ESRI ARCGIS 10<br />
importiert und weiterbearbeitet. ESRI ARCGIS 10 wird benötigt, um aus dem Rasterbild Vektorenobjekte<br />
zu generieren. Bestehen die Linien als Objekte, können sie mit ihrer jeweiligen Höheninformation<br />
attribuiert werden. Anschliessend ist es möglich mittels zur Verfügung stehenden<br />
Tools ein DHM, respektive ein Raster, zu generieren, das für weitere Analysen verwendet<br />
werden kann. Zudem wird die S<strong>of</strong>tware für Vergleiche zwischen verschiedenen Zeitständen<br />
eingesetzt. Mit ESRI ARCSCENE 10 werden die Daten in 3D, respektive 2.5D, visualisiert und auch<br />
analysiert. Dabei kann ein realitätsnaher Eindruck der Daten gewonnen und Zusammenhänge<br />
entdeckt werden, die in einer zweidimensionalen Abbildung vielleicht untergehen.<br />
Der Prototyp für das interaktive Beispiel basiert auf der Technik von GOOGLE EARTH API und KML.<br />
ADOBE PHOTOSHOP wie auch ESRI ArcGIS sind S<strong>of</strong>twarepakete, die in der Lehre im Studiengang<br />
Geomatik und Planung im Bachelor-, wie auch im Masterstudium an der <strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong> gelehrt<br />
und gelernt werden.<br />
10
Masterarbeit FS 2011<br />
3 Beschreibung der Aufbereitung der digitalen Grundlagen<br />
3.1 Bildbearbeitung und Farbseparierung<br />
Die Farbseparierung wird mit dem Bildbearbeitungsprogramm Adobe Photoshop CS3 gemacht.<br />
Da bereits Forschungen am IKG auf diesem Gebiet betrieben wurden, ist bereits Know-how bekannt,<br />
welches in dieser Arbeit angewendet werden kann.<br />
In Photoshop bestehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, um Farbseparierungen vorzunehmen.<br />
Es wird hier die Technik erläutert, mit welcher die besten Resultate für nachfolgende<br />
Vektorisierung erreicht werden.<br />
Als Input dient die gescannte topografische Karte ohne Relief in insgesamt 256 Farben im TIFF-<br />
Format. Der Output mit den Höhenlinien sind drei TIFFs, in denen je nach Farbinhalt die Farben<br />
Blau, Braun und Schwarz enthalten sind.<br />
Als erstes wird in Photoshop der Farbraum des Bildes von RGB auf CMYK umgestellt. Anschliessend<br />
wird unter dem Reiter IMAGE die Funktion CALCULATIONS angewendet. Mit dieser Funktion<br />
können Kanalberechnungen vorgenommen werden. Um die blauen Höhenlinien aus dem Bild<br />
zu extrahieren wird unter CHANNEL 1 YELLOW und im CHANNEL 2 MAGENTA gewählt. Magenta wird<br />
auf INVERT gesetzt. Die beiden Kanäle werden mittels der Füllmethode ADD addiert. Das entstandene<br />
Resultat kann nun weiterbearbeitet werden, um die erhaltenen Linien stärker hervorzuheben.<br />
Das Hervorheben der Linien ist möglich, indem unter dem Reiter SELECT die Funktion COLOR<br />
RANGE gewählt wird. Hier werden nun nacheinander die Mitteltöne und die Tiefen (MIDTONES<br />
und SHADOWS) ausgewählt und unter EDIT mit FILL schwarz gefüllt. Dies wird bei allen Farbkanälen<br />
dreimal gemacht. Diese Vorgehensweise hat den Nebeneffekt, dass sich die Linien etwas<br />
verdicken, da Pixel mit schwarzer Farbe aufgefüllt werden. Durch die Kanalberechnungen gibt<br />
es unerwünschte Bildinformation, die aus wenigen Pixeln bestehen. Mit einem Median-Filter<br />
können noch diese restlichen unerwünschten Pixel und Artefakte eliminiert werden. Da nun die<br />
wichtigste Information, nämlich die Höhenlinien in tiefem Schwarz vorliegen, ist es möglich<br />
über eine invertierte Selektion, alles ausser schwarz zu löschen.<br />
Am Schluss resultiert ein Graustufenbild oder ein Binärbild (schwarz-weiss), das bereit für die<br />
Weiterverarbeitung in ARCGIS ist. In Abbildung 3 ist die Gegenüberstellung des Originalbildes<br />
und eines Graustufenbildes des blauen Kanals des Gebiets des Fieschergletschers dargestellt.<br />
Nebst den Höhenlinien sind auch Gletscherspalten, Schriftzüge und Höhenangaben ersichtlich,<br />
die bei der Vektorisierung ignoriert, respektive gelöscht werden.<br />
11
Masterarbeit FS 2011<br />
Abbildung 3:<br />
Originalbild (links) und blauer Farbkanal extrahiert (rechts)<br />
Für die Kanalberechnung und die Extrahierung der Farben Blau (CYAN), Braun (MAGENTA) und<br />
Schwarz (BLACK) werden folgende Angaben in Photoshop angewendet. Die nachfolgende Abbildung<br />
4 zeigt Screenshots der Maske CALCULATIONS in PHOTOSHOP, um Kanalberechnungen zur<br />
Farbseparierung der verwendeten Farben der Landeskarte durchzuführen.<br />
Cyan / Blautöne Magenta / Rottöne (Braun) Schwarz<br />
Abbildung 4:<br />
Kanalberechnungen der Farbtöne Cyan, Magenta und Schwarz<br />
3.2 Vektorisierung von Rasterdaten zu Vektordaten<br />
Seit 2003 und der Version ARCGIS 8.3 liegt für das ARCGIS DESKTOP ARCSCAN als Extension vor.<br />
ARCSCAN ist eine Toolbox, die es erlaubt Rasterdaten in Vektor-Features zu konvertieren. Es gibt<br />
dabei zwei Arten von Vektorisierung, nämlich eine manuelle durch interaktive Verfolgung der<br />
Rasterzellen oder einen automatischen Modus. Für eine grosse Rastervorlage mit homogenen<br />
Daten ist die automatisierte Erstellung sehr praktisch. Deshalb wird auch dieser Modus in dieser<br />
Arbeit für die topografische LK50 angewendet.<br />
Als Grundlage dient die Rasterdatei. Diese Datei darf nur zwei Farben beinhalten. Das heisst,<br />
die Vorlage besteht aus einer Hintergrundsfarbe und dem eigentlichen Thema in einer anderen<br />
Farbe. Es ist möglich vor dem Vektorisieren das Bild mittels Rasterbearbeitung zu manipulieren<br />
und Pixel zu löschen oder hinzufügen. In dieser Arbeit wird das Bild für die Vektorisierung<br />
hauptsächlich vor dem Import in ARCGIS aufbereitet. Zudem muss anfangs noch ein Template-<br />
Shapefile angelegt werden, um die neu erstellten Features in einer Datei abzuspeichern.<br />
12
Masterarbeit FS 2011<br />
Für die Vektorisierung können benutzerdefinierte Parameter festgelegt werden. Je nach Grundlage<br />
können bereits vordefinierte SETTINGS übernommen werden. Die folgende Maske (Abb. 5)<br />
wird verwendet, um Höhenlinien zu vektorisieren. Nachfolgend werden die Parameter gemäss<br />
ArcGIS-Hilfe [2011a] erläutert.<br />
Abbildung 5:<br />
Verwendete Parameter in der Extension ARCSCAN für die Vektorisierung<br />
Abbildung 6:<br />
ARCSCAN Vektorisierungsparameter INTERSECTION SOLUTION; Links: Median; Rechts: None<br />
13
Masterarbeit FS 2011<br />
Intersection<br />
Solution:<br />
Maximum<br />
Line Width:<br />
Noise Level:<br />
Compression<br />
Tolerance:<br />
Mit diesem Parameter wird festgelegt, was bei sich schneidenden Rasterobjekten geschehen<br />
soll. Als Alternativen kann der geometrische Schnittpunkt oder der Median<br />
der „Kreuzung“ gewählt werden. Von der ArcGIS-Hilfe [2011a] wird jedoch für Höhenlinien<br />
NONE empfohlen. Der Unterschied ist in Abbildung 6 ersichtlich. Im linken Bild<br />
ist die INTERSECTION SOLUTION auf MEDIAN und im rechten Bild auf NONE eingestellt. Da<br />
die Höhenlinie von einer Gletscherspalte geschnitten wird, gibt es mehrere Vektoren,<br />
doch die Höhenlinie wird durchgezogen. Mit NONE entsteht eine Auftrennung der Linien<br />
vor der „Kreuzung“. Die cyanfarbene Linie im rechten Bild wurde von Hand eingezeichnet,<br />
um die Höhenlinie zu schliessen. Zudem ist die manuell hinzugefügte Linie<br />
geometrisch genauer (rechts), als die automatisch generierte (links).<br />
Der Parameter für die „geometrische“ INTERSECTION, hier nicht abgebildet, kommt sogar<br />
teils neben den schwarzen Pixel zu liegen und ist je nach Schneidewinkel der<br />
Kreuzung sehr ungenau.<br />
Dieser Parameter wirkt wie ein Filter. So dass Linien, die dicker als x Pixel sind, nicht<br />
vektorisiert werden. Die dicksten Linien in der Rastervorlage sind die 200er-<br />
Höhenlinien, die bis zu 5 Pixel breit sind.<br />
Ist die Angabe, wie viel Prozent Rauschen in der Rastergrundlage ist.<br />
Dieser Wert gibt an, wie viele Stützpunkte bei einem Vektor gesetzt werden. Die<br />
Komprimierung ist ein Vektor-Nachbearbeitungsvorgang. Es wird zur Generalisierung<br />
ein Douglas-Peucker-Algorithmus mit einem maximal zulässigen Versatz als<br />
Eingabe verwendet. Je höher der Eingabewert, desto kleiner die Anzahl der Stützpunkte.<br />
Da die Linien in der Vorlage sehr verpixelt sind, wird hier ein etwas höherer<br />
Wert eingegeben. Der Genauigkeit der Geometrie schadet es nicht.<br />
Smoothing<br />
Weight:<br />
Gap Closure<br />
Tolerance /<br />
Fan Angle:<br />
Hole Size:<br />
Die „Glättungsgewichtung“ dient zur Linienglättung. Der Wert legt die Intensität der<br />
Gewichtung fest.<br />
Die Landeskarte, die als Grundlage dient, wurde mit einem Scanner digitalisiert. Bei<br />
der Bildbearbeitung wurde bereits festgestellt, dass nicht alle Pixel im gleichen Farbton<br />
erscheinen, sondern z.B. bei den blauen Linien von Hell bis Dunkelblau Farbwerte<br />
auftreten. In der Bildbearbeitung und in der Konvertierung des Bildes in binäre Farben<br />
ist es vorgekommen, dass gewisse Pixel wegfallen. Dies reisst Lücken in die Linien.<br />
Mit diesem Parameter wird dem genannten Effekt entgegengewirkt, indem eine<br />
Lücke überwindbar gemacht wird.<br />
Unter Fan Angel wird der Suchwinkel verstanden. Anhand des Winkels wird hier nach<br />
den Linien gesucht. Besonders bei geschwungen Linien mit Lücken ist dies nützlich.<br />
Die Lochgrösse beschreibt Löcher in der Linie, die z.B. ursprünglich aus schlecht gescannten<br />
Quelldokumenten entstanden sind. Diese spielt in der automatisierten Vektorisierung<br />
keine Rolle und in der Karte weisen die Höhenlinie aufgrund der Methode<br />
zur Farbeseparierung keine Löcher auf.<br />
Gemäss der ESRI ArcGIS-Hilfe [2011d] wird das Ergebnis der Vektorisierung durch Faktoren wie<br />
Bildauflösung, Rauschverhältnis und Inhalt der gescannten Dokumente beeinflusst. Die Vektorisierung<br />
ist für diese Arbeit ein sehr nützliches Tool. Doch bleibt trotz Automatisierung manuelle<br />
Nacharbeit bestehen. Denn durch die Bildbearbeitung und das vorliegen von verschiedenen<br />
14
Masterarbeit FS 2011<br />
Farbtönen in der Kartengrundlage ist ein lückenloses Vektorisieren nicht möglich. So werden<br />
die Lücken von Hand mit dem Editierwerkzeug geschlossen. Abbildung 7 zeigt einen Zusammenschluss<br />
von einer braunen und einer schwarzen Höhenlinie, die von Hand geschlossen<br />
wird. Da dann durch manuelles Ergänzen eine Höhenlinie aus mehreren Vektoren besteht, wird<br />
das Tool UNSPLIT LINE aus dem DATA MANAGEMENT TOOL verwendet, um Linien mit denselben<br />
Stützpunkten zu einem Objekt zusammenzuschliessen. Dies ist bei der Attribuierung der Höhe<br />
im nächsten Schritt wichtig, so dass nicht viele kleine Linien mit einer Höhe versehen werden<br />
müssen. Doch auch nach der Nachbearbeitung ist es nicht unbedingt der Fall, dass eine Höhenlinie<br />
durch nur einen Vektor abgebildet wird. Denn häufig sind Linien unterbrochen, z.B. durch<br />
Höhenangaben, Gebietsnamen, Bergspitzen oder Koordinatengitter (siehe Abb. 8).<br />
Abbildung 9 zeigt einen Ausschnitt des Resultats der Vektorisierung der blauen Höhenlinien<br />
auf dem Fieschergletscher. Die Gletscherspalten und die Beschriftungen sind nicht mehr vektorisiert,<br />
sondern nur noch die Höhenlinien.<br />
.<br />
Abbildung 7:<br />
Vektorisierung der braunen und schwarzen Höhenlinie. 1 Pixel entspricht 2.5 m in natura<br />
Abbildung 8:<br />
Beispiel einer Vektorisierung; links: Blauer binärer Layer aufgrund des Koordinatengitters<br />
durchtrennte Vektoren (rot); rechts: manuell geschlossene und korrigierte Höhenlinie<br />
(grün) und gelöschte Vektoren bei Höhenlinienbeschriftung<br />
15
Masterarbeit FS 2011<br />
Abbildung 9:<br />
Blaue Höhenlinien vektorisiert mit ARCSCAN und manueller Nachbearbeitung<br />
3.3 Attribuierung der Höhenlinien<br />
3.3.1 Manuelles Attribuieren<br />
Durch das Vektorisieren des Rasterinhalts liegen alle geometrischen Vektoren in einem Shapefile<br />
vor. Nun wird jedem Feature ein Attribut, nämlich seine Höhe, zugeteilt, dass dadurch später<br />
eine Interpolation für ein Höhenmodell berechnet werden kann. Für das Testgebiet des Glacier<br />
de Moiry wird diese Arbeit manuell erledigt. Im Hintergrund der Vektoren liegt der Layer<br />
der vektorisierten Landeskarte. Die manuelle Arbeit kann je nach Grösse und Komplexität des<br />
zu bearbeitenden Perimeters sehr aufwendig sein. Abbildung 10 zeigt als Beispiel ein schwieriges<br />
Gebiet, mit Gletscherspalten, für die Attribuierung. Manuell muss jeder Vektor selektiert<br />
und mit entsprechender Höhe aus der Karte versehen werden. Grösste Fehlerquelle ist hier das<br />
falsche eingeben von Zahlen oder sogenannte Zahlenverdreher.<br />
Nebst den Höhenlinien werden auch die Koten, die in den Landeskarten enthalten sind, als<br />
Punkte vektorisiert und mit der angeschriebenen Höhe attribuiert. Die Koten sind meistens als<br />
„x“ oder als „•“ in den Karten dargestellt.<br />
Als visuelle Kontrolle wird über ein Label beim Layer der Vektoren die eingetragene Höhe des<br />
Features angezeigt (Abb. 10). Für die abschliessende Qualitätskontrolle kann ein DHM berechnet<br />
werden und bei Vorliegen eines Referenz-DHMs die Höhen verglichen werden.<br />
16
Masterarbeit FS 2011<br />
Abbildung 10:<br />
Zuordnung der Höhenlinien (rot) in Gletscherspalten ist häufig eine Schwierigkeit. Im<br />
Hintergrund Erstausgabe LK50.<br />
3.3.2 Halbautomatisches Attribuieren mit Tool Contourline Attribution<br />
Für das Studiengebiet des Fieschergletschers steht ein Programm zur halbautomatischen Attribuierung<br />
der Höhenlinien zur Verfügung.<br />
Das Programm CONTOURLINE ATTRIBUTION wird von Samuel Wiesmann, Doktorand am IKG, zur<br />
Verfügung gestellt. Das Skript basiert auf der Programmiersprache Python. In ARCGIS 10 ist<br />
Python als zentraler Baustein für diverse Funktionen und Werkzeuge ausgebaut worden. Das<br />
Ziel des Programms ist das halbautomatische Attribuieren von Höhenlinien. Als Input benötigt<br />
es den Layer mit den Höhenlinien und einen zweiten Layer, der Hilfslinien enthält. Die Hilfslinie<br />
soll die zu attribuieren gewünschten Höhenlinien schneiden. Sie muss von der tiefstgelegenen<br />
Linie beginnen und bei der höchsten Linie enden. Ersichtlich ist der Verlauf der Linie in ARCGIS<br />
durch einen grünen Startpunkt und einen roten Endpunkt.<br />
Durch das Angeben einer ganzzahligen Zahl in Meter wird die Hilfslinie in kleinere Abschnitte,<br />
sogenannte Segmente, unterteilt. Der Algorithmus überprüft in einem ersten Schritt, ob sich<br />
die Boundingbox der Hilfslinie und die Boundingbox der jeweiligen Höhenlinien schneidet. Dies<br />
optimiert das Programm, indem sehr schnell nicht betr<strong>of</strong>fene Höhenlinien ausgeschlossen<br />
werden können und das wiederum beschleunigt die Berechnung für die Attribuierung. Schneidet<br />
die Boundingbox eine Höhenlinie, wird sie in diese Segmente unterteilt. Diesen Segmenten<br />
wird aufsteigend eine Integerzahl zugewiesen und durchnummeriert. Wenn jede Höhenlinie<br />
durch die Hilfslinie in einem anderen Segment geschnitten wird, kann das Skript erfolgreich die<br />
Attribuierung abschliessen. Durch die Nummerierung der Segmente ist bekannt, in welcher<br />
Reihenfolge die Höhenlinien vorliegen. Mit der Eingabe der Höhe der untersten Höhenlinie als<br />
Attribut und der gewünschten Äquidistanz werden die Höhenlinien korrekt attribuiert. Optional<br />
kann, wenn bekannt, die Höhe der obersten Höhenlinie angegeben werden. Bei Eingabe<br />
17
Masterarbeit FS 2011<br />
dieses Werts überprüft das Tool automatisch die Berechnung über die Eingaben der untersten<br />
Höhe, der Äquidistanz und der Anzahl geschnittenen Höhenlinien. Sollte dies eine Inkonsistenz<br />
ergeben, wird eine Fehlermeldung ausgegeben.<br />
Abbildung 11 zeigt einen Ausschnitt des Gebiets des Fieschergletschers mit den Höhenlinien<br />
und den Hilfslinien, die zur halbautomatischen Attribuierung dienen.<br />
Das Programm ist sehr gut in der Anwendung und hat sich bei der Bearbeitung des Studiengebiets<br />
bestens erwiesen. Die hier beschriebene halbautomatische Attribuierung ist zeitlich einiges<br />
schneller als die manuelle und beugt der Vermeidung von Flüchtigkeits- und Tippfehlern<br />
vor.<br />
Abbildung 11:<br />
Gebiet des Fieschergletscher mit den Höhenlinien (rot) und den Hilfslinien (pink) zur<br />
halbautomatischen Attribuierung<br />
3.4 Interpolation<br />
3.4.1 Unterschied zwischen Raster und TIN<br />
Die Darstellung vom Gelände und deren Höhen in einer Karte erfolgen in der Regel durch Höhenlinien.<br />
Sollen jedoch Analysen und Auswertungen über die Geländeform gemacht werden,<br />
ist es unabdingbar, das ganze Gebiet in einer kontinuierlichen Oberfläche verwalten zu können.<br />
Denn ein Nachteil von Höhenlinien ist das Nichtvorhandensein von Informationen zwischen<br />
den Konturlinien.<br />
Die zwei wichtigsten Datentypen mit denen raumbezogene Daten kontinuierlich bearbeitet<br />
und dargestellt werden, sind das bekannte und übliche Raster (Grid) und das TIN (Triangulated<br />
Irregular Network).<br />
18
Masterarbeit FS 2011<br />
Ein TIN setzt sich aus Knotenpunkten, Kanten und Dreiecken zusammen. Die Repräsentation<br />
durch die Verbindung der Punkte ist trianguliert. Die Punkte sind unregelmässig (irregulär) verteilt<br />
und dementsprechend auch die Dreiecke. Jedes Dreieck enthält Informationen seiner<br />
Nachbarsdreiecke und bildet mit ihnen ein Netzwerk [Gäb, 2005]. Für die Erstellung wird <strong>of</strong>t die<br />
Delauney-Triangulation angewendet. Das Verfahren basiert auf dem Kreiskriterium, dass kein<br />
vierter Punkt im Umkreis eines Dreiecks liegt (siehe Abbildung 12). Wenn diese Bedingung nicht<br />
erfüllt ist, ergeben sich Dreiecke mit spitzen Winkeln (siehe Abbildung 13). Eine weitere Bedingung<br />
ist, dass bei der Delaunay-Triangulation in jedem Dreieck der kleinste Winkel maximal<br />
wird.<br />
Bei der Maske zur Interpolation mit CREATE TIN im 3D ANALYST in ARCGIS besteht die Möglichkeit,<br />
auszuwählen, ob die Bedingung von Delauney zur TIN-Generierung angewendet werden soll.<br />
schlechte Triangulation (nach dem Kreiskriterium)<br />
gute Triangulation (erfüllt das Kreiskriterium)<br />
Abbildung 12:<br />
Kreiskriterium der Delaunay-Triangulation<br />
Gewöhnliche Triangulation mit schleifenden Winkeln<br />
(schlechtes Dreiecksnetz)<br />
Delaunay-Triangulation mit minimalen Winkeln<br />
(gutes Dreiecksnetz)<br />
Abbildung 13: Gewöhnliche Triangulation und Delaunay-Triangulation [geoinformation.net, 2003]<br />
19
Masterarbeit FS 2011<br />
3.4.2 Interpolationsmethoden<br />
In dieser Arbeit werden DHMs aus alten Karten abgeleitet. Die einzige Höheninformation die<br />
daraus gewonnen werden kann, sind die Höhenlinien und die Koten, die mit einer Höhe versehen<br />
sind. Das heisst, aus diskreten Daten soll eine kontinuierliche Oberfläche generiert werden.<br />
Es ist somit viel weniger Information vorhanden als gewünscht. Dieser Vorgang, die Datenverdichtung<br />
und Vorhersage eines Attributs an einer nicht gemessenen Stelle, nennt man Interpolation.<br />
Das Ergebnis der Interpolation und deren Qualität hängen einerseits von der Genauigkeit, Anzahl<br />
und Verteilung der bekannten Punkte ab, aber auch davon wie gut die mathematische<br />
Funktion das abzubildende Phänomen modelliert [Bill, 1996]. Im Allgemeinen gilt, je höher die<br />
Punktdichte und gleichmässiger die Punktverteilung, desto besser ist das Ergebnis. Doch soll<br />
die mathematische Funktion die Eigenheit der Oberfläche so gut wie möglich annehmen, respektive<br />
sich anpassen.<br />
Es gibt viele Interpolationsmethoden, die für bestimmte Anwendungen geeignet sind. Zum<br />
Beispiel eine Abbildung von Temperaturen über ein Gebiet basierend auf einzelnen Messstationen<br />
wird mit einer glättenden Funktion berechnet. Wohingegen ein DHM über ein felsiges<br />
Gebiet mit einer Glättung zu keiner detailgetreuen Abbildung führt.<br />
Die bekannten Interpolationsmethoden, die auch in ARCGIS Anwendung finden, sind INVERSE-<br />
DISTANCE-WEIGHTING (IDW), NATURAL NEIGHBOR, SPLINE (RADIAL BASIS FUNCTION) und KRIGING. Dabei<br />
gibt es exakte und approximierte Interpolatoren. Exakte Interpolatoren geben den ursprünglichen<br />
