Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

hoc

1^

I

Wenn ferner auf derselben Iiisel eine wichtige Cerimonie

darin bestand, dass man jedes Jahr das alte Kultbild der

Gottin aus dem Tempel an das Meeresufer brachte , daselbst

in einem Gebiisch versteckte und ihm Kuchen vorsetzte ,

worauf

es

scheinbar gesucbt und nach seiner Auffindung wieder

an seinen Platz gestellt wurde242) ^ so scheint audi dies nur

eine Wiederholung der alten Sitte gewesen zu sein ,

die Braul

an einen heimlichen Ort zu entfiihren und den Vermiihlten

nach Art der italischen confarreatio Kuchen vorzusetzen, wie

Welcker (Gotterl.

I 369 und zu Schwencks etym.-mythol. Andeutungen

277)

scharfsinnig erkannt hat.

Die Legende von dera Raube des Bildes durch die Tyrrhener,

welche Athenaos 672^~^ erzahlt,

sollte offenbar nur dazu

dienen, die aTroppYjTa der mystischen Feier zu verdecken^^^).

Das Verstecken des samischen Herabildes im Gebiisch erinnert

uns iibrigens lebhaft an die faliscische und plataische Sitte,

das Gotterbild an einen einsaraen mitten im Wahle oder Gebirge

gelegenen Ort zu tragen, wo ein Altar der Gottin errichtet

war 244).

In Plataa und Argos wurde sogar der Hoch-

Tov d[xcpti}aX-^ T-^ ItoiXyj ouYvtaTaTeOeio&ai (?) . aXkoi xov Aia cpaaiv is Sd[xiij Xd-

0: p a Ttt»v YOVcOiv aTroTrapfteveuoai T'?jv"Hpa'v • o^evSd{xtot fAvrjOxeuov-

T£i xdi %6pa? XdOpa au-('Aoni.\.f^o\j(siv , eixaTrrxpp'rjaiai^uotjotTO'j?

Yd[xo'j;. Vgl. auch Schol. ad II. A 609.

242) Menodotos b. Athen. 672 ^i; otoTiep e^ ^xeivo'j -/a^' evcaaxov exo;

d7ioxo{xiC£aftai x6 ^pexas ei? xyjv -qiosa xat dcpavtC^odat, tl»oiiaxd xe aux(^ napaxi&eoftat

• %at xaXeiaO^ai Tovea xyjv sopxYjv. Dass die Vorsetzung des KucheniS

eine Art confarreatio bedeutet , erhellt aus der Rolle , welche Kuchen oder

Brot bei der gracoitalischen Hochzeit spielte: Becker Char. 2 III, 31(^.

Vgl. auch die makedonische Sitte bei Curtius VIII, 4, 27 : erat apud

Macedones sanctissimum coeuntium pignus, quem divisum (panem) gladio

uterque libabat.

243) Der Ausdruck dTroppYjxo; oder dppiQxoi wird mehrfach von Cerimonien

des Hierosgamos gebraucht: Paus. II, ',iS, 2. II, 17, 4. Vgl. auch

Dio Chrysost. or. 36 vol. II p. 66'ed. Dindorf : xovixov ufxvoOot Traios; aocpdjv

dv dppY]xot(; xeXexaii; Hpa? v.rA Ato? £'joai{j.ova Yd[J.ov.

244) Vgl. oben S. 65 Anm. 193 und Paus. IX, 3, 7: euxpsTitaxat hi ocptotv

It:i x-^ xopycp^ xou opo'j; p(u{xo;.

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