Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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Philologie XXIII (1868) S. 339 in demselben Sinne ausgesprochen,

ohne jedoch iiber Einzelheiten hinauszukommen

das fiir die Mondbedeutung der Hera in Betracht kommende

Hauptmoment, ihre vollige Identitat mit der italischen Mofidgottin

Juno, hat noch Niemand verwerthet.

Schlussbemerkungen,

Nachdem wir somit in Hera eine uralte Mondgottin der

Griechen erkannt haben, bleibt uns nur noch iiber ihr Verhaltniss

zu den andern griechischen Mondgottinnen ein Wort

zu sagen iibrig. OfFenbar stellt sich uns in Hera, Artemis-

Hekate (Eileithyia) und Selene (Mene) eine Reihe von mehr

oder weniger gleichartigen Gestaltungen derselben Naturanschauung

dar, welche nach einander ins Leben traten.

Die alteste Mondgottin der Griechen ist ohne Zweifel Hera

gewesen, welche ebenso wie ihre italische Schwester, die

Juno, die dreifache Beziehung zur Menstruation, Entbindung

und Ehe hatte. Schon sehr friihzeitig scheint sich Hera in

Folge volliger Anthropomorphisirung, wie sie uns bereits in

den homerischen Gedichten entgegentritt , von ihrem natiirlichen

Substrate, dem Monde , losgelost und die ausschliesslich

ethische Bedeutung einer Ehegottin und Zeusgemahlin

angenommen zu haben.

Nur vereinzelte Spuren der urspriinglichen

Auffassung erhielten sich im Kultus der Hera Eileithyia

, in der Feier am Neumonde , in dem Attribute gewisser

Pflanzen, der Fackel, des Bogens, der Scheere u. s. w.

Artemis - Hekate und Eileithyia bezeichnen die zweite Stufe

mythischer Entwickelung. Als Hera nur noch eine Ehegottin

und Gemahlin des Zeus war, musste sich aus der noch immer

fortdauernden Anschauung des Mondes als einer entbindenden.

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