Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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nengott ApoUon als Spender von Licht und Warme nur im

Friihling und Sommer thatig zu denken und demgemass

auch nur in dieser Jahreszeit zu feiern.

In der That fallen alle bekannten Feste des Apol-

Ion ausschliesslich in diese acht oder neun Monate

umfassende Jahreszeit, ja wir konnen sogar hierfiir

das voUgiiltige Zeugniss des Plutarchos ^') anfiihren, welcher

von den Delphiem berichtet, dass sie wahrend der drei Wintermonate

den Uionysos, in der iibrigen Zeit aber den Apollon

verehrt batten. Genau dasselbe gilt nachA.Mommsen (Heortologie

61) auch von den zahlreichen apollinischen Festen Athens,

welche sammtlich in die acht Sommermonate fallen. Da nun

die warme Jahreszeit in Fruhlirig, eigentlichen Sommer und

Herbst zu theilen ist

und in jeder dieser Perioden die Sonne

verschiedene gute oder schadliche Wirkungen hervorbringt,

so miissen wir Frlihlings-, Sommer- und Herbstfeste des

Apollon unterscheiden, deren Charakter je nach den zuGrunde

liegenden Anschauungen ein sehr mannichfaltiger war.

B. Wie Apollon, so erscheint auch Mars als

ein Gott der warmen Jahreszeit oder der aestas im

weiteren Sinne (vgl. o. S. 20 Anm. 29) nicht bios insofern,

als seine Feste ohne irgend eine Ausnahme ebenfalls der warmeren

Zeit des Jahres vom Beginn des Fruhlings bis zum

Ende des Herbstes angehoren , sondern auch desswegen, weil

sich in seinem Kultus genau dieselben Grundanschauungen

wie in dem des griechischen Sonnengottes nachweisen lassen.

Vor AUem ist es die Idee einer wohlthatigen und einer

furchtbaren Seite im Charakter beider Gottheiten, welche

in deren Kultus zum Ausdruck kommt. Wahrend man im

Fruhjahr die Wiederkehr der schonsten und heitersten Jahreszeit

als einen Sieg des Sonnengottes iiber die da-

47) Vgl. de ei apud Delphos c. 9: xov [j.£v aXXov dviauxoV'

YsipavTec xov Si^upocfx^ov, xov 0£ zaia-va xaxaTraucavxs?, xpeT; [XYJvac dvx'

£X£tvo'j (sell. 'AtcoXXojvo?) xoOxov xaxaxocXoDvxat xo^ »%6v (scil, xov Aiovjaov).

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