Wert des Datenpunkts exakt wieder, wobei approximierende Verfahren sich dem Wert<br />
nur annähern.<br />
Für die Interpolation einer Oberfläche aus Höhenlinien, was in dieser Arbeit angewendet wird,<br />
steht in ARCGIS das Interpolationswerkzeug TOPO TO RASTER zur Verfügung [ArcGIS-Hilfe, 2011b].<br />
TIN werden in dieser Arbeit nur zu Versuchs- aber nicht für die Analyse- und Visualisierungszwecken<br />
generiert.<br />
3.4.3 Interpolationswerkzeuge<br />
Das Interpolationswerkzeug TOPO TO RASTER ist eine Methode, die speziell für die Erstellung hydrologisch<br />
korrekter DHMs entwickelt wurde. Das Tool basiert auf dem Programm ANUDEM von<br />
Michael Hutchinson. Die aktuelle Version von ANUDEM, die in ARCGIS verwendet wird, ist 4.6.3.<br />
Mehr Informationen und Literaturangaben findet man in der ArcGIS-Hilfe [2011b].<br />
TOPO TO RASTER ist der einzige ARCGIS-Interpolator, der speziell für das intelligente Zusammenwirken<br />
mit Konturlinieneingaben entwickelt wurde. Als Input für eine Berechnung einer Rasteroberfläche<br />
können jedoch Punkt-, Linien- und Polygondaten angegeben werden [ArcGIS-<br />
Hilfe, 2011c].<br />
Konturlinien zu verarbeiten sind in der Interpolation die schwierigste Technik. Denn der Nachteil<br />
liegt in der Unterabtastung von Informationen zwischen den Konturen, vor allem in flacherem<br />
Gelände. Die Interpolationsmethode TOPO TO RASTER verwendet eine Methode der iterativen<br />
finiten Differenz an. Einerseits führt dies zu einer optimierten rechnerischen Effizienz, wie bei<br />
einem lokalen Interpolator wie IDW und berücksichtigt auch die Oberflächen Kontinuität, was<br />
globale Interpolationsmethoden, wie KRIGING und SPLINE, nicht vorsehen. Hinter TOPO TO RASTER<br />
steckt eine Art diskretisierte THIN-PLATE-SPLINE-INTERPOLATION [ArcGIS-Hilfe, 2011c].<br />
20
Masterarbeit FS 2011<br />
Die VAW wendet für ihre Interpolationsaufgaben Routinen und Funktionen von GTGRID 2.0 der<br />
Firma GEOPHYSICAL TECHNIQUES in der S<strong>of</strong>tware PV-WAVE von VISUAL NUMERICS an. Sie wendet zur<br />
Interpolation Algorithmen an, die für hydrologische Berechnungen sich sehr empfehlen. Da in<br />
dieser Arbeit mit ARCGIS Interpolationen durchgeführt werden, sind die Resultate zu denen der<br />
VAW unterschiedlich. Es ist wichtig, wenn man Daten miteinander vergleichen will, dass immer<br />
dieselben Mittel eingesetzt werden. Nur so kann auch die Konsistenz innerhalb von Datenreihen<br />
erhalten bleiben.<br />
Das Fachgebiet Interpolation ist eine Wissenschaft für sich und jede Interpolation bedarf einer<br />
genauen Interpretation.<br />
3.4.4 Qualitätskontrolle<br />
Nach dem Interpolieren benötigt es immer eine Qualitätskontrolle und eine Überprüfung und<br />
Verifizierung der gerechneten Ausgabe. Die ArcGIS-Hilfe [2011b] schlägt gängige Methoden vor:<br />
- Konturlinien anhand der neuen Oberfläche mit dem Werkzeug Konturlinie zu<br />
erstellen und diese mit den Eingabe-Konturliniendaten zu vergleichen.<br />
- Visueller Vergleich mit den bekannten Wasserläufen und Bergrücken.<br />
- Ausschliessen eines Prozentsatzes der Eingabedaten aus dem Interpolationsprozess.<br />
Der reduzierte Datensatz wird wiederum interpoliert und mit der ersten Ausgabedatei<br />
verglichen.<br />
3.4.4.1 Vergleich der Konturlinien<br />
In ARCGIS ist es möglich mit dem Tool CONTOUR aus einer Oberfläche die Höhenlinien berechnen<br />
zu lassen. Die berechneten Höhenlinien sollten im Umkehrschluss ähnlich im Aussehen und<br />
gleich der Attribuierung sein wie die Höhenlinien, die als Input zur Generierung der Oberfläche<br />
dienten.<br />
Nach ausführlicher Überprüfung kann das Resultat dieses Vergleichs als befriedigend betrachtet<br />
werden. In Abbildung 14 ist der Vergleich beispielhaft im Zungenbereich des Glacier de Moiry<br />
dargestellt. Es wird festgestellt, dass die Linien mit weniger Stützpunkten abgebildet werden<br />
und somit der Verlauf der Linie stark vereinfacht wird. Dies sind jedoch Parameter, die nicht<br />
vom User festgelegt, sondern von der Funktion als Blackbox angewendet werden.<br />
21
Masterarbeit FS 2011<br />
Abbildung 14:<br />
Vergleich zwischen den aus der Karte digitalisierten (rot) und aus dem DHM<br />
berechneten (grün) Höhenlinien im Bereich der Gletscherzunge des Glacier de Moiry<br />
3.5 Visualisierung<br />
Ein Teil dieser Arbeit beinhaltet die Visualisierung der hergeleiteten Höheninformation aus der<br />
Karte in den oben beschriebenen Kapiteln. Hauptsächlich geht es darum, um Höhendifferenzen,<br />
respektive Eisdickenänderungen im Gletschergebiet darzustellen.<br />
3.5.1 Kartografie und Glaziologie<br />
Bei diesem Teil treffen die beiden Fachgebiete Kartografie und Glaziologie aufeinander. So beschäftigen<br />
sich Glaziologen hauptsächlich mit der Entstehung von Gletschern, deren Formen<br />
und Verbreitung sowie Wirkungsbeziehungen unter Gletschern. Es interessieren aber auch der<br />
Gletscherhaushalt, Oberflächenformen, Gletscherbewegung sowie Ablation und Akkumulation<br />
im Verlaufe der Zeit 1 . Um diese Eigenschaften der Gletscher festzuhalten werden sie seit Jahrzehnten<br />
kartiert. Wurden im Ausland im 19. Jh. eigenständige Gletscherkarten angefertigt, war<br />
dies in der Schweiz aufgrund der sehr genauen Karten der Landestopografie nicht notwendig,<br />
da diese den glaziologischen Anforderungen genügten [Brunner, 2006]. Werden Gletscher regelmässig<br />
kartiert, zeigen sie den direkten Vergleich auf, wie sich die Gletscher über die Jahre<br />
veränderten, respektive hauptsächlich zurückzogen.<br />
Hurni et al. [2000] berichten, dass bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts die Gletscherkartierung<br />
noch Teildisziplin der Gletscherforschung war und erst später sich daraus ein eigenes Teilgebiet<br />
der Kartografie, die Glazialkartographie entwickelte.<br />
1 http://wissen.woxikon.de/glaziologie (Zugriff: 20.06.2011)<br />
22
Masterarbeit FS 2011<br />
Ziel ist es, die beiden Wissenschaften mit einer Darstellung zusammenzuführen und die Thematik<br />
übersichtlich darzustellen, die kartografischen, aber auch den glaziologischen Ansprüchen<br />
genügt. Als Hilfsmittel wird ein Geografisches Informationssystem (GIS) verwendet. Dies<br />
ist schon seit über 20 Jahren state-<strong>of</strong>-the-art in beiden Wissenschaftszweigen. So arbeiten heute<br />
Kartografen und auch die Glaziologen mit GIS-S<strong>of</strong>tware, um Auswertungen, wie auch Darstellungen<br />
zu generieren [Brunner, 2006].<br />
3.5.2 Darstellungen von Veränderungen auf Gletschergebiet<br />
Brunner [2006] beschreibt in seinem Artikel, wie Karten den Rückzug der Gletscher seit 1850<br />
dokumentieren. Bei gedruckten Karten ist die Darstellung von raumzeitlichen Prozessen problematisch,<br />
da Karten statisch sind. Methoden, die sich in gedruckten Medien bewährt haben,<br />
sind Kartenreihen, Darstellungen mehrschichtiger Zustände und Diagramme, die Höhenänderungen<br />
darstellen. Bereits anfangs des 20. Jahrhunderts wurden Mehrfachkartierungen veröffentlicht,<br />
die die Zungenstände über mehrere Jahrzehnte in vielen einzelnen Kärtchen aufzeigten.<br />
Sind Mehrfachkartierungen vorhanden, ist es möglich Flächenvergleiche auch zahlenmässig<br />
anzustellen und darzustellen. Ein Nachteil von Einzelkarten bei Kartenreihen ist, dass ein<br />
quantitativer Vergleich nur schwer zu erreichen ist. Mehrschichtige Zustände erlauben die<br />
Übersicht mehrerer Zeitstände innerhalb einer Karte. Häufig wird diese Technik bei Gletscherzungen<br />
angewendet, die veranschaulicht, wenn der Gletscher stark zurück weicht. Noch interessanter<br />
für Glaziologen sind Volumen- und Höhenänderungen, doch sind diese mit analogen<br />
Karten aufwendig abzuleiten [Brunner, 2006]. Komplexere Visualisierungen von Gletscherveränderungen<br />
dieser Art sind Darstellungen von Flächen- und Höhenänderungen. Wegen der<br />
Lesbarkeit werden meistens nur zwei Zeitstufen gezeigt und diese in Farbe dargestellt. Zu viele<br />
Stände sind bei mehrschichtigen Zuständen der Übersicht nicht förderlich und lassen deshalb<br />
nur eine geringe Inhaltsdichte zu.<br />
Eine häufig angewendete Darstellung für Flächen- und Höhenänderungen ist die Einfärbung<br />
der Flächen zwischen den Höhenlinien aufgrund von Höhenzunahme oder -abnahme. Diese<br />
Methode wurde vermutlich erstmals 1966 für den Aletsch- und den Mattmarkgletscher angewendet.<br />
Ein weiteres Beispiel ist in Brunner & Rentsch [2002] zu finden.<br />
Seit dem Einzug von GIS wird flächendeckend über digitale Höhenmodelle von Gletschern verfügt.<br />
Dieser Fortschritt der Technik liess viele neue Möglichkeiten in der Analyse und Darstellung<br />
zu. So lassen sich mühelos Höhenänderungen für den ganzen Gletscher berechnen und<br />
mittels Methoden der thematischen Kartografie abbilden. In Kääb [1996] wird der Grubengletscher<br />
(VS) mit dieser anschaulichen Methode in gedruckter Version und als interaktive Animation<br />
in Isakowski [2003] gezeigt.<br />
Mit dem Vorliegen der digitalen Höhenmodelle und moderner Computertechnik lassen sich<br />
nebst 2D auch Visualisierungen in 3D sehr anschaulich erstellen. Dazu kann mit Farbe mehr Inhalt<br />
in eine Darstellung verpackt werden. Zudem ist es auch möglich, je nach Bedürfnis Information<br />
ein- oder auszublenden. So werden auch in Zukunft Animationen für die 3D-<br />
Darstellung dynamischer Prozesse im Gletschergebiet vermehrt eingesetzt.<br />
Eine Auswahl an verschiedenen Darstellungen im Gletschergebiet zeigen Hurni et al. [2000],<br />
Winter [2001] und Wiesmann [2009].<br />
23
Masterarbeit FS 2011<br />
3.5.3 Farbe in vergleichenden Darstellungen<br />
Farbe in gedruckten Medien ist wichtiger denn je. Sind früher häufig auch Grafiken in schwarzweiss<br />
dargestellt worden, werden heute vermehrt Illustrationen attraktiv in Farbe präsentiert.<br />
Vor allem, wenn Inhalte nicht nur in gedruckter Form, sondern auch am Bildschirm gezeitgt<br />
werden. Der Bildschirm birgt aber auch grosse Gefahr. Da es möglich ist, fast jede Farbkombination<br />
darzustellen, muss beim Hersteller von Grafiken ein gewisses Farbverständnis vorhanden<br />
sein. Besonders bei der Herstellung thematischer Karten ist darauf zu achten, wie das Mittel<br />
Farbe eingesetzt wird, da bei solchen Darstellungen meistens schon eine farbige Karte als<br />
Basis vorhanden ist.<br />
Hurni et al. [2000] schildert die Phase vor 1950, die Pionierzeit der Gletscherkartografie, wo den<br />
Darstellungen von Gletschern noch keine allzu grosse Beachtung geschenkt wurde. Ab 1950 hat<br />
sich dies mit dem Einzug der modernen Glazialkartografie geändert. Es wurden in dieser Zeit<br />
auch vermehrt Daten über Gletscher akquiriert, was wiederum auch neue Thematiken im Zusammenhang<br />
mit Gletschern ermöglichte. Nebst der bekanntesten, der topografischenthematischen<br />
Karte, entstand auch die glaziologische Orth<strong>of</strong>otokarte oder Satellitenbildkarte.<br />
Auch manuell hergestellte kartenverwandte Darstellungen, z.B. Schrägansichten oder Panoramadarstellungen,<br />
werden seit einigen Jahrzehnten immer wieder eingesetzt.<br />
Mit der Entwicklung in der Informatik wurde auch die Datenhaltung massiv verändert und die<br />
Verarbeitung der Daten in GIS ermöglichte neue Anwendungen. So sind sogenannte Synthesekarten<br />
oder auch GIS-Karten entstanden, wo verschiedene glaziale Thematiken überlagernd<br />
dargestellt sind. Bis heute wird der Trend mit computergenerierten Darstellungen, Animationen<br />
und Visualisierungen fortgesetzt, die es erlauben interaktiv zwischen Mensch und Grafik<br />
zu kommunizieren.<br />
Dabei ist auffällig, dass in älteren Darstellungen die Farben eher spärlich und meistens nur in<br />
Form von Strichen eingesetzt wurden, dies auch wegen der Schwierigkeiten bei der Reproduktion<br />
solcher Grafiken. Mit Einsatz von Computergrafik ist Farbe ein sehr wichtiges Mittel, um<br />
einerseits die Aufmerksamkeit des Nutzers zu gewinnen und andererseits Inhalte von einander<br />
abzugrenzen oder Klassen zu bilden.<br />
Winter [2001] zeigt einige Darstellungen über verschiedene Jahrzehnte von Gletscherveränderungen<br />
in der Höhe. Doch eine einheitlich Farbgebung für dieselbe Thematik hat sich nicht<br />
durchgesetzt und konnte keine festgestellt werden. So schreibt auch Peters [2008], dass gleiche<br />
Farben sogar für entgegengesetzte Ausprägungen verwendet werden. Brunner und Pillewizer<br />
wenden in den Jahren 1977 und 1982 für Höhenzunahme-, respektive -abnahme die Farbe Rot<br />
und Blau an. Für Flächenabnahmen, respektive -zunahmen verwendete Pillewizer Gelb, respektive<br />
Braun. Kääb jedoch benützt im Jahre 1999 für eine Dickenabnahme Rot und für eine Zunahme<br />
Blau. In einer Karte von 1976, die von der Eidgenössischen Landestopographie, der Abteilung<br />
für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie an der <strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong> und der Gletscherkommission<br />
der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft herausgegeben wurde, kommen die<br />
Farben Grün für eine Zunahme und Gelb für eine Abnahme zur Anwendung [Winter, 2001].<br />
Diese Karte wird in Abbildung 15 gezeigt.<br />
Aufgrund des Ausgabejahres der Karten kann nicht auf einen zeitlichen Zusammenhang oder<br />
Entwicklung der Farbgebung geschlossen werden. Alle erwähnten Karten weisen eine unterschiedliche<br />
Art der Basiskarte, resp. Hintergrundskarte auf. So werden topografische Karten<br />
oder auch nur die Höhenlinie und Koten oder ein Orth<strong>of</strong>oto verwendet. Doch die Technik der<br />
24
Masterarbeit FS 2011<br />
Darstellung der Höhenänderungen der Gletscheroberfläche ist bei allen gleich. Durch das Überlagern<br />
der Höhenlinien zweier Zeitstände spannen sich Flächen bei einer Veränderung in der<br />
Höhe auf. Diese Differenzflächen werden Höhenlinienbänder genannt. Die negativen und die<br />
positiven Höhenveränderungsflächen tragen zwei verschiedene Farben, die eine Höhenzunahme<br />
oder –abnahme symbolisieren [Winter, 2001].<br />
Abbildung 15:<br />
Darstellung der Höhenab- und zunahme mit der Verwendung von Differenzbändern aus<br />
Winter [2001]<br />
Die Interpretation einer Farbe kann so verschieden sein, wie deren Wahrnehmung. Brunner<br />
verwendet Rot für eine Höhenzunahme, weil er dies mit einer Aktivität auf dem Gletscher deutet.<br />
Kääb deutet die Farbe Rot für einen Höhenverlust. Rot bedeutet wahrnehmungspsychologisch<br />
warm, was auf dem Gletscher einer Eisschmelze gleichkommt. Blau interpretiert er als<br />
Höhenzunahme, da blau wahrnehmungspsychologisch für kalt steht und eine Eiszunahme bedeutet<br />
[Winter, 2001].<br />
3.5.4 Farbe in der thematischen Kartografie<br />
Farbe in der Kartografie wird auch in der Literatur thematisiert, so schrieb auch Imh<strong>of</strong> [1972]<br />
darüber. Für gewisse Karten, wie topografische oder geologische Karten, sind gewisse Farben<br />
zur Gewohnheit geworden, doch ist „der Hersteller thematischer Karten in der farbigen Gestaltung<br />
frei. Guter Geschmack, guter Farbsinn und die Freude am Gestalten sind durch keine Fesseln<br />
eingeengt“ [Imh<strong>of</strong>, 1972].<br />
Ob die Farbwahl angenehm, gut zusammenklingend oder harmonisch empfunden wird, folgen<br />
teils Regeln, welche doch auch kontrovers und stark voneinander abweichen. Angewöhnung,<br />
Schulung, psychische Veranlagung und augenblickliche seelische Verfassung spielen hierbei<br />
ebenso mit, wie ein mehr oder weniger vorhandener künstlerischer Sinn [Imh<strong>of</strong>, 1972].<br />
25
Masterarbeit FS 2011<br />
Doch gelten trotzdem gewisse Regeln in der Farbenlehre, die auch Imh<strong>of</strong> [1972] untermalt. So<br />
wirken Farbpaare, die komplementär sind, als harmonisch und bei mehreren Farben sind es<br />
Farben, die nacheinander im Farbkreis vorkommen. Wenn die Flächen nicht gleichgross sind,<br />
dann ist die Farbabstimmung noch wichtiger. Extreme jeder Art sollten kleine Areale einnehmen.<br />
Beschränkt man sich auf kräftige, gewichtige, satte und reine Farben auf kleinflächige Extreme,<br />
so entstehen ausdrucksstarke und schöne Farbflächenmosaike. Doch wenn das Kartenbild<br />
als zu bunt erscheint, wirkt es ungeordnet, verwirrend und unschön<br />
Da häufig die Wahrnehmung von Farbe im Auge des Betrachters liegt, ist es von Vorteil in digitalen<br />
Medien mit interaktiven Legenden zu arbeiten, die es ermöglichen, eigene Farbgebungen<br />
einfliessen zu lassen und die Resultate anders darzustellen. Hier sei als Beispiel der Atlas der<br />
Schweiz 2 genannt, wo der Benutzer, die Legenden und deren Farbe selber definieren kann.<br />
3.5.5 Begriffsdefinition 3D und 2.5D<br />
In dieser Arbeit wird der Begriff 3D-Visualisierung verwendet. 3D ist die Abkürzung für dreidimensional.<br />
Dies bedeutet, es findet eine Abbildung in allen drei Raumdimensionen statt. Hier<br />
ist dies der Fall, indem die Koordinaten Y, X und dazu noch die Höhe Z abgebildet werden.<br />
Nebst 3D wird auch in der Literatur häufig der Begriff 2.5D verwendet. Dies ist ein Begriff aus<br />
der Geoinformationswissenschaft und ist die konventionelle Art Geländeoberflächen z.B. mit<br />
einem TIN oder Grid darzustellen. Da in GI-Systemen bisweilen die Lage von der Höhe getrennt<br />
gespeichert wird, hat sich dieser Begriff durchgesetzt für Angaben, wo einem Oberflächenpunkt<br />
genau eine Z-Koordinate zugewiesen wird. In einem konventionellen GIS ist es nicht<br />
möglich, dass ein Koordinatenpaar zwei Z-Koordinaten aufweist, so können z.B. überhängende<br />
Felswände etc. nicht dargestellt werden. In dieser Arbeit wird einfachheitshalber die 2.5D-<br />
Darstellung als 3D-Darstellung bezeichnet und interpretiert.<br />
Das Attribut Zeit wird in dieser Arbeit generell nicht als Dimension hinzugezählt, sondern ist<br />
Thema durch das Vergleichen zweier Zeitstände.<br />
2 Atlas der Schweiz: http://www.atlasderschweiz.ch<br />
26
Masterarbeit FS 2011<br />
4 Testgebiet „Glacier de Moiry“<br />
4.1 Glacier de Moiry<br />
Der Glacier de Moiry, deutsch Moirygletscher, ist ein Gletscher im südlichen Talabschluss des<br />
Val de Moiry. Der Gletscher liegt im Kanton Wallis (CH) und weist heute eine Länge von ca. fünf<br />
Kilometer auf. Im Mittel ist er etwa einen Kilometer breit und bedeckt eine Fläche von ungefähr<br />
fünf km².<br />
Der höchst gelegene Punkt des Gebietes ist der Grand Cornier auf ca. 3800 m ü. M. Von dort<br />
fliesst der Gletscher nach Norden, flankiert von der Pointe de Bricola (3658 m ü. M.) und dem<br />
Tsa de l'Ano (3368 m ü. M.) im Westen sowie von den Bouquetins (bis 3627 m ü. M.) und der<br />
Pigne de la Lé (3396 m ü. M.) im Osten.<br />
Die Gletscherzunge liegt zurzeit auf einer Höhe von rund 2400 m ü. M. In den 1930er-Jahren lag<br />
die Gletscherzunge auf 2355 m [Mercanton, 1958]. Im Hochstadium der Kleinen Eiszeit in der<br />
Mitte des 19. Jahrhunderts weitete sich der Moirygletscher rund 1 km talabwärts aus.<br />
Hydrologisch speist der Moirygletscher die La Gougra, die im Lac de Moiry ca. 150 Höhenmeter<br />
tiefer als die Gletscherzunge gestaut ist und danach in die La Navisence mündet. Diese fliesst<br />
bei Sierre in die Rhone [wikipedia, 2010].<br />
Abbildung 16: Luftaufnahme des Glacier de Moiry [VAW, 2010a]<br />
27
Masterarbeit FS 2011<br />
4.2 Von der Karte zum DHM<br />
Für das Gebiet wird die Methode gemäss Kapitel 3 angewendet. So kann nach der Bildbearbeitung<br />
und Farbseparierung mit dem Vektorisieren der Höhenlinien begonnen werden. Nach anschliessender<br />
Bereinigung der Vektoren und Attribuierung mit entsprechender Höheninformation<br />
wird aus den Höhenlinien ein DHM interpoliert.<br />
Für die Interpolation wird in ARCGIS das Tool TOPO TO RASTER verwendet. Das Tool eignet sich<br />
hervorragend, da nebst Linien auch Punkte als Input in die Berechnung mitgegeben werden<br />
können. Beim Glacier de Moiry sind die Koten in der Karte als kleine, kurze Linien digitalisiert.<br />
Beim Fieschergletscher (Kapitel 5) werden für die Koten bei der Digitalisierung Punkte abgesetzt.<br />
Aus Gründen der Konsistenz und Analysemöglichkeiten werden Raster generiert, da die VAW<br />
