Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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ausdriicklichen Zeugnissen die Erde verstanden haben^^^).

Als spatere Vertreter dieser Erklarung sind Euripides , Varro,

Plutarch, Augustinus und Martianus Capella zu nennen^ioj.

Diesen sind in neuerer Zeit Creuzer, Stuhr, Eckermann, Rinck,

Schwenck, Gerhard, Wieseler, Hartung^n) und vor Allen

Welcker beigetreten, welch letzterer zweimal ausfdhrlich seine

Ansicht zu motiviren gesucht hat. Hauptsachlich sind es zwei

Griinde, auf welche sich die Erwahnten und namentlich

Welcker gestiitzt haben

1) Die etymologische Verwandtschaft des Namens ^'Hpa

mit Ipa Erde (Welcker G. I, 363).

2) Die Unmoglichkeit, den Hierosgamos anders als aus

der Vorstellung einer Hochzeit von Himmel und Erde zu erklaren

(Welcker a. a. O. 364 f.) 3i2j. \\ras zunachst die immer

noch vielfach geglaubte etymologische Verwandtschaft von

309) Diog. L. VIII, 2, 12. Stob. eel. phys. I, 77, 22 ed. Meineke:

^E(X7:eBox,XYJ(; Aia (a£v Xi-^ei xyjv {[sow xai tov ai^ipa, "Hpirjv 5e cpepso^iov tt?jv Y-fjv.

310) Eurip. fr. 935 Nauck : 6pd; xov ut|;oy tovS' arcstpov al^spa ||

%a\ -^ip

icepi^ lyovft' b'^^ali Iv dyAoikoni., toutov vofxtCs Z^va, t6v5^ iifolj deov (vgl.

auch Cic. de n. d. II, 25, 65). Varro de 1. 1. 65 u. 67 : Quod Jovis Juno

coniux et is caelum : haec terra quae eadem tellus , et ea dicta ,

quod una

cum Jove iuvat , Juno , et regina ,

quod huius omnia terrestria (vgl. auch

Aug. de civ. d. VII, 28). Aug. de civ. dei VII, 16. Plut. b. Euseb. praep.

ev. Ill, 1, 6. Mart. Cap. II, 160. Etym. M. 434, 53. Hesych. s. v. HP.

311) Creuzer Symbol. 3 III, 211 u. 249. Stuhr d. Religionssyst. d.

Hellenen 44. Eckermann Lehrb. der Religionsgesch. und Mythol. I, 239.

Rinck Rel. d. Hell. I, 108. Schwenck im Rh. Mus. XX, 617 f. Gerhard

Mythol. § 220. VTieseler in Paulys Realencycl. IV, 541. Hartung Rel. u.

Mythol. d. Griechen III, 77. Volcker Mythol. d. iapet. Geschl. 79. Einige

der Genannten nehmen sogar eine doppelte ,

ja dreifache Naturbedeutung

der Hera an. So fassen Creuzer und Gerhard sie zugleich als Erde , Wolkenhimmel

u. Mond, Wieseler halt sie nur fur eine Erd- und Mondgottin.

Mir ist es von vornherein unwahrscheinlich, dass eine so einheitliche Gottergestalt

wie Hera, in deren Kult sich keine erheblichen auslandischen Einflusse

nachweisen lassen, von Haus aus mehrere Bedeutungen gehabt habe.

312) Uebrigens gibt Welcker (Gotterl. I, 362. II, 317) selbst zu, dass

in alien andern Beziehungen die ursprungliche Bedeutung der Hera als

Erdgottin verdunkelt und ihre Mythologie von derjenigen andererErdgottinnen

wie Demeter und Gaa »durchaus verschieden« sei.

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