Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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und friiher im Griechischen vermisst wurde , sich noch deutlich

in dem nur von Hesychios bezeugten Sa-Buaa-soUai und

8at-8oaa-£a&ai erhalten hat, eine Auffassung ,

der sich zu meiner

Freude auch Curtius in der vierten Auflage seiner Grundziige

(S. 134) angeschlossen hat. Ebenso wie in diesen Fallen

diirfen wir auch in

mythologischen Untersuchungen die jiingeren

Zeugnisse nicht unberiicksichtigt lassen,

zumal da es

eine iiber allem Zweifel erhabene Thatsache ist, dass sich uralte

griechische und italische Kulte bis in die spatesten Zeiten

des sinkenden Heidenthums erhalten haben , wofiir Friedlander

in seiner Sittengeschichte Roras ^ III S. 492 f. einige

treffende Belege anfiihrt. Es ist also trotz der entgegengesetzten

Ansicht Plews fiir

mich durchaus kein Grund vorhanden

von der (natiirlich vorsichtigen) Eenutzung selbst spater

Zeugnisse zumZwecke des Nachweises gewisser mythischerAnschauungen

irgend abzusehen, sobald sich durch Vergleichung

mit ahnlichen Ideen und Kultgebrauchen namentlich eines

verwandten Volkes ergibt, dass sie auf uralter Tradition beruhen.

Denn das sicherste Kriterium bei der Frage ob ein

Kultusgebrauch oder Mythus uralt sei oder nicht bildet eben

der Nachweis eines Aehnlichen oder Gleichen bei

einem nahe

verwandten Volke, vorausgesetzt dass an eine Entlehnung von

diesem nicht zu denken ist. Man scheint freilich neuerdings

wieder vergessen zu haben, was C. O. Miiller in seinen immer

noch hochst lesenswerthen Prolegomena zu einer wissenschaftlichen

Mythologie S. 124 iiber die Verwechselung der schriftstellerischen

Hiilfsmittel zur Kenntniss des Mythus

oder Kultus und der eigentlichen Quellen gegen die

Ansicht derjenigen gesagt hat, welche meinten, es kame bei

der Geschichte der Mythen nur darauf an , nachzuweisen , in

welchem Dichter und Schriftsteller ein Mythus zuerst vorkomme,

und danach habe man seine Zeit zu bestimmen').

Dies ist, wie Miiller sehr richtig gesehen hat, aus dem ein-

7) Vgl. auch Welcker Gotterl. I, 118.

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