Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

warburg01.cch.kcl.ac.uk

Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

«

'^'Hpa und Ipa angeht, so muss dieselbe jetzt vom Standpunkte

der methodischen Sprachforschung aus

bezeichnet werden.

als ganzlich unhaltbar

Ich berufe mich in dieser Beziehung auf

das Urtheil von G. Curtius, des kompetentesten Forschers auf

dem Gebiete der griechischen Etymologie, welcher in seinen

Grundziigen (4. Aufl.) S. 118 sich folgendermassen geaussert

hat :

» Sehr oft bleibt daher der Sprachwissenschaft nichts Anderes

iibrig, als ihr Veto einzulegen, z. B. gegen die fruher beliebte

Zusammenstellung von'^Hpa mit lat. Jiera, weil der griechische

Spiritus asper nie einem echt italischen h gleichkommt,

aber ebenso gegen die Verbindung desselben Nainens mit spa

Erde (Welcker Gotterl. I,

363), weil, von der Verschiedenheit

der Quantitat abgesehen, der Spiritus asper statt des lenis,

wenn auch nicht beispiellos, doch fast nie einzutreten pflegt,

ohne dass Spuren eines andem Anlauts in irgend einem Dialekt

oder in einer verwandten Form iibrig geblieben waren.

Somit ist der Ansicht, dass Hera eine Erdgottin sei, die eine

wichtige Stiitze ein fur allemal entzogen worden.

Nicht viel schwerer ist es,

die andere Behauptung zu entkraften,

dass der Hierosgamos, in welchem wir den Kern des

ganzen Herakultes erkannt haben,

sich nur dann begreifen

lasse, wenn Hera als Erde gefasst werde. Dagegen spricht

nicht allein der wichtige Umstand, dass die der Hera durchaus

wesensgleiche Juno, in welcher eine entschiedene Mondgottin

erkannt wurde, ebenfalls dem Juppiter (= Zeus) ehelich verbunden

gedacht und an einem Hierosgamosfeste verehrt wurde,

sondern auch die Beobachtung, dass uberhaupt die Mondgottinnen,

wie z. B. Astarte, Isis, Mylitta, ja selbst die griechische

Selene, stets dem hochsten Himmels- und Sonnengotte

gepaart waren ^^3) .

Yxix jene andere Deutung des Hieros-

313) So Astarte deimBaal-Melkart (wobei als Lokal der Hochzeit

der ausserste Westen genannt wird (Duncker Gesch. d. Alt. 3 I, 359),

Isis dem Osiris (vgl. oben S. 72 Anm. 215), Mylitta dem Baal (Duncker

a. a. O. 220 f.). Ueber den Mythus von Zeus und Selene s. Horn. hy.

XXXIl, 14. Alkman bei Plut. Symp. 3 a. E. und Schol. Pind. Nem.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine