Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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fachen Grunde falsch, weil auf der einen Seite die wichtigsten

Schriftquellen verloren gegangen siiid und anderseits die

grosse Masse der Mythen uns nur

durch Sammler ohne die

Bemerkung zugekommen ist, in vvelchem Oichter sie zuerst

behandelt worden seien , endlich weil das Nichtwissen eines

Dichters gar nicht das Nichtdasein eines Mythus beweist.

Aus

diesen Griinden halte ich auch die Forderung von Friedlander

(Fleckeisens Jahrbb. 1873 S. 312), dass die Mythenforschung

auf den alten von Voss eingeschlagenen Weg zuruckkehren

und statt die Anschauungen der Urzeiten ergrunden zu wollen

sich zunachst mit der bescheideneren [?] Aufgabe begniigen

miisse,

die mythenbildende Thatigkeit von der homerischen

Zeit^) ab auf ihren verschlungenen [leider!] Pfaden Schritt

fur Schritt zu verfolgen , die einzelnen Phasen der Sagenentwickelung

scharf zu trennen und den Eintritt jeder neuen

Wandlung oder Weiterbildung der Zeit nach so genau als

moglich zu bestimmen, wenn man von der Vergleichung

der Mythen der verwandten Stamme oder

der nahe verwandten Volker absieht, in den meisten

Fallen, wo keine historischen Anhaltepunkte gegeben sind

(vgl. Miiller Prol. S. 132), fiir ein Ding der Unmoglichkeit.

Denn einestheils konnen wir die Kenntniss der altesten mythischen

Anschauungen bei der Erforschung der spateren Entwickelungen

durchaus nicht entbehren, anderntheils lasst sich,

wie schon gesagt, die Frage, ob ein Mythus alt oder jung sei,

oft nur mit Hiilfe der vergleichenden Mythologie losen, ebenso

wie unzahlige Fragen der historischen Wortforschung und

8) Wie unrichtig es ist Homer ohne Weiteres zum Ausgangspunkt

der mythologischen Forschung zu machen ,

hat Niemand klarer erkannt

als Welcker, welcher Gotterl. I. S. 6 Folgendes aussert: Homer ist, in

Bezug auf die griechische Religion eine sehrjunge Quelle und seine

Sprache giebt uns einen ungefahren Massstab ab der Geistesarbeit und

der Formenwandlungen , die , wie sie in ihr sich kund geben , so auch in

der Mythologie einer solchen nationalen Ausbildung vorausgehn mussten,

bevor Homer sie von dem Standpunkt seiner Zeit und seiner epischen

Entwiirfe darstellte u. s. w.

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