Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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schen Monatstafel, sondern auch urspriinglich in den sammtlichen

italischen Kalendern der ersteMonatdesJahres,

der Friihlingsmonat xar sEoj^r^v dem Mars geheiligt, daher

in diesen seine bedeutendsten Feste fielen ^^) . Betrachten

wir diese genauer, so ergibt sich die auffallendste Verwandtscliaft

des apollinischen und maitialischen Kultus.

Wie

nemlich Apollon nach uralter delphischer Sage im ersten Friihlingsmonate

des delphischen Jahres, am 7. Bysios geboren

sein sollte , so feierte man auch zu Rom am ersten Tage des

jenem delphischen Monate genau entsprechenden Martins ^^)

den Gebnrtstag des Mars, und zwar in einerWeise, welche entschieden

an die apollinische Geburtstagsfeier zu Ortygia erinnert.

Den Kureten, welche nach Strabon die Geburt des

Gottes mit ihren Waffentanzen gegen die feindlichen Da-

XBLonen unterstiitzen sollten und bei der jedes Jahr stattfindenden

Feier festliche Gelage und Opfer veranstalteten,

entsprechen auf das Genaueste die Salier mitihren Waffentanzen

^t)^ Opfern und spr iichwortlich gcAvordenen

Schmausereien^^j^ wahrend ihre Lieder mit dem

spater missverstandenen stets wiederkehrenden Refrain Mamuri

Veturi oifenbar den Friihlingspaanen analog sind^^)^ ^^ie wir in

89) Dass der erste Marz als Gebur stag des Mars gait, ist nicht

bloss im Kalender des Constantius ausdriicklich bezeugt (Preller, r. Myth.

319, Anm. 5), sondern es folgt auch aus der Feier der Matronalia, welche

der Juno Lucina als Geburtsgottin galten. (Preller 244. Ovid. fast. Ill,

255 f.) Das Wickelkind, welches dieselbe auf Miinzen im Arme halt, kann

nur der junge Mars, der allgemein fiir den Sohn der Juno gait, sein. Es

lag in der Natur der hochsten Ehe- und Geburtsgottin,

eine Gebarende vorzustellen.

sich dieselbe als

90) Vgl. Weniger a. a. O. 4. Nach A. Mommsen, Heort. tab.II. S. 96

entspricht der 1. Marz dem 10. Anthesterion (Bysios) des Jahres 432

V. Chr.

91) Schon Dionys. Hal. II, 71 nennt den Tanz der Salier eine Art

-/o'jprjTiO[xo;.

92) Hinsichtlich der Opfer und Schmausereien vgl. Preller, r. Myth.

323. Hartung, r. Myth. II, 166 if.

93) Vgl. die Beschreibung der salischen Feier am 1. Marz bei Ovid.

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