Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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dert :

»Sie bekranzen ein Holz vom Oelbaum mit Lorbeerzweigen

und bunten Blumen, an dessen Spitze eine eherne Kugel

befestigt wird , welcher man kleinere anhangt ; um die Mitte

des Holzes aber legen sie kleinere Kugeln als die an dem oberen

Ende beiindliche ist und heften purpurne Stemmata an

das iinterste Ende des Holzes aber umgeben sie mit einem

xpix(D-ov (d. i. eine Scheibe oder Kugel, welche ausRingen bestand

32) und die verschiedenen Mondphasen darstellte) . Die

oberste Kugel bedeutet nun die Sonne , auf welche man den

ApoUon bezieht ; die unten befindliche den Mond ; die hinzugefiigten

kleineren Kugeln die Gestirne und Sterne, die

Stemmata aber den Eniausios Dromos ;

denn sie betragen gerade

365(( u. s. w. Wie alt diese ennaeterische Dapbnephorie

war, ersieht man aus der den mitgetheilten Worten vorausgehenden

Erzahlung des Proklos , welcher sie auf Polematas,

einen mythischen Anfiihrer der Booter, zuriickflihrt. Die Zahl

365 gehort natiirlich einer spateren Zeit an, in welcher man

den verbesserten Kalender gebrauchte; ursprlinglich mochte

man etwa 360 Stemmata anbringen. Einen schlagenderen Beweis

fiir die Beziehung des ApoUon auf die Ordnung des Jahres

kann man sich kaum denken , zumal da das Fest seiner

chronologischen Bedeutung entsprechend die Grenzscheide

zweier Jahresepochen gebildet haben muss.

Aber auch sonst finden sich noch mehrere Spuren einer

Verehrung des; Apollon als Gottes des Jahres und der Jahreszeiten.

So halte ich es nicht fiir einen blossen Zufall, wenn

in den meisten bekannten Kalendern der Griechen ein dem

Apollon heiliger oder nach einem seiner Feste

benannter Monat an der Spitze des Jahres steht,

z. B. in Delphi der ATrsXXaTo; (Weniger, Progr. des Breslauer

Elisab. 1870, S.

4), welchem der attische nach einem apoUini-

•32) So wird das Astrolabium bei Ptol. geogr. VII, 6 xpixoar?) ocpaTpa

genannt. Bekker liest a. a. O. -Apoxtoroi, was keinen Sinn zu geben

scheint.

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