ihre weiterführenden Analysen basierend auf Rasterdaten durchführen und auch in ARCGIS<br />
stehen einige Tools Analysentools für Rasterdaten zur Verfügung im Gegensatz zu TINs.<br />
Die nachfolgende Abbildung 17 mit mehreren Bildern zeigt die einzelnen Produkte von der Karte<br />
bis zum Differenzen-Raster von einem zweiten Oberflächenmodell. Als Grundlage dient die<br />
Erstausgabe der Landeskarte. Mittels der Farbseparierung werden die jeweiligen Farbtöne<br />
(Blau, Schwarz, Braun) als binäre Raster gespeichert. Von der Karte werden halbautomatisch<br />
und teils manuell die Höhenlinien vektorisiert und mit ihrer Höheninformation attribuiert. Anschliessend<br />
wird mit dem Interpolationswerkzeug TOPO TO RASTER ein Raster generiert. Das Raster<br />
nimmt die Grösse der Boundingbox der Inputdaten an. Die gewonnene Oberfläche kann mit<br />
einer zweiten Oberfläche, die als Referenz dient, verglichen werden, indem die beiden Raster<br />
voneinander subtrahiert werden. Alle berechneten DHMs (Raster) und deren Differenzraster<br />
werden mit einer Zellgrösse von 25 m berechnet. Der Wert wird so gewählt, da er auch bei der<br />
VAW für DHMs so definiert wird und somit auf Erfahrung für Gletscheranalysen beruht.<br />
Für das Gletschergebiet wird nebst den Höhenlinien auch eine Gletscherumrandung digitalisiert.<br />
Diese Umrandung dient als Vorlage, um das Raster zu clippen. Mit dem Tool CLIP ist es<br />
möglich ein Dataset auf eine bestimmte Form zuzuschneiden.<br />
28
Masterarbeit FS 2011<br />
Abbildung 17:<br />
Schritte von der Karte zur digitalen Höheninformation und Höhendifferenz<br />
4.3 Vergleiche der Resultate vom Testgebiet<br />
Im Kapitel 4.3 werden Vergleiche zwischen verschiedenen DHMs im Testgebiet Glacier de Moiry<br />
gezeigt. Diese Vergleiche werden gemacht, um die angewendete Technik zur Rekonstruktion zu<br />
überprüfen. Zum einen werden Vergleiche mit dem DHM von Roland Schenkel und zum anderen<br />
mit dem manuell erstellten DHM der VAW gemacht. Mit verschiedenen Inputdaten wird<br />
zudem das Verhalten der Interpolationsmethode untersucht.<br />
In Kapitel 4.3.11 wird abschliessend eine zusammenfassende Übersicht aller hier aufgeführten<br />
Vergleiche über den Glacier de Moiry gegeben.<br />
29
Masterarbeit FS 2011<br />
4.3.1 Legende der nachfolgenden Vergleiche<br />
Für die nachfolgenden Vergleiche werden die Differenzen aus zwei Raster, respektive DHMs berechnet.<br />
Alle Werte entsprechen folgender Legende (Abb. 18). Die Legende weist sieben Klassen<br />
auf. Die Klassen werden mittels vier verschiedenen Farben dargestellt. Die extremen Klassen<br />
werden in Rot, die mittleren Klassen in Orangetönen und die Klasse mit den tiefsten Differenzen<br />
in einem hellgrün dargestellt. Somit werden die Beträge der Werte in der gleichen Farbe<br />
dargestellt. Denn primär ist nicht das Vorzeichen der Vergleiche entscheidend, sondern der<br />
Zahlenwert der Differenzen. Diese Einteilung wird ebenso durch die Verteilung der Differenzwerte<br />
begründet, da sie laut Histogramm einer Normalverteilung folgen. Das Aussehen dieser<br />
Legende ist ein Standard, der häufig so eingesetzt wird.<br />
Legende<br />
Differenzen in [m]<br />
< -20<br />
-20 - -5<br />
-5 - -1<br />
-1 - 1<br />
1 - 5<br />
5 - 20<br />
> 20<br />
Abbildung 18:<br />
Legende der Differenzen im Testgebiet Glacier de Moiry in [m]<br />
4.3.2 Vergleich DHM Schenkel (Linien) und DHM Sidler (Linien)<br />
Das Testgebiet Glacier de Moiry wird nebst vom Autor auch von Roland Schenkel ausgewertet.<br />
Die Bildbearbeitung und Vektorisierung können je nach Operateur und Methode unterschiedlich<br />
sein. Um diese Unterschiede zu beziffern, werden die beiden DHMs miteinander verglichen<br />
und die Ursache für Differenzen erläutert.<br />
Der Vergleich der beiden Raster kann basierend auf einer Subtraktion abgeleitet werden. Das<br />
Raster von Schenkel ist der Minuend und das Raster von Sidler ist der Subtrahend. Die Differenz<br />
ist in Abbildung 20 ersichtlich.<br />
Das Ergebnis aus der Rasterkalkulation sieht zufriedenstellend aus und entspricht den Erwartungen.<br />
Der grösste Teil der Fläche liegt im Bereich von ± 1 m (grüne Farbe). Die grössten Unterschiede<br />
treten vor allem in den Steilstufen des Gletschers auf. Dies rührt daher, dass die beiden<br />
Operateure bei der Vektorisierung und Nachbearbeitung der Vektoren unterschiedliche Strategien<br />
verfolgen. Während Sidler nur die deutlich als Höhenlinien erkennbaren Linien vektorisiert,<br />
versucht Schenkel, das Terrain zu lesen und die Linien gemäss Schraffenzeichnung, Gletscherspalten<br />
und Eisbalkonen zu interpretieren (siehe Abb. 19). Im ersten Fall entstehen dadurch Lücken<br />
in den Daten, das heisst, es werden in einem gewissen Gebiet keine Höhenlinien erfasst.<br />
Im zweiten Fall hat es die Bedeutung, dass zwar Daten erfasst werden, jedoch die Verifikation<br />
über die Richtigkeit der Information nicht gewährleistet ist.<br />
30
Masterarbeit FS 2011<br />
Abbildung 19:<br />
Unterschiedliche Technik der Vektorisierung von Schenkel (schwarz) und Sidler (rot)<br />
Da die Differenzen hauptsächlich im negativen Bereich liegen, wird das Ergebnis nun so interpretiert,<br />
dass der Interpolationsalgorithmus „Topo to Raster“ bei einem Abschnitt ohne Daten<br />
eher eine konvexe Form annimmt. Dies bedeutet, dass Volumen unter der Oberfläche zu gross<br />
ausgewiesen wird. Bei Angaben von Höhenlinien wird die interpolierte Oberfläche nach unten<br />
gezogen. Dies führt dazu, dass die grösste Differenz im negativen Bereich -77.2 m und im positiven<br />
Bereich bei 35.54 m liegt. Der Mittelwert liegt bei 0.87 m und die Standardabweichung beträgt<br />
4.47 m. Wenn alle Differenzwerte in einem Histogramm geplottet werden, nimmt die<br />
Form eine deutliche Normalverteilung an.<br />
Weiter hat es grössere Differenzen im Gebiet um die Pointe de Mourti und in der Mitte des östlichen<br />
Teils des Gletschers. Beide Unterschiede liegen beim Wert von ca. 20 m. Dies ist darauf<br />
zurückzuführen, dass an beiden Stellen durch einen Flüchtigkeitsfehler eine Höhenlinie um<br />
20 m falsch attribuiert wurde. Weiters hat es an den Rändern des Rasters und in den Löchern<br />
des Rasters, wo Felsgebiet ist, grössere Differenzen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass je<br />
nach Umgrenzung des Gletschergebiets teils der Interpolationsalgorithmus keine Daten in<br />
unmittelbarer Nähe verwendet und somit über die Fläche hinaus interpoliert hat.<br />
31
Masterarbeit FS 2011<br />
Abbildung 20:<br />
Differenzraster des Vergleichs DHM (Sidler) und DHM (Schenkel)<br />
4.3.3 Vergleich DHM VAW und DHM Sidler<br />
Der Vorteil des Testgebiets Glacier de Moiry besteht darin, dass die VAW bereits einen Datensatz<br />
und ein DHM aus der selbigen Karte generiert hat. Dieses DHM kann nun für Vergleiche<br />
bezüglich Qualität und Konsistenz der Daten herangezogen werden.<br />
Da im Hauptteil dieser Arbeit ein DHM des zweitlängsten Gletschers, dem Fieschergletscher,<br />
rekonstruiert wird, und zur Datengewinnung ein anderes Verfahren eingesetzt wird als bisher<br />
bei der VAW, möchte auch die VAW die Unterschiede bezüglich eines anderen Operateurs und<br />
Verfahren ermittelt haben.<br />
Gegenüber der VAW wird in dieser Arbeit ESRI ARCGIS eingesetzt. Die VAW setzt andere S<strong>of</strong>tware<br />
ein und digitalisiert, rektifiziert und georeferenziert Karten manuell. Der Interpolationsalgorithmus<br />
für ein DHM verwendet im Anschluss nur die Stützpunkte der Linien und benützt<br />
somit nicht die ganze Linieninformation. Im Gegensatz vom Verfahren mit Topo to Raster, wo<br />
Linien als Input verwendet werden.<br />
4.3.3.1 DHM VAW (Punktraster 25 m) und DHM Sidler (Linien)<br />
Im Differenzen-Vergleich wird das DHM von Sidler vom DHM der VAW subtrahiert. Die grössten<br />
Differenz-Werte werden wiederum in den Steilstufen sichtbar. Die VAW verwendet denselben<br />
Ansatz wie Sidler und digitalisiert nur die als Höhenlinien sichtbaren Linien. Jedoch ver-<br />
32
Masterarbeit FS 2011<br />
wenden sie nur die Punktinformation von den Linien zur Interpolation. Das Maximum der Differenzen<br />
beträgt 32.48 m und das Minimum -27.15 m. Der Mittelwert über alle Differenzen liegt<br />
bei 0.19 m. Die grossen Differenzen treten wiederum dort auf, wo aus einem Flüchtigkeitsfehler<br />
die Höheninformation in manueller Arbeit falsch attribuiert wurde. Zudem ist sehr auffällig,<br />
dass häufig in steilen Gebieten die Unterschiede grösser sind als in den flacheren Partien. Dies<br />
wird wohl eine Eigenheit aus den Interpolationsalgorithmen sein (siehe Abb. 21).<br />
Abbildung 21:<br />
Differenzraster des Vergleich DHM VAW (Punkraster 25 m) und DHM Sidler (Linien)<br />
4.3.3.2 DHM VAW (Stützpunkte) und DHM Sidler (Linien)<br />
Im oben genannten Vergleich wird das DHM von der VAW verwendet, welches bereits vorgängig<br />
einer Interpolation unterzogen wurde, indem dass die Höhenlinien in ein regelmässiges<br />
Raster interpoliert worden sind. Deshalb werden hier nur die Linienstützpunkte der Vektorisierung<br />
von der VAW verwendet. So wird die Differenz zwischen dem DHM VAW (Stützpunkte)<br />
und DHM Sidler (Linien) gebildet. Das Maximum liegt hier bei 25.63 m und das Minimum bei<br />
-33.80 m. Der Mittelwert hat einen Wert von -0.48 m und die Standardabweichung beträgt<br />
3.73 m. Wie die kleinere Standardabweichung 3.73 m statt 4.63 m andeutet, ist die Streuung etwas<br />
kleiner (Abb. 22). Dies ist im Differenzraster (Abb. 23) unter anderem ersichtlich, dass nicht<br />
mehr so viele und so grosse Zonen vorhanden sind, wo höhere Werte von Unterschiede zwischen<br />
± 20 bis 50 m resultieren. Auch an den Rändern sind die Unterschiede etwas kleiner.<br />
Es ist jedoch anzumerken, dass im ersten, vorangehenden Vergleich die Rasterpunkte von der<br />
VAW ein grösseres Gebiet abdecken als das des Gletschers. Für diesen Vergleich hier, wo die<br />
Stützpunkte der Linien verwendet wurden, liegt die Höheninformation nur gerade auf dem<br />
Gletscher vor.<br />
33
Masterarbeit FS 2011<br />
Abbildung 22:<br />
Links: Histogramm des Differenzrasters des Vergleichs DHM VAW (Punktraster 25m) und<br />
DHM Sidler (Linien); Rechts: Histogramm des Differenzrasters des Vergleichs DHM VAW<br />
(Stützpunkte) und DHM Sidler (Linien)<br />
Abbildung 23:<br />
Differenzraster des DHM Sidler (Linien) und DHM VAW (Stützpunkte)<br />
4.3.4 Vergleich DHM VAW (Punktraster 25 m) und DHM Schenkel (Linien)<br />
Ein weiter Vergleich kann zwischen dem DHM der VAW aus dem Punktraster und dem DHM<br />
von Schenkel aus Linien gemacht werden (Abb. 24). Das Resultat zeigt ein ähnliches Verhalten,<br />
wie beim Vergleich zwischen DHM VAW (Stützpunkte) und DHM Sidler (Linien). Jedoch im<br />
westlichen Teil des Gletschers hat es ein grösseres Maximum. Dieses Maximum ist ursprünglich<br />
von einer inkorrekten Attribuierung. Weiter ist erkennbar, dass es mehrere kleinräumige<br />
Flächen von Differenzen zwischen 5 – 20 m und hauptsächlich in den Steilstufen hat. Dies rührt<br />
daher, dass zur Herstellung der beiden Raster eine unterschiedliche Herangehensweise zur<br />
34
Masterarbeit FS 2011<br />
Vektorisierung angewendet wurde. So kommen die Unterschiede besonders in den Steilstufen<br />
zum Ausdruck.<br />
Abbildung 24:<br />
Vergleich des Differenzrasters des DHM VAW (Punktraster 25 m) und DHM Schenkel<br />
(Linien)<br />
4.3.5 Vergleich DHM Sidler (Linien) und DHM Sidler (Stützpunkte)<br />
Da die VAW nur mit Punkten bei der Interpolation arbeitet, werden auch hier zur Interpolation<br />
nur die Stützpunkte der vektorisierten Höhenlinien als Input verwendet. Mit einem Vergleich<br />
der Raster-Resultate, die aus der Interpolation mit Linien, respektive Punkten, entstehen, soll<br />
erkundet werden, wie das Resultat abhängig vom Input und der Berechnung der Interpolation<br />
von TOPO TO RASTER ist (Abb. 25). Da hier auch Vergleiche angestellt werden, die als Input Linien<br />
und Stützpunkte aufweisen, wird untersucht, ob der Input Punkt oder Linie überhaupt eine Rolle<br />
spielt.<br />
Das aus Höhenlinien gerechnete Raster ist der Minuend und das Raster aus Stützpunkten ist<br />
der Subtrahend. Die Differenz beträgt im Durchschnitt -1.34 m, die Standardabweichung 2.51 m<br />
und das Maximum, respektive Minimum liegen bei 14.98 m und -13.90 m. Obwohl der Input für<br />
die Interpolation der Punkte dieselbe Information enthält, wie die Höhenlinien, wird eine differente<br />
Oberfläche berechnet.<br />
Die Aussage dieses Vergleichs ist, dass es einen Unterschied ausmacht, ob TOPO TO RASTER mit<br />
Linien oder mit Stützpunkten gefüttert wird. Da jedoch TOPO TO RASTER hauptsächlich zur Interpolation<br />
von Oberflächen aus Höhenlinien empfohlen wird, werden auch Höhenlinien als Input<br />
verwendet [ArcGIS-Help, 2011b].<br />
35
Masterarbeit FS 2011<br />
Abbildung 25:<br />
Vergleich des Differenzrasters des DHM Sidler (Linien) und DHM Sidler (Stützpunkte)<br />
4.3.6 Vergleich der Raster aus Punkten zwischen Raster VAW und Raster Sidler<br />
4.3.6.1 DHM VAW (Stützpunkte) und DHM Sidler (Stützpunkte)<br />
Aus Vergleichsgründen, dass auch dieselben Dateninputs miteinander verglichen werden, wird<br />
hier ein weiterer Vergleich gemacht. Es handelt sich hierbei um die Differenz zwischen einer<br />
Oberfläche von der VAW nur aus den Stützpunkten der Linien und ebenso aus einer Oberfläche<br />
nur aus den Stützpunkten der Höhenlinien von Sidler (Abb. 26). Die Differenzen zeigen folgende<br />
Kenngrössen. Das Maximum liegt bei 22.93 m, das Minimum bei -33.58 m und der Mittelwert<br />
bei -1.83 m und die Standardabweichung bei 4.06 m. Dies ist der einzige Vergleich, wo die beiden<br />
Inputs nur aus den Punkten bestehen. Die Differenzen im Mittelwert sind hier am grössten<br />
aller Vergleiche, jedoch bei den Minima und Maxima sind die Werte unterdurchschnittlich.<br />
Abbildung 26:<br />
Vergleich des Differenzrasters des DHM VAW (Stützpunkte) und DHM Sidler<br />
(Stützpunkte)<br />
36
Masterarbeit FS 2011<br />
4.3.6.2 DHM VAW (Punktraster 25 m) und DHM Sidler (Punktraster 25 m)<br />
Die VAW berechnet nach der Vektorisierung der Höhenlinien ein regelmässiges Punktraster aus<br />
den Stützpunkten der Höhenlinien. In diesem Abschnitt wird ein Homogenitätsvergleich angestrebt.<br />
Die Stützpunkte der Höhenlinien von Sidler werden von der VAW mit ihrem Interpolationsalgorithmus<br />
in ein 25 m Punkteraster gerechnet. Anschliessend werden die beiden Punkteraster<br />
in ARCGIS mit TOPO TO RASTER in Rasteroberflächen berechnet und anschliessend voneinander<br />
subtrahiert. Das Raster der VAW ist wiederum der Minuend. Folgende Kennziffern werden<br />
aus dem Differenzenraster berechnet. Der Mittelwert ist -1.56 m und die Standardabweichung<br />
ist 4.03 m. Das Minimum liegt bei -26.99 m und das Maximum bei 25.38 m. Der Mittelwert<br />
ist somit einiges grösser als bei den vorangegangen Vergleichen. Jedoch liegt auch dieser<br />
Wert immer noch in der Toleranz, respektive Genauigkeit des beschriebenen Verfahrens.<br />
4.3.7 Georeferenzierung der Kartengrundlage bei der VAW<br />
4.3.7.1 Helmert-Transformation<br />
Für die Digitalisierung der Karten werden bei der VAW die Karten selber gescannt und georeferenziert.<br />
Bei der Bearbeitung des Testgebietes Glacier de Moiry wurde festgestellt, dass es bezüglich<br />
der georeferenzierten Karte der SWISSTOPO zu einem Versatz von ca. vier Pixeln kommt.<br />
Vier Pixel im Kartenbild entsprechen zehn Meter in natura. Somit sind die vektorisierten Höhenlinien<br />
von einem Versatz betr<strong>of</strong>fen (siehe Abbildung 27).<br />
Abbildung 27:<br />
Vektorisierte Stützpunkte der VAW (grüne Punkte) und Höhenlinien Sidler (rote Linien)<br />
Mit einer Transformation kann dieser Offset behoben werden. Um die Transformationsparameter<br />
zu bestimmen, werden die Koordinatenkreuze aus beiden Kartengrundlagen abgegriffen<br />
und mit einer Helmert-2D-Transformation berechnet [Ingensand, 2011]. Die Berechnung wird<br />
mit elf Referenzpunkten durchgeführt. Die vier Transformationsparameter Translation delta X,<br />
delta Y, Rotation phi und Massstab stehen in Tabelle 2:<br />
37
Masterarbeit FS 2011<br />
Parameter<br />
Wert<br />
Drehung 0.02056°<br />
Massstab 0.9992951<br />
Shift Ost<br />
Shift Nord<br />
-5.0839 m<br />
5.3322 m<br />
Tabelle 2:<br />
Transformationsparameter zwischen gescannter Karte von der VAW und der<br />
verwendeten georeferenzierten Karte der SWISSTOPO<br />
Aufgrund dessen, dass festgestellt wird, dass die Vektorisierung der Höhenlinien nicht auf der<br />
selben Georeferenzierung basiert, werden die vier Parameter (2 Tanslation, 1 Rotation, 1 Massstab)<br />
auf das berechnete Raster, welches aus den Höhenlinien von der VAW berechnet wird, bestimmt.<br />
Das Raster wird in ARCGIS mit den Funktionen SHIFT, ROTATE und RESCALE unter DATAMA-<br />
NAGEMENT TOOLS und PROJECTIONS AND TRANSFORMATIONS mit der Angabe der Werte aus der Helmertransformation<br />
nacheinander transformiert.<br />
Anschliessend wird das transformierte Raster nochmals vom Raster – DHM Sidler (Linien) subtrahiert,<br />
was folgende Kennziffern der Differenzen ergibt. Das Maximum der Differenzen als<br />
Input mit transformiertem Raster liegt bei 32.50m, das Minimum ist 28.27 m und der Mittelwert<br />
beträgt 0.11 und die Standardabweichung 4.83 m.<br />
Differenz der Raster<br />
DHM VAW (Punktraster<br />
25 m) – DHM Sidler (Linien)<br />
Differenz der Raster<br />
DHM VAW transformiert (Punktraster<br />
25 m – DHM Sidler (Linien)<br />
Unterschied<br />
Minimum -27.15 –28.27 -1.05<br />
Maximum 32.48 32.50 +0.02<br />
Mittelwert 0.19 0.11 -0.08<br />
Standardabweichung 4.63 4.83 +0.2<br />
Tabelle 3: Unterschied zwischen den Differenzen vom nicht transformierten und vom<br />
transformierten Raster in [m] verglichen mit dem DHM Sidler (Linien)<br />
Aus der Tabelle 3 ist ersichtlich, dass sich die unterschiedliche Georeferenzierung der Grundlagenkarte<br />
auf die Differenzen der beiden Raster auswirkt. Zu erwarten von einer Transformation<br />
der Daten ist eine bessere Übereinstimmung der beiden berechneten Raster und somit eine<br />
Reduktion der Differenzen. Denn so sollten die Raster deckungsgleich sein und somit dieselben<br />
Datenpunkte im Raster voneinander berechnet werden. Diese Annahme ist anhand des Mittelwerts<br />
über das ganze Raster und dessen Verringerung auch bestätigt. Jedoch haben sich<br />
beide Extremwerte erhöht und die Standardabweichung hat sich vergrössert. Zudem muss gesagt<br />
werden, dass durch die Transformation die Rasterzellen nicht mehr deckungsgleich zu den<br />
anderen Rastern übereinander liegen. Dies kann wiederum zu Ungenauigkeit in der Subtraktion<br />
der verschiedenen Raster führen.<br />
4.3.7.2 Transformation mit der Georeferencing Toolbar<br />
Mit der GEOREFERENCING TOOLBAR steht in ARCGIS ein weiteres Tool zur Verfügung, um Rasterdaten<br />
zu georeferenzieren. In der Toolbar werden die Punktepaare angegeben, die von der einen<br />
38
Masterarbeit FS 2011<br />
zur anderen Lage transformiert werden sollen. Das heisst, es wird die Ist- und die Soll-<br />
Koordinate von mehreren Punkten angegeben. Als Referenzpunkte kommen wiederum dieselben<br />
elf Punktepaare zur Anwendung, wie zur Berechnung der Helmert-Transformation. Anschliessend<br />
stehen in der Art der Berechnung der Transformationen mehrere Algorithmen zur<br />
Verfügung. So werden zu Test- und Optimierungszwecken mehrere Transformationsvarianten<br />
ausprobiert.<br />
Die Affine Transformation ist eine Polynomiale Funktion 1. Ordnung. Mit dieser Transformation<br />
wird ein RMSE von 2.90 m angegeben. Mit der Adjust-Methode wird ein RMSE von 1.25 m erreicht<br />
und bei der Spline-Funktion ein RMSE von 0.00004 m. Der RMSE (Root Mean Square Error)<br />
zeigt die mittlere Lagegenauigkeit relativ zur Referenzvorlage, die mit der Georeferenzierung<br />
erreicht wird [ArcGIS, 2008]. Dieser Wert ist jedoch nicht gleich zusetzen mit der Qualität<br />
der Georeferenzierung. Denn häufig gewichten Funktionen, wie SPLINE, die einen sehr kleinen<br />
RMSE ausgeben, lokale Anpassungen sehr stark, so dass die Referenzpunkte sehr gut übereinstimmen.<br />
