Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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Bei dieser nahen Verwandtschaft der Hochzeitsgebrauche

bei Griechen und Italikern ^^2) wird es von vornherein nicht

unwahrscbeinlich sein, dass auch die leligiosen Ideen, welche

sicb an den Kultus der beiderseitigen Ehegotter kniipfen, und

diese selbst urspriinglich identisch waren.

In der That findeh

wir diese Voraussetzung durch eine Vergleichung der Juno und

Hera als

Ehegottinnen bestatigt.

Vor AUem kommt hier in Betracht, dass die italische

Mondgottin Juno mit J o v i s oder Juppiter, also mit demjenigen

Gotte ehelich verbunden gedacht wurdei^-^), welcher

etymologisch und mythologisch genau dem Gemahl der

Hera-Dione Zeus entspricht, und dass diese Ehe allgemein

fiir das Prototyp und Ideal sammtlicher menschlichen

Ehen gait.

Dass wir in diesem Falle nicht etwa an

eine Uebertragung der dem ispo? Yajxo? der Griechen zu Grunde

liegenden Idee zu denken haben, ergibt sich aus einer genaueren

Betrachtung der eigenthiimlichen Form, in welcher

jener Gedanke einer gottlichen Idealehe vom italischen Kultus

ausgepragt worden ist.

182) Dass es sich bei diesei auffallenden Uebereinstimmung griechischer

und italischer Hochzeitsgebrauche nicht um eine Uebertragung,

sondern um eine unabhangige Weiterentwickelung urspriinglich identischer

Verhaltnisse handelt, erkennt man schon daran, dass keine einzige

der dabei in Betracht kommenden italischen Benennungen den Eindruck

eines Lehnwortes macht, und dass mehrere griechische Sitten , z. B. die

seBva und der Raub der Braut bei den Griechen der historischen Zeit entweder

gar nicht mehr oder doch nur in beschranktem Umfange iiblich

waren.

183) Plant. Cas. II, 3, 14 sagt ein Ehemann zu seiner Frau : Heia,

mea Juno, non decet ted esse tam tristera tuo Jovi , vergleicht also seine

Ehe mit der des Juppiter und der Juno. In dem grossen Juppitertempel

auf dem Kapitol aus der Zeit des Tarquinius Priscus wurde Juno neben

Juppiter verehrt: Preller rom. Myth. 193 Anm. 2. Vgl. auch Varro bei

Serv. zu Verg. Eel. VIII, 30 und' Ovid. fa. VI, 34 — 37, der die kapitolinische

Juno matrona tonantis nennt.

Eine Juno Matrona (= TeXeia)

nennt die von Ritschl Rh. Mus. IX, 19 publicirte Inschrift von Pisaurum.

Die Juno von Ardea fiihrte nach Plin. h. n. XXXV, 10, 37 den Titel Regina

Juno supremi c o n i u x.

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