Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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grund, der hierfur spricht, ist die wirklich auffallende Wesensgleichheit

der beiden Gottinnen in mehreren Ziigen, welche

wir fiir uralte halten diirfen. Beide stellen nemlich die personificirte

Jugendbliithe und Jugen dschonheit^e) dar,

beide sind Bilder der Geniisse, welche die Jugend mit sich

fiihrt und ohne welche das Leben der olympischen G otter nicht

zu denken ist ^'J

. Ja es finden sich Spuren von einer Aphrodite,

welche wie Hebe fur eine Mundschenkin der Gotter gait,

denn Sappho ruft im 15ten Fragmente bei Bergk die Kypris

mit folgenden Worten an

sX^s KuTTpl

/pootatotv £V xuXtxsootv a^p«)? /

au}X}x£}j-iY|X£Vov

^aXiaioi vsxiap

oivo5(0£ooa.

Beiden Gottinnen scheinen ferner die Cypresse und der

Epheu geheiligt gewesen zu sein (Pans. II, 13, 8 f. Gerhard

Mythol. § 374, 2).

Der Beiname ATa, den Hebe nach Strabon 382 in Phlius

und Sikyon fiihrte , entspricht endlich auf das Deutlichste den

Bezeichnungen oia 'AcppoBiTTj^sj ^ Ato? doYatr^p^^), Ato? xoopyj^^).

Wir diirfen somit auf Grund der vorstehenden Unter-

36) Wie Aphrodite so gilt auch Hebe fiir die schonste unter den Gottinnen,

daher sie Pind. N. 18, 17 xaXXioTa ^ewv heisst.

37) Darum hiess sie in Sikyon in altester Zeit Ganymeda (Paus. II,

13, 3) und wurde mit ausgelassenen Lustbarkeiten verehrt, bei

denen auch aphrodisische Anspielungen nicht fehlten (Preller gr.

Myth. 2 I, 391. Mnaseas bei Aelianus h. a. 17, 46). yj^yj bedeutet nicht

sondern auch die jugendliche Lust desLe-

bloss die Jugendbliithe ,

bens, ja sogar die Scham, Tj^av wird oft in der Bedeutung jugendlich

vergniigt sein gebraucht, welcher auch der Name FavyjAfjOa entspricht.

Hesych. erklart Tjpav mit euojyeTai^ai, txeducxeai^oti und ri^-q mit dxoXaata.

38) II. B 820, r 389, 413, E 370, Od. u 68, 73.

39) II. r 374, E 131, 312, 820, H 193, 224 u. s. w.

40) II. Y 105. Vgl. auch Eurip. Phaeth. fr. 781 : xav Ato? o'jpavtav dei-

Sofxev AcppoSixav.

Als Zeustochter erhalt desshalb Aphrodite den Beinamen

Akuvtj, welches in diesem Falle Patronymikon ist. Vgl. die Stellen bei

Angermann in Curtius Studien z. griech. und lat. Grammatik I, I, S. 59.

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