Doch bei einer Georeferenzierung werden grossräumige, globale Anpassungen gewünscht,<br />
die den ganzen Datensatz homogen transformieren. Die nachstehende Tabelle 4<br />
zeigt die Resultate der Kennwerte ohne Transformation, mit der Helmert-2D-Transformation<br />
und mit der Transformation der GEOREFERENCING TOOLBAR.<br />
Differenz der<br />
Raster<br />
DHM VAW<br />
(Punktraster<br />
25 m) – DHM<br />
Sidler (Linien)<br />
Differenz der<br />
Raster<br />
DHM VAW<br />
(Punktraster<br />
25 m) (transformiert)<br />
–<br />
DHM Sidler (Linien)<br />
[Helmert]<br />
Differenz der<br />
Raster<br />
DHM VAW<br />
(Punktraster<br />
25 m) (transformiert)<br />
–<br />
DHM Sidler (Linien)<br />
[Affine]<br />
Differenz der<br />
Raster<br />
DHM VAW<br />
(Punktraster<br />
25 m) (transformiert)<br />
–<br />
DHM Sidler (Linien)<br />
[Adjust]<br />
Differenz der<br />
Raster<br />
DHM VAW<br />
(Punktraster<br />
25 m) (transformiert)<br />
–<br />
DHM Sidler (Linien)<br />
[Spline]<br />
Minimum -27.15 –28.27 -29.43 -29.89 -29.21<br />
Maximum 32.48 32.50 33.36 33.88 34.23<br />
Mittelwert 0.19 0.11 0.32 0.42 0.57<br />
Standardabweichung 4.63 4.83 5.22 5.46 5.44<br />
RMSE -- -- 2.90 1.25 0.0004<br />
Tabelle 4:<br />
Kenngrössen der Differenzen aller angewendeten Transformationen in [m]<br />
39
Masterarbeit FS 2011<br />
Abbildung 28:<br />
Toolbox Georeferencing mit der Transformation Adjust, den Residuen und des RMSE;<br />
rechts im Bild ist ein Referenzpunkt zu erkennen<br />
Die Tabelle 4 zeigt auf, dass sich eine Rastertransformation auf das Differenzergebnis auswirkt.<br />
Doch sind nicht alle Resultate besser als vom Autor erwartet. Die Helmert-Transformation ist<br />
gegenüber ohne Transformation im Mittelwert über das ganze Raster etwas kleiner, doch ist<br />
der Wert der Standardabweichung etwas grösser. Die Transformationen über die GEOREFEREN-<br />
CING TOOLBAR bewirken keine Verbesserung der Kennwerte. Es ist schwierig abzuschätzen, ob<br />
und welche Transformation eine Steigerung der Qualität der Differenzen bewirkt. Denn einerseits<br />
sind die Kenngrössen Mittelwert, Standardabweichung, Minima und Maxima in derselben<br />
Grössenordnung wie bei den vorher beschriebenen Vergleichen.<br />
Nicht zu vergessen ist, dass die Abweichung in der Georeferenzierung im Verhältnis zur Zeichnungsgenauigkeit<br />
praktisch vernachlässigbar ist. So ist die Zeichnungstoleranz zwischen 5 –<br />
15 m, was in etwa auch der Versatz der Georeferenzierung (4 Pixel = 10 m) ist. Auch in einem visuellen<br />
Vergleich der beiden Raster fallen die Unterschiede nicht gross ins Gewicht.<br />
In allen oben beschriebenen Transformationen wird das berechnete Raster (DHM) aufgrund<br />
unterschiedlicher Georeferenzierung umprojiziert. Da bei einer Rastertransformation auch immer<br />
ungünstige Fehler und Verschiebungen im Raster auftreten, wäre es eventuell sinnvoller,<br />
wenn die Höhenlinien transformiert und im Anschluss das DHM nochmals berechnet werden<br />
könnte. Dies würde sicherlich ein genaueres Resultat der Differenzen erzielen. Denn ansonsten<br />
werden nebst der eigentlichen Transformation auch noch die Rasterzellen auf die neue Positionen<br />
transformiert und nochmals interpoliert. Dass jedoch Vektordaten in ARCGIS über Parameter-Eingaben<br />
transformiert werden können, ähnlich der GEOREFERENCING TOOLBAR für Rasterdaten,<br />
müsste die ARCGIS SURVEY ANALYST EXTENSION von ESRI erworben werden.<br />
4.3.8 Reklassifizierung der Differenzen<br />
Als Kennziffern der Differenzen dienen in den vorangegangen Vergleichen stets der Mittelwert,<br />
die Standardabweichung, das Maximum und Minimum. Zudem werden die Raster visuell über<br />
der topografischen Karte dargestellt. Das Differenzraster deckt zugleich immer die Fläche des<br />
40
Masterarbeit FS 2011<br />
Gletschergebietes ab und dies immer in derselben Klasseneinteilung. Mit der Farbwahl, dass<br />
die Werte zwischen -5- -1 m und 1-5 m, sprich die Beträge der Werte dieselben Farben tragen,<br />
vereinfacht die Abbildung, jedoch gehen dabei auch Informationen verloren.<br />
Mit einer Reklassifizierung der Daten können diese Klassen einzeln und übersichtlich dargestellt<br />
und analysiert werden. Die nachfolgende Tabelle 5 zeigt die Anzahl der Pixel in ihrer jeweiligen<br />
Klasse und die Verteilung in Prozent. Mit der Funktion RECLASSIFY in den SPATIAL ANALYST<br />
TOOLS in ESRI ARCGIS kann das Differenzenraster in eine andere Klasseneinteilung umgewandelt<br />
werden und zugleich wird die Anzahl der Pixel pro Klasse ausgewiesen. Über 75 % der Daten<br />
liegen in einem Bereich zwischen ±5 m Die Werte stammen vom Vergleich des Helmerttransformierten<br />
Rasters DHM VAW Punktraster 25 m (transformiert) und des Rasters DHM Sidler<br />
(Linien). Die nachstehende Abbildung 29 zeigt die Werte aus der Tabelle in einem Balken-<br />
Histrogramm. Die Verteilung der Werte über das ganze Differenzenraster folgt stark einer<br />
Normalverteilung und kommt mit dieser Abbildung gut zur Geltung.<br />
Klassen Klasseneinteilung Anzahl Pixel Verteilung in %<br />
1 -50 - -20 24 0.22<br />
2 -20 - -5 1034 9.42<br />
3 -5 - -1 2839 25.86<br />
4 -1 - 1 2903 26.44<br />
5 1 - 5 2937 26.75<br />
6 5 - 20 1214 11.06<br />
7 20 - 50 27 0.25<br />
Summe: 10978 100.00<br />
Tabelle 5:<br />
Zusammenstellung einer Reklassifizierung eines Höhen-Differenzrasters<br />
Abbildung 29:<br />
Verteilung der reklassifizierten Höhendifferenzen pro Klasse in [m]<br />
41
Masterarbeit FS 2011<br />
4.3.9 Volumenberechnung der Differenzen<br />
Wenn eine Oberfläche als DHM beschrieben ist, können in einem GIS Volumenberechnungen<br />
durchgeführt werden. In ARCGIS ist es möglich mit dem Tool SURFACE VOLUME in der Toolbox des<br />
3D-ANALYST den Volumeninhalt unter- oder oberhalb einer frei wählbaren Referenzebene zu<br />
bestimmen.<br />
Wie bereits in den dargestellten Vergleichen festgestellt, entstehen bei Raster-Subtraktionen<br />
der DHMs Höhendifferenzen. Die Kenngrössen bei den Vergleichen sind die Minima, Maxima,<br />
Mittelwerte und die Standardabweichungen. Bei einem Differenzraster ist anzunehmen, dass<br />
es negative und positive Werte gibt, da es sich um ähnliche Oberflächen handelt, die aus denselben<br />
Daten, respektive derselben Quelle, stammen. So sind die Werte der Interpolation von<br />
einem zum anderen DHM etwas höher und dann wieder tiefer. Optimal für das gesamte Raster<br />
wäre ein Mittelwert um 0. Da Differenzen im negativen, wie auch im positiven Bereich entstehen.<br />
Im hier durchgeführten Volumenvergleich wird die Referenzebene auf 0 gesetzt und jeweils<br />
der Volumeninhalt über- und unterhalb dieser Höhe bestimmt. Wenn die Differenz zwischen<br />
dem Inhalt unter und über der Ebene 0 m 3 ist, wäre dies ein optimales Ergebnis. Auch bezüglich<br />
der Interpolation, könnte gesagt werden, dass die Oberfläche im Mittel das Gebiet gut beschreibt<br />
und dass sie generell nicht zu hoch oder zu tief ist gegenüber den Stützpunkten, die<br />
für die Berechnung benutzt werden.<br />
Es wird hier für diese Volumenberechnungen der Vergleich der Differenzen von den Raster<br />
DHM VAW Punktraster 25 m (Helmert transformiert) – DHM Sidler (Linien) gemacht.<br />
Die Fläche des Gletschergebietes beträgt 6’968’785 m 2 . Über der Referenzebene bis zum Differenzraster<br />
beträgt das Volumen 10’345’878 m 3 und unter der Ebene 9’746’186 m3. Dies ergibt<br />
ein Differenzvolumen von 599’692 m 3 . Dies entspräche auf der ganzen Gletscherfläche eine gedachte<br />
Eisschicht von weniger als neun Zentimeter, respektive ± 4.5 cm auf der Oberfläche.<br />
Wird diese Volumenberechnung auf den Mittelwert statistisch zentriert 3 , wird die Referenzebene<br />
nicht auf 0 m, sondern auf den Mittelwert des Differenzrasters, nämlich auf 0.11 m (siehe<br />
Kapitel 4.3.7.1), definiert. Werden dieselben Berechnungen analog wie oben dargestellt, durchgeführt,<br />
führt dies auf eine „imaginäre“ Eisschicht von lediglich ± 2 cm auf der Gletscheroberfläche.<br />
Diese tiefen Werte der Rasterdifferenz der beiden DHMs bestätigen auch den Mittelwert von<br />
0.11 m (siehe Kapitel 4.3.7.1). Sie lassen auch die Aussage zu, dass der Interpolationsalgorithmus<br />
die berechnete Gletscheroberfläche gleichmässig berechnet, da die Differenzen über- respektive<br />
unterhalb der Referenzebene stark einer Normalverteilung folgen und dies um einen Mittelwert<br />
von 0 m herum.<br />
3 Zentrieren des Mittelwerts: Dient der Skalierung der Daten. Wird der Mittelwert von den Daten subtrahiert, wird<br />
dies als "Mittelwert-Zentrieren“ bezeichnet. Die Daten werden gegen den Mittelwert verschoben. Der Mittelwert der<br />
transformierten Daten ist danach gleich null: Y = X – μ<br />
http://www.statistics4u.info/fundstat_germ/cc_scaling.html (Zugriff: 06.05.2011)<br />
42
Masterarbeit FS 2011<br />
Fläche des Gletschers<br />
Höhe der<br />
„gedachten<br />
Eisschicht“<br />
Abbildung 30:<br />
Volumenberechnung aus dem Differenzraster zweier DHMs / Schrägansicht auf den<br />
Umriss des Glacier de Moiry von Südosten<br />
4.3.10 Qualitativer Konturlinien-Vergleich<br />
Wie oben beschrieben können mit dem Tool CONTOUR aus einem DHM die Höhenlinien berechnet<br />
werden. Dies wird mit dem DHM Sidler (Linien), DHM VAW (Punktraster 25 m), DHM VAW<br />
Punktraster 25 m (Helmert transformiert) und DHM VAW Punktraster 25 m (Affin transformiert)<br />
gemacht. Die nachstehende Abbildung 31 zeigt zwei Ausschnitte über dem Gletschergebiet. Die<br />
Karte gilt als Referenz im Hintergrund. Man erkennt, dass alle Interpolationen eine gewisse<br />
Ungenauigkeit aufweisen. Diese ist unumgänglich, wenn bedenkt wird, dass die Resultate<br />
mindestens zweimal einer Interpolation unterliegen. Des Weiteren ist feststellbar, dass die<br />
Transformation in beiden Fällen, bei der Helmert-Transformation, wie auch bei der Affinen<br />
Transformation die Lagegenauigkeit der berechneten Höhenlinien sich verbessert hat. Im rechten<br />
Bild ist erstaunlicherweise ersichtlich, dass unterhalb (südlich) der Zahl 2570 sich die Linien,<br />
die aus dem Punktraster stammen, besser an der gegeben Situation anpassen als die rote Linie<br />
(DHM Sidler (Linien)).<br />
DHM VAW (Punktraster 25 m [Affin])<br />
DHM VAW (Punktraster 25 m [Helmert])<br />
DHM VAW (Punktraster 25 m)<br />
DHM Sidler (Linien)<br />
Abbildung 31:<br />
Zwei Ausschnitte desselben qualitativen Konturlinienvergleichs mit berechneten<br />
Höhenlinien aus verschiedenen Interpolationen<br />
43
Masterarbeit FS 2011<br />
4.3.11 Übersicht aller Vergleiche und Interpretation<br />
Bei Betrachtung dieser Zusammenstellung (Tab. 6) ist erkennbar, dass die Resultate der Vergleiche<br />
sehr variabel sind. Das beste Resultat erzielt der Vergleich des DHMs VAW (Punktraster<br />
25 m) und des DHM Sidler (Linien) aus Höhenlinien. Obwohl es zwei unterschiedliche Inputs<br />
sind. Wenn noch eine Helmert-2D-Transformation auf das Raster angewendet wird, passt das<br />
Ergebnis noch etwas besser, wenn der Mittelwert als Kenngrösse betrachtet wird. Es ist somit<br />
nicht einfach abzuschätzen, welches DHM das richtige Resultat ist. Es könnte auch sein, dass<br />
im Mittelwert sich die Fehler der DHMs und der Interpolation gegenseitig aufheben und ihn so<br />
verbessern. Wie so <strong>of</strong>t in der Statistik oder Datenanalyse lässt das Ergebnis viel Interpretationsspielraum.<br />
Abschliessend zu diesen verschiedenen Vergleichen kann gesagt werden, dass alle Ergebnisse<br />
zufriedenstellend sind, wenn der Mittelwert und die Standardabweichung über die Differenzraster<br />
als Bewertung herangezogen werden. Die Maxima und Minima sind nicht unbedingt<br />
aussagekräftig, so kann auf die ca. 11’000 Pixel pro Differenzraster auch 1 Pixel ein Ausreisser<br />
sein.<br />
Durch das Ausführen mehrerer Vergleiche mit verschiedenen DHMs wird auch erkannt, dass<br />
die Umrandung, die für das Clipping des Gletschergebiets verwendet wird, einen wichtigen<br />
Faktor ist, in der Berechnung des Mittelwertes. Vergleiche mit der Gletscherumrandung von<br />
Schenkel zeigen, dass eine andere Umrandung mehrere Dezimeter im Mittelwert ausmachen.<br />
Dies ist auch dadurch zurückzuführen, dass die grössten Differenzen und auch Unsicherheiten<br />
in der Interpolation an den Rändern der Gletscherumrandung liegen.<br />
Weitere Unsicherheiten sind im Prozess einer DHM-Generierung aus alten Karten vorhanden.<br />
Nebst Bildbearbeitung, Vektorisierung und Interpolation, bildet auch die Zeichnungsgenauigkeit<br />
der Karte eine Quelle von Ungenauigkeit sowie später auch das Scannen und die Georeferenzierung.<br />
Die Zeichnungstoleranz der 1:50’000 LK ist 5-15 m in der Lage und 10 m in der Höhe,<br />
wenn man die Faustregel zur Höhengenauigkeit einer halben Äquidistanz nimmt. So sind die<br />
erhaltenen Resultate (Mittelwerte) immer noch ein Zehnfaches genauer als die Toleranzen und<br />
somit sind alle Vergleiche akzeptierbar.<br />
Tabelle 6:<br />
Zusammenstellung aller Vergleiche der DHMs des Testgebiets „Glacier de Moiry“<br />
44
Masterarbeit FS 2011<br />
5 Studiengebiet „Fieschergletscher“<br />
5.1 Fieschergletscher<br />
Die Rekonstruktion des DHM vom Fieschergletscher inklusive seinen Nebengletschern bilden<br />
den Hauptteil dieser Masterarbeit.<br />
Der Fieschergletscher ist ein Talgletscher auf der Südseite der Berner Alpen im Kanton Wallis<br />
und liegt östlich des Grossen Aletschgletschers. Der Gletscher ist ca. 15 km lang und nach dem<br />
Grossen Aletschgletscher der zweitlängste Gletscher der Alpen. Im oberen Teil ist er etwa 1 km<br />
breit und im unteren Teil nur 500 bis 700 m. Mit seinen Seitengletscher Studergletscher, Galmi-<br />
und Triftgletscher weist er heute eine Fläche von ca. 36.5 km² auf. Der Studergletscher ist in<br />
alten Karten noch als Studerfirn bezeichnet.<br />
Der Fieschergletscher nimmt seinen Ursprung am Osthang des Gross Fiescherhorn auf 4000 m<br />
ü. M. In den oberen 2 km ist er relativ steil. Mit zunehmender Länge wird er im unteren Teil flacher.<br />
Flankiert wird der Gletscher von den höchsten Schweizer Bergen ausserhalb des Kantons<br />
Wallis. Im Westen liegt das Grünhorn (4044 m ü. M.) und Gross Wannenhorn (3906 m ü. M.),<br />
im Osten das Finsteraarhorn (4274 m ü. M.). Von beiden Seiten münden kleinere Hanggletscher<br />
in den Fieschergletscher. Am Südfuss des Finsteraarrothorns (3530 m ü. M.) treffen von Osten<br />
die fünf Kilometer langen Studer- und Galmigletscher zum Talgletscher. Von dort aus fliesst er<br />
weiter südlich durch das Fieschertal. Die Gletscherzunge befindet sich derzeit auf rund 1700 m<br />
ü. M. Im Jahre 1927 lag sie noch auf 1610 m [Mercanton, 1958]. Während der Kleinen Eiszeit (bis<br />
Mitte 19. Jahrhundert) war der Fieschergletscher rund zwei Kilometer länger und besass zwei<br />
voneinander getrennte Zungen.<br />
Der Fieschergletscher speist den Gletscherbach Wysswasser, welcher bei Fiesch in die Rhone<br />
mündet [wikipedia, 2011a].<br />
Nördlich des Hinter- und Gross-Fiescherhorn befindet sich in der Karte ein Gletscher, der ebenfalls<br />
mit Fieschergletscher beschriftet wird. Dieser fliesst Richtung Grindelwald und wird deshalb<br />
auch Grindelwald-Fieschergletscher genannt und ist um ein Vielfaches kleiner als der Walliser-Fieschergletscher.<br />
In dieser Arbeit werden der Walliser-Fieschergletscher und seine Nebengletscher,<br />
Galmi- und Studergletscher, behandelt.<br />
45
Masterarbeit FS 2011<br />
Abbildung 32: Luftaufnahme des Fieschergletschers in seinem Zungenbereich [VAW, 2010b]<br />
5.2 Erstellung der Gletscherumrandung<br />
Für die Darstellung der Differenzen des Gletschers ist es von Nöten, die Umrandung eines Gletschers<br />
digital zu erfassen. Diese wird verwendet, um einerseits aus der interpolierten Fläche<br />
nur die gewünschte Eismasse auszuweisen und andererseits bei der VAW zur Interpolation, da<br />
im Randgebiet auf eine andere Art interpoliert wird.<br />
Bei der Erfassung der Umrandung werden in der Regel zwei Konzepte angewendet. Entweder<br />
wird die zusammenhängende einzelne Eismasse umfahren oder es werden alle Eismassen innerhalb<br />
eines Gebietes erfasst. Für diese Arbeit werden alle Eismassen innerhalb des ganzen<br />
hydrologischen Einzugsgebiets zum Gletschergebiet miteinbezogen.<br />
46
Masterarbeit FS 2011<br />
Für die beiden Gletschergebiete Moiry- und Fieschergletscher werden die Umrandungen manuell<br />
mit Editier-Werkzeugen von ARCGIS digitalisiert. Da dieser Arbeitsschritt sehr zeitintensiv<br />
ist, wird hier ein Versuch dargestellt, diesen Prozess halbautomatisch durchzuführen (Abb. 33).<br />
Für ein halbautomatisches Vorgehen müssen die Höhenlinien auf dem Gletschergebiet als Vektoren<br />
vorliegen. Dies kann mit ARCSCAN auf der Grundlage der Pixelkarte erreicht werden, wie in<br />
Kapitel 3.2 ausführlich beschrieben wird. Danach wird ein Buffer um jede Höhenlinie berechnet.<br />
In steileren Gebieten erreicht man damit, dass es zu Überlappungen der Buffer kommt. Der<br />
Buffer ist so definiert, dass er an den Enden der Linien einen flachen, geraden Abschluss bildet,<br />
alternativ könnte eine Abrundung gewählt werden. Mit dem Tool ELIMINATE POLYGON PART aus<br />
den DATA MANAGEMENT TOOLS kann in Prozent oder in Flächeneinheiten angegeben werden, dass<br />
sich Lücken unter einem Schwellwert schliessen sollen. Beim Fieschergletscher wird für den<br />
Buffer ein empirischer Wert von 25 m und für das Schliessen von Lücken 20 % angewendet.<br />
Durch diese zwei Schritte wird eine grosse Fläche des Gebiets zusammengeschlossen. Von<br />
Hand muss noch Feinarbeit geleistet und Gebiete, die nicht geschlossen sind, manuell bearbeitet<br />
werden. Dies gelingt mit dem Tool AUTO COMPLETE POLYGON, wo sich Lücken einfach schliessen<br />
lassen. Mit DISSOLVE aus den DATA MANAGEMENT TOOLS lassen sich die manuell verbesserten<br />
Features in ein zusammenhängendes Polygon umwandeln.<br />
Diese halbautomatische Vorgehensweise birgt gegenüber der manuellen Umfahrung des Gebietes<br />
eine Ungenauigkeit in sich, indem dass der Buffer um jede Linie das Gletschergebiet<br />
25 m erweitert, so kommt es an den Rändern zu einer flächenmässigen Vergrösserung des Gebietes.<br />
Doch in diesem Massstab, wo die Umrandung hergestellt wird, liegt dieser Wert nur<br />
knapp über der Toleranz der Genauigkeit.<br />
Als Illustration seien hier die Werte der Gletscherumrandung vom Fieschergletscher gezeigt<br />
(Tabelle 7). Die gesamte Gletscherfläche beträgt ca. 42'000'000 m 2 . Die Differenz zwischen der<br />
manuellen und halbautomatischen Technik zur Herstellung der Umrandung beträgt ca.<br />
800'000 m 2 . Dies ist eine Abweichung von unter zwei Prozent auf die gesamte Fläche. Jedoch<br />
ist die Zeitersparnis für die Generierung der Umrandung enorm. Es gilt nun abzuwägen, ob dies<br />
der Genauigkeit genügt oder nicht. Für diese Arbeit wird aber die manuell generierte Umrandung<br />
weiter verwendet.<br />
Fläche<br />
Umrandung (halbautomatisch) in [m 2 ] 42’707’473<br />
Umrandung (manuell) in [m 2 ] 41’883’194<br />
Differenz in [m 2 ] 824'279 (1.9%)<br />
Tabelle 7: Flächen-Differenz der Gletscherumrandung beim Fieschergletscher bei<br />
halbautomatischer und manueller Erstellung. Die Werte sind aus der Erstausgabe der<br />
LK50 mit Gletscherstand von 1927 abgeleitet.<br />
47
Masterarbeit FS 2011<br />
1 2 3<br />
4 5 6<br />
Abbildung 33: Halbautomatische Erstellung der Gletscherumrandung für den Fieschergletscher: (1)<br />
Blaue Höhenlinien; (2) 25 m-Buffer um jede Linie; (3) Zwischenflächen automatisch<br />
aufgefüllt; (4) manuelles Schliessen der Lücken und ausschneiden der Löcher; (5) Mit<br />
Dissolve wird ein fertiges Feature generiert; (6) Messlinie zur Längenbestimmung des<br />
Gletschers<br />
5.2.1 Bestimmung der Fläche und Länge des Fieschergletschers<br />
Mittels Digitalisierung der Umrandung des Gletschergebietes ist es möglich, Flächen zu generieren<br />
und diese zu quantifizieren. Nachstehende Tabelle 8 zeigt in verschiedenen Quellen gefundene<br />
Angaben über Fläche und Länge des Fieschergletschers. Die Abweichungen rühren<br />
häufig daher, dass nirgends festgehalten ist, welche eisbedeckten Flächen dazugezählt werden<br />
