Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

kungen von Max Miiller im zweiten Bande seiner Vorlesungen

iiber die Wissenschaft der Sprache u. a. m. Wenn wir

auch bei unbefangenem Urtheil nicht verkennen konnen,

dass

vielleicht manche der in den genannten Werken enthaltenen

Behauptungen der Erganzung und l^erichtigung bedarf,

wie

das bei einer so jungen noch imEntstehen begriffenen Wissenschaft

auch ganz begreiflich ist , so steht doch so viel unumstosslich

fest,

dass eine vergleichende Mythologie der indogermanischen

Volker moglich und berechtigt ist,

weil es ganze

Reihen unter einander zusammenhangender Myjhen oder Anschauungen

gibt, die sich z. B. bei Indern und Germanen vorfinden.

Wenn nun aber schon die Vergleichung verwandtschaftlich

sich ferner stehender indogermanischer Volker

brauchbare mythologische Resultate ergeben hat, wie viel mehr

muss dies der Fall sein, wenn man die Mythen, Kulte und religiosen

Anschauungen derjenigen Nationen genauer ins Auge

fasst, Welche, wie die griechische und romische, sprachlich

eine sehr enge Yerwandtschaft verrathen. Dieser nahe liegende

und gewiss durchaus berechtigte

Gedanke hat gleichwohl

sonderbarerweise bis jetzt so gut wie gar keine Veranlassung

gegeben, die griechische und romische Mythologie auf

ihre innere Verwandtschaft bin einmal genauer anzusehen.

Statt tiefer einzudringen und in der Weise, wie es namentlich

Mannhardt gethan hat, die historische Identitat gewisser

Gotter im Einzelnen nachzuweisen, hat man sich bis jetzt damit

begniigt, nur auf die unmittelbar unter der Oberflache liegenden

Schatze hinzuweisen und die etymologisch feststehende

Uebereinstimmung einzelner Gotternamen wie Juppiter

und

befreien Sonne , Mond und Wasserfrau aus der Gewalt himmlischer Damonen

, die sich bei Germanen und Indern identisch zeigen ,

und fiihren

nach Besiegung derselben den Schatz des Sonnengoldes wieder herauf.w

Vgl. S. IX f. Alles dies wird Punkt fiir Punkt mit solcher Sch^rfe und

Gelehrsamkeit erwiesen, dass ich Mannhardt's Buch bis jetzt fiir die

bedeutendste Leistung nach Anlage und Methode auf dem Felde vergleichender

Mythologie halte und dessen Lektiire alien Denen , welche sich

fiir

derartige Untersuchungen interessiren, nicht genug empfehlen kann.

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