Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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gens auch durch die bereits erwiesene Thatsache, dass der

Hierosgamos an einem Neumond stattfand, also in einer

Nacht; in welcher Mond und Sonne verschwundeu

scheinen, um sich vor den Augen der Welt zu verbergen 26o)

sowie durch die alte im 32sten homerischen Hymnus erhaltene

Sage^ dass Zeus mit Selene die wunderschone Pandia gezeugt

habe, welche wahrscheinlich mit Dia oder Hebe (d. i. Aphrodite)

identisch ist (Kap. I S. 25). Ich halte diese Gottinnen fur die

Personifikationen

des hellsten und schonsten unter alien Sternen

(Preller gr. Myth. 2 I, 348 Anm. 6j, welcher ausdriicklich

Gestirn der Hera oder Aphrodite genannt wird und

bei Hochzeiten eine wichtige Rolle spielte (Rossbach d.

rom. Ehe 329. Preller gr. Myth. 2 I, 349 Anm. 3). Dafiir

sprechen nicht nur die Namen ATa, Ilavota, welche die Leuchtende

bezeichnen, sondern auch die bei den Litauern und

mehreren Naturvolkem verbreitete Vorstellung, dass die Sterne,

namentlich die Planeten, Kinder des Sonnengottes und der

Sonnengdtter sind, wird spater geliefert werden. Hier begnxige ich

mich darauf hinzuweisen, dass Sonne und Mond im aussersten Westen.

im Okeanos untergehen (Od. a 24. II. 1 489. Hom. hy. XXXII, 7).

Dort dachte man sich ein gliickliches Eiland der Sonne , wo ewiger Friihling

herrschte, das man bald Aea, bald Syrie, bald Aethiopien nannte (vgL

Preller gr. Myth. 2 I, 339, Volcker homer. Geogr. 87 — 92) und welches

offenbar mit dem Garten des Zeus und der Hera identisch ist. Ueber ahnliche

Anschauungen bei den Indern und Germanen handelt Mannhardt

Germ. Mythen 239, 339, 728 f. Auch den Melanesiern und Mikronesiern

liegt das Seelenparadies im Westen: Waitz-Gerland Anthropol. d. Naturvolker

VI, 673; V, 144.

260) Vgl. ausser den oben S. 71 und 72 angefiihrten Stellen, in denen

von der Hochzeit der Sonne und des Mondes , des Osiris und der Isis am

Neumond die Rede ist, auch Schwartz Sonne Mond und Sterne

S. 162 u. 166 f., welcher unter Anderm darauf aufmerksam macht, dass

nach deutschen Sagen Sonne und Mond zur Zeit der Sonnenfinsternisse

sich vereinigen, und dass auch die griechische Bezeichnung des Neumonds

ayvoooi; auf eine ahnliche Anschauung schliessen lasst.

Dieselbe naive Vorstellung,

dass die Mondgottin sich wahrend des Neumonds oder einer

Mondfinsterniss mit dem Sonnengott begatte, findet sich bei den Tahitiern :

Waitz-Gerland Anthropol. d. Naturvolker VI, 265 f.

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