und welche nicht. Der Fieschergletscher weist verschiedene Nebengletscher und mehrere Arme<br />
auf, so ist nicht in jedem Fall klar, wie und wo die Länge des Gletschers gemessen wird. Doch<br />
häufig wird der Gletscherfliesslinie entlang gemessen. Hilfreich ist, wenn die Messlinie auf einer<br />
Karte eingezeichnet wird sowie die Quelle, respektive das Jahr vermerkt ist (siehe Abb. 33,<br />
Bild 6).<br />
48
Masterarbeit FS 2011<br />
Attribut Grösse [km2] [km] Quelle Jahr<br />
Fläche 34.21 [VAW, 2010b] 1973<br />
Fläche 41.88 Autor Gletscherstand 1927<br />
Fläche 36.54 Autor Gletscherstand LK50 2005<br />
Fläche 33.00 [wikipedia, 2011a] ---<br />
Länge 15.35 [VAW, 2010] 1973<br />
Länge 16.00 Autor Gletscherstand 1927<br />
Länge 15.00 Autor Gletscherstand LK50 2005<br />
Länge 16.00 [wikipedia, 2011a] ---<br />
Tabelle 8:<br />
Fläche und Länge des Fieschergletscher nach Quelle und Jahr<br />
5.3 Interpolation von Höhenmodellen<br />
Die Bildbearbeitung, Vektorisierung und halbautomatische Attribuierung werden beim Fieschergletscher<br />
wie in den vorangegangen Kapiteln beschrieben durchgeführt. So wird hier mit<br />
der Beschreibung der Interpolation weitergefahren.<br />
Es wird im Studiengebiet Fieschergletscher dieselbe Interpolation wie bereits im Testgebiet<br />
Glacier de Moiry angewendet. Als Input dienen die Höhenlinien auf dem Gletscher und im hydrologischen<br />
Einzugsgebiet. Zusätzlich werden die angrenzenden Höhenlinien mit berechnet,<br />
um an den Rändern des Gletschers möglichst viel Höheninformation für die Interpolation zu<br />
erhalten. Nebst den Höhenlinien werden auch die Koten, die in der Karte als Kreuze oder Punkte<br />
eingezeichnet und mit einer Höhenangabe versehen sind, als Punktfeature in die Interpolation<br />
miteinbezogen. Im Tool TOPO TO RASTER in ARCGIS können gleichzeitig Punkt- und Linienfeature<br />
interpoliert werden. Insgesamt sind dies 5841 Linienfeatures und 211 Punktfeatures (siehe Anhang).<br />
Das daraus berechnete DHM mit Rastergrösse von 25 m x 25 m wird nachfolgend als<br />
DHM1927 bezeichnet.<br />
Zu Vergleichszwecken werden die vektorisierten Höhenlinien von der VAW mit ihrem S<strong>of</strong>twarepaket<br />
prozessiert, wie es bei ihr üblich ist. Aus den Höhenlinien wird ein regelmässiges<br />
Punktraster von 25 m x 25 m berechnet. Anschliessend wird mit TOPO TO RASTER eine kontinuierliche<br />
Oberfläche berechnet. Das auf diese Weise berechnete DHM, ebenfalls mit Pixelgrösse<br />
von 25 m x 25 m wird nachfolgend als DHM1927_VAW bezeichnet. Die VAW verwendet für ihre<br />
Zwecke ein Raster mit einer Maschenweite von 25 m. Abbildung 34 zeigt, dass TOPO TO RASTER<br />
bei einem Input von Punkten, die in einem Raster angeordnet sind, die Rasterzelle nicht jeweils<br />
um einen Punkt berechnet, sondern zwischen den Rasterpunkten interpoliert wird. Das bedeutet,<br />
die Rasterzelle übernimmt nicht die Höhe eines Input-Punktes an, sondern sie wird interpoliert.<br />
Die Abbildung zeigt die Höhenwerte der Input-Eckpunkte und den Pixelwert, wie er nach<br />
TOPO TO RASTER gespeichert wird. Es ist anzunehmen, dass nicht nur die lokalen Punkte um das<br />
Pixel einen Einfluss auf dessen Wert nimmt, sondern auch die benachbarten Punkte.<br />
49
Masterarbeit FS 2011<br />
3333.91<br />
3347.49<br />
3320.39<br />
3317.81<br />
3336.80<br />
Abbildung 34:<br />
Ausschnitt eines Rasters generiert aus einem regelmässigen Punktraster. Die Werte sind<br />
die Höhen der Punkte resp. der Pixel in [m]. In der Mitte der Rasterzelle ist deren Höhe<br />
angegeben in [m].<br />
Wie bereits beim Glacier de Moiry wird auch hier ein Vergleiche mit verschiedenen DHMs gemacht.<br />
Es wird hier ein Vergleich zwischen dem obengenannten DHM1927 und dem DHM1927_<br />
VAW gezeigt. Beide DHMs basieren grundsätzlich auf denselben Inputdaten (Höhenlinien und<br />
Koten), jedoch werden sie unterschiedlich interpoliert. DHM1927 wird aus Höhenlinien und Koten<br />
und mit Topo to Raster generiert. Das DHM1927_VAW besteht aus demselben Input, wird<br />
aber mit den Algorithmen der VAW berechnet. Das Differenzrasterbild mit der Subtraktion<br />
DHM1927 minus DHM1927_VAW ist in Abbildung 35 ersichtlich.<br />
Es ist auffällig, dass in den flacheren, zusammenhängenden Gebieten die Unterschiede am geringsten<br />
sind. In cyanischer Farbe entspricht dies ±2 m. Weiters sind die Differenzen eher positiv<br />
in der Region westlich ums Finsteraarhorn (Buchstabe A) und negativ im Gebiet nördlich des<br />
Gross Wannenhorns (Buchstabe B). Die grösseren Differenzen ab ±10 m sind nur kleinräumig,<br />
wenige Pixel gross und an den Rändern. Dies lässt darauf schliessen, dass diese Differenzen von<br />
der Interpolation stammen aufgrund sehr weniger Inputdaten.<br />
Statistisch lässt sich sagen, dass ca. 87 % der Gletscherfläche innerhalb von ±10 m Höhendifferenz<br />
liegen.<br />
50
Masterarbeit FS 2011<br />
A<br />
B<br />
Abbildung 35:<br />
Fieschergletscher Differenzraster der DHMs DHM1927 – DHM1927_VAW in [m].<br />
A = Finsteraarhorn; B = Gross Wannenhorn<br />
Zur Illustration werden in Abbildung 36 ein Vergleich der steilsten Stellen des Gebietes und die<br />
grössten Differenzen der beiden DHM-Interpolation gezeigt. Nebst der Steilheit ist auch ersichtlich,<br />
dass die Interpolationsunterschiede je nach Exposition negativ oder positiv sind. Ob<br />
diese Tatsachen aufgrund der doppelten Interpolation der Höhenlinien in regelmässige Punktfeature<br />
und dann in eine Rasterdatei auftreten oder andere Gründe haben, kann an dieser Stelle<br />
nicht gesagt werden.<br />
51
Masterarbeit FS 2011<br />
Abbildung 36:<br />
Links die steilsten Gebiete um den Fieschergletscher in [°]; rechts: die grössten<br />
Differenzen der Interpolation in [m]<br />
5.3.1 Verifizierung der Genauigkeit des DHM1927<br />
Bei dieser Arbeit interessieren in erster Linie die Höhenveränderungen auf dem Gletscher. Um<br />
die Genauigkeit des digitalen Höhenmodells abzuschätzen, werden dazu die fixen Partien um<br />
den Gletscher vom DHM1927 mit dem DHM2008 verglichen. Der Vergleich findet durch Stichproben<br />
statt. Die Punkte, die zum Vergleich ausgewählt werden, sind die Koten, die in der Erstausgabe<br />
der LK50 mit einer Höhe versehen sind. Diese Koten liegen meistens in fixen Partien<br />
und meisten auf Fels. Der Vergleich eignet sich gut, denn diese Punkte dienen als Input für die<br />
Berechnung der Oberfläche fürs DHM1927, aber für die Erstellung des DHM2008 wurden diese<br />
Koten nicht explizit eingesetzt, denn das DHM2008 wurde photogrammetrisch ausgewertet.<br />
Für diesen Vergleich werden die 211 digitalisierten Punkte mit den jeweiligen DHMs verschnitten,<br />
respektive Abfragen über die Koordinaten gemacht. Dies wird mit einem Tool der GEOSPATI-<br />
AL MODELLING ENVIRONMENT (GME) gemacht, weitere Informationen zu diesen Tools werden im<br />
Kapitel 5.4.3.1 gegeben. Diese Verschneidung ergibt uns die Höhe in beiden DHMs, bei jedem<br />
gewünschtem Punkt. Tabelle 9 zeigt den Mittelwert der Höhenunterschiede aller 211 Punkte der<br />
beiden DHMs und der Karte.<br />
Der Mittelwert der Höhenunterschiede zwischen der Karte LK50 und des berechneten DHMs<br />
beträgt 8.7 m und die Standardabweichung 17.4 m. Dieser Wert erscheint sehr gross, doch erklärbar<br />
wird er dadurch, dass diese Koten häufig isoliert von Höhenlinien auf Bergspitzen liegen.<br />
Das Interpolationswerkzeug TOPO TO RASTER scheint dem Input Höhenlinien viel mehr Ge-<br />
52
Masterarbeit FS 2011<br />
wicht zu schenken als dem Input von Punkten. Dies zeigt sich dort, wo Linien und Punkte nahe<br />
beieinander liegen.<br />
Eine ähnliche Höhendifferenz ergibt die Subtraktion von der Karte LK50 und dem DHM2008<br />
mit einem Mittelwert von 8.5 m und einer Standardabweichung von 10.6 m. So ergibt dies bei<br />
einem Vergleich unter den 211 Punkten im festen Gelände zwischen dem DHM1927 und dem<br />
DHM2008 einen Unterschied von gerade mal 0.2 m und einer Standardabweichung von 18.3 m.<br />
Werden diese 20 cm auf die 81 dazwischen liegenden Jahre aufgeteilt, beträgt dieser Betrag ca.<br />
2.5 mm pro Jahr. Wenn man in Betracht zieht, dass sich die Alpen pro Jahr bis zu 1.5 mm heben<br />
[Kahle, 2008], könnte gesagt werden, dass diese Hebung mit diesem Vergleich sogar bestätigt<br />
wird. Abgesehen davon, dass dabei keine Erosion stattfindet und das Resultat eher auf einem<br />
Zufall basiert.<br />
Es ist hier anzufügen, dass zudem das DHM2008 eine bessere Genauigkeit aufweist als das<br />
DHM1927 aus der LK50 aufgrund seiner Entstehung. Schliesslich zeigen beide Ergebnisse, dass<br />
sie in der Toleranz der Kartengenauigkeit der LK50 liegen.<br />
Höhenunterschied<br />
Karte LK50 - DHM1927<br />
Höhenunterschied<br />
Karte LK50- DHM2008<br />
Höhenunterschied<br />
DHM1927 - DHM2008<br />
Mittelwert 8.7 8.5 -0.2<br />
Standardabweichung 17.4 10.6 18.3<br />
Tabelle 9:<br />
Mittelwerte und Standardabweichungen über 211 Koten in der Erstausgabe LK50,<br />
DHM1927 und DHM2008 im Gebiet des Fieschergletscher in [m]<br />
5.3.1.1 Visuelle Qualitätskontrolle des DHM1927<br />
Für die Qualitätskontrolle des berechneten DHMs wird zusätzlich ein visueller Vergleich zwischen<br />
den aus der LK50 digitalisierten (rot) und den aus dem DHM berechneten (schwarz) Höhenlinien<br />
gemacht (Abb. 37). Es ist auf den ersten Blick ersichtlich, dass die Linien sehr gut zueinander<br />
korrespondieren. Jedoch verlaufen die schwarzen Linien eckiger als die roten Linien.<br />
Felspartien, die keine Höhenlinien beinhalten, sind nun mit regelmässigen Linien bedeckt (z.B.<br />
unten in der Mitte und oben rechts). Rechts in der Mitte der Abbildung ist eine grosse Schlaufe<br />
in der Höhenlinie ersichtlich, die in der Karte eher spitz verläuft. Doch aufgrund des flachen Terrains<br />
ist dies wohl auf den Interpolationsalgorithmus zurückzuführen.<br />
Der Ausschnitt ist so gewählt, dass er flache und steilere Partien beinhaltet. Seitens der Genauigkeit<br />
sind keine markanten Unterschiede zwischen den beiden Partien ersichtlich.<br />
53
Masterarbeit FS 2011<br />
Abbildung 37:<br />
Vergleich zwischen den digitalisierten (rot) und aus dem DHM berechneten (schwarz)<br />
Höhenlinien im Bereich südlich des Finsteraarhorns auf dem Fieschergletscher<br />
5.4 Visualisierungen von Höhendifferenzen auf dem Fieschergletscher<br />
5.4.1 Vergleiche verschiedener DHMs<br />
Ziel der Visualisierungen in diesem Abschnitt ist es, Resultate, die in den vorangegangen Kapiteln<br />
erzielt wurden, kartografisch darzustellen und teils auf eine andere, neue Art in der Thematik<br />
von Gletschern darzustellen. Wiederum sind die Daten über verschiedene DHMs hergeleitet<br />
worden. Zur Verfügung steht das DHM25, ein DHM aus dem Jahr 2008 und zwei Versionen<br />
des selbsterstellten DHM aus der Erstausgabe der Landeskarte 1:50'000 mit Gletscherstand<br />
von 1927. Es wird darauf hingewiesen, dass die Resultate, die dargestellt werden, nicht <strong>of</strong>fiziell<br />
anerkannt sind, sondern für diese Arbeit generiert werden. Für <strong>of</strong>fizielle Auskünfte müssten die<br />
Daten mit den Algorithmen der VAW prozessiert werden. Im Hauptaugenmerk liegt bei dieser<br />
Arbeit, wie die Daten, z.B. Höhenänderungen, im Gletschergebiet dargestellt werden können.<br />
Abschliessend werden die Darstellungen mittels einer Expertenbefragung bewertet (siehe Kapitel<br />
6).<br />
5.4.2 Zweidimensionale Darstellungen<br />
Die klassische 2D-Darstellung wird in Abbildung 38 dargestellt. Es handelt sich hierbei um eine<br />
Darstellung mit zwei Layern. Als Basiskarte wird die Erstausgabe der LK50 gewählt. Das Thema<br />
54
Masterarbeit FS 2011<br />
sind die Höhendifferenzen der Gletscherstände zwischen 1927 und 2008. Es wird als eingefärbtes<br />
auf das Gletschergebiet von 1927 geclipptes Pixelraster auf der Karte überlagert. Die Farbskala<br />
wird im Spektrum zwischen den Farben Rot und Blau gewählt. Die Werte, die eine Abnahme<br />
symbolisieren sind rot und eine Zunahme wird blau dargestellt. Die Intervalle der Klasseneinteilung<br />
sind aufgrund einer natürlichen Einteilung gemäss ARCGIS festgelegt, welche anschliessend<br />
manuell unter CLASSIFY… in der SYMBOLOGY auf die Zehner Meter gerundet werden.<br />
Ein ähnliches Beispiel der Datenpräsentation ist in Wiesmann et al. [2011] zu finden, wo ein geclipptes<br />
Raster über einem schattierten Relief dargestellt wird.<br />
DHM2008 - DHM1927<br />
Differenzen in [m]<br />
< -150<br />
-150 - -100<br />
-100 - -50<br />
-50 - -20<br />
-20 - -10<br />
-10 - 0<br />
0 - 20<br />
> 20<br />
Abbildung 38:<br />
Visualisierung der Höhendifferenzen zwischen 1927 und 2008 im Farbspektrum von Rot<br />
nach Blau mit Hintergrund der Erstausgabe der LK50<br />
Diese Darstellung wird zu Testzwecken in der Farbwahrnehmung mit anderen Farbskalen illustriert.<br />
Es werden dieselben Daten dargestellt, doch ist bei Abbildung 39 die Skala in der Farbe<br />
invers zur Abbildung 38 dargestellt. Somit entspricht Rot einer Höhenzunahme und Blau einer<br />
-abnahme.<br />
Eine weitere Skala ist die sogenannte Ampeldarstellung, die Höhendifferenzen im Spektrum<br />
zwischen Rot und Grün darstellt (Abb. 40). Die inverse Farbskala von Grün nach Rot bewirkt<br />
55
Masterarbeit FS 2011<br />
beim Betrachter eine grosse Veränderung in der Wahrnehmung, trotzdem dass dieselben Daten<br />
visualisiert werden (Abb. 41). Die Farben Rot und Grün in Kombination haben den Nachteil,<br />
dass ca. 10 % aller Menschen von einer Rot-Grün-Sehschwäche oder -Blindheit betr<strong>of</strong>fen sind.<br />
Bei den hier gezeigten Rot-Grün-Darstellungen ist zu beachten, dass die Farben einen harmonischen<br />
Farbverlauf darstellen, jedoch nicht farblich dem Nullwechsel der Skala angepasst sind.<br />
Mit einer Variation der Basiskarte werden weitere Darstellungen hergestellt. Abbildung 42 zeigt<br />
die Differenzen über einem Orth<strong>of</strong>oto abgebildet. Die Farbskala ist dieselbe wie in<br />
Abbildung 38.<br />
Die Differenzen dieser Abbildungen zeigen die Höhenveränderungen auf dem Gletscher über<br />
80 Jahre. Da zwischen 1927 und 2008 einige Dekaden liegen, welche die Höhe des Gletschers<br />
stark reduzierten, nimmt die Fläche der Zunahme ein sehr kleines Gebiet bezogen auf die gesamte<br />
Gletscherfläche. Zudem kann angenommen werden, dass die ausgegebenen Dickenzunahmen<br />
aus Interpolationsfehlern stammen. Es sind auch keine zusammenhängende Flächen,<br />
die eine grössere Zunahme aufweisen, sondern eher vereinzelte kleine Pixelhaufen und besonders<br />
an den Rändern, wo nur wenige Inputdaten für die Interpolation vorhanden sind.<br />
DHM2008 - DHM1927<br />
Differenzen in [m]<br />
< -150<br />
-150 - -100<br />
-100 - -50<br />
-50 - -20<br />
-20 - -10<br />
-10 - 0<br />
0 - 20<br />
> 20<br />
Abbildung 39<br />
Visualisierung der Höhendifferenzen zwischen 1927 und 2008 im Farbspektrum von Blau<br />
nach Rot mit Hintergrund der Erstausgabe der LK50<br />
56
Masterarbeit FS 2011<br />
DHM2008 - DHM1927<br />
Differenzen in [m]<br />
< -150<br />
-150 - -100<br />
-100 - -50<br />
-50 - -20<br />
-20 - -10<br />
-10 - 0<br />
0 - 20<br />
> 20<br />
Abbildung 40:<br />
Visualisierung der Höhendifferenzen zwischen 1927 und 2008 im Farbspektrum von Rot<br />
nach Grün mit Hintergrund der Erstausgabe der LK50<br />
DHM2008 - DHM1927<br />
Differenzen in [m]<br />
< -150<br />
-150 - -100<br />
-100 - -50<br />
-50 - -20<br />
-20 - -10<br />
-10 - 0<br />
0 - 20<br />
> 20<br />
Abbildung 41:<br />
Visualisierung der Höhendifferenzen zwischen 1927 und 2008 im Farbspektrum von<br />
Grün nach Rot mit Hintergrund der Erstausgabe der LK50<br />
57
Masterarbeit FS 2011<br />
DHM2008 - DHM1927<br />
Differenzen in [m]<br />
< -150<br />
-150 - -100<br />
-100 - -50<br />
-50 - -20<br />
-20 - -10<br />
-10 - 0<br />
0 - 20<br />
> 20<br />
Abbildung 42:<br />
Visualisierung der Höhendifferenzen zwischen 1927 und 2008 im Farbspektrum von Rot<br />
nach Blau mit Hintergrund eines Orth<strong>of</strong>otos<br />
5.4.3 2D-Visualisierung mit Kreissymbolen<br />
Eine ganz andere Art zur Darstellung der Höhenveränderung wählte Kääb [1996]. Er bildet die<br />
Höhendifferenz mittels Kreissymbolen über das Gletschergebiet ab. Die Symbole werden in der<br />
Grösse proportional zur Veränderung angegeben. Das bedeutet, je grösser der Kreis, desto<br />
grösser der Betrag der Veränderung. Mit der Farbe des Kreises wird angegeben, ob es sich um<br />
eine positive oder negative Veränderung handelt.<br />
5.4.3.1 Erstellung der grössenproportionalen Kreissymbole<br />
Für die Erstellung der Darstellung mit grössenproportionalen Kreissymbolen wird ein regelmässiges<br />
Raster benötigt. Danach muss für jede Position die Höhenveränderung aus dem Raster<br />
der Differenzen DHM2008 – DHM1927 abgefragt werden.<br />
58
Masterarbeit FS 2011<br />
Für beide Aufgaben, die Punktrastergenerierung und auch die Abfrage der Höhendifferenz der<br />
Punkte wird die GEOSPATIAL MODELLING ENVIRONMENT (GME) 4 von der Spatial Ecology verwendet.<br />
Die GME ist eine Umgebung für die Analyse und Modellierung von raumbezogenen Untersuchungen.<br />
Diese Umgebung verwendet die statistische S<strong>of</strong>tware R 5 zusammen mit ARCGIS [Spatial<br />
Ecology, 2010]. Das Programm wird unabhängig von ESRI ARCGIS bedient. Für die Prozessierung<br />
der Daten werden die gewünschten Dateien mittels Kommandozeilenfenster bearbeitet.<br />
Für die Erstellung eines Punktrasters wird folgendes Statement angegeben:<br />
genregularpntsinpolys(in="C:\temp\gletscher_umrandung.shp", uidfield="FID",<br />
xdist=250, ydist=250, rot="0", out="C:\temp\raster250.shp");<br />
Der Befehl startet mit einem Command-Aufruf, anschliessend wird das Shapefile angegeben, in<br />
welchem Bereich dieses regelmässige Raster berechnet werden soll. Anschliessend wird die<br />
eindeutige ID der Feature angegeben. Mittels XDIST und YDIST können die Rasterpunktabstände<br />
angegeben und mit dem Parameter ROT eine allfällige Rotation hinzugefügt werden. Im OUT<br />
wird der Output gespeichert.<br />
Für die Wertabfrage in einer Rasterdatei über bestimmte Punkte aus einem Punkte-Shapefile<br />
gilt folgendes Statement:<br />
isectpntrst(in=" C:\temp\raster250.shp ", raster="C:\temp\DHM2008-<br />
DHM1927", field="Differenz_2008-1927");<br />
Der Befehl startet wiederum mit dem Command-Aufruf mit anschliessender Angabe des Punktefiles<br />
im IN. Unter RASTER wird das abzufragende Raster-DHM angegeben. Der Name des neuen<br />
Attributs, wo der Wert gespeichert wird, steht unter FIELD.<br />
Für die Darstellung der Werte wird in ARCGIS unter SYMBOLOGY die Darstellung PROPORTIONAL<br />
SYMBOLS IN QUANTITIES gewählt. Von Vorteil ist es, wenn die negativen und positiven Höhendifferenzen<br />
in zwei getrennten Layern dargestellt werden. So kann nebst der Grösse proportional<br />
zum Wert auch die Farbe des Symbols verschieden gewählt werden.<br />
Um etwas Übersicht zu schaffen, werden in einer anderen Darstellung die proportionalen Kreise<br />
zu Klassen zusammengefasst. Diese Klassierung wird mittels GRADUATED SYMBOLS in QUANTI-<br />
TIES erzielt.<br />
Die nachfolgenden Abbildungen 43, 44 und 45 zeigen das Resultat basierend auf den obigen<br />
Ausführungen. Einerseits mit proportionalen und klassierten Symbolen und andererseits in der<br />
Farbe variiert mit Blau und Rot.<br />
4 Spatial Analysis S<strong>of</strong>tware: http://www.spatialecology.com/<br />
5 R Project for Statistical Computing: http://www.r-project.org/<br />
59
Masterarbeit FS 2011<br />
Zunahme<br />
< 10<br />
10 - 20<br />
20 - 40<br />
40 - 60<br />
> 60<br />
Abnahme<br />
< 10<br />
10 - 20<br />
20 - 40<br />
40 - 60<br />
> 60<br />
Abbildung 43: Gletschergebiet mit klassierten proportionalen Kreissymbolen, die die<br />
Höhenveränderungen zwischen 1927 und 2008 in [m] mit den Farben Rot und Blau<br />
darstellen<br />
Zunahme<br />
1<br />
10<br />
25<br />
50<br />
100<br />
Abnahme<br />
1<br />
10<br />
25<br />
50<br />
100<br />
Abbildung 44:<br />
Gletschergebiet mit proportionalen Kreissymbolen, die die Höhenveränderungen<br />
zwischen 1927 und 2008 in [m] mit den Farben Rot und Blau darstellen<br />
