Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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hieraus auf das Deutlichste, dass auch sclieinbar junge Zeugnisse

sich doch bei genauerer Priifung als auf uralter Tradition

beruhend erweisen konnen ^) . Ganz ahnlich verfahrt ja

6] Es moge mir verstattet sein , nebenbei auch die librigen Einw^nde

Plew^s gegen meine Abhandlung iiber Apollon unci Mars in aller Kiirze zu

widerlegen. So macht er mir noch zum Vorwurf dass ich »Singulares zu

allgemein Verbreitetem stempele« und fiihrt zum Beweise dessen den vereinzelten

Bericht uber die bootischen Daphnephorien an , der allgemein

(vgl. Welcker Gotterl. I, 46S, Gerhard Myth. § 308, Preller gr. Myth. ^ I,

221, 1, Gadechens in Paulys Realenc. 1 2 1278, Lauer 269 u. s. w.) auf die

Funktion ApoUons als Zeitordners bezogen wird , aber (nach Plew) nichts

fiir die ursprungliche Anschauung beweisen konne. Dagegen lasst sich

erstens geltend machen, dass jene Daphnephorie uralt war, weil sie auf

Polematas, einen mythischen Anfiihrer der Booter, zuriickgefiihrt wird und

nach Paus. IX, 10, 4 und Proklos Chrest. p. 988 = p. 387 ed. Gaisf. schon

Herakles Daphnephoros des ismenischen Apollon gewesen sein sollte,

zweitens dass der Bericht iiber die Kopo nicht vereinzelt erscheint , weil

thatsachlich alle fur die Eintheilung des Sonnenjahres wichtigen Tage,

nemlich die Neumonde, die VoUmonde, die 7ten und 20ten Tage des Monats

endlich die Anfange des Sonnenjahres und der alten Ennaeteris fiir

apollinisch gelten, also deutlich genug fiir die Verbreitung der Auffassung

Apollons als Jahresgottes und Zeitordners sprechen. Aus diesem Grunde

habe ich auch kein Bedenken getragen , die erst in alexandrinischer Zeit

vorkommenden Beinamen 'QpiTYj; und 'Qfyop-sStov sowie die Auffassung des

Phoebtis im horazischen carmen saec. fiir alte Anschauungen zu halten,

da sie mit der sonstigen uralten Tradition in bestem Einklang stehen.

Warum ferner die Combination der Salier mit den ortygischen Kureten

MVoUig in der Luft schweben« soil, ist mir unerklarlich , sobald man nur

im AUgemeinen die Berechtigung der vergleichenden Methode auch fiir

die Mythologie anerkennt.

Ich bitte den geneigten Leser den betreffenden

Abschnitt (S. 38 und 47) nochmals anzusehen , wo der Nachweis gefiihrt

ist, dass alle derartigen Waffentanze imFriihling, z. B. bei der Geburt

des Dionysos und des kretischen Zeus den Sinn eines aTroxpoTraiov haben.

Endlich erachtet Plew den Beweis,dass Lorbeer und Habicht auch Symbole

des Mars seien, fur nicht gelungen, obwohl Servius ausdriicklich sagt

» Marti consecratus accipiter« (worunter kaum der griechische Ares zu

Terstehen ist ,

weil nach griechischer Anschauung der Habicht nicht ihm,

sondern dem Apollon heilig war! und obwohl in dem uralten sacrarium

Martis zwei Lorbeerbaume gepflanzt waren, wahrend auf Miinzen der Mamertiner

Mars mit einem Lorbeerkranze versehen ist und seine Priester,

die Salier, Lorbeerzweige in den H^nden tragen.. OfFenbar erklaren sich

die Einwande Plews, dem Vertreter Vossischer Methode, wesentlich aus

einer Abneigung gegen jede vergleichende Richtung, welcher er nur eine

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