Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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zufuhren lasst 256j , Fragen wir nach der Bedeutung dieses

mythischen Lokals in unserer Hierosgamossage, so ist auf jene

zuerst von Bergk (in Fleckeisens Jahrb. 1860 S. 411 f.) erkannte

Vorstellung hinzuweisen, wonach von den Quellen des

Okeanos zum Olympos, d. i. vom westlichen Horizont zur

hochsten Hohe des Himmels ein leuchtender Pfad emporfiihrte,

der Weg des Zeus genannt, worunter man die Milchstrasse

verstand -^5^) . Da dies derselbe Weg ist, den Sonne und

Mond, die beiden grossten Gestirne taglich hinabwandeln^ss)^

so ist es mir sehr wahrscheinlich , dass sich in jenem Mythus

von der Hochzeit der hochsten G otter im aussersten Westen

eine Spur der Mondgottin Hera und eines Sonnengottes

Zeus erhalten hat 259). Gestiitzt wird diese Vermuthung libri-

256) Pindar fr. 7 : TipwTov fj.£v eu^ouXov Bsfxtv oufKxviav

||

ypuosataiv i7tr,Qii

'QxeavoO napa Trayav Moipat tcoti xXifxa^ta (3£(j,vav||

||

aYO^ OuXufx-

Tou Xmapav %a^' oBov ocaTYJpo; d^yaioM aXoyo'i Aio? £(jl{A£v. Vgl. auch

\\

Hesiod. Theog. 891.

257) Vgl. Pindar 01. II, 70, wo es von den Seelen der Frommen,

welche, nachdem sie alle Priifungen bestanden haben, zur Burg des Kronos

auf den Inseln der Seligen im fernen Okeanos wandern, heisst: £T£tXav

A to? 6o6v Tiapa Kpovou xupaiv. Der Garten der Gotter ist also identisch

mit dem Elysium: Bergk a. a. O. 411 f. Vgl. auch Ovid. Met. I, 168.

Quint. Smyrn. XIV, 223. Porphyrins de antro nymph. 28. Philo de providentia

II, 101. Dieselben Anschauungen von der Milchstrasse als einem

Wege des hSchsten Gottes und der Seelen ins Elysium findet sich auch

bei den Germanen: Mannhardt Germ. Mythen 729. Simrock Handb. der

deutschen Mythol. 2 228 f. Kuhn Zeitschrift fiir vergl. Sprachf. II, 239.

Grimm d. Mythol. 3 330 f. Schwartz Sonne Mond u. Sterne 280 f.

2bS) Plut. plac. phil. Ill, 1: uEpl Y'»Xot|tou xuxXou. ol S& tov -/jXiaxov

xauTT] cpaol -/tax' ap)^d? ^e'^o-^hai Spofxov. Philo de provid. II, 101, wo in

einer leider ziemlich unverst^ndlichen Sprache Worte des Eratosthenes

erhalten sind, in welchen ofFenbar die Milchstrasse Weg des Zeus genannt

ist: aliqui [arbitrantur viam lacteam esse] antiquamab initio viam soils,

alii Geryonis pecudum viam ,

per quam eas duxit Hercules ,

alii vero

ex YOtXaxxiy-oT? sc. lacte plenis Juno nis uberibus, quod etiam Heratosthenes

sensit, quare dicit: miror si aggrediar Jo vis sacra vestigia pedis, quod

cornu appellat hucusque et circulum festinantis velocisque suffurantis paleas.

Vgl. hieriiber Bergk a. a. O. 412 Anm. 41 und Grimm d. Myth. 3

S. 331 u. 1214.

259) Der Beweis, dass Zeus und Juppiter uralte Himmels- und

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