60
Masterarbeit FS 2011<br />
Zunahme<br />
Abnahme<br />
Abbildung 45:<br />
Ausschnitt der Höhendifferenzen mit proportionalen Kreissymbolen zwischen 1927 und<br />
2008 mit schattiertem Relief und Höhenlinien in [m]<br />
5.4.4 Dreidimensionale Darstellungen<br />
Nebst den 2D-Visualisierungen in den vorangegangenen Kapiteln wird hier die Thematik in 3D<br />
abgebildet. Hierzu wird die S<strong>of</strong>tware ARCSCENE von ESRI verwendet. In diesem Programm können<br />
sehr einfach Darstellungen von DHM, Basiskarte und weiteren Layern aus verschiedenen<br />
Blickwinkeln erstellt werden.<br />
Abbildung 46 zeigt das DHM des Fieschergletschers mit einem Orth<strong>of</strong>oto aus dem Jahre 2008<br />
und den Höhendifferenzen drapiert. In Abbildung 47 wird die LK50 auf das DHM projiziert.<br />
Durch das Darstellen der Höhen zusammen mit der Basis erkennt man die Geländeformen des<br />
Gebietes sehr gut. Doch weist diese Abbildungsart einige Nachteile auf, z.B. Verzerrungen in<br />
der Perspektive, Verdeckungen im Sichtschatten etc. Diese Nachteile bestätigen auch die Experten<br />
(siehe Kapitel 6.4.6) bei der Befragung.<br />
In Abbildung 48 werden zwei Ausschnitte des Zungenbereichs vom Fieschergletscher gezeigt.<br />
Die Darstellungstechnik ist dieselbe wie in den beiden vorangegangenen Abbildungen. Jedoch<br />
werden von derselben Beobachtungsposition zwei verschiedene DHMs und Basiskarten betrachtet.<br />
Auf der linken Seite ist das DHM1927 mit der LK50 der Erstausgabe abgebildet. Auf der<br />
rechten Seite ist das DHM2008 mit der Pixelkarte aus dem Jahre 2005 gezeigt. Die Unterschiede<br />
sind aus diesem Blickwinkel gut zu erkennen. Wird eine Darstellung nur für diesen Ausschnitt<br />
und zum Aufzeigen der qualitativen Veränderung der Höhe auf dem Gletscher gebraucht,<br />
weist diese Darstellungsart einen anschaulichen Charakter auf.<br />
Als weiterer Schritt wäre es möglich, diese beiden Bilder für eine Animation zu gebrauchen und<br />
die beiden Stände ineinander fliessen zu lassen. Eine viel aufwendigere Methode wäre anhand<br />
61
Masterarbeit FS 2011<br />
der zugrunde liegenden Daten ein Morphing zwischen beiden Ständen zu berechnen, indem<br />
mehrere Zwischenstände interpoliert würden.<br />
Abbildung 46:<br />
3D-Visualisierung der Höhenveränderungen vom Fieschergletscher mit einem Orth<strong>of</strong>oto<br />
aus dem Jahre 2008<br />
Abbildung 47:<br />
3D-Visualisierung der Höhenveränderungen vom Fieschergletscher mit der LK50<br />
(Erstausgabe)<br />
62
Masterarbeit FS 2011<br />
Abbildung 48:<br />
Visualisierung vom Zungenbereich des Fieschergletschers. Links: DHM1927 mit LK50<br />
(Erstausgabe); Rechts: DHM2008 mit LK50 (Jahr 2005)<br />
5.4.5 Gestaffelte Pr<strong>of</strong>ile<br />
Um Höhendifferenzen zwischen zwei Oberflächen darzustellen, wird eine Staffelung von Pr<strong>of</strong>ilen<br />
hergestellt. Die Pr<strong>of</strong>ile sind senkrecht zur Mittellinie des Fieschergletschers angelegt und<br />
erstrecken sich über 14 km in Fliessrichtung. Die Länge eines Pr<strong>of</strong>ils beträgt 2 km und der Abstand<br />
auf der Fliesslinie je 1 km. In dieser Darstellung werden nicht nur die Höhendifferenz wie<br />
bis anhin gezeigt, sondern auch die beiden DHMs, respektive ihre Oberflächen in den Pr<strong>of</strong>ilen<br />
(Abb. 49).<br />
Zur Herstellung wird ein 3D-Shapefile angelegt. Mittels der ArcToolbox 3D ANALYST kann unter<br />
FUNCTIONAL SURFACE mit INTERPOLATE SHAPE die Höhenwerte einer Linie interpoliert werden. Als<br />
Grundlage dienen das DHM1927 und das DHM25.<br />
Anschliessend werden die Pr<strong>of</strong>ile manuell so aneinandergereiht, dass die Fliesslinie einer Geraden<br />
entspricht und die Pr<strong>of</strong>ile senkrecht zur Linie stehen. Die Pr<strong>of</strong>ile werden bis auf eine Höhe<br />
von 1500 Meter extrudiert und verschiedenfarbig dargestellt. Die grünen Pr<strong>of</strong>ile stellen den<br />
Stand des DHM25 dar und die roten Pr<strong>of</strong>ile den Stand von 1927. Der Übersicht halber wird die<br />
Darstellung aus ARCSCENE exportiert und mit weiteren Informationen in einem Desktop Publishing<br />
Programm ergänzt. Es werden die Höhen, die maximale Differenz pro Pr<strong>of</strong>il auf der rechten<br />
Seite des Pr<strong>of</strong>ils, eine Legende und eine Übersichtskarte in der linken oberen Ecke hinzugefügt.<br />
Um die Höhen besser zu erkennen, werden die Pr<strong>of</strong>ile mit einem Faktor 1.5 überhöht.<br />
Nachteil dieser Darstellung ist, dass die roten Flächen eine Eisabnahme suggerieren, jedoch<br />
könnte dies auch als Gesteinsabtragung interpretiert werden, weil die Gletscherumrandung<br />
aus den Pr<strong>of</strong>ilen nicht ersichtlich ist. Ein weiterer genereller Nachteil ist, dass es schwierig ist,<br />
einen Höhenzuwachs mit dieser Darstellung abzubilden. Verbessert würde diese Darstellung,<br />
wenn bekannt wäre, wie das Pr<strong>of</strong>il des Gletscherbetts aussehen würde. Jedoch würde durch die<br />
Überlappung der einzelnen Pr<strong>of</strong>ile diese Linie verdeckt werden. Für die Farbwahl ist zu beachten,<br />
dass Darstellungen mit Rot und Grün ein Problem für Menschen mit einer Rot-Grün-<br />
Sehschwäche oder –Blindheit sind. Als letzter negativer Punkt ist hinzuzufügen, dass mit der<br />
Zentralperspektive von ARCSCENE die Pr<strong>of</strong>ile und deren Abstände gegen hinten immer kleiner<br />
werden, was der Übersicht nicht förderlich ist und eine gewisse Verzerrung verursacht.<br />
63
Masterarbeit FS 2011<br />
C<br />
B<br />
A<br />
C<br />
B<br />
A<br />
Abbildung 49:<br />
Gestaffelte Pr<strong>of</strong>ile entlang der Gletscherfliesslinie. Die Zahlen neben den Pr<strong>of</strong>ilen<br />
entsprechen der maximalen Höhenabnahme im Pr<strong>of</strong>il.<br />
5.4.6 Interaktives Beispiel<br />
Nebst dem, dass die Resultate in gedruckter Version dargestellt werden, wird ein Prototyp für<br />
eine interaktive Applikation entwickelt. So können die Höhendifferenzen zwischen 1927 und<br />
2008 in 2D und 3D interaktiv am Bildschirm betrachtet werden. Aufgrund der vielen Vorteile,<br />
die GOOGLE EARTH (GE) bietet, wird der Prototyp basierend auf GE aufgebaut. Nachfolgende Tabelle<br />
10 zeigt die Vor- und Nachteile von GE insbesondere mit der Möglichkeit, dass mittels<br />
Plug-In GE auch in einem Browser lauffähig ist.<br />
64
Masterarbeit FS 2011<br />
Vorteile:<br />
Nachteile:<br />
+ Jedes Gebiet verfügt über DHM - Keinen Einfluss auf DHM (Stand etc.)<br />
+ Jedes Gebiet abgedeckt mit Orth<strong>of</strong>oto - Keinen Einfluss auf Projektionsart<br />
+ Offene Schnittstelle für eigenen Datenimport - Keinen Einfluss auf Genauigkeit der Daten<br />
+ Offen für eigene Programmierung über API - Keinen Einfluss auf Steuerung und Navigation<br />
+ Feature-Abfragen<br />
+ Browserlauffähig über Plug-In<br />
+ Earthviewer mit grosser Bekanntheit<br />
+ Grosse Community<br />
+ Kostenlos<br />
Tabelle 10:<br />
Vor- und Nachteile der Verwendung von GOOGLE EARTH und GOOGLE EARTH Plug-In für eine<br />
interaktive Applikation mit Einbindung eigener Daten.<br />
5.4.6.1 Funktionsprinzip<br />
Wie bereits erwähnt basiert die Applikation auf GE. Mittels Plug-In kann die Anwendung in einem<br />
Webbrowser angezeigt und eine Internetseite rund um die Karte nach Belieben gestaltet<br />
werden. Mittels dem Google Earth APPLICATION PROGRAMMING INTERFACE (API) und JavaScript ist es<br />
möglich, eigene Layer und Themen mittels KML und Overlay in GE einzubinden.<br />
Die Layer stammen aus ARCGIS und wurden mittels TO KML exportiert. Die Farben der Layer<br />
werden automatisch in KML, respektive KMZ übernommen. Da KML und Google Earth stets im<br />
geodätischen Referenzsystems WGS84 vorliegen, wird auch die Projektion von Swiss Grid in<br />
WGS84 beim Export automatisch transformiert.<br />
Nur wenn die exportierten KML-Dateien auf einem Server, der über das Internet abrufbar ist,<br />
gespeichert sind, können die Daten in der Google Earth API über ihre URL aufgerufen werden.<br />
5.4.6.2 Funktionen des interaktiven Prototyps<br />
Abbildung 50 zeigt einen Screenshot der wichtigsten Elemente des interaktiven Prototyps.<br />
Hauptteil ist das Kartenfenster, welches den Earthviewer und die Daten präsentiert. Der Seiteninhalt<br />
ist beliebig gestaltbar z.B. mit HTML. Bereits standardmässig eingeblendet sind die Layer<br />
der 2D-Abbildung der Differenzen zwischen 1927 und 2008 auf dem Fieschergletscher. Mittels<br />
Checkboxen können die einzelnen Layer, respektive Klassen, ein- und ausgeblendet werden. Die<br />
Buttons “Terrain ein“ und “Terrain aus“ ermöglichen es, das Gelände anzuzeigen oder als ebene<br />
Karte darzustellen.<br />
Mittels Checkboxen ist es möglich, die Differenzen in 3D klassenweise als Prismenkarte darzustellen.<br />
Für die Herstellung dieser Prismen werden die Flächen extrudiert. Dies wird erreicht, indem<br />
in der KML-Datei an den Features manuell Änderungen angebracht werden. Zwei Tags<br />
1 und relativeToGround<br />
müssen in der Geometrie hinzugefügt und bei den Koordinaten der Stützpunkte die Höhe auf<br />
den gewünschten Wert angegeben werden. Der dritte Tag 1<br />
wird bereits beim Export aus ARCGIS ins KML geschrieben. Im 3D-Layer wird die Höhe auf das<br />
100-fache der oberen Klassengrenzen der Höhendifferenz gewählt. Als Beispiel der Klasse 20 –<br />
50 m wird die Fläche auf 5000 m angehoben. Da Google Earth für 3D-Objekte eine bestimmte<br />
65
Masterarbeit FS 2011<br />
Beleuchtung vorsieht, erhalten die Objekte eine etwas andere Farbgebung. Deshalb wir eine<br />
zweite Legende für die 3D-Objekte angezeigt.<br />
Bei einem Mausklick auf ein Feature werden weitere Informationen zur Klasse angezeigt. Dabei<br />
erscheint eine Sprechblase, ein sogenannter Ballon, der die Informationen beinhaltet. Dieser ist<br />
mittels HTML beliebig gestaltbar.<br />
Abbildung 50:<br />
Abbildungen zum interaktiven Prototyp mittels Google Earth. Oben: Screenshot der<br />
wichtigsten Elemente der Webseite; Links: Prismen-Layer in 3D; Rechts: Informationen<br />
zu einem Feature.<br />
66
Masterarbeit FS 2011<br />
6 Evaluierung der Visualisierungen<br />
6.1 Experteninterviews<br />
Zur Evaluierung der oben gezeigten Visualisierungen und Ableitung genereller Aussagen über<br />
die Darstellung der Thematik wird die Methode der Expertenbefragung eingesetzt. Als Experten<br />
gelten nach Atteslander [2008] Personen, die „über den Forschungsgegenstand besondere<br />
und umfassende Erfahrungen haben“. Expertenbefragungen werden eher selten in der Kartografie<br />
eingesetzt. Häufiger werden sogenannte Nutzertests für Beurteilungen durchgeführt.<br />
Als weitere Beispiele bezüglich des Einsatzes von Experteninterviews in der Kartografie seien<br />
Häberling [2003] und Papandreou [2009] genannt. Eine Einführung und Anleitung zum Experteninterview<br />
findet sich im Skript von Mieg & Näf [2005].<br />
Um die Interviews und die Fragestellungen immer im selben Rahmen durchzuführen, wird ein<br />
strukturierter Gesprächsablauf schriftlich erstellt. Das Interview wird als ein Einzelgespräch<br />
mündlich mit dem Experten durchgeführt. Dieser Ablauf lässt besonders von der Seite des Interviewers<br />
Abweichmöglichkeiten, je nach Situation mit dem Experten.<br />
Bei der Befragung werden vom Experten nebst qualitativen Aussagen auch quantitative Bewertungen<br />
erwartet. Der eingesetzte Fragenkatalog beinhaltet Entscheidungs- und Beurteilungsfragen.<br />
Jedoch sollten die einzelnen Fragen keine Beeinflussung auf nachfolgende Fragen haben.<br />
Der Vorteil der Expertenbefragung ist der direkte Kontakt zwischen Interviewer und Befragtem.<br />
So kann der Interviewer Einfluss nehmen, um zum Beispiel weitere Erläuterungen zu einer<br />
Antwort zu fordern [Flick et al., 2010]. Und zugleich kann der Experte seine Standpunkte in eigenen<br />
Worten umfassend beschreiben. Ein gewichtiger Nachteil des Experteninterviews ist die<br />
Einmaligkeit der Befragung. Die Reproduzierbarkeit der Situation und des Moments ist in keinem<br />
Fall gegeben, da das Gespräch nie gleich gestaltet werden kann [Flick et al., 2010].<br />
In dieser Masterarbeit wird der Einfachheit halber nur die männliche Form des Experten verwendet.<br />
Die weibliche Form ist immer mit eingeschlossen.<br />
6.2 Interviewablauf, Befragungsinhalt und Fachexperten<br />
Das Interview umfasst 7 Frageblöcke zu verschiedenen Darstellungen und einem interaktiven<br />
Beispiel am Laptop zur Thematik der Höhenveränderungen auf dem Gletscher. Alle Abbildungen<br />
zeigen dieselben Datengrundlage in verschiedenen Darstellungstypen und mit verschiedenen<br />
gestalterischen Variablen wie der Farbe. Insgesamt werden 24 Abbildungen in der Grösse<br />
von DIN A4 gedruckt vorgelegt. Das Gespräch dauert ca. 60 Minuten und wird schriftlich vom<br />
Interviewer mit dem Gesprächsleitfaden dokumentiert.<br />
Vor dem Interview wird dem Fachexperten eine kurze mündliche Einführung zum Thema mitgegeben<br />
und der Gesprächsablauf geschildert. Bei den Fragestellungen werden die Daten vom<br />
Fieschergletscher präsentiert. Die Inhalte des Kartenthemas sind die Höhendifferenzen im Gebiet<br />
zwischen 1927 und 2008.<br />
67
Masterarbeit FS 2011<br />
Die Frageblöcke beinhalten folgende Themen:<br />
- Frageblock 1: Farbgebung und Farbschema<br />
- Frageblock 2: Basiskarte und Thematik<br />
- Frageblock 3: Grössenproportionale Kreise<br />
- Frageblock 4: Gestaffelte Pr<strong>of</strong>ile<br />
- Frageblock 5: 2.5D-Visualisierungen<br />
- Frageblock 6: Interaktiver Prototyp<br />
- Frageblock 7: Abschlussfragen<br />
Insgesamt werden sieben Fachexperten befragt. Zwei Experten stammen vom Gebiet der Glaziologie<br />
und fünf aus dem Gebiet der Kartografie, respektive der Computergrafik. Alle Befragten<br />
sind somit grosse Kapazitäten in ihren Bereichen und spezialisiert auf das befragte Thema.<br />
Nachfolgende Tabelle 11 nennt die befragten Fachexperten. Im Folgenden werden alle Experten<br />
des IKG als Kartografen bezeichnet und die der VAW als Glaziologen, unabhängig von ihrer tatsächlichen<br />
Ausbildung. Andreas Bauder wird einerseits als Experte befragt und andererseits ist<br />
er Betreuer dieser Arbeit. Es ist hier jedoch anzufügen, dass er für die Erarbeitung dieser Experteninterviews<br />
nicht in die Planung einbezogen wird und unbefangen an dieser Befragung teilnimmt.<br />
Experte<br />
Juliane Cron<br />
Dr. Christian Häberling<br />
Thomas Koblet<br />
Anne-Kathrin Reuschel<br />
Oleggini Lorenzo<br />
Gabbi Jeannette<br />
Dr. Andreas Bauder<br />
Fachbereich<br />
Institut für Kartografie und Geoinformation (IKG), <strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong><br />
IKG, <strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong><br />
IKG, <strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong><br />
IKG, <strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong><br />
IKG, <strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong><br />
Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie & Glaziologie (VAW), <strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong><br />
VAW, <strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong><br />
Tabelle 11:<br />
Experten der Expertenbefragung<br />
Der komplette Interviewablauf ist auf dem beigelegten Datenträger einzusehen.<br />
6.3 Auswertung der Experteninterviews<br />
Um eine Interpretation zu den Expertenmeinungen abzugeben, müssen die Kerngedanken aus<br />
den Gesprächen ausgewertet werden. Da die Fragen nicht nur quantitativer Art sind und Antworten<br />
auch qualitativ abgegeben werden, wird versucht die Hauptaussagen zu extrahieren<br />
und anzugeben. Zuerst wird mit einer Zusammenstellung der Antworten pro Frage eine Übersicht<br />
geschaffen. Diese ist in vollständiger Länge in digitaler Form auf dem beigelegten Datenträger<br />
einsehbar. Anschliessend folgt eine Interpretation aufgrund der zentralen Grundfragen<br />
und Aussagen der Experten.<br />
68
Masterarbeit FS 2011<br />
Die Zahlen- und Buchstabenkombination, z.B. (1A), ist der Code, welcher die verschiedenen Darstellungen<br />
bezeichnet. Im Anhang sind alle Visualisierungen inklusive des Codes abgedruckt.<br />
6.4 Resultate und Interpretation der Expertenbefragung<br />
Die Nachvollziehbarkeit dieses Kapitels 6.4 wird erleichtert, wenn gleichzeitig der Fragebogen<br />
zur Orientierung vorliegt. Dieser ist ebenfalls auf dem beigelegten Datenträger einzusehen.<br />
6.4.1 Frageblock 1: Farbgebung und Farbschema<br />
6.4.1.1 Ablauf und Resultate Frageblock 1<br />
Im Frageblock 1 ist Gegenstand der Befragung, welches Farbschema zur Dickenab- und zunahme<br />
auf dem Gletschergebiet geeignet ist. Hierzu werden Darstellungen im Farbbereich von<br />
Grün nach Rot und von Rot nach Blau, wie auch jeweils invers, gezeigt. Wie bereits im Kapitel<br />
3.5 beschrieben, tauchen in der Literatur verschiedene Arten der Farbdarstellung dieser Thematik<br />
auf. Farbe ist die Gestaltungsvariable, die die grösste Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dabei<br />
kann sie verschiedene Assoziationen und Bedeutungen in sich tragen.<br />
Es ist anzumerken, dass die Skala-Einteilung in den Grün-Roten-Abbildungen bewusst „falsch“<br />
gewählt ist, so dass der Farbverlauf schön aussieht, jedoch der Farbwechsel der Skala nicht bei<br />
Null liegt.<br />
Bei der ersten Frage wird den Experten eine Abbildung gezeigt (1A), die Abnahmen in der Farbe<br />
Grün und Zunahmen in Rot darstellt. Die Legende ist abgedeckt und für den Experten nicht<br />
sichtbar. Gemäss Experten zieht die grösste Aufmerksamkeit die markante Zunge auf sich. Das<br />
Bild wird aufgrund der Farbgebung als ungewohnt bezeichnet. Weiter seien die verschiedenen<br />
Grüntöne im Druck schlecht unterscheidbar. Entsprechend fällt die Bewertung auf einer Skala<br />
von 1 (schlecht) bis 5 (sehr gut) aus und liegt im Mittel bei einer 3.<br />
Bei der inversen Farbdarstellung (1B) liegt die Benotung deutlich höher. Sie wird durchscnittlich<br />
mit 4 Punkten bewertet. Die grösste Aufmerksamkeit fällt wiederum hauptsächlich auf den<br />
Zungenbereich, jedoch trägt er hier die Farbe Rot statt Grün wie bei 1A. Als weitere Nennungen<br />
werden die grosse orange Fläche und die grünen Ränder an den Kämmen genannt. 5 der 7 Experten<br />
favorisieren diese zweite Darstellung.<br />
In einer nächsten Darstellung wird Rot für eine Abnahme und Blau für eine Zunahme verwendet<br />
(1C). Die Aufmerksamkeit zieht hier wiederum die rote Zunge, aber auch die gelben Flächen<br />
an den Hängen und die Randgebiete, auf sich. Hier fällt die Bewertung im Mittel auf 3 Punkte.<br />
Dass der Farbverlauf nicht graduell und der Kontrast gegenüber der Karte in den Blautönen<br />
eher schlecht ist, wird am häufigsten kritisiert. Zudem fliesst der Farbverlauf von Rot über Gelb<br />
zu Blau. Es wäre harmonischer, wenn Rot und Blau nur in diesen beiden Farbtönen ineinander<br />
fliessen würde.<br />
Bei der inversen Darstellung (1D), so dass Blau eine Abnahme und Rot eine Zunahme darstellt,<br />
wird festgestellt, dass die orangen Flächen stark in Erscheinung treten. Falls dies nicht gewünscht<br />
ist, erzeugt die Darstellung eine falsche Wirkung. Als Favoriten wählen die Experten<br />
im gleichen Verhältnis wie bei den ersten beiden Darstellungen die Darstellung (1C) mit Rot für<br />
eine Abnahme und Blau für eine Zunahme.<br />
69
Masterarbeit FS 2011<br />
Der Favorit dieser ersten vier Darstellungen, immer noch ohne Kenntnis der Legende, ist die<br />
Darstellung 1C mit 3 Stimmen. Gefolgt von 1B mit 2 Stimmen und 1A und 1D mit je 1 Stimme.<br />
In einem zweiten Schritt sind die Legenden der Abbildungen aufgedeckt. Jetzt wird zwischen 1A<br />
und 1B die Abbildung 1B einstimmig als besser und zwischen 1C und 1D ebenso einstimmig die<br />
Abbildung 1C besser bewertet. Dies zeigt unabhängig von der Legende, dass die Favoriten in<br />
beiden Fällen die gleichen bleiben.<br />
Die Experten teilen mit Kenntnis der Legende diese vier Abbildungen in eine Rangordnung ein.<br />
Auf Platz 1 liegt 1C knapp vor 1B. Auf den 3. Platz wird 1D knapp vor 1A gewählt. Die Experten haben<br />
