Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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mitischen Volker^o) fiir eine natiirliche Wirkung des Mondlichtes,

ja sogar die modernen Naturvolker, z. H. die amerikanischen

Ureinwohner, denken sich den weiblich gefassten

Mond als Schiitzer der Frauen bei der Geb urt, was laut genug

fur die Einfachheit und Nothwendigkeit dieser Naturanschauung

spricht (vgl. Steinthal in d. Zeitschr. fur Volkerpsychologie

VII, S. 309). Darum ist auch Artemis eine Entbinderin

geworden und heisst als solche EiXsi&ota, Ao/eia (Aoy(ia),

2oa)3iva u. s. w. In dieser Bedeutung entspricbt sie auf

das Deutlichste der italischen Diana ,

welche ebenfalls als Lucina

oder Genitalis, d. i. als Entbinderin und Zeugerin, verehrt

wurde (Preller r. Myth, i S. 277, 279, 281 u. 284). Wir

haben uns hier nur mit der Beziehung der Juno zur Menstruation

zu beschaftigen ,

da ihre Funktion als Gottin der Entbindung

und Geburt dem folgenden Kapitel vorbehalten

bleiben

muss. Nur soviel sei hier gesagt, dass die beiden andern

Funktionen, welche Juno mit Hera gemein hat,

die Entbindung

und eheliche Zeugung (d. i.

die Ehe) auf das Engste mit

sich iiber die Erde mit Mannichfaltigkeit. Mit dem Mond, sei er jung

oder vollendet, zeigen sich alle Zeugungen«.

20) So ist die phonizische Astarte als Mondgottin auch eine Gottin

des Gebarens und — was damit eng zusammenhangt — der Liebe geworden

(Creuzer Symbolik 3 II, S. 392 f. und S. 447. Winer bibl. Handworterb.

3 S. 108). Als Mondgottin heisst sie bei den Griechen AaTpoapyTj

(Herodian V, 6, 10) und wird als solche ausdriieklich anerkannt von Lucian

de dea Syria 4 : 'AaTdpTTjv S' i^m ooxew EeX-rjvai-rjv £{x{j.evai. 'Aoxpoapyirj

heisst der Mond offenbar als regina siderum oder caeli (Hor. ca. saec. 35.

Appul. Met. II, S. 254 Bip. Orph. hy. 9, 10, wo die Form daxpap/Y] liberhefert

ist) . Der Astarte entspricht aber einerseits die Mondgottin Mylitta

der Babylonier, welche ebenfalls eine Gottin der Zeugung und Geburt

war und deren babylonischer Name ilifo/e^e^A die Gebarenmachende

(Duncker Gesch. d. Alterth. ^I, S. 220 f.) bedeutet, anderseits die aitchaldaische

Istar, deren neuerdings von Schrader und Oppert behandelter

Hymnus sie uns als die Gottin der Fruchtbarkeit kennen lehrt, insofern

bei ihrem Herabsteigen in die Unterwelt alle Zeugung und Befruchtung

aufhorte. In einer von Oppert mitgetheilten Beschworungsformel

wird sie dieErhellerin derN^chte genannt (M. Haug, BeiL

z. Augsb. AUg. Ztg. 1875 S. J 092).

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