Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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gamos beruft man sich zwar auf einige Stellen bei Dichtern,

wo die Befruchtung der Erde durch Regengiisse als eine Hochzeit

des Himmels uiid der Erde aufgefasst wird '^^'^) ,

allein diese

Anschauung gehort nicht dem eigentlichen Volksmythus, sondern

nur der Poesie und der theologischen Spekulation an

(vgl. auch Hesiod Theog. 133 f.), wie denn auch A. Mommsen

(Heortol. 343) mit Recht bemerkt, es sei nirgends eine Spur

vorhanden, dass die Ehe von Uranos und Gaa im Gottesdienste

vorkam, welche vielmehr nur der Theogonie angehore.

Auch ist darauf aufmerksam zu machen, dass Uranos und Gaa

keine eigentlichen Kultgotter, sondern nur kosmogonische Potenzen

waren und desshalb nur in der Theogonie und Kosmogonie

eine Rolle spielen (Preller Demeter und Persephone 32)

Aus diesem Grunde haftet der Gaa etwas ,

ich mochte sagen,

Abstraktes, Unpersonliches an, daher auch ihre bildlichen Darstellungen

eine bestimmte Charakteristik vermissen lassen

(Preller gr. Myth. 2 f^ 502). Ueberhaupt welcher Unterschied

des Wesens zwischen der im Mythus so bestimmt und personlich

aufgefassten Hera und der nur mit Ungeheuern und Personifikationen

abstrakter BegrifFe verbundenen, stets diister

und geheimnissvoll wirkenden Gaa!

Keine ihrer Funktionen,

nicht einmal einer ihrer Beinamen deutet , wie selbst Welcker

zugibt^is)^ auf eine Verwandtschaft mit Hera hin. Wenn Hera

in der That eine Erdgottin ware, so miisste sich doch wenigstens

in einigen Punkten eine Uebereinstimmung mit Gaa

nachweisen lassen, da es undenkbar erscheint, dass ein und

dasselbe Objekt so grundverschiedene Auffassungen bewirkt

habe.

Nicht minder verschieden von der Hera ist Demeter,

p. 425 Boeckh. Ganz ahnliche Mythen finden sich noch bei den Tahitiern,

Australiern , Mexikanern und Peruanern : Waitz-Gerland Anthropol. der

Naturvolker VI, 266 u. 799. IV, 453.

314) Aesch. Danaiden fr. 43 Nauck. Eurip. fr. 935. Lucr. I, 250.

Verg. Geo. II, 324.

315) Gotterl. I, 362 u. II, 317.

Ro scher, Juno und Hera. ,

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