hier besonders auf den korrekten Wendepunkt der Legende beim Übergang von einer Abzu<br />
einer Zunahme Wert gelegt. Der Farbverlauf in 1B gefällt allen Experten gut, jedoch vermittelt<br />
das Bild eine falsche Vorstellung der Daten.<br />
Als Verbesserungsvorschläge für diese Darstellungen werden eine geringere Anzahl Klassen<br />
und eine lineare Klasseneinteilung erwähnt. Einmal wird von einem Glaziologen geäussert,<br />
dass es üblich ist, dass in der Legende die Null innerhalb einer Klasse zentriert wird, so dass Ungenauigkeiten<br />
von der Messmethode oder der Interpolation mit dem Wert der Standardabweichung<br />
abgegrenzt werden.<br />
6.4.1.2 Interpretation Frageblock 1<br />
Die dargestellten Resultate aus den Darstellungen der Thematik Höhenveränderungen auf<br />
dem Fieschergletscher lassen einen gewissen Spielraum für eine Interpretation <strong>of</strong>fen. Die Experten<br />
sind sich über die Wichtigkeit der Gestaltungsvariable Farbe und deren grossen Wirkung<br />
auf das menschliche Auge bewusst. Ohne Legende und unabhängig von Werten wird vermehrt<br />
auf ein harmonisches Farbbild geachtet und dies als positiv gewertet. Grundsätzlich lässt sich<br />
aufgrund der Interpretationen der Experten bei Betrachtung der Abbildungen darauf schliessen,<br />
dass alle Experten erwarten, wenn die Signalfarbe Rot auf dem Gletscher eingesetzt wird,<br />
dass dies einer Abnahme der Eisdicke entspricht. Dies im Sinne eines Indikators z.B. für Klimawandel,<br />
dass der Gletscher an dieser Stelle schmilzt und somit an Eisdicke verliert. Besagt die<br />
Legende eine Eisdickenzunahme für die Farbe Rot, ist der Experte häufig verwirrt.<br />
Die Haupterkenntnis aus dem Frageblock 1 ist, dass die Farbe Rot auf dem Gletscher sehr geeignet<br />
für die Darstellung von Abnahmen ist. Bei der Legende ist darauf zu achten, dass der<br />
Farbwechsel generell bei Null gewählt wird. Die beiden Farben, die eingesetzt werden, sollten<br />
zudem nicht zu stark voneinander divergieren, sondern harmonisch ineinander laufen. Wenn<br />
die Klasseneinteilung nicht linear ist, sollte dies entsprechend in der Legende optisch gekennzeichnet<br />
sein. Je nach Aussage sollten zudem die einzelnen Klassen, die in Erscheinung treten<br />
sollen, farblich deutlich sichtbar gezeigt werden. Wenn zudem durch die Klasseneinteilung<br />
grosse, zusammenhängende Flächen entstehen, muss die Farbwahl besonders in gedruckten<br />
Medien mit Bedacht bestimmt werden.<br />
6.4.2 Frageblock 2: Basiskarte und Thematik<br />
6.4.2.1 Ablauf und Resultate Frageblock 2<br />
In der Regel wird in der Kartografie thematische Information auf einer Basiskarte dargestellt.<br />
Im Frageblock 2 werden Aspekte zur Basiskarte berücksichtigt. So wird zum Beispiel der Frage<br />
nachgegangen, ob die Thematik im Kontext eher mit einer topografischen Karte oder mit ei-<br />
70
Masterarbeit FS 2011<br />
nem Luftbild gezeigt werden soll. Oder wird mit der Variation der Transparenz der Thematik<br />
oder der Basiskarte mehr oder weniger Gewicht gegeben.<br />
In der ersten Frage 2.1 hat sich der Experte zwischen drei Möglichkeiten einer Basiskarte zu entscheiden.<br />
Als Auswahl steht die Erstausgabe der Landeskarte 1:50'000, ein Orth<strong>of</strong>oto oder nur<br />
die Thematik ohne Basiskarte zur Verfügung. Er soll seine Entscheidung in Form einer Rangliste<br />
abgeben. Alle Fachexperten der Kartografie wählen als erste Priorität die topografische Karte,<br />
danach das Luftbild und als letztes die Thematik ohne Basiskarte. Die Experten der Glaziologie<br />
betrachten das Orth<strong>of</strong>oto als gute Grundlage. Ebenso beurteilen sie die leere Thematik zu ergänzenden<br />
Zusatzinformationen wie Höhenlinien, als genügend Information zur Interpretation.<br />
Mit der nächsten Frage 2.2 wird erörtert, wie die Experten den Einsatz von Transparenz einstufen.<br />
Gesetzt ist als Basiskarte die topografische Karte. In der ersten Darstellung sind die Karte<br />
und die Thematik opak gezeigt (2A), in der zweiten ist die Thematik opak und die Karte leicht<br />
transparent (2D) und in der dritten Abbildung wird die Thematik etwas zurückgenommen und<br />
die Karte opak gezeigt (2E). Als klarer Favorit geht die Darstellung (2E) mit opaker Basiskarte<br />
und leicht transparenter Thematik hervor. 5 von 7 Experten wählen diese auf den ersten Rang.<br />
Die anderen beiden Darstellungen liegen im Ranking nahe beieinander.<br />
Die nächste Frage 2.3 wird analog zur Vorangegangen gestellt, anstatt der topografischen Karte<br />
als Basis liegt aber das Orth<strong>of</strong>oto vor. Alle Kartografen wählen die Darstellung (2G) mit leicht<br />
transparenter Thematik analog zu (2E) als beste Variante. Die Glaziologen favorisieren die Abbildung<br />
mit opaker Thematik und leicht transparentem Orth<strong>of</strong>oto (2F). Praktisch alle finden,<br />
dass opake Thematik kombiniert mit ebenfalls opaker Basis (2B) keine gute Wahl ist.<br />
In der Frage 2.4 wird die Bestvariante aller sieben Auswahlmöglichkeiten ermittelt. 4 Kartografen<br />
entscheiden sich für die Abbildung (2E) und 1 für die 2D. Aus glaziologischer Sicht wird die<br />
Abbildung 2F und 2G als Favorit ausgewählt.<br />
Auf die Frage 2.5, welche Verbesserungsmöglichkeiten in den gezeigten Darstellungen vorliegen,<br />
wird erwähnt, dass die beiden Layer, Thematik und Basiskarte, leicht transparent dargestellt<br />
werden sollen. So wirke die Abbildung auch leichter. Zudem wäre der Kontrast zwischen<br />
Thematik und Hintergrund besser und die dunklen Farben könnten besser unterschieden werden.<br />
Um die Klassen besser voneinander zu trennen, wird empfohlen, um jede Klasse eine Kontur<br />
zu zeichnen. Weiter soll zur besseren Orientierung die Beschriftung aus der Karte als oberster<br />
Layer über die Thematik gedruckt werden. Sind die Höhenlinien durch die Thematik hindurch<br />
sichtbar, sollten diese ausgedünnt und jede 100er-Höhenlinie leicht stärker dargestellt<br />
werden.<br />
6.4.2.2 Interpretation Frageblock 2<br />
Die Antworten zeigen auf, dass der Hintergrund der Thematik eine wesentliche Rolle spielt. Die<br />
Basiskarte dient einerseits zur Orientierung und andererseits zur Interpretation der Darstellung.<br />
Das Mittel der Transparenz wird von vielen geschätzt, um der Thematik oder der Basiskarte<br />
mehr Gewicht zu verleihen. Die topografische Karte wird von den Kartografen vermehrt als<br />
Basis gewünscht. Die Glaziologen bevorzugen eher eine Orth<strong>of</strong>otokarte, sagen aber auch, dass<br />
diese einiges mehr an Geländekenntnis benötigt, respektive die Karte bereits abstrahierte Information<br />
beinhaltet und einfacher für die Interpretation ist. 2 Experten sagen aber auch, wenn<br />
z.B. in einem wissenschaftlichen Paper immer vom selben Gletschergebiet die Rede ist, dann<br />
71
Masterarbeit FS 2011<br />
kann auch nur die Thematik mit einzelnen Orientierungsangaben abgebildet werden. Die richtige<br />
Wahl der Basis hängt somit stark vom Zielpublikum und Zweck ab.<br />
6.4.3 Frageblock 3: Grössenproportionale Kreise<br />
6.4.3.1 Ablauf und Resultate Frageblock 3<br />
In den ersten beiden Frageblöcken werden die Dickenänderungen auf dem Gletscher mit Flächenfarben<br />
visualisiert. Im Frageblock 3 werden die Änderungen mittels diskreten Symbolen in<br />
einem regelmässigen Raster gezeigt. Diese Darstellungsvariante wird auch in glaziologischer<br />
Fachliteratur angewendet [Kääb, 1996]. Anhand dieses Frageblocks wird eine Beurteilung zu<br />
dieser Darstellungsart und deren Farbgebung von Seiten der sieben Experten verlangt.<br />
In der Frage 3.1 entscheidet der Experte, welche Darstellung er bevorzugt. Zur Auswahl steht als<br />
erste Variante eine Abbildung mit grössenproportionalen Kreisen. Dies bedeutet, je grösser eine<br />
Abnahme oder Zunahme, desto grösser der dargestellte Kreis (3B). In der zweiten Variante werden<br />
ebenfalls grössenproportionale Kreise abgebildet, jedoch sind diese in je fünf Klassen eingeteilt.<br />
4 Experten bevorzugen die klassierte Variante (3A). Einerseits sind die Werte zuordenbarer<br />
und andererseits sei die Grössenverteilung besser erkennbar. 3 Experten wählen die grössenproportionale<br />
Darstellung (3B) als Favorit. Es wird jedoch angefügt, dass die Überlappung<br />
im Zungenbereich unschön und viel Information verdeckt ist. Doch sei (3B) besser, um einen<br />
Einzelpunkt abzuschätzen.<br />
In der Frage 3.2 wird aufgegriffen, welche Farbgebung für eine Zunahme oder eine Abnahme<br />
auf dem Gletschergebiet optimal ist. Alle Experten sehen für eine Abnahme die Farbe Rot und<br />
für eine Zunahme die Farbe Blau als geeignet. Rot wird hauptsächlich mit etwas Negativem<br />
verbunden, eine Gefahr, etwas Dramatisches oder mit „Achtung! hier geht etwas vor sich“ und<br />
löst Aufmerksamkeit aus. Weiter wird Rot auch mit einen Temperaturanstieg verbunden, weil<br />
Rot warm bedeutet und somit das Eis schmilzt. Im Gegenteil dazu die Farbe Blau. Diese symbolisiert<br />
Kälte, was eine Eisdickenzunahme bedeutet. Als Alternative zu Rot/Blau würden die Experten<br />
die Farben Rot/Grün oder Orange/Lila (einmal genannt) befürworten. Dies auch z.B. um<br />
in einer Kiesgrube Auf- und Abtrag darzustellen, unabhängig von einer Temperatur oder Klimabewusstsein.<br />
Bei dieser Frage wird von zwei Experten hinzugefügt, dass sie eine Höhenzunahme<br />
ausserhalb des Gletschergebiets nicht immer mit grüner Farbe darstellen würden, z.B.<br />
bei einem Murgang oder einem Bergsturz. Auch bei einer Lawine ist ein Höhenauftrag nicht<br />
positiv zu werten und würde eher mit Rot statt Grün dargestellt. Ein Experte hat aber angefügt,<br />
dass die grüne Farbe häufig Schwierigkeiten aufweist, wenn sie gedruckt werden soll. Somit ist<br />
Rot/Grün besser am Bildschirm als in einem Ausdruck geeignet.<br />
Bei den weiteren Fragen des Blocks 3 geht es um Hilfsmittel in der Darstellung zur Orientierung.<br />
Es wird ein Ausschnitt der oben erwähnten Darstellung verwendet (3E und 3F). Als Zusatzinformation<br />
werden eine Übersichtskarte und Höhenlinien auf dem Gletschergebiet gezeigt.<br />
Alle Experten sind sich einig, dass die Übersichtskarte bei guter Ausführung ein sehr hilfreiches<br />
Mittel zur Orientierung ist. Ebenso werden die Höhenlinien als sehr hilfreich eingestuft. Den<br />
meisten Experten reicht es, wenn nur jede 100er-Linie oder diese in einer grösseren Strichstärke<br />
gezeichnet ist. Die gezeigte Schriftplatzierung der Höhenangaben ist noch überarbeitungsbedürftig<br />
und stand deshalb nicht im Mittelpunkt der Interviews.<br />
72
Masterarbeit FS 2011<br />
6.4.3.2 Interpretation Frageblock 3<br />
Dass Dickenänderungen auf dem Gletscher auch mit Symbolen dargestellt werden, befürworten<br />
alle Experten. Ob die Kreissymbole klassiert oder grössenproportional eine grössere Aussagekraft<br />
darstellen, kann aufgrund der gegebenen Antworten nicht eindeutig gesagt werden.<br />
Wichtig erscheint den Experten, dass die Darstellung interpretiert und quantifiziert werden<br />
kann. Deshalb wird die Überlappung von den Kreissymbolen als sehr negativ bewertet. In der<br />
Farbwahl bevorzugen alle Experten Rot für eine Abnahme und Blau für eine Zunahme. Rot wird<br />
als Gefahr oder als dramatisch eingestuft, löst aber auch ein Temperaturempfinden wie Wärme<br />
aus, was einer Schmelze auf dem Gletscher gleichkommt. Blau wird mit Kälte verbunden,<br />
was einem Eisdickenzuwachs entspricht. Die Farben Rot und Grün sind als Alternative einsetzbar.<br />
Es ist jedoch zu unterscheiden, ob der Höhenzuwachs einen qualitativ positiven oder negativen<br />
Effekt aufweist. Z.B. bei einem Hangrutsch oder einer Lawine gilt ein Höhenzuwachs als<br />
etwas Negatives und wird mit der Farbe Rot assoziiert. Die Farbe Grün wird laut einer Glaziologen-Aussage<br />
aber auch auf dem Gletschergebiet eingesetzt, um ein neutrales Verhalten des<br />
Gletschers darzustellen, also weder Höhenzuwachs noch -abnahme.<br />
6.4.4 Frageblock 4: Gestaffelte Pr<strong>of</strong>ile<br />
6.4.4.1 Ablauf und Resultate und Interpretation Frageblock 4<br />
Bis anhin sind in dieser Expertenbefragung Darstellungen, die die Höhendifferenzen zweier<br />
Gletscherstände verschiedener Jahre zeigten, diskutiert worden. Im Frageblock 4 liegt den Experten<br />
eine Darstellung vor, die versucht, gleichzeitig zwei Höhenmodelle des Gletschers aufzuzeigen.<br />
Es handelt sich dabei um gestaffelte Querpr<strong>of</strong>ile senkrecht zur Fliessrichtung des<br />
Gletschers. Zum einen wird das DHM von 1927 und zum anderen das DHM25 gezeigt. In dieser<br />
Darstellung wird zugleich ermöglicht, dass die Höhenveränderung in der richtigen Achse, nämlich<br />
der Z-Achse, dargestellt werden kann.<br />
Den Experten wird dieser Entwurf vorgelegt und nach Beurteilung und möglichen Verbesserungsvarianten<br />
gefragt.<br />
Die Antworten fallen weitgehend positiv aus, da es eine Darstellung ist, welche die Experten so<br />
noch nie gesehen haben und sie im ersten Augenblick einen interessanten Charakter aufweist.<br />
Sie zeigt qualitativ gut die Veränderung der Höhe besonders im Zungenbereich. In den Pr<strong>of</strong>ilen,<br />
die höher oben liegen und optisch in der Grafik weiter entfernt sind, hat die Perspektive jedoch<br />
einen grossen Einfluss und es wird schwierig, die Höhenveränderung abzuschätzen. Zudem ist<br />
der Fieschergletscher in seinem oberen Teil breiter als die gewählte Pr<strong>of</strong>illänge, somit kann mit<br />
der vorliegenden Pr<strong>of</strong>ilserie nicht die ganze Gletscherausdehnung abgebildet werden. Von einem<br />
Experten wird ausserdem bemängelt, dass mit dieser Darstellung nicht gleichzeitig allfällige<br />
Höhenzunahmen dargestellt werden können.<br />
Als Verbesserungsvorschläge werden genannt, dass die Darstellungsrichtung der Pr<strong>of</strong>ile in der<br />
Fliessrichtung des Gletschers gezeigt werden soll. Zwei Experten empfehlen die Höhenlinien in<br />
den Pr<strong>of</strong>ilen darzustellen und ein anderer Experte empfiehlt die Höhenveränderungen wie eine<br />
Art Band in den Pr<strong>of</strong>ilen abzutragen und einzufärben.<br />
Ein Glaziologe erwähnt, dass er einzelne Pr<strong>of</strong>ildarstellungen herstellt. Jedoch wird nur ein Pr<strong>of</strong>il<br />
gezeichnet und dies jeweils mit verschiedenen Ständen gezeigt. Als Zusatzinformation wird<br />
73
Masterarbeit FS 2011<br />
auch häufig das Gletscherbett, die Sohle des Gletschers, abgebildet, um nicht nur die Veränderungen,<br />
sondern auch die gesamte Eisdicke zu zeigen.<br />
6.4.5 Frageblock 5: 2.5D-Visualisierungen<br />
6.4.5.1 Ablauf und Resultate Frageblock 5<br />
Im Frageblock 5 wird geklärt wie sinnvoll die Darstellung der Thematik in 3D generell ist. Auf einer<br />
Skala von 1 (nicht sinnvoll) bis 5 (sehr sinnvoll) beurteilen die Experten diese Darstellungsmöglichkeit<br />
mit einer knappen 3. Sie sagen, dass es sehr vom Zielpublikum abhängt, ob eine<br />
solche Darstellung geeignet ist. Die Vorteile sind, dass das Gebiet plastisch aussieht und man<br />
sich gut orientieren kann. Zudem ist ein 3D-Bild für die breite Öffentlichkeit sehr anschaulich<br />
und es müssen keine Höhenlinien interpretiert werden zur Auffassung der Topografie. Für die<br />
Experten überwiegen jedoch die Nachteile die Vorteile stark. So wird gesagt, dass eine 3D-<br />
Darstellung häufig weniger wissenschaftlichen Gehalt in sich trägt als eine Darstellung in 2D.<br />
Zudem sind einige Partien des Geländes aufgrund der Topografie im Sichtschatten verdeckt.<br />
Durch die Perspektive der Darstellung ist es häufig schwierig, Abschätzungen zu machen, z.B.<br />
wie breit der Gletscher an einer bestimmten Stelle ist.<br />
So entscheiden sich alle Experten im Falle einer wissenschaftlichen Präsentation des Themas<br />
für eine 2D-Darstellung anstatt einer 3D. Doch die Kombination, bei der die 3D-Abbildung mit<br />
einer 2D-Darstellung abgebildet wird, würden 6 von 7 Experten bevorzugen.<br />
Wenn 3D-Abbildungen in gedruckter Version oder in einem PDF gezeigt werden, bewerten dies<br />
die Experten mit 3 Punkten. Dies begründen sie mit den Vor- und Nachteilen, die oben geschildert<br />
sind.<br />
Bei der Frage konkret zum gezeigten Bild, wie wichtig der Hintergrund erscheint, sagen die Experten,<br />
dass er wichtig ist, muss aber gut gewählt sein. So wird genannt, dass z.B. ein schattiertes<br />
Relief oder nur ein Gitter genügt, um die Form des Geländes wiederzugeben. Die gezeigte<br />
topografische Karte war allen Experten zu informativ und für den Druck einer 3D-Darstellung<br />
ungeeignet.<br />
6.4.5.2 Interpretation Frageblock 5<br />
Alle Experten sind der Meinung, dass das Thema durchaus in 3D visualisierbar ist. In gedruckter<br />
Version raten die meisten davon ab. Wenn die breite Öffentlichkeit das Zielpublikum darstellt,<br />
ist es als Anschauungszweck geeignet oder an einem Vortrag sinnvoll. Jedoch ist der Informationsgehalt<br />
in 3D viel kleiner als in einer 2D-Abbildung. Zudem kann 3D durch die Perspektive<br />
und Verdeckung zu Fehlinterpretationen führen.<br />
6.4.6 Frageblock 6: Interaktives Beispiel<br />
6.4.6.1 Ablauf und Resultate Frageblock 6<br />
Nachdem dass in den vorangegangen Blöcken gedruckte Produkte die Thematik darstellten,<br />
wird im Frageblock 6 ein Prototyp gezeigt, welcher dieselben Daten interaktiv am Bildschirm<br />
präsentiert. Dieser ist auf dem beigelegten Datenträger aufrufbar.<br />
74
Masterarbeit FS 2011<br />
Im Prototyp werden die Daten mittels Google Earth und KML dargestellt. Die Steuerung erfolgt<br />
mit der Maus und verfügt über Zoom und Pan. Mittels Mausklick in den Themenlayer werden<br />
die Klasse und weitere Informationen angezeigt. Rechts neben dem Kartenfenster besteht die<br />
Möglichkeit mittels Button das Terrain in 2D und 3D ein- und auszublenden. Weiter können die<br />
Layer in 2D und extrudiert als Prismenkarte in 3D betrachtet werden. Für eine detailliertere Beschreibung<br />
des Prototyps siehe Kapitel 5.4.6.<br />
Die Frage 6.1 befragt die Experten bezüglich ihrer Erfahrung mit Google Earth. Zwischen 1 (keine)<br />
und 5 (sehr viel) wird diese Frage im Mittel mit einer 4 beantwortet. 3 Experten haben die<br />
Zusatzfrage verneint, ob sie bereits wissen, dass Google Earth mit Plug-In in einem Webbrowser<br />
lauffähig ist.<br />
Auf die Frage, ob es wichtig ist, dass das interaktive Beispiel über das Internet abrufbar ist, wird<br />
mit einer guten 4 geantwortet. Besonders geschätzt wird, dass die Verbreitung der Daten ohne<br />
grosse Hürden geschieht. Hauptsächlich für die Information und Sensibilisierung der Bevölkerung<br />
könnte dieses Medium eingesetzt werden.<br />
Dass der interaktive Prototyp als Mehrwert bezeichnet wird, bestätigt ebenfalls die Bewertung<br />
einer guten 4. Doch wird er eher als Ergänzung zu einer gedruckten Karte betrachtet. Wissenschaftlich<br />
könnte er in dieser Form kaum zum Einsatz kommen, deshalb wird er von einem Glaziologen<br />
als Spielerei bezeichnet.<br />
Ebenfalls im selben Rahmen fällt die Bewertung für die Abfragemöglichkeit der Klassen mittels<br />
Mausklick aus. Besonders gefällt, dass noch mehr Infos angezeigt werden und zum Vergleich<br />
nicht die Legende konsultiert werden muss. Dass diese Funktion die absoluten Werte einer Zelle<br />
anzeigen würde, wäre aus der Perspektive eines Glaziologen nicht notwendig.<br />
Dass die Prismenfunktion in 3D ein Mehrwert zum 2D-Layer darstellt, wird bei den meisten Experten<br />
verneint. Die negative Kritik basiert hauptsächlich in der Skalierung der grossen Säulen.<br />
3 Personen sagen, es sei ein Mehrwert, weil es eine spannende Darstellung ist oder weil sie Daten<br />
bis jetzt noch nie so aufbereitet gesehen haben.<br />
Der Ansichtswechsel des Terrains zwischen 2D und 3D wird nur von zwei Experten als sinnvoll<br />
bezeichnet. Denn wenn die Darstellung interaktiv ist, dann gibt es keine Verdeckungen und<br />
somit ist diese Funktion unnötig. Zudem ist die Vogelperspektive auch in 3D einstellbar und erzielt<br />
denselben Effekt. Ein Button, der die Ansicht automatisch in die Vogelperspektive wechselt,<br />
wäre eine gute Idee laut einem Experten.<br />
Die Frage, ob der User die Option haben sollte, einen anderen Hintergrund anzeigen zu lassen,<br />
haben alle bejaht. Am häufigsten wünschten sich die Experten ein Relief als Hintergrund ähnlich<br />
der Ansicht wie beim Atlas der Schweiz im Panoramamodus. Aber auch einen Beschriftungslayer,<br />
Höhenlinien und Koten oder aber auch die topografische Karte werden von zwei<br />
Experten gewünscht.<br />
Ob der User die Farbe der Legende selber ändern können soll, wird mit einer 2 bewertet. Es<br />
scheint nicht so wichtig eine eigene Farbgebung zu wählen, wenn die Default-Legende gut gewählt<br />
ist. Ein Experte meint als Kompromiss, dass es eventuell sinnvoll ist, vier verschiedene<br />
Farbskalen zur Verfügung zu stellen, aus welchen der User auswählt. Viel mehr wird von den<br />
Experten jedoch eine Funktion gewünscht, die es erlaubt die einzelnen Layer leicht transparent<br />
darzustellen<br />
75
Masterarbeit FS 2011<br />
Bei der Frage 6.10 werden drei Screenshots vom Rhonegletscher von drei verschiedenen Zeitständen<br />
in gedruckter Version gezeigt. Die Frage dazu lautet, wie sinnvoll es ist, dass diese drei<br />
Stände fliessend ineinander dargestellt werden, z.B. mit einer Animationstechnik wie<br />
Morphing. 4 Experten bewerten diese Möglichkeit als sehr sinnvoll mit einer 5, und je 1 Experte<br />
gibt 4, respektive 3 und 2 Punkte. Positiv wird bewertet, dass eine Animation für Aufklärungszwecke<br />
zum Klimawandel und als Anschauungsobjekt sehr gut geeignet ist. Der grösste Kritikpunkt<br />
ist, dass ein Morphing die Zeitstufen zwischen zwei Ständen interpoliert und somit Daten<br />
gezeigt werden, die nicht empirisch aus der Landschaft stammen.<br />
Zur Abschlussfrage wird ein 3D-PDF mit einem Gletscher gezeigt. Alle Experten haben noch<br />
wenig Erfahrung damit und noch nie eines erstellt. Dass das Format existiert und plattformunabhängig<br />
Geodaten in kleinster Datengrösse versendet werden können, schätzen alle Experten<br />
als sehr wertvoll ein.<br />
6.4.6.2 Interpretation Frageblock 6<br />
Mit dem Frageblock 6 wird von den Experten ihre Meinung zur 3D-Datenpräsentation in einem<br />
interaktiven Beispiel verlangt. Die meisten Experten finden diese Darstellung interessant und<br />
vor allem für die breite Bevölkerung ein gutes Informationsmedium. Dass das Beispiel über Internet<br />
abrufbar ist, wird geschätzt, muss aber nicht zwingend sein. Es stellt sicherlich einen<br />
Mehrwert zu einer gedruckten Karte dar. Sehr geschätzt wird, dass der User die einzelnen Klassen<br />
abfragen kann und die Daten nicht mit der Legende herauslesen muss. Von grossem Vorteil<br />
wäre, wenn der User die Basiskarte wechseln könnte. Auf diese Weise wird die Darstellung individuell<br />
und je nach Bedürfnis angepasst. Die Experten empfinden es aber als wenig sinnvoll,<br />
wenn der Benutzer Einfluss auf die Farbgebung der Legende hat. Falls mehrere DHMs gleichzeitig<br />
angezeigt werden, betrachten die Experten dies gerne als Animation, um die Veränderungen<br />
über eine gewisse Zeitspanne fliessend zu visualisieren. Dies würde sicherlich auch gut zur<br />
Aufklärung der Bevölkerung genutzt werden können. Dass ein plattformunabhängiges Austauschformat<br />
wie 3D-PDF existiert wird von den Experten sehr geschätzt. Jedoch kommt es<br />
auch in ihrem Arbeitsalltag bis jetzt noch nicht zum Einsatz.<br />
6.4.7 Frageblock 7: Abschluss<br />
6.4.7.1 Ablauf und Resultate Frageblock 7<br />
Im letzten Block 7 geht es um das genaue Lesen von verschiedenen Darstellungen und um Abschätzungen<br />
zu einzelnen Werten zu äussern. Zudem werden abschliessende Fragen zur Thematik<br />
gestellt und um bereits im Gespräch mit den Experten erwähnte Punkte nochmals aufzugreifen.<br />
Es wird nach der attraktivsten und der schlechtesten der gezeigten Darstellungen<br />
gefragt.<br />
Bei der Frage 7.1 muss der Experte aus einer flächendeckenden Darstellung (7A) anhand einer<br />
kontinuierlichen Skala die Höhenveränderung an einem definierten Punkt bestimmen (markiert<br />
mit einem Kreuz). 1 Experte hat den Wert bis auf 3 Meter genau geschätzt, ein weiterer innerhalb<br />
von ±10m. Die 5 weiteren Experten haben sich zwischen 40 und 60 m verschätzt. In der<br />
zweiten Frage wird die gleiche Darstellung mit einer klassierten Einteilung (7B) nochmals gezeigt.<br />
Allen Experten gelingt es, anhand der Legende die richtige Klasse zu bestimmen.<br />
76
Masterarbeit FS 2011<br />
Die zweite Abschätzfrage zeigt die Darstellung mit der grössenproportionalen Darstellung (7C).<br />
Bei einem gekennzeichneten Kreis schätzen die Experten die Höhenabnahme. Allen Experten<br />
gelingt die Schätzung innerhalb von ±5 m. Der gleiche Kreis soll in der klassierten Darstellung<br />
geschätzt werden. Alle Experten haben auch hier die richtige Klasse erkannt. Welche einfacher<br />
zum Abschätzen ist, haben alle, ausser einem Experten, die klassierte Variante angegeben.<br />
Auf die Frage, welche die attraktivste aller gezeigten Abbildungen ist, werden diverse genannt.<br />
Mit drei Nennungen wird die Darstellung mit den gestaffelten Pr<strong>of</strong>ilen(4A) als Attraktivste gewertet,<br />
weil sie eine neuartige und interessante Illustration zur Thematik darstellt. Die topografische<br />
Karte mit der leicht transparenten Thematik (2E) wird zweimal als attraktivste gewählt.<br />
Einzelnennungen sind die grössenproportionalen Kreissymbole (3B) und die Abbildung mit dem<br />
Orth<strong>of</strong>oto (2G). Diese Angaben sind wiederum stark vom Zielpublikum abhängig, so die Experten.<br />
Auch das interaktive Beispiel wird hier mehrmals als sehr attraktiv genannt.<br />
Als Darstellung, die den Inhalt am besten zeigt, werden wiederum diverse genannt. Als einzige<br />
zweimal wird die Abbildung (2E) gewählt. Weiters erwähnt werden (2B), (2D), (2G), (3A) und<br />
(3B).<br />
Den Inhalt am schlechtesten zeigt die Darstellung (1A), da die Farbwahl den Kartenleser sehr<br />
verwirrt. Sie wird dreimal als schlechtestes Beispiel genannt. Zweimal genannt wird (7A), da aus<br />
dieser Abbildung die Werte nicht richtig schätzbar sind. Weiter werden auch die (3F) und die<br />
(3D) mit den grössenproportionalen Kreisen gewählt.<br />
Ähnlich sieht es bei der Frage zur unattraktivsten Darstellung aus. (1A) wird hier zweimal gewählt,<br />
aber auch (3D) mit den grössenproportionalen Kreissymbolen mit der Farbe Blau als Abnahme.<br />
(3F) und (2C) werden ebenso erwähnt. Ein Experte bezeichnet keine der gezeigten Darstellungen<br />
als sehr unattraktiv.<br />
Die zweitletzte Frage ergründet, wie wichtig die Gestaltungsvariable Farbe für die Thematik der<br />
Höhenveränderungen auf dem Gletscher ist. 4 Experten bewerten diese als sehr wichtig mit einer<br />
5 und 3 Experten bewerten es mit einer 4. Die Farbe hat die grösste Kraft aller Variablen, so<br />
die Meinung aller Experten. Sie bekommt eine grosse Aufmerksamkeit in allen Darstellungen.<br />
Formen können die Thematik nie so aufgelöst darstellen wie die Farbe. Ein Glaziologe erwähnt,<br />
dass einige Paper nur in schwarz/weisser Farbe gedruckt werden. Somit stellt er auch Visualisierungen<br />
in Graustufen dar. Trotzdem ist für ihn die Farbe ein wichtiges Instrument in der<br />
Darstellung.<br />
Die letzte Frage ist eine <strong>of</strong>fene, die die Experten frei beantworten. Hier soll der Experte schildern,<br />
wie er die Thematik mit seiner Erfahrung und Wissen darstellen würde. Es werden einige<br />
Varianten genannt, die ihren Ursprung in einer der gezeigten Abbildungen finden. Einige tendieren<br />
auf eine 2D-Darstellung mit topografischer Karte, ein anderer versucht nur mit einer<br />
Outline-Karte des Gletschers, sowie Flächenfarben in der Thematik und Zusatzinformationen<br />
zur Orientierung zu arbeiten. Zudem würde einer die gezeigten Daten noch stärker generalisieren.<br />
Ein Experte aus dem Bereich der Kartografie würde das Thema nur interaktiv in 3D darstellen<br />
wollen und ein anderer mit einer kartenverwandten Darstellung anhand einer diskreten<br />
Säulenkarte, ähnlich der gezeigten Prismenkarte im interaktiven Beispiel. Beide Glaziologen<br />
würden mittels eines Orth<strong>of</strong>otos ihre Thematik präsentieren.<br />
Alle Experten weisen darauf hin, dass die Darstellung stark vom Zielpublikum und der Aussage,<br />
die vermittelt werden soll, abhängt<br />
77
Masterarbeit FS 2011<br />
6.4.7.2 Interpretation Frageblock 7<br />
Der Frageblock 7 weist gemischte Fragen auf. Einerseits gilt es Abschätzungen von Werten aus<br />
den Karten anzugeben, andererseits werden Bestvarianten aus den Abbildungen erkoren.<br />
Die meisten Experten schätzen die Werte relativ genau, ausser bei der Darstellung mit der kontinuierlichen<br />
Legende. Bei den klassierten Legenden stossen die Experten auf keine Probleme.<br />
Daraus lässt sich schliessen, dass diese Visualisierungen einfach zu interpretieren sind und die<br />
Thematik angemessen wiedergeben wird.<br />
Bei den attraktivsten, den Inhalt am besten, den Inhalt am schlechtesten und bei den unattraktivsten<br />
Darstellungen sind die Antworten der Experten sehr divers. Häufig war der Standpunkt<br />
zu hören, dass es keine allgemeingültigen Kriterien gibt, die es erlauben eine perfekte Visualisierung<br />
zur Thematik zu gestalten. Vielmehr ist es vom Zielpublikum abhängig und der Aussage,<br />
die man mit der Kartendarstellung verfolgt. Wird die Thematik mehrmals in einer wissenschaftlichen<br />
Arbeit wiederholt dargestellt, darf die Karte anders aussehen, als wenn sie zu illustrativen<br />
Zwecken, z.B. in einer Tageszeitung, abgedruckt wird.<br />
Aus den Expertenvoten kann eruiert werden, dass in den gezeigten Abbildungen interessante<br />
Darstellungen hervorgegangen sind, jedoch auch noch Optimierungspotenzial vorhanden ist.<br />
Die Grundbasis und die Daten liegen vor, um Karten für jedes Zielpublikum und jeden Zweck zu<br />
gestalten.<br />
6.4.8 Abschliessende Interpretation zu den Expertenbefragung<br />
Diese Expertenbefragung untersucht die Thematik der Höhenveränderungen auf dem Gletscher<br />
und deren Visualisierung. Mit gezielten Fragestellungen werden die Kernpunkte zu Farbgebung,<br />
Farbschema, Darstellungsart und Gestaltung von Experten ermittelt und festgehalten.<br />
Eine Befragung von sieben Experten erlaubt keine statistisch korrekte und repräsentative Aussage<br />
zum Thema. Die Befragung von Experten ist auch eine qualitative Erfassungsmethode.<br />
Vielmehr werden diese Experteninterviews als ein erster Schritt zur Beurteilung dieser interessanten<br />
Fragestellung und Thematik angesehen. Aufgrund dieser erstmaligen Durchführung ist<br />
es möglich, anhand der Erkenntnis aus den Angaben der Experten und den daraus gezogenen<br />
Interpretationen, weitere vertiefte Evaluierungen für zukünftige Arbeiten durchzuführen.<br />
78
Masterarbeit FS 2011<br />
7 Ausblick und Fazit<br />
7.1 Ausblick<br />
Diese Arbeit und die Thematik beinhaltet reichlich Potential, um in einzelne angesprochene Aspekte<br />
weiter einzudringen. Doch wird mit dieser Arbeit ein begehbarer Weg aufgezeigt, in welche<br />
Richtung die Forschungen und weiterführende Arbeiten gehen könnten.<br />
So verbirgt sich in den beschriebenen Arbeitsschritten im halbautomatischen Verfahren von<br />
der Karte zum DHM einiges Potential, um die Rekonstruktion weiter zu automatisieren.<br />
Als weitere zukünftige Arbeit könnte der interaktive Prototyp basierend auf GOOGLE EARTH API<br />
und KML weiter ausgebaut werden. Eine erste Evaluierung wurde mit der Expertenbefragung<br />
im Sinne eines evolutionären Prototyping durchgeführt. Es besteht z.B. die Möglichkeit, weitere<br />
Layer einzublenden, wie die Landeskarte 1:50'000 oder ein schattiertes Relief. Zudem könnten<br />
weitere spezifische und interessante Informationen zu den Klassen abgefragt werden. Wenn<br />
noch mehr Daten und DHMs vorhanden sind, könnte man auch noch weitere Gletscherstände<br />
integrieren. Als weiterer Schritt stünde <strong>of</strong>fen, weitere Gletscher aus der Datensammlung der<br />
VAW mit ähnlichem Informationsgehalt in die Applikation einzubinden. Da das Kartenfenster<br />
in eine konventionelle HTML-Seite integriert ist, kann auch diese beliebig übersichtlich und mit<br />
verschiedenen Inhalten gestaltet werden.<br />
Bezüglich Visualisierungen stehen auch nach Ausführung dieser Arbeit einige Möglichkeiten<br />
<strong>of</strong>fen. Die Darstellungen in dieser Arbeit sind auf der Grundlage zweier DHMs aus den Jahren<br />
1927 und 2008 erstellt. Diese könnten nun für animierte Visualisierungen verwendet werden,<br />
z.B. mit Morphing, wo Gletscherstände zwischen den Zeiträumen interpoliert sind.<br />
Mit der Durchführung von Experteninterviews wurde eine erste Sondage zur Thematik Höhenveränderungen<br />
auf dem Gletschergebiet durchgeführt und die Resultate stehen für weitere Arbeiten<br />
zur Verfügung. Aufgrund der Expertenkommentare besteht noch grosses Potential, um<br />
die diversen Visualisierungen aus dieser Arbeit dem Zweck und je nach Zielpublikum entsprechend<br />
zu optimieren.<br />
7.2 Fazit<br />
Mit dieser Masterarbeit konnte das DHM der ganzen hydrologischen Einheit vom Fieschergletscher<br />
inklusive Studer- und Galmigletscher mit dem Gletscherstand von 1927 aus der Erstausgabe<br />
der Landeskarte 1:50'000 rekonstruiert werden. Somit kann dieser Datensatz zur Datensammlung<br />
der VAW hinzugefügt werden und steht für weitere Forschungszwecke zur Verfügung.<br />
Es ist gelungen, ein halbautomatisches Verfahren aufzuzeigen, welches erlaubt, aus der Karte<br />
die Höheninformation mittels Bildbearbeitung zu extrahieren und durch den Einsatz eines GIS<br />
ein DHM herzustellen. Mittels verschiedenen Vergleichen mit anderen DHMs konnte gezeigt<br />
79
Masterarbeit FS 2011<br />
werden, dass diese Methodik in der Genauigkeit ebenso gut oder gar besser ist als die bisher<br />
angewendete manuelle Variante.<br />
Ob die halbautomatische Variante von der Karte zum DHM vom Zeitaufwand hier in der Ausführung<br />
kleiner als in der manuellen Variante ist, kann nicht gesagt werden, da der direkte Vergleich<br />
in dieser Arbeit nicht gemacht werden konnte. Zudem ist zu erwarten, dass es stark von<br />
der Grösse und der Komplexität des Gletschergebiets abhängt. Die blaue Höheninformation<br />
aus der Karte wird sehr gut mit diesem Verfahren detektiert und vektorisiert, einzig die Gletscherspalten<br />
und die Beschriftung sind störende Elemente. Die braunen Höhenlinien sind aufwendiger<br />
in der Extrahierung aus der Karte, da die Linien verschiedene Farbtöne aufweisen. Mit<br />
einer indexierten Bildvorlage könnte die Extrahierung eventuell noch besser gelingen. Der<br />
schwarze Layer benötigt am meisten Zeit, um die Höheninformation schliesslich vektoriell im<br />
GIS zu verwalten. Einerseits hat es im schwarzen Layer, nebst den Höhenlinien, Beschriftung<br />
und andererseits vor allem Felszeichnungen und -schraffen, die keine quantitative Höheninformation<br />
aufweisen. So muss bei dieser Farbe viel Aufwand betrieben werden, um nur die gewünschte<br />
Information zu erhalten.<br />
Der Vorteil zum manuellen Vorgehen liegt darin, dass schliesslich die Höhenlinien in exakter<br />
Geometrie aus der Karte und nicht nur punktweise generalisiert vorliegen. Somit ist der Ansatz<br />
dieses Verfahrens sehr interessant und kann weiterhin rationalisiert und optimiert werden. Am<br />
meisten Potential liegt sicherlich in der Selektion zwischen benötigter und nicht benötigter Information,<br />
sprich zwischen Höhenlinien und anderen Kartenelementen.<br />
Durch das halbautomatisierte Verfahren zur Attribuierung der Höhenlinien mittels eines Tools<br />
liegt eine effiziente Methode vor, die nur mit sehr viel Aufwand noch weiter automatisiert werden<br />
kann.<br />
Mit dem Herstellen verschiedener Darstellungen wird gezeigt, dass die Thematik auf diverse<br />
Art und Weise dargestellt werden kann. Mit der Evaluierung der Abbildungen anhand einer<br />
Durchführung von Experteninterviews mit sieben Experten werden erste Aussagen zur Abbildung<br />
von Höhenveränderungen auf dem Gletschergebiet gemacht. Die Expertenbefragung liefert<br />
in dieser Form erste Erkenntnisse, die für weitere Untersuchungen als Ausgangslage verwendet<br />
werden können.<br />
80
Masterarbeit FS 2011<br />
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<strong>ETH</strong> <strong>Zürich</strong>, 2011.<br />
[wikipedia, 2010]<br />
Moirygletscher, http://de.wikipedia.org/wiki/Moirygletscher, 2010. (Zugriff: 29.04.2011).<br />
[wikipedia, 2011a]<br />
Fieschergletscher, http://de.wikipedia.org/wiki/Fieschergletscher, 2011. (Zugriff: 29.04.2011).<br />
[Winter, 2001]<br />
Winter, R.: Entwicklung geeigneter Ansätze und Methoden zur kartographischen Visualisierung<br />
mehrdimensionaler glaziologischer Prozesse, Diplomarbeit, Institut für Kartographie der TU Dresden,<br />
Dresden, 2001.<br />
Copyright und Quelle der in der Arbeit verwendeten Geodaten<br />
Reproduziert mit Bewilligung von swisstopo (JA100120). Bundesamt für Landestopografie swisstopo<br />
(Art. 30 GeoIV): 5704 000 000.<br />
85
Masterarbeit FS 2011<br />
Anhang<br />
A 1<br />
Karten<br />
A 1.1 Glacier de Moiry<br />
Abbildung 51:<br />
Glacier de Moiry in der Erstausgabe der Landeskarte 1:50'000 (ohne Relief, nicht<br />
massstabsgetreu)<br />
A-1
Masterarbeit FS 2011<br />
Abbildung 52:<br />
Glacier de Moiry in der Erstausgabe der Landeskarte 1:50'000 mit den vektorisierten<br />
Höhenlinien für die Rekonstruktion (ohne Relief, nicht massstabsgetreu)<br />
A-2
Masterarbeit FS 2011<br />
A 1.2 Fieschergletscher<br />
Abbildung 53:<br />
Fieschergletscher in der Erstausgabe der Landeskarte 1:50'000 (ohne Relief, nicht<br />
massstabsgetreu)<br />
A-3
Masterarbeit FS 2011<br />
Abbildung 54:<br />
Fieschergletscher in der Erstausgabe der Landeskarte 1:50'000 mit den vektorisierten<br />
Höhenlinien und Koten für die Rekonstruktion (ohne Relief, nicht massstabsgetreu)<br />
A-4
Masterarbeit FS 2011<br />
A 2 Unterlagen Expertenbefragung<br />
A 2.1 Fragestellung<br />
Der komplette Fragebogen und Interviewablauf ist auf dem beigelegten Datenträger abgelegt.<br />
A 2.2 Abbildungen zur Expertenbefragung<br />
Aus Platzgründen werden hier alle Abbildungen aus dem Experteninterview in einer verkleinerten<br />
Grösse abgedruckt. Die Originalbilder in höherer Auflösung sind auf dem beigelegten Datenträger<br />
abgelegt.<br />
1A<br />
1B<br />
A-5
Masterarbeit FS 2011<br />
1C<br />
1D<br />
2A<br />
2B<br />
A-6
Masterarbeit FS 2011<br />
2C<br />
2D<br />
2E<br />
2F<br />
A-7
Masterarbeit FS 2011<br />
2G<br />
3A<br />
3B<br />
Akkumulation<br />
1<br />
10<br />
25<br />
Akkumulation<br />
0.139893 - 10.000000<br />
10.000001 - 20.000000<br />
20.000001 - 40.000000<br />
40.000001 - 60.000000<br />
60.000001 - 140.000000<br />
Ablation<br />
0.139893 - 10.000000<br />
10.000001 - 20.000000<br />
20.000001 - 40.000000<br />
40.000001 - 60.000000<br />
60.000001 - 140.000000<br />
50<br />
100<br />
Ablation<br />
1<br />
10<br />
25<br />
50<br />
100<br />
A-8
Masterarbeit FS 2011<br />
3C<br />
3D<br />
Akkumulation<br />
1<br />
10<br />
25<br />
50<br />
Akkumulation<br />
0.139893 - 10.000000<br />
10.000001 - 20.000000<br />
20.000001 - 40.000000<br />
40.000001 - 60.000000<br />
60.000001 - 140.000000<br />
Ablation<br />
0.139893 - 10.000000<br />
10.000001 - 20.000000<br />
20.000001 - 40.000000<br />
40.000001 - 60.000000<br />
60.000001 - 140.000000<br />
100<br />
Ablation<br />
1<br />
10<br />
25<br />
50<br />
100<br />
3E<br />
3F<br />
A-9
Masterarbeit FS 2011<br />
4A<br />
5A<br />
A-10
Masterarbeit FS 2011<br />
6A<br />
A-11
Masterarbeit FS 2011<br />
7A<br />
7B<br />
D<br />
7C<br />
7D<br />
Akkumulation<br />
1<br />
10<br />
25<br />
50<br />
100<br />
Ablation<br />
1<br />
10<br />
25<br />
50<br />
100<br />
Akkumulation<br />
0.139893 - 10.000000<br />
10.000001 - 20.000000<br />
20.000001 - 40.000000<br />
40.000001 - 60.000000<br />
60.000001 - 140.000000<br />
Ablation<br />
0.139893 - 10.000000<br />
10.000001 - 20.000000<br />
20.000001 - 40.000000<br />
40.000001 - 60.000000<br />
60.000001 - 140.000000<